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The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211

24 March 1922, Dornach

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The Mystery of the Sun and The Mystery of Death and Resurrection, tr. SOL
  1. Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung

2. Die Drei Zustände des Nachtbewusstseins

2. The Three States of Night Consciousness

[ 1 ] Der Wachzustand des Menschen ist ja das zunächst Bekannte, aber innerhalb dieses bekannten Gebietes enthüllen sich eigentlich nicht die Rätsel des Daseins. Würde ohne weiteres aus dem Wachzustande heraus, wie er uns für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft dient, die Lösung der Lebensrätsel erfolgen können, so wären sie eigentlich nicht vorhanden, denn sie würden sich fortwährend enthüllen. Der Mensch würde gar nicht dazu kommen, zu fragen. Daß der Mensch frägt: Welches sind die tieferen Gründe des Lebens? daß er, wenn er auch vielleicht nicht zu einer genauen Formulierung dieser Lebensrätselfrage kommt, doch aus den Tiefen seiner Seele heraus die Sehnsucht hat, etwas zu wissen, was sich nicht durch das gewöhnliche Bewußtsein beantwortet, das bezeugt, daß aus den Untergründen der menschlichen Seele, also auf eine mehr oder weniger unbewußte Art etwas heraufkommt, das zum Menschen gehört, das aber erst gesucht werden muß, wenn es zum klaren Bewußtsein kommen soll. Und das führt denjenigen, der das Leben weniger beobachtet, dazu, zu spekulieren, allerlei Philosophien auszubilden. Solche Philosophien bleiben dann zuletzt unbefriedigend. Wer aber mit einer gewissen Unbefangenheit auf die Erscheinungen des Lebens hinblickt, dem muß doch aufgehen, daß sich in dem anderen Zustande, der dem Wachen entgegengesetzt ist, in dem Schlafzustande, irgend etwas verhüllt, und daß aus dem Verständnis des Schlafzustandes heraus immerhin ein Verständnis des Lebens kommen könne. Wir haben ja oftmals solche Dinge besprochen; allein von den verschiedensten Gesichtspunkten aus muß immer wieder auf diese Dinge zurückgekommen werden, denn Anthroposophie läßt sich nur begreifen, wenn man sie von den verschiedensten Seiten her zu begreifen versucht.

[ 1 ] The human waking state is, of course, what is initially familiar to us, but the mysteries of existence are not actually revealed within this familiar realm. If the solution to life’s mysteries could be readily derived from the waking state—as it serves us in ordinary life and in ordinary science—then those mysteries would not actually exist, for they would be constantly revealing themselves. Humans would never even get around to asking. The fact that humans ask, “What are the deeper reasons for life?”—that even if they may not arrive at a precise formulation of this question about the mystery of life, he nevertheless harbors, from the depths of his soul, a longing to know something that cannot be answered by ordinary consciousness—this testifies that something rises from the depths of the human soul, that is, in a more or less unconscious way, something that belongs to the human being but must first be sought if it is to come into clear consciousness. And this leads those who observe life less closely to speculate and develop all manner of philosophies. Such philosophies ultimately remain unsatisfying. But anyone who looks at the phenomena of life with a certain open-mindedness must surely realize that in the other state—the one opposed to wakefulness, the state of sleep—something is veiled, and that an understanding of life can, after all, arise from an understanding of the state of sleep. We have, of course, discussed such matters many times; yet we must return to them again and again from the most diverse perspectives, for anthroposophy can only be understood if one attempts to grasp it from the most varied angles.

[ 2 ] Nun wogt aus dem Schlaf heraus zunächst das Traumleben. Das Traumleben verläuft in Bildern. Man kann ja sehr bald bemerken, wenn man sich darauf verlegt, dieses Traumleben zu betrachten, daß die Bilder doch auf irgend etwas aus dem Leben, aus dem gewöhnlichen Bewußtseinsleben hinweisen. Wenn man auch oftmals sagen kann, Dinge werden geträumt, die man so nicht erlebt hat, so möchte ich sagen, die Stücke, aus denen sich der Traum zusammensetzt, die Stücke von Bildern, die sind natürlich dennoch aus dem gewöhnlichen Bewußtsein genommen. Etwas anderes aber ist die ganze Dramatik des Traumes, die Art und Weise, wie der Traum seine Spannungen aufbaut, wie er inneres Angstgefühl, inneres Freudegefühl, Schwunggefühl hervorrufen kann. Was der Verlauf der Traumbilder bedeutet, das geht schon tiefer in die menschliche Natur hinein, und man kann das sehen, wenn man etwa folgendes ins Auge faßt.

[ 2 ] Now, emerging from sleep, the life of dreams begins. The life of dreams unfolds in images. If one takes the time to observe this life of dreams, one soon notices that the images do indeed point to something from life, from ordinary conscious life. Although one can often say that things are dreamed that one has not actually experienced in that way, I would like to say that the fragments from which the dream is composed—the fragments of images—are, of course, nevertheless drawn from ordinary consciousness. But the entire drama of the dream is something else entirely—the way in which the dream builds tension, how it can evoke inner feelings of fear, joy, and exhilaration. The meaning of the sequence of dream images delves even deeper into human nature, and one can see this when considering, for example, the following:

[ 3 ] Sie können träumen, Sie machen einen Weg, Sie kommen an einen Berg. Sie betreten eine Bergeshöhle. Zunächst ist es noch dämmerig. Es wird finster. Ein unbekannter Drang aber veranlaßt Sie, immer weiterzugehen. Ängstlichkeit stellt sich ein. Das alles steigert sich, bis Sie zuletzt in dem Furchtzustande stehen, sagen wir, in einen innerlichen Abgrund hineinzufallen. Sie können dann aus diesem Furchtzustande erwachen, indem dieser Furchtzustand gleichsam noch andauert beim Erwachen.

[ 3 ] You may dream that you are walking along a path and come to a mountain. You enter a cave in the mountain. At first, it is still dim. It grows darker. But an unknown urge compels you to keep going further and further. Anxiety sets in. All of this intensifies until you finally find yourself in a state of fear—let’s say, of falling into an inner abyss. You can then awaken from this state of fear, even as this state of fear, as it were, still persists upon awakening.

[ 4 ] Sie können aber auch träumen, Sie stünden irgendwo, sähen von ferneher einen Menschen kommen. Er kommt immer näher; aber er hat einen schrecklichen Ausdruck. Und wenn er näher kommt, bemerken Sie, er hat die Absicht, irgendeine Attacke auf Sie auszuüben. Ihre Ängstlichkeit wächst. Er kommt immer näher. Er verwandelt vielleicht das zunächst noch harmlose Instrument, das er Ihnen von ferne gezeigt hat — der Traum ist ja ein Verwandler — in ein furchtbares Mordinstrument. Die Ängstlichkeit steigert sich wiederum zur Furcht, und Sie wachen jetzt mit dieser Furcht auf, indem sich wiederum die Furcht fortsetzt ins wache Tagesleben hinein.

[ 4 ] But you might also dream that you are standing somewhere, watching a person approach from a distance. He keeps getting closer; but he has a terrifying expression on his face. And as he draws nearer, you realize he intends to attack you in some way. Your anxiety grows. He keeps getting closer. He may transform the instrument—which at first seemed harmless and which he showed you from a distance—the dream, after all, is a transformer—into a terrible murder weapon. The anxiety escalates once again into fear, and you now wake up with this fear, as the fear continues into your waking daily life.

[ 5 ] Es sind zwei ganz verschiedene Bilder. Das eine Mal eine Bilderreihe, die Sie in das Berginnere hineinführt, das andere Mal eine Bilderreihe, die sich an einen herankommenden Feind anschließt. Die Seele kann dasselbe durchmachen, trotzdem die zwei Bilderreihen ganz verschieden sind. Was die Seele da durchmacht, das ist eben etwas ganz anderes, als was das Bewußtsein im Aufwachen erlebt. Man kann sagen, auf die Bilder kommt es überhaupt gar nicht an, sondern es kommt darauf an, wie die Seele eine gewisse innere Dramatik durchmacht: wie die Seele zunächst einen Drang hat, oder wie an die Seele etwas herankommt statt des Dranges, wie das dann aber übergeht in Ängstlichkeit, in Furcht, und dann gewissermaßen den Menschen dazu bringt, sich aufzurütteln aus dem Schlafe und in das gewöhnliche Bewußtsein überzugehen. Was da hinter dem Traume steckt an sich steigernden Kräften, die aber selber nicht wahrgenommen werden, die sich in Bilder kleiden, das ist es, worauf es ankommt. Und die beiden Bilderreihen, die ich charakterisiert habe, könnte ich noch vielfach vermehren; derselbe Seeleninhalt könnte sich in zehn, zwanzig, hundert verschiedene Bilder kleiden. Wir müssen also sagen: Da ist irgend etwas — wenn ich schematisch zeichne —, das in der Seele abläuft (blau, grün. Siehe Zeichnung Seite 46). Aber das, was da in der Seele abläuft, das merkt der Mensch nicht; er weiß es nicht. Was er weiß, das sind Bilder. Ich zeichne sie hier schematisch daran (gelb). Diese Bilder erlebt dann der Mensch in seinem Bewußtsein von dem Traume. Das aber, worauf es ankommt, das ist die Steigerung: schwache Ängstlichkeit, stärkere Ängstlichkeit, höchste Furcht. Die Traumbilder sind mehr oder weniger doch vom Leben genommen, denn sowohl der Berg, wie die Bergeshöhlung, alles ist im Grunde genommen dem Leben entlehnt. Der Feind, der sich naht, ist dem Leben entlehnt, seine Waffe ist dem Leben entlehnt. Die Bilder nehmen ihren Inhalt aus dem Leben. Aber das ist nur die Einkleidung. Wenn man nun durch das, was ich oftmals als das imaginative Bewußtsein charakterisiert habe, die Möglichkeit hat, hinter dieser Einkleidung stehenzubleiben, gar nicht solche Bilder zu bilden, sondern hier drinnen in den Kräften der Seele, die Angstlichkeit, Furcht, höchste Furcht sind, mit dem imaginativen Bewußtsein zu bleiben, wenn man also in der Lage ist, da drinnen Bilder zu formen, dann kommt etwas ganz anderes zustande.

[ 5 ] These are two very different images. In one case, a series of images that leads you into the interior of a mountain; in the other, a series of images that follows an approaching enemy. The soul can go through the same experience, even though the two sequences of images are entirely different. What the soul goes through there is something entirely different from what consciousness experiences upon waking. One could say that the images themselves are not what matters at all; rather, what matters is how the soul experiences a certain inner drama: how the soul initially feels an urge, or how something approaches the soul in place of that urge, and how this then gives way to anxiety and fear, ultimately causing the person, as it were, to rouse themselves from sleep and return to ordinary consciousness. What lies behind the dream—these forces that are intensifying but are not perceived in themselves, which clothe themselves in images—that is what matters. And I could multiply the two series of images I have described many times over; the same inner content of the soul could clothe itself in ten, twenty, or a hundred different images. So we must say: There is something—if I were to sketch it schematically—that is taking place in the soul (blue, green; see drawing on page 46). But what is taking place in the soul there, the person does not notice; they do not know it. What they know are images. I have sketched them here schematically (yellow). The person then experiences these images in their consciousness of the dream. But what really matters is the escalation: mild anxiety, stronger anxiety, supreme fear. The dream images are, to a greater or lesser extent, drawn from life, for both the mountain and the mountain cave—everything, in essence, is borrowed from life. The enemy who approaches is borrowed from life; his weapon is borrowed from life. The images draw their content from life. But that is merely the outer form. If, through what I have often characterized as imaginative consciousness, one has the ability to remain behind this outer form—not to form such images at all, but to remain here within the powers of the soul, where anxiety, fear, and the utmost fear—and to remain there with imaginative consciousness—if one is thus able to form images within that realm, then something entirely different comes into being.

[ 6 ] Denn, wenn Sie schlafen, sind Sie ja zunächst mit Ihrem Ich und mit Ihrem astralischen Leibe außerhalb des Ätherleibes und des physischen Leibes. Wenn Sie aufwachen, dringen Sie, wenn Normalzustände vorhanden sind, sehr schnell in Ihren Ätherleib ein — den passieren Sie ganz rasch —, dringen gleich in Ihren physischen Leib ein. Wenn Sie aber in etwas abnormem Zustande nicht gleich in den physischen Leib eindringen, sondern wenn Sie in den Ätherleib eindringen, bevor Sie in den physischen Leib eindringen, also extra in den Ätherleib eindringen, dann bilden sich diese Bilder aus dem Leben. Denn im gewöhnlichen Bewußtsein hat der Mensch eben keine Vorstellung im Schlafe selbst, und erst mit dem Moment, wo er entweder in seinen Leib eindringt und den Ätherleib passiert, bekommt er Bilder, oder wenn er beim Einschlafen aus dem physischen Leib herausgeht, aber noch etwas im Ätherleib drinnenbleibt, dann hat er wiederum Traumbilder. Also nur in diesen Zwischenzuständen bilden sich solche Traumbilder, die aus dem Leben genommen sind.

[ 6 ] For when you sleep, you are initially outside your etheric body and physical body, together with your “I” and your astral body. When you wake up, under normal circumstances, you very quickly enter your etheric body—passing through it very rapidly—and immediately enter your physical body. But if, under abnormal conditions, you do not immediately enter your physical body, but instead enter your etheric body before entering your physical body—that is, if you enter the etheric body separately—then these images from life take shape. For in ordinary consciousness, a person has no mental images during sleep itself, and only at the moment when they either enter their physical body and pass through the etheric body do they receive images; or if, while falling asleep, they leave the physical body but remain somewhat within the etheric body, then they again have dream images. Thus, it is only in these intermediate states that such dream images, drawn from life, take shape.

[ 7 ] Aber das imaginative Bewußtsein führt dazu, daß man ganz außerhalb des Leibes in dem leben kann, was da als Kräfte der Seele hinter dem Traume steht. Und dann lebt man in einer anderen Wirklichkeit. Dann lebt man eben in der Welt, in der der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen ist. Der Mensch lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen in einer Welt, in der er bewußtlos wird. Sie können sich bildlich das so vorstellen, wie wenn der Mensch untertauchen würde in Wasser und das Bewußtsein verlieren würde, und erst dann es wieder gewinnen würde, wenn das Wasser ihn herausträgt und ihn wieder freigibt. Dasselbe, was da physisch vorgeht, geht eben seelisch vor, wenn der Mensch einschläft. Er taucht unter in die geistige Welt. Da verliert er das Bewußtsein. Er geht mit seiner Seele aus dem Leibe heraus und verliert das Bewußtsein. Beim Aufwachen taucht er wieder auf und bekommt das Bewußtsein wieder. Das Auftauchen bedeutet aber das Hineingehen in den Leib. Und wenn, wie gesagt, man nicht gleich in seinen Leib hineingeht, sondern noch den Übergang im Ätherleib bemerkt, dann entstehen eben die Traumbilder. Aber wenn man jetzt sich nicht darauf einläßt und einzulassen braucht, solche Traumbilder zu bekommen, sondern wenn man ganz außerhalb des physischen Leibes in der geistigen Welt selber Bilder bekommt, dann kommen zunächst nicht beliebige Bilder heraus, sondern dann kommen solche Bilder heraus, wie Sie sie als Beschreibung der Weltentwickelung in meiner «Geheimwissenschaft» finden. Und alles, was man so darstellt, wie ich es dargestellt habe in meiner «Geheimwissenschaft», das hat zunächst diesen Ursprung, den ich Ihnen jetzt eben charakterisiere.

[ 7 ] But imaginative consciousness enables one to live entirely outside the body, within what lies behind the dream as the forces of the soul. And then one lives in a different reality. Then one lives in the world in which a person exists from the moment they fall asleep until they wake up. From the moment a person falls asleep until they wake up, they live in a world in which they lose consciousness. You can picture this as if a person were submerging in water and losing consciousness, only to regain it when the water carries them out and releases them again. The same process that occurs physically also takes place on a spiritual level when a person falls asleep. They submerge into the spiritual world. There they lose consciousness. They leave their body with their soul and lose consciousness. Upon waking, they resurface and regain consciousness. But surfacing means entering the body. And if, as I said, one does not immediately enter one’s body but is still aware of the transition while in the etheric body, then dream images arise. But if one does not allow oneself—and does not need to allow oneself—to experience such dream images, but instead receives images directly in the spiritual world while completely outside the physical body, then the images that emerge are not arbitrary; rather, they are the kinds of images you will find described in my Occult Science as a depiction of the world’s evolution. And everything that is described in the way I have described it in my Occult Science has, first and foremost, this origin, which I am now characterizing for you.

[ 8 ] Wenn Sie sich fragen: Was steht denn da eigentlich in dieser «Geheimwissenschaft»?, — dann werden Sie sich sagen: Nun ja, Gedanken stehen darinnen. Man kann es auch nachdenken. Ich betone es ja immer wiederum, mit dem gesunden Menschenverstand kann man das alles nachdenken. Gedanken stehen darinnen, aber es sind nicht gewöhnliche Gedanken. Es sind die Gedanken, die in der Welt draußen schöpferisch tätig sind. Der Mensch kann in diesen Gedanken leben, wenn er jenseits der Schwelle steht, die in die geistige Welt hineinführt. Der Mensch kann leben in diesen Gedanken, die an der Welt arbeiten. Es ist das erste, was er findet, wenn er in die übersinnliche Welt eintritt.

[ 8 ] If you ask yourself, “What exactly is in this ‘Secret Science’?”—then you will say to yourself: “Well, it contains thoughts. You can also think it through.” I always emphasize this again and again: you can think all of this through using common sense. Thoughts are contained within it, but they are not ordinary thoughts. They are the thoughts that are creatively at work in the world outside. A person can live within these thoughts when they stand beyond the threshold that leads into the spiritual world. A person can live within these thoughts that are at work in the world. It is the first thing they encounter when they enter the supersensible world.

[ 9 ] Das sind also nicht Traumbilder, denn die Traumbilder kommen, wie ich Ihnen dargestellt habe, auf ganz andere Weise zustande, sondern es sind Erlebnisse in der geistigen Welt. Ich möchte sagen: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der schläft. Während des Schlafes gehen in der Seele immer die umfassendsten, die intensivsten Prozesse vor. Der Mensch merkt nichts davon, denn er ist während des Schlafes bewußtlos. Des Morgens tritt er in seinen physischen Leib ein, sogleich taucht er darin unter. Er bedient sich seiner Augen, sieht Farben und Licht, er bedient sich seiner Ohren, hört die Töne und so weiter, also er wird bewußt. Aber es gibt diesen Zwischenzustand: er tritt nicht gleich in den physischen Leib ein, er tritt in den Ätherleib ein. Dann hat er einen Traum oder Träume. Aber denken Sie sich, der Mensch würde bewußt, bevor er auch nur in seinen Ätherleib eintritt. Er würde noch im äußeren Äther, der die ganze Welt erfüllt, bewußt. Dann wird er sich dessen bewußt, was in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben ist.

[ 9 ] So these are not dream images—for, as I have explained to you, dream images arise in an entirely different way—but rather they are experiences in the spiritual world. Let me put it this way: Imagine a person who is asleep. During sleep, the most comprehensive and intense processes are always taking place in the soul. The person is unaware of any of this, because they are unconscious while asleep. In the morning, they enter their physical body and immediately immerse themselves in it. They use their eyes to see colors and light, their ears to hear sounds, and so on—in other words, they become conscious. But there is this intermediate state: they do not enter the physical body immediately; instead, they enter the etheric body. Then they have a dream or dreams. But imagine if a person were to become conscious before even entering their etheric body. They would become conscious while still in the outer ether that fills the entire world. Then they would become aware of what is described in my Occult Science.

[ 10 ] Wenn Sie zum Beispiel mitten in der Nacht bewußt würden, ohne in Ihren physischen Leib zurückzukehren, so daß der physische Leib neben Ihnen auftaucht und Sie ihn sehen — denn Sie können ihn dann sehen —, dann nehmen Sie diese Kosmologie wahr, dann nehmen Sie das wahr, was ich in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben habe. Ich darf das, was ich da beschrieben habe, nennen: Bildekräfte der Welt, oder auch Weltgedanken.

[ 10 ] If, for example, you were to become conscious in the middle of the night without returning to your physical body, so that your physical body appears beside you and you see it—for you can see it then—then you would perceive this cosmology; you would perceive what I have described in my Occult Science. I may call what I have described there: the formative forces of the world, or also world-thoughts.

[ 11 ] Das stellt sich so dar, daß man sagen kann, wie man sonst einzelne Gedanken im Tagesleben hat: Die Erde ist so und so entstanden, hat früher ein Mondendasein, ein Sonnendasein, ein Saturndasein gehabt, kurz, alles das, was ich in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe.

[ 11 ] This can be described in the same way that one might express individual thoughts in everyday life: The Earth came into being in such and such a way; it once existed as the Moon, as the Sun, and as Saturn—in short, everything I have described in my Occult Science.

[ 12 ] Diese Art aber, in der geistigen Welt wahrzunehmen, ist nur eine von dreien. Wenn der Mensch auf seinen Tagesbewußtseinszustand hinschaut, so weiß er, er kann in diesem Tagesbewußtseinszustand unterscheiden Denken, Fühlen und Wollen. Aber gerade so, wie das Tagesbewußtsein diese drei Zustände hat, Denken, Fühlen und Wollen, so hat auch das Nachtbewußtsein, das ja beim gewöhnlichen Menschen Bewußtlosigkeit ist, drei Zustände. Man schläft nicht vom Einschlafen bis zum Aufwachen immer in demselben Zustande, gerade so, wie man nicht immer in demselben Zustand wacht. Man wacht, indem man denkt, oder auch, indem man fühlt, oder auch, indem man will. In drei Zuständen kann man wachen, ebenso kann man in drei Zuständen schlafen. Denn daß derjenige, der ein imaginatives Bewußtsein hat, die Weltenbildekräfte, die Bildekräfte der Welt schaut, das kommt ja nur davon her, daß er sich ein Bewußttsein davon erworben hat, eine Erkenntnis. Aber jeder Mensch schläft in diese Bildekräfte der Welt hinein, in die Weltgedanken. So wahr Sie, wenn Sie ins Wasser springen, untertauchen, so wahr tauchen Sie, wenn Sie einschlafen, zunächst unter in die Bildekräfte der Welt.

[ 12 ] This way of perceiving in the spiritual world, however, is only one of three. When a person looks at their state of daytime consciousness, they know that within this state they can distinguish between thinking, feeling, and willing. But just as waking consciousness has these three states—thinking, feeling, and willing—so too does night consciousness, which for the ordinary person is a state of unconsciousness, have three states. One does not sleep in the same state from the moment one falls asleep until one wakes up, just as one does not always wake up in the same state. One wakes up by thinking, or by feeling, or by willing. One can be awake in three states, just as one can sleep in three states. For the fact that someone with an imaginative consciousness perceives the world’s formative forces—the formative forces of the world—stems solely from the fact that they have acquired an awareness of them, a realization. But every human being falls asleep into these formative forces of the world, into the world’s thoughts. Just as surely as you submerge when you jump into water, just as surely do you, when you fall asleep, first submerge into the formative forces of the world.

[ 13 ] Aber außer diesem Leben in den Bildekräften der Welt gibt es für den Schlafzustand ebenso noch zwei andere Zustände, wie es für das Wachen außer dem Denken noch Fühlen und Wollen gibt. Wenn wir das Denken betrachten, das Haben von Gedanken, so entspricht dem im Schlafe das Leben in den Bildekräften der Welt. Das heißt, wenn Sie sich bewußt werden des leisesten Schlafzustandes, dann leben Sie in diesem leisesten Schlafzustande in den Bildekräften der Welt. Es ist, wie wenn Sie das Weltenall von einem Ende zu dem anderen durchschwimmen würden, indem Sie durch Gedanken, die aber Kräfte sind, sich strömend bewegen. Das ist der leiseste Schlaf, wo man sich in den Gedankenkräften der Welt bewegt. Es gibt aber einen tieferen Schlaf, einen solchen Schlaf, von dem man, wenn man nicht besondere Seelenübungen macht, nichts durch Träume in das Tagesleben bringen kann. Durch Träume kann man nur von dem leisesten Schlaf etwas ins Tagesleben bringen. Dann sind aber die Träume, wie ich Ihnen dargestellt habe, als Bilder nicht maßgebend, denn derselbe Traum kann sich in die verschiedensten Bilder kleiden. Aber immerhin, der leiseste Schlaf kann zum Traume führen, das heißt man kann etwas herüberbringen ins Bewußtsein, man kann wenigstens spüren: man hat im Schlafe etwas erlebt. Aber man kann nur von diesem leisesten Schlaf spüren, daß man etwas erlebt hat.

[ 13 ] But in addition to this life within the formative forces of the world, there are two other states for the state of sleep, just as there are feeling and willing in addition to thinking for the waking state. When we consider thinking—the having of thoughts—this corresponds in sleep to life within the formative forces of the world. This means that when you become aware of the lightest state of sleep, you are living in that lightest state of sleep within the formative forces of the world. It is as if you were swimming across the universe from one end to the other, moving along through thoughts—which are, in fact, forces. This is the lightest sleep, in which one moves within the thought forces of the world. But there is a deeper sleep—a sleep from which, unless one engages in specific spiritual exercises, nothing can be brought into waking life through dreams. Through dreams, one can bring only something from the lightest sleep into waking life. Yet, as I have explained to you, the images in these dreams are not definitive, for the same dream can take on the most varied forms. Nevertheless, even the lightest sleep can lead to dreaming—that is, one can bring something into consciousness; one can at least sense that one has experienced something in sleep. But it is only from this lightest sleep that one can sense that one has experienced something.

[ 14 ] Von dem tieferen Schlaf kann nur derjenige etwas wissen, der es zum inspirierten Bewußtsein bringt. Ein solcher nimmt dann nicht mehr bloß dasjenige wahr, was ich in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben habe. Ich habe ja allerdings in dieser «Geheimwissenschaft» auch einiges von dem beschrieben, was aus dem inspirierten Bewußtsein herübertönt, aber wir wollen uns einmal klar machen was eben nur durch Anthroposophie beschrieben werden kann —, wie der Übergang ist im Erleben vom leisen Schlafe zu dem tieferen Schlafe, zu dem Schlafe, aus dem der Mensch im gewöhnlichen Leben keine Träume zurückbringen kann.

[ 14 ] Only those who attain inspired consciousness can know anything about this deeper sleep. Such a person then perceives more than just what I have described in my Occult Science. Admittedly, I have also described in Occult Science some of what resonates from inspired consciousness, but let us first clarify what can only be described through anthroposophy—namely, what the transition is like in experience from light sleep to deeper sleep, to the sleep from which a person cannot bring back any dreams in ordinary life.

[ 15 ] Wenn der Schlaf so leise ist, daß man im gewöhnlichen Leben Träume zurückbringen kann, dann schaut der Mensch, der hineinblicken kann in diese Welten, die wogenden, webenden Gedankenbilder, die Imaginationen der Welt, die ihm die Weltengeheimnisse enthüllen, die ihm enthüllen, welcher Welt der Mensch angehört, außer derjenigen, in der er vom Aufwachen bis zum Einschlafen mit seinem Bewußtsein ist. Denn was ich in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben habe, das ist nicht etwa bloß, wie wenn man etwas aufmalt auf einer Fläche, sondern das ist in fortwährender Bewegung, in fortwährender Regsamkeit. Aber von einem bestimmten Momente an beginnen in dieser Welt, die jeder Mensch in leisem Schlafe durchlebt- er weiß nur nichts davon —, Bilder aufzutreten. Diese Bilder werden deutlich, sie erhöhen ihren Glanz, sie offenbaren gewisse dahinterliegende Wesenhaftigkeiten. Sie fluten wieder ab, diese Bilder. Man hat wiederum nichts im Bewußtsein als eine Art Gefühl, daß die Bilder hinunter abgelähmt worden sind. Dann treten wieder die Bilder auf. Aber während die Bilder regsamer werden und wiederum vergehen, tritt etwas auf, was man Sphärenharmonie nennen kann, tritt eine Art Weltenmusik auf, aber eine solche Weltenmusik, die nicht etwa bloß in Melodie und Harmonie lebt, sondern die die Taten und Handlungen jener Wesenheiten darstellt, die die geistige Welt bewohnen, die Taten der Engel, der Erzengel, der Urkräfte und so weiter.

[ 15 ] When sleep is so quiet that one can recall dreams in ordinary life, then the person who can look into these worlds sees the undulating, weaving thought-images—the imaginations of the world—that reveal to him the mysteries of the worlds, that reveal to him to which world a person belongs, other than the one in which they are present with their consciousness from waking until falling asleep. For what I have described in my Occult Science is not merely like painting something on a surface, but is in constant motion, in constant activity. But from a certain point onward, images begin to appear in this world that every human being experiences in light sleep—though they are unaware of it. These images become clear; they increase in brilliance; they reveal certain underlying essences. Then these images ebb away again. Once more, one has nothing in one’s consciousness but a kind of feeling that the images have faded away. Then the images reappear. But as the images become more vivid and then fade away again, something emerges that can be called “sphere harmony”; a kind of “world music” emerges—but not merely one that exists in melody and harmony, but one that depicts the deeds and actions of those beings who inhabit the spiritual world: the deeds of the angels, the archangels, the primordial forces, and so on.

[ 16 ] Man sieht gewissermaßen auf dem wogenden Bildermeere die Wesen sich bewegen, welche aus dem Geiste heraus die Welt dirigieren. Es ist das die Welt, die durch Inspiration wahrgenommen wird, die zweite Welt. Ich kann sie nennen die Erscheinungen der geistigen Weltwesen. Und diese Welt, diese Erscheinungswelt der geistigen Weltenwesen ist ebenso das zweite Element des Schlafens, wie das Fühlen das zweite Element des Wachens ist. So daß also der Mensch während des Schlafes nicht nur in diejenige Welt eintritt, die die Weltgedanken darstellt, sondern innerhalb dieser flutenden Weltgedanken offenbaren sich die Taten der Weltenwesen, die der geistigen Welt angehören.

[ 16 ] In a sense, one sees the beings who direct the world from within the spirit moving upon the surging sea of images. This is the world that is perceived through inspiration—the second world. I can call them the manifestations of spiritual beings. And this world—this world of manifestations of spiritual beings—is just as much the second element of sleep as feeling is the second element of wakefulness. Thus, during sleep, a person not only enters the world that represents world thoughts, but within these surging world thoughts, the deeds of the beings belonging to the spiritual world are revealed.

[ 17 ] Nun aber gibt es außer diesen zwei Schlafzuständen noch einen dritten. Von dem dritten Schlafzustand ahnt der Mensch meistens überhaupt nichts. Daß der Mensch einen leisen Schlaf hat, das weiß er in der Regel, und er weiß auch, daß aus diesem leisen Schlafe heraus die Träume sich offenbaren. Daß er einen traumlosen Schlaf hat, das merkt er. Aber daß es noch eine dritte Gattung des Schlafes gibt, das ist etwas, was den Menschen höchstens dadurch zum Bewußtsein kommt, daß sie beim Aufwachen fühlen: es ist etwas ganz Schweres in ihnen gewesen während des Schlafes, es ist etwas, das sie erst überwinden müssen in den ersten Stunden, in denen sie wiederum wachen. Ich glaube ja ganz gewiß, daß eine Anzahl von Ihnen diesen Zustand am Morgen kennt, wo der Mensch weiß: Er hat nun doch nicht so gewöhnlich geschlafen, sondern es war etwas in ihm, was ihm eine gewisse Schwere zurückläßt, was er erst überwinden muß durch längere Zeit, wenn er am Morgen bewußt ist. Das weist dann auf eine dritte Gattung des Schlafes hin, deren Inhalt erst durch das intuitive Bewußtsein erfaßt werden kann. Und diese dritte Gattung des Schlafes, die hat überhaupt für den Menschen eine große Bedeutung.

[ 17 ] But in addition to these two states of sleep, there is a third. People are usually completely unaware of this third state of sleep. They generally know that they experience light sleep, and they also know that dreams arise from this light sleep. They are aware that they experience dreamless sleep. But the fact that there is still a third kind of sleep is something that people become aware of, at most, only when they feel upon waking: there has been something very heavy within them during sleep, something they must first overcome in the first few hours after waking. I am quite certain that a number of you are familiar with this state in the morning, when a person knows: I haven’t slept quite as usual after all, but there was something within me that leaves me with a certain heaviness, which I must first overcome over a longer period of time once I am conscious in the morning. This points to a third type of sleep, the nature of which can only be grasped through intuitive consciousness. And this third type of sleep is of great significance for human beings in general.

[ 18 ] Wenn der Mensch im leisesten Schlaf ist, da macht er eigentlich sehr vieles von dem mit, was er sonst im Wachzustande durchmacht. Er nimmt noch, wenn auch in anderer Weise, an seiner Atmung teil. Er nimmt noch teil, wenn auch nicht von innen, so von außen, an seiner Blutzirkulation und an den anderen Vorgängen des Körpers. Wenn der Mensch in der zweiten Gattung des Schlafes ist, dann nimmt er zwar nicht mehr an dem körperlichen Leben teil, aber man könnte sagen, er nimmt teil an einer Welt, die gemeinsam ist seinem Körper und seiner Seele. Es spielt noch etwas hinüber von dem Körper in die Seele. Es spielt so etwas hinüber, wie vom Lichte in die Pflanze spielt, wenn die Pflanze am Tage sich im Lichte entwickelt. Wenn nun aber der Mensch in der dritten Gattung des Schlafes ist, dann ist etwas in ihm, was — wenn ich so sagen darf — wie Mineral geworden ist. Die Salze in seinem Leibe lagern sich besonders stark ab. Starke Salzablagerungen sind während dieser dritten Gattung des Schlafes im physischen Leibe des Menschen. Dafür aber ist der Mensch mit seiner Seele im Innern der mineralischen Welt.

[ 18 ] When a person is in the lightest stage of sleep, they actually experience much of what they would otherwise go through while awake. They still participate in their breathing, albeit in a different way. They still participate—if not from within, then from without—in their blood circulation and in the body’s other processes. When a person is in the second type of sleep, they no longer participate in physical life, but one could say they participate in a world that is shared by their body and their soul. Something still flows from the body into the soul. It flows in a way similar to how light flows into a plant as the plant develops in the light during the day. But when a person is in the third stage of sleep, there is something within them that—if I may put it this way—has become like a mineral. The salts in their body are deposited particularly heavily. During this third stage of sleep, there are heavy salt deposits in the person’s physical body. In return, however, the person is present with their soul within the mineral world.

Diagram 1Diagram 1

[ 19 ] Nehmen Sie einmal an, Sie könnten das folgende Experiment machen: Sie legen sich ins Bett, schlafen zunächst den leisen Schlaf, von dem noch Träume für das gewöhnliche Bewußtsein herauskommen können, kommen dann in den tieferen Schlaf, von dem keine Träume kommen, aber der doch die Seele des Menschen noch in einem Zusammenhang mit dem physischen Leib läßt. Jetzt aber schlafen Sie hinüber so, daß starke Salzablagerungen in Ihrem Leibe sind. Zu dem, was da im Leibe vorgeht, können Sie in der Seele kein Verhältnis haben. Wenn Sie dann aber neben sich auf dem Nachtschränkchen einen Bergkristall gelegt hätten, so würden Sie mit Ihrer Seele ganz im Innern dieses Bergkristalles sein können. Sie würden hineinschlüpfen in den Bergkristall, von innen aus ihn wahrnehmen. Das können Sie nicht in der ersten und nicht in der zweiten Gattung des Schlafes. In der ersten Gattung des Schlafes, dessen Inhalt in die Träume hineingehen kann, würden Sie, wenn Sie vom Bergkristall träumen, ihn immer noch als eine Art von Bergkristall erleben. Sie würden zwar etwas Schattenhaftes, aber doch etwas Bergkristalliges erleben. Würden Sie in die zweite Gattung des Schlafes hinuntersinken, so würden Sie den Bergkristall nicht mehr so begrenzt erleben. Wenn Sie dann noch träumen könnten — Sie können es ja gewöhnlich nicht, aber nehmen wir an, Sie könnten es —, dann würden Sie erleben, daß der Bergkristall undeutlich wird und sich zu einer Art von Kugel oder Ellipsoid formt und dann wiederum sich zurückzieht. Wenn Sie aber träumen könnten, das heißt, wenn Sie zur Intuition kommen könnten aus dem tiefen Schlaf, aus der dritten Gattung des Schlafes heraus, dann würden Sie den Bergkristall so erleben, daß Sie sich vorkommen, wie wenn Sie innerlich diesen Linien entlanglaufen, dann der Spitze zulaufen, wiederum zurücklaufen: Sie erleben dann den Bergkristall im Innern. Sie bewohnen ihn. Und so für andere Mineralien. Und nicht nur, daß Sie die Form erleben, Sie erleben auch die inneren Kräfte. Kurz, die dritte Gattung des Schlafes ist etwas, was den Menschen nun ganz herausbringt aus seinem Leibe, was den Menschen ganz hineinstellt in die geistige Welt. Der Mensch steht während dieser dritten Gattung des Schlafes in der dritten Art der Welt darinnen, in dem Wesen der geistigen Welt selbst. Das heißt, Sie stehen drinnen in der Wesenhaftigkeit der Engel, der Erzengel, aller derjenigen Wesen, die man ja sonst nur äußerlich, das heißt nur in ihren Offenbarungen wahrnimmt. Sie sehen, wenn Sie vom Aufwachen bis zum Einschlafen Ihr Sinnesbewußtsein anwenden, gewissermaßen die äußeren Offenbarungen der Götter in der Natur. Sie dringen während des Schlafes ein, entweder bloß in die Bilderwelt im leisesten Schlaf, oder in der zweiten Gattung des Schlafes in die Welt der Erscheinungen, in die Welt der Offenbarungen, oder aber, wenn Sie zur dritten Gattung des Schlafes kommen, in das Innere der göttlich-geistigen Wesenheiten selbst.

[ 19 ] Suppose you could conduct the following experiment: You lie down in bed, first falling into a light sleep from which dreams can still emerge into ordinary consciousness, then entering a deeper sleep from which no dreams arise, but which nevertheless keeps the human soul connected to the physical body. But now you fall into a sleep such that there are strong salt deposits in your body. You cannot relate in your soul to what is happening there within the body. But if you had placed a rock crystal next to you on the nightstand, you would be able to be with your soul entirely within that rock crystal. You would slip into the rock crystal and perceive it from within. You cannot do this in either the first or the second type of sleep. In the first type of sleep, whose content can enter into dreams, if you were to dream of the rock crystal, you would still experience it as a kind of rock crystal. You would experience something shadowy, yet still something crystalline. If you were to sink into the second stage of sleep, you would no longer experience the rock crystal in such a limited way. If you were then able to dream—you usually cannot, but let’s assume you could—you would experience the rock crystal becoming indistinct and forming into a kind of sphere or ellipsoid, and then retreating again. But if you could dream—that is, if you could reach a state of intuition from deep sleep, from the third stage of sleep—then you would experience the rock crystal in such a way that you would feel as if you were walking inwardly along these lines, then heading toward the tip, and then walking back again: you would then experience the rock crystal from within. You would inhabit it. And so it is with other minerals. And not only do you experience the form, you also experience the inner forces. In short, the third stage of sleep is something that completely lifts a person out of their body, placing them entirely within the spiritual world. During this third stage of sleep, a person stands within the third kind of world—within the very essence of the spiritual world itself. That is to say, you stand within the very essence of the angels, the archangels, and all those beings whom one otherwise perceives only externally—that is, only through their manifestations. You see, when you use your sensory consciousness from the moment you wake up until you fall asleep, you perceive, so to speak, the external manifestations of the gods in nature. During sleep, you penetrate either merely into the world of images in the lightest sleep, or—in the second stage of sleep—into the world of appearances, the world of manifestations, or, when you reach the third stage of sleep, into the innermost being of the divine-spiritual entities themselves.

[ 20 ] Also gerade so, wie der Mensch während des Tageszustandes durch Denken, Fühlen und Wollen sich auslebt, so lebt er sich während des Schlafes aus, indem er entweder in den Weltgedanken strömt, oder aus den Weltengedanken heraus sich die Taten der göttlich-geistigen Wesenheiten offenbaren, oder aber diese Wesenheiten selbst den Menschen aufnehmen, so daß er gewissermaßen mit seiner Seele in ihnen ruht, Wie das Denken oder Vorstellen für das Tagesbewußtsein das hellste, das klarste, das deutlichste ist, wie das Fühlen etwas Dumpferes ist — denn das Fühlen ist eigentlich immer eine Art Träumen — und wie das Wollen, der dumpfeste Bewußtseinszustand während des Tages, gewissermaßen ein Schlafen ist, so haben wir drei Schlafzustände: Den Schlafzustand, in dem das gewöhnliche Bewußtsein die Träume und das höhere Bewußtsein, das schauende, das hellsichtige Bewußtsein die Weltengedanken erlebt. Wir haben die zweite Gattung des Schlafes, der schon für das gewöhnliche Bewußtsein unbewußt bleibt, der aber dem inspirierten Bewußtsein so erscheint, daß überall die Taten der göttlich-geistigen Wesenheiten sich offenbaren. Wir haben die dritte Gattung des Schlafes, der sich dem intuitiven Bewußtsein zeigt, in dem es in den göttlich-geistigen Wesenheiten selber darinnen lebt. Wie gesagt, das kündet sich dadurch an, daß man untertaucht zum Beispiel in das Innere der Mineralien. Aber diese dritte Gattung des Schlafes, die hat für den Menschen noch eine besondere Bedeutung.

[ 20 ] Just as a person expresses themselves during the waking state through thinking, feeling, and willing, so too do they express themselves during sleep by either flowing into the thoughts of the worlds, or by having the deeds of the divine-spiritual beings revealed to them from within those thoughts, or by these beings themselves taking the person in, so that, in a sense, their soul rests within them, Just as thinking or imagining is the brightest, clearest, and most distinct aspect of waking consciousness, just as feeling is somewhat more subdued—for feeling is actually always a kind of dreaming—and just as willing, the most subdued state of consciousness during the day, is, in a sense, a form of sleep, so we have three states of sleep: The state of sleep in which ordinary consciousness experiences dreams, and the higher consciousness—the contemplative, clairvoyant consciousness—experiences the thoughts of the worlds. We have the second type of sleep, which remains unconscious even to ordinary consciousness, but which appears to the inspired consciousness in such a way that the deeds of the divine-spiritual beings are revealed everywhere. We have the third type of sleep, which reveals itself to the intuitive consciousness, in which it lives within the divine-spiritual beings themselves. As I said, this manifests itself, for example, by one’s immersion into the inner being of minerals. But this third type of sleep has a special significance for human beings.

[ 21 ] Wenn Sie zunächst die zweite Gattung des Schlafes nehmen, dann finden Sie darinnen, wie ich gesagt habe, auf den erscheinenden, verschwindenden, wogenden Bildern die Weltenwesen der Engel, der Erzengel und so weiter, aber Sie finden sich selber auch. Sie finden sich selber als Seele darinnen, nur nicht wie Sie jetzt sind, sondern wie Sie vor Ihrer Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis waren. Sie lernen sich kennen, wie Sie gelebt haben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Das gehört dieser zweiten Welt an. Und jedesmal, wenn wir traumlos schlafen, leben wir in derselben Welt, in der wir gelebt haben, bevor wir heruntergestiegen sind und einen physischen Leib angenommen haben. Aber wenn Sie in die dritte Gattung des Schlafens kommen, und wenn Sie da aufwachen könnten — das intuitive Bewußtsein wacht auf —, also wenn Sie sich vorstellen, Sie kommen in die dritte Gattung des Schlafes und wachen da auf: dann erleben Sie Ihr Schicksal, Ihr Karma. Dann wissen Sie, warum Sie in diesem Leben besondere Fähigkeiten haben, aus der Beschaffenheit Ihrer vorhergehenden Leben. Dann wissen Sie, warum Sie in diesem Leben mit diesen oder jenen Persönlichkeiten zusammengeführt werden. Dann lernen Sie das Karma kennen, dann lernen Sie Ihr Schicksal kennen. Dieses Schicksal lernt man nur erkennen, wenn man — ich greife die Sache jetzt von einem andern Gesichtspunkte auf — in das Innere der Mineralien einzudringen vermag. Sind Sie imstande, einen Bergkristall nicht nur von außen, sondern von innen zu schauen — Sie dürfen ihn natürlich nicht etwa zerhacken, denn dann wäre das, was Sie sehen, immer wieder außen, natürlich —, sondern Sie müssen so, wie ich es beschrieben habe, sich darinnen befinden; wenn Sie das können, wenn Sie den Kristall von innen sehen können, dann können Sie auch begreifen, warum Sie dieser oder jener Schicksalsschlag in diesem Leben trifft. Nehmen Sie irgendeinen Kristall, nehmen Sie einen gewöhnlichen Salzwürfel.

[ 21 ] If you first consider the second type of sleep, then, as I have said, you will find within it—in the images that appear, disappear, and ebb and flow—the celestial beings of the angels, the archangels, and so on, but you will also find yourself there. You find yourself there as a soul—not as you are now, but as you were before your birth, or rather, before conception. You come to know yourself—how you lived between death and a new birth. This belongs to this second world. And every time we sleep without dreaming, we live in the same world in which we lived before we descended and took on a physical body. But when you enter the third type of sleep, and if you could wake up there—when intuitive consciousness awakens—that is, if you imagine entering the third type of sleep and waking up there: then you experience your destiny, your karma. Then you know why you have special abilities in this life, based on the nature of your previous lives. Then you will know why you are brought together with these or those personalities in this life. Then you will come to understand karma; then you will come to understand your destiny. One can only learn to recognize this destiny if one—I’ll approach the matter from a different angle now—is able to penetrate into the innermost being of minerals. If you are able to look at a rock crystal not only from the outside but also from the inside—of course, you mustn’t chop it up, because then what you see would always be on the outside, naturally—but you must, as I have described, be inside it; if you can do that, if you can see the crystal from the inside, then you can also understand why this or that stroke of fate befalls you in this life. Take any crystal; take an ordinary cube of salt.

Diagram 2Diagram 2

[ 22 ] Sie sehen ihn von außen: so sehen Sie ihn mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Da bleibt Ihnen Ihr Leben undurchsichtig. Wenn Sie in ihn hineindringen können — auf die räumliche Größe kommt es dabei nicht an —, wenn Sie ihn von innen nach allen Seiten sehen können, dann sind Sie in der Welt, in der Sie auch Ihr Schicksal begreifen können. In dieser Welt sind Sie aber jede Nacht, wenn Sie in die dritte Gattung des Schlafes kommen.

[ 22 ] You see it from the outside: that is how you see it with ordinary consciousness. Your life remains a mystery to you. If you can penetrate it—its physical size is irrelevant here—if you can see it from the inside in all directions, then you are in the world where you can also comprehend your destiny. But you are in this world every night when you enter the third stage of sleep.

[ 23 ] Diese dritte Gattung des Schlafes, die hat aber doch noch etwas ganz Besonderes. Sehen Sie, die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha — und wir waren es ja alle selber in unseren früheren Erdenleben —, die Menschen in der Zeitentwickelung vor dem Erscheinen des Christus auf der Erde, die kamen schon sehr häufig in diese dritte Gattung des Schlafes. Aber noch bevor sie, ich möchte sagen, hinuntersanken in diese dritte Gattung des Schlafes, erschien ihr Engel und holte sie wieder herauf. Denn das ist das Eigentümliche: Man kann sich aus der ersten und aus der zweiten Gattung des Schlafes als Mensch immer selbst herausholen, aus der dritten aber nicht mehr. In der dritten Gattung des Schlafes hätte ein Mensch vor der Erscheinung des Christus auf Erden sterben müssen, wenn er nicht von Engel- oder anderen Wesenheiten herausgeholt worden wäre. Seit der Erscheinung des Christus ist die Christus-Kraft, wie ich oft betont habe, mit der Erde verbunden, und jedesmal, wenn der Mensch aufwachen muß aus dieser dritten Gattung des Schlafes, dann muß ihm die ChristusKraft, die durch das Mysterium von Golgatha sich mit der Erde vereinigt hat, zu Hilfe kommen. Der Mensch könnte ohne die ChristusKraft nicht mehr aufwachen aus dieser dritten Gattung des Schlafes. Er kann in die Kristalle hereinschlüpfen, aber er kann nicht wieder herauskommen ohne die Christus-Kraft. Wenn man nämlich hinter die Kulissen des Daseins schaut, dann merkt man schon, was dieser Christus-Impuls für das Erdenleben für eine Bedeutung hat. Also ich betone es stark: Der Mensch konnte in die Kristalle herein, aber er konnte nicht wieder heraus.

[ 23 ] This third type of sleep, however, has something quite special about it. You see, the people facing the Mystery of Golgotha—and we were all among them in our earlier earthly lives—the people in the course of human evolution before the appearance of the Christ on Earth, they very often entered into this third kind of sleep. But even before they, I might say, sank into this third kind of sleep, their angel appeared and brought them back up again. For this is the peculiar thing: As a human being, one can always pull oneself out of the first and second kinds of sleep, but not out of the third. In the third kind of sleep, a human being would have had to die before the appearance of Christ on Earth if they had not been brought out by angels or other beings. Since the appearance of Christ, the Christ-force, as I have often emphasized, has been united with the Earth, and every time a human being must awaken from this third kind of sleep, the Christ-force—which has united itself with the Earth through the Mystery of Golgotha—must come to their aid. Without the Christ-force, a human being could no longer awaken from this third kind of sleep. He can slip into the crystals, but he cannot come out again without the Christ-force. For when one looks behind the scenes of existence, one already realizes what significance this Christ-impulse has for earthly life. So I emphasize this strongly: Human beings could enter the crystals, but they could not come out again.

[ 24 ] Diese Dinge hat man überall dort besonders stark gefühlt, wo nach dem Mysterium von Golgatha, nach der Erscheinung des Christus auf der Erde, noch ein starkes, altes, heidnisches Bewußtsein vorhanden war und dennoch die Christus-Offenbarung schon da war, wie zum Beispiel in mitteleuropäischen Gegenden. Da wußte man von manchen Menschen, daß sie dadurch gestorben waren, daß sie in einen solchen tiefen Schlaf gefallen waren. Sie hätten nicht zu sterben gebraucht, wenn der Christus ihnen zu Hilfe gekommen wäre.

[ 24 ] These things were felt particularly strongly wherever, after the Mystery of Golgotha—after the appearance of the Christ on Earth—a strong, ancient, pagan consciousness still persisted, even though the revelation of the Christ was already present, as was the case, for example, in Central European regions. It was known that some people had died because they had fallen into such a deep sleep. They would not have had to die if Christ had come to their aid.

[ 25 ] So fühlten zum Beispiel Menschen — ich will jetzt nichts anderes als das, was Menschen fühlten, sagen — bei Karl dem Großen oder bei Friedrich Barbarossa. Trotzdem Friedrich Barbarossa für die äußere physische Welt ertrunken ist, wurde dennoch so gefühlt. Aber besonders deutlich wurde es ja bei Karl dem Großen gefühlt. Wo ging für dieses mittelalterliche Bewußtsein solch eine Seele hin? In das Innere der Kristalle. Daher wurde sie in Berge versetzt, und da sollte sie warten, bis der Christus kommt und sie aus dem tiefen Schlaf herausholt. Es hängt diese Art von Sagenbildung mit diesem Bewußtsein zusammen. Das starke Verbundensein mit dem Christus-Impuls seit dem Mysterium von Golgatha auf der Erde, das ist es, was nun die Welt der Angeloi, der Archangeloi und so weiter veranlaßt, den Menschen doch wieder herauszuholen, denn sonst würde er, wenn er in die dritte Gattung des Schlafes versinkt, nicht wieder herausgeholt werden können. Das also hängt mit der Christus-Kraft zusammen, nicht mit dem Glauben an die Christus-Kraft; denn ob einer diesem oder jenem Religionsbekenntnis angehört, das, was Christus auf Erden getan hat, ist im objektiven Sinne getan, und was ich hier als Objektives schildere, findet eben für den Menschen ganz unabhängig vom Glauben statt. Was der Glaube für eine Bedeutung hat, das werden wir in den nächsten Tagen besprechen. Aber dies, was ich jetzt anführe, ist eine objektive Tatsache, die nichts mit dem Glauben zu tun hat.

[ 25 ] For example, this is how people felt—and I want to say nothing other than what people actually felt—toward Charlemagne or Frederick Barbarossa. Even though Frederick Barbarossa had drowned in the eyes of the outer, physical world, this is nonetheless how he was perceived. But it was felt particularly clearly in the case of Charlemagne. Where did such a soul go, according to this medieval consciousness? Into the interior of crystals. That is why it was placed in the mountains, and there it was to wait until Christ comes and awakens it from its deep sleep. This kind of legend-forming is connected to this consciousness. The strong connection to the Christ impulse on Earth since the Mystery of Golgotha—that is what now prompts the world of the angels, the archangels, and so on, to bring humanity out again; for otherwise, if humanity were to sink into the third kind of sleep, it could not be brought out again. This, then, is connected to the Christ-force, not to belief in the Christ-force; for whether one belongs to this or that religious denomination, what Christ did on Earth was done in an objective sense, and what I am describing here as objective takes place for human beings quite independently of belief. We will discuss the significance of belief in the coming days. But what I am stating now is an objective fact that has nothing to do with faith.

[ 26 ] Wodurch aber ist das geschehen? Es ist dadurch geschehen, daß in die Götterwelt selbst ein anderes Schicksal eingezogen ist, als früher darinnen war, ein Schicksal, das ich damit charakterisieren möchte, daß ich sage: Die Menschen hier in der physischen Welt werden geboren und sterben. Es ist die Eigentümlichkeit der göttlich-geistigen Wesen, die den höheren Hierarchien angehören, daß sie nicht geboren werden und sterben, sondern sich bloß verwandeln. Der Christus, der bis zu der Zeit des Mysteriums von Golgatha mit den anderen göttlich-geistigen Wesen lebte, beschloß, den Tod kennenzulernen, auf die Erde herabzusteigen, ein Mensch zu werden, um innerhalb der menschlichen Natur durch den Tod zu gehen, dann wiederum zum Bewußtsein nach dem Tode zu kommen durch die Auferstehung.

[ 26 ] But how did this come about? It happened because a different destiny entered the divine world itself than had previously existed there—a destiny I would like to characterize by saying: Human beings here in the physical world are born and die. It is the characteristic of the divine-spiritual beings belonging to the higher hierarchies that they are not born and do not die, but merely transform. Christ, who until the time of the Mystery of Golgotha lived among the other divine-spiritual beings, decided to experience death, to descend to Earth, to become a human being, to pass through death within human nature, and then to return to consciousness after death through the Resurrection.

[ 27 ] Das ist überhaupt ein sehr bedeutendes Ereignis innerhalb der göttlich-geistigen Welt, daß ein Gott den Tod durchgemacht hat, um alles das tun zu können, was wir schon kennen oder was ich jetzt wiederum beschrieben habe. Wir können also sagen: Da steht in der Geschichte der Erdenentwickelung das bedeutsame Ereignis, daß der Gott Mensch geworden ist und dadurch seine Kraft in so bedeutsamen Erscheinungen flutet, wie die, die ich Ihnen jetzt charakterisiert habe. Der Gott, der Mensch geworden ist, hat solche Kraft im Erdenleben, daß er die Menschenseelen aus dem Kristallinnern herausholt, wenn sie dort hineingekommen sind. So daß, indem wir von Christus sprechen, wir von einem Weltenwesen sprechen, von dem wir sagen müssen: es ist der Gott, der Mensch geworden ist. Was wäre sein Gegenbild? Sein Gegenbild wäre der Mensch, der Gott geworden ist. Es muß ja nicht ein absolut guter Gott sein; sondern so wie Christus hinuntergestiegen ist in die Menschenwelt und den Tod angenommen hat, das heißt zuerst den menschlichen Leib angenommen hat, um teilzunehmen an dem Schicksal der Menschen, so werden wir zum entgegengesetzten Pol geführt, zu dem Menschen, der sich frei macht von dem Tode, frei macht von den Bedingungen des menschlichen Leibes und ein Gott wird innerhalb der Erdenbedingungen. Der würde also dann aufhören, ein sterblicher Mensch zu sein, aber herumwandeln auf der Erde, allerdings nicht unter denselben Bedingungen wie ein gewöhnlicher sterblicher Mensch, der von Geburt zum Tode und vom Tode zu einer neuen Geburt geht, sondern es würde ein solcher gottgewordener Mensch als ein unrechtmäßig auf der Erde gewordener Gott gefunden werden können. Wie der Christus ein rechtmäßig menschgewordener Gott ist, so würden wir zu suchen haben als sein Gegenbild den auf unrechtmäßige Weise gottgewordenen Menschen, den als nicht mehr sterblich herumwandelnden Menschen, der die Gottnatur auf unrechtmäßige Weise angenommen hat. Und es ist Ihnen ja bekannt: Ebenso wie in der christlichen Überlieferung auf den rechtmäßig menschgewordenen Gott, auf den Christus Jesus hingewiesen wird, so wird hingewiesen im Zusammenhange mit dem Christus Jesus auf Ahasver, auf den Menschen, der in unrechtmäßiger Weise Gott geworden ist, der die Sterblichkeit der Menschennatur abgelegt hat. Wir haben also den polarischen Gegensatz zu dem Christus Jesus in Ahasver. Das ist die tiefere Begründung, die tiefere Bedeutung der Ahasver-Sage, jener Sage, welche von etwas spricht, wovon gesprochen werden muß, weil es eine Realität ist: von einem Wesen, das herumwandelt auf der Erde. Sie ist da, diese Ahasver-Gestalt. Sie wandelt auf der Erde herum, sie wandelt von Volk zu Volk. Sie läßt unter anderem zum Beispiel gerade den hebräischen Glauben nicht ersterben. Es ist diese Gestalt vorhanden, diese Ahasver-Gestalt, der unrechtmäßig gewordene Gott.

[ 27 ] It is, in fact, a very significant event within the divine-spiritual world that a God underwent death in order to be able to do all that we already know—or that I have just described once again. We can therefore say: There stands, in the history of Earth’s development, the momentous event that God became human and thereby pours His power into such significant manifestations as those I have just described to you. The God who became human possesses such power in earthly life that He draws human souls out of the crystalline interior once they have entered it. Thus, when we speak of Christ, we are speaking of a cosmic being of whom we must say: He is the God who became human. What would be His opposite? His opposite would be the human being who has become God. It need not, of course, be an absolutely good God; but just as Christ descended into the human world and accepted death—that is, first accepted the human body in order to share in the fate of human beings—so we are led to the opposite pole: to the human being who frees himself from death, frees himself from the conditions of the human body, and becomes a god within earthly conditions. Such a person would then cease to be a mortal human being but would walk the earth—though not under the same conditions as an ordinary mortal human being who passes from birth to death and from death to a new birth—but rather, such a human being who has become a god could be found to be a god who has come to earth unlawfully. Just as Christ is a God who became human in a legitimate manner, so too would we have to seek, as his counterpart, the human who has become a god in an illegitimate manner—the human who walks the earth no longer as a mortal and who has assumed the divine nature in an illegitimate way. And as you well know: Just as Christian tradition points to the God who rightfully became human—to Christ Jesus—so too, in connection with Christ Jesus, reference is made to Ahasver, the human being who has become God in an illegitimate manner, who has cast off the mortality of human nature. We thus have in Ahasver the polar opposite of Christ Jesus. This is the deeper rationale, the deeper meaning of the Ahasver legend—that legend which speaks of something that must be spoken of because it is a reality: of a being who wanders upon the earth. This Ahasver figure is there. He wanders upon the earth; he wanders from people to people. Among other things, it is this figure, for example, that prevents the Hebrew faith from dying out. This figure exists—this Ahasver figure, the God who has been wrongfully cast aside.

[ 28 ] Der Mensch hat alle Veranlassung, wenn er die wirkliche Geschichte kennenlernen will, auf solche Ingredienzien dieser Geschichte sein Augenmerk zu lenken, zu sehen, wie aus den übersinnlichen Welten die Kräfte und Wesen herabspielen in die sinnliche Welt, wie der Christus aus den übersinnlichen Welten in die sinnliche Welt gekommen ist, wie aber auch wiederum die sinnliche Welt heraufspielt in die übersinnlichen Welten, wie wir auch in Ahasver eine wirkliche reale Weltenkraft, eine Weltenwesenheit zu sehen haben. Das Bewußtsein von diesem Wandeln des Ahasver, der natürlich nicht mit physischen Augen, sondern nur unter der Voraussetzung einer gewissen Hellsichtigkeit zu sehen ist, war immer vorhanden. Und die Sagen, die auf ihn hinweisen, haben einen guten, einen objektiven Untergrund. Man versteht das Menschenleben nicht, wenn man es äußerlich nur so betrachtet, wie es die Geschichtsbücher beschreiben, wenn man nicht hinblickt auf die besonderen Ausgestaltungen.

[ 28 ] If a person wishes to come to know true history, they have every reason to focus their attention on such elements of that history, to see how forces and beings descend from the supersensible worlds into the sensible world, how Christ came from the supersensible worlds into the sensible world, and how, in turn, the sensible world ascends into the supersensible worlds—and how we must also see in Ahasver a genuine, real world force, a world being. The awareness of this journey of Ahasver—who, of course, cannot be seen with physical eyes but only through a certain degree of clairvoyance—has always been present. And the legends that point to him have a sound, objective foundation. One cannot understand human life if one views it merely from the outside, as history books describe it, without looking at its specific manifestations.

[ 29 ] Denn wahr ist es: So wie in unserem Innern der Christus lebt seit dem Mysterium von Golgatha, und wie der Christus in unserem Innern wahrnehmbar werden kann, wenn wir nach innen hinein den schauenden Blick zunächst beleben, so wird, wenn wir außen herumschauen im Menschenleben, und da der schauende Blick uns aufgeht bei den meisten Menschen, denen so der schauende Blick aufgeht, ist das der Fall —, so wird uns — wie es ja unverhofft dem Menschen geschieht, der über die Schwelle des Bewußtseins tritt — Ahasverus, der ewige Jude erscheinen. Der Mensch wird ihn vielleicht nicht immer erkennen, er wird ihn für etwas anderes halten. Aber es ist ebenso möglich, daß dem Menschen der ewige Jude erscheint, wie es möglich ist, daß dem Menschen der Christus aufleuchtet, wenn er in sein Inneres schaut.

[ 29 ] For it is true: Just as Christ has lived within us since the Mystery of Golgotha, and just as Christ can become perceptible within us when we first awaken the contemplative gaze within, so too, when we look outward at human life—and since the contemplative gaze opens up for us in most people, for whom the contemplative gaze opens up in this way— then—just as it happens unexpectedly to the person who crosses the threshold of consciousness—Ahasverus, the eternal Jew, will appear to us. The person may not always recognize him; he may mistake him for something else. But it is just as possible for the eternal Jew to appear to a person as it is for the Christ to shine forth when he looks within himself.

[ 30 ] Diese Dinge gehören zu den Weltengeheimnissen, die eben jetzt in unserer Zeit, wo viele Geheimnisse geoffenbart werden sollten, auch offenbar werden müssen.

[ 30 ] These things are among the mysteries of the world that must now be revealed in our time, when many mysteries are to be revealed.

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