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The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211

31 March 1922, Dornach

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Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung
  1. The Spiritual Backgrounds of the Outer World, tr. SOL

5. Das Wesen des Menschen und Sein Ausdruck in der Griechischen Kunst

5. Das Wesen des Menschen und Sein Ausdruck in der Griechischen Kunst

[ 1 ] Vergegenwärtigen wir uns heute einmal die Kräfte, welche die menschliche Wesenheit während des Erdenlebens zusammenhalten, um dadurch in diesen Tagen einen Ausblick in einiges Kosmologische bekommen zu können. Wir wissen ja, daß der Mensch sich gliedert, wenn wir das Nächste betrachten, was ihn im Erdenleben hier ausmacht, in den physischen Leib, in den Bildekräfteleib, den man auch den Ätherleib nennen kann, in den astralischen Leib und in das Ich.

[ 1 ] Vergegenwärtigen wir uns heute einmal die Kräfte, welche die menschliche Wesenheit während des Erdenlebens zusammenhalten, um dadurch in diesen Tagen einen Ausblick in einiges Kosmologische bekommen zu können. Wir wissen ja, daß der Mensch sich gliedert, wenn wir das Nächste betrachten, was ihn im Erdenleben hier ausmacht, in den physischen Leib, in den Bildekräfteleib, den man auch den Ätherleib nennen kann, in den astralischen Leib und in das Ich.

[ 2 ] Stellen wir uns einmal vor Augen, wie wir etwa diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit charakterisieren können. Der physische Leib ist ja das, was dem Menschen dadurch zukommt, daß gewissermaßen die Erdenkräfte für ihn arbeiten. In der Zeit, die der Mensch durchmacht zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, hat er es ja nicht mit diesem physischen Leib zu tun. Aus den Bemerkungen, die ich in den unmittelbar vorangehenden Vorträgen gemacht habe, haben wir gesehen, daß die menschliche Wesenheit, wenn sie heruntersteigt aus geistig-seelischen Gebieten zu einer physischen Verleiblichung, gewissermaßen geistig abgestorben ist und ihreKraft in Innerlichkeit wiederum gewinnen muß durch das Untertauchen in die physische Leiblichkeit. Diese physische Leiblichkeit selber aber wird gewissermaßen aus den Kräften der Erde heraus geboren und verbindet sich mit dem, was aus der geistig-seelischen Welt herunterkommt. Aber kurze Zeit, bevor der Mensch zur physischen Erdenverkörperung gelangt, hat er auch noch nicht den Bildekräfte- oder Ätherleib. Dieser wird ebenso erst mit der menschlichen Wesenheit verbunden für dasErdendasein wie der physische Leib. Nur hat dieser ganzeBildekräfte- oder Ätherleib ein anderes Verhältnis zum Weltenall als der physische Leib.

[ 2 ] Stellen wir uns einmal vor Augen, wie wir etwa diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit charakterisieren können. Der physische Leib ist ja das, was dem Menschen dadurch zukommt, daß gewissermaßen die Erdenkräfte für ihn arbeiten. In der Zeit, die der Mensch durchmacht zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, hat er es ja nicht mit diesem physischen Leib zu tun. Aus den Bemerkungen, die ich in den unmittelbar vorangehenden Vorträgen gemacht habe, haben wir gesehen, daß die menschliche Wesenheit, wenn sie heruntersteigt aus geistig-seelischen Gebieten zu einer physischen Verleiblichung, gewissermaßen geistig abgestorben ist und ihreKraft in Innerlichkeit wiederum gewinnen muß durch das Untertauchen in die physische Leiblichkeit. Diese physische Leiblichkeit selber aber wird gewissermaßen aus den Kräften der Erde heraus geboren und verbindet sich mit dem, was aus der geistig-seelischen Welt herunterkommt. Aber kurze Zeit, bevor der Mensch zur physischen Erdenverkörperung gelangt, hat er auch noch nicht den Bildekräfte- oder Ätherleib. Dieser wird ebenso erst mit der menschlichen Wesenheit verbunden für dasErdendasein wie der physische Leib. Nur hat dieser ganzeBildekräfte- oder Ätherleib ein anderes Verhältnis zum Weltenall als der physische Leib.

[ 3 ] Wenn wir den physischen Leib des Menschen in bezug auf seine Kräfte durchsuchen, so finden wir in ihm eben die Kräfte des Erdenplaneten selber. Wenn wir aber an den Äther- oder Bildekräfteleib des Menschen herangehen, so finden wir in ihm mehr die Kräfte des Kosmos, die Kräfte des gesamten Weltenalls. Dagegen sind im menschlichen astralischen Leib und im menschlichen Ich solche Kräfte enthalten, die eigentlich in dem äußeren Raum des Weltenalls gar nicht angetroffen werden, die, wenn wir uns des Ausdrucks bedienen dürfen, nicht von der Welt sind, der die Erde angehört.

[ 3 ] Wenn wir den physischen Leib des Menschen in bezug auf seine Kräfte durchsuchen, so finden wir in ihm eben die Kräfte des Erdenplaneten selber. Wenn wir aber an den Äther- oder Bildekräfteleib des Menschen herangehen, so finden wir in ihm mehr die Kräfte des Kosmos, die Kräfte des gesamten Weltenalls. Dagegen sind im menschlichen astralischen Leib und im menschlichen Ich solche Kräfte enthalten, die eigentlich in dem äußeren Raum des Weltenalls gar nicht angetroffen werden, die, wenn wir uns des Ausdrucks bedienen dürfen, nicht von der Welt sind, der die Erde angehört.

[ 4 ] Es ist eigentlich so, daß die Erde fortwährend das Bestreben hat, den physischen Leib des Menschen für sich in Anspruch zu nehmen, ihrem eigenen Wesen einzuverleiben. Dagegen hat das Weltenall fortwährend die Tendenz, den Bildekräfte- oder Ätherleib des Menschen in die ganze Welt zu zerstreuen. Wenn der Mensch in dem Zustande ist zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, dann wirken in dem, was im Bette bleibt, in dem physischen und in dem Bildekräfteleib, eigentlich die Kräfte so, daß der physische Leib fortwährend, wenn ich mich so ausdrücken darf, sich mit der Erde verbinden will. Er will der Erde ähnlich werden, er will ganz irdisch werden. Der Bildekräfte- oder Ätherleib will sich in das Weltenall zerstreuen. Und wenn wir des Morgens beim Aufwachen unseren physischen Leib und unseren Ätherleib wiederfinden, so ist es eigentlich so, daß, indem wir da in den physischen Leib hineinkommen, er uns sagt: Mich hat die Erde in Anspruch genommen während der ganzen Nacht, mich wollte die Erde zu Staub formen. Nur dadurch, daß du mich den gestrigen Tag und die vorhergehenden Erdentage zusammengehalten hast durch dein Ich und durch deinen astralischen Leib, bin ich noch ein physischer Leib geblieben; es wirkten in mir die Kräfte des Zusammenhaltens fort. — Ebenso sagt der Bildekräfte- oder Ätherleib: Eben nur, weil ich die Gewohnheit angenommen habe, dir ähnlich zu sein, habe ich die menschliche Form behalten. Eigentlich haben mich die Kräfte des Weltenalls während der Nacht, während du schliefest, während du außer mir warest, in alle Winde zerstreuen wollen.

[ 4 ] Es ist eigentlich so, daß die Erde fortwährend das Bestreben hat, den physischen Leib des Menschen für sich in Anspruch zu nehmen, ihrem eigenen Wesen einzuverleiben. Dagegen hat das Weltenall fortwährend die Tendenz, den Bildekräfte- oder Ätherleib des Menschen in die ganze Welt zu zerstreuen. Wenn der Mensch in dem Zustande ist zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, dann wirken in dem, was im Bette bleibt, in dem physischen und in dem Bildekräfteleib, eigentlich die Kräfte so, daß der physische Leib fortwährend, wenn ich mich so ausdrücken darf, sich mit der Erde verbinden will. Er will der Erde ähnlich werden, er will ganz irdisch werden. Der Bildekräfte- oder Ätherleib will sich in das Weltenall zerstreuen. Und wenn wir des Morgens beim Aufwachen unseren physischen Leib und unseren Ätherleib wiederfinden, so ist es eigentlich so, daß, indem wir da in den physischen Leib hineinkommen, er uns sagt: Mich hat die Erde in Anspruch genommen während der ganzen Nacht, mich wollte die Erde zu Staub formen. Nur dadurch, daß du mich den gestrigen Tag und die vorhergehenden Erdentage zusammengehalten hast durch dein Ich und durch deinen astralischen Leib, bin ich noch ein physischer Leib geblieben; es wirkten in mir die Kräfte des Zusammenhaltens fort. — Ebenso sagt der Bildekräfte- oder Ätherleib: Eben nur, weil ich die Gewohnheit angenommen habe, dir ähnlich zu sein, habe ich die menschliche Form behalten. Eigentlich haben mich die Kräfte des Weltenalls während der Nacht, während du schliefest, während du außer mir warest, in alle Winde zerstreuen wollen.

[ 5 ] Wir haben jedesmal, wenn wir aufwachen, im Grunde genommen die Anstrengung zu machen, unseren physischen Leib wiederum richtig in unseren Besitz zu nehmen. Er will eigentlich uns abhanden kommen vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Das tun wir durch das Ich. Das Ich kann, wenn es dazu geschult ist, sich wirklich so empfinden, als ob es jeden Morgen neuerdings von dem physischen Leib Besitz ergreifen möchte. Der astralische Leib, der kann spüren beim Aufwachen, daß er den Ätherleib sich ähnlich machen muß. Der wollte schon eine unmenschliche Form annehmen. Der astralische Leib muß ihn wiederum in die menschliche Form zurückdrängen. Man möchte sagen: Der physische Leib verliert während des Schlafens die Neigung, sich von dem Ich besitzen zu lassen, und der Ätherleib verliert die Neigung, menschenähnliche Gestalt zu haben. Er flattert aus. So daß tatsächlich die Gestalt, die unser physischer Leib hat, nur ein Ergebnis der Ich-Wirkung in unserer menschlichen Wesenheit ist. In der gegenwärtigen Seelenverfassung haben die Menschen ja nicht viel Empfindung für so etwas, das sich in den Worten ausdrücken läßt: Wenn ich im Aufwachezustand in meinen physischen Leib zurückkehre, dann muß ich ihn erst wiederum in Besitz nehmen. Er wollte mir abhanden kommen, und der Ätherleib wollte zerflattern.

[ 5 ] Wir haben jedesmal, wenn wir aufwachen, im Grunde genommen die Anstrengung zu machen, unseren physischen Leib wiederum richtig in unseren Besitz zu nehmen. Er will eigentlich uns abhanden kommen vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Das tun wir durch das Ich. Das Ich kann, wenn es dazu geschult ist, sich wirklich so empfinden, als ob es jeden Morgen neuerdings von dem physischen Leib Besitz ergreifen möchte. Der astralische Leib, der kann spüren beim Aufwachen, daß er den Ätherleib sich ähnlich machen muß. Der wollte schon eine unmenschliche Form annehmen. Der astralische Leib muß ihn wiederum in die menschliche Form zurückdrängen. Man möchte sagen: Der physische Leib verliert während des Schlafens die Neigung, sich von dem Ich besitzen zu lassen, und der Ätherleib verliert die Neigung, menschenähnliche Gestalt zu haben. Er flattert aus. So daß tatsächlich die Gestalt, die unser physischer Leib hat, nur ein Ergebnis der Ich-Wirkung in unserer menschlichen Wesenheit ist. In der gegenwärtigen Seelenverfassung haben die Menschen ja nicht viel Empfindung für so etwas, das sich in den Worten ausdrücken läßt: Wenn ich im Aufwachezustand in meinen physischen Leib zurückkehre, dann muß ich ihn erst wiederum in Besitz nehmen. Er wollte mir abhanden kommen, und der Ätherleib wollte zerflattern.

[ 6 ] Nehmen wir aber an, es hätte einmal eine Zeit gegeben, in welcher die Menschen noch eine deutliche Empfindung gehabt hätten von diesem Kampf, der sich abspielt bei jedem Aufwachen zwischen dem Ich und dem astralischen Leib einerseits, und dem physischen Leib und dem Ätherleib andererseits. Dann hätten sie ja auch, eben weil sie diese deutliche Empfindung hatten, eine Empfindung davon gehabt, daß es etwas ganz Besonderes sein müßte, wenn der Mensch etwa dazu käme, durch irgend etwas ganz plötzlich seinen physischen Leib und seinen Ätherleib verlassen zu müssen.

[ 6 ] Nehmen wir aber an, es hätte einmal eine Zeit gegeben, in welcher die Menschen noch eine deutliche Empfindung gehabt hätten von diesem Kampf, der sich abspielt bei jedem Aufwachen zwischen dem Ich und dem astralischen Leib einerseits, und dem physischen Leib und dem Ätherleib andererseits. Dann hätten sie ja auch, eben weil sie diese deutliche Empfindung hatten, eine Empfindung davon gehabt, daß es etwas ganz Besonderes sein müßte, wenn der Mensch etwa dazu käme, durch irgend etwas ganz plötzlich seinen physischen Leib und seinen Ätherleib verlassen zu müssen.

[ 7 ] Wenn unter normalen Erdenverhältnissen der Mensch seinen physischen Leib und seinen Ätherleib verläßt, so geschieht ja das dadurch, daß der physische Leib, sei es durch Krankheit, sei es durch Alter, in einem hohen Grade erdenähnlich geworden ist, so daß er sich mit der Erde vereinigen will, oder aber der Mensch hat durch irgendwelche Verletzungen seinen physischen Leib dahin gebracht, daß das Ich ihn nicht mehr besitzen kann und so weiter. Aber nehmen wir an, es käme ganz plötzlich dazu, daß das Ich und der astralische Leib aus dem vollgesunden unverletzten physischen Leib und Ätherleib heraus müßten, so daß also diese im höchsten Sinne noch die Tendenz hätten, vom Ich besessen zu werden und dem astralischen Leib ähnlich zu sein, was müßte dann geschehen?

[ 7 ] Wenn unter normalen Erdenverhältnissen der Mensch seinen physischen Leib und seinen Ätherleib verläßt, so geschieht ja das dadurch, daß der physische Leib, sei es durch Krankheit, sei es durch Alter, in einem hohen Grade erdenähnlich geworden ist, so daß er sich mit der Erde vereinigen will, oder aber der Mensch hat durch irgendwelche Verletzungen seinen physischen Leib dahin gebracht, daß das Ich ihn nicht mehr besitzen kann und so weiter. Aber nehmen wir an, es käme ganz plötzlich dazu, daß das Ich und der astralische Leib aus dem vollgesunden unverletzten physischen Leib und Ätherleib heraus müßten, so daß also diese im höchsten Sinne noch die Tendenz hätten, vom Ich besessen zu werden und dem astralischen Leib ähnlich zu sein, was müßte dann geschehen?

[ 8 ] Der Gedanke könnte in dem alten Menschen aufgedämmert sein: Ja, dann könnte dieser physische Leib nicht ohne weiteres zerfallen.Er kann nur zerfallen, wenn er schon in sich die Tendenzen zum Zerfall hat, wie durch Krankheit oder Altern oder dergleichen. Aber wenn aus dem vollgesunden menschlichen Organismus, in dem der Bildekräfteleib darinnen ist, plötzlich der astralische Leib und das Ich heraus müßten, dann müßte die menschenähnliche Form bleiben, denn es ist noch voll die Tendenz vorhanden, von dem Ich und dem astralischen Leib besessen zu werden. Es müßte voll die menschliche Form dableiben. Der Mensch müßte so werden wie eine Bildsäule. Der physische Leib könnte nicht zerfallen, der Ätherleib könnte nicht unähnlich werden, weil die Trennung zu rasch gewesen wäre. Es müßte der Mensch eine Bildsäule werden.

[ 8 ] Der Gedanke könnte in dem alten Menschen aufgedämmert sein: Ja, dann könnte dieser physische Leib nicht ohne weiteres zerfallen.Er kann nur zerfallen, wenn er schon in sich die Tendenzen zum Zerfall hat, wie durch Krankheit oder Altern oder dergleichen. Aber wenn aus dem vollgesunden menschlichen Organismus, in dem der Bildekräfteleib darinnen ist, plötzlich der astralische Leib und das Ich heraus müßten, dann müßte die menschenähnliche Form bleiben, denn es ist noch voll die Tendenz vorhanden, von dem Ich und dem astralischen Leib besessen zu werden. Es müßte voll die menschliche Form dableiben. Der Mensch müßte so werden wie eine Bildsäule. Der physische Leib könnte nicht zerfallen, der Ätherleib könnte nicht unähnlich werden, weil die Trennung zu rasch gewesen wäre. Es müßte der Mensch eine Bildsäule werden.

[ 9 ] Solch eine Empfindung scheint tatsächlich einmal dagewesen zu sein. Sie kennen ja alle die griechische Sage von Niobe, welche sieben gesunde Söhne und sieben gesunde Töchter hatte und die einmal aus einer Fülle von Gesundheit heraus die Mutter des Apollo und der Artemis verhöhnte, weil diese, trotzdem sie eine Göttin ist, nur zwei Kinder habe: Apollo und Artemis. Sie weigerte sich zu opfern, und die Rache des Gottes oder der Götter kam über sie. Sie mußte es erleben, daß von den Pfeilen des Apollo und der Artemis getroffen ihre sieben Töchter und ihre sieben Söhne ganz plötzlich dahinstarben, getötet wurden. Sie sah das ganze Leichenfeld ihrer vierzehn Sprößlinge vor sich, und ihr Ich und ihr astralischer Leib verbanden sich im Schmerze mit dem, was sie um sich herum sah. Sie kennen die Giebelfiguren der Niobe, die zur Bildsäule wird, um sie herum die sieben Söhne, die sieben Töchter, wie sie an den Tod kommen. Sie selbst wird zur Bildsäule. Der physische Leib, der Ätherleib müssen sich trennen von dem Ich und dem astralischen Leib. Aber dieser physische Leib und der Ätherleib, weil sie so voll von strotzendem Leben waren, daß Niobe selbst die Göttin mit ihren zwei Sprößlingen verhöhnen konnte, konnten nicht den Hang zum Ich verlieren, und der Ätherleib konnte nicht unähnlich werden dem astralischen Leibe. Niobe wurde zur Bildsäule.

[ 9 ] Solch eine Empfindung scheint tatsächlich einmal dagewesen zu sein. Sie kennen ja alle die griechische Sage von Niobe, welche sieben gesunde Söhne und sieben gesunde Töchter hatte und die einmal aus einer Fülle von Gesundheit heraus die Mutter des Apollo und der Artemis verhöhnte, weil diese, trotzdem sie eine Göttin ist, nur zwei Kinder habe: Apollo und Artemis. Sie weigerte sich zu opfern, und die Rache des Gottes oder der Götter kam über sie. Sie mußte es erleben, daß von den Pfeilen des Apollo und der Artemis getroffen ihre sieben Töchter und ihre sieben Söhne ganz plötzlich dahinstarben, getötet wurden. Sie sah das ganze Leichenfeld ihrer vierzehn Sprößlinge vor sich, und ihr Ich und ihr astralischer Leib verbanden sich im Schmerze mit dem, was sie um sich herum sah. Sie kennen die Giebelfiguren der Niobe, die zur Bildsäule wird, um sie herum die sieben Söhne, die sieben Töchter, wie sie an den Tod kommen. Sie selbst wird zur Bildsäule. Der physische Leib, der Ätherleib müssen sich trennen von dem Ich und dem astralischen Leib. Aber dieser physische Leib und der Ätherleib, weil sie so voll von strotzendem Leben waren, daß Niobe selbst die Göttin mit ihren zwei Sprößlingen verhöhnen konnte, konnten nicht den Hang zum Ich verlieren, und der Ätherleib konnte nicht unähnlich werden dem astralischen Leibe. Niobe wurde zur Bildsäule.

[ 10 ] Solch ein Kunstwerk ist durchaus hervorgegangen aus einer tiefen Weltanschauungsempfindung, aus etwas, das man aus der damaligen Weltanschauung heraus wie eine Wahrheit empfunden hat. Man hat eben empfunden: Wäre Niobe nicht von so strotzendem Leben gewesen, daß sie zur Verhöhnung der Göttin Latona kommen konnte, dann hätte sie so sterben können, daß ihr physischer Leib zerfallen wäre. Aber sie ist eben von so strotzendem Leben gewesen, daß sie sich selbst gegen die Götter auflehnte, daß sie also voll in diesem physischen Leib drinnen lebte. Und so sehen wir, daß der griechische Genius empfindet: Wegen des schnellen Herausgehens des Ich und des astralischen Leibes aus dem physischen und dem Ätherleib wird die Niobe zur Bildsäule.

[ 10 ] Solch ein Kunstwerk ist durchaus hervorgegangen aus einer tiefen Weltanschauungsempfindung, aus etwas, das man aus der damaligen Weltanschauung heraus wie eine Wahrheit empfunden hat. Man hat eben empfunden: Wäre Niobe nicht von so strotzendem Leben gewesen, daß sie zur Verhöhnung der Göttin Latona kommen konnte, dann hätte sie so sterben können, daß ihr physischer Leib zerfallen wäre. Aber sie ist eben von so strotzendem Leben gewesen, daß sie sich selbst gegen die Götter auflehnte, daß sie also voll in diesem physischen Leib drinnen lebte. Und so sehen wir, daß der griechische Genius empfindet: Wegen des schnellen Herausgehens des Ich und des astralischen Leibes aus dem physischen und dem Ätherleib wird die Niobe zur Bildsäule.

[ 11 ] Wenn man nämlich zurücksieht in der Menschheitsentwickelung, dann schließt sich immer die Kunst durchaus an das Empfinden an, welches mit der Weltanschauung einer betreffenden Zeit zusammenhängt. Wir können das aber auch noch an vielem anderen sehen. Lenken wir noch einmal unseren Blick darauf, wie der Mensch beim Aufwachen wiederum Besitz ergreifen muß von seinem physischen Leibe, weil dieser physische Leib der Erde ähnlich werden will. Hätte Niobe auch nur eine Nacht schlafen können, nachdem sie ihren Schmerz erfahren hatte, dann hätte sie nicht mehr zur Bildsäule werden können, denn der physische Leib würde dann schon die Kräfte in sich aufgenommen haben, der Erde ähnlich zu werden, das heißt zu zerfallen. Die menschliche Wesenheit muß also an jedem Morgen wiederum von dem physischen Leib Besitz ergreifen, und der astralische Leib muß jeden Morgen den Ätherleib sich ähnlich formen, ihn wiederum plastisch gestalten, so daß er menschenähnliche Form annimmt.

[ 11 ] Wenn man nämlich zurücksieht in der Menschheitsentwickelung, dann schließt sich immer die Kunst durchaus an das Empfinden an, welches mit der Weltanschauung einer betreffenden Zeit zusammenhängt. Wir können das aber auch noch an vielem anderen sehen. Lenken wir noch einmal unseren Blick darauf, wie der Mensch beim Aufwachen wiederum Besitz ergreifen muß von seinem physischen Leibe, weil dieser physische Leib der Erde ähnlich werden will. Hätte Niobe auch nur eine Nacht schlafen können, nachdem sie ihren Schmerz erfahren hatte, dann hätte sie nicht mehr zur Bildsäule werden können, denn der physische Leib würde dann schon die Kräfte in sich aufgenommen haben, der Erde ähnlich zu werden, das heißt zu zerfallen. Die menschliche Wesenheit muß also an jedem Morgen wiederum von dem physischen Leib Besitz ergreifen, und der astralische Leib muß jeden Morgen den Ätherleib sich ähnlich formen, ihn wiederum plastisch gestalten, so daß er menschenähnliche Form annimmt.

[ 12 ] Es gab innerhalb der griechischen Entwickelung eine Zeit, wo man das recht lebendig empfunden hat, daß der Mensch jeden Morgen Kräfte entwickeln muß, um starken Besitz von seinem physischen Leib zu nehmen. Der Grieche hat eine gewisse Befriedigung gehabt an dem Besitz seines physischen Leibes, und da er gewußt hat: jeden Morgen muß neu Besitz ergriffen werden vom physischen Leib, so hat er das Bedürfnis empfunden, die Kräfte, welche Besitz ergreifen können vom physischen Leib, und auch diejenigen, welche den astralischen Leib stark machen, zu verstärken, um sich den Ätherleib jeden Morgen wiederum ähnlich zu machen.

[ 12 ] Es gab innerhalb der griechischen Entwickelung eine Zeit, wo man das recht lebendig empfunden hat, daß der Mensch jeden Morgen Kräfte entwickeln muß, um starken Besitz von seinem physischen Leib zu nehmen. Der Grieche hat eine gewisse Befriedigung gehabt an dem Besitz seines physischen Leibes, und da er gewußt hat: jeden Morgen muß neu Besitz ergriffen werden vom physischen Leib, so hat er das Bedürfnis empfunden, die Kräfte, welche Besitz ergreifen können vom physischen Leib, und auch diejenigen, welche den astralischen Leib stark machen, zu verstärken, um sich den Ätherleib jeden Morgen wiederum ähnlich zu machen.

[ 13 ] Wenn der Mensch wachend, bewußt den ganzen Vorgang verfolgen würde, der beim Aufwachen sich abspielt, so würde er im Aufwachen sich jeden Morgen sagen: Daß mir nur ja mein physischer Leib nicht abhanden kommt, daß ich nur ja wiederum in diesen physischen Leib richtig hineinkomme! — Furcht hätte der Mensch davor, nicht richtig in den physischen Leib hineinkommen zu können. Der Grieche in der älteren Zeit wußte viel von dieser Furcht, und er wußte ebensogut: Der Ätherleib bekommt jede Nacht eine eigentümliche Neigung, in vier verschiedene Gestalten auseinander zu flattern, zu etwas zu werden, was engelartig ist, was löwenartig ist, was adlerartig ist und was ochsenartig ist. Man muß jeden Morgen vom astralischen Leib aus sich wieder bemühen, diese vier Glieder des Ätherleibes, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, so durcheinander zu synthetisieren, daß wiederum ein richtiger Mensch daraus wird. Aber die Griechen hatten das Leben im physischen und im Ätherleib gern. Ich habe Ihnen ja öfter jenen Ausspruch angeführt, der uns aus Griechenland herauftönt: «Lieber ein Bettler auf der Erde als ein König im Reiche der Schatten», in der Unterwelt. — Der Grieche liebte dieses physische Dasein. Er wollte also auch gestärkt werden in dem Besitzergreifen seines physischen Leibes, in dem Ähnlichwerden des Ätherleibes dem Menschen. Und sehen Sie, mit aus dieser Tendenz heraus entstand die Tragödie. Und Aristoteles noch gibt eine Definition von der Tragödie, von dem Trauerspiel, die deutlich darauf hinweist, daß im Grunde genommen die Griechen nicht die Tragödie sich so gedacht haben, wie der moderne Mensch sie sich denkt. Ich weiß nicht, ob jemand andere Erfahrungen hat, aber ich habe zumeist die Erfahrung gemacht, daß die Leute heute glauben, Trauerspiele gibt es aus dem Grunde, weil, wenn man den ganzen Tag über sich abgegeben hat mit dem, was eben der Tag bringt, man sich abends gern ein paar Stunden hinsetzt, um in einer mehr oder weniger aufregenden Art etwas zu erleben, was kein wirkliches Erlebnis, sondern nur ein Bild ist.

[ 13 ] Wenn der Mensch wachend, bewußt den ganzen Vorgang verfolgen würde, der beim Aufwachen sich abspielt, so würde er im Aufwachen sich jeden Morgen sagen: Daß mir nur ja mein physischer Leib nicht abhanden kommt, daß ich nur ja wiederum in diesen physischen Leib richtig hineinkomme! — Furcht hätte der Mensch davor, nicht richtig in den physischen Leib hineinkommen zu können. Der Grieche in der älteren Zeit wußte viel von dieser Furcht, und er wußte ebensogut: Der Ätherleib bekommt jede Nacht eine eigentümliche Neigung, in vier verschiedene Gestalten auseinander zu flattern, zu etwas zu werden, was engelartig ist, was löwenartig ist, was adlerartig ist und was ochsenartig ist. Man muß jeden Morgen vom astralischen Leib aus sich wieder bemühen, diese vier Glieder des Ätherleibes, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, so durcheinander zu synthetisieren, daß wiederum ein richtiger Mensch daraus wird. Aber die Griechen hatten das Leben im physischen und im Ätherleib gern. Ich habe Ihnen ja öfter jenen Ausspruch angeführt, der uns aus Griechenland herauftönt: «Lieber ein Bettler auf der Erde als ein König im Reiche der Schatten», in der Unterwelt. — Der Grieche liebte dieses physische Dasein. Er wollte also auch gestärkt werden in dem Besitzergreifen seines physischen Leibes, in dem Ähnlichwerden des Ätherleibes dem Menschen. Und sehen Sie, mit aus dieser Tendenz heraus entstand die Tragödie. Und Aristoteles noch gibt eine Definition von der Tragödie, von dem Trauerspiel, die deutlich darauf hinweist, daß im Grunde genommen die Griechen nicht die Tragödie sich so gedacht haben, wie der moderne Mensch sie sich denkt. Ich weiß nicht, ob jemand andere Erfahrungen hat, aber ich habe zumeist die Erfahrung gemacht, daß die Leute heute glauben, Trauerspiele gibt es aus dem Grunde, weil, wenn man den ganzen Tag über sich abgegeben hat mit dem, was eben der Tag bringt, man sich abends gern ein paar Stunden hinsetzt, um in einer mehr oder weniger aufregenden Art etwas zu erleben, was kein wirkliches Erlebnis, sondern nur ein Bild ist.

[ 14 ] So hat der Grieche in der Zeit, als die griechische Kultur eigentlich nach und nach entstanden ist, durchaus nicht gedacht. Dem Griechen war das Leben Eines, und alles, was er in das Leben hineingesetzt hat, das war ihm etwas, das eben wirklich der Gesamtheit dieses Lebens auch lebendig angehören sollte. Und die Tragödie war ihm das Mittel, damit der Mensch richtig seinen physischen Leib besitzen und seinen Ätherleib formen könne. Und die Tragödie wurde so ausgebildet, daß, indem der Mensch sie ansah, er Furcht und Mitleid empfinden sollte. Warum sollte der Mensch da in der Tragödie Furcht erleben? Er sollte Furcht erleben, weil durch das Erleben dieser Furcht gestärkt wird seine Kraft, den physischen Leib in der richtigen Weise an jedem Morgen in Besitz zu nehmen. Und Mitleid sollte er empfinden, weil dadurch sein astralischer Leib an jedem Morgen stärker gemacht wird, um den Ätherleib in der richtigen Weise zu formen. Setzt mir Tragödien vor, sagte der Grieche, dann bin ich imstande, meinen physischen Leib richtig in Besitz zu nehmen, meinen Ätherleib richtig aufzubauen, dann bin ich im vollsten Sinne des Wortes imstande, ein rechter Mensch zu sein. Der Grieche wollte ein rechter Mensch im Erdendasein sein. Dazu sollte ihm neben dem anderen, daß er in seine Kultur sich hineinstellte, auch das Trauerspiel, die Tragödie dienen. Natürlich setzt das voraus, daß man in jenen älteren Zeiten gewußt hat, wie das Geistig-Seelische, das Ich und der astralische Leib des Menschen, zusammenhängt mit dem Physischen und dem Ätherischen des Menschen.

[ 14 ] So hat der Grieche in der Zeit, als die griechische Kultur eigentlich nach und nach entstanden ist, durchaus nicht gedacht. Dem Griechen war das Leben Eines, und alles, was er in das Leben hineingesetzt hat, das war ihm etwas, das eben wirklich der Gesamtheit dieses Lebens auch lebendig angehören sollte. Und die Tragödie war ihm das Mittel, damit der Mensch richtig seinen physischen Leib besitzen und seinen Ätherleib formen könne. Und die Tragödie wurde so ausgebildet, daß, indem der Mensch sie ansah, er Furcht und Mitleid empfinden sollte. Warum sollte der Mensch da in der Tragödie Furcht erleben? Er sollte Furcht erleben, weil durch das Erleben dieser Furcht gestärkt wird seine Kraft, den physischen Leib in der richtigen Weise an jedem Morgen in Besitz zu nehmen. Und Mitleid sollte er empfinden, weil dadurch sein astralischer Leib an jedem Morgen stärker gemacht wird, um den Ätherleib in der richtigen Weise zu formen. Setzt mir Tragödien vor, sagte der Grieche, dann bin ich imstande, meinen physischen Leib richtig in Besitz zu nehmen, meinen Ätherleib richtig aufzubauen, dann bin ich im vollsten Sinne des Wortes imstande, ein rechter Mensch zu sein. Der Grieche wollte ein rechter Mensch im Erdendasein sein. Dazu sollte ihm neben dem anderen, daß er in seine Kultur sich hineinstellte, auch das Trauerspiel, die Tragödie dienen. Natürlich setzt das voraus, daß man in jenen älteren Zeiten gewußt hat, wie das Geistig-Seelische, das Ich und der astralische Leib des Menschen, zusammenhängt mit dem Physischen und dem Ätherischen des Menschen.

[ 15 ] Aristoteles gibt eine Definition des Trauerspieles. Er sagt: Das Trauerspiel, die Tragödie ist die Nachahmung einer Handlung, durch die Furcht und Mitleid erregt werden, damit der Mensch durch die Erregung von Furcht und Mitleid die Katharsis, die Krisis von Furcht und Mitleid erlebt. — Krisis, Katharsis, das ist ein Ausdruck, welcher der älteren griechischen Medizin, der Heilkunst entlehnt ist, und es wird eben die Tragödie selbst da noch, als Aristoteles schon das Griechentum in die Pedanterie hinaus entwickelte, so von ihm empfunden, daß sie etwas Heilendes, etwas Stärkendes für den Menschen haben soll.

[ 15 ] Aristoteles gibt eine Definition des Trauerspieles. Er sagt: Das Trauerspiel, die Tragödie ist die Nachahmung einer Handlung, durch die Furcht und Mitleid erregt werden, damit der Mensch durch die Erregung von Furcht und Mitleid die Katharsis, die Krisis von Furcht und Mitleid erlebt. — Krisis, Katharsis, das ist ein Ausdruck, welcher der älteren griechischen Medizin, der Heilkunst entlehnt ist, und es wird eben die Tragödie selbst da noch, als Aristoteles schon das Griechentum in die Pedanterie hinaus entwickelte, so von ihm empfunden, daß sie etwas Heilendes, etwas Stärkendes für den Menschen haben soll.

[ 16 ] Versuchen wir einmal diesen Ausdruck «Katharsis», der ja auch aus den Mysterien kommt — und was er in den Mysterien bedeutet, haben wir ja öfter erklärt —, uns im gewöhnlichen Leben klar zu machen.

[ 16 ] Versuchen wir einmal diesen Ausdruck «Katharsis», der ja auch aus den Mysterien kommt — und was er in den Mysterien bedeutet, haben wir ja öfter erklärt —, uns im gewöhnlichen Leben klar zu machen.

[ 17 ] Wenn der Mensch innerlich krank wird, was geht da eigentlich vor? Es treten im Menschen Leiden, Schmerzen auf, die sonst nicht vorhanden sind. Er beginnt seinen Organismus zu spüren, in irgendeiner Weise zu empfinden, so zu empfinden, wie er ihn im normalen, im sogenannten gesunden Leben eben nicht empfindet. Im gesunden Leben tut einem nichts weh zunächst, glaubt man. Wenn man krank wird, beginnt etwas weh zu tun, Schmerzen zu machen. Das bedeutet aber nichts anderes, als daß das Ich und der astralische Leib nicht in der richtigen Weise — verzeihen Sie den etwas groben Ausdruck — eingehängt sind in den physischen Leib und in den Ätherleib. Wird nun der Mensch zur Heilung, zur Gesundung wieder geführt, so bekommt das Ich und der astralische Leib die Kraft, sich wiederum in der richtigen Weise einzuhängen. Das Ich und der astralische Leib bekommen eine größere Kraft über den physischen Leib in der Heilung, als sie vor der Heilung gehabt haben.

[ 17 ] Wenn der Mensch innerlich krank wird, was geht da eigentlich vor? Es treten im Menschen Leiden, Schmerzen auf, die sonst nicht vorhanden sind. Er beginnt seinen Organismus zu spüren, in irgendeiner Weise zu empfinden, so zu empfinden, wie er ihn im normalen, im sogenannten gesunden Leben eben nicht empfindet. Im gesunden Leben tut einem nichts weh zunächst, glaubt man. Wenn man krank wird, beginnt etwas weh zu tun, Schmerzen zu machen. Das bedeutet aber nichts anderes, als daß das Ich und der astralische Leib nicht in der richtigen Weise — verzeihen Sie den etwas groben Ausdruck — eingehängt sind in den physischen Leib und in den Ätherleib. Wird nun der Mensch zur Heilung, zur Gesundung wieder geführt, so bekommt das Ich und der astralische Leib die Kraft, sich wiederum in der richtigen Weise einzuhängen. Das Ich und der astralische Leib bekommen eine größere Kraft über den physischen Leib in der Heilung, als sie vor der Heilung gehabt haben.

[ 18 ] Nehmen wir an, der Mensch verfällt einer Lungenkrankheit. Sein Ich und sein astralischer Leib sind nicht richtig in den Ätherteil der Lunge und in den physischen Teil der Lunge eingeschaltet. Was bei der Heilung vorgeht, ist wiederum die richtige Einschaltung. Und die Krisis besteht eben darin, daß außerhalb der richtigen Einschaltung das Ich und der astralische Leib die Kraft bekommen, sich nachher wieder richtig einzuschalten. Das, was da in der Krankheit in einer äußerlichen Weise vor sich geht, das sah der Grieche fortwährend in einer innerlichen Weise in dem Menschen vor sich gehen.

[ 18 ] Nehmen wir an, der Mensch verfällt einer Lungenkrankheit. Sein Ich und sein astralischer Leib sind nicht richtig in den Ätherteil der Lunge und in den physischen Teil der Lunge eingeschaltet. Was bei der Heilung vorgeht, ist wiederum die richtige Einschaltung. Und die Krisis besteht eben darin, daß außerhalb der richtigen Einschaltung das Ich und der astralische Leib die Kraft bekommen, sich nachher wieder richtig einzuschalten. Das, was da in der Krankheit in einer äußerlichen Weise vor sich geht, das sah der Grieche fortwährend in einer innerlichen Weise in dem Menschen vor sich gehen.

[ 19 ] Der Grieche empfand so: Wenn der Mensch gar nichts für sich tut, dann werden sein Ich und sein astralischer Leib immer fremder dem physischen und dem Ätherleib. Die können immer weniger vom physischen Leib Besitz ergreifen und immer weniger den Ätherleib nach sich formen. Man muß sie herausbringen, damit sie sich dann wiederum in der richtigen Weise hineinstellen. Man muß den astralischen Leib durchströmen von angeschauten Leiden, von Mitleiden. Und man muß das Ich durchströmen von Furcht. Wenn das Ich die Furcht erlebt, dann stärkt es sich. Und das Ich übersteht diese Furcht, weil sie eben nur durch das Bild vorgeführt wird. Das Ich also geht nicht zugrunde unter der Furcht, es übersteht die Furcht, es macht die Krisis, die Katharsis durch, und hat dadurch eine verstärkte Kraft, um den physischen Leib wiederum jeden Morgen in Besitz zu nehmen. Ebenso wird durch das Mitleid, durch das Anschauen des Leides, der astralische Leib verstärkt, sich den Ätherleib immer ähnlicher und ähnlicher zu machen.

[ 19 ] Der Grieche empfand so: Wenn der Mensch gar nichts für sich tut, dann werden sein Ich und sein astralischer Leib immer fremder dem physischen und dem Ätherleib. Die können immer weniger vom physischen Leib Besitz ergreifen und immer weniger den Ätherleib nach sich formen. Man muß sie herausbringen, damit sie sich dann wiederum in der richtigen Weise hineinstellen. Man muß den astralischen Leib durchströmen von angeschauten Leiden, von Mitleiden. Und man muß das Ich durchströmen von Furcht. Wenn das Ich die Furcht erlebt, dann stärkt es sich. Und das Ich übersteht diese Furcht, weil sie eben nur durch das Bild vorgeführt wird. Das Ich also geht nicht zugrunde unter der Furcht, es übersteht die Furcht, es macht die Krisis, die Katharsis durch, und hat dadurch eine verstärkte Kraft, um den physischen Leib wiederum jeden Morgen in Besitz zu nehmen. Ebenso wird durch das Mitleid, durch das Anschauen des Leides, der astralische Leib verstärkt, sich den Ätherleib immer ähnlicher und ähnlicher zu machen.

[ 20 ] Das also kann Ihnen zeigen, wie man in Griechenland in der Kunst etwas gesehen hat, was auf der einen Seite voll zusammenhängt mit dem menschlichen Wesen, wie die Niobe-Gestalt zeigt, oder was im Menschenwerden und im Menschenerziehungs-Prozesse wirken soll. Des Griechen Blick war eben immer auf den konkreten Menschen hin gerichtet und man kann sagen: Seit der Griechenzeit wurde eigentlich das Wesen des Menschen vom Menschen selber verloren.

[ 20 ] Das also kann Ihnen zeigen, wie man in Griechenland in der Kunst etwas gesehen hat, was auf der einen Seite voll zusammenhängt mit dem menschlichen Wesen, wie die Niobe-Gestalt zeigt, oder was im Menschenwerden und im Menschenerziehungs-Prozesse wirken soll. Des Griechen Blick war eben immer auf den konkreten Menschen hin gerichtet und man kann sagen: Seit der Griechenzeit wurde eigentlich das Wesen des Menschen vom Menschen selber verloren.

[ 21 ] Das tritt einem ja besonders stark entgegen, wenn man den Blick wendet auf den jungen Goethe. Goethe lernt wirklich schon in seinen jungen Jahren viel von der Welt kennen, von der Welt seiner Umgebung, von der Art und Weise, wie die Menschen denken, wie sie empfinden. Und er lernt sogar sehr viel von dem kennen, wie außerordentlich bedeutende, genialische Menschen versuchen, sich die Welt vorzustellen. Aber es ist für Goethe — ich habe das hier schon einmal auseinandergesetzt — ein Kampf, hineinzuwachsen in seine Kulturumgebung. Denn wir wissen ja, seit den letzten vier bis fünf Jahrhunderten ist die Kulturwelt intellektualistisch geworden, und Goethe empfand diesen Intellektualismus, der über alles sich ergossen hat. Er drückte das im «Faust» aus: Philosophie ist intellektualistisch geworden, Juristerei ist intellektualistisch geworden, Medizin ist intellektualistisch geworden, "Theologie sogar ist intellektualistisch geworden. Faust hat alles das studiert. Aber der bloße Gedanke, der in dem allem lebt, der ist ihm etwas Wirklichkeitsfremdes. Er will die geistigen Grundlagen des Daseins zu sich in Beziehung bringen. — Das ist im Grunde genommen Goethes Empfindung. Dieses IntellektualistischWerden des modernen Menschen, das mußte natürlich Goethe zugeben, denn es war so die Zeitentwickelung. Die Menschheitsentwickelung war eben an diesem Punkte angelangt. Aber für ihn war es ein Kampf, weil der Gedanke doch nicht das volle Menschliche intensiv umfaßt. Er fühlte sich der Welt fremd, indem er die Welt ringsherum als eine gedankliche sich entwickeln sah.

[ 21 ] Das tritt einem ja besonders stark entgegen, wenn man den Blick wendet auf den jungen Goethe. Goethe lernt wirklich schon in seinen jungen Jahren viel von der Welt kennen, von der Welt seiner Umgebung, von der Art und Weise, wie die Menschen denken, wie sie empfinden. Und er lernt sogar sehr viel von dem kennen, wie außerordentlich bedeutende, genialische Menschen versuchen, sich die Welt vorzustellen. Aber es ist für Goethe — ich habe das hier schon einmal auseinandergesetzt — ein Kampf, hineinzuwachsen in seine Kulturumgebung. Denn wir wissen ja, seit den letzten vier bis fünf Jahrhunderten ist die Kulturwelt intellektualistisch geworden, und Goethe empfand diesen Intellektualismus, der über alles sich ergossen hat. Er drückte das im «Faust» aus: Philosophie ist intellektualistisch geworden, Juristerei ist intellektualistisch geworden, Medizin ist intellektualistisch geworden, "Theologie sogar ist intellektualistisch geworden. Faust hat alles das studiert. Aber der bloße Gedanke, der in dem allem lebt, der ist ihm etwas Wirklichkeitsfremdes. Er will die geistigen Grundlagen des Daseins zu sich in Beziehung bringen. — Das ist im Grunde genommen Goethes Empfindung. Dieses IntellektualistischWerden des modernen Menschen, das mußte natürlich Goethe zugeben, denn es war so die Zeitentwickelung. Die Menschheitsentwickelung war eben an diesem Punkte angelangt. Aber für ihn war es ein Kampf, weil der Gedanke doch nicht das volle Menschliche intensiv umfaßt. Er fühlte sich der Welt fremd, indem er die Welt ringsherum als eine gedankliche sich entwickeln sah.

[ 22 ] Einer derjenigen Menschen, die damals, als Goethe jung war, mit einer gewissen Selbstverständlichkeit und in energischer Weise hineinstrebten in das Intellektualistische, war Lessing. Goethe hätte Lessing begegnen können in Leipzig. Er hat es vermieden, weil ihm Lessing zu intellektualistisch war. Herder, später in Straßburg, war es nicht. Herder war trotz des Intellektualismus voll Empfindung und voll Gefühl zu einer umfassenden Weltanschauung gekommen. Da konnte Goethe heran. Lessing war ihm etwas unheimlich Verständiges. Den vermied er.

[ 22 ] Einer derjenigen Menschen, die damals, als Goethe jung war, mit einer gewissen Selbstverständlichkeit und in energischer Weise hineinstrebten in das Intellektualistische, war Lessing. Goethe hätte Lessing begegnen können in Leipzig. Er hat es vermieden, weil ihm Lessing zu intellektualistisch war. Herder, später in Straßburg, war es nicht. Herder war trotz des Intellektualismus voll Empfindung und voll Gefühl zu einer umfassenden Weltanschauung gekommen. Da konnte Goethe heran. Lessing war ihm etwas unheimlich Verständiges. Den vermied er.

[ 23 ] Aus dieser Stimmung heraus kann man auch begreifen, wie Goethe in einem bestimmten Alter nicht mehr anders konnte als herauszukommen aus dieser Welt, in der man über alles denken will. Goethe wäre zu einer bestimmten Zeit in Weimar am liebsten aus seiner ganzen Haut herausgefahren, trotzdem es ihm außerordentlich gut ging; trotzdem er vergöttert wurde am Weimarischen Hofe, konnte er es nicht aushalten. Er konnte die ganzen Verhältnisse nicht aushalten. Er konnte auch das nicht aushalten: Dieser Herder, der studierte ja den Spinoza. Spinoza aber ist im Grunde genommen eine ganze Gedankenmaschinerie, eine wunderbare, aber man kommt ja weg von der Welt, wenn man sich in diese Gedankenmaschinerie hineinverspinnt.

[ 23 ] Aus dieser Stimmung heraus kann man auch begreifen, wie Goethe in einem bestimmten Alter nicht mehr anders konnte als herauszukommen aus dieser Welt, in der man über alles denken will. Goethe wäre zu einer bestimmten Zeit in Weimar am liebsten aus seiner ganzen Haut herausgefahren, trotzdem es ihm außerordentlich gut ging; trotzdem er vergöttert wurde am Weimarischen Hofe, konnte er es nicht aushalten. Er konnte die ganzen Verhältnisse nicht aushalten. Er konnte auch das nicht aushalten: Dieser Herder, der studierte ja den Spinoza. Spinoza aber ist im Grunde genommen eine ganze Gedankenmaschinerie, eine wunderbare, aber man kommt ja weg von der Welt, wenn man sich in diese Gedankenmaschinerie hineinverspinnt.

[ 24 ] Und so mußte er nach Italien, denn er wollte den Menschen entdecken. Er wollte in dem Empfinden der griechischen Kunst, der antiken Kunst, den Menschen entdecken, der dem modernen Menschen fremd geworden war. Goethe lechzte nach der Entdeckung, nach dem Erleben des Menschen. Und im Grunde genommen ist ja die ganze Anthroposophie nichts anderes als eine Weltanschauung, die der Sehnsucht entspringt, den Menschen in seinem ganzen Wesen zu finden, sich die Frage zu beantworten: Was ist eigentlich dieser Mensch? Wie steht er drinnen im Leben?

[ 24 ] Und so mußte er nach Italien, denn er wollte den Menschen entdecken. Er wollte in dem Empfinden der griechischen Kunst, der antiken Kunst, den Menschen entdecken, der dem modernen Menschen fremd geworden war. Goethe lechzte nach der Entdeckung, nach dem Erleben des Menschen. Und im Grunde genommen ist ja die ganze Anthroposophie nichts anderes als eine Weltanschauung, die der Sehnsucht entspringt, den Menschen in seinem ganzen Wesen zu finden, sich die Frage zu beantworten: Was ist eigentlich dieser Mensch? Wie steht er drinnen im Leben?

[ 25 ] Dadurch aber werden allmählich auch immer mehr und mehr anschaulich die Dinge, die aus vollem Erfühlen der menschlichen Wesenheit sich in die Zivilisationsentwickelung hineingestellt haben, wie die Tragödie, oder solch ein Kunstwerk wie die Niobe-Gruppe. Nehmen Sie diese Niobe-Gruppe. Niobe, in ihrer Seele, das heißt in ihrem Ich, in ihrem astralischen Leib, lebt ganz draußen; die strahlen ganz aus, hinaus in die Sphäre, woher ihr Schmerz kommt. Die Seele wird durch den Schmerz herausgerissen. Der Körper ist noch durchsetzt von den Kräften des Ich und des Astralischen. Die Form bleibt, die Form hält fest zusammen. Bildsäule wird sie, die Niobe.

[ 25 ] Dadurch aber werden allmählich auch immer mehr und mehr anschaulich die Dinge, die aus vollem Erfühlen der menschlichen Wesenheit sich in die Zivilisationsentwickelung hineingestellt haben, wie die Tragödie, oder solch ein Kunstwerk wie die Niobe-Gruppe. Nehmen Sie diese Niobe-Gruppe. Niobe, in ihrer Seele, das heißt in ihrem Ich, in ihrem astralischen Leib, lebt ganz draußen; die strahlen ganz aus, hinaus in die Sphäre, woher ihr Schmerz kommt. Die Seele wird durch den Schmerz herausgerissen. Der Körper ist noch durchsetzt von den Kräften des Ich und des Astralischen. Die Form bleibt, die Form hält fest zusammen. Bildsäule wird sie, die Niobe.

[ 26 ] Nehmen Sie den entgegengesetzten Fall: Es sei gar keine Veranlassung da, daß das Ich und der astralische Leib aus dem physischen und aus dem Ätherleib heraus sollen, und dennoch, sie werden herausgetrieben, weil der physische und der Ätherleib von außen zerstört werden, weil sie genommen werden dem Ich und dem astralischen Leibe. Da müssen also dieses Ich und der astralische Leib heraus. Aber indem von außen zerstört werden physischer Leib und Ätherleib, bekommen sie eine Form, welche auf der einen Seite der Zerstörungskraft folgt, auf der anderen Seite förmlich sichtbar macht, wie das Ich und der astralische Leib herausgedrängt werden. Bei Niobe braucht das nicht zu sein; da ist es plötzlich. Aber nehmen Sie an, Niobe würde nicht dadurch, daß sie das Leichenfeld ihrer Sprößlinge ansieht, herauseilen aus ihrem physischen und dem Ätherleib, sondern es würde irgend etwas geschehen mit ihrem physischen und mit ihrem Ätherleib, daß die Seele herausgedrängt würde. Da würde man sehen an dem physischen und an dem Ätherleib nicht, wie sie zur Bildsäule werden, nicht, wie sie erstarren gewissermaßen in der Materie, in der geformten Materie, sondern man würde sehen, wie das Ich da drinnen noch wirkt, wie der astralische Leib sich noch bemüht, den ätherischen Leib zu formen. Das haben Sie ja auch in Griechenland gebildet: Das ist der Laokoon. Den Laokoon können Sie verstehen, wenn Sie sich durchdringen mit der Erkenntnis, daß es da entgegengesetzt ist wie bei der Niobe, daß da von außen der physische Leib und der Ätherleib zerstört werden und wie das Ganze kämpft mit dem Ich und mit dem astralischen Leib, die da herausgedrängt werden. So daß Sie in jeder Formung, in der Formung des Mundes, in der Formung des Gesichtes, in dem Halten der Arme, in den Formen, die die Finger annehmen, es dem Laokoon ansehen, daß die Situation wiedergegeben ist, von der ich eben jetzt spreche.

[ 26 ] Nehmen Sie den entgegengesetzten Fall: Es sei gar keine Veranlassung da, daß das Ich und der astralische Leib aus dem physischen und aus dem Ätherleib heraus sollen, und dennoch, sie werden herausgetrieben, weil der physische und der Ätherleib von außen zerstört werden, weil sie genommen werden dem Ich und dem astralischen Leibe. Da müssen also dieses Ich und der astralische Leib heraus. Aber indem von außen zerstört werden physischer Leib und Ätherleib, bekommen sie eine Form, welche auf der einen Seite der Zerstörungskraft folgt, auf der anderen Seite förmlich sichtbar macht, wie das Ich und der astralische Leib herausgedrängt werden. Bei Niobe braucht das nicht zu sein; da ist es plötzlich. Aber nehmen Sie an, Niobe würde nicht dadurch, daß sie das Leichenfeld ihrer Sprößlinge ansieht, herauseilen aus ihrem physischen und dem Ätherleib, sondern es würde irgend etwas geschehen mit ihrem physischen und mit ihrem Ätherleib, daß die Seele herausgedrängt würde. Da würde man sehen an dem physischen und an dem Ätherleib nicht, wie sie zur Bildsäule werden, nicht, wie sie erstarren gewissermaßen in der Materie, in der geformten Materie, sondern man würde sehen, wie das Ich da drinnen noch wirkt, wie der astralische Leib sich noch bemüht, den ätherischen Leib zu formen. Das haben Sie ja auch in Griechenland gebildet: Das ist der Laokoon. Den Laokoon können Sie verstehen, wenn Sie sich durchdringen mit der Erkenntnis, daß es da entgegengesetzt ist wie bei der Niobe, daß da von außen der physische Leib und der Ätherleib zerstört werden und wie das Ganze kämpft mit dem Ich und mit dem astralischen Leib, die da herausgedrängt werden. So daß Sie in jeder Formung, in der Formung des Mundes, in der Formung des Gesichtes, in dem Halten der Arme, in den Formen, die die Finger annehmen, es dem Laokoon ansehen, daß die Situation wiedergegeben ist, von der ich eben jetzt spreche.

[ 27 ] Wir müssen wiederum zu solchen Erkenntnissen kommen, denn sonst wird eben der ja für die neuere Zeit tief berechtigte Intellektualismus den Menschen von einer wahren Anschauung, von einer wahren Erkenntnis der Natur, von der Wirklichkeit entfernen.

[ 27 ] Wir müssen wiederum zu solchen Erkenntnissen kommen, denn sonst wird eben der ja für die neuere Zeit tief berechtigte Intellektualismus den Menschen von einer wahren Anschauung, von einer wahren Erkenntnis der Natur, von der Wirklichkeit entfernen.

[ 28 ] Denken Sie sich nur, wie Lessing sich bemüht hat, die Laokoon-Gruppe zu erklären. Er hat sie eben im Grunde genommen ganz äußerlich erklärt. Selbstverständlich sage ich das mit allem schuldigen Respekt vor dem großen Lessing. Aber wenn man seine Erklärung nimmt, so besagt sie: Wenn ein Dichter vom Laokoon redet, da darf der Laokoon schreien, denn das sieht man nicht, wie er beim Schreien das Maul aufreißt. Aber wenn der Bildhauer ihn bildet, da sieht man, wie er das Maul aufreißt. Das darf man nicht, das Maul aufreißen. — Das ist ganz äußerlich: Der Dichter soll es so machen, der Bildhauer soll es anders machen! Selbstverständlich ist das, was Lessing geleistet hat, etwas außerordentlich Bedeutendes. Man kann schon sagen: Mit allem schuldigen Respekt muß man diese Dinge behandeln, aber man muß sich klar darüber sein, daß eben in der Lessingschen Behandlung der Laokoon-Gruppe nichts von dem vorliegt, was nun die ganze Gestalt des Laokoon aus der Situation heraus erklärt. Dazu ist eben notwendig, daß man die Kräfte, die den Menschen in seinen vier Gliedern zusammenhalten, wie ich in der Einleitung zu diesen Betrachtungen sagte, in der entsprechenden Weise überschaut.

[ 28 ] Denken Sie sich nur, wie Lessing sich bemüht hat, die Laokoon-Gruppe zu erklären. Er hat sie eben im Grunde genommen ganz äußerlich erklärt. Selbstverständlich sage ich das mit allem schuldigen Respekt vor dem großen Lessing. Aber wenn man seine Erklärung nimmt, so besagt sie: Wenn ein Dichter vom Laokoon redet, da darf der Laokoon schreien, denn das sieht man nicht, wie er beim Schreien das Maul aufreißt. Aber wenn der Bildhauer ihn bildet, da sieht man, wie er das Maul aufreißt. Das darf man nicht, das Maul aufreißen. — Das ist ganz äußerlich: Der Dichter soll es so machen, der Bildhauer soll es anders machen! Selbstverständlich ist das, was Lessing geleistet hat, etwas außerordentlich Bedeutendes. Man kann schon sagen: Mit allem schuldigen Respekt muß man diese Dinge behandeln, aber man muß sich klar darüber sein, daß eben in der Lessingschen Behandlung der Laokoon-Gruppe nichts von dem vorliegt, was nun die ganze Gestalt des Laokoon aus der Situation heraus erklärt. Dazu ist eben notwendig, daß man die Kräfte, die den Menschen in seinen vier Gliedern zusammenhalten, wie ich in der Einleitung zu diesen Betrachtungen sagte, in der entsprechenden Weise überschaut.

[ 29 ] Dieses Überschauen ist dem Zeitalter des Intellektualismus vollständig verlorengegangen. Dieses Zeitalter des Intellektualismus wußte im Grunde mit dem, was der Mensch ist, gar nichts Rechtes mehr anzufangen. Und so verlor man gerade im Zeitalter des Intellektualismus die Abschätzung aller Dinge. Das ist dasjenige, was Goethe so entschieden gefühlt hat und was ihn dazu gebracht hat, daß er es eigentlich nicht hat ausstehen können, wenn das Intellektualistische selbst in die Kunst hineinragte. Der junge Goethe konnte die ganze Art der Corneille-Racine-Kunst nicht leiden, weil da der Intellektualismus das Dramatische intellektualistisch formt.

[ 29 ] Dieses Überschauen ist dem Zeitalter des Intellektualismus vollständig verlorengegangen. Dieses Zeitalter des Intellektualismus wußte im Grunde mit dem, was der Mensch ist, gar nichts Rechtes mehr anzufangen. Und so verlor man gerade im Zeitalter des Intellektualismus die Abschätzung aller Dinge. Das ist dasjenige, was Goethe so entschieden gefühlt hat und was ihn dazu gebracht hat, daß er es eigentlich nicht hat ausstehen können, wenn das Intellektualistische selbst in die Kunst hineinragte. Der junge Goethe konnte die ganze Art der Corneille-Racine-Kunst nicht leiden, weil da der Intellektualismus das Dramatische intellektualistisch formt.

[ 30 ] Dagegen wendet sich Goethe zu Shakespeare hin, der aus allen Widersprüchen der Natur heraus gestaltet. Daher findet Goethe, daß Shakespeare so etwas ist wie der Interpret des Weltengeistes selber. Das empfindet Goethe ganz tief deshalb, weil er dieses Hereinbrechen des Intellektualismus fühlt. Nicht wahr, ich habe schon öfter aufmerksam gemacht darauf, daß man Hamlet wie einen Schüler des Faust ansehen kann. Daß Hamlet — natürlich der Shakespearsche Hamlet, nicht der des Saxo Grammatikus — da die zehn Jahre, wo Faust seine Schüler kreuz und quer an der Nase herumgeführt hat, als Schüler zu Füßen des Faust in Wittenberg gesessen haben könne, das war Goethe unmittelbar anschaulich. Er sprach natürlich die Dinge im einzelnen nicht aus; aber derjenige, der nun sagen würde: Habe nun, Gott sei Dank, Philosophie, Juristerei, Medizin und zu meinem Heil auch Theologie studiert — der würde natürlich nicht ein inniges Behagen empfinden können, wenn er, sagen wir, den DänenPrinzen vor sich künstlerisch gestaltet findet, der den Monolog spricht: Sein oder Nichtsein — und der von jenem Land spricht, aus dem noch kein Wanderer zurückgekehrt ist, trotzdem er kurz vorher den Geist vom alten Hamlet selber gesprochen hat, der also von furchtbar kurzem Gedächtnis sein muß, wenn er sich in dem Momente, wo er den Monolog spricht, nicht erinnern kann, daß er ja just mit seinem Vater geredet hat, der aus jenem unbekannten Lande zurückgekommen ist!

[ 30 ] Dagegen wendet sich Goethe zu Shakespeare hin, der aus allen Widersprüchen der Natur heraus gestaltet. Daher findet Goethe, daß Shakespeare so etwas ist wie der Interpret des Weltengeistes selber. Das empfindet Goethe ganz tief deshalb, weil er dieses Hereinbrechen des Intellektualismus fühlt. Nicht wahr, ich habe schon öfter aufmerksam gemacht darauf, daß man Hamlet wie einen Schüler des Faust ansehen kann. Daß Hamlet — natürlich der Shakespearsche Hamlet, nicht der des Saxo Grammatikus — da die zehn Jahre, wo Faust seine Schüler kreuz und quer an der Nase herumgeführt hat, als Schüler zu Füßen des Faust in Wittenberg gesessen haben könne, das war Goethe unmittelbar anschaulich. Er sprach natürlich die Dinge im einzelnen nicht aus; aber derjenige, der nun sagen würde: Habe nun, Gott sei Dank, Philosophie, Juristerei, Medizin und zu meinem Heil auch Theologie studiert — der würde natürlich nicht ein inniges Behagen empfinden können, wenn er, sagen wir, den DänenPrinzen vor sich künstlerisch gestaltet findet, der den Monolog spricht: Sein oder Nichtsein — und der von jenem Land spricht, aus dem noch kein Wanderer zurückgekehrt ist, trotzdem er kurz vorher den Geist vom alten Hamlet selber gesprochen hat, der also von furchtbar kurzem Gedächtnis sein muß, wenn er sich in dem Momente, wo er den Monolog spricht, nicht erinnern kann, daß er ja just mit seinem Vater geredet hat, der aus jenem unbekannten Lande zurückgekommen ist!

[ 31 ] Ein Intellektualist würde natürlich das nicht machen. Und ich habe solche Intellektualisten schon kennen gelernt. Die haben dann gesagt: Ja, der «Hamlet» ist eben auch nicht von einem einzigen Dichter geschrieben, den Monolog hat ein anderer geschrieben, und dann ist das durcheinander geworfen worden. So hat man es ja beim Homer auch gemacht!

[ 31 ] Ein Intellektualist würde natürlich das nicht machen. Und ich habe solche Intellektualisten schon kennen gelernt. Die haben dann gesagt: Ja, der «Hamlet» ist eben auch nicht von einem einzigen Dichter geschrieben, den Monolog hat ein anderer geschrieben, und dann ist das durcheinander geworfen worden. So hat man es ja beim Homer auch gemacht!

[ 32 ] Man kann sehr leicht beweisen, daß am «Hamlet» eine ganze Reihe von Personen geschrieben haben könnten, weil überall solche Widersprüche sind, denn solche Widersprüche sind eben in Wirklichkeit vorhanden. Und Goethe empfand das Reichere der Wirklichkeit gegenüber dem Armeren des Intellektualismus. Und so ist er eben auch durchaus zu verstehen.

[ 32 ] Man kann sehr leicht beweisen, daß am «Hamlet» eine ganze Reihe von Personen geschrieben haben könnten, weil überall solche Widersprüche sind, denn solche Widersprüche sind eben in Wirklichkeit vorhanden. Und Goethe empfand das Reichere der Wirklichkeit gegenüber dem Armeren des Intellektualismus. Und so ist er eben auch durchaus zu verstehen.

[ 33 ] Wenn Sie sich einmal amüsieren wollen über all das, was im «Hamlet» entsetzlich ist, und was eben bezeugt, daß da Shakespeare alle Augenblicke auf einem Widerspruch ertappt werden kann, dann brauchen Sie nur den Professor Rümelin, den berühmten Heidelberger Rümelin, zu lesen, der in seinem Aufsatz über Shakespeare auf alle diese Dinge in allen Einzelheiten hingewiesen hat. Aber es ist eben doch ein Unterschied zwischen dem, was Goethe als Kunst so empfand, daß er den sprechenden Künstler den Interpreten des Weltgeistes nannte, und dem, was — sei es selbst in Heidelberg — als Wissenschaft tradiert wird.

[ 33 ] Wenn Sie sich einmal amüsieren wollen über all das, was im «Hamlet» entsetzlich ist, und was eben bezeugt, daß da Shakespeare alle Augenblicke auf einem Widerspruch ertappt werden kann, dann brauchen Sie nur den Professor Rümelin, den berühmten Heidelberger Rümelin, zu lesen, der in seinem Aufsatz über Shakespeare auf alle diese Dinge in allen Einzelheiten hingewiesen hat. Aber es ist eben doch ein Unterschied zwischen dem, was Goethe als Kunst so empfand, daß er den sprechenden Künstler den Interpreten des Weltgeistes nannte, und dem, was — sei es selbst in Heidelberg — als Wissenschaft tradiert wird.

[ 34 ] Und wenn Sie vergleichen, was Lessing über den Laokoon gesagt hat, und die schönen Bemerkungen Goethes darüber, so werden Sie in den Goetheschen Bemerkungen natürlich noch nicht das finden, was zu einem wirklichen Verständnis führt, denn Goethe hatte ja noch nicht Anthroposophie, aber Sie werden einen bedeutenden Fortschritt finden gegenüber den Lessingschen Auseinandersetzungen.

[ 34 ] Und wenn Sie vergleichen, was Lessing über den Laokoon gesagt hat, und die schönen Bemerkungen Goethes darüber, so werden Sie in den Goetheschen Bemerkungen natürlich noch nicht das finden, was zu einem wirklichen Verständnis führt, denn Goethe hatte ja noch nicht Anthroposophie, aber Sie werden einen bedeutenden Fortschritt finden gegenüber den Lessingschen Auseinandersetzungen.

[ 35 ] Sie werden überall bei Goethe schon Hinweise entdecken auf das, was ich jetzt ausgeführt habe. So daß Sie zum Beispiel sagen können: Aus dem, was Goethe an der Laokoon-Gruppe bemerkt hat, springt schon all das heraus, was ich darüber gesagt habe. Und deshalb darf man schon sagen: Bis in die Einzelheiten hinein ist es so, daß Goetheanismus in richtiger Fortsetzung unbedingt zur Anthroposophie führt.

[ 35 ] Sie werden überall bei Goethe schon Hinweise entdecken auf das, was ich jetzt ausgeführt habe. So daß Sie zum Beispiel sagen können: Aus dem, was Goethe an der Laokoon-Gruppe bemerkt hat, springt schon all das heraus, was ich darüber gesagt habe. Und deshalb darf man schon sagen: Bis in die Einzelheiten hinein ist es so, daß Goetheanismus in richtiger Fortsetzung unbedingt zur Anthroposophie führt.