Old and New Initiation Methods
Drama and Poetry in the Shift
of Consciousness in the Modern Era
GA 210
1 February 1922, Wrocław
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Old and New Initiation Methods, tr. SOL
14. Imagination, Inspiration und Intuition als Tatsachen des Handelns auf dem Wege zur Wiederverkörperung
14. Imagination, Inspiration, and Intuition as Realities of Action on the Path to Reincarnation
[ 1 ] Vorerst lassen Sie mich sagen, welche tiefe Befriedigung es mir gewährt, unter den Breslauer Freunden zu sein. Wir alle haben eine schwere Zeit durchgemacht, die aber gerade uns vor Augen bringt, daß die Menschheit in der Gegenwart für ihre Fortentwickelung etwas braucht. Denn daß wir in diese katastrophale Zeit hineingekommen sind, rührt davon her, daß die Menschen die Kraft zur Aufwärtsbewegung verloren haben. Aber gerade das, was auf unserem Boden erwachsen ist, sind Kräfte, die zum Aufbau des geistigen Lebens dienen können. Und deshalb möchte ich heute nicht so sehr von Zeitereignissen sprechen als vielmehr von Dingen, die der menschlichen Erkenntnis notwendig sind, notwendig für das, was in unsere moralischen Impulse aufgenommen werden muß. Vieles lebt in unserer Seele, von dem man kaum ahnt, daß es da ist. Aber da es da ist in unserer Seele, und da das Seelische mit dem Leben zusammenhängt, so ist das auch sehr wichtig für unser Leben.
[ 1 ] First of all, let me say how deeply gratifying it is for me to be among my friends here in Breslau. We have all gone through a difficult time, but it is precisely this that makes us realize that humanity today needs something for its further development. For the reason we have entered this catastrophic era is that people have lost the strength to move forward. But it is precisely what has grown on our soil—forces that can serve to build spiritual life. And that is why today I would like to speak not so much about current events as about things that are necessary for human understanding—necessary for what must be absorbed into our moral impulses. Much lives within our souls of which we scarcely suspect its existence. But since it is there in our souls, and since the soul is connected to life, it is also very important for our lives.
[ 2 ] Was heute auf der Menschheit besonders lastet ist die Diskordanz von dem, was auf der einen Seite die Seele wirklich braucht und von dem, was auf der andern Seite durch die gegenwärtige naturwissenschaftliche Erkenntnis an die Seele herankommt. Diese naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind anspruchsvoll, und man sollte sich vor die Seele stellen, was sie eigentlich von den Menschen beanspruchen. So beanspruchen sie beispielsweise, daß man in ihrem Sinne auf den Erdenanfang und auf das Erdenende hinzublicken habe. Man redet da von einem Erdenanfang nach Kant-Laplace: Ganz auf den Grundlagen der chemischen Mechanik habe sich ein glühender Gasball gebildet, dieser habe sich abgekühlt, und als er genügend erkaltet war, habe sich auf Grund derselben mechanischen Gesetzmäßigkeit weiter herausgeballt alles das, was später zum Pflanzenreich, Tierreich und Menschenreich geworden ist. Und in bezug auf den Weiterverlauf des Erdenlebens und Erdendaseins spricht man von einem Aufhören allen Lebens durch den allmählich eintretenden Wärmeausgleich, und so ist man gewohnt worden, gemäß der wissenschaftlichen Anschauung von einem Wärmetod der Erde zu sprechen, der nach physikalischer Gesetzmäßigkeit eintreten wird. Man sieht auf ein Erdenende hin wie auf einen großen Kirchhof. Zwischen chemisch-mechanischem Erdenanfang und dem Wärmetod der Erde, zwischen diese beiden Extreme ist alles eingespannt, was uns Menschen als Ideale und als Moralisches aufgegangen ist und noch aufgeht. Man muß sich aber fragen, weshalb eigentlich solche Ideale erst auf chemisch-physikalische Weise entstehen, wenn sie doch bestimmt sein sollen, im allgemeinen Wärmetode wieder unterzugehen? Man kann freilich einwenden, das seien theoretische Betrachtungen, die auf das gewöhnliche Leben nicht viel Einfluß haben. Aber wenn man auch vorzieht, an solchen Fragen stillschweigend vorbeizugehen, so sind sie dennoch Disharmonien, die tief in das unbewußte Seelenleben hineinwirken. Sie führen zu der bangen Frage: Was machen wir mit unseren moralischen Impulsen, was machen wir mit unseren religiösen Idealen, wenn die gesamte Erdenentwickelung dem Untergange geweiht ist?
[ 2 ] What weighs particularly heavily on humanity today is the discrepancy between, on the one hand, what the soul truly needs and, on the other hand, what reaches the soul through current scientific knowledge. These scientific insights are demanding, and we should consider what they actually require of human beings. For example, they demand that we look toward the beginning and the end of the Earth in accordance with their perspective. Here one speaks of the origin of the Earth according to Kant-Laplace: Based entirely on the principles of chemical mechanics, a glowing ball of gas formed; this cooled down, and when it had cooled sufficiently, everything that later became the plant kingdom, the animal kingdom, and the human kingdom expanded outward from it according to the same mechanical laws. And with regard to the further course of life on Earth and earthly existence, one speaks of the cessation of all life through the gradual establishment of thermal equilibrium; and so we have become accustomed, in accordance with the scientific view, to speak of a “heat death of the Earth,” which will occur according to the laws of physics. We look toward the end of the Earth as if it were a vast graveyard. Between the chemical-mechanical beginning of the Earth and the heat death of the Earth—between these two extremes—lies everything that has emerged and continues to emerge for us humans as ideals and as morality. But one must ask: Why do such ideals actually arise in a chemical-physical manner in the first place, if they are destined to perish again in the general heat death? One might, of course, object that these are theoretical considerations that have little influence on everyday life. But even if one prefers to pass over such questions in silence, they are nonetheless sources of disharmony that affect the unconscious life of the soul deeply. They lead to the anxious question: What do we do with our moral impulses, what do we do with our religious ideals, if the entire development of the Earth is doomed to perish?
[ 3 ] Die Stellung dieser Frage zeigt, was mit diesem Hinweise gemeint ist. Denn alle unsere moralischen Impulse, alle unsere religiösen Ideale wären nichts weiter als ein ungeheurer Menschenbetrug, ein furchtbarer Wahn, wenn sie alle in dem Erdenfriedhof begraben werden sollten. Für die schlimmen Wirkungen solcher von der rein naturwissenschaftlichen Erkenntnis herrührenden Seelenstimmungen gibt es schon deutlich sprechende Beispiele, nur kommen sie uns nicht so deutlich ins Bewußtsein. Aber die bange Frage lebt in den Menschenherzen. Wenn man den Geist der Naturwissenschaften kennt und von ihrem Standpunkt aus diese Frage zusammenfaßt, so muß man sagen: Indem wir Menschen hervorgesprossen sind aus der Natur, sind uns Menschen die sittlichen Ideale gekommen, aber diese gehen zugrunde mit der Erde. Die sittlichen Ideale gehen in der Naturwissenschaft zugrunde. Die Naturwissenschaft gestattet nicht, daß man den Idealen eine selbständige reale Wirklichkeit einräumt. Und wenn das auch Theorie ist, so wirkt es doch ungeheuer lastend auf die menschliche Seele.
[ 3 ] The very fact that this question is asked illustrates what is meant by this remark. For all our moral impulses, all our religious ideals, would be nothing more than a colossal deception of humanity, a terrible delusion, if they were all to be buried in the graveyard of the earth. There are already clear examples of the harmful effects of such states of mind arising from purely scientific knowledge; it’s just that they do not come to our awareness so clearly. But the anxious question lives on in people’s hearts. If one understands the spirit of the natural sciences and summarizes this question from their standpoint, one must say: Since we humans have sprung from nature, moral ideals have come to us, but these perish with the earth. Moral ideals perish in the natural sciences. The natural sciences do not allow one to grant these ideals an independent, real existence. And even if this is merely a theory, it nevertheless weighs heavily on the human soul.
[ 4 ] Diese fatalistische Weltanschauung beruht letzten Endes auf dem, was aufgetreten ist als Glaube an die Unvergänglichkeit der materiellen Kraft. Wer aber heute an diesem Dogma rüttelt, wird als wahnsinnig angesehen. Wäre dieses Dogma wahr, dann gäbe es keine Rettung für die sittlichen Ideale, und diese wären dann nur ein bildlicher Inhalt für etwas, das sich der Mensch nur so zusammenreimt und zurechtlegt. Und es gäbe auch keine Rettung der Ideale, wenn wir nicht aus der geistigen Forschung heraus die Mittel fänden, dem Menschen wieder einen übersinnlichen Inhalt seines Bewußtseins zu geben. Das ‚ist eine Zeitfrage. In bezug auf diese Zeitfrage leben wir an einem wichtigen Wendepunkt der Entwickelung. Wer mich kennt, weiß, daß ich einen solchen Ausspruch nicht gern tue, weil man von jedem Zeitpunkt sagen kann, er sei ein Wendepunkt. Es kommt aber sehr darauf an, für was der Zeitpunkt ein Wendepunkt ist oder als Wendepunkt in Betracht kommt.
[ 4 ] This fatalistic worldview is ultimately based on what has emerged as a belief in the immortality of material force. But anyone who challenges this dogma today is regarded as insane. If this dogma were true, there would be no salvation for moral ideals, and they would then be nothing more than a figurative concept for something that human beings merely piece together and construct for themselves. Nor would there be any salvation for these ideals unless we were to find, through spiritual research, the means to restore a supersensible content to human consciousness. That ‘is a question of time. With regard to this question of time, we are living at a crucial turning point in evolution. Anyone who knows me knows that I do not like to make such a statement, because one can say of any given moment that it is a turning point. But it depends very much on what this moment is a turning point for, or in what respect it can be regarded as a turning point.
[ 5 ] Nun wollen wir einmal schauen, wohin und bis wohin eigentlich die naturwissenschaftliche Erkenntnis führen kann. Zu diesem Zwekke betrachten wir einmal den Menschen so, wie er uns im äußern sinnlichen Ausdruck entgegentritt, wie er als physisch-sinnlicher Mensch vor uns lebt. Man muß das aber in ganz radikaler Weise tun. Stellen wir den Menschen so vor uns hin, dann erscheint er uns letzten Endes nicht anders als ein Leichnam. Wenn wir von allem andern absehen und nur die physisch-sinnliche Wesenheit in Betracht ziehen, und wenn wir auf diese physisch-sinnliche Wesenheit nichts anderes wirken lassen als die chemisch-physikalischen Gesetzmäßigkeiten, dann beginnt der Mensch in dem Augenblicke, wo er den äußeren Naturgesetzen zu folgen beginnt, sich zu zersetzen, sich aufzulösen. Die Kräfte, die wir mit unseren gewöhnlichen Erkenntnisquellen erkennen, die zerstören den Menschen.
[ 5 ] Now let us see where and to what extent scientific knowledge can actually lead us. To this end, let us consider the human being as he appears to us in his outward, sensory form—as a physical, sensory being living before us. But we must do this in a very radical way. If we picture human beings in this way, they ultimately appear to us as nothing more than a corpse. If we disregard everything else and consider only the physical-sensory essence, and if we allow nothing other than chemical and physical laws to act upon this physical-sensory essence, then the human being begins, at the very moment he starts to follow the external laws of nature, to decompose, to dissolve. The forces that we perceive through our ordinary sources of knowledge are the ones that destroy the human being.
[ 6 ] Wenn man diesen Umstand in Betracht zieht, dann kann man schon allein dadurch zu einer Widerlegung der materialistischen Weltanschauung gelangen. Denn wenn man sich sagt, daß diese äußeren Kräfte den Menschen auflösen, dann müssen die Menschen vor der Geburt in einem Zustande gewesen sein, wo sie Kräfte sammelten, die der Auflösung widerstehen. Der Leichnam geht bei seiner Auflösung auf in der Welt, die wir mit unseren Sinnen erkennen. Da vereint er sich mit der Sinnenwelt durch die Sterbekräfte der chemisch-physikalischen Wirksamkeiten. Aber das, was bei dem Tode innerlich-seelisch vorgeht, kann nicht äußerlich-sinnlich wahrgenommen werden. Dieses Innerlich-Seelische kann nur im Bereiche der höheren Erkenntnisquellen durch Anschauung erlebt werden. Und da wird wahrgenommen, daß sich das Innerlich-Seelische außerhalb des Leibes mit dem Geiste vereinigt, vereinigt mit dem, was als Geist die Welt durchkraftet und durchströmt. Die Seele, die nach dem Tode sich vereinigt mit dem Geiste, ist dann in der übersinnlichen Welt verbunden mit dem Geiste.
[ 6 ] If one takes this fact into account, one can arrive at a refutation of the materialistic worldview on this basis alone. For if one considers that these external forces dissolve human beings, then human beings must have been in a state before birth in which they gathered forces capable of resisting this dissolution. As the physical body disintegrates, it merges into the world we perceive with our senses. There it unites with the sensory world through the forces of death arising from chemical and physical processes. But what takes place inwardly and spiritually at the moment of death cannot be perceived externally or through the senses. This inner-soul aspect can only be experienced through intuition in the realm of higher sources of knowledge. And there it is perceived that the inner-soul aspect, outside the body, unites with the Spirit—unites with that which, as Spirit, permeates and flows through the world. The soul, which unites with the Spirit after death, is then connected to the Spirit in the supersensible world.
[ 7 ] Das ist eine Tatsache, die sich neben die Tatsache des Leichnams hinstellt. Der stoffliche Leib war im Leben durchdrungen von der Seele; er vereinigt sich beim Tode mit den Naturkräften. Die Anthroposophie führt aber zu einer Lebenstatsache, die dem Tode als Tatsache unmittelbar entgegengesetzt ist. Wenn man durch bloße Theorien über das Ewig-Lebendige im Menschen etwas vorbringen wollte, so würde das den Menschen niemals befriedigen. Die Anthroposophie führt aber vor die Tatsache der Vereinigung der Seele mit dem Geiste. Die sinnliche Erkenntnis der Naturwissenschaften führt nur zur Tatsache des Todes.
[ 7 ] This is a fact that stands alongside the fact of the physical body. During life, the physical body was permeated by the soul; at death, it unites with the forces of nature. Anthroposophy, however, leads to a fact of life that is directly opposed to death as a fact. If one were to present mere theories about the eternally living aspect within the human being, this would never satisfy people. Anthroposophy, however, leads us to the reality of the union of the soul with the spirit. The sensory knowledge of the natural sciences leads only to the reality of death.
[ 8 ] Wenn wir die höheren Erkenntnisquellen der Geisteswissenschaft berühren, dann treffen wir auf das, was durch den Geistesforscher mitgeteilt wird als imaginative, inspirierte und intuitive Erkenntnis. Diese Erkenntnisstufen werden beschrieben zum Beispiel in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in dem Buche «Geheimwissenschaft im Umriß». Und wenn Sie diese Beschreibungen studieren, dann haben Sie zunächst Beschreibungen von Erkenntnisstufen, gewiß, aber dennoch liefern sie dem Geistesforscher mehr als bloße Erkenntnisstufen. So, wie die naturwissenschaftliche Erkenntnis nicht nur bloße Erkenntnis ist, sondern noch andere Seiten und Tatsachen aufweist, so ist es auch bei den höheren Erkenntnissen.
[ 8 ] When we touch upon the higher sources of knowledge in spiritual science, we encounter what the spiritual researcher describes as imaginative, inspired, and intuitive knowledge. These levels of knowledge are described, for example, in the book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? or in the book An Outline of Esoteric Science. And when you study these descriptions, you will certainly find descriptions of levels of knowledge at first, but they nevertheless provide the spiritual researcher with more than mere levels of knowledge. Just as scientific knowledge is not merely knowledge but also reveals other aspects and facts, so it is with higher knowledge.
[ 9 ] Unter dem, was zu Imagination, Inspiration und Intuition — außer dem, was sie als Erkenntnisstufen sind — noch anderes als Tatsachen hinzutritt, möchte ich mit Ihnen heute etwas betrachten, was ich zum Beispiel im Wiener Zyklus von 1914 über das Leben nach dem "Tode berührt habe, aber von einem etwas andern Gesichtspunkte aus. Sehen Sie, was der Mensch hier auf Erden ist, das steht als Leichnam in Verbindung mit der äußeren physischen Natur. Und so wie einerseits der Mensch in der Richtung nach unten mit den mineralischen Kräften in Verbindung steht, so steht er andererseits nach oben in Verbindung mit den höheren Hierarchien. So wie er im Leichnam verwächst mit den mineralischen Kräften, so verwächst er nach oben und wächst langsam hinein in die Hierarchien. Man hört zuweilen sagen, daß man, um das zu wissen, abwarten könne, was nach dem Tode komme, denn dann werde sich das schon erweisen. Und so könne man auch das Hineinwachsen in die Hierarchien abwarten. Ja, aber ganz so ist das nicht. Es kommt sehr darauf an, ob der Mensch so hineinwachsen kann, wie es ihm eigentlich bestimmt ist, denn zunächst, das muß man zugeben, steht der Mensch so in der Welt, daß er im physischen Bewußtsein keine Ahnung haben kann von den Beziehungen, die er mit den höheren Hierarchien hat. Aber von dem Bewußtwerden dieser Beziehungen hängt vieles ab.
[ 9 ] Among the elements that, in addition to imagination, inspiration, and intuition—aside from their role as stages of knowledge—also involve something other than mere facts, I would like to consider with you today something I touched upon, for example, in the 1914 Vienna Cycle regarding life after “death,” but from a somewhat different perspective. You see, what the human being is here on earth stands, as a physical body, in connection with the outer physical nature. And just as, on the one hand, the human being is connected downward with the mineral forces, so, on the other hand, he is connected upward with the higher hierarchies. Just as he grows together with the mineral forces in his physical body, so he grows upward and slowly grows into the hierarchies. One sometimes hears it said that, to know this, one can simply wait and see what comes after death, for then it will become evident. And so, one could also wait to see this growing into the hierarchies. Yes, but it is not quite like that. It depends very much on whether a person can grow into them as is actually intended for them, for to begin with—and this must be admitted—a person stands in the world in such a way that, in physical consciousness, they can have no inkling of the relationships they have with the higher hierarchies. But much depends on becoming aware of these relationships.
[ 10 ] Die erste Gruppe von Wesen, mit denen der Mensch in Beziehung steht, nennen wir die Engelwelt. Aber derjenige, welcher auf gewissen Voraussetzungen fußend das Geistige nicht anerkennt, der kann auch keine Beziehungen zur Engelwelt anknüpfen, denn das kann ebensowenig geschehen, wie der Mensch ohne sinnliche Organe Beziehungen zur sinnlichen Welt anknüpfen könnte. Die Engelwesen sind zwar die unmittelbar über dem Menschen stehenden Wesenheiten, sozusagen dem Menschen nahestehende Wesenheiten, und dennoch können wir unter gewissen Voraussetzungen nicht an sie herankommen. Nur dadurch, daß wir schon jetzt auf Erden uns ein Bild zu machen versuchen von der Engelwelt, bereiten wir uns vor, daß wir mit ihr Beziehungen anzuknüpfen vermögen. Indem der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, wird er zur Engelwelt geführt, und dann kommt es darauf an, ob der Mensch nach dem Tode ein Bewußtsein davon haben kann, um was es sich handelt.
[ 10 ] We call the first group of beings with whom human beings have a relationship the angelic world. But anyone who, based on certain assumptions, does not acknowledge the spiritual realm cannot establish a connection with the angelic world either, for this is just as impossible as it would be for a human being to establish a connection with the physical world without physical senses. Although the angelic beings are the entities immediately above human beings—entities, so to speak, that are closest to us—we are nevertheless unable to approach them under certain conditions. Only by trying to form a picture of the angelic world here on earth can we prepare ourselves to establish a connection with it. As a person passes through the gate of death, they are led into the angelic world, and it then depends on whether, after death, they can be conscious of what is taking place.
[ 11 ] Die zweite Gruppe höherer Wesenheiten ist die Gruppe der Volksgeister oder Erzengel. Engelwesen sind noch keine Volksgeister. Reale Volksgeister stehen nicht mehr in individuellen Beziehungen zum Menschen, wie es bei den Engeln noch der Fall ist. Volksgeister stehen in Beziehung zu Gemeinschaften und Gruppen von Menschen. Auch die Naturwissenschaft spricht gelegentlich vom Volksgeist, aber wenn die Naturwissenschaft vom Volksgeist spricht, so erkennt sie einen solchen doch nicht an als reale Wesenheit. Aus höherer Erkenntnis weiß der Geistesforscher, daß Volksgeister reale geistige Wesenheiten sind, die eine Stufe über der Engelwelt stehen. Auch in diese Hierarchie kann der Mensch hineinwachsen. Aber wenn unser inneres geistiges Erleben nicht intensiv genug ist, dann kann uns der Engel nicht mit unserem Bewußtsein an den Volksgeist heranführen. Da wir aber doch herangeführt werden müssen, so geschieht es dann — wenn nicht bewußt, so unbewußt — durch karmische Gesetzmäßigkeit. Entweder verwachsen wir bewußt in Liebe hinein in den Volksgeist, oder aber wir werden mit Gewalt geführt in die Sphäre der Volksgeister. Wenn wir dann nach dem Tode an den Punkt gelangen, wo der Wiederabstieg in die sinnliche Welt zu einer neuen Verkörperung beginnt, da tritt ein großer Unterschied ein in dem Hinabführen der Seele zur neuen Verkörperung, je nachdem, ob der Mensch sich in Liebe bewußt verbunden hat mit dem Volksgeist oder ob er, der wahren Verhältnisse unbewußt, mit Gewalt, unter Zwang bewegt wird. Das drückt sich aus in einer geistig-seelischen Tatsache. Der Mensch kann in ein Volk hineingeboren werden, indem er zu seinem Volksgeist ein Verhältnis hat durch Zwang, oder ein solches durch innere Liebe. Derjenige, der in solche Dinge hineinzuschauen vermag, erlebt als ein hervorstechend charakteristisches Zeichen unserer Zeit, daß es heute eine große Anzahl von Menschen gibt, die kein hinreichend liebevolles Verhältnis zum Volksgeist haben. Was ich hiermit angedeutet habe, ist die Ursache für das, was die Völker durcheinariderbringt. Der Streit, der heute unter den Völkern herrscht, rührt davon her, daß viele Menschen geboren sind, die wenig Liebe zum Volksgeist entwikkelt haben und daher heute in einem Zwangsverhältnis zum Volksgeist stehen. Denn das, was uns als Liebe zu einem Volksgeist geführt hat, kann eigentlich niemals zu einem Konflikte mit andern Völkern führen. Deshalb müssen wir heute alles tun was nur möglich ist, um den Menschen wieder zu einem liebevollen Verhältnis zu den Volksgeistern zu verhelfen. Das ist eine dringende Notwendigkeit.
[ 11 ] The second group of higher beings is that of the national spirits or archangels. Angelic beings are not yet national spirits. True national spirits no longer have individual relationships with human beings, as is still the case with angels. National spirits are connected to communities and groups of people. Even the natural sciences occasionally speak of the national spirit, but when they do, they do not recognize it as a real being. Through higher insight, the spiritual researcher knows that national spirits are real spiritual beings that stand one level above the angelic world. Human beings can also grow into this hierarchy. But if our inner spiritual experience is not intense enough, then the angel cannot lead us, through our consciousness, to the national spirit. But since we must be led there, this happens—if not consciously, then unconsciously—through karmic law. Either we consciously grow into the national spirit through love, or we are forcibly led into the sphere of the national spirits. When, after death, we reach the point where the descent back into the sensory world for a new incarnation begins, a great difference arises in the soul’s descent toward the new incarnation, depending on whether the person has consciously united with the national spirit through love or whether, unaware of the true circumstances, they are moved by force, under compulsion. This is expressed in a spiritual-soul fact. A person can be born into a nation either through a relationship with its national spirit that is based on compulsion, or through one based on inner love. Those who are able to look into such matters perceive as a strikingly characteristic sign of our time that there are today a great number of people who do not have a sufficiently loving relationship with the national spirit. What I have indicated here is the cause of what is driving the nations into turmoil. The conflict that prevails among the nations today stems from the fact that many people have been born who have developed little love for the national spirit and therefore now find themselves in a relationship of compulsion to it. For what has led us to love a national spirit can never actually lead to conflict with other nations. That is why we must do everything possible today to help people regain a loving relationship with the national spirits. This is an urgent necessity.
[ 12 ] Stehen wir hier im Leben, dann haben wir in Imagination, Inspiration und Intuition Erkenntnisstufen, die zu realen geistig-seelischen Anschauungen führen. In der geistig-seelischen Welt, wenn die Seele durch Karma wieder in die physische Welt hinunter kommen soll, sind Imagination, Inspiration und Intuition Tatsachen des Geschehens, Tatsachen des Handelns. Da steht die Seele in einem Verhältnis . zu dem, was aus dem Kosmos heraus von ihr erreicht werden soll. Wenn wir zurechtkommen wollen im Leben, muß uns das Leben gewähren, was uns die Annäherung an das Ziel ermöglichen kann. Und so erarbeitet der entkörperte übersinnliche Mensch durch Imagination, Inspiration und Intuition seine Wiederverkörperung in die physische Welt, während der verkörperte sinnliche Mensch durch Imagination, Inspiration und Intuition eine Anschauung von der seelisch-geistigen Welt haben kann.
[ 12 ] Here in life, we have levels of knowledge—imagination, inspiration, and intuition—that lead to real spiritual-soul insights. In the spiritual-soul world, when the soul is to descend back into the physical world through karma, imagination, inspiration, and intuition are facts of what is happening, facts of action. There the soul stands in a relationship to what is to be attained by it from the cosmos. If we are to find our way in life, life must grant us what can enable us to approach our goal. And so the disembodied, supersensible human being works toward reincarnation into the physical world through imagination, inspiration, and intuition, while the embodied, sensory human being can gain a vision of the spiritual-soul world through imagination, inspiration, and intuition.
[ 13 ] Naturwissenschaftliche Erkenntnis ist nicht in der Lage, die tiefsten Geheimnisse des Lebens zu erkennen. Naturwissenschaftliche Erkenntnis beginnt zum Beispiel bei der Betrachtung einer chemischen Verbindung. Dann schreitet sie weiter zur Betrachtung komplizierterer chemischer Verbindungen, und weiter fortschreitend bis zur Betrachtung der lebendigen Zelle, betrachtet sie diese schließlich als nichts anderes als eine besonders kunstvolle chemische Verbindung. Aber Geisteswissenschaft zeigt uns, daß die Zelle zwar äußerlich betrachtet ein außerordentlich kunstvolles chemisches Gebilde ist, aber indem die Lebenszelle, der Keim im Mutterleibe in so kunstvoller Weise entsteht, geht die chemische Gesetzmäßigkeit ins Gegenteil und wird zum Chaos. Beim Keim im Mutterleibe, dem Keim des Lebens, ist die chemische Gesetzmäßigkeit aufgehoben, ins Gegenteil verkehrt, und das ist im Bereich der Natur: Chaos. Und weil der Keim Chaos ist, kann der Kosmos wieder auf ihn wirken.
[ 13 ] Scientific knowledge is not capable of uncovering the deepest mysteries of life. Scientific knowledge begins, for example, with the study of a chemical compound. It then progresses to the study of more complex chemical compounds, and as it continues on to the study of the living cell, it ultimately regards the cell as nothing more than a particularly intricate chemical compound. But spiritual science shows us that while the cell, viewed from the outside, is an extraordinarily intricate chemical structure, the fact that the living cell—the embryo in the womb—arises in such an intricate manner means that chemical regularity is reversed and becomes chaos. In the case of the embryo in the womb—the seed of life—chemical regularity is suspended, reversed into its opposite, and this, in the realm of nature, is chaos. And because the embryo is chaos, the cosmos can once again exert its influence upon it.
[ 14 ] Davon bekommt der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt eine Ahnung. In der ersten Stufe auf dem Wege zur Wiederverkörperung wächst der Mensch durch realisierte Imagination in die Wiederverleiblichung hinein. Die zweite Stufe ist die realisierte Inspiration, und das ist ein viel helleres Bewußtsein als unser Hirnbewußtsein, denn Inspiration ist eine kosmische Kraft. Ein Teil dieser kosmischen Kraft wird gleichsam eingeatmet und strömt dann der Leiblichkeit zu, ohne daß sie vollständig ins Bewußtsein heraufkommt, so wie es ähnlich mit dem Willen ist. Wir wissen nicht, wie der Wille unsere Hand bewegt, aber sie bewegt sich doch so, wie wir es wollen. Der geistige Mensch, der sich durch realisierte Inspiration der Verkörperung nähert, verhält sich zur kosmischen Inspiration wie der leibliche Mensch sich zur Luft verhält. Wie wir uns unseren physischen Leib gewöhnlich vorstellen, denken wir ihn uns bestehend aus Muskeln, Nerven, Gefäßen, Knochen, ebenso wie wenn wir einen Leichnam betrachten. Aber was als Luft Anteil an unserem Organismus hat, das denken wir uns mehr außerhalb des Leibes. Zwar wissen wir, daß wir ohne Luft nicht leben können, aber wir betrachten sie nicht so zu uns gehörend wie beispielsweise das Knochengerüst. Dennoch bildet sie einen Teil unseres Organismus. Das, was Luft da draußen ist und im nächsten Augenblick drinnen, um dann im nächsten Augenblick wieder draußen zu sein, das bildet einen Teil unseres Organismus derart, daß die Luft in einem Rhythmus in uns lebt. In einem viel ausgedehnteren Rhythmus lebt der Mensch mit dem Seelisch-Geistigen. So, wie wir physisch Luft ein- und ausatmen, so atmen wir SeelischGeistiges ein, auch wenn es zum größten Teile unbewußt geschieht. Auch im Physischen geschieht ein Teil dessen, was durch das Atmen bewirkt wird, unbewußt. Wenn der seelisch-geistige Mensch in der realisierten Inspiration das Seelisch-Geistige einatmet, dann nimmt er ein Bild auf in seine Seele. Das nimmt er in den herabgedämpften Teil seines Bewußtseins auf, und was er aufnimmt, das ist die Welt der moralischen und religiösen Impulse. Das nimmt er auf in der Form des Gewissens.
[ 14 ] Between death and rebirth, a person gains a glimpse of this. In the first stage on the path to reincarnation, a person grows into reincarnation through realized imagination. The second stage is realized inspiration, and this is a much brighter consciousness than our cerebral consciousness, for inspiration is a cosmic force. A part of this cosmic force is, as it were, inhaled and then flows toward the physical body without rising fully into consciousness, just as is the case with the will. We do not know how the will moves our hand, yet it moves exactly as we wish. The spiritual human being, who approaches embodiment through realized inspiration, relates to cosmic inspiration just as the physical human being relates to air. Just as we usually imagine our physical body to consist of muscles, nerves, blood vessels, and bones—much as when we look at a corpse—so do we tend to think of the part of our organism that is air as existing more outside the body. Although we know that we cannot live without air, we do not regard it as belonging to us in the same way as, for example, the skeletal system. Nevertheless, it forms a part of our organism. What is air out there one moment, inside the next, and then outside again the moment after that—this forms a part of our organism in such a way that the air lives within us in a rhythm. In a much broader rhythm, the human being lives with the soul-spiritual. Just as we physically inhale and exhale air, so do we inhale the soul-spiritual, even if this happens largely unconsciously. Even in the physical realm, part of what is brought about by breathing occurs unconsciously. When the soul-spiritual human being inhales the soul-spiritual in the realized inspiration, he takes in an image into his soul. He takes this into the subdued part of his consciousness, and what he takes in is the world of moral and religious impulses. He takes this in in the form of conscience.
[ 15 ] Die dritte Etappe im Herabstieg zur neuen Verleiblichung ist es, wenn der Mensch übergeht zu dem, was ihm von den Eltern gegeben wird. Da führt er eine realisierte Intuition aus. So sehen Sie, daß das, was der Mensch in der Verleiblichung als drei höhere Erkenntnisstufen erreichen kann, sich im Seelisch-Geistigen auf dem Wege zur Verleiblichung als ein reales Geschehen vollzieht. So, wie wir uns hier auf Erden durch Imagination, Inspiration und Intuition hinaufschwingen in die geistige Welt, so steigen wir auf dem Rückwege aus der geistigen Welt in die Verkörperung auch herab durch Imagination, Inspiration und Intuition. Das ist das Gegenbild der drei höheren Erkenntnisstufen in der geistigen Welt.
[ 15 ] The third stage in the descent toward new embodiment is when the human being transitions to what is given to them by their parents. Here, the human being acts upon a realized intuition. Thus you see that what the human being can attain in embodiment as three higher levels of knowledge takes place as a real process in the soul-spiritual realm on the path toward embodiment. Just as we here on Earth ascend into the spiritual world through imagination, inspiration, and intuition, so too do we descend on the return journey from the spiritual world into embodiment through imagination, inspiration, and intuition. This is the counterpart to the three higher levels of knowledge in the spiritual world.
[ 16 ] Was sehen wir daraus? Wir sehen daraus, daß Anthroposophie keine bloße Erkenntnis ist, sondern daß sie Leben hat, denn wir streben durch Anthroposophie die höhere Erkenntnis an, um das höhere Leben in seiner Wirklichkeit zu erfassen und unsere Seele zu erfüllen mit dem Inhalt, der in den geistigen Welten darinnen lebt. Wer dann durch seinen gesunden Menschenverstand eingesehen hat, was der Geistesforscher zu sagen weiß, der erfährt noch etwas anderes. Er erfährt folgendes: Er kann sich sagen, daß die Menschen in dem Zustand der Verleiblichung zwischen Geburt und Tod immerfort den im Leibe waltenden Sterbekräften begegnen. Die Sterbekräfte waren immer da im menschlichen Leibe, aber es sind in uns auch die den Sterbekräften entgegengerichteten Kräfte immer da. Sie sind da. Hätten wir diese Sterbekräfte nicht in uns, dann würden wir niemals den Verstand für die physische Umgebung entwickelt haben.
[ 16 ] What can we conclude from this? We can conclude that anthroposophy is not merely a form of knowledge, but that it is alive; for through anthroposophy we strive for higher knowledge in order to grasp higher life in its reality and to fill our souls with the content that lives within the spiritual worlds. Anyone who, through their common sense, has come to understand what the spiritual researcher has to say will discover something else as well. They will discover the following: They can tell themselves that, in the state of embodiment between birth and death, human beings are constantly confronted with the forces of death at work within the body. The forces of death have always been present in the human body, but the forces that counteract them are also always present within us. They are there. If we did not have these forces of death within us, we would never have developed the understanding of our physical surroundings.
[ 17 ] Es ist eine der wichtigsten Erkenntnistatsachen, daß unsere Verstandeskräfte gebunden sind an unsere Sterbekräfte. Der Tod ist eigentlich nur eine Zusammenfassung der fortwährend in uns wirkenden Sterbekräfte. Wenn wir uns aber fragen, wie ein sittliches Ideal, das sich zum religiösen Ideal steigern kann, in uns lebt, dann muß gesagt werden, daß dieses ganz anders in uns lebt. Man sagt, daß es gewisse Naturkräfte gibt, die bewirken, daß die Pflanzen nach oben getrieben werden, und diesen Kräften spricht man Realität zu. Aber wenn man in den Menschen hineinschaut und dort die Triebkräfte sittlicher und religiöser Ideale auffindet, dann will man diesen keine Realität zusprechen. Da sind sie aber und wirken nicht nur in jedem Menschen, sondern auch auf die Kulturen der ganzen Menschheit. Durch höhere Erkenntnis lernt man erkennen, daß die sittlichen Ideale dadurch im Menschen leben, daß Materie verbrannt wird. Materie wird vernichtet durch das Fassen sittlicher Ideale. Abbau von Materie ist die Voraussetzung zum Aufbau sittlicher Ideale. Auf die Art und Weise, wie der Mensch Materie abbaut, wie er sie wieder aufbauen kann, kommt es an. Die äußere Forschung ist zwar noch befangen in dem Vorurteil von der Unvergänglichkeit der Materie, doch Geisteswissenschaft zeigt, daß die Naturkräfte draußen durch den Menschen durchbrochen werden. Im Besitz anthroposophischer Weltanschauung lernt man sich trösten über die Vorstellung vom Wärmetod der Erde. Denn gerade durch die Vernichtung der Materie sichert sich der Mensch den Aufbau seiner moralischen Persönlichkeit.
[ 17 ] One of the most important insights is that our intellectual faculties are bound up with our mortal forces. Death is, in fact, merely a culmination of the forces of mortality that are constantly at work within us. But when we ask ourselves how a moral ideal—one that can rise to the level of a religious ideal—lives within us, we must acknowledge that it lives within us in an entirely different way. It is said that there are certain natural forces that cause plants to grow upward, and these forces are attributed with reality. But when one looks into human beings and finds there the driving forces of moral and religious ideals, one is reluctant to attribute reality to them. Yet there they are, and they are at work not only within every human being but also on the cultures of all humanity. Through higher knowledge, one comes to recognize that moral ideals live within human beings through the burning of matter. Matter is destroyed through the grasping of moral ideals. The breakdown of matter is the prerequisite for the building up of moral ideals. What matters is the way in which a human being breaks down matter and how they can rebuild it. While external research is still bound by the prejudice regarding the immortality of matter, spiritual science shows that the forces of nature in the external world are overcome by human beings. With an anthroposophical worldview, one learns to find comfort in the idea of the heat death of the Earth. For it is precisely through the destruction of matter that human beings secure the development of their moral personality.
[ 18 ] Versuchen Sie einmal, recht besonnen in Ihre Seele hineinzuschauen, dann finden Sie etwas, das an der Seele des modernen Menschen zehrt und nagt: Was da zehrt und nagt, das ist, daß durch die moderne Naturwissenschaft eine Austilgung des Sittlichen aus dem Bereich der Realitäten festgestellt wird. Anthroposophie zeigt, wie durch den Menschen das Naturgesetz durchbrochen wird, zeigt, wie durch das Sittliche die Materialität vernichtet wird, um dann neu wieder aufzubauen als Materie, aber nun als solche die Träger einer sittlichen Weltordnung werden kann. Die Materie entschwindet, aus einem Nichts entsteht die neue Schöpfung. Das, was in unserer Hautsteckt, das hängt zusammen mit den absterbenden Kräften der Materie, aber das, was die Welt wieder aufbaut, das haben die Naturwissenschaften vergessen.
[ 18 ] Try, with calm reflection, to look into your soul, and you will find something that wears away at and gnaws at the soul of modern humanity: What wears away and gnaws at it is the fact that modern natural science has established the eradication of morality from the realm of reality. Anthroposophy shows how human beings break through the laws of nature; it shows how morality destroys materiality, only to rebuild it anew as matter—which can then, in this new form, become the bearer of a moral world order. Matter vanishes; out of nothing, a new creation arises. What lies within us is connected to the dying forces of matter, but what rebuilds the world is something the natural sciences have forgotten.
[ 19 ] Wir müssen zu der Frage fortschreiten, wo Stoff aufgebaut werden kann, um zu neuen sittlichen Welten zu kommen. Wir haben zwar in uns jeden Augenblick den Tod, aber wir haben auch in uns die Auferstehung. Dahin müssen wir blicken, das ist die Perspektive, die wir aus anthroposophischer Weltanschauung vor die Menschenseelen hinstellen müssen, weil die Naturwissenschaften schon allzulange und allzu einseitig den Blick auf die Sterbekräfte hin geworfen haben. Und es ist wichtig, den Mut zu entwickeln, um ins Auge zu fassen das, was getan werden muß, um neue Welten aufzubauen. Ich setzte voraus, daß diese Andeutungen mancherlei Anregungen geben und zu Meditationen führen können, umklarer zuerkennen, was viel empfunden und beredet wird, und was stark gewollt werden soll.
[ 19 ] We must move on to the question of where substance can be built up in order to reach new moral worlds. Although death is within us at every moment, the resurrection is also within us. We must look toward that; this is the perspective we must present to human souls from the anthroposophical worldview, because the natural sciences have for far too long and in far too one-sided a way focused their gaze on the forces of death. And it is important to develop the courage to face what must be done to build new worlds. I assume that these hints can provide various stimuli and lead to meditations that help us recognize more clearly what is widely felt and discussed, and what should be strongly willed.
