The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211
21 March 1922, Bern
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The Mystery of the Sun and The Mystery of Death and Resurrection, tr. SOL
1. Das Menschliche Seelenleben in Schlafen, Wachen und Träumen
1. The Human Soul Life in Sleep, Wakefulness, and Dreams
[ 1 ] Wir können als Menschen von den eigentlichen tieferen Seelenrätseln doch nur wissen, wenn wir das Gesamterleben des Menschen ins Auge fassen. Dieses Gesamterleben des Menschen gliedert sich ja in der Zeit, in der der Mensch seine Erdenlaufbahn durchmacht, in das Leben zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen, also in den gewöhnlichen wachen Tageszustand und das Leben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, jenes Leben, das der Mensch zubringt in einem dunklen Bewußtseinszustande, aus dem zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein nur heraufschlagen die Wellen des Traumlebens.
[ 1 ] As human beings, we can only truly understand the deeper mysteries of the soul if we consider the totality of human experience. This totality of human experience is, after all, divided—during the time a person spends on Earth—into life between waking and sleeping, that is, the ordinary waking state of the day and the life between falling asleep and waking up—that life a person spends in a dark state of consciousness, from which, at first, only the waves of the dream life rise to the surface of ordinary consciousness.
[ 2 ] Es handelt sich nun darum, daß man gerade diesen Wechselzustand von Schlafen und Wachen von den verschiedensten Gesichtspunkten aus, von denen er sich betrachten läßt, auch wirklich ins Auge faßt. Wenn wir ausgehen von der gewöhnlichen Lebensbetrachtung, so können wir sagen: Es zeigt sich eben in dem Traumzustand ein Übergang vom Wachen in das Schlafen. Und prüfen wir den Verlauf des Traumlebens, so müssen wir einen bedeutsamen Unterschied machen zwischen dem Bildinhalte, sozusagen dem Vorstellungsinhalte des Träumens, und dem Verlauf des Träumens. Auch darauf habe ich ja öfters aufmerksam gemacht.
[ 2 ] The point now is to truly take a close look at this transitional state between sleeping and waking from the various perspectives from which it can be viewed. If we start from the ordinary view of life, we can say: It is precisely in the dream state that a transition from waking to sleeping becomes apparent. And if we examine the course of dream life, we must make a significant distinction between the content of the images—the content of the imagination in dreaming, so to speak—and the course of dreaming itself. I have, after all, often drawn attention to this as well.
[ 3 ] Wir können dem Inhalte nach dieses oder jenes träumen. Wir müssen aber auch sehen, wie der innere Gang des Traumes ist, sagen wir, daß er mit einer gewissen Dramatik sich abspielt, daß wir gewissermaßen eine Art von Spannungszustand zunächst haben im Traume, der immer größer oder stärker und stärker wird, und daß dann eine gewisse Lösung kommt, oder auch daß sich eine solche Lösung zuletzt nicht ergibt, sondern aus der Spannung heraus das Aufwachen erfolgt. Wir müssen diesen dramatischen Vorgang unterscheiden von dem eigentlichen Inhalt des Träumens.
[ 3 ] In terms of content, we can dream this or that. But we must also consider the inner progression of the dream—let’s say that it unfolds with a certain dramatic quality, that we initially experience a kind of state of tension in the dream, which grows ever greater or stronger and stronger, and that a certain resolution then occurs, or that such a resolution does not ultimately materialize, but instead we awaken out of that tension. We must distinguish this dramatic process from the actual content of the dream.
[ 4 ] Sagen wir zum Beispiel, wir träumten, wir machen einen Weg. Wir kommen an eine Bergeshöhle. Wir betreten die Bergeshöhle. Es wird uns immer unheimlicher und unheimlicher, weil es finsterer und finsterer wird. Endlich überfällt uns ein richtiger Angstzustand, und dann kommen wir, trotzdem wir wissen, wir müssen weitergehen, an irgendein Hindernis. Der Angstzustand wird immer größer und größer. Wir sehen, wie sich eine Spannung aufbaut. Der Inhalt, der Vorstellungsinhalt des Traumes ist aber etwas ganz anderes. Wir können zum Beispiel auch folgendes träumen: Wir sehen in der Ferne irgend etwas herankommen, was uns bedroht. Es kommt immer näher und näher, immer klarer und klarer werden uns die einzelnen Details, und damit wächst unsere Angstlichkeit, entlädt sich zuletzt in einem mächtigen Angstzustand. In bezug auf die Dramatik des Traumes ist in beiden Fällen dasselbe vorliegend: Dasjenige, was innerlich sich als Spannung aufbaut. Die Bilder, in welche sich vorstellungsgemäß der Traum einkleidet, sind etwas davon Verschiedenes.
[ 4 ] Let's say, for example, we dream that we're making our way along a path. We come to a cave in the mountains. We enter the cave. It feels more and more eerie to us because it’s getting darker and darker. Finally, a real sense of fear overwhelms us, and then—even though we know we have to keep going—we come upon some kind of obstacle. The panic grows greater and greater. We feel the tension building. The content—the imaginative content—of the dream, however, is something entirely different. For example, we might also dream the following: We see something approaching in the distance that threatens us. It comes closer and closer; the individual details become clearer and clearer to us, and with that our anxiety grows, finally erupting into a powerful state of fear. In terms of the drama of the dream, the same thing is present in both cases: that which builds up internally as tension. The images in which the dream is clothed, imaginatively speaking, are something different from that.
[ 5 ] Nun werden wir, wenn wir weiter gehen, wenigstens für das meiste im Traumleben oftmals finden, daß dieses Vorstellungsgemäße des Träumens doch in irgendeiner Form herausgenommen ist aus den Erlebnissen in unserem Erdendasein. Gewiß, manches kann umgewandelt sein, manches kann sehr maskiert zum Vorschein kommen, aber wir werden in irgendeiner Weise dennoch verstehen können, wie Erdenverhältnisse, die wir durchlebt haben, sich als Bilder in den Traum hereinbegeben.
[ 5 ] Now, as we proceed, we will often find—at least for the most part in the life of dreams—that this imaginative aspect of dreaming is, in some form, drawn from the experiences of our earthly existence. Certainly, some things may be transformed, and some may appear in a highly disguised form, but we will nevertheless be able to understand, in some way, how earthly circumstances we have lived through enter into the dream as images.
[ 6 ] Was liegt denn bei einem solchen Träumen, sagen wir, wenn es ein Träumen im Aufwachen ist, eigentlich vor? Nun, wir sind ja in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit unserem seelischgeistigen Teil — wir nennen es auch den astralischen Leib und das Ich — außer unserem physischen Leib und dem Ätherleib. Wir verweilen mit unserem Ich und unserem astralischen Leib in dieser Welt, in der wir zunächst, so wie unser Bewußtsein im Erdendasein ist, nicht wahrnehmen können, weil der Astralleib und das Ich, in dem wir sind, eben etwas Unbestimmtes ist, seine Organe zur Wahrnehmung nicht ausgebildet hat. Aber deshalb geht doch fortwährend in dem, was im Schlafe außer dem physischen Leibe ist, etwas vor. Während der ganzen Zeit zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen geht eigentlich ein reicheres Leben in dem astralischen Leib und in dem Ich vor sich als während des Tagwachens. Wir können es nur nicht gewahr werden. Und dasjenige, was sich im Traume als Spannungszustände, als Entladungszustände, als Angst, vielleicht auch als Zorn, Wut und so weiter — das alles kann ja in den Traum hineinspielen in die verschiedensten Bilder kleiden kann, das geht vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit uns vor.
[ 6 ] What exactly is happening during such a dream—let’s say, when it is a dream while awake? Well, from the moment we fall asleep until we wake up, our soul-spiritual part—which we also call the astral body and the “I”—exists apart from our physical body and the etheric body. We remain in this world with our “I” and our astral body, a world we cannot initially perceive—just as our consciousness cannot perceive the earthly realm—because the astral body and the “I” in which we reside are, after all, somewhat indefinite and have not yet developed the organs necessary for perception. But that does not mean that nothing is happening in what exists outside the physical body during sleep. Throughout the entire period between falling asleep and waking up, a richer life actually unfolds in the astral body and the “I” than during waking hours. We are simply unable to become aware of it. And whatever manifests in dreams as states of tension, states of release, fear, or perhaps even anger, rage, and so on—all of which can play a role in the dream and take on the most varied forms—this is what happens to us from the moment we fall asleep until we wake up.
[ 7 ] Wir leben eben in diesen außerleiblichen Zuständen in einer Welt, an deren Bewegungen wir teilnehmen, gerade so, wie wir an den Vorgängen der physischen Außenwelt während des Tagwachens durch unsere Sinne teilnehmen. Wenn wir nun beim Aufwachen mit unserem Seelisch-Geistigen, also mit dem astralischen Leib und dem Ich, zurückkehren in unseren physischen Leib, da ergreifen wir die Organe unseres physischen Leibes. Wir senken uns in diese Organe ein. In diesem Augenblicke werden wir wiederum fähig, eine Außenwelt wahrzunehmen, die Außenwelt der Naturreiche, Mineralien, Pflanzen, Tiere, des physischen Menschen. Diese Organe, die der physische Leib in sich gliedert, die durchsetzen wir mit unserer Seele. Dadurch stehen wir in Beziehung zu dieser Außenweit.
[ 7 ] It is precisely in these out-of-body states that we live in a world whose movements we participate in, just as we participate in the events of the physical external world through our senses while we are awake during the day. When we awaken and return to our physical body with our soul-spiritual being—that is, with the astral body and the “I”—we take hold of the organs of our physical body. We sink into these organs. At that moment, we once again become capable of perceiving an external world—the external world of the natural kingdoms: minerals, plants, animals, and the physical human being. We permeate these organs, which the physical body contains, with our soul. Through this, we stand in relation to this external world.
[ 8 ] Wenn wir nun aber nicht gleich vollständig untertauchen in unseren physischen Leib, sondern wenn wir einen Augenblick, ehe wir den ganzen physischen Leib ergreifen, den Ätherleib durchsetzen, dann kommen uns aus diesem Ätherleibe die Kräfte, welche die Bilder des 'Traumes formen. Diese Bilder trägt den Kräften nach der Ätherleib in sich. Es sind Lebensreminiszenzen, Lebenserinnerungen.
[ 8 ] But if we do not immediately immerse ourselves completely in our physical body, but instead, for a moment before taking on the entire physical body, permeate the etheric body, then the forces that shape the images of the “dream” come to us from this etheric body. The etheric body carries these images within itself through these forces. They are reminiscences of life, memories of life.
[ 9 ] Wenn wir beim Einschlafen träumen, kann es sein, daß wir unseren physischen Leib verlassen und durch irgendwelche Abnormität nicht gleich den Ätherleib verlassen. Dann leben wir ebenso, bevor wir in die völlige Bewußtlosigkeit hineingehen, in den Bildern des Ätherleibes. Aber schon beginnt jenes Gewoge des astralischen Leibes und des Ich, das sich vollzieht während des Zustandes zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Wir müssen also durchaus trennen die Bilder, die der Traum enthält, und den dynamischen, den Kraftverlauf des Traumes, die Dramatik des Traumes. Die beiden müssen wir streng voneinander trennen. Und wenn wir in die Lage kommen, durch Seelenübungen diese Trennung, wie ich Ihnen gerade theoretisch geschildert habe, auch praktisch auszuführen, wenn man in die Lage kommt, seinen astralischen Leib und sein Ich durch Übungen so stark zu machen, daß man nicht passiv hinunterschlüpft in den Ätherleib und dann in den physischen Leib, sondern wenn man lernt, sich jetzt außerhalb des Leibes des allgemeinen Weltenäthers zu bedienen, dann kommt man zu Wahrnehmungen, die man sonst eben nicht haben kann.
[ 9 ] When we dream as we fall asleep, it may happen that we leave our physical body but, due to some abnormality, do not immediately leave the etheric body. Then, before we slip into complete unconsciousness, we continue to exist within the images of the etheric body. But already that surging movement of the astral body and the “I” begins, which takes place during the state between falling asleep and waking up. We must therefore make a clear distinction between the images contained in the dream and the dynamic, the flow of energy within the dream—the drama of the dream. We must strictly separate the two. And when we are able, through spiritual exercises, to carry out this separation—as I have just described to you theoretically— —that is, when we become capable of carrying out this separation in practice, when we are able, through exercises, to strengthen our astral body and our “I” to such an extent that we do not passively slip down into the etheric body and then into the physical body, but rather learn to make use of the general world ether outside the body—then we arrive at perceptions that we otherwise simply cannot have.
[ 10 ] Der Äther, der abgesondert ist und unseren Ätherleib bildet, ist ja nur ein Teil des allgemeinen Weltenäthers. Überall ist Äther. Wir gliedern von dem allgemeinen Äther einige Zeit vor unserer Geburt dasjenige ab, was unser Ätherleib wird; den tragen wir dann zwischen Geburt und Tod in uns. Der allgemeine Weltenäther bleibt unwahrnehmbar. Er wird nur wahrnehmbar, wenn wir in die Lage kommen, unseren astralischen Leib und unser Ich so zu verstärken, daß wir sie außerhalb des physischen Leibes, auch wenn wir nicht schlafen, halten können, daß wir aber nicht bloß solche Traumeindrücke bekommen, wie wir sie eben beim Einschlafen und sonst für das gewöhnliche Bewußtsein haben, sondern daß wir im äußerlichen Ätherischen wahrnehmen können. Dann liegt folgendes vor:
[ 10 ] The ether that is separated off and forms our etheric body is, after all, only a part of the universal ether. Ether is everywhere. Some time before our birth, we separate from the universal ether that which becomes our etheric body; we then carry it within us between birth and death. The universal ether remains imperceptible. It becomes perceptible only when we are able to strengthen our astral body and our “I” to such an extent that we can maintain them outside the physical body—even when we are not asleep—so that we do not merely receive the kinds of dream impressions we experience when falling asleep or in ordinary consciousness, but can perceive the outer etheric realm. Then the following occurs:
[ 11 ] Ausgebreitet ist um uns die physische Welt. Die geht uns zunächst nichts an. Sie bleibt für uns vorhanden, wenn wir richtige Übungen machen, wie Erinnerungen vorhanden bleiben. Wir überschauen sie, wir treten nicht aus ihr heraus wie der Halluzinierende, aber sie geht uns zunächst nichts an. Wir haben verstärkt unseren Astralleib und unser Ich. Wir nehmen dadurch wahr, was sich in der Ätherwelt, nicht in der physischen Welt abspielt. Und was sich nun in der Ätherwelt abspielt, das heißt, was nun wahrnehmbar wird für uns, das ist tatsächlich nichts anderes, als was Sie finden, natürlich immer teilweise nur, der Art nach wenigstens dargestellt, in meinem Buch «Geheimwissenschaft».
[ 11 ] The physical world is spread out around us. At first, it is of no concern to us. It remains present to us when we perform the proper exercises, just as memories remain present. We survey it; we do not step outside of it like someone experiencing hallucinations, but at first, it is of no concern to us. We have strengthened our astral body and our “I.” Through this, we perceive what is taking place in the etheric world, not in the physical world. And what is now taking place in the etheric world—that is, what is now becoming perceptible to us—is in fact nothing other than what you will find, of course always only in part, at least in terms of its nature, described in my book Occult Science.
[ 12 ] Das ist so gesehen, daß man es schaut mit dem verstärkten astralischen Leib und Ich, die aber jetzt, statt daß sie sich der Augen, der Ohren bedienen, um physisch wahrzunehmen außer dem Leibe, eben ätherisch wahrnehmen. Dieses Ätherische stellt sich in solchen Bildern dar, die man dann eben so schildern kann, wie ich es in meiner «Geheimwissenschaft» geschildert habe.
[ 12 ] This is seen in such a way that one observes it with the enhanced astral body and I; however, instead of using the eyes and ears to perceive physically outside the body, they now perceive etherically. This etheric aspect presents itself in images that can be described exactly as I have described them in my Occult Science.
[ 13 ] Ich möchte also sagen: Wenn man in der Lage ist, den astralischen Leib und das Ich in den leibfreien Zustand zu bringen, wie sie sonst ja jede Nacht im Schlafe auch sind, wenn man sie aber durch Übungen so verstärkt hat, daß man im Weltenäther wahrnimmt, so hat man zunächst die Welt in Imaginationen, in Bildern vor sich. Dasjenige, was man sonst nur als einen kleinen Teil der Welt im Physischen sieht, ist da so erweitert, daß man zu dem Erdendasein das Saturn-, Sonnen-, Mondendasein und so weiter darstellen kann. Das ist zunächst das erste, was möglich ist, von der Welt des Übersinnlichen wahrzunehmen.
[ 13 ] So I would like to say: If one is able to bring the astral body and the “I” into the bodiless state—as they are, after all, every night during sleep—but has strengthened them through exercises to the point where one perceives them in the world ether, then one initially has the world before oneself in imaginations, in images. What one otherwise sees only as a small part of the physical world is expanded there to such an extent that one can visualize, alongside earthly existence, the existence of Saturn, the Sun, the Moon, and so on. This is, to begin with, the first thing that is possible to perceive of the supersensible world.
[ 14 ] Nun aber liegt in dem überhaupt alles dasjenige, was Inhalt der imaginativen Welt werden kann. Wir kommen schon aus der Ätherwelt hinaus, wenn wir durch das, was ich schildere als leeres Bewußtsein, nun nicht mehr in Imaginationen, die da kommen, bloß leben, sondern wenn wir lernen, die Imaginationen nun auch wiederum zu vertreiben, wenn wir also in die Lage kommen, sowohl, sagen wir, eine Imagination in der Seele aufzunehmen, wie auch sie fallen zu lassen.
[ 14 ] But this is where everything that can become the content of the imaginative world lies. We are already emerging from the etheric world when, through what I describe as empty consciousness, we no longer merely live within the imaginations that arise, but when we learn to dispel these imaginations as well—that is, when we become capable of both, so to speak, taking in an imagination into the soul and letting it go.
[ 15 ] Dadurch stellt sich ein seelischer Zustand ein, der mit vollständiger Willkür zu beherrschen ist, ein seelischer Zustand, der im Bilde lebt, dann wiederum das Bild unterdrückt, wieder im Bilde lebt, das Bild unterdrückt. Das ist der Zustand des inspirierten Erlebens der Welt. Da erlebt man aber eine Welt, die auch sonst dem Menschen nicht ganz fern liegt. Er durchlebt sie jede Nacht im traumlosen Schlafe. Er ist nur nicht in der Lage, was in ihr spielt, mit seinem Bewußtsein zu erfassen. In dieser Welt nimmt man nun nicht bloß Bilder wahr, sondern indem die Bilder auffluten, abfluten, entstehen, vergehen, indem auch im aufflutenden Bilde es still wird, im abflutenden Bilde dafür eine Art innerlichen Tönens erscheint, so daß die Welt auch in bezug auf die Wahrnehmungen mannigfaltig wird, nehmen wir in dieser inspirierten Welt schon wahr, wenn ich so sagen darf, die Handlungen, die Taten von wirklichen geistigen Wesenheiten. Bei einer solchen Schilderung, wie ich sie in der «Geheimwissenschaft» gegeben habe, läßt man ja schon hineinspielen diese Taten von geistigen Wesenheiten, obwohl im wesentlichen dort eben die Bilder des Weltenwerdens gegeben sind. Es ist aber hingewiesen auf die Wesen der höheren Hierarchien, Angeloi, Archangeloi und so weiter, welche einem in diesem Weltengewoge von entstehenden und vergehenden Imaginationen erscheinen. Ich möchte sagen, auf den Wellen, die man da erlebt im inspirierten Leben, weben zu gleicher Zeit diejenigen Wesenheiten, die die Wesenheiten der höheren Hierarchien sind.
[ 15 ] This gives rise to a mental state that can be controlled entirely at will—a mental state that lives within the image, then suppresses the image, lives within the image again, and suppresses the image. This is the state of inspired experience of the world. Yet the world one experiences here is not entirely foreign to human beings. They live through it every night in dreamless sleep. They are simply unable to grasp with their consciousness what is taking place within it. In this world, one does not merely perceive images; rather, as the images surge forth, ebb, arise, and pass away—and as stillness settles into the surging image while a kind of inner sound emerges in the ebbing image—so that the world becomes manifold even in terms of perception—we already perceive in this inspired world, if I may put it that way, the actions, the deeds of real spiritual beings. In a description such as the one I have given in Occult Science, these deeds of spiritual beings are already allowed to play a part, even though the book essentially presents the images of the world’s becoming. However, reference is made to the beings of the higher hierarchies—Angels, Archangels, and so on—who appear to us in this cosmic surge of emerging and fading imaginations. I would like to say that, upon the waves one experiences in the inspired life, those beings—who are the beings of the higher hierarchies—are weaving at the same time.
[ 16 ] Jetzt merkt man, wie das eigene Dasein, aber jener Teil des Daseins, der eben nur eigentlich frei wird in der Zeit zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen während des physischen Erdenlebens, wie dieser wesenhafte Teil des Menschen eingegliedert ist in eine Welt übersinnlicher Wesenhaftigkeiten. Wir sind ja in der Tat zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen durchaus Angehörige dieser Welt. Als Seelen bewegen wir uns zwischen Wesenheiten.
[ 16 ] Now one realizes how one’s own existence—but that part of existence which actually becomes free only in the time between falling asleep and waking up during physical life on Earth—how this essential part of the human being is integrated into a world of supersensible essences. We are, in fact, very much part of this world between falling asleep and waking up. As souls, we move among beings.
[ 17 ] Beim imaginativen Bewußtsein ist es so, daß man eigentlich nur eine Anschauung hat von dem, was diese Wesen tun. Ich möchte sagen, die erste Stufe des übersinnlichen Bewußtseins stellt sich so dar, daß diese Wesen uns gewissermaßen ihre Bilder entwerfen. Das sind die Imaginationen. Dann kommt man dazu, daß einem nicht nur Bilder entgegengeworfen werden, sondern daß Bilder aufsteigen, abfluten, und in diesem Aufsteigen und Abfluten vollziehen sich die Taten der Wesenheiten. Aber wir sind selber darinnen jetzt in dieser Welt von geschehender Geistigkeit. Wir sind da, wenn das Bewußtsein durchschlägt, durchaus in einem Zustande, in dem wir so leibfrei sind wie sonst für das gewöhnliche Bewußtsein im traumlosen Schlaf, wir sind tatsächlich angehörig einer solchen Welt, in der geistige Taten geschehen. Diese Welt, in der geistige Taten geschehen, in die wir selber einverwoben sind, macht uns eben dasjenige klar, aus dem wir herauskommen, wenn wir zur Geburt hin auf die Erde eilen, um wiederum ein Erdendasein zu beginnen, nachdem wir eine Zeitlang in der geistig-seelischen Welt gelebt haben.
[ 17 ] With imaginative consciousness, one actually has only a glimpse of what these beings do. I would say that the first stage of supersensible consciousness manifests itself in such a way that these beings, so to speak, project their images onto us. These are the imaginations. Then one reaches a point where images are not merely projected at one, but where images rise and ebb, and in this rising and ebbing the actions of the beings take place. But we ourselves are now within this world of unfolding spirituality. When consciousness breaks through, we are in a state in which we are as free from the body as we are for ordinary consciousness during dreamless sleep; we are in fact part of such a world in which spiritual acts take place. This world, in which spiritual deeds take place and into which we ourselves are woven, makes clear to us precisely that from which we emerge when we hasten toward birth on Earth to begin an earthly existence once again, after having lived for a time in the spiritual-soul world.
[ 18 ] Es ist im Grunde genommen der Antritt des Erdendaseins bei der Geburt das Auslöschen dieser Welt. Der Mensch kehrt ja jedesmal beim Einschlafen in diese Welt zurück, aber es ist die innere Aktivität des Astralischen und des Ich in ihm so schwach geworden im Laufe des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, daß er genötigt ist, den tiefsten Wunsch, die tiefste Sehnsucht zu haben, daß ihm etwas zu Hilfe kommt, denn er würde im geistigen Nichtstun ersterben müssen, wenn die Geburt wiederum heranrückt und ihm nicht etwas zu Hilfe kommen würde.
[ 18 ] Essentially, the beginning of earthly existence at birth marks the end of this world. After all, every time a person falls asleep, they return to this world, but the inner activity of the astral body and the “I” within him has become so weak in the course of life between death and a new birth that he is compelled to harbor the deepest desire, the deepest longing, for something to come to his aid; for he would have to perish in spiritual inactivity if birth were to approach again and nothing were to come to his aid.
[ 19 ] Nehmen wir also an, der Mensch hat sich hindurchentwickelt vom Tode an durch die geistigen Geschehnisse hindurch. Anfangs ist sein Bewußtsein sehr lebendig, erinnert sogar in den ersten Zeiten an das Erdenbewußtsein. Dann steigt er immer mehr und mehr auf, indem sein Bewußtsein eben teilnimmt an den geistigen Taten. Aber dieses Bewußtsein schwächt sich dann später ab. Der Mensch kommt, wenn die Zeit für eine Erdengeburt wiederum herannaht, in einen Zustand als seelisches Wesen, der sich nur vergleichen läßt, wenn wir ihn durch etwas, was auf der Erde da ist, charakterisieren wollen, mit jemandem, der beginnt an Gedächtnisschwund zu leiden, der also gewissermaßen schnappt nach seinen Erinnerungen und sie nicht finden kann. So schnappt der Mensch, wenn das Erdenleben wiederum herankommt, nach Realität, nach Erfülltsein mit Realität. Denn stark ist in diesem Momente sein Gefühls-, sein Willensleben, aber die Vorstellungen sind dumpf, er kommt zu keinem inneren Inhalte. Er schnappt gewissermaßen nach den Vorstellungen, die immer dumpfer und dumpfer werden, während der Wille immer mächtiger und mächtiger wird. Und dieser Wunsch, der treibt ihn nun zu der Erdenverkörperung hin, zu einem Erdenorganismus, der ihm durch die Vererbungsströmung gegeben wird. Den kann er jetzt als Werkzeug gebrauchen, der gibt ihm die Möglichkeit, wiederum zu denken, allerdings jetzt nur zu denken über eine physische Außenwelt, aber doch das Vorstellungsleben wiederum zu entfalten, das dumpf geworden ist. Durch diesen Wunsch also, wiederum denken zu können, kommt der Mensch in die physische Erdenverkörperung herein. Und da geht er durch den Schlafzustand durch, in dem er sich langsam dazu entwickelt, nun auch als geistigseelisches Wesen wiederum leben zu können, wenn er durch die Todespforte durchgeht, und eben den Kreislauf aufs neue zu beginnen.
[ 19 ] Let us assume, then, that human beings have evolved from death onward through spiritual events. At first, their consciousness is very vivid, even resembling earthly consciousness in the early stages. Then they ascend higher and higher as their consciousness participates in spiritual activities. But this consciousness later weakens. When the time for another earthly birth approaches, the human being enters a state as a soul being that—if we wish to characterize it using something that exists on Earth—can only be compared to someone who is beginning to suffer from memory loss, who, so to speak, reaches for their memories and cannot find them. Thus, as earthly life approaches once more, the human being reaches out for reality, for a sense of being filled with reality. For at this moment, their emotional and volitional life is strong, but their concepts are dull; they cannot access any inner content. They reach out, as it were, for concepts that grow ever duller and duller, while the will becomes ever more powerful. And this desire now drives him toward earthly incarnation, toward an earthly organism that is given to him through the currents of heredity. He can now use this as a tool; it gives him the opportunity to think once more—albeit now only about a physical external world—but nevertheless to unfold once more the life of imagination that has grown dull. It is through this desire, then, to be able to think again, that the human being enters into physical embodiment on Earth. And there he passes through the state of sleep, in which he slowly develops the ability to live once more as a spiritual-soul being when he passes through the gate of death, and thus to begin the cycle anew.
[ 20 ] Was man nunmehr erfährt, indem man sich im leibfreien Zustand erhebt zu dieser Wahrnehmung der Welt, die einem sich in Inspiration ergibt, das ist das ganze Geheimnis eben von dem, wie der Mensch lebt in einer übersinnlichen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt: wie diese übersinnliche Welt wirklich ist.
[ 20 ] What one now comes to know by rising, in a state of disembodiment, to this perception of the world that reveals itself to one through inspiration—that is the very secret of how a human being lives in a supersensible world between death and a new birth: what this supersensible world is really like.
[ 21 ] Einiges davon, wie der Mensch wiederum hinkommt zu einer Erdenverkörperung, habe ich ja geschildert in dem Wiener Zyklus von 1914, «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt». Steigt man jetzt noch weiter auf, dann ergibt sich einem dasjenige, wovon eigentlich im gewöhnlichen Bewußtsein von den Menschen nichts gewußt wird. Wir haben im Wachzustand drei deutlich voneinander unterschiedene Seelenzustände: Denken, Fühlen, Wollen. Wir haben auch drei solche Zustände im Schlafen. Aber es wird gewöhnlich nur zwischen den zweien unterschieden, demjenigen, wo der Schlaf so dünn wird, möchte ich sagen, daß wir träumen können, dem leisesten Schlaf, und dem traumlosen Schlaf. Aber die wenigsten Menschen wissen, daß man, wenn man den leisen Schlaf der Träume vergleichen kann mit dem Denken des Wachens, und den traumlosen Schlaf mit dem Fühlen des Wachens, daß es dann noch zu einem Tiefschlaf kommt. Es wird eben verschlafen dieser Unterschied zwischen dem mittleren Schlafzustand und jenem Tiefschlaf, der sich dann mit dem Wollen des Wachzustands vergleichen läßt. Aber diesen Tiefschlafzustand gibt es auch.
[ 21 ] I have already described some of this—how a human being comes to incarnate on Earth once again—in the 1914 Vienna Cycle, “The Inner Being of the Human Being and Life Between Death and Rebirth.” If we now ascend even further, we encounter that which is actually unknown to people in their ordinary consciousness. In the waking state, we have three distinct states of the soul: thinking, feeling, and willing. We also have three such states during sleep. But usually, a distinction is made only between the two: the state where sleep becomes so light—I would say—that we can dream, the lightest sleep, and dreamless sleep. Yet very few people realize that if one compares the light sleep of dreaming to thinking in the waking state, and dreamless sleep to feeling in the waking state, there is still a deeper stage of sleep beyond that. This distinction between the intermediate state of sleep and that deep sleep—which can then be compared to the volition of the waking state—is simply overlooked. But this state of deep sleep does exist as well.
[ 22 ] Manche Menschen werden ganz gewiß dazu kommen, wenigstens im Aufwachen einen gewissen Unterschied zu bemerken. Es kommt ja durchaus vor, daß der Mensch solche Nächte durchmacht, in denen er nur die zwei Schlafzustände absolviert, in denen er nur erlebt den Traumschlaf und den traumlosen Schlaf, aber nicht den tieferen Schlaf, der sich deutlich von dem bloßen traumlosen Schlaf unterscheidet. Im Aufwachen, sagte ich, werden manche Menschen schon bemerken, wenn sie manchmal aus dem Schlafe auftauchen, indem sie sich ganz wie erneut fühlen, daß sie schon aus tieferen Wesenheitsregionen heraufgehen, als das sonst der Fall ist. Es ist nötig, diesen Unterschied anzugeben, der, wie gesagt, im gewöhnlichen Bewußtsein nicht berücksichtigt wird. Das ist so: Wenn wir im Traumschlafe sind, dann leben wir eigentlich in einer Welt — wir sind ja außerhalb unseres physischen und unseres Ätherleibes —, welche durchaus sich vergleichen läßt mit jener Welt, die sich sonst unsichtbar abspielt in der Erdenumgebung, da, wo die Blüten der Pflanzen sich entfalten, in Wechselwirkung treten mit dem Sonnenlichte. Dieses Weben und Leben der blühenden Pflanzen, das entgeht ja dem gewöhnlichen Bewußtsein. Aber in diese Welt — es ist ja diejenige Welt, die am nächsten angrenzt an die gewöhnliche Tageswelt — taucht der Mensch zuerst unter. Sie ist ja auch wiederum überall, und indem er untertaucht in diese Welt, lebt er im Traumschlafe.
[ 22 ] Some people will certainly come to notice a certain difference, at least upon waking. It certainly happens that a person goes through nights in which they experience only the two stages of sleep—dream sleep and dreamless sleep—but not the deeper sleep that is clearly distinct from mere dreamless sleep. Upon waking, as I said, some people will already notice—when they sometimes emerge from sleep feeling completely renewed—that they are rising from deeper regions of their being than is usually the case. It is necessary to point out this difference, which, as I said, is not taken into account in ordinary consciousness. It is like this: When we are in dream sleep, we actually live in a world—since we are outside our physical and etheric bodies—that can certainly be compared to that world which otherwise unfolds invisibly in the earthly environment, where the blossoms of plants unfold and interact with the sunlight. This weaving and life of the flowering plants, of course, escapes ordinary consciousness. But it is into this world—which is, after all, the world closest to the ordinary waking world—that the human being first plunges. It is, in turn, everywhere, and as the human being plunges into this world, he lives in the state of dream sleep.
[ 23 ] Der tiefere, traumlose Schlaf ist dann der, in welchem der Mensch untertaucht in eine Welt, die um uns herum im Innern der Pflanzen sein würde. Wir sind durchaus in einer solchen Welt, wenn wir traumlos schlafen, wie wir wären, wenn wir als Geister in das Innere der Pflanzen kriechen könnten.
[ 23 ] The deeper, dreamless sleep is the one in which a person immerses themselves in a world that would exist all around us, inside the plants. We are indeed in such a world when we sleep without dreams, just as we would be if we could crawl into the interior of the plants as spirits.
[ 24 ] Wenn wir aber in jenem tieferen Schlafe sind, der ein dritter Schlafzustand ist, dann sind wir vollständig untergetaucht in das mineralische Reich. Dann gehen auch die mineralischen Prozesse — die frühere Alchimie hat sie die Versalzungsprozesse genannt — im menschlichen Organismus am stärksten vor sich. Dann ist gewissermaßen der Mensch nicht nur dem pflanzlichen Sein, sondern er ist dem mineralischen Sein hingegeben.
[ 24 ] But when we are in that deeper sleep—which is a third state of sleep—we are completely immersed in the mineral kingdom. It is then that the mineral processes—which early alchemy called the “salting processes”—are most active in the human organism. In a sense, the human being is then devoted not only to plant life but also to mineral life.
[ 25 ] Dem, der bewußt eintreten kann in diese Welt, in der der Mensch sonst in diesem tiefsten Schlafzustande ist, wird wirklich klar, was im Innern der Mineralien lebt. Und wenn der Mensch in einer Welt lebt, wie die ist im Innern der Mineralien, ist ihm so, wie wenn er, während er sonst immer ein Mineral von außen anschaut, es nun von innen anschaut. Sie werden nachfühlen, daß das gesagt sein wollte in einer gewissen Schilderung des Geisterlandes in meiner «Theosophie». In dieser Schilderung des Geisterlandes werden Sie durchaus diese Umkehrung finden. Und indem der Mensch sich in diese Umkehrung hineinlebt, lebt er sich in diejenige Welt hinein, in welcher er Anteil nehmen kann nicht nur an den Taten der höheren Hierarchien, sondern an den Wesen der höheren Hierarchien, wo er die Wesen der höheren Hierarchien so kennenlernen kann, wie er hier Menschen ihren Seeleneigenschaften nach in der physischen Welt wahrnimmt. Da sind wir nicht mehr in der inspirierten Welt, da sind wir in der Welt der Intuition. Da geben wir uns nicht nur den Handlungen, den Geisthandlungen der geistigen Wesenheiten hin, sondern dem Wesen dieser Wesenheiten selber.
[ 25 ] To those who can consciously enter this world—in which human beings are otherwise in this deepest state of sleep—it becomes truly clear what lives within the minerals. And when a person lives in a world such as that which exists within the minerals, it is as if, whereas they would otherwise always view a mineral from the outside, they now view it from the inside. You will sense that this was what I intended to convey in a certain description of the spirit realm in my Theosophy. In this description of the spirit realm, you will certainly find this reversal. And as a human being immerses themselves in this reversal, they immerse themselves in that world in which they can participate not only in the deeds of the higher hierarchies but also in the beings of the higher hierarchies—where they can come to know the beings of the higher hierarchies just as they perceive human beings here in the physical world according to their soul qualities. There we are no longer in the world of inspiration; there we are in the world of intuition. There we surrender ourselves not only to the actions—the spiritual actions—of the spiritual beings, but to the very essence of these beings themselves.
[ 26 ] Dann sind wir aber auch in derjenigen Welt, in welcher für uns das Karma Tatsächlichkeit wird. Der Mensch würde jedesmal, wenn er in diesen dritten Schlafzustand kommt, wenn er plötzlich bewußt werden könnte, sein Karma wahrnehmen. Er würde wahrnehmen, wie die verflossenen Erdenleben in das gegenwärtige Erdenleben hereinspielen. Der Mensch erlebt sein Karma im Tiefschlafe, und er trägt auch die Ergebnisse dieses Erlebnisses herein in den physischen Leib. Aber der physische Leib ist nicht geeignet zum Wahrnehmen von etwas Derartigem. Er hat dazu zunächst keine Organe. So, wie er die Augen zum Schauen nach außen, die Ohren zum Hören nach außen entwickelt, so müßte er nach innen Wahrnehmungsorgane entwickeln.
[ 26 ] But then we are also in that world in which karma becomes a reality for us. Every time a person enters this third state of sleep, if they were suddenly able to become conscious, they would perceive their karma. They would perceive how past earthly lives influence their present earthly life. A person experiences their karma during deep sleep, and they also carry the results of this experience into the physical body. But the physical body is not suited to perceiving anything of this kind. It lacks the necessary organs for this. Just as a person develops eyes to see outwardly and ears to hear outwardly, so too would they have to develop organs of perception directed inward.
[ 27 ] Diese Wahrnehmungsorgane nach innen würden ihn aber, wenn er sie entwickeln würde, wenn er also körperlich nach innen schauen müßte, töten, denn der menschliche Organismus kann nicht leben, wenn er die Kräfte, die zur Bildung der Sinnesorgane führen, nach innen schickt. Würde er sie nach innen schicken, so würde er gewissermaßen mit physischen Organen sein Karma sehen können. Man kann es nur mit geistigen Organen sehen, eben im intuitiven Erkennen.
[ 27 ] However, these inward-directed organs of perception would kill him if he were to develop them—that is, if he were forced to look inward physically—because the human organism cannot survive if it directs the forces that lead to the formation of the sense organs inward. If he were to direct them inward, he would, so to speak, be able to see his karma with physical organs. One can see it only with spiritual organs, namely through intuitive cognition.
[ 28 ] Aber wir sehen daraus, daß der Mensch während seines Erdenlebens sowohl in denjenigen Kräften lebt, welche seine Umgebung bilden in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die in ihm arbeiten, um ihn dann in einen physischen Erdenleib einzugliedern, wie er auch in derjenigen Welt lebt, in der sich von Erdenleben zu Erdenleben sein Schicksal abspielt. Dieses Schicksal wird uns für das gewöhnliche Bewußtsein zugehüllt, weil eben der Mensch, wenn er unvorbereitet dieses sein Schicksal wahrnehmen würde, in einen ganz besonderen Zustand kommen würde.
[ 28 ] But we can see from this that during their earthly life, human beings live both within the forces that constitute their environment—forces that are at work within them in the time between death and a new birth, preparing them to be incorporated into a physical earthly body—and within the world in which their destiny unfolds from one earthly life to the next. This destiny is veiled from our ordinary consciousness, because if a person were to perceive this destiny of theirs unprepared, they would enter a very special state.
[ 29 ] Wenn der Mensch sein Schicksal wahrnehmen könnte, ohne daß er dazu Übungen macht — es kann ja nicht eintreten, aber ich will es hypothetisch voraussetzen —, so würde aus dieser Wahrnehmbarkeit sogleich in ihm der Wunsch entstehen, gewissermaßen nach innen hin wahrnehmende Organe auszubilden. Er würde gewissermaßen Augen und Ohren, die nach innen sehen und hören, ausbilden wollen. Das würde aber Kräfte bedeuten für seinen Organismus. Er würde nicht nur aufwachen so, wie er jetzt aufwacht, sondern er würde sich aus dem Schlafe die Kräfte mitbringen, seinen Organismus nach innen umzubilden. Das heißt, er würde seinen Organismus töten.
[ 29 ] If a person could perceive his destiny without having to practice—which, of course, cannot happen, but let me assume it hypothetically—then this ability to perceive would immediately give rise within him to the desire to develop, so to speak, organs of perception directed inward. He would, so to speak, want to develop eyes and ears that see and hear inwardly. But that would require energy from his organism. He would not merely wake up as he does now, but would bring with him from sleep the energy needed to transform his organism inwardly. In other words, he would kill his organism.
[ 30 ] Der menschliche Organismus ist eben so eingerichtet, daß das Geistig-Seelische, der Astralleib und das Ich, nur für einen Augenblick untertauchen können in den Ätherleib; dann müssen sie sogleich untertauchen in den physischen Leib, nachdem durch das Untertauchen in den Ätherleib’Traumbilder aufgestiegen sind. Aber auch da muß gleich der Ätherleib hergeben das, was Inhalt der Bilder ist. Da kann der Mensch nicht hereinnehmen dasjenige, was er sonst draußen erlebt. Dann muß er untertauchen in seinen physischen Leib, den er so lassen muß, wie der physische Leib ist, dem er sich hingeben muß, indem er sich entschlossen hat, ihn zu gebrauchen, als er heruntergestiegen ist aus der geistig-seelischen Welt, eben um sich eines physischen Leibes und seiner Organe zu bedienen. Dasjenige, was da jenseits der Schwelle liegt, was unwahrnehmbar ist, aber doch durchlebt wird, das ist im gewissen Sinne durchaus ein Abglanz desjenigen, was wir durchmachen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 30 ] The human organism is structured in such a way that the spiritual-soul aspects—the astral body and the “I”—can only submerge into the etheric body for a moment; then they must immediately submerge into the physical body, after dream images have risen as a result of the immersion into the etheric body. But even then, the etheric body must immediately relinquish what constitutes the content of the images. There, the human being cannot take in what he otherwise experiences outside. Then he must submerge into his physical body, which he must accept as it is—the physical body to which he must surrender himself, having resolved to use it when he descended from the spiritual-soul world, precisely in order to make use of a physical body and its organs. That which lies beyond the threshold—which is imperceptible but is nevertheless experienced—is, in a certain sense, very much a reflection of what we go through between death and a new birth.
[ 31 ] Durch eine solche Betrachtung ergibt sich erst das Bild des vollständigen Menschen. Und es ergibt sich zu gleicher Zeit, daß der Mensch, so wie er im physischen Erdenleben wachend ist, geistig ein so schwaches Wesen ist, daß er im dumpfen Schlafe durch die Welt strömen würde, wenn ich so sagen darf, ohne irgend etwas wahrzunehmen, wenn er sich nicht seines physischen Leibes bediente, um wahrzunehmen. Der Mensch kann zwischen Geburt und Tod eigentlich nur so angesehen werden, daß sein Seelisches in einem dumpfen Zustande lebt und erst sich innerlich selbst erhellt, wenn es sich des Leibes bedient. Das ist die relative Berechtigung des Materialismus, der durchaus relativ berechtigt ist für das Erdenleben, denn dasjenige, was eigentlich geistig-seelisch ist, bleibt für das Erdenleben dumpf.
[ 31 ] Only through such a perspective does the image of the complete human being emerge. And it becomes clear at the same time that human beings, as they are awake in their physical earthly life, are spiritually such weak beings that they would drift through the world in a dull sleep—if I may put it that way—without perceiving anything at all, were it not for the fact that they make use of their physical body to perceive. Between birth and death, a human being can really only be viewed as having a soul that lives in a dull state and only illuminates itself inwardly when it makes use of the body. This is the relative justification for materialism, which is indeed relatively justified for earthly life, for that which is actually spiritual and soul-related remains dull in earthly life.
[ 32 ] Nun können wir fragen: Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, noch etwas schärfer hinzuschauen auf dasjenige, was da als Geistig-Seelisches lebt und teilnimmt an der Welt, wie ich sie Ihnen beschrieben habe, teilnimmt an einer Welt flutender Bilder, abglänzender, ab- und auftönender, abtönender und wiederaufglänzender Bilder, in die sich aber auch — Sie kennen das aus meiner Beschreibung in der «Geheimwissenschaft» — hineinmischt, was sich mit Geschmackswahrnehmungen und so weiter vergleichen läßt in der physischen Welt. In dieser Welt lebt der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Aus dieser Welt heraus kann ihm auch die Kunde werden, wenn das Bewußtsein in ihm verstärkt wird, wie sein Karma liegt, wie sein Schicksal ist, wie es sich abspielt von Erdenleben zu Erdenleben.
[ 32 ] Now we might ask: Is there perhaps a way to look even more closely at that which lives as a spiritual-soul element and participates in the world as I have described it to you—participates in a world of flowing images, images that fade, dim, and brighten, fade again and shine anew—into which, however, — as you know from my description in Occult Science — what can be compared to perceptions of taste and so on in the physical world. In this world, the human being lives from the moment of falling asleep until waking up. From this world, too, the human being can receive knowledge—when consciousness within him is strengthened—of the nature of his karma, the nature of his destiny, and how it unfolds from one earthly life to the next.
[ 33 ] Aber wie man genauer in diese Welt hineinsehen kann, das kann man bemerken, wenn man zunächst auf diejenigen Wesen hinschaut, die im Erdenleben im wesentlichen den astralischen Leib, nicht ein ausgesprochenes Ich im Erdenleben haben. Das sind die Tiere. Diese Tiere haben ja auch Schlafen und Wachen. Wenn man an den Tieren nun das Schlafen betrachtet, dann stellt sich folgendes heraus. Nehmen wir also ein einschlafendes Tier. Der astralische Leib bewegt sich heraus. Dieser astralische Leib, indem er sich herausbewegt aus dem Tiere, wird sogleich aufgenommen von einer Welt, die sich dann für die Wahrnehmungen darstellt als diese flutende Welt von herankommenden, wieder verschwindenden Imaginationen, von Tönungen. Dann wiederum, beim Aufwachen, zieht sich das zurück in das Tier. Aber wenn wir genauer zuschauen, so bewegt sich doch, während das Tier schläft, dieses flutende Imaginationsleben mit den Tönungen in der irdischen Luft. Von dem Momente an, wo das Tier aufwacht, bewegt sich das Seelische auf den Wellen des Atmungsprozesses, durch die Atmungsorgane im weitesten Sinne wiederum zurück in den tierischen Leib. Dann regt es die Sinne an, daß die teilnehmen an diesem Leben. Aber beim Aufwachen ist es im wesentlichen ein Hereinfluten des Seelischen, wobei die Hautatmung natürlich durchaus berücksichtigt werden muß, aber man hat den Herausgang durch die Atmungsvorgänge, und dann den Hineingang wiederum durch die Atmungsorgane. Hat man das einmal geschaut, dann beginnt man auch zu verstehen, wie der astralische Leib, wenn das Tier erst entsteht, im Embryonalleben sich mit dem Tier vereinigt. Er vereinigt sich so, daß man sagen möchte: Es ist die Umkehrung des Prozesses, bei dem der Astralleib auf den Wogen des Atems nach auswärts geht. Er geht nach innen und baut sich erst plastisch nach innen den Leib auf.
[ 33 ] But one can gain a clearer insight into this world by first observing those beings who, in their earthly existence, essentially possess an astral body but not a distinct “I.” These are the animals. These animals, too, experience sleep and wakefulness. If we now consider sleep in animals, the following becomes apparent. Let us take, for example, an animal falling asleep. The astral body moves out. As this astral body moves out of the animal, it is immediately absorbed by a world that then presents itself to the animal’s perceptions as a flowing world of images that appear and disappear, of tonal hues. Then again, upon waking, it withdraws back into the animal. But if we look more closely, we see that while the animal sleeps, this flowing life of imagination, with its hues, moves through the earthly air. From the moment the animal wakes up, the soul moves back into the animal’s body on the waves of the respiratory process, through the respiratory organs in the broadest sense. It then stimulates the senses, causing them to participate in this life. But upon waking, it is essentially a flowing in of the soul, whereby skin respiration must of course be taken into account; yet there is the outflow through the respiratory processes, and then the inflow again through the respiratory organs. Once one has observed this, one also begins to understand how the astral body, when the animal first comes into being, unites with the animal during embryonic life. It unites in such a way that one might say: It is the reversal of the process in which the astral body moves outward on the waves of the breath. It moves inward and first builds up the body plastically from within.
[ 34 ] Wenn Sie dies beachten, daß das Tier eigentlich seine Gestalt von seinem Atmungsorgan erhält, so werden Sie viel verstehen lernen von den Formungen des Tieres. Sehen Sie sich Tiere an, wie sie die Folge sind ihrer Atmungsorgane im weiteren Sinne. Es ist aber nur die Art, wie sich das Seelische der Tiere in sie einlebt. Vergleichen Sie, sagen wir, ein Rüsseltier mit irgendeinem Tiere, dessen Kopforgane mehr mundförmig, nicht rüsselförmig gebildet sind. Die ganze übrige Gestalt des Tieres ist darnach gebildet, und die Art und Weise, wie das Tier atmen kann, ist maßgebend für seine Gestalt. Es lebt das Seelische auf den Wogen des von dem Tier aufgenommenen Luftartigen.
[ 34 ] If you bear in mind that an animal actually derives its form from its respiratory organ, you will come to understand much about the animal’s form. Observe animals as they are shaped by their respiratory organs in the broader sense. But this is merely the way in which the animals’ spiritual nature takes root within them. Compare, for example, a proboscidean with any animal whose head organs are shaped more like a mouth than a proboscis. The rest of the animal’s form is shaped accordingly, and the way the animal breathes determines its form. The soul lives on the waves of the airy element taken in by the animal.
[ 35 ] Wenn wir den Menschen anschauen, so tritt noch etwas anderes ein. Der Mensch hat, auch wenn er als Kind noch nicht sprechen kann, die Möglichkeit zu sprechen. Daraufhin sind seine Atmungsorgane schon zubereitet. Sie sind anders als die Atmungsorgane des Tieres. Durch diese Form der Atmungsorgane kann die Luft in einer Weise eingehen, daß nun nicht nur ein astralischer Leib, sondern ein Ich den Menschen auskleiden kann, von dem Menschen Besitz nehmen kann.
[ 35 ] When we look at human beings, something else comes into play. Even though a child cannot yet speak, the human being has the capacity to speak. His respiratory organs are already prepared for this. They differ from the respiratory organs of animals. The structure of these respiratory organs allows air to enter in such a way that not only an astral body but also an “I” can inhabit the human being, can take possession of him.
[ 36 ] Wer das durchschaut, der lernt allerdings die Wahrheit kennen: Das Tier wird von seinen Atmungsorganen im weitesten Sinne zu seiner Gestalt gebildet, der Mensch aber wird von der zur Sprache, zum Worte modifizierten Atmung zu seiner Gestalt gebildet. In dem Menschen wird das Wort im buchstäblichen Sinne Fleisch, seine Gestalt ist ein Ergebnis des Wortes. Ich habe vorhin geschildert, wie die menschlichen Seelen sich zwischen den Wesenheiten der übersinnlichen Welten bewegen. Die menschlichen Seelen gehören ja zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, diesen selben Welten an wie die höheren geistigen Wesenheiten. Wenn wir diese Menschenseelen betrachten, so ist es tatsächlich so, daß sie sich in einer Weise bewegen, die dann übergehen kann auf die Wogen der Luft, und dasselbe, was der Mensch entfaltet, wenn er spricht, diese Art der Luftbewegung, die er entfaltet, wenn er spricht, die entfaltet sich auch in seinem Einatmen, die gestaltet ihn, wenn sie in ihn hineingeht. Man kann tatsächlich, gewissermaßen auf den Luftwogen schwimmend, die menschlichen Seelen auf diese Art erblicken. Das rührt davon her, daß das Ich nicht bloß die Luft erfaßt. Bei dem Tiere ist der Astralleib da, der erfaßt die Luft, und erfaßt die Luft mit ihren Wärmezuständen. Der menschliche Astralleib erfaßt dieLuft, vermag sich auf den Wellen der Luft zu bewegen, aber er erfaßt extra die Wärme, den Wärmeäther. Indem also das Ich auf den Wellen des Wärmeäthers noch extra durch die Welt hinströmt, tingiert es die Atmung, wird von innen nach außen zur Sprache, von außen nach innen zur Menschengestalt. Erfaßt man das Konkrete des Sprachlebens, dann lernt man in dem Sprachleben, in dem kosmischen Bilden der Worte erkennen, was gestaltenbildend in den Menschen eintritt, was plastisch wirkt namentlich im Embryo und dann im Kinde, indem der Mensch sich durch innerliche Kräfte, plastisch wirkend, seine Gestalt gibt. Und dieser Zusammenhang zwischen dem Worte und der menschlichen Gestalt ist etwas, wovon man als einem durchaus Realen sprechen kann, weil man es in der Weise, wie ich es Ihnen jetzt geschildert habe, erschaut.
[ 36 ] Whoever sees through this, however, comes to know the truth: The animal is shaped into its form by its respiratory organs in the broadest sense, whereas the human being is shaped into his form by respiration modified into speech and the word. In the human being, the word literally becomes flesh; his form is a result of the word. I described earlier how human souls move among the beings of the supersensible worlds. Between death and a new birth, between falling asleep and waking up, human souls belong to these same worlds as the higher spiritual beings. When we observe these human souls, it is indeed the case that they move in a way that can then transition into the waves of the air; and the very same thing that a human being manifests when speaking—this kind of air movement that he manifests when speaking—also unfolds in his inhalation, shaping him as it enters him. One can indeed perceive human souls in this way, as if they were floating, so to speak, on the waves of the air. This stems from the fact that the “I” does not merely perceive the air. In animals, the astral body is present; it perceives the air and perceives the air with its states of warmth. The human astral body perceives the air and is able to move on the waves of the air, but it also specifically perceives warmth—the warmth ether. Thus, as the “I” flows through the world on the waves of the warmth ether, it colors the breath, becoming speech from the inside out and the human form from the outside in. If one grasps the concrete reality of speech life, then one learns to recognize in speech life—in the cosmic formation of words—what enters into human beings as formative, what acts plastically, particularly in the embryo and then in the child, as the human being gives itself form through inner forces that act plastically. And this connection between the word and the human form is something that can be spoken of as thoroughly real, because one can perceive it in the way I have just described to you.
[ 37 ] Man kann auch noch das Folgende bemerken. Wenn Sie den einschlafenden Menschen nehmen, so bewegt sich sein astralischer Leib auf den Wogen der Luft und bleibt innerhalb des Luftraumes; sein Ich geht ins Unbestimmte fort, verschwindet gewissermaßen in den Wärmezuständen der Außenwelt. In Wärmeäther und Luft vermag schon die Seele zu leben während der Zeit, während der der Mensch zwischen dem Einschlafen und Aufwachen ist, Und so haben wir den physischen Leib des Menschen, der eigentlich ganz der Erde angehört, den Ätherleib des Menschen, der dem wässerigen, dem flüssigen Elemente der Erde angehört, der zu diesem eine besondere Beziehung hat, den Astralleib, der dem luftartigen Elemente angehört, und das Ich, das dem Wärmeelemente, dem Feuerelement angehört. Und das ist es, was man nun wiederum auch wahrnehmen kann, wenn gewissermaßen das Weltenwort einzieht in den Menschen und zusammenholt die Kräfte der Luft, der Wärme, sie verbindet mit den Kräften des Wassers und der Erde. Das alles ist ein Wechselspiel von Kräften, das dann von dem Inner-Seelischen entfaltet wird, wenn der Mensch aus der geistig-seelischen Welt heruntersteigt zu einem Erdendasein.
[ 37 ] One can also note the following. When a person falls asleep, their astral body moves upon the waves of the air and remains within the airspace; their “I” drifts off into the indefinite, disappearing, as it were, into the thermal states of the external world. The soul is already able to live in the warmth ether and the air during the time when the person is between falling asleep and waking up, And so we have the human physical body, which actually belongs entirely to the Earth; the human etheric body, which belongs to the watery, liquid element of the Earth and has a special relationship to it; the astral body, which belongs to the airy element; and the “I,” which belongs to the element of warmth, the element of fire. And this is what one can perceive, in turn, when, so to speak, the world word enters into the human being and gathers together the forces of air and warmth, connecting them with the forces of water and earth. All of this is an interplay of forces that is then unfolded by the inner soul when the human being descends from the spiritual-soul world into an earthly existence.
[ 38 ] Diese Dinge können natürlich nur innerlich angeschaut werden, aber sie können wirklich innerlich angeschaut werden. Und man möchte sagen: Es ist ja schwierig, weil die heutige Sprache eigentlich ganz für den Materialismus und für eine materialistische Weltanschauung gebildet ist, sich in den Worten der gegenwärtigen Sprachen auszudrücken, aber indem es immer mehr und mehr gelingen muß, dasjenige, was da erschaut wird, wirklich so in Worte zu kleiden, daß daraus überschaubare Gedanken sich einleben können in die menschlicheSeele, wird für jeden begreiflich werden, was mit der Einweihungswissenschaft über die höhern Welten gesagt werden kann. Es ist tatsächlich so, daß ja nur durch übersinnliche Forschung diese Dinge gefunden werden können, aber die übersinnliche Forschung ist nicht notwendig, um diese Dinge zu begreifen.
[ 38 ] These things can, of course, only be contemplated inwardly, but they can truly be contemplated inwardly. And one might say: It is difficult, because today’s language is actually shaped entirely by materialism and a materialistic worldview, to express oneself in the words of contemporary languages, but as we increasingly succeed in truly putting into words what is perceived there—so that comprehensible thoughts can take root in the human soul—it will become clear to everyone what the science of initiation has to say about the higher worlds. It is indeed true that these things can only be discovered through supersensible research, but supersensible research is not necessary in order to understand them.
[ 39 ] Ich habe das öfters damit verglichen, daß ich sagte, man kann ein Bild ästhetisch genießend beurteilen, ohne daß man selber ein Maler ist. So kann man auch die Geisteswissenschaft, die Anthroposophie, beurteilen, ohne daß man selber ein Forscher ist, obwohl das heute bis zu einem gewissen Grade durch die Anleitungen in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und so weiter jeder werden kann, so daß er auch schon bis zur Kontrolle der geisteswissenschaftlichen Forschungsergebnisse kommen kann. Aber den eigentlichen Wert für das Leben bekommt der Inhalt der geistigen Wahrheiten nicht dadurch, daß man die Dinge erforscht, sondern dadurch, daß man sie versteht, daß man sie in sich aufnimmt.
[ 39 ] I have often compared this by saying that one can appreciate a painting aesthetically without being a painter oneself. In the same way, one can also evaluate spiritual science—anthroposophy—without being a researcher oneself, although today, to a certain extent, anyone can become one through the instructions in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds and so on, so that they can even go so far as to verify the results of spiritual scientific research. But the content of spiritual truths does not derive its true value for life from the fact that one investigates these things, but rather from the fact that one understands them, that one takes them into oneself.
[ 40 ] Wer nun wirklich diejenigen Ideen aufnimmt, in die wahre Geistesforschung gekleidet wird, von dem kann man sagen: Er hat schon, auch wenn er nur den gewöhnlichen gesunden Menschenverstand hat, die Möglichkeit, diese Dinge in sich aufzunehmen, so wie auch derjenige den Geschmack vom Zucker hat, der nicht die chemische Zusammensetzung des Zuckers kennengelernt hat. Dasjenige, was man vom Zucker haben soll, das hat man unabhängig davon, ob man die chemische Zusammensetzung weiß oder nicht. So ist es auch mit den übersinnlichen Wahrheiten. Das, was man von ihnen haben soll, das hat man durch die Einkleidung in die Ideenwelt, da nimmt man sie auf. Das andere ist etwas, was ja geschehen muß, um sie zu erlangen, aber was einem ebensowenig hilft, als wenn ich einem Kinde sagen würde: Ich will dir keinen Zucker geben, aber ich will dir eine Anleitung geben, damit du verstehen kannst, in welcher Weise der Zucker chemisch zusammengesetzt ist. Das Kind wäre nicht zufrieden. Ebensowenig können die Menschen zufrieden sein mit dem bloßen Forschen in die geistigen Welten hinein, sondern es muß erlebt werden die Umsetzung der geistigen Resultate in formulierbare Ideen. Denn die sind erst dasjenige, was dann unser seelisches Wesen so verlebendigen kann, daß wirklich ein Lebensinhalt entsteht durch die Ergebnisse der Anthroposophie.
[ 40 ] Of anyone who truly takes in the ideas embodied in genuine spiritual research, one can say: Even if they possess only ordinary common sense, they already have the capacity to take these things in, just as someone who has not learned the chemical composition of sugar can still taste it. What one is meant to gain from sugar is obtained regardless of whether one knows its chemical composition or not. The same is true of the supersensible truths. What one is meant to gain from them is obtained through their embodiment in the world of ideas; that is how one takes them in. The other aspect is something that must indeed happen in order to attain them, but it is of no more help than if I were to say to a child: “I will not give you any sugar, but I will give you instructions so that you can understand the chemical composition of sugar.” The child would not be satisfied. Nor can people be satisfied with mere exploration of the spiritual worlds; rather, the transformation of spiritual findings into formulable ideas must be experienced. For it is these ideas alone that can then enliven our soul in such a way that a true purpose in life arises from the findings of anthroposophy.
[ 41 ] Wenn dann der Mensch dasjenige aufnimmt, was durch die Anthroposophie gegeben wird — er kann ja zunächst aufnehmen, sagen wir, das, was in Imagination geschildert wird —, dann tut er schon seinem gesunden Menschenverstand ein recht Gutes an, denn seine Persönlichkeit wird freier, innerlich selbständiger. Damit erlangt sie etwas, was man für die Gegenwart und die nächste Zukunft gar sehr brauchen wird. Die Menschen sind heute wirklich recht, recht abhängig von unkontrollierbaren Ideen und so weiter, die sie aufnehmen.
[ 41 ] When a person then takes in what is offered by anthroposophy—and at first, let’s say, they can take in what is described in imagination—they are already doing their common sense a great deal of good, for their personality becomes freer and more independent within. In this way, the personality gains something that will be very much needed in the present and the near future. People today are truly very, very dependent on the uncontrollable ideas and so on that they take in.
[ 42 ] Ich will nur daran erinnern, wie die Menschen, die heute Versammlungen politischer oder anderer Art besuchen, eigentlich bloß eine Hammelherde sind, die auf die Schlagworte, die ihnen von den Rednern entgegengebracht, entgegengeschleudert werden, hineinfallen und ihnen dann nachlaufen. In dieser Beziehung ist ja die heutige Menschheit furchtbar unselbständig. Sie ist auch unselbständig dadurch, daß sie das einmal Festgesetzte eben aufnimmt. Dadurch kommen die Menschen nach und nach überhaupt dahin, gar nicht mehr in Wirklichkeit denken zu können, sondern nur scheinbar zu denken, weil sich ihr Denken nicht mehr, ich möchte sagen, im geistigen Licht sehen lassen kann. Da erlebt man ja sonderbare Dinge.
[ 42 ] I just want to remind you that the people who attend political or other kinds of gatherings today are really nothing more than a flock of sheep that fall for the catchphrases hurled at them by the speakers and then follow them blindly. In this regard, humanity today is terribly lacking in independence. It is also lacking in independence in that it simply accepts whatever has been established. As a result, people gradually reach a point where they can no longer think at all in reality, but only appear to think, because their thinking can no longer, I would say, be seen in the light of the spirit. One experiences strange things there.
[ 43 ] In Anknüpfung an eine Eurythmie-Vorstellung in Berlin zum Beispiel hat neulich ein geistreicher Kritiker sich folgendes geleistet, er hat gesagt: Da haben die nun zuerst ernste Stücke und nachher humoristische Stücke gegeben. Man sieht die Unmöglichkeit der Eurythmie schon daran, daß die humoristischen Stücke mit denselben Bewegungsformen gegeben sind wie die ernsten Stücke.
[ 43 ] Following a eurythmy performance in Berlin, for example, a witty critic recently made the following remark: “First they performed serious pieces, and then humorous ones.” The impossibility of eurythmy is evident from the very fact that the humorous pieces are performed using the same movement forms as the serious pieces.
[ 44 ] Nun hatte man zuerst auseinandergesetzt, daß die Eurythmie eine sichtbare Sprache ist, daß es also wirklich darauf ankommt, den Inhalt, den die Eurythmie gibt, eben einfach als Sprache aufzufassen. Was wäre denn die Konsequenz desjenigen, was so ein geistreicher Kritiker da sagt? Die Konsequenz wäre, daß er sagen müßte: Wenn zum Beispiel ein Deklamator sich der gewöhnlichen Lautsprache bedient, so darf er für irgendeine, zum Beispiel die deutsche Sprache, die ernsten Gedichte nicht mit denselben Lauten vortragen, mit denen er die komischen Gedichte vorträgt. Darin müßte er ebenso einen Widerspruch finden, wie wenn bei der sichtbaren Sprache dieselben Bewegungen auftreten für die komischen und für die ernsten, für die seriösen Gedichte. Es ist also ein absoluter Unsinn. Die Leute lesen das, merken aber gar nicht, daß das gar keine Gedanken mehr sind, sondern daß das nur ein Abrollen von Gehirnprozessen ist, die sich als Gedanken zwar spiegeln, aber keine Gedanken mehr sind, es ist die absoluteste Torheit. An so etwas zeigt sich, wie die Menschen ihre innere Aktivität verloren haben. Das wirkliche Leben in Gedanken, das muß gerade dadurch kommen, daß die Menschen sich einleben in das imaginative Leben und was aus dem imaginativen Leben kommt, mit dem gesunden Menschenverstand verfolgen. Der Mensch wird dadurch aktiver, er wird wiederum im vollsten Sinne des Wortes eine Persönlichkeit.
[ 44 ] It had first been discussed that eurythmy is a visible language, and that it is therefore truly essential to understand the content conveyed by eurythmy simply as language. What, then, would be the logical consequence of what such a witty critic is saying? The consequence would be that he would have to say: If, for example, a reciter uses ordinary spoken language—say, the German language—he must not recite serious poems with the same sounds he uses to recite comic poems. He would have to see this as just as much of a contradiction as if, in the case of visible language, the same movements were used for both comic and serious—or solemn—poems. It is, therefore, utter nonsense. People read this, but do not even realize that these are no longer thoughts at all, but merely a sequence of mental processes that, while they may appear as thoughts, are no longer thoughts—it is the most utter folly. This kind of thing shows how people have lost their inner activity. Real life in thought must come precisely from people immersing themselves in the imaginative life and following what arises from it with common sense. Through this, a person becomes more active; they once again become a personality in the fullest sense of the word.
[ 45 ] Von ganz besonderer Wichtigkeit ist es aber, sich einzulassen auf das, was aus dem inspirierten Bewußtsein heraus geoffenbart wird. Wenn man so mit dem gesunden Menschenverstand das nachlebt, was als Inspiration geschildert wird, dann verwandelt sich allmählich — ich habe das schon verschiedentlich auch in anderen Zusammenhängen angedeutet — das Wahre und Falsche in gesundes und krankes Urteil. Man hat das Gefühl bei etwas, was unwahr ist, daß es etwas Krankhaftes ist. Bei dem, was wahr ist, hat man das Gefühl: Es ist etwas Gesundes. Die Logik des Wahren und Falschen hat eigentlich nur für die physische Welt eine Bedeutung. Sobald wir uns in die geistige Welt hineinleben, empfinden wir das Wahre als ein Gesundes und das Falsche, den Irrtum, als etwas Krankes.
[ 45 ] It is, however, of particular importance to open oneself to what is revealed through inspired consciousness. If one applies common sense to live out what is described as inspiration, then—as I have already hinted at on various occasions in other contexts—true and false gradually transform into sound and flawed judgment. One has the feeling that something untrue is something unhealthy. With what is true, one has the feeling that it is something healthy. The logic of true and false is actually significant only for the physical world. As soon as we immerse ourselves in the spiritual world, we perceive the true as something healthy and the false—error—as something unhealthy.
[ 46 ] Dadurch aber, indem wir uns im Nachstudieren der Inspirationswahrheiten den Sinn für das gesunde und kranke Urteil aneignen, bereiten wir uns den Weg, nun das Christus-Ereignis zu verstehen. Denn das Christus-Ereignis trat in die Welt aus dem Grunde ein, weil die Entwickelung der Menschheit drohte, krank zu werden. Von dem Christus-Ereignis, von dem Mysterium von Golgatha geht die Kraft aus, daß sich der Mensch wiederum zur Wahrheit, zur Gesundung hinwenden kann. Durch die inspirierten Wahrheiten erwerben wir uns wirklich wiederum die Möglichkeit, Sinn zu bekommen für die religiösen Wahrheiten, insbesondere für die Wahrheiten des Christentums, lernen wir wiederum verstehen, warum die Wesenheit des Christus als ein Heiland gefeiert wurde, als einer, der die Menschheit wirklich heilt, heilte und fortdauernd heilt. Das Wort ist wirklich in diesem Zusammenhange entstanden. Weil zur Zeit des Mysteriums von Golgatha noch die alten Hellsehereigenschaften da waren, die dann im vierten Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha verglommen sind, dann nur noch dem Begriffe nach da waren, deshalb hat man damals noch eingesehen, was das Mysterium von Golgatha bedeutet.
[ 46 ] But by studying the truths of inspiration and thereby developing a sense of sound and flawed judgment, we pave the way for ourselves to understand the Christ Event. For the Christ event entered the world precisely because the development of humanity was in danger of becoming diseased. From the Christ event, from the Mystery of Golgotha, emanates the power that enables human beings to turn once again toward truth and toward healing. Through the inspired truths, we truly regain the ability to develop a sense of religious truths—especially the truths of Christianity—and we learn once again to understand why the being of Christ was celebrated as a Savior, as one who truly heals, has healed, and continues to heal humanity. The Word truly came into being in this context. Because at the time of the Mystery of Golgotha, the ancient clairvoyant faculties were still present—faculties that then faded away in the fourth century after the Mystery of Golgotha, existing thereafter only as concepts—people at that time were still able to grasp the significance of the Mystery of Golgotha.
[ 47 ] Heute müssen wir uns erst wiederum zu diesem Einsehen durchringen. Christus hat bis zum Mysterium von Golgatha gelebt in der Welt, die wir betrachten im Traumschlaf, so daß der Christus vor dem Mysterium von Golgatha für jeden Menschen wahrnehmbar war im Traumschlafe. Aber kein Mensch durfte denken — das war etwas, was durchaus aus den Mysterienschulen heraus den Menschen klargemacht wurde —, daß dasjenige Wesen, das im Christus lebt, mit irdischen Gedanken erreichbar sein könnte, daß man es auch gefunden haben könnte im Wachzustande. Das wurde erst möglich durch das Mysterium von Golgatha, dadurch daß Christus durch den Tod gegangen ist. Seit jener Zeit darf über ihn gedacht werden als eine Wesenheit, die dem Erdenleben selber angehört. Da wurde eine reale Vorstellung für das Erdenleben der aus dem Traumlande in das physische Land herausgegangene Gott.
[ 47 ] Today we must once again bring ourselves to accept this insight. Until the Mystery of Golgotha, Christ lived in the world that we perceive in dream sleep, so that before the Mystery of Golgotha, Christ was perceptible to every human being in dream sleep. But no one was allowed to think—this was something that was made perfectly clear to people in the mystery schools—that the being who lives in Christ could be reached by earthly thoughts, or that one could have found him even in the waking state. This only became possible through the Mystery of Golgotha, through Christ’s passage through death. Since that time, it has been permissible to think of him as a being who belongs to earthly life itself. Thus, a real conception of the earthly life of the God who had emerged from the realm of dreams into the physical world was born.
[ 48 ] Das ist ein realer Prozeß: Der Gott, der kennengelernt hat dasjenige, was die Götter sonst nicht kennen, der gelernt hat zu sterben, der die Sterbetatsache in sich einbezogen hat, das ist der Christus, der Gott, der eintritt in diejenige Welt, wo es Geburt und Tod gibt, das Heruntergehen des Gottes in die Menschennatur. Gott wird Mensch. Es ist dieses eben die Formel, in der ausgesprochen werden kann, was der Christus geworden ist: Für die Erde das Urbild der Menschheit, für die Erde dasjenige, durch das die Menschheit Sinn bekommt. Und wenn sich das andere vollzogen hätte, wenn in derselben Zeit, in der der Gott Mensch geworden wäre, auch ein Mensch den Drang gehabt hätte, Gott zu werden, das heißt, nicht mehr zu sterben, nicht mehr den Gesetzen des irdischen Lebens unterworfen zu sein, dann würde er natürlich, während der Gott der vollkommenste Mensch wurde, indem er herunterstieg, der elendeste Gott geworden sein. Diesen polarischen Gegensatz haben Sie! Nicht umsonst steht neben dem Christus, der auf Golgatha hinaufsteigt, der Ahasver, der Mensch, der zum Gotte wird, aber zum stümperhaften Gotte, der die Möglichkeit des Sterbens verliert, der nun durch die Welt wandelt, nicht sterben kann, der Gott, der auf dem physischen Plane bleibt, aber auf dem physischen Plane dieselben Eigentümlichkeiten entwickelt, die eigentlich nur im Traumlande entwickelt werden durften.
[ 48 ] This is a real process: The God who has come to know what the gods otherwise do not know, who has learned to die, who has incorporated the reality of death into himself—that is the Christ, the God who enters the world where there is birth and death, the descent of God into human nature. God becomes human. This is precisely the formula that can express what Christ has become: for the earth, the archetype of humanity; for the earth, that through which humanity gains meaning. And if the opposite had come to pass—if, at the very moment God became human, a human being had also felt the urge to become God, that is, to no longer die, to no longer be subject to the laws of earthly life—then, naturally, while God became the most perfect human by descending, that human would have become the most wretched God. This is the polar opposition you have! It is no coincidence that standing beside Christ, who ascends to Golgotha, is Ahasver—the human who becomes a god, but a bungling god who loses the ability to die, who now wanders through the world unable to die, the god who remains on the physical plane, but on the physical plane develops the very same peculiarities that were actually only meant to be developed in the realm of dreams.
[ 49 ] Es ist ein Ungeheures, Geistvolles, das da vor unsere Seele hingestellt wird, daß beigegeben ist dem Gotte der Mensch, der Gott geworden ist, aber allerdings, wie es selbstverständlich ist, in einer ihn elend machenden Weise. Der Mensch, der Gott geworden ist, der erhält innerhalb der Erdenentwickelung auch das Prinzip, daß die Gottheit nicht herunterkommen soll auf den physischen Plan: das Judentum, die alttestamentliche Weltanschauung.
[ 49 ] It is a tremendous, profound concept that is presented to our soul: that God is accompanied by the human being who has become God—though, of course, in a way that brings him misery. The human being who has become God also upholds, within the course of Earth’s evolution, the principle that the divinity must not descend to the physical plane: Judaism, the Old Testament worldview.
[ 50 ] Hier liegt ein Mysterium schon vor. Derjenige, der diese Dinge kennt, weiß: Ahasver ist eine wirkliche Wesenheit, und die AhasverSagen beruhen schon auf realen Eindrücken von Wahrnehmungen des Ahasver, die da oder dort gewesen sind, denn Ahasver ist vorhanden, und Ahasver ist der Pfleger des Judentums, nachdem das Mysterium von Golgatha da war. Es ist der Mensch, der Gott geworden ist. Wir müssen uns durchaus klar sein, daß wir zu einer vollständigen Geschichtserkenntnis auch nur dadurch kommen, daß wir das Geistige hereinbeziehen.
[ 50 ] There is already a mystery here. Anyone who knows these things understands: Ahasver is a real being, and the Ahasver legends are based on actual impressions of Ahasver’s presence here and there, for Ahasver exists, and Ahasver is the guardian of Judaism following the Mystery of Golgotha. He is the human being who has become God. We must be absolutely clear that we can only attain a complete understanding of history by incorporating the spiritual into our view.
[ 51 ] Wir schauen auf der einen Seite nach der Menschwerdung Gottes im Ereignis von Golgatha, wir schauen nach der Gottwerdung des Menschen in dem Ahasver. Und der Eingeweihte kann wissen, daß der Ahasver wirklich herumwandelt. Man kann ihn natürlich nicht als einen Menschen sehen. Er ist ja ein Gott geworden. Aber er wandelt herum. Er ist im Erdendasein vorhanden. Und wirkliche Geschichtsdarstellungen, die die volle Realität erfassen, die machen es notwendig, daß man hinschaut auf das, was auch als geistige Realität durch das geschichtliche Werden der Menschheitsentwickelung geht.
[ 51 ] On the one hand, we look to the Incarnation of God in the event at Golgotha; on the other, we look to the deification of the human being in Ahasver. And the initiate can know that Ahasver truly walks among us. Of course, one cannot see him as a human being. After all, he has become a god. But he walks among us. He is present in earthly existence. And true historical accounts that grasp the full reality require that we look at what also passes through the historical unfolding of human development as a spiritual reality.
[ 52 ] Gewiß sind viele Dinge in Bildern nur vorhanden. Es kommt ja nur darauf an, daß man weiß, daß diese Bilder Realitäten entsprechen. Es ist töricht, zu sagen, man soll sich nicht in solchen Bildern ausdrücken. Indem wir sprechen, drücken wir uns ja immer in Bildern aus. Nehmen Sie das Sanskritwort «Manas». Wer «Manas» versteht, der hat vor sich im Laut malerisch die Schale, den Mond, die Sonne tragend, weil man, indem man «Manas» aussprach in Ur-Sanskrit, den Menschen seinem Willenswesen nach fühlte wie die Schale, die dann das denkende Wesen trug. Alle Worte gehen auch auf Bilder zurück, sind nur elementarere, einfache Bilder. Dasjenige, was man durch die Worte ausdrückt, liegt ja nicht in den Worten drinnen. Wenn es nun kompliziertere Wesenhaftigkeiten gibt, die man nicht mit Worten so ausdrücken kann, muß man eben Bilder formen. Wenn man also von Ahasver spricht und von den Sagen des Ahasver, wie man sonst bei den Bildern spricht, so sind das nur kompliziertere Ausdrucksformen, die auf die geistige Seite hinweisen.
[ 52 ] Certainly, many things exist only in images. What matters, after all, is that one knows these images correspond to reality. It is foolish to say that one should not express oneself through such images. After all, when we speak, we always express ourselves through images. Take the Sanskrit word “Manas.” Whoever understands “Manas” sees before them, in the sound itself, a vivid image of the shell bearing the moon and the sun; for when one pronounced “Manas” in Proto-Sanskrit, one sensed human beings, in terms of their volitional nature, as the shell that then bore the thinking being. All words also trace back to images; they are simply more elementary, simpler images. What is expressed through words does not, after all, lie within the words themselves. If, then, there are more complex essences that cannot be expressed in this way with words, one must simply form images. So when one speaks of Ahasver and the legends of Ahasver—as one otherwise speaks of images—these are merely more complex forms of expression that point to the spiritual realm.
[ 53 ] Derjenige, der in diesem Sinne über Mythologie schimpft, der sollte nur auch gleich darüber schimpfen, daß die Menschen eine Sprache ausgebildet haben, durch die sie einen Inhalt ausdrücken wollen. Er sollte gebieten, daß sie stumm werden, denn die nächste Stufe nach dem, zu verbieten, daß sie eine Mythologie ausbilden, wäre, daß man dem Menschen verbietet, zu sprechen. Denn es ist ganz derselbe Vorgang des Verbildlichens in der gewöhnlichen Sprache wie beim höheren Verbildlichen, wenn man so etwas hinstellt wie den Ahasver, der als ein Wesen, aber eben als ein Geistwesen durch die Weltenentwickelung geht und fortdauernd verhindert, daß der Mensch auf die Weise, wie es in seiner Entwickelung liegt, durch den Christus wiederum zurückkehrt in die geistige Welt, aus der er herausgegangen ist, als er das atavistische Hellsehen verloren hat,
[ 53 ] Anyone who rails against mythology in this sense should also rail against the fact that humans have developed a language through which they seek to express meaning. They should demand that people become mute, for the next step after forbidding them to develop mythology would be to forbid people to speak. For the process of visualization in ordinary language is exactly the same as in higher forms of visualization, such as in the figure of Ahasver, who, as a being, but specifically as a spiritual being, and who continually prevents human beings—in the manner inherent to their development—from returning through Christ to the spiritual world from which they departed when they lost their atavistic clairvoyance,
[ 54 ] Das wollte ich heute sagen, um auf der einen Seite hinzuweisen auf des Menschen wirkliches Darinnenstehen in der geistigen Welt, durch eine richtige Charakteristik des Schlaf- und Traumzustandes, und andererseits darauf, daß in der Geschichte geistige Wesenheiten leben, die erst den vollen Verlauf der Geschichte verständlich machen.
[ 54 ] That is what I wanted to say today: on the one hand, to point out that human beings are truly immersed in the spiritual world—through an accurate description of the states of sleep and dreaming—and, on the other hand, to emphasize that spiritual beings live within history, and it is only through them that the full course of history becomes comprehensible.
