Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 207
15 October 1921, Dornach
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Anthroposophy as Cosmosophy I, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Ich will noch einmal zurückblicken auf die letzten Betrachtungen. Wir haben versucht, uns Vorstellungen zu machen darüber, wie das menschliche Geistesleben, das menschliche Seelenleben und das menschliche Leibesleben zu begreifen sind. Wenn wir uns das menschliche Seelenleben vor Augen stellen, also das, was der Mensch als Inneres in sich ablaufen fühlt als Denken, Fühlen und Wollen, so finden wir ja, daß das Denkerische, also das, was unmittelbar erlebt wird als Gedankeninhalt, sich abspielt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe, daß sich dann abspielt das Fühlen zwischen dem Ätherleibe und dem astralischen Leibe, das Wollen zwischen dem astralischen Leibe und dem Ich. Wir sehen daraus, daß die Gedanken, insofern wir uns ihrer voll bewußt sind, nur darstellen, was wie aus den Tiefen des eigenen Wesens heraufblickt und den Wellen des Seelenlebens eigentlich nur die Form geben kann. So etwas wie Schatten schlagen aus den Tiefen des menschlichen Wesens herauf, erfüllen unser Bewußtsein und sind dann der Gedankeninhalt.
[ 1 ] I would like to look back once more at our recent reflections. We have tried to form ideas about how to understand human spiritual life, human soul life, and human physical life. When we consider human soul life, that is, what a person feels taking place within as thinking, feeling, and willing, we find that the thinking aspect—that is, what is directly experienced as the content of thought—takes place between the physical body and the etheric body; that feeling takes place between the etheric body and the astral body; and that willing takes place between the astral body and the “I.” We can see from this that thoughts, insofar as we are fully conscious of them, merely represent what seems to rise up from the depths of our own being and can, in fact, only give form to the waves of soul life. Something like shadows rise up from the depths of the human being, fill our consciousness, and then become the content of thought.


[ 2 ] Wenn wir uns die Sache schematisch darstellen wollten, so könnten wir uns sagen: Physischer Leib (siehe Zeichnung, blau), Ätherleib (orange), astralischer Leib (gelb) und Ich (violett). Dann würden wir zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib den Gedankeninhalt haben. — Aber Sie haben aus meinen Schilderungen der letzten Vorträge ersehen, daß dieser Gedankeninhalt in seiner Wahrheit etwas viel Realeres ist als das, was wir im Bewußtsein erleben. Was wir im Bewußtsein erleben, das ist ja nur etwas, was eben, wie ich sagte, aus der Tiefe unseres Wesens die Wellen heraufschlägt bis zum Ich. Da schlägt es herauf. Der Gefühlsinhalt liegt zwischen Ätherleib und astralischem Leib und schlägt wiederum bis zum Ich herauf, und der Willensinhalt, der ist dann zwischen dem astralischen Leib und dem Ich. Der liegt also dem Ich am nächsten. Wir können sagen: In dem Willen erlebt sich das Ich in seiner unmittelbarsten Art, während Gefühlsinhalt und Gedankeninhalt in den Tiefen unseres Wesens ruhen und nur eben die Wellen heraufschlagen in unser Ich.
[ 2 ] If we wanted to represent this schematically, we could say: physical body (see diagram, blue), etheric body (orange), astral body (yellow), and the “I” (violet). Then, between the physical body and the etheric body, we would have the content of thought. — But you have seen from my descriptions in the last few lectures that, in truth, this content of thought is something far more real than what we experience in consciousness. What we experience in consciousness is, after all, only something that, as I said, rises in waves from the depths of our being up to the “I.” That is where it rises. The content of feeling lies between the etheric body and the astral body and, in turn, surges up to the “I,” and the content of will lies between the astral body and the “I.” It is thus closest to the “I.” We can say: It is in the will that the “I” is experienced in its most immediate form, while emotional and mental content rest in the depths of our being and merely send waves rising up into our “I.”
[ 3 ] Nun aber wissen wir ja auch, daß das Wollen, daß der Willensinhalt, wie er von uns erlebt wird, dumpf erlebt wird. Von dem Willen, wie er, sagen wir, in einer Armbewegung, in einer Beinbewegung lebt, wissen wir nicht mehr als wir von dem wissen, was sich abspielt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Der Wille lebt dumpf in uns. Dennoch ist er das, was in unserem eigentlichen Ich als das ihm Nächste lebt. Bewußt, oder sagen wir wachend, nehmen wir den Willen nur wiederum durch die Gedankenabschattungen wahr, die aus den Tiefen des Wesens heraufkommen. Die Vorstellungen, die wir bewußt erleben, sind Schattenbilder eines tiefen seelischen Webens; aber sie sind eben nur Schattenbilder, während wir allerdings den Willen unmittelbar, aber dumpf erleben. Ein waches Bewußtsein vom Willen können wir aber doch nur haben durch die schattenhaften Gedankenbilder.
[ 3 ] But we also know that volition—that is, the content of the will as we experience it—is experienced in a dull manner. We know no more about the will as it is at work, say, in a movement of the arm or a movement of the leg, than we do about what takes place between falling asleep and waking up. The will lives dully within us. Yet it is what lives closest to our true self. Consciously—or, shall we say, in a waking state—we perceive the will only through the shadows of thought that rise up from the depths of our being. The ideas we consciously experience are shadows of a deep inner weaving; but they are, after all, only shadows, whereas we do experience the will directly, albeit dimly. Yet we can only have a waking awareness of the will through these shadowy thought-images.
[ 4 ] So erscheint uns die Sache, wenn wir unsere menschliche Wesenheit betrachten und dabei auf die Tiefe des Inneren sehen. Wir sehen, wie, ich möchte sagen, wenig wir von uns selbst in unserem Bewußtsein enthalten, wie wenig da heraufschlägt von dem Inneren unseres Wesens in unser Bewußtsein. Wir verstehen gewissermaßen nur wenig, was wir dem Ich nach im Inneren sind, und nehmen eigentlich nur wahr die Tingierung, welche der Gedankeninhalt heraufwirft in dieses dumpfe, willenshafte Ich.
[ 4 ] This is how the matter appears to us when we contemplate our human being and look into the depths of our inner self. We see how—I would say—little of ourselves is contained in our consciousness, how little of the innermost core of our being rises up into our consciousness. In a sense, we understand very little of what we are inwardly in terms of the “I,” and actually perceive only the tinge that the content of thought casts upon this dull, volitional “I.”
[ 5 ] Man kann eigentlich mit dem gewöhnlichen Bewußtsein von diesem gedankenerfüllten dumpfen Ich kaum mehr als ein unmittelbar Wirkliches sehen, als dasjenige ist, was wir etwa kurz vor dem Aufwachen oder kurz nach dem Einschlafen als unser dumpfes Ich empfinden. Aber in dieses dumpfe Ich schlägt ja eben mit dem Aufwachen die Welt der Sinneswahrnehmungen ein. Werden Sie sich nur einmal bewußt, wie Ihr Leben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen dumpf ist, so daß Sie die Dumpfheit fast als leer empfinden. Und erst mit dem Aufwachen, wenn Sie die Sinne nach außen öffnen, die Sinneseindrücke kommen, sind Sie an der Hand der Sinneseindrücke in der Lage, sich als Ich wirklich zu empfinden. Da schlägt der Schein der Sinneswahrnehmungen in das Ich herein. Da erfüllt jenes dumpfe Wesen, von dem ich eben gesprochen habe, der Schein der Sinneswahrnehmungen. So daß das Ich als vollbewußtes im Erdenmenschen eigentlich nur lebt in demjenigen Zustande, in dem er durch die Sinnesbilder, durch alles das, was in seine Sinne hereindringt, in Verkehr mit der Außenwelt gekommen ist, und es tritt dann von innen entgegen noch als das Hellste, noch als das, was am meisten aufhellt, der abgeschattete Gedankeninhalt.
[ 5 ] With ordinary consciousness, one can hardly perceive anything more immediately real about this thought-filled, dull “I” than what we experience as our dull “I” just before waking up or just after falling asleep. But as soon as you wake up, the world of sensory perceptions bursts into this dull “I.” Just become aware for a moment of how dull your life is between falling asleep and waking up—so much so that you almost perceive this dullness as emptiness. And only upon waking, when you open your senses to the outside world and sensory impressions arrive, are you able—guided by these sensory impressions—to truly perceive yourself as a “self.” That is when the appearance of sensory perceptions bursts into the “self.” That is when the appearance of sensory perceptions fills that dull being of which I have just spoken. Thus, the “I,” as a fully conscious entity within the earthly human being, actually lives only in that state in which it has entered into contact with the external world through sensory images—through everything that enters its senses—and it is then the shadowed content of thought that emerges from within as the brightest, as that which illuminates the most.
[ 6 ] Man kann also sagen: DieSinneswahrnehmungen dringen von außen herein. Der Willensinhalt wird nur dumpf wahrgenommen. Der Gefühlsinhalt schlägt herauf, verbindet sich mit den Sinneseindrücken. Wir sehen Rot, es erfüllt uns mit einem gewissen Gefühl; wir sehen Blau, wir hören Cis oder C und fühlen etwas dabei. Dann machen wir uns aber auch Vorstellungen über das, was die Sinneseindrücke sind. Der Gedankeninhalt, der von innen kommt, verwebt sich mit den Sinneseindrücken. Inneres verbindet sich mit Außerem. Aber daß wir im vollen wachen Ich leben, das verdanken wir eigentlich dem Sinnenschein, und unser Ich steuert dazu so viel bei, als eben jetzt beschrieben werden konnte von dem, was da entgegenschlägt dem Außeren.
[ 6 ] So one can say: Sensory perceptions come in from the outside. The content of the will is perceived only dimly. The content of emotion surges up and combines with the sensory impressions. We see red, and it fills us with a certain feeling; we see blue, we hear C-sharp or C, and we feel something as a result. But then we also form concepts about what these sensory impressions are. The content of thought, which comes from within, interweaves with the sensory impressions. The inner connects with the outer. But the fact that we live in a fully awake “I” is actually due to the sensory appearance, and our “I” contributes to this only as much as has just been described in terms of what strikes back against the external.
[ 7 ] Beachten wir wohl diesen Sinnenschein. Sehen wir auf ihn hin und seien wir uns klar darüber: er hängt ganz und gar an unserem physischen Dasein. Er kann uns nur erfüllen, indem wir unseren physischen Leib der Außenwelt im wachenden Zustande entgegenstellen. Dieser Sinnenschein, er hört auf in dem Augenblicke, wo wir, durch den Tod gehend, unseren physischen Leib ablegen in dem Sinne, wie wir das in den vorangehenden Betrachtungen besprochen haben.
[ 7 ] Let us take note of this apparent meaning. Let us look at it and be clear about this: it is entirely dependent on our physical existence. It can only fulfill us by presenting our physical body to the external world while we are awake. This sensory appearance ceases at the moment when, passing through death, we shed our physical body in the sense we have discussed in the preceding reflections.
[ 8 ] Zwischen Geburt und Tod wird also gewissermaßen unser Ich erweckt durch den Sinnenschein. Wir können von unserem eigentlichen Wesen als wache Erdenmenschen nur soviel haben, als sich an diesem Sinnenschein eben belebt. Stellen Sie sich jetzt lebhaft vor, wie das menschliche Ich-Wesen den Sinnenschein, der ja eben nur ein Schein ist, auffängt und ihn mit dem eigenen menschlichen Wesen verwebt. Nun bedenken Sie, wie da ein Äußeres ein Inneres wird, wie — Sie können es ja am Traum sehen —, ich möchte sagen, ein ganz feines Gewebe innerlich gesponnen wird, in das sich die Sinneseindrücke einweben. Das Ich bemächtigt sich dessen, was da durch die Sinneseindrücke kommt. Das Äußere wird Innerliches. Aber nur das, was innerlich wird, kann der Mensch durch die Pforte des Todes tragen.
[ 8 ] Between birth and death, our “I” is, so to speak, awakened by the radiance of the senses. As awake earthly human beings, we can only experience our true nature to the extent that it comes to life through this radiance of the senses. Now vividly imagine how the human “I” captures the sensory appearance—which is, after all, only an illusion—and weaves it into its own human being. Now consider how the external becomes internal, how—as you can see in a dream— I would say, a very fine fabric is spun inwardly, into which the sensory impressions are woven. The “I” takes possession of what comes through the sensory impressions. The external becomes internal. But only that which becomes internal can a person carry through the gate of death.
[ 9 ] Es ist also ein feines Gewebe zunächst, das der Mensch durch die Pforte des Todes trägt. Seinen physischen Leib legt er ab. Der vermittelte ihm die Sinneseindrücke. Daher sind die Sinneseindrücke ja nur Schein, denn der physische Leib wird abgelegt. Nur so viel, als das Ich von dem Schein in sich aufgenommen hat, wird durch die Pforte des Todes getragen. Der ätherische Leib wird auch abgelegt kurze Zeit nach dem Tode. Damit aber wird das, was zwischen dem physischen Leib und dem ätherischen Leib ist, von dem eigenen Wesen abgelegt. Das löst sich, wie wir gesehen haben, im allgemeinen Kosmos zunächst auf, bildet nur den Keim für weitere Welten, lebt aber eigentlich mit unserem Menschenwesen nach dem Tode nicht weiter zusammen, sondern nur das lebt weiter, was an Wellen heraufgeschlagen und sich mit dem Sinnenschein verbunden hat. Wenn man das erwägt, so kann man ungefähr eine Vorstellung bekommen von dem, was der Mensch durch des Todes Pforte trägt.
[ 9 ] So it is, at first, a fine fabric that a person carries through the gate of death. He sheds his physical body, which conveyed sensory impressions to him. Therefore, sensory impressions are merely an illusion, for the physical body is cast off. Only to the extent that the “I” has absorbed this illusion into itself is it carried through the gateway of death. The etheric body is also cast off shortly after death. With this, however, that which lies between the physical body and the etheric body is cast off by the individual’s own being. As we have seen, this dissolves into the general cosmos at first, forming only the seed for further worlds; but it does not actually continue to live together with our human being after death. Rather, only that which has surged upward as waves and united with the sensory appearance lives on. When one considers this, one can gain a rough idea of what the human being carries through the gate of death.
[ 10 ] Aus diesem Grunde, weil das so ist, muß man ja, wenn man gefragt wird: Wie kann jemand eine Verbindungsbrücke bauen zu einem hingegangenen Menschen? — folgendes sagen: Diese Verbindungsbrücke, man kann sie nicht bauen, wenn man abstrakte Gedanken, unanschauliche Vorstellungen zu dem verstorbenen Menschen hinschickt. Wenn man an den verstorbenen Menschen mit abstrakten Vorstellungen denkt — wie ist es denn da? Abstrakte Vorstellungen haben vom Sinnenschein fast nichts mehr, sie sind abgeblaßt, aber es lebt in ihnen auch nichts innerlich Wirkliches, sondern nur dasjenige, was heraufschlägt aus dem innerlich Wirklichen. Nur eine Tingierung mit dem menschlichen Wesen lebt in abstrakten Vorstellungen. Was wir also durch unseren Intellekt auffassen, das ist ja viel weniger wirklich als das, was im Sinnenschein unser Ich erfüllt. Was im Sinnenschein unser Ich erfüllt, macht unser Ich wach. Aber nur durchsetzt wird dieser wache Inhalt mit den Wogen, die aus dem eigenen Inneren heraufschlagen. Wenn wir also abstrakte, verblaßte Gedanken an einen Toten richten, kann er mit uns nicht Gemeinschaft haben; wohl aber, wenn wir uns recht innerlich konkret vorstellen, wie wir mit ihm da oder dort zusammengestanden haben, wie wir mit ihm gesprochen haben, wie er das oder jenes durch sein eigenes Sprechen von uns gewollt hat. Der Gedankeninhalt, der blasse Gedankeninhalt wird nicht viel fruchten, wohl aber, wenn wir eine feine Empfindung entwickeln für den Klang seiner Sprache, für die besondere Art von Emotion oder Temperament, mit dem er sich mit uns unterhalten hat, wenn wir das lebendig warme Zusammensein mit seinen Wünschen fühlen, kurz, wenn wir uns dieses Konkrete vorstellen, aber so, daß unsere Vorstellungen Bilder sind: wenn wir uns selber sehen, wie wir mit ihm zusammengestanden oder zusammengesessen haben, wie wir die Welt mit ihm erlebt haben. Leicht könnte man glauben, daß über den Tod hinüber gerade die blassen Gedanken spielen. Das ist nicht der Fall. Die anschaulichen Bilder spielen über den Tod hinüber. Und in Bildern des Sinnenscheins, in Bildern, die wir nur dadurch haben, daß wir Augen und Ohren, eine Tastempfindung und so weiter haben, in solchen Bildern bewegt sich das, was der Tote wahrnehmen kann. Denn er hat mit dem Tode alles abgelegt, was nur abstraktes, blasses, intellektualistisches Denken ist. Unsere bildhaften Vorstellungen, insofern wir sie uns angeeignet haben, die nehmen wir durch den Tod mit. Unsere Wissenschaft, unser intellektualistisches Denken, das nehmen wir alles nicht durch den Tod mit. Der Mensch kann ein großer Mathematiker sein, viel geometrische Vorstellungen haben — das alles legt er ebenso ab wie seinen physischen Leib. Der Mensch kann viel wissen über Sternenwelten und die Erdenoberfläche — insofern er dieses Wissen aufgenommen hat in blassen Gedanken, legt er es mit dem Tode ab. Wenn der Mensch als ein gelehrter Botaniker über eine Wiese geht und seine theuretischen Gedanken über die Blumen der Wiese sich durch den Kopf gehen läßt, so ist das ein Gedankeninhalt, der ihn nur hier auf der Erde erfüllt. Allein das, was in seine Augen hereinschlägt und was tingiert wird dadurch, daß er die Blumen liebt, was also dadurch menschlich warm gemacht wird, daß der blasse Gedanke mit dem IchErlebnis zusammengebracht wird, das wird durch des Todes Pforte getragen.
[ 10 ] For this reason—because that is how it is—when asked, “How can someone build a bridge to a person who has passed away?”—one must say the following: This bridge cannot be built by sending abstract thoughts or vague ideas to the deceased. When one thinks of the deceased person with abstract ideas—what is it like there? Abstract ideas have almost nothing left of the radiance of the soul; they are faded, but there is also nothing inwardly real living within them—only that which wells up from the inwardly real. Only a faint trace of the human being lives on in abstract ideas. So what we grasp through our intellect is far less real than what fills our “I” in the light of the senses. What fills our “I” in the light of the senses awakens our “I.” But this awakened content is interwoven only with the waves that surge up from within us. So when we direct abstract, faded thoughts toward a deceased person, he cannot be in communion with us; but he can be when we vividly imagine, deep within ourselves, how we stood together with him here or there, how we spoke with him, and how he, through his own words, wanted this or that from us. The content of our thoughts—that pale, abstract content—will not bear much fruit; but it will if we develop a subtle sensitivity to the sound of his voice, to the particular kind of emotion or temperament with which he conversed with us, if we feel the warm, living togetherness with his wishes—in short, if we imagine these concrete details, but in such a way that our imaginings are images: when we see ourselves standing or sitting together with him, experiencing the world with him. One might easily believe that it is precisely these pale thoughts that linger beyond death. That is not the case. It is the vivid images that carry over into the afterlife. And within images of sensory perception—images we possess only because we have eyes and ears, a sense of touch, and so on—it is within such images that what the deceased can perceive takes shape. For with death, he has cast off everything that is merely abstract, pale, and intellectualistic thinking. Our pictorial conceptions—insofar as we have made them our own—we take with us through death. Our science, our intellectualistic thinking—we do not take any of that with us through death. A person may be a great mathematician, possess many geometric concepts—he sheds all of that just as he sheds his physical body. A person may know a great deal about the starry worlds and the Earth’s surface—but to the extent that this knowledge has been absorbed into pale thoughts, it is cast off at death. When a person, as a learned botanist, walks across a meadow and lets his theoretical thoughts about the meadow’s flowers run through his mind, this is a line of thought that fills him only here on Earth. But what strikes his eyes and is colored by his love for the flowers—that which is thus imbued with human warmth through the union of the pale thought with the experience of the “I”—that is carried through the gate of death.
[ 11 ] Es ist wichtig, daß man weiß, was man eigentlich als wirkliches menschliches Besitztum hier auf der Erde so erwirbt, daß man es durch die Pforte des Todes tragen kann. Es ist wichtig, daß man weiß, wie der ganze Intellektualismus, der die Hauptsache der menschlichen Zivilisation seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ausmacht, etwas ist, was nur im Erdenleben Bedeutung hat, was nicht durch des Todes Pforte getragen wird. So daß man sagen kann: Das Menschengeschlecht lebte die vergangenen Zeiten, die wir besprochen haben, wenn wir nur anfangen bei der atlantischen Katastrophe, die langen Zeiten hindurch durch das alte Indertum, das alte Persertum, durch die ägyptisch-chaldäische Zeit und dann durch unser Zeitalter herauf bis zu uns, die Menschen lebten in dieser ganzen Zeit, also bis zum ersten Drittel oder bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts noch kein so ausgesprochenes intellektualistisches Leben, wie dasjenige ist, das wir heute als unser Zivilisationsleben so schätzen. — Aber von alldem, was durch die Pforte des Todes mitgetragen wird, erlebten die Menschen vor dem 15. Jahrhundert eben viel mehr. Denn gerade das, auf das sie stolz geworden sind seit dem 15. Jahrhundert, was den ganzen Wert des Erdenlebens eigentlich für die heutige gebildete, sogenannte gebildete Welt ausmacht, das ist etwas, was mit dem Tode ausgelöscht ist. Man könnte geradezu sagen: Was ist das Charakteristische der neueren Zivilisation? Das Charakteristische all dessen, was so gepriesen wird als gebracht durch den Kopernikanismus, durch den Galileismus, es ist etwas, was mit dem Tode abgelegt werden muß, was der Mensch sich eigentlich nur durch das Erdenleben erwerben kann, was aber für ihn auch nur ein Erdenbesitz werden kann. Und indem der Mensch sich heraufentwickelt hat zu der modernen Zivilisation, hat er eigentlich gerade dieses Ziel erreicht, hier zwischen Geburt und Tod zu erleben, was nur für die Erde Bedeutung hat. Es ist sehr wichtig für den modernen Menschen, daß er gründlich wisse, daß der Inhalt dessen, was heute auch gerade im Schulmäßigen als das höchste angesehen wird, nur für das Erdenleben eine eigentliche Bedeutung hat. In unseren gewöhnlichen Schulen unterrichten wir unsere Kinder mit alldem, was moderne Zivilisation ist, zunächst nicht für ihr unsterbliches Seelenteil, sondern wir unterrichten sie nur für ihr irdisches Dasein.
[ 11 ] It is important to know what one actually acquires here on Earth as true human possessions—such that one can carry them through the gate of death. It is important to know that all the intellectualism that has constituted the mainstay of human civilization since the mid-15th century is something that has meaning only in earthly life—something that is not carried through the gate of death. So that one can say: The human race lived through the past eras we have discussed—beginning with the Atlantean catastrophe, through the long ages of ancient India, ancient Persia, the Egyptian-Chaldean period, and then through our own era up to the present—and throughout all this time, that is, up until the first third or the middle of the 15th century, they did not yet lead such a distinctly intellectual life as the one we so highly value today as the life of our civilization. — But of all that is carried away through the gate of death, people before the 15th century experienced far more. For precisely that which they have come to take pride in since the 15th century—that which actually constitutes the entire value of earthly life for today’s educated, so-called educated world—is something that has been extinguished by death. One could almost say: What is the defining characteristic of modern civilization? The defining characteristic of all that is so highly praised as having been brought about by Copernicanism and Galileanism is something that must be laid aside with death—something that a person can actually acquire only through earthly life, but which can also become for them nothing more than an earthly possession. And as human beings have evolved toward modern civilization, they have in fact achieved precisely this goal: to experience here, between birth and death, what has significance only for the earth. It is very important for modern human beings to know thoroughly that the content of what is regarded today—especially in the school system—as the highest has real significance only for earthly life. In our ordinary schools, we teach our children everything that constitutes modern civilization—not primarily for the sake of their immortal soul, but solely for the sake of their earthly existence.
[ 12 ] Der Intellektualismus, er kann auch in folgender Weise von der Seele richtig erfaßt werden. Wenn der Mensch des Morgens aufwacht, da dringen die Sinnesbilder auf ihn ein. Er merkt nur, daß wie ein feines Netz die Gedanken diese Sinnesbilder durchspinnen, und er lebt ja eigentlich in Bildern. Diese Bilder verschwinden sofort, wenn er des Abends einschläft. Auch sein Gedankenleben verschwindet da. Aber der Schein dieser Sinnesbilder, er ist doch wesentlich, denn was sich von ihm das Ich aneignet, das geht mit durch den Tod. Was von innen kommt, der Gedankeninhalt, der bleibt noch in Form einer kurzen Erinnerung, wie Sie wissen, wenige Tage nach dem Tode bestehen, solange der Mensch seinen Ätherleib trägt. Dann löst sich der Ätherleib in den Weiten des Kosmos auf. Das ist ein kurzes Erlebnis für den Menschen unmittelbar nach dem Tode, daß er seine Bilder, die den Sinnenschein enthalten, insofern ihn das Ich sich angeeignet hat, ich möchte sagen, mit starken Linien durchwebt fühlt von dem, was er sich nun durch sein Wissen angeeignet hat. Aber das legt er mit seinem Ätherleib wenige Tage nach seinem Tode ab. Dann lebt er sich mit seinen Bildern in den Kosmos hinein, und dann werden diese Bilder einverwoben in den Kosmos so, wie sie dem eigenen Wesen vor dem Tode einverwoben werden. Vor dem Tode gestalteten sich die Bilder in den Sinneswahrnehmungen nach innen. Sie werden von dem menschlichen Wesen, ich möchte sagen, insofern es durch seine Haut begrenzt ist, ergriffen. Nach dem Tode, nachdem die paar Tage vergangen sind, wo das Gedankenleben noch erlebt wird, weil man den Ätherleib hat, bevor sich dieser auflöst, nach diesen Tagen werden die Bilder in einer gewissen Weise größer. Sie vergrößern sich so, daß sie gewissermaßen nach außen nun so aufgenommen werden, wie sie während des Erdenlebens nach innen aufgenommen wurden. Man könnte schematisch den ganzen Vorgang so zeichnen: Wenn das des Menschen Leibesgrenze ist (siehe Zeichnung, hell) und er im Wachzustande seine Eindrücke hat, dann bilden sich seine Innenerlebnisse von den Sinneseindrücken innerhalb seines Wesens. Nach dem Tode erlebt der Mensch seine Grenze wie ein umfassendes Gefühl; aber die Eindrücke, die wandern gewissermaßen aus ihm heraus. Er empfindet sie in seiner Umgebung (rot). So daß sich der Mensch, während er im Erdenleben sagt: Meine Seelenerlebnisse sind in mir —, sich nach dem Tode sagt: Meine Seelenerlebnisse sind vor mir, oder besser gesagt, um mich. — Sie verschmelzen mit der Umwelt. Sie werden dadurch auch innerlich anders. Sagen wir zum Beispiel, der Mensch habe sich, weil er ein Blumenliebhaber ist, besonders stark eingeprägt in immer wiederholten Sinneseindrücken eine Rose, eine rote Rose; dann wird er, wenn er nun nach dem Tode erlebt dieses Hinauswandern, die Rose größer sehen, bildhaft größer, aber sie wird ihm grünlich erscheinen. Also auch innerlich ändert sich das Bild. Alles das, was der Mensch in der grünen Natur wahrgenommen hat, insofern er wirklich mit menschlichem Anteil diese grüne Natur erlebt, nicht bloß mit abstrakten Gedanken, wird nun nach dem Tode für ihn zu einer rötlich sanften Umgebung seines ganzen Wesens. Aber es wandert das Innere nach außen: Der Mensch hat sozusagen das, was er sein Innen nennt, nach dem Tode in seiner Umgebung, außen.
[ 12 ] Intellectualism can also be correctly grasped by the soul in the following way. When a person wakes up in the morning, sensory images flood into their consciousness. They merely notice that thoughts weave through these sensory images like a fine net, and they actually live in images. These images disappear immediately when they fall asleep in the evening. Their life of thought also disappears then. But the appearance of these sensory images is nonetheless essential, for whatever the “I” appropriates from them passes through death with it. What comes from within—the content of thought—remains in the form of a brief memory, as you know, for a few days after death, as long as the person retains their etheric body. Then the etheric body dissolves into the vastness of the cosmos. This is a brief experience for the human being immediately after death: they feel that their images—which contain the sensory appearance—insofar as the “I” has appropriated them, are, I might say, interwoven with strong threads of what they have now appropriated through their knowledge. But they shed this along with their etheric body a few days after their death. Then the person lives into the cosmos with these images, and these images become interwoven into the cosmos just as they were interwoven into the person’s own being before death. Before death, the images took shape inwardly within the sensory perceptions. They are grasped by the human being—I might say—insofar as the person is bounded by their skin. After death, once the few days have passed during which the life of thought is still experienced—because one still has the etheric body before it dissolves—after these days, the images become, in a certain sense, larger. They expand in such a way that they are now, as it were, taken in outwardly, just as they were taken in inwardly during earthly life. One could schematically illustrate the entire process as follows: When this is the boundary of the human body (see drawing, light-colored) and the person has their impressions in the waking state, then their inner experiences are formed from the sensory impressions within their being. After death, the person experiences this boundary as an all-encompassing feeling; but the impressions, so to speak, flow out of them. They are perceived in the person’s surroundings (red). Thus, whereas during earthly life a person says, “My soul experiences are within me,” after death they say, “My soul experiences are before me, or rather, around me.” They merge with the environment. As a result, they also change internally. Let us say, for example, that a person, because he is a lover of flowers, has imprinted a rose—a red rose—particularly strongly upon himself through repeatedly experienced sensory impressions; then, when he experiences this “wandering out” after death, he will see the rose as larger—visually larger—but it will appear greenish to him. Thus the image also changes internally. Everything that a person has perceived in green nature—insofar as they have truly experienced this green nature with human feeling, not merely through abstract thoughts—now becomes, after death, a gentle, reddish environment surrounding their entire being. But the inner world migrates outward: after death, a person has, so to speak, what they call their “inner self” in their surroundings, on the outside.
[ 13 ] Diese Erkenntnisse, die also dem menschlichen Wesen angehören, insofern dieses wiederum der Welt selbst angehört, diese Erkenntnisse, wir können sie uns durch Geisteswissenschaft aneignen. Denn nur dadurch, daß wir uns diese Erkenntnisse aneignen, bekommen wir eine Vorstellung von dem, was wir eigentlich selber sind. Wir können nicht eine Vorstellung von dem bekommen, was wir eigentlich selber sind, wenn wir uns nur in dem Sinne kennen, wie der Mensch ist zwischen Geburt und Tod und in seiner Gedankenwebung von innen. Denn das sind die Dinge, die als solche nach dem Tode abfallen. Von dem Sinnenschein bleibt nur das, was ich Ihnen eben geschildert habe, und es bleibt so, wie ich es Ihnen geschildert habe.
[ 13 ] These insights, which thus belong to the human being insofar as the human being in turn belongs to the world itself—these insights—we can acquire through spiritual science. For it is only by acquiring these insights that we gain a conception of what we actually are ourselves. We cannot gain an understanding of what we actually are if we know ourselves only in the sense of what a human being is between birth and death and in the inner workings of their thoughts. For these are the things that, as such, fall away after death. Of the illusory appearance of the senses, only what I have just described to you remains, and it remains exactly as I have described it to you.
[ 14 ] Es ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wo die materialistische Empfindungsweise und Weltanschauung der zivilisierten Menschheit, wie ich öfter betont habe, eine Kulmination erlangt hatte, einen Höhepunkt, es ist da viel davon die Rede gewesen, wie der Mensch, wenn er sich eine Religion begründet, wenn er von irgend etwas GöttlichGeistigem in der äußeren Welt spricht, eigentlich nur sein Inneres nach außen projiziere. Sie brauchen nur einen solchen grundmaterialistischen Schriftsteller wie den Feuerbach zu lesen, der auch auf Richard Wagner einen großen Einfluß gehabt hat, so werden Sie sehen, wie dieses materialistische Denken eigentlich draußen nur die Natur sieht, das heißt aber nur den Schein, in derjenigen Gestalt, wie er sich darstellt zwischen Geburt und Tod, und wie dann diese materialistische Gesinnung glaubt, alles Denken über das Göttlich-Geistige sei doch nur das Innere des Menschen, hinausgeworfen, hinausprojiziert, so daß der Mensch das Göttlich-Geistige nur dadurch glaubt annehmen zu dürfen, weil er sein eigenes Inneres nach außen projiziert. Man nannte diese scheinbare Erkenntnis den Anthropomorphismus. Man sagte: Der Mensch ist anthropomorphistisch; er stellt sich die Welt nach dem vor, was in seinem eigenen Inneren liegt. Und es wurde ja um die Mitte des 19. Jahrhunderts bei den eigentlich charakteristischen Materialisten ein Satz geprägt, welcher darstellen sollte, wie so herrlich weit die Welt der Menschen es gebracht hätte, gerade in der neueren Zeit. Man sagte: Die Alten glaubten, Gott habe die Welt geschaffen; wir Neueren aber wissen: Der Mensch hat Gott geschaffen, das heißt, er strahlt ihn von seinem eigenen Wesen nach außen hinaus. — Das war aus dem Grunde, weil man eben nur von dem Inneren wußte, das zwischen Geburt und Tod eine Bedeutung hat. Und es war in Wirklichkeit nicht bloß eine falsche Ansicht, die man sich da gebildet hat, sondern man hatte sich eine Weltanschauung gebildet, die in der Tat anthropomorphistisch war: Man hatte von dem Göttlich-Geistigen keine anderen Vorstellungen als diejenigen, die der Mensch schließlich aus sich hinausgeworfen, hinausprojiziert hatte.
[ 14 ] It was in the mid-19th century that the materialistic mindset and worldview of civilized humanity, as I have often emphasized, had reached a culmination, a peak, there has been much talk of how, when a person establishes a religion for himself, or speaks of something divine or spiritual in the external world, he is actually only projecting his inner self outward. You need only read a thoroughly materialistic writer such as Feuerbach—who also had a great influence on Richard Wagner—to see how this materialistic way of thinking actually perceives only nature in the external world, that is, only the appearance of nature as it presents itself between birth and death, and how this materialistic mindset believes that all thinking about the divine-spiritual is merely the inner life of human beings, cast out and projected outward, so that human beings believe they may accept the divine-spiritual only because they project their own inner life outward. This apparent insight was called anthropomorphism. It was said: Human beings are anthropomorphic; they conceive of the world according to what lies within themselves. And indeed, around the middle of the 19th century, a phrase was coined among the truly characteristic materialists, intended to illustrate just how wonderfully far the human world had come, especially in recent times. It was said: “The ancients believed that God created the world; but we modern people know: Man has created God—that is, he radiates God outward from his own being.” —This was because people were aware only of the inner world that has significance between birth and death. And in reality, this was not merely a false view that people had formed, but rather they had developed a worldview that was, in fact, anthropomorphic: they had no other conceptions of the divine-spiritual than those that human beings had ultimately cast out of themselves and projected outward.
[ 15 ] Aber vergleichen Sie damit alles das, was zum Beispiel von mir in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt worden ist; da werden Sie sehen, daß die Welt nicht so dargestellt wird, wie die menschlichen Vorstellungen im Inneren sind. Was ich da darstelle als Saturn-, Sonne-, Mond-, Erdenentwickelung — der Mensch trägt es nicht in sich. Man muß erst vorausnehmen, was der Mensch nach dem Tode erlebt, was er also vor sich hinstellen kann. Da ist nichts Anthropomorphisches. Diese «Geheimwissenschaft» ist dargestellt kosmomorphistisch, das heißt, es sind die Eindrücke so, daß sie tatsächlich erlebt werden als außerhalb des Menschen stehend. Daher verstehen diese Dinge diejenigen Menschen nicht, die vorstellungsgemäß nur erleben können, was innerhalb des Menschen liegt, wie das ja so geworden ist gerade im intellektualistischen Zeitalter seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Dieses Zeitalter, das nimmt ja nur wahr, was eben im Inneren des Menschen lebt, und projiziert es nach außen. Niemals wird man eine Außenwelt so schildern können, wie ich sie in dem Kapitel meiner «Geheimwissenschaft» schildere, wo von der Saturnentwickelung die Rede ist, auch nur in der allereinfachsten elementarsten Erscheinung, wenn man nur das, was im menschlichen Inneren lebt, nach außen projiziert.
[ 15 ] But compare all of this with what I, for example, have described in my *Outline of Esoteric Science*; there you will see that the world is not depicted in the same way as human inner conceptions. What I describe there as the development of Saturn, the Sun, the Moon, and the Earth—human beings do not carry this within themselves. One must first assume what a person experiences after death—that is, what they can place before themselves. There is nothing anthropomorphic there. This “Esoteric Science” is presented in a cosmomorphic manner; that is to say, the impressions are such that they are actually experienced as existing outside the human being. That is why these things are not understood by those people who, in their imagination, can only experience what lies within the human being—as has indeed become the case, particularly in the intellectualistic age since the mid-15th century. This age perceives only what lives within the human being and projects it outward. One will never be able to describe an external world as I describe it in the chapter of my *Secret Science* that deals with the Saturn evolution—not even in its simplest, most elementary form—if one merely projects outward what lives within the human being.
[ 16 ] Sehen Sie, der Mensch lebt zum Beispiel in Wärme. Wie er durch seinen Gesichtssinn die Welt in Farben wahrnimmt, so nimmt er die Welt in Wärme wahr durch seinen Wärmesinn. Er erlebt die Wärme in seinem, ich möchte sagen, Innenmenschenwesen, insofern es durch die Haut begrenzt ist. Aber er abstrahiert dabei schon in der Wahrnehmung. Wärme im Weltenleben wahrgenommen, kann eigentlich nicht anders dargestellt werden, als indem man sie in ihrer Totalität erfaßt. Dann ist aber bei Wärme immer etwas dabei, was in der menschlichen Erfahrung nur ausgedrückt werden kann, indem man auf den Geruchssinn hinweist. Wärme, objektiv draußen wahrgenommen, hat immer auch etwas von Geruch an sich.
[ 16 ] You see, human beings live, for example, in warmth. Just as they perceive the world in colors through their sense of sight, so do they perceive the world in warmth through their sense of warmth. They experience warmth in their—I would say—inner being, insofar as it is bounded by the skin. But in doing so, they are already abstracting in their perception. Warmth perceived in the life of the world cannot really be described in any other way than by grasping it in its totality. Yet with warmth, there is always something present that, in human experience, can only be expressed by referring to the sense of smell. Warmth, objectively perceived from the outside, always has something of a smell to it.
[ 17 ] Und jetzt lesen Sie das Kapitel in meiner «Geheimwissenschaft» über denjenigen Vorgang unserer Erde, der hauptsächlich in Wärme lebt: wie da zugleich von den Geruchsempfindungen die Rede ist, indem man diese Dinge schildert. Sie sehen daraus, es ist die Wärme nicht so geschildert, wie der Mensch sie im Intellektualismus erlebt. Es ist herausgestellt aus dem Menschen. Und das, was der Mensch hier zwischen Geburt und Tod als Wärme erlebt, das ist eben sogleich nach dem Tode wie eine Geruchsempfindung da.
[ 17 ] And now read the chapter in my *Secret Science* about that process on our Earth that exists primarily as warmth: how, in describing these things, the text also speaks of olfactory sensations. You will see from this that warmth is not described as humans experience it through intellectualism. It is separated from the human being. And what a person experiences here between birth and death as warmth is, immediately after death, present as a sense of smell.
[ 18 ] Licht erlebt der Mensch hier auf der Erde eigentlich sehr abstrakt. Er erlebt dieses Licht, indem er sich einer fortwährenden Täuschung hingibt. Ich möchte darauf auch hier hinweisen: Ich habe — es ist jetzt, ich darf wohl sagen, achtunddreißig Jahre her — eine Abhandlung geschrieben, sehr grün, jugendlich, in der ich darzustellen versuchte, wie die Leute vom Lichte reden. Aber wo ist denn das Licht? Der Mensch nimmt Farben wahr; die sind seine Sinneseindrücke. Wo er immer hinschaut: Farben, irgendeine Tingierung nimmt er wahr, auch wenn er weiß, es ist eine Tingierung. Aber Licht — er lebt im Licht, aber er nimmt das Licht doch nicht wahr; er nimmt durch das Licht Farben wahr, aber das Licht selbst nimmt er doch nicht wahr. In welchen Illusionen der Mensch in dieser Beziehung im intellektualistischen Zeitalter lebt, das geht daraus hervor, daß es eine «Lichtlehre» in unserer Physik gibt; daß man so redet, als wenn das irgend etwas wäre, was Hand und Fuß hat, wenn man es als Lichtlehre betrachtet. Es hat nicht Hand und Fuß. Nur eine Farbenlehre hat Hand und Fuß, aber nicht eine Lichtlehre.
[ 18 ] Here on Earth, human beings actually experience light in a very abstract way. They experience this light by succumbing to a constant illusion. I would like to point this out here as well: I wrote—it has now been, I think I can safely say, thirty-eight years—an essay, very naive and youthful, in which I tried to describe how people talk about light. But where, then, is the light? Human beings perceive colors; these are their sensory impressions. Wherever they look, they perceive colors—some sort of tinge—even when they know it is merely a tinge. But light—they live in light, yet they do not perceive the light itself; they perceive colors through the light, but they do not perceive the light itself. The extent to which people live under illusions in this regard in our intellectualistic age is evident from the fact that there is a “theory of light” in our physics; that people speak as if it were something that makes sense when viewed as a theory of light. It does not make sense. Only a theory of color makes sense, but not a theory of light.
[ 19 ] Es brauchte schon des ganz gesunden Natursinns Goethes, damit nicht eine Optik zustande kam, sondern eine Farbenlehre. Wir schlagen heute unsere Physikbücher auf — da wird das Licht geradezu konstruiert: Strahlen werden da gezogen; die reflektieren sich und tun alles mögliche. Aber es ist ja alles keine Realität! Farben sieht man. Von einer Farbenlehre kann man sprechen, aber nicht von einer Lichtlehre. Man lebt im Lichte. Durch das Licht und am Licht nimmt man Farben wahr, aber nichts vom Lichte. Das Licht kann niemand sehen. Denken Sie sich, Sie wären in einem Raume, der ganz durchleuchtet wäre, aber kein einziger Gegenstand wäre drinnen. Sie könnten ebensogut im Dunkeln sein. Sie würden in einem Raum, wenn er ganz dunkel ist, nicht mehr für sich wahrnehmen als im bloßen Lichte; Sie könnten ihn nicht einmal unterscheiden von einem ganz dunklen Raum. Sie könnten ihn nur durch ein inneres Erlebnis unterscheiden. Aber sobald der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, nimmt er geradeso, wie er an der Wärme den Geruch wahrnimmt, an dem Lichte etwas wahr, wofür wir heute in unserer intellektualistischen Sprache nicht einmal ein passendes Wort haben — wir müßten sagen: Rauch. Ein Hinfluten, das nimmt er wirklich wahr. Das Hebräische hatte noch so etwas: Ruach. Das Hinflutende wird wahrgenommen. Dasjenige, was wir eigentlich allein berechtigt sind, Luft zu nennen, das wird da wahrgenommen.
[ 19 ] It took Goethe’s perfectly sound sense of nature to ensure that what emerged was not a theory of optics, but a theory of color. When we open our physics textbooks today, light is practically constructed: rays are drawn; they reflect off surfaces and do all sorts of things. But none of it is reality! You see colors. You can speak of a theory of color, but not of a theory of light. You live in the light. Through the light and by the light, you perceive colors, but nothing of the light itself. No one can see the light. Imagine you were in a room that was completely illuminated, but there wasn’t a single object inside. You might as well be in the dark. In a room that is completely dark, you would not perceive any more of it than you would in mere light; you could not even distinguish it from a completely dark room. You could only distinguish it through an inner experience. But as soon as a person has passed through the gate of death, just as one perceives the scent of warmth, one perceives something in the light for which we today, in our intellectualistic language, do not even have a suitable word—we would have to say: smoke. A surging in—that is what they truly perceive. The Hebrew language had a word for this: ruach. The surging in is perceived. That which we are actually the only ones justified in calling “air”—that is what is perceived there.
[ 20 ] Und wenn wir nun auf dasjenige sehen, was überall in unseren Erdenverhältnissen wirkt als chemische Wirkungen: Wir nehmen sie wahr in ihren Erscheinungen, diese chemischen Wirkungen, die chemischen Ätherwirkungen. Geistig gesehen, ohne den physischen Leib, also auch nach dem Tode, liefern sie das, was der Inhalt des Wassers ist.
[ 20 ] And when we now look at what is at work everywhere in our earthly conditions as chemical effects: we perceive them in their manifestations—these chemical effects, these chemical etheric effects. From a spiritual perspective, without the physical body—and thus also after death—they provide what constitutes the substance of water.
[ 21 ] Und das Leben selber, es ist das, was der Inhalt der Erde ist, des Festen. Unsere gesamte Erde wird von dem Gesichtspunkte des toten Menschen aus als ein großes Lebewesen wahrgenommen. Wenn wir hier auf der Erde herumwandeln, nehmen wir ihre einzelnen Wesenheiten, insofern sie Erdenwesenheiten sind, auch als Totes wahr. Aber worauf beruht denn das, daß wir Totes wahrnehmen? Die ganze Erde lebt, und sie enthüllt sich uns auch in ihrem Leben sofort, wenn wir sie von jenseits des Todes aus erblicken. Wenn das unsere Erde ist (es wird gezeichnet), so sehen wir von ihr ja immer nur ein ganz kleines Stück und sind angepaßt an das Sehen dieses kleinen Stückes, nur wenn wir sie im Geiste umschweben und außerdem ein Wahrnehmungsvermögen von außen haben, die Eindrücke also vergrößert werden, dann nehmen wir sie als ganzes Wesen wahr. Dann aber ist sie ein Lebewesen. — Damit habe ich auf etwas hingedeutet, was außerordentlich wichtig ist, einmal ins Auge zu fassen. (Es wird an die Tafel geschrieben.)
[ 21 ] And life itself—that is the very substance of the earth, of the solid world. From the perspective of a dead person, our entire earth is perceived as a great living being. When we walk about here on earth, we also perceive its individual beings—insofar as they are earthly beings—as dead. But on what does this perception of the dead rest? The entire Earth is alive, and it reveals itself to us in its life immediately when we behold it from beyond death. If this is our Earth (it is drawn), then we always see only a very small part of it and are accustomed to seeing only that small part; but when we hover around it in spirit and also have a capacity for perception from the outside—so that the impressions are magnified—then we perceive it as a whole being. Then, however, it is a living being. — With this, I have pointed to something that is extraordinarily important to consider. (It is written on the board.)
Wärme Geruch
Licht Rauch, Luft
Chemische Wirkungen Wasser
Leben Erde
Heat, Smell
Light, Smoke, Air
Chemical Effects, Water
Life, Earth


[ 22 ] Sehen Sie, ich hatte einmal mit einem Herrn ein Gespräch, der sagte, man wisse jetzt endlich durch die Relativitätstheorie, daß man sich den Menschen auch doppelt so groß vorstellen könne als er ist; das alles sei relativ, das alles hänge ja nur vom menschlichen Anschauen ab.
[ 22 ] You see, I once had a conversation with a gentleman who said that, thanks to the theory of relativity, we now finally know that we can imagine a person to be twice as tall as he actually is; that it’s all relative, that it all depends solely on the human perspective.
[ 23 ] Das ist eine ganz unwirklichkeitsgemäße Anschauung. Denn sehen Sie, wenn — es ist schon sogar ein nicht ganz eigentliches Bild, aber sagen wir — ein Sonnenkäferchen auf dem Menschen herumkriecht, so ist es im Verhältnis zum Menschen in einer gewissen Größe. Es nimmt nicht die ganze menschliche Wesenheit wahr, sondern seiner Größe gemäß immer nur wenig vom Menschen. Und deshalb ist für das Sonnenkäferchen der Mensch kein Lebendes, sondern der Mensch, auf dem es herumkriecht, ist für das Sonnenkäferchen geradeso tot, wie für den Menschen die Erde tot ist. Sie müssen den Gedanken aber auch umgekehrt denken können. Sie müssen sich sagen können: Damit der Mensch die Erde als tot erleben kann, muß er eine bestimmte Größe haben auf der Erde. Die Größe des Menschen ist nicht eine zufällige im Verhältnis zur Erde, sondern sie ist völlig angemessen dem ganzen Leben des Menschen auf der Erde. Daher kann man sich den Menschen nicht — etwa im Sinne der Relativitätstheorie — groß oder klein denken. Nur wenn man ganz abstrakt, wenn man ganz intellektualistisch denkt und vorstellt, dann kann man ihn groß und klein denken; nur dann kann man sagen: Wäre man etwas anders organisiert, so würde der Mensch vielleicht doppelt so groß erscheinen, und dergleichen.
[ 23 ] That is a view that is completely out of touch with reality. For you see, if—it’s not even a strictly accurate image, but let’s say—a little sun beetle is crawling around on a human being, it is of a certain size in relation to the human being. It does not perceive the entire human being, but—in accordance with its own size—only a small part of the human being at any given time. And that is why, for the little sun beetle, the human being is not a living being; rather, the human being on whom it is crawling is just as dead to the little sun beetle as the Earth is dead to the human being. But you must also be able to think this idea in reverse. You must be able to say to yourselves: In order for a human being to experience the Earth as dead, they must have a certain size on the Earth. The size of a human being is not arbitrary in relation to the Earth, but is entirely commensurate with the entirety of human life on Earth. Therefore, one cannot conceive of a human being as large or small—for example, in the sense of the theory of relativity. Only when one thinks and imagines in a completely abstract, entirely intellectual way can one conceive of humans as large or small; only then can one say: If we were organized somewhat differently, humans might appear twice as large, and so on.
[ 24 ] Das hört auf, wenn man eine Vorstellung in sich aufnimmt, die absieht von dem Subjektiven, und die des Menschen Größe im Verhältnis zur Erde ins Auge fassen kann. Es ist eben auch so, daß das ganze menschliche Wesen nach dem Tode ins Weltenall hinaus sich erweitert, daß der Mensch eine Zeitlang nach dem Tode viel größer wird als die Erde selbst. Dann empfindet er sie als ein lebendes Wesen. Und dann empfindet er in alledem, was Wasser ist, chemische Wirkungen. Er empfindet in dem Luftartigen das Licht, nicht abgesondert Luft und Licht, sondern in dem Luftartigen das Licht und so weiter. Bilder erlebt der Mensch, veränderte Bilder gegenüber den Bildern seines Wachlebens zwischen Geburt und Tod.
[ 24 ] This comes to an end when one embraces a concept that transcends the subjective and is capable of grasping the magnitude of humanity in relation to the Earth. It is also true that after death the entire human being expands out into the universe, that for a time after death the human being becomes much larger than the Earth itself. Then they perceive it as a living being. And then they perceive chemical processes in everything that is water. They perceive light in the airy realm—not air and light as separate entities, but light within the airy realm, and so on. Human beings experience images—images that are different from those of their waking life between birth and death.
[ 25 ] Ich sagte: Nichts können wir durch den Tod mit uns nehmen von dem, was auf intellektualistische Art von unserer Seele erworben ist, nichts davon. Aber vor dem 15. Jahrhundert, da hatte der Mensch noch eine Art Erbschaft aus Urzeiten. Sie wissen ja, diese Erbschaft war so groß in Urzeiten, daß der Mensch ein atavistisches Hellsehen hatte, das dann abgestumpft und abgeblaßt, abgelähmt wurde, das vollends in die Abstraktion überging seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Aber das, was der Mensch von dieser göttlichen Erbschaft mit durch den Tod nahm, das gab ihm eigentlich sein Wesen. So wie der Mensch hier physische Materie aufnimmt, wenn er durch die Geburt respektive durch die Empfängnis ins irdische Dasein tritt, so war es das göttliche Wesen, das er mitbrachte und durch den Tod trug, das ihm überhaupt, wenn ich sosagen darf, der Ausdruck ist grotesk, aber er wird es Ihnen verständlich machen, eine geistige Schwere — es ist natürlich polarisch entgegengesetzt der physischen Schwere —, das ihm eine geistige Schwere gab.
[ 25 ] I said: We cannot take anything with us in death of what has been acquired by our soul through intellectual means—nothing at all. But before the 15th century, human beings still possessed a kind of inheritance from primeval times. As you know, this inheritance was so vast in primeval times that human beings possessed an atavistic clairvoyance, which then became dulled, faded, and paralysed, and which completely gave way to abstraction from the middle of the 15th century onward. But what human beings took with them through death from this divine inheritance was actually what gave them their very essence. Just as human beings take on physical matter here when they enter earthly existence through birth or, respectively, through conception, so it was the divine essence that they brought with them and carried through death that, if I may say so—the expression is grotesque, but it will make it understandable to you—a spiritual heaviness—which is, of course, polar opposites to physical heaviness—that gave him a spiritual heaviness.
[ 26 ] So wie die Menschen jetzt inkarniert werden, haben sie dieses Erbe eigentlich, wenn sie richtige Zivilisationsmenschen sind, nicht mehr an sich. Höchstens da und dort kann man es noch bemerken: die nichtrichtigen Zivilisationsmenschen, die immer seltener werden, haben das noch in sich. Und es ist durchaus eine ernste Angelegenheit der Menschheitsentwickelung, daß der Mensch durch das, was er durch die intellektualistische Zivilisation erhält, sein Wesen im Grunde verliert. Und er geht der Gefahr entgegen, daß er nach dem Tode zwar so hinauswächst, daß er diese Eindrücke hat, aber daß er sein eigentliches Wesen, das Ich, verliert, wie ich das schon gestern von einem anderen Gesichtspunkte aus dargestellt habe. Und es gibt für dieses Wesen, für den neueren und zukünftigen Menschen nur eine Rettung, und die ist durch das Folgende zu erkennen: Wir können, wenn wir hier in der Sinneswelt eine Realität erfassen wollen, die das Denken so stark macht, daß es nicht bloß blasses Bild ist, sondern daß es innere Lebendigkeit hat — wir können am Menschen eine solche von innen heraus kommende Realität nur in jenem reinen Denken erkennen, das ich in meiner «Philosophie der Freiheit» als dem Handeln zugrunde liegend geschildert habe. Sonst haben wir in allem menschlichen Bewußtsein nur Sinnenschein. Wenn wir aber aus reinem Denken heraus, das heißt, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe, frei handeln, wenn wir also wirklich die Impulse unseres Handelns im reinen Denken haben, so geben wir diesem sonst Scheindenken, diesem intellektualistischen Denken dadurch, daß es zugrunde liegt unseren Handlungen, eine Realität. Und das ist die einzige Realität, die wir rein von innen heraus in den Sinnenschein hereinverweben können und mit durch den Tod nehmen können.
[ 26 ] The way people are incarnating now, they no longer possess this heritage—if they are truly civilized human beings. At most, one can still notice it here and there: those who are not true members of civilization—who are becoming increasingly rare—still possess it within themselves. And it is indeed a serious matter for human development that, through what he receives from intellectualistic civilization, man essentially loses his true nature. And they face the danger that, after death, they will indeed grow to the point of having these impressions, but that they will lose their true essence—the “I”—as I already described yesterday from a different perspective. And there is only one salvation for this being, for the modern and future human being, and it can be recognized through the following: If we wish to grasp a reality here in the sensory world that makes thinking so powerful that it is not merely a pale image but possesses inner vitality—we can recognize such a reality, arising from within the human being, only in that pure thinking which I described in my *Philosophy of Freedom* as underlying action. Otherwise, all human consciousness consists only of sensory illusion. But when we act freely out of pure thinking—that is, as I have described it in my *Philosophy of Freedom*—when, in other words, we truly derive the impulses for our actions from pure thinking, we thereby endow this otherwise illusory thinking, this intellectualistic thinking, with reality by making it the foundation of our actions. And that is the only reality we can weave into the appearance of meaning purely from within and take with us through death.
[ 27 ] Was also nehmen wir da eigentlich mit durch den Tod? Das, was wir in wirklicher Freiheit hier zwischen Geburt und Tod erlebt haben. Diejenigen Handlungen, die entsprechen der Schilderung der Freiheit in meiner «Philosophie der Freiheit», begründen, was der Mensch außer dem Sinnenschein, der sich in der Weise, wie ich es geschildert habe, umwandelt, durch den Tod hindurchtragen kann. Dadurch bekommt er wieder ein Wesen. Dadurch, daß sich der Mensch frei macht von der Determination in der sinnlichen Welt, dadurch bekommt er nach dem Tode wieder ein Wesen, dadurch ist er ein reales Wesen. Die Freiheit ist es, was, wenn wir dieses Wesen erwerben, uns gerade für die Zukunft als Menschenseelen bewahrt vor dem seelisch-geistigen Tode.
[ 27 ] So what, then, do we actually take with us through death? That which we have experienced in true freedom here between birth and death. Those actions that correspond to the description of freedom in my *Philosophy of Freedom* constitute what a human being can carry through death, apart from the appearance of meaning, which transforms in the manner I have described. Through this, the human being regains a being. By freeing themselves from the determinism of the sensory world, the human being regains a being after death; through this, they become a real being. It is freedom that, when we attain this being, preserves us—precisely for the future as human souls—from spiritual and mental death.
[ 28 ] Diejenigen Menschen, die sich nur ihren Naturgewalten, das heißt, den Instinkten und Trieben — ich habe das vom rein philosophischen Standpunkt in meiner «Philosophie der Freiheit» geschildert — überlassen, die leben in etwas, was mit dem Tode verfällt. Sie leben sich dann in die geistige Welt hinein. Selbstverständlich, ihre Bilder sind da. Aber sie würden allmählich in Anspruch genommen werden müssen von anderen geistigen Wesenheiten, wenn der Mensch sich nicht im vollen Sinne der Freiheit entwickelte, damit er wiederum ein Wesen bekomme, wie er es gehabt hat, als er sein göttlich-geistiges Erbe noch hatte.
[ 28 ] Those people who leave themselves entirely to the forces of nature—that is, to their instincts and drives—as I have described from a purely philosophical standpoint in my *Philosophy of Freedom*—live in something that decays with death. They then live their lives into the spiritual world. Of course, their images are there. But they would gradually have to be taken over by other spiritual beings if the human being did not develop in the full sense of freedom, so that he might once again become the being he was when he still possessed his divine-spiritual heritage.
[ 29 ] So innerlich hängt das intellektualistische Zeitalter mit der Freiheit zusammen. Deshalb konnte von mir immer gesagt werden: Der Mensch mußte intellektualistisch werden, damit er frei werden könne. Der Mensch verliert im Intellektualismus sein geistiges Wesen, denn er kann vom Intellektualismus nichts durch des Todes Pforte tragen. Aber er erwirbt hier die Freiheit durch den Intellektualismus, und was er so in Freiheit erwirbt, das kann er dann durch des Todes Pforte tragen.
[ 29 ] This is how deeply the age of intellectualism is connected to freedom. That is why I have always said: Human beings had to become intellectualists in order to become free. In intellectualism, human beings lose their spiritual essence, for they can carry nothing from intellectualism through the gate of death. But here they gain freedom through intellectualism, and what they thus gain in freedom, they can then carry through the gate of death.
[ 30 ] Der Mensch mag also denken so viel er will auf bloße intellektualistische Art — nichts davon geht durch des Todes Pforte. Allein wenn der Mensch das Denken verwendet, um es in freien Handlungen auszuleben, so geht so viel gewissermaßen als die geistig-seelische Substanz, die ihn zum Wesen macht und nicht zum bloßen Wissen, mit ihm aus seinen Freiheitserlebnissen durch des Todes Pforte. Im Denken wird uns durch den Intellektualismus unser Menschenwesen genommen, um uns zur Freiheit gelangen zu lassen. Was wir in Freiheit erleben, das wird uns dann wiederum gegeben als menschliches Wesen. Der Intellektualismus tötet uns, aber er belebt uns auch. Er läßt uns wieder auferstehen mit völlig verwandelter Wesenheit, indem er uns zu freien Menschen macht.
[ 30 ] So a person may think as much as he wants in a purely intellectual way—none of it passes through the gate of death. But when a person uses thinking to live it out in free actions, then—in a sense—the spiritual-soul substance that makes him a being, rather than mere knowledge, passes with him through the gate of death from his experiences of freedom. In thinking, intellectualism robs us of our human being in order to allow us to attain freedom. What we experience in freedom is then given back to us as our human being. Intellectualism kills us, but it also gives us life. It allows us to rise again with a completely transformed being by making us free human beings.
[ 31 ] Ich habe das heute zunächst so dargestellt, wie es sich aus dem Menschenwesen selbst ergibt. Morgen will ich dann, was ich heute nur aus dem Menschenwesen dargestellt habe, in Zusammenhang bringen mit dem Mysterium von Golgatha, mit dem Christus-Erlebnis, um zu zeigen, wie sich in Tod und Auferstehung nun das Christus-Erlebnis als innerliches Erlebnis beim Menschen hineinergießen kann. Davon also morgen weiter.
[ 31 ] Today I began by describing this as it arises from the human being itself. Tomorrow I intend to relate what I have described today—based solely on human nature—to the Mystery of Golgotha, to the Christ experience, in order to show how, through death and resurrection, the Christ experience can now flow into human beings as an inner experience. More on that tomorrow.
