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Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse
Das Fest der Erscheinung Christi
GA 209

25 Dezember 1921, Dornach

Das Fest der Erscheinung Christi II

[ 1 ] Wer die geschichtliche Entwickelung der Menschheit nur nach der Folge von Ursache und Wirkung betrachtet, wie man es heute gewöhnt ist, der wird aus der Geschichte selber nicht dasjenige gewinnen können, was sie an Kräften, an Impulsen in ihrer Art für den einzelnen Menschen sein kann, wenn man versucht, in das wahre Wesen dieses geschichtlichen Werdens einzudringen. Das geschichtliche Werden kann sich eigentlich nur demjenigen enthüllen, welcher in der Aufeinanderfolge der Tatsachen ein weisheitsvolles Wirken wahrzunehmen in der Lage ist. Es ist heute schon fast so, daß man die Meinung hegt: Wer im Weltenzusammenhange überhaupt und insbesondere auch im geschichtlichen Werden der Menschheit ein weisheitsvolles Geschehen sieht, gibt sich abergläubischen Vorstellungen hin und trägt etwas, was nur er selber ausgedacht hat, in die Dinge hinein. Allerdings darf man nicht dasjenige, was man selber ausgedacht hat, in die Dinge hineintragen. Man darf nicht in seiner Denkungsart den Dingen Gewalt antun, sondern man muß versuchen, die Dinge durch sich selbst sprechen zu lassen. Gegenüber dem geschichtlichen Werden wird man aber, wenn man unbefangen genug dazu ist, überall und insbesondere an bedeutsamen Wendepunkten der Menschheitsentwickelung etwas wie eine wirkende Weisheit wahrnehmen.

[ 2 ] Nun gehört zu dem, was sich herausentwickelthat ausder Geschichte, vor allen Dingen die Feststellung der einzelnen Festtage des Jahres, namentlich der großen Festtage. Es muß schon auffallen, wenn wir gewahr werden, wie das Weihnachtsfest ein sogenanntes unbewegliches Fest ist, wie es jedes Jahr in die Nähe der Wintersonnenwende fällt, auf den 24. und 25. Dezember. Man muß dagegenstellen das Osterfest, das ein sogenanntes bewegliches Fest ist, das angeordnet erscheint nach der Konstellation von Sonne und Mond, dessen Feststellung also gewissermaßen aus dem außerirdischen Kosmos hereingeholt wird. Es ist doch so, daß, wenn der Mensch diese Festestage des Jahres ernst nimmt, sie für sein Leben eine Bedeutung haben, einschneidend sind in sein Leben. Das sollen sie ja auch sein. Es sollen bedeutungsvolle, eindringliche Gedanken auftauchen an diesem Festestag. Es sollen aus dem Herzen und aus der Seele aufquellen tiefgehende Empfindungen und Gefühle. Der Mensch soll sich gerade durch das, was er innerlich in solchen Festeszeiten erleben kann, verbunden fühlen mit dem Laufe der Zeiten und mit demjenigen, was wirkt im Laufe der Zeiten.

[ 3 ] Nun sind aus gewissen geschichtlichen Untergründen heraus diese Festeszeiten fixiert, und man muß nachdenklich werden gegenüber einer solchen Tatsache, daß das Weihnachtsfest ein unbewegliches, das Osterfest ein bewegliches Fest ist, daß das Weihnachtsfest in die Zeit fällt, in der gewissermaßen die Erde am meisten abgeschlossen ist von den Einwirkungen des außerirdischen Weltenalls. Wenn die Sonne die geringste Wirkung auf die Erde hat, wenn die Erde aus ihren eigenen Kräften, die sie sich zurückbehalten hat aus der Sommer- und Herbsteszeit, ihre eigentümliche Bekleidung für die kürzesten Tage hervorruft, wenn also die Erde aus sich selbst dasjenige macht, was sie mit ihren eigenen Kräften machen kann bei dem geringsten Einfluß vom Kosmos, da feiern wir das Weihnachtsfest. |

[ 4 ] Wenn wiederum die Zeit beginnt, in der die Erde die bedeutsamsten Einflüsse aus dem außerirdischen Kosmos erfährt, wenn die Wärme der Sonne, das Licht der Sonne hervorrufen aus dem Erdboden die Vegetation, wenn also sozusagen der Himmel mit der Erde zusammenwirkt, um das Kleid der Erde zu weben, dann feiern wir das Osterfest. Und indem solche Feststellungen hervorgegangen sind aus Gedanken der Menschheit, die nicht in abstrakter Art von dem einen oder dem andern willkürlich gefaßt worden sind, sondern aus Gedanken, die gewissermaßen die Menschheit durch lange Epochen durchzogen haben, die sich selber entwickelt haben, ist in die geschichtliche Entwickelung etwas eingeflossen, das, wenn man es erkennt, zu gleicher Zeit die Möglichkeit hervorruft, es inniglich zu verehren, die Möglichkeit, hinüberzuschauen in die Vorväterzeiten in Ehrfurcht, in Hingebung, in Liebe. Und indem man auf so etwas aufmerksam macht, kann man eben schon sagen: Die Anschauung der wirkenden Weisheit im geschichtlichen Werden läßt erscheinen aus dieser Geschichte diejenigen Kräfte, diejenigen Impulse, die dann in der rechten Weise in die menschliche Seele sich einleben können, in der menschlichen Seele in der richtigen Weise wirken können.

[ 5 ] Das Weihnachtsfest, wie wir es heute feiern in der kürzesten Zeit des Jahres, am 24. und 25. Dezember, so wird es in der christlichen Kirche erst gefeiert seit dem Jahre 354. Man denkt gewöhnlich nicht in eindringlicher Weise darüber nach, daß selbst im christlich-katholischen Rom im Jahre 353 das Weihnachtsfest, das Christi-Geburtsfest, nicht an diesem Tage gefeiert worden ist. Man möchte sagen, es gehört zu dem Interessantesten in der Geschichtsbetrachtung, zu sehen, wie sich aus einem Geschichtsinstinkt heraus und aus tieferen Weisheitsquellen, die vielleicht zum großen Teile unbewußt gewirkt haben, dieses Weihnachtsfest festsetzt.

[ 6 ] Etwas Ähnliches, aber doch Grundverschiedenes, wurde vorher gefeiert: der 6. Januar, der da war das Fest der Erscheinung Christi. Und dieses Fest der Erscheinung Christi bedeutete die Erinnerung an die Johannestaufe im Jordan. Dieses Fest der Johannestaufe im Jordan hatte man in den ersten Jahrhunderten in der Christenheit als das maßgebende gefeiert. Und erst von dem Zeitpunkte an, den ich angegeben habe, wandert gewissermaßen das Erscheinungsfest Christi, das Erinnerungsfest an die Johannestaufe im Jordan, durch die zwölf heiligen Nächte zurück auf den 25. Dezember und wird ersetzt durch das Fest des Geburtstages des Christus Jesus. Das hängt zusammen mit tiefen, bedeutungsvollen inneren Vorgängen des geschichtlichen Werdens in der Christenheit.

[ 7 ] Worauf deutet die Tatsache hin, daß in den ersten Jahrhunderten christlicher Weltauffassung die Erinnerung an die Johannestaufe im Jordan gefeiert worden ist? Was bedeutet diese Johannestaufe im Jordan? Diese Johannestaufe im Jordan bedeutet, daß aus Himmelshöhen, aus außerirdischen, kosmischen Gründen die Wesenheit des Christus sich heruntersenkt und sich verbindet mit der Wesenheit des Menschen Jesus von Nazareth. Diese Johannestaufe im Jordan bedeutet also eine Befruchtung der Erde aus kosmischen Weiten. Diese Johannestaufe im Jordan bedeutet ein Ineinanderwirken des Himmels und der Erde. Und indem man gefeiert hat das Fest der Erscheinung Christi, war das ein Fest einer übersinnlichen Geburt, das Fest der Geburt des Christus in dem dreißigjährigen Menschen Jesus.

[ 8 ] Man hat in den ersten Jahrhunderten christlicher Entwickelung vor allen Dingen seine Aufmerksamkeit auf die Erscheinung des Christus auf der Erde gerichtet, und weniger Bedeutung hatte neben dieser Anschauung der Erscheinung eines außerirdischen Christus-Wesens im Bereich des Irdischen die Erdengeburt des Menschen Jesus von Nazareth, der erst in seinem dreißigsten Jahre in seine eigene Leiblichkeit herein den Christus empfangen hat. So wurde das in den ersten christlichen Jahrhunderten vorgestellt. Man hat also in diesen Jahrhunderten gefeiert die Herabkunft des überirdischen Christus. Und man hat zu verstehen gesucht, was da eigentlich geschehen ist im Verlaufe des Erdenwerdens.

[ 9 ] Wenn man die Geschichtsentwickelung bis zu dem Mysterium von Golgatha hin auf sich wirken läßt, so stellt sich diese so dar, daß die Menschheit in Urzeiten begabt war mit einer Urweisheit übersinnlicher Art, mit einer Urweisheit, vor der man die tiefste Ehrfurcht haben muß, wenn man sie in ihrer ganzen Innerlichkeit, in ihrer ganzen Wesenheit zu betrachten in der Lage ist. In den ersten, nur äußerlich auf kindliche Art auftretenden Weistümern der Menschheit offenbart sich unendlich vieles nicht nur über das Irdische, sondern vor allen Dingen über das Außerirdische, und wie das Außerirdische auf die Erde wirkt. Dann sieht man, wie im Verlaufe der Menschheitsentwickelung dieses Licht einer Urweisheit in den Menschengemütern immer weniger und weniger leuchtet, wie die Menschen immer mehr den Zusammenhang mit dieser Urweisheit verlieren. Und abgeglommen, geschwunden aus dem menschlichen Gemüte ist diese Urweisheit gerade in derjenigen Zeit, in der das Mysterium von Golgatha herannahte. Alle Erscheinungen des geschichtlichen Werdens im griechischen und insbesondere im römischen Leben zeigen auf die verschiedenste Art, daß gerade die Besten der Menschheit sich bewußt waren: es muß ein neues Himmlisches in das Erdenleben einschlagen, damit die Erde mit der Menschheit ihre weitere Entwickelung finden könne.

[ 10 ] Für den unbefangenen Betrachter zerfällt die gesamte Erdenentwickelung der Menschheit eben in diese zwei Teile: in diejenige Zeit, die auf das Mysterium von Golgatha gewartet hat, gewartet hat nicht nur in den einfach-kindlichen Menschengemütern, sondern gewartet hat mit der höchsten Weisheit — und in denjenigen Teil, der sich dann anschließt an das Mysterium von Golgatha, in dem wir drinnenstehen und für den wir eine immer weitere und weitere Erfüllung wiederum der übersinnlichen Welt erhoffen, wiederum des Einflusses der außerirdischen kosmischen Wirklichkeit auf das irdische Geschehen innerhalb der Erdenentwickelung. So steht das Mysterium von Golgatha mitten drinnen in der Erdenentwickelung, gibt der Erdenentwickelung den eigentlichen Sinn.

[ 11 ] Ich habe versucht, dies öfters bildhaft zum Ausdrucke zu bringen für meine Zuhörer, indem ich sagte, man sehe sich einmal so etwas an, wie das bedeutsame, heute allerdings in seiner künstlerischen Vollendung nicht mehr vorhandene Bild von Leonardo da Vinci, das Abendmahl in Mailand. Wie man da den Erlöser sieht innerhalb seiner Zwölf, wie man ihn da kontrastiert sieht auf der einen Seite mit dem Johannes, auf der andern Seite mit dem Judas, und wie man dann das Ganze in seiner Farbengebung vor sich hat. Da muß man gerade über dieses allercharakteristischste Bild aus der Anschauung des Mysteriums von Golgatha heraus sagen: Wenn irgendein Wesen aus einem fremden Himmelskörper auf die Erde herunterkäme, so würde es gegenüber dem, was es sieht in der äußeren Wirklichkeit, erstaunt sein, denn wir müssen annehmen, daß ein solches Wesen eines andern Planeten eine ganz andere Umwelt um sich hätte, und es würde erstaunt sein über alles dasjenige, was Menschenschöpfungen auf der Erde sind. Würde es aber hingeführt vor dieses Bild, in dem dieses Mysterium von Golgatha in der allercharakteristischsten Weise einmal zur Anschauung gekommen ist, dann würde es aus diesem Bilde unmittelbar intuitiv etwas aus dem Sinn des Erdendaseins empfinden, einfach durch die Art, wie der Christus Jesus unter seinen Zwölfen, die wiederum die Repräsentanten des ganzen Menschengeschlechtes sind, hineingestellt ist.

[ 12 ] Man kann eben aus den verschiedensten Untergründen heraus empfinden, wie das Mysterium von Golgatha der Erdenentwickelung eigentlich den Sinn gibt. Aber erst dann empfindet man völlig, daß dies der Fall ist, wenn man zu der Anschauung sich aufschwingen kann, daß mit der Johannestaufe im Jordan ein übersinnliches Wesen, eben der Christus, in einen Menschen eingezogen ist. So haben es — nicht mit derjenigen Weltanschauung, die wir uns heute wiederum durch Anthroposophie zu erringen versuchen — die Gnostiker angesehen mit ihrer Weltanschauung, die noch der letzte Rest der alten Urweisheit der Menschheit war. Man möchte sagen, es ist so viel übriggeblieben aus der instinktiven Urweisheit der Menschheit, damit in den ersten christlichen Jahrhunderten, nachdem der Christus erschienen war, eine Anzahl von Menschen noch haben begreifen können, was eigentlich mit der Erscheinung Christi im Erdenwerden geschehen ist. Diejenige Weisheit, welche die Gnostiker gehabt haben, kann nicht mehr die unsrige sein. Wir müssen, weil die Menschheit in einem fortwährenden Fortschritte begriffen sein muß, zu einer viel bewußteren, zu einer weniger instinktiven Anschauung auch über das Übersinnliche weiterdringen. Aber wir blicken doch mit Ehrfurcht auf die Weisheit der Gnostiker hin, die sich noch so viel aus der ersten instinktiven Urweisheit der Menschen erhalten hatten, daß man die ganze Bedeutung des Mysteriums von Golgatha erfassen konnte.

[ 13 ] Von diesem Erfassen der ganzen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha und der Mittelpunktserscheinung, der Johannestaufe im Jordan, ging die Feststellung des ersten großen Festes hervor. Aber es war schon einmal so eingerichtet in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, daß die alte Urweisheit verglomm, abgelähmt wurde. Und gerade im 4. nachchristlichen Jahrhunderte war es so, daß man mit dieser Urweisheit nichts machen konnte. Ich habe gestern von einem andern Gesichtspunkte dargestellt, wie diese Urweisheit sich allmählich verdunkelt. Das 4. Jahrhundert ist in einem gewissen Sinne dasjenige, in dem der Mensch den ersten Anfang damit machte, ganz auf sich selbst gestellt zu sein, nichts um sich herum zu haben für seine Anschauung als dasjenige, was die Sinne auffassen können, was der kombinierende Verstand aus der Sinnesanschauung machen kann. Die Menschheit mußte gewissermaßen, um ihre Freiheit zu erringen, die niemals wegen der Abhängigkeit von überirdischen Dingen zu erringen gewesen wäre, wenn die Urweisheit nicht abgelähmt worden wäre, also um die Freiheit zu erringen, mußte die Menschheit die alte Urweisheit verlieren, mußte in das materialistische Anschauen herausgeworfen werden. Dieses materialistische Anschauen erscheint in seiner ersten Morgenröte im 4. nachchristlichen Jahrhundert und wird immer stärker und stärker, bis es im 19. Jahrhundert seinen Kulminationspunkt erreicht.

[ 14 ] Auch der Materialismus hat sein Gutes in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Dadurch, daß der Mensch nicht mehr hereinleuchtend hatte das übersinnliche Licht in sein Gemüt, dadurch, daß er angewiesen war auf dasjenige, was er mit seinen Sinnen in der Umwelt sieht, dadurch wurde die selbständige, zur Freiheit hintendierende Kraft in ihm hervorgerufen. Auch das erschien weisheitsvoll in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, daß der Materialismus heraufgezogen ist. Aber gerade in der Zeit, in der der Materialismus sich des Erdenwesens des Menschen bemächtigte, da konnte man auch nicht mehr verstehen, wie die Einwirkung des Außerirdischen, des Himmlischen, im Symbolum der Johannestaufe im Jordan sich vor dieMenschheit hingestellt hat. Da verlor man sozusagen das Verständnis für den Sinn des Festes vom 6. Januar, des Festes der Erscheinung Christi, und man nahm zu anderem seine Zuflucht. Alles dasjenige, was man hatte an Empfindung, an Gefühlstiefe, die sich bezogen auf das Mysterium von Golgatha, das bezog man nun nicht auf den überirdischen Christus, das fing man an zu beziehen auf den irdischen Jesus von Nazareth. Und aus dem Feste der Erscheinung Christi wurde das Fest der Erscheinung des Kindes Jesus. Allerdings hat die Entwickelung einen Verlauf genommen, der heute wiederum bei einer Peripetie angelangt ist, der für unsere heutige gegenwärtige Weltanschauung neue Notwendigkeiten im Menschheitsstreben erzeugen muß.

[ 15 ] Wir sehen, wie zwar das weisheitsvolle Erfassen der Menschen schon im 4. Jahrhundert vor der Unmöglichkeit gestanden hat, die Erscheinung Christi zu erfassen. Aber das menschliche Gemüt, das menschliche Empfinden, das menschliche Fühlen und Wollen, sie entwickeln sich im Laufe der Geschichte mit einer geringeren Schnelligkeit als die Gedanken. Als die Gedanken schon längst nicht mehr hintendierten zu der Erscheinung Christi, da wandten sich noch die Herzen zu dieser Erscheinung Christi hin. Tiefinnige Gefühle lebten in der Christenheit. Und diese tiefinnerlichen Gefühle bildeten jetzt für lange Jahrhunderte den Inhalt der geschichtlichen Entwickelung. Und diese tiefinnerlichen Gefühle sprachen es — aber wie aus instinktiven Impulsen heraus — aus, was Bedeutungsvolles mit der Erscheinung Christi für die Erdenentwickelung sich vollzogen hat. Man hat angeschlossen das Fest des Geburtstages des Jesus von Nazareth an den Adam- und Eva-Tag, das Fest des Erdenanfanges der Menschheit. Der Adam- und Eva-Tag fällt auf den 24. Dezember, das Jesu-Geburtstagsfest auf den 25.Dezember. In Adam und Eva sah man die Menschen, mit denen die Erdenentwickelung ihren Anfang genommen hat, die Menschen, die hinuntergestiegen sind aus geistigen Höhen, die auf der Erde sündig geworden sind, die auf der Erde verstrickt worden sind in das materielle Geschehen, die verloren haben ihren Zusammenhang mit den übersinnlichen Welten. Der erste Adam, von ihm sprach man im paulinischen Sinne; und von dem zweiten Adam sprach man als von dem Christus: daß der Mensch nur da ganz Mensch sein kann in der nachchristlichen Zeit, wenn er die Kräfte, die durch Adam von Gott abgefallen sind, und die Kräfte, die durch Christus ihn wieder zurückbringen zu dem Gotte, wenn er diese beiden Kräfte in sich vereinigt. Das wollte man ausdrücken, indem man aneinanderrückte das Adamund Eva-Fest und das Jesu-Geburtstagsfest. Die Empfindung von diesem Zusammenhange, der dem Erdenleben seinen eigentlichen Sinn gibt, hat sich in inniglicher Weise durch Jahrhunderte erhalten.

[ 16 ] Ein Beispiel davon ist das Auftreten der so innigen Paradeisspiele, Christi-Geburtspiele, von denen wir hier Proben zur Aufführung gebracht haben, die da stammen aus dem letzten Mittelalter, aus der beginnenden Neuzeit, wo vorher mehr in westlichen Gegenden wohnende deutsche Stämme sie nach dem Osten mitgenommen haben. Im heutigen Ungarn siedelten sich solche Stämme an. Wir finden solche Stämme nordwärts von der Donau in der Preßburger Gegend, wir finden sie südwärts von den Karpathen in der sogenannten Zipser Gegend, wir sehen sie in Siebenbürgen. Wir finden in diesen Gegenden vorzugsweise alemannisch-sächsische Stämme. Wir finden dann im Banat schwäbische Stämme. Alle diese deutschen Stämme haben sich dasjenige Gut mitgenommen aus ihrer ursprünglichen Heimat, in das hineingelegt worden war aus innigster Herzensempfindung, was die Menschheit in diesen Jahrhunderten zusammengeschlossen hat mit dem wichtigsten Erdenerlebnis.

[ 17 ] Aber die Weisheit der Menschen nahm immer mehr einen Gang, der auch das Christus-Ereignis in die materialistische Auffassung der Welt verflocht. Wir sehen im 19. Jahrhundert eine "Theologie heraufziehen, die selber materialistisch ist. Es beginnt die Evangelienkritik. Man verliert die Möglichkeit, eine Ahnung davon zu haben — wie es in übersinnlichen Darstellungen sein muß —, daß dasjenige, was als Imagination vom Übersinnlichen auftritt, verschieden ist, je nachdem man es von dem einen oder andern Gesichtspunkt auffaßt. Man hat keinen Begriff davon, daß auch die Weisen früherer Jahrhunderte die sogenannten Widersprüche in den Evangelien gesehen haben müssen und daß sie von ihnen nicht in kritischer Weise gerügt worden sind. Man versenkt sich philiströs in diese Widersprüche in den Evangelien. Man löst die Widersprüche auf, man entfernt aus den Evangelien alles Übersinnliche. Man verliert den Christus aus der Evangeliengeschichte. Man versucht, aus der Evangeliengeschichte etwas zu machen wie eine gewöhnliche profane Geschichte. Man kann nach und nach nicht mehr unterscheiden, was die theologischen Historiker sagen, von demjenigen, was ein weltlicher Historiker wie etwa Ranke sagt über das Mysterium von Golgatha.

[ 18 ] Wenn man bei dem berühmten Historiker Ranke die Jesus-Gestalt sich aufsucht, wie er sie darstellt als den schlichten, aber hervorragendsten Menschen, der jemals über die Erde geschritten ist, wenn man all die liebevoll geschilderten Züge der Rankeschen profanen Geschichte über den Jesus liest, so unterscheidet sich dieses innerlich kaum mehr von dem, was die dem Materialismus verfallenen Theologen des 19. Jahrhunderts über die Jesus-Gestalt zu sagen haben. Die Theologie wird materialistisch. Der Christus verschwindet gerade für die aufgeklärte Theologie aus der Menschheitsanschauung. Der «schlichte Mann aus Nazareth» wird allmählich dasjenige, worauf einzig und allein diejenigen hinweisen wollen, welche das Wesen des Christentums zu schildern unternehmen. Und berühmt geworden ist ja die Schilderung des Wesens des Christentums von Adolf Harnack.

[ 19 ] In diesem Buche «Das Wesen des Christentums» von Adolf Harnack befinden sich zwei Stellen, die nun wirklich eigentlich niederschmetternd sein können für denjenigen, welcher einen Sinn hat für das wirkliche Wesen des Christentums. Das eine ist, daß dieser christlich-seinwollende Theologe sagte: Der Christus gehöre eigentlich nicht in die Evangelien, der Sohn gehöre nicht in die Evangelien; in die Evangelien gehöre einzig und allein der Vater. — Und so wird der Christus Jesus, der im Beginne unserer Zeitrechnung über den Boden von Palästina wandelte, so wird der Christus Jesus einfach der menschliche Verkünder der Vaterlehre. Der Vater allein gehört in die Evangelien —, so sagt Adolf Harnack und glaubt damit ein christlicher Theologe zu sein! Man muß sagen: Das Wesentliche des Christentums ist aus diesem «Wesen des Christentums», ich meine dasjenige, was Adolf Harnack schildert, ganz hingeschwunden, und eigentlich dürfte sich eine solche Anschauung nicht mehr christlich nennen.

[ 20 ] Das andere, was niederschmetternd wirken kann in dieser Schrift «Das Wesen des Christentums», trat mir einmal entgegen, als ich anwesend war bei einem Vortrage, der gehalten wurde in einer Gesellschaft, die sich Giordano-Bruno-Gesellschaft nannte. In Anknüpfung an Ausführungen eines dortigen Redners mußte ich sagen, wie das Wichtigste vom Wesen des Christentums der neueren Theologie entschwunden ist. Ich mußte hinweisen auf die Bemerkung des Harnack in diesem Buche «Das Wesen des Christentums», wo er sagt: Was auch geschehen sein mag im Garten von Gethsemane, der Auferstehungsgedanke, der Osterglaube ist aus diesem Ereignis hervorgegangen; und an diesen Glauben wollen wir uns halten. — Es ist also den modernen christlichen Theologen gleichgültig geworden die Auferstehung selbst. Sie wollen sich nicht um diese Auferstehung selbst als eine Tatsache bekümmern. Was auch geschehen sein mag im Garten von Gethsemane, die Menschen haben zu glauben begonnen, daß dort die Auferstehung gewesen sei, und nicht an die Auferstehung, sondern an diesen Glauben wollen wir uns halten.

[ 21 ] Ich habe damals darauf hingewiesen, daß das Wesentliche des Christentums ausgesprochen worden ist durch Paulus, der da sagte aus seinen Erfahrungen vor Damaskus heraus: Und wäre der Christus nicht auferstanden, wir wären alle verloren. — Nicht der Mensch Jesus ist das Wesentliche am Christentum, sondern die übersinnliche Wesenheit, die durch die Johannestaufe im Jordan eingezogen ist in den Menschen Jesus, die aus dem Grabe zu Gethsemane sich erhoben hat, und die denjenigen sichtbar geworden ist, die für diese Sichtbarkeit Fähigkeiten gehabt haben. Paulus als dem Spätesten derselben ist sie sichtbar geworden, und auf den auferstandenen Christus beruft sich Paulus. Ich mußte also darauf aufmerksam machen dazumal, wie durch die Bemerkung eines der berühmtesten modernen sogenannten christlichen Theologen gerade das Wesentliche an dem Christentum, seine übersinnliche Art, nicht gesehen wird. Der Vorsitzende der Gesellschaft erwiderte mir dazumal in höchst eigentümlicher Weise. Er sagte mir: Das könne in dem Harnackschen Buche gar nicht stehen, denn Harnack sei ein protestantischer, ein evangelischer Theologe, und wenn Harnack so etwas behaupte, so käme das gleich jener Behauptung, die nur von katholischer Seite ausgehen könne, zum Beispiel über den heiligen Rock zu Trier. Für den Katholiken käme es nicht darauf an, ob man wirklich nachweisen könne, daß dieser heilige Rock zu Trier wirklich aus Jerusalem stamme, sondern es komme darauf an, daß sich der Glaube an diesen heiligen Rock anknüpft. — Der Vorsitzende dieser Gesellschaft war so befangen, daß er gar nicht zugab, daß diese Bemerkung in dem Harnackschen Buche steht. Ich sagte ihm, ich wolle ihm am nächsten Tage, da ich das Buch jetzt nicht zur Hand habe, auf einer Postkarte die Seitenzahl schreiben. Für die moderne Gründlichkeit, mit der Bücher gelesen werden, die in allererster Linie eine Wichtigkeit haben, ist das außerdem noch charakteristisch. Man liest ein Buch, glaubt, daß es einen bedeutenden Eindruck auf das Leben macht, und es fällt einem eine der wichtigsten Bemerkungen gar nicht einmal auf, sondern man hält es für unmöglich, daß sie drinnenstehen könnte. Sie steht nämlich drinnen! Das alles aber beweist uns, wie der übersinnliche Christus herausgeworfen worden ist durch die immer materialistischer werdende Theologie aus der Menschheitsentwickelung, wie man sich nur an das äußerlich physische Erscheinen des Menschen Jesus gehalten hat.

[ 22 ] Nun, die Festesgebräuche und Festesweihen der einfach schlichten Gemüter, die zu den Weihnachtsspielen griffen, sie waren schön; sie gingen aus heiligen Gefühlen hervor. Wenn die Menschen sich auch nicht mehr Aufschluß geben konnten über den ganzen Sinn des Mysteriums von Golgatha, im Gefühle hatten sie ihn auch da, wo sie sich äußerlich an das materielle Erscheinen des Kindes Jesus hielten. Und in dieser Art dargestellt, ist das Christi-Geburtsfeiern schön, innig.

[ 23 ] Der Gedanke, der in dem Menschen Jesus den Christus zerstört, der ist nicht schön und er ist vom höchsten Gesichtspunkte auch der christlichen Weltanschauung aus nicht wahr. Es ist, als ob die weisheitsvolle Führung der Menschheit zunächst Rechnung getragen hätte demjenigen, was geschehen mußte, damit die materialistische Anschauung und damit die Entwickelung der Menschheit zur Freiheit den Anfang nehmen und weitergehen könne. Geradeso wie überhaupt der Materialismus kommen mußte zur Befreiung der Menschheit, geradeso mußte das nur durch übersinnliche Anschauung verständliche Christi-Erscheinungsfest vom 6. Januar zurückverlegt werden zu dem Jesu-Geburtstagsfest am 25. Dezember.

[ 24 ] Die zwölf heiligen Nächte liegen dazwischen. Gewissermaßen den Rückweg durch den ganzen Tierkreis machte die Menschheit durch, indem sie, wenigstens im Symbolum, eine Zwölfzahl durchmachte beim Verlegen dieses Festes.

[ 25 ] Wir können heute, indem wir alles dasjenige zusammenfassen, was sich durch den Menschen Jesus für uns an den Christus knüpft, heute gewiß alle Innigkeit, alle Tiefe der Empfindung am Weihnachtsfest entfalten. Und dem, was in dieser Beziehung der heutigen Zeit frommt, wollte ich in meiner gestrigen Weihnachtsbetrachtung durch Worte Ausdruck geben. Aber wir müssen, nachdem der Materialismus in der Theologie seine höchsten Triumphe gefeiert hat, nachdem der Christus Jesus gerade für die aufgeklärte Theologie bloß zu dem schlichten Menschen Jesus geworden ist, wiederum den Weg zurückfinden zu dem Ahnen des übersinnlichen, außerirdischen Christus-Wesens.

[ 26 ] Wenn man mit dieser Anschauung kommt, dann macht man sich gerade die materialistisch geartete Theologie der heutigen Zeit zum Feinde. Geradeso wie die Sonne materiell ihr Licht heruntersendet aus außerirdischen kosmischen Weiten, so stieg als die Geistessonne der Christus herab zu den Menschen und vereinigte sich mit dem Jesus von Nazareth. Geradeso wie man in der äußeren Physiognomie des Menschen, in seinen Gesichtszügen, in seinem Gebärdenspiel die Offenbarung seines Seelisch-Geistigen sieht, so kann man sehen an demjenigen, was sich im Kosmos abspielt, in denjenigen Gebärden, die hineingezeichnet sind in den Kosmos durch den Lauf der Sterne, in demjenigen, was als innere Seelenwärme des Weltenalls sich äußerlich zur Erscheinung bringt durch die Bestrahlung der Sonne, in dem kann man sehen die äußere Physiognomie für das, was geistig-seelisch die ganze Welt durchtränkt. Und man kann in dem, was sich konzentriert in geistiger Beziehung in dem Herabsteigen des Christus auf die Erde, sehen das Innerliche für das äußerlich Physiognomische des Herabfließens der konzentrierten Sonnenstrahlen auf die Erde. Und man wird in der rechten Weise verstehen, wenn gesagt wird: Das Sonnenwesen des Christus stieg auf die Erde herab.

[ 27 ] Zu diesem übersinnlichen Verstehen des Christus müssen wir wieder kommen. Wir müssen trotz der inniglichen Verehrung, die wir uns bewahren wollen für das Jesu-Geburtstagsfest, für dasjenige, wozu das Weihnachtsfest allein geworden ist, wiederum den Sinn hinlenken lernen zu der andern Geburt, die da sich vollzieht als eine außerirdische Geburt durch die Johannestaufe im Jordan. Wir wollen ebenso verstehen lernen dasjenige, was durch die Johannestaufe im Jordan in einem bedeutsamen geschichtlichen Symbolum vor unsere Seele tritt, wie dasjenige, was geschehen ist im Stall von Bethlehem oder auch zu Nazareth. Wir wollen die Worte, wie sie das Lukas-Evangelium mitteilt, in der richtigen Weise auffassen lernen: Dieser ist mein Sohn, heute ist er mir geboren. — Wir wollen verstehen lernen das Weihnachtsmysterium in der Weise, daß es für uns wieder werde der Quell des Verständnisses für die Erscheinung Christi auf Erden. Wir wollen zu der Erinnerung an die physische Geburt das Verständnis für die Geistgeburt hinzulernen.

[ 28 ] Nur allmählich, aus einer überhaupt geistigen Erfassung der Geheimnisse des Weltenalls, wird ein solches Verständnis hervorgehen können. Wir müssen uns allmählich wiederum zu einer spirituellen Auffassung des Mysteriums von Golgatha hinringen. Dazu allerdings brauchen wir die Einsicht über die Entstehung solcher Impulse innerhalb des Erdenwerdens der Menschheit, wie einer da war im 4. nachchristlichen Jahrhundert, in dem man verlegt hat aus dem innersten Bedürfnisse der sich entwickelnden Menschheit heraus das ChristiErscheinungsfest vom 6. Januar auf den Tag des Jesu-Geburtstages am 25.Dezember. Man muß anschauen lernen, wie da die weisheitsvolle Lenkung der Geschichte der Menschheit wirkt. Man muß lernen, mit dem ganzen Menschen sich hinzugeben an dieses geschichtliche Werden. Dann wird man schon ohne Aberglaube, und ohne daß man selbstgemachtes Phantastisches in die Geschichte hineinträgt, die weisheitsvolle Führung in der Geschichte der Menschheit erkennen. Man muß lernen, nicht nur mit abstrakten Ideen sich in die Geschichte zu vertiefen und Ursache und Wirkung anzuschauen, sondern man muß lernen, mit dem ganzen Menschen sich hinzugeben an dieses geschichtliche Werden. Dann wird man dasjenige erst verstehen, was unsere Zeit zu einer wirklichen Übergangszeit macht, zu einer Zeit, in der sich aus der materialistischen Anschauung wiederum herausringen muß eine spirituelle Weltanschauung, wieder herausringen muß eine naturgemäße Erhebung zu dem Übersinnlichen. Und ein Ausdruck für diese Erhebung zu dem Übersinnlichen wird ein neues Verständnis der Erscheinung Christi auf Erden, des Mysteriums von Golgatha sein.

[ 29 ] So ist für den heutigen Menschen, der wirklich sich in den Geist der Zeit hineinzuvertiefen vermag, das Weihnachtsfest ein Zweifaches: Es ist dasjenige, was durch die neueste Geschichte seit dem 4.nachchristlichen Jahrhundert heraufgezogen ist, dasjenige, was so wunderbare Schönheiten hervorgebracht hat gerade im einfachen, schlichten Volkstum, dasjenige, was uns heute noch immer ein innigliches Entzücken ablockt, wenn wir es wieder schauen in der Erneuerung solcher Volksspiele, wie wir sie gerade aus unserer anthroposophischen Wissenschaft heraus versuchen. Es ist alles das, was sich an menschlicher Herzlichkeit ergossen hat in das Leben durch diejenigen Jahrhunderte hindurch, während welcher der Gedanke an das Christentum immer materialistischere Formen angenommen hat, bis er im 19. Jahrhundert so weit gekommen ist, daß er durch sein eigenes Absurdes umschlagen und wiederum zum Spirituellen zurückkommen muß. — Das gibt uns als heutigen Menschen das Zweite am Weihnachtsfeste: zu der Empfindung, die wir dem traditionellen Weihnachten, das seit dem 4. nachchristlichen Jahrhunderte heraufgezogen ist, entgegenbringen, zu diesem Herzinniglichen, das wir mitempfinden wollen, soll aus unserem zeitgemäßen Verständnisse heraus ein neues Weihnachten geboren werden, ein zweites Weihnachten zu dem alten Weihnachten.

[ 30 ] Der Christus soll durch die Menschheit neu wiedergeboren werden. Das Weihnachtsfest soll der Erinnerung nach ein Jesu-Geburtstagsfest sein; dem Geiste nach soll es werden ein Geburtsfest einer neuen Christus-Auffassung, neu nicht gegenüber den ersten Jahrhunderten, sondern neu gegenüber den Jahrhunderten seit dem 4.nachchristlichen. Und so soll das Weihnachtsfest selber nicht nur ein Geburtserinnerungsfest sein, sondern es soll werden, indem es in der nächsten Zeit von Jahr zu Jahr erlebt wird, ein unmittelbares gegenwärtiges Geburtstagsfest, das Fest eines gegenwärtigen Geschehens. Diese Geburt der neuen Christus-Idee soll sich vollziehen. Und das Weihnachtsfest soll in sich die Intensität gewinnen, daß der Mensch jedes Jahr neu sich gerade zu dieser Zeit ganz besonders darauf besinnen könne: Es muß eine neue Christus-Idee geboren werden.

[ 31 ] Aus einem Erinnerungsfest muß das Weihnachtsfest ein Fest der Gegenwart, eine Weihenacht werden für dasjenige, was der Mensch in seiner unmittelbaren Gegenwart als eine Geburt miterlebt. Dann wird das wirklich in unser neueres geschichtliches Werden einziehen, dann wird es sich immer mehr und mehr erkräftigen in diesem geschichtlichen Werden der Menschheit auch in die Zukunft hinein, die es so nötig haben wird, dann wird werden Weltenweihenacht.