Anthroposophie als Kosmosophie
Erster Teil
Wesenszüge des Menschen im irdischen und kosmischen Bereich
GA 205
29 Oktober 1921, Dornach
Sechzehnter Vortrag
[ 1 ] Wir haben gestern gesprochen von der Formung des Menschen und haben gesehen, wie die innere und äußere Form des Menschen herausgebildet wird aus dem Weltenall, und haben zugleich gesehen, wie bedeutsam in Zeiten älteren instinktiven Erkennens die Menschen diesen Zusammenhang der menschlichen Form mit dem ganzen Weltenall durchschaut haben. Wir müssen aber dabei doch das Folgende festhalten. Ich habe in einer der Zeichnungen gezeigt, wie man einzeichnen kann in die menschliche Gestalt den ganzen Tierkreis. Aber wir mußten als menschliche Gestalt dann eigentlich die Embryonalform des Menschen aufzeichnen. Und wenn wir diese Embryonalform aufzeichnen, dann haben wir förmlich in der Gestalt des Menschen selber die Tierkreisform nachgebildet. Der Mensch aber reißt sich gewissermaßen in seinem Leben hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod aus dieser Embryonalform heraus. Er ist während der Embryonalzeit durchaus aus dem Weltenall heraus geformt. Ich möchte sagen: Er streckt sich dann während seiner Erdenzeit. Dadurch hebt er sein Haupt heraus aus dem Kreise, der dem Tierkreis nachgebildet ist. Und dadurch, daß er sein Haupt heraushebt, daß er also während seiner physischen Lebenszeit zwar noch die Form hat, die er embryonal veranlagt bekommt, aber sie nicht mehr eingliedert in den Fixsternhimmel, dadurch bekommt der Mensch zunächst in bezug auf die Hauptesform die Möglichkeit, in diese Hauptesform aufzunehmen dasjenige, was er herüberbringt aus dem vorigen Erdenleben.
[ 2 ] Das Tier behält seine horizontale Rückgratlage. Der Kopf hängt vorne nur an dem Rückgrat daran. Das Tier behält im Grunde genommen viel mehr bei von dieser Tierkreisstellung. Dadurch aber kann das Tier auch mit Hilfe seines Hauptes nichts aufnehmen von einem vorigen Erdenleben. Das ist so, wenn wir die Form des Menschen nach der einen Seite betrachten, wenn wir uns also sagen: Würde der Mensch genau dem Tierkreis nachgebildet sein, würde er diese Form haben ink (Embryo). Dann, wenn er während des Lebens diese Form beibehielte, würde er nicht sein Wesen aus der vorigen Inkarnation durch die Hauptesform aufnehmen können. Dadurch, daß er das Haupt heraushebt aus dieser Stellung, dadurch wird die Form in die Möglichkeit versetzt, Umhüllung zu sein für das, was aus dem vorigen Erdenleben kommt.
[ 3 ] Ebenso aber hebt der Mensch dann die andere Seite heraus, die nach den letzten Tierkreisbildern hin orientiert ist, nach dem Schützen, dem Steinbock, dem Wassermann und den Fischen, also, wie wir gestern gesagt haben, nach dem äußeren Leben, nach den älteren äußeren Lebensverhältnissen: der Jagd, der Tierzüchtung, dem Ackerbau und dem Handel, der Schiffahrt. Dadurch, daß der Mensch wiederum diese Verrichtungen aus seinem Wollen heraus bildet, also aus seinem Gliedmaßensystem, das er aus der Tierkreisorientierung herausgehoben hat, dadurch bleibt ihm in alldem, was diese seine Verrichtungen, was überhaupt menschliche Verrichtungen sind, die Möglichkeit, der Keim zu späteren Erdenleben. Das Tier bleibt durchaus im Tierkreis drinnen orientiert. Dadurch hat das Tier keine Möglichkeit, von einem vorigen Erdenleben irgend etwas aufzunehmen oder nach einem folgenden Erdenleben hinüberzublicken. Daher wird auch das, was wir als den Orientierungskreis, den Tierkreis bezeichnet haben, aus einer tiefen Weisheit der älteren instinktiven Erkenntnis heraus eben der Tierkreis genannt.
[ 4 ] Aus alldem ersehen Sie, wie gründlich eigentlich diese ältere instinktive Weisheit war, und wie wir, wenn wir heute wiederum Geisteswissenschaft treiben, jetzt nicht aus Instinkt, sondern aus einem klaren Bewußtsein heraus zu denselben Tatsachen kommen und dadurch wieder erkennen, was in einer alten instinktiven Erkenntnis so gelebt hat, wie ich es in den letzten Vorträgen hier angedeutet habe, und wovor wir immer mehr und mehr Respekt bekommen, je mehr wir Einblick gewinnen in diese Urweisheit der Menschen. Das ist es, was ich Ihnen zunächst über die Form sagen möchte.
[ 5 ] Was nun in diese Form beim Menschen gewissermaßen einfließt, was in diese Form ergossen ist, das ist das Leben. Dieses Leben des Menschen, das finden wir ebenso im Ätherleib des Menschen lokalisiert, wie wir die Form im physischen Leib lokalisiert finden. Und es ist durchaus das Richtige, wenn man den physischen Leib des Menschen betrachtet, ihn seiner Form nach zu studieren, denn die Form ist das Wesentliche an dem physischen Leibe. Zu dem physischen Leibe kommt der Ätherleib hinzu, und dieser Ätherleib des Menschen, der repräsentiert vorzugsweise dasjenige, was das Leben ist. Wir haben also gestern die Form besprochen und wollen heute das Leben beoben Mitte sprechen.
[ 6 ] Wir haben gestern gesehen, wie die Form sich eigentlich aus zwölf verschiedenen Formen zusammensetzt, und wir haben versucht, diese zwölf verschiedenen Formen zu studieren. Die Gesamtform des Menschen, innerlich und äußerlich, ergibt sich, wie wir gesehen haben, aus zwölf einzelnen Formen. Ebenso ergibt sich das Leben des Menschen aus einer Reihe von einzelnen Lebensstufen. Und diese einzelnen Lebensstufen, sie kann man sich in der folgenden Weise zunächst vor die rechts Seele stellen (siehe Aufstellung Seite 86).
[ 7 ] Das erste, was der Mensch in seinem alltäglichen Bewußtsein gewöhnlich noch nicht als eine Lebensstufe ansieht, das ist das Sinnesleben. Die Sinne sind ja eingegliedert in die gesamte menschliche Wesenheit, aber sie liegen so sehr an der Peripherie, im Umkreis des Menschen, daß der Mensch eigentlich im alltäglichen Leben vergißt, daß dieses Sinnesleben die äußerste Schichte seines Lebens ist. Wir haben aber im Umkreise diese äußerste Schichte unseres Lebens, das Sinnesleben.
[ 8 ] Gehen wir weiter nach dem Inneren, dann kommen wir, indem wir uns auf die Betrachtung des Lebens beschränken, zu der Fortsetzung des Sinneslebens nach innen, und dieses Sinnesleben, das setzt sich nach innen fort in dem Nervenleben. Die Nerven gehen ja von den Sinnesorganen nach innen. Das Nervenleben setzt das Sinnesleben fort.
[ 9 ] Das Nervenleben kommt nun aber seinerseits in Berührung mit einem anderen Leben, mit einer anderen Lebensstufe, die sich im menschlichen Lebewesen entfaltet. Von gewissen Gesichtspunkten aus habe ich dieses schon bei früheren Anlässen charakterisiert. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch einatmet. Indem er einatmet, nimmt er die Atemluft auf. Diese Atemluft, die versetzt zunächst den Menschen in eine Art inneren Rhythmus. Der setzt sich fort durch den Rückenmarkskanal bis in das Gehirn. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, was auf diesen Fortsetzungen beruht. Da kommt das Nervenleben in Kontakt mit dem Atmungsleben. Und die nächste Lebensstufe, wenn wir nach innen gehen, ist in der Tat das Atmungsleben.
[ 10 ] Das Atmungsleben seinerseits wiederum, das schließt sich zusammen mit einer anderen Lebensstufe. Der Atem erneuert, wenn wir so sagen dürfen, beständig das Blut. Damit steht der Atmungsrhythmus mit dem Blutrhythmus in einem Zusammenhang, und wir können hinübergehen vom Atmungsleben in das Zirkulationsleben, in das Leben, das im Zirkulationsrhythmus enthalten ist.
[ 11 ] Die Zirkulation wiederum, sie steht nach der anderen Seite im Zusammenhang mit dem gesamten Stoffwechsel. Die Zirkulation nimmt den Stoffwechsel auf, so daß wir zur nächsten Lebensstufe, zum Stoffwechsel kommen.
[ 12 ] Der Stoffwechsel hinwiederum, der regt an, was wir in der äußeren Bewegung vollziehen. Nur dadurch, daß der Mensch im Stoffwechsel lebt, kann er sich äußerlich bewegen. Der menschliche Stoffwechsel — und auch der tierische — ist ja so geartet, daß des Menschen Seele das, was im Stoffwechsel vor sich geht, verwenden kann, um dadurch Bewegungen hervorzubringen, und wir kommen dann zu dem Bewegungsleben. Da ordnen wir uns schon wiederum in die Außenwelt ein. Da nehmen wir mit dem, was wir hervorbringen, an der Außenwelt teil.
[ 13 ] Und dann gibt es noch eine weitere Lebensstufe. Das ist das Reproduktionsleben, das Fortpflanzungsleben. In der Bewegung verbraucht der Mensch in der Tat fortwährend sich selber, und eine innere Reproduktion muß stattfinden eben deshalb, weil der Mensch in Bewegung ist. So daß man statt Bewegungsleben auch sein Korrelat schreiben könnte: innere Reproduktion, wenn man innerhalb der Haut des Menschen stehenbleiben würde. Und wenn dann diese Reproduktion selbständig auftritt, so tritt sie auf im Fortpflanzungs-, im eigentlichen Reproduktionsleben.
1. Sinnesleben
2. Nervenleben
3. Atmungsleben
4. Zirkulationsleben
5. Stoffwechselleben
6. Bewegungsleben
7. Reproduktionsleben
[ 14 ] Wir haben auf diese Weise, wie wir gestern zwölf Formelemente der Gesamtform des Menschen entwickelten, heute sieben Lebensstufen entwickelt. Diese sieben Lebensstufen, sie sind in der Tat so, daß der Mensch mit Bezug auf seinen Ätherleib in verschiedener Weise lebt auf diesen verschiedenen Lebensstufen. Wir können nicht von einem einzelnen, verwaschenen Leben reden, wenn wir die Dinge im Ernste ins Auge fassen wollen.
[ 15 ] Unser Ätherleib lebt zunächst, wenn ich so sagen darf, in der Sinnenschichte. Er lebt in der Sinnenschichte das Sinnesleben. Dieses Leben in der Sinnenschichte, das ist das Leben, das wir in der Tat kaum mehr als Leben empfinden. Wir nehmen dadurch an der Außenwelt teil. Unser Ätherleib, sagen wir, wenn wir da zum Beispiel das Auge haben, durchdringt das Auge. Er ist lebendig. Er belebt dadurch in einer gehalblinks issen Weise das Auge. Aber er berührt sich mit einem Substantiellen im Auge, das nahe dem Sterben ist. Nur dadurch, daß der Ätherleib dieses Auge noch durchdringt, ist es ein lebendiges Organ. Es ist eigentlich, abgesehen von dem es durchdringenden Ätherleib, ein physikalischer Apparat.
[ 16 ] Nun ist das bei den verschiedenen Sinnen in der verschiedensten Weise ausgebildet, daß sie auf der einen Seite ein physikalischer Apparat sind und dann vom Ätherleib durchdrungen sind. Aber im großen und ganzen ist es doch durchaus so, daß die Sinnesorgane eigentlich tote Organe sind, die eben nur einfach vom Ätherleib durchdrungen sind. So daß man das Sinnesleben schon nennen kann das ersterbende Leben (siehe Aufstellung Seite 89).
[ 17 ] Das Nervenleben hingegen, das bildet aus dem, was in den Sinnen erlebt wird, das, was das Sinnesleben dann bewahren kann. Auf dem Nervenleben beruhen alle Nachklänge, Nachwirkungen zum Beispiel, wenn wir das Auge betrachten, so daß wir im Nervenleben eine Art von ruhendem Leben haben, ein, wir können sagen, ruhendes oder bewahrendes Leben.
[ 18 ] Das Atmungsleben dagegen, das bringt dieses flüchtige und sich bewahrende Sinnesleben zur Bildhaftigkeit. Auf der Berührung des Atmungsrhythmus mit den Nervenströmungen beruht es, daß wir uns Bilder machen können von der äußeren Welt. Gedanken, abstrakte Gedanken sind noch durchaus an das Nervenleben gebunden, aber das Bildhafte ist an das Atmungsleben gebunden. So daß man sagen kann: Hier haben wir das bildende Leben. — Wir haben also, indem wir atmen, bildendes Leben in uns. Dieses bildende Leben lebt natürlich in der menschlichen Form. Dadurch, daß es in der menschlichen Form lebt, nimmt es teil an der menschlichen Form.
[ 19 ] Die menschliche Form, sie ist, wie wir gesehen haben, gebildet nach dem Tierkreis. Indem gerade dieses bildende Leben, das durch das Atmen vermittelt wird, in der Form des Menschen lebt, nimmt es auch teil an der gesamten äußeren, aus dem Sternenhimmel herausgebildeten Form. Dadurch gliedert sich diese Form auch in das Innere des Menschen hinein. Und es beruht dann auf dem Atmen, daß aus dem Atmungsprozeß nicht nur herauskommt, was der Mensch im Bewußtsein hat, sondern daß herauskommen aus dem Atmungsprozeß zunächst die Bilder sämtlicher innerer Organe in der Nachbildung an die äußere Form. Die inneren Organe werden also auf dem Umwege durch den Atmungsprozeß zunächst als Bilder gebildet. Da sind sie noch nicht substantiell. Der Atem bildet zunächst ein Bild des Menschen, ein Bild des inneren Menschen. Indem wir atmen — wir atmen ja in der Welt, bewegen uns mit der Erde im Tierkreis —, atmen wir fortwährend die Bilder unserer inneren Organisation ein. Aus dem äußeren Leben atmen wir die Bilder unserer inneren Organisation ein. So daß wir sagen können: Hier haben wir das bildende Leben. — Diese Bilder, die da eingeatmet werden, die werden nun durch das Zirkulationsleben über den ganzen Organismus verbreitet. Zirkulationsleben und Atmungsleben zusammen führen den Menschen dazu, innerlich Bild der Welt zu sein. Wir können also sagen: Hier das bildende Leben, und dann können wir sagen: die sich verbreitenden Bilder, das sich Verbreitende, die sich verbreitenden Organbilder.
[ 20 ] Dadurch nun, daß das Zirkulationsleben an den Stoffwechsel sich anschließt, wird der Stoff eingefügt diesen Bildern, und es entstehen bei der fünften Lebensstufe die stofflichen Organe. Es schiebt sich der Stoff in die Bilder hinein. Er tingiert die Bilder. Wir haben also durch unseren oberen Menschen, durch unser Atmungsleben unser inneres Bild, und die Bilder machen wir gewissermaßen zu Wirklichkeiten durch den tingierenden Stoff, der sich da hineinschiebt.
[ 21 ] Aus dem Bewegungsleben schiebt sich in die stofflichen Organe die Kraft ein. So daß wir sagen können: Wir haben die stofflichen Organe, und hier haben wir das kraftende Leben in den Organen. Und das Reproduktionsleben ist dann das sich erneuernde Leben.
[ 22 ] Sie sehen da zu gleicher Zeit, wie der dreigegliederte Mensch gebildet ist: der Nerven-Sinnesmensch, der Zirkulationsmensch, der Mensch des Rhythmus, und der Stoffwechsel-Gliedmaßenmensch oder Stoffwechsel-Bewegungsmensch. Durch die Reproduktion entsteht ja wiederum erst der neue Mensch.
[ 23 ] Diese Attribute, die ich Ihnen hier rechts dazugeschrieben habe, die geben Ihnen eine Vorstellung von den Unterschieden, die zwischen den Lebensstufen bestehen. Indem unser Ätherleib in den Sinnen lebt, lebt er in einer Art ersterbendem Leben. In einem bewahrenden Leben lebt er, indem er im Nervenleben, in den Nervenströmen ist. Im Atmungsleben wird eigentlich unser Ätherleib der richtige Bildekräfteleib, der die Bilder entwirft. Und daß diese Bilder dann wirklich zur gesamten inneren Organisation werden, das vermittelt das Zirkulationsleben. Mit Stoff füllt sich das aus vom Stoffwechselleben. Indem der Ätherleib den Stoffwechsel durchdringt, tingiert er den eigentlichen Bildekräfteleib. Und dann kommt die subjektive menschliche Kraft hinein durch das Leben der Gliedmaßen und so weiter.
[ 24 ] Auch diese Zusammenhänge hat eine alte instinktive Weisheit durchschaut. Sie wußte, daß der Mensch das Leben von außen aufnimmt und innerlich weiterbildet, richtig innerlich weiterbildet. So etwa dachten sich diese älteren Weisen die Sache. Sie sagten sich: Nehmen wir eine äußerste Schichte des Erdenumkreises, der Weltensphäre, nehmen wir eine nächste Schichte, nehmen wir eine weitere Schichte — so haben wir die äußerste Schichte zunächst am nächsten dem Fixsternhimmel, also demjenigen im Weltenall, dem der Mensch seine Form verdankt. Sein Leben, sagte nun diese ältere instinktive Weisheit, erfließt ihm nicht aus dem Fixsternhimmel, sondern aus dem planetarischen Himmel. Da unterschied er zunächst den Saturn, den Jupiter, den Mars, die Sonne. Wenn wir die Sonne in ihrer wahren Wesenheit ins Auge fassen, ich habe ja über diese wahre Wesenheit der Sonne des öfteren gesprochen, so unterscheidet sie sich — man nennt sie deshalb in der populären Astronomie einen Fixstern — von den übrigen Gliedern des Planetensystems, das zur Erde gehört, dadurch, daß sie als Lichtquelle erscheint. Sie erscheint als Lichtquelle. Sie ist insofern von den anderen Gliedern verschieden, als die anderen Glieder nicht als Lichtquellen erscheinen, sondern sie erscheinen als Bilder. Man sagt ja deshalb auch in der populären Astronomie: Sie haben das erborgte Licht, sie strahlen das Licht der Sonne zurück. — Die Sonne selbst erzeugt, im populären Sinne gesprochen, das Licht; die anderen planetarischen Körper strahlen das Licht zurück.
[ 25 ] Vergegenwärtigen Sie sich den Unterschied: ob man Sonne hat, die das eigene Wesen aus sich hervorgehen läßt in dem Lichte, oder ob man die anderen Himmelskörper, die Planeten hat, die nur das Bild des äußeren Wesens zeigen, gewissermaßen nur, was sie an der Oberfläche tragen, dadurch sichtbar machen, daß sie das Sonnenlicht zurückwerfen. Es ist ein wesentlicher Unterschied.
[ 26] Und indem die Sonne gewissermaßen die Quelle des Lichtes ist, ist sie auch die Quelle des Lebens. Und sie ist auch noch eine andere Quelle. Zu allen Zeiten hat man schon innerhalb der instinktiven Erkenntnis gesprochen von einer dreifachen Sonne, von der Sonne als Lichtquelle, Lebensquelle, Liebesquelle. Diese Trinität ist durchaus in der Sonne enthalten.
[ 27 ] Nun brauchen Sie heute gar nicht zu sündigen wider das kopernikanische Weltensystem, sondern Sie können es durchaus beibehalten und können dennoch aus diesem kopernikanischen Weltensystem heraus einsehen, was die Alten, die eine instinktive kosmische Erkenntnis gehabt haben, mit ihrem Weltensystem gemeint haben. Nehmen wir also an, kopernikanisch gedacht in der Mitte, oder meinetwillen in einem Brennpunkte, aber das können wir jetzt unbeachtet lassen, da stehe die Sonne; es drehen sich Merkur, Venus, Erde, Mars — die Planetoiden können wir heute unberücksichtigt lassen —, Jupiter, Saturn um sie herum.
[ 28 ] Nun nehmen wir die Sache aber so; Nehmen wir hier die Stellung, die ja durchaus auch möglich ist, daß wir hier (oben) haben Saturn, Jupiter, Mars, und nun kommen wir zu Sonne, Merkur, Venus, Erde mit dem Mond aber, den wir hier so aufstellen.
[ 29 ] Nun ist eine solche Stellung natürlich nicht notwendig ins Auge zu fassen, sondern ich stelle sie nur deshalb hin, um Ihnen zu zeigen, daß in der Tat, trotz des kopernikanischen Systems, auch die Reihenfolge möglich ist, welche die Alten angenommen haben: Mond, Venus, Merkur, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn. Man braucht nur die Konstellationen so zu nehmen, daß eben die Erde auf einer Seite von der Sonne steht und irgendwo auf der anderen die äußeren Planeten. Es ist ja gar nicht nötig, daß eine solche Oppositions- oder Konjunktionsstellung stattfindet, das kann ja auch alternierend geschehen, abwechselnd, aber diese Reihenfolge ist eben durchaus auch denkbar. Und an diese Reihenfolge hat eine alte instinktive Weisheit gedacht.
[ 30 ] Warum? Weil ihr diese Reihenfolge wichtig erschien. Der alte Mensch sagte sich: Nehmen wir an, hier auf der Erde lebe der Mensch. Der Mensch ist ausgesetzt dem Universum. Er erlebt die Sonnenstrahlen. Die Sonnenstrahlen sind ihm zunächst Lichtquelle, Lebensquelle, Liebesquelle. Dadurch kommt Licht, Leben, Liebe in ihn hinein. Die Sonne ist die Quelle von diesen dreien. Nun ist aber der Mensch nicht nur ausgesetzt dem Sonnenleben, der Sonnenliebe, dem Sonnenlichte, sondern auch dem Bildhaften des Saturn. Wenn der Mensch bloß, auf der Erde sich entwickelnd, dem Sonnenleben ausgesetzt wäre, dann würde er das Leben seiner Sinne nicht entwickeln können. Nehmen wir die Augen — einen Sinn: sie würden sich nicht als physikalische Apparate absondern. Sie würden so wie irgendein anderer Teil des menschlichen Körpers dadrinnen sitzen. Sie würden etwa Muskelorgane oder so etwas sein, Gefäße. Also wenn der Mensch fortwährend der Sonne ausgesetzt wäre, würde er eben seine Augen, aber auch die anderen Sinne nicht entwickeln können. Daß er die Sinne entwickeln kann, das verdankt er dem Umstande, daß den Sonneneinfluß abschwächt der Saturn, der in der äußersten Sphäre sich herumbewegt. Also dieser Saturn trocknet gewissermaßen das Gefäß aus, und es entsteht dadurch der physikalische Apparat, grob gesprochen. So daß aus dieser instinktiven Erkenntnis heraus, auf die wir heute wieder kommen, der alte Mensch sagte: Das Sinnesleben ist hereingewirkt vom Saturn.
[ 31 ] Und ein Zweites: Der Mensch ist nun nicht bloß dem Saturnleben ausgesetzt. Wenn er dem Sonnenleben fortwährend ausgesetzt wäre, würde er nicht nur keine Sinne entwickeln können, sondern er würde auch sein Nervenleben nicht entwickeln können. Das Nervenleben, das trocknet aus, sonst würde es überwuchern. Die Nerven würden auch Organe sein so wie etwa die Muskeln. Dieses Austrocknende im Nervenleben, das ist der Einwirkung von Jupiter entsprechend. So daß der alte Mensch gesagt hat: Das Nervenleben wird angeregt vom Jupiter.
[ 32 ] Sehen Sie, der Saturn kreist um die Sonne herum in dreißig Jahren etwa annähernd. Da erlebt natürlich der Mensch, wenn er auf der Erde lebt, einmal annähernd, daß der Saturn gewissermaßen von der Sonne zugedeckt ist. Wenn der Mensch das Glück hat, den Saturn von der Sonne besonders stark zugedeckt zu erhalten, dann dämmert in sein Sinnesleben hinein ein starkes Sonnenleben. Man möchte sagen: Die Augen oder andere Sinne — die Augen kommen dabei allerdings am wenigsten in Betracht, aber wir können an ihnen, weil sie am deutlichsten sind, am besten exemplifizieren —, die Augen bekommen dann eine Anregung. Wenn der Mensch also während seines Erdenlebens einmal die Konstellation erlebt, daß gewissermaßen der Saturn auf seine Sinne nicht wirkt, dann kann es sein, daß er die Entdeckung macht, wie gerade durch seine Sinne eine besondere kosmische Einwirkung geschieht. Er bekommt eine Anregung. Er wird sinnlich stärker. Solche Dinge gibt es. Die wollen dann die Menschen als alles mögliche erklären, nur nicht als das, was sie sind.
[ 33 ] Es gibt heute eine ganz große amerikanische Literatur über diese Dinge. Da kommt William James und redet von allerlei «Erweckungen». Er redet davon, wie es Menschen gibt, in denen das Leben eine besondere Erweckung erfährt. Lesen Sie nur einmal nach in den Büchern dieses William James und in denen seiner Schüler, da werden Sie finden, daß das ein besonderes Phänomen ausmacht, daß der Mensch zu irgendeiner Zeit eine besondere Anregung erfährt. Natürlich wissen diese Leute nicht, wovon das kommt, wissen nicht, daß das davon kommt, daß solch eine Konstellation eintritt entweder mit Saturn oder Jupiter. Wenn das Saturnleben verdeckt wird, wird das Sinnesleben besonders angeregt; wenn das Jupiterleben verdeckt wird, was noch leichter sein kann übrigens, weil Jupiter alle zwölf Jahre, also schneller herumkreist, da findet der Mensch eine Anregung seines Nervenlebens.
[ 34 ] Alle diese Dinge, die da verzeichnet werden, die werden ins Unterbewußtsein verlegt. Dieses Unterbewußtsein, das ist das reine Faulbett heute für alle Leute von der Sorte des William James, von der Sorte der Psychoanalytiker. Dieses Unterbewußtsein, es ist ja ein rein negativer Begriff, es ist ein Spucknapf, in den man alles hineinspucken kann, wofür man gar keine Erklärung mehr hat im Leben. Ein reiner Spucktopf ist dieses Unterbewußtsein. Da muß alles herein, ’rein, ’rein; da sind die verborgenen Seelen-«Provinzen», nicht wahr, drinnen, die dann gelegentlich reagieren und so weiter. Es wäre schon im höchsten Grade wünschenswert, daß alle diese sowohl pragmatischen wie psychoanalytischen Theorien einmal eine gründlichere Beleuchtung erfahren würden.
[ 35 ] Der dritte Planet ist dann der Mars. Er schwächt das wuchtende Leben zur Atmung ab. Auch bei ihm kann natürlich das der Fall sein, daß die Sonne ihn zudeckt. Dann kann das Atmungsleben eine besondere Anregung erfahren. Da der Mars aber sehr rasch, etwa in zwei Jahren herumkreist, so ist das so, daß das fast jeder Mensch erfährt, und daher jeder Mensch in seinem Atmungsleben, in seinem Bild-Erleben gewisse Anregungen bekommt. Sie sind ja nicht immer allerersten Ranges, aber die Menschen werden dann Dichter oder so was dergleichen, oder Komponisten, die Anregungen in ihrem Atmungsleben empfangen. Da geht es dann nicht so tief, daß dann Leute wie James dem nachspekulieren. Das findet man als etwas Erklärliches. Also den Mars betrachteten die alten instinktiven Weisen als Anreger für das Atmungsleben.
[ 36 ] Dann ist es das Sonnenleben selber, welches den Menschen anregt, die Sonne selber, die Sonne als das Leben-, Liebe-, Licht-Erregende, äußerlich Licht-Erregende, innerlich Liebe-Erregende und im Verkehr mit der Außenwelt Leben-Erregende. Das wird nun in die Mitte zwischen Atmungsleben und Zirkulationsleben versetzt, wohin es auch die alte Weisheit versetzt hat. Zwischen dem Atmungsleben und dem Zirkulationsleben liegt ja das Herz, der Ausdruck, nicht der Motor, aber der Ausdruck für das, was zwischen Zirkulation und Atmung sich abspielt.
[ 37 ] Und wir kommen dann zum Stoffwechsel. Wie gesagt, die alte Wissenschaft hat nun die Konstellation so betrachtet: den Merkur hat sie nun nicht so betrachtet, daß sie das Hauptaugenmerk darauf legte, inwiefern die Sonne ihn zudecken kann wie die anderen Planeten, sondern inwiefern er die Sonne zudeckt gegenüber der Erde, also daß er die Sonne zudeckt. Für den Merkur betrachtete die alte Weisheit die Stellung zwischen Sonne und Erde als das Wesentliche. Für den Jupiter betrachtete die alte Weisheit die Stellung außerhalb der Sonne als das Wesentliche. Für den Merkur fand sie wichtig für die Entwickelung des Lebens des Menschen die Stellung zwischen Sonne und Erde. Da deckt der Merkur die Sonne zu. Sonst hat immer die Sonne die anderen zugedeckt; hier deckt der Merkur die Sonne zu, das heißt, er schwächt das Leben ab. Indem dadurch eine Wirkung ausgeübt wird, daß also das Sonnenleben abgeschwächt wird, regt sich das abgeschwächte Leben im Inneren. Der Mensch würde — wenn sich dieses Leben nicht abschwächen würde —, er würde, wenn er irgend etwas zu sich nehmen würde, es — verzeihen Sie — sofort wieder ausspeien; er würde gar nichts von äußerem Stoff in sich dulden, er würde fortwährend speien. Er würde sich dann das Essen abgewöhnen, weil das ja zu langweilig wäre. Das Leben der Sonne ist eben so stark im Menschen. Wenn also nur Herz-, das heißt Sonnenleben wäre, würde der Mensch nichts in sich verarbeiten können von Stoffen. Er würde alles gleich ausspeien. Daß der Mensch einen Stoffwechsel entwickeln kann, das verdankt er lediglich dem Umstande, daß hier das Merkurleben etwas abschwächt das Sonnenleben. So daß aus diesem Grunde die alte Weisheit eingeschaltet sich dachte, als fortwirkend aus dem Kosmos, zwischen das Zirkulationsleben und das Stoffwechselleben, das Merkurwesen. Das Merkurwesen schiebt also den Stoff durch den menschlichen Organismus hindurch in die einzelnen Organe hinein. Die Kraft aber wird hineingestoßen durch das Bewegungsleben.
[ 38 ] Das Bewegungsleben, das ist nun ebenso abhängig von dem Venusleben wie das Stoffwechselleben von dem Merkurleben. Daher hat die alte Weisheit hier die Kraft, welche durchfließt, also dieses innerliche Sich-selbst-Erneuern, dieses Einen-zweiten-Kraftmenschen-in-sich-Fühlen, dem Venusleben zugeschrieben.
[ 39 ] Das Mondenleben, das nahe dem Erdenleben selber liegt, das wirkt nun nicht bloß so abschwächend, daß der Mensch Stoff, daß er Kraft verarbeitet. Ich habe das einmal auseinandergesetzt, worauf die Reproduktion beruht: Es wird ausgespart, es wird gewissermaßen organisch Materie zurückgeschoben. Darauf beruht ja die Keimesbildung im Menschen, daß organisch Materie zurückgeschoben wird und daß aus dem Kosmos heraus der Embryo eigentlich seiner Kraft nach organisiert wird. Das Reproduktionsleben beruht in dieser Beziehung auf dem Mondenleben.
[ 40 ] So wie ich Ihnen gestern die Beziehung der menschlichen Form in ihren zwölf Stücken darstellen konnte in Beziehung auf den Fixsternhimmel, so habe ich mich heute bemüht, Ihnen zu zeigen, wie sowohl im Einklange mit der alten instinktiven Weisheit, wie im Einklange mit der neueren anthroposophischen Wissenschaft das Leben des Menschen in seinen verschiedenen Stufen zusammenhängt mit dem planetarisch-kosmischen Leben. Und das geschieht dadurch, daß in der Tat durch die verschiedene Stellung der Erde zu den Gliedern des Planetensystems und zu dessen Mittelpunkt, der Sonne, das Leben in der verschiedensten Weise modifiziert wird. Es wird erstorben gemacht, bewahrt, in Bildung getrieben im oberen Menschen. Es wird abgeschwächt im unteren Menschen, so daß der Mensch von der Erde aufnehmen kann das Stoffliche, die Kraft der Erde. Der Mensch nimmt einfach die Abstoßungskraft der Erde in seine eigene Kraft auf und bildet dadurch die Kraft seiner Organe aus und so weiter.
[ 41 ] So sehen wir auch das Leben des Menschen aus dem Kosmos hervorgehen (siehe Aufstellung: Planeten).
[ 42 ] Wir haben hier die Möglichkeit, uns zu sagen: Schauen wir zum Fixsternhimmel hinauf, dann sehen wir im Fixsternhimmel die Repräsentanten, nämlich in den Tierkreisbildern die Repräsentanten der Bildung der menschlichen Form. Beobachten wir die Bewegung der Planeten, so haben wir darinnen das, was uns aus dem Kosmos heraus erklärlich macht die verschiedenen menschlichen Lebensstufen. Wir blikken bis zum Saturn, indem wir das Sinnesleben nehmen, bis zum Jupiter, indem wir das Nervenleben nehmen, bis zum Mars, indem wir das Atmungsleben nehmen. Dieses Atmungsleben wirkt in Bildern.
[ 43 ] Nun stellen wir einmal dieses Atmungsleben besonders heraus. Ich sagte Ihnen: Die Bilder werden aufgenommen aus dem Kosmos heraus: Form. Also das, was aus dem Tierkreis heraus erlebt wird in der Bewegung, das fließt gewissermaßen als die Bilder der inneren Organe nach innen. Aber der Mensch steht zwischen Geburt und Tod auf der Erde. Das Untere wirkt nach dem Oberen hinauf. Dadurch wird immer alles polarisch ausgebildet. Diese Bilder gehen schon nach innen; sonst hätten wir eben keine Organe, wenn die Bilder nicht nach innen gehen würden und tingiert werden könnten mit dem Stoffe. Aber es findet überall ein Gegenüber statt. So daß wir sagen können: Wenn wir atmen, werden die Bilder — sagen wir also zum Beispiel das Bild der Niere — nach innen getrieben. Der Stoff, der füllt dann das aus (rot); aber es entsteht ein Gegenüber, nach oben wiederum. Das heißt, es werden gewissermaßen im Echo diese Bilder wieder zurückgeworfen. Also die Bilder, die hat der Mensch einmal aufgenommen. Sie müssen nicht an Gleichzeitigkeit denken, die Organe sind einmal da. Der Mensch hat die Dinge natürlich gebildet in den ersten Zeiten seines Erdendaseins, aber der Rückschlag kann fortwährend geschehen. Wie das Seelische dabei mitwirkt, werden wir dann morgen sehen. Der Rückschlag geschieht fortwährend. Also stellen Sie sich jedes für sich vor: Sie nehmen die Bilder für Ihre inneren Organe mit dem Lebensprozesse auf. Das wird wiederum zurückgestoßen, das heißt, es kommen wiederum herauf, zurück die Echos dieser Bilder, auch der Tierkreis, namentlich mit dem Atmungsleben darinnen. Nun, Sie brauchen bloß an Ihre Ohren zu denken, dann haben Sie diesen Rückschlag. Diese Bilder werden in die Luft hinein gebildet, das sind die Vokale, die Konsonanten! Von den Planeten kommen mehr die Vokale, von den Tierkreisbildern kommen die Konsonanten. Dieser Rückschlag ist die Sprache. Was hineingeht, bildet die Organe. Was wiederum zurückgeschlagen wird, lebt in der Sprache. Konsonanten und Vokale werden gewissermaßen in uns hineingetrieben, bilden die Grundlage unserer Organe. Was mehr Form ist in unserem Inneren, kommt mehr von den Tierkreisbildern, was mehr Leben ist, kommt mehr von den Planeten. Wenn mehr das Leben zurückgeschlagen wird, vokalisieren wir, wenn mehr die Formen zurückgeschlagen werden, konsonantisieren wir. Das alles hängt in einer gewissen Weise mit dem Atmungsleben zusammen. Nun, in der Sprache haben Sie es ja deutlich, wie sie mit dem Atmungsleben zusammenhängt.
[ 44 ] Sehen Sie, es ist schon nichts damit, den Menschen so erklären zu wollen, daß man ihn auf den Seziertisch legt und untersucht, was innerhalb seiner Haut ist. Das gibt nichts anderes, als wenn jemand eine Magnetnadel nimmt und absehen will davon, daß die Erde selber ein oben halb links (rot) großer Magnet ist, so daß das eine Ende nach Norden getrieben wird, das andere nach Süden getrieben wird von außerhalb. Wenn einer durchaus erklären möchte, warum diese Magnetnadel in sich just die Tendenz hat, sich in eine Richtung zu stellen — denn drehe ich sie, sie dreht sich immer wieder um —, wenn man ihr das zuschreibt, wenn man also eine Theorie erfindet, warum die Magnetnadel aus sich heraus sich so stellt, wenn man keine Rücksicht darauf nehmen will, daß die Erdenkräfte sie richten, dann tut man genau dasselbe, was man heute tut innerhalb der Anatomie und Physiologie, wenn man den Menschen erklären will aus dem, was innerhalb seiner Haut liegt. Es ist nicht zu erklären aus dem, was innerhalb seiner Haut liegt. Alle die Leute, die da zum Beispiel die Sprache erklären wollen aus dem, was innerhalb des Menschen ist, die stehen auf der Stufe dieser Magnetnadelerklärung, während die Wahrheit diese ist, daß der Mensch in sich aufnimmt der Form nach das Fixsternleben, es wiedergibt im Echo, dadurch Konsonanten bildet. Er nimmt auf die Bewegungen des planetarischen Lebens, die sein eigenes Leben bewirken. Da wird namentlich durch das Atmungsleben in Bildern gebildet. Es wird aber zurückgeschlagen; dadurch entstehen die Vokale. Der Mensch in seiner Sprache ist nur erklärbar, wenn man die Konsonanten aus den Fixsterngruppierungen, die Vokale aus den Planetenbewegungen beziehungsweise aus den Übereinanderlagerungen der Planeten erklärt, wenn man also das, was der Mensch spricht, aus dem ganzen Kosmos erklärt.
[ 45 ] Sie haben hier in der Sonne (siehe Zeichnung Seite 89, waagrechter Strich) gewissermaßen die Mitte. Nehmen Sie die drei oberen Glieder, so haben Sie den oberen Menschen. Nehmen Sie die drei unteren Glieder, so haben Sie den unteren Menschen. Das Reproduktionsleben bringt ja den neuen Menschen hervor. Nehmen Sie nun das Atmungsleben und Zirkulationsleben. Das Zirkulationsleben ist es namentlich, welches die planetarische Bewegung abbildet. Unser Blutkreislauf ist im Grunde genommen nichts als eine Abbildung des planetarischen Lebens. So daß wir auch sagen können: Aus dem Zirkulationsleben kommen die Vokale, aus dem Atmungsleben kommen die Konsonanten. Und nun bekommen Sie wieder eine merkwürdige Zuordnung. Das Stoffwechselleben können Sie dem Nervenleben zuordnen; das Bewegungsleben können Sie dem Sinnesleben zuordnen. Das Sinnesieben aber, das ist zugeordnet dem Saturn, der Saturnbewegung. Die Saturnbewegung geht, wenn ich so sagen darf, am nächsten vorbei an dem Tierkreise, geradeso wie im Bewegungsleben der Mensch sich am besten nach außen hinaus abbildet. Will man daher die kosmischen Geheimnisse durch den Menschen abbilden lassen, so hat man zu dem einen Pol das Sinnesleben, zu dem anderen Pol das Bewegungsleben, und man bekommt daraus — die Eurythmie. In der Eurythmie ist also unmittelbar ein Abbild der peripherisch kosmischen Beziehung des Menschen zu sehen. Das wollte ich nur zunächst andeuten.
[ 46 ] Was ich Ihnen also heute habe entwickeln wollen, das ist der Zusammenhang des Menschen mit dem Kosmos in bezug auf sein Leben. Gestern wollte ich Ihnen den Zusammenhang des Menschen mit dem Kosmos in bezug auf seine Form darlegen. Morgen werden wir nun dazu übergehen, das dritte Element des Menschen im Verhältnis zur Welt zu betrachten, die Seele. Dann haben wir betrachtet: Form, Leben und Seele. Also morgen wollen wir die Seele des Menschen dem kosmischen Leben zuteilen.
