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The Rudolf Steiner Archive

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The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211

24 April 1922, London

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11. Die dreifache Sonne und der auferstandene Christus

11. The Triple Sun and the Risen Christ

[ 1 ] In der Gegenwart ist es durchaus notwendig, daß eine Anzahl von Menschen wissen, wo die gegenwärtige Menschheit in der geistigen Entwickelung steht, und welcher Weg zu nehmen ist, damit unsere Zivilisation nicht zugrunde gehe. Denn — und ich will heute ganz in anthroposophischen Formen zu Ihnen sprechen — diejenigen geistigen Kräfte, die wir die ahrimanischen Kräfte nennen und die in sich schließen alles, was materialistisch gedacht und getan wird in der Menschheit, diese ahrimanischen Kräfte möchten durch alles das, was bloß intellektualistisch ist, den Menschen an die Erde fesseln. Diese ahrimanischen Kräfte sind in unserer Zeit sehr stark, und sie suchen auf jede Art in die Menschenseelen Zugang zu gewinnen, um die menschlichen Seelen zu materialistischer Gesinnung zu verführen, zu einer bloß intellektualistischen Erfassung der Welt. Daher muß eine Anzahl von Menschen wissen, wie die Entwickelung der Menschheit auf der Erde vor sich zu gehen hat, damit die Menschheit ihr Ziel als Erdenmenschheit erreiche. Dazu aber ist erforderlich, daß man ein wenig zurückblicke in die Entwickelung der Menschheit. Wir könnten weiter zurückgehen, allein es ist für heute nicht notwendig, daß wir weiter zurückgehen als in das dritte und vierte Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha und dann die Entwickelung der Menschheit bis in unsere Zeit von einem gewissen Gesichtspunkte aus verfolgen.

[ 1 ] In the present day, it is absolutely necessary for a number of people to know where humanity currently stands in its spiritual development, and which path must be taken so that our civilization does not perish. For—and I wish to speak to you today entirely in anthroposophical terms—those spiritual forces we call the Ahrimanic forces, which encompass everything that is thought and done materialistically within humanity, seek to bind human beings to the earth through everything that is merely intellectualistic. These Ahrimanic forces are very strong in our time, and they seek in every way to gain access to human souls in order to seduce them into a materialistic mindset, into a purely intellectualistic understanding of the world. Therefore, a number of people must know how the development of humanity on Earth is to proceed, so that humanity may attain its goal as the Earth’s humanity. To do this, however, it is necessary to look back a little on the development of humanity. We could go further back, but for today it is not necessary to go further back than the third and fourth millennia before the Mystery of Golgotha and then trace the development of humanity up to our time from a certain perspective.

[ 2 ] In jener alten Zeit, von der ich zuerst sprechen möchte, entwickelte sich im Orient, in Asien eine Kultur, die ich in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft» die urpersische Kultur genannt habe. Der Lehrer der Menschheit während dieser urpersischen Kultur war Zarathustra, Zoroaster. Es ist nicht jener Zarathustra, von dem die Geschichte erzählt, und der in etwas späterer Zeit lebte. Es ist ein viel älterer Lehrer der Menschheit. Aber es ist in jenen alten Zeiten durchaus so, daß die Schüler eines hohen bedeutenden Lehrers lange dessen Namen angenommen haben. Und so ist derjenige Mensch, der in der Geschichte Zarathustra genannt wird, der letzte der großen Zarathustra-Schüler. Zarathustra war in einer ganz besonderen Weise in die Geheimnisse des Daseins eingeweiht, und er konnte als ein großer Eingeweihter, als ein hervorragender Initiierter die Menschheit der damaligen Zeit lehren. Zarathustra wußte durch seine Initiation, daß an derjenigen Stelle des Raumes, wohin wir blicken, wenn wir die Sonne sehen, ein großer umfassender Weltengeist lebt. Zarathustra sah überhaupt nicht zuerst die physische Sonne, sondern Zarathustra sah an der Stelle, wo wir heute durch das gewöhnliche Bewußtsein die physische Sonne sehen, einen großen umfassenden Weltengeist. Und dieser Weltengeist, der übte auf eine spirituelle Art seinen Einfluß auf Zarathustra aus. Und Zarathustra wußte dadurch, wie mit dem Schein, mit dem Glanz der Sonne, mit den Strahlen der Sonne auf die Erde auch die göttlich-geistigen Gnadenstrahlen kommen, welche in der Seele, in dem Geist des Menschen entzünden den höheren Menschen, zu dem sich der gewöhnliche Mensch hinaufringen soll. Und da man in jenen alten Zeiten die Initiierten nicht mit äußeren Namen nannte, sondern mit denjenigen Namen, die ihnen zukamen durch das, was sie wußten, so wurde dieser große Eingeweihte von seinen Schülern genannt und so nannte er sich: Zarathustra, Zoroaster, der strahlende Stern. Aber gemeint war die strahlende Gottheit, die die Strahlen der Weisheit auf die Erde sendet. Es war im Verhältnis zu allen späteren Einweihungen, zu allen späteren Initiationen eine höhere Initiation. Denn in demjenigen, was Zarathustra in der geistigen Weltensonne sah, lagen ja alle Kräfte, welche auf der Erde die Steine erhärten lassen, welche die Pflanzen aus ihren Keimen hervorwachsen lassen, welche die verschiedenen Tierarten über die Erde ausbreiten, welche den Menschen wachsen und gedeihen lassen. Alles dasjenige, was auf der Erde geschah, wußte der älteste Zarathustra — der strahlende Stern — durch dasjenige, was er von der Sonne als geistiges Wesen erlebte.

[ 2 ] In those ancient times, which I would like to discuss first, a culture developed in the Orient, in Asia, which I have called the “primordial Persian culture” in my book Occult Science. The teacher of humanity during this primordial Persian culture was Zarathustra, Zoroaster. This is not the Zarathustra of whom history tells us, who lived somewhat later. He is a much older teacher of humanity. But it was certainly the case in those ancient times that the disciples of a great and significant teacher would long adopt his name. And so the person referred to in history as Zarathustra is the last of the great disciples of Zarathustra. Zarathustra was initiated into the mysteries of existence in a very special way, and as a great initiate, an outstanding one, he was able to teach the people of his time. Through his initiation, Zarathustra knew that at the very point in space where we look when we see the sun, a great, all-encompassing world spirit dwells. Zoroaster did not see the physical sun at all at first; rather, in the place where we today see the physical sun through ordinary consciousness, Zoroaster saw a great, all-encompassing world spirit. And this world spirit exerted its influence on Zoroaster in a spiritual way. And through this, Zarathustra knew how, along with the light, the radiance of the sun, and the sun’s rays upon the earth, the divine-spiritual rays of grace also come, which kindle within the soul, within the spirit of the human being, the higher human being toward whom the ordinary human being should strive. And since in those ancient times the initiates were not called by external names, but by the names that befitted them based on what they knew, this great initiate was called by his disciples—and he called himself—Zarathustra, Zoroaster, the radiant star. But what was meant was the radiant deity who sends the rays of wisdom down to Earth. Compared to all later initiations, it was a higher initiation. For in what Zarathustra saw in the spiritual world-sun lay all the forces that cause stones to harden on Earth, that cause plants to grow from their seeds, that spread the various animal species across the Earth, and that allow human beings to grow and flourish. The eldest Zarathustra—the radiant star—knew everything that happened on Earth through what he experienced from the Sun as a spiritual being.

[ 3 ] Und dann kam eine spätere Zeit, in der man nicht mehr so tief hineindringen konnte in die Weltengeheimnisse. Es war diejenige Zeit, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» die chaldäisch-ägyptische Menschheitskultur nannte. Auch da blickte man noch hinauf zur Sonne, aber man sah jetzt die Sonne nicht mehr als die strahlende, man sah das bloß Leuchtende, das bloß Glänzende. Und Ra, dessen irdischer Repräsentant Osiris war, erschien als die eigentlich um die Erde sich bewegende Sonne, die da glänzte. So waren gewisse Geheimnisse dadurch verlorengegangen, daß man nicht mehr als Initiierter der alten Zeit in vollständiger innerer Klarheit den strahlenden Weltengott sehen konnte, sondern daß man jetzt nur dasjenige sehen konnte, was mehr aus Urkräften heraus, aus astralischen Kräften heraus von der Sonne kommt. Zarathustra sah in der Sonne noch ein Wesen; er konnte zu jener Zeit noch in der Sonne ein Wesen sehen. Die ägyptischen, die chaldäischen Initiierten, sie sahen in der Sonne nur die Kräfte, welche als Lichtkräfte, welche als Bewegungskräfte von der Sonne nach der Erde kamen. Sie sahen schon nurmehr etwas niedrigeres als ein geistiges Wesen: sie sahen geistige Taten, aber nicht ein geistiges Wesen. Und als denjenigen, der auf der Erde das repräsentiert, was man von den Kräften der Sonne als Mensch in sich trägt, bezeichneten diese alten ägyptischen Eingeweihten den Osiris.

[ 3 ] And then came a later era in which it was no longer possible to penetrate so deeply into the mysteries of the world. It was the era that I referred to in my Occult Science as the Chaldean-Egyptian culture of humanity. Even then, people still looked up at the sun, but they no longer saw the sun as the radiant one; they saw only what shone, only what gleamed. And Ra, whose earthly representative was Osiris, appeared as the sun that actually moved around the earth, shining there. Thus, certain mysteries had been lost because people could no longer, as initiates of ancient times, see the radiant world-god with complete inner clarity; instead, they could now see only that which emanates from the Sun more out of primal forces, out of astral forces. Zarathustra still saw a being in the Sun; at that time, he could still see a being in the Sun. The Egyptian and Chaldean initiates saw in the sun only the forces—the forces of light and the forces of motion—that came from the sun to the earth. They already saw only something lower than a spiritual being: they saw spiritual deeds, but not a spiritual being. And these ancient Egyptian initiates designated Osiris as the one who represents on Earth what we carry within ourselves as human beings from the forces of the sun.

[ 4 ] Und wenn wir in die griechische Zeit kommen, also schon in das achte, siebente, fünfte Jahrhundert und so weiter vor dem Mysterium von Golgatha, da sah man nicht mehr in die Geheimnisse der Sonne, da sah man nur noch dasjenige, was sich um die Erde herum als Wirkung der Sonne zeigte. Da sah man gewissermaßen nur die Wirkung der Sonne in dem Äther, der den Raum um die Erde herum erfüllt. Und das, was sich als Äther um die Erde herum ausbreitet, was auch den Menschen durchdringt, das bezeichneten die griechischen Initiierten — nicht das Volk, aber die griechischen Initiierten — als den Zeus.

[ 4 ] And when we come to the Greek period—that is, as early as the eighth, seventh, and fifth centuries, and so on, before the Mystery of Golgotha—people no longer perceived the mysteries of the Sun; they saw only what manifested itself around the Earth as the Sun’s effect. In a sense, people saw only the effect of the Sun in the ether that fills the space around the Earth. And what spreads around the Earth as ether—and also permeates human beings—the Greek initiates—not the common people, but the Greek initiates—referred to as Zeus.

[ 5 ] Und so gab es eine Stufe der menschlichen Kulturentwickelung, in welcher die Initiierten in der Sonne ein göttlich-geistiges Wesen sahen, dann diejenige Stufe, in welcher die Initiierten in der Sonne Kräfte sahen, die da wirken, und eine dritte Stufe, in welcher die Initiierten nurmehr die Wirkungen des Sonnenwesens im Äther der Erde sahen.

[ 5 ] And so there was a stage in the development of human culture in which the initiates saw a divine-spiritual being in the sun; then there was the stage in which the initiates saw forces at work in the sun; and a third stage in which the initiates saw only the effects of the solar being in the Earth’s ether.

[ 6 ] Sehen Sie, die Lehre von diesen drei Sonnenaspekten, dem Sonnenaspekt des Zarathustra, dem Sonnenaspekt des Osiris, dem Sonnenaspekt des Pythagoras, Anaxagoras, diese drei Sonnenaspekte kannte in der späteren Zeit noch einer, der so nahe an die Einweihungslehren herangekommen war, als man nur in der damaligen Zeit an sie herankommen konnte. Diese drei Aspekte kannte noch, nicht durch Schauen, aber als Lehre, als eine Tradition, die durch die Mysterienschule ging, Julianus der Apostat. Und Julian Apostata war so überwältigt von diesem dreifachen Sonnenaspekt, daß ihm dasjenige, was das Christentum brachte, demgegenüber als klein erschien. Er lernte noch etwas von der unsagbaren Herrlichkeit kennen, in welche Zarathustra hineingeschaut hat, er lernte noch etwas kennen von jener Wirksamkeit von Feuer, Licht, von kosmisch-chemischen Kräften, von kosmischen Lebenskräften, wie man sie in den alten Mysterien zuerst geschaut hat, und wovon er nur durch Traditionen noch hat lernen können. Diese Lehre kam ihm so großartig, so gewaltig vor, daß er sich zum Christentum nicht bekehren konnte. Aber er wollte dafür etwas anderes: er wollte die alten Mysterien, in die er bis zu einem gewissen Grade noch eingeweiht war, der allgemeinen Menschheit verkünden. Daher wurde für ihn jener Dolch geschliffen, welcher ihm den gewaltsamen 'Tod brachte. Jener Dolch wurde geführt von einer der Persönlichkeiten, die in jenen alten Zeiten der Meinung waren, daß man nicht der allgemeinen Menschheit die hohen Lehren der Initiation mitteilen dürfe. Geführt war jener Dolch von einer jener Persönlichkeiten, welche wollten, daß nur so, wie man eben im damaligen Zeitalter äußerlich über die Sonne sprach, zu den Menschen gesprochen werden solle.

[ 6 ] You see, the teaching of these three aspects of the Sun—the solar aspect of Zarathustra, the solar aspect of Osiris, and the solar aspect of Pythagoras and Anaxagoras—was known in later times by one more person who had come as close to the initiatory teachings as it was possible to do at that time. Julian the Apostate was still familiar with these three aspects—not through direct vision, but as a teaching, as a tradition passed down through the Mystery School. And Julian the Apostate was so overwhelmed by this threefold aspect of the Sun that what Christianity brought seemed insignificant in comparison. He still came to know something of the indescribable glory into which Zarathustra had gazed; he still came to know something of the power of fire, light, cosmic-chemical forces, and cosmic life forces, as they were first perceived in the ancient mysteries—and of which he could only learn through tradition. This teaching seemed so magnificent, so powerful to him that he could not convert to Christianity. But he wanted something else instead: he wanted to proclaim the ancient mysteries—into which he was still, to a certain degree, initiated—to all of humanity. That is why that dagger was sharpened for him, the one that brought him a violent death. That dagger was wielded by one of the figures who, in those ancient times, believed that the high teachings of initiation should not be revealed to humanity at large. That dagger was wielded by one of those figures who wanted people to be addressed only in the same way that, in that era, one spoke outwardly about the sun.

[ 7 ] Julian Apostata sagte, daß die Sonne drei Aspekte habe: einen des irdischen Äthers, einen des dahinterstehenden Himmelslichtes und der chemischen und Wärme- oder Feuer- und Lebenskräfte, und einen Aspekt ganz geistiger Wesenheit. Dafür wurde er hinweggeräumt. Und in der Tat, man muß ja sagen, in der damaligen Zeit war durchaus noch ein Augenblick in der Menschheitsentwickelung, in dem die allgemeine Menschheit nicht reif genug war, um solche bedeutsamen Wahrheiten zu empfangen. Aber etwas anderes, etwas außerordentlich Bedeutsames können wir sehen. In die griechische äußere, exoterische Kultur ist vieles übergegangen von dem, was enthalten war in diesen dreifachen Lehren des Zarathustra, des Osiris, des Anaxagoras, von der geistigen Sonne, von der elementarischen Sonne, von Zeus, dem sonnenhaften Erdenäther. Und wir haben nur deshalb eine so hohe griechische Kunst, eine so hohe griechische Philosophie, nur deshalb einen Plato und Aristoteles, weil vieles eingeflossen ist von jener alten Weisheit in diese Persönlichkeiten. Aber es war damals schon jene Zeit, in welcher die Initiationswahrheiten des Altertums nicht mehr genügend geschützt waren vor der Profanierung. Und so ist es gekommen, daß vieles von den Initiationsweisheiten übergegangen war an hervorragende Römer, namentlich an die römischen Kaiser, an die hervorragenden Führer des römischen Volkes. Höchstens noch Augustus aber hat zu schätzen gewußt dasjenige, was ihm mit der Initiationsweisheit übergeben worden war. Und deshalb war es auch, daß man im Römertum nicht erkennen konnte, wie in der griechischen Kunst, wie in der griechischen Weisheit esoterisch etwas enthalten war, was, richtig verstanden, in die ältesten Weisheitslehren zurückführte. Und so kam es, daß von dem ganz und gar prosaischen, ganz und gar halb-barbarischen Römertum aus, der äußere Glanz der griechischen Kultur übernommen worden ist, daß aber die Römer nicht in der Lage waren, dasjenige, was in der griechischen Kultur lebte, auf die Nachwelt in seiner wahren Gestalt zu überbringen. Und so ist es gekommen, daß dann mit dem Römertum jene alte Kultur nicht mehr übergehen konnte in das aufkommende Christentum, das sich anschloß an das Mysterium von Golgatha.

[ 7 ] Julian the Apostate said that the sun had three aspects: one of the earthly ether, one of the heavenly light behind it and the chemical, thermal, or fiery and life forces, and one aspect of purely spiritual essence. For this, he was eliminated. And indeed, it must be said that at that time there was still a phase in human development in which humanity as a whole was not yet mature enough to receive such significant truths. But we can see something else, something extraordinarily significant. Much of what was contained in these threefold teachings of Zarathustra, Osiris, and Anaxagoras—concerning the spiritual Sun, the elemental Sun, and Zeus, the sun-like Earth-ether—was incorporated into Greek external, exoteric culture. And it is only for this reason that we have such a lofty Greek art, such a lofty Greek philosophy—only for this reason do we have a Plato and an Aristotle—because so much of that ancient wisdom flowed into these individuals. But even then, it was already a time when the initiatory truths of antiquity were no longer sufficiently protected from desecration. And so it came to pass that much of the initiatory wisdom had passed on to outstanding Romans, notably to the Roman emperors, to the outstanding leaders of the Roman people. At most, however, it was Augustus who knew how to appreciate what had been handed down to him through the wisdom of initiation. And that is also why, in Roman culture, people could not recognize—as they could in Greek art and Greek wisdom—that there was something esoteric contained within it which, when properly understood, led back to the most ancient teachings of wisdom. And so it came to pass that Roman civilization—entirely prosaic and thoroughly semi-barbaric—adopted the outward splendor of Greek culture, yet the Romans were unable to convey to posterity, in its true form, that which lived within Greek culture. And so it came to pass that, with the advent of Roman civilization, that ancient culture could no longer be transmitted to the emerging Christianity, which was linked to the Mystery of Golgotha.

[ 8 ] Wenn man so etwas ausspricht, wie ich es jetzt eben ausgesprochen habe, darf man es nicht als Tadel, nicht als Kritik aussprechen, denn alle diese Dinge sind notwendig für die Entwickelung der Menschheit. Man muß sich aber klar sein darüber, daß die eigentlichen alten Initiationswahrheiten durch das Römertum, das die Initiation nicht zu schätzen wußte, nicht auf das Abendland übertragen werden können, und daß wir als Menschen des gewöhnlichen Bewußtseins der neueren Zeit getrennt sind von der heiligen Wahrheit der alten Zeiten durch das Römertum, das diese Wahrheiten nicht verstehen konnte, wodurch ja auch bewirkt wurde, daß eine Persönlichkeit, die hervorgegangen war aus diesem Römertum, die letzten griechischen Philosophen vertrieben hat, so daß diese nach dem Orient flüchten mußten. Ich führe Ihnen das alles an aus dem Grunde, weil es für die verschiedenen Betrachtungen, die ich dann anstellen werde, notwendig ist, daß wir einen flüchtigen Blick auf jene Zeit wenden, wo die alten geistigen Lehrer hinaufblicken konnten nach dem gestirnten Himmel und oben die dreifache Sonne sahen. Von diesem Wissen ist der Nachwelt nichts anderes geblieben als das Symbol davon in der dreifachen Krone des römischen Papstes. Das Äußere ist geblieben, das Innere verlorengegangen, und nur die neuere Initiation kann wiederum zurückblicken in jene alten Zeiten. Durch diese neuere Initiation, von der auch die Anthroposophie sprechen muß, können wir wiederum zurückschauen in jene alten Zeiten der Menschheitsentwickelung, in denen der Sonne selbst abgelauscht war dasjenige, was man auf Erden als die Geheimnisse der Menschheitsentwickelung erfahren wollte.

[ 8 ] When one says something like what I have just said, one must not say it as a rebuke or as criticism, for all these things are necessary for the development of humanity. However, one must be clear that the actual ancient truths of initiation cannot be transmitted to the West through Roman civilization, which did not appreciate initiation, and that we, as people of ordinary consciousness in modern times, are separated from the sacred truth of ancient times by Roman civilization, which was unable to understand these truths—a fact that also led to a figure who emerged from that Roman civilization driving out the last Greek philosophers, forcing them to flee to the East. I mention all this because, for the various considerations I will then present, it is necessary that we cast a brief glance at that time when the ancient spiritual teachers could look up at the starry sky and see the threefold sun above. Nothing of this knowledge has remained for posterity except its symbol in the threefold crown of the Roman Pope. The outward form has remained, the inner essence has been lost, and only the newer initiation can look back once more to those ancient times. Through this newer initiation—which anthroposophy must also address—we can once again look back to those ancient times in human evolution when even the sun itself was the source from which people sought to learn what was known on Earth as the mysteries of human evolution.

[ 9 ] Wenn dann diejenigen, welche die Schüler der alten Initiierten waren, hinaussahen in das Weltenall und über dasjenige sprachen, was außerhalb der Erde in den Wirkungen der Sonne, in der Sonne selbst lebte, in dem großen Zarathustrischen Geisteswesen der Sonne, dann meinten diese alten Initiierten im Grunde genommen dasselbe, was man später als den Christus bezeichnet. So daß in aller Form gesagt werden muß, daß die alten Initiierten außerhalb der Erde im Kosmos, und zwar in demjenigen Kosmos, der durch die Sonne repräsentiert wird, den Christus geschaut haben. Und das Wesentliche des Mysteriums von Golgatha ist nicht die Lehre von dem Christus, denn diese Lehre von dem Christus, die haben auch die alten Initiierten gehabt. Sie haben nur etwa von dem Christus so gesprochen, daß er nicht auf der Erde lebt, daß er nicht in den Kräften der Erde ist, sondern daß er in den Kräften der Sonne lebt. Aber es ist durchaus falsch, zu glauben, daß die alten Initiierten nicht von dem Christus-Wesen gesprochen haben. Es ist auch eine von jenen Wahrheiten, die der Menschheit ganz verlorengegangen sind, daß vor dem Mysterium von Golgatha von dem Christus immer gesprochen worden ist als von einem außerirdischen Wesen. Heute nennt man eine solche Anschauung sogar unchristlich.

[ 9 ] When those who were the disciples of the ancient Initiates looked out into the cosmos and spoke of what lived beyond Earth in the effects of the Sun, in the Sun itself, in the great Zarathustrian spiritual being of the Sun, these ancient Initiates essentially meant the same thing that was later referred to as Christ. So it must be said in every respect that the ancient initiates beheld the Christ outside of Earth in the cosmos—specifically, in the cosmos represented by the Sun. And the essence of the Mystery of Golgotha is not the doctrine of Christ, for the ancient initiates also possessed this doctrine of Christ. They simply spoke of Christ in such a way that he does not live on Earth, that he is not within the forces of the Earth, but rather that he lives within the forces of the Sun. But it is entirely wrong to believe that the ancient initiates did not speak of the Christ Being. It is also one of those truths that have been completely lost to humanity: that before the Mystery of Golgotha, Christ was always spoken of as an extraterrestrial being. Today, such a view is even called unchristian.

[ 10 ] Aber warum nennt man eine solche Anschauung unchristlich, da doch die ersten Kirchenväter durchaus diese Anschauung gehabt haben? Die ersten Kirchenväter haben gesagt: Die Weisen der alten Zeit, die man oftmals auch als Heiden bezeichnet, sind in einem tieferen Sinn Christen! Die ersten Kirchenväter haben durchaus von Heiden als von Christen vor dem Mysterium von Golgatha gesprochen. Dasjenige, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, es ist eben dieses, daß jenes Wesen, das man vorher nicht hat auf der Erde finden können, das nur außerhalb der Erde gefunden werden konnte, wenn man in die Mysterien der Himmel eingeweiht war, sich dann selber verkörpert hat in dem Jesus von Nazareth, auf der Erde gelebt hat in dem Jesus von Nazareth, gekreuzigt worden ist, in die Erde gelegt worden ist, und im geistigen Leibe seinen eingeweihten Schülern als Auferstandener erschienen ist. Das wirkliche Heruntersteigen des hohen Sonnenwesens von kosmischen Höhen auf die Erde, das ist dasjenige, was sich in dem Mysterium von Golgatha vollzieht. Und dieser Christus, der heruntergestiegen ist aus geistigen Welten, der durch den Tod gegangen ist, der in bezug auf seinen Leib in die Erde gelegt worden ist, dieser Christus hat nach seinem Tode, nach seiner Auferstehung auch eingeweihte Schüler gehabt. Dasjenige, was er seinen eingeweihten Schülern gelehrt hat, das sollten heute eigentlich viele Menschen schon wissen, damit man teilnehmen könne an den Kräften der Fortentwickelung der Menschheit.

[ 10 ] But why is such a view called unchristian, when the early Church Fathers certainly held this view? The early Church Fathers said: The sages of ancient times, who are often referred to as pagans, are Christians in a deeper sense! The early Church Fathers certainly spoke of pagans as Christians before the Mystery of Golgotha. What came about through the Mystery of Golgotha is precisely this: that being, whom one could not previously find on Earth—who could only be found outside of Earth if one was initiated into the mysteries of the heavens—then incarnated himself in Jesus of Nazareth, lived on Earth as Jesus of Nazareth, was crucified, was laid in the ground, and appeared to his initiated disciples in his spiritual body as the Risen One. The actual descent of the high solar being from cosmic heights to Earth—that is what takes place in the Mystery of Golgotha. And this Christ, who descended from the spiritual worlds, who passed through death, who was laid in the earth in regard to his body—this Christ also had initiated disciples after his death and after his Resurrection. What he taught his initiated disciples is something that many people today should actually already know, so that they may participate in the forces driving the further development of humanity.

[ 11 ] Alle alten Eingeweihten sind im Grunde genommen in Wirklichkeit von außerirdischen Wesen unterrichtet worden. Der Unterricht in den ältesten Mysterien der Menschheit ist so vollzogen worden, daß die Schüler der Mysterien dazu vorbereitet worden sind, außerhalb ihres Leibes schauen zu können. Durch dieses Schauen lernten sie solche Wesen kennen, wie der Zarathustra den Christus als hohes Sonnenwesen kennenlernte. Durch dieses Schauen lernten sie aber auch andere Wesen der verschiedenen Hierarchien kennen. Wir müssen uns durchaus vorstellen, daß die geistige Sprache, die da geführt wird von einem solchen Wesen, das herunterstieg und die Eingeweihten lehrte, eben eine Sprache ist, durch welche man in alten Zeiten die Menschen lehren konnte. Die Menschen hatten in alten Zeiten göttliche Lehrer. Ein solcher göttlicher Lehrer war auch der Christus für die Menschen, welche er nach seiner Auferstehung unterrichtete. Aber er konnte noch etwas anderes lehren als die älteren göttlichen Lehrer.

[ 11 ] All the ancient initiates were, in essence, actually taught by extraterrestrial beings. Instruction in humanity’s most ancient mysteries was conducted in such a way that the students of the mysteries were prepared to see beyond their physical bodies. Through this vision, they came to know beings such as the Christ, whom Zarathustra recognized as a high solar being. Through this vision, however, they also came to know other beings from the various hierarchies. We must certainly imagine that the spiritual language spoken by such a being—who descended and taught the initiates—is precisely a language through which people could be taught in ancient times. In ancient times, people had divine teachers. Christ was also such a divine teacher for the people whom he instructed after his Resurrection. But he was able to teach something different from the earlier divine teachers.

[ 12 ] Die älteren göttlichen Lehrer sprachen zu den Menschen viel von den Geheimnissen der Geburt, sprachen ihnen aber nicht von den Geheimnissen des Todes, denn in der göttlichen Welt hatte man den Tod nicht durchgemacht. Es gab in der Welt, aus der die alten göttlichen Lehrer zu den alten Initiierten herunterstiegen, keine Wesen, welche den Tod durchgemacht hatten. Der Tod war etwas, was nur auf der Erde durch Menschen durchgemacht werden konnte. Die Götter sahen herunter auf die Menschen, aber sie wußten im Grunde genommen vom Tode nur äußerlich. Der Christus lernte den Tod auf der Erde kennen, indem er in einem Menschen nicht nur als eine Erscheinung zu gewissen Zeiten verkörpert war, wie das der Fall war bei den alten Lehrern, sondern der Christus lernte den Tod dadurch kennen, daß er als Gott wie die menschliche Seele in einem physischen Menschenleibe auf der Erde lebte. Er lernte den Tod wirklich kennen, er ging durch den Tod. Und er lernte noch mehr kennen.

[ 12 ] The ancient divine teachers spoke to humankind at length about the mysteries of birth, but they did not speak to them about the mysteries of death, for in the divine world, death had not yet been experienced. In the world from which the ancient divine teachers descended to the ancient initiates, there were no beings who had experienced death. Death was something that could only be experienced by human beings on Earth. The gods looked down upon humanity, but fundamentally, their knowledge of death was only superficial. Christ came to know death on Earth, not merely by being incarnated in a human being as a manifestation at certain times—as was the case with the ancient teachers—but by living on Earth as God, just like the human soul, within a physical human body. He truly came to know death; he passed through death. And he came to know even more.

[ 13 ] Wenn der Christus nur alles dasjenige durchgemacht hätte, was von der Johannestaufe im Jordan sich abspielte bis zur Kreuzigung und bis zu dem Sterben am Kreuze, da würde der Christus nicht von denjenigen Geheimnissen haben reden können, von denen er geredet hat zu seinen eingeweihten Schülern nach seiner Auferstehung. Denn sehen Sie, für diejenigen göttlichen Lehrer, die heruntersteigen konnten auf die Erde, und für die alten initiierten Lehrer gab es in der ganzen weiten Welt keine Geheimnisse außer im Innern der Erde. Im Innern der Erde, wußten sie, herrschen geistige Wesenheiten, die anderer Art sind als die Götter, die vor dem Mysterium von Golgatha zu den Menschen herunterstiegen. Es kannten sie zum Beispiel die Griechen und gaben ihnen in ihrer Mythologie den Namen der Titanen. Aber derjenige der oberen Götter, der zuerst das Innere der Erde kennenlernte, weil er in sie hineinversenkt wurde, das war der Christus. Das ist wichtig, daß der Christus ein Gebiet für die oberen Götter kennengelernt hat, das früher diese oberen Götter nicht gekannt haben. Und dieses Geheimnis, daß auch die Götter eine Entwickelung durchmachen, dieses Geheimnis teilte der Christus seinen eingeweihten Schülern mit nach seiner Auferstehung. Und dieses Geheimnis erfuhr Paulus durch seine natürliche Einweihung vor Damaskus. Das war das Erschütternde für Paulus, daß er erfuhr: mit den Kräften der Erde ist jetzt verbunden die Kraft, die man früher nur in der Sonne gefunden hat.

[ 13 ] If the Christ had only gone through everything that took place from John’s baptism in the Jordan to the crucifixion and his death on the cross, then the Christ would not have been able to speak of those mysteries of which he spoke to his initiated disciples after his resurrection. For you see, for those divine teachers who were able to descend to Earth, and for the ancient initiated teachers, there were no mysteries in the entire wide world except within the Earth. They knew that within the Earth there reign spiritual beings of a different kind than the gods who descended to humanity before the Mystery of Golgotha. The Greeks, for example, knew of them and gave them the name “Titans” in their mythology. But the one among the higher gods who first came to know the interior of the Earth—because he was immersed within it—was Christ. It is important to note that Christ came to know a realm of the higher gods that these higher gods had not previously known. And this mystery—that even the gods undergo a process of development—Christ revealed to his initiated disciples after his Resurrection. And Paul learned this mystery through his natural initiation on the road to Damascus. What was so shattering for Paul was that he realized: the power that was once found only in the sun is now connected with the forces of the Earth.

[ 14 ] Was war es denn, warum Paulus als Saulus die Christus-Anhänger verfolgte? Das war es, daß Paulus als Saulus in der alten hebräischen Einweihung erkennen gelernt hatte: der Christus lebt nur draußen im Kosmos, und diejenigen sind im Irrtum, die behaupten, der Christus lebe in der Erde. Als Paulus vor Damaskus die Erleuchtung hatte, da erfuhr er zuerst, daß er im Irrtum war, weil er nur dasjenige glaubte, was früher wahr gewesen ist. Aber was früher wahr gewesen ist, war jetzt anders geworden, was früher nur in der Sonne gewohnt hat, ist auf die Erde heruntergestiegen und lebt fortan in den Kräften der Erde. Und so war das Mysterium von Golgatha für diejenigen, die es zuerst den Menschen bekanntgaben, nicht ein Erdenereignis allein, sondern ein Weltenereignis; ein Weltenereignis, das in den ersten nachchristlichen Zeiten von den eigentlichen Initiierten in der folgenden Weise gelehrt wurde.

[ 14 ] What, then, was the reason Paul—as Saul—persecuted the followers of Christ? It was because Paul, as Saul, had come to understand through the ancient Hebrew initiation that Christ lives only out there in the cosmos, and that those who claim Christ lives within the earth are mistaken. When Paul had his epiphany near Damascus, he first realized that he had been mistaken, because he had believed only what had once been true. But what had once been true had now changed; what had once dwelt only in the sun had descended to Earth and henceforth lives in the forces of the Earth. And so, for those who first revealed it to humanity, the Mystery of Golgotha was not merely an earthly event, but a cosmic event—a cosmic event that was taught in the early post-Christian era by the true initiates in the following manner.

[ 15 ] Sie wurden so tief eingeweiht, diese ersten christlichen Initiierten, daß sie wußten: Der Christus, der heute als das Wesen erscheint, das im Anfang der Zeitrechnung durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der Christus ist aus noch weiteren Höhen zur Sonne heruntergestiegen, da hat ihn Zarathustra geschaut. Dann ist seine Kraft übergegangen in die Strahlen der Sonne, da wurde er von den ägyptischen Eingeweihten geschaut. Dann lebte seine Kraft in dem Umkreis der Erde, da haben ihn die griechischen Eingeweihten geschaut. Jetzt soll er so geschaut werden, wie er selber als ein Wesen mit dem Erdenleibe unter den Menschen gewandelt ist, jetzt soll er so geschaut werden, daß man seine richtige Gestalt erblickt in dem Auferstandenen, in demjenigen, der in der Erde darin ist, der das Geheimnis der Erde geschaut hat, der dieses Geheimnis nun allmählich in die Menschheitsentwickelung überfließen lassen kann.

[ 15 ] These first Christian initiates were so deeply initiated that they knew: The Christ, who today appears as the being who passed through the Mystery of Golgotha at the beginning of the Christian era, descended from even greater heights to the sun, where Zarathustra beheld him. Then his power passed into the rays of the sun; there he was beheld by the Egyptian initiates. Then his power lived within the sphere of the Earth; there he was beheld by the Greek initiates. Now he is to be beheld as he himself walked among human beings as a being with an earthly body; now he is to be beheld in such a way that one perceives his true form in the Risen One—in the one who is within the earth, who has beheld the mystery of the earth, and who can now gradually allow this mystery to flow into the development of humanity.

[ 16 ] Es ist eine ungeheure Wärme der Diktion, mit welcher in sehr einsamen Schulen in dem ersten christlichen Jahrhundert — vom Orient herüber immer mehr sich verbreitend, aber sehr im Geheimnisvollen diese esoterische Lehre des Christentums wirkte. Ja, es gab eine solche esoterische Lehre des Christentums! Diese ersten Kirchenväter, sie wußten noch etwas davon, aber sie sahen auf der andern Seite den Ansturm des Römertums. Mehr als die Geschichte heute ahnt, war gewaltig jener Zusammenstoß der ersten christlichen Impulse mit dem antigeistigen Römertum. Dieses Römertum hat gewissermaßen einen Mantel von Außerlichkeit über die tiefsten Geheimnisse des Christentums gebreitet.

[ 16 ] It was with an immense warmth of expression that this esoteric teaching of Christianity took effect in very isolated circles during the first Christian century—spreading ever further from the East, yet shrouded in great mystery. Yes, there was indeed such an esoteric teaching of Christianity! These early Church Fathers still knew something of it, but they also saw the onslaught of Roman culture coming from the other side. That clash between the earliest Christian impulses and anti-spiritual Roman culture was far more powerful than history today realizes. Roman culture, so to speak, cast a veil of superficiality over the deepest mysteries of Christianity.

[ 17 ] Man ahnt ja heute mit dem gewöhnlichen Bewußtsein im Grunde genommen gar nicht, welche Art von Verhältnis in der älteren Menschheit zu den Kräften des Weltenalls vorhanden war. Der alte Mensch des dritten, vierten, fünften Jahrtausends, er wußte, daß wenn er diesen oder jenen Stoff aß, in ihm dieser oder jener Stoff in seinem Leibe weiterwirkt, daß die Kräfte des Kosmos in ihm zum Vorschein kommen. Wie lehrt zum Beispiel Zarathustra seine Schüler? Zarathustra lehrt seine Schüler so: Ihr esset die Früchte des Feldes. Sie sind von der Sonne beschienen, aber in der Sonne lebt das hohe Geisteswesen. Von dem Kosmos, von außen kommt die Kraft des hohen Geisteswesens mit den Strahlen in die Früchte des Feldes hinein. Ihr esset die Früchte des Feldes, dasjenige, was in euch den Stoff auslöst. Laßt euch erfüllt sein von den geistigen Kräften der Sonne; die Sonne geht in euch auf, indem ihr die Früchte des Feldes genießt. Tut das in besonders feierlicher Stunde, nehmt euch in besonders feierlicher Stunde etwas, was bereitet ist aus den Früchten des Feldes. Meditiert ihr darüber, wie die Sonne darinnen ist, meditiert ihr, bis euch das Stückchen Brot strahlend wird, und genießt ihr es, dann seid euch bewußt: aus dem weiten Weltenall ist der Geist der Sonne in euch eingezogen und in euch lebend geworden.

[ 17 ] With our ordinary consciousness today, we basically have no idea what kind of relationship ancient humanity had with the forces of the universe. The ancient human beings of the third, fourth, and fifth millennia knew that when they ate this or that substance, that substance continued to work within their bodies, and that the forces of the cosmos manifested themselves within them. How, for example, does Zarathustra teach his disciples? Zarathustra teaches his disciples thus: You eat the fruits of the field. They are bathed in sunlight, but within the sun lives the high spiritual being. From the cosmos, from without, the power of the high spiritual being enters the fruits of the field through the rays. You eat the fruits of the field—that which triggers the substance within you. Let yourselves be filled with the spiritual forces of the sun; the sun rises within you as you enjoy the fruits of the field. Do this at a particularly solemn hour; at a particularly solemn hour, take something prepared from the fruits of the field. Meditate on how the sun is present within it; meditate until that piece of bread becomes radiant to you, and as you savor it, be aware: from the vast universe, the spirit of the sun has entered you and come to life within you.

[ 18 ] Nun, von alledem ist nur die Außerlichkeit geblieben: das Essen des Brotes im Meßopfer und in der Kommunion. Diejenigen, welche diese Außerlichkeit fortpflanzen im Sinne dessen, was das Römertum in das Christentum hineingebracht hat, sind die, welche es am stärksten bekämpfen, daß man kosmische Weisheit haben muß, um das Christentum zu verstehen. Das sind aber auch jene, die am wenigsten die Lehren des Paulus verstehen, denn Paulus schaute einfach strahlend diejenige Kraft, die aus den Wolken hereinkommt, die Sonnenkraft war, die das überkörperliche Wesen war: den Christus, der durch das Mysterium von Golgatha heruntergestiegen ist auf die Erde, die kosmische Gottheit der Sonne vereint mit den Kräften der Erde. In den ersten drei bis vier Jahrhunderten der christlichen Entwickelung wußte man noch viel von diesem eigentlichen Geheimnisse. Dann wurde die äußere Weltenerkenntnis so stark, daß selbst durch die Nachrichten, die auf die spätere Zeit kamen, nicht mehr zu erkennen ist, wie hoch spirituell in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung das Ereignis von Golgatha aufgefaßt worden ist. Heute ist aber die Zeit, wo die Menschheit sich unbedingt zurückerinnern muß an dieses spirituelle Erfassen des Christentums in den ersten christlichen Jahrhunderten. Der Mensch hat durchgemacht seit den [ersten] nachchristlichen Jahrhunderten dasjenige, was ihn zu einer hohen Erdenweisheit gebracht hat. Dadurch ist er ein freies Wesen geworden. Selbst die alten Eingeweihten waren nicht frei, da sie ja, wenn sie die tiefsten Impulse gewollt haben, sich leiten ließen von den Gottheiten. Frei kann man nur werden durch diese besonders hohe [Erden-] Weisheit. Dies wird in nächsten Zeiten immer mehr die Menschheit dahin bringen, daß die widergöttlichen Kräfte, die wider-christlichen Kräfte die Seelen der Menschen erfassen können. Diese wider-christlichen Kräfte, ich nenne sie die ahrimanischen Kräfte.

[ 18 ] Well, of all this, only the outward form remains: the eating of bread in the Mass and at Communion. Those who perpetuate this outward form in the spirit of what Roman culture introduced into Christianity are the very ones who most vehemently oppose the idea that one must possess cosmic wisdom to understand Christianity. But these are also the ones who understand Paul’s teachings the least, for Paul simply beheld, in all its radiance, the power that comes down from the clouds—the power of the sun, which was the supersensible being: the Christ who descended to Earth through the Mystery of Golgotha, the cosmic divinity of the sun united with the forces of the Earth. In the first three to four centuries of Christian development, much was still known about this very mystery. Then external knowledge of the world became so dominant that even from the accounts that have come down to us from later times, it is no longer possible to discern how deeply spiritual the event of Golgotha was understood in the first centuries of the Christian era. Today, however, is the time when humanity must absolutely recall this spiritual understanding of Christianity in the early Christian centuries. Since the [first] centuries after Christ, human beings have undergone the very process that has led them to a high earthly wisdom. Through this, they have become free beings. Even the ancient initiates were not free, for when they sought the deepest impulses, they allowed themselves to be guided by the deities. One can become free only through this particularly high [earthly] wisdom. In the times to come, this will increasingly lead humanity to a point where the anti-divine forces—the anti-Christian forces—can take hold of human souls. These anti-Christian forces—I call them the Ahrimanic forces.

[ 19 ] Wir haben eine hohe Wissenschaft, aber sie ist noch nicht durchchristet. Wir reden über die Natur, und niemand findet eine Veranlassung, diese Naturwissenschaft zu durchchristen. Das muß aber geschehen. Diese Naturwissenschaft muß durchchristet werden, sonst geht alles dasjenige verloren, was der Mensch aus dem Kosmos heraus braucht. In jenen alten Zeiten waren die Menschen noch empfänglich, hatten noch ein Verständnis [für die kosmischen Einflüsse] durch die allgemeine Nahrung, die der Mensch genießt. Immer fremder und fremder wurden die Menschen dem kosmischen Leben. In der späteren ägyptisch-chaldäischen Kultur konnten die alten Eingeweihten immer noch von den Kräften der Götter sprechen, von den Kräften, die in die Pflanzen, die Steine hineingehen. Daher kam in dieser Zeit zuerst die Heilwissenschaft, die Medizin besonders auf. Das Wirksamste stammt noch immer aus jenen alten Zeiten, man weiß es nur nicht. Wir müssen aber auch da zu den Quellen zurückkehren, wir müssen eine Medizin bekommen, welche wirklich in die tieferen Kräfte der Wesen hineinschaut. Die Lösung obliegt der neueren Initiationswissenschaft, und Anthroposophie möchte ja nichts anderes, als der Menschheit geben, was man heute erlangen kann. Es ist so, daß seit dem Jahr 1899 das finstere Zeitalter — Kali Yuga, wie es die alten Propheten nannten — vorbei ist. Es lebt um uns herum die geistige Welt, die sich offenbaren kann. Wir können sie bemerken, und es ist unsere Aufgabe, auf diese Offenbarung zu hören. Darauf möchte unsere Anthroposophie die Menschheit hinweisen. Was vorliegt mit der Anthroposophie, es ist nicht nur eine Menschheitsangelegenheit, sondern eine allgemeine Weltenangelegenheit.

[ 19 ] We have a highly developed science, but it has not yet been permeated by Christianity. We speak of nature, and no one sees any reason to Christianize this natural science. But this must happen. This natural science must be Christianized; otherwise, everything that humanity needs from the cosmos will be lost. In those ancient times, people were still receptive; they still had an understanding [of cosmic influences] through the universal nourishment that humanity partakes of. People became more and more alienated from cosmic life. In the later Egyptian-Chaldean culture, the ancient initiates could still speak of the powers of the gods, of the powers that enter into plants and stones. That is why, during this period, the science of healing—medicine in particular—first came to the fore. The most effective remedies still originate from those ancient times; we simply do not realize it. But here, too, we must return to the sources; we must develop a form of medicine that truly looks into the deeper forces of beings. The solution lies with the newer science of initiation, and anthroposophy seeks nothing other than to give humanity what can be attained today. The fact is that since the year 1899, the dark age—Kali Yuga, as the ancient prophets called it—has come to an end. The spiritual world lives all around us and can reveal itself. We can perceive it, and it is our task to listen to this revelation. This is what our anthroposophy seeks to point out to humanity. What anthroposophy offers is not merely a matter for humanity, but a matter for the entire world.

[ 20 ] Wenn man Erkenntnisse der Initiationswissenschaft im einzelnen, im Konkreten mitteilt, dann muß man auch gewärtig sein, daß unter Umständen über das eine und das andere gespottet werden kann. Allein gerade aus dem, was ich heute im Eingang gesagt habe, daß wir Menschen brauchen, die aus der Initiationswissenschaft heraus einzelnes wissen über die Entwickelung der Menschheit, kann zugleich hervorgehen, wie notwendig es ist, daß wir heute nicht bloß mit allgemeinen Erkenntnissen gewissermaßen in Wolken schweben, sondern daß wir diese Erkenntnisse beleben dadurch, daß wir wirklich ins Menschenleben eintreten mit diesen Erkenntnissen. Das wird man nur dann tun, wenn diese Erkenntnisse auch von dem menschlichen Leben ganz lebenskräftig sprechen. Da möchte ich denn folgendes erzählen.

[ 20 ] When one communicates insights from the science of initiation in detail and in concrete terms, one must also be prepared for the possibility that certain aspects may be mocked. Yet precisely from what I said at the beginning today—that we need people who, through the science of initiation, possess specific knowledge about the evolution of humanity—it can also become clear how necessary it is that we today do not merely float, as it were, in the clouds with general insights, but that we bring these insights to life by truly entering human life with them. This can only be done if these insights also speak of human life in a truly vital way. I would like to share the following story.

[ 21 ] Während eines der späteren Kreuzzüge lebte in einem der italienischen Klöster ein junger Mönch. Er war außerordentlich begabt, und er konnte sich namentlich vertiefen in dasjenige, was aus alten christlichen Zeiten, nicht aus der Schrift, aber von Mensch zu Mensch, fortgepflanzt worden war als Tradition, und namentlich in manchen Klöstern weiterlebte. Da erzählte davon in manch einsamer Stunde ein älterer Mönch dem jüngeren, und vieles von der Art hatte dieser junge Mönch gehört. Er hatte sich dann einem der späteren Kreuzzüge angeschlossen und wurde in Palästina, oder wenigstens in Vorderasienkrank, kam in eine Pflege, in der er einen noch älteren, in die Geheimnisse des Christentums eingeweihten Mönch kennenlernte. Da wurde in ihm viel erregt von Sehnsucht, die tieferen Mysterien des Christentums zu empfinden und zu erkennen. Und eben im Orient starb zunächst dieser Junge Mönch; und er wurde wiedergeboren in unserem Zeitalter, wurde wiedergeboren als eine Persönlichkeit, in der aus diesem früheren Erdenleben diese Kräfte waren und in einer merkwürdigen Weise aufgingen. Wie gesagt, diese Dinge sind natürlich so, daß man spotten kann, allein es ist eben durchaus eine Notwendigkeit, aus der Initiationswissenschaft heraus heute auch über konkrete Dinge zu sprechen. Man wird schon einmal dazu kommen, einzusehen, daß über diese Dinge aus der geistigen Anschauung heraus ebenso historisch gesprochen werden kann, wie von äußeren wissenschaftlichen Tatsachen. Diese Persönlichkeit ist jene, die bekannt ist als die des Kardinal Newman. Verfolgen Sie sein Leben von Jugend auf, sein Wissen, was er gesagt hat, dann werden Sie sehen, wie in ihm eine starke Persönlichkeit lebte, von einem andern Christentum erfüllt, als er es in seiner Umgebung hatte, und warum diese Persönlichkeit heraus wollte aus der intellektualistischen Form des Christentums, warum diese Persönlichkeit von einer andern Bewußtseinsart träumte, welche die ersten Jünger des auferstandenen Christus auf der Erde hatten. Wenn Sie dann dies Leben weiter verfolgen und sehen, wie der Kardinal Newman bei seiner Einkleidung den bedeutenden Ausspruch tat: Es gibt keine Rettung für die Religion, wenn nicht eine neue Offenbarung kommt —, wenn Sie dies ins Auge fassen, dann werden Sie dieses Suchen aus einer starken, von früheren Erdenleben kommenden Sehnsucht begreifen. Newman fühlte, was herausdrang von jenen geistigen Kräften, von denen ich im zweiten Teil des Vortrages gesprochen habe, er ahnte, daß man eine neue Initiationswissenschaft durch besondere Entwickelung, und dadurch eine neue geistige Offenbarung erhalten könne. Er kam nicht weiter als zu einem gewissen Traditionalismus in bezug auf seine christliche Auffassung. Ich brauche Ihnen nicht zu erzählen, wozu er gekommen ist, das können Sie ja in Ihrem Lande über den Kardinal Newman nachlesen. Er strebt über den Nebel hinaus nach einem Lichte, während er aber eigentlich in dem Nebel stehenbleibt. Eine tiefere Erkenntnis seines Wesens zeigt uns, daß in ihm eigentlich nicht die Schuld lag, sondern daß er in dieser Beziehung wirklich ein Opfer seiner Zeit war, dessen, was ich hier die ahrimanischen Kräfte genannt habe. Diese wirkten außerordentlich stark auf ihn, wie Attacken, und nahmen seine Denkkraft gefangen, so daß sie sich nicht frei in Spiritualität hineinentwickeln konnte. Derjenige, der aber heute frei sich entwickeln will, muß aus dem Gebundensein an das Gehirn die Denkkraft frei bekommen.

[ 21 ] During one of the later Crusades, a young monk lived in one of the Italian monasteries. He was exceptionally gifted, and he was able to delve deeply into what had been passed down from ancient Christian times—not from Scripture, but from person to person as tradition—and which lived on, particularly in some monasteries. In many a solitary hour, an older monk would tell the younger one about these things, and this young monk had heard much of this sort. He had then joined one of the later Crusades and, having fallen ill in Palestine—or at least in the Near East—was taken into a nursing home, where he met an even older monk who had been initiated into the mysteries of Christianity. This stirred within him a deep longing to perceive and understand the deeper mysteries of Christianity. And it was in the Orient that this young monk first died; and he was reborn in our own age, reborn as a personality in whom these forces from his earlier earthly life were present and manifested in a remarkable way. As I said, these things are, of course, such that one might scoff at them, yet it is absolutely necessary, from the perspective of the science of initiation, to speak today about concrete matters as well. One will eventually come to realize that these matters can be discussed from a spiritual perspective just as historically as external scientific facts. This individual is the one known as Cardinal Newman. If you trace his life from his youth onward, his knowledge, and what he said, and you will see how a strong personality lived within him, imbued with a different kind of Christianity than what he encountered in his surroundings, and why this personality sought to break free from the intellectualistic form of Christianity, why this personality dreamed of a different kind of consciousness—the kind possessed by the first disciples of the risen Christ on earth. If you then continue to trace this life and see how Cardinal Newman, upon his investiture, made the significant statement: “There is no salvation for religion unless a new revelation comes”—if you take this to heart, then you will understand this search as stemming from a strong longing arising from previous earthly lives. Newman sensed what was emerging from those spiritual forces I spoke of in the second part of the lecture; he intuited that a new science of initiation could be attained through special development, and thereby a new spiritual revelation. He did not go beyond a certain traditionalism with regard to his Christian view. I need not tell you what he came to; you can read about Cardinal Newman in your own country. He strives beyond the mist toward a light, yet in reality he remains standing within the mist. A deeper understanding of his nature shows us that the fault did not actually lie with him, but that in this regard he was truly a victim of his time—of what I have called here the Ahrimanic forces. These forces acted upon him with extraordinary intensity, like attacks, and held his power of thought captive, so that it could not develop freely into spirituality. But anyone who wants to develop freely today must free their power of thought from its bondage to the brain.

[ 22 ] Ahriman erreicht seine großen Erfolge dadurch, daß er die zweite Hälfte des menschlichen Lebens vom Tode bis zu einer neuen Geburt verkürzt. Nicht wahr, es verfließt ja eine gewisse Zeit vom Tode bis zu einer neuen Geburt. Diese Zeit, die in meinen Mysterienspielen dargestellt ist, sie besteht aus zwei Hälften. Das, was nach demjenigen verläuft, was ich die kosmische Mitternacht genannt habe, ist die zweite Hälfte. Diese zweite Hälfte, von der Mitte bis zu einer neuen Geburt hin, sucht Ahriman [für den Menschen] abzukürzen. Dadurch ergreift er mit einer starken Hast, mit einer starken Energie das menschliche Gehirn mit seiner Denkkraft. Er hakt sich gewissermaßen in das Gehirn hinein. Ahriman sucht die Menschen immer mehr an die Erde zu bannen. Das ist die Art, wie ahrimanische Kräfte immer mehr an den Menschen wirken, wie sie die Denkkraft immer mehr hereinbringen wollen in das Erdenleben in bezug auf die geistige Welt: die Menschen kommen ein bis zwei Jahrhunderte zu früh. Das ist aber dasjenige, was durch eine starke Energie überwunden werden muß. Eben in der Zeit, wo Kardinal Newman noch am Ruder war, konnte er trotz seiner starken Energie nicht dazu kommen, die Denkkraft genügend frei zu bekommen, sonst hätte er nicht von etwas gesprochen, was da kommen muß, sonst hätte er die Bahn zu einer neuen Offenbarung selbst gefunden. Von einer solchen Persönlichkeit muß man sprechen, wenn man hinweisen will auf dasjenige, was die Menschen zu einem neuen Leben bringen will, wenn man von Spiritualität sprechen will. Denn diese Spiritualität wird in der Weise, wie ich es angedeutet habe, das Mysterium von Golgatha wiederum den Menschen verständlich machen, daß sie es mit ihrer ganzen Menschlichkeit durchdringen können, so daß es im tiefsten Innern leben kann. Ich wollte hier diesen Kardinal Newman als Beispiel anführen, aber an diesen tragischen Persönlichkeiten soll man studieren, was nötig ist. Und vieles in dieser Richtung ist gerade in diesem Lande zu studieren. Daher sollte es auch in diesem Lande begriffen werden, daß eine innere Notwendigkeit vorliegt, jenes spirituelle Leben, aus dem Kardinal Newman herausgerissen wurde durch ahrimanische Kräfte, jenes spirituelle Leben und jene spirituelle Erkenntnis wieder verständlich zu machen für die Menschheit, damit diese Zivilisation gerettet werde vor dem Untergang.

[ 22 ] Ahriman achieves his great successes by shortening the second half of human life—from death to a new birth. After all, a certain amount of time does elapse between death and a new birth. This time, which is depicted in my Mystery Plays, consists of two halves. The period following what I have called “cosmic midnight” is the second half. Ahriman seeks to shorten this second half—from the midpoint to a new birth—[for human beings]. In this way, he seizes the human brain with its power of thought with great haste and intense energy. He latches onto the brain, so to speak. Ahriman seeks to bind human beings ever more closely to the earth. This is the way in which Ahrimanic forces increasingly affect human beings, seeking to draw the power of thought ever more deeply into earthly life in relation to the spiritual world: human beings arrive one or two centuries too early. But this is precisely what must be overcome through a powerful energy. Precisely during the time when Cardinal Newman was still at the helm, he was unable—despite his strong energy—to free his power of thought sufficiently; otherwise, he would not have spoken of something that must come, and otherwise he would have found the path to a new revelation himself. One must speak of such a personality when one wishes to point to that which seeks to lead people to a new life, when one wishes to speak of spirituality. For this spirituality, as I have indicated, will once again make the Mystery of Golgotha comprehensible to people in such a way that they can penetrate it with their whole humanity, so that it can live in their innermost being. I wanted to cite Cardinal Newman as an example here, but one should study these tragic figures to understand what is necessary. And much in this regard needs to be studied in this very country. Therefore, it should also be understood in this country that there is an inner necessity to make that spiritual life—from which Cardinal Newman was torn away by Ahrimanic forces—and that spiritual knowledge comprehensible once more to humanity, so that this civilization may be saved from ruin.

[ 23 ] Und es darf ja gesagt werden: Aus der Einsicht in solche konkrete Zusammenhänge, wenn man diese Zusammenhänge erkennt, geht das Ideal hervor, soviel als möglich zu tun zur Verbreitung des spirituellen Lebens der Menschheit. Das ist die einzige Möglichkeit. Seien wir uns aber des einen bewußt: daß die ahrimanischen Kräfte sehr stark sind. Dasjenige aber, was durch Anthroposophie Zeugnis ablegen will, hat sehr starke Feinde, die von den ahrimanischen Mächten inspiriert sind. Immer stärker und stärker werden diese Kräfte! Das möchte ich Ihnen gerade am heutigen Tage sagen, damit Sie sich nicht verwundern, wenn das, was als anthroposophische Bewegung in die Welt treten will, mit furchtbaren feindlichen Kräften immer mehr und mehr zu kämpfen haben wird. Gewissermaßen muß es ein wirkliches Ergebnis dessen werden, daß wir einsehen, was mit diesen anthroposophischen Bestrebungen gewollt wird, daß wir ein waches Auge auch haben für die furchtbar verleumderischen oder sonstige Attacken ausführenden Feinde, die nicht aufkommen lassen wollen diese Bewegung. Aber wie stark sie auch sein mögen, so stark muß auch sein die Kraft im Menschen durch das Positive seiner eigenen Energie. Es ist notwendig, die anthroposophische Weltanschauung in ehrlicher und klarer Weise zu verbreiten, wenn das auch so vor die Welt gestellt werden wird, daß viele nicht an dasjenige glauben werden, was gerade durch die anthroposophische Bewegung gepflegt sein will.

[ 23 ] And it must be said: From an understanding of such concrete connections—when one recognizes these connections—arises the ideal of doing as much as possible to spread spiritual life among humanity. That is the only possibility. But let us be aware of one thing: that the Ahrimanic forces are very strong. But that which seeks to bear witness through anthroposophy has very powerful enemies who are inspired by the Ahrimanic forces. These forces are growing stronger and stronger! I would like to say this to you especially today, so that you will not be surprised when what seeks to emerge into the world as the anthroposophical movement will have to contend more and more with terrible hostile forces. In a sense, it must become a real outcome of our understanding what is intended with these anthroposophical endeavors—that we also keep a watchful eye on the enemies who carry out terrible slanderous or other attacks, who do not want to allow this movement to emerge. But no matter how strong they may be, the strength within human beings must be just as strong through the positive power of their own energy. It is necessary to spread the anthroposophical worldview in an honest and clear manner, even if this means presenting it to the world in such a way that many will not believe in what the anthroposophical movement seeks to cultivate.

[ 24 ] Und so möchte ich, daß sich doch viele finden, welche die Kraft in sich beleben, trotz der Entstellungen und Verfinsterungen, die eintreten werden gegenüber dem, was gerade die anthroposophische Bewegung will, gerade durch das Ergreifen ihres Positiven fortzuschreiten in bezug auf die Geltendmachung dieser Spiritualität vor der Welt. Und das heißt zu gleicher Zeit erkennen, daß sie eine Notwendigkeit für die Entwickelung der Menschheit ist.

[ 24 ] And so I hope that many will be found who can draw upon their inner strength—despite the distortions and obscurations that will arise in opposition to what the anthroposophical movement specifically aims for—to move forward, precisely by embracing its positive aspects, in order to assert this spirituality before the world. And that means, at the same time, recognizing that it is a necessity for the development of humanity.

[ 25 ] Wenn wir uns in dem gegenseitigen Verständnis in bezug auf diesen innersten Charakter des anthroposophischen Wesens und seiner Bedeutung für unsere Zeit treffen, wenn wir uns darin in bezug auf das gegenseitige Verständnis etwas nähergekommen sind, dann hat uns dieses Zusammensein, auf das wir warten mußten durch den Lauf der Zeit, diejenigen Früchte getragen, die wenigstens ich für meine Seele als die schönsten Früchte ansehen möchte. Und im Geiste dieser Früchte, und im Gedanken an dieses gegenwärtige Verständnis wollen wir, auch wenn wir räumlich auseinandergehen, seelisch zusammen bleiben.

[ 25 ] When we find common ground in our mutual understanding of this innermost character of the anthroposophical being and its significance for our time, when we have drawn a little closer to one another in this mutual understanding, then this gathering—for which we had to wait as time passed—has borne fruits that I, at least, would like to regard as the most beautiful fruits for my soul. And in the spirit of these fruits, and in the thought of this present understanding, let us remain united in spirit, even as we go our separate ways physically.