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Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 207

16 October 1921, Dornach

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Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Im Laufe der letzten Betrachtungen zeigte es sich uns, wie grundverschieden des Menschen ganze Anschauung ist, je nachdem er hier zwischen der Geburt und dem Tode oder aber in der geistigen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt lebt. Und wir haben gestern gesagt, daß der Mensch in unserem gegenwärtigen Zeitalter, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, hier zwischen der Geburt und dem Tode sich erwerben kann die Freiheit, daß dann alles, was er vollbringt aus dem Impuls der Freiheit heraus, seinem Wesen in dem Leben zwischen dem Tod und neuer Geburt gewissermaßen Schwere, Realität, Sein gibt. Gerade wenn wir loskommen hier von den Notwendigkeiten des irdischen Daseins, wenn wir uns erheben zu Motiven für unser Wollen, die frei sind, wenn wir also für unser Wollen nichts aus dem Irdischen heraus nehmen, dann zimmern wir uns dadurch die Möglichkeit, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auch ein selbständiges Wesen zu sein. Nur gehört zu diesem gewissermaßen Sein-Selbst-Bewahren nach dem Tode in unserem Zeitalter dazu, was man nennen kann die Beziehung zu dem Mysterium von Golgatha; und man kann ja dieses Mysterium von Golgatha von den verschiedensten Gesichtspunkten aus betrachten. Wir haben schon eine große Anzahl von Gesichtspunkten im Laufe der Jahre eingenommen; wir wollen es heute einmal von dem Gesichtspunkte, der sich ergibt durch die Betrachtung des Wertes der Freiheit für den Menschen, anschauen.

[ 1 ] In the course of our recent reflections, it became clear to us how fundamentally different a person’s entire worldview is, depending on whether they are living here between birth and death or in the spiritual world between death and a new birth. And we said yesterday that in our present age, since the middle of the 15th century, a human being can acquire the freedom here between birth and death, so that everything they accomplish out of the impulse of freedom then, in a sense, gives their being in the life between death and a new birth a certain weight, reality, and existence. Precisely when we break free here from the necessities of earthly existence, when we rise to motives for our will that are free—that is, when we draw nothing from the earthly realm for our will—we thereby build for ourselves the possibility of being an independent being between death and a new birth. However, in our age, this sort of self-preservation of being after death includes what might be called the relationship to the Mystery of Golgotha; and one can, of course, view this Mystery of Golgotha from a wide variety of perspectives. We have already considered a great many of these perspectives over the years; today let us examine it from the perspective that arises from contemplating the value of freedom for human beings.

[ 2 ] Wenn der Mensch hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod lebt, dann hat er ja eigentlich im gewöhnlichen Bewußtsein keine Selbstanschauung. Der Mensch kann nicht in sich hineinschauen. Es ist natürlich nur eine Täuschung, wenn eine äußere Wissenschaft durch die Betrachtung dessen, was am Menschen tot ist, zuweilen ja wirklich nur durch die Betrachtung des Leichnams, glaubt, eine Innenerkenntnis der menschlichen Organisation zu gewinnen. Das ist ja durchaus ein Trug, eine Illusion. Der Mensch hat hier zwischen Geburt und Tod nur eine Anschauung der äußeren Welt. Aber was für eine Anschauung der äußeren Welt hat er hier? Er hat diejenige Anschauung, die wir oftmals genannt haben die Anschauung des Scheines, und auch gestern habe ich dies wiederum stark hervorgehoben.

[ 2 ] When a person lives here on Earth between birth and death, they actually have no self-perception in their ordinary consciousness. A person cannot look within themselves. It is, of course, merely an illusion when an external science, by observing what is dead in a human being—and indeed, at times, merely by observing the corpse—believes it can gain an inner understanding of the human organism. This is, after all, a delusion, an illusion. Here, between birth and death, a human being has only a perception of the external world. But what kind of perception of the external world does he have here? He has the perception that we have often called the perception of appearances, and I emphasized this strongly again yesterday.

[ 3 ] Wenn wir unsere Sinne hinausrichten in unsere Weltumgebung zwischen Geburt und Tod, dann stellt sich uns die Welt als Erscheinung, als Schein dar. Wir können diesen Schein in unser Ich-Wesen hereinnehmen. Wir können ihn zum Beispiel in der Erinnerung behalten, haben ihn also dann in gewissem Sinne zu unserem Eigentum gemacht. Aber insofern er beim Hinausschauen in die Welt vor uns steht, ist er eben Schein, ein Schein, der sich als solcher noch ganz besonders dadurch zu erkennen gibt, daß er ja, wie ich Ihnen gestern gezeigt habe, im Tode verschwindet und in anderer Form wiederum auftritt, indem er nun nicht mehr in uns erlebt wird, sondern vor uns oder um uns erlebt wird.

[ 3 ] When we direct our senses outward toward our surroundings in the world between birth and death, the world presents itself to us as an appearance, as an illusion. We can take this illusion into our sense of self. We can, for example, retain it in our memory, thereby making it, in a certain sense, our own. But insofar as it stands before us when we look out into the world, it is precisely an illusion—an illusion that reveals itself as such particularly through the fact that, as I showed you yesterday, it disappears in death and reappears in another form, no longer experienced within us but rather experienced before us or around us.

[ 4 ] Wenn aber der Mensch zwischen Geburt und Tod im heutigen Zeitalter die Welt nicht als Schein wahrnehmen würde, wenn er den Schein nicht erleben könnte, so könnte er ja nicht frei sein. Die Entwickelung der Freiheit ist nur möglich in der Welt des Scheines. Ich habe das angedeutet in meinem Buche «Vom Menschenrätsel», indem ich darauf hingewiesen habe, daß eigentlich die Welt, die wir erleben, verglichen werden kann mit den Bildern, die uns aus einem Spiegel heraus anschauen. Diese Bilder, die uns aus einem Spiegel heraus anschauen, die können uns nichts aufzwingen; sie sind eben nur Bilder, sie sind Schein. Und so ist das, was der Mensch als Wahrnehmungswelt hat, auch Schein.

[ 4 ] But if, in this day and age, human beings did not perceive the world as an illusion between birth and death—if they could not experience this illusion—then they could not be free. The development of freedom is possible only in the world of illusion. I hinted at this in my book *The Enigma of Man* by pointing out that, in fact, the world we experience can be compared to the images that look back at us from a mirror. These images, which look back at us from a mirror, cannot impose anything on us; they are merely images—they are illusion. And so what humans experience as the world of perception is also an illusion.

[ 5 ] Der Mensch ist ja durchaus nicht etwa ganz nur in den Schein der Welt eingesponnen. Er ist nur mit seinem Wahrnehmen, das sein waches Bewußtsein ausfüllt, eingesponnen in eine Scheinwelt. Aber wenn der Mensch hinblickt auf seine Triebe, auf seine Instinkte, auf seine Leidenschaften, auf seine Temperamente, auf all das, was heraufwogt aus dem menschlichen Wesen, ohne daß er es zu klaren Vorstellungen bringen kann, wenigstens zu wachen Vorstellungen, so ist ja das alles nicht Schein. Es ist schon Wirklichkeit, aber eine Wirklichkeit, die dem Menschen nicht vor das gegenwärtige Bewußtsein tritt. Der Mensch lebt zwischen Geburt und Tod in einer wahren Welt, die er nicht kennt, die aber niemals dazu angetan ist, ihm wirklich die Freiheit zu geben. Instinkte, die ihn unfrei machen, kann sie ihm einpflanzen, innere Notwendigkeiten kann sie hervorbringen, aber nie und nimmer kann sie den Menschen die Freiheit erleben lassen. Die Freiheit kann nur erlebt werden innerhalb einer Welt von Bildern, von Schein. Und wir müssen eben, indem wir aufwachen, in ein Scheinwahrnehmungsleben eintreten, damit sich da die Freiheit entwickeln kann.

[ 5 ] Human beings are by no means entirely ensnared by the illusions of the world. They are ensnared in a world of illusions only through their perceptions, which fill their waking consciousness. But when a person looks at their drives, their instincts, their passions, their temperaments—at everything that wells up from the human being without their being able to form clear concepts of it, or at least waking concepts—then all of that is not illusion. It is indeed reality, but a reality that does not come to the forefront of a person’s present consciousness. Between birth and death, a person lives in a true world that they do not know, but which is never capable of truly granting them freedom. It can instill in them instincts that make them unfree; it can give rise to inner necessities; but never, ever can it allow a person to experience freedom. Freedom can only be experienced within a world of images, of illusion. And so, as we awaken, we must enter into a life of illusory perception so that freedom can develop there.

[ 6 ] Dieses Scheinleben, das wir als unser waches Wahrnehmungsleben haben, es war nicht immer so innerhalb der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit. Wenn wir zurückgehen in alte Zeiten, in die wir ja schon öfter den Blick zurückgeworfen haben, wo ein gewisses instinktives Schauen vorhanden war oder das, was Nachzügler ist dieses instinktiven Schauens, was ja als Nachzügler gewissermaßen noch fortgedauert hat bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, wenn wir da zurückblicken, so können wir nicht im gleichen Sinne sagen, daß der Mensch in seinem wachen Zustande nur eine Scheinwelt um sich hatte. Durch den Schein hindurch sprach ja für den Menschen alles das, was er in seiner Art als den geistigen Hintergrund der Welt sah. Er sah allerdings auch diesen Schein, aber in anderer Weise. Es war dieser Schein für ihn Ausdruck, Offenbarung einer geistigen Welt. Diese geistige Welt ist hinter dem Scheine verschwunden. Der Schein ist geblieben. Das ist das Wesentliche in der Fortentwickelung der Menschheit, daß ältere Zeiten den Schein als die Offenbarung einer göttlich-geistigen Welt empfunden haben, daß aber aus diesem Schein die göttlich-geistige Welt verschwunden ist und der Schein heute dem Menschen vor Augen liegt, damit er innerhalb dieser Scheinwelt seine Freiheit finden kann, daß also der Mensch seine Freiheit in einer Scheinwelt finden muß, daß er in der wahren Welt, die ganz zurückgetreten ist in die dumpfen Erlebnisse des Inneren, keine Freiheit, sondern nur eine Notwendigkeit findet. Man kann also sagen: Lebt der Mensch zwischen Geburt und Tod — alles das, was ich sage, gilt nur für unser Zeitalter —, so ist seine Wahrnehmungswelt eine Scheinwelt. Er nimmt die Welt wahr, aber er nimmt die Welt als Schein wahr.

[ 6 ] This illusory life that we experience as our waking perceptual life—it was not always this way throughout the course of human history. If we go back to ancient times—times to which we have already cast our gaze on numerous occasions—when a certain instinctive perception existed, or what was a remnant of this instinctive perception, which, as a remnant, continued in a sense until the middle of the 15th century—if we look back to that time, we cannot say in the same sense that human beings, in their waking state, were surrounded only by an illusory world. For human beings, everything they perceived as the spiritual background of the world spoke to them through this illusion. They did, of course, perceive this illusion as well, but in a different way. For them, this illusion was an expression, a revelation of a spiritual world. This spiritual world has vanished behind the illusion. The illusion has remained. This is the essential point in the further development of humanity: that in earlier times, the illusion was perceived as the revelation of a divine-spiritual world, but that the divine -spiritual world has vanished, and the illusion now lies before human beings so that they may find their freedom within this illusory world—that is, human beings must find their freedom in an illusory world, for in the true world, which has receded entirely into the dull experiences of the inner life, they find no freedom, but only necessity. One can therefore say: If a person lives between birth and death—and everything I am saying applies only to our age—then their world of perception is a world of illusion. They perceive the world, but they perceive it as an illusion.

[ 7 ] Wie ist es nun zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Wir haben ja in den letzten Betrachtungen darauf hingewiesen, daß da der Mensch nicht diese äußere Welt wahrnimmt, die er hier gewahr wird zwischen der Geburt und dem Tode, sondern daß in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt der Mensch wesentlich den Menschen selbst, das Innere des Menschen sieht. Der Mensch ist dann für den Menschen die Welt. Das, was gerade hier auf der Erde verborgen ist, das ist in der geistigen Welt offenbar. Der ganze Zusammenhang zwischen dem Seelischen und dem Organischen des Menschen, zwischen der Wirksamkeit der einzelnen Organe, kurz, alles, was gewissermaßen, symbolisch gesprochen, innerhalb der menschlichen Haut ist, das durchschaut der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 7 ] What, then, happens between death and a new birth? In our recent reflections, we have pointed out that during this time, the human being does not perceive the external world that he or she experiences here between birth and death, but rather that in the period between death and a new birth, the human being essentially sees the human being itself—the inner being of the human being. For the human being, the human being is then the world. That which is hidden here on Earth is revealed in the spiritual world. The entire connection between the soul and the physical body of the human being, between the functioning of the individual organs—in short, everything that is, so to speak, symbolically speaking, within the human skin—the human being perceives this clearly between death and a new birth.

[ 8 ] Aber nun ist es wieder für unser Zeitalter so, daß da der Mensch eben nicht dazu kommt, im Scheine zu leben. Das Leben im Scheine ist ihm eigentlich nur gewährt zwischen der Geburt und dem Tode. Der Mensch kommt heute nicht dazu, zwischen dem Tode und einer neuen Geburt im Scheine zu leben. Er wird gewissermaßen gefangengenommen von der Notwendigkeit, wenn er durch den Tod tritt. So frei sich der Mensch fühlt in seinem Wahrnehmen hier auf der Erde, wo er seine Augen hinwenden kann, wohin er will, sich in Begriffen zusammenfassen kann, was er wahrnimmt, in der Weise, daß er sein freies Tun in diesen Begriffen empfindet, so unfrei fühlt sich der Mensch in dieser Beziehung auf die Wahrnehmungswelt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Er wird gewissermaßen hingerissen von der Welt. Es ist geradeso, als ob in dieser Zeit der Mensch so wahrnehmen würde, wie er hier wäre, wenn er gewissermaßen hypnotisiert würde von jeder einzelnen Sinneswahrnehmung, wenn er hingerissen würde von jeder einzelnen Sinneswahrnehmung, so daß er nicht freiwillig von ihr loskommen könnte.

[ 8 ] But now, once again, it is the case in our age that human beings simply do not get the chance to live in the realm of the spirit. Life in the light is actually granted to them only between birth and death. Today, human beings do not have the opportunity to live in the light between death and a new birth. They are, so to speak, taken captive by necessity when they pass through death. As free as human beings feel in their perception here on Earth—where they can turn their eyes wherever they wish and can summarize what they perceive in concepts, in such a way that they experience their free action within these concepts—so unfree do they feel in relation to the world of perception between death and a new birth. They are, so to speak, swept away by that world. It is just as if, during this time, a person were to perceive as if they were here, as if they were, so to speak, hypnotized by every single sensory perception, as if they were carried away by every single sensory perception, so that they could not voluntarily break free from it.

[ 9 ] Das ist die Entwickelung, in die der Mensch eingetreten ist mit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Aus dem Schein der Erde sind ihm verschwunden die göttlich-geistigen Welten. In der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nehmen ihn aber diese göttlich-geistigen Welten so gefangen, daß er seine Selbständigkeit ihnen gegenüber nicht bewahren kann. Nur, sagte ich, wenn der Mensch hier wirklich Freiheit entwickelt, das heißt, wenn er seinen ganzen Menschen engagiert für das Scheinleben, dann ist es ihm möglich, auch sein Eigenwesen durch die Todespforte zu tragen. Was aber dazu noch notwendig ist, es kann uns vor Augen treten, wenn wir noch auf einen anderen Unterschied unseres Anschauens von heute mit älteren menschlichen Anschauungen hinblicken.

[ 9 ] This is the phase of development that humanity entered in the mid-15th century. The divine-spiritual worlds have vanished from the earth’s appearance. In the time between death and a new birth, however, these divine-spiritual worlds take such a hold of him that he cannot maintain his independence from them. Only, I said, if human beings truly develop freedom here—that is, if they commit their whole being to the life of appearances—will they be able to carry their true self through the gate of death. But what else is necessary for this becomes clear when we consider another difference between our present-day view and older human views.

[ 10 ] Ob wir mehr die allgemeine Menschheit betrachten oder die Eingeweihten und die Mysterien in älteren Zeiten, die ganze Weltanschauung war anders orientiert, als sie heute orientiert ist. Wenn der Mensch bei demjenigen stehenbleibt, was er seit der Mitte des 15. Jahrhunderts durch die seither aufgekommene Wissensart eben erkennen kann, wenn man auf das hindeutet, so findet man, daß der Mensch sich da Vorstellungen macht über die Erdenentwickelung, Vorstellungen macht über die Entwickelung seiner eigenen Menschengattung; aber es entschwinden ihm solche Vorstellungen, die in irgendeiner befriedigenden Weise auf Erdenanfang und Erdenende hinweisen können. Man möchte sagen, eine gewisse Entwickelungslinie überblickt der Mensch. Er sieht geschichtlich zurück, er sieht geologisch zurück. Aber wenn er weiter zurückgeht, macht er sich Hypothesen. Er stellt an den Anfang den Urnebel (Zeichnung $. 179, waagrechter Strich hell), der ein physisches Gebilde zu sein scheint. Daraus entwickeln sich dann — das heißt, es entwickelt sich nicht, sondern der Mensch bildet sich ein, daß es sich entwickelt — die höheren Wesen der Naturreiche, Pflanzen, Tiere und so weiter. Dann wiederum stellt sich der Mensch vor nach heutigen physikalischen Vorstellungen: Am Ende verfällt das irdische Sein in den Wärmetod (Zeichnung rote Striche rechts) — wiederum eine Hypothese. Der Mensch sieht also gewissermaßen ein Stück zwischen Anfang und Ende. Anfang und Ende verschwimmen als unbefriedigende Gebilde vor dem heutigen Blick des Menschen.

[ 10 ] Whether we consider humanity in general or the initiates and the mysteries of earlier times, the entire worldview was oriented differently than it is today. If one stops at what humanity has been able to recognize since the mid-15th century through the kind of knowledge that has emerged since then—if one points this out—one finds that humanity forms ideas about the Earth’s evolution and about the evolution of its own human species; but such conceptions—which could point in any satisfactory way to the beginning and end of the Earth—vanish from view. One might say that human beings can survey a certain line of development. They look back historically; they look back geologically. But when they go further back, they formulate hypotheses. They place the primordial nebula at the beginning (drawing $, p. 179, light horizontal line), which appears to be a physical entity. From this then develop—that is to say, it does not actually develop, but people imagine that it does—the higher beings of the natural kingdoms: plants, animals, and so on. Then, in turn, humans imagine the future based on current physical concepts: Ultimately, earthly existence will succumb to heat death (drawing with red lines on the right)—again, a hypothesis. Thus, humans perceive, so to speak, a segment between the beginning and the end. The beginning and the end blur into unsatisfactory constructs in the eyes of modern humanity.

[ 11 ] Das war für ältere Zeiten nicht so. Für ältere Zeiten hatten die Menschen vermöge jenes Sich-Offenbarens des Göttlich-Geistigen im Scheine gerade über Erdenanfang und Erdenende ganz präzise Vorstellungen. Wir können auf das Alte Testament blicken, wir können in andere Religionslehren der Alten blicken: Wir finden im Alten Testamente gerade über den Weltenanfang in der Art, wie es eben damals gegeben werden konnte, Vorstellungen ausgebildet, so daß der Mensch aus diesen Vorstellungen sein eigenes Dasein auf der Erde begreifen konnte. Aus dem Kant-Laplaceschen Urnebel heraus kann niemand das menschliche Dasein jetzt auf der Erde begreifen.

[ 11 ] This was not the case in earlier times. In earlier times, people had very precise ideas about the beginning and end of the Earth, precisely because of that manifestation of the divine-spiritual in the light. We can look to the Old Testament; we can look to other religious teachings of the ancients: In the Old Testament, we find concepts developed specifically regarding the beginning of the world—in the manner in which such concepts could be conveyed at that time—so that human beings could understand their own existence on Earth through these concepts. No one can now comprehend human existence on Earth based on the Kant-Laplacean primordial nebula.

[ 12 ] Wenn Sie die wunderbaren Kosmogonien der verschiedenen heidnischen Völker nehmen, so haben Sie wiederum etwas, woraus der Mensch sein irdisches Dasein begreifen kann. Der Mensch also richtete den Blick auf den Erdenanfang und konnte zu Vorstellungen kommen, die ihn einschlossen. Was dann als Vorstellungen über das Erdenende da war, das hielt sich sogar länger im Bewußtsein der Menschen aufrecht. Wir sehen noch, sagen wir, in Michelangelos «Jüngstem Gericht», in anderen «Jüngsten Gerichten» bis in die neuesten Zeiten hinein Vorstellungen über das Erdenende, die durchaus den Menschen einschließen, die, mögen nun die Vorstellungen über Schuld und Sühne noch so schwierig sein, den Menschen nicht vernichten.

[ 12 ] If you consider the wonderful cosmogonies of the various pagan peoples, you have, once again, something from which human beings can understand their earthly existence. Humanity thus turned its gaze to the beginning of the Earth and was able to arrive at concepts that encompassed it. The ideas that then existed about the end of the Earth persisted even longer in people’s consciousness. We still see, for example, in Michelangelo’s “Last Judgment” and in other depictions of the “Last Judgment” right up to the present day, conceptions of the end of the world that thoroughly encompass human beings—conceptions that, no matter how difficult the ideas of guilt and atonement may be, do not destroy humanity.

[ 13 ] Nehmen wir die heutige hypothetische Vorstellung über das Erdenende: da ist ja alles in eine gleichmäßige Wärme aufgegangen. Das ganze menschliche Wesen ist abgeschmolzen. Der Mensch hat da keinen Platz. Neben dem also, daß das göttlich-geistige Sein verschwunden ist aus dem Wahrnehmungsschein, sind dem Menschen verlorengegangen im Laufe der Zeit solche Vorstellungen über Erdenanfang und Erdenende, innerhalb welcher er Geltung haben kann, innerhalb welcher er mit dem Erdenanfang und Erdenende sich selber im Kosmos sehen kann.

[ 13 ] Let us consider today’s hypothetical conception of the end of the Earth: everything has been consumed by uniform heat. The entire human being has melted away. There is no place for humanity there. In addition to the fact that divine-spiritual being has vanished from the realm of perception, humanity has, over the course of time, lost those conceptions of the beginning and end of the Earth within which it can find its place, within which it can see itself in the cosmos in relation to the beginning and end of the Earth.

[ 14 ] Was war denn für diese Menschen, in welcher Gestalt immer sie sie mögen erkannt haben, die Geschichte? Die Geschichte war das, was sich zwischen Erdenanfang und Erdenende bewegte, was einen Sinn bekam durch die Vorstellungen vom Erdenanfang und Erdenende. Nehmen Sie irgendeine heidnische Kosmologie und Sie können sich das geschichtliche Werden der Menschheit vorstellen. Sie gelangen zurück bis in Zeiten, in denen das Irdische aufgeht in einem göttlich-geistigen Weben. Die Geschichte hat einen Sinn. Auch nach vorne hin, nach dem Erdenende, hat die Geschichte einen Sinn. Blieb bis in die neueren Zeiten herein für das bildhafte Anschauen, für das religiöse Empfinden mehr erhalten die Vorstellung von dem Erdenende, so blieb für die geschichtliche Betrachtung der Erdenanfang noch in einer gewissen Weise bis in die neuesten Zeiten wie ein Nachzügler durchaus vorhanden. Bis in solch aufgeklärte Geschichtswerke wie die Rottecksche Weltgeschichte finden Sie noch das Nachwirken dieser Vorstellung vom Erdenanfang, die der Geschichte einen Sinn gibt. Wenn das auch nur noch ein Schatten ist über den Erdenanfang in Rottecks Weltgeschichte, die ja im Anfange des 19. Jahrhunderts geschrieben worden ist, es gibt das dem geschichtlichen Werden noch einen Sinn. Das ist das Bedeutsame, das Eigentümliche, daß in derselben Zeit, in der der Mensch eintritt in eine Wahrnehmungswelt des Scheines, indem ihm also die äußere Natur als Schein vor sein Wahrnehmen tritt, daß in dieser Zeit für das unmittelbare menschliche Wissen die Geschichte wegen des Fehlens von Erdenanfang und Erdenende ihren Sinn verliert.

[ 14 ] What, then, was history for these people, in whatever form they may have conceived it? History was that which unfolded between the beginning and the end of the earth, and which acquired meaning through their conceptions of the beginning and the end of the earth. Take any pagan cosmology, and you can imagine the historical development of humanity. You go back to times when the earthly merges into a divine-spiritual weaving. History has meaning. Even looking forward, toward the end of the Earth, history has meaning. While the idea of the end of the Earth has remained more intact for vivid visualization and religious sentiment right up to modern times, the concept of the beginning of the Earth has, in a certain sense, persisted like a straggler in historical reflection right up to the present day. Even in such enlightened historical works as Rotteck’s World History, you can still find the lingering influence of this conception of the beginning of the Earth, which gives history a meaning. Even if it is now only a shadow of the beginning of the Earth in Rotteck’s World History—which, after all, was written at the beginning of the 19th century—it still lends meaning to historical development. This is what is significant and peculiar: that at the very same time when humanity enters a world of perception based on appearance—in which external nature thus appears to human perception as mere appearance—history loses its meaning for immediate human knowledge due to the absence of a beginning and an end to the Earth.

[ 15 ] Nehmen Sie nur diese Sache völlig ernst. Nehmen Sie am Ausgangspunkte der Erdenentwickelung einen Urnebel, aus dem sich herausballen zuerst unbestimmte Gestalten, dann alle Wesen, die dann heraufkommen bis zum Menschen, und nehmen Sie am Erdenende den Wärmetod, in dem alles erstirbt, und dazwischen dasjenige, was wir erzählen meinetwillen von Moses, von den alten chinesischen Größen, von den alten indischen, persischen, ägyptischen Größen bis über Griechenland, bis über Rom hinaus, bis in unsere Zeiten, zu dem wir hinzufügen in Gedanken, was etwa noch kommen möchte — es spielt sich auf der Erde ab wie eine Episode ohne Anfang und ohne Ende. Sinnlos erscheint die Geschichte.

[ 15 ] Just take this matter completely seriously. Imagine, at the beginning of Earth’s evolution, a primordial nebula from which first indefinite forms emerge, then all beings, culminating in humankind; and imagine, at the end of Earth’s existence, the heat death, in which everything perishes, and in between, what we recount—for my sake—about Moses, the ancient Chinese sages, the ancient Indian, Persian, and Egyptian sages, extending beyond Greece and Rome, all the way to our own times, to which we add in our thoughts whatever might yet come—it all unfolds on Earth like an episode without a beginning or an end. History seems meaningless.

[ 16 ] Man muß sich das nur einmal klarmachen. Die Natur ist zu überschauen, wenn auch nicht in ihrem Inneren. Als Schein tritt sie vor den Menschen, indem er sie erlebt zwischen der Geburt und dem Tode. Die Geschichte wird sinnlos. Und der Mensch ist nur nicht mutig genug in unserer Zeit, sich zu gestehen, daß die Geschichte sinnlos ist, sinnlos aus dem Grunde, weil ihm entfallen ist Erdenanfang und Erdenende. Der Mensch müßte eigentlich heute das größte Rätsel empfinden gegenüber dem geschichtlichen Werden der Menschheit. Er müßte sich sagen: Sinnlos ist dieses geschichtliche Werden.

[ 16 ] One must simply bring this to mind. Nature can be grasped, even if not in its innermost essence. It appears to humans as an illusion as they experience it between birth and death. History becomes meaningless. And people today simply lack the courage to admit to themselves that history is meaningless—meaningless precisely because they have forgotten the beginning and the end of the earth. People today should actually perceive the greatest mystery in the historical development of humanity. They should say to themselves: This historical development is meaningless.

[ 17 ] Einzelne haben das geahnt. Lesen Sie bei Schopenhauer nach, was er über die Sinnlosigkeit der Geschichte aus dem abendländischen Glauben heraus vorgebracht hat, dann werden Sie eben sehen, daß Schopenhauer diese Sinnlosigkeit durchaus empfunden hat. Es muß auftreten das Verlangen, in einer anderen Weise den Sinn der Geschichte wiederum zu finden. Aus der Welt, die wir genügend finden können für die Naturerkenntnis, aus der Welt des Scheines, aus ihr heraus können wir uns gerade im Goetheschen Sinne eine befriedigende Naturerkenntnis bilden, wenn wir auf Hypothesen verzichten und in der Phänomenologie, das heißt in der Scheinlehre, in der Erscheinungslehre stehenbleiben. In der Naturlehre kann Befriedigung sein, wenn wir uns nur enthalten der störenden Hypothesen über Erdenanfang und Erdenende. Aber wir sind dann gewissermaßen in unserer Erdenhöhle eingeschlossen; wir sehen nicht heraus. Die Kant-Laplacesche Theorie und der Wärmetod verbauen uns den Ausblick in die zeitlichen Weltenweiten.

[ 17 ] Some individuals have sensed this. If you read what Schopenhauer wrote about the meaninglessness of history from the perspective of Western belief, you will see that Schopenhauer certainly felt this meaninglessness. The desire must arise to rediscover the meaning of history in a different way. From the world—which we can find sufficient for the understanding of nature—from the world of appearances, from it we can form a satisfying understanding of nature, precisely in the Goethean sense, if we refrain from hypotheses and remain within phenomenology, that is, the study of appearances. There can be satisfaction in the study of nature if we only refrain from disruptive hypotheses about the beginning and end of the Earth. But then we are, so to speak, locked inside our “cave”; we cannot see out. The Kant-Laplace theory and the heat death of the universe block our view into the vastness of the temporal universe.

[ 18 ] Im Grunde genommen ist das die Lage, in der nach dem allgemeinen Bewußtsein doch die gegenwärtige Menschheit lebt. Daher droht ihr eine gewisse Gefahr. Sie kann sich nicht recht einleben in die bloße Welt der Phänomene, in die Welt des Scheines. Vor allen Dingen mit dem inneren Leben kann sie sich nicht in diese Welt des Scheines einleben. Sie will sich der Notwendigkeit, der inneren Notwendigkeit übergeben, den Instinkten, Trieben, Leidenschaften. Wir sehen ja heute wenig von dem verwirklicht, was aus der freien Impulsivität des reinen Denkens hervorgeht. Aber ebensoviel als dem Menschen hier im Leben zwischen Geburt und Tod mangelt an Freiheit, ebensoviel kommt mit dem hypnotisierenden Zwange zwischen Tod und neuer Geburt von Unfreiheit, von Notwendigkeit in der Wahrnehmung über ihn. So daß dem Menschen die Gefahr droht, daß er durch die Todespforte schreitet, sein eigenes Wesen nicht mitnehmen kann, aber für die Wahrnehmungswelt sich nicht einlebt in etwas Freies, sondern in etwas, was ihn untertauchen läßt in Zwangsverhältnisse, was ihn wie erstarren macht in der äußeren Welt.

[ 18 ] Essentially, this is the situation in which, according to common perception, humanity currently finds itself. Consequently, it faces a certain danger. It cannot quite settle into the mere world of phenomena, the world of appearances. Above all, it cannot integrate its inner life into this world of appearances. It wants to surrender to necessity—inner necessity—to instincts, drives, and passions. After all, we see little today of what arises from the free impulsiveness of pure thought. But just as much as human beings lack freedom here in life between birth and death, just as much does a lack of freedom—a compulsion of necessity in perception—come upon them through the hypnotic compulsion between death and new birth. Thus, human beings face the danger of passing through the gate of death, unable to take their own being with them, yet—as far as the world of perception is concerned—failing to settle into something free, but rather into something that submerges them in conditions of compulsion, something that causes them to become as if frozen in the external world.

[ 19 ] Was da einschlagen muß in das Leben der Menschheit gegen die Zukunft hin, das ist, daß dem Menschen in anderer Weise das Göttlich-Geistige erscheint, als es ihm erschienen ist in alten Zeiten. In alten Zeiten konnte sich der Mensch an Erdenanfang und Erdenende innerhalb des Physischen ein Geistiges denken, mit dem er sich eins wissen konnte, das ihn nicht ausschloß. Immer mehr und mehr aber muß der Mensch von der Mitte dieses Durchgeistigten aufnehmen, statt von Anfang und Ende (siehe Zeichnung, senkrechter Strich Mitte). Und wie man im Alten Testamente am Erdenanfang sah eine Genesis des Menschen, innerhalb welcher sein Sein gesichert war, wie man hatte in heidnischen Kosmogonien ein Sich-Herausentwickeln der Menschheit, aus göttlich-geistigem Dasein, wie man hat ein Hinblicken auf das Erdenende, das sich noch erhalten hat, wie gesagt, in den Anschauungen vom Weltenuntergang, die dem Menschen auch nicht sein Sein vor sich selber nehmen, so muß sich in der neueren Zeit in einer richtigen Anschauung vom Mysterium von Golgatha für die Mitte der Erdenentwickelung dasjenige finden, wo man wiederum Göttliches und Irdisches ineinanderschaut. Recht verstehen muß der Mensch, wie der Gott durch den Menschen gegangen ist mit dem Mysterium von Golgatha. Dann ist ihm das dafür gegeben, was ihm entfallen ist für Erdenanfang und Erdenende. Aber es ist ein wesentlicher Unterschied zwischen diesem Hinblicken auf das Mysterium von Golgatha und dem früheren Hinblicken auf Erdenanfang und Erdenende.

[ 19 ] What must take hold in the life of humanity as we look toward the future is that the divine-spiritual will appear to human beings in a different way than it did in ancient times. In ancient times, human beings could conceive of a spiritual reality within the physical realm—at the beginning and end of the Earth—with which they could feel at one, a reality that did not exclude them. But more and more, however, human beings must take in from the center of this spiritualized existence, rather than from the beginning and the end (see drawing, vertical line in the center). And just as the Old Testament viewed the beginning of the Earth as a Genesis of humanity, within which human existence was secured, and just as pagan cosmogonies depicted humanity’s development out of a divine spiritual existence; just as one has a glimpse of the end of the Earth, which has been preserved, as mentioned, in the conceptions of the end of the world—which do not deprive humanity of its existence before itself—so must one find, in modern times, within a correct understanding of the Mystery of Golgotha as the midpoint of Earth’s development, that point where the divine and the earthly are once again seen as intertwined. Humanity must truly understand how God passed through humanity with the Mystery of Golgotha. Then what was lost to them regarding the beginning and end of the Earth will be restored to them. But there is a fundamental difference between this view of the Mystery of Golgotha and the earlier view of the beginning and end of the Earth.

[ 20 ] Versetzen Sie sich nur recht in das Entstehen einer heidnischen Kosmogonie. Es gibt ja allerdings heute vielfach die Vorstellung, daß diese heidnischen Kosmogonien Erdichtungen der Völker sind. Man hat die Vorstellung: So wie heute der Mensch seine Gedanken in Freiheit aneinanderkuppelt und wieder auseinanderreißt, so haben einstmals die Menschen ihre Kosmogonien ausgesponnen. Aber das ist ja nur eine verirrte Universitätsansicht und geht die Vernunft nichts an. Worum es sich handelt, das ist, daß der Mensch ganz so drinnenstand im Weltenanschauen, daß er nicht anders konnte als in dieser Weise hinschauen auf den Weltenanfang, wie es sich ihm in der Kosmogonie, in den Mythen darstellte. Es war darin keine Freiheit, es war durchaus etwas, was sich dem Menschen mit Notwendigkeit ergab. Er mußte hineinschauen in den Erdenanfang; er konnte gar nicht anders, er konnte das nicht unterlassen. Das stellt man sich heute gar nicht mehr richtig vor, wie da der Mensch durch einen instinktiven Erkenntnisgehalt sich den Erdenanfang, in gewisser Beziehung auch das Erdenende, vor die Seele stellte.

[ 20 ] Just try to imagine how a pagan cosmogony came into being. Today, however, there is a widespread notion that these pagan cosmogonies are mere fabrications of the peoples. The idea is that just as people today freely link their thoughts together and then tear them apart again, so too did people in the past spin out their cosmogonies. But this is merely a misguided academic view and has nothing to do with reason. The point is that human beings were so deeply immersed in their worldview that they could not help but view the beginning of the world in the way it was presented to them in cosmogony and in myths. There was no freedom in this; it was quite simply something that arose for humanity out of necessity. Humanity had to look into the beginning of the Earth; it could not do otherwise, it could not refrain from doing so. Today, we can no longer truly imagine how humanity, through an instinctive capacity for knowledge, held the beginning of the Earth—and, in a certain sense, also its end—before its soul.

[ 21 ] So kann sich der Mensch heute das Mysterium von Golgatha nicht vor die Seele stellen. Das ist der große Unterschied beim Christentum gegenüber den alten Götterlehren. Wenn der Mensch den Christus finden will, dann muß er ihn in Freiheit finden. Er muß sich frei zu dem Mysterium von Golgatha bekennen. Der Inhalt der Kosmogonien drängte sich dem Menschen auf. Das Mysterium von Golgatha drängt sich dem Menschen nicht auf. Er muß in einer gewissen Auferstehung seines Wesens in Freiheit an das Mysterium von Golgatha herankommen.

[ 21 ] Thus, people today cannot simply present the Mystery of Golgotha to their souls. This is the great difference between Christianity and the ancient religious teachings. If a person wants to find Christ, they must find him in freedom. They must freely profess their belief in the Mystery of Golgotha. The content of the cosmogonies was imposed upon people. The Mystery of Golgotha is not imposed upon people. They must approach the Mystery of Golgotha in freedom, through a certain resurrection of their being.

[ 22 ] Zu einer solchen Freiheit wird der Mensch geführt durch das, was ich in diesen Tagen als die Aktivität des Erkennens bei anthroposophischer Geisteswissenschaft bezeichnet habe. Wenn ein Pastor meint, er könne die «Akasha-Chronik» in einer «illustrierten Prachtausgabe» empfangen, also, er könne sie so empfangen, daß er sich nicht in innerer Aktivität anzustrengen brauchte um das, was zwar in Begriffen vor seine Seele treten muß, was aber zu Bildern werden muß, so zeigt er, daß er nur veranlagt ist, dieser Pastor, für eine heidnische Erfassung der Welt, nicht für eine christliche Erfassung; denn zu dem Christus muß der Mensch in innerlicher Freiheit kommen. Gerade wie sich der Mensch zu dem Mysterium von Golgatha stellen muß, gehört zu seinen intimsten Erziehungsmitteln zur Freiheit.

[ 22 ] Human beings are led to such freedom through what I have referred to in recent days as the “activity of cognition” in anthroposophical spiritual science. If a pastor believes he can receive the “Akashic Records” in a “deluxe illustrated edition,” that is, if he believes he can receive it in such a way that he need not exert himself in inner activity to transform what must first appear to his soul as concepts into images, then he shows that he, this pastor, is predisposed only toward a pagan understanding of the world, not a Christian one; for a person must come to Christ in inner freedom. Just as a person must confront the Mystery of Golgotha, so too does this belong to the most intimate means of his education toward freedom.

[ 23 ] Der Mensch wird gewissermaßen schon durch das Mysterium von Golgatha, wenn er es richtig erlebt, losgerissen von der Welt. Was tritt denn da ein? Erstens: Der Mensch kann jetzt in einer Scheinwahrnehmungswelt leben, denn in dieser Scheinwahrnehmungswelt wogt etwas auf, was ihn zu einem geistigen Sein führt, zu dem geistigen Sein, das garantiert ist in dem Mysterium von Golgatha. Das ist das eine. Das andere aber ist: Die Geschichte hat aufgehört, Sinn zu haben, weil Anfang und Ende weggefallen sind; sie bekommt wiederum einen Sinn, weil ihr dieser Sinn von der Mitte aus gegeben wird. Man lernt erkennen, wie alles das, was vor dem Mysterium von Golgatha liegt, hintendiert, hinzielt zu dem Mysterium von Golgatha, wie alles, was nach dem Mysterium von Golgatha liegt, ausgeht von diesem Mysterium von Golgatha. Die Geschichte bekommt wiederum einen Sinn, während sie sonst eine Scheinepisode ist ohne Anfang und ohne Ende. Indem dem Menschen die äußere Wahrnehmungswelt als Scheinwelt gegenübertritt wegen seiner Freiheit, wird ihm die Geschichte, die das nicht darf, zu einer Scheinepisode; sie steht ohne Schwerpunkt da. Sie löst sich auf in Dunst und Nebel, was sie im Grunde genommen schon bei Schopenhauer theoretisch tat. Durch dieHinneigung zu dem Mysterium von Golgatha bekommt das, was sonst geschichtlicher Schein ist, innerliches Leben, geschichtliche Seele, und zwar eine solche, die verbunden ist mit alldem, was der Mensch im modernen Zeitalter braucht, was er braucht, weil er angewiesen ist darauf, daß sein Leben sich in Freiheit entwickelt. Wenn er durchgeht durch die Pforte des Todes, hat er sich hier die große Lehre der Freiheit entwickelt, Freiheitsentfaltung angeeignet. Das Bekenntnis zu dem Mysterium von Golgatha, das wirft hinein in das Leben das Licht, das sich ausgießen muß über alldem, was frei ist im Menschen. Und der Mensch hat die Möglichkeit, sich vor der Gefahr zu retten, daß er hier im Scheine die Veranlagung für die Freiheit hat, diese Freiheit aber nicht entwickelt, weil er den Instinkten, den Trieben sich hingibt, nach dem Tode daher der Notwendigkeit verfällt. Indem er nun ein religiöses Bekenntnis, das ganz anderer Art ist als die älteren religiösen Bekenntnisse, zu dem seinigen macht, indem er ein nur in der Freiheit lebendes religiöses Bekenntnis seine ganze Seele ausfüllen läßt, artet er sich zum Erleben der Freiheit um.

[ 23 ] In a sense, simply by experiencing the Mystery of Golgotha correctly, a person is torn away from the world. What happens then? First: A person can now live in a world of illusory perception, for within this world of illusory perception something stirs that leads them to a spiritual existence—the spiritual existence guaranteed by the Mystery of Golgotha. That is one thing. The other, however, is: History has ceased to have meaning because its beginning and end have been removed; it regains meaning because this meaning is imparted to it from the center. One learns to recognize how everything that lies before the Mystery of Golgotha tends toward and points to the Mystery of Golgotha, and how everything that lies after the Mystery of Golgotha emanates from this Mystery of Golgotha. History regains its meaning, whereas otherwise it is a mere illusion without beginning or end. Because the external world of perception appears to human beings as an illusory world due to their freedom, history—which is not permitted to do so—becomes an illusion; it stands there without a focal point. It dissolves into mist and fog, which, in essence, it had already done theoretically in Schopenhauer’s thought. Through a turning toward the Mystery of Golgotha, what is otherwise historical illusion gains inner life, a historical soul—one that is connected to everything human beings need in the modern age, things they need because they depend on their lives developing in freedom. When he passes through the gate of death, he will have developed here the great lesson of freedom and made the unfolding of freedom his own. The commitment to the Mystery of Golgotha casts into life the light that must pour forth over all that is free within the human being. And human beings have the opportunity to save themselves from the danger of appearing to possess the predisposition for freedom here on earth, yet failing to develop that freedom because they surrender to their instincts and drives, and thus fall prey to necessity after death. By now making his own a religious commitment that is of an entirely different nature than the older religious commitments—by allowing a religious commitment that lives solely in freedom to fill his entire soul—he transforms himself into one who experiences freedom.

[ 24 ] Das ist es nämlich, was im Grunde genommen nur wenigen Menschen der heutigen Zivilisation aufgegangen ist: daß erst die Erkenntnis in Freiheit, die Erkenntnis in Aktivität zu dem Christus, zu dem Mysterium von Golgatha führen kann. Den Menschen war die historische Nachricht der Bibel gegeben, damit sie für diejenige Zeit, in welcher sie noch nicht Hinneigung haben konnten für Geisteswissenschaft, eine Kunde von dem Mysterium von Golgatha erhalten haben.

[ 24 ] For this is what, in essence, only a few people in today’s civilization have come to realize: that only knowledge gained in freedom, knowledge gained through active engagement, can lead to Christ, to the Mystery of Golgotha. The historical message of the Bible was given to humanity so that, during a time when they were not yet open to spiritual science, they might receive an account of the Mystery of Golgotha.

[ 25 ] Gewiß, das Evangelium wird niemals seinen Wert verlieren. Es wird einen immer größeren Wert bekommen, aber zu dem Evangelium muß hinzutreten die unmittelbare Erkenntnis des Wesens des Mysteriums von Golgatha. Der Christus muß auch durch die menschliche Kraft allein, nicht bloß durch die aus den Evangelien wirkende Kraft, erkannt, gefühlt, empfunden werden können. Das ist es ja, was für das Christentum durch die Geisteswissenschaft angestrebt wird. Die Geisteswissenschaft versucht, die Evangelien zu erklären. Sie fußt aber nicht auf den Evangelien. Sie schließt nicht aus den Evangelien. Sie kommt gerade dadurch zu ihrer hohen Bewertung der Evangelien, weil sie gewissermaßen hinterher entdeckt, was alles in den Evangelien steckt und was ja im Grunde genommen für die äußere Menschheitsentwickelung schon verlorengegangen ist.

[ 25 ] Certainly, the Gospel will never lose its value. It will take on ever greater significance, but the Gospel must be complemented by a direct understanding of the essence of the Mystery of Golgotha. Christ must also be able to be recognized, felt, and experienced through human power alone—not merely through the power emanating from the Gospels. This is precisely what spiritual science strives to achieve for Christianity. Spiritual science attempts to explain the Gospels. However, it is not based on the Gospels. Nor does it draw conclusions from the Gospels. It arrives at its high regard for the Gospels precisely because it discovers, as it were, in retrospect, all that is contained within them—and which, in essence, has already been lost to the external development of humanity.

[ 26 ] So hängen mit der ganzen neueren Menschheitsentwickelung auf der einen Seite die Freiheit, der Wahrnehmungsschein und auf der anderen Seite das Mysterium von Golgatha und der Sinn des geschichtlichen Werdens zusammen. Dieser Ablauf von allerlei Episoden, wie man ihn heute kennenlernt in der landläufigen geschichtlichen Darstellung, er bekommt eben erst Gewichtigkeit, wenn man das Mysterium von Golgatha in die geschichtliche Entwickelung hineinstellen kann.

[ 26 ] Thus, the entire recent development of humanity is linked, on the one hand, to freedom and the illusion of perception, and on the other hand, to the Mystery of Golgotha and the meaning of historical development. This sequence of various episodes, as we come to know it today in the conventional historical narrative, only gains true significance when the Mystery of Golgotha can be placed within the context of historical development.

[ 27 ] Das wurde von vielen Leuten doch in der richtigen Weise empfunden, und sie haben das richtige Bild dafür gebraucht. Sie haben sich gesagt: Man hat einstmals hinausgeschaut in die Himmelsweiten, man hat die Sonne erblickt, aber die Sonne nicht so erblickt, wie sie heute erblickt wird, so daß es Physiker gibt, die da glauben, da draußen schwimme im Weltenall ein großer Gasball. Ich habe es oft gesagt: Die Physiker würden sehr erstaunt sein, wenn sie einen Weltballon bauen könnten — und da, wo sie einen großen Gasball vermuten, würden sie negativen Raum finden, der sie im Nu überhaupt nicht nur in das Nichts, sondern jenseits des Nichts hinüber, weit hinüber über die Sphäre des Nichts befördern würde. Das, was man da an materialistischen Kosmologien heute entwickelt, das ist ja pure Phantasterei. So hat man sich nicht vorgestellt in älteren Zeiten: die Sonne — ein Gasball, der da draußen schwimmt, sondern die Sonne war ein Geistwesen. Das ist sie auch für den wirklichen Weltanschauer heute noch: ein Geistwesen, das sich nur äußerlich in der Weise repräsentiert, wie das Auge eben die Sonne wahrnehmen kann. Und dieses zentrale Geistwesen empfand die ältere Menschheit als eins mit dem Christus. Die ältere Menschheit wies auf die Sonne, wenn sie von dem Christus sprach.

[ 27 ] Many people did indeed perceive this in the right way, and they used the right image to describe it. They said to themselves: People once looked out into the vastness of the heavens; they saw the sun, but they did not see it as it is seen today, so that there are physicists who believe that a large ball of gas is floating out there in the universe. I have often said: Physicists would be very astonished if they could build a world balloon—and where they suspect a large ball of gas, they would find negative space that would carry them in an instant not merely into nothingness, but beyond nothingness, far beyond the sphere of nothingness. What is being developed today in materialistic cosmologies is pure fantasy. That is not how people imagined it in earlier times: the sun—a ball of gas floating out there—but rather, the sun was a spiritual being. That is what it still is for the true world-viewer today: a spiritual being that manifests itself outwardly only in the way the eye can perceive the sun. And ancient humanity perceived this central spiritual being as one with Christ. Ancient humanity pointed to the sun when speaking of Christ.

[ 28 ] Die neuere Menschheit muß nun nicht von der Erde hinausweisen, sondern auf die Erde weisen, wenn sie von dem Christus spricht, muß die Sonne in dem Menschen von Golgatha suchen. Mit der Anerkenntnis der Sonne als eines Geistwesens war eben verbunden eine menschenmögliche Vorstellung von Erdenanfang und Erdenende. Mit der Vorstellung von dem Jesus, in dem der Christus gewohnt hat, ist eine menschenmögliche und menschenwürdige Vorstellung der Erdenmitte möglich, und von da wird ausstrahlen nach Anfang und Ende hin, was wiederum den ganzen Kosmos so erscheinen läßt, daß der Mensch in ihm Platz hat. Man muß also einer Zeit entgegenleben, in der nicht aus den materialistischen naturwissenschaftlichen Vorstellungen Hypothesen gebaut werden über Erdenanfang und Erdenende, sondern in der ausgegangen wird von der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, und davon ausgehend das kosmische Werden auch überschaut wird. Mit der äußerlich leuchtenden Sonne empfand der alte Mensch den außerweltlichen Christus. Mit der richtigen Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha erschaut der Mensch innerhalb des geschichtlichen Erdenwerdens die Sonne dieses Erdenwerdens durch den Christus. Es glänzt so draußen in der Welt, es glänzt so in der Geschichte — draußen physisch, in der Geschichte geistig: Sonne dort, Sonne da.

[ 28 ] Modern humanity must not now point away from the Earth, but toward the Earth; when it speaks of the Christ, it must seek the Sun within the human being, in Golgotha. The recognition of the sun as a spiritual being was precisely linked to a conception of the Earth’s beginning and end that was accessible to human understanding. With the conception of Jesus, in whom the Christ dwelt, a conception of the center of the Earth that is both accessible to human understanding and worthy of human dignity becomes possible; and from there, a radiance will extend toward the beginning and the end, which in turn causes the entire cosmos to appear in such a way that there is a place for the human being within it. We must therefore strive toward a time in which hypotheses about the beginning and end of the Earth are not constructed from materialistic, scientific conceptions, but rather a time in which we proceed from the knowledge of the Mystery of Golgotha, and from this foundation also survey the cosmic process of becoming. Through the outwardly shining sun, ancient humanity sensed the otherworldly Christ. Through the correct understanding of the Mystery of Golgotha, humanity beholds, within the historical unfolding of the Earth, the sun of this earthly unfolding through Christ. It shines so brightly out there in the world; it shines so brightly in history—physically out there, spiritually in history: the sun there, the sun here.

[ 29 ] Das gibt vom Gesichtspunkte der Freiheit aus den Weg zum Mysterium von Golgatha. Ihn muß die neuere Menschheit finden, wenn sie über die Niedergangskräfte hinaus in Aufgangskräfte hineinkommen will.

[ 29 ] From the perspective of freedom, this is the path to the mystery of Golgotha. Modern humanity must find this path if it wishes to move beyond the forces of decline and enter into the forces of ascent.

[ 30 ] Das muß eben ganz tief und gründlich erkannt werden. Und diese Erkenntnis wird keine abstrakte, keine theoretische bloß sein, diese Erkenntnis wird eine solche sein, die den ganzen Menschen ausfüllt, eine zu erfühlende und im Gefühl zu erlebende Erkenntnis. Nicht bloß ein Hinschauen zu Christus, ein Erfülltsein mit Christus wird das Christentum sein, von dem Anthroposophie wird sprechen müssen.

[ 30 ] This must be understood very deeply and thoroughly. And this understanding will not be merely abstract or theoretical; it will be one that fills the whole human being—an understanding to be felt and experienced through emotion. Christianity, as anthroposophy must speak of it, will be more than merely looking to Christ; it will be a state of being filled with Christ.

[ 31 ] Man möchte immer den Unterschied wissen zwischen dem, was als ältere Theosophie gelebt hat, und Anthroposophie. Liegt dieser Unterschied nicht auf der Hand? Die ältere Theosophie hat wieder aufgewärmt die heidnische Kosmologie. Überall finden Sie in der Literatur der Theosophie die heidnische Kosmologie aufgewärmt, die für den modernen Menschen nicht paßt; sie redet ihm allerdings von Erdenanfang und Erdenende, aber das ist für ihn nicht mehr so. Und was fehlt diesen Schriften? Gerade diesen Schriften der älteren Theosophie fehlt die Mitte, fehlt überall das Mysterium von Golgatha. Und es fehlt ihnen gründlicher als selbst der äußeren Naturwissenschaft.

[ 31 ] People are always eager to know the difference between what was practiced as “older Theosophy” and Anthroposophy. Isn’t this difference obvious? Older Theosophy was simply a rehash of pagan cosmology. Throughout theosophical literature, you will find this rehashed pagan cosmology, which is unsuitable for modern people; it does speak to them of the beginning and end of the Earth, but that is no longer relevant to them. And what is missing from these writings? It is precisely these writings of older Theosophy that lack the center; the Mystery of Golgotha is missing from them entirely. And they lack it more fundamentally than even the external natural sciences do.

[ 32 ] Anthroposophie hat eine fortlaufende Kosmologie, die nicht auslöscht das Mysterium von Golgatha, sondern es aufnimmt, so daß es darinnen ist. Und alle Entwickelung bis in die Saturnzeit zurück, bis zur Vulkanzeit vorwärts wird so gesehen, daß das Licht für dieses Sehen ausstrahlt von der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha. Man muß nur den guten Willen haben, solch einen prinzipiellen Gegensatz anzuerkennen, dann wird man über den Unterschied zwischen älterer ’Theosophie und der Anthroposophie gar keinen Zweifel haben können.

[ 32 ] Anthroposophy has a continuous cosmology that does not erase the Mystery of Golgotha, but rather incorporates it, so that it is contained within it. And all development—back to the Saturnic era and forward to the Vulcanic era—is viewed in such a way that the light for this vision radiates from the understanding of the Mystery of Golgotha. One need only have the good will to acknowledge such a fundamental contrast; then one will have no doubt whatsoever about the difference between older “theosophy” and anthroposophy.

[ 33 ] Und wenn insbesondere auch sogenannte christliche Theologen immer wieder und wieder zusammenstellen Anthroposophie und Theosophie, so rührt das lediglich davon her, daß diese christlichen Theologen eben vom Christentum nicht viel verstehen. Es ist ja doch tief bedeutsam, daß Nietzsches Freund, der wirklich bedeutende Basler Theologe Overbeck, sein Buch geschrieben hat über die Christlichkeit der modernen Theologie, indem er den Nachweis zu erbringen suchte, daß die moderne Theologie, auch die christliche Theologie, eben nicht mehr christlich ist. So daß man sagen kann: Hier wurde auch schon von äußerer Wissenschaft darauf aufmerksam gemacht, daß die moderne christliche Theologie vom Christentum nichts versteht, nichts weiß.

[ 33 ] And if, in particular, so-called Christian theologians repeatedly lump anthroposophy and theosophy together, it is simply because these Christian theologians do not understand much about Christianity. It is, after all, deeply significant that Nietzsche’s friend, the truly eminent Basel theologian Overbeck, wrote his book on the Christian character of modern theology, seeking to demonstrate that modern theology—including Christian theology—is, in fact, no longer Christian. So one can say: Even external scholarship has already pointed out that modern Christian theology understands nothing of Christianity and knows nothing about it.

[ 34 ] Man sollte nur einmal gründlich erkennen, was alles zum Unchristlichen gehört. Die moderne Theologie gehört jedenfalls nicht zum Christlichen, sondern zum Unchristlichen. Aber diese Dinge möchten sich die Menschen aus Bequemlichkeit aus ihrer Erkenntnis auch hinwegwischen. Sie dürfen aber nicht hinweggewischt werden, denn so viel wie weggewischt wird, so viel verliert der Mensch an Möglichkeit, das Christentum wirklich innerlich zu erleben. Das muß erlebt werden, muß erlebt werden, weil es der andere Pol ist zu dem Freiheitserleben, das heraufkommen muß. Freiheit allein aber erlebt — erlebt werden muß sie —, würde den Menschen in den Abgrund hineinführen. Der Führer über diesen Abgrund kann ihm eben nur das Mysterium von Golgatha sein.

[ 34 ] One should just take a moment to thoroughly recognize everything that is unchristian. Modern theology, in any case, does not belong to the Christian tradition, but to the unchristian one. But out of convenience, people would like to wipe these things from their awareness. Yet they must not be wiped away, for the more that is wiped away, the more human beings lose the ability to truly experience Christianity from within. This must be experienced—it must be experienced—because it is the opposite pole to the experience of freedom that must emerge. Freedom alone, however—and it must be experienced—would lead a person into the abyss. The only guide across this abyss can be the Mystery of Golgotha.

[ 35 ] Davon dann das nächste Mal weiter.

[ 35 ] More on that next time.