The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211
2 April 1922, Dornach
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The Mystery of the Sun and The Mystery of Death and Resurrection, tr. SOL
7. Exoterisches und Esoterisches Christentum
7. Exoteric and Esoteric Christianity
[ 1 ] Die Entwickelung der Menschheit ist aufbewahrt in denjenigen Urkunden, die als religiöse Urkunden oder auch als sonstige Weltanschauungsurkunden erhalten sind. Man muß aber immer wieder betonen, daß zu diesen Urkunden, welche durch die Zeiten hindurch zu der ganzen Menschheit sprechen, und die durchaus in ihrem äußeren Wirken ihre tiefe Berechtigung haben, hinzukommen diejenigen, die wir esoterische Urkunden nennen können.
[ 1 ] The development of humanity is preserved in those documents that have been handed down as religious texts or as other worldview documents. However, it must be emphasized time and again that in addition to these documents—which speak to all of humanity throughout the ages and are thoroughly justified in their outward effects—there are also those we might call esoteric documents.
[ 2 ] Da, wo man in einem tieferen Sinne von Menschenerkenntnis und menschlicher Weltanschauung gesprochen hat, hat man ja immer unterschieden zwischen einer exoterischen Lehre, durch die man die Dinge mehr äußerlich erkennt, und einer esoterischen Lehre, die erst derjenige durchdringen kann, der sich in seinem eigenen Gemüte die entsprechende Vorbereitung dazu angeeignet hat. Und so muß auch für das Christentum selbst, namentlich für den geistigen Mittelpunkt desselben, für das Mysterium von Golgatha, unterschieden werden zwischen der exoterischen Anschauung und den esoterischen Erkenntnissen. Die exoterische Anschauung ist ja in den Evangelien für alle Welt enthalten. Neben dieser exoterischen Anschauung hat es immer ein esoterisches Christentum für diejenigen gegeben, die sich in entsprechender Weise in ihrem Gemüte für das Empfangen eines solchen esoterischen Christentums vorbereiten wollten.
[ 2 ] Whenever one has spoken in a deeper sense of human knowledge and the human worldview, a distinction has always been made between an exoteric teaching—through which one perceives things more superficially—and an esoteric teaching, which can be truly grasped only by those who have acquired the necessary inner preparation within their own minds. And so, even for Christianity itself—namely, for its spiritual center, the Mystery of Golgotha—a distinction must be made between the exoteric view and esoteric insights. The exoteric view is, after all, contained in the Gospels for the whole world. Alongside this exoteric view, there has always been an esoteric Christianity for those who wished to prepare themselves in an appropriate way within their own minds to receive such an esoteric Christianity.
[ 3 ] Das Wichtigste nun in diesem esoterischen Christentum ist das, was gewußt werden kann über den Umgang des auferstandenen Christus, des Christus also, der durch den Tod hindurchgegangen ist, mit denjenigen seiner Schüler, die ihn eben verstehen konnten. Sie wissen ja, daß über den Verkehr des Christus mit seiner Jüngerschar in den Evangelien eigentlich nur andeutend und vorübergehend gesprochen wird. Das, was über diesen Verkehr des auferstandenen Christus mit seinen Jüngern in den Evangelien mitgeteilt wird, gibt zwar den Menschen eine Ahnung, daß der Erdenentwickelung etwas ganz Besonderes einverleibt worden ist durch den auferstandenen Christus, allein es bleibt doch eben, wenn nicht zum Esoterischen vorgeschritten wird, bei bloßen Ahnungen.
[ 3 ] The most important thing in this esoteric Christianity is what can be known about the way the risen Christ—that is, the Christ who passed through death—interacted with those of his disciples who were able to understand him. As you know, the Gospels actually speak of Christ’s interactions with his disciples only in a suggestive and fleeting manner. What is conveyed in the Gospels about the Risen Christ’s interactions with his disciples does indeed give people a sense that something quite special has been incorporated into the development of the Earth through the Risen Christ; yet, unless one advances to the esoteric level, it remains merely a matter of intuition.
[ 4 ] Diese Ahnungen finden allerdings eine wichtige Ergänzung, wenn wir hinzufügen das Bekenntnis des Paulus. Dieses Bekenntnis des Paulus erscheint von ganz besonderer Wichtigkeit, denn Paulus spricht seine Überzeugung dahin aus, daß er an den Christus erst glauben konnte von demjenigen Augenblicke an, wo ihm der Christus durch das Ereignis von Damaskus erschienen war, wo er also die Anschauung gewinnen konnte davon, daß der Christus durch den Tod hindurchgegangen ist und nach dem Tode in Verbindung mit der Erdenentwickelung noch lebt. Die Anschauung von dem lebendigen Christus hat Paulus durch das Ereignis von Damaskus bekommen, und man muß nur einmal in Erwägung ziehen, was das gerade aus dem Munde des Paulus bedeutet.
[ 4 ] These intuitions, however, are significantly complemented when we add Paul’s confession. This confession of Paul appears to be of very special importance, for Paul expresses his conviction that he was only able to believe in Christ from the moment Christ appeared to him during the event at Damascus—that is, when he was able to gain the insight that Christ had passed through death and still lives after death in connection with the development of the Earth. Paul gained this insight into the living Christ through the event at Damascus, and one need only consider what this means, coming specifically from Paul’s own lips.
[ 5 ] Warum konnte denn Paulus vorher, bevor er durch das Ereignis von Damaskus gegangen war, eine Überzeugung von der Wahrheit des Christus-Wesens nicht erlangen?
[ 5 ] Why was Paul unable to become convinced of the truth of the Christ-being before he had gone through the event at Damascus?
[ 6 ] Man muß sich klarmachen, was es für Paulus, den in einer gewissen Weise in die hebräischen Lehren Eingeweihten, bedeutet hat, daß nach menschlichem Urteil dasjenige Wesen, das als der Christus Jesus da war, verurteilt worden ist zu schmachvollem Kreuzestod. Das konnte sich Paulus zunächst nicht denken, daß irgendwie die alten Weissagungen einem Wesen gegenüber in Erfüllung hätten gegangen sein können, das von Menschen nach Rechts wegen hat verurteilt werden können zum schmachvollen Kreuzestode. Das konnte sich Paulus zunächst nicht denken. Es war gewissermaßen für Paulus bis zum Ereignis von Damaskus ein vollgültiger Beweis, daß der Jesus von Nazareth nicht der Messias hat sein können, weil er hat den schmachvollen Kreuzestod erleiden müssen. Und erst als Paulus erlebt hatte die Erscheinung von Damaskus, trotzdem der Jesus von Nazareth, beziehungsweise das Wesen, das in dem Jesus von Nazareth verkörpert war, durch den schmachvollen Kreuzestod hindurchgegangen war, erst nachdem Paulus diese Gewißheit aus dem Ereignis, aus der Erscheinung von Damaskus hatte gewinnen können, kam er zu der Überzeugung von der Wahrheit des Mysteriums von Golgatha. Das bedeutet also gerade, indem Paulus es als seine Überzeugung offenbart, etwas außerordentlich Großes.
[ 6 ] One must realize what it meant to Paul—who was, in a certain sense, initiated into Hebrew teachings—that, according to human judgment, the being who was present as Christ Jesus had been condemned to a shameful death on the cross. At first, Paul could not conceive that the ancient prophecies could have been fulfilled in any way regarding a being who, according to human law, could have been condemned to a shameful death on the cross. At first, Paul could not conceive of this. Until the event at Damascus, it was, so to speak, conclusive proof for Paul that Jesus of Nazareth could not have been the Messiah, because he had to suffer a shameful death on the cross. And only after Paul had experienced the vision on the road to Damascus—even though Jesus of Nazareth, or rather the being embodied in Jesus of Nazareth, had undergone the shameful death on the cross—only after Paul had been able to gain this certainty from the event, from the vision on the road to Damascus, did he come to the conviction of the truth of the Mystery of Golgotha. This means, precisely because Paul reveals it as his conviction, that it is something extraordinarily great.
[ 7 ] Nun, die Überlieferungen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten noch vorhanden waren, sind heute nicht mehr vorhanden. Sie sind höchstens noch als äußere historische Notizen in einzelnen Geheimgesellschaften, die sie aber nicht verstehen, vorhanden. Das, was über die spärlichen Mitteilungen über den Christus nach dem Mysterium von Golgatha hinausgeht, das muß heute durch anthroposophische Geisteswissenschaft wieder gefunden werden. Man muß gewissermaßen wieder finden: Was sprach denn der auferstandene Christus? Was sprach er zu denjenigen Jüngern, die vorhanden waren, die nicht in den Evangelien verzeichnet sind? — Denn, was in den Evangelien verzeichnet wird von den Jüngern, die etwa auf dem Gange nach Emmaus den Christus Jesus trafen, oder was sonst verzeichnet wird von der Apostelschar, das ist ja immer getaucht in eine solche Tradition, daß man es zu tun hat mit möglichst einfachen Gemütern, die nicht bis zu dem Esoterischen vordringen konnten. Man muß also über das hinausgehend fragen: Was sprach denn der Christus nach seiner Auferstehung zu seinen wirklich eingeweihten Schülern?
[ 7 ] Well, the traditions that were still extant in the early Christian centuries no longer exist today. At most, they survive as external historical notes within certain secret societies, which, however, do not understand them. Whatever goes beyond the sparse accounts of Christ following the Mystery of Golgotha must be rediscovered today through anthroposophical spiritual science. We must, so to speak, rediscover: What did the risen Christ actually say? What did he say to those disciples who were present but are not recorded in the Gospels? — For what is recorded in the Gospels about the disciples who, for example, met Christ Jesus on the road to Emmaus, or what else is recorded about the group of apostles, is always steeped in a tradition such that we are dealing with minds as simple as possible, who could not penetrate to the esoteric. One must therefore ask, going beyond this: What did Christ say to his truly initiated disciples after his Resurrection?
[ 8 ] Wenn man das verstehen will, muß man ausgehen davon, wie in bezug auf das eigentliche Geheimnis von Golgatha die Menschen in alten Zeiten in ihrer ganzen Seelenverfassung gestimmt sein konnten, und wie sie durch dieses Ereignis von Golgatha dann gestimmt werden konnten.
[ 8 ] To understand this, one must consider how people in ancient times might have been disposed in their entire state of mind with regard to the true mystery of Golgotha, and how they might then have been influenced by this event at Golgotha.
[ 9 ] Es ist für den heutigen Menschen schon außerordentlich schwer verständlich, wenn man eine wichtige Wahrheit für die ältesten Zeiten der irdischen Menschheitsentwickelung ausspricht, die Wahrheit, daß zunächst die ersten Menschen, die auf der Erde gewandelt haben, nicht ein solches Wissen gehabt haben, wie das ist, was wir eben heute Wissen nennen.
[ 9 ] It is extremely difficult for people today to understand when one states an important truth about the earliest periods of humanity’s development on Earth—the truth that the first humans who walked the Earth did not possess the kind of knowledge that we today call “knowledge.”
[ 10 ] Durch ihre atavistischen Hellseherfähigkeiten waren diese ersten auf der Erde wandelnden Menschen in der Lage, Götterweisheit zu empfangen. Das heißt doch nichts Geringeres als: sie konnten belehrt werden durch die Götterwesen, die aus dem Reiche der höheren Hierarchien auf die Erde herunterstiegen, selbstverständlich auf spirituelle Art, auf geistige Art herunterstiegen, und dann auch auf geistige Art die Seelen lehrten.
[ 10 ] Thanks to their atavistic clairvoyant abilities, these first humans to walk the Earth were able to receive divine wisdom. This means nothing less than that they could be taught by the divine beings who descended to Earth from the realm of the higher hierarchies—descending, of course, in a spiritual, mental manner—and who then also taught the souls in a spiritual, mental manner.
[ 11 ] Solches Belehrtwerden durch die göttlichen Wesen selbst, die herunterstiegen von den geistigen Welten auf die Erde, kannte man durchaus in den alten Zeiten der irdischen Menschenentwickelungen. Es war ein Zustand der Entrücktheit, in dem sich die Menschen, zumeist solche, die durch die Mysterieneinweihung hindurchgegangen waren, versetzen konnten, wo sie also zum großen Teil außerhalb ihres Leibes mit ihrer Seele waren, so daß sie nicht angewiesen waren auf äußere Sinneswahrnehmungen, nicht angewiesen waren etwa auf ein äußeres Gespräch, das mit dem Munde hätte geführt werden müssen, sondern wo sie in der Lage waren, auf geistige Art Göttermitteilungen zu empfangen. Sie empfingen nicht in dem, was wir heute Traum nennen, sondern in einem lebendigen Verkehr auf geistige Art mit den göttlich-geistigen Wesenheiten das, was diese ansahen als ihre eigentliche Weisheit.
[ 11 ] Such instruction by the divine beings themselves, who descended from the spiritual worlds to Earth, was certainly known in the ancient times of human development on Earth. It was a state of ecstasy into which people—mostly those who had undergone mystery initiation—could enter, a state in which they were, for the most part, outside their bodies with their souls, so that they were not dependent on external sensory perceptions, nor on, for example, an external conversation that would have had to be conducted with the mouth, but were instead able to receive messages from the gods in a spiritual manner. They received what these beings regarded as their true wisdom not in what we today call a dream, but through a living, spiritual communion with the divine-spiritual beings.
[ 12 ] Diese Weisheit erstreckte sich zunächst auf Mitteilungen, welche die Götter dem Menschen machten über den Aufenthalt der menschlichen Seelen in der göttlich-geistigen Welt vor dem Heruntersteigen in den irdischen Leib. Das, was die Seelen erlebten, bevor sie durch die Empfängnis heruntergestiegen waren in einen irdischen Leib, lehrten die Götter die Menschen in dem Zustande, den ich geschildert habe. Die Menschen hatten dabei das Gefühl, daß sie eigentlich nur an etwas erinnert wurden. Sie meinten, indem die Götter ihnen diese Mitteilungen machten, sie würden erinnert an das, was sie eben vor der Geburt, beziehungsweise vor der Empfängnis in der geistig-seelischen Welt erlebt haben. Es klingt noch bei Plato durch, daß so etwas in älteren Zeiten durchaus der Fall war. So daß wir zurückschauen können heute auf eine göttlich-geistige Weisheit, welche die Menschen hier auf der Erde empfingen in den charakterisierten Zuständen, man darf eben durchaus nicht im uneigentlichen Sinne, sondern im ganz eigentlichen Sinne sagen: von den Göttern selbst.
[ 12 ] This wisdom initially concerned the messages the gods conveyed to humans regarding the sojourn of human souls in the divine-spiritual world before their descent into an earthly body. The gods taught humans about what the souls experienced before they descended into an earthly body through conception, in the state I have described. In doing so, people had the feeling that they were actually just being reminded of something. They believed that when the gods conveyed these messages to them, they were being reminded of what they had just experienced in the spiritual-soul world before birth, or rather before conception. It is still evident in Plato’s writings that such a thing was indeed the case in earlier times. Thus, we can look back today on a divine-spiritual wisdom that human beings received here on Earth in the states described; one may indeed say—not in a figurative sense, but in the very literal sense—that it came from the gods themselves.
[ 13 ] Diese Weisheit war von ganz besonderer Art. Sie war nämlich so, daß die Menschen auf der Erde nichts wußten, so sonderbar das dem heutigen Menschen klingt, von dem Tode. Wie gesagt, es wird Ihnen heute sonderbar klingen, und dennoch ist es so, daß die ältesten Erdenbewohner nichts wußten von dem Tode; denn das Kind weiß nichts von dem Tode. Die Menschen, die in dieser Weise unterrichtet wurden, wie ich es angedeutet habe, und die diesen Unterricht wiederum auf die anderen Menschen, die auch noch atavistisches Hellsehen hatten, ausdehnten, diese Menschen bekamen sogleich ein Bewußtsein, daß ihr Seelisches heruntergestiegen ist aus göttlich-geistigen Welten, in einen Körper hineingekommen ist, wiederum aus dem Körper hinausgehen wird, und sie sahen auf diesen Fortschritt des seelisch-geistigen Lebens. Die Geburt und der Tod kamen ihnen als eine Verwandlung vor, nicht als irgend etwas, was Anfang und Ende von etwas ist.
[ 13 ] This wisdom was of a very special kind. It was such that the people on Earth knew nothing—as strange as that may sound to people today—about death. As I said, this will sound strange to you today, and yet it is true that the earliest inhabitants of Earth knew nothing of death; for a child knows nothing of death. The people who were taught in this way, as I have indicated, and who in turn passed this teaching on to others who also still possessed atavistic clairvoyance—these people immediately became aware that their soul had descended from divine-spiritual worlds, had entered a body, and would eventually leave the body again, and they looked upon this progression of soul-spiritual life. Birth and death appeared to them as a transformation, not as something that marks the beginning and end of anything.
[ 14 ] Wenn man schematisch zeichnen wollte, so möchte man sagen: Man sah die menschliche Seele, wie sie sich fortentwickeln kann, und das irdische Leben empfand man als einen Einschnitt.
[ 14 ] If one were to sketch this out schematically, one might say: One saw how the human soul can continue to develop, and one perceived earthly life as a turning point.


[ 15 ] Aber man sah nicht den Punkt a und den Punkt b als Anfang und Ende, sondern man sah das fortströmende geistig-seelische Leben. Man sah zwar auch, daß die Menschen starben. Sie werden mir nicht zumuten, daß ich gerade diese ältesten Menschen mit Tieren vergleiche, denn diese ältesten Menschen hatten, trotzdem sie in bezug auf ihr Außeres den Tieren nahestanden, gerade ein höheres Geistig-Seelisches inne. Ich habe das einmal hier ausgeführt. Aber so wenig heute ein Tier von dem Tode etwas versteht, wenn es ein anderes totes Tier sieht, ebensowenig verstanden diese Menschen, die nur den Begriff bekamen von dem fortströmenden Geistig-Seelischen, etwas von dem Tode. Der Tod war das, was zur Maja, zu der großen Täuschung gehörte. Er machte keinen besonderen Eindruck auf die Menschen. Sie kannten nur das Leben. Sie kannten, trotzdem sie den Tod sahen, den Tod nicht. Sie waren mit ihrem geistig-seelischen Leben eben nicht in den Tod verstrickt. Sie sahen das menschliche Leben nur von innen an. Wenn sie nach der Geburt hinschauten, so dehnte sich dieses menschliche Leben über die Geburt hinaus in das Geistige hinein. Wenn sie nach dem Tode hinschauten, so dehnte sich das geistig-seelische Leben wiederum über den Tod in das Geistige hinein. Geburt und Tod waren von keiner Bedeutung für das Leben. Man kannte nur das Leben, man kannte nicht den Tod.
[ 15 ] But one did not see point a and point b as the beginning and the end; rather, one saw the spiritual and soul life flowing forth. It was true that people were also seen to die. You will not expect me to compare these very earliest humans to animals, for although they were physically similar to animals, they possessed a higher spiritual-soul life. I have elaborated on this here before. But just as little as an animal today understands anything about death when it sees another dead animal, so too did these people—who grasped only the concept of the outflowing spiritual-soul life—understand nothing of death. Death was part of Maya, the great illusion. It made no particular impression on people. They knew only life. Although they saw death, they did not know death. Their spiritual-soul life was simply not entangled in death. They viewed human life only from within. When they looked toward birth, this human life extended beyond birth into the spiritual realm. When they looked toward death, the spiritual-soul life in turn extended beyond death into the spiritual realm. Birth and death were of no significance to life. People knew only life; they did not know death.
[ 16 ] Aus diesem Zustande kamen die Menschen allmählich heraus. Und wenn man die Menschheitsentwickelung in ihrem Fortschreiten von den ältesten Zeiten bis gegen das Mysterium von Golgatha verfolgt, so kann man sagen: Die Menschen lernten immer mehr und mehr den Tod als etwas, was einen Eindruck auf sie machte, kennen. Ihre Seele verstrickte sich mit dem Tode, und es wurde eine Gefühlsfrage: Was wird denn nur mit der Seele, wenn der Mensch durch den Tod geht?
[ 16 ] People gradually emerged from this state. And if one traces the development of humanity in its progression from the earliest times up to the Mystery of Golgotha, one can say: People came to understand death more and more as something that made an impression on them. Their souls became entangled with death, and it became a matter of feeling: What will become of the soul when a person passes through death?
[ 17 ] So standen die Menschen in den ältesten Zeiten überhaupt nicht vor der Frage nach dem Tode als einem Ende. Sie haben höchstens nach der besonderen Art der Verwandlung gefragt. Sie haben gefragt, ob es der Hauch ist, der aus dem Menschen hinausgeht und fortströmt, und damit die Seele in die Ewigkeit hinübergeht, oder sie haben sich eine andere Vorstellung gemacht, wie da das geistig-seelische Leben fortströmt. Über die Art dieses Fortströmens haben sie nachgedacht, aber über den Tod als ein Ende haben die Menschen nicht nachgedacht.
[ 17 ] Thus, in the earliest times, people did not at all face the question of death as an end. At most, they asked about the specific nature of the transformation. They asked whether it was the breath that leaves the human being and flows onward, thereby carrying the soul into eternity, or they conceived of another way in which spiritual and soul life flows onward. They reflected on the nature of this flow, but they did not reflect on death as an end.
[ 18 ] Als das Mysterium von Golgatha herannahte, da fühlten eigentlich erst die Menschen, daß der Tod eine Bedeutung hat, daß das irdische Leben etwas ist, was ein Ende hat. Natürlich wurde das nicht eine philosophisch formulierte wissenschaftliche Frage, aber es legte sich auf die Seele als eine Empfindung. Zu dieser Empfindung mußten die Menschen im irdischen Leben kommen, denn in das irdische Leben mußte eindringen für die Menschheitsentwickelung der Verstand, der Intellekt. Der Intellekt ist aber abhängig davon, daß wir sterben können. Ich habe das öfter ausgeführt.
[ 18 ] As the Mystery of Golgotha drew near, it was only then that people truly began to feel that death has meaning, that earthly life is something that comes to an end. Of course, this did not become a philosophically formulated scientific question, but it settled upon the soul as a feeling. People had to arrive at this feeling in earthly life, for the mind—the intellect—had to enter into earthly life for the sake of humanity’s development. The intellect, however, depends on our ability to die. I have elaborated on this on several occasions.
[ 19 ] Der Mensch mußte also in den Tod hinein verstrickt werden. Der Mensch mußte den Tod kennenlernen. Die alten Zeiten, in denen die Menschen den Tod nicht kannten, waren alle unintellektualistisch. Die Menschen bekamen die Vorstellungen durch Eingebungen aus der geistigen Welt, dachten sie nicht aus. Einen Intellekt gab es nicht. Aber der Intellekt mußte Platz greifen. Der Intellekt kann nur dadurch Platz greifen, daß — sprechen wir es auf geistig-seelische Art aus — der Mensch sterben kann, daß er fortwährend die Absterbekräfte in sich trägt. Auf physische Weise könnte man sagen: Der Tod kann nur dadurch eintreten, daß der Mensch nicht nur in seinem übrigen Leibe, sondern auch innerhalb seines Gehirns Salze ablagert, das heißt mineralisch-feste Bestandteile, tote Bestandteile ablagert. Das Gehirn enthält fortwährend die Tendenz nach Salzablagerungen, nach nicht zustande gekommenen Knochenbildungen. So daß das Gehirn fortwährend die Tendenz nach dem Tode hin enthält. Diese Einimpfung des Todes mußte über die Menschheit kommen. Und nur das, was hervorging aus dieser Notwendigkeit, daß der Tod wirklich eine Rolle spielte im menschlichen Leben, das war die äußere Bekanntschaft mit dem Tode. Wären die Menschen so geblieben, wie sie in alten Zeiten waren, daß sie eigentlich den Tod gar nicht gekannt haben, dann hätten sie niemals einen Intellekt entwickeln können, denn der Intellekt ist nur möglich in einer Welt, in welcher der Tod waltet.
[ 19 ] Humanity thus had to become entangled in death. Humanity had to come to know death. The ancient times, when people did not know death, were all non-intellectual. People received their ideas through inspirations from the spiritual world; they did not conceive them themselves. There was no intellect. But the intellect had to take hold. The intellect can take hold only insofar as—to put it in spiritual-soul terms—human beings can die, in that they continually carry within themselves the forces of dying. In physical terms, one could say: Death can only occur when a person deposits salts—that is, mineral-solid components, dead components—not only in the rest of their body but also within their brain. The brain constantly contains the tendency toward salt deposits, toward bone formations that have not come to fruition. Thus, the brain constantly contains the tendency toward death. This “inoculation” of death had to come upon humanity. And only what arose from this necessity—that death truly played a role in human life—was the external experience of death. If human beings had remained as they were in ancient times, when they did not actually know death at all, then they would never have been able to develop an intellect, for the intellect is possible only in a world in which death reigns.
[ 20 ] So ist das anzusehen von seiten der Menschen. Man kann das aber auch ansehen von seiten der höheren Hierarchien. Da stellt es sich etwas anders dar.
[ 20 ] That is how it appears from the human perspective. However, one can also view it from the perspective of the higher hierarchies. From that perspective, it looks somewhat different.
[ 21 ] Die höheren Hierarchien enthalten in ihrem Wesen die Kräfte, welche gebildet haben Saturn, Sonne, Mond und zuletzt die Erde. Wenn die höheren Hierarchien nun ihre Lehre gewissermaßen unter sich ausgesprochen hätten bis zum Mysterium von Golgatha hin, so würden sie gesagt haben: Wir können aus Saturn, Sonne und Mond heraus die Erde gestalten. Aber die Erde würde, wenn sie nur das in sich enthielte, was wir dem Saturn, der Sonne, dem Monde haben einverleiben können, niemals Wesen entwickeln können, welche vom Sterben etwas wissen, welche daher Intellekt in sich entwickeln können. Wir höheren Hierarchien sind imstande, aus dem Monde hervorgehen zu lassen eine Erde, in der die Menschen nichts vom Sterben wissen, in der sie aber auch nicht den Intellekt entwickeln können. Es ist uns höheren Hierarchien unmöglich, die Erde so zu gestalten, daß sie die Kräfte hergibt, damit Menschen zum Intellekt kommen. Da müssen wir uns einlassen auf ein ganz anderes Wesen, auf ein Wesen, das von anderen Wegen herkommt, als wir hergekommen sind, auf das ahrimanische Wesen. Ahriman ist ein Wesen, das nicht zu unserer Hierarchie gehört. Ahriman kommt auf anderem Wege in die Evolutionsströmung herein. Wir müssen uns mit diesem Ahriman einlassen. Wenn wir den Ahriman dulden innerhalb der Erdenentwickelung, wenn wir ihm einen Anteil gewähren, dann bringt er uns den Tod und damit den Intellekt, und wir können in die menschliche Wesenheit Tod und Intellekt aufnehmen. Ahriman kennt den Tod. Ahriman kennt ihn, weil er verquickt mit der Erde ist, weil er Wege gegangen ist, durch die er mit der Erdenentwickelung zusammenhängt. Er ist ein Wissender, ein Weiser des Todes. Er ist daher auch der Herr des Intellektes.
[ 21 ] The higher hierarchies contain within their very nature the forces that formed Saturn, the Sun, the Moon, and finally the Earth. If the higher hierarchies had, so to speak, discussed their teachings among themselves up to the Mystery of Golgotha, they would have said: We can shape the Earth out of Saturn, the Sun, and the Moon. But if the Earth contained only what we were able to incorporate from Saturn, the Sun, and the Moon, it would never be able to develop beings who know anything of death—and who could therefore develop intellect within themselves. We, the higher hierarchies, are capable of bringing forth from the Moon an Earth in which human beings know nothing of death, but in which they also cannot develop intellect. It is impossible for us higher hierarchies to shape the Earth in such a way that it yields the forces necessary for human beings to attain intellect. To do so, we must engage with an entirely different being—a being that comes from paths other than those we have taken—the Ahrimanic being. Ahriman is a being who does not belong to our hierarchy. Ahriman enters the stream of evolution by a different path. We must engage with this Ahriman. If we tolerate Ahriman within Earth’s evolution, if we grant him a share, then he brings us death and with it the intellect, and we can incorporate death and the intellect into the human being. Ahriman knows death. Ahriman knows it because he is intertwined with the Earth, because he has followed paths that connect him to Earth’s evolution. He is a knower, a sage of death. He is therefore also the lord of the intellect.
[ 22 ] Die Götter mußten sich — wenn man so sagen darf — einlassen mit Ahriman. Sie mußten sich sagen: Die Evolution kann ohne Ahriman nicht fortschreiten. Es handelt sich darum, daß Ahriman in die Evolution aufgenommen werden kann. Aber wenn Ahriman in die Evolution aufgenommen wird und er nun der Herr wird über den Tod und damit über den Intellekt, dann entfällt uns die Erde, dann nimmt Ahriman, der nur ein Interesse daran hat, die ganze Erde zu verintellektualisieren, die Erde für sich in Anspruch.
[ 22 ] The gods had to—if one may put it that way—come to terms with Ahriman. They had to tell themselves: Evolution cannot proceed without Ahriman. The point is that Ahriman can be incorporated into evolution. But if Ahriman is incorporated into evolution and he then becomes the master of death—and thus of the intellect—then we will lose the Earth; then Ahriman, whose sole interest is to intellectualize the entire Earth, will lay claim to it for himself.
[ 23 ] Die Götter standen vor der großen Frage, die Herrschaft über die Erde an Ahriman in einem gewissen Sinne zu verlieren. Da ergab sich nur die eine Möglichkeit, daß die Götter selber etwas kennenlernten, was sie in ihren Götterwelten, die nicht von Ahriman durchdrungen waren, nicht haben kennenlernen können, daß die Götter durch einen ihrer Abgesandten, den Christus, den Tod auf der Erde selber kennenlernten. Es mußte ein Gott sterben auf der Erde, und er mußte so sterben, daß das nicht in der Götterweisheit, sondern in dem menschlichen Irrtum begründet ist, der Platz greifen würde, wenn Ahriman allein die Herrschaft hätte, Es mußte ein Gott durch den Tod gehen, und er mußte den Tod überwinden. So daß das Mysterium von Golgatha für die Götter bedeutete: die Bereicherung ihres Wissens durch die Weisheit vom Tode. Wäre kein Gott durch den Tod gegangen, so wäre die Erde ganz intellektualistisch geworden, ohne jemals in die Evolution hineinzukommen, die die Götter von vorneherein für sie bestimmt haben.
[ 23 ] The gods were faced with the great question of, in a certain sense, losing dominion over the earth to Ahriman. There was only one possibility: that the gods themselves would come to know something they could not have known in their divine realms, which were not permeated by Ahriman—that the gods, through one of their emissaries, Christ, would come to know death on Earth themselves. A god had to die on Earth, and he had to die in such a way that this would be rooted not in divine wisdom but in the human error that would prevail if Ahriman alone held dominion. A god had to pass through death, and he had to overcome death. Thus, for the gods, the Mystery of Golgotha meant the enrichment of their knowledge through the wisdom of death. Had no god passed through death, the Earth would have become entirely intellectualistic, without ever entering into the evolution that the gods had destined for it from the very beginning.
[ 24 ] Die Menschen haben den Tod nicht gekannt in alten Zeiten. Sie haben den Tod aber kennengelernt. Sie mußten vor der Empfindung stehen: Mit dem Tode, das heißt mit dem Intellekt, gehen wir in eine ganz andere Entwickelungsströmung hinein, als die ist, von der wir hergekommen sind. Nun lehrte der Christus seinen Eingeweihten, er sei aus einer Welt gekommen, in der man den Tod nicht kannte; er habe auf der Erde den Tod kennengelernt, er habe den Tod besiegt. Versteht man diesen Zusammenhang der irdischen Welt mit der göttlichen Welt, dann weiß man den Intellekt wiederum zurückzuführen zu der Spiritualität. So ungefähr könnte man aussprechen das, was der Inhalt jener esoterischen Lehren war, die der Christus seinen eingeweihten Schülern gegeben hat. Das, was er ihnen gegeben hat, war eben die Lehre von dem Tode, wie er sich von dem Schauplatze der Götterwelt ausnimmt.
[ 24 ] In ancient times, people did not know death. But they came to know death. They had to face the realization that with death—that is, with the intellect—we enter a completely different current of evolution than the one from which we came. Now Christ taught his initiates that he had come from a world where death was unknown; that he had come to know death on Earth, and that he had conquered death. If one understands this connection between the earthly world and the divine world, then one can trace the intellect back to spirituality. This is roughly how one might describe the content of those esoteric teachings that Christ imparted to his initiated disciples. What he gave them was precisely the teaching about death as it appears from the vantage point of the divine world.
[ 25 ] Man muß, wenn man die ganze Tiefe dieser esoterischen Lehre einsehen will, sich klar sein darüber, daß es für den Menschen, der die ganze Menschheitsevolution versteht, eine Erkenntnis ist: Die Götter haben Ahriman besiegt, indem sie seine Kräfte für die Erde nutzbar gemacht haben, aber abgestumpft haben sie seine Macht, indem sie selber den Tod kennenlernten in der Wesenheit des Christus. Die Götter haben zwar den Ahriman eingefügt in die Erdenentwickelung, aber sie haben, indem sie ihn benutzt haben, ihn gezwungen, herunterzukommen in die Erdenentwickelung, nicht seine eigene Herrschaft bis zum Ende durchzuführen.
[ 25 ] If one wishes to grasp the full depth of this esoteric teaching, one must be clear that for the person who understands the entire evolution of humanity, this is a realization: The gods defeated Ahriman by making his powers usable for the Earth, but they blunted his power by themselves coming to know death in the essence of Christ. Although the gods did introduce Ahriman into Earth’s evolution, by using him they forced him to descend into Earth’s evolution, preventing him from carrying out his own dominion to the end.
[ 26 ] Derjenige, der nun Ahriman kennenlernt seit dem Mysterium von Golgatha, und der ihn vorher kennt, der weiß, daß Ahriman gewartet hat auf den welthistorischen Augenblick, in dem er so eingreifen kann, daß diese Wirkung nicht nur, wie es schon seit der atlantischen Zeit war — das wissen Sie aus meiner «Geheimwissenschaft» —, auf das Unbewußte und Unterbewußte der Menschen ausgeübt wurde, sondern wie er eingreifen konnte auch in das Bewußtsein der Menschen. Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte.
[ 26 ] Anyone who has come to know Ahriman since the Mystery of Golgotha—and anyone who knew him before that—knows that Ahriman has been waiting for the moment in world history when he could intervene in such a way that his influence would not only—as has been the case since Atlantean times, as you know from my Occult Science —but also into human consciousness. If one were to apply human terms to divine will, one might say: Ahriman waited longingly for the moment when he could penetrate human consciousness with his power.
[ 27 ] Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zu bringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen.
[ 27 ] He was now surprised to realize that he had not known before that a divine decision had been made to send a being to Earth—Christ, who passed through death. Although this made Ahriman’s intervention possible, the pinnacle of his actual dominion had been broken off. Since that time, Ahriman has seized every opportunity to lead people to rely solely on their intellect; even today, Ahriman has not given up hope that he will succeed in leading people to rely solely on their intellect.
[ 28 ] Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer. Und man darf zum Beispiel sagen, daß in Ahrimans Gemüt — wenn man bei Ahriman von Gemüt sprechen darf, aber es ist ja vergleichsweise — besondere Freude herrschte — immer gebrauche ich menschliche Ausdrücke für das, wofür eigentlich andere ersonnen werden müßten —, daß in Ahrimans Gemüt besondere Freude herrschte in der Zeit von den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts bis gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts, denn in der vorwiegenden Herrschaft des Materialismus konnte Ahriman wieder hoffen für seine Herrschaft über die Erde.
[ 28 ] What would that mean? If Ahriman were to succeed in instilling in human beings the conviction—to the point where every other conviction would vanish from the earth—that a human being can live only in his body, that as a spiritual-soul being he is inseparable from his body, then the human soul would be so gripped by the idea of death that Ahriman could easily carry out his plans. This is what Ahriman always hopes for. And one might say, for example, that in Ahriman’s mind—if one may speak of a “mind” in connection with Ahriman, though it is, of course, only a figure of speech—there was a special joy —I always use human expressions for what actually requires different terms—that a special joy reigned in Ahriman’s mind from the 1840s through the end of the nineteenth century, for under the prevailing dominance of materialism, Ahriman could once again hope for his dominion over the Earth.
[ 29 ] Es ist doch sogar gelungen, daß in dieser Zeit die Theologie materialistisch geworden ist. Ich habe erwähnt, wie die Theologie unchristlich geworden ist, wie der Basler Theologe Overbeck ein Buch geschrieben hat, in dem er zu beweisen versuchte, daß die moderne Theologie gar nicht mehr christlich ist. Da konnte Ahriman wiederum hoffen.
[ 29 ] In fact, theology has even become materialistic during this period. I have mentioned how theology has become unchristian, and how the Basel theologian Overbeck wrote a book in which he attempted to prove that modern theology is no longer Christian at all. This gave Ahriman reason to hope once again.
[ 30 ] Und eine Gegnerschaft gegen Ahriman ist eigentlich heute nur in solchen Lehren vorhanden, wie sie durch die Anthroposophie fließen. Wenn durch die Anthroposophie wiederum den Menschen klar wird die Selbständigkeit des geistig-seelischen Wesens, unabhängig von dem körperlichen Wesen, dann muß Ahriman zunächst seine Hoffnung aufgeben. Dieses Kämpfen des Christus gegen Ahriman ist schon wiederum möglich, so daß eine Ahnung davon entstehen kann im Evangelium in der Versuchungsgeschichte. Aber ganz verstehen wird man die Sache eben nur, wenn man das, was ich auch schon öfter hier ausgeführt habe, durchdringt, daß für die ältere Menschheitsentwickelung mehr Luzifer eine Rolle spielt und Ahriman auf das menschliche Bewußtsein erst einen Einfluß gewinnt seit der Zeit des Mysteriums von Golgatha. Vorher hatte er auch einen Einfluß auf die Menschheit, aber nicht eigentlich auf das Bewußtsein.
[ 30 ] And opposition to Ahriman actually exists today only in teachings such as those found in anthroposophy. When, through anthroposophy, people once again come to realize the independence of the spiritual-soul being—separate from the physical being—then Ahriman must first give up his hope. This struggle between Christ and Ahriman is indeed possible again, so that a glimpse of it can be found in the Gospel account of the Temptation. But one will only fully understand the matter if one grasps what I have already explained here on several occasions: that in the earlier stages of human development, Lucifer played a greater role, and Ahriman has only been exerting an influence on human consciousness since the time of the Mystery of Golgotha. Before that, he also had an influence on humanity, but not actually on consciousness.
[ 31 ] Wenn man in das menschliche Gemüt hineinschaut, so muß man sagen: Es ist der wichtigste Punkt der irdischen Menschheitsentwickelung da, wo der Mensch erkennen lernt, daß in dem Christus-Impuls eine Kraft lebt, durch die er selbst, wenn er sich mit ihr verbindet, den Tod in sich überwindet.
[ 31 ] When one looks into the human soul, one must say: The most important point in humanity’s earthly development is when a person comes to realize that within the Christ impulse there is a power through which, if he connects with it, he can overcome death within himself.
[ 32 ] Von der geistigen Außenwelt angesehen, bedeutet das, daß von der Seite der zu Saturn, Sonne, Mond, Erde und so weiter gehörigen Hierarchien Ahriman hereingezogen worden ist in die Erdenentwickelung, aber seine Herrschaftsansprüche beschränkt worden sind, indem sie in den Dienst der Erdenentwickelung hereingestellt werden. Gewissermaßen ist Ahriman hereingezwungen worden in die Erdenentwickelung. Ohne ihn hätten die Götter nicht den Intellektualismus in die Menschheit hineinbringen können. Wenn sie nicht durch das ChristusEreignis es dahin gebracht hätten, daß der Herrschaft des Ahriman die Spitze abgebrochen wäre, so würde Ahriman die ganze Erde innerlich verintellektualisiert, äußerlich vermaterialisiert haben. Wir haben eben in dem Mysterium von Golgatha nicht bloß ein inneres mystisches Ereignis zu sehen, sondern wir haben durchaus ein äußeres Ereignis zu sehen, das aber nicht im Sinne der äußeren materiellen Geschichtsforschung dargestellt werden darf, sondern das dargestellt werden muß so, daß es das Aufnehmen des Ahrimanismus in die Erdenentwickelung bedeutet, aber zu gleicher Zeit in einer gewissen Weise das Überwinden des Ahrimanismus.
[ 32 ] Viewed from the perspective of the spiritual outer world, this means that, from the side of the hierarchies associated with Saturn, the Sun, the Moon, the Earth, and so on, Ahriman has been drawn into Earth’s evolution, but his claims to dominion have been limited by being placed in the service of Earth’s evolution. In a sense, Ahriman has been compelled to enter into Earth’s evolution. Without him, the gods could not have introduced intellectualism into humanity. If they had not, through the Christ event, brought about a breaking of the tip of Ahriman’s dominion, Ahriman would have intellectually transformed the entire Earth internally and materialized it externally. We must see in the Mystery of Golgotha not merely an inner, mystical event, but also an outer event—one that, however, must not be portrayed in the sense of external, material historical research, but must be portrayed in such a way that it signifies the incorporation of Ahrimanism into Earth’s evolution, while at the same time, in a certain sense, the overcoming of Ahrimanism.
[ 33 ] Wir haben also einen Götterkampf, der sich abspielte durch das Mysterium von Golgatha. Daß sich da ein Götterkampf abgespielt hat, das war eben etwas, was auch zu dem Inhalte der esoterischen Lehren gehörte, die der Christus seinen eingeweihten Schülern nach seiner Auferstehung beibrachte. Wenn man das bezeichnete, was da als esoterisches Christentum waltete, so kann man sagen, daß die Menschen in alten Zeiten der Erdenentwickelung gewußt haben: sie hingen zusammen mit den Götterwelten. Sie wußten von den Götterwelten durch die Offenbarungen, die ich Ihnen charakterisiert habe. Aber aus diesen Götterwelten konnte ihnen keine Mitteilung kommen von dem Tode, denn in diesen Götterwelten gab es den Tod nicht, und für den Menschen selber gab es den Tod nicht, indem man nur das gleichmäßige, kontinuierliche Fortschreiten des Geistig-Seelischen durch die Götterinstitutionen erkennen konnte. Der Mensch sah herankommen die Bedeutung des Todes hier. Er konnte sich erringen eine gewisse Kraft, sich zu halten an den Christus, um den Tod zu überwinden. Das ist innermenschliche Entwickelung. Aber das Esoterische, das der Christus seinen eingeweihten Schülern gegeben hat, bestand eben darin, daß er ihnen gesagt hat: Was sich auf Golgatha vollzogen hat, ist der Abglanz von überirdischen Ereignissen, von einem Verhältnis, das sich abspielte zwischen den Götterwelten, die mit Saturn, Sonne und Mond zusammenhängen und mit der bisherigen Erde, und Ahriman. Daß man auf das Kreuz von Golgatha nicht bloß so hinschauen kann, als ob damit etwas Irdisches zum Ausdrucke käme, sondern daß das Kreuz von Golgatha eine Bedeutung hat für den ganzen Kosmos, das war das, was Inhalt des esoterischen Christentums war.
[ 33 ] So we have a battle of the gods that unfolded through the Mystery of Golgotha. The fact that a battle of the gods took place there was precisely something that was also part of the content of the esoteric teachings that Christ imparted to his initiated disciples after his Resurrection. If one were to describe what prevailed there as esoteric Christianity, one could say that people in the early stages of Earth’s evolution knew they were connected to the worlds of the gods. They knew of these divine worlds through the revelations I have described to you. But no message about death could come to them from these divine realms, for death did not exist in those divine realms, nor did it exist for human beings themselves, since one could perceive only the steady, continuous progression of the spiritual-soul life through the divine institutions. Humanity saw the significance of death approaching here. It was able to attain a certain strength to hold fast to Christ in order to overcome death. This is inner human development. But the esoteric teaching that Christ gave to his initiated disciples consisted precisely in his telling them: What took place on Golgotha is the reflection of superterrestrial events, of a relationship that unfolded between the divine worlds associated with Saturn, the Sun, and the Moon—and with the Earth as it was then—and Ahriman. The fact that one cannot simply look upon the cross of Golgotha as if it were merely an expression of something earthly, but that the cross of Golgotha has significance for the entire cosmos—that was the essence of esoteric Christianity.
[ 34 ] Vielleicht kann man sich eine Empfindung verschaffen von dem, was da mit dem esoterischen Christentum gemeint sein soll, wenn man die Sache etwa so ausspricht: Man nehme an, zwei esoterische Schüler des Christus, die immer weiter und weiter vorrückten unter Aufnahme des esoterischen Christentums, sprachen miteinander während sie sich noch aus Zweifeln herausrangen. Der eine hätte zu dem anderen das Folgende sagen können: Der Christus, der uns lehrt, ist aus denjenigen Welten heruntergestiegen, die man aus alten Zeiten kennt. Man wußte von den Göttern, aber von denjenigen Göttern, die nicht reden konnten von dem Tode. Wenn wir nur bei ihnen stehen geblieben wären, hätten wir niemals von dem Wesen des Todes etwas erfahren. Die Götter mußten selbst erst ein Wesen herunterschicken auf die Erde, um durch einen der ihrigen kennenzulernen das Wesen des Todes. Was die Götter tun mußten, um die Erdenentwickelung zum richtigen Ende zu führen, das scheint uns der Christus nach seiner Auferstehung zu lehren. Wenn wir uns an ihn halten, so erfahren wir etwas, was die Menschen bisher nicht haben wissen können. Wir erfahren, was die Götter gemacht haben hinter den Kulissen des Weltendaseins, um die Erdenentwickelung in der richtigen Weise zu fördern. Wir erfahren, wie sie die Kräfte des Ahriman hereingeführt haben und sie nicht zum Verderben der Menschen werden ließen, sondern zum Nutzen der Menschen.
[ 34 ] Perhaps one can get a sense of what is meant by “esoteric Christianity” by putting it something like this: Suppose two esoteric disciples of Christ, who were advancing further and further in their understanding of esoteric Christianity, were speaking with one another while still struggling with their doubts. One of them might have said to the other: “The Christ who teaches us has descended from those worlds known since ancient times. People knew of the gods, but of those gods who could not speak of death. If we had remained with them alone, we would never have learned anything about the nature of death. The gods themselves first had to send a being down to Earth in order to come to know the nature of death through one of their own. What the gods had to do to lead Earth’s evolution to its proper conclusion—this is what Christ seems to teach us after his Resurrection. If we hold fast to him, we come to know something that human beings have not been able to know until now. We learn what the gods have done behind the scenes of world existence to promote Earth’s evolution in the right way. We learn how they introduced the forces of Ahriman and did not allow them to become a source of ruin for humanity, but rather a source of benefit for humanity.
[ 35 ] Es war etwas tief Ergreifendes, was da als esoterische Lehre von dem auferstandenen Christus an die eingeweihten Schüler herangegebracht worden ist. Und solch ein Schüler, wie ich ihn Ihnen jetzt angeführt habe, hätte weiter sagen können: Wir würden ja heute überhaupt gar nichts mehr wissen von den Göttern, denn wir sind in den Tod verstrickt, wenn der Christus nicht gestorben und auferstanden wäre und nach seiner Auferstehung uns die Göttererfahrungen über den Tod mitgeteilt hätte. Wir würden als Menschen in eine Zeit versinken, wo wir von den Göttern gar nichts mehr wissen können. Die Götter haben sich einen Weg gesucht, um wiederum zu uns sprechen zu können. Und dieser Weg ging durch das Mysterium von Golgatha.
[ 35 ] What was presented to the initiated disciples as the esoteric teaching of the risen Christ was something deeply moving. And a disciple such as the one I have just described to you could have gone on to say: We would know absolutely nothing about the gods today, for we are entangled in death, if Christ had not died and risen, and after his resurrection had not shared with us his experiences of the gods beyond death. As human beings, we would be sinking into an age in which we could know nothing at all about the gods. The gods sought a way to speak to us once again. And this path led through the Mystery of Golgotha.
[ 36 ] Daß die Menschen dem Göttlichen wiederum nahe gekommen sind, von dem sie sich entfernt hatten, das war das Wesentliche, was überging aus dem esoterischen Christentum in die Jünger. Die Jünger waren in den ersten Zeiten der christlichen Entwickelung von dieser erschütternden Lehre durchdrungen. Und mancher, von dem uns in der Geschichte nur erzählt wird durch äußere Angaben, der trug in sich das Wissen, das ihm nur hat kommen können dadurch, daß er entweder in den ersten Zeiten den Unterricht des auferstandenen Christus selbst gehabt hat, oder aber in Beziehung gestanden hat zu Lehrern, die eben diesen Unterricht gehabt haben. Später wurden alle diese Dinge veräußerlicht. Sie wurden so veräußerlicht, daß die ersten Verkünder des Christentums ja allerdings einen großen Wert darauf legten, sagen zu können, sie hätten einen Lehrer gehabt, der wäre noch Schüler eines Apostelschülers gewesen. Es war ein kontinuierliches Fortentwickeln, so daß derjenige, der sie gelehrt hat, noch einen gesehen hatte, der einen Apostel und damit einen gesehen hatte, der den Herrn selber nach seiner Auferstehung kennengelernt hatte.
[ 36 ] The fact that people had once again drawn near to the Divine, from which they had strayed, was the essential element that was passed on from esoteric Christianity to the disciples. In the early days of Christian development, the disciples were imbued with this profound teaching. And many—of whom history tells us only through external accounts—carried within themselves the knowledge that could have come to them only because they had either received instruction from the risen Christ himself in those early days, or had been connected to teachers who had received precisely that instruction. Later, all these things became externalized. They became so externalized that the earliest preachers of Christianity indeed placed great value on being able to say that they had had a teacher who had been a disciple of a disciple of an apostle. It was a continuous process of development, such that the one who taught them had seen someone who had seen an apostle—and thus someone who had known the Lord himself after his resurrection.
[ 37 ] Auf dieses lebendige Fortentwickeln legte man in den ersten Jahrhunderten noch einen Wert; aber so, wie das dann auf die spätere Menschheit gekommen ist, war es schon veräußerlicht. Es war zu einer äußerlichen historischen Darstellung gekommen. Aber im wesentlichen geht es zurück auf dasjenige, was ich Ihnen hier eben charakterisiert habe. Und die Einverleibung des Intellektes, die ja insbesondere schon im vierten, fünften Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha beginnt, die dann den besonderen Umschwung erlebt im fünfzehnten Jahrhundert, wo der fünfte nachatlantische Zeitraum beginnt, diese Entwickelung des Intellektes brachte es dahin, daß man die alte Weisheit nicht mehr hatte, durch die man so etwas noch einsehen konnte, und die neue Weisheit noch nicht entwickelt war. Die Menschen vergaßen gewissermaßen ein Zeitalter hindurch dasjenige, worauf es esoterisch im Christentum ankam. Wie gesagt, Notizen blieben darüber vorhanden in Geheimgesellschaften, deren Mitglieder aber jedenfalls in der heutigen Zeit nicht mehr verstehen, worauf sich diese Notizen beziehen; in Wirklichkeit beziehen sie sich darauf, daß Lehren erteilt wurden von dem auferstandenen Christus an gewisse eingeweihte Schüler.
[ 37 ] In the early centuries, this living, ongoing development was still valued; but by the time it reached later generations, it had already become externalized. It had turned into an external historical account. But in essence, it goes back to what I have just described to you here. And the incorporation of the intellect—which, after all, began in earnest as early as the fourth and fifth centuries following the Mystery of Golgotha, and which then underwent a particular turning point in the fifteenth century, when the fifth post-Atlantean epoch began—this development of the intellect led to a situation where people no longer possessed the ancient wisdom through which such things could still be understood, and the new wisdom had not yet been developed. People, so to speak, forgot—over the course of an entire age—what was esoterically essential in Christianity. As I said, records of this remained in secret societies, but their members—at least in the present day—no longer understand what these records refer to; in reality, they refer to the teachings imparted by the risen Christ to certain initiated disciples.
[ 38 ] Nehmen wir einmal an, die alte hebräische Lehre hätte nicht eine Regeneration erfahren durch das Christentum, es hätte ja dasjenige herauskommen müssen, was für Paulus eine unbedingte Überzeugung vor dem Ereignis von Damaskus war. Paulus hat etwa so gedacht: Es gibt eine althergebrachte Lehre. Ursprünglich war sie vorhanden als eine göttlich-geistige Offenbarung, die an die Menschen geistig herangekommen war in Urzeiten, so wie ich es eben heute charakterisiert habe. Dann ist sie durch das Schrifttum aufbewahrt worden. Unter den hebräischen Menschen gab es Schriftgelehrte, die aus der Schrift wußten, was da noch aufbewahrt worden war von der alten Götterweisheit her. Aus diesen Schriftgelehrten heraus entstand das Urteil, das den Christus Jesus zum Tode verurteilt hat. Solch ein Mensch wie Paulus, als er noch Saulus war, sieht also hinauf zu der Urgötterweisheit. Aus der strömt herunter bis zu den Schriftgelehrten seiner Zeit dasjenige, was diese Götterweisheit dem Menschen geworden ist. Indem hervorragende Menschen sich hingegeben haben dem Schrifttum, konnte diese Götterweisheit nur dazu führen, daß gerechte Urteile gesprochen wurden. Ein Unschuldiger, der zum Kreuzestod verurteilt wird: unmöglich, unmöglich! wenn sich alles so vollzog, wie es sich vollzogen hat bei der Verurteilung des Christus Jesus. Nur der römische Landpfleger Pontius Pilatus, der war schon instinktiv hineinverstrickt in eine ganz andere Weltanschauung, der konnte das inhaltsvolle Wort aussprechen: Was ist Wahrheit? — Für Paulus, als er noch Saulus war, war keine Möglichkeit, auch nur daran zu denken, daß das, was nach gerechtem Urteile sich vollzogen hat, nicht hätte Wahrheit sein sollen.
[ 38 ] Let us suppose for a moment that the ancient Hebrew teaching had not undergone a regeneration through Christianity; in that case, what must have emerged would have been what was an unshakable conviction for Paul even before the event at Damascus. Paul thought something like this: There is a time-honored teaching. Originally, it existed as a divine-spiritual revelation that had reached humanity spiritually in primeval times, just as I have just described it today. It was then preserved through the Scriptures. Among the Hebrew people there were scribes who knew from the Scriptures what had been preserved there from the ancient wisdom of the gods. It was from these scribes that the verdict arose which condemned Jesus Christ to death. A man like Paul, when he was still Saul, thus looked up to the primordial divine wisdom. From it flowed down to the scribes of his time that which this divine wisdom had become for humanity. Because outstanding individuals devoted themselves to the study of the Scriptures, this divine wisdom could only lead to just judgments being rendered. An innocent man condemned to death on the cross: impossible, impossible! if everything had unfolded as it did in the condemnation of Christ Jesus. Only the Roman governor Pontius Pilate—who was already instinctively entangled in a completely different worldview—was able to utter those profound words: “What is truth?” — For Paul, when he was still Saul, there was no possibility of even entertaining the thought that what had taken place in accordance with a just judgment might not have been the truth.
[ 39 ] Zu welcher Überzeugung mußte sich denn Paulus durchringen? Zu der Überzeugung, daß bei den Menschen Irrtum sein kann dasjenige, was einmal von den Göttern als Wahrheit gekommen ist, daß die Menschen es haben zum Irrtume machen können, zu solch starkem Irrtum, daß der Schuldloseste durch den Kreuzestod geht.
[ 39 ] What conviction did Paul have to bring himself to accept? The conviction that what once came from the gods as truth can become error among humans, that humans have been able to turn it into error—such a grave error that even the most innocent must die on the cross.
[ 40 ] Um ganz klar zu werden, machen wir uns davon eine schematische Zeichnung:
[ 40 ] To make things perfectly clear, let's draw a schematic diagram of this:


[ 41 ] Ursprüngliche Götterweisheit, sie strömt herunter bis zu der Weisheit der Schriftgelehrten, die die Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha innerhalb des Hebräertums waren (weiß). Da kann nur die Wahrheit drinnen sein, so mußte Saulus denken. Aber man mußte anders denken. Paulus, als er noch Saulus war, sagte sich: Ist das wirklich der Christus, der Messias, der durch den Kreuzestod gegangen ist, so muß da drinnen in dieser Strömung (rot) Irrtum sein. Da muß Irrtum zugemischt sein der Wahrheit, denn der Irrtum muß es sein, der den Christus ans Kreuz gebracht hat; das heißt, die einstige Götterwahrheit muß in den Menschen zum Irrtum geworden sein.
[ 41 ] Primordial divine wisdom flows down to the wisdom of the scribes, who were the contemporaries of the Mystery of Golgotha within the Hebrew people (white). “There can only be truth in this,” Saul must have thought. But one had to think differently. Paul, when he was still Saul, said to himself: If this is truly the Christ, the Messiah, who died on the cross, then there must be error within this current (red). There must be error mixed in with the truth, for it must have been error that brought the Christ to the cross; that is to say, the former divine truth must have become error within humanity.
[ 42] Selbstverständlich konnte der Saulus sich nur überzeugen durch die Tatsache, daß das so ist. Nur der Christus selbst konnte ihn überzeugen, wenn er ihm erschien, wie das durch das Ereignis von Damaskus geschehen ist. Was bedeutete das aber für den Saulus? Das bedeutete, daß eben nicht mehr die alte Götterweisheit war, sondern daß in diese das Ahrimanische hereingeströmt war.
[ 42] Of course, Saul could only be convinced by the fact that this was indeed the case. Only Christ himself could convince him when he appeared to him, as happened during the event at Damascus. But what did that mean for Saul? It meant that it was no longer the old wisdom of the gods, but that the Ahrimanic had flowed into it.
[ 43 ] So kam Paulus dazu, einzusehen, daß die Menschheitsentwickelung von einem Feinde ergriffen war, und daß dieser Feind der Quell des Irrtums auf der Erde ist.
[ 43 ] Thus Paul came to realize that the development of humanity had been seized by an enemy, and that this enemy is the source of error on Earth.
[ 44 ] Indem er den Intellekt bringt, bringt er zugleich die Möglichkeit des Irrtums, und indem der Irrtum in seiner größten Ausbildung erschien, wird er zu demjenigen Irrtum, der den Schuldlosen ans Kreuz bringt. Man mußte ja erst diese Überzeugung gewinnen können, daß der Schuldlose ans Kreuz kommen kann. Dadurch empfing man erst eine Anschauung darüber, wie Ahriman in die Menschheitsentwickelung herein seinen Weg gefunden hat, und wie in der menschlichen Ich-Entwickelung, indem das Mysterium von Golgatha sich abspielte, eben ein übersinnlich-überirdisches Ereignis vorhanden war. Das Esoterische kann niemals ein bloßes Mystisches sein. Es ist immer ein gewaltiges Mißverständnis, wenn man die bloße Mystik zur Esoterik umdeutet. Das Esoterische ist immer ein Erkennen von Tatsachen, die sich in der geistigen Welt als solche abspielen, die hinter dem Schleier des Sinnlichen stehen. Und hinter dem Schleier der Sinnlichkeit steht die Ausgleichung zwischen der Götterwelt und der ahrimanischen Welt, wie sie sich abspielt durch den Kreuzestod des Christus Jesus.
[ 44 ] By introducing the intellect, he simultaneously introduces the possibility of error, and as this error manifested itself in its most extreme form, it became the very error that led the innocent one to the cross. One first had to be able to gain the conviction that the innocent could be crucified. Only then did one gain an insight into how Ahriman found his way into human evolution, and how, in the development of the human “I”—as the Mystery of Golgotha unfolded—a supersensible, superterrestrial event was indeed taking place. The esoteric can never be merely mystical. It is always a grave misunderstanding to reinterpret mere mysticism as esotericism. The esoteric is always a recognition of facts that unfold as such in the spiritual world, which lies behind the veil of the sensory. And behind the veil of the sensory lies the balancing between the world of the gods and the Ahrimanic world, as it unfolds through the crucifixion of Christ Jesus.
[ 45 ] Nur in einer Welt — so konnte jetzt Paulus empfinden —, in welcher ergriffen wird die menschliche Wesenheit von den ahrimanischen Mächten, kann der Irrtum eintreten, der zum Kreuzestod hat führen können. Und jetzt, als er das begriffen hatte, erkannte er eben erst die Wahrheit des esoterischen Christentums.
[ 45 ] Only in a world—as Paul could now perceive—in which the human being is seized by the Ahrimanic forces can the error arise that could have led to death on the cross. And now that he had grasped this, he recognized for the first time the truth of esoteric Christianity.
[ 46 ] Paulus war also durchaus einer von denjenigen, die in diesem Sinne zu den Eingeweihten gehörten. Aber diese Einweihung verglomm allmählich gerade unter dem Einfluß des Intellektualismus. Und heute haben wir nötig, wiederum zurückzukehren zu einer Erkenntnis des esoterischen Christentums. Heute haben wir nötig, wiederum zu wissen, daß nicht nur dasjenige zum Christentum gehört, was exoterisch ist, wovon die Evangelien Ahnungen zwar erwecken können. Vom Esoterischen wird heute noch wenig geredet. Aber die Menschheit muß zurückkehren zu dem, wofür ja kaum äußere Dokumente vorhanden sind, was eben durch anthroposophische Geisteswissenschaft durchschaut werden muß, was der Christus selber nach seiner Auferstehung seinen eingeweihten Schülern gelehrt hat unter der Voraussetzung, daß er es nur lehren konnte, nachdem er auf Erden ein Erlebnis gehabt hat, das er in der Götterwelt oben nicht hätte haben können, denn in der Götterwelt gibt es keinen Tod bis zu dem Mysterium von Golgatha. Da war niemals ein Wesen durch den Tod gegangen. Christus ist der Erstgeborene, der durch den Tod gegangen ist aus der Welt der Hierarchien, die mit der Erdenentwickelung in Saturn, Sonne und Mond zusammenhängen.
[ 46 ] Paul was, therefore, certainly one of those who, in this sense, belonged to the initiated. But this initiation gradually faded away, precisely under the influence of intellectualism. And today we need to return once again to an understanding of esoteric Christianity. Today we need to realize once again that Christianity is not limited to what is exoteric—even though the Gospels may awaken a sense of it. Little is said about the esoteric today. But humanity must return to that for which there are hardly any external documents—that which must be understood through anthroposophical spiritual science—that which Christ himself taught his initiated disciples after his Resurrection, on the condition that he could only teach it after he had undergone an experience on Earth that he could not have had in the world of the gods above, for in the world of the gods there is no death until the Mystery of Golgotha. No being had ever passed through death there. Christ is the Firstborn who passed through death from the world of hierarchies connected with Earth’s evolution in Saturn, the Sun, and the Moon.
[ 47 ] Die Aufnahme des Todes in das Leben, das ist das Geheimnis von Golgatha. Vorher hatte man das Leben ohne den Tod gekannt, jetzt lernte man den Tod als einen Bestandteil des Lebens kennen, als ein Erlebnis, welches verstärkt das Leben. Es war ein schwächeres Leben, durch das die Menschheit gegangen ist, als sie noch nicht den Tod gekannt hat. Die Menschheit muß stärker leben, wenn sie durch den Tod durchgehen will und dennoch leben will. Und der Tod bedeutet in dieser Beziehung zugleich den Intellekt. Die Menschen hatten ein verhältnismäßig schwaches Lebensgefühl notwendig, als sie sich noch nicht mit dem Intellekt zu plagen hatten. Die älteren Menschen, die in ihre inneren Offenbarungen bildhaft hereinbekamen das Wissen von den göttlichen Welten, die starben innerlich nicht. Sie blieben immer lebendig. Sie konnten lachen über den Tod, weil sie ja doch innerlich lebendig blieben. Die Griechen erzählen noch davon, wie glücklich die Alten waren, weil sie, bevor sie ans Sterben kamen, so innerlich betäubt wurden, gewissermaßen, daß sie nicht merkten, daß es dem Tode entgegenging. Das war aber schon der letzte Ausläufer dieser Weltanschauung, die nichts von dem Tode wußte. Der neuere Mensch erlebt den Intellekt. Der Intellekt macht uns innerlich kalt, macht uns innerlich tot. Der Intellekt lähmt uns. Wir leben eigentlich nicht, wenn wir den Intellekt entwickeln. Man muß das nur empfinden, daß man ja eigentlich nicht lebt, wenn man denkt, daß man sein Leben ausgießt in tote Verstandesbilder, und daß man ein starkes Leben braucht, um dasjenige, was in der toten Verstandesbildung ist, nun dennoch als schaffendes Leben zu empfinden, wenn man sich auf dasjenige Gebiet begibt, wo aus der Kraft des reinen Denkens heraus die sittlichen Impulse kommen, wo man die Freiheit des Menschen verstehen lernt aus den Impulsen des reinen Denkens heraus.
[ 47 ] The acceptance of death into life—that is the mystery of Golgotha. Before, people had known life without death; now they came to know death as an integral part of life, as an experience that enriches life. Humanity lived a weaker life before it had yet come to know death. Humanity must live more fully if it is to pass through death and yet continue to live. And in this context, death also signifies the intellect. People necessarily had a relatively weak sense of life when they did not yet have to grapple with the intellect. The older people, who received the knowledge of the divine worlds through vivid inner revelations, did not die inwardly. They always remained alive. They could laugh at death because, after all, they remained alive inwardly. The Greeks still tell of how happy the ancients were because, before they died, they were, so to speak, so inwardly numbed that they did not realize they were approaching death. But that was already the last vestige of this worldview, which knew nothing of death. Modern man experiences the intellect. The intellect makes us cold inside, makes us dead inside. The intellect paralyzes us. We are not really living when we develop the intellect. One must simply realize that one is not really living when one thinks that one is pouring one’s life into dead mental images, and that one needs a strong life in order to perceive what lies within those dead mental constructs as creative life after all, when one enters that realm where moral impulses arise from the power of pure thought, where one learns to understand human freedom through the impulses of pure thought.
[ 48 ] Das habe ich versucht darzustellen in meiner «Philosophie der Freiheit». Diese «Philosophie der Freiheit» ist eigentlich eine Moralanschauung, welche eine Anleitung dazu sein will, die toten Gedanken als Moralimpulse zu beleben, zur Auferstehung zu bringen. Insofern ist innerliches Christentum durchaus in einer solchen Freiheitsphilosophie.
[ 48 ] That is what I have tried to illustrate in my Philosophy of Spiritual Activity. This Philosophy of Spiritual Activity is actually a moral perspective that aims to serve as a guide for reviving dead ideas as moral impulses, bringing them back to life. In this respect, inner Christianity is certainly present in such a philosophy of freedom.
[ 49 ] Ich wollte Ihnen mit diesen Auseinandersetzungen heute einmal von einem gewissen Gesichtspunkte aus etwas von dem esoterischen Christentum vor die Seele stellen. Es ist nötig in unserer Zeit, wo ja so viel an Streit herrscht gerade über das Wesen des Christentums exoterisch-historisch, auf diese esoterische Lehre des Christentums hinzuweisen. Das ist dasjenige, was ich heute gewollt habe. Ich hoffe, daß gerade diese Dinge nicht leicht hingenommen, sondern daß sie mit der nötigen Schwere empfunden werden. Man hat ja immer das Gefühl, wenn man gerade über solche Dinge spricht, daß es schwer ist, in die schon abstrakt gewordenen Worte der heutigen Sprache diese Dinge hineinzubringen. Deshalb versuchte ich gestern, Ihre Seelen dafür zu stimmen dadurch, daß ich in Bildern die inneren Vorgänge des Menschen darstellte, um heute gewissermaßen von dem einzelnen Menschen hinauszuführen zu demjenigen, was nun im esoterischen Sinne diejenige historische Entwickelung der Menschheit ist, die das Mysterium von Golgatha als etwas Wesentliches in sich aufnimmt. Wenn ich von der Reise zurückkomme, so wollen wir dann gerade vielleicht die Möglichkeit haben, auf einer anderen Ebene das Verhältnis der menschlichen Seele zur Weltenentwickelung zu betrachten.
[ 49 ] Through these discussions today, I wanted to present to you, from a certain perspective, something of esoteric Christianity. In our time, when there is so much controversy precisely about the exoteric-historical nature of Christianity, it is necessary to draw attention to this esoteric teaching of Christianity. That is what I intended to do today. I hope that these matters in particular will not be taken lightly, but that they will be received with the gravity they deserve. One always has the feeling, when speaking about such things, that it is difficult to convey them using the words of today’s language, which have already become so abstract. That is why I tried yesterday to attune your souls to this by depicting the inner processes of the human being in images, so that today we might, as it were, move from the individual human being out to what, in the esoteric sense, is the historical development of humanity that incorporates the Mystery of Golgotha as an essential element. When I return from my trip, perhaps we will then have the opportunity to consider, on a different level, the relationship of the human soul to the evolution of the world.
