The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211
13 April 1922, The Hague
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The Mystery of the Sun and The Mystery of Death and Resurrection, tr. SOL
8. Die Lehren des auferstandenen Betrachtungen über das Mysterium von Golgatha
8. The Teachings of the Risen One: Reflections on the Mystery of Golgotha
[ 1 ] Dasjenige, worüber ich heute sprechen möchte, ist eine gewisse Seite des Mysteriums von Golgatha, über das ich ja öfter gerade in intimeren anthroposophischen Versammlungen gesprochen habe. Allein dasjenige, was zu sagen ist über dieses Mysterium von Golgatha, ist etwas so Ausgebreitetes, gehört einem so wichtigen und reichen Gebiete an, daß man immer neue und neue Seiten dieses größten Geheimnisses in der menschlichen Erdenentwickelung wird beleuchten müssen, um nur annähernd von den verschiedensten Seiten her sich zu nähern eben diesem Mysterium von Golgatha.
[ 1 ] What I would like to speak about today is a certain aspect of the Mystery of Golgotha, a subject I have often addressed, particularly in more intimate anthroposophical gatherings. However, what there is to say about this Mystery of Golgotha is so vast—it belongs to such an important and rich field—that we will always have to shed light on new and new aspects of this greatest mystery in human evolution on Earth in order to even begin to approach this Mystery of Golgotha from its most diverse angles.
[ 2 ] Man wird das Mysterium von Golgatha nur dann in der richtigen Weise würdigen, wenn man die ganze Menschheitsentwickelung, die vorangegangen ist diesem Mysterium von Golgatha, und die andere Menschheitsentwickelung, die nun schon nachgefolgt ist oder während des Restes der Erdenzeit nachfolgen wird, wenn man diese zwei Entwickelungsströmungen des menschlichen Erdendaseins sich vor das Seelenauge stellt.
[ 2 ] One can only truly appreciate the Mystery of Golgotha by visualizing before the soul’s eye the entire course of human development that preceded this Mystery of Golgotha, and the subsequent course of human development that has already followed or will follow during the remainder of Earth’s history—that is, by holding these two currents of human development on Earth before the soul’s eye.
[ 3 ] Wir müssen uns eben durchaus klarmachen, daß, wenn man vom Anfange des Erdenwerdens spricht, das heißt von demjenigen Anfang, von dem man schon so sprechen kann, daß eine Art von Denken- wenn auch ein träumendes, ein träumend-imaginatives Denken, aber doch eben eine Art von Denken — schon vorhanden war, daß wenn man von diesen älteren Zeiten der menschheitlichen Erdenentwickelung spricht, man sich durchaus klar darüber sein muß: die Menschen hatten damals Fähigkeiten, durch die sie, wenn ich mich so ausdrücken darf, in Verkehr treten konnten mit Wesen einer übergeordneten Weltenordnung. Sie kennen ja aus meiner «Geheimwissenschaft» und aus anderen Darstellungen, welcher Art diese Wesen der höheren Hierarchien sind. Heute ist es ja für das gewöhnliche Bewußtsein des Menschen so, daß er eigentlich nicht viel weiß von diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien. Gewissermaßen ist sein Verkehr mit ihnen abgeschnitten. Das war nicht so in den älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung. Es wäre natürlich falsch, wenn man sich vorstellen wollte, daß die Begegnung mit einem solchen Wesen der höheren Hierarchien in diesen alten Zeiten etwa so war, wie wenn sich heute zwei Menschen begegnen, die im physischen Leibe verkörpert sind. So war das natürlich nicht. Es war ein ganz anderer Verkehr. Man konnte eben auch nur mit geistigen Organen auffassen, was diese Wesenheiten in der irdischen Ursprache dem Menschen mitteilen. Und dasjenige, was diese Wesenheiten dem Menschen mitteilen konnten, es waren gewaltige Geheimnisse des Daseins. Es waren Geheimnisse des Daseins, welche in das menschliche Gemüt der damaligen Zeit hineinflossen und in dem Menschen das Bewußtsein hervorriefen: Nach oben hin, gewissermaßen nach jener Seite hin, nach der wir heute nur Wolken und Sterne sehen, steht das irdische Dasein in Zusammenhang mit Götterwelten. — Mitglieder dieser Götterwelten stiegen eben herunter auf geistige Weise zu den Erdenmenschen und offenbarten sich ihnen so, daß die Menschen dasjenige, was man Urweisheit nennen kann, durch die Vermittelung dieser überirdischen Wesenheiten erhielten. Innerhalb dieser Offenbarungen der Urweisheit, welche diesen Wesenheiten entstammt, war eben unendlich viel von dem enthalten, was die Menschen in ihrem Erdenleben von sich aus selber nicht hätten ergründen können. Im Anfange des Erdenwerdens, so wie ich es hier meine, konnten ja die Menschen eigentlich herzlich wenig von sich aus ergründen. Dasjenige, was in ihnen als eine Anschauung, ein anschauendes Wissen entzündet wurde, das erhielten sie eben von ihren göttlichen Lehrern.
[ 3 ] We must make it perfectly clear to ourselves that when we speak of the beginning of Earth’s formation—that is, of that beginning about which we can already say that a kind of thinking—albeit a dreamlike, dream-imaginative thinking, but still a kind of thinking—was already present—and when we speak of these earlier times of humanity’s earthly evolution, one must be absolutely clear about this: people at that time possessed abilities through which they could, if I may put it that way, enter into communication with beings of a higher world order. You know, of course, from my Esoteric Science and from other accounts, what kind of beings these beings of the higher hierarchies are. Today, however, the average human consciousness knows very little about these beings of the higher hierarchies. In a sense, their connection with these beings has been severed. This was not the case in the earlier periods of human development. It would, of course, be wrong to imagine that an encounter with such a being of the higher hierarchies in those ancient times was anything like the way two people meet today while incarnated in physical bodies. That was certainly not the case. It was a completely different kind of interaction. One could only perceive, through spiritual faculties, what these beings communicated to human beings in the primordial language of the Earth. And what these beings were able to communicate to human beings were profound mysteries of existence. These were mysteries of existence that flowed into the human soul of that time and evoked in human beings the awareness: Upward, so to speak, toward that realm where we today see only clouds and stars, earthly existence is connected to the worlds of the gods. — Beings from these divine realms descended in a spiritual manner to the people on Earth and revealed themselves to them in such a way that humanity received what might be called primordial wisdom through the mediation of these superterrestrial beings. Within these revelations of primordial wisdom, which originated with these beings, there was indeed an infinite amount of what human beings could not have fathomed on their own during their earthly lives. At the beginning of earthly existence—as I mean it here—human beings were actually able to fathom very little on their own. That which was kindled within them as insight, as intuitive knowledge, they received precisely from their divine teachers.
[ 4 ] Diese göttlichen Lehren, sie enthielten viel, allein sie enthielten eines nicht, das für die damaligen Menschen ja auch nicht notwendig war, das aber für die gegenwärtige Menschheit zu den wichtigsten Bestandstücken der Erkenntnis gehört. Die göttlichen Lehrer sprachen den Menschen von den allerverschiedensten Wahrheiten und Erkenntnissen, aber sie sprachen ihnen niemals von dem, was eigentlich zugrunde liegt den beiden Grenztatsachen des menschlichen Erdenlebens, sie sprachen ihnen niemals von Geburt und Tod.
[ 4 ] These divine teachings contained much, yet they lacked one thing—something that was not necessary for the people of that time, but which is now among the most important elements of knowledge for humanity today. The divine teachers spoke to people about a wide variety of truths and insights, but they never spoke to them about what actually underlies the two defining realities of human life on Earth; they never spoke to them about birth and death.
[ 5 ] Es kann natürlich heute in der kurzen Zeit nicht meine Aufgabe sein, von alledem zu sprechen — vieles davon wissen Sie ja —, von dem die göttlichen Lehrer dem Menschengeschlecht in jenen alten Zeiten gesprochen haben. Aber ich möchte eben scharf betonen, daß innerhalb all dieser Lehren keine enthalten waren über Geburt und Tod, und zwar aus dem Grunde, weil ja die Menschen jener älteren Zeiten — und noch lange im Verlauf der menschlichen Erdenentwickelung — die Weisheiten über Geburt und Tod nicht zu wissen brauchten. Das ganze Bewußtsein der Menschheit hat sich ja verändert im Laufe der Erdenentwickelung. Und obzwar wir niemals gleichstellen dürfen das tierische Bewußtsein von heute, auch das höhere tierische Bewußtsein von heute mit demjenigen, was das menschliche Bewußtsein in primitiven alten Zeiten war, so können wir uns doch vielleicht Anhaltspunkte vor Augen stellen aus dem heutigen Tierleben, das nur eben unter dem Niveau des Menschlichen liegt, während das Anfangsleben des primitiven Menschen sogar in einer gewissen Weise über dem Niveau des heutigen Menschlichen lag, trotzdem er gegenüber dem heutigen Menschen eine Art tierische Gestaltung hatte. Wenn Sie das Tier heute betrachten mit unbefangenem Blicke, so werden Sie sich sagen: dieses Tier hat kein Interesse, weil es im mittleren Lebenszustande ist, an Geburt und Tod. Wenn wir von der Geburt absehen, obzwar es auch da ja ersichtlich ist, brauchen wir nur daran zu denken, mit welcher Sorglosigkeit, mit welchem Uninteresse, mit welcher Interesselosigkeit das Tier dem Tode entgegenlebt. Das Tier läßt eben den Tod über sich ergehen, nimmt diese Verwandlung seines Daseins, das heißt den Übergang vom individuellen Dasein zum Gruppenseelen-Dasein einfach hin, ohne einen so tiefen Einschnitt in das Leben dadurch zu gewahren, wie das beim menschlichen Wesen der Fall ist.
[ 5 ] Of course, it cannot be my task today, in such a short time, to speak of all of this—much of which you already know—that the divine teachers spoke of to the human race in those ancient times. But I would like to emphasize strongly that none of these teachings dealt with birth and death, for the simple reason that the people of those earlier times—and for a long time thereafter in the course of human evolution on Earth—had no need to know the wisdom concerning birth and death. The entire consciousness of humanity has, after all, changed in the course of Earth’s evolution. And although we must never equate today’s animal consciousness—not even today’s higher animal consciousness—with what human consciousness was in primitive ancient times, we can perhaps still draw some points of reference from today’s animal life, which lies just below the human level, whereas the early life of primitive man was, in a certain sense, even above the level of today’s human life, even though he had a sort of animal form compared to modern humans. If you observe an animal today with an unbiased eye, you will say to yourself: this animal, because it is in an intermediate state of existence, has no interest in birth or death. If we set birth aside—although it is evident there as well—we need only consider the carefree manner, the lack of interest, the indifference with which the animal faces death. The animal simply allows death to befall it; it accepts this transformation of its existence—that is, the transition from individual existence to group-soul existence—without perceiving it as a profound rupture in life, as is the case with human beings.
[ 6 ] Nun, wie gesagt, in gewisser Beziehung stand der Urmensch der Erde, trotz seiner tierartigen Gestaltung, über dem Tier, er hatte ein instinktives Hellsehen, und durch dieses instinktive Hellsehen konnte er auch wiederum in Verkehr treten mit seinen göttlichen Lehrern. Aber er hatte ebenso wie das heutige Tier kein Interesse an dem Herankommen des Todes. Wenn ich mich so ausdrücken darf: Er dachte eben nicht daran, den Tod besonders ins Auge zu fassen. Warum auch? Er hatte ja in sich ein deutliches Erlebnis noch in seinem instinktiven Hellsehen von dem, was ihm zurückgeblieben war, nachdem er durch die Geburt aus der geistigen Welt heruntergestiegen ist in die physische Welt. Er kannte das in seiner eigenen Wesenheit, was in seinen physischen Leib eingezogen war, und da er das kannte, da er, wenn ich so sagen darf, genau wußte: in mir lebt ein Ewiges —, so interessierte ihn nicht jene Verwandlung, die sich mit dem Tode vollzieht. Sie kam ihm höchstens vor, wie das Ablegen der Haut der Schlange vorkommen muß, wenn sie eben diese abgelegte Haut wieder durch eine neue ersetzen soll. Es war etwas Selbstverständlicheres und nicht so vehement ins menschliche Leben Einschlagendes, was da als Eindruck vorlag von Geburt und Tod. Die Menschen hatten eben noch eine starke Anschauung von dem Seelischen.
[ 6 ] Well, as I said, in a certain sense, early man on Earth—despite his animal-like form—stood above the animal; he possessed an instinctive clairvoyance, and through this instinctive clairvoyance he was also able to communicate with his divine teachers. But, just like today’s animals, he had no interest in the approach of death. If I may put it this way: He simply did not think to give death special consideration. Why should he? He still had within himself a clear experience—even in his instinctive clairvoyance—of what had remained with him after he had descended from the spiritual world into the physical world through birth. He knew within his own being what had entered his physical body, and because he knew this—because, if I may put it that way, he knew exactly that “an Eternal One lives within me”—he was not interested in the transformation that takes place with death. To him, it seemed, at most, like the shedding of a snake’s skin, which must occur when the snake is to replace that shed skin with a new one. The impression of birth and death was something more self-evident and less vehemently impactful on human life. People still had a strong conception of the spiritual realm.
[ 7 ] Heute haben die Menschen keine Anschauung von dem Seelischen. Heute ist kaum ein stark bemerkbarer Übergang vorhanden zwischen Schlafen und Wachen im Traume. Der Traum liegt ja mit seinen Bildern durchaus heute auf der Seite des Schlafzustandes, er ist noch ein halber Schlaf, während dasjenige, was in traumartigen Bildern die Urmenschen erhalten hatten, eigentlich ins Wachen hineinfiel, ein noch nicht voll gestaltetes Wachen war. Der Mensch wußte: das, was er in diesen Traumbildern erhielt, ist Wirklichkeit. So fühlte und erlebte er sein Seelisches. Und er konnte gar nicht in der Stärke, mit der es heute geschehen muß, die Fragen aufwerfen nach Geburt und Tod.
[ 7 ] Today, people have no conception of the spiritual realm. Today, there is hardly any noticeable transition between sleeping and waking in a dream. The dream, with its images, certainly belongs to the realm of sleep today; it is still a half-sleep, whereas what early humans received in dreamlike images actually fell within the waking state—it was a waking state not yet fully formed. People knew that what they received in these dream images was reality. That is how they felt and experienced their inner life. And they could not raise the questions of birth and death with the intensity with which they must be raised today.
[ 8 ] Dieser Zustand war in den ältesten Zeiten der menschlichen Erdenentwickelung ganz besonders stark, aber er nahm immer mehr und mehr ab. Wenn ich es so ausdrücken darf: Die Menschen bemerkten nach und nach immer mehr und mehr, daß das Sterben einen starken Einschnitt macht in das menschliche Leben, auch in das seelische Leben. Und von da aus wiederum mußten sie den Blick wenden auf das Geborenwerden. Das Erdenleben nahm gewissermaßen mit Bezug auf diesen Unterschied einen Charakter an, der für die Menschen immer wichtiger und wichtiger wurde, weil ihnen daneben immer mehr und mehr das Drinnenleben im seelischen Dasein verblaßte, weil sie sich dadurch immer mehr und mehr herausgehoben fühlten aus dem seelisch-geistigen Dasein, während sie auf der Erde weilten. Und das wurde immer stärker und stärker, je mehr die Menschen dem Mysterium von Golgatha entgegenlebten. Bei den Griechen war das ja schon so stark, daß sie überhaupt das Leben außerhalb des physischen Leibes wie ein Schattenleben für den Menschen empfanden, daß sie mit einer gewissen Tragik hinschauten auf den Tod. Aber dasjenige, was die Menschen hatten als Lehren ihrer ältesten göttlichen Lehrer, das verbreitete sich eben nicht über das Geborenwerden und das Sterben. Und die Menschen waren vor dem Mysterium von Golgatha der Gefahr ausgesetzt, daß Erlebnisse eintreten sollten in ihr Erdenleben, daß die Auffassung, die Anschauung von Erlebnissen hereintreten sollte in ihr Erdenbewußtsein — Geburt und Tod —, die sie nicht verstanden, die ihnen wie etwas ganz Unbekanntes waren.
[ 8 ] This condition was particularly pronounced in the earliest periods of human development on Earth, but it gradually diminished more and more. If I may put it this way: People gradually became more and more aware that death marks a profound turning point in human life, including spiritual life. And from there, they were compelled to turn their attention to birth. In a sense, in relation to this distinction, earthly life took on a character that became increasingly important to people, because at the same time the inner life of their soul existence was fading more and more for them; they felt themselves becoming more and more detached from their soul-spiritual existence while they dwelt on Earth. And this became stronger and stronger the more people lived toward the Mystery of Golgotha. Among the Greeks, this was already so pronounced that they perceived life outside the physical body as a kind of shadow existence for human beings, and they viewed death with a certain sense of tragedy. But the teachings that people had received from their most ancient divine teachers did not extend to the processes of birth and death. And before the Mystery of Golgotha, people were exposed to the danger that experiences would enter their earthly lives—that the concept, the perception of experiences—birth and death—would enter their earthly consciousness, experiences they did not understand, which were like something completely unknown to them.
[ 9 ] Nun stellen wir uns vor, es wären zur Zeit des Mysteriums von Golgatha jene älteren, göttlichen Lehrer der Menschheit herabgestiegen, sie hätten sich vielleicht einigen, durch die Mysterien besonders vorbereiteten Schülern oder Lehrern der Menschheit offenbaren können, sie hätten den Umfang der alten göttlichen Weisheit, die ja tatsächlich in die Urweisheit eingeflossen ist, vorbereiteten Mysterienpriestern mitteilen können: innerhalb des ganzen, weiten Umfanges dieser Lehren wäre nichts gewesen über Geburt und Tod. Das Todesrätsel wäre gar nicht innerhalb dieser zu offenbarenden göttlichen Weisheit herangebracht worden an die Menschen, auch in den Mysterien nicht, und draußen im Erdenleben wäre für die Menschen etwas beobachtbar gewesen — das Geborenwerden und das Sterben —, was für sie wichtig, von fundamentalem Interesse gewesen wäre, und die Götter hätten ihnen nichts darüber gesagt! Warum nicht?
[ 9 ] Now let us imagine that, at the time of the Mystery of Golgotha, those ancient, divine teachers of humanity had descended, they might have revealed themselves to certain disciples or teachers of humanity who had been specially prepared through the Mysteries; they might have communicated the scope of the ancient divine wisdom—which has indeed flowed into the Primordial Wisdom—to prepared Mystery priests: within the entire, vast scope of these teachings, there would have been nothing about birth and death. The mystery of death would not have been brought to humanity at all within this divine wisdom to be revealed—not even in the Mysteries—and out in earthly life, there would have been something observable for human beings—being born and dying—that would have been important to them, of fundamental interest, and yet the gods would have said nothing to them about it! Why not?
[ 10 ] Ja, auf diese Sache müssen Sie schon mit einer gewissen Vorurteilslosigkeit schauen, müssen manche von den Vorstellungen, die einfach heute traditionelle Religion geworden sind, ablegen, und müssen sich klar werden über Dinge, wie das Folgende: Diejenigen Wesen der höheren Hierarchien, welche die göttlichen Lehrer des Urmenschen waren, die hatten ja in ihren Welten Geburt und Tod niemals erlebt. Denn Geburt und Tod in der Form, wie sie auf der Erde erlebt werden, werden eben nur auf der Erde erlebt und zwar nur vom Menschen auf der Erde erlebt. Der Tod des Tieres und der Tod der Pflanze sind etwas ganz anderes als der Tod des Menschen. Und in den Götterwelten, in denen die ersten großen Lehrer der menschlichen Entwickelung lebten, da gibt es nicht Geburt und Tod, da gibt es nur Verwandlung, Metamorphose von einem Dasein in das andere. So daß ein innerliches Verständnis — man muß es so charakterisieren — für das Sterben und Geborenwerden bei diesen göttlichen Lehrern gar nicht vorhanden gewesen ist. Und zu diesen göttlichen Lehrern gehört die ganze Schar derjenigen, welche in einem Zusammenhang standen mit der JahveWesenheit, in Zusammenhang standen mit den Bodhisattva-Wesenheiten, mit all den älteren Begründern von menschlichen Weltanschauungen. Machen Sie sich nur einmal klar, wie zum Beispiel gerade im Alten Testament mit einer gewissen Tragik das Todesgeheimnis — man kann es greifen — immer mehr und mehr vor den Menschen hintritt, und wie eigentlich all dasjenige, was noch als Lehre im Alten Testament übermittelt wird, dem Menschen keinen genügenden, namentlich keinen inneren Aufschluß über den Tod gibt. So daß, wenn nichts anderes geschehen wäre zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, als was im Bereiche der Erde und den mit der Erde zusammenhängenden Überwelten vor dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, wenn dieses nicht gekommen wäre, die Menschen in ihrer Erdenentwickelung vor einer furchtbaren Lage gestanden hätten: sie hätten erlebt auf der Erde die Übergänge von Geburt und Tod, die jetzt sich anders darstellten als eine bloße Metamorphose, die jetzt sich als schroffen Übergang darstellten im gesamten Leben der Menschen, und sie hätten nichts erfahren können von der Bedeutung des Todes und der Geburt im menschlichen Erdenleben. Damit in die Menschheit hinein allmählich auch Lehren haben kommen können über Geburt und Tod, mußte nach und nach sich dasjenige Wesen ins Erdenleben einleben, das wir als den Christus bezeichnen, der ja angehört denjenigen Welten, aus denen auch die älteren großen Lehrer gekommen sind, der aber aus dem Ratschluß dieser Götterwelten heraus sich ein anderes Schicksal auserwählte als die anderen Wesenheiten der mit der Erde zusammenhängenden Götterhierarchien. Er fügte sich gewissermaßen dem göttlichen Ratschluß höherer Welten, in einem Erdenleibe sich zu verkörpern und mit der eigenen göttlichen Seele durch Erdengeburt und Erdentod hindurchzugehen.
[ 10 ] Yes, you really must approach this matter with a certain degree of open-mindedness, set aside some of the ideas that have simply become traditional religion today, and gain clarity on matters such as the following: Those beings of the higher hierarchies who were the divine teachers of primeval man had, after all, never experienced birth and death in their own worlds. For birth and death, in the form in which they are experienced on Earth, are experienced only on Earth—and specifically only by human beings on Earth. The death of an animal and the death of a plant are something entirely different from the death of a human being. And in the worlds of the gods, where the first great teachers of human evolution lived, there is no birth and death; there is only transformation, a metamorphosis from one form of existence into another. So that an inner understanding—one must characterize it this way—of dying and being born was entirely absent among these divine teachers. And among these divine teachers is the entire host of those who were connected to the Yahweh Being, to the Bodhisattva Beings, and to all the earlier founders of human worldviews. Just consider, for example, how in the Old Testament, with a certain tragic quality, the mystery of death—one can grasp it—comes ever more clearly before humanity, and how, in fact, everything that is still conveyed as teaching in the Old Testament does not provide humanity with sufficient, and especially not inner, insight into death. So that if nothing else had happened at the time of the Mystery of Golgotha other than what occurred in the realm of the Earth and the superworlds connected to the Earth prior to the Mystery of Golgotha—if this Mystery had not come to pass—humanity would have faced a terrible situation in its earthly evolution: they would have experienced on Earth the transitions of birth and death, which would now have appeared not merely as a metamorphosis but as an abrupt transition in the entirety of human life, and they would have been unable to gain any understanding of the significance of death and birth in human life on Earth. In order for teachings about birth and death to gradually find their way into humanity, the being whom we call Christ—who belongs to those worlds from which the earlier great teachers also came, but who, by the decree of these divine realms, chose a different destiny than the other beings—had to gradually acclimate himself to life on Earth. whom we call the Christ—who indeed belongs to those worlds from which the earlier great teachers also came, but who, in accordance with the counsel of these divine worlds, chose a different destiny for himself than the other beings of the divine hierarchies connected with the Earth. In a sense, he submitted to the divine decree of the higher worlds to incarnate in an earthly body and to pass through earthly birth and death with his own divine soul.
[ 11 ] Sie sehen also: Dasjenige, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, das ist nicht bloß eine innere menschliche oder innere irdische Angelegenheit, das ist zugleich eine Götterangelegenheit. Durch dasjenige, was auf Golgatha geschehen ist, haben die Götter den Tod und das Geburtsgeheimnis der Erde erst innerlich kennengelernt, denn sie haben es nicht früher mitgemacht. So daß wir das Bedeutsame vorliegen haben, daß ein göttliches Wesen den Entschluß gefaßt hat, durch Menschenschicksal auf diesem Gebiete zu gehen, um mit dem Menschen gleiche Erlebnisse des Irdischen, gleiche Schicksale zu haben.
[ 11 ] So you see: What happened in connection with the Mystery of Golgotha is not merely an inner human or inner earthly matter; it is at the same time a matter concerning the gods. Through what happened on Golgotha, the gods first came to know death and the mystery of birth on Earth from within, for they had not experienced it before. Thus we are faced with the significant fact that a divine being resolved to walk the path of human destiny in this realm in order to share with humanity the same earthly experiences and the same destinies.
[ 12 ] Nun, von dem Mysterium von Golgatha ist den Menschen ja mancherlei bekannt geworden. Eine Tradition ist da, die Evangelien sind da, das ganze Neue "Testament ist da, und die heutige Menschheit nähert sich ja vorzugsweise dem Mysterium von Golgatha dadurch, daß sie eben durch das Neue Testament und durch die heute mögliche Erklärung des Neuen Testamentes hindurchgeht. Aber man bekommt da eigentlich zunächst, so wie die Erklärung des Neuen Testamentes heute getrieben wird, sehr wenig wirkliche Einsichten in das Mysterium von Golgatha. Es ist notwendig, daß die heutige Menschheit durch diese auf äußerliche Art zu erlangende Erkenntnis hindurchgeht, aber es ist eben nur eine äußerliche Erkenntnis. Man weiß heute namentlich gar nicht, wie ganz anders die Menschen zurückgeschaut haben in den ersten Jahrhunderten nach dem Mysterium von Golgatha, wie ganz anders diejenigen, die eingeweiht wurden in dieses Mysterium von Golgatha, zurückgeschaut haben zu diesem Mysterium von Golgatha, als die späteren das konnten, weil eben in der Zeit des Mysteriums von Golgatha — wenn auch alles das geschehen ist, was ich auseinandergesetzt habe — doch noch Reste eines alten, instinktiven Hellsehens bei einzelnen Menschen vorhanden waren; Reste allerdings nur, aber sie waren vorhanden, diese Reste, durch die man in ganz anderer Weise .zurückschauen konnte bis zum vierten nachchristlichen Jahrhundert zu diesem Mysterium von Golgatha als später. Es ist nicht umsonst, daß diejenigen, die als Lehrer dann aufgetreten sind — man kann das, obwohl sehr mangelhaft nur, aber doch noch etwas konstatieren aus den geschichtlichen Überlieferungen der ältesten sogenannten Kirchenväter und christlichen Lehrer —, mehr Wert als auf alle schriftlichen Überlieferungen darauf gelegt haben, daß sie die Kunde von dem Christus Jesus-Wandel empfangen haben von solchen Lehrern, die ihn noch von Angesicht zu Angesicht gesehen haben, solchen, die wiederum die Schüler waren von Apostelschülern selber noch in den ältesten Zeiten, oder eben die Schüler von Schülern der Apostelschüler und so weiter. Die Sache ging eben bis in das vierte nachchristliche Jahrhundert, und so berief man sich darauf, daß überall eben noch ein lebendiger Zusammenhang war derjenigen, die auch noch im vierten nachchristlichen Jahrhundert lehrten. Wie gesagt, die geschichtlichen Dokumente sind größtenteils ausgetilgt, nur derjenige, der sie aufmerksam studiert, kann noch auf äußerliche Weise darauf kommen, wie Wert darauf gelegt worden ist: ich habe einen Lehrer gehabt, der hat einen Lehrer gehabt und so weiter, und an das Ende der Reihe stellte man eben noch einen Apostel, der noch den Herrn selber von Angesicht zu Angesicht geschaut hat.
[ 12 ] Well, people have come to know many things about the Mystery of Golgotha. There is a tradition, there are the Gospels, there is the entire New Testament, and humanity today approaches the Mystery of Golgotha primarily by engaging with the New Testament and the interpretations of it available today. But actually, given the way the New Testament is interpreted today, one initially gains very little real insight into the Mystery of Golgotha. It is necessary for people today to engage with this knowledge, which is acquired in an external way, but it is, after all, only external knowledge. People today have no idea at all how differently people looked back on the Mystery of Golgotha in the first centuries after it took place, how differently those who were initiated into this Mystery of Golgotha looked back on it, compared to how later generations were able to do so—because, at the time of the Mystery of Golgotha — even though everything I have described had taken place — there were still remnants of an ancient, instinctive clairvoyance present in certain individuals; merely remnants, to be sure, but they were present—these remnants through which one could look back in a completely different way, all the way up to the fourth century A.D., to this Mystery of Golgotha than was possible later. It is no coincidence that those who then appeared as teachers—one can ascertain this, albeit very imperfectly, yet still to some extent, from the historical traditions of the earliest so-called Church Fathers and Christian teachers— placed greater value on having received the account of the life of Christ Jesus from teachers who had seen him face to face—those who, in turn, were themselves disciples of the disciples of the apostles in the earliest times, or disciples of the disciples of the disciples of the apostles, and so on—than on any written traditions. This tradition extended all the way into the fourth century A.D., and so it was asserted that there was still a living connection everywhere among those who were teaching even in the fourth century A.D. As I said, the historical documents have largely been lost; only those who study them carefully can still discern, from external evidence, the importance that was attached to the chain: “I had a teacher who had a teacher,” and so on, and at the end of the line, one would place an apostle who had seen the Lord himself face to face.
[ 13 ] Schon von dem ist außerordentlich viel verlorengegangen. Aber noch mehr ist verlorengegangen von den eigentlichen esoterischen Weistümern, die immerhin noch vorhanden waren, dank der Reste der alten, hellsichtigen Einsichten, in den ersten vier christlichen Jahrhunderten. Verlorengegangen für die äußere Tradition ist nahezu alles, was man immerhin damals gewußt hat über den auferstandenen Christus, über denjenigen Christus, der durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen ist, und dann in einem Geistleib, so wie die älteren Lehrer bei der Urmenschheit, einzelne der auserwählten Schüler nach seiner Auferstehung unterrichtet hat. Es wird höchstens durch die Evangelien, aber auch da in notdürftiger Weise, bei der Begegnung des Christus Jesus mit den Jüngern, die nach Emmaus gingen und so weiter, angedeutet, wie wichtig die Lehren waren, die der Auferstandene seinen Jüngern gegeben hat. Und schließlich ist auch das Paulus-Erlebnis bei Damaskus von Paulus selbst gemeint als eine Unterweisung, die der Auferstandene ihm gegeben hat, wodurch dann aus dem Saulus ein Paulus geworden ist. Man hat eben in jenen älteren Zeiten durchaus ein Bewußtsein davon gehabt, daß der auferstandene Christus Jesus den Menschen ganz besondere Mysterien mitzuteilen gehabt habe. Es lag ja nur an den Menschen, daß sie sie später zunächst nicht haben konnten, diese Mitteilungen. Die Menschen mußten jene Seelenkräfte ausbilden, die dann zum Gebrauche der menschlichen Freiheit und des menschlichen Intellekts wurden. Besonders stark tritt das auf seit dem fünfzehnten Jahrhundert, vorbereitet wurde es aber schon seit dem vierten nachchristlichen Jahrhundert.
[ 13 ] An extraordinary amount has already been lost from that alone. But even more has been lost from the actual esoteric wisdom that still existed—thanks to the remnants of the ancient, clairvoyant insights—during the first four centuries of Christianity. Almost everything that was known at that time about the risen Christ—the Christ who passed through the Mystery of Golgotha and then, in a spiritual body, just as the ancient teachers did among early humanity, instructed individual chosen disciples after his resurrection—has been lost to the outer tradition. At most, the Gospels—though even there only in a rudimentary way—hint at the importance of the teachings the Risen One gave to his disciples, as seen in Christ Jesus’ encounter with the disciples on the road to Emmaus and so on. And finally, Paul’s experience near Damascus is also described by Paul himself as an instruction given to him by the Risen One, through which Saul then became Paul. In those earlier times, people were certainly aware that the Risen Christ Jesus had very special mysteries to impart to humanity. It was simply up to human beings that they were initially unable to receive these revelations. People had to develop those soul forces that would then be put to use through human freedom and the human intellect. This has been particularly evident since the fifteenth century, but the groundwork for it had already been laid as early as the fourth century A.D.
[ 14 ] Die Frage muß nun entstehen: Welches war denn der Inhalt der Lehren, die der auferstandene Christus seinen auserwählten Schülern geben konnte? — Erschienen war er ihnen ja auf dieselbe Weise, auf welche die göttlichen Lehrer der Urmenschheit erschienen waren. Aber sagen konnte er ihnen jetzt, wenn ich es so ausdrücken darf, in der Göttersprache dasjenige, was er erlebt hatte, und was seine anderen Göttergenossen ja nicht erlebt hatten, sagen konnte er ihnen etwas von seinem göttlichen Gesichtspunkte aus über das Geheimnis der Geburt und des Todes. Beibringen konnte er ihnen, daß zwar für den Erdenmenschen in der Zukunft ein solches tagwachendes Bewußtsein eintreten werde, das das Ewig-Seelische im Menschenleben nicht unmittelbar wahrnehmen kann und das ausgelöscht ist im Schlafe, so daß auch im Schlafe dieses Ewig-Seelische nicht vor das Seelenauge selbst tritt, aber aufmerksam konnte er machen darauf, daß es möglich ist, das Mysterium von Golgatha in die menschliche Anschauung hereinzubeziehen. Klarmachen konnte er ihnen das, was ich etwa in die folgenden Worte kleiden möchte. Es sind schwache, stammelnde Worte, in die ich es kleiden kann, weil unsere Sprachen mehr nicht hergeben, aber ich will versuchen, es in schwache stammelnde Worte zu kleiden.
[ 14 ] The question must now arise: What, then, was the content of the teachings that the risen Christ was able to impart to his chosen disciples? — After all, he had appeared to them in the same way that the divine teachers had appeared to early humanity. But now he could tell them—if I may put it that way—in the language of the gods what he had experienced, and what his fellow gods had not experienced; he could tell them, from his divine perspective, about the mystery of birth and death. He was able to teach them that, although such a waking consciousness would indeed arise in the future for earthly human beings—a consciousness that cannot directly perceive the eternal-spiritual aspect of human life and that is extinguished during sleep, so that even in sleep this eternal-spiritual aspect does not appear before the soul’s eye itself— but he was able to draw their attention to the fact that it is possible to incorporate the Mystery of Golgotha into human perception. He was able to make clear to them what I would like to express in the following words. They are feeble, stammering words with which I can express it, because our languages offer no more, but I will try to express it in feeble, stammering words.
[ 15 ] Der menschliche Leib ist nach und nach so dicht geworden, die Todeskräfte sind in ihm so stark geworden, daß der Mensch zwar nun seinen Intellekt und seine Freiheit ausbilden kann; das kann man aber nur in einem Leben, das deutlich durch den Tod geht, in dem der Tod einen deutlichen Einschnitt bildet, in dem ausgelöscht ist während des Wachbewußtseins der Hinblick auf das Ewig-Seelische. Aber aufnehmen könnt Ihr in Eure Seele eine gewisse Weisheit: das ist die Weisheit, daß sich durch das Mysterium von Golgatha in meiner eigenen Wesenheit — so sagte der göttliche Lehrer, der Christus zu seinen eingeweihten Schülern — etwas vollzogen hat, mit dem Ihr Euch selber erfüllen könnt, wenn Ihr Euch nur aufschwingen könnt zu der Einsicht, daß der Christus aus außerirdischen Sphären heruntergekommen ist zu den Erdenmenschen, wenn Ihr Euch nur aufschwingen könnt zu der Anschauung, daß es auf Erden etwas gibt, was nicht mit den Erdenmitteln angeschaut werden kann, was nur mit höheren Mitteln als den Erdenmitteln angeschaut werden kann; wenn Ihr das Mysterium von Golgatha als Götterereignis, hereingestellt in das Erdenleben, anschauen könnt, wenn Ihr anschauen könnt, daß ein Gott durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen ist. Ihr könnt durch alles andere, was sich auf der Erde vollzieht, irdische Weisheit erringen. Die würde Euch nichts nützen, um den Tod auf menschliche Art zu verstehen, würde Euch nur dann nützen, wenn Ihr Euch ebenso wie die älteren Menschen nicht mehr für den Tod in intensiver Weise interessieren könntet. Da Ihr Euch aber dafür interessieren müßt, so müßt Ihr in Eure Einsicht eine Kraft aufnehmen, die stärker ist als alle Erden-Einsichtskraft, die so stark ist, daß sie sich sagen kann: Mit dem Mysterium von Golgatha ist etwas geschehen, das alle Erden-Naturgesetze zerbrochen hat. Wenn Ihr nur dasjenige in Euern Glauben aufnehmen könnt, was irdische Naturgesetze sind, so werdet Ihr den Tod zwar sehen können, aber Ihr werdet ihn niemals in seiner Bedeutung für das menschliche Leben erfassen können. Wenn Ihr Euch aber aufschwingen könnt zu der Einsicht, daß die Erde einen Sinn erst damit bekommen hat, daß in der Mitte der Erdenentwickelung mit dem Mysterium von Golgatha etwas Göttliches vorgegangen ist, was nicht mit irdischen Einsichtsmitteln verstanden werden kann, dann bereitet Ihr damit eine besondere Weisheitskraft — und die Weisheitskraft ist ja dasselbe wie Glaubenskraft —, eine besondere Pistis-Sophia-Kraft, eine Glaubens-Weisheitskraft. Denn es ist eine starke Kraft der Seele, wenn man sagt: Ich glaube, ich weiß durch den Glauben dasjenige, was ich niemals mit Erdenmitteln glauben und wissen kann. Es ist eine stärkere Kraft, als wenn ich nur mir zuschriebe zu wissen dasjenige, was mit Erdenmitteln ergründet werden kann. Der Mensch ist schwach — und würde er auch alle Wissenschaft der Erde bekommen —, der nur das festzuhalten weiß in seiner Weisheit, was mit Erdenmitteln festgehalten werden kann. Derjenige Mensch muß eine viel größere innere Aktivität entwickeln, der zugeben will, daß Überirdisches im Irdischen lebt.
[ 15 ] The human body has gradually become so dense, and the forces of death have grown so strong within it, that although human beings can now develop their intellect and their freedom; but this is possible only in a life that clearly passes through death, in which death marks a distinct turning point, and in which, during waking consciousness, the perspective on the eternal soul is extinguished. But you can take into your soul a certain wisdom: this is the wisdom that, through the Mystery of Golgotha, in my own being—so said the divine Teacher, Christ, to his initiated disciples — something has taken place with which you yourselves can be filled, if only you can rise to the insight that Christ descended from extraterrestrial spheres to the people of Earth, if only you can rise to the realization that there is something on Earth that cannot be perceived with earthly means, that can only be perceived with means higher than earthly ones; if you can view the Mystery of Golgotha as a divine event set within earthly life, if you can perceive that a God passed through the Mystery of Golgotha. You can attain earthly wisdom through everything else that takes place on Earth. That would be of no use to you in understanding death in a human way; it would only be of use to you if, like the people of old, you were no longer able to take a deep interest in death. But since you must take an interest in it, you must incorporate into your understanding a power that is stronger than all earthly powers of understanding—a power so strong that it can say: With the Mystery of Golgotha, something happened that shattered all earthly laws of nature. If you can accept in your faith only what constitutes earthly laws of nature, you will indeed be able to see death, but you will never be able to grasp its significance for human life. But if you can rise to the insight that the Earth only acquired meaning when, in the midst of Earth’s evolution, something divine took place with the Mystery of Golgotha—something that cannot be understood by earthly means of insight—then you thereby cultivate a special power of wisdom—and this power of wisdom is, after all, the same as the power of faith— a special Pistis Sophia power, a power of faith and wisdom. For it is a powerful force of the soul when one says: “I believe; through faith I know that which I can never believe or know by earthly means.” It is a stronger power than if I were to claim to know only that which can be fathomed by earthly means. Man is weak—even if he were to acquire all the science of the earth—for he can grasp in his wisdom only what can be grasped by earthly means. The person who is willing to admit that the supernatural lives within the earthly must develop a much greater inner activity.
[ 16 ] Eine Anspornung, eine solche innere Aktivität zu entwickeln, liegt in dem Hinblicken auf das Mysterium von Golgatha. Und immer wieder in neuen Variationen wurde diese Lehre, daß ein Gott durch Menschenschicksale gegangen ist — weil die Götter früher Menschenschicksale in ihrer eigenen Sphäre nicht erlebt haben — und sich durch diese Menschenschicksale mit dem Erdenschicksal verbunden hat, immer wieder und wieder wurde dies den ursprünglichen Schülern von dem auferstandenen Christus verkündigt. Und eine große Gewalt übte das aus. Machen Sie sich nur einmal klar, was das für eine Gewalt ausüben kann, machen Sie es sich aus den Verhältnissen von heute klar. Man stellt einen geringeren Anspruch an einen Menschen, der alles das begreifen kann, was er in seinem Denken sich herausgeholt hat aus den irdischen Verhältnissen und auch aus den traditionellen religiösen Vorstellungen, die gewöhnlich zugegeben werden, als an einen solchen Menschen, dem man zumutet, sich mit seiner Einsicht aufzuschwingen zum Erfassen dessen, daß gewisse Götterkategorien eine Weisheit vom Tode und von der Geburt bis zum Mysterium von Golgatha gar nicht gehabt haben, sondern selbst sich da erst diese Weisheit zum Heile der Menschheit angeeignet haben. Es gehört eine gewisse Kraft dazu, um — so könnte man sagen — sich hineinzumischen in die göttliche Weisheit. Es gehört ja wahrhaftig gar keine besondere Kraft dazu, sich aus irgendeinem Katechismus vortradieren zu lassen: Gott ist allwissend, allmächtig, allgegenwärtig und so weiter. Man braucht vor alles nur das Wörtchen «all» zu stellen, und man hat dann die Definition des Göttlichen, aber in möglichst nebulosem Zustande, fertig. Es wagen die Menschen heute nicht, wenn ich so sagen darf, in Götterweisheit sich einzumischen. Das muß aber geschehen. Und eine solche Götterweisheit ist eben die, welche die Götter selber sich angeeignet haben dadurch, daß einer der ihrigen durch Menschengeburt und Menschentod durchgegangen ist. Und daß das als Geheimnis anvertraut worden ist den ersten Schülern, das war das ungeheuer Wichtige. Und das weitere ungeheuer Wichtige, das sich daran schloß, das ist das andere, daß nämlich klargemacht wurde diesen Schülern: Ja, im Menschen lebte einstmals die Kraft, Einsichten zu haben von dem Ewigen seiner Seele selbst.
[ 16 ] Contemplating the Mystery of Golgotha serves as an incentive to develop such inner activity. And time and again, in ever-new variations, this teaching—that a God had walked through human destinies—because the gods had not previously experienced human destinies within their own sphere—and had thus connected Himself to the destiny of the Earth through these human destinies—was proclaimed again and again to the original disciples by the risen Christ. And this exerted a great power. Just try to realize for a moment what kind of power this can exert; try to grasp it in light of today’s circumstances. One expects less from a person who can comprehend everything he has drawn from earthly circumstances in his thinking, as well as from the traditional religious concepts that are generally accepted, than of a person who is expected to use their insight to rise to the understanding that certain categories of gods did not at all possess wisdom regarding death and birth up to the Mystery of Golgotha, but rather appropriated this wisdom themselves only then for the salvation of humanity. It takes a certain strength to—one might say—intervene in divine wisdom. After all, it truly takes no special strength at all to have one’s beliefs handed down from some catechism: God is omniscient, omnipotent, omnipresent, and so on. All one needs to do is put the little word “all” in front of it, and one then has the definition of the divine—albeit in the most nebulous state possible—all set. People today do not dare, if I may say so, to meddle in divine wisdom. But this must happen. And such divine wisdom is precisely that which the gods themselves have acquired through the fact that one of their own underwent human birth and human death. And the fact that this was entrusted as a mystery to the first disciples—that was what was immensely important. And the other immensely important aspect that followed from this is that it was made clear to these disciples: Yes, the power to gain insight into the eternal nature of one’s own soul once lived within human beings.
[ 17 ] Diese Einsichten, diese eigentlichen Einsichten in das Ewige der Menschenseele, man kann sie niemals durch das Hirnwissen bekommen, das heißt durch dasjenige intellektuelle, denkerische Wissen, das sich des Gehirns als Instrument bedient, man kann sie nicht einmal in Wirklichkeit bekommen, wenn einem nicht, wie den älteren Menschen, die Natur zu Hilfe kommt durch dasjenige Wissen, das noch durch eine besondere Ausbildung des rhythmischen Menschensystems erlangt wird. Der Joga erlangte ja viel, als ihm das alte instinktive Hellschen noch beistand, als die letzten instinktiven Hellseher noch Joga ausübten. Der heutige Morgenländer, der Inder, nach dem heute in so phantastischer Weise zahlreiche Abendländer schauen, erlangt ja, wenn er seine Übungen macht, lange nicht dasjenige, was eine wirkliche Anschauung des ewigen Wesens der Menschenseele ist. Er lebt zum größten Teil in Illusionen dadurch, daß er vorübergehend etwas erlebt, wenn es auch etwas Elementares für das Erdenleben ist, und daß er im übrigen aus seinen heiligen Büchern etwas hineininterpretiert in das Erlebte. Ein wirkliches Wissen, ein gründliches Wissen, ein fundamentales Wissen von dem Göttlichen der Menschenseele kann ja nur erlangt werden auf zweifache Weise. Es kann erlangt werden entweder so, wie es die Urmenschheit erlangt hat, oder so, wie es der Mensch wiederum erlangen kann auf eine viel geistigere Weise: durch intuitives Wissen, durch dasjenige Wissen, das sich aufbaut auf imaginativer, inspirierter Erkenntnis und dann gelangt bis zur intuitiven Erkenntnis. Warum?
[ 17 ] These insights—these true insights into the eternal nature of the human soul—can never be gained through intellectual knowledge, that is, through the kind of intellectual, rational knowledge that uses the brain as an instrument; nor can they truly be attained unless, as with older people, nature comes to one’s aid through the kind of knowledge that is still acquired through a special training of the rhythmic human system. Yoga did indeed achieve much when it was still supported by the ancient instinctive clairvoyance, when the last instinctive clairvoyants were still practicing yoga. Today’s Easterners—the Indians, whom so many Westerners now look up to in such a fanciful way—do not, when they perform their exercises, come anywhere near attaining what constitutes a true insight into the eternal nature of the human soul. For the most part, he lives in illusions because he temporarily experiences something—even if it is something elementary to earthly life—and because, moreover, he interprets elements from his sacred books into that experience. True knowledge, profound knowledge, fundamental knowledge of the divine nature of the human soul can only be attained in two ways. It can be attained either as primeval humanity attained it, or as human beings can attain it again in a much more spiritual way: through intuitive knowledge—that is, knowledge built upon imaginative, inspired insight and then reaching the level of intuitive insight. Why?
[ 18 ] Nun, in dem, was menschliches Nerven-Sinnessystem ist, ist ja während des Erdenlebens ausgeflossen der denkerische Teil der Seele, er ist nicht mehr für sich da, er hat dieses plastische Gebilde gebildet und ist nicht mehr für sich da. Und im rhythmischen System ist er nur zur Hälfte da. Man würde daran also höchstens Anhaltspunkte gewinnen, aus denen man weiter schließen könnte. Erst im Stoffwechselsystem, diesem Materialistischsten des Erdenlebens, ist verborgen der eigentliche ewige Teil der Menschenseele. Was hier auf der Erde als das Stofflichste angesehen wird, was im Stoffwechselsystem lebt, das ist zwar nach außen hin das Stofflichste, aber weil es das Stofflichste ist, bleibt von ihm getrennt das Geistige. Von dem anderen Stofflichen, dem Gehirn und dem rhythmischen System wird das Geistige aufgesogen, absorbiert, es ist nicht da. Bei dem Grob-Stofflichen ist es da. Nur muß der Mensch mit diesem Grob-Stofflichen sehen, wahrnehmen, schauen können. Das war bei der Urmenschheit vorhanden und ist heute zwar nicht erstrebenswert, aber im krankhaften Zustand zuweilen noch vorhanden. Die wenigsten Menschen wissen zum Beispiel, daß das Geheimnis des Nietzscheschen Zarathustra-Stiles darauf beruht, daß er gewisse Stoffe, Gifte zu sich genommen hat, und diese Gifte in ihm den eigentümlichen Rhythmus, den eigentümlichen Stil des «Zarathustra» hervorgebracht haben. In Nietzsche dachte ja eine ganz bestimmte Stofflichkeit. Das ist natürlich etwas Krankhaftes, wenn es auch in gewisser Beziehung wieder etwas Großartiges ist. Über diese Dinge darf man aber ebensowenig Illusionen haben, wenn man sie verstehen will, wie man über das Entgegengesetzte, über Intuition und so weiter sich Illusionen machen darf. Man muß sich schon klar darüber sein, was es bedeutet, daß Nietzsche gewisse Gifte zu sich nahm — was ihm nicht nachgemacht werden darf —, die einfach im menschlichen Organismus so wirken, daß sie zu einer Ätherizität, zu einer ätherischen Art des Bestehens im menschlichen Organismus führen, daß sie durchsprühen das Denksystem und dadurch hervorrufen dasjenige, was wir verfolgen können in Nietzsches «Zarathustra». Die Intuitionen machen sich fähig, das Geistig-Seelische abgesondert vom Stoffe als solches wahrzunehmen. Da wirkt nichts Stoffliches mehr, wo diese Intuition geschildert wird wie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in der «Geheimwissenschaft». Es sind die zwei entgegengesetzten Pole.
[ 18 ] Well, in what constitutes the human nervous-sensory system, the thinking part of the soul has, during earthly life, flowed out; it is no longer present in and of itself; it has formed this plastic structure and is no longer present in and of itself. And in the rhythmic system, it is only half present. One could therefore gain, at most, points of reference from which to draw further conclusions. It is only in the metabolic system—the most material aspect of earthly life—that the true, eternal part of the human soul is hidden. What is regarded here on Earth as the most material—that which lives in the metabolic system—is indeed the most material outwardly; but precisely because it is the most material, the spiritual remains separate from it. The spiritual is absorbed by the other material aspects—the brain and the rhythmic system—and is not present there. It is present in the grossly material realm. But a person must be able to see, perceive, and observe through this grossly material realm. This was present in early humanity and, while not desirable today, is still occasionally present in pathological states. Very few people know, for example, that the secret of Nietzsche’s Zarathustra style lies in the fact that he ingested certain substances—poisons—and that these poisons produced within him the peculiar rhythm, the peculiar style of Zarathustra. A very specific materiality was at work within Nietzsche. This is, of course, something pathological, even if in a certain sense it is also something magnificent. However, one must have no more illusions about these things—if one wishes to understand them—than one should have about their opposites, such as intuition and so on. One must be clear about what it means that Nietzsche ingested certain poisons—which must not be imitated—that simply act upon the human organism in such a way as to lead to an ethereality, to an ethereal mode of existence within the human organism, that they permeate the system of thought and thereby bring about what we can trace in Nietzsche’s Thus Spoke Zarathustra. The intuitions enable one to perceive the spiritual-soul aspect separately from matter as such. Nothing material is at work anymore where this intuition is described, as in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds or in Occult Science. These are the two opposing poles.
[ 19 ] Aber in jenen Mysterien, in die der auferstandene Christus hineingesprochen hat, da wußte man noch: Es war einmal vorhanden beim Menschen ein höchstes Stoffwissen, Stoffwechselwissen. Nicht mehr auf dieselbe Art, wie es die Urmenschheit getan hat, auch nicht auf degenerierte Art, wie es dann die Haschisch-Esser und andere getan haben, um aus den Wirkungen des Stofflichen heraus Erkenntnisse zu gewinnen, die man ohne dieses nicht gewinnen kann, nicht auf diese Art wollte man für eine gewisse Sache das alte Stoffeswissen auferwecken, wohl aber auf eine andere Art: dadurch, daß man einhüllte in Kultus, in bestimmte mantrische Formeln einhüllte vor allen Dingen in die ganze Struktur des Mysteriums des Offertoriums, des Opfers, der Transsubstantiation, der Kommunion, daß man einhüllte in diese Strukturformen das Mysterium von Golgatha, dem Menschen das Abendmahl reichte als Brot und Wein. Nicht indem man ihm Gift gab, aber indem man ihm das Abendmahl reichte und erst dieses Abendmahl einhüllte in dasjenige, was ausgeht von den mantrischen Formeln des Meßopfers, und ausgeht von dem, was in der vierfachen Gliederung der Messe — Evangelium, Opferung, Wandlung und Kommunion — liegt. Denn nach der Kommunion, nachdem der vierte Teil des Meßopfers vorbei ist, sollte ja stattfinden die eigentliche Kommunion der Gläubigen, und man wollte wenigstens einen Anhaltspunkt geben dafür, daß wiedererlangt werden muß ein Wissen, welches hinführt zu dem, wozu das alte Stoffwechselwissen in instinktiver Art hingeführt hat. Ja, dieses Stoffwechselwissen, die Menschen können sich heute nur schwer einen Begriff davon machen, weil sie nämlich keine Ahnung davon haben, wie viel zum Beispiel ein Vogel wenn auch nicht in intellektualistischer, abstrakter, verstandesmäßiger Form — mehr weiß als ein Mensch, wie viel auch ein Kamel sogar mehr weiß als ein Mensch, ein Tier, das ganz im Stoffwechsel drinnen lebt. Es ist nur ein dumpfes Wissen, ein Traumwissen. Degenerierung desjenigen, was der Urmensch in seinem Stoffwechsel hatte, ist heute vorhanden. Aber das Altarsakrament ist eben durchaus als Hinlenkung gedacht, aus den ersten christlichen Lehren als Hinlenkung gedacht darauf, daß wieder zu erringen ist ein Wissen von dem Ewigen in der Menschenseele.
[ 19 ] But in those mysteries into which the risen Christ spoke, people still knew: There once existed among human beings a supreme knowledge of matter, a knowledge of metabolism. Not in the same way that primeval humanity did it, nor in the degenerate way that the hashish-eaters and others later did it—to gain insights from the effects of the material world that cannot be gained without it—not in this way did they wish to revive the ancient knowledge of matter for a certain purpose, but rather in a different way: by enveloping it in ritual, in specific mantric formulas—above all, by enveloping the entire structure of the mystery of the Offertory, the sacrifice, transubstantiation, and Communion—by enveloping the mystery of Golgotha within these structural forms, and by presenting the Lord’s Supper to humanity as bread and wine. Not by giving them poison, but by offering them the Lord’s Supper and, first and foremost, by enveloping this Lord’s Supper in that which emanates from the mantric formulas of the Mass sacrifice and from what lies within the fourfold structure of the Mass—the Gospel, the Offering, the Consecration, and Communion. For after Communion, once the fourth part of the Mass is over, the actual communion of the faithful was to take place, and the intention was to provide at least a hint that a knowledge must be regained—one that leads to what the ancient knowledge of metabolism had instinctively pointed toward. Yes, this knowledge of metabolism—people today find it very difficult to grasp, because they have no idea, for example, how much a bird—even if not in an intellectual, abstract, or rational form—knows more than a human being, or how much even a camel knows more than a human being, an animal that lives entirely within its metabolism. It is merely a dull knowledge, a dreamlike knowledge. What remains today is a degeneration of what the primordial human possessed in his metabolism. But the sacrament of the altar is indeed intended as a guiding force—derived from the earliest Christian teachings—to guide us toward regaining a knowledge of the Eternal within the human soul.
[ 20 ] Dazumal, als der durch den Tod gegangene Christus seine eingeweihten Schüler lehrte, da konnten die Menschen von sich selbst aus zu einem solchen Wissen nicht kommen. Er hat es sie aber gelehrt. Und in den vier ersten christlichen Jahrhunderten war dieses Wissen in einer gewissen Weise noch lebendig. Dann verknöcherte es in der römisch-katholischen Kirche, indem diese zwar das Meßopfer beibehielt, aber keine Interpretation mehr dafür hat. Das Meßopfer, so gedacht als Fortsetzung des Abendmahls, wie das Abendmahl in der Bibel geschildert ist, das gibt natürlich keinen Sinn, wenn man nicht erst einen Sinn hineininterpretiert. Daß gerade das Meßopfer mit seinem wunderbaren Kultus, seiner Nachahmung der vier Mysterienkapitel, eingesetzt worden ist, das geht eben durchaus auf das zurück, daß der auferstandene Christus auch der Lehrer war derjenigen, die diese Lehren in einem höheren esoterischen Sinn empfangen konnten. Für die folgenden Jahrhunderte konnte ja nur bleiben dasjenige, was sozusagen eine Art kindlicher Unterricht war über das Mysterium von Golgatha. Eine Fähigkeit wurde ausgebildet, die zunächst verhüllte, zudeckte diese Erkenntnis über das Mysterium von Golgatha. Die Menschen sollten erst sich voll befestigen in demjenigen, was mit dem Tod zusammenhängt. Das ist die erste mittelalterliche Zivilisation. Traditionen haben sich erhalten. In manchen Geheimgesellschaften der Gegenwart versammeln sich noch Leute, die in ihren Schriften Formeln haben, die für den, der diese Formeln versteht, der erst die Sache wieder erkennt, durchaus erinnern an dasjenige, was die Lehren waren des auferstandenen Christus an seine eingeweihten Jünger. Aber diejenigen Menschen, die sich heute in allerlei Freimaurergesellschaften und allerlei Geheimgesellschaften vereinigen, sie verstehen ja nicht, was in ihren Formeln lebt, sie haben im Grunde keine Ahnung davon. Man würde aber aus diesen Formeln vieles herauslesen können, weil in ihnen doch in toten Buchstaben manches lebt, nur geschieht es nicht. Aber nachdem die Menschheit eine Weile in ihrer Entwickelung durchgegangen ist durch eine Zeit, die gewissermaßen gegenüber dem Mysterium von Golgatha eine Art Finsternis war, ist heute eben der Zeitpunkt herangekommen, wo die menschliche Sehnsucht verlangt, nun auch über das Mysterium von Golgatha ein tieferes Wissen zu erlangen. Und das kann nur auf die anthroposophische Art geschehen. Das kann nur dadurch geschehen, daß eben ein neues Wissen auftritt, das auf rein geistige Art arbeitet. Da wird man wiederum zurückgelangen zu einem vollmenschlichen Verständnis des Mysteriums von Golgatha. Da wird man wiederum verstehen lernen, daß die wichtigsten Lehren der Menschheit gegeben worden sind nicht von dem Christus, der im physischen Leibe lebte bis zum Mysterium von Golgatha hin, sondern nach dem Mysterium von Golgatha von dem auferstandenen Christus. Man wird ein neues Verständnis gewinnen für die Worte eines solchen Eingeweihten, wie Paulus es war: Ist der Christus nicht auferstanden, so ist Euer Glaube eitel. — Er wußte seit dem Erlebnis von Damaskus, daß alles darauf ankam, den auferstandenen Christus zu begreifen, die Kraft des auferstandenen Christus mit dem Menschen so zu vereinigen, daß der Mensch dann sagen kann: Nicht ich, sondern der Christus in mir.
[ 20 ] Back when Christ, who had passed through death, was teaching his initiated disciples, people could not arrive at such knowledge on their own. But he taught it to them. And during the first four centuries of Christianity, this knowledge was still alive in a certain sense. Then it became ossified within the Roman Catholic Church, which, while retaining the Mass as a sacrifice, no longer had an interpretation for it. The Mass, conceived as a continuation of the Last Supper as described in the Bible, naturally makes no sense unless one first interprets a meaning into it. The fact that the Mass, with its wondrous liturgy and its imitation of the four chapters on the Mysteries, was instituted stems precisely from the fact that the risen Christ was also the teacher of those who were able to receive these teachings in a higher, esoteric sense. For the centuries that followed, all that could remain was, so to speak, a kind of childlike instruction regarding the Mystery of Golgotha. A capacity was developed that initially veiled and concealed this knowledge of the Mystery of Golgotha. People were first to become fully grounded in that which is connected with death. This is the first medieval civilization. Traditions have been preserved. In some secret societies of the present day, people still gather who have formulas in their writings that—for those who understand them and can thereby recognize the truth anew—are quite reminiscent of the teachings of the risen Christ to his initiated disciples. But those people who today unite in all manner of Masonic lodges and secret societies do not understand what lives within their formulas; they have, in essence, no idea about it. Yet one could glean much from these formulas, for much lives within them even in dead letters—only it does not happen. But after humanity has passed through a period in its development that was, in a sense, a kind of darkness in relation to the Mystery of Golgotha, the time has now come when human longing demands that we also gain a deeper knowledge of the Mystery of Golgotha. And this can only happen in the anthroposophical way. It can only happen through the emergence of a new kind of knowledge that operates in a purely spiritual manner. Then we will once again arrive at a fully human understanding of the Mystery of Golgotha. Then we will once again come to understand that the most important teachings for humanity were not given by the Christ who lived in a physical body up to the Mystery of Golgotha, but rather, after the Mystery of Golgotha, by the risen Christ. We will gain a new understanding of the words of an initiate such as Paul: “If Christ has not been raised, your faith is in vain.” — He had known since his experience on the road to Damascus that everything depended on comprehending the risen Christ, on uniting the power of the risen Christ with the human being in such a way that the human being could then say: “Not I, but Christ in me.”
[ 21 ] Demgegenüber ist es nur allzu charakteristisch, daß ja im neunzehnten Jahrhundert eine 'Theologie heraufgekommen ist, die von dem auferstandenen Christus überhaupt nichts Rechtes mehr wissen will. Es ist immerhin ein bedeutsames Symptom der Zeit, daß ein für die Theologie angestellter Lehrer in Basel in der Schweiz, Nietzsches Freund Overbeck, als Theologe ein Buch geschrieben hat über die Christlichkeit der heutigen Theologie, in dem er den Nachweis zu bringen versucht, daß diese heutige Theologie nicht mehr christlich ist. Es mag manches Christliche noch geben — so meint auch solch ein Versteher des Christentums —, die Theologie aber, welche von den christlichen Theologen gelehrt wird, die ist jedenfalls nicht christlich. Das ist so ungefähr die Anschauung des christlichen Theologen Overbeck, und sie ist sehr geistvoll in seinem Buche bewiesen, diese Ansicht.
[ 21 ] In contrast, it is all too characteristic that in the nineteenth century a “theology” emerged that no longer wants to know anything at all about the risen Christ. It is, after all, a significant symptom of the times that a professor of theology in Basel, Switzerland—Nietzsche’s friend Overbeck—wrote a book as a theologian on the “Christianity” of contemporary theology, in which he attempts to prove that this contemporary theology is no longer Christian. There may still be some Christian elements—as even such an expert on Christianity would concede—but the theology taught by Christian theologians is certainly not Christian. That is roughly the view of the Christian theologian Overbeck, and he demonstrates this view very insightfully in his book.
[ 22 ] Es ist eben die Menschheit in bezug auf die Auffassung des Mysteriums von Golgatha so weit gekommen, daß heute am wenigsten zu sagen wissen über dieses Mysterium von Golgatha diejenigen, die offiziell angestellt sind von ihrer Kirche, um über das Mysterium von Golgatha den Menschen etwas zu sagen. Daraus entspringt dann die Sehnsucht, die menschliche Sehnsucht, über das, was jeder doch in seinem Inneren erleben kann, das Christus-Bedürfnis, etwas erfahren zu können.
[ 22 ] Humanity has reached a point in its understanding of the Mystery of Golgotha where, ironically, those who are officially appointed by their churches to speak to people about this Mystery of Golgotha are the ones who know the least about it today. From this arises the longing—the human longing—to experience something of what everyone can nevertheless experience within themselves: the need for Christ.
[ 23 ] Mancherlei Dienste — das ging ja aus den letzten Vorträgen hervor hat Anthroposophie der Menschheit heute zu leisten. Ein wichtiger Dienst wird der religiöse Dienst sein. Nicht eine neue Religion soll gestiftet werden. Mit dem Ereignis, das darin besteht, daß ein Gott durch das Menschenschicksal der Geburt und des Todes gegangen ist, hat die Erde ihren Sinn bekommen so, daß dieses Ereignis niemals überboten werden kann. Nach dem Christentum — das ist ganz klar für den, der die Begründung des Christentums kennt — kann eine neue Religion nicht mehr begründet werden. Man würde das Christentum unrichtig verstehen, wenn man glauben würde, daß eine neue Religion begründet werden könne. Aber indem die Menschheit selber immer mehr und mehr vorrückt im übersinnlichen Wissen, wird das Mysterium von Golgatha und damit die Christus-Wesenheit immer tiefer und tiefer verstanden werden. Zu diesem Verstehen möchte eben gerade Anthroposophie dasjenige beitragen, was in der Gegenwart vielleicht nur sie beitragen kann. Denn kaum kann an einem anderen Ort so gesprochen werden über das Verhältnis in uralten Zeiten der göttlichen Urlehrer der Menschheit, die von allem sprachen, nur nicht von Geburt und Tod — weil sie selbst nicht durchgemacht hatten Geburt und Tod und über denjenigen Lehrer, der noch seinen eingeweihten Schülern erschien in der Gestalt, wie die göttlichen Urlehrer der Menschheit erschienen waren, aber an wichtigen Unterweisungen und Lehren gerade die hatte, wie ein Gott miterlebte das Menschenschicksal der Geburt und des Todes. Aus dieser Mitteilung eines Gottes an die Menschheit soll den Menschen die Kraft werden, den Tod, für den sie jetzt sich interessieren müssen, so anzusehen, daß sie sich sagen können: Er ist da, dieser Tod, aber er kann der Seele nichts anhaben. Daß sich die Menschen das sagen können, dazu war das Mysterium von Golgatha da. Paulus wußte: Wäre es nicht da, wäre der Christus nicht auferstanden, so würde in das Schicksal des Leibes, das heißt der Aufteilung der Elemente des Leibes in die Elemente der Erde, die Seele verstrickt werden. Wäre Christus nicht auferstanden, hätte er sich nicht verbunden mit Erdenkräften, dann würde die menschliche Seele sich zwischen Geburt und Tod mit dem menschlichen Leibe so vereinigen, daß mit all den Molekülen, welche mit dem Menschenleibe durch Feuer oder durch die Verwesung mit der Erde sich verbinden, diese Seele sich auch verbinden würde. Es würde einstmals das geschehen, daß am Ende des Erdenwerdens die Menschenseelen den Weg machen würden, den der Stoff der Erde macht. Indem aber der Christus durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen ist, entreißt er die menschlichen Seelen diesem Schicksal. Die Erde wird im Weltenall ihren Weg gehen. Aber ebenso, wie von dem einzelnen menschlichen Leibe herauskommen kann die menschliche Seele, ebenso wird die Summe der Menschenseelen sich loslösen von der Erde und einem neuen Weltendasein zugehen können.
[ 23 ] As was evident from the previous lectures, anthroposophy has many services to render to humanity today. One important service will be the religious service. It is not the intention to establish a new religion. With the event in which a God passed through the human destiny of birth and death, the Earth has received its meaning in such a way that this event can never be surpassed. After Christianity—and this is quite clear to anyone who knows the foundations of Christianity—a new religion can no longer be established. One would misunderstand Christianity if one believed that a new religion could be founded. But as humanity itself advances further and further in supersensible knowledge, the Mystery of Golgotha—and with it the Christ Being—will be understood ever more deeply. It is precisely to this understanding that anthroposophy wishes to contribute what, in the present, perhaps only it can contribute. For hardly anywhere else can one speak in this way about the relationship in ancient times of the divine Primordial Teachers of humanity—who spoke of everything except birth and death, because they themselves had not undergone birth and death—and about that Teacher who still appeared to his initiated disciples in the form in which the divine Primordial Teachers of humanity had appeared, but who, in his crucial teachings, had precisely the experience of sharing in the human fate of birth and death as a god. From this message from a god to humanity, people are to draw the strength to view death—which they must now concern themselves with—in such a way that they can say to themselves: This death is here, but it cannot harm the soul. The Mystery of Golgotha existed so that people could say this to themselves. Paul knew: If it were not there—if Christ had not risen—the soul would be entangled in the fate of the body, that is, in the dissolution of the body’s elements into the elements of the earth. Had Christ not risen, had he not united himself with the forces of the earth, then the human soul would, between birth and death, unite with the human body in such a way that this soul, too, would become bound to all the molecules that, through fire or decomposition, become bound to the earth along with the human body. It would eventually come to pass that, at the end of the Earth’s evolution, human souls would follow the same path as the Earth’s matter. But by undergoing the Mystery of Golgotha, Christ rescues human souls from this fate. The Earth will follow its course in the universe. But just as the human soul can emerge from the individual human body, so too will the sum total of human souls be able to detach itself from the Earth and move toward a new cosmic existence.
[ 24 ] In dieser intimen Weise ist der Christus mit dem Erdendasein verknüpft. Nur kann man das erst verstehen, wenn man sich eben so dem Geheimnis nähert.
[ 24 ] In this intimate way, Christ is connected to earthly existence. But one can only understand this by approaching the mystery in precisely the same way.
[ 25 ] Es ist vielleicht der Gedanke verbleibend bei manchem: Wie ist es nun mit denjenigen, die nicht an Christus glauben können? Da möchte ich zur Beruhigung am Schlusse noch sagen: Der Christus ist für alle gestorben, auch für diejenigen, die heute sich nicht mit ihm verbinden können. Das Mysterium von Golgatha ist ein Objektives, zu dem Menschenwissen nichts tut. Aber dieses Menschenwissen verstärkt die inneren Kräfte der menschlichen Seele. Und angewendet werden müssen alle Mittel der menschlichen Erkenntnis, des menschlichen Fühlens, des menschlichen Wollens, damit im Laufe der weiteren Erdenentwikkelung auch subjektiv, durch das unmittelbare Wissen, in dem Menschen die Gegenwart des Christus in der Erdenentwickelung vorhanden sei.
[ 25 ] Some may still be left wondering: What about those who cannot believe in Christ? To offer some reassurance, I would like to add this at the end: Christ died for everyone, even for those who cannot connect with him today. The Mystery of Golgotha is an objective reality to which human knowledge contributes nothing. But this human knowledge strengthens the inner forces of the human soul. And all the means of human cognition, human feeling, and human will must be applied so that, in the course of further earthly development, the presence of Christ in earthly evolution may also be subjectively experienced through direct knowledge within human beings.
