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Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 207

30 September 1921, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Wir wollen in den Betrachtungen etwas fortfahren, die wir letzten Freitag und Sonnabend hier gepflogen haben, und ich möchte heute im besonderen Ihren Blick wenden auf eine Betrachtung des seelischen Lebens, wie sie sich ergibt, wenn man dieses seelische Leben ins Auge faßt von dem Gesichtspunkte der imaginativen Erkenntnis aus, den Sie ja kennen aus meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Sie wissen, wir unterscheiden, aufsteigend von unserem gewöhnlichen Bewußtsein aus, vier Erkenntnisstufen: diejenige Erkenntnisstufe, die uns eignet im heutigen gewöhnlichen Leben und in der heutigen gewöhnlichen Wissenschaft, jene Erkenntnisstufe, die das eigentliche Zeitbewußtsein ausmacht und die ja genannt wird im Sinne dieser Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» das gegenständliche Erkennen, und dann kommt man hinein in das Gebiet des Übersinnlichen durch die Erkenntnisstufen der Imagination, der Inspiration, der Intuition. Im gewöhnlichen gegenständlichen Erkennen ist es unmöglich, das Seelische zu betrachten. Das Seelische wird erlebt, und indem man es erlebt, entwickelt man die gegenständliche Erkenntnis. Aber eine eigentliche Erkenntnis kann ja nur gewonnen werden, wenn man das zu Erkennende objektiv vor sich hinstellen kann. Das kann man im gewöhnlichen Bewußtsein mit dem seelischen Leben nicht. Man muß sich gewissermaßen um eine Stufe hinter das seelische Leben zurückziehen, damit es außerhalb von uns zu stehen kommt; dann kann man es betrachten. Das aber ergibt sich eben durch die imaginative Erkenntnis. Und zwar möchte ich Ihnen heute einfach schildern, was sich da für die Betrachtung herausstellt.

[ 1 ] Let us continue the reflections we began here last Friday and Saturday, and today I would like to draw your attention in particular to a consideration of the soul life as it presents itself when viewed from the perspective of imaginative knowledge—a perspective you are familiar with from my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*. As you know, moving upward from our ordinary consciousness, we distinguish four levels of cognition: the level of cognition that characterizes our ordinary life today and modern science; the level of cognition that constitutes actual time-consciousness—which, in the context of the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*, is referred to as objective cognition; and then one enters the realm of the supersensible through the levels of cognition known as imagination, inspiration, and intuition. In ordinary objective cognition, it is impossible to contemplate the soul. The soul is experienced, and by experiencing it, one develops objective cognition. But true knowledge can only be gained when one can place what is to be known objectively before oneself. This is not possible in ordinary consciousness with regard to soul life. One must, so to speak, withdraw one step behind the life of the soul so that it comes to stand outside of us; only then can one observe it. But this is precisely what arises through imaginative cognition. And today I would simply like to describe to you what emerges for observation in this process.

[ 2 ] Sie wissen, wir unterscheiden, indem wir den Menschen überblicken, den physischen Leib, den ätherischen oder Bildekräfteleib, der eigentlich eine Summe von Tätigkeiten ist, den astralischen Leib und das Ich zunächst, wenn wir bei dem stehenbleiben, was im gegenwärtigen Menschen west. Wenn wir nun das seelische Erleben heraufbringen nicht zur Erkenntnis, aber zum Bewußtsein, so unterscheiden wir es ja, indem wir es gewissermaßen im fluktuierenden Leben erfassen, in Denken, in Fühlen, in Wollen. Es ist das schon so, daß Denken, Fühlen und Wollen im gewöhnlichen Seelenleben ineinanderspielen. Sie können sich keinen Gedankenverlauf vorstellen, ohne daß Sie sich das Hineinspielen des Willens in den Gedankenverlauf mit vorstellen. Wie wir einen Gedanken zu dem anderen hinzufügen, wie wir einen Gedanken von dem anderen trennen, das ist durchaus eine in das Denkleben hineinstrebende Willenstätigkeit. Und wiederum, wenn auch zunächst, wie ich oftmals auseinandergesetzt habe, der Vorgang dunkel bleibt: wir wissen doch, daß, wenn wir als Menschen wollend sind, in unser Wollen als Impulse unsere Gedanken hineinspielen, so daß wir auch im gewöhnlichen Seelenleben durchaus nicht ein Wollen abgesondert für sich haben, sondern ein gedankendurchsetztes Wollen. Und erst recht fluten ineinander Gedanken, Willensimpulse und die eigentlichen Gefühle im Fühlen. Wir haben also durchaus das Seelenleben als ineinanderflutend, aber doch so, daß wir gedrängt sind durch Dinge, die wir heute immer außer acht lassen wollen, innerhalb dieses flutenden Seelenlebens zu unterscheiden Denken, Fühlen, Wollen. Wenn Sie meine «Philosophie der Freiheit» in die Hand nehmen, werden Sie sehen, wie man genötigt ist, das Denken reinlich loszulösen vom Fühlen und Wollen, aus dem Grunde, weil man nur durch eine Betrachtung des losgelösten Denkens zu einer Anschauung über die menschliche Freiheit kommt.

[ 2 ] You know, when we consider the human being as a whole, we distinguish—at least initially—between the physical body, the etheric body (or body of formative forces), which is actually a sum of activities, the astral body, and the “I,” if we limit ourselves to what is present in the human being today. If we now bring the soul’s experience to the surface—not to knowledge, but to consciousness—we distinguish it, so to speak, by grasping it in the ebb and flow of life: in thinking, in feeling, and in willing. It is indeed the case that thinking, feeling, and willing interact with one another in ordinary soul life. You cannot imagine a train of thought without also imagining the interplay of the will within that train of thought. How we add one thought to another, how we separate one thought from another—this is entirely an activity of the will striving into the life of thought. And again, even if—as I have often explained—the process remains obscure at first: we do know that when we, as human beings, are willing, our thoughts flow into our willing as impulses, so that even in ordinary psychological life we do not have a will that is separate in and of itself, but rather a will interwoven with thought. And all the more so, thoughts, impulses of will, and the actual emotions flow into one another in feeling. We therefore experience the life of the soul as a continuous flow, yet in such a way that we are compelled—by factors we tend to disregard today—to distinguish between thinking, feeling, and willing within this flowing life of the soul. If you pick up my *Philosophy of Freedom*, you will see how one is compelled to clearly separate thinking from feeling and willing, for the reason that it is only through a consideration of thinking in isolation that one arrives at an understanding of human freedom.

[ 3 ] Also indem wir einfach, ich möchte sagen, lebendig erfassen Denken, Fühlen, Wollen, erfassen wir zugleich das flutende, das webende Seelenleben. Und wenn wir das dann, was wir da in unmittelbarer Lebendigkeit erfassen, zusammenhalten mit demjenigen, was uns anthroposophische Geisteswissenschaft erkennen lehrt über den Zusammenhang der einzelnen Glieder des Menschen, physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, dann ergibt sich eben für ein imaginatives Erkennen das Folgende.

[ 3 ] So by simply—I would say—vividly perceiving thinking, feeling, and willing, we simultaneously perceive the surging, weaving life of the soul. And when we then hold together what we perceive there in immediate liveliness with what anthroposophical spiritual science teaches us to recognize about the connection between the individual members of the human being—the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—then the following emerges for imaginative cognition.

[ 4 ] Wir wissen ja, daß wir während des wachen Lebens, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, in einem gewissen innigen Zusammenhange haben physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und Ich. Wir wissen ferner, daß wir im schlafenden Zustande getrennt haben physischen Leib und Ätherleib auf der einen Seite, astralischen Leib und Ich auf der anderen Seite. Wenn auch die Ausdrucksweise durchaus nur approximativ richtig ist, daß man sagt: Ich und astralischer Leib trennen sich vom physischen Leibe und Ätherleibe — man kommt zunächst zu einer durchaus gültigen Vorstellung, wenn man eben diese Ausdrucksweise gebraucht. Das Ich mit dem astralischen Leibe ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen außer dem physischen Leibe und dem Ätherleibe.

[ 4 ] We know, of course, that during our waking life—from the moment we wake up until we fall asleep—our physical body, etheric body, astral body, and “I” are in a certain intimate connection. We also know that in the sleeping state, the physical body and the etheric body are separated on one side, and the astral body and the “I” on the other. Even if the expression “the ‘I’ and the astral body separate from the physical body and the etheric body” is only approximately correct, one initially arrives at a perfectly valid conception when using precisely this expression. From the moment we fall asleep until we wake up, the “I” together with the astral body is outside the physical body and the etheric body.

[ 5 ] Sobald der Mensch nun zum imaginativen Erkennen vorrückt, wird er immer mehr und mehr in die Lage versetzt, genau ins Seelenauge, ins innere Anschauen zu fassen, was sich erleben läßt, ich möchte sagen, wie vorübergehend, im Status nascendi. Man hat es und muß es rasch erfassen, aber man kann es erfassen. Man hat vor sich, was in dem Momente des Aufwachens und Einschlafens besonders scharf beobachtet werden kann. Diese Momente des Einschlafens und Aufwachens können beobachtet werden für ein imaginatives Erkennen. Sie wissen ja, daß unter den Vorbereitungen, welche notwendig sind, um zu höheren Erkenntnissen zu kommen, von mir in dem vorhin angeführten Buche erwähnt worden ist die Heranerziehung einer gewissen Geistesgegenwart. Die Menschen reden ja im gewöhnlichen Leben so wenig von den Beobachtungen, die sich von der geistigen Welt her machen lassen, weil ihnen diese Geistesgegenwart fehlt. Würde diese Geistesgegenwart in ausgiebigerem Sinne bei den Menschen heranerzogen, so würden heute schon alle Menschen reden können von geistig-übersinnlichen Impressionen, denn sie drängen sich eigentlich im eminentesten Maße auf beim Einschlafen und Aufwachen, insbesondere beim Aufwachen. Nur weil so wenig heranerzogen wird, was Geistesgegenwart ist, deshalb bemerken die Menschen das nicht. Im Momente des Aufwachens tritt ja vor der Seele eine ganze Welt auf. Aber im Entstehen vergeht sie schon wiederum, und ehe sich die Menschen darauf besinnen, sie zu erfassen, ist sie fort. Daher können sie so wenig reden von dieser ganzen Welt, die da vor die Seele sich hinstellt und die wahrhaftig zum Begreifen des inneren Menschen von ganz besonderer Bedeutung ist.

[ 5 ] As soon as a person advances to imaginative cognition, they are increasingly able to grasp, right in the eye of the soul—through inner contemplation—what can be experienced, I would say, as fleeting, in a state of becoming. One has it and must grasp it quickly, but one can grasp it. One has before one what can be observed particularly clearly in the moments of waking up and falling asleep. These moments of falling asleep and waking up can be observed for the purpose of imaginative cognition. You know, of course, that among the preparations necessary to attain higher insights, I mentioned in the book cited earlier the cultivation of a certain presence of mind. In everyday life, people speak so little of the observations that can be made of the spiritual world precisely because they lack this presence of mind. If this presence of mind were cultivated more extensively in people, everyone would already be able to speak today of spiritual-supernatural impressions, for they actually present themselves to the highest degree when falling asleep and waking up, especially upon waking. It is only because so little attention is paid to cultivating this presence of mind that people do not notice it. At the moment of waking, a whole world appears before the soul. But as it arises, it vanishes again, and before people can bring themselves to grasp it, it is gone. That is why they can speak so little of this entire world that stands before the soul and which is truly of very special significance for the inner human being’s understanding.

[ 6 ] Was sich da vor die Seele hinstellt, wenn man wirklich dazu kommt, in Geistesgegenwart den Aufwachemoment zu ergreifen, das ist eine ganze Welt von flutenden Gedanken. Nichts Phantastisches braucht dabei zu sein. So wie man im chemischen Laboratorium beobachtet, mit derselben Seelenruhe und Besonnenheit kann man sie beobachten. Und dennoch ist diese flutende Gedankenwelt, die sehr genau zu unterscheiden ist vom bloßen Träumen, da. Das bloße Träumen spielt sich so ab, daß es erfüllt ist von Lebensreminiszenzen. Was sich da abspielt im Momente des Aufwachens, das sind nicht Lebensreminiszenzen. Sie sind sehr gut zu unterscheiden von Lebensreminiszenzen, diese flutenden Gedanken. Man kann sie sich in die Sprache des gewöhnlichen Bewußtseins übersetzen, aber es sind im Grunde genommen fremdartige Gedanken, Gedanken, die wir sonst nicht erfahren können, wenn wir sie nicht in dem Momente, der entweder durch geisteswissenschaftliche Schulung in uns möglich gemacht ist, oder eben in diesem Momente des Aufwachens erfassen.

[ 6 ] What presents itself to the soul when one truly manages, with presence of mind, to seize the moment of awakening is a whole world of surging thoughts. There need be nothing fantastical about it. Just as one observes phenomena in a chemistry lab, one can observe them with the same calmness and composure. And yet this world of surging thoughts—which must be very clearly distinguished from mere dreaming—is there. Mere dreaming unfolds in such a way that it is filled with memories of life. What takes place in the moment of waking, however, are not memories of life. These surging thoughts can be very clearly distinguished from memories of life. One can translate them into the language of ordinary consciousness, but they are, in essence, strange thoughts—thoughts that we cannot otherwise experience unless we grasp them either through spiritual training that has made this possible within us, or precisely in this moment of waking up.

[ 7 ] Was erfassen wir da eigentlich? Nun, wir sind mit unserem Ich und unserem astralischen Leibe eingedrungen in den Ätherleib und in den physischen Leib. Was im Ätherleibe erlebt wird, wird allerdings so erlebt, daß es traumhaft ist. Und man lernt, indem. man dieses, wie ich es angedeutet habe, subtil in Geistesgegenwart beobachten lernt, man lernt wohl unterscheiden dieses Hindurchgehen durch den Ätherleib, in dem die Lebensreminiszenzen traumhaft auftreten, und dann, vor dem vollen Erwachen, vor den Eindrücken, die die Sinne nun haben nach dem Erwachen, das Hineingestelltsein in eine Welt, die durchaus eine Welt von webenden Gedanken ist, die aber nicht so erlebt wird wie die Traumgedanken, bei denen man genau weiß, man hat sie subjektivin sich. Die Gedanken, die ich jetzt meine, sie stellen sich wie ganz objektiv dar gegenüber dem eindringenden Ich und astralischen Menschen, und man merkt ganz genau: man muß passieren den Ätherleib; denn solange man den Ätherleib passiert, bleibt alles traumhaft. Man muß aber auch passieren den Abgrund, den Zwischenraum — möchte ich sagen, wenn ich mich recht uneigentlich, aber dadurch vielleicht deutlicher ausdrücke —, den Zwischenraum zwischen Ätherleib und physischem Leib, und schlüpft dann in das volle Ätherisch-Physische hinein, indem man aufwacht und die äußeren physischen Eindrücke der Sinne da sind. Sobald man in den physischen Leib hineingeschlüpft ist, sind eben die äußeren physischen Sinneseindrücke da. Was wir da an Gedankenweben objektiver Art erleben, spielt sich also durchaus zwischen dem Ätherleib und dem physischen Leib ab. Wir müssen in ihm also sehen eine Wechselwirkung des Ätherleibes und des physischen Leibes. So daß wir sagen können, wenn wir schematisch zeichnen: Wenn etwa das den physischen Leib darstellt (orange), das den Ätherleib (grün), so haben wir das lebendige Weben von physischem Leib und Ätherleib in den Gedanken, die wir da erfassen, und man kommt dann auf dem Wege einer solchen Beobachtung zu der Erkenntnis, daß sich zwischen unserem physischen und unserem Ätherleib, gleichgültig ob wir wachen, ob wir schlafen, immerzu Vorgänge abspielen, die eigentlich im webenden Gedankensein bestehen, die webendes Gedankensein zwischen unserem physischen Leib und unserem Ätherleib sind (gelb). So daß wir jetzt das erste Element des seelischen Lebens verobjektiviert erfaßt haben. Wir sehen in ihm ein Weben zwischen dem Ätherleib und dem physischen Leib.

[ 7 ] What are we actually perceiving here? Well, with our “I” and our astral body, we have entered the etheric body and the physical body. What is experienced in the etheric body, however, is experienced in such a way that it is dreamlike. And one learns—by learning to observe this, as I have indicated, subtly and with presence of mind—to distinguish clearly this passage through the etheric body, in which life’s reminiscences appear in a dreamlike manner, and then, before full awakening—before the impressions the senses now receive after awakening—one finds oneself placed in a world that is indeed a world of weaving thoughts, but one that is not experienced in the same way as dream thoughts, where one knows full well that they are one’s own subjective thoughts. The thoughts I am referring to now present themselves as entirely objective to the penetrating “I” and the astral human being, and one realizes quite clearly: one must pass through the etheric body; for as long as one is passing through the etheric body, everything remains dreamlike. But one must also pass through the abyss, the intermediate space—as I would say, if I may express myself somewhat inappropriately, but perhaps more clearly as a result—the intermediate space between the etheric body and the physical body, and then slip into the full etheric-physical realm by waking up, at which point the external physical sensory impressions are present. As soon as one has slipped into the physical body, these external physical sensory impressions are present. What we experience there in terms of objective thought-weaves thus takes place entirely between the etheric body and the physical body. We must therefore see in it an interaction between the etheric body and the physical body. So that we can say, if we draw a schematic diagram: If, for example, this represents the physical body (orange) and this the etheric body (green), then we have the living interplay of the physical body and the etheric body in the thoughts we perceive there, and through such observation we come to the realization that between our physical body and our etheric body, whether we are awake or asleep, there are processes constantly taking place that actually consist of an interwoven thought-life—that is, an interwoven thought-life between our physical body and our etheric body (yellow). Thus, we have now objectively grasped the first element of soul life. We see in it an interweaving between the etheric body and the physical body.

[ 8 ] Dieses webende Gedankenleben kommt eigentlich so, wie es ist, im Wachzustande nicht zu unserem Bewußtsein. Es muß eben auf die Art, wie ich es geschildert habe, erfaßt werden. Wenn wir nämlich aufgewacht sind, schlüpfen wir mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leib in unseren physischen Leib hinein. Ich und astralischer Leib in unserem mit dem Ätherleib durchdrungenen physischen Leib nehmen teil an dem Sinneswahrnehmungsleben. Sie werden, indem Sie das Sinneswahrnehmungsleben in sich haben, mit den äußeren Weltengedanken, die Sie sich bilden können an den Sinneswahrnehmungen, durchdrungen und haben dann die Stärke, dieses objektive Gedankenweben zu übertönen. An der Stelle, wo sonst die objektiven Gedanken weben, bilden wir also gewissermaßen aus der Substanz dieses Gedankenwebens heraus unsere alltäglichen Gedanken, die wir uns im Verkehre mit der Sinneswelt auf die eben angedeutete Weise ausbilden. Und ich kann sagen: In dieses objektive Gedankenweben hinein spielt dasjenige, was nun das subjektive Gedankenweben ist (hell), das das andere übertönt, das sich aber auch abspielt zwischen dem Ätherleib und dem physischen Leib. Wir leben in der Tat in diesem — wie ich schon sagte: uneigentlich, aber deshalb doch verständlich, muß ich es als Zwischenraum zwischen Ätherleib und physischem Leib bezeichnen —, wir leben in diesem Zwischenraum zwischen Ätherleib und physischem Leib, wenn wir mit der Seele selber Gedanken weben. Wir übertönen die objektiven Gedanken, die im schlafenden und wachenden Zustand immer vorhanden sind, mit unserem subjektiven Gedankenweben. Aber gewissermaßen in derselben Region unseres menschlichen Wesens ist beides vorhanden: das objektive Gedankenweben und das subjektive Gedankenweben.

[ 8 ] This weaving life of thought does not actually come to our consciousness as it is during the waking state. It must be grasped in the way I have described. For when we wake up, we slip into our physical body with our “I” and our astral body. The “I” and the astral body, within our physical body—which is permeated by the etheric body—participate in the life of sensory perception. By having this life of sensory perception within themselves, they become permeated by the external world thoughts that they can form based on sensory perceptions, and thus have the strength to drown out this objective weaving of thoughts. Thus, in the place where objective thoughts would otherwise weave, we form—as it were—from the substance of this web of thought our everyday thoughts, which we develop in our interaction with the sensory world in the manner just described. And I can say: Into this objective weaving of thoughts comes what is now the subjective weaving of thoughts (light), which drowns out the other but also takes place between the etheric body and the physical body. We do indeed live in this—as I have already said: not strictly speaking, but nevertheless understandable, I must describe it as the space between the etheric body and the physical body— we live in this space between the etheric body and the physical body when we weave thoughts with the soul itself. We drown out the objective thoughts that are always present in both the sleeping and waking states with our subjective weaving of thoughts. But in a sense, both are present in the same region of our human being: the objective weaving of thoughts and the subjective weaving of thoughts.

[ 9 ] Was hat das objektive Gedankenweben für eine Bedeutung? Das objektive Gedankenweben, wenn es wahrgenommen wird, wenn wirklich eintritt, was ich geschildert habe als das geistesgegenwärtige Ergreifen des Momentes des Aufwachens, dieses objektive Gedankenweben wird nicht als bloßes Gedankliches erfaßt, sondern es wird erfaßt als dasjenige, was in uns lebt als die Kräfte des Wachstums, als die Kräfte des Lebens überhaupt. Diese Kräfte des Lebens sind verbunden mit dem Gedankenweben. Sie durchsetzen dann den Ather- oder Lebensleib nach innen; sie konfigurieren nach außen den physischen Leib. Wir nehmen das, was wir als objektives Gedankenweben da wahrnehmen im geistesgegenwärtigen Erfassen des Aufwachemomentes, durchaus wahr als Gedankenweben nach der einen Seite und als Wachstums-, als Ernährungstätigkeit auf der anderen Seite. Was in dieser Art in uns ist, wir nehmen es als ein innerliches Weben wahr, das aber durchaus ein Lebendiges darstellt. Das Denken verliert gewissermaßen seine Bildhaftigkeit und Abstraktheit. Es verliert auch alles das, was scharfe Konturen sind. Es wird fluktuierendes Denken, aber es ist deutlich als Denken zu erkennen. Das Weltendenken webt in uns, und wir erfahren, wie das Weltendenken in uns webt und wie wir mit unserem subjektiven Denken untertauchen in dieses Weltendenken. So haben wir das Seelische in einem gewissen Gebiete erfaßt.

[ 9 ] What is the significance of the objective weaving of thoughts? Objective thought-weaving—when it is perceived, when what I have described as the present-minded seizing of the moment of awakening actually occurs—this objective thought-weaving is not grasped as a mere mental process, but rather as that which lives within us as the forces of growth, as the forces of life itself. These forces of life are connected to the weaving of thought. They then permeate the etheric or life body from within; outwardly, they shape the physical body. We perceive what we experience as the objective weaving of thought—in that present-moment grasp of the moment of awakening—on the one hand as the weaving of thought, and on the other hand as an activity of growth and nourishment. What is within us in this way, we perceive as an inner weaving that nevertheless represents something living. Thinking, in a sense, loses its pictorial nature and abstractness. It also loses all sharp contours. It becomes fluctuating thinking, yet it is clearly recognizable as thinking. World-thinking weaves within us, and we experience how world-thinking weaves within us and how we, with our subjective thinking, immerse ourselves in this world-thinking. In this way, we have grasped the soul in a certain realm.

[ 10 ] Gehen wir jetzt weiter im geistesgegenwärtigen Erfassen des Aufwachemomentes, so finden wir das Folgende. Wir können, wenn wir in der Lage sind, Traumhaftes zu erleben beim Passieren des Ätherleibes, wenn wir also mit dem Ich und dem astralischen Leibe den Ätherleib passieren, wir können dann bildhaft das Traumhafte uns vergegenwärtigen. Die Bilder des Traumes müssen aufhören in dem Augenblicke, wo wir aufwachen, sonst würden wir den Traum in das gewöhnliche bewußte Wacherleben hineinnehmen und wachende Träumer sein, wodurch wir ja die Besonnenheit verlieren würden. Die Träume als solche müssen aufhören. Aber wer mit Bewußtsein die Träume erlebt, wer also jene Geistesgegenwart bis zurück zum Erleben der Träume hat — denn das gewöhnliche Erleben der Träume ist ein Reminiszenzerleben, ist eigentlich ein Nachher-Erinnern an die Träume; das ist ja das gewöhnliche Gewahrwerden des Traumes, daß man ihn eigentlich erst wie eine Reminiszenz erfaßt, wenn er abgelaufen ist —, also wenn der Traum erlebt wird beim Durchfluten des Ätherleibes, nicht erst nachher im Erinnern, wo er in Kürze erfaßt werden kann, wie er gewöhnlich erfaßt wird, wenn man ihn also erfaßt während er ist, also gerade beim Durchdringen durch den Ätherleib, dann erweist er sich wie etwas Regsames, wie etwas, das man so erlebt wie Wesenhaftes, in dem man sich fühlt. Das Bildhafte hört auf, bloß Bildhaftes zu sein. Man bekommt das Erlebnis, daß man im Bilde drinnen ist. Dadurch aber, daß man dieses Erlebnis bekommt, daß man im Bilde drinnen ist, daß man also mit dem Seelischen sich regt, wie man sonst im wachen Leben mit dem Körperlichen in der Beinbewegung, in der Handbewegung sich regt — so wird nämlich der Traum: er wird aktiv, er wird so, daß man ihn erlebt, wie man eben Arm- und Beinbewegungen oder Kopfbewegungen und dergleichen erlebt —, wenn man das erlebt, wenn man dieses Erfassen des Traumhaften wie etwas Wesenhaftes erlebt, dann schließt sich gerade beim weiteren Fortgang, beim Aufwachen, an dieses Erlebnis ein weiteres an: daß diese Regsamkeit, die man da im Traume erlebt, in der man nunmehr drinnensteht als in etwas Gegenwärtigem, daß diese untertaucht in unsere Leiblichkeit. Geradeso wie wir beim Denken fühlen: Wir dringen bis zu der Grenze unseres physischen Leibes, wo die Sinnesorgane sind, und nehmen die Sinneseindrücke auf mit dem Denken, so fühlen wir, wie wir in uns untertauchen mit demjenigen, was im Traume als innerliche Regsamkeit erlebt wird. Was man da erlebt im Momente des Aufwachens — oder eigentlich vor dem Momente des Aufwachens, wenn man im Traume drinnen ist, wenn man durchaus noch außer seinem physischen Leibe, aber schon im Ätherleib ist, beziehungsweise gerade hineingeht in seinen Ätherleib —, das taucht unter in unsere Organisation. Und ist man so weit, daß man dieses Untertauchen als Erlebnis vor sich hat, dann weiß man auch, was nun wird mit dem Untergetauchten: das Untergetauchte strahlt wieder zurück in unser waches Bewußtsein, und zwar strahlt es zurück als Gefühl, als Fühlen. Die Gefühle sind in unsere Organisation untergetauchte Träume.

[ 10 ] If we now continue our mindful exploration of the moment of awakening, we find the following. If we are able to experience dream-like phenomena as we pass through the etheric body—that is, when we pass through the etheric body with the “I” and the astral body—we can then vividly bring these dream-like phenomena to mind. The images of the dream must cease the moment we wake up; otherwise, we would carry the dream into our ordinary conscious waking experience and become waking dreamers, thereby losing our presence of mind. Dreams as such must come to an end. But whoever experiences dreams consciously—that is, whoever possesses that presence of mind all the way back to the experience of the dreams—for the ordinary experience of dreams is a reminiscence, is actually a recollection of the dreams after the fact; this is, after all, the usual way of becoming aware of a dream—that one actually grasps it only as a reminiscence once it has ended— that is, when the dream is experienced as it flows through the etheric body, not only afterward in recollection, where it can be grasped briefly, as it is usually grasped—but when one grasps it while it is happening, that is, precisely as it permeates the etheric body—then it reveals itself as something alive, as something one experiences as an essential being within which one feels oneself. The imagery ceases to be merely imagery. One has the experience of being inside the image. But precisely because one has this experience—of being inside the image, of moving with one’s soul just as one otherwise moves with one’s body in waking life through the movement of the legs or hands—the dream becomes: it becomes active; it becomes something one experiences just as one experiences movements of the arms and legs or of the head and the like—when one experiences this, when one experiences this grasping of the dream as something substantial, then, precisely as the dream continues and one awakens, another experience follows this one: that this liveliness, which one experiences in the dream—and in which one now stands as if within something present—that this liveliness sinks into our physicality. Just as we feel when we think—we penetrate to the boundary of our physical body, where the sense organs are, and take in sensory impressions through thinking—so we feel ourselves sinking into our inner being with that which is experienced in the dream as inner activity. What one experiences there at the moment of waking—or rather, before the moment of waking, when one is still within the dream, when one is still entirely outside one’s physical body but already in the etheric body, or rather is just entering one’s etheric body—that sinks into our organism. And once we have reached the point where we experience this immersion, we also know what happens to what has been immersed: it radiates back into our waking consciousness, and it does so as a feeling, as emotion. Feelings are dreams that have been immersed in our being.

[ 11 ] Wenn wir das, was webend ist in der Außenwelt, in diesem traumwebhaften Zustande wahrnehmen, sind es Träume. Wenn die Träume untertauchen in unsere Organisation und von innen heraus bewußt werden, erleben wir sie als Gefühle. Wir erleben also die Gefühle dadurch, daß dasjenige in uns, was in unserem astralischen Leib ist, untertaucht in unseren Ätherleib und dann weiter in unsere physische Organisation, nicht bis zu den Sinnen hin, nicht also bis zu der PeriPherie der Organisation, sondern nur in die innere Organisation hinein. Dann, wenn man dies erfaßt hat, zunächst durch imaginative Erkenntnis besonders deutlich erschaut hat im Momente des Aufwachens, dann bekommt man auch die innere Kraft, es fortwährend zu schauen. Wir träumen nämlich während des wachen Lebens fortwährend. Wir überleuchten nur das Träumen mit unserem denkenden Bewußtsein, mit dem Vorstellungsleben. Wer unter die Oberfläche des Vorstellungslebens blicken kann — und man schult sich zu diesem Blicken dadurch, daß man eben geistesgegenwärtig erfaßt den Moment des Träumens selber —, wer sich so geschult hat, daß er das beim Aufwachen erfassen kann, was ich bezeichnet habe, der kann dann auch unter der Oberfläche des lichtvollen Vorstellungslebens das den ganzen Tag hindurch dauernde Träumen erleben, das aber nicht als Träumen erlebt wird, sondern das immer sofort untertaucht in unsere Organisation und als Gefühlswelt zurückstrahlt. Und er weiß dann: Was das Fühlen ist, es spielt sich ab zwischen dem astralischen Leib, den ich hier schematisch so zeichne (Zeichnung S. 51, hell), und dem Ätherleib. Es drückt sich natürlich im physischen Leib aus (orange). So daß der eigentliche Ursprung des Fühlens zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib liegt (rot). So wie der physische Leib und der Ätherleib in lebendiger Wechselwirkung ineinanderwirken müssen zum Gedankenleben, so müssen ätherischer Leib und astralischer Leib in lebendiger Wechselwirkung sein zum Gefühlsleben. Wenn wir wachend sind, erleben wir dieses lebendige Wechselspiel unseres ineinandergedrängten Ätherleibes und astralischen Leibes als unser Fühlen. Wenn wir schlafen, erleben wir, was der nunmehr außen lebende astralische Leib in der äußeren Ätherwelt erlebt, als die Bilder des Traumes, die nun während des ganzen Schlafens vorhanden sind, aber eben nicht wahrgenommen werden im gewöhnlichen Bewußtsein, sondern nur eben reminiszenzenhaft in jenen Fragmenten, die das gewöhnliche Traumleben bilden.

[ 11 ] When we perceive what is weaving in the external world in this dream-like state, they are dreams. When the dreams sink into our being and become conscious from within, we experience them as feelings. We experience these feelings, then, because that part of us which is in our astral body sinks into our etheric body and then further into our physical organism—not all the way to the senses, not to the periphery of the organism, but only into its inner structure. Then, once one has grasped this—having first perceived it particularly clearly through imaginative insight at the moment of waking—one also gains the inner strength to observe it continuously. For we are, in fact, dreaming continuously during our waking life. We merely overlook our dreaming with our thinking consciousness, with our life of imagination. Whoever can look beneath the surface of the life of imagination—and one trains oneself to see in this way by grasping the very moment of dreaming itself with presence of mind— who has trained themselves to grasp, upon waking, what I have described—can then also experience, beneath the surface of the luminous life of the imagination, the dreaming that continues throughout the entire day, which, however, is not experienced as dreaming, but always immediately sinks into our being and radiates back as a world of feelings. And they then know: What feeling is takes place between the astral body—which I have drawn here schematically (light-colored diagram on p. 51)—and the etheric body. It naturally expresses itself in the physical body (orange). Thus, the actual origin of feeling lies between the astral body and the etheric body (red). Just as the physical body and the etheric body must interact in a living interplay to give rise to the life of thought, so too must the etheric body and the astral body be in a living interplay to give rise to the life of feeling. When we are awake, we experience this living interplay of our intertwined etheric body and astral body as our feeling. When we sleep, we experience what the astral body—now living outside us—experiences in the outer etheric world as the images of the dream, which are present throughout the entire sleep but are not perceived in ordinary consciousness; rather, they are experienced only as fragments of memory that constitute ordinary dream life.

[ 12 ] Sie sehen daraus, daß wir, wenn wir das Seelenleben erfassen wollen, noch zwischen die Glieder der menschlichen Organisation hineinblicken müssen. Wir denken uns das Seelenleben als flutendes Denken, Fühlen, Wollen. Von letzterem wollen wir gleich sprechen. Aber wir erfassen es objektiv, indem wir gewissermaßen in die Zwischenräume zwischen diese vier Glieder hineinschauen, zwischen den physischen Leib und Ätherleib, und Ätherleib und astralischen Leib.

[ 12 ] You can see from this that if we want to understand the life of the soul, we must look even deeper into the components of the human organism. We conceive of the life of the soul as a flowing stream of thinking, feeling, and willing. We will speak of the latter in a moment. But we grasp it objectively by looking, as it were, into the spaces between these four members—between the physical body and the etheric body, and between the etheric body and the astral body.

[ 13 ] Was sich im Wollen ausdrückt, das entzieht sich ja, wie ich öfters von anderen Gesichtspunkten aus hier ausgeführt habe, durchaus der Betrachtung des gewöhnlichen Wachlebens, des gewöhnlichen Bewußtseins. In diesem gewöhnlichen Bewußtsein sind vorhanden die Vorstellungen, nach denen wir unser Wollen orientieren, die Gefühle, die wir entwickeln in Anlehnung an die Vorstellungen als Motive für unser Wollen; aber wie das, was da als der Vorstellungsinhalt unseres Wollens klar in unserem Bewußtsein liegt, hinunterspielt, wenn ich nur die Arme bewege zum Wollen, was da eigentlich vorgeht, das wird uns im gewöhnlichen Bewußtsein nicht gegeben. In dem Augenblicke, wo der Geistesforscher die Imagination in sich heranzieht und dazu kommt, die Natur des Denkens, des Fühlens so anzusehen, wie ich gesagt habe, dann kann er auch dahin gelangen, als etwas in das Bewußtsein Hereinfallendes die menschlichen Erlebnisse zu haben, die zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen sich abspielen. Denn in den Übungen zur Imagination werden Ich und astralischer Leib erkraftet. Sie werden in sich stärker, sie lernen sich erleben. Im gewöhnlichen Bewußtsein hat man eben nicht das wirkliche Ich. Wie hat man das Ich im gewöhnlichen Bewußtsein? Sehen Sie, immer wiederum muß ich diesen Vergleich machen: Wenn man das Leben in der Erinnerung zurück anschaut, so stellt es sich scheinbar als eine geschlossene Strömung dar. Die ist es aber doch nicht, sondern wir müßten eigentlich, indem wir jetzt leben, den heutigen Tag überblicken bis zum Aufwachen, haben dann eine leere Stelle, daran schließt sich der Bewußtseinsinhalt des gestrigen Tages und so weiter fort. Was wir da in der Rückerinnerung beobachten, das trägt allerdings in sich auch diejenigen Zustände, die wir nicht bewußt durchlebt haben, die also in dem präsenten Inhalt des Bewußtseins nicht drinnen sind. Aber sie sind auf andere Art drinnen. Ein Mensch, der gar nicht schlafen würde — wenn ich das hypothetisch anführen darf —, der würde eine ganz zerstörte Rückerinnerung haben. Die Rückerinnerung würde ihn gewissermaßen blenden. Er würde alles das, was er in der Rückerinnerung vor sein Bewußtsein hinstellt, als etwas ihm ganz Fremdes, blendend Glänzendes erleben. Er würde überwältigt sein davon, und er würde sich vollständig ausschalten müssen. Er käme gar nicht dazu, sich selber in sich zu erfühlen. Nur dadurch, daß sich die Schlafzustände hineinstellen in die Rückerinnerung, wird die Rückerinnerung abgeblendet. Wir sind in der Lage, sie auszuhalten. Denn dadurch wird es möglich, daß wir uns selbst behaupten gegenüber unserer Erinnerung. Lediglich dem Umstande, daß wir schlafen, haben wir unsere Selbstbehauptung in der Erinnerung zu verdanken. Was ich jetzt sage, könnte schon durch empirische Beobachtung der menschlichen Lebensläufe in vergleichender Weise gut konstatiert werden.

[ 13 ] What is expressed in volition, as I have often explained here from other perspectives, is entirely beyond the scope of ordinary waking life and ordinary consciousness. In this ordinary consciousness, there are the ideas by which we orient our volition, and the feelings we develop based on these ideas as motives for our volition; but how what lies clearly in our consciousness as the content of our volition’s ideas plays out—when I merely move my arms to will—what is actually going on there is not revealed to us in ordinary consciousness. At the moment when the researcher of the spiritual world draws upon imagination within himself and comes to view the nature of thinking and feeling in the way I have described, he can then also come to experience, as something entering into consciousness, the human experiences that take place between falling asleep and waking up. For in the exercises of imagination, the “I” and the astral body are strengthened. They become stronger within themselves; they learn to experience one another. In ordinary consciousness, one simply does not have the true “I.” How does one have the “I” in ordinary consciousness? You see, I must make this comparison again and again: When one looks back on life in memory, it appears to be a continuous stream. But it is not; rather, as we live now, we should be able to survey the present day up to the moment of waking, then encounter a gap, followed by the contents of yesterday’s consciousness, and so on. What we observe in our recollection, however, also encompasses those states that we did not consciously experience—that is, those that are not present in the current content of our consciousness. But they are present in a different way. A person who never slept at all—if I may offer this as a hypothetical example—would have a completely fragmented recollection. His recollection would, in a sense, blind him. He would experience everything he brings before his consciousness in recollection as something entirely foreign to him, something dazzlingly bright. He would be overwhelmed by it and would have to shut himself off completely. He would not even be able to sense himself within himself. It is only through the interposition of states of sleep into the recollection that the recollection is dimmed. We are able to endure it. For this makes it possible for us to assert ourselves in the face of our memory. It is solely to the fact that we sleep that we owe our self-assertion in memory. What I am saying now could already be well established through empirical observation of human life courses in a comparative manner.

[ 14 ] Aber geradeso wie wir da die innere Aktivität erfühlen in der Rückerinnerung, so erfühlen wir ja eigentlich unser Ich aus unserem gesamten Organismus heraus. Wir erfühlen es so, wie wir die Schlafzustände als, ich möchte sagen, die finsteren Räume im Erinnerungsfortgang wahrnehmen. Wir nehmen das Ich nicht direkt wahr für das gewöhnliche Bewußtsein, sondern wir nehmen es nur wahr, wie wir die Schlafzustände wahrnehmen. Aber indem wir das imaginative Bewußtsein erwerben, tritt dieses Ich wirklich auf, und es ist willensartiger Natur. Und wir merken: Was in uns ein Gefühl, das in sich schließt, mit der Welt sympathisch oder antipathisch zu fühlen, was das in uns aktiviert zum Wollen, das spielt sich in einem ähnlichen Prozesse ab, wie er sich abspielt zwischen dem Wachen und dem Hineinkommen in das Schlafen. Man kann das wiederum geistesgegenwärtig beobachten, wenn man ebenso wie für das Aufwachen für das Einschlafen dieselben Eigenschaften entwickelt, von denen ich gesprochen habe. Da merkt man beim Einschlafen, daß man hineinträgt in den Schlafzustand, was ausstrahlt, als Aktivität ausstrahlt aus unserem Gefühlsleben, und was hineinstrahlt in die Außenwelt, und man lernt dann erkennen, wie man jedesmal, wenn man sich wirklich willensmäßig entwickelt, untertaucht jetzt in einen ähnlichen Zustand, wie man untertaucht in den Schlafzustand. In ein inneres Schlafen taucht man ein. Was einmal vorgeht beim Einschlafen, wo dann das Ich mit dem astralischen Leib herausrückt aus physischem Leib und Ätherleib, das tritt jedesmal innerlich ein beim Wollen.

[ 14 ] But just as we sense that inner activity in the act of recollection, so too do we actually sense our “I” from within our entire organism. We sense it in the same way that we perceive states of sleep as—I would say—dark rooms in the flow of memory. We do not perceive the “I” directly in ordinary consciousness, but we perceive it only in the same way we perceive states of sleep. But as we acquire imaginative consciousness, this “I” truly emerges, and it is of a volitional nature. And we realize: What within us is a feeling that encompasses the capacity to feel sympathy or antipathy toward the world—what within us activates the will—takes place in a process similar to that which occurs between waking and falling asleep. One can observe this with full awareness if, just as for waking, one develops the same qualities I have spoken of for falling asleep. Then, as you fall asleep, you notice that you carry into the state of sleep what radiates outward—as activity—from your emotional life, and what radiates inward into the outer world; and you then learn to recognize how, every time you truly develop your will, you now submerge into a state similar to the one into which you submerge when falling asleep. One immerses oneself in an inner sleep. What occurs when falling asleep—when the “I,” together with the astral body, withdraws from the physical body and the etheric body—occurs internally every time one wills it.

[ 15 ] Natürlich müssen Sie sich darüber klar sein, daß das, was ich Ihnen da schildere, viel schwieriger zu ergreifen ist als das, was ich vorhin geschildert habe, denn der Moment des Einschlafens ist eben geistesgegenwärtig meistens noch schwieriger zu erfassen als der des Aufwachens. Nach dem Aufwachen sind wir wach; da haben wir wenigstens die Anlehnung an die Reminiszenzen. Beim Einschlafen müssen wir den Wachzustand noch in das Schlafen hinein fortsetzen, wenn wir zu einer Beobachtung kommen wollen. Aber der Mensch schläft eben meistens ein; er sendet nicht hinein in das Einschlafen die Aktivität des Fühlens. Kann er sie aber da hinein fortsetzen, was eben durch Schulung in imaginativer Erkenntnis geschieht, dann merkt er, daß tatsächlich im Wollen ein Untertauchen in dasselbe Element ist, in das wir untertauchen, wenn wir einschlafen. Wir werden tatsächlich im Wollen von unserer Organisation frei. Wir verbinden uns mit der realen Objektivität. So wie wir beim Aufwachen durch unseren Ätherleib einziehen, durch unseren physischen Leib und bis in die Sinnesregion, also bis an die Peripherie des Leibes kommen, gewissermaßen von dem ganzen Leib Besitz ergreifen, den ganzen Leib durchtränken, so senden wir wiederum im Fühlen in den Leib zurück, indem wir innerlich untertauchen, unsere Träume; sie werden eben Gefühle. Aber wenn wir jetzt nicht im Leibe bleiben, sondern, ohne daß wir an die Peripherie des Leibes gehen, innerlich geistig aus dem Leibe herausgehen, dann kommen wir zum Wollen. So daß sich das Wollen tatsächlich eigentlich unabhängig vom Leibe vollzieht. Ich weiß, daß damit viel gesagt wird, aber ich muß das auch darstellen, weil es eine Realität ist. Und in dem Erfassen dessen kommen wir dazu, nun einzusehen, daß — wenn wir nun hier das Ich haben (siehe Zeichnung Seite 51, blau) — das Wollen sich abspielt zwischen dem astralischen Leib und dem Ich (lila).

[ 15 ] Of course, you must realize that what I am describing to you here is much more difficult to grasp than what I described earlier, because the moment of falling asleep is, in most cases, even harder to grasp in the present moment than the moment of waking up. After waking up, we are awake; at least then we have the support of our memories. When falling asleep, we must carry the waking state into sleep if we want to be able to observe it. But people usually just fall asleep; they do not direct the activity of feeling into the process of falling asleep. If, however, they can carry it over into that process—which happens through training in imaginative insight—then they realize that in the act of willing there is indeed a plunging into the same element into which we plunge when we fall asleep. Through willing, we actually become free from our physical organization. We connect with real objectivity. Just as, upon waking, we draw in through our etheric body, through our physical body, and into the sensory region—that is, to the periphery of the body—taking possession, as it were, of the entire body and permeating it completely, so too do we send our dreams back into the body through feeling by immersing ourselves inwardly; they simply become feelings. But if we do not remain in the body now, but instead—without going to the periphery of the body—step out of the body inwardly and spiritually, then we arrive at volition. So that volition actually takes place independently of the body. I know that this says a great deal, but I must also describe it because it is a reality. And in grasping this, we come to realize that—if we now have the “I” here (see drawing on page 51, blue)—the will takes place between the astral body and the “I” (purple).

[ 16 ] Wir können also sagen: Wir gliedern den Menschen in physischen Leib, in Ätherleib oder Bildekräfteleib, in astralischen Leib und in Ich. Zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib spielt sich seelisch das Denken ab. Zwischen dem Ätherleib und dem astralischen Leib spielt sich seelisch das Fühlen ab. Zwischen dem astralischen Leib und dem Ich spielt sich seelisch das Wollen ab. Indem wir an die Peripherie des physischen Leibes kommen, haben wir die Sinneswahrnehmung. Indem wir auf dem Wege durch unser Ich herauskommen aus uns, unsere ganze Organisation in die Außenwelt hineinstellen, wird das Wollen zur Handlung, dem anderen Pol der Sinneswahrnehmung (siehe Schema Seite 62).

[ 16 ] We can therefore say: We divide the human being into the physical body, the etheric body (or body of formative forces), the astral body, and the I. Thinking takes place on the soul level between the physical body and the etheric body. Feeling takes place on the soul level between the etheric body and the astral body. On the soul level, willing takes place between the astral body and the “I.” As we move toward the periphery of the physical body, we experience sensory perception. As we step outside of ourselves through our “I,” projecting our entire being into the outer world, willing becomes action—the opposite pole of sensory perception (see diagram on page 62).

[ 17 ] Auf diese Weise gelangt man zu einem objektiven Erfassen dessen, was subjektiv im flutenden Denken, Fühlen und Wollen erlebt wird. So verwandelt sich das Erleben in das Erkennen. Alle Psychologie, welche das flutende Denken, Fühlen und Wollen sonst auf eine andere Weise erfassen will, bleibt formal, weil sie nicht an die Realität herandringt. An die Realität kann für das seelische Erleben nur die imaginative Erkenntnis herandringen.

[ 17 ] In this way, one arrives at an objective grasp of what is subjectively experienced in the flow of thought, feeling, and will. Thus, experience is transformed into understanding. Any psychology that seeks to grasp the surging stream of thought, feeling, and will in any other way remains formal, because it does not penetrate to reality. Only imaginative insight can penetrate to reality for the experience of the soul.

[ 18 ] Fassen wir jetzt einmal ins Auge, was sich uns gewissermaßen wie eine Begleiterscheinung unserer ganzen Betrachtungen ergeben hat. Wir sagten: Man kann durch geistesgegenwärtige Betrachtung im Moment des Aufwachens, wenn man durchgeschlüpft ist durch den Ätherleib, Gedankenweben, das objektiver Art ist, sehen. Man nimmt dieses objektive Gedankenweben zunächst wahr. Ich sagte, man kann es von den Träumen und auch vom alltäglichen Gedankenleben, vom subjektiven Gedankenleben ganz gut unterscheiden, denn es ist verbunden mit dem Wachstum, mit dem Werden. Es ist eigentlich eine reale Organisation. Faßt man es aber auf, was da webt, was man, wenn man es durchschaut, als Gedankenweben wahrnimmt, wenn man es, ich möchte sagen, anfühlt, innerlich antastet, so nimmt man es als Wachstumskraft, als Ernährungskraft und so weiter, als den werdenden Menschen wahr. Es ist etwas, was zunächst fremd ist, aber Gedankenwelt ist. Wenn man es nun genauer studieren kann, so ist es ja das innerliche Weben von Gedanken an uns selbst. Wir erfassen es an der Peripherie unseres physischen Leibes; bevor wir an das Sinneswahrnehmen herankommen, erfassen wir es. Wenn wir es genauer verstehen lernen, wenn wir uns in seine Fremdheit gegenüber unserem subjektiven Denken einleben, dann erkennen wir es, dann erkennen wir es als das, was wir mitgebracht haben durch unsere Geburt aus früheren Erlebnissen, aus vorgeburtlichen respektive vor der Konzeption liegenden Erlebnissen. Und es wird für uns etwas objektiv Gegenständliches das Geistige, das unseren ganzen Organismus zusammenbringt. Der Präexistenzgedanke gewinnt Objektivität, wird zum objektiven Anschauen. Wir können mit innerem Erfassen sagen: Wir sind aus der Welt des Geistes heraus durch Gedanken gewoben. Die subjektiven Gedanken, die wir dazufügen, sie stehen im Bereiche unserer Freiheit. Diejenigen Gedanken, die wir da erblicken, sie bilden uns, sie bauen unseren Leib aus dem Gedankenweben heraus auf. Sie sind unser vergangenes Karma (siehe Tafel 6 Schema Seite 62). Also: Ehe wir an die Sinneswahrnehmungen herankommen, nehmen wir unser vergangenes Karma wahr.

[ 18 ] Let us now consider what has emerged, so to speak, as a byproduct of our entire line of thought. We said: Through mindful observation at the moment of waking—once one has slipped out of the etheric body—one can perceive a weaving of thoughts that is of an objective nature. One first perceives this objective weaving of thoughts. I said that one can quite easily distinguish it from dreams and also from everyday thought life, from subjective thought life, because it is connected with growth, with becoming. It is actually a real organization. But if one grasps what is weaving there—what, when one sees through it, one perceives as a weaving of thoughts; if one, I would say, senses it, feels it inwardly—then one perceives it as a force of growth, as a nourishing force, and so on, as the human being in the process of becoming. It is something that is initially foreign, yet it is a world of thought. If we can now study it more closely, we see that it is, in fact, the inner weaving of thoughts within ourselves. We perceive it at the periphery of our physical body; we perceive it before we reach the level of sensory perception. When we learn to understand it more closely, when we become accustomed to its strangeness in relation to our subjective thinking, then we recognize it; then we recognize it as that which we have brought with us through our birth from earlier experiences—from prenatal experiences or those preceding conception. And the spiritual—which brings our entire organism together—becomes for us something objectively concrete. The idea of pre-existence gains objectivity; it becomes objective contemplation. We can say, through inner comprehension: We are woven from the world of the spirit through thoughts. The subjective thoughts we add to this lie within the realm of our freedom. The thoughts we perceive there shape us; they build our body out of the fabric of thought. They are our past karma (see Chart 6, diagram on page 62). Thus: Before we even reach sensory perceptions, we perceive our past karma.

[ 19 ] Und wenn wir einschlafen, so hat dieses Einschlafen für denjenigen, der in objektiver Erkenntnis lebt, etwas Ähnliches mit dem Wollen. Wenn das Wollen zur vollständigen Bewußtheit gebracht wird, merkt man ganz deutlich: Man schläft in den eigenen Organismus hinein. So wie sonst die Träume hinuntergehen, gehen in unsere Organisation die Wollensmotive hinein. Man schläft in den Organismus hinein. Man lernt unterscheiden dieses Hineinschlafen in den Organismus, das sich zunächst auslebt in unseren gewöhnlichen Handlungen — die sind eben äußerlich sich vollziehend, wir vollziehen sie zwischen dem Aufwachen und Einschlafen —; aber nicht alles das, was in unserem Gefühlsleben drinnen lebt, lebt sich in diese Handlungen hinein. Wir vollbringen ja auch das Leben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Und was wir sonst in die Handlungen hineindrängen würden, drängen wir ja aus uns durch denselben Vorgang im Einschlafen hinaus. Eine ganze Summe von Willensimpulsen drängen wir hinaus in die rein geistige Welt, in der wir uns befinden zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Willensimpulse, die in unser geistiges Sein übergehen, die wir nur hegen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen: lernen wir sie durch imaginative Erkenntnis beobachten, so nehmen wir in ihnen wahr, was an Handlungsorientierung vorhanden bleibt über den Tod hinaus, was mit uns geht über den Tod hinaus.

[ 19 ] And when we fall asleep, for those who live in objective awareness, this falling asleep is similar to the act of willing. When the act of willing is brought to full consciousness, one realizes quite clearly: one falls asleep into one’s own organism. Just as dreams otherwise descend, the motives of the will enter into our organism. One falls asleep into the organism. One learns to distinguish this falling asleep into the organism, which initially plays itself out in our ordinary actions—these take place externally; we perform them between waking and falling asleep—but not everything that lives within our emotional life finds expression in these actions. After all, we also live out our lives between falling asleep and waking up. And what we would otherwise channel into our actions, we push out of ourselves through the very same process of falling asleep. We push out a whole host of volitional impulses into the purely spiritual world in which we find ourselves between falling asleep and waking up. Impulses of will that pass into our spiritual being—which we nurture only between falling asleep and waking up—if we learn to observe them through imaginative insight, we perceive in them what remains of our orientation toward action beyond death, what goes with us beyond death.

[ 20 ] Zwischen dem astralischen Leib und dem Ich entwickelt sich das Wollen. Das Wollen wird Handlung, indem es so weit nach der Außenwelt geht, bis es an den Ort kommt, woher sonst die Sinneseindrücke kommen. Aber im Einschlafen geht ja eine ganze Menge hinaus, was wie Handlung werden will, aber eben nicht Handlung wird, sondern mit dem Ich verbunden bleibt, indem das Ich durch den Tod in die geistige Welt übergeht.

[ 20 ] Will develops between the astral body and the “I.” Will becomes action by extending into the external world until it reaches the point from which sensory impressions otherwise arise. But when we fall asleep, a great deal goes out that seeks to become action but does not actually become action; rather, it remains connected to the “I” as the “I” passes into the spiritual world through death.

[ 21 ] Sie sehen, wir erleben hier auf der anderen Seite unser werdendes Karma (siehe Schema Seite 62). Zwischen dem Wollen und der Handlung erleben wir unser werdendes Karma. Beide schließen sich dann im imaginativen Bewußtsein zusammen: das vergangene und das werdende Karma, das, was in uns webt und lebt und so sich gibt, daß es weiterwebt unter der Schwelle, über welcher unsere freien Handlungen liegen, die wir ausleben können zwischen Geburt und Tod. Zwischen Geburt und Tod leben wir in der Freiheit. Aber es webt und lebt unter dieser Region des freien Willens, Wollens, die eigentlich nur ein Dasein hat zwischen Geburt und Tod, das Karma, dessen aus der Vergangenheit kommende Wirkungen wir wahrnehmen, wenn wir uns aufhalten können mit unserem Ich und unserem astralischen Leibe im Ätherleib gerade beim Durchbrechen bis zum physischen Leibe hin. Und wiederum auf der anderen Seite nehmen wir unser werdendes Karma wahr, wenn wir uns aufhalten können in der Region, die gerade liegt zwischen dem Wollen und dem Handeln, und wenn wir soviel Selbstzucht durch Übung entwickeln können, daß wir innerlich uns ebenso aktivieren können in einem Gefühl, wie wir uns, ich möchte sagen, indem wir den Leib zu Hilfe nehmen, aktivieren in der Handlung; wenn wir uns im Geiste aktivieren können im Gefühl, wenn wir also eine Handlung festhalten im Ich.

[ 21 ] As you can see, here on the other side we experience our karma in the making (see diagram on page 62). Between the will and the action, we experience our karma in the making. Both then merge in the imaginative consciousness: past karma and karma in the making—that which weaves and lives within us and manifests itself in such a way that it continues to weave beneath the threshold above which lie our free actions, which we can live out between birth and death. Between birth and death, we live in freedom. But beneath this realm of free will—of volition, which actually exists only between birth and death—there weaves and lives karma, whose effects from the past we perceive when we can remain with our “I” and our astral body in the etheric body just as it breaks through to the physical body. And conversely, on the other hand, we perceive our karma-in-the-making when we can remain in the region that lies precisely between willing and acting, and when we can develop enough self-discipline through practice that we can activate ourselves inwardly in a feeling just as we—I would say—activate ourselves in action by enlisting the body’s aid; if we can activate ourselves mentally through a feeling—that is, if we can hold an action within the “I.”

[ 22 ] Stellen Sie sich das lebhaft vor: Man kann so enthusiasmiert sein, so innerlich eingenommen sein für irgend etwas, was aus dem Gefühle sprießt, wie das, was sonst in die Handlung übergeht; aber man muß es zurückhalten: dann leuchtet es auf in der Imagination als das werdende Karma.

[ 22 ] Imagine this vividly: One can be so enthusiastic, so deeply captivated by something that springs from the heart—something that would otherwise translate into action—but one must hold it back; then it shines forth in the imagination as karma in the making.

[ 23 ] Was ich Ihnen hier geschildert habe, ist natürlich im Menschen immer vorhanden. Der Mensch passiert mit jedem Aufwachen, jeden Morgen beim Aufwachen die Region seines vergangenen Karmas; er passiert jeden Abend beim Einschlafen die Region seines werdenden Karmas. Der Mensch kann durch eine gewisse Aufmerksamkeit auch ohne besondere Schulung in Geistesgegenwärtigkeit erfassen das vergangene Objektive, ohne daß er es freilich so deutlich erkennt, wie ich es jetzt geschildert habe. Er kann es aber wahrnehmen; es ist da. Und es ist dann da alles das, was er in seinen sittlichen Impulsen in sich trägt im Guten und im Schlechten. Durch dieses lernt sich eigentlich der Mensch besser kennen, als wenn er im Momente des Aufwachens dieses Gedankenweben, das ihn selbst bildet, gewahr wird.

[ 23 ] What I have described to you here is, of course, always present in human beings. Every time a person wakes up—every morning upon waking—they pass through the realm of their past karma; every evening upon falling asleep, they pass through the realm of their future karma. Through a certain degree of attentiveness, even without special training in mindfulness, a person can grasp the past objective reality—though, of course, not as clearly as I have just described. But they can perceive it; it is there. And it encompasses everything they carry within themselves in their moral impulses, both good and bad. Through this, a person actually comes to know themselves better than if they were to become aware, at the moment of waking, of this web of thoughts that constitutes their very being.

[ 24 ] Aber schon schreckhafter ist das Wahrnehmen dessen, was zwischen dem Wollen und der Handlung liegt, was man zurückhalten kann. Da lernt man sich kennen insoweit, als man sich selber gemacht hat während dieses Lebens. Da lernt man kennen, was man als innere Artung durch den Tod hinausträgt als werdendes Karma.

[ 24 ] But even more unsettling is the realization of what lies between intention and action—that which one can hold back. There, one comes to know oneself to the extent that one has shaped oneself during this life. There, one comes to know what one carries forward through death as an inner disposition—as karma in the making.

[ 25 ] Ich wollte Ihnen heute zeigen, wie man über diese Dinge in lebendiger Erfassung reden kann, wie durchaus Anthroposophie sich nicht erschöpft in einer Schematik, sondern wie die Dinge lebendig geschildert werden können, und werde morgen dann in dieser Betrachtung weiter fortfahren, indem ich übergehen werde zu einer noch tieferen Erfassung der menschlichen Wesenheit auf Grundlage des heute Ausgeführten.

[ 25 ] Today I wanted to show you how to speak about these things with a vivid sense of their reality—how anthroposophy is by no means limited to a schematic framework, but how these things can be described in a living way—and tomorrow I will continue this reflection by moving on to an even deeper understanding of the human being based on what I have presented today.