Nordic and Central European Spiritual Influences
The Feast of the Epiphany
GA 209
26 December 1921, Dornach
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Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse, tr. SOL
Das Fest Der Erscheinung Christi III
The Feast of the Epiphany III
[ 1 ] Das Fest der Weihenacht war durch Jahrhunderte für die ganze Christenheit ein Fest wichtigster Erinnerung. Und wenn wir dieses Fest der Weihenacht als ein Erinnerungsfest auffassen, dann müssen wir an alles das denken, was sich mit diesem Feste innerhalb der Gefühle, der Empfindungen der Menschheit durch Jahrhunderte verbunden hat. Wir gedenken, wie dieses Fest des 25. Dezembers bis ins 4. Jahrhundert herein innerhalb der christlichen Entwickelung nicht vorhanden war, und wie in diesem 4. Jahrhunderte, zum ersten Male im Jahre 354 in Rom, das Fest des Geburtstages Jesu gewissermaßen vor die christliche Menschheit hingestellt worden ist, um damals der Zeit einen bedeutungsvollen Tribut zu bringen. Denn daß ein solcher Tribut der Zeit in diesem 4. Jahrhundert gerade werden mußte, das liegt durchaus in den christlichen Instinkten der Menschheitsentwickelung.
[ 1 ] For centuries, the Feast of Christmas has been a festival of the utmost significance for all of Christendom. And if we view this Feast of Christmas as a festival of remembrance, then we must reflect on everything that has been associated with this festival within the emotions and sentiments of humanity over the centuries. We recall how this feast of December 25 did not exist within Christian development until the 4th century, and how in that 4th century—for the first time in 354 in Rome—the feast of Jesus’ birthday was, so to speak, presented to the Christian world in order to pay a meaningful tribute to the times. For the fact that such a tribute to the times had to take place precisely in the 4th century lies entirely in the Christian instincts of human development.
[ 2 ] Heran brausten gegen die südeuropäische Entwickelung die nordischen Völker. Es lebte auch noch vieles von dem, was heidnischer Brauch war, im weiten Umkreise in den südlichen Gegenden Europas, in den römischen, in den griechischen Gegenden. Es lebte auch vieles von den heidnischen Bräuchen in Nordafrika, in Kleinasien, kurz an denjenigen Stätten, in die hinein allmählich der christliche Gedanke und die christlichen Empfindungen einzogen. Aber das Christentum war von jeher darauf angelegt, nicht eine sektiererische Strömung für diesen oder jenen Menschenkreis zu sein, sondern, wie sehr sich ihm auch verschiedene Dinge innerhalb wie außerhalb seines Bereiches entgegengestellt haben, das Christentum war von vorneherein darauf angelegt, eine Seelen-, eine Herzensnahrung für alle Menschen zu werden.
[ 2 ] The Nordic peoples surged toward the southern European civilization. Much of what had been pagan custom still persisted in the vast regions of southern Europe, in the Roman and Greek territories. Much of the pagan customs also persisted in North Africa, in Asia Minor—in short, in those places into which Christian thought and Christian sentiments were gradually making their way. But Christianity was always intended not to be a sectarian movement for this or that group of people; rather, no matter how much it was opposed by various forces both within and outside its sphere, Christianity was designed from the very beginning to become nourishment for the soul and the heart of all people.
[ 3 ] Innerhalb der heidnischen Kreise vom Norden und vom Süden lebte noch jenes religiöse Bewußtsein, welches die Göttergewalten mit den Sternen verband, die mächtigste Göttergewalt mit der Sonne. Und es lebte innerhalb dieser heidnischen Anschauung der Gedanke, daß, wenn die Erde zur Zeit der Wintersonnenwende ihre finstersten Tage hat, zugleich der Augenblick herangerückt ist, wo die Sonne ihre siegende Kraft für alle Erdenfruchtbarkeit wieder zu entwickeln beginnt. Diese Empfindung des Auf-sich-selbst-Angewiesenseins der Erde, der Abgeschlossenheit der Erde von den kosmisch-göttlichen Mächten, diese Empfindung gewissermaßen der Welteinsamkeit der Erde, sie wurde abgelöst in diesem Augenblicke der Wintersonnenwende von der Empfindung der Hoffnung: Ja, es kommen wieder die segensvollen Licht- und Liebewirkungen aus dem Sonnenbereich und wecken alles Fruchtbare der Erde neu auf.
[ 3 ] Within the pagan circles of the North and the South, there still lived that religious consciousness which linked the powers of the gods to the stars, and the most powerful divine force to the sun. And within this pagan worldview lived the idea that, when the Earth experiences its darkest days at the time of the winter solstice, the moment has simultaneously arrived when the sun begins to redevelop its victorious power for all earthly fertility. This sense of the Earth’s dependence on itself, of its isolation from the cosmic-divine powers—this sense, so to speak, of the Earth’s solitude in the universe—was replaced at this moment of the winter solstice by a sense of hope: Yes, the blessed effects of light and love from the realm of the sun are returning and reawakening all that is fruitful on Earth.
[ 4 ] In innigem Zusammenhange mit einer solchen Empfindung stand für den Menschen die Auffassung seines eigenen Seelenwesens. Er fühlte sich gerade innerhalb der alten heidnischen Religionen mit der Erde innig verbunden. Er fühlte sich gewissermaßen als Glied der Erde; er fühlte das Erdenleben fortgesetzt in sein eigenes Leben hinein. Und so fühlte sich der Mensch, während die Erde im Sommer ihre bedeutsamsten Wärme- und Lichteinwirkungen aus dem Himmelsbereich der Sonne erhielt, wie hingegeben an jenen Bereich, aus dem die leuchtenden und wärmenden Sonnenstrahlen zur Erde herunterkommen. Und der Mensch fühlte sich während der Hochsommerzeit hingegeben an die Weltenweiten. Zur Zeit der Wintersonnenwende fühlte er sich innig verbunden mit der Erde, mit alldem, was die Erde aus der Zeit des wärmenden, des leuchtenden Sommers bewahrt hat. Gewissermaßen einsam im Weltenall fühlte sich zunächst der Mensch mit seiner Erde, und er fühlte tatsächlich das Wiederherabkommen des Göttlich-Geistigen in den Erdenbereich zu dieser Zeit der Wintersonnenwende.
[ 4 ] Closely connected to this feeling was humanity’s perception of its own spiritual nature. Especially within the ancient pagan religions, people felt deeply connected to the Earth. They felt, as it were, to be a part of the Earth; they felt that earthly life continued into their own lives. And so, while the Earth received its most significant warmth and light from the solar realm during the summer, human beings felt as if they were surrendered to that realm from which the luminous and warming rays of the sun descend to Earth. And during the height of summer, human beings felt surrendered to the vastness of the cosmos. At the time of the winter solstice, he felt intimately connected to the Earth, to all that the Earth had preserved from the time of the warming, luminous summer. At first, humanity felt, in a sense, alone in the vastness of the universe with its Earth, and it did indeed sense the descent of the divine-spiritual into the earthly realm at this time of the winter solstice.
[ 5 ] So hatte der Mensch das, was ihn in seinem Empfinden, in seinem ganzen Seelen- und Geistesleben am innigsten mit der Allheit des Kosmos zusammengebracht hatte, in den Gedanken dieses Festes hineingedrängt. Und weil die Christenheit auf ein Teuerstes stieß mit diesem Wintersonnenwendefest, konnte es nicht anders kommen, als daß die Christenheit selbst den Völkern, die ihr entgegentraten, ihr 'Teuerstes hingab an diesem Wintersonnenwendefest. Dieses Teuerste war ja im Sinne jener Wendung, die geschehen war zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, dieses Wichtigste war für die Christenheit geworden die Erinnerung an die Geburt Jesu.
[ 5 ] Thus, humanity had woven into the concept of this festival that which, in its feelings and in its entire life of soul and spirit, had most intimately connected it with the totality of the cosmos. And because Christianity encountered something most precious in this winter solstice festival, it could not be otherwise than that Christianity itself gave its “most precious thing” to the peoples who opposed it on this winter solstice festival. This most precious thing—in the sense of the transition that had taken place between the Old and New Testaments—had become, for Christianity, the remembrance of the birth of Jesus.
[ 6 ] Was bedeutete es für den Bekenner des Alten Testamentes, wenn er das ganze Mysterium des Menschenlebens und seinen Zusammenhang mit dem Menschentode dadurch aussprach, daß er sagte: Wenn die Seele durch die Todespforte geht, begibt sie sich auf den Weg, durch den sie mit den Vätern wiederum vereinigt wird. — Eine Sehnsucht nach dem Hingange zu den Vätern, das war eine teure Empfindung gemäß den Anschauungen des Alten Testamentes. Und im Laufe der vier ersten Jahrhunderte der Christenheit verwandelte sich dieses Hinblicken auf die Gemeinschaft der Väter in ein Hinblicken auf die Geburt derjenigen Wesenheit, welche die Christenheit zusammenhält. Es verwandelte sich die Empfindung des Alten Testamentes in den Hinblick nach Nazareth oder Bethlehem, in den Hinblick auf die Geburt des Jesuskindes.
[ 6 ] What did it mean for an Old Testament believer when he expressed the entire mystery of human life and its connection to human death by saying: “When the soul passes through the gate of death, it sets out on the path that reunites it with the fathers.” — A longing to return to the fathers—that was a profound sentiment according to the views of the Old Testament. And over the course of the first four centuries of Christianity, this focus on the community of the fathers transformed into a focus on the birth of that Being who holds Christianity together. The sentiment of the Old Testament was transformed into a focus on Nazareth or Bethlehem, into a focus on the birth of the infant Jesus.
[ 7 ] So hatte gewissermaßen das Christentum durch die Festsetzung des Weihnachtsfestes im 4. nachchristlichen Jahrhunderte der Vereinigung der Menschen auf dem Erdenrunde seinen Tribut gebracht, hatte eine teuerste Empfindung mit dem Weihnachtsfeste verbunden. Und wenn wir weiter sehen, wie dieses Weihnachtsfest durch die Jahrhunderte gefeiert wird, so sehen wir überall, wie in der Zeit, da dieses Fest herannaht, eine wirkliche Durchdringung der Menschenseelen innerhalb der Christenheit mit liebender Hingabe an das Jesuskind verbunden wird. Wir sehen in dieser liebenden Hingabe etwas ganz Besonderes geoffenbart im Laufe der christlichen Jahrhunderte, die sich an das 4. nachchristliche anschlossen. Wir müssen wirklich mit innigem Verständnis hinblicken auf diese Festsetzung des Weihnachtsfestes auf den 25.Dezember, auf die. Wintersonnenwende ungefähr. Denn noch 353 wurde selbst in Rom das Christfest nicht am 25. Dezember begangen und nicht als ein Geburtstag des Jesus von Nazareth oder Bethlehem, sondern es war da üblich, das Fest des 6. Januars zu begehen. Dieses Fest sollte das Erinnerungsfest sein an die Johannestaufe im Jordan, das Fest der Erinnerung an den Christus. Und mit der Erinnerung verband man die Vorstellung, daß durch die Johannestaufe im Jordan aus außerirdischen Welten, aus Himmelswelten herein sich das außerirdische Christus-Wesen verbunden hatte mit dem menschlichen Wesen des Jesus von Nazareth.
[ 7 ] In a sense, by establishing the Christmas holiday in the 4th century A.D., Christianity had contributed to the unity of people around the world and had associated a deeply cherished sentiment with the Christmas celebration. And if we look further at how this Christmas has been celebrated throughout the centuries, we see everywhere that, as the festival approaches, a genuine permeation of human souls within Christendom is associated with loving devotion to the Christ Child. We see something very special revealed in this loving devotion throughout the Christian centuries that followed the 4th century A.D. We must truly look upon the establishment of Christmas on December 25—around the winter solstice—with deep understanding. For as late as 353, even in Rome, the Christian festival was not celebrated on December 25, nor was it observed as the birthday of Jesus of Nazareth or Bethlehem; rather, it was customary there to celebrate the festival on January 6. This feast was intended to be a commemoration of John’s baptism in the Jordan, the feast commemorating Christ. And associated with this commemoration was the idea that, through John’s baptism in the Jordan, the extraterrestrial Christ-being had united with the human being Jesus of Nazareth, coming from extraterrestrial worlds, from heavenly realms.
[ 8 ] Diese nicht gewöhnliche Geburt, sondern dieses Heruntersteigen des Christus-Wesens zur Neubefruchtung des irdischen Daseins, das feierte man. Man wollte sich bewußt werden, an diesem Tage der Erscheinung Christi, des Geheimnisses, daß ein Himmlisches sich mit der Erde verbunden hatte, daß die Menschheit durch diesen himmlischen Einschlag einen neuen Entwickelungsimpuls erhalten hatte. Dieses Geheimnis des Herunterströmens eines überirdischen Himmlischen in das irdische Dasein wurde noch verstanden zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha stattfand und einige Zeit nachher. Es waren in dieser Zeit noch Reste alter Urweisheit vorhanden, die sich bis zum Verstehen einer solchen nur im Übersinnlichen erkennbaren Tatsache erhoben. Die alte instinktive Erkenntnis, die Urweisheit, welche die Menschheit bei ihrer Entstehung auf der Erde wie ein Göttergeschenk mitbekommen hatte, diese Urweisheit ging allmählich der Menschheit verloren. Sie wurde immer geringer im Laufe der Jahrhunderte. Aber zur Zeit des Mysteriums von Golgatha war gerade noch soviel von ihr vorhanden, daß man das Gewaltige einsehen konnte, was mit diesem Mysterium von Golgatha geschah.
[ 8 ] It was not this ordinary birth, but rather this descent of the Christ Being to renew earthly existence that was celebrated. On this day of Christ’s manifestation, people sought to become aware of the mystery that a heavenly being had united with the earth, and that humanity had received a new impulse for development through this heavenly intervention. This mystery of the descent of a super-earthly, heavenly being into earthly existence was still understood at the time of the Mystery of Golgotha and for some time afterward. At that time, remnants of ancient primordial wisdom still existed, which were capable of comprehending such a fact—one that could only be perceived in the supersensible realm. The ancient instinctive knowledge, the primordial wisdom that humanity had received as a gift from the gods at the time of its emergence on Earth—this primordial wisdom was gradually lost to humanity. It grew ever smaller over the course of the centuries. But at the time of the Mystery of Golgotha, just enough of it remained for people to grasp the immense significance of what took place in connection with this Mystery of Golgotha.
[ 9 ] So wurde denn das Mysterium von Golgatha in den ersten Jahrhunderten in Weisheit aufgefaßt. Diese Weisheit war fast vollständig verglommen im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Man mußte auf anderes Rücksicht nehmen, auf das, was einem die Heiden von allen Seiten her entgegenbrachten, und man konnte für das tief Geheimnisvolle der Vereinigung des Christus mit dem Menschen Jesus kein Verständnis mehr gewinnen. Gewissermaßen verlor für den menschlichen Seelenblick das eigentliche Mysterium von Golgatha die Möglichkeit des Verständnisses. Und so blieb es für die folgenden Jahrhunderte. Die Urweisheit ging der Menschheit verloren. Sie mußte verlorengehen, weil aus dieser Urweisheit der Mensch sich niemals seine Freiheit, sein Auf-sich-selbst-Gestelltsein hätte erringen können. Der Mensch mußte gewissermaßen eine Weile in die Finsternis eintreten, um aus dieser Finsternis heraus sich die ureigenen Selbstkräfte in Freiheit zu erringen. Aber der christliche Instinkt hat an die Stelle der Weisheit, mit der das Mysterium von Golgatha innerhalb der christlichen Welt begrüßt worden ist, mit der über das Mysterium von Golgatha in einer gewissen Weise diskutiert worden ist, bis man es später nicht mehr verstand, der christliche Instinkt hat an die Stelle dieser Weisheit etwas anderes gesetzt.
[ 9 ] Thus, in the early centuries, the Mystery of Golgotha was understood in terms of wisdom. This wisdom had almost completely faded away by the 4th century A.D. People had to take other things into account—namely, what the pagans were presenting to them from all sides—and they could no longer gain an understanding of the profound mystery of the union of Christ with the human being Jesus. In a sense, the true mystery of Golgotha became incomprehensible to the human soul’s gaze. And so it remained for the centuries that followed. Primordial wisdom was lost to humanity. It had to be lost, because from this primordial wisdom, human beings could never have attained their freedom—their ability to stand on their own. Human beings had, in a sense, to enter into darkness for a time in order to attain their own inner powers in freedom out of that darkness. But the Christian instinct has replaced the wisdom with which the Mystery of Golgotha was initially received within the Christian world—the wisdom with which the Mystery of Golgotha was, in a certain sense, discussed until it was later no longer understood—the Christian instinct has replaced this wisdom with something else.
[ 10 ] Die Christenheit von heute hat nur noch wenig Verständnis für jene tiefgründigen Diskussionen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten unter den weisen Vätern der Christenheit stattgefunden haben: wie die zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, in der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth vereinigt waren. Das war etwas, was zu einer lebendigen Weisheit in den ersten christlichen Jahrhunderten sprach, was nachher in leere Abstraktionen übergegangen ist. Und von jenem heiligen Eifer, mit dem man verstehen wollte, wie das Göttliche und das Menschliche in dem Mysterium von Golgatha sich vereinigt haben, von jenem heiligen Eifer ist in der Christenheit des Abendlandes wenig übriggeblieben. Aber der christliche Impuls ist ein mächtiger, der christliche Impuls ist ein gewaltiger. Und so setzte sich denn an die Stelle der Weisheit, mit der das Mysterium von Golgatha begrüßt worden ist, als es über die Erde hinleuchtete, die Liebe. Und es ist wunderbar, welche Fülle von Liebe aufgebracht worden ist im Lauf der Jahrhunderte der christlichen Entwickelung im Hinblicke auf das Jesuskindlein, auf sein Liegen in der Krippe. Es ist wunderbar, wie diese Liebe nachwirkt in den Weihnachtsspielen, die in einer so herrlichen Weise zu uns heraufleuchten aus früheren christlichen Jahrhunderten.
[ 10 ] Today’s Christianity has little understanding of the profound discussions that took place among the wise Fathers of the Church in the early centuries of Christianity: such as how the two natures—the divine and the human—were united in the person of Jesus of Nazareth. This was something that spoke of a living wisdom in the early centuries of Christianity, something that later degenerated into empty abstractions. And of that holy zeal with which people sought to understand how the divine and the human were united in the Mystery of Golgotha—of that holy zeal, little remains in Western Christianity. But the Christian impulse is a powerful one; the Christian impulse is a mighty one. And so, in place of the wisdom with which the Mystery of Golgotha was welcomed as it shone across the earth, love took its place. And it is wonderful to see the abundance of love that has been poured out over the centuries of Christian development toward the infant Jesus, toward his lying in the manger. It is wonderful how this love continues to resonate in the Christmas plays that shine down upon us so magnificently from earlier Christian centuries.
[ 11 ] Wer das alles auf seine Seele wirken läßt, der begreift, wie stark das Weihnachtsfest ein Erinnerungsfest war. Wer das alles auf sich wirken läßt, begreift, daß ebenso wie die Menschen des Alten Testamentes in Weisheit versammelt sein wollten bei den Vätern, so die Menschen der früheren christlichen Jahrhunderte im irdischen Leben mit der Hingabe ihres Besten, mit der Hingabe ihrer Liebe an das unschuldige Kind versammelt sein wollten um dieKrippe zur Weihenacht. Wer aber könnte leugnen, daß diese Liebe, die aus so vielen Herzen zu dem Ursprung des Christentums hingeströmt ist, nach und nach bis in unsere Zeit herein mehr oder weniger eine Gewohnheit geworden ist! Wer möchte leugnen, daß wir in einer Zeit leben, in der das Weihnachtsfest nicht mehr jene Lebendigkeit hat, die es einstmals hatte! Aus der Liebe, die dem Weihnachtsfeste gewidmet war, ist selbst noch in der allerneuesten Zeit ein Wichtigstes heraus entstanden. Zu ihrem Ursprunge wollten die Menschen des Alten Testamentes zurückkehren, indem sie sagten, sie wollen mit ihren Vätern versammelt sein. Zu der ursprünglichen menschlichen Wesenheit will der Christ hinschauen, indem er zum Geburtsfeste des Jesus hinblickt. Aus diesem christlichen Instinkt heraus verband man mit dem Weihnachtsfeste der Menschen Ursprung auf der Erde, ließ man vorangehen in dem 24. Dezember den Adam- und Eva-Tag dem eigentlichen Geburtstag des Jesus. Und zuletzt, aus einem tiefen Instinkt heraus, verband sich als Symbolum der Paradiesesbaum mit dem Weihnachtsfeste.
[ 11 ] Anyone who lets all of this sink in will understand just how deeply Christmas was a festival of remembrance. Anyone who lets all this sink in will understand that, just as the people of the Old Testament sought to be gathered in wisdom with the patriarchs, so too did the people of the early Christian centuries seek to be gathered in their earthly lives—by offering their very best and their love to the innocent Child—around the manger on Christmas Eve. But who could deny that this love, which flowed from so many hearts toward the origin of Christianity, has gradually—right up to our own time—become, to a greater or lesser extent, a mere custom! Who would deny that we live in an age in which Christmas no longer possesses the vitality it once had! From the love dedicated to the Christmas celebration, something of the utmost importance has emerged even in the very recent past. People of the Old Testament sought to return to their origins by saying they wished to be gathered with their fathers. The Christian seeks to look toward the original human nature by turning his gaze to the feast of Jesus’ birth. Out of this Christian instinct, people associated the Christmas celebration with humanity’s origin on Earth, placing December 24—the Day of Adam and Eve—before the actual birthday of Jesus. And finally, out of a deep instinct, the Tree of Paradise became symbolically linked to the Christmas celebration.
[ 12 ] Wir sehen zunächst hin nach dem Stall in Bethlehem, nach dem Kinde, zwischen den Tieren, vor der gesegneten Mutter. Wir schauen hin nach diesem himmlischen Zeichen des Menschheitsursprunges. Und die Menschheit war genötigt, aus ihrem Empfinden heraus zugleich hinzuschauen nach dem Erdenursprung des Menschen, nach dem Paradiesesbaum, und verband die Krippe mit dem Paradiesesbaum, so wie schon die heilige Legende den Menschenursprung auf der Erde mit dem Mysterium auf Golgatha verbunden hat, jene Legende, die da besagt, daß das Holz des Paradiesesbaumes auf eine wunderbare Weise von Generation zu Generation sich herabvererbt hat bis in die Zeit des Mysteriums von Golgatha, und daß das Kreuz auf der Schädelstätte zu Golgatha, an welchem der Christus Jesus gehangen hat, aus demselben Holze war wie der Paradiesesbaum. So sehen wir, wie sich in der Legende zusammendrängt der himmlische Ursprung des Menschen mit dem irdischen Ursprung des Menschen.
[ 12 ] We first turn our gaze to the stable in Bethlehem, to the Child, among the animals, before His blessed Mother. We look upon this heavenly sign of humanity’s origin. And humanity, driven by its own sense of feeling, was compelled at the same time to look toward the earthly origin of humankind—toward the Tree of Paradise—and thus linked the manger with the Tree of Paradise, just as the sacred legend had already linked the origin of humankind on earth with the Mystery of Golgotha, that legend which states that the wood of the Tree of Paradise was miraculously passed down from generation to generation until the time of the Mystery of Golgotha, and that the cross at the Place of the Skull on Golgotha, on which Christ Jesus hung, was made of the same wood as the Tree of Paradise. Thus we see how, in the legend, the heavenly origin of humankind converges with its earthly origin.
[ 13 ] Aber all das hat in einem andern Sinne die eigentliche christliche Grundempfindung wiederum verwischt. Und wer kann sich der Einsicht verschließen, daß wir in der gegenwärtigen Menschheit wenig Empfindung dafür sehen, wie auf der einen Seite die Gottheit als ein Väterliches verehrt wird, wie aber daneben die Gottheit als das Prinzip des Sohnes angesehen werden kann? Die getrennte Empfindung gegenüber dem Vatergotte und dem Sohnesgotte ist der Menschheit mehr oder weniger verlorengegangen, verlorengegangen bis in die aufgeklärte moderne Theologie hinein. Und weil dieses getrennte Empfinden verlorengegangen ist, sehen wir bei angesehenen Theologen der neuesten Zeit die Ansicht vertreten, daß eigentlich der Sohn gar nicht in die Evangelien hineingehöre, sondern allein der Vater, und daß der Jesus von Nazareth nur der große Lehrer, der Verkünder des Vatergottes gewesen sei. Der heutige Mensch spricht vom Christus, und er hat noch einige Reminiszenzen von alledem, was sich mit der heiligen Geschichte des Christus verbindet; aber er hat keine deutliche und unterscheidende Empfindung mehr auf der einen Seite für den Sohnesgott und auf der andern Seite für den Vatergott.
[ 13 ] But all of this has, in a different sense, once again obscured the true Christian sentiment. And who can fail to recognize that in present-day humanity we see little sense of how, on the one hand, the Godhead is revered as a Father, while, on the other hand, the Godhead can be regarded as the principle of the Son? The distinct sense of the Father God and the Son God has been more or less lost to humanity—lost even within enlightened modern theology. And because this distinct sense has been lost, we see respected theologians of recent times advocating the view that the Son does not actually belong in the Gospels at all—only the Father does—and that Jesus of Nazareth was merely the great teacher, the proclaimer of the Father God. People today speak of Christ, and they still have some faint recollections of everything connected with the sacred history of Christ; but they no longer have a clear and distinct sense, on the one hand, of the Son of God and, on the other hand, of the Father of God.
[ 14 ] Als das Mysterium von Golgatha hereinschlug in die Erdenentwickelung, da war diese Empfindung wahrhaftig lebendig genug vorhanden. Drüben in Asien, an einer in der damaligen Zeit für Rom wenig beachteten Stätte, erstand in Jesus von Nazareth der Christus, nach der Anschauung der ersten Christen das göttliche Wesen, das einen Menschen durchseelt hat in einer Weise, wie es vorher auf der Erde nicht geschehen war, nachher auf der Erde nicht wieder geschehen sollte. So daß dieses eine Ereignis von Golgatha, diese eine Beseelung eines Menschen mit einem göttlichen Wesen, mit dem Christus, erst der ganzen Erdenentwickelung einen Sinn gibt, und daß vorgestellt werden muß, daß alle vorangehende Erdenentwickelung die Erwartung auf dieses Ereignis von Golgatha ist, alles Folgende die Erfüllung dessen, was aus dem Mysterium von Golgatha folgen muß.
[ 14 ] When the Mystery of Golgotha broke into the course of Earth’s evolution, this sense was truly alive and present. Over in Asia, at a site that was of little concern to Rome at the time, the Christ arose in Jesus of Nazareth—according to the view of the first Christians, the divine being who animated a human being in a way that had never happened on Earth before and would never happen again. Thus, this single event at Golgotha—this single indwelling of a human being by a divine being, by the Christ—is what gives meaning to the entire course of Earth’s development; and one must conceive of all preceding Earth development as the anticipation of this event at Golgotha, and all that followed as the fulfillment of what must follow from the Mystery of Golgotha.
[ 15 ] Das spielte sich drüben in Asien ab. Und in Rom saß der Cäsar Augustus. Die moderne Menschheit macht sich das nicht mehr klar, was auf dem römischen Throne der Cäsar Augustus bedeutete: er saß da als die verkörperte Gottheit. Der römische Cäsar war selber ein Gott in Menschengestalt. Ein anders aufgefaßter Gott auf dem römischen Throne, ein anders aufgefaßter Gott drüben auf der Schädelstätte von Golgatha — ein gewaltiger Gegensatz! Welcher Gegensatz? Sehen wir uns den Cäsar Augustus an, diesen im Menschen verkörperten Gott nach der Anschauung seiner Anhänger, nach dem Gebote des römischen Staates. Er ist heruntergestiegen als göttliches Wesen auf die Erde. Die göttlichen Kräfte haben sich verbunden mit den Geburtskräften, mit dem Blute, und im Blute lebt, wallt und wogt die göttliche Kraft, die heruntergestiegen ist in das Irdische. So ungefähr wurde über den ganzen Erdkreis hin das Wohnen des Göttlichen auf der Erde vorgestellt, wenn auch in verschiedenen Formen. Nur bei dem jüdischen Volke war es nicht so, da es seinen Gott als im Jenseits bleibend empfunden hat. Die andern empfanden allüberall den mit den Blutskräften verbundenen Gott. Sie empfanden den Gott so, daß sie dieses Göttliche aussprechen konnten mit den Worten: Ex deo nascimur. Der Mensch fühlte sich allerdings verwandt, auch wenn er im Niedrigen lebte, mit dem, was auf den Spitzen der Menschheit in einer solchen Persönlichkeit lebte, wie in dem Cäsar Augustus. Aber alles das, was da verehrt wurde, war ein väterlich-göttliches Prinzip, denn es lebte im Blute, das dem Menschen mit seiner Geburt in die Welt hinein gegeben wird.
[ 15 ] This was taking place over in Asia. And in Rome sat Caesar Augustus. Modern humanity no longer realizes what Caesar Augustus on the Roman throne represented: he sat there as the incarnate deity. The Roman Caesar was himself a god in human form. A differently conceived god on the Roman throne, a differently conceived god over there on the Skull Place of Golgotha—what a tremendous contrast! What a contrast! Let us look at Caesar Augustus, this god incarnate in human form according to the view of his followers and the dictates of the Roman state. He descended to Earth as a divine being. The divine powers have united with the forces of birth, with the blood, and within the blood the divine power that has descended into the earthly realm lives, surges, and swells. This is roughly how the dwelling of the divine on Earth was conceived throughout the entire world, albeit in various forms. Only among the Jewish people was this not the case, since they perceived their God as remaining in the beyond. Everywhere else, people perceived God as connected to the forces of blood. They perceived God in such a way that they could express this divine reality with the words: Ex deo nascimur. Human beings did indeed feel a kinship—even while living in the lower realms—with that which dwelt at the pinnacle of humanity in a personality such as Caesar Augustus. But everything that was revered there was a fatherly-divine principle, for it lived in the blood that is given to human beings upon their birth into the world.
[ 16 ] Im Mysterium von Golgatha vereinigt sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth das göttliche Christus-Wesen, jetzt aber nicht mit dem Blute, jetzt mit den besten, nach dem Höchsten strebenden Kräften der menschlichen Seele. Jetzt vereinigt sich ein Gott mit einem Menschen so, daß die Menschheit dem Verfallen in die bloßen irdisch-materiellen Mächte entrissen wird.
[ 16 ] In the Mystery of Golgotha, the divine Christ-being unites with the human being Jesus of Nazareth—but now not through the blood, but through the finest forces of the human soul that strive toward the Highest. Now a God unites with a human being in such a way that humanity is snatched from falling into mere earthly-material forces.
[ 17 ] Im Blute lebt der Vatergott. Der Sohnesgott lebt im Seelisch-Geistigen des Menschen. Der Vatergott führt den Menschen ein in das materielle Leben: Ex deo nascimur. Der Sohnesgott führt den Menschen wiederum heraus aus dem materiellen Leben. Der Vatergott führt aus Übersinnlichem den Menschen in das Sinnliche ein, der Sohnesgott aus dem Sinnlichen wiederum in das Übersinnliche: In Christo morimur. — Es waren zwei stark voneinander differenzierte Empfindungen da. Es war hinzugefügt die Empfindung für den Sohnesgott zu der Empfindung für den Vatergott. Allerdings, für die Menschheitsentwickelung war aus noch andern Untergründen heraus verlorengegangen diese Unterscheidung des Vatergottes von dem Sohnesgotte. Und diese Untergründe sind bis zum heutigen Tage mit der Menschheit, auch mit der Christenheit, verbunden geblieben. Wenn wir hinblicken zu der menschlichen Urweisheit, so sehen wir überall, wie die Menschen, insofern sie eingeführt werden in das, was diese Urweisheit bietet, überzeugt sind davon, daß sie heruntergestiegen sind aus göttlich-geistigen Höhen in die physisch-sinnliche Welt. Das präexistente Leben schien dem Menschen gesichert. Die Menschen blickten durch die Geburt beziehungsweise durch die Empfängnis hinauf in die göttlich-geistigen Welten, aus denen die Seele heruntersteigt, indem sie durch die Geburt ins physisch-sinnliche Dasein tritt.
[ 17 ] The Father God lives in the blood. The Son God lives in the soul and spirit of human beings. The Father God introduces human beings to material life: Ex deo nascimur. The Son God, in turn, leads human beings out of material life. The Father God leads human beings from the supersensible into the sensible, while the Son God leads them from the sensible back into the supersensible: In Christo morimur. — There were two distinctly different feelings at play. The feeling for the God the Son was added to the feeling for the God the Father. However, for the development of humanity, this distinction between the God the Father and the God the Son had been lost for other underlying reasons. And these underlying reasons have remained connected to humanity—and also to Christianity—to this very day. When we look at primordial human wisdom, we see everywhere how people—insofar as they are introduced to what this primordial wisdom offers—are convinced that they have descended from divine-spiritual heights into the physical-sensory world. Pre-existent life seemed assured to human beings. Through birth—or rather, through conception—people looked up into the divine-spiritual worlds from which the soul descends as it enters physical-sensory existence through birth.
[ 18 ] Wir haben in unserer Sprache allein das Wort «Unsterblichkeit». Wir haben in unserer Sprache verloren ein Wort für die andere Seite der Ewigkeit. Wir haben in unseren Sprachen nicht das Wort «Ungeborenheit». Wenn aber die Ewigkeit eine vollständige ist, dann muß das Wort Ungeborenheit so da sein, wie das Wort Unsterblichkeit. Ja, es ist noch bedeutungsvoller für den Menschen das, was in dem Worte Ungeborenheit liegen kann, als was in dem Worte Unsterblichkeit liegen kann. So wahr es ist, daß der Mensch durch des Todes Pforte geht in ein Leben in der geistigen Welt, so wahr ist es aber auch, daß heute dieses Leben in der geistigen Welt nach dem Tode den Menschen vielfach in einer außerordentlich egoistischen Weise verkündigt wird. Die Menschen leben hier auf der Erde. Sie sehnen sich nach der Unsterblichkeit. Sie wollen nicht mit dem Tode ins Nichts versinken. Und so braucht man nur an die egoistischen Instinkte der Menschen zu rühren, indem man ihnen von der Unsterblichkeit spricht.
[ 18 ] In our language, we have only the word “immortality.” We have lost a word in our language for the other side of eternity. We do not have the word “unbornness” in our languages. But if eternity is complete, then the word “unbornness” must exist just as the word “immortality” does. Indeed, what may lie in the word “unbornness” is even more significant for human beings than what may lie in the word “immortality.” Just as it is true that human beings pass through the gate of death into a life in the spiritual world, so too is it true that today this life in the spiritual world after death is often presented to people in an extraordinarily selfish manner. People live here on Earth. They long for immortality. They do not want to sink into nothingness with death. And so one need only appeal to people’s selfish instincts by speaking to them of immortality.
[ 19 ] Hören Sie einmal aufmerksam darauf hin, wie in unzähligen Kanzelreden auf die egoistischen Triebe der Menschen spekuliert wird, um die Unsterblichkeit vor die menschliche Seele hinzutragen. Man kann nicht so auf die egoistischen Triebe der Menschen spekulieren, wenn man von der Ungeborenheit spricht. Denn es verlangen die Menschen nicht so egoistisch, vor ihrer Geburt, vor ihrer Empfängnis in der geistigen Welt gewesen zu sein, wie sie verlangen, nach dem Tode in der geistigen Welt zu sein. Sie sind da, damit sind sie zufrieden. Warum sollten sie sich kümmern, von wannen sie gekommen sind? Aus ihrem Egoismus heraus kümmern sie sich darum, wohin sie gehen. Wenn wir wiederum zu einer unegoistischen Weisheit kommen, dann wird die Ungeborenheit dem Menschen so wichtig werden, wie die Unsterblichkeit dem Menschen heute wichtig ist.
[ 19 ] Listen carefully to how countless pulpit sermons speculate on people’s selfish impulses in order to present the idea of immortality to the human soul. One cannot appeal to people’s selfish impulses in this way when speaking of pre-birth existence. For people do not selfishly demand to have been in the spiritual world before their birth, before their conception, as much as they demand to be in the spiritual world after death. They are there, and that is enough for them. Why should they care where they came from? Out of their selfishness, they care about where they are going. When, however, we arrive at a selfless wisdom, then “unbornness” will become as important to people as immortality is to them today.
[ 20 ] Aber es ist eben in alten Zeiten die Verbindung zwischen der einen und andern Anschauung hergestellt worden. Da lebte man in göttlichgeistigen Welten, da stieg man durch die Geburt herunter, verband dasjenige, was man in göttlich-geistigen Welten in einer rein geistigen Umgebung hatte, mit dem Menschenblute, und lebte dieses weiter dar im Menschenblute. Es ist daraus die Vorstellung geworden: Ex deo nascimur. Der Gott, der im Blute lebt, der Gott, den der Mensch im Fleische hier darstellt, das ist der väterliche Gott.
[ 20 ] But in ancient times, a connection was established between one view and another. Back then, people lived in divine-spiritual worlds; through birth, they descended, connecting what they had experienced in those divine-spiritual worlds—in a purely spiritual environment—with human blood, and continued to live this out within human blood. From this arose the concept: Ex deo nascimur. The God who lives in the blood, the God whom human beings represent here in the flesh—that is the paternal God.
[ 21 ] Der andere Pol des Lebens, der Tod, fordert einen andern Impuls aus dem Seelenleben heraus. Es muß im Menschen etwas sein, das sich nicht erschöpft mit dem Tode. Ihm entspricht allein eine Vorstellung vom Göttlichen, durch die das Irdisch-Physische übergeht in das Übersinnlich-Überphysische. Das aber ist im Mysterium von Golgatha enthalten. Das göttliche Vaterprinzip war stets der Übergang von dem Übersinnlichen zu dem Sinnlichen, das göttliche Sohnesprinzip der Übergang von dem Sinnlichen ins Übersinnliche: daher die Auferstehungsidee notwendig verbunden ist mit dem Mysterium von Golgatha. Und es gehört einmal zu dem Christentum das Paulinische Wort, daß der Christus für die Menschheit nur dadurch das geworden ist, was er geworden ist, daß er der Auferstandene ist.
[ 21 ] The other pole of life—death—demands a different impulse from the life of the soul. There must be something within the human being that is not exhausted by death. This corresponds solely to a conception of the Divine, through which the earthly-physical passes into the supersensible-superphysical. But this is contained in the Mystery of Golgotha. The divine Father principle has always been the transition from the supersensible to the sensible, the divine Son principle the transition from the sensible to the supersensible: hence the idea of the Resurrection is necessarily connected with the Mystery of Golgotha. And the Pauline statement that Christ became what he became for humanity only because he is the Risen One is an integral part of Christianity.
[ 22 ] Durch die Jahrhunderte hindurch hat man immer mehr und mehr das Verständnis für den Auferstandenen, für den 'Todesbesieger verloren, und die aufgeklärte "Theologie der neueren Zeit hat sich allein an den Menschen Jesus von Nazareth gehalten. Dieser Mensch Jesus von Nazareth kann nicht das Zweite sein neben dem Vaterprinzip. Er könnte den Vater verkündigen, aber er könnte sich nicht im Sinne der Diskussionen der ersten Christenheit neben den Vater hinstellen. Aber gleichwertig stehen nebeneinander der göttliche Vater, der den Übergang bewirkt aus dem Übersinnlichen in dasSinnliche: Ex deo nascimur, und der göttliche Sohn, der den Übergang bewirkt von dem Sinnlichen ins Übersinnliche: In Christo morimur. — Und erhaben über beides, über das Geborenwerden und Sterben, ist ein drittes Prinzip, das ausgeht von beiden, was gleichwertig wiederum zusammenhängt mit beiden, mit dem göttlichen Vater und dem göttlichen Sohne; der Geist, der Heilige Geist. So daß im Menschen zu erkennen ist der Übergang aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche: Ex deo nascimur, der Übergang aus dem Sinnlichen ins Übersinnliche: In Christo morimur, und die Vereinigung von beiden, die Verbindung mit dem, worin weder Geburt noch Tod mehr eine Wesenheit haben, die Auferweckung durch den Geist: Per spiritum sanctum reviviscimus.
[ 22 ] Over the centuries, people have increasingly lost their understanding of the Risen One, the “Conqueror of Death,” and modern “enlightened theology” has focused solely on the man Jesus of Nazareth. This man, Jesus of Nazareth, cannot be second to the Father. He could proclaim the Father, but he could not, in the sense of the discussions of early Christianity, stand alongside the Father. Yet standing side by side as equals are the divine Father, who brings about the transition from the supersensible to the sensible: Ex deo nascimur, and the divine Son, who brings about the transition from the sensible to the supersensible: In Christo morimur. — And exalted above both—above being born and dying—is a third principle that emanates from both, which in turn is equally connected to both, to the divine Father and the divine Son: the Spirit, the Holy Spirit. Thus, in human beings, we can recognize the transition from the transcendent to the sensible: Ex deo nascimur; the transition from the sensible to the transcendent: In Christo morimur; and the union of both, the connection with that in which neither birth nor death has any substance—the resurrection through the Spirit: Per spiritum sanctum reviviscimus.
[ 23 ] Das Weihnachtsfest war durch Jahrhunderte hindurch ein Fest der Erinnerung. Wieviel verlorengegangen ist von dieser Erinnerung, das zeigt sich dadurch, daß von dem Christus Jesus gerade für die aufgeklärte Theologie nur der Jesus von Nazareth geblieben ist. Das weist uns aber auch für den heutigen Tag darauf hin, daß das Weihnachtsfest für uns aus einem bloßen Feste der Erinnerung ein Fest der Aufforderung für ein Neues werden muß. Geboren werden muß ein neues Wesen. Die Christenheit bedarf einer Erneuerung, denn sie hat damit, daß sie das volle Verständnis verloren hat für den Christus im Jesus von Nazareth, eigentlich ihren Sinn verloren. Dieser Sinn aber muß wieder gefunden werden. Erkennen muß die Menschheit wiederum, wie durch übersinnliches Verständnis allein das Mysterium von Golgatha begriffen werden kann.
[ 23 ] For centuries, Christmas was a festival of remembrance. Just how much of this remembrance has been lost is evident from the fact that, for Enlightenment theology in particular, all that remains of Christ Jesus is the Jesus of Nazareth. But this also points out to us today that Christmas must become for us not merely a festival of remembrance, but a festival calling us to something new. A new being must be born. Christianity needs renewal, for by losing its full understanding of the Christ in Jesus of Nazareth, it has in fact lost its very meaning. But this meaning must be rediscovered. Humanity must once again recognize that the Mystery of Golgotha can be grasped only through supersensible understanding.
[ 24 ] Es ist ein anderes aber noch hinzugetreten zu diesem Nichtverstehen des Mysteriums von Golgatha. Mit Liebe können wir hinblicken zur Krippe, aber nicht mehr mit vollem, weisheitserfülltem Verständnisse zu der Vereinigung des Christus mit dem Menschen Jesus von Nazareth. Aber auch hinaufblicken können wir nicht mehr in die Himmelshöhen mit demselben Gefühl, mit dem noch jene Zeiten hinaufgeblickt haben, in welche das Mysterium von Golgatha hereinfiel. Da hat man hinaufgesehen zu den Sternenwelten, da sah man in den Sternenbahnen, in den Sternkonstellationen etwas wie den physiognomischen Ausdruck für das göttliche Seelen- und Geisteswalten des Kosmos. Man sah in der Sonne etwas wie das Herz dieses göttlich-geistigen, kosmischen Waltens. Da konnte man in dem Christus sehen das Geistige für dieses Äußerlich-Sinnliche, das man in der herrlichen Sternenwelt sah. Für den neueren Menschen ist die Sternenwelt, ist alles das, was man in Raumesweiten draußen sieht, mehr oder weniger das Ergebnis eines Rechenezempels geworden, ein Weltmechanismus. Die Welt ist götterleer, gottesleer geworden. Aus dieser gottesleeren Welt, die wir heute durch unsere Astronomie und Astrophysik untersuchen, konnte gewiß der Christus nicht heruntersteigen. Aber für die menschliche Urweisheit war diese Welt etwas anderes. Diese Welt war der Körper des göttlichen Weltengeistes und der göttlichen Weltenseele. Und aus diesem vergeistigten Kosmos konnte der Christus auf die Erde heruntersteigen und sich mit einem Menschen im Jesus von Nazareth vereinigen.
[ 24 ] Another factor has now been added to this failure to understand the mystery of Golgotha. We can look upon the manger with love, but no longer with a full, wisdom-filled understanding of the union of Christ with the human Jesus of Nazareth. Nor can we look up into the heights of heaven with the same feeling with which people looked up in those times when the Mystery of Golgotha took place. Back then, people looked up to the worlds of the stars; in the paths of the stars and the constellations, they saw something like the physiognomic expression of the divine soul and spirit at work in the cosmos. People saw in the sun something like the heart of this divine-spiritual, cosmic governance. In Christ, they could see the spiritual counterpart to this outer, sensory world that they beheld in the magnificent world of the stars. For modern humanity, the world of the stars—and everything one sees out there in the vastness of space—has more or less become the result of a mathematical exercise, a cosmic mechanism. The world has become devoid of gods, devoid of God. Christ certainly could not have descended from this God-less world that we study today through our astronomy and astrophysics. But for primordial human wisdom, this world was something else. This world was the body of the divine world spirit and the divine world soul. And from this spiritualized cosmos, Christ was able to descend to Earth and unite with a human being in the person of Jesus of Nazareth.
[ 25 ] In tiefer Weise kommt das in der Menschheitsentwickelung selber zum Ausdrucke. Durch alle alten Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha hat es über die Erde hin Mysterien gegeben, heilige Stätten, die auch die höchsten Schulen waren, Schulen, in denen zu gleicher Zeit das religiöse Leben gepflegt wurde. In diesen Mysterien wurde überall hingewiesen auf das, was da kommen soll. Es wurde überall gezeigt, wie der Mensch in sich eine Kraft trägt, die Sieger ist über den Tod. Dieses Siegen über den Tod wurde in mächtigen Erlebnissen von den Eingeweihten in den Mysterien durchgemacht. Wer ein Eingeweihter werden wollte, mußte in sich jenes tiefe Erlebnis entwickeln, das ihm die erlebte Überzeugung beibrachte: Ja, du hast in dir erweckt das, was Sieger ist über den Tod. — Im Bilde erlebte der in den Mysterien Eingeweihte, was sich erst in der Zukunft wirklich vollziehen sollte vor dem ganzen Plan der Weltengeschichte. Allüberall bei den Völkern wurde in den Mysterien drinnen verkündet das heilige Geheimnis: der Mensch kann den Tod besiegen. Aber es wurde zugleich darauf hingewiesen, daß alles das, was in den Mysterien nur in Bildern dargestellt werden konnte, einmal vor der Weltgeschichte als ein einmaliges Ereignis dastehen werde. Das Mysterium von Golgatha wurde vorherverkündet auch durch die heidnischen Mysterien des Altertums. Es war die Erfüllung dessen, was gerade in den heiligen Stätten überall vorherverkündet worden ist.
[ 25 ] This finds deep expression in the very course of human evolution. Throughout all ancient times prior to the Mystery of Golgotha, there were mysteries across the Earth—sacred sites that were also the highest schools, schools in which religious life was cultivated at the same time. In these mysteries, reference was made everywhere to what was to come. It was shown everywhere how human beings carry within themselves a power that triumphs over death. This triumph over death was experienced in powerful ways by the initiates in the mysteries. Anyone who wished to become an initiate had to develop within themselves that profound experience which instilled in them the lived conviction: Yes, you have awakened within yourself that which triumphs over death. — In symbolic form, the initiate in the Mysteries experienced what was to be truly fulfilled only in the future within the overall plan of world history. Among all peoples, the sacred mystery was proclaimed within the Mysteries: human beings can conquer death. But at the same time, it was pointed out that everything which could only be depicted in symbols within the Mysteries would one day stand before world history as a unique event. The Mystery of Golgotha was also foreshadowed by the pagan Mysteries of antiquity. It was the fulfillment of what had been foreshadowed everywhere, particularly in the sacred sites.
[ 26 ] Wenn der Einzuweihende zuerst die Vorbereitungen in den Mysterien und dann jene schwereren Übungen durchgemacht hatte, durch die man in den alten Zeiten zur Einweihung kam, wenn er seine Seele so losbekommen hatte vom Leibe, daß diese Seele in ihrer Losgelöstheit sich vereinigen konnte mit den geistigen Welten und in den geistigen Welten wahrnehmen konnte, um zu der eigenen Überzeugung zu gelangen, daß das Leben immerdar über den Tod siege innerhalb der menschlichen Natur —, wenn der Eingeweihte dahin gekommen war, dann wurde er der tiefsten Erfahrung entgegengeführt, die durch diese Mysterien des Altertums gesucht wurde. Und diese tiefste Erfahrung bestand darin, daß vor dem geistigen Blicke des Menschen das Erdenhindernis, das materielle Hindernis hinweggenommen war, wenn dasjenige geschaut sein sollte, was zu gleicher Zeit geistig und materiell ist: die Sonne. Und vor jene geheimnisvolle, aber jedem Eingeweihten wohlbekannte Erscheinung wurde der zu Initiierende geführt, daß er in der Mitternachtsstunde durch die Erde hindurch die Sonne sah — auf der andern Seite der Erde.
[ 26 ] Once the initiate had first undergone the preparatory stages of the Mysteries and then those more arduous exercises through which, in ancient times, one attained initiation—once he had detached his soul from the body to such an extent that, in its detachment, the soul could unite with the spiritual worlds and perceive within them, to arrive at the conviction that life always triumphs over death within human nature—when the initiate had reached this point, he was then led toward the deepest experience sought through these mysteries of antiquity. And this deepest experience consisted in the fact that, before the human being’s spiritual gaze, the earthly obstacle—the material obstacle—was removed so that what is at once spiritual and material could be beheld: the sun. And the initiate was led before that mysterious phenomenon—well known to every initiate—so that at the stroke of midnight he might see the sun through the earth—on the other side of the earth.
[ 27 ] Instinktive Empfindungen von dem Heiligsten und dem Höchsten sind dem Menschen doch durch die geschichtliche Entwickelung geblieben. Manche sind abgeschwächt worden im Laufe der Zeiten, aber für denjenigen, der unbefangen sein will, ist der alte Sinn noch vernehmbar. Und so lesen wir heute heraus aus der Tatsache, daß in der Weihenacht vom 24. auf den 25. Dezember um Mitternacht in jeder christlichen Kirche die Mitternachtsmesse gelesen werden soll — und die Messe ist ja nichts anderes, als in einer gewissen Weise zusammengefaßt die Mysterienriten, die zu dem Schauen der Sonne um Mitternacht führten —, wir lesen aus dieser Festsetzung der Mitternachtsweihemesse den Nachklang jener alten Einweihung heraus, die den Einzuweihenden um die Mitternachtsstunde die Sonne auf der abgewandten Seite der Erde schauen ließ, die ihn befähigte, damit das Weltenall als Geistiges wahrzunehmen, und zu gleicher Zeit, klingend durch den Kosmos, das Weltenwort zu vernehmen, das aus den Sternenbahnen heraus, aus den Konstellationen der Sterne aussprach das Weltenwesen.
[ 27 ] Instinctive feelings for the most sacred and the highest have nevertheless remained with humankind throughout historical development. Some have faded over time, but for those who wish to remain open-minded, the ancient sense is still perceptible. And so today we discern from the fact that on Christmas Eve, from December 24 to 25, at midnight, the Midnight Mass is to be celebrated in every Christian church—and the Mass is, after all, nothing other than, in a certain sense, a synthesis of the mystery rites that led to the viewing of the sun at midnight— we discern in this establishment of the Midnight Mass the echo of that ancient initiation, which allowed the initiate, around midnight, to behold the sun on the far side of the Earth—enabling him to perceive the universe as a spiritual reality—and at the same time, resounding through the cosmos, to hear the Word of the World, which, from the orbits of the stars and the constellations, spoke of the essence of the universe.
[ 28 ] Das Blut entzweit die Menschen. Das Blut bindet das, was aus Himmelshöhen als Menschliches herabsteigt, an das Materiell-Irdische. Die Menschen haben, insbesondere in unserem Jahrhundert, gar sehr gesündigt gegen das christliche Prinzip, indem sie sich wiederum dem Prinzip des Blutes zugewandt haben. Aber sie müssen zurückfinden den Weg zu dem Christus Jesus, der nicht zum Blute spricht, der sein Blut vergossen hat und es mit der Erde verbunden hat, der aber zur Seele und zum Geiste spricht und alle Menschen vereint und nicht trennt. So daß in dem mit seiner Hilfe errungenen Verständnisse des: Weltenwortes «Friede unter den Menschen» auf der Erde einzieht.
[ 28 ] Blood divides people. Blood binds that which descends from the heights of heaven as the human essence to the material and earthly realm. People, especially in our century, have sinned greatly against the Christian principle by turning once again to the principle of blood. But they must find their way back to Christ Jesus, who does not speak of blood—who shed his blood and united it with the earth—but who speaks to the soul and the spirit, uniting all people rather than dividing them. So that, through the understanding of the world-word “Peace among men” attained with his help, peace may reign on earth.
[ 29 ] Daher kann auch für ein neues Verständnis des Weihnachtsfestes wieder eintreten, daß sich durch übersinnliche Erkenntnis das materielle Weltenall vor dem Seelenblicke in Geist verwandelt. Es kann die Sonne um Mitternacht wiederum sichtbar werden, das heißt, in ihrer Geistigkeit erkannt werden. Es kann damit ein Verständnis errungen werden für das überirdische Christus-Wesen, das Sonnenwesen, das sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth verbunden hat. Und es kann damit auch wiederum ein Verständnis errungen werden für das, was über die Völker des Erdenkreises leben soll in der wirklich sie einenden friedlichen Gesinnung: «Es offenbaren sich die Wesenheiten des Gottes in den Höhen, und Friede erklingt durch diese Offenbarungen aus den Menschenherzen, die eines guten Willens sind.»
[ 29 ] Thus, a new understanding of the Christmas festival can once again emerge, in which, through supersensible knowledge, the material universe is transformed into spirit before the soul’s gaze. The sun can once again become visible at midnight—that is, it can be recognized in its spiritual nature. Through this, an understanding can be gained of the supermundane Christ Being—the Solar Being—who has united with the human being Jesus of Nazareth. And through this, an understanding can also be gained once more of what is to live among the peoples of the Earth in the peaceful spirit that truly unites them: “The beings of God reveal themselves on high, and through these revelations, peace resounds from the hearts of people who are of good will.”
[ 30 ] Das ist der Weihnachtsspruch, das Zusammenklingen des Erdenfriedens mit dem göttlichen Lichte, das auf die Erde strahlt. Wir brauchen nicht nur die Erinnerung an den Geburtstag Jesu. Wir brauchen Verständnis für die Auffassung, daß ein neues Weihnachtsfest kommen muß, daß etwas geboren werden muß, daß ein Geburtsfest eintreten muß von der Gegenwart aus in die nächste Zukunft hinein, daß ein neuer Christus-Impuls geboren werden muß, daß der Christus wieder erkannt werden muß durch diesen neuen Christus-Impuls. Wir brauchen wiederum ein Verständnis dafür, daß die göttlich-geistigen Himmelswelten und die physisch-sinnliche Erdenwelt aneinander gebunden sind und daß das Mysterium von Golgatha der bedeutsamste Ausdruck für diese Zusammenbindung ist.
[ 30 ] This is the message of Christmas—the harmony between peace on earth and the divine light that shines upon the earth. We need more than just the memory of Jesus’ birth. We need an understanding of the idea that a new Christmas must come, that something must be born, that a celebration of birth must take place from the present into the near future, that a new Christ impulse must be born, and that Christ must be recognized anew through this new Christ impulse. We also need an understanding that the divine-spiritual heavenly worlds and the physical-sensory earthly world are bound together, and that the Mystery of Golgotha is the most significant expression of this connection.
[ 31 ] Wir müssen wieder verstehen, warum in der Weihenacht in der Mitternachtsstunde gewissermaßen die Mahnung an uns erklingt, an den göttlich-geistigen Ursprung der Menschen zu denken, warum zu dieser Zeit die Mahnung an uns erklingt, die Himmelsoffenbarung mit dem Erdenfrieden verbunden zu denken. Das können wir nur, wenn wir die Weltenweihenacht zu unserer Überzeugung machen, wenn wir uns nicht in alter, gewohnheitsmäßiger Weise damit beruhigen, daß wir uns an dem Weihnachtsfeste beschenken, weil das einmal so üblich geworden ist, nachdem jene warmen Empfindungen, die Jahrhunderte hindurch die Christenheit beseelt haben, verlorengegangen sind. Aber eine neue Weihenacht brauchen wir, die Weihenacht, die nicht nur an die stattgehabte Geburt des Jesus von Nazareth erinnert, sondern eine neue Geburt bringt: die Geburt eines neuen Christus-Impulses.
[ 31 ] We must once again understand why, on Christmas Eve at the stroke of midnight, a call resounds within us, as it were, to reflect on the divine-spiritual origin of humankind; why, at this time, a call resounds within us to connect the heavenly revelation with peace on earth. We can do this only if we make the Night of the Consecration of the World our own conviction, if we do not content ourselves, in the old, habitual way, with exchanging gifts at Christmas simply because it has become customary—now that those warm feelings that inspired Christendom for centuries have been lost. But we need a new Christmas Eve—one that not only commemorates the birth of Jesus of Nazareth but also brings about a new birth: the birth of a new Christ impulse.
[ 32 ] Aus vollem Bewußtsein heraus müssen wir wiederum verstehen lernen, wie in dem Mysterium von Golgatha ein Übersinnliches sich ausspricht, um indem Sinnlichen der Erde zur Offenbarung zu kommen, Wir müssen mit vollem Bewußtsein das, was in den alten Mysterien geklungen hat, wieder verstehen. Da hat es instinktiv geklungen; mit vollem Bewußtsein wollen wir es aufnehmen. Wiederum wollen wir verstehen lernen, wie der Mensch die mitternächtige Sonne wahrnehmen kann, wie der Mensch den wunderbaren mitternächtigen Sphärenharmonie-Zusammenklang der Himmelsoffenbarung und des Erdenfriedens empfinden kann, wenn die Weihenacht für ihn etwas Wirkliches wird.
[ 32 ] With full consciousness, we must once again learn to understand how, in the Mystery of Golgotha, the supersensible expresses itself in order to be revealed through the sensible world of the Earth. We must, with full consciousness, understand once again what resounded in the ancient mysteries. There it resounded instinctively; with full consciousness, let us take it in. Once again, let us learn to understand how human beings can perceive the midnight sun, how they can sense the wondrous midnight harmony of the spheres—the convergence of heavenly revelation and earthly peace—when Christmas Eve becomes a reality for them.
[ 33 ] In diesem Sinne sind die Worte niedergeschrieben, welche gerade aus diesen Untergründen heraus der Weihenacht gewidmet sein sollen. Sie fassen zusammen, was ich in dieser Stunde an Ihre Seelen, an Ihre Herzen habe heranbringen wollen. Sie wollen aus dem Bewußtsein anthroposophischen Christus-Verständnisses heraus sagen, wie wir wieder kommen können zu dem, was menschliche Urweisheit, aber instinktiv, einstmals war, was in den Resten noch so weit vorhanden war zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, daß man die Erscheinung Christi feiern konnte.
[ 33 ] It is in this spirit that these words have been written, words intended to be dedicated to Christmas Eve precisely from these depths. They summarize what I have sought to convey to your souls and hearts at this hour. They seek to express, from the perspective of the anthroposophical understanding of Christ, how we can return to what was once human primordial wisdom—albeit instinctive—and what still remained to such an extent at the time of the Mystery of Golgotha that the appearance of Christ could be celebrated.
[ 34 ] Wir wollen aber dieses Verständnis des Christus als eines kosmischen Wesens, das sich mit der Erde verbunden hat, wieder erringen. Die Zeit, in der dies für einen großen Teil der Menschen auf Erden wieder errungen wird, das ist die Zeit der Weltenweihenacht, die wir heranersehnen möchten. Dann werden lebendig in uns werden Empfindungen, die ich gern mit folgenden Worten ausgesprochen haben wollte:
[ 34 ] But we want to regain this understanding of Christ as a cosmic being who has united himself with the Earth. The time when this is regained for a large portion of humanity on Earth is the time of the World Consecration Night, which we long to see approach. Then feelings will come alive within us that I would have liked to express with the following words:
Die Sonne schaue
Um mitternächtige Stunde
Mit Steinen baue
Im leblosen GrundeSo finde im Niedergang
Und in des Todes Nacht
Der Schöpfung neuen Anfang
Des Morgens junge MachtDie Höhen laß offenbaren
Der Götter ewiges Wort
Die Tiefen sollen bewahren
Den friedevollen HortIm Dunkel lebend
Erschaffe eine Sonne
Im Stoffe webend
Erkenne Geistes Wonne.
May the sun shine
At the stroke of midnight
Build with stones
In the lifeless groundThus, in the twilight
And in the night of death
I find the new beginning of creation
The young power of the morningLet the heights reveal
The eternal word of the gods
Let the depths preserve
The peaceful refugeLiving in the Dark
Create a Sun
Weaving in the Fabric
Recognize the Joy of the Spirit.
