The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211
11 June 1922, Vienna
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The Mystery of the Sun and The Mystery of Death and Resurrection, tr. SOL
12. Anthroposophie als ein Streben nach Durchchristung der Welt
12. Anthroposophy as a Quest to Infuse the World with the Spirit of Christ
[ 1 ] Einige einleitende Worte muß ich der heutigen Betrachtung zuerst vorausschicken. Es wird ja für viele unserer älteren Mitglieder zum Teil eine schmerzliche Empfindung sein, daß sich innerhalb der anthroposophischen Bewegung in den letzten Jahren manches verändert hat, gewandelt hat. Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, worinnen sich diese Verwandlung vom Gesichtspunkt eben vieler unserer älteren Mitglieder darstellt.
[ 1 ] I must first preface today’s reflection with a few introductory remarks. For many of our older members, it will undoubtedly be a painful realization that, within the anthroposophical movement, many things have changed in recent years. I would just like to briefly point out what this transformation looks like from the perspective of many of our older members.
[ 2 ] Vor Jahren war es so, daß wir ja in ähnlich gearteten Kreisen, die dazumal nur kleiner waren als heute, zusammengekommen sind, und daß dann gewissermaßen so gesprochen werden konnte, wie dies möglich ist, wenn vorausgesetzt werden darf, daß mit dem Grundelemente anthroposophischen Denkens und namentlich anthroposophischen Empfindens die Mitgliederzuhörerschaft vertraut ist. Ich meine damit nicht, daß dieses Vertrautsein gerade bestehen muß in bestimmten Vorstellungen oder dogmatischen Ideen, sondern dieses Vertrautsein bestand ja und besteht darinnen, daß Menschen sich hier innerhalb der anthroposophischen Bewegung zu engerem Kreise zusammenschließen, die aus ihrem Herzen heraus die Sehnsucht nach einem Hineinleben in die geistige Welt haben. Und das ist das Wesen des esoterischen Sprechens, daß man immer die Voraussetzung hat, Menschen mit solchen Sehnsuchten als Zuhörer vor sich zu haben. Auch wenn sogenannte öffentliche Vorträge in früheren Jahren gehalten worden sind, so waren sie so geordnet, daß dieser esoterische Charakter wenigstens in einem gewissen Sinne durchaus gewahrt wurde. Gewiß, öffentlich mußte man in den Denk- und Sprachformen sprechen, die nun einmal diejenigen des heutigen Zeitalters sind, so wie sich dieses Zeitalter von außen darstellt, aber unsere älteren Mitglieder werden doch empfunden haben, daß auch bei den größeren Veranstaltungen es sich immer handelte um eine Fortsetzung des in esoterischen Kreisen Gepflogenen. Heute werden aber diese älteren Mitglieder, wenn sie zu unseren größeren Veranstaltungen kommen, eben mit einem gewissen Schmerz erfahren, daß, scheinbar wenigstens, eine andere Sprache gesprochen wird, als dies früher der Fall war. Was früher unmittelbar aus dem, ich möchte sagen, Esoterisch-Elementarischen heraus gesprochen worden ist, das hört man gegossen in die Formen des heutigen wissenschaftlichen Lebens. Und ich weiß es ganz gut, daß es viele unter unseren älteren Mitgliedern gibt, die sagen: Ja, wir sind ja früher auf einem viel schnelleren Weg zu den Erkenntnissen und zu den Impulsen der geistigen Welt, viel schneller und auf eine innerlich wahrere Weise in das Erleben dieser geistigen Welt hineingekommen, und uns interessiert es im Grunde genommen gar nicht, ob das, was so Herzensgut werden kann, sich nach allen Seiten in strengen Gedankengängen rechtfertigen läßt. — Viele dieser älteren Mitglieder sagen: Das ist im Grunde genommen etwas, was uns weniger interessiert. Und sie empfinden es gewissermaßen als einen Verlust, daß die anthroposophische Bewegung nicht stehengeblieben ist bei der älteren Form.
[ 2 ] Years ago, we used to gather in similar circles—which were smaller back then than they are today—and it was possible, so to speak, to speak in a way that assumes the members and audience are familiar with the fundamental elements of anthroposophical thought and, in particular, anthroposophical feeling. By this I do not mean that this familiarity must consist specifically of certain concepts or dogmatic ideas; rather, this familiarity consisted—and continues to consist—in the fact that people within the anthroposophical movement come together in closer circles, driven by a heartfelt longing to live within the spiritual world. And that is the essence of esoteric speech: that one always has the prerequisite of having people with such longings as listeners before one. Even when so-called public lectures were held in earlier years, they were structured in such a way that this esoteric character was, at least in a certain sense, thoroughly preserved. Certainly, in public one had to speak in the forms of thought and language that are characteristic of the present age, as this age presents itself from the outside; but our older members will nevertheless have sensed that even at the larger events, it was always a continuation of what is customary in esoteric circles. Today, however, when these older members attend our larger events, they experience—with a certain sense of pain—that, at least on the surface, a different language is being spoken than was the case in the past. What used to be spoken directly from what I would call the “esoteric-elemental,” so to speak, is now heard cast into the forms of contemporary scientific life. And I know full well that there are many among our older members who say: “Yes, we used to be on a much faster path to the insights and impulses of the spiritual world; we entered into the experience of this spiritual world much more quickly and in a way that was more authentic from within, and, deep down, we’re not really interested in whether what can become so dear to the heart can be justified in every respect through rigorous lines of thought.” — Many of these older members say: “That is, fundamentally speaking, something that interests us less.” And they feel, in a sense, that it is a loss that the anthroposophical movement has not remained in its older form.
[ 3 ] Aber das hing ja nicht von der anthroposophischen Bewegung ab. Man darf schon sagen: Diese anthroposophische Bewegung, die hat, wenigstens was mich anbetrifft, niemals darauf gesehen, dasjenige, was zu sagen ist, in einer solchen Weise zu sagen, daß gewissermaßen jeder das hört, was er ohnedies schon weiß, und darin eine gewisse Popularität zu suchen. Die anthroposophische Bewegung hat dieses Ziel nie verfolgt. Sie hat immer so gesprochen, wie sie sprechen mußte aus dem innersten Charakter ihres Wesens heraus. Und besonders befriedigt hat es mich immer, wenn die Leute sagten, man könne ganz gewiß der Anthroposophie nicht vorwerfen, daß sie versuche, auf die vorgefaßten Empfindungen der Menschen zu rechnen, irgendwie eine unlautere Begeisterung durch Vorurteile, auf die sie spekuliert, hervorzurufen. Denn es wird eigentlich in einer viel entlegeneren Weise gesprochen, als eben in denjenigen Bewegungen gesprochen wird, die danach streben, sich irgendwie bewußt populär zu machen.
[ 3 ] But that didn't depend on the anthroposophical movement. It’s fair to say: This anthroposophical movement—at least as far as I’m concerned—has never sought to say what needs to be said in such a way that, so to speak, everyone hears what they already know anyway, and to seek a certain popularity in that. The anthroposophical movement has never pursued this goal. It has always spoken as it had to, out of the innermost character of its being. And it has always given me particular satisfaction when people said that one certainly cannot accuse anthroposophy of trying to capitalize on people’s preconceived notions, or of somehow arousing an insincere enthusiasm by speculating on their prejudices. For it actually speaks in a much more detached manner than do those movements that strive to make themselves popular in some way.
[ 4 ] Dasjenige, was heute gekommen ist, ist eben wirklich nicht gesucht worden. Denn trotzdem ich oftmals antworten mußte, wenn Menschen gekommen sind und gesagt haben: Man könnte Ihre Theorie popularisieren, sie so umschreiben, daß sie jeder versteht und sich die Leute nicht erst große Mühe geben müßten —: Das ist etwas, was ich als verderblich betrachte, denn es gehört dazu, daß man Mühe haben muß, hinter das zu kommen, was hier vertreten wird-, und es ist eigentlich niemals mit meinem Willen eine solche Bewegung angestrebt worden, wie sie oftmals da angestrebt wird, wo gesucht wird, das zu sagen, was die Menschen schon wissen und wozu sie daher sehr leicht mit ihrem Herzen und ganzen Menschen hinneigen. Trotzdem aber ist die anthroposophische Bewegung in der letzten Zeit ihrer Entwickelung so gewesen, daß sie sich eigentlich rascher verbreitet hat als eine solche Bewegung sonst. Die Literatur wurde einfach aufgenommen, und man kann so schwer geschriebene Bücher, wie die anthroposophischen es sind, sonst durchaus nicht finden, die eine so rasche Verbreitung gefunden haben wie diese. Das aber bewirkte, daß, indem die Menschen unsere Literatur in die Hand bekamen, sie von ihrem Gesichtspunkte aus sie beurteilten. Wissenschafter verglichen das, was da in die Welt gekommen war, mit dem, was sie gewohnt sind, als ihre strenge Wissenschaft anzusehen. Kein Wunder also, daß auch die Notwendigkeit auftrat, sich mit der Wissenschaft auseinanderzusetzen. Und weiter kein Wunder, daß eine größere Anzahl von Freunden, die, wissenschaftlich geschult, sich es als eine besondere Aufgabe setzten, zu zeigen, daß wirklich mit jedem Grad von Wissenschaftlichkeit heute die Anthroposophie auf allen Gebieten vor die Welt hintreten kann und als gerechtfertigt erscheinen kann. Es ist also die Wirklichkeit, die das gefordert hat. Und wenn Sie heute in wissenschaftlichen Klängen dasjenige verkünden hören, was früher in anderer Form verkündet worden ist, so ist das nicht die Schuld der anthroposophischen Bewegung, sondern ihr Schicksal. Es wurde von der Welt dieses gefordert. Wir mußten gewissermaßen die Anthroposophie vor das größere Publikum hinstellen, und das konnte nur dadurch geschehen, daß wirklich mit den führenden Persönlichkeiten die Auseinandersetzung erfolgt. Es handelt sich nicht darum, die Anthroposophie der Wissenschaft anzunähern, sondern die Wissenschaft mit Anthroposophie zu durchdringen. Und so haben wir es auf der anderen Seite zu unserer tiefsten Befriedigung zu erleben, daß fachlich geschulte Freunde gekommen sind, die nach allen Seiten hin in der Lage sind, dasjenige, was durchaus dem Keime nach schon in der Anthroposophie liegt, wissenschaftlich zu vertreten. Aber gerade dadurch hat sich in den letzten Jahren eine gewisse Kluft ergeben, die noch nicht überbrückt ist. Man kann aber nicht sagen, daß dann, wenn wir nun doch in solch engeren Kreisen zusammenkommen, das Esoterische nicht weiterlebte. Derjenige, der teilgenommen hat an unseren kleineren Versammlungen, der wird sich schon sagen: Das, was früher gelebt hat innerhalb unserer esoterischen Strömung, das lebt weiter. Namentlich derjenige, der nach Dornach kommt, wird sehen, wieviel von neuem Geistesgut zu dem alten auch in Esoterik durchaus hinzugetragen worden ist. Dennoch aber ist ein Abgrund zwischen demjenigen, was man heute draußen in der Öffentlichkeit hört, und demjenigen, was mehr im esoterischen engeren Kreis gepflegt wird. Und diese Kluft, die waren wir noch nicht imstande auszufüllen, weil uns dazu die Arbeitszeit und die Arbeitskräfte fehlen. Auf der einen Seite muß man sich widmen der Fortbildung des Esoterischen, auf der anderen Seite haben namentlich unsere jüngeren Mitarbeiter ungeheuer viel damit zu tun, auf allen Gebieten des sozialen Wissens und Lebens die anthroposophische Weltanschauung auszubauen. Doch kann dasjenige durchaus auch geleistet werden, was möglich macht, daß man die Kluft überbrückt, die da besteht zwischen dem, was innerhalb des Esoterischen gegeben werden muß, und dem, was dann ganz exoterisch einem entgegentritt in äußeren Veranstaltungen. Es ist aber notwendig, diese Kluft auszufüllen. Sie muß ausgefüllt werden, und es muß jeder empfinden können, daß zwischen dem, was rein aus der geistigen Welt heraus gesprochen ist, und dem, was im Einklang mit der äußeren Wissenschaft gelehrt wird, die Brücke gebaut werden kann, wenn nur dazu die nötige Arbeitszeit und die nötigen Arbeitskräfte innerhalb unserer Bewegung da sein werden.
[ 4 ] What has come about today is, in fact, something that was not sought after. For even though I have often had to respond when people came and said, “You could popularize your theory, rephrase it so that everyone understands it and people wouldn’t have to go to such great lengths”—: That is something I consider detrimental, for it is part of the process that one must make an effort to grasp what is being presented here—and I have never actually sought to create a movement of the kind often pursued in places where the aim is to say what people already know and toward which they therefore very easily incline with their hearts and their whole being. Nevertheless, the anthroposophical movement has, in the latter part of its development, spread more rapidly than such movements usually do. The literature was readily accepted, and one can hardly find books as difficult to read as the anthroposophical ones that have spread as rapidly as these. But this meant that, as people came into contact with our literature, they judged it from their own perspective. Scientists compared what had come into the world with what they were accustomed to regard as their rigorous science. No wonder, then, that the need arose to engage with science. And it is no wonder, furthermore, that a large number of friends—who, being scientifically trained—set themselves the special task of demonstrating that, with every degree of scientific rigor, anthroposophy can indeed present itself to the world in all fields today and appear to be justified. It is, therefore, reality itself that demanded this. And if you hear today, in scientific terms, the very things that were once proclaimed in a different form, this is not the fault of the anthroposophical movement, but its destiny. This is what the world demanded of it. We had to, so to speak, present anthroposophy to a wider audience, and that could only happen through a genuine engagement with the leading figures in the scientific community. The point is not to bring anthroposophy closer to science, but to permeate science with anthroposophy. And so, on the other hand, we have experienced—to our deepest satisfaction—that friends with specialized training have come forward who are capable, in every respect, of scientifically representing what is already present in anthroposophy in its embryonic form. But precisely because of this, a certain rift has emerged in recent years that has not yet been bridged. One cannot, however, say that, even when we now come together in such smaller circles, the esoteric has ceased to live on. Anyone who has participated in our smaller gatherings will surely say to themselves: What once lived within our esoteric movement continues to live on. In particular, anyone who comes to Dornach will see how much new spiritual substance has been added to the old, even in the realm of esotericism. Nevertheless, there remains a gulf between what one hears today in the public sphere and what is cultivated more within the closer esoteric circle. And we have not yet been able to bridge this gap, because we lack the time and the manpower to do so. On the one hand, we must devote ourselves to the further development of esoteric work; on the other hand, our younger colleagues in particular have an immense amount of work to do in expanding the anthroposophical worldview across all areas of social knowledge and life. Yet it is certainly possible to accomplish what is needed to bridge the gap that exists between what must be imparted within the esoteric sphere and what then presents itself in a wholly exoteric manner at external events. It is, however, necessary to bridge this gap. It must be bridged, and everyone must be able to sense that a bridge can be built between what is spoken purely from the spiritual world and what is taught in harmony with external science—provided that the necessary time and manpower are available within our movement.
[ 5 ] Nun, das wird Ihnen ein Bild davon geben, wie ich selber die Situation innerhalb des gegenwärtigen Wirkens in der anthroposophischen Bewegung ansehen muß. Ich möchte sagen: die anthroposophische Bewegung ist uns in einer gewissen Weise über den Kopf gewachsen; aber das ist doch wiederum äußerlich, scheinbar der Fall, und es steht zu hoffen, daß aus den Kreisen unserer Freunde heraus immer mehr und mehr auch diejenigen kommen, welche die angedeutete Brücke bauen können.
[ 5 ] Well, this will give you an idea of how I myself must view the situation within the current work of the anthroposophical movement. I would like to say: in a certain sense, the anthroposophical movement has grown beyond our capacity to handle it; but that, after all, is only an outward, apparent reality, and it is to be hoped that more and more people will emerge from among our friends who are capable of building the bridge I have alluded to.
[ 6 ] Ich mußte das vorausschicken, weil Ton und Sprache innerhalb des Esoterischen doch ganz verschieden sein müssen, wenigstens in den Formen, von dem, was vor die große Öffentlichkeit so hintreten muß, daß eben in diesen Formen der Zeitkultur gesprochen wird. Denn das unmittelbar Esoterische würde durchaus nicht zu den Herzen der Zeitgenossen kommen können, die doch immer wieder und wiederum als vollständige Neulinge an die Bewegung herankommen. Uns aber muß es darum zu tun sein, allen, die seit Jahrzehnten teilnehmen an dieser Bewegung, und allen denjenigen, die etwas hören wollen über das Anthroposophische, dieses auch, so gut es eben möglich ist — ohne Popularität zu suchen — zugänglich zu machen. Das ist etwas, was wir uns alle mehr oder weniger in unsere Herzen schreiben sollen, denn ein jeder kann im allgemeinen auch ein solcher Mitarbeiter werden.
[ 6 ] I had to preface this because tone and language within the esoteric realm must, after all, be quite different—at least in form—from what must be presented to the general public in a way that speaks precisely in the forms of contemporary culture. For what is strictly esoteric would be completely unable to reach the hearts of our contemporaries, who, time and again, approach the movement as complete newcomers. But our concern must be to make this accessible—as best we can, without seeking popularity—to all who have been participating in this movement for decades, and to all those who wish to hear about anthroposophy. This is something we should all take to heart to a greater or lesser extent, for anyone can generally become such a collaborator.
[ 7 ] Wenn wir jetzt, ich möchte sagen, aus dem Exoterischen in das Esoterische eintreten, so möchte ich gerade heute etwas besprechen, was unseren übrigen Veranstaltungen außerordentlich naheliegt. Wir sind ja genötigt, heute zu sprechen davon, was äußere Wissenschaft, äußere Physik, äußere Chemie, äußere Biologie, auch äußere Seelenkunde werden können, wenn sie anthroposophisch durchdrungen werden. Dadurch allein wird die Brücke geschlagen zwischen dem, was Erkenntnis ist und dem religiösen Leben der Menschheit. Aber indem wir in dieser Weise untertauchen in das gegenwärtige Wissenschaftsleben, verlieren wir auf der anderen Seite in einem gewissen Sinn den Zusammenhang mit demjenigen, was doch geistig die Welt durchflutet und durchwallt und durchwebt. Wir müssen auch hinschauen auf die materiellen Gestaltungen des Lebens; aber in allen materiellen Gestaltungen ist zu gleicher Zeit Geistiges. Und der Mensch kann nicht ohne die Teilnahme an diesem Geistigen in den verschiedensten Gestaltungen des Lebens bestehen. Heute müssen wir begreifen, daß dieses Geistige nicht bloß aus den menschlichen Sehnsuchten heraus zur Welt sprechen will, sondern daß es etwas ist, was aus einer anderen Welt in unsere irdische Welt hereinfluten will. Begreifen müssen wir, daß überall gewissermaßen nicht von uns Menschen allein, sondern von einer sie umgebenden geistigen Welt die Fenster aufgemacht worden sind, durch welche diese andere Welt zu uns hereinfluten will. Das war noch anders im neunzehnten Jahrhundert. Es hat eine Anzahl von geistigen Mächten, die im Außerirdischen sind, den übermenschlichen Entschluß gefaßt, eine Welle geistigen Lebens auf die Erde hereinfließen zu lassen. Wir müssen unsere Zeitgeschichte auch so betrachten können, daß die Menschen, wenn sie nur empfangen wollen die geistige Welt, sie heute empfangen können. So daß die Aufgabe, Geistiges zu pflegen, heute eine überirdische Aufgabe ist, eine Aufgabe, die durchaus dem geistigen Leben selber angehört. Gerade so, wie in den Menschen dunkel die Sehnsucht erwacht, hinzukommen irgendwie zum Geistigen, so kommt — was auch noch im letzten Drittel des verflossenen Jahrhunderts oft nicht der Fall war — dieser Sehnsucht der Menschheit, wenn sie ein wirkliches Wollen äußert, eine Offenbarung aus geistigen Welten entgegen. Wenn wir dieses Gefühl bekommen können, dann haben wir die richtige Grundstimmung gegenüber dem anthroposophischen Leben.
[ 7 ] Now that we are, so to speak, moving from the exoteric to the esoteric, I would like to discuss today something that is exceptionally relevant to our other sessions. After all, we are compelled today to speak of what external science—external physics, external chemistry, external biology, and even external psychology—can become when imbued with anthroposophy. Only in this way is a bridge built between what constitutes knowledge and the religious life of humanity. But as we immerse ourselves in this way in contemporary scientific life, we lose, in a certain sense, our connection to that which spiritually permeates, surges through, and interweaves the world. We must also look at the material forms of life; but in all material forms there is, at the same time, the spiritual. And human beings cannot exist in the most diverse forms of life without participating in this spiritual aspect. Today we must understand that this spiritual realm does not merely seek to speak to the world from within human longings, but that it is something that seeks to flow into our earthly world from another world. We must understand that everywhere, as it were, windows have been opened—not by us humans alone, but by a spiritual world surrounding us—through which this other world seeks to flow into our lives. Things were different in the nineteenth century. A number of spiritual powers in the extra-earthly realm made the superhuman decision to allow a wave of spiritual life to flow into the Earth. We must also be able to view our contemporary history in such a way that people, if they are only willing to receive the spiritual world, can receive it today. Thus, the task of cultivating the spiritual is today a superhuman task, a task that belongs entirely to spiritual life itself. Just as a longing awakens in the depths of human beings to reach, somehow, toward the spiritual, so too—which was often not the case even in the last third of the past century—does a revelation from the spiritual worlds meet this longing of humanity when it expresses a genuine will. If we can develop this feeling, then we have the right fundamental attitude toward anthroposophical life.
[ 8 ] Aber gerade dadurch ist die Menschheit heute vor eine bedeutungsvolle Entscheidung gestellt, vor die Entscheidung, die an das Herz jedes einzelnen Menschen herandringt. Die Menschheit hat durch Jahrhunderte hindurch ihr intellektuelles Leben entwickelt. Dieses intellektuelle Leben hat sie allmählich herausgeführt aus der Geistigkeit. Der Intellekt ist Geist, ist sogar der allerreinste Geist, hat aber nicht mehr einen geistigen Inhalt, sondern sucht zu seinem Inhalt die äußere Natur, das äußere Naturdasein. So ist der Intellekt Geist, füllt sich aber mit etwas aus, was ihm nicht als Geist erscheinen kann. Das ist die große Tragik, das heutige Welttrauerspiel, daß der Mensch in sich hineinblicken kann und sich sagen muß: Indem ich intellektuell tätig bin, bin ich geistig tätig, aber zugleich ohnmächtig, das Geistige unmittelbar in diesen Geist hereinzunehmen. Ich fülle diesen Geist mit dem Naturdasein aus. — Das zersplittert und verödet die menschliche Seele heute. Und wenn man diese Zersplitterung und Verödung auch nicht zugeben will, sie ist doch in den geistigen Regionen der menschlichen Seele vorhanden, und sie bildet das Grundübel und die Grundtragik unseres Zeitalters. Und wenn wir in einer uns gebräuchlichen Form zum Ausdruck bringen dasjenige, was ich eben jetzt gesagt habe, so muß das so getan werden, daß wir hinweisen auf alle diejenigen geistigen Mächte, die nun doch walten in allem Naturdasein, die in uns dadurch hereinkommen, daß wir unseren Geist erfüllen mit diesem Naturdasein. Diese Mächte können wir ahrimanische Mächte nennen. Und so ist der Intellekt der großen Gefahr ausgesetzt, den ahrimanischen Mächten zu verfallen. Diese ahrimanischen Mächte, sie haben, als der Intellekt sich entwickelt hat in den letzten Jahrhunderten, als er noch die Erbschaft des alten Geistigen hatte, noch nicht jene große Gewalt über den Menschen gehabt, wie sie sie heute haben. Scheinbar breitet sich das Naturdasein um uns herum aus. Aber dieses ist nur scheinbar: in dieser Natur lebt Ahriman. Und indem wir die Natur aufnehmen, glauben, sie sei bloß von neutralen Naturgesetzen beherrscht, nehmen wir in der Tat, ohne daß wir es wissen, geistige Mächte auf, ahrimanisch-geistige Mächte, jene ahrimanischen Mächte, welche sich eine bestimmte Aufgabe gesetzt haben innerhalb des Weltendaseins, der ganzen Weltenentwickelung.
[ 8 ] But it is precisely because of this that humanity today faces a momentous decision—a decision that touches the heart of every single person. Over the centuries, humanity has developed its intellectual life. This intellectual life has gradually led it away from spirituality. The intellect is spirit—indeed, the purest spirit of all—but it no longer has a spiritual content; instead, it seeks its content in external nature, in external natural existence. Thus, the intellect is spirit, yet it fills itself with something that cannot appear to it as spirit. This is the great tragedy, the tragedy of today’s world: that human beings can look within themselves and must admit: “When I am intellectually active, I am spiritually active, yet at the same time I am powerless to take the spiritual directly into this spirit.” I fill this spirit with natural existence. — This fragments and desolates the human soul today. And even if one does not wish to admit this fragmentation and desolation, it is nevertheless present in the spiritual realms of the human soul, and it constitutes the fundamental evil and the fundamental tragedy of our age. And if we are to express what I have just said in a form familiar to us, we must do so by pointing to all those spiritual forces that do indeed reign in all of nature, which enter into us as we fill our spirit with this natural existence. We can call these forces Ahrimanic forces. And so the intellect is exposed to the great danger of falling prey to the Ahrimanic forces. These Ahrimanic forces—as the intellect developed over the past centuries, when it still possessed the legacy of the old spiritual world—did not yet have the great power over human beings that they possess today. Outwardly, natural existence seems to spread out around us. But this is only an illusion: Ahriman lives within this nature. And as we take in nature, believing it to be governed solely by neutral natural laws, we are in fact, without realizing it, taking in spiritual forces—Ahrimanic spiritual forces—those Ahrimanic forces that have set themselves a specific task within the existence of the world, within the entire development of the world.
[ 9 ] Nun aber, wenn man von einer solchen Aufgabe geistiger Mächte spricht, kommt der Mensch leicht dazu, zu sagen: Ja, warum läßt die göttliche Weltregierung solche Mächte zu? Und man muß erwidern: Dasjenige, was innerhalb des Irdischen ist, kann mit dem gewöhnlichen Verstand begriffen werden, wenn es sich aber geisteswissenschaftlich darum handelt, das, was über die Erde hinausgeht, zu erfassen, so muß das durch Anschauung geschehen. — Wir müssen also erwidern: Diese Mächte sind da, aber wie sie zusammenhängen mit dem, was wir die zu uns gehörigen göttlich-geistigen Mächte nennen, das ist etwas, was der Mensch erst im Laufe langer Zeiten begreifen wird, was vielleicht sich überhaupt dem Begreifen des Menschlichen entzieht, was begriffen werden muß eben von denjenigen Kräften, die dem Übermenschlichen angehören. — So daß wir nur sagen können: Diese Mächte sind eben da, zeigen sich der Geist-Erkenntnis.
[ 9 ] But when one speaks of such a task of spiritual powers, people are quick to ask: Yes, why does the divine government of the world allow such powers to exist? And one must reply: That which is within the earthly realm can be grasped by ordinary reason; but when it comes to spiritual science—which seeks to comprehend that which transcends the earth—this must be done through intuition. — We must therefore reply: These forces are there, but how they relate to what we call the divine-spiritual forces that belong to us is something that human beings will only come to understand over the course of long ages—something that may, in fact, elude human understanding altogether—and which must be grasped precisely by those forces that belong to the superhuman. — So that we can only say: These powers are simply there, revealing themselves to spiritual knowledge.
[ 10 ] Diese ahrimanischen Mächte aber haben zu ihrer Aufgabe diese: die Erde sich nicht weiter so entwickeln zu lassen — wie ich das in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe — wie die Erde sich entwickeln muß im Sinne der göttlich-geistigen Mächte, mit denen wir von Anfang an als Menschenseelen verbunden sind. Ich habe die künftige Entwickelung unserer Erde als die Jupiter- und Venus-Entwickelung angedeutet in meiner «Geheimwissenschaft». Diese Entwickelung zu verhindern, das setzten sich die ahrimanischen Mächte zur Aufgabe. Sie wollen die Erde in sich verhärten, in sich verfrieren lassen, die Erde so gestalten, daß mit dieser Erde zugleich auch der Mensch ein bloßer Erdenmensch bleibe, daß er gewissermaßen in der irdischen Materialität verhärtet und weiterlebt in die Zukunft der Welt hinein wie eine Art Bildsäule seiner Vergangenheit. Gewisse Weltenziele haben diese Mächte, welche das durchaus als ein Glied ihrer eigenen Bestrebungen erscheinen lassen. So also würde die Erde nicht an ihr Ziel kommen, wenn den ahrimanischen Mächten der Sieg zufallen würde, und der Mensch würde entfremdet werden von seinen Anfängen, von denjenigen Mächten, die gerade seine Entwickelung im Anfang bedingt haben. Der Mensch würde gewissermaßen äußerlich eine Gestaltung erfahren, die dem Irdischen noch voll angemessen ist, die aber seine Keimanlage unterdrücken würde, welche über das Irdische hinausgehen muß. Solange unser Intellekt, wie in den letzten drei bis vier Jahrhunderten, noch im Geistigen wurzelte durch eine alte Erbschaft, so lange konnten an den Menschen diese ahrimanischen Mächte nicht heran. Das ist aber gerade seit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts anders geworden. Schon die altindische Weisheit hat das geahnt und hat den Ablauf des finsteren Zeitalters, des Kali Yuga, angesetzt mit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts, hat also ein neues Zeitalter geahnt. Mit diesem neuen Zeitalter sollte aber nichts anderes angedeutet werden, als daß es vom Beginne des zwanzigsten Jahrhunderts an in die Herzen der Menschen gelegt ist, nicht an der alten Erbschaft festzuhalten, sondern das neue Licht, das reine Licht in unser irdisches Leben wirklich aufzunehmen.
[ 10 ] But these Ahrimanic forces have this as their task: to prevent the Earth from continuing to develop—as I have described in my Occult Science—in the way it must develop in accordance with the divine-spiritual forces with which we, as human souls, have been connected from the very beginning. In my Occult Science, I have described the future development of our Earth as the Jupiter and Venus phases. The Ahrimanic forces have set themselves the task of preventing this development. They want to harden the Earth within itself, to let it freeze within itself, to shape the Earth in such a way that, along with this Earth, humanity too remains merely an “earthly human being”—that it becomes, so to speak, hardened within earthly materiality and continues to live into the future of the world as a kind of statue of its past. These forces have certain cosmic goals, which make this appear to be an integral part of their own endeavors. Thus, the Earth would not reach its destination if the Ahrimanic forces were to prevail, and humanity would become estranged from its origins, from those very forces that were the very condition of its development in the beginning. Humanity would, in a sense, undergo an external transformation that is still fully appropriate to the earthly realm, but which would suppress its inner potential, which must transcend the earthly. As long as our intellect, as in the last three to four centuries, was still rooted in the spiritual through an ancient heritage, these Ahrimanic forces could not gain a foothold in humanity. But this has changed precisely since the beginning of the twentieth century. Ancient Indian wisdom had already foreseen this and dated the end of the dark age, the Kali Yuga, to the end of the nineteenth century, thus foreshadowing a new age. This new age, however, is meant to signify nothing other than that, from the beginning of the twentieth century onward, it has been placed in the hearts of human beings not to cling to the old heritage, but to truly take in the new light—the pure light—into our earthly lives.
[ 11 ] Wodurch aber kann dem Menschen dieses geistige Licht verlorengehen? Dadurch, daß er seinen Willen nicht hinlenkt nach dem Empfangen dieses Lichtes, Solange im Intellekt noch das alte Erbgut herrschte, konnte ihm das nicht so schädlich werden wie heute. In diesem Zeitalter hat er ausgebildet seine Anschauung über das Feste, das Flüssige, Luftförmige, auch über das Ätherische. Er hat diese Ansicht ausgebildet so, daß er hinschaut auf das Irdische und seine Elemente, wie wenn diese gar nicht von Geist durchdrungen wären. Aber indem wir hinschauen auf Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und so weiter, auf die uns überlieferten physikalischen Gesetze, bekommt gerade das Ahrimanische den richtigen Angriffspunkt innerhalb der Weltenentwickelung. Wir achten nicht darauf, daß in unserer ganzen Umgebung Geist ist; dadurch kann sich ohne unser Wissen das Ahrimanische in uns einschleichen und sich gerade desjenigen Geistigen bemächtigen, von dem wir nichts wissen wollen in unserer Umgebung. Daher müssen wir wissen lernen von dem Geistigen in unserer Umgebung. Wir dürfen nicht bloß reden von den festen Elementen, Natrium, Kalzium und so weiter, sondern von dem, was mit allem Festen, Irdischen als Geistiges verbunden ist. Da müssen wir sagen: Dasjenige, was uns in der Außenwelt als Festes, Irdisches entgegentritt, ist durchaus so geartet, daß Geist damit verbunden ist, und zwar ein Geist, welcher eine besondere Neigung zur Vielheit hat, so zur Vielheit sie hat, daß wir diese Vielheit gar nicht ermessen können. Überall, wo wir hinschauen auf das Feste, da finden wir auch, wenn wir es in der richtigen Weise anschauen, Geistiges, und zwar viele und mannigfaltige geistige Wesenheiten.
[ 11 ] But how can a person lose this spiritual light? By failing to direct his will toward receiving this light. As long as the old genetic heritage still prevailed in the intellect, this could not be as harmful to him as it is today. In this age, humans have developed their view of the solid, the liquid, the gaseous, and also the ethereal. They have developed this view in such a way that they look upon the earthly realm and its elements as if these were not permeated by spirit at all. But as we look at hydrogen, nitrogen, oxygen, and so on—at the physical laws handed down to us—it is precisely the Ahrimanic that finds the right point of attack within the development of the worlds. We do not take into account that Spirit is present in our entire surroundings; as a result, the Ahrimanic can creep into us without our knowledge and take possession of precisely that spiritual aspect of our surroundings about which we do not wish to know anything. Therefore, we must learn to recognize the spiritual in our surroundings. We must not merely speak of the solid elements—sodium, calcium, and so on—but of what is connected as the spiritual to all that is solid and earthly. We must say: That which we encounter in the external world as solid and earthly is of such a nature that spirit is connected with it—namely, a spirit that has a particular inclination toward multiplicity, a multiplicity so vast that we cannot even fathom it. Wherever we look at the solid, we also find—if we look at it in the right way—spirituality, namely many and manifold spiritual beings.
[ 12 ] Eine alte instinktive Weisheit hat hier von Gnomen und dergleichen gesprochen. Wir brauchen, um nicht gar zu sehr zu schockieren, gar nicht diese alten Ausdrücke beizubehalten, wir können durchaus in einer Sprache reden, die uns geläufig ist, müssen aber dennoch hinschauen auf das, was uns in gewissen Gegenden der Erde ganz besonders aus jedem Klumpen der Materialität als Geistiges entgegenleuchter. Und wenn wir also, wie heute, etwas mehr esoterisch beisammen sind, dann darf es in dieser schnelleren Form ausgesprochen werden: Derjenige, der heutigen Tages mit geistiger Anschauung ausgerüstet ist, der tritt dann diesem Klumpen Erde so entgegen, daß geistige Wesenheiten herausspringen, die nicht im Physischen verkörpert sind, so daß wir sie mit äußeren Augen nicht sehen, die aber geistig wahrgenommen werden können. Und man kann sagen, sie sind so sehr auf die Vielheit hin angelegt, daß aus dem kleinsten Klumpen unermeßlich viele solcher Wesenheiten herausspringen können. Sie sind so geartet, daß sie fast ganz bestehen aus dem, was im menschlichen Verstand wirkt, sind listige, kluge, überverständige Wesen. So daß um uns herum waltet, ich möchte sagen, geistig-lebendige Klugheit, Listigkeit, schnelleres geistiges Erfassen als in intellektueller, verständiger Form, denn dieses wie zur Substanz gewordene Intellektuelle lebt in allem festen irdischen Element. Und ehe man nicht wissen wird, wie zusammenarbeiten diese geistigen Wesenheiten, die in dem festen irdischen Element sind, wird es auch keine wahre Chemie geben. Was wir heute als Chemie haben, dem kann Anthroposophie begreifend gegenüberstehen, aber die Wahrheit wird erst erfaßt werden, wenn das, was für übersinnliches Schauen faßbar ist, wenn Geistiges in all dem Irdischen gefunden werden kann. Da müssen wir dann den Willen haben, selbst die festesten Grundsäulen der Intellektualität bei menschlicher Besonnenheit zu verlassen. Wenn wir dem Irdischen gegenüberstehen, sei es was auch immer zu zählen haben: 1, 2, 3, 4..., so sind wir gewohnt, wenn wir bis vier gezählt haben, zu sehen, daß eben die Summe von vier vor uns liegt. Dasjenige, was wir aus Festem an geistigen Wesenheiten herauslösen, was uns in seiner Erpichtheit auf die Mannigfaltigkeit entgegentritt, das können wir beginnen zu zählen, aber dann stellt sich heraus, daß das gar nicht mehr drei oder vier ist, sondern schon sieben geworden ist: All unser Zählen verläßt uns bei dieser Gelegenheit. Innerhalb dessen, was die Menschheit als atomistische Welt kennt, kann man abzählen; innerhalb der wirklichen Welt ist alles auf eine viel größere Mannigfaltigkeit gestellt, da ist alles lebendig, da müssen wir gewahr werden, daß selbst unserem Zählen von der höheren Intelligenz Hohn gesprochen wird. Da müssen wir mit unserem Intellekt, trotzdem er bei Besonnenheit bleibt, nicht in die Gedankenflüchtigkeit hineinkommen, da müssen wir mit dem Intellekt voll gegenüberstehen demjenigen, was uns die Wirklichkeit bietet. Viele werden sagen: Wenn einem so etwas in der Wirklichkeit entgegentritt, da kann man ja wahnsinnig werden! — Deshalb wird eben die große Bedeutung darauf zu legen sein, daß, bevor der Mensch eintritt in diese Welt, er zur vollen Besonnenheit gekommen ist und die irdischen Verhältnisse mit aller Trockenheit zu beurteilen in der Lage ist.
[ 12 ] An ancient, instinctive wisdom has spoken here of gnomes and the like. To avoid causing too much shock, we do not need to retain these old expressions at all; we can certainly speak in a language that is familiar to us, but we must nevertheless pay attention to what, in certain regions of the Earth, shines out at us as spiritual from every lump of materiality. And so, when we are gathered together in a somewhat more esoteric setting, as we are today, it may be expressed in this more concise form: The person who is endowed with spiritual insight today approaches this lump of earth in such a way that spiritual beings emerge from it—beings who are not embodied in the physical realm, so that we cannot see them with our physical eyes, but who can be perceived spiritually. And one could say that they are so oriented toward multiplicity that an immeasurable number of such beings can spring forth from even the smallest clump. They are of such a nature that they consist almost entirely of what is at work in the human mind; they are cunning, clever, and super-intellectual beings. Thus, all around us reigns—I would say—a spiritually alive cleverness, cunning, and a quicker spiritual grasp than in an intellectual, rational form, for this intellectual aspect, which has become as if a substance, lives in every solid earthly element. And until we know how these spiritual beings, which are present in the solid earthly element, work together, there will be no true chemistry. Anthroposophy can approach what we have today as chemistry with understanding, but the truth will only be grasped when what is accessible to supersensible perception—when the spiritual—can be found in all that is earthly. We must then have the will to set aside even the most solid pillars of intellectuality, while maintaining human prudence. When we face the earthly realm—whatever it may be that we are counting: 1, 2, 3, 4...—we are accustomed to seeing, once we have counted to four, that the sum of four lies before us. That which we extract from the solid as spiritual entities—that which confronts us in its eagerness for diversity—we can begin to count, but then it turns out that it is no longer three or four at all, but has already become seven: all our counting fails us on this occasion. Within what humanity knows as the atomistic world, one can count; within the real world, everything is set upon a much greater diversity; there, everything is alive, and there we must realize that even our counting is mocked by the higher intelligence. There, with our intellect—even as it remains level-headed—we must not succumb to flight of thought; there, with our intellect, we must fully confront what reality presents to us. Many will say: When something like this confronts you in reality, it’s enough to drive you mad! — That is precisely why it is of the utmost importance that, before a person enters this world, they have attained full composure and are capable of assessing earthly circumstances with complete objectivity.
[ 13 ] Wenn Sie bedenken, daß unser waches Leben nicht in der Ordnung sein kann, wenn wir nicht in der richtigen Weise schlafen, wenn Sie sich überlegen, daß dasjenige, was wir hier auf der Erde erleben, wie ein Schlaf ist gegenüber dem, was das Reale ist beim Eintreten in die geistige Welt, so müssen Sie sagen: Derjenige, der hier auf der Erde nicht voll feststeht, der trägt, wenn er hier phantastisch, spiritistisch und so weiter ist, krankhafte Elemente in das Geistige hinein. Und es ist so, wenn er sich in der geistigen Welt bewegt, wie wenn sich ein Mensch im wachen Zustand mit der Nervosität bewegt, die er aus einem kranken Schlafe bekommt. Das ist jedoch, was durch einheitliches harmonisches Streben durch alle anthroposophische Bewegung geht: Die anthroposophische Bewegung kann zu größerer Gesundung des Menschen führen, nicht aber zu einem Nicht-darinnenstehen im vollen Menschenleben zwischen Geburt und Tod.
[ 13 ] If you consider that our waking life cannot be in order unless we sleep properly, and if you reflect on the fact that what we experience here on Earth is like a sleep compared to what is real upon entering the spiritual world, then you must say: Anyone who is not fully grounded here on Earth—who is given to fantasy, spiritualism, and the like—brings pathological elements into the spiritual realm. And when such a person moves through the spiritual world, it is as if a person were moving in the waking state with the nervousness resulting from a disturbed sleep. This, however, is what runs through the entire anthroposophical movement as a unified, harmonious striving: The anthroposophical movement can lead to greater healing for the human being, but not to a state of detachment from the fullness of human life between birth and death.
[ 14 ] Aber wenn wir heraufdringen zu dem Flüssigen, so finden wir wiederum eine andere Art von geistigen Wesenheiten. Während mit unserem Verstande ähnlich sind die Elementarwesen des Festen, sind mehr unserem Gefühl ähnlich die Elementarwesen, die im Flüssigen leben. Wir stehen ja mit unseren Empfindungen außerhalb der Dinge. Der schöne Baum ist draußen, ich stehe hier, ich bin von ihm getrennt; ich lasse das, was er ist, in mich einfließen. Das, was an Elementarwesen im Flüssigen ist, durchströmt den Baum in seinem Safte selber. Es strömt hinein mit seiner Empfindung in jedes Blatt. Es empfindet nicht nur von außen das Rot, das Blau, es erlebt innerlich diese Farbe, es trägt seine Empfindungen in alles Innerliche hinein. Dadurch ist wiederum das Empfindungsleben viel intensiver bei diesen geistigen Wesenheiten, als das sehr intensive Verstandesweben bei den Elementarwesen des Festen.
[ 14 ] But when we ascend to the liquid realm, we find yet another kind of spiritual being. While the elemental beings of the solid realm are similar to our intellect, the elemental beings that live in the liquid realm are more akin to our feelings. After all, with our feelings we stand outside of things. The beautiful tree is out there; I stand here, separated from it; I allow what it is to flow into me. The elemental beings that exist in the liquid state flow through the tree itself in its sap. They flow into every leaf with their own feeling. It does not merely perceive the red or the blue from the outside; it experiences these colors from within, carrying its sensations into the very core of the tree. Consequently, the life of feeling is much more intense in these spiritual beings than the highly intense intellectual activity found in the elemental beings of the solid realm.
[ 15 ] Und ebenso ist im Luftförmigen eine Summe von Elementarwesen enthalten. Alle diese Wesenheiten verlieren, je mehr sie sich dem Luftförmigen nähern, immer mehr und mehr ihre Sehnsucht nach Mannigfaltigkeit. Wir haben das Gefühl, daß selbst die Zahl uns nichts mehr hilft, indem wir zu dem Luftförmigen heraufdringen. Einheit wird erstrebt immer mehr und mehr. Dennoch leben in einer großen Mannigfaltigkeit — und verwandt mit dem menschlichen Willen — die Elementarwesen der Luft. Mit dem menschlichen Verstand sind verwandt, innerlich verwandt, die Elementarwesen des Festen, mit dem menschlichen Gefühl die Elementarwesen des Flüssigen, mit dem menschlichen Willen die Elementarwesen des luftförmigen Elementes.
[ 15 ] And in the same way, the airy realm contains a multitude of elemental beings. The more these beings approach the airy realm, the more and more they lose their longing for diversity. We have the feeling that even numbers no longer help us as we ascend into the airy realm. Unity is sought more and more. Nevertheless, the elemental beings of the air live in great diversity—and are related to the human will. The elemental beings of the solid are related to the human intellect—inherently related; the elemental beings of the liquid are related to human feeling; and the elemental beings of the airy element are related to the human will.
[ 16 ] Aber dieser ganze Chor von Wesenheiten, der ebenso um uns herum ist wie Steine, Pflanzen, Tiere und physische Menschen, dieser ganze Chor, der kann entweder offenbarend an uns herandringen, indem wir das Geistige heute willig aufnehmen, oder aber er kann sich unserem Bewußtsein verschließen. Wollen wir nichts wissen von der geistigen Welt, dann ist dieser ganze Chor verfallen den ahrimanischen Mächten, dann kommt das Bündnis zwischen Ahriman und den Naturgeistern zustande. Das ist heute das, was in der geistigen Welt schwebt als überragender Entschluß: das Bündnis zustande zu bringen zwischen den ahrimanischen Mächten und den Naturkräften. Es ist sozusagen der Kompromiß im Werke zwischen den ahrimanischen Mächten und den Naturgeistern, und es gibt keine andere Möglichkeit, dies zu verhindern, als dadurch, daß sich die Menschen in ihrer Erkenntnis an die geistige Welt wenden und dadurch bekannt werden mit den Naturgeistern, ebenso wie sie bekannt wurden mit Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Kalzium, Natrium und so weiter. Es muß also hingesetzt werden neben eine Wissenschaft des Sinnlichen, des Physischen, eine Wissenschaft des Geistes. Und zwar müssen wir mit dieser Wissenschaft des Geistigen absolut Ernst machen. Indem wir bloß in pantheistischer Weise herumreden vom Geist, kommen wir ihm nicht nahe. Wir dürfen nicht jene Mutlosigkeit haben, die sich davor zurückhält, von konkreten geistigen Wesenheiten zu reden. Wohin wäre die Menschenentwickelung gekommen, wenn zum Beispiel das Volk des Alten Testaments und andere Völker so mutlos gewesen wären, nicht zu sprechen von einzelnen geistigen Wesenheiten, sondern von einer verschwommenen allgemeinen geistigen Wesenheit in pantheistischer Weise? Für die Menschheit wurde der Übergang geschaffen in der Entwickelung, indem die katholische Kirche zu den Heiligen gegriffen hat, gewissermaßen dasjenige zum Ausgangspunkt ihrer Verehrung genommen hat, was als Geistig-Seelisches geblieben ist von den Menschen selber in der geistigen Welt. Sie legt das nach ihrer Art aus, ein tiefer Impuls liegt dem aber zugrunde. Wir müssen uns jedoch in die Lage versetzen, nicht nur im Menschen das zu finden, was wir so in die geistige Welt versetzen können, sondern den Mut haben, in der ganzen Umgebung den Geist zu suchen, wie wir das Natürliche durch die Sinne suchen. Wenn wir das tun, dann kommen wir zu dem hinauf, was uns als Licht entgegentritt, als das die Welt durchpulsende Leben, da kommen wir hinauf zu den Wesen, die nach der Einheit streben, die eben gerade den Menschen dazu verführen, ein bloß Einheitliches in der Welt zu empfinden. Der Monotheismus ist entsprungen der Offenbarung der ätherischen Welt an die Erdenmenschheit. Aber indem wir zu diesen Lichtwesen hinaufgehen, zu den elementarischen Wesen des Äthers, kommen wir zu einer anderen äußeren Welt. Diese Welt ist jedoch nicht nur im physischen Licht enthalten, sondern auch in demjenigen, was als Geistiges zu uns herniederströmt mit jedem Sonnenstrahl: Da finden wir solche Wesenheiten, wie wir sie in den irdischen Elementen finden. Aber in jenen ätherischen Elementen finden wir Wesenheiten, die nun wiederum die Menschheit nicht so mit der Erde verbinden wollen, wie es in der Absicht der ahrimanischen Mächte liegt, welche die Erde in ihrer Entwickelung aufhalten, sondern sie wollen den Menschen nicht zur vollen Erkenntnis des Irdischen kommen lassen, sie möchten dessen Entwickelung aufhalten, bevor die Erde an ihr Ziel gelangt. Die ahrimanischen Wesenheiten möchten die Erde so weit bringen als es ihren Zwecken dienlich ist; die anderen Wesenheiten sind darauf aus, das, was in der Menschheitsentwickelung vom Anbeginn veranlagt ist, nicht bis zur vollen Entfaltung kommen zu lassen, es in früheren Stadien festzuhalten. Da aber konnten sie den Entschluß fassen — und das ist der andere Entschluß, der uns entgegentritt, wenn wir hinaufschauen in die höheren Sphären — eines Bündnisses nun zwischen Luzifer und den Elementarmächten des Ätherischen. Während Ahriman mit seinen Mächten einziehen kann in die menschliche Wesenheit, wenn sich der Mensch der Erkenntnis des Geistigen verschließt, kann Luzifer mit den Mächten, die im Ätherischen sind, in den Menschen einziehen, wenn der Mensch die rechte Vertiefung in sein Inneres versäumt. Und so stehen heute die feindlichen Mächte von oben und unten da vor dem Menschen.
[ 16 ] But this entire chorus of beings, which surrounds us just as much as stones, plants, animals, and physical human beings—this entire chorus—can either approach us in a revelatory way, if we willingly receive the spiritual today, or it can remain closed off to our consciousness. If we want nothing to do with the spiritual world, then this entire host falls prey to the Ahrimanic forces, and the alliance between Ahriman and the nature spirits comes into being. This is what hangs in the spiritual world today as an overriding resolution: to bring about the alliance between the Ahrimanic forces and the forces of nature. It is, so to speak, the compromise taking shape between the Ahrimanic forces and the nature spirits, and there is no other way to prevent this than for human beings to turn their understanding toward the spiritual world and thereby become acquainted with the nature spirits, just as they have become acquainted with oxygen, nitrogen, hydrogen, calcium, sodium, and so on. Therefore, a science of the spirit must be established alongside a science of the sensory and the physical. And we must take this science of the spirit absolutely seriously. By merely talking about the spirit in a pantheistic way, we do not come close to it. We must not succumb to the kind of despondency that holds us back from speaking of concrete spiritual beings. Where would human development have ended up if, for example, the people of the Old Testament and other peoples had been so despondent as to speak not of individual spiritual beings, but of a vague, general spiritual being in a pantheistic sense? The transition in human development was made possible when the Catholic Church turned to the saints, taking as the starting point of its veneration, so to speak, that which has remained as spiritual-soul substance from human beings themselves in the spiritual world. It interprets this in its own way, but a deep impulse underlies it. We must, however, put ourselves in a position not only to find in human beings what we can thus transfer into the spiritual world, but also to have the courage to seek the spirit in our entire surroundings, just as we seek the natural through the senses. When we do this, we ascend to that which meets us as light—as the life pulsing through the world—and there we ascend to the beings who strive for unity, who are precisely the ones who tempt human beings to perceive the world as merely unified. Monotheism has sprung from the revelation of the etheric world to humanity on Earth. But as we ascend to these beings of light—to the elemental beings of the ether—we enter another outer world. This world, however, is contained not only in physical light but also in that which flows down to us as the spiritual with every ray of sunlight: there we find beings such as those we find in the earthly elements. But in those etheric elements we find beings who, in turn, do not wish to bind humanity to the Earth in the way intended by the Ahrimanic forces—which seek to hinder the Earth’s development—but rather they do not want to allow human beings to attain full knowledge of the earthly realm; they wish to halt its development before the Earth reaches its goal. The Ahrimanic beings wish to bring the Earth as far as serves their purposes; the other beings are intent on preventing what has been predisposed in human evolution from the very beginning from reaching full unfolding, and on holding it back at earlier stages. But then they were able to make a decision—and this is the other decision we encounter when we look up into the higher spheres—namely, an alliance between Lucifer and the elemental forces of the etheric. While Ahriman and his forces can enter the human being when a person closes themselves off from knowledge of the spiritual, Lucifer and the forces in the etheric realm can enter a person when they fail to delve deeply enough into their inner self. And so today, the hostile forces from above and below stand before humanity.
[ 17 ] Und die Mächte, die in der Wärme leben, die im Wechsel von Sommer und Winter fluten, diese in der flutenden Wärme lebenden Feuergeister, die aber auch in unserem Blute leben, das uns mit Wärme durchpulst, die bilden die Vermittler zwischen dem luziferischen und ahrimanischen Element. Aber gerade so kreist in der äußeren Welt nur nicht so unregelmäßig, wie es die Meteorologie darstellt, sondern so, wie unser Blutkreislauf ist —, so kreist in der Welt das Wärmeelement auf und ab, die Vermittlung bildend zwischen ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Und wir stehen darinnen in der Objektivität des Blutkreislaufes, in seinem Wärmewallen und Weben, wir stehen darinnen in dem Wogenden nicht nur dieser Elementargeister, sondern der ganzen elementarischen Welt. Wir kommen nur heraus, wenn wir uns in die geistige Welt mit voller Bewußtheit hineinleben. Wir können uns aber nur da hineinleben, wenn wir nicht davor zurückschrecken, dieser geistigen Welt wirklich unbefangen ins Auge zu schauen.
[ 17 ] And the forces that dwell in warmth, that surge with the alternation of summer and winter—these fire spirits that dwell in the surging warmth, yet also live in our blood, which pulses through us with warmth—these form the mediators between the Luciferic and Ahrimanic elements. But just as in the outer world—not as irregularly as meteorology depicts it, but rather in the same way as our blood circulation—so does the element of warmth circulate up and down in the world, forming the mediation between Ahrimanic and Luciferic beings. And we stand within it, in the objectivity of the blood circulation, in its surging and weaving of warmth; we stand within the surging not only of these elemental spirits but of the entire elemental world. We emerge from it only when we immerse ourselves in the spiritual world with full consciousness. But we can immerse ourselves there only if we do not shy away from truly looking this spiritual world in the eye with an open mind.
[ 18 ] Das aber tritt uns gerade als eine Schwierigkeit in dem gegenwärtigen Zeitpunkt unserer anthroposophischen Bewegung entgegen. Da tritt uns etwas entgegen in dieser anthroposophischen Bewegung, was, ich möchte sagen, das Fortleben dieser anthroposophischen Bewegung ganz besonders schwierig macht. Das möchte ich Ihnen an einem konkreten Beispiel andeuten, es könnte auch an jedem anderen Beispiel dasselbe angedeutet werden.
[ 18 ] But this is precisely the difficulty we face at this present moment in our anthroposophical movement. We are confronted with something in this anthroposophical movement that, I would say, makes the continued existence of this movement particularly difficult. I would like to illustrate this with a concrete example; the same point could be made using any other example.
[ 19 ] Heute müssen wir durch das, was die Welt von uns fordert, sagen wir zum Beispiel auf dem Gebiet des Medizinischen, so sprechen, daß das, was wir aussprechen, anknüpft an die äußere Medizin. Da müssen wir davon reden, wie irgendwelche Krankheiten entstehen, mit welchen äußere materielle Naturmächte zusammenhängen; da müssen wir darstellen, wie zum Beispiel die Rachitis zusammenhängt mit dem, was an den Menschen herandringt als das Luftelement. Wir müssen das benützen, was heute aus der materialistischen Weltanschauung heraus die Statistik sagt: wir müssen abzählen, wieviel Menschen nach Norden und Süden leben. Wir werden uns dabei vielleicht gar nicht bewußt, in welches Element wir da untertauchen. Betrachten Sie dasselbe Element im Versicherungswesen. Wir können uns statistisch und müssen es statistisch ausrechnen, wie lang die wahrscheinliche Lebensdauer eines Menschen ist, damit er sich in eine Lebensversicherung einschreiben kann. Die Lebensversicherungen, in der äußeren physischen Wirklichkeit können sie ihre Tätigkeit nur entfalten dadurch, daß man ausrechnen kann die wahrscheinliche Lebensdauer des Menschen. Nehmen wir nun an, sie sei ausgerechnet. Wird irgendein Mensch sagen: Bis zu diesem Zeitpunkt, der da ausgerechnet worden ist, kann ich nur leben? — Kein Mensch wird sich das sagen, weil er sich bewußt ist dessen, daß da etwas in der Wirklichkeit ist, was aller Statistik Hohn sprechen kann. Indem wir das einsehen, müssen wir dennoch die Statistik gebrauchen, um sozusagen äußerlich im Einklang mit der Wissenschaft dieses oder jenes zu charakterisieren. Es ist dies ganz richtig, denn wir müssen heute so sprechen, daß es mit Wissenschaft übereinstimmt. Ich habe aber nun festgestellt: Die Rachitis kommt an den Menschen heran, indem er entfalten muß die Kräfte des unteren Menschen wie in einem tiefen Kellerloch, weil ihm die Kräfte des Lichtes entzogen sind. Aber da steht auf der anderen Seite, daß wir als geistig-seelische Wesenheiten heruntersteigen aus einer geistigen Welt und uns umkleiden mit dem Physischen. Dieses Umkleiden bedeutet nicht bloß, daß wir uns in einer beliebigen Weise einen Körper nehmen, sondern daß wir heruntersteigen in die Erde, in ein bestimmtes Volk, in eine bestimmte Familie hinein, weil wir eine Sympathie haben gerade zu den einzelnen Kräften, die in dieser Familie herrschen, die an diesem Orte herrschen. Bis in diese Einzelheiten hinein ist in den Sympathien der Seele das enthalten, was sie hinzieht zum irdischen Leben, bis in die Einzelheiten hinein ist in den Seelen enthalten, was sie hinzieht zu einem Leben, das sie als Kinder verleben müssen, vielleicht in einem Zimmer, das nach Norden liegt, oder in einem Zimmer, das nach Süden liegt. Das wird erstrebt von der Seele, daß sie sich unter Umständen in der Dunkelheit entfalten kann. Wir dürfen nicht sagen, daß wir nur hinschauen dürfen auf das eine, ob da Licht und Luft fehlt, sondern müssen hinschauen auf das Geistig-Seelische, das sich in diese Umgebung hineingesehnt hat. Daher müssen wir uns fragen: Können wir nur nach den physischen Voraussetzungen, die uns die physische Erkenntnis gibt, das heilen wollen, was uns da als Rachitis entgegentritt? Wir können es nicht, sondern müssen uns sagen: Wenn es uns gelänge, das Heilmittel so zu nehmen, daß der Mensch einfach physisch gesund würde, so müßte er noch in die tiefsten Tiefen seines seelischen Lebens zurückschieben dasjenige, was in seinem Schicksal liegt und weswegen er sich in die nicht-lichterfüllte Welt hineingesehnt hat. Und nur wenn es uns gelingt, auch das zu treffen, was sich in das Unterbewußte hinunterstellte, wenn wir den Menschen in die Lage setzen, zum Bewußtsein zu bringen, was er zu tun hat, nur wenn wir auf den ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist sehen können, nur dann können wir eine volle Wissenschaft auch des Medizinischen begründen. Sie müssen bedenken, daß wir in dieser Tragik gerade im gegenwärtigen Moment der anthroposophischen Bewegung darinnen leben, daß daher Widerspruch über Widerspruch innerhalb dieser anthroposophischen Bewegung gefunden werden kann, daß es ein Leichtes ist, einem das eine oder das andere vorzuwerfen. Aber gerade dadurch, daß man es wirklich in seiner Wahrheit anschaut, findet das eine und andere seinen Ausgleich. Daher haben diejenigen, die innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung wirken, überall, wo sie anknüpfen an das Materielle, auch ihre geistigen Aufgaben. Daher müssen diejenigen, die Ärzte werden, eben andere Menschen werden, aus einem anderen Geist heraus die Welt ansehen, sich nun nicht angewöhnen, dadurch, daß sie in die äußere Wissenschaft untertauchen, dieser immer ähnlicher und ähnlicher zu werden, sondern sie müssen sich gerade, wenn sie die Kompromisse, die nötig sind, mit ihr schließen, aus ihr erheben.
[ 19 ] Today, because of what the world demands of us—let’s say, for example, in the field of medicine—we must speak in such a way that what we say ties in with conventional medicine. We must speak of how certain diseases arise and which external, material forces of nature are involved; we must explain, for example, how rickets is connected to what approaches the human being as the air element. We must make use of what statistics tell us today from the materialistic worldview: we must count how many people live in the north and how many in the south. In doing so, we may not even realize which element we are delving into. Consider the same element in the insurance industry. We can—and must—statistically calculate the probable life expectancy of a person so that they can take out life insurance. In the outer physical reality, life insurance companies can only operate by calculating a person’s probable life expectancy. Now let’s assume this has been calculated. Will any person say: “I can only live until that point in time that has been calculated”? — No one will say that to themselves, because they are aware that there is something in reality that can make a mockery of all statistics. While recognizing this, we must nevertheless use statistics to characterize this or that, so to speak, in accordance with science on the external level. This is entirely correct, for today we must speak in a way that is consistent with science. But I have now established this: Rickets afflicts a person because they must develop the forces of the lower human being as if in a deep cellar, since the forces of light have been withdrawn from them. Yet on the other hand, we—as spiritual-soul beings—descend from a spiritual world and clothe ourselves in the physical. This “clothing” does not merely mean that we take on a body in any arbitrary way, but that we descend into the earth, into a specific people, into a specific family, because we feel a particular affinity for the individual forces that prevail in that family and in that place. Down to these very details, the soul’s affinities contain what draws it to earthly life; down to these very details, the soul contains what draws it to a life it must live as a child—perhaps in a room facing north, or in a room facing south. The soul strives to be able to unfold, even under circumstances of darkness. We must not say that we should look only at one thing—whether there is a lack of light and air—but must look at the spiritual-soul aspect that has longed to be part of this environment. Therefore, we must ask ourselves: Can we, based solely on the physical conditions revealed to us by physical knowledge, seek to heal what presents itself to us as rickets? We cannot; rather, we must tell ourselves: If we were to succeed in administering the remedy in such a way that the person simply became physically healthy, they would still have to push back into the deepest depths of their soul life that which lies in their destiny—and which is the very reason they have yearned to enter this world not filled with light. And only if we succeed in addressing what has been pushed down into the subconscious, if we enable the human being to bring to consciousness what he must do, only if we can look at the whole human being—body, soul, and spirit—only then can we establish a complete science, including the medical one. You must bear in mind that we are living within this tragedy precisely at this moment in the anthroposophical movement; that, therefore, contradiction upon contradiction can be found within this anthroposophical movement; that it is all too easy to accuse one person of one thing and another of another. But precisely by viewing it in its true light, one thing and another find their balance. Therefore, those who are active within our anthroposophical movement have spiritual tasks wherever they engage with the material world. That is why those who become doctors must become different kinds of people, view the world from a different spirit, and not get into the habit—by immersing themselves in external science—of becoming more and more like it; rather, precisely when they make the necessary compromises with it, they must rise above it.
[ 20 ] Das ist das, was wir uns sagen können und auch sagen müssen, wenn wir eine Zeitlang innerhalb der anthroposophischen Bewegung gelebt haben. Und solche Schwierigkeiten wie die, welche ich jetzt geschildert habe, gibt es viele. Die sind nicht dazu da, daß man sie kritisch beleuchtet, sondern daß man sich vollends in sie hineinlebt und sie so zu verstehen lernt, daß an ihrer Stelle die völlige Harmonie sich ergibt. Und so müssen wir in allen Zweigen des Lebens in Wirklichkeit heute zusammenwirken. Wenn ein Lehrer der Waldorfschule einem Arzt des Klinisch-Therapeutischen Instituts heute etwas sagt, so ist das etwas anderes, als wenn sich andere Menschen draußen etwas sagen. Wenn ein solcher Lehrer sich ausspricht, so spricht er gewissermaßen das Hygienische des Seelischen aus, so spricht er aus demjenigen heraus, was man an den Kindern tun muß, um Heiler der Kinder zu sein. Da tönt dann etwas herauf, was wiederum ungeheures Licht werfen kann in den Kopf und in die Seele dessen, der sich im KlinischTherapeutischen Institut beschäftigt. Und umgekehrt: was in diesem Klinisch-Therapeutischen Institut entwickelt wird, muß hineingreifen in das, was die Waldorflehrer wirken. So muß seelische Harmonie sich entwickeln, die durch die Sache selbst gefordert wird. Wenn jeder Mensch für sich handelt, so entstehen Disharmonien. Wenn auf unserem Gebiet die einzelnen Menschen, die aus diesem oder jenem heraus wirken, nicht zusammengehen, sich nicht zusammenfinden, so entsteht gar nicht Anthroposophie innerhalb der Menschheit. Anthroposophie erfordert als Sache wirklich menschliche Brüderlichkeit bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein. Sonst kann man sagen: Ein Gebot ist die Brüderlichkeit. Bei Anthroposophie muß man sagen: Sie wächst nur auf dem Boden der Brüderlichkeit, sie kann gar nicht anders erwachsen als in der Brüderlichkeit, die aus der Sache kommt, wo der einzelne dem anderen das gibt, was er hat und was er kann.
[ 20 ] This is what we can—and indeed must—tell ourselves once we have lived within the anthroposophical movement for some time. And there are many difficulties like the ones I have just described. They are not meant to be critically examined, but rather to be fully immersed in so that we may learn to understand them in such a way that complete harmony emerges in their place. And this is how we must truly work together today in all areas of life. When a Waldorf school teacher says something to a doctor at the Clinical-Therapeutic Institute today, it is different from when other people outside the movement say something to one another. When such a teacher speaks, he expresses, so to speak, the “hygiene” of the soul; he speaks from the very essence of what must be done with the children in order to be a healer of children. Then something resounds that, in turn, can shed immense light into the mind and soul of those working at the Clinical-Therapeutic Institute. And conversely: what is developed at this Clinical-Therapeutic Institute must influence the work of the Waldorf teachers. In this way, spiritual harmony must develop, a harmony demanded by the matter itself. When each person acts on their own, disharmony arises. If, in our field, the individual people working from this or that perspective do not come together, do not unite, then anthroposophy will not arise at all within humanity. Anthroposophy, as a matter of fact, truly requires human brotherhood down to the deepest depths of the soul. Otherwise, one might say: Brotherhood is a commandment. With anthroposophy, one must say: It grows only on the soil of brotherhood; it cannot grow in any other way than in the brotherhood that arises from the matter itself, where the individual gives to the other what he has and what he can do.
[ 21 ] Das ist es aber, was uns von Grund auf immer mehr und mehr dazu führt, auch anderes einzusehen. Es ist ja heute dahin gekommen, daß im Grunde doch ernst hingesehen werden muß auf das Wort eines Basler Theologie-Professors, der ein Freund Nietzsches war, und der das Buch geschrieben hat, das auch auf Nietzsche einen so großen Eindruck gemacht hat, das Buch über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie. Hier spricht nicht ein Anthroposoph, auch nicht ein Atheist, hier spricht ein Mensch, der angestellt war an der Universität, um Theologie zu lehren. Und das Fazit dieses Buches ist ungefähr, daß Overbeck, der Verfasser, sagt: Es mag noch vieles Christliche geben unter den Menschen, die Menschen verhalten sich vielfach noch christlich, jedenfalls aber ist die Theologie nicht mehr christlich. — Das heißt, sie hat den wahren Christus-Begriff verloren, besonders da, wo sie aufgeklärte 'Theologie sein will. Das ist das Ergebnis, zu dem nicht ein ketzerischer Anthroposoph, sondern ein lehrender Theologe der christlichen Kirche gekommen ist.
[ 21 ] But that is precisely what, from the ground up, leads us more and more to see things differently. Things have come to such a point today that we must, in essence, take seriously the words of a professor of theology at the University of Basel—a friend of Nietzsche’s—who wrote the book that made such a profound impression on Nietzsche himself: the book on the Christian character of our contemporary theology. This is not an anthroposophist speaking, nor an atheist; this is a person who was employed at the university to teach theology. And the conclusion of this book is, in essence, that Overbeck, the author, says: There may still be much that is Christian among people, and people often still behave in a Christian manner; but in any case, theology is no longer Christian. — That is to say, it has lost the true concept of Christ, especially where it seeks to be “enlightened” theology. This is the conclusion reached not by a heretical anthroposophist, but by a teaching theologian of the Christian Church.
[ 22 ] Das ist das eine. Das andere ist das, was Ihnen schon gut bekannt ist — und nun nicht aus Tradition heraus, sondern aus der wirklichen Erkenntnis heraus —: die Stellung des Anthroposophen zum Mysterium von Golgatha. Das, was darüber zu sagen ist, Sie können es an den verschiedensten Stellen der sogenannten Zyklen finden. Das aber, was ich heute noch besonders sagen will, ist das Folgende: Wie wenig schaut gerade heute der aufgeklärte Theologe hin auf denjenigen, der als ein außerirdisches Christus-Wesen durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen ist und nachher mit den Eingeweihten und Schülern verkehrt hat. Wie wenig schaut die Theologie auf denjenigen hin, der nach der Auferstehung lebte, noch sichtbar seinen eingeweihten Schülern! Aber derjenige, der sich der Anthroposophie nähert, er kann gerade allmählich zu einem Anschauen, zu einem lebendigen Anschauen dieses Mysteriums von Golgatha kommen und darauf kommen, was der Christus nach seiner Auferstehung seinen eingeweihten Schülern noch beigebracht hat. Und findet man sich in das hinein, dann wird einem auch immer mehr und mehr die geistige Welt um einen herum faßbar. Denn um das Mysterium von Golgatha selbst zu verstehen, ist ein geistiges Verständnis notwendig. Deshalb wird es den Menschen so schwer, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, weil sie es materialistisch auffassen möchten. Vieles ist aber, was sogar noch fortlebt bei den ersten Kirchenvätern von demjenigen, was der Christus selbst seinen eingeweihten Schülern nach seiner Auferstehung gewährt hat. Und aus dem Vielen möchte ich heute nur dieses herausheben.
[ 22 ] That is one thing. The other is what you already know well—not out of tradition, but out of genuine insight—namely, the anthroposophist’s stance on the Mystery of Golgotha. You can find what needs to be said about this in various places throughout the so-called cycles. But what I would like to emphasize in particular today is the following: How little, especially today, does the enlightened theologian look to the One who, as an extraterrestrial Christ-being, passed through the Mystery of Golgotha and subsequently associated with the initiates and disciples. How little does theology turn its attention to the One who, after the Resurrection, continued to live and appear visibly to his initiated disciples! But those who approach anthroposophy can gradually come to a vision—a living vision—of this Mystery of Golgotha and come to understand what Christ taught his initiated disciples after his Resurrection. And as one immerses oneself in this, the spiritual world around one also becomes more and more tangible. For understanding the Mystery of Golgotha itself requires spiritual understanding. That is why it is so difficult for people to understand the Mystery of Golgotha—because they want to approach it materialistically. Yet much of what Christ Himself imparted to His initiated disciples after His Resurrection lives on even among the early Church Fathers. And from among these many teachings, I would like to highlight just this one today.
[ 23 ] Sehen Sie, die Menschheit vor dem Mysterium von Golgatha lebte ja durchaus in einer Art von Urweisheit. Wenn wir in die Anfangszustände der Erde gehen, haben wir ja nicht jenen primitiven Menschen, welcher mehr oder weniger tierisch war — das war er nur seinem äußeren Aussehen nach —, wir haben jenen primitiven Menschen, der vom göttlich-geistigen, übermenschlichen Wesen eine Urweisheit empfangen hat. Die da und dort wieder besonders betonte Urweisheit der Erde, die ist durchaus nicht eine Chimäre, sondern etwas, was vorhanden war. Die Menschen gingen von Weisheit aus, nicht von Unweisheit. Diese Urweisheit, die wir heute ganz besonders bewundern, wenn wir sie bewußt wiederfinden auf dem Boden der Anthroposophie, war eine mehr traumhafte. Die Menschen erlebten sie in Bildern, die nicht verbunden waren mit einem starken Ich-Gefühl. Eine Art von ungeheuer tiefgehender, man darf sagen, von den göttlich-geistigen Wesenheiten empfangenen Urweisheit steht im Beginn der Erdenentwickelung da unter den Menschen, die nach außen ein mehr tierisches Aussehen hatten. Die Menschen wußten von dieser Urweisheit nur in Bildern. Allerdings, wenn die Menschen einmal hineinschauen werden in das volle Gefüge des Natürlichen, dann werden sie auch über das Tierische anders urteilen, als sie heute urteilen. Dann wird man hinschauen zum Beispiel auf die wie gelähmt daliegende verdauende Schlange und wird sehen, daß in dem, was da bloß der Länge nach geringelt liegt, ein inneres Leben ist, das in Bildern wie in einem Weltentraum ungeheuer viel erlebt, so daß selbst die Verdauung der Schlange aus der Bilderwelt, aus dem Kosmos besorgt wird. Auch innerhalb des Ahrimanischen wird man das Geistige schon noch entdecken.
[ 23 ] You see, before the Mystery of Golgotha, humanity certainly lived in a kind of primordial wisdom. When we go back to the earliest stages of the Earth, we do not find that primitive human being who was more or less animal-like—he was only so in his outward appearance—but rather we find that primitive human being who received a primordial wisdom from a divine-spiritual, superhuman being. This primordial wisdom of the Earth, which is sometimes emphasized in particular, is by no means a chimera, but something that actually existed. Human beings proceeded from wisdom, not from ignorance. This primordial wisdom, which we particularly admire today when we consciously rediscover it within the realm of anthroposophy, was of a more dreamlike nature. People experienced it in images that were not connected to a strong sense of self. A kind of immensely profound primordial wisdom—which, one might say, was received from the divine-spiritual beings—was present at the dawn of Earth’s evolution among human beings who outwardly had a more animal-like appearance. People knew of this primordial wisdom only through images. However, once people look into the full fabric of nature, they will also judge the animal realm differently than they do today. Then one will look, for example, at the snake lying there as if paralyzed while digesting, and will see that within what lies there coiled lengthwise there is an inner life that experiences an immense wealth of events in images, as in a cosmic dream, so that even the snake’s digestion is provided for from the world of images, from the cosmos. Even within the Ahrimanic realm, one will yet discover the spiritual.
[ 24 ] Aber diese Urweisheit war eben eine traumhafte. Das bedingte, daß die Menschen etwas nicht im vollen Umfange fühlten, was heute der Mensch, einfach indem er auf die äußere Wahrnehmung hin organisiert ist, in seiner vollen Stärke empfindet: das ist der Tod. Obzwar unsere Vorfahren vom Anfang der Erde nicht tierische Vorstellungen über ihre Mitmenschen und sich selbst hatten, so hatten sie doch noch ganz und gar nicht jene Anschauung des Todes bis ins Innere der Menschenseele, welche die spätere Menschheit hat. Die Menschen lebten dahin, sie hörten zu leben auf, ohne daß sie irgendwie berührt wurden von diesem Aufhören des Lebens, aus dem Grunde, weil sie während des Lebens durch die Urweisheit das Hereinleuchten des Geistigen empfingen. Sie fühlten sich nie ganz heraus aus dem Geistigen. Daher erlebten sie das nicht als ein besonderes Ereignis, was der Tod ist, sondern nur als ein Abstreifen, wie das Abstreifen einer Schlangenhaut. Sie erlebten nicht den Tod mit der Schärfe, mit der eben wir den Tod erleben müssen. Das heißt, es sind, um den Tod so anzuschauen, wie ihn die neuere Menschheit anschauen muß, auch andere geistige Kräfte notwendig, als die Urmenschheit sie hatte. Aber das Rätsel des Todes in der Weise, wie es heute vor der Menschheit steht, es trat immer mehr und mehr hervor, war aber doch noch nicht ganz da in den alten Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha.
[ 24 ] But this primordial wisdom was, after all, a dreamlike one. This meant that people did not fully grasp something that modern humans, simply because they are organized around external perception, experience in all its intensity: namely, death. Although our ancestors from the beginning of the Earth did not have animalistic notions about their fellow human beings or themselves, they still did not possess that view of death extending into the innermost depths of the human soul that later humanity has. People lived out their lives; they ceased to live without being in any way affected by this cessation of life, for the reason that during their lives they received the radiance of the spiritual through primordial wisdom. They never felt themselves completely detached from the spiritual. Therefore, they did not experience death as a special event, but merely as a shedding, like the shedding of a snake’s skin. They did not experience death with the intensity with which we today must experience it. This means that, in order to view death as modern humanity must view it, other spiritual powers are necessary than those possessed by primeval humanity. But the mystery of death, as it stands before humanity today, came into focus more and more; yet it was not yet fully present in the ancient times before the Mystery of Golgotha.
[ 25 ] Nun nahte es heran. Aber denken wir jetzt einen Augenblick, es wäre nicht gekommen, es wäre gar nicht das geschehen, was uns die Evangelien verkünden, nehmen wir diese Hypothese einmal an: dann wäre die Entwickelung der Menschheit so gekommen, daß der Mensch die Urweisheit immer mehr und mehr in das Unbewußte hinunter gedrängt hätte. Angeschaut würde er nur das Äußere haben. Der furchtbare Tod mit allem übrigen, was das Anschauen des Todes im Gefolge hat, wäre vor der Menschheit trostlos gestanden. Und als das Jahrtausend, das Jahrhundert an die Menschenentwickelung der Erde heranrückte, in das dann das Mysterium von Golgatha gefallen ist, da stand dann immer mehr und mehr alles das vor der Menschenseele, was mit der Anschauung des Todes zusammenhing. Und das war es, was der auferstandene Christus seinen eingeweihten Schülern mitteilte. Er sagte ihnen: Der Mensch hat eine Urweisheit von den göttlich-geistigen Wesenheiten erhalten zu einer Zeit, als die Götter noch selber den Tod nicht gekannt haben. In der Urweisheit ist keine Anschauung vom Tode und von der Überwindung des Todes enthalten, denn innerhalb der göttlichen Welten war nur Metamorphose, war nicht der Tod. Ich aber, so sagte der Christus nach der Auferstehung, bin abgesandt worden von denjenigen, die dem Vatergott ergeben sind, um das auf der Erde zu erleben, was in der Götterwelt nicht erlebt werden kann: ich umkleidete mich mit einem physischen Leibe. — Er sagte nach der Auferstehung zu seinen eingeweihten Schülern, was sich aber dann fortpflanzte — erst im vierten Jahrhundert ist ja das Christentum veräußerlicht worden —: Ich bin heruntergestiegen, um eine Göttererfahrung vom Tod zu haben, damit die Götter wissen vom Tod, damit derjenige, der das Christentum in der Wahrheit ergreift, auch den Sieg alles Geistigen über das Irdische im Tod begreifen lerne.
[ 25 ] Now it was drawing near. But let us imagine for a moment that it had not come, that what the Gospels proclaim to us had not happened at all—let us assume this hypothesis for a moment: then the development of humanity would have proceeded in such a way that human beings would have pushed primordial wisdom deeper and deeper into the unconscious. Humanity would have perceived only the outer appearance. The terrible death, along with everything else that the sight of death brings in its wake, would have loomed desolately before humanity. And as the millennium, the century, drew near in the course of human development on Earth—the one into which the Mystery of Golgotha fell—everything connected with the sight of death loomed ever more prominently before the human soul. And that was what the risen Christ communicated to his initiated disciples. He told them: Humanity received primordial wisdom from the divine-spiritual beings at a time when the gods themselves had not yet known death. This primordial wisdom contains no concept of death or the overcoming of death, for within the divine worlds there was only metamorphosis, not death. But I, said Christ after the Resurrection, have been sent by those who are devoted to the Father God to experience on earth what cannot be experienced in the world of the gods: I clothed myself in a physical body.” — After the Resurrection, He said this to His initiated disciples, though the message was not fully transmitted until much later—for Christianity was not fully externalized until the fourth century—: I descended to have a divine experience of death, so that the gods might know of death, so that whoever embraces Christianity in truth might also learn to comprehend the victory of all that is spiritual over all that is earthly in death.
[ 26 ] Dazumal ging der große Ruf an die Menschheit, so zu begreifen den Tod, daß dadurch sich gerade die Geistigkeit freimacht vom Menschen, nachdem sie eine Weile in der irdischen Welt war. Das aber ist dasjenige, was die Götter durch das Mysterium von Golgatha sich selber als Erkenntnis angeeignet haben. Das erhöhte Kreuz ist deshalb auch ein Ereignis innerhalb des Kosmos. Der Kosmos hat seine Angelegenheiten hier so abgewickelt, daß ein Wichtigstes auf der Erde geschehen ist. Das Kreuz ist nicht nur von der Erde aufgerichtet, das Kreuz ist heruntergesenkt auf die Erde, damit die Götter etwas, was sie in der Götterwelt abzumachen hatten, auf die Erde stellten, auf daß es die Menschen anschauen können. So muß der Mensch auch den wahrhaften Christus erkennen, während heute, wenn Sie die Theologie anschauen, die Christus-Anschauung verschwimmt. Sie können zum Beispiel bei Harnack überall den Christus-Namen ausstreichen und überallhin den allgemeinen Gottesnamen setzen, denn es wird nicht von dem lebendigen auferstandenen Christus gesprochen und dadurch das Mysterium von Golgatha nicht in seiner überirdischen Bedeutung erkannt. Wenn sich der Mensch mit dieser Bedeutung verbindet, dann bekommt er mehr und mehr die Vorstellung, daß die Geistigkeit zwar den Tod braucht, daß der Mensch aber sonst, wenn er nicht durch die Pforte des Todes immer wieder und wiederum gehen würde, nicht zu seiner vollen Entwickelung kommen könne. Es muß aber auch, nachdem für alle künftige Erdenentwickelung der Anfang gemacht worden ist, den Menschentod durch das Mysterium von Golgatha zu begreifen, noch weitergegangen werden. Wir müssen noch anderes begreifen.
[ 26 ] At that time, a great call went out to humanity to understand death in such a way that, through it, the spiritual essence would free itself from the human being after having spent some time in the earthly world. But this is precisely what the gods have come to know through the Mystery of Golgotha. The exalted cross is therefore also an event within the cosmos. The cosmos has arranged matters here in such a way that something of the utmost importance has taken place on Earth. The cross was not merely raised up from the Earth; rather, it was lowered down to Earth so that the gods could place upon it something they had to settle in the divine world, for human beings to behold. In this way, human beings must also recognize the true Christ, whereas today, if you look at theology, the vision of Christ is becoming blurred. For example, in Harnack’s work, you can strike out the name “Christ” everywhere and substitute the general name “God” in its place, for there is no mention of the living, risen Christ, and thus the Mystery of Golgotha is not recognized in its transcendent significance. When a person connects with this meaning, they increasingly come to realize that while spirituality does indeed require death, humanity could not otherwise attain its full development unless it were to pass through the gate of death again and again. But now that the foundation has been laid for all future earthly development, we must go even further in understanding human death through the Mystery of Golgotha. We must grasp something else as well.
[ 27 ] Um uns liegt heute die ganze tote Natur. Wir gratulieren uns förmlich, wenn wir diese Natur begreifen können. Wir möchten nicht die Steine nur, sondern auch die Pflanzen durch ihren Chemismus begreifen, und auch die Tierheit. Wir möchten das Tote in alles hineintragen. Und wenn die Menschen in ihrer heutigen Erkenntnis ein Ideal aufstellen, so ist es, an die Stelle des Lebens einen toten Mechanismus und Chemismus zu stellen. Sie möchten sagen können: Da ist eine Pflanze, die ganz kleine, winzige Prozesse entfaltet, die sich so zusammensetzen, daß wenn man hinschaut auf die Pflanze, einem das, was an einzelnen chemischen Prozessen erlebt wird, verschwommen erscheint, und das nennen wir dann Leben! Doch so ist es nicht, da ist wirkliches Leben drinnen. Wir müssen uns klar sein, daß um uns herum der Tod ist, und daß sich unsere Erkenntnis auf den Tod orientieren will. Wie aber das Christentum uns herausgerissen hat aus dem Verbundensein mit dem Tod, wie es uns gelehrt hat: derjenige, der nicht die Auferstehung begreift, der nicht den Christus als den Lebendigen begreift, der ist in seiner Seele selber tot — so müssen wir auch begreifen: Wenn wir uns nur mit dem Toten verbinden, dann werden wir selber tot und ahrimanisch, wenn wir aber den Mut haben und die Liebe zu allen Wesen um uns, das zu verbinden, was die Wesen selber sind, nicht, was unsere tote Idee von ihnen ist, dann finden wir den Christus überall, dann finden wir den Sieg des Geistes überall. Dann werden wir vielleicht noch sprechen müssen in einer Weise, wie es unseren Zeitgenossen paradox vorkommt, von den einzelnen Wesen, die im Festen, Flüssigen und so weiter leben, aber solange wir nicht davon sprechen, reden wir von einer toten, undurchchristeten Wissenschaft. Erst dann tun wir es nicht mehr, wenn wir uns entschließen, so von diesen Dingen zu reden, wie wir im wahren Christentum reden. So müssen wir auch alles Wissenschaftliche durchchristen, müssen das, was wir uns heranbilden können durch unsere Gemeinschaft mit dem Christus, in alles Wissen, alle Erkenntnis, in all unser Leben hineintragen. Dadurch aber wird das Mysterium von Golgatha erst wirklich fruchtbar gemacht durch Menschenkraft und Menschenstreben und Menschenliebe unter den Menschen selber. Und in diesem Sinn können wir sagen: Anthroposophie ist in allen Einzelheiten ein Streben nach der Durchchristung der Welt.
[ 27 ] All of dead nature surrounds us today. We practically congratulate ourselves when we are able to comprehend this nature. We want to understand not only the stones, but also the plants through their chemistry, and the animal kingdom as well. We want to imbue everything with the dead. And when people, based on their current understanding, establish an ideal, it is to replace life with a dead mechanism and chemistry. They would like to be able to say: There is a plant that unfolds very small, minute processes which combine in such a way that when one looks at the plant, what is experienced in the individual chemical processes appears blurred, and that is what we then call life! But that is not how it is; there is real life within it. We must be clear that death surrounds us, and that our understanding seeks to orient itself toward death. But just as Christianity has torn us away from our connection with death—just as it has taught us that whoever does not understand the Resurrection, whoever does not understand Christ as the Living One, is dead within their own soul—so too must we understand: If we connect only with the dead, then we ourselves become dead and Ahrimanic; but if we have the courage and the love for all beings around us to connect with what the beings themselves are—not with what our dead idea of them is—then we find Christ everywhere; then we find the victory of the Spirit everywhere. Then we may still have to speak—in a way that seems paradoxical to our contemporaries—of the individual beings that live in the solid, the liquid, and so on; but as long as we do not speak of this, we are speaking of a dead, unchristianized science. Only then will we cease to do so, when we resolve to speak of these things as we speak in true Christianity. Thus we must also imbue all science with the Christ; we must carry what we can cultivate through our communion with the Christ into all knowledge, all insight, and into our entire lives. Only then, however, will the Mystery of Golgotha truly bear fruit through human power, human striving, and human love among human beings themselves. And in this sense, we can say: Anthroposophy is, in every detail, a striving to Christianize the world.
[ 28 ] Wir richten über uns auf das Zeichen des Christus. Wir können, indem wir hinschauen auf die äußere Natur, nur durch innere Krankhaftigkeit sagen: Da ist kein Gott in der Natur. Wenn wir aber mit wirklich sinnender Seele auf die Natur schauen, dann finden wir in ihr überall Gott, und wir sagen dann einfach aus der Natur heraus: Ex deo nascimur.
[ 28 ] We look up to the sign of Christ. When we look at the external world of nature, we can only say—out of inner sickness—that there is no God in nature. But when we look at nature with a truly contemplative soul, we find God everywhere in it, and we then simply say, drawing from nature itself: Ex deo nascimur.
[ 29 ] Es ist eine Krankheit, wenn wir das in unserem innersten Wesen nicht sagen. Aber im Verlauf unseres Erdenlebens müssen wir durch unsere eigenen Seelenkräfte den Christus finden, sonst können wir nicht richtig sterben, weil das Leben im Sterben der neueren Menschheit nur der Christus vermittelt. Und es ist einfach eine Schicksalsfrage des menschlichen Lebens, ob wir den Christus in uns aufnehmen können, ob wir den Christus finden, ob wir das Mysterium von Golgatha verstehen lernen, ob wir in unserem innersten Wesen sagen lernen: In Christo morimur.
[ 29 ] It is a sickness if we do not say this in our innermost being. But in the course of our earthly life, we must find Christ through our own soul forces; otherwise, we cannot die properly, because only Christ mediates life in the dying of the newer humanity. And it is simply a matter of destiny in human life whether we can take Christ into ourselves, whether we find Christ, whether we learn to understand the Mystery of Golgotha, whether we learn to say in our innermost being: In Christo morimur.
[ 30 ] So wie es eine Art von Krankheit des Menschen ist, nicht zum Vatergott kommen zu können, so ist es ein elendes Schicksal, nicht zum Sohnesgott zu kommen. Aber es ist zugleich eine Schwäche des Geistes, die daraus hervorgeht: denn durchdringen wir uns mit der Erkenntnis und Liebe zum Vatergott und Christus, dann wird in uns etwas auferweckt, was uns trotz allen Todes, trotz aller toten Natur in die lebendige Geistigkeit hineinführt. Und dann sagen wir durch die Kraft des Vatergottes, durch die Kraft des Christus-Gottes: Per spiritum sanctum reviviscimus, in dem Heiligen Geiste werden wir wiedergeboren.
[ 30 ] Just as it is a kind of human affliction to be unable to come to God the Father, so it is a miserable fate to be unable to come to God the Son. But at the same time, a weakness of the spirit arises from this: for when we imbue ourselves with the knowledge of and love for God the Father and Christ, something is awakened within us that leads us—despite all death, despite all dead nature—into living spirituality. And then, through the power of God the Father, through the power of Christ the Son, we say: Per spiritum sanctum reviviscimus—in the Holy Spirit we are reborn.
[ 31 ] Und so schließt sich in klarer Erkenntnis, nicht aus dumpfem nebulosem Streben, das, was man wissen kann, in das Wort zusammen:
[ 31 ] And so, through clear understanding—not through a vague, nebulous striving—that which can be known is distilled into the word:
Ex deo nascimur — aus Gott sind wir geboren.
In Christo morimur — in Christo sterben wir.
Per spiritum sanctum reviviscimus — durch den Heiligen Geist werden wir wiedererwachen im Geistselbst.
Ex deo nascimur — we are born of God.
In Christo morimur — we die in Christ.
Per spiritum sanctum reviviscimus — through the Holy Spirit we are reborn in the Spirit.
