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Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse
Das Fest der Erscheinung Christi
GA 209

26 Dezember 1921, Dornach

Das Fest Der Erscheinung Christi III

[ 1 ] Das Fest der Weihenacht war durch Jahrhunderte für die ganze Christenheit ein Fest wichtigster Erinnerung. Und wenn wir dieses Fest der Weihenacht als ein Erinnerungsfest auffassen, dann müssen wir an alles das denken, was sich mit diesem Feste innerhalb der Gefühle, der Empfindungen der Menschheit durch Jahrhunderte verbunden hat. Wir gedenken, wie dieses Fest des 25. Dezembers bis ins 4. Jahrhundert herein innerhalb der christlichen Entwickelung nicht vorhanden war, und wie in diesem 4. Jahrhunderte, zum ersten Male im Jahre 354 in Rom, das Fest des Geburtstages Jesu gewissermaßen vor die christliche Menschheit hingestellt worden ist, um damals der Zeit einen bedeutungsvollen Tribut zu bringen. Denn daß ein solcher Tribut der Zeit in diesem 4. Jahrhundert gerade werden mußte, das liegt durchaus in den christlichen Instinkten der Menschheitsentwickelung.

[ 2 ] Heran brausten gegen die südeuropäische Entwickelung die nordischen Völker. Es lebte auch noch vieles von dem, was heidnischer Brauch war, im weiten Umkreise in den südlichen Gegenden Europas, in den römischen, in den griechischen Gegenden. Es lebte auch vieles von den heidnischen Bräuchen in Nordafrika, in Kleinasien, kurz an denjenigen Stätten, in die hinein allmählich der christliche Gedanke und die christlichen Empfindungen einzogen. Aber das Christentum war von jeher darauf angelegt, nicht eine sektiererische Strömung für diesen oder jenen Menschenkreis zu sein, sondern, wie sehr sich ihm auch verschiedene Dinge innerhalb wie außerhalb seines Bereiches entgegengestellt haben, das Christentum war von vorneherein darauf angelegt, eine Seelen-, eine Herzensnahrung für alle Menschen zu werden.

[ 3 ] Innerhalb der heidnischen Kreise vom Norden und vom Süden lebte noch jenes religiöse Bewußtsein, welches die Göttergewalten mit den Sternen verband, die mächtigste Göttergewalt mit der Sonne. Und es lebte innerhalb dieser heidnischen Anschauung der Gedanke, daß, wenn die Erde zur Zeit der Wintersonnenwende ihre finstersten Tage hat, zugleich der Augenblick herangerückt ist, wo die Sonne ihre siegende Kraft für alle Erdenfruchtbarkeit wieder zu entwickeln beginnt. Diese Empfindung des Auf-sich-selbst-Angewiesenseins der Erde, der Abgeschlossenheit der Erde von den kosmisch-göttlichen Mächten, diese Empfindung gewissermaßen der Welteinsamkeit der Erde, sie wurde abgelöst in diesem Augenblicke der Wintersonnenwende von der Empfindung der Hoffnung: Ja, es kommen wieder die segensvollen Licht- und Liebewirkungen aus dem Sonnenbereich und wecken alles Fruchtbare der Erde neu auf.

[ 4 ] In innigem Zusammenhange mit einer solchen Empfindung stand für den Menschen die Auffassung seines eigenen Seelenwesens. Er fühlte sich gerade innerhalb der alten heidnischen Religionen mit der Erde innig verbunden. Er fühlte sich gewissermaßen als Glied der Erde; er fühlte das Erdenleben fortgesetzt in sein eigenes Leben hinein. Und so fühlte sich der Mensch, während die Erde im Sommer ihre bedeutsamsten Wärme- und Lichteinwirkungen aus dem Himmelsbereich der Sonne erhielt, wie hingegeben an jenen Bereich, aus dem die leuchtenden und wärmenden Sonnenstrahlen zur Erde herunterkommen. Und der Mensch fühlte sich während der Hochsommerzeit hingegeben an die Weltenweiten. Zur Zeit der Wintersonnenwende fühlte er sich innig verbunden mit der Erde, mit alldem, was die Erde aus der Zeit des wärmenden, des leuchtenden Sommers bewahrt hat. Gewissermaßen einsam im Weltenall fühlte sich zunächst der Mensch mit seiner Erde, und er fühlte tatsächlich das Wiederherabkommen des Göttlich-Geistigen in den Erdenbereich zu dieser Zeit der Wintersonnenwende.

[ 5 ] So hatte der Mensch das, was ihn in seinem Empfinden, in seinem ganzen Seelen- und Geistesleben am innigsten mit der Allheit des Kosmos zusammengebracht hatte, in den Gedanken dieses Festes hineingedrängt. Und weil die Christenheit auf ein Teuerstes stieß mit diesem Wintersonnenwendefest, konnte es nicht anders kommen, als daß die Christenheit selbst den Völkern, die ihr entgegentraten, ihr 'Teuerstes hingab an diesem Wintersonnenwendefest. Dieses Teuerste war ja im Sinne jener Wendung, die geschehen war zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, dieses Wichtigste war für die Christenheit geworden die Erinnerung an die Geburt Jesu.

[ 6 ] Was bedeutete es für den Bekenner des Alten Testamentes, wenn er das ganze Mysterium des Menschenlebens und seinen Zusammenhang mit dem Menschentode dadurch aussprach, daß er sagte: Wenn die Seele durch die Todespforte geht, begibt sie sich auf den Weg, durch den sie mit den Vätern wiederum vereinigt wird. — Eine Sehnsucht nach dem Hingange zu den Vätern, das war eine teure Empfindung gemäß den Anschauungen des Alten Testamentes. Und im Laufe der vier ersten Jahrhunderte der Christenheit verwandelte sich dieses Hinblicken auf die Gemeinschaft der Väter in ein Hinblicken auf die Geburt derjenigen Wesenheit, welche die Christenheit zusammenhält. Es verwandelte sich die Empfindung des Alten Testamentes in den Hinblick nach Nazareth oder Bethlehem, in den Hinblick auf die Geburt des Jesuskindes.

[ 7 ] So hatte gewissermaßen das Christentum durch die Festsetzung des Weihnachtsfestes im 4. nachchristlichen Jahrhunderte der Vereinigung der Menschen auf dem Erdenrunde seinen Tribut gebracht, hatte eine teuerste Empfindung mit dem Weihnachtsfeste verbunden. Und wenn wir weiter sehen, wie dieses Weihnachtsfest durch die Jahrhunderte gefeiert wird, so sehen wir überall, wie in der Zeit, da dieses Fest herannaht, eine wirkliche Durchdringung der Menschenseelen innerhalb der Christenheit mit liebender Hingabe an das Jesuskind verbunden wird. Wir sehen in dieser liebenden Hingabe etwas ganz Besonderes geoffenbart im Laufe der christlichen Jahrhunderte, die sich an das 4. nachchristliche anschlossen. Wir müssen wirklich mit innigem Verständnis hinblicken auf diese Festsetzung des Weihnachtsfestes auf den 25.Dezember, auf die. Wintersonnenwende ungefähr. Denn noch 353 wurde selbst in Rom das Christfest nicht am 25. Dezember begangen und nicht als ein Geburtstag des Jesus von Nazareth oder Bethlehem, sondern es war da üblich, das Fest des 6. Januars zu begehen. Dieses Fest sollte das Erinnerungsfest sein an die Johannestaufe im Jordan, das Fest der Erinnerung an den Christus. Und mit der Erinnerung verband man die Vorstellung, daß durch die Johannestaufe im Jordan aus außerirdischen Welten, aus Himmelswelten herein sich das außerirdische Christus-Wesen verbunden hatte mit dem menschlichen Wesen des Jesus von Nazareth.

[ 8 ] Diese nicht gewöhnliche Geburt, sondern dieses Heruntersteigen des Christus-Wesens zur Neubefruchtung des irdischen Daseins, das feierte man. Man wollte sich bewußt werden, an diesem Tage der Erscheinung Christi, des Geheimnisses, daß ein Himmlisches sich mit der Erde verbunden hatte, daß die Menschheit durch diesen himmlischen Einschlag einen neuen Entwickelungsimpuls erhalten hatte. Dieses Geheimnis des Herunterströmens eines überirdischen Himmlischen in das irdische Dasein wurde noch verstanden zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha stattfand und einige Zeit nachher. Es waren in dieser Zeit noch Reste alter Urweisheit vorhanden, die sich bis zum Verstehen einer solchen nur im Übersinnlichen erkennbaren Tatsache erhoben. Die alte instinktive Erkenntnis, die Urweisheit, welche die Menschheit bei ihrer Entstehung auf der Erde wie ein Göttergeschenk mitbekommen hatte, diese Urweisheit ging allmählich der Menschheit verloren. Sie wurde immer geringer im Laufe der Jahrhunderte. Aber zur Zeit des Mysteriums von Golgatha war gerade noch soviel von ihr vorhanden, daß man das Gewaltige einsehen konnte, was mit diesem Mysterium von Golgatha geschah.

[ 9 ] So wurde denn das Mysterium von Golgatha in den ersten Jahrhunderten in Weisheit aufgefaßt. Diese Weisheit war fast vollständig verglommen im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Man mußte auf anderes Rücksicht nehmen, auf das, was einem die Heiden von allen Seiten her entgegenbrachten, und man konnte für das tief Geheimnisvolle der Vereinigung des Christus mit dem Menschen Jesus kein Verständnis mehr gewinnen. Gewissermaßen verlor für den menschlichen Seelenblick das eigentliche Mysterium von Golgatha die Möglichkeit des Verständnisses. Und so blieb es für die folgenden Jahrhunderte. Die Urweisheit ging der Menschheit verloren. Sie mußte verlorengehen, weil aus dieser Urweisheit der Mensch sich niemals seine Freiheit, sein Auf-sich-selbst-Gestelltsein hätte erringen können. Der Mensch mußte gewissermaßen eine Weile in die Finsternis eintreten, um aus dieser Finsternis heraus sich die ureigenen Selbstkräfte in Freiheit zu erringen. Aber der christliche Instinkt hat an die Stelle der Weisheit, mit der das Mysterium von Golgatha innerhalb der christlichen Welt begrüßt worden ist, mit der über das Mysterium von Golgatha in einer gewissen Weise diskutiert worden ist, bis man es später nicht mehr verstand, der christliche Instinkt hat an die Stelle dieser Weisheit etwas anderes gesetzt.

[ 10 ] Die Christenheit von heute hat nur noch wenig Verständnis für jene tiefgründigen Diskussionen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten unter den weisen Vätern der Christenheit stattgefunden haben: wie die zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, in der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth vereinigt waren. Das war etwas, was zu einer lebendigen Weisheit in den ersten christlichen Jahrhunderten sprach, was nachher in leere Abstraktionen übergegangen ist. Und von jenem heiligen Eifer, mit dem man verstehen wollte, wie das Göttliche und das Menschliche in dem Mysterium von Golgatha sich vereinigt haben, von jenem heiligen Eifer ist in der Christenheit des Abendlandes wenig übriggeblieben. Aber der christliche Impuls ist ein mächtiger, der christliche Impuls ist ein gewaltiger. Und so setzte sich denn an die Stelle der Weisheit, mit der das Mysterium von Golgatha begrüßt worden ist, als es über die Erde hinleuchtete, die Liebe. Und es ist wunderbar, welche Fülle von Liebe aufgebracht worden ist im Lauf der Jahrhunderte der christlichen Entwickelung im Hinblicke auf das Jesuskindlein, auf sein Liegen in der Krippe. Es ist wunderbar, wie diese Liebe nachwirkt in den Weihnachtsspielen, die in einer so herrlichen Weise zu uns heraufleuchten aus früheren christlichen Jahrhunderten.

[ 11 ] Wer das alles auf seine Seele wirken läßt, der begreift, wie stark das Weihnachtsfest ein Erinnerungsfest war. Wer das alles auf sich wirken läßt, begreift, daß ebenso wie die Menschen des Alten Testamentes in Weisheit versammelt sein wollten bei den Vätern, so die Menschen der früheren christlichen Jahrhunderte im irdischen Leben mit der Hingabe ihres Besten, mit der Hingabe ihrer Liebe an das unschuldige Kind versammelt sein wollten um dieKrippe zur Weihenacht. Wer aber könnte leugnen, daß diese Liebe, die aus so vielen Herzen zu dem Ursprung des Christentums hingeströmt ist, nach und nach bis in unsere Zeit herein mehr oder weniger eine Gewohnheit geworden ist! Wer möchte leugnen, daß wir in einer Zeit leben, in der das Weihnachtsfest nicht mehr jene Lebendigkeit hat, die es einstmals hatte! Aus der Liebe, die dem Weihnachtsfeste gewidmet war, ist selbst noch in der allerneuesten Zeit ein Wichtigstes heraus entstanden. Zu ihrem Ursprunge wollten die Menschen des Alten Testamentes zurückkehren, indem sie sagten, sie wollen mit ihren Vätern versammelt sein. Zu der ursprünglichen menschlichen Wesenheit will der Christ hinschauen, indem er zum Geburtsfeste des Jesus hinblickt. Aus diesem christlichen Instinkt heraus verband man mit dem Weihnachtsfeste der Menschen Ursprung auf der Erde, ließ man vorangehen in dem 24. Dezember den Adam- und Eva-Tag dem eigentlichen Geburtstag des Jesus. Und zuletzt, aus einem tiefen Instinkt heraus, verband sich als Symbolum der Paradiesesbaum mit dem Weihnachtsfeste.

[ 12 ] Wir sehen zunächst hin nach dem Stall in Bethlehem, nach dem Kinde, zwischen den Tieren, vor der gesegneten Mutter. Wir schauen hin nach diesem himmlischen Zeichen des Menschheitsursprunges. Und die Menschheit war genötigt, aus ihrem Empfinden heraus zugleich hinzuschauen nach dem Erdenursprung des Menschen, nach dem Paradiesesbaum, und verband die Krippe mit dem Paradiesesbaum, so wie schon die heilige Legende den Menschenursprung auf der Erde mit dem Mysterium auf Golgatha verbunden hat, jene Legende, die da besagt, daß das Holz des Paradiesesbaumes auf eine wunderbare Weise von Generation zu Generation sich herabvererbt hat bis in die Zeit des Mysteriums von Golgatha, und daß das Kreuz auf der Schädelstätte zu Golgatha, an welchem der Christus Jesus gehangen hat, aus demselben Holze war wie der Paradiesesbaum. So sehen wir, wie sich in der Legende zusammendrängt der himmlische Ursprung des Menschen mit dem irdischen Ursprung des Menschen.

[ 13 ] Aber all das hat in einem andern Sinne die eigentliche christliche Grundempfindung wiederum verwischt. Und wer kann sich der Einsicht verschließen, daß wir in der gegenwärtigen Menschheit wenig Empfindung dafür sehen, wie auf der einen Seite die Gottheit als ein Väterliches verehrt wird, wie aber daneben die Gottheit als das Prinzip des Sohnes angesehen werden kann? Die getrennte Empfindung gegenüber dem Vatergotte und dem Sohnesgotte ist der Menschheit mehr oder weniger verlorengegangen, verlorengegangen bis in die aufgeklärte moderne Theologie hinein. Und weil dieses getrennte Empfinden verlorengegangen ist, sehen wir bei angesehenen Theologen der neuesten Zeit die Ansicht vertreten, daß eigentlich der Sohn gar nicht in die Evangelien hineingehöre, sondern allein der Vater, und daß der Jesus von Nazareth nur der große Lehrer, der Verkünder des Vatergottes gewesen sei. Der heutige Mensch spricht vom Christus, und er hat noch einige Reminiszenzen von alledem, was sich mit der heiligen Geschichte des Christus verbindet; aber er hat keine deutliche und unterscheidende Empfindung mehr auf der einen Seite für den Sohnesgott und auf der andern Seite für den Vatergott.

[ 14 ] Als das Mysterium von Golgatha hereinschlug in die Erdenentwickelung, da war diese Empfindung wahrhaftig lebendig genug vorhanden. Drüben in Asien, an einer in der damaligen Zeit für Rom wenig beachteten Stätte, erstand in Jesus von Nazareth der Christus, nach der Anschauung der ersten Christen das göttliche Wesen, das einen Menschen durchseelt hat in einer Weise, wie es vorher auf der Erde nicht geschehen war, nachher auf der Erde nicht wieder geschehen sollte. So daß dieses eine Ereignis von Golgatha, diese eine Beseelung eines Menschen mit einem göttlichen Wesen, mit dem Christus, erst der ganzen Erdenentwickelung einen Sinn gibt, und daß vorgestellt werden muß, daß alle vorangehende Erdenentwickelung die Erwartung auf dieses Ereignis von Golgatha ist, alles Folgende die Erfüllung dessen, was aus dem Mysterium von Golgatha folgen muß.

[ 15 ] Das spielte sich drüben in Asien ab. Und in Rom saß der Cäsar Augustus. Die moderne Menschheit macht sich das nicht mehr klar, was auf dem römischen Throne der Cäsar Augustus bedeutete: er saß da als die verkörperte Gottheit. Der römische Cäsar war selber ein Gott in Menschengestalt. Ein anders aufgefaßter Gott auf dem römischen Throne, ein anders aufgefaßter Gott drüben auf der Schädelstätte von Golgatha — ein gewaltiger Gegensatz! Welcher Gegensatz? Sehen wir uns den Cäsar Augustus an, diesen im Menschen verkörperten Gott nach der Anschauung seiner Anhänger, nach dem Gebote des römischen Staates. Er ist heruntergestiegen als göttliches Wesen auf die Erde. Die göttlichen Kräfte haben sich verbunden mit den Geburtskräften, mit dem Blute, und im Blute lebt, wallt und wogt die göttliche Kraft, die heruntergestiegen ist in das Irdische. So ungefähr wurde über den ganzen Erdkreis hin das Wohnen des Göttlichen auf der Erde vorgestellt, wenn auch in verschiedenen Formen. Nur bei dem jüdischen Volke war es nicht so, da es seinen Gott als im Jenseits bleibend empfunden hat. Die andern empfanden allüberall den mit den Blutskräften verbundenen Gott. Sie empfanden den Gott so, daß sie dieses Göttliche aussprechen konnten mit den Worten: Ex deo nascimur. Der Mensch fühlte sich allerdings verwandt, auch wenn er im Niedrigen lebte, mit dem, was auf den Spitzen der Menschheit in einer solchen Persönlichkeit lebte, wie in dem Cäsar Augustus. Aber alles das, was da verehrt wurde, war ein väterlich-göttliches Prinzip, denn es lebte im Blute, das dem Menschen mit seiner Geburt in die Welt hinein gegeben wird.

[ 16 ] Im Mysterium von Golgatha vereinigt sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth das göttliche Christus-Wesen, jetzt aber nicht mit dem Blute, jetzt mit den besten, nach dem Höchsten strebenden Kräften der menschlichen Seele. Jetzt vereinigt sich ein Gott mit einem Menschen so, daß die Menschheit dem Verfallen in die bloßen irdisch-materiellen Mächte entrissen wird.

[ 17 ] Im Blute lebt der Vatergott. Der Sohnesgott lebt im Seelisch-Geistigen des Menschen. Der Vatergott führt den Menschen ein in das materielle Leben: Ex deo nascimur. Der Sohnesgott führt den Menschen wiederum heraus aus dem materiellen Leben. Der Vatergott führt aus Übersinnlichem den Menschen in das Sinnliche ein, der Sohnesgott aus dem Sinnlichen wiederum in das Übersinnliche: In Christo morimur. — Es waren zwei stark voneinander differenzierte Empfindungen da. Es war hinzugefügt die Empfindung für den Sohnesgott zu der Empfindung für den Vatergott. Allerdings, für die Menschheitsentwickelung war aus noch andern Untergründen heraus verlorengegangen diese Unterscheidung des Vatergottes von dem Sohnesgotte. Und diese Untergründe sind bis zum heutigen Tage mit der Menschheit, auch mit der Christenheit, verbunden geblieben. Wenn wir hinblicken zu der menschlichen Urweisheit, so sehen wir überall, wie die Menschen, insofern sie eingeführt werden in das, was diese Urweisheit bietet, überzeugt sind davon, daß sie heruntergestiegen sind aus göttlich-geistigen Höhen in die physisch-sinnliche Welt. Das präexistente Leben schien dem Menschen gesichert. Die Menschen blickten durch die Geburt beziehungsweise durch die Empfängnis hinauf in die göttlich-geistigen Welten, aus denen die Seele heruntersteigt, indem sie durch die Geburt ins physisch-sinnliche Dasein tritt.

[ 18 ] Wir haben in unserer Sprache allein das Wort «Unsterblichkeit». Wir haben in unserer Sprache verloren ein Wort für die andere Seite der Ewigkeit. Wir haben in unseren Sprachen nicht das Wort «Ungeborenheit». Wenn aber die Ewigkeit eine vollständige ist, dann muß das Wort Ungeborenheit so da sein, wie das Wort Unsterblichkeit. Ja, es ist noch bedeutungsvoller für den Menschen das, was in dem Worte Ungeborenheit liegen kann, als was in dem Worte Unsterblichkeit liegen kann. So wahr es ist, daß der Mensch durch des Todes Pforte geht in ein Leben in der geistigen Welt, so wahr ist es aber auch, daß heute dieses Leben in der geistigen Welt nach dem Tode den Menschen vielfach in einer außerordentlich egoistischen Weise verkündigt wird. Die Menschen leben hier auf der Erde. Sie sehnen sich nach der Unsterblichkeit. Sie wollen nicht mit dem Tode ins Nichts versinken. Und so braucht man nur an die egoistischen Instinkte der Menschen zu rühren, indem man ihnen von der Unsterblichkeit spricht.

[ 19 ] Hören Sie einmal aufmerksam darauf hin, wie in unzähligen Kanzelreden auf die egoistischen Triebe der Menschen spekuliert wird, um die Unsterblichkeit vor die menschliche Seele hinzutragen. Man kann nicht so auf die egoistischen Triebe der Menschen spekulieren, wenn man von der Ungeborenheit spricht. Denn es verlangen die Menschen nicht so egoistisch, vor ihrer Geburt, vor ihrer Empfängnis in der geistigen Welt gewesen zu sein, wie sie verlangen, nach dem Tode in der geistigen Welt zu sein. Sie sind da, damit sind sie zufrieden. Warum sollten sie sich kümmern, von wannen sie gekommen sind? Aus ihrem Egoismus heraus kümmern sie sich darum, wohin sie gehen. Wenn wir wiederum zu einer unegoistischen Weisheit kommen, dann wird die Ungeborenheit dem Menschen so wichtig werden, wie die Unsterblichkeit dem Menschen heute wichtig ist.

[ 20 ] Aber es ist eben in alten Zeiten die Verbindung zwischen der einen und andern Anschauung hergestellt worden. Da lebte man in göttlichgeistigen Welten, da stieg man durch die Geburt herunter, verband dasjenige, was man in göttlich-geistigen Welten in einer rein geistigen Umgebung hatte, mit dem Menschenblute, und lebte dieses weiter dar im Menschenblute. Es ist daraus die Vorstellung geworden: Ex deo nascimur. Der Gott, der im Blute lebt, der Gott, den der Mensch im Fleische hier darstellt, das ist der väterliche Gott.

[ 21 ] Der andere Pol des Lebens, der Tod, fordert einen andern Impuls aus dem Seelenleben heraus. Es muß im Menschen etwas sein, das sich nicht erschöpft mit dem Tode. Ihm entspricht allein eine Vorstellung vom Göttlichen, durch die das Irdisch-Physische übergeht in das Übersinnlich-Überphysische. Das aber ist im Mysterium von Golgatha enthalten. Das göttliche Vaterprinzip war stets der Übergang von dem Übersinnlichen zu dem Sinnlichen, das göttliche Sohnesprinzip der Übergang von dem Sinnlichen ins Übersinnliche: daher die Auferstehungsidee notwendig verbunden ist mit dem Mysterium von Golgatha. Und es gehört einmal zu dem Christentum das Paulinische Wort, daß der Christus für die Menschheit nur dadurch das geworden ist, was er geworden ist, daß er der Auferstandene ist.

[ 22 ] Durch die Jahrhunderte hindurch hat man immer mehr und mehr das Verständnis für den Auferstandenen, für den 'Todesbesieger verloren, und die aufgeklärte "Theologie der neueren Zeit hat sich allein an den Menschen Jesus von Nazareth gehalten. Dieser Mensch Jesus von Nazareth kann nicht das Zweite sein neben dem Vaterprinzip. Er könnte den Vater verkündigen, aber er könnte sich nicht im Sinne der Diskussionen der ersten Christenheit neben den Vater hinstellen. Aber gleichwertig stehen nebeneinander der göttliche Vater, der den Übergang bewirkt aus dem Übersinnlichen in dasSinnliche: Ex deo nascimur, und der göttliche Sohn, der den Übergang bewirkt von dem Sinnlichen ins Übersinnliche: In Christo morimur. — Und erhaben über beides, über das Geborenwerden und Sterben, ist ein drittes Prinzip, das ausgeht von beiden, was gleichwertig wiederum zusammenhängt mit beiden, mit dem göttlichen Vater und dem göttlichen Sohne; der Geist, der Heilige Geist. So daß im Menschen zu erkennen ist der Übergang aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche: Ex deo nascimur, der Übergang aus dem Sinnlichen ins Übersinnliche: In Christo morimur, und die Vereinigung von beiden, die Verbindung mit dem, worin weder Geburt noch Tod mehr eine Wesenheit haben, die Auferweckung durch den Geist: Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 23 ] Das Weihnachtsfest war durch Jahrhunderte hindurch ein Fest der Erinnerung. Wieviel verlorengegangen ist von dieser Erinnerung, das zeigt sich dadurch, daß von dem Christus Jesus gerade für die aufgeklärte Theologie nur der Jesus von Nazareth geblieben ist. Das weist uns aber auch für den heutigen Tag darauf hin, daß das Weihnachtsfest für uns aus einem bloßen Feste der Erinnerung ein Fest der Aufforderung für ein Neues werden muß. Geboren werden muß ein neues Wesen. Die Christenheit bedarf einer Erneuerung, denn sie hat damit, daß sie das volle Verständnis verloren hat für den Christus im Jesus von Nazareth, eigentlich ihren Sinn verloren. Dieser Sinn aber muß wieder gefunden werden. Erkennen muß die Menschheit wiederum, wie durch übersinnliches Verständnis allein das Mysterium von Golgatha begriffen werden kann.

[ 24 ] Es ist ein anderes aber noch hinzugetreten zu diesem Nichtverstehen des Mysteriums von Golgatha. Mit Liebe können wir hinblicken zur Krippe, aber nicht mehr mit vollem, weisheitserfülltem Verständnisse zu der Vereinigung des Christus mit dem Menschen Jesus von Nazareth. Aber auch hinaufblicken können wir nicht mehr in die Himmelshöhen mit demselben Gefühl, mit dem noch jene Zeiten hinaufgeblickt haben, in welche das Mysterium von Golgatha hereinfiel. Da hat man hinaufgesehen zu den Sternenwelten, da sah man in den Sternenbahnen, in den Sternkonstellationen etwas wie den physiognomischen Ausdruck für das göttliche Seelen- und Geisteswalten des Kosmos. Man sah in der Sonne etwas wie das Herz dieses göttlich-geistigen, kosmischen Waltens. Da konnte man in dem Christus sehen das Geistige für dieses Äußerlich-Sinnliche, das man in der herrlichen Sternenwelt sah. Für den neueren Menschen ist die Sternenwelt, ist alles das, was man in Raumesweiten draußen sieht, mehr oder weniger das Ergebnis eines Rechenezempels geworden, ein Weltmechanismus. Die Welt ist götterleer, gottesleer geworden. Aus dieser gottesleeren Welt, die wir heute durch unsere Astronomie und Astrophysik untersuchen, konnte gewiß der Christus nicht heruntersteigen. Aber für die menschliche Urweisheit war diese Welt etwas anderes. Diese Welt war der Körper des göttlichen Weltengeistes und der göttlichen Weltenseele. Und aus diesem vergeistigten Kosmos konnte der Christus auf die Erde heruntersteigen und sich mit einem Menschen im Jesus von Nazareth vereinigen.

[ 25 ] In tiefer Weise kommt das in der Menschheitsentwickelung selber zum Ausdrucke. Durch alle alten Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha hat es über die Erde hin Mysterien gegeben, heilige Stätten, die auch die höchsten Schulen waren, Schulen, in denen zu gleicher Zeit das religiöse Leben gepflegt wurde. In diesen Mysterien wurde überall hingewiesen auf das, was da kommen soll. Es wurde überall gezeigt, wie der Mensch in sich eine Kraft trägt, die Sieger ist über den Tod. Dieses Siegen über den Tod wurde in mächtigen Erlebnissen von den Eingeweihten in den Mysterien durchgemacht. Wer ein Eingeweihter werden wollte, mußte in sich jenes tiefe Erlebnis entwickeln, das ihm die erlebte Überzeugung beibrachte: Ja, du hast in dir erweckt das, was Sieger ist über den Tod. — Im Bilde erlebte der in den Mysterien Eingeweihte, was sich erst in der Zukunft wirklich vollziehen sollte vor dem ganzen Plan der Weltengeschichte. Allüberall bei den Völkern wurde in den Mysterien drinnen verkündet das heilige Geheimnis: der Mensch kann den Tod besiegen. Aber es wurde zugleich darauf hingewiesen, daß alles das, was in den Mysterien nur in Bildern dargestellt werden konnte, einmal vor der Weltgeschichte als ein einmaliges Ereignis dastehen werde. Das Mysterium von Golgatha wurde vorherverkündet auch durch die heidnischen Mysterien des Altertums. Es war die Erfüllung dessen, was gerade in den heiligen Stätten überall vorherverkündet worden ist.

[ 26 ] Wenn der Einzuweihende zuerst die Vorbereitungen in den Mysterien und dann jene schwereren Übungen durchgemacht hatte, durch die man in den alten Zeiten zur Einweihung kam, wenn er seine Seele so losbekommen hatte vom Leibe, daß diese Seele in ihrer Losgelöstheit sich vereinigen konnte mit den geistigen Welten und in den geistigen Welten wahrnehmen konnte, um zu der eigenen Überzeugung zu gelangen, daß das Leben immerdar über den Tod siege innerhalb der menschlichen Natur —, wenn der Eingeweihte dahin gekommen war, dann wurde er der tiefsten Erfahrung entgegengeführt, die durch diese Mysterien des Altertums gesucht wurde. Und diese tiefste Erfahrung bestand darin, daß vor dem geistigen Blicke des Menschen das Erdenhindernis, das materielle Hindernis hinweggenommen war, wenn dasjenige geschaut sein sollte, was zu gleicher Zeit geistig und materiell ist: die Sonne. Und vor jene geheimnisvolle, aber jedem Eingeweihten wohlbekannte Erscheinung wurde der zu Initiierende geführt, daß er in der Mitternachtsstunde durch die Erde hindurch die Sonne sah — auf der andern Seite der Erde.

[ 27 ] Instinktive Empfindungen von dem Heiligsten und dem Höchsten sind dem Menschen doch durch die geschichtliche Entwickelung geblieben. Manche sind abgeschwächt worden im Laufe der Zeiten, aber für denjenigen, der unbefangen sein will, ist der alte Sinn noch vernehmbar. Und so lesen wir heute heraus aus der Tatsache, daß in der Weihenacht vom 24. auf den 25. Dezember um Mitternacht in jeder christlichen Kirche die Mitternachtsmesse gelesen werden soll — und die Messe ist ja nichts anderes, als in einer gewissen Weise zusammengefaßt die Mysterienriten, die zu dem Schauen der Sonne um Mitternacht führten —, wir lesen aus dieser Festsetzung der Mitternachtsweihemesse den Nachklang jener alten Einweihung heraus, die den Einzuweihenden um die Mitternachtsstunde die Sonne auf der abgewandten Seite der Erde schauen ließ, die ihn befähigte, damit das Weltenall als Geistiges wahrzunehmen, und zu gleicher Zeit, klingend durch den Kosmos, das Weltenwort zu vernehmen, das aus den Sternenbahnen heraus, aus den Konstellationen der Sterne aussprach das Weltenwesen.

[ 28 ] Das Blut entzweit die Menschen. Das Blut bindet das, was aus Himmelshöhen als Menschliches herabsteigt, an das Materiell-Irdische. Die Menschen haben, insbesondere in unserem Jahrhundert, gar sehr gesündigt gegen das christliche Prinzip, indem sie sich wiederum dem Prinzip des Blutes zugewandt haben. Aber sie müssen zurückfinden den Weg zu dem Christus Jesus, der nicht zum Blute spricht, der sein Blut vergossen hat und es mit der Erde verbunden hat, der aber zur Seele und zum Geiste spricht und alle Menschen vereint und nicht trennt. So daß in dem mit seiner Hilfe errungenen Verständnisse des: Weltenwortes «Friede unter den Menschen» auf der Erde einzieht.

[ 29 ] Daher kann auch für ein neues Verständnis des Weihnachtsfestes wieder eintreten, daß sich durch übersinnliche Erkenntnis das materielle Weltenall vor dem Seelenblicke in Geist verwandelt. Es kann die Sonne um Mitternacht wiederum sichtbar werden, das heißt, in ihrer Geistigkeit erkannt werden. Es kann damit ein Verständnis errungen werden für das überirdische Christus-Wesen, das Sonnenwesen, das sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth verbunden hat. Und es kann damit auch wiederum ein Verständnis errungen werden für das, was über die Völker des Erdenkreises leben soll in der wirklich sie einenden friedlichen Gesinnung: «Es offenbaren sich die Wesenheiten des Gottes in den Höhen, und Friede erklingt durch diese Offenbarungen aus den Menschenherzen, die eines guten Willens sind.»

[ 30 ] Das ist der Weihnachtsspruch, das Zusammenklingen des Erdenfriedens mit dem göttlichen Lichte, das auf die Erde strahlt. Wir brauchen nicht nur die Erinnerung an den Geburtstag Jesu. Wir brauchen Verständnis für die Auffassung, daß ein neues Weihnachtsfest kommen muß, daß etwas geboren werden muß, daß ein Geburtsfest eintreten muß von der Gegenwart aus in die nächste Zukunft hinein, daß ein neuer Christus-Impuls geboren werden muß, daß der Christus wieder erkannt werden muß durch diesen neuen Christus-Impuls. Wir brauchen wiederum ein Verständnis dafür, daß die göttlich-geistigen Himmelswelten und die physisch-sinnliche Erdenwelt aneinander gebunden sind und daß das Mysterium von Golgatha der bedeutsamste Ausdruck für diese Zusammenbindung ist.

[ 31 ] Wir müssen wieder verstehen, warum in der Weihenacht in der Mitternachtsstunde gewissermaßen die Mahnung an uns erklingt, an den göttlich-geistigen Ursprung der Menschen zu denken, warum zu dieser Zeit die Mahnung an uns erklingt, die Himmelsoffenbarung mit dem Erdenfrieden verbunden zu denken. Das können wir nur, wenn wir die Weltenweihenacht zu unserer Überzeugung machen, wenn wir uns nicht in alter, gewohnheitsmäßiger Weise damit beruhigen, daß wir uns an dem Weihnachtsfeste beschenken, weil das einmal so üblich geworden ist, nachdem jene warmen Empfindungen, die Jahrhunderte hindurch die Christenheit beseelt haben, verlorengegangen sind. Aber eine neue Weihenacht brauchen wir, die Weihenacht, die nicht nur an die stattgehabte Geburt des Jesus von Nazareth erinnert, sondern eine neue Geburt bringt: die Geburt eines neuen Christus-Impulses.

[ 32 ] Aus vollem Bewußtsein heraus müssen wir wiederum verstehen lernen, wie in dem Mysterium von Golgatha ein Übersinnliches sich ausspricht, um indem Sinnlichen der Erde zur Offenbarung zu kommen, Wir müssen mit vollem Bewußtsein das, was in den alten Mysterien geklungen hat, wieder verstehen. Da hat es instinktiv geklungen; mit vollem Bewußtsein wollen wir es aufnehmen. Wiederum wollen wir verstehen lernen, wie der Mensch die mitternächtige Sonne wahrnehmen kann, wie der Mensch den wunderbaren mitternächtigen Sphärenharmonie-Zusammenklang der Himmelsoffenbarung und des Erdenfriedens empfinden kann, wenn die Weihenacht für ihn etwas Wirkliches wird.

[ 33 ] In diesem Sinne sind die Worte niedergeschrieben, welche gerade aus diesen Untergründen heraus der Weihenacht gewidmet sein sollen. Sie fassen zusammen, was ich in dieser Stunde an Ihre Seelen, an Ihre Herzen habe heranbringen wollen. Sie wollen aus dem Bewußtsein anthroposophischen Christus-Verständnisses heraus sagen, wie wir wieder kommen können zu dem, was menschliche Urweisheit, aber instinktiv, einstmals war, was in den Resten noch so weit vorhanden war zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, daß man die Erscheinung Christi feiern konnte.

[ 34 ] Wir wollen aber dieses Verständnis des Christus als eines kosmischen Wesens, das sich mit der Erde verbunden hat, wieder erringen. Die Zeit, in der dies für einen großen Teil der Menschen auf Erden wieder errungen wird, das ist die Zeit der Weltenweihenacht, die wir heranersehnen möchten. Dann werden lebendig in uns werden Empfindungen, die ich gern mit folgenden Worten ausgesprochen haben wollte:

Die Sonne schaue
Um mitternächtige Stunde
Mit Steinen baue
Im leblosen Grunde

So finde im Niedergang
Und in des Todes Nacht
Der Schöpfung neuen Anfang
Des Morgens junge Macht

Die Höhen laß offenbaren
Der Götter ewiges Wort
Die Tiefen sollen bewahren
Den friedevollen Hort

Im Dunkel lebend
Erschaffe eine Sonne
Im Stoffe webend
Erkenne Geistes Wonne.