Alte und neue Einweihungsmethoden
Drama und Dichtung im Bewußtseins-Umschwung der Neuzeit
GA 210
1 Januar 1922, Dornach
1. Neujahrsbetrachtung
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, meine lieben Freunde! Gestern habe ich von der Initiationswissenschaft nach verschiedenen Richtungen hin gesprochen. Heute will ich einiges charakterisieren, was in einem gewissen Sinne zu den gegenwärtigen Ausdrucksformen der Initiationswissenschaft gehört. Wenn wir in der Gegenwart in bezug auf alles Zivilisationsleben einen tiefen Riß wahrnehmen müssen und als Menschen der Gegenwart, wenn wir ein volles Bewußtsein entwickeln, mit einem gewissen tragischen Gefühl diesen tiefen Riß mit seinen chaotischen Wirkungen in der Welt empfinden müssen, so drückt sich nach einer gewissen Seite hin dieser Riß wohl dadurch ganz besonders aus, daß der heutige Mensch keine Vermittelung erkennen kann zu derjenigen Welt, zu der er aufschauen muß, wenn er seinen eigentlichen Menschenwert und seine eigentliche menschliche . Würde ins Auge faßt: zu der moralischen Welt, zu der Welt auch, welche die religiösen Empfindungen und die religiösen Versenkungen und Erhebungen der Menschenseele bringt.
[ 2 ] Auf der andern Seite schaut der Mensch zu demjenigen, was das Naturdasein ausmacht, zu dem er ja auch gehört. Das Naturdasein stellte sich im Laufe der letzten Jahrhunderte so vor die menschliche Seele hin, daß es gewissermaßen alle Realität, alles wirkliche Sein verschlungen hat. Das Naturdasein mit seinen gegenüber dem Moralischen gleichgültigen Gesetzen läuft ab in äußerlicher Notwendigkeit, und der Mensch ist seinem alltäglichen Dasein nach in diese Notwendigkeit eingespannt. Wie man auch Anfang und Ende dieser Notwendigkeit begrenzt, es ist unmöglich, daß der Mensch, wenn er sich selbst innerhalb dieser Notwendigkeit empfindet, zu seinem eigentlichen Menschlichen kommt. Er muß vom Naturdasein aufblicken zu dem moralischen Welteninhalte. Er muß die moralischen Welteninhalte auffassen als dasjenige, was sein soll, was von ihm als Ideal betrachtet werden soll. Aber keine Erkenntnis von der heutigen Art zeigt ihm, wie die moralischen Ideale etwa einlaufen können in die Naturgesetze und das Notwendige in den Dienst des Moralischen gestellt werden kann.
[ 3 ] Für den heutigen Menschen zerfällt einmal die Welt in diese zwei für das Gegenwartsbewußtsein unvereinbaren Glieder: die moralische Welt und die materielle Welt. Der Mensch schaut hin auf Geburt und Tod, findet von ihnen eingesäumt dasjenige Dasein, von dem ihm allein die heute anerkannte Erkenntnis sprechen will. Der Mensch muß andererseits aufblicken zu einer Welt, die sich über Geburt und Tod erhebt, die gegenüber der stetig wandelbaren, eigentlichen materiellen Welt, eine ewige Bedeutung hat, und er muß verbunden denken sein seelisches Sein mit dieser ewigen Bedeutung der moralischen Welt. Aber die platonische Weltanschauung, welche noch den letzten Rest des Orientalismus enthalten hat, dahingehend, daß die äußere Sinneswelt ein Schein, eine Illusion ist, und die Ideenwelt die wahre, die wirkliche Welt ist, diese platonische Weltanschauung findet für den heutigen Menschen, wenn er im Gegenwartsbewußtsein stehenbleibt, keine Antwort.
[ 4 ] Hinstellen will sich die Initiationswissenschaft wiederum in die menschliche Zivilisation, will die Menschen wiederum darauf hinweisen, daß hinter derjenigen Welt, welche die Sinne wahrnehmen, eine geistige Welt steht, daß in dieser geistigen Welt, zu der der Mensch aufschaut als zu der moralischen, eine mächtige, eine kraftvolle, eine reale Welt steht. Die Initiationswissenschaft muß gewissermaßen dem Naturdasein die angemaßte absolute Realität wegnehmen und der moralischen Welt wiederum Realität geben. Das kann sie nur, wenn sie zu andern Ausdrucksmitteln greift als diejenigen sind, die aus dem Umfange der heutigen Sprachen, aus dem Umfange der heutigen Ideen- und Begriffswelt gegeben sind.
[ 5 ] Es erscheint die Sprache der Initiationswissenschaft dem Menschen der Gegenwart noch als etwas Fremdes, als etwas Illusorisches, weil er nicht ahnt, daß hinter den Ausdrucksformen reale Kräfte stehen und daß der Mensch, ob er sich nun der äußeren Lautsprache oder einer gestalteten Sprache bedient, eben immer genötigt ist, in der Sprache nicht einen vollständig adäquaten Ausdruck zu haben von dem, was er schaut, was er wahrnimmt. Was ist denn schließlich das Wort «Mensch», wenn wir seinen Lautinhalt nehmen, gegenüber dem reichen Inhalte, der sich uns darbietet an Geistigem, Seelischem und Leiblichem, wenn wir einem wirklichen Menschen gegenüberstehen! So auch stürmt, flutet und wirkt in mannigfaltiger Weise eine hinter der Sinneswelt und in der moralischen Welt lebende übersinnliche Welt in der Initiationswissenschaft. Und diese Initiationswissenschaft muß mannigfaltige Ausdrucksformen wählen, um dasjenige auszudrücken, was allerdings viel reicher erscheint als es die Ausdrucksmittel geben können.
[ 6 ] Für den Menschen selbst in seinem unmittelbaren Dasein möchte ich von einigen solchen Ausdrucksmitteln heute sprechen, von Ausdrucksmitteln, die ja schon in diesen Tagen hier von der einen oder der andern Seite genannt worden sind und die denjenigen von Ihnen gut bekannt sind, die sich längere Zeit mit der anthroposophischen Geisteswissenschaft befaßt haben.
[ 7 ] Man sagt mit Recht und auch mit Unrecht, das eigentliche wahre Wesen des Menschen entziehe sich der Erkenntnis. Man kann das auch in einem gewissen Sinne sagen, aber nicht in dem Sinne, wie es in der Gegenwart sehr häufig gesagt wird. Das eigentliche Wesen des Menschen enthüllt sich für die Initiationswissenschaft allerdings so, daß man es in unmittelbarer Weise nicht in Definitionen, in Beschreibungen, in Erklärungen fassen kann. Wenn ich mich eines Vergleiches bedienen darf, so ist es für das Erfassen des menschlichen Wesens so, wie wenn man bei einem Waagebalken den Punkt, um den er sich dreht, zeichnen wollte. Man kann ihn nicht zeichnen. Ich kann das linke und das rechte Stück des Waagebalkens zeichnen, ich kann aber nicht den Punkt zeichnen, um den sich der Waagebalken drehen wird. Der ist etwas, was bestimmt ist dadurch, daß eben der linke Waagebalken von links nach rechts bis zu diesem Punkte geht und bei diesem Punkt der rechte Waagebalken beginnt und von ihm weitergeht.
[ 8 ] In einer ähnlichen Weise läßt sich nicht in adäquaten Begriffen und Ideen das menschliche tiefste Wesen fassen. Aber es läßt sich fassen, wenn man zu schauen versucht die Abirrungen von diesem Wesen. Das menschliche Wesen stellt gewissermaßen einen Gleichgewichtszustand dar zwischen einer Abweichung, die nach der einen Seite fortwährend gehen will und einer solchen, die nach der andern Seite fortwährend gehen will. Der Mensch ist, so wie er im Leben dasteht, im irdischen Dasein fortwährend zwei Gefahren ausgesetzt: dem Abirren nach der einen oder nach der andern Seite — wie wir es mit technischen Ausdrücken nennen können —, nach der luziferischen und der ahrimanischen Seite.
[ 9 ] Im gewöhnlichen Dasein ist zunächst für den Menschen sein Gleichgewichtszustand dadurch hervorgebracht, daß sein ganzes, volles Wesen nur zu einem Teil in die Leibesgestalt eingespannt ist, und daß diese Leibesgestalt im ganzen Weltenzusammenhange nicht er im Gleichgewichtszustande zu erhalten braucht, sondern daß geistige Wesenheiten, die hinter ihm stehen, diesen Gleichgewichtszustand bewirken. So nimmt der Mensch im gewöhnlichen Erdendasein heute für das gewöhnliche Bewußtsein die beiden Gefahren nicht wahr, durch die er nach der einen oder nach der andern Seite, nach der luziferischen oder nach der ahrimanischen Seite, von seinem Gleichgewichtszustande abweichen kann. Das ist gerade das Eigentümliche der Initiationswissenschaft, daß man sich wie auf einem hohen Felsen fühlt als Mensch, wenn man beginnt, die Welt in ihrer Wesenheit zu durchschauen, auf einem hohen Felsen, links und rechts Abgrund. Der Abgrund ist immer da, aber für das gewöhnliche Leben sieht der Mensch den Abgrund beziehungsweise die beiden Abgründe nicht. Will er sich vollständig kennenlernen, so muß er die Abgründe wahrnehmen, muß er wenigstens von den Abgründen wissen lernen. Nach der einen Seite wird der Mensch nach dem Luziferischen, nach der andern Seite von dem Ahrimanischen gezogen. Und man kann das Ahrimanische und das Luziferische charakterisieren, indem man den Menschen nach Leib, Seele und Geist betrachtet.
[ 10 ] Nehmen wir zunächst eine Betrachtung, die vom Gesichtspunkte des leiblichen Wesens des Menschen ausgeht. Dieses leibliche Wesen des Menschen ist nur äußerlich scheinbar für die Sinneswahrnehmung ein Einheitliches. In Wahrheit ist der Mensch fortwährend eingespannt zwischen den Kräften, die ihn verjüngen und den Kräften, die ihn greisenhaft machen, zwischen den Kräften der Geburt und den Kräften des "Todes. In keinem einzigen Augenblicke des Lebens ist in unserem Leib bloß die eine Art von Kräften vorhanden; immer sind sie beide da.
[ 11 ] Wenn wir Kind sind, meinetwillen ganz kleines Kind, so überwiegen in uns die jungmachenden, die luziferischen Kräfte; aber tief zurückgezogen sind in der menschlichen Natur auch schon die greisenhaften Kräfte, diejenigen Kräfte, die zuletzt das Verkalken, das Sklerotisieren des Leibes hervorrufen, diejenigen Kräfte, die uns dann zum Tode führen. Und beide Arten von Kräften müssen im menschlichen Leibe sein. Durch die luziferischen Kräfte, die in ihm sind, hat er eine fortwährende Möglichkeit, ich möchte sagen nach dem Phosphorischen hin, nach der Wärme hin sich zu entwickeln. Im extremen Fall, im Krankheitsfall, wirken diese Kräfte so, daß der Mensch in das Fieber, in die Pleuritis hineinkommt, in entzündliche Zustände. Aber diese Neigung für Fieber, für entzündliche Zustände ist immer in ihm. Sie wird nur in Schach gehalten, im Gleichgewichte gehalten durch die andern Kräfte, die ihn verfestigen wollen, die ihn verkalken, die ihn mineralisieren. Und darinnen besteht das Wesen des Menschen, daß ein Gleichgewichtszustand da ist zwischen diesen beiden polarisch einander entgegengesetzten Kräftearten.
[ 12 ] Man wird eine gültige Physiologie, eine gültige Biologie erst dann haben, wenn man jedes einzelne Organ des Menschen und den ganzen Menschen so betrachtet, daß Herz, Lunge, Leber und so weiter polarische Gegensätze in sich enthalten, daß sie hintendieren auf der einen Seite zur Auflösung in die Wärme, auf der andern Seite zur Verfestigung im Mineralischen. Man wird auch das Funktionieren der Organe erst richtig verstehen, wenn man den ganzen Menschen und wiederum jedes einzelne Organ von diesem Gesichtspunkte aus zu betrachten vermag. Die Gesundheits- und Krankheitslehre des Menschen wird erst auf einen gesunden Boden gestellt werden können, wenn diese Polaritäten im physischen Menschen überall werden gesehen werden können. Man wird dann zum Beispiel wissen, daß im Menschen, wenn er dem Zahnwechsel unterliegt um das siebente Jahr herum, nach der Kopfseite hin die ahrimanischen Kräfte wirksam werden; daß, wenn der Mensch bei der Geschlechtsreife seine physische Natur nach der Wärmeseite hin entwickelt, daß dann die luziferischen Kräfte tätig sind und daß der Mensch eigentlich in seinem rhythmischen Wesen fortwährend hin und her Pendelschläge ausführt, auch in physischer Beziehung, zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Wesen. Erst wenn man lernen wird, ohne Aberglauben, so mit wissenschaftlicher Exaktheit von dem Luziferischen und Ahrimanischen in der menschlichen Natur zu sprechen, wie man heute ohne Aberglauben, ohne Mystik von positivem und negativem Magnetismus spricht, von positiver und negativer Elektrizität, von Licht und Finsternis spricht, erst dann wird man in der Lage sein, eine solche Erkenntnis vom Menschen zu gewinnen, welche gewachsen ist der abstrakten Erkenntnis von der unorganischen Natur, die wir uns errungen haben im Laufe der letzten Jahrhunderte.
[ 13 ] In abstrakter Art sprechen auch heute schon viele von allerlei Polaritäten im Menschen. Es gibt mystisch-nebulose Veröffentlichungen, Publikationen, die allerlei Positives und Negatives in den Menschen hineinbringen. Sie scheuen sich davor, den Aufstieg zu vollführen zu einem viel Konkreteren, Geistigeren, aber geistig wirklich Konkreten, und reden daher ebenso abstrakt von dem Menschlichen in seiner Polarität, von Positivem und Negativem, wie sie in der unorganischen Natur von der Polarität sprechen. Erst das kann Wissenschaft vom Menschen sein, das Aufsteigen von den armen Begriffen des Positiven und Negativen, von den armen Begriffen der Polarität, wie wir sie in der unorganischen Natur finden, zu den erfüllten Begriffen des Luziferischen und Ahrimanischen im Menschen.
[ 14 ] Wenn wir zu dem Seelischen gehen, das sich als das zweite Glied im höheren Sinne der menschlichen Wesenheit entfaltet, dann sehen wir das Ahrimanische wirksam in allem, was die Menschenseele nach dem rein verstandesmäßig-intellektuell Gesetzmäßigen hintreibt. Unsere Naturwissenschaft ist heute fast ganz ahrimanisch. Der Mensch streift, indem er nach dem ahrimanisch Seelischen sich hinentwickelt, alles ab, was die Begriffe, die Ideen mit Wärme durchglüht; er gibt sich nur dem hin, was die Begriffe, die Ideen eiskalt und trocken macht, und er fühlt sich dann ganz besonders im heutigen wissenschaftlichen Denken befriedigt, wenn er also ahrimanisch ist, wenn er sich in trockenen und kalten Begriffen bewegt, wenn er alles, was Welterklärung ist, so machen kann, daß es nach dem Muster gestaltet ist, wie man die unorganische, die leblose Natur erkennt. Und indem die Seele mit dem Moralischen sich durchdringt, erscheint in ihr das Ahrimanische in alledem, was hinneigt zu dem Pedantischen, zu dem Steifen, zu dem Philiströsen auf der einen Seite; dann aber auch wiederum zu dem Freien, zu dem Unabhängigen, zu dem, was die vollen Früchte des materiellen Daseins aus diesem materiellen Dasein herausziehen will, was sich ganz dadurch vollkommen machen will, daß es das materielle Dasein durchdringt.
[ 15 ] Es erscheint eigentlich sowohl das Ahrimanische wie das Luziferische immer von zwei Seiten. Auf der einen Seite stellt es etwas dar, was ein Abweg ist. Das Ahrimanische stellt als einen Abweg das Pedantische dar, das Philiströse, das einseitig Verstandesmäßige. Es stellt auf der andern Seite eben dasjenige dar, was durchaus in einer notwendigen Entwickelungslinie des Menschen nach vorwärts liegt, was den Willen zur Befreiung, den Willen zum Benützen des materiellen Daseins, zur Menschenbefreiung und so weiter entwickelt.
[ 16 ] Das Luziferische in der menschlichen Seele stellt alles dasjenige dar, wodurch der Mensch nach oben gewissermaßen über sich hinaus will. Er kann dadurch ins nebulos Mystische geraten. Er kann dadurch in Regionen geraten, in denen ihm alles Denken über das Materielle unvornehm, niedrig erscheint, so daß er verleitet, verführt wird dazu, dieses materielle Dasein ganz zu verachten und sich nur zu ergehen in dem, was über dem Materiellen liegt, in alledem, was den Menschen dazu verführt, Flügel haben zu wollen, um über sein Erdendasein wenigstens mit der Seele hinauszukommen. Das stellt ihm seelisch das Luziferische dar. Neben dem Ahrimanischen, der nüchternen, trockenen, kalten Wissenschaft, tritt die schwüle Mystik auf, tritt auf dasjenige, was in religiösen Bekenntnissen asketische Erdenverachtung und so weiter wird.
[ 17 ] Indem man das Ahrimanische und das Luziferische der Seele charakterisiert, sieht man, wie auch das menschliche Seelische in einem Gleichgewichtszustande sein muß zwischen zwei polarischen Gegensätzen. Man kann sagen, auch das Luziferische zeigt die Möglichkeit eines Irrweges, aber auch die Möglichkeit einer notwendigen Fortentwickelung des richtigen menschlichen Wesens. Der Abweg ist die verschwommene, verschwimmelnde, nebulos werdende Mystik, welche alle klaren Begriffe in ein unbestimmtes, nebelhaftes Helldunkel zerflattert und dadurch den Menschen über sich selber hinausführen will. Dasjenige aber, was nicht nur ein berechtigtes, sondern geradezu im notwendigen Fortschritt der Menschheit liegendes luziferisches Wirken ist, das zeigt sich dann, wenn der Mensch so schafft, daß er nicht das materielle Dasein mit den heute realen Lebensprinzipien durchdringt, um die Impulse dieses materiellen Daseins voll auszunützen, wie das im Ahrimanischen der Fall ist, sondern wenn er das materielle Dasein bis zur Scheinhaftigkeit ablähmt und es in dieser Scheinhaftigkeit benützt, um ein Übersinnliches darzustellen, um etwas darzustellen, was geistig wirklich ist, aber in dieser geistigen Wirklichkeit nicht auch sinnlich wirklich sein kann durch das bloße Naturdasein.
[ 18 ] Die luziferischen Kräfte geben so dem Menschen die Möglichkeit, im sinnlichen Scheinesdasein das Geistige auszudrücken. Und das ist das Bestreben aller Kunst, aller Schönheit. Luzifer wird damit auch der Protektor der Schönheit, des Künstlerischen. Und wenn der Mensch nun sucht das richtige Gleichgewicht zwischen dem Luziferischen und Ahrimanischen, dann darf er in dieses Gleichgewicht hineinwirken lassen in der Form der Schönheit das Künstlerische, das Luziferische. Es kommt nicht darauf an, daß man in einseitiger Weise sagt, der Mensch müsse sich vor dem Ahrimanischen, vor dem Luziferischen hüten. Es handelt sich darum, daß der Mensch die richtige Stellung zu dem Ahrimanischen, zu dem Luziferischen finde, daß er zwischen beiden immer seinen Gleichgewichtszustand behält. Behält er diesen Gleichgewichtszustand, dann darf das Luziferische ins Leben hereinscheinen in Form der Schönheit, in Form des Künstlerischen, indem dadurch in das Leben ein Unwirkliches hereingezaubert wird, das aber durch des Menschen Kraft selber in eine Scheinwirklichkeit umgewandelt wird.
[ 19 ] Die luziferischen Kräfte streben, in das gegenwärtige Dasein dasjenige hereinzutragen, was im Weltendasein längst vergangen ist, was daher im gegenwärtigen Dasein nach den Daseinsgesetzen nicht wirklich sein kann. Wenn der Mensch das kosmisch Konservative verfolgt, wenn er das, was für Vorzeiten richtige Daseinsgestaltungen waren, in die Gegenwart hereinstellen will, dann verfällt er in falscher Weise dem Luziferischen. Wenn er also zum Beispiel jene Anschauung der Welt, welche in verschwommenen Bildern lebt, die nur in alten kosmischen Zeitaltern voll berechtigt waren, wenn er alles ineinander verschwimmen läßt, was in seiner Seele lebt, dann ergibt er sich in falscher Weise dem luziferischen Dasein. Wenn er dem äußerlichen materiellen Dasein eine solche Gestalt gibt, daß es etwas ausdrückt, was es durch seine eigenen Naturgesetze nicht ausdrücken kann — der Marmor kann nur die mineralogischen Gesetze ausdrücken —, wenn der Mensch dem Marmor aufzwingt dasjenige, was dieser durch die eigene Naturkraft des Marmors niemals ausdrücken kann, dann entsteht die plastische Kunst. Dann wird dasjenige, was in einem solchen Sinnlichen keine Wirklichkeit sein kann, dann wird Unwirklichkeit in das Dasein hereingezaubert. Und das ist ja gerade das Bestreben Luzifers, daß er den Menschen von der Wirklichkeit, in der er sich nun einmal befindet zwischen Geburt und Tod, hinwegführen will zu einer Wirklichkeit, die allerdings für andere Zeitalter direkte Wirklichkeit war, die aber für dieses Zeitalter nicht die rechte Wirklichkeit sein kann.
[ 20 ] Wenn man den Menschen nun geistig ins Auge faßt, dann kann auch für das Geistige das Luziferische und das Ahrimanische in Anspruch genommen werden. Es äußert sich hier für das Erdendasein zunächst das menschliche Wesen in geistiger Beziehung durch die Wechselzustände zwischen Wachen und Schlafen. Im Wachzustande sind wir mit unserem geistigen Teil ganz dem Materiellen hingegeben. Man muß in dieser Beziehung folgendes sagen: Wenn der Mensch einschläft, so ist er vom Einschlafen bis zum Aufwachen in einem Zustande, den man als geistig-seelisches Dasein bezeichnen kann. Der Mensch geht mit seinem geistig-seelischen Dasein beim Einschlafen aus dem physischen und ätherischen Leibe heraus und taucht wiederum unter in den physischen und ätherischen Leib mit seinem Geistig-Seelischen beim Aufwachen. So trägt der Mensch gewissermaßen im Schlafzustande seinen geistig-seelischen Zustand in sich; aber den seelischen Zustand, den behält er beim Aufwachen fast ganz als seelisches Leben zurück. Nur mit dem Geiste taucht er vollständig auch in den Leib unter. So daß wir im Wachen mit unserem Geiste in der Periode der heutigen Menschheitsentwickelung eben ganz Leib werden, in das Leibliche untertauchen, wenigstens bis zu einem hohen Grade. Da verfallen wir dann aus einem Dasein, wie wir es eben im Schlafe haben, in das Dasein des wachen Zustandes. Wir werden herübergetragen aus dem einen Zustand in den andern. Und diesen Übergang den bewirken Kräfte, die wir zu den ahrimanischen zu zählen haben.
[ 21 ] Wenn wir den Menschen in bezug auf sein Geistiges betrachten, das heißt in bezug auf jenen Wechselzustand zwischen Wachen und Schlafen, der ja für das physische Erdendasein das Geistige des Menschen offenbart, so müssen wir sagen, beim Aufwachen wirkt am meisten das Ahrimanische; umgekehrt beim Einschlafen wirkt am meisten das Luziferische. Der Mensch wird aus dem Untergetauchtsein in das Physisch-Leibliche in den freien geistig-seelischen Zustand hinübergetragen. Er wird in einen Zustand hinübergetragen, in dem er nicht mehr in ahrimanischen Begriffen denkt, sondern nur in den Bildern, welche die scharfen, ahrimanischen Begriffskonturen auflösen, welche alles verweben und verschwimmen lassen. Er wird in einen Zustand versetzt, wo dieses In-Bildern-Verschwimmen das Normale ist. Kurz, wir können sagen: Es trägt uns von dem Schlafzustande in den Wachzustand hinein in berechtigter Weise das Ahrimanische, es trägt uns aus dem Wachzustand in den Schlafzustand hinein in berechtigter Weise das Luziferische.
[ 22 ] Abwege entstehen erst dann, wenn in den Wachzustand zu wenig hineingetragen wird von dem luziferischen Impuls, so daß während des Wachzustandes zu stark der ahrimanische Impuls wirkt. Dann wird der ahrimanische Impuls den Menschen zu stark in das Leibliche hinunterdrücken, wird ihn nicht stehenlassen bei den seelischen Empfindungen von Gut und Böse, bei den moralischen Impulsen. Er wird ihn hinuntertauchen in das Emotionelle, in das Leidenschaftliche. Er wird ihn hinuntertauchen in das Instinktleben, in das Animalische. Er wird den Menschen seinem Ich nach zu gründlich mit dem Leiblichen vereinigen.
[ 23 ] Und wiederum: Wenn das Luziferische in unberechtigter Weise im Menschen wirkt, so wird der Mensch zu viel von seinem Wachleben in das Schlafleben hineintragen. Es werden im Schlafesleben Träume auftauchen, die zu viel Reminiszenzen an das Tagesleben sind. Diese werden wiederum zurückwirken auf das Wachleben und dieses in eine ungesunde Mystik hineintreiben. Man sieht, überall ist es im Leben so, daß der Gleichgewichtszustand des Menschen durch die beiden Polaritäten, durch das Luziferische und das Ahrimanische, hervorgebracht werden muß, daß aber Abirrungen stattfinden können. Man wird erst eine Leibeslehre — wie ich schon angedeutet habe — mit einer richtigen Gesundheits- und Krankheitslehre haben, wenn man überall diese Polarität im Leibesleben finden kann. Man wird erst eine Psychologie haben, wenn man in der Lage sein wird, im Seelischen diese Polarität zu sehen.
[ 24 ] Man redet heute in denjenigen Wissenschaften, die man als Psychologie, als Seelenkunde ansieht, in chaotischer Weise herum von Denken, Fühlen und Wollen. Im Seelenleben fließen auch Denken, Fühlen und Wollen ineinander über. Wir können noch so reine Gedanken fassen —, indem wir die Gedanken verbinden und trennen, wirkt der Wille in den Gedanken. Und selbst, wenn wir nur instinktive Bewegungen ausführen, so wirken unsere Gedankenimpulse doch in die Willensbetätigung hinein. Nirgends sind im Seelenleben getrennt Denken, Fühlen und Wollen, überall wirken sie ineinander. Und wenn man sie in der heute gewohnten Weise trennt, so ist die Trennung eine abstrakte Trennung, so ist da das Sprechen von Denken, Fühlen und Wollen nur in drei Abstraktionen bestehend. Was wir da Denken, Fühlen und Wollen nennen, wir können es unterscheiden, wir können es als abstrakte Begriffe hinstellen, aber als solche abstrakte Begriffe mag es uns dienen für unsere unterscheidende Erkenntnis; ein richtiges Bild der Wirklichkeit gibt es uns nicht.
[ 25 ] Ein richtiges Bild der Wirklichkeit bekommen wir nur, wenn wir in jedes Denken das Fühlen und Wollen auch hineinschauen, in jedes Fühlen das Denken und Wollen, in jedes Wollen das Denken und Fühlen. Damit wir aber dann doch statt dieses abstrakten Denkens, Fühlens und Wollens das konkrete Leben und Wogen des Seelischen durchschauen, müssen wir uns vergegenwärtigen, wie das Seelenleben nach der einen Polarität hin ausschlägt und nach der andern Polarität, wie es hinschlägt nach der ahrimanischen Polarität und da in Gedanken sich auslebt. In diesen Gedanken mögen nun Willensimpulse so viel als möglich sein. Lernen wir erkennen auf einer höheren Stufe des Erkennens die besondere Eigenart des Ahrimanischen, dann fühlen wir die Polarität des Denkens in der Seele; sehen wir nach der andern Seite die Seele ausschlagen, nach dem Wollen, dann mögen noch so viele Denkinhalte in den Willensbetätigungen sein —, wenn wir den luziferischen Charakter des Wollens erfassen, dann haben wir die lebendige Natur des Wollens in der Seele begriffen. Es muß sich in uns verwandeln dasjenige, was Abstraktionen sind, Begriffe sind, Ideen sind, in lebendige Anschauung. Diese gewinnen wir aber nicht, wenn wir uns nicht entschließen, aufzusteigen zu so etwas, wie es die Anschauungen des Luziferischen und Ahrimanischen sind.
[ 26 ] Auch gegenüber dem geschichtlichen Leben der Menschheit bringen wir nur Wirklichkeit in unser Vorstellen hinein, wenn wir in den einzelnen Geschichtsperioden das Walten und Wogen des Luziferischen und Ahrimanischen wahrzunehmen in der Lage sind. Betrachten wir die Geschichtsperiode, sagen wir, von Augustinus bis in die Zeit des endenden Mittelalters, der aufsteigenden Neuzeit, bis zum 15. Jahrhundert hin, betrachten wir sie, wie der Mensch vorzugsweise im äußeren Leben jene Impulse wirksam sein läßt, die aus seinem tiefsten Inneren, aus dem emotionellen Leben herkommen, betrachten wir, wie der Mensch in dieser Zeit selbst das äußere staatlich-soziale Leben so gestalten will, wie er den im Inneren erkannten göttlichen Impuls glaubt wahrnehmen zu können: Wir fühlen deutlich das luziferische Walten in diesem Geschichtsabschnitt.
[ 27 ] Und wenn wir heraufgehen in die neuere Zeit, wenn wir sehen, wie der Mensch den Blick nach außen richtet auf das Mechanisch-Physikalische der Welt, das adäquat nur in der richtigen Weise erfaßt werden kann durch das Denken, durch den Umgang mit der äußeren Welt, so sehen wir deutlich walten das Ahrimanische in diesem Zeitraume. Das darf uns aber nicht bloß zu der Aussage nötigen, die Zeit von Augustinus bis zu Galilei wäre luziferisch, die Zeit von Galilei bis zu uns wäre ahrimanisch. Das wäre wiederum selber ein ahrimanisches Urteil, das wäre ein selber intellektualistisches Auslegen. Will man von einem solchen intellektualistischen Auslegen in ein Lebendiges hineinkommen, in ein miterlebendes Erkennen des Daseins, in das der Mensch hineingestellt ist, dann muß man das Ausdrucksmittel anders wenden. Dann muß man sagen: In der Zeit von Augustinus bis zu Galilei hatte der Mensch, um seinen Gleichgewichtszustand anzustreben, sich gegen das Luziferische zu wehren. In der neueren Zeit hat der Mensch, um seinen Gleichgewichtszustand anzustreben, sich gegen das Ahrimanische zu wehren.
[ 28 ] Es kommt nicht nur darauf an — das muß immer klarer und klarer eingesehen werden —, daß wir in unserer fortschreitenden Zivilisation das oder jenes sagen, sondern es kommt darauf an, daß wir entscheiden können, ob gegenüber einer Situation das oder jenes gesagt werden kann. Es mag noch so wahr sein im abstrakten Sinne, daß das Mittelalter luziferisch, die neuere Zeit ahrimanisch ist; diese abstrakte Wahrheit hat keine wirkliche Impulsivität. Die wirkliche Impulsivität tritt auf, wenn wir sagen: Der Mensch konnte sich aufrechterhalten im Mittelalter durch den Kampf gegen das Luziferische, der Mensch kann sich aufrechterhalten in der Neuzeit durch den Kampf gegen das Ahrimanische. Wahr sein kann auch im äußeren abstrakten Sinne das, was gegenüber der Wirklichkeit lediglich Phrase ist: Richtig wirklich im Vorstellungsleben ist nur dasjenige, was in bezug auf die Situation des Menschendaseins, auf die es ankommt, wirklich innerlich vorhanden ist. Wovor sich der moderne Mensch am meisten zu hüten hat, das ist das Fallen in die Phrase. Man erlebt es immer wieder und wiederum, daß Menschen, die dann schon glauben, im anthroposophischen Leben drinnenzustehen, sagen, dieser oder jener habe etwas gesagt, was ganz mit dem Anthroposophischen übereinstimme. — Auf das äußere Zustimmen in Worten kommt es nicht an, sondern auf den Geist, auf den lebendigen Geist, auf den lebendigen, wirklichen Zusammenhang, in dem etwas drinnen steht. Wenn wir heute bloß auf den äußerlich logischen Inhalt der menschlichen Aussage sehen, so entgehen wir der Gefahr der Phrase nicht.
[ 29 ] Ich habe in der letzten Zeit ein paarmal vor diesem oder jenem Kreise meiner Zuhörer ein eklatantes Beispiel angeführt, wie an sich ganz richtige Sachen, die gesagt werden, sich merkwürdig ausnehmen vor dem Wirklichkeitssinn. Ich habe das Beispiel angeführt, daß 1884 der Fürst Bismarck im deutschen Reichstag, als er die sozialdemokratische Gefahr herannahen fühlte, einen merkwürdigen Ausspruch tat. Er wollte die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung davon ablenken, den sozialdemokratischen radikalen Führern zu folgen, und aus diesem Impuls heraus sagte Bismarck, es stehe jedem Menschen das Recht auf Arbeit zu. «Gestehen Sie jedem Menschen das Recht auf Arbeit zu, verschaffen Sie ihm von Staats wegen Arbeit, solange er arbeiten kann, versorgen Sie ihn» — so sprach er, der deutsche Reichskanzler —, «versorgen Sie ihn, wenn er alt geworden ist und nicht mehr arbeiten kann und in Krankheitsfällen mit dem, was er zum Leben nötig hat, und Sie werden sehen, daß die breiten Scharen der Arbeitermassen fortstürmen von den Versprechungen der Arbeiterführer.»— 1884 hat der Fürst Bismarck diesen Satz im Deutschen Reichstag gesagt.
[ 30 ] Kurioserweise kann man etwas zurückgehen, fast ein Jahrhundert zurückgehen, und ein anderer hat, man kann fast sagen wörtlich, denselben Satz ausgesprochen, hat ausgesprochen den Satz: «Es ist Menschenpflicht, jedem das Recht auf Arbeit zuzugestehen, ihm von Staats wegen Arbeit zu verschaffen, solange er arbeiten kann, ihn von Staats wegen zu versorgen, wenn er krank oder invalide ist und nicht mehr arbeiten kann.» — Und dieser andere, das war Robespierre. 1792 hat er diesen Satz seinem «Menschenrechte» einverleibt. Merkwürdig, wörtlich genau dasselbe sagten der radikale Robespierre 1792 und der Fürst Bismarck, der ganz gewiß kein Robespierre sein wollte, 1884 im Deutschen Reichstag. Sie sehen, zwei Leute können genau dasselbe sagen und es ist nicht dasselbe. Und kurioserweise berief sich dazumal 1884 der Fürst Bismarck darauf, daß das Recht auf Arbeit jedem im preußischen Lande befindlichen Arbeiter garantiert sei, denn das sei 1794 im Preußischen Landrechte enthalten. Kurioserweise also sagt der Fürst Bismarck nicht nur dasselbe, sondern er sagt, was Robespierre forderte, stehe im Preußischen Landrecht. Aber die Wirklichkeit verläuft so, daß dazumal diese Worte von Bismarck nur ausgesprochen wurden, weil er herannahen fühlte eine Gefahr, welche gerade dadurch entsteht, daß das eben nicht da ist, was da wortwörtlich im Preußischen Landrecht steht.
[ 31 ] Ich führe dieses Beispiel an, nicht weil es ein politisches ist, sondern aus dem Grunde, weil es gerade eklatant zeigt: Zwei Menschen können ganz genau wörtlich dasselbe sagen, und doch entspricht es einer entgegengesetzten Wirklichkeit. Ich möchte dadurch darauf aufmerksam machen, daß wir in eine Zeit eintreten müssen, wo es uns weniger auf den Wortlaut ankommt und mehr auf das Erleben der Wirklichkeit. Sonst verfallen wir gerade in dem Gebiete des geistigen Lebens in die Phrase, die eine so große Rolle spielt in unserem gegenwärtigen geistigen Dasein. Gerade dieser Übergang von dem bloß inhaltlich Richtigen zu dem lebendig erlebten Wahren, dieser Übergang soll bewirkt werden durch das Eintreten der Initiationswissenschaft, die vom bloß logischen Inhalt zu dem Erleben der geistigen Welt geht, in die Zivilisation der Menschheit. Und derjenige, der richtig die äußeren Symptome des geschichtlichen Werdens in der Gegenwart für die nächste Zukunft hinein betrachtet, der wird sich aus diesen Symptomen heraus ein Gefühl und eine Empfindung für den berechtigten, für den notwendigen Eintritt der Initiationswissenschaft in die Weltzivilisation erringen können. Das, meine verehrten Anwesenden, meine lieben Freunde, wollte ich heute noch als eine Art Neujahrsbetrachtung vor Ihre Seele hinstellen.
[ 32 ] Der nächste Abendvortrag wird am Samstag um 8 Uhr stattfinden.
