The Secret of the Trinity
GA 214
23 July 1922, Dornach
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Das Geheimnis der Trinität
Erster Vortrag
Erster Vortrag
[ 1 ] Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß das Geistesleben der ersten vier christlichen Jahrhunderte im Grunde genommen ganz verschüttet ist, daß alles, was heute verzeichnet wird über die Anschauungen, über die Erkenntnisse der Menschen, die zur Zeit des Mysteriums von Golgatha gelebt haben und die auch noch in den vier nachfolgenden Jahrhunderten lebten, im Grunde genommen doch nur durch die Schriften der Gegner auf die Nachwelt gekommen ist; so daß schon der rückschauende Blick des Geistesforschers notwendig ist, um ein genaueres Bild von dem zu entwerfen, was in diesen ersten vier christlichen Jahrhunderten sich zugetragen hat. Und ich habe ja auch in der letzten Zeit versucht, mit einigen Strichen das Bild Julians des Abtrünnigen zu zeichnen.
[ 1 ] Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß das Geistesleben der ersten vier christlichen Jahrhunderte im Grunde genommen ganz verschüttet ist, daß alles, was heute verzeichnet wird über die Anschauungen, über die Erkenntnisse der Menschen, die zur Zeit des Mysteriums von Golgatha gelebt haben und die auch noch in den vier nachfolgenden Jahrhunderten lebten, im Grunde genommen doch nur durch die Schriften der Gegner auf die Nachwelt gekommen ist; so daß schon der rückschauende Blick des Geistesforschers notwendig ist, um ein genaueres Bild von dem zu entwerfen, was in diesen ersten vier christlichen Jahrhunderten sich zugetragen hat. Und ich habe ja auch in der letzten Zeit versucht, mit einigen Strichen das Bild Julians des Abtrünnigen zu zeichnen.
[ 2 ] Nun aber können wir nicht sagen, daß nach den gewöhnlichen Geschichtsdarstellungen die folgenden Jahrhunderte in einer klareren Weise vor dem Menschen der Gegenwart stehen. Vom 5. bis etwa ins 12., 13., 14. Jahrhundert hinein bleibt eigentlich das, was man nennen könnte das Seelenleben der europäischen Bevölkerung, nach den gebräuchlichen geschichtlichen Darstellungen durchaus unklar. Was ist denn im Grunde genommen in diesen gebräuchlichen geschichtlichen Darstellungen da? Und was ist denn selbst dann da, wenn man auf die Dichtungen federflinker sogenannter Dramatiker oder Dichter, etwa vom Schlage des Herrn von Wildenbruch sieht, die in ihren Dichtungen im wesentlichen zu äußerlichen Popanzen die verschiedenen Familiengeschichten von Ludwig dem Frommen oder ähnlichen Menschen ausstaffierten, die dann als Geschichte fortgetragen werden?
[ 2 ] Nun aber können wir nicht sagen, daß nach den gewöhnlichen Geschichtsdarstellungen die folgenden Jahrhunderte in einer klareren Weise vor dem Menschen der Gegenwart stehen. Vom 5. bis etwa ins 12., 13., 14. Jahrhundert hinein bleibt eigentlich das, was man nennen könnte das Seelenleben der europäischen Bevölkerung, nach den gebräuchlichen geschichtlichen Darstellungen durchaus unklar. Was ist denn im Grunde genommen in diesen gebräuchlichen geschichtlichen Darstellungen da? Und was ist denn selbst dann da, wenn man auf die Dichtungen federflinker sogenannter Dramatiker oder Dichter, etwa vom Schlage des Herrn von Wildenbruch sieht, die in ihren Dichtungen im wesentlichen zu äußerlichen Popanzen die verschiedenen Familiengeschichten von Ludwig dem Frommen oder ähnlichen Menschen ausstaffierten, die dann als Geschichte fortgetragen werden?
[ 3 ] Dennoch ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, einmal einen Blick in die Wahrheit des europäischen Lebens zu werfen für diejenigen Zeiten, aus denen ja noch so vieles in der Gegenwart stammt, und die man im Grunde doch, namentlich in bezug auf das Seelenleben der europäischen Bevölkerung, verstehen muß, wenn man überhaupt irgend etwas von den tieferen Kulturströmungen auch der späteren Zeit verstehen will. Und da möchte ich zunächst von etwas ausgehen, was ja vielen von Ihnen ein wenig fern liegen wird, was aber doch heute auch nur im geisteswissenschaftlichen Lichte richtig betrachtet werden kann und deshalb eben hierher gehört.
[ 3 ] Dennoch ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, einmal einen Blick in die Wahrheit des europäischen Lebens zu werfen für diejenigen Zeiten, aus denen ja noch so vieles in der Gegenwart stammt, und die man im Grunde doch, namentlich in bezug auf das Seelenleben der europäischen Bevölkerung, verstehen muß, wenn man überhaupt irgend etwas von den tieferen Kulturströmungen auch der späteren Zeit verstehen will. Und da möchte ich zunächst von etwas ausgehen, was ja vielen von Ihnen ein wenig fern liegen wird, was aber doch heute auch nur im geisteswissenschaftlichen Lichte richtig betrachtet werden kann und deshalb eben hierher gehört.
[ 4 ] Sie wissen ja, daß es jetzt so etwas gibt, was man Theologie nennt. Diese Theologie, wie man sie heute anschaut, im Grunde genommen alle heutige Theologie der europäischen Welt, sie ist in ihrer Grundstruktur, in ihrem innerlichen Wesen eigentlich entstanden in der Zeit vom 4., 5. nachchristlichen Jahrhundert, durch die folgenden, recht dunkel bleibenden Jahrhunderte hindurch, bis zum 12., 13. Jahrhundert hin, wo sie dann durch die Scholastik einen gewissen Abschluß gefunden hat. Wenn man nun diese Theologie betrachtet, die sich im Grunde genommen erst in der Zeit nach Augustinus in ihrem eigentlichen Wesen heranbildet — denn Augustinus kann mit Hilfe dieser Theologie nicht oder höchstens noch eben verstanden werden, während alles vorhergehende, was zum Beispiel auch über das Mysterium von Golgatha vorgebracht wurde, nicht mehr verstanden werden kann mit dieser Theologie —, wenn man auf das Wesen dieser Theologie hinschaut, die da gerade in den dunkelsten Zeiten des Mittelalters — dunkel für unsere Erkenntnis, für unsere äußere Erkenntnis — entsteht, so muß einem vor allen Dingen klarwerden, wie diese Theologie etwas ganz anderes ist, als etwa die Theologie, oder was man sonst so nennen könnte, vorher war. Was vorher Theologie war, ist ja eigentlich nur, ich möchte sagen, wie eine Erbschaft hineinverpflanzt in die Zeiten, in denen dann die Theologie, wie ich sie jetzt charakterisiert habe, entstand. Und Sie können einen Eindruck gewinnen, wie vorher dasjenige ausgesehen hat, was dann zur Theologie geworden ist, wenn Sie nur den kurzen Aufsatz lesen, den Sie in der dieswöchentlichen Nummer des «Goetheanum» über Dionysius den Areopagiten finden, der ja auch noch eine Fortsetzung in einer der nächsten Nummern finden wird. Da finden Sie eben dargestellt die ganz andere Art, sich zu der Welt zu stellen in den ersten christlichen Jahrhunderten, als es später, sagen wir, etwa in der Zeit des 9., 10. Jahrhunderts und in den folgenden Jahrhunderten der Fall war.
[ 4 ] Sie wissen ja, daß es jetzt so etwas gibt, was man Theologie nennt. Diese Theologie, wie man sie heute anschaut, im Grunde genommen alle heutige Theologie der europäischen Welt, sie ist in ihrer Grundstruktur, in ihrem innerlichen Wesen eigentlich entstanden in der Zeit vom 4., 5. nachchristlichen Jahrhundert, durch die folgenden, recht dunkel bleibenden Jahrhunderte hindurch, bis zum 12., 13. Jahrhundert hin, wo sie dann durch die Scholastik einen gewissen Abschluß gefunden hat. Wenn man nun diese Theologie betrachtet, die sich im Grunde genommen erst in der Zeit nach Augustinus in ihrem eigentlichen Wesen heranbildet — denn Augustinus kann mit Hilfe dieser Theologie nicht oder höchstens noch eben verstanden werden, während alles vorhergehende, was zum Beispiel auch über das Mysterium von Golgatha vorgebracht wurde, nicht mehr verstanden werden kann mit dieser Theologie —, wenn man auf das Wesen dieser Theologie hinschaut, die da gerade in den dunkelsten Zeiten des Mittelalters — dunkel für unsere Erkenntnis, für unsere äußere Erkenntnis — entsteht, so muß einem vor allen Dingen klarwerden, wie diese Theologie etwas ganz anderes ist, als etwa die Theologie, oder was man sonst so nennen könnte, vorher war. Was vorher Theologie war, ist ja eigentlich nur, ich möchte sagen, wie eine Erbschaft hineinverpflanzt in die Zeiten, in denen dann die Theologie, wie ich sie jetzt charakterisiert habe, entstand. Und Sie können einen Eindruck gewinnen, wie vorher dasjenige ausgesehen hat, was dann zur Theologie geworden ist, wenn Sie nur den kurzen Aufsatz lesen, den Sie in der dieswöchentlichen Nummer des «Goetheanum» über Dionysius den Areopagiten finden, der ja auch noch eine Fortsetzung in einer der nächsten Nummern finden wird. Da finden Sie eben dargestellt die ganz andere Art, sich zu der Welt zu stellen in den ersten christlichen Jahrhunderten, als es später, sagen wir, etwa in der Zeit des 9., 10. Jahrhunderts und in den folgenden Jahrhunderten der Fall war.
[ 5 ] Wenn man in einer skizzenhaften Weise den ganzen Gegensatz nennen wir es jetzt der alten Theologie — der Theologie, wie sie sich in einem Spätprodukt, möchte man sagen, in Dionysius dem Areopagiten sogar ausspricht, zu der späteren neuen Theologie charakterisieren wollte, so müßte man sagen: Die ältere Theologie hat alles, was sich auf die geistige Welt bezieht, wie von innen angesehen, wie durch einen direkten Hinblick auf das, was in den geistigen Welten vorgeht. Wenn man Einblick gewinnen will, wie diese ältere Theologie gedacht hat, wie sie innerlich seelisch angeschaut hat, so kann man das eigentlich nur wiederum mit den Methoden der heutigen anthroposophischen Geisteswissenschaft suchen. Da kann man auf folgendes kommen. Ich habe gestern schon von einem anderen Gesichtspunkte ähnliche Sachen charakterisiert.
[ 5 ] Wenn man in einer skizzenhaften Weise den ganzen Gegensatz nennen wir es jetzt der alten Theologie — der Theologie, wie sie sich in einem Spätprodukt, möchte man sagen, in Dionysius dem Areopagiten sogar ausspricht, zu der späteren neuen Theologie charakterisieren wollte, so müßte man sagen: Die ältere Theologie hat alles, was sich auf die geistige Welt bezieht, wie von innen angesehen, wie durch einen direkten Hinblick auf das, was in den geistigen Welten vorgeht. Wenn man Einblick gewinnen will, wie diese ältere Theologie gedacht hat, wie sie innerlich seelisch angeschaut hat, so kann man das eigentlich nur wiederum mit den Methoden der heutigen anthroposophischen Geisteswissenschaft suchen. Da kann man auf folgendes kommen. Ich habe gestern schon von einem anderen Gesichtspunkte ähnliche Sachen charakterisiert.
[ 6 ] Wenn man zur imaginativen Erkenntnis aufsteigt, so merkt man immer mehr und mehr, daß man mit diesem ganzen Vorgang des Aufsteigens zur imaginativen Erkenntnis in geistigen Vorgängen drinnen schwebt. Dieses Drinnenschweben mit seinem ganzen Seelenleben während des Aufsteigens zur imaginativen Erkenntnis, das stellt sich einem so dar, als ob man in Berührung käme mit Wesenheiten, die nicht auf dem physischen Plane leben. Die Anschauung der Sinnesorgane hört auf, und man erfährt, daß gewissermaßen alles, was sinnliche Anschauung ist, entschwindet. Aber der ganze Vorgang stellt sich einem so dar, als ob einem dabei Wesenheiten einer höheren Welt helfen würden, und man kommt darauf, daß man diese Wesenheiten als dieselben aufzufassen hat, welche in der älteren Theologie als die Angeloi, Archangeloi und Archai angesehen werden. Also ich könnte sagen, diese Wesenheiten helfen einem, um hinaufzudringen zu der imaginativen Erkenntnis. Dann teilt sich, wie sich Wolken auseinanderteilen, die Sinneswelt auseinander, und man schaut hinter die Sinneswelt. Und hinter der Sinneswelt tut sich dann auf dasjenige, was man Inspiration nennen kann; hinter dieser Sinneswelt offenbart sich dann die zweite Hierarchie, die Hierarchie der Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Diese ordnenden schöpferischen Wesenheiten, die stellen sich vor der inspirierten Erkenntnis der Seele dar. Und wenn dann ein weiteres Ansteigen erfolgt zur Intuition, dann kommt die erste Hierarchie, die Throne, Cherubim, Seraphim. Das sind Möglichkeiten, um jetzt wiederum durch unmittelbare geistige Schulung darauf zu kommen, was mit solchen Bezeichnungen, wie erste, zweite, dritte Hierarchie, bei älteren Theologien eigentlich gemeint war.
[ 6 ] Wenn man zur imaginativen Erkenntnis aufsteigt, so merkt man immer mehr und mehr, daß man mit diesem ganzen Vorgang des Aufsteigens zur imaginativen Erkenntnis in geistigen Vorgängen drinnen schwebt. Dieses Drinnenschweben mit seinem ganzen Seelenleben während des Aufsteigens zur imaginativen Erkenntnis, das stellt sich einem so dar, als ob man in Berührung käme mit Wesenheiten, die nicht auf dem physischen Plane leben. Die Anschauung der Sinnesorgane hört auf, und man erfährt, daß gewissermaßen alles, was sinnliche Anschauung ist, entschwindet. Aber der ganze Vorgang stellt sich einem so dar, als ob einem dabei Wesenheiten einer höheren Welt helfen würden, und man kommt darauf, daß man diese Wesenheiten als dieselben aufzufassen hat, welche in der älteren Theologie als die Angeloi, Archangeloi und Archai angesehen werden. Also ich könnte sagen, diese Wesenheiten helfen einem, um hinaufzudringen zu der imaginativen Erkenntnis. Dann teilt sich, wie sich Wolken auseinanderteilen, die Sinneswelt auseinander, und man schaut hinter die Sinneswelt. Und hinter der Sinneswelt tut sich dann auf dasjenige, was man Inspiration nennen kann; hinter dieser Sinneswelt offenbart sich dann die zweite Hierarchie, die Hierarchie der Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Diese ordnenden schöpferischen Wesenheiten, die stellen sich vor der inspirierten Erkenntnis der Seele dar. Und wenn dann ein weiteres Ansteigen erfolgt zur Intuition, dann kommt die erste Hierarchie, die Throne, Cherubim, Seraphim. Das sind Möglichkeiten, um jetzt wiederum durch unmittelbare geistige Schulung darauf zu kommen, was mit solchen Bezeichnungen, wie erste, zweite, dritte Hierarchie, bei älteren Theologien eigentlich gemeint war.
[ 7 ] Nun, gerade wenn man noch auf die ja zum größten Teile ausgerottete Theologie der ersten christlichen Jahrhunderte hinblickt, dann bemerkt man, daß sie in einer gewissen Beziehung noch etwas davon hat, daß eigentlich der Mensch, wenn er seine Sinne nach der gewöhnlichen sinnlichen Außenwelt richtet, zwar die Dinge sieht und an sie glauben muß, aber sie nicht erkennt. Es ist ein ganz bestimmtes Bewußtsein in dieser älteren Theologie vorhanden: das Bewußtsein, daß man erst etwas erlebt haben muß in der geistigen Welt, und daß mit dem, was man in der geistigen Welt erlebt hat, sich erst die Begriffe ergeben, mit denen man dann herangehen kann an die Sinneswelt und gewissermaßen die Sinneswelt mit diesen aus der geistigen Welt gewonnenen Ideen beleuchten kann. Dann erst wird etwas aus der Sinneswelt.
[ 7 ] Nun, gerade wenn man noch auf die ja zum größten Teile ausgerottete Theologie der ersten christlichen Jahrhunderte hinblickt, dann bemerkt man, daß sie in einer gewissen Beziehung noch etwas davon hat, daß eigentlich der Mensch, wenn er seine Sinne nach der gewöhnlichen sinnlichen Außenwelt richtet, zwar die Dinge sieht und an sie glauben muß, aber sie nicht erkennt. Es ist ein ganz bestimmtes Bewußtsein in dieser älteren Theologie vorhanden: das Bewußtsein, daß man erst etwas erlebt haben muß in der geistigen Welt, und daß mit dem, was man in der geistigen Welt erlebt hat, sich erst die Begriffe ergeben, mit denen man dann herangehen kann an die Sinneswelt und gewissermaßen die Sinneswelt mit diesen aus der geistigen Welt gewonnenen Ideen beleuchten kann. Dann erst wird etwas aus der Sinneswelt.
[ 8 ] Das entspricht auch in gewissem Sinne dem, was sich einem älteren, traumhaft atavistischen Hellsehen ergeben hat. Da haben ja auch die Menschen, wenn auch in traumhaften Vorstellungen, in eine geistige Welt zuerst hineingeschaut und haben das, was sie da drinnen erlebt haben, dann auf die Sinnesanschauung angewendet. Diese Menschen wären sich, wenn sie nur die Sinnesanschauung vor sich gehabt hätten, so vorgekommen wie jemand, der in einem finsteren Zimmer steht und kein Licht hat. Wenn sie aber ihre Geistesanschauung, das Ergebnis des reinen Hineinschauens in die Geisteswelt gehabt haben und es anwendeten auf die Sinneswelt, wenn sie zuerst etwas geschaut haben, sagen wir, von den schöpferischen Kräften der Tierwelt und das dann anwendeten auf die äußeren Tiere, dann fühlten sie sich, als wenn sie eben mit einer Lampe in ein finsteres Zimmer treten würden. So fühlten sie sich mit der geistigen Anschauung vor die Sinnesanschauung hintretend und sie beleuchtend. Dadurch wird sie erst erkannt. Das war durchaus das Bewußtsein dieser älteren Theologien. Daher ist die ganze Christologie in den ersten christlichen Jahrhunderten eigentlich immer von innen angeschaut worden. Man hat im Grunde genommen den Vorgang, der sich abgespielt hat, das Herunterkommen des Christus in die irdische Welt, nicht von außen angeschaut, man hat ihn von innen angeschaut, von der geistigen Seite her. Man hat erst den Christus in geistigen Welten aufgesucht und dann verfolgt, wie er heruntergestiegen ist in die physisch-sinnliche Welt. Das ist das Bewußtsein gewesen der älteren Theologie.
[ 8 ] Das entspricht auch in gewissem Sinne dem, was sich einem älteren, traumhaft atavistischen Hellsehen ergeben hat. Da haben ja auch die Menschen, wenn auch in traumhaften Vorstellungen, in eine geistige Welt zuerst hineingeschaut und haben das, was sie da drinnen erlebt haben, dann auf die Sinnesanschauung angewendet. Diese Menschen wären sich, wenn sie nur die Sinnesanschauung vor sich gehabt hätten, so vorgekommen wie jemand, der in einem finsteren Zimmer steht und kein Licht hat. Wenn sie aber ihre Geistesanschauung, das Ergebnis des reinen Hineinschauens in die Geisteswelt gehabt haben und es anwendeten auf die Sinneswelt, wenn sie zuerst etwas geschaut haben, sagen wir, von den schöpferischen Kräften der Tierwelt und das dann anwendeten auf die äußeren Tiere, dann fühlten sie sich, als wenn sie eben mit einer Lampe in ein finsteres Zimmer treten würden. So fühlten sie sich mit der geistigen Anschauung vor die Sinnesanschauung hintretend und sie beleuchtend. Dadurch wird sie erst erkannt. Das war durchaus das Bewußtsein dieser älteren Theologien. Daher ist die ganze Christologie in den ersten christlichen Jahrhunderten eigentlich immer von innen angeschaut worden. Man hat im Grunde genommen den Vorgang, der sich abgespielt hat, das Herunterkommen des Christus in die irdische Welt, nicht von außen angeschaut, man hat ihn von innen angeschaut, von der geistigen Seite her. Man hat erst den Christus in geistigen Welten aufgesucht und dann verfolgt, wie er heruntergestiegen ist in die physisch-sinnliche Welt. Das ist das Bewußtsein gewesen der älteren Theologie.
[ 9 ] Nun trat als Ereignis dieses ein: Die römische Welt, nach der sich als am weitesten nach Westen der christliche Impuls fortschob, war in ihrer geistigen Auffassung durchsetzt von der Neigung, von dem Hang für das Abstrakte und dafür, das, was Anschauungen waren, in abstrakte Begriffe zu bringen. Diese römische Welt war aber eigentlich, während das Christentum sich nach und nach gegen Westen schob, am Zugrundegehen, in Fäulnis. Und die nordischen Völker drangen vom Osten Europas herüber gegen Westen und gegen Süden vor. Nun ist es ein Eigentümliches, daß, während auf der einen Seite das römische Wesen in Fäulnis übergeht und die frischen Völker vom Norden herankommen, sich jenes Kollegium bildet auf der italienischen Halbinsel, von dem ich schon in diesen Zeiten hier gesprochen habe, das eigentlich sich zur Aufgabe setzte, alle Ereignisse dazu zu benützen, um die alten Anschauungen mit Stumpf und Stiel auszurotten und nur diejenigen Schriften auf die Nachwelt kommen zu lassen, die diesem Kollegium bequem waren.
[ 9 ] Nun trat als Ereignis dieses ein: Die römische Welt, nach der sich als am weitesten nach Westen der christliche Impuls fortschob, war in ihrer geistigen Auffassung durchsetzt von der Neigung, von dem Hang für das Abstrakte und dafür, das, was Anschauungen waren, in abstrakte Begriffe zu bringen. Diese römische Welt war aber eigentlich, während das Christentum sich nach und nach gegen Westen schob, am Zugrundegehen, in Fäulnis. Und die nordischen Völker drangen vom Osten Europas herüber gegen Westen und gegen Süden vor. Nun ist es ein Eigentümliches, daß, während auf der einen Seite das römische Wesen in Fäulnis übergeht und die frischen Völker vom Norden herankommen, sich jenes Kollegium bildet auf der italienischen Halbinsel, von dem ich schon in diesen Zeiten hier gesprochen habe, das eigentlich sich zur Aufgabe setzte, alle Ereignisse dazu zu benützen, um die alten Anschauungen mit Stumpf und Stiel auszurotten und nur diejenigen Schriften auf die Nachwelt kommen zu lassen, die diesem Kollegium bequem waren.
[ 10 ] Über diesen Vorgang berichtet ja die Geschichte eigentlich gar nichts, und dennoch ist es ein realer Vorgang. Würde eine geschichtliche Darstellung davon vorhanden sein, so würde man eben einfach hinweisen auf jenes Kollegium, das sich als ein Erbe des römischen Pontifexkollegiums in Italien gebildet hat, das gründlich aufgeräumt hat mit allem, was ihm nicht genehm war, und das andere modifiziert und der Nachwelt übergeben hat. Geradeso wie man in Rom in bezug auf die nationalökonomischen Vorgänge das Testament erfunden hat, um hinauswirken zu lassen über den einzelnen menschlichen Willen dasjenige, über das der Wille verfügt, so entstand in diesem Kollegium der Trieb, das römische Wesen als bloße Erbschaft, eben als bloße Summe von Dogmen fortleben zu lassen in der folgenden Zeit der geschichtlichen Entwickelung durch viele Generationen hindurch. Solange als möglich soll nicht irgendwie Neues in der geistigen Welt erschaut werden, so hat dieses Kollegium gesagt. Das Initiationsprinzip soll mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Was wir jetzt modifizieren, das soll als Schrifttum auf die Nachwelt übergehen.
[ 10 ] Über diesen Vorgang berichtet ja die Geschichte eigentlich gar nichts, und dennoch ist es ein realer Vorgang. Würde eine geschichtliche Darstellung davon vorhanden sein, so würde man eben einfach hinweisen auf jenes Kollegium, das sich als ein Erbe des römischen Pontifexkollegiums in Italien gebildet hat, das gründlich aufgeräumt hat mit allem, was ihm nicht genehm war, und das andere modifiziert und der Nachwelt übergeben hat. Geradeso wie man in Rom in bezug auf die nationalökonomischen Vorgänge das Testament erfunden hat, um hinauswirken zu lassen über den einzelnen menschlichen Willen dasjenige, über das der Wille verfügt, so entstand in diesem Kollegium der Trieb, das römische Wesen als bloße Erbschaft, eben als bloße Summe von Dogmen fortleben zu lassen in der folgenden Zeit der geschichtlichen Entwickelung durch viele Generationen hindurch. Solange als möglich soll nicht irgendwie Neues in der geistigen Welt erschaut werden, so hat dieses Kollegium gesagt. Das Initiationsprinzip soll mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Was wir jetzt modifizieren, das soll als Schrifttum auf die Nachwelt übergehen.
[ 11 ] Würde man es trocken darstellen, so müßte es in dieser Tatsächlichkeit dargestellt werden. Und dem Christentum hätten noch ganz andere Schicksale geblüht, es wäre vollständig erstarrt, wenn eben nicht die nordischen Völker gekommen wären und sich hineingeschoben hätten, sowohl nach Westen hin wie auch nach dem Süden hin. Denn diese Völker brachten sich eine gewisse Naturanlage mit, die ganz anders war als die Anlage der südlichen, der griechischen und der römischen Völker.
[ 11 ] Würde man es trocken darstellen, so müßte es in dieser Tatsächlichkeit dargestellt werden. Und dem Christentum hätten noch ganz andere Schicksale geblüht, es wäre vollständig erstarrt, wenn eben nicht die nordischen Völker gekommen wären und sich hineingeschoben hätten, sowohl nach Westen hin wie auch nach dem Süden hin. Denn diese Völker brachten sich eine gewisse Naturanlage mit, die ganz anders war als die Anlage der südlichen, der griechischen und der römischen Völker.
[ 12 ] Die Anlage der südlichen Völker war immerhin, wenigstens in älteren Zeiten — bei den Römern wenig, bei den Griechen aber stark — dahingehend, daß sich aus der Gesamtheit der Völker immer einzelne Individuen herausentwickelten, die die Initiation durchmachten und in die geistige Welt hineinschauen konnten; so daß dann solche Theologien entstehen konnten, die eine unmittelbare Anschauung der geistigen Welt waren, wie sie dann in ihrer letzten Phase in der Theologie des Dionysius Areopagita erhalten ist.
[ 12 ] Die Anlage der südlichen Völker war immerhin, wenigstens in älteren Zeiten — bei den Römern wenig, bei den Griechen aber stark — dahingehend, daß sich aus der Gesamtheit der Völker immer einzelne Individuen herausentwickelten, die die Initiation durchmachten und in die geistige Welt hineinschauen konnten; so daß dann solche Theologien entstehen konnten, die eine unmittelbare Anschauung der geistigen Welt waren, wie sie dann in ihrer letzten Phase in der Theologie des Dionysius Areopagita erhalten ist.
[ 13 ] Aber die von Norden herunterkommenden Völker hatten zunächst nichts von diesem Triebe, der, wie gesagt, bei den Griechen sehr stark war. Sie hatten aber etwas anderes, diese nordischen Völker. Um aber recht zu verstehen, was da nun in den folgenden Zeiten gerade durch die nordischen Völker, durch die gotischen, germanischen Völker, durch die Angelsachsen, Franken und so weiter, in die europäische Entwickelung hineinkam, muß man sich das Folgende vor die Seele führen.
[ 13 ] Aber die von Norden herunterkommenden Völker hatten zunächst nichts von diesem Triebe, der, wie gesagt, bei den Griechen sehr stark war. Sie hatten aber etwas anderes, diese nordischen Völker. Um aber recht zu verstehen, was da nun in den folgenden Zeiten gerade durch die nordischen Völker, durch die gotischen, germanischen Völker, durch die Angelsachsen, Franken und so weiter, in die europäische Entwickelung hineinkam, muß man sich das Folgende vor die Seele führen.
[ 14 ] Geschichtlich sind ja darüber keine Nachrichten vorhanden, aber geisteswissenschaftlich kann man so etwas finden. Nehmen wir einen älteren Theologen, kurze Zeit — etwa im 1., 2. Jahrhundert — nach dem Mysterium von Golgatha, einen derjenigen Theologen, die noch geschöpft haben aus der alten Initiationswissenschaft. Wenn der hätte darstellen wollen, was der Nerv, ich möchte sagen, die Prinzipien seiner Theologie waren, so würde er gesagt haben: Erst muß der Mensch, um überhaupt eine Beziehung zur geistigen Welt zu haben, entweder direkt, unmittelbar durch seine eigene Initiation oder als Schüler von Initiierten sich Kenntnis verschaffen von der geistigen Welt. Dann, wenn er in der geistigen Welt die Begriffe und Ideen gewonnen hat, kann er diese Begriffe und Ideen auf die Sinneswelt anwenden.
[ 14 ] Geschichtlich sind ja darüber keine Nachrichten vorhanden, aber geisteswissenschaftlich kann man so etwas finden. Nehmen wir einen älteren Theologen, kurze Zeit — etwa im 1., 2. Jahrhundert — nach dem Mysterium von Golgatha, einen derjenigen Theologen, die noch geschöpft haben aus der alten Initiationswissenschaft. Wenn der hätte darstellen wollen, was der Nerv, ich möchte sagen, die Prinzipien seiner Theologie waren, so würde er gesagt haben: Erst muß der Mensch, um überhaupt eine Beziehung zur geistigen Welt zu haben, entweder direkt, unmittelbar durch seine eigene Initiation oder als Schüler von Initiierten sich Kenntnis verschaffen von der geistigen Welt. Dann, wenn er in der geistigen Welt die Begriffe und Ideen gewonnen hat, kann er diese Begriffe und Ideen auf die Sinneswelt anwenden.
[ 15 ] Bitte, halten Sie das recht gut fest. Die Begriffe und Ideen hat diese ältere Theologie gesucht zuerst durch unmittelbares Eindringen in die geistige Welt. Dann, nahm sie an, kann man die aus der geistigen Welt geschöpften Begriffe und Ideen auf die Sinneswelt anwenden. Das waren etwa die abstrakten Prinzipien eines solchen älteren 'Theologen.
[ 15 ] Bitte, halten Sie das recht gut fest. Die Begriffe und Ideen hat diese ältere Theologie gesucht zuerst durch unmittelbares Eindringen in die geistige Welt. Dann, nahm sie an, kann man die aus der geistigen Welt geschöpften Begriffe und Ideen auf die Sinneswelt anwenden. Das waren etwa die abstrakten Prinzipien eines solchen älteren 'Theologen.
[ 16 ] Nun waren die Anlagen der gotischen, der germanischen Völker nicht so, daß eine solche theologische Stimmung unmittelbar hätte heraufkommen können; denn diese theologische Stimmung war ja ganz darauf veranlagt, innerlich die Vorgänge zu sehen, die in der Welt zu sehen sind, das Geistige eben zuerst zu sehen und sich zuzugeben, daß das Sinnliche erst gesehen werden kann, wenn man von dem Geistigen ausgeht. Solch eine Theologie konnte sich ja nur aus dem alten atavistischen Hellsehen heraus als das reifste Produkt ergeben, weil atavistisches Hellsehen ja auch ein innerliches Anschauen, wenn auch von traumhaften Imaginationen, war. Solche Inititerte, die unmittelbar hineinschauten in die geistige Welt, um dann von da aus die Sinneswelt zu überschauen, konnten nach den ganzen Anlagen dieser von Norden herstürmenden Völker innerhalb dieser Völker nicht entstehen. Diese Völker waren auch noch etwas atavistisch hellsehend; sie waren ja eigentlich noch auf einer früheren, primitiveren Stufe der menschheitlichen Entwickelung. Sie hatten noch etwas mitgebracht, diese Goten oder Langobarden und so weiter von dem alten Hellsehen. Aber dieses alte Hellsehen bezog sich durchaus nicht auf innerliches Anschauen, sondern zwar auf ein geistiges Anschauen, aber auf das Hinschauen mehr nach der Außenseite hin. Sie schauten gewissermaßen die geistige Welt von außen an, während die südlichen Völker daraufhin veranlagt waren, die geistige Welt von innen anzuschauen.
[ 16 ] Nun waren die Anlagen der gotischen, der germanischen Völker nicht so, daß eine solche theologische Stimmung unmittelbar hätte heraufkommen können; denn diese theologische Stimmung war ja ganz darauf veranlagt, innerlich die Vorgänge zu sehen, die in der Welt zu sehen sind, das Geistige eben zuerst zu sehen und sich zuzugeben, daß das Sinnliche erst gesehen werden kann, wenn man von dem Geistigen ausgeht. Solch eine Theologie konnte sich ja nur aus dem alten atavistischen Hellsehen heraus als das reifste Produkt ergeben, weil atavistisches Hellsehen ja auch ein innerliches Anschauen, wenn auch von traumhaften Imaginationen, war. Solche Inititerte, die unmittelbar hineinschauten in die geistige Welt, um dann von da aus die Sinneswelt zu überschauen, konnten nach den ganzen Anlagen dieser von Norden herstürmenden Völker innerhalb dieser Völker nicht entstehen. Diese Völker waren auch noch etwas atavistisch hellsehend; sie waren ja eigentlich noch auf einer früheren, primitiveren Stufe der menschheitlichen Entwickelung. Sie hatten noch etwas mitgebracht, diese Goten oder Langobarden und so weiter von dem alten Hellsehen. Aber dieses alte Hellsehen bezog sich durchaus nicht auf innerliches Anschauen, sondern zwar auf ein geistiges Anschauen, aber auf das Hinschauen mehr nach der Außenseite hin. Sie schauten gewissermaßen die geistige Welt von außen an, während die südlichen Völker daraufhin veranlagt waren, die geistige Welt von innen anzuschauen.
[ 17 ] Was heißt das, diese Völker schauten die geistige Welt von außen an? Das heißt, sie sahen zum Beispiel: Ein Mensch ist tapfer in der Schlacht, er stirbt in der Schlacht. Nun war für sie das Leben, indem sie das Äußerliche von diesem Menschen anschauten, nicht zu Ende, sondern sie verfolgten diesen Menschen weiter, wie er sich in die geistige Welt hineinlebte. Aber sie verfolgten nicht nur, wie sich dieser Mensch in die geistige Welt hineinlebte, sondern wie er auch noch immer weiter für die Erdenmenschen tätig war. Und so können diese nordischen Völker sagen: Da ist irgendeiner hingestorben, sei es nach dieser oder jener bedeutenden Tat, nachdem er Führer war eines Volkes oder Volksstammes. Wir schauen seine Seele, wie sie weiterlebt, wie sie, wenn er zum Beispiel ein Krieger war, empfangen wurde von den «Einheriern», oder wie er in einer anderen Weise weiterlebt. Aber eigentlich ist diese Seele, ist dieser Mensch noch da. Er ist da, er lebt weiter. Es ist der Tod nur ein Ereignis, das sich hier auf Erden abgespielt hat. Und das, was nun geradezu verschüttet ist für die Jahrhunderte vom 4., 5. an bis zum 12., 13. Jahrhundert, das ist, daß eigentlich immer die Anschauung vorhanden war: Die Seelen der Menschen, die große Verehrung genossen, sind noch immer auch für die irdischen Menschen gegenwärtig; sie führen sie, wenn sie Schlachten liefern, sogar noch an. Man stellte sich vor: Diese Seelen sind noch vorhanden, sie sind nicht entschwunden für die Irdischen; sie führen in gewissem Sinne mit den Kräften, die ihnen die geistige Welt gibt, die Funktionen ihres Erdenlebens weiter. Es war dieses atavistische Hellsehen der nordischen Völker so, daß sie gewissermaßen hier auf der Erde das Treiben der Menschen sahen, aber unmittelbar darüber eine Art von Schattenwelt hatten. In dieser Schattenwelt waren die Verstorbenen. Man braucht nur hinzuschauen — so hatten es diese Menschen im Gefühl —, dann leben eigentlich diejenigen, die in der vorigen und in der vorvorigen Generation waren, fort, die sind da, mit denen haben wir Gemeinsamkeit; wir brauchen nur hinaufzulauschen, so sind sie da. — Dieses Gefühl, daß die Toten da sind, das war in ungeheurer Stärke vorhanden in der Zeit, welche auf das 4. Jahrhundert folgte, wo sich die nordische Bildung mit der römischen Bildung mischte.
[ 17 ] Was heißt das, diese Völker schauten die geistige Welt von außen an? Das heißt, sie sahen zum Beispiel: Ein Mensch ist tapfer in der Schlacht, er stirbt in der Schlacht. Nun war für sie das Leben, indem sie das Äußerliche von diesem Menschen anschauten, nicht zu Ende, sondern sie verfolgten diesen Menschen weiter, wie er sich in die geistige Welt hineinlebte. Aber sie verfolgten nicht nur, wie sich dieser Mensch in die geistige Welt hineinlebte, sondern wie er auch noch immer weiter für die Erdenmenschen tätig war. Und so können diese nordischen Völker sagen: Da ist irgendeiner hingestorben, sei es nach dieser oder jener bedeutenden Tat, nachdem er Führer war eines Volkes oder Volksstammes. Wir schauen seine Seele, wie sie weiterlebt, wie sie, wenn er zum Beispiel ein Krieger war, empfangen wurde von den «Einheriern», oder wie er in einer anderen Weise weiterlebt. Aber eigentlich ist diese Seele, ist dieser Mensch noch da. Er ist da, er lebt weiter. Es ist der Tod nur ein Ereignis, das sich hier auf Erden abgespielt hat. Und das, was nun geradezu verschüttet ist für die Jahrhunderte vom 4., 5. an bis zum 12., 13. Jahrhundert, das ist, daß eigentlich immer die Anschauung vorhanden war: Die Seelen der Menschen, die große Verehrung genossen, sind noch immer auch für die irdischen Menschen gegenwärtig; sie führen sie, wenn sie Schlachten liefern, sogar noch an. Man stellte sich vor: Diese Seelen sind noch vorhanden, sie sind nicht entschwunden für die Irdischen; sie führen in gewissem Sinne mit den Kräften, die ihnen die geistige Welt gibt, die Funktionen ihres Erdenlebens weiter. Es war dieses atavistische Hellsehen der nordischen Völker so, daß sie gewissermaßen hier auf der Erde das Treiben der Menschen sahen, aber unmittelbar darüber eine Art von Schattenwelt hatten. In dieser Schattenwelt waren die Verstorbenen. Man braucht nur hinzuschauen — so hatten es diese Menschen im Gefühl —, dann leben eigentlich diejenigen, die in der vorigen und in der vorvorigen Generation waren, fort, die sind da, mit denen haben wir Gemeinsamkeit; wir brauchen nur hinaufzulauschen, so sind sie da. — Dieses Gefühl, daß die Toten da sind, das war in ungeheurer Stärke vorhanden in der Zeit, welche auf das 4. Jahrhundert folgte, wo sich die nordische Bildung mit der römischen Bildung mischte.
[ 18 ] Sehen Sie, in diese Anschauung nahmen die nordischen Völker den Christus herein. Sie blickten zuerst auf diese Welt der Toten, die aber eigentlich erst die richtigen Lebendigen waren. Sie sahen über sich schwebend ganze Bevölkerungen von Toten, die aber eigentlich die Lebendigen waren. Hier auf der Erde, unter den in der physischen Welt wandelnden Menschen suchten sie den Christus nicht; aber da suchten sie den Christus, wo diese lebendigen Toten waren, da suchten sie ihn wirklich als über der Erde vorhanden. Und das richtige Gefühl über den «Heliand», der von einem sächsischen Geistlichen gedichtet sein soll, bekommen Sie erst, wenn Sie diese Anschauungen entwickeln. Da begreifen Sie das völlig Konkrete: wie da geschildert wird der Christus unter den Mannen, und so ganz nach deutscher Sitte geschildert wird, wenn Sie verstehen, daß eigentlich das alles halb ins Schattenreich hineinversetzt ist, wo die lebendigen Toten leben. Aber Sie werden viel mehr begreifen, wenn Sie diese Anlage, die sich dann ausbildete durch die Vermischung der nordischen Völker mit dem römischen Volke, richtig ins Auge fassen. Da wird zum Beispiel in der äußeren Literaturgeschichte immer etwas verzeichnet, worüber die Menschen eigentlich nachdenken sollten, nur haben sich ja die Menschen in der Gegenwart das Nachdenkenkönnen über solche Erscheinungen, die gerade als frappierend im geschichtlichen Leben verzeichnet werden, fast ganz abgewöhnt. Da finden Sie zum Beispiel Dichtungen in der Literaturgeschichte verzeichnet, in denen Karl der Große als ein Anführer der Kreuzzüge erwähnt wird. Karl der Große wird einfach geschildert als ein Anführer innerhalb der Kreuzzüge; ja, überhaupt die ganze Zeit von dem 9. Jahrhundert durch die folgenden Jahrhunderte wird Karl der Große überall als ein Lebender geschildert. Die Leute berufen sich überall auf ihn. Er wird so geschildert, als ob er da wäre. Und als die Kreuzzüge herankommen, von denen Sie ja wissen, daß sie Jahrhunderte später stattfanden, da werden Gedichte gemacht, die Karl den Großen so schildern, als wenn er eben mit den Kreuzfahrern gegen die Ungläubigen zöge.
[ 18 ] Sehen Sie, in diese Anschauung nahmen die nordischen Völker den Christus herein. Sie blickten zuerst auf diese Welt der Toten, die aber eigentlich erst die richtigen Lebendigen waren. Sie sahen über sich schwebend ganze Bevölkerungen von Toten, die aber eigentlich die Lebendigen waren. Hier auf der Erde, unter den in der physischen Welt wandelnden Menschen suchten sie den Christus nicht; aber da suchten sie den Christus, wo diese lebendigen Toten waren, da suchten sie ihn wirklich als über der Erde vorhanden. Und das richtige Gefühl über den «Heliand», der von einem sächsischen Geistlichen gedichtet sein soll, bekommen Sie erst, wenn Sie diese Anschauungen entwickeln. Da begreifen Sie das völlig Konkrete: wie da geschildert wird der Christus unter den Mannen, und so ganz nach deutscher Sitte geschildert wird, wenn Sie verstehen, daß eigentlich das alles halb ins Schattenreich hineinversetzt ist, wo die lebendigen Toten leben. Aber Sie werden viel mehr begreifen, wenn Sie diese Anlage, die sich dann ausbildete durch die Vermischung der nordischen Völker mit dem römischen Volke, richtig ins Auge fassen. Da wird zum Beispiel in der äußeren Literaturgeschichte immer etwas verzeichnet, worüber die Menschen eigentlich nachdenken sollten, nur haben sich ja die Menschen in der Gegenwart das Nachdenkenkönnen über solche Erscheinungen, die gerade als frappierend im geschichtlichen Leben verzeichnet werden, fast ganz abgewöhnt. Da finden Sie zum Beispiel Dichtungen in der Literaturgeschichte verzeichnet, in denen Karl der Große als ein Anführer der Kreuzzüge erwähnt wird. Karl der Große wird einfach geschildert als ein Anführer innerhalb der Kreuzzüge; ja, überhaupt die ganze Zeit von dem 9. Jahrhundert durch die folgenden Jahrhunderte wird Karl der Große überall als ein Lebender geschildert. Die Leute berufen sich überall auf ihn. Er wird so geschildert, als ob er da wäre. Und als die Kreuzzüge herankommen, von denen Sie ja wissen, daß sie Jahrhunderte später stattfanden, da werden Gedichte gemacht, die Karl den Großen so schildern, als wenn er eben mit den Kreuzfahrern gegen die Ungläubigen zöge.
[ 19 ] Was da zugrunde liegt, das kann nur verstanden werden, wenn man eben weiß, daß in diesen sogenannten dunklen Jahrhunderten des Mittelalters, deren wahre Geschichte ganz ausgelöscht ist, vorhanden war dieses Bewußtsein von der lebendigen toten Schar, die da als Schatten fortlebt. Karl den Großen haben die Leute erst später in den Untersberg hineinversetzt. Nach längerer Zeit, als eben der Geist des Intellektualismus so stark war, daß dieses Schattenleben aufgehört hat, da haben sie ihn in den Untersberg oder den Barbarossa in den Kyffhäuserberg hineinversetzt. Bis dahin haben sie ihn lebend unter sich gewußt.
[ 19 ] Was da zugrunde liegt, das kann nur verstanden werden, wenn man eben weiß, daß in diesen sogenannten dunklen Jahrhunderten des Mittelalters, deren wahre Geschichte ganz ausgelöscht ist, vorhanden war dieses Bewußtsein von der lebendigen toten Schar, die da als Schatten fortlebt. Karl den Großen haben die Leute erst später in den Untersberg hineinversetzt. Nach längerer Zeit, als eben der Geist des Intellektualismus so stark war, daß dieses Schattenleben aufgehört hat, da haben sie ihn in den Untersberg oder den Barbarossa in den Kyffhäuserberg hineinversetzt. Bis dahin haben sie ihn lebend unter sich gewußt.
[ 20 ] Aber worin haben denn diese Menschen, die also eine lebendige Welt atavistisch unter sich gesehen haben, worin haben denn diese Menschen ihr Christentum gesucht, ihre Christologie, ihre christliche Anschauung? Ja, sie haben sie darin gesucht, daß sie den Blick gerichtet haben auf dasjenige, was sich ergibt, wenn so der lebendige Tote, der im Leben verehrt worden war, ihnen vor die Seele trat mit allem, was noch seine Gefolgschaft war. Und so hat man lange Zeiten hindurch Karl den Großen gesehen, wie er den ersten Kreuzzug gegen die Ungläubigen in Spanien unternommen hat; aber man hat ihn so gesehen, daß eigentlich dieser ganze Kreuzzug in die Schattenwelt versetzt war. Man hat ihn in der Schattenwelt gesehen, diesen Kreuzzug, nachdem er auf dem physischen Plan unternommen worden war, man hat ihn fortwirken lassen in der Schattenwelt, aber als ein Abbild des in der Welt wirkenden Christus. Daher wird geschildert, daß Christus unter zwölf Paladinen, unter denen ein Judas war, hinunterritt nach Spanien, und wie dieser dann die ganze Sache verrät. So sehen wir, wie der hellseherische Blick auf die Außenseite der geistigen Welt hin gerichtet wurde — nicht so wie früher ins Innere —, sondern jetzt auf die Außenseite, auf das, was sich ergibt, wenn man die Geister ebenso von außen ansieht wie früher von innen. Jetzt ergab sich für die wichtigsten Dinge alles, was da in der Schattenwelt sich abspielte, wie ein Abglanz des Christus-Ereignisses.
[ 20 ] Aber worin haben denn diese Menschen, die also eine lebendige Welt atavistisch unter sich gesehen haben, worin haben denn diese Menschen ihr Christentum gesucht, ihre Christologie, ihre christliche Anschauung? Ja, sie haben sie darin gesucht, daß sie den Blick gerichtet haben auf dasjenige, was sich ergibt, wenn so der lebendige Tote, der im Leben verehrt worden war, ihnen vor die Seele trat mit allem, was noch seine Gefolgschaft war. Und so hat man lange Zeiten hindurch Karl den Großen gesehen, wie er den ersten Kreuzzug gegen die Ungläubigen in Spanien unternommen hat; aber man hat ihn so gesehen, daß eigentlich dieser ganze Kreuzzug in die Schattenwelt versetzt war. Man hat ihn in der Schattenwelt gesehen, diesen Kreuzzug, nachdem er auf dem physischen Plan unternommen worden war, man hat ihn fortwirken lassen in der Schattenwelt, aber als ein Abbild des in der Welt wirkenden Christus. Daher wird geschildert, daß Christus unter zwölf Paladinen, unter denen ein Judas war, hinunterritt nach Spanien, und wie dieser dann die ganze Sache verrät. So sehen wir, wie der hellseherische Blick auf die Außenseite der geistigen Welt hin gerichtet wurde — nicht so wie früher ins Innere —, sondern jetzt auf die Außenseite, auf das, was sich ergibt, wenn man die Geister ebenso von außen ansieht wie früher von innen. Jetzt ergab sich für die wichtigsten Dinge alles, was da in der Schattenwelt sich abspielte, wie ein Abglanz des Christus-Ereignisses.
[ 21 ] Und so lebte eigentlich vom 4. bis zum 13., 14. Jahrhundert in Europa die Vorstellung, daß die Menschen, die gestorben sind, nachdem sie im Leben Wichtiges zu verrichten hatten, sich so anordnen in ihren nachtodlichen Taten, daß sie anzuschauen sind wie ein Abglanz, wie ein Abbild des Christus-Ereignisses. Man sah überall die Fortsetzung des Christus-Ereignisses — wenn ich mich so ausdrücken darf — als Schatten in den Lüften. Wenn die Menschen ausgesprochen hätten die Dinge, die sie gefühlt haben, so würden sie gesagt haben: Über uns schwebt noch der Christus-Strom; Karl der Große hat unternommen, sich in diesen Christus-Strom hineinzuversetzen, und er hat sich mit seinen Paladinen ein Abbild geschaffen des Christus mit seinen zwölf Aposteln, er hat in der realen geistigen Welt fortgesetzt die Taten des Christus. — So haben es sich vorgestellt diese Menschen in der sogenannten dunklen Zeit des Mittelalters. Da war die geistige Welt von außen angesehen, ich möchte sagen, wie nachgebildet der Sinnenwelt, wie Schattenbilder der Sinnenwelt, während sie früher in denjenigen Zeiten, von denen ein Nachglanz die alte Theologie war, eben von innen angeschaut worden ist. Kurz, der Unterschied zwischen dieser physischen Welt und der geistigen Welt für die bloß intellektuellen Menschen ist ein solcher, daß ein Abgrund zwischen beiden besteht. Dieser Unterschied bestand in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters nicht für die Menschen der sogenannten dunklen Zeit. Ich möchte sagen, die Toten blieben bei den Lebendigen, und besonders hervorragende verehrte Persönlichkeiten, sie machten in der ersten Zeit nach ihrem Tode, also in der ersten Zeit, nachdem sie für die geistige Welt geboren waren, gewissermaßen das Noviziat durch für das Heiligwerden.
[ 21 ] Und so lebte eigentlich vom 4. bis zum 13., 14. Jahrhundert in Europa die Vorstellung, daß die Menschen, die gestorben sind, nachdem sie im Leben Wichtiges zu verrichten hatten, sich so anordnen in ihren nachtodlichen Taten, daß sie anzuschauen sind wie ein Abglanz, wie ein Abbild des Christus-Ereignisses. Man sah überall die Fortsetzung des Christus-Ereignisses — wenn ich mich so ausdrücken darf — als Schatten in den Lüften. Wenn die Menschen ausgesprochen hätten die Dinge, die sie gefühlt haben, so würden sie gesagt haben: Über uns schwebt noch der Christus-Strom; Karl der Große hat unternommen, sich in diesen Christus-Strom hineinzuversetzen, und er hat sich mit seinen Paladinen ein Abbild geschaffen des Christus mit seinen zwölf Aposteln, er hat in der realen geistigen Welt fortgesetzt die Taten des Christus. — So haben es sich vorgestellt diese Menschen in der sogenannten dunklen Zeit des Mittelalters. Da war die geistige Welt von außen angesehen, ich möchte sagen, wie nachgebildet der Sinnenwelt, wie Schattenbilder der Sinnenwelt, während sie früher in denjenigen Zeiten, von denen ein Nachglanz die alte Theologie war, eben von innen angeschaut worden ist. Kurz, der Unterschied zwischen dieser physischen Welt und der geistigen Welt für die bloß intellektuellen Menschen ist ein solcher, daß ein Abgrund zwischen beiden besteht. Dieser Unterschied bestand in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters nicht für die Menschen der sogenannten dunklen Zeit. Ich möchte sagen, die Toten blieben bei den Lebendigen, und besonders hervorragende verehrte Persönlichkeiten, sie machten in der ersten Zeit nach ihrem Tode, also in der ersten Zeit, nachdem sie für die geistige Welt geboren waren, gewissermaßen das Noviziat durch für das Heiligwerden.
[ 22 ] Und sehen Sie, eine Anzahl dieser Menschen, die lebendige Tote waren — es war für die Menschen der damaligen Zeit nichts Absonderliches, von diesen lebendigen Toten als von realen Persönlichkeiten zu sprechen, nachdem sie für die geistige Welt geboren worden waren —, sie wurden, wenn sie besondere Auserwählte waren, zu Hütern des Heiligen Grals bestellt. Besonders auserlesene lebende Tote wurden zu Hütern des Heiligen Grals bestellt. Und man wird die Gralssage niemals vollständig verstehen, wenn man nicht weiß, wer eigentlich die Hüter des Grals waren. Zu sagen etwa: Dann waren ja die Hüter des Grals keine wirklichen Menschen —, das wäre den Leuten der damaligen Zeit höchst lächerlich erschienen. Denn sie hätten gesagt: Glaubt ihr Schattenfiguren, die ihr auf der Erde wandelt, daß ihr mehr seid als diejenigen, die gestorben sind und sich nun um den Gral sammeln? — Das wäre denjenigen, die in diesen Zeiten lebten, ganz lächerlich vorgekommen, wenn sich diese Figuranten hier auf der Erde für etwas Realeres gehalten hätten als die lebendigen Toten. Man muß sich in die Seelen der damaligen Zeit durchaus hineinfühlen: so war es für diese Seelen. Und alles, was das für die Welt sein konnte dadurch, daß man das Bewußtsein von einem solchen Zusammenhang mit der geistigen Welt hatte, spielte sich auch in den Seelen ab. Daher sagte man sich: Ja, die Menschen, die hier auf Erden sind, die sind gewiß zunächst herausgebildet aus ihrer Unmittelbarkeit. Aber etwas Rechtes wird der Mensch der Gegenwart erst, wenn er in sich aufnimmt, was ihm ein lebendiger Toter geben kann. — In einem gewissen Sinne wurden physische Menschen auf der Erde so angesehen, als ob sie eigentlich nur die Hülle wären für lebendige Tote in ihrem äußeren Wirken. Das war eine Eigentümlichkeit dieser Jahrhunderte, daß man sagte: Wenn diese lebendigen Toten etwas hier auf Erden verrichten wollen, wozu man Hände braucht, dann gehen sie in einen physisch lebenden Menschen hinein und verrichten durch den etwas.
[ 22 ] Und sehen Sie, eine Anzahl dieser Menschen, die lebendige Tote waren — es war für die Menschen der damaligen Zeit nichts Absonderliches, von diesen lebendigen Toten als von realen Persönlichkeiten zu sprechen, nachdem sie für die geistige Welt geboren worden waren —, sie wurden, wenn sie besondere Auserwählte waren, zu Hütern des Heiligen Grals bestellt. Besonders auserlesene lebende Tote wurden zu Hütern des Heiligen Grals bestellt. Und man wird die Gralssage niemals vollständig verstehen, wenn man nicht weiß, wer eigentlich die Hüter des Grals waren. Zu sagen etwa: Dann waren ja die Hüter des Grals keine wirklichen Menschen —, das wäre den Leuten der damaligen Zeit höchst lächerlich erschienen. Denn sie hätten gesagt: Glaubt ihr Schattenfiguren, die ihr auf der Erde wandelt, daß ihr mehr seid als diejenigen, die gestorben sind und sich nun um den Gral sammeln? — Das wäre denjenigen, die in diesen Zeiten lebten, ganz lächerlich vorgekommen, wenn sich diese Figuranten hier auf der Erde für etwas Realeres gehalten hätten als die lebendigen Toten. Man muß sich in die Seelen der damaligen Zeit durchaus hineinfühlen: so war es für diese Seelen. Und alles, was das für die Welt sein konnte dadurch, daß man das Bewußtsein von einem solchen Zusammenhang mit der geistigen Welt hatte, spielte sich auch in den Seelen ab. Daher sagte man sich: Ja, die Menschen, die hier auf Erden sind, die sind gewiß zunächst herausgebildet aus ihrer Unmittelbarkeit. Aber etwas Rechtes wird der Mensch der Gegenwart erst, wenn er in sich aufnimmt, was ihm ein lebendiger Toter geben kann. — In einem gewissen Sinne wurden physische Menschen auf der Erde so angesehen, als ob sie eigentlich nur die Hülle wären für lebendige Tote in ihrem äußeren Wirken. Das war eine Eigentümlichkeit dieser Jahrhunderte, daß man sagte: Wenn diese lebendigen Toten etwas hier auf Erden verrichten wollen, wozu man Hände braucht, dann gehen sie in einen physisch lebenden Menschen hinein und verrichten durch den etwas.
[ 23 ] Aber nicht nur das. Solche Menschen gab es überhaupt in der damaligen Zeit, die sich sagten: Man kann nichts Besseres tun, als solchen Menschen, die hier auf Erden verehrt worden sind und jetzt so bedeutsame Wesenheiten in der Welt der lebendigen Toten sind, daß sie den Gral hüten dürfen, eine Hülle zu geben. Und es gab in der damaligen Zeit durchaus diese Anschauung unter dem Volke, daß man sagte: Der hat sich gewidmet, sagen wir zum Beispiel dem Schwanenorden. Dem Schwanenorden haben sich diejenigen gewidmet, welche wollten, daß die Gralsritter durch sie hier in der physischen Welt wirken können. Und man nannte einen Schwan solch einen Menschen, durch den ein solcher Gralsritter hier in der physischen Welt wirkte.
[ 23 ] Aber nicht nur das. Solche Menschen gab es überhaupt in der damaligen Zeit, die sich sagten: Man kann nichts Besseres tun, als solchen Menschen, die hier auf Erden verehrt worden sind und jetzt so bedeutsame Wesenheiten in der Welt der lebendigen Toten sind, daß sie den Gral hüten dürfen, eine Hülle zu geben. Und es gab in der damaligen Zeit durchaus diese Anschauung unter dem Volke, daß man sagte: Der hat sich gewidmet, sagen wir zum Beispiel dem Schwanenorden. Dem Schwanenorden haben sich diejenigen gewidmet, welche wollten, daß die Gralsritter durch sie hier in der physischen Welt wirken können. Und man nannte einen Schwan solch einen Menschen, durch den ein solcher Gralsritter hier in der physischen Welt wirkte.
[ 24 ] Und nun denken Sie an die Lohengrin-Sage. Denken Sie, wie diese Sage berichtet, daß, als Elsa von Brabant in großer Not ist, der Schwan kommt. Es ist der Schwan, das heißt der Angehörige des Schwanenritterordens, es ist der Schwan, der aufgenommen hat einen Mitgenossen aus der Runde des Heiligen Grals, der da erscheint; man darf ihn um sein eigentliches Geheimnis nicht fragen. Und am glücklichsten fühlten sich zum Beispiel in dem Jahrhundert, aber auch noch in den folgenden Jahrhunderten, sogar solche Fürsten wie Heinrich von Sachsen, der bei seinem Ungarnzuge diesen Schwanenritter, diesen Lohengrin, innerhalb seiner Heeresmasse haben konnte.
[ 24 ] Und nun denken Sie an die Lohengrin-Sage. Denken Sie, wie diese Sage berichtet, daß, als Elsa von Brabant in großer Not ist, der Schwan kommt. Es ist der Schwan, das heißt der Angehörige des Schwanenritterordens, es ist der Schwan, der aufgenommen hat einen Mitgenossen aus der Runde des Heiligen Grals, der da erscheint; man darf ihn um sein eigentliches Geheimnis nicht fragen. Und am glücklichsten fühlten sich zum Beispiel in dem Jahrhundert, aber auch noch in den folgenden Jahrhunderten, sogar solche Fürsten wie Heinrich von Sachsen, der bei seinem Ungarnzuge diesen Schwanenritter, diesen Lohengrin, innerhalb seiner Heeresmasse haben konnte.
[ 25 ] Aber man hatte mancherlei solche Ritter, welche im Grunde genommen sich nur als die äußere Umhüllung anschauten derjenigen, die von jenseits des Todes herüber in den Heeren noch kämpften. Man wollte verbunden sein mit den Toten; man wußte sich mit ihnen verbunden. Welche Bedeutung für die Lebenden diese heute eigentlich ganz abstrakt gewordene Sage für die Realität hatte, das kann man nur ermessen, wenn man sich in die Seelenverfassung der damaligen Zeit hineinlebt. Und diese Auffassung, die einzig und allein zunächst auf die physische Welt hinschaute, wie aus dem physischen Menschen heraus sich hebt der geistige Mensch, der dann zu den lebenden Toten gehört, diese Anschauung beherrschte die Gemüter in der damaligen Zeit, die war das Wesentliche, was in der Seele lebte: Man muß einen Menschen zuerst auf der Erde gekannt haben, dann kann man hinaufkommen zu seinem Geiste. Es war wirklich so, daß nun gegenüber einer älteren Anschauung die Sache auch im äußeren populären Leben umgekehrt war. In der alten Zeit hatte man zuerst in die geistige Welt hineingeschaut. Man hatte womöglich das Bestreben, den Menschen als geistiges Wesen zu sehen, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist, und dann, sagte man, begreift man das, was er auf Erden ist. Jetzt, bei diesen nordischen Völkerschaften, nachdem sie sich mit dem Römertum vermischten, bildete sich die Anschauung aus: Man begreift das Geistige, nachdem man es zunächst auf der physischen Welt verfolgt hat, und es sich dann heraushebt aus der physischen Welt als Geistiges. Es war umgekehrt gegenüber dem Früheren.
[ 25 ] Aber man hatte mancherlei solche Ritter, welche im Grunde genommen sich nur als die äußere Umhüllung anschauten derjenigen, die von jenseits des Todes herüber in den Heeren noch kämpften. Man wollte verbunden sein mit den Toten; man wußte sich mit ihnen verbunden. Welche Bedeutung für die Lebenden diese heute eigentlich ganz abstrakt gewordene Sage für die Realität hatte, das kann man nur ermessen, wenn man sich in die Seelenverfassung der damaligen Zeit hineinlebt. Und diese Auffassung, die einzig und allein zunächst auf die physische Welt hinschaute, wie aus dem physischen Menschen heraus sich hebt der geistige Mensch, der dann zu den lebenden Toten gehört, diese Anschauung beherrschte die Gemüter in der damaligen Zeit, die war das Wesentliche, was in der Seele lebte: Man muß einen Menschen zuerst auf der Erde gekannt haben, dann kann man hinaufkommen zu seinem Geiste. Es war wirklich so, daß nun gegenüber einer älteren Anschauung die Sache auch im äußeren populären Leben umgekehrt war. In der alten Zeit hatte man zuerst in die geistige Welt hineingeschaut. Man hatte womöglich das Bestreben, den Menschen als geistiges Wesen zu sehen, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist, und dann, sagte man, begreift man das, was er auf Erden ist. Jetzt, bei diesen nordischen Völkerschaften, nachdem sie sich mit dem Römertum vermischten, bildete sich die Anschauung aus: Man begreift das Geistige, nachdem man es zunächst auf der physischen Welt verfolgt hat, und es sich dann heraushebt aus der physischen Welt als Geistiges. Es war umgekehrt gegenüber dem Früheren.
[ 26 ] Der Abglanz von dieser Anschauung wird nun die Theologie des Mittelalters. Die alten Theologien sagten: Zuerst muß man die Ideen haben, zuerst muß man erkennen das Geistige. Der Glaubensbegriff wäre für diese alten Theologien etwas ganz Absurdes gewesen, denn das Geistige wurde zuerst erkannt, bevor man überhaupt daran denken konnte, das Physische zu erkennen. Das mußte man ja erst mit dem Geistigen beleuchten. Jetzt aber war man, nachdem man aus der breiteren Welt davon ausgegangen war, zuerst das Physische kennenzulernen, dazu gekommen, auch in der Theologie so zu denken: Man muß von der Sinneswelt mit Erkenntnis ausgehen, und dann aus den Sinnesdingen die Begriffe herausschälen; nicht die Begriffe aus der geistigen Welt an die Sinnesdinge herantragen, sondern aus den Sinnesdingen Begriffe herausschälen.
[ 26 ] Der Abglanz von dieser Anschauung wird nun die Theologie des Mittelalters. Die alten Theologien sagten: Zuerst muß man die Ideen haben, zuerst muß man erkennen das Geistige. Der Glaubensbegriff wäre für diese alten Theologien etwas ganz Absurdes gewesen, denn das Geistige wurde zuerst erkannt, bevor man überhaupt daran denken konnte, das Physische zu erkennen. Das mußte man ja erst mit dem Geistigen beleuchten. Jetzt aber war man, nachdem man aus der breiteren Welt davon ausgegangen war, zuerst das Physische kennenzulernen, dazu gekommen, auch in der Theologie so zu denken: Man muß von der Sinneswelt mit Erkenntnis ausgehen, und dann aus den Sinnesdingen die Begriffe herausschälen; nicht die Begriffe aus der geistigen Welt an die Sinnesdinge herantragen, sondern aus den Sinnesdingen Begriffe herausschälen.
[ 27 ] Und jetzt stellen Sie sich einmal die untergehende römische Welt vor, und dann, was in dieser Welt noch als Kampf von der alten Zeit her da war: daß man die Begriffe noch in der geistigen Welt erlebte und an die Sinnesdinge herantrug. Das empfanden solche Leute wie, sagen wir Martianus Capella, der im 5. Jahrhundert seine Abhandlung schrieb: «De nuptiis Philologiae et Mercurii», in der er danach ringt, dieses, was immer abstrakter und abstrakter werden will in den Ideen, dennoch in der geistigen Welt zu suchen. Aber es geht diese alte Anschauung unter, weil die römische Verschwörung gegen den Geist in jenem Konsortium, von dem ich Ihnen gesprochen habe, eben alles, was unmittelbar menschlicher Zusammenhang mit dem Geiste ist, ausrottete.
[ 27 ] Und jetzt stellen Sie sich einmal die untergehende römische Welt vor, und dann, was in dieser Welt noch als Kampf von der alten Zeit her da war: daß man die Begriffe noch in der geistigen Welt erlebte und an die Sinnesdinge herantrug. Das empfanden solche Leute wie, sagen wir Martianus Capella, der im 5. Jahrhundert seine Abhandlung schrieb: «De nuptiis Philologiae et Mercurii», in der er danach ringt, dieses, was immer abstrakter und abstrakter werden will in den Ideen, dennoch in der geistigen Welt zu suchen. Aber es geht diese alte Anschauung unter, weil die römische Verschwörung gegen den Geist in jenem Konsortium, von dem ich Ihnen gesprochen habe, eben alles, was unmittelbar menschlicher Zusammenhang mit dem Geiste ist, ausrottete.
[ 28 ] Wir sehen, wie das allmählich verschwimmt, wie die alte Anschauung aufhört. Jene alte Anschauung hatte noch gewußt: Dringe ich hinüber in die geistige Welt, begleiten mich die Engel. — Oder wenn es Griechen waren, haben sie diese «Wächter» genannt. Solch ein Mensch, der hinausgegangen ist auf dem Wege des Geistes, der wußte sich begleitet von einem Wächter.
[ 28 ] Wir sehen, wie das allmählich verschwimmt, wie die alte Anschauung aufhört. Jene alte Anschauung hatte noch gewußt: Dringe ich hinüber in die geistige Welt, begleiten mich die Engel. — Oder wenn es Griechen waren, haben sie diese «Wächter» genannt. Solch ein Mensch, der hinausgegangen ist auf dem Wege des Geistes, der wußte sich begleitet von einem Wächter.
[ 29 ] Das, was in alten Zeiten eine wirkliche geistige Wesenheit, der Wächter war, das war zu den Zeiten, als Capella schrieb, bereits die Grammatik, die erste Stufe der siebengliedrigen sogenannten freien Künste. In älteren Zeiten wußte man: Dasjenige, was in Grammatik lebt, was in den Worten und Wortzusammenhängen lebt, das ist etwas, was dann weiter hinaufführt in die Imagination. Man wußte im Wortzusammenhang den Engel wirksam, den Wächter.
[ 29 ] Das, was in alten Zeiten eine wirkliche geistige Wesenheit, der Wächter war, das war zu den Zeiten, als Capella schrieb, bereits die Grammatik, die erste Stufe der siebengliedrigen sogenannten freien Künste. In älteren Zeiten wußte man: Dasjenige, was in Grammatik lebt, was in den Worten und Wortzusammenhängen lebt, das ist etwas, was dann weiter hinaufführt in die Imagination. Man wußte im Wortzusammenhang den Engel wirksam, den Wächter.
[ 30 ] Würden wir die Darstellungen bei älteren Zeiten suchen, so würden wir nirgends eine stroherne Definition finden. Es ist ja interessant, daß Capella nicht etwa die Grammatik so schildert wie die spätere Renaissance, sondern die Grammatik ist da noch eine richtige Person, und die Rhetorik als zweite Stufe wiederum eine Person. Dort sind sie schon stroherne Allegorien, früher waren sie geistige Anschauungen, die nicht bloß eben etwas lehrten, wie zum Beispiel beim Capella gelehrt wird, sondern die schaffende Wesenheiten waren, und das Hineingehen zum Geiste war gefühlt als ein Hineindringen zu schaffenden Wesenheiten. Nun waren das Allegorien geworden, aber immerhin noch Allegorien. Es sind immerhin noch, wenn sie auch nicht mehr sehr stattlich sind, wenn sie auch schon ziemlich schmächtig geworden sind, es sind immerhin noch Damen, diese Grammatik, Rhetorik, Dialektik. Sie sind ja sehr mager und haben eigentlich nur noch, sagen wir, die Knochen der geistigen Anstrengung und die Haut der Begriffe, aber es sind immerhin noch respektable Damen, die diesen Capella, den ältesten Schriftsteller über die sieben freien Künste, hineintragen in die geistige Welt. Mit diesen sieben Damen macht er nach und nach sozusagen Bekanntschaft; zuerst mit der Dame Grammatik, dann mit der Dame Rhetorik, mit der Dame Dialektik, mit der Dame Arithmetik, mit der Dame Geometrie, mit der Dame Musik, und endlich mit der alles überragenden himmlischen Dame Astrologia. Es sind eben durchaus Damen. Wie gesagt, es sind ihrer sieben. Das siebenfach Weibliche zieht uns hinan so hätte er schließen können, der Capella, indem er seinen Weg zur Weisheit schilderte. Aber denken Sie daran, was daraus geworden ist! Denken Sie an die späteren mittelalterlichen Klosterschulen. Die haben gegenüber der Grammatik und Rhetorik, wenn sie gebüffelt haben, nicht mehr empfunden: Das ewig Weibliche zieht uns hinan! Es war tatsächlich so, daß aus dem Lebendigen herausgewachsen ist zuerst das Allegorische und dann das Intellektuelle.
[ 30 ] Würden wir die Darstellungen bei älteren Zeiten suchen, so würden wir nirgends eine stroherne Definition finden. Es ist ja interessant, daß Capella nicht etwa die Grammatik so schildert wie die spätere Renaissance, sondern die Grammatik ist da noch eine richtige Person, und die Rhetorik als zweite Stufe wiederum eine Person. Dort sind sie schon stroherne Allegorien, früher waren sie geistige Anschauungen, die nicht bloß eben etwas lehrten, wie zum Beispiel beim Capella gelehrt wird, sondern die schaffende Wesenheiten waren, und das Hineingehen zum Geiste war gefühlt als ein Hineindringen zu schaffenden Wesenheiten. Nun waren das Allegorien geworden, aber immerhin noch Allegorien. Es sind immerhin noch, wenn sie auch nicht mehr sehr stattlich sind, wenn sie auch schon ziemlich schmächtig geworden sind, es sind immerhin noch Damen, diese Grammatik, Rhetorik, Dialektik. Sie sind ja sehr mager und haben eigentlich nur noch, sagen wir, die Knochen der geistigen Anstrengung und die Haut der Begriffe, aber es sind immerhin noch respektable Damen, die diesen Capella, den ältesten Schriftsteller über die sieben freien Künste, hineintragen in die geistige Welt. Mit diesen sieben Damen macht er nach und nach sozusagen Bekanntschaft; zuerst mit der Dame Grammatik, dann mit der Dame Rhetorik, mit der Dame Dialektik, mit der Dame Arithmetik, mit der Dame Geometrie, mit der Dame Musik, und endlich mit der alles überragenden himmlischen Dame Astrologia. Es sind eben durchaus Damen. Wie gesagt, es sind ihrer sieben. Das siebenfach Weibliche zieht uns hinan so hätte er schließen können, der Capella, indem er seinen Weg zur Weisheit schilderte. Aber denken Sie daran, was daraus geworden ist! Denken Sie an die späteren mittelalterlichen Klosterschulen. Die haben gegenüber der Grammatik und Rhetorik, wenn sie gebüffelt haben, nicht mehr empfunden: Das ewig Weibliche zieht uns hinan! Es war tatsächlich so, daß aus dem Lebendigen herausgewachsen ist zuerst das Allegorische und dann das Intellektuelle.
[ 31 ] Von jener musenartigen Wesenheit, welche noch gewirkt hat bei demjenigen, der in alten Zeiten den Weg von dem menschlich gesprochenen Worte zu dem Weltenworte suchte, so daß es durch ihn gehen konnte, so daß er sagen mußte: «Singe, o Muse, vom Zorn mir des Peleiden Achilleus ... .», von dieser Bekanntschaft mit der Muse, die den Menschen hineinführt in die Geisteswelt, so daß nicht mehr er singt, sondern daß die Muse singt von dem Zorn des Peleiden Achilleus, von dieser Stufe bis zu derjenigen, wo dann die Rhetorik selber im römischen Wesen sprach, und später in der Vermischung mit dem vom Norden herziehenden Wesen, das ist eben ein weiter Weg; da wird alles abstrakt, da wird alles begrifflich, da wird alles intellektuell. Aber je weiter wir herankommen an den Osten und nach den alten Zeiten, desto mehr finden wir alles im konkreten geistigen Leben. Und so war es durchaus, daß der alte 'Theologe zu den geistigen Wesenheiten ging, um seine Begriffe zu holen. Die wandte er dann auf diese Welt hier an. Derjenige Theologe aber, der schon herausgewachsen war aus dem, was aus dem Zusammenfluß der nordischen Völker mit dem Römertum entstand, der sagte: Hier in der Sinneswelt muß die Erkenntnis gesucht werden, dann gewinnt man die Begriffe. — Da konnte man aber nicht hinaufkommen in eine geistige Welt. Jetzt aber war eben durch das römische Kollegium gut dafür gesorgt, daß zwar da unten die Menschen herumfischten in der sinnlichen Welt, aber nicht über diese sinnliche Welt hinauskamen. Während sie früher zwar diese sinnliche Welt auch hatten, hier oben (es wird gezeichnet) aber die Begriffe und Ideen aufsuchten in der geistigen Welt und dann die physische Welt beleuchteten, sogen sie jetzt aus der physischen Welt die Begriffe heraus. Die kamen nicht weit hinauf, die kamen nur zu einer Interpretation der physischen Welt. Aber es war ja die Erbschaft da. Man kam nicht mehr durch einen eigenen Erkenntnisweg da hinauf, aber es war ja noch die Erbschaft vorhanden. Die war niedergeschrieben oder durch Tradition erhalten, in Dogmen verkörpert und erstarrt. Das war also da oben (in der Zeichnung), und seine Bewahrung wurde nun die Konfession. Da drinnen war dasjenige erhalten, was über Geistiges zu sagen war. Das war da. Und immer mehr und mehr gelangte man zu dem Bewußtsein: Das muß unangetastet bleiben, was da gesagt worden ist für oben durch irgendwelche Offenbarungen, die nicht mehr nachgeprüft werden können. Die Erkenntnis aber, die muß unten bleiben: da muß man alles Begriffliche herausholen.
[ 31 ] Von jener musenartigen Wesenheit, welche noch gewirkt hat bei demjenigen, der in alten Zeiten den Weg von dem menschlich gesprochenen Worte zu dem Weltenworte suchte, so daß es durch ihn gehen konnte, so daß er sagen mußte: «Singe, o Muse, vom Zorn mir des Peleiden Achilleus ... .», von dieser Bekanntschaft mit der Muse, die den Menschen hineinführt in die Geisteswelt, so daß nicht mehr er singt, sondern daß die Muse singt von dem Zorn des Peleiden Achilleus, von dieser Stufe bis zu derjenigen, wo dann die Rhetorik selber im römischen Wesen sprach, und später in der Vermischung mit dem vom Norden herziehenden Wesen, das ist eben ein weiter Weg; da wird alles abstrakt, da wird alles begrifflich, da wird alles intellektuell. Aber je weiter wir herankommen an den Osten und nach den alten Zeiten, desto mehr finden wir alles im konkreten geistigen Leben. Und so war es durchaus, daß der alte 'Theologe zu den geistigen Wesenheiten ging, um seine Begriffe zu holen. Die wandte er dann auf diese Welt hier an. Derjenige Theologe aber, der schon herausgewachsen war aus dem, was aus dem Zusammenfluß der nordischen Völker mit dem Römertum entstand, der sagte: Hier in der Sinneswelt muß die Erkenntnis gesucht werden, dann gewinnt man die Begriffe. — Da konnte man aber nicht hinaufkommen in eine geistige Welt. Jetzt aber war eben durch das römische Kollegium gut dafür gesorgt, daß zwar da unten die Menschen herumfischten in der sinnlichen Welt, aber nicht über diese sinnliche Welt hinauskamen. Während sie früher zwar diese sinnliche Welt auch hatten, hier oben (es wird gezeichnet) aber die Begriffe und Ideen aufsuchten in der geistigen Welt und dann die physische Welt beleuchteten, sogen sie jetzt aus der physischen Welt die Begriffe heraus. Die kamen nicht weit hinauf, die kamen nur zu einer Interpretation der physischen Welt. Aber es war ja die Erbschaft da. Man kam nicht mehr durch einen eigenen Erkenntnisweg da hinauf, aber es war ja noch die Erbschaft vorhanden. Die war niedergeschrieben oder durch Tradition erhalten, in Dogmen verkörpert und erstarrt. Das war also da oben (in der Zeichnung), und seine Bewahrung wurde nun die Konfession. Da drinnen war dasjenige erhalten, was über Geistiges zu sagen war. Das war da. Und immer mehr und mehr gelangte man zu dem Bewußtsein: Das muß unangetastet bleiben, was da gesagt worden ist für oben durch irgendwelche Offenbarungen, die nicht mehr nachgeprüft werden können. Die Erkenntnis aber, die muß unten bleiben: da muß man alles Begriffliche herausholen.
[ 32 ] Und so entstand allmählich auch die Erbschaft desjenigen, was noch in den ersten dunklen Jahrhunderten des Mittelalters vorhanden war. Sehen Sie, es war doch noch eine andere Zeit, als in Europa das mittelalterliche atavistische Hellsehen vorhanden war, wo zum Beispiel der sächsische — man nennt ihn einen Bauern, aber er war, das zeigt der «Heliand» selber, jedenfalls ein aus dem Bauernstande herausgeborener Geistlicher —, wo dieser sächsische Bauerngeistliche eben einfach hinschaute auf die Menschen seiner Umgebung und die Fähigkeit hatte, zu sehen, wie mit dem Tode das Geistig-Seelische herausgeht und zum tot-lebendigen Menschenwesen wird. Und so schildert er dann in dem Zuge, der da über dem Irdischen schwebt, dasjenige, was er als Anschauung entwickelt über das Christus-Ereignis in dem «Heliand».
[ 32 ] Und so entstand allmählich auch die Erbschaft desjenigen, was noch in den ersten dunklen Jahrhunderten des Mittelalters vorhanden war. Sehen Sie, es war doch noch eine andere Zeit, als in Europa das mittelalterliche atavistische Hellsehen vorhanden war, wo zum Beispiel der sächsische — man nennt ihn einen Bauern, aber er war, das zeigt der «Heliand» selber, jedenfalls ein aus dem Bauernstande herausgeborener Geistlicher —, wo dieser sächsische Bauerngeistliche eben einfach hinschaute auf die Menschen seiner Umgebung und die Fähigkeit hatte, zu sehen, wie mit dem Tode das Geistig-Seelische herausgeht und zum tot-lebendigen Menschenwesen wird. Und so schildert er dann in dem Zuge, der da über dem Irdischen schwebt, dasjenige, was er als Anschauung entwickelt über das Christus-Ereignis in dem «Heliand».
[ 33 ] Aber was hier auf Erden lebt, das wurde immer mehr und mehr, ich möchte sagen, herabgezogen in das bloß Unlebendige. Die atavistischen Fähigkeiten hörten auf, und im Sinnlichen suchte man nur noch die Begriffe. Und was ergab sich da für eine Anschauung? Diese Anschauung ergab sich: Um das Übersinnliche brauchen wir uns ja mit der Erkenntnis nicht besonders zu kümmern. Das ist ja in den Schriften und in den Traditionen erhalten, wir brauchen nur aufzuschlagen die alten Bücher, nur nachzuschauen in den alten Traditionen. Da ist über das Übersinnliche alles enthalten, was man überhaupt wissen soll. Jetzt beirrt es uns auch nicht, wenn wir nun im Umkreis der Sinneswelt gerade die in der Sinneswelt selbst liegenden Begriffe nur allein für die Erkenntnis beachten.
[ 33 ] Aber was hier auf Erden lebt, das wurde immer mehr und mehr, ich möchte sagen, herabgezogen in das bloß Unlebendige. Die atavistischen Fähigkeiten hörten auf, und im Sinnlichen suchte man nur noch die Begriffe. Und was ergab sich da für eine Anschauung? Diese Anschauung ergab sich: Um das Übersinnliche brauchen wir uns ja mit der Erkenntnis nicht besonders zu kümmern. Das ist ja in den Schriften und in den Traditionen erhalten, wir brauchen nur aufzuschlagen die alten Bücher, nur nachzuschauen in den alten Traditionen. Da ist über das Übersinnliche alles enthalten, was man überhaupt wissen soll. Jetzt beirrt es uns auch nicht, wenn wir nun im Umkreis der Sinneswelt gerade die in der Sinneswelt selbst liegenden Begriffe nur allein für die Erkenntnis beachten.
[ 34 ] Und so wurde immer mehr und mehr das Bewußtsein lebendig: Das Übersinnliche bleibt ein Bewahrtes; will man forschen, muß man sich an die sinnliche Welt halten.
[ 34 ] Und so wurde immer mehr und mehr das Bewußtsein lebendig: Das Übersinnliche bleibt ein Bewahrtes; will man forschen, muß man sich an die sinnliche Welt halten.
[ 35 ] Und ein solcher Geist, der ganz darinnensteckte, der, ich möchte sagen, dieses Herausschälen aus der Sinneswelt des sächsischen Bauerngeistlichen, der den «Heliand» geschrieben hat, fortsetzte, das war noch im 19. Jahrhundert Gregor Mendel. Was soll man sich kümmern um irgend etwas in bezug auf die Vererbung, wie es in alten Zeiten erforscht worden war! Das steht ja im alten Testament. Da schaue man hinunter auf die Sinneswelt, wie die roten Erbsen und die weißen Erbsen sich miteinander vermischen, wie das dann wieder rote und weiße und scheckige Erbsen gibt und so weiter. Da kann man ein gewaltiger Naturforscher werden, und mit dem, was über das Übersinnliche zu sagen ist, mit dem kommt man ja in gar keine irgendwie geartete Disharmonie, denn das bleibt ganz unangetastet.
[ 35 ] Und ein solcher Geist, der ganz darinnensteckte, der, ich möchte sagen, dieses Herausschälen aus der Sinneswelt des sächsischen Bauerngeistlichen, der den «Heliand» geschrieben hat, fortsetzte, das war noch im 19. Jahrhundert Gregor Mendel. Was soll man sich kümmern um irgend etwas in bezug auf die Vererbung, wie es in alten Zeiten erforscht worden war! Das steht ja im alten Testament. Da schaue man hinunter auf die Sinneswelt, wie die roten Erbsen und die weißen Erbsen sich miteinander vermischen, wie das dann wieder rote und weiße und scheckige Erbsen gibt und so weiter. Da kann man ein gewaltiger Naturforscher werden, und mit dem, was über das Übersinnliche zu sagen ist, mit dem kommt man ja in gar keine irgendwie geartete Disharmonie, denn das bleibt ganz unangetastet.
[ 36 ] So hat gerade diese moderne Theologie, indem sie sich umgebildet hat zu dem, was ich Ihnen charakterisiert habe, aus der alten Theologie heraus, die Leute hingetrieben, die Natur so zu erforschen, wie zum Beispiel Gregor Mendel als echter katholischer Priester die Natur erforscht.
[ 36 ] So hat gerade diese moderne Theologie, indem sie sich umgebildet hat zu dem, was ich Ihnen charakterisiert habe, aus der alten Theologie heraus, die Leute hingetrieben, die Natur so zu erforschen, wie zum Beispiel Gregor Mendel als echter katholischer Priester die Natur erforscht.
[ 37 ] Und was tritt ein? Diejenigen Naturforscher, die voraussetzungslose Wissenschaft haben, sie ernennen nun Gregor Mendel, nachdem sie ihn eine Zeitlang despektierlich behandelt haben, sie ernennen ihn nachträglich — es ist ja nicht die Sprache solcher Leute, aber wir können es doch mit diesem Ausdrucke bezeichnen — zu ihrem Heiligen nach ihrer Art, indem sie ihn auf allen Akademien einen großen Naturforscher heißen. Das hat durchaus inneren Zusammenhang. Die Naturforschung der Gegenwart ist nur möglich, indem sie so beschaffen ist, daß sie gerade jemanden, der durch und durch auf dem Standpunkt der Theologie des Mittelalters steht, als einen maßgebenden Naturforscher ansieht. Die Naturforschung der Gegenwart ist durchaus die Fortsetzung des innersten Nervs der scholastischen Theologie; das andere ist bloß etwas, was nachgezogen wird, aber sie ist die richtige Fortsetzung bis in unsere Zeit hinein, sie ist eine Fortsetzung der scholastischen Zeit.
[ 37 ] Und was tritt ein? Diejenigen Naturforscher, die voraussetzungslose Wissenschaft haben, sie ernennen nun Gregor Mendel, nachdem sie ihn eine Zeitlang despektierlich behandelt haben, sie ernennen ihn nachträglich — es ist ja nicht die Sprache solcher Leute, aber wir können es doch mit diesem Ausdrucke bezeichnen — zu ihrem Heiligen nach ihrer Art, indem sie ihn auf allen Akademien einen großen Naturforscher heißen. Das hat durchaus inneren Zusammenhang. Die Naturforschung der Gegenwart ist nur möglich, indem sie so beschaffen ist, daß sie gerade jemanden, der durch und durch auf dem Standpunkt der Theologie des Mittelalters steht, als einen maßgebenden Naturforscher ansieht. Die Naturforschung der Gegenwart ist durchaus die Fortsetzung des innersten Nervs der scholastischen Theologie; das andere ist bloß etwas, was nachgezogen wird, aber sie ist die richtige Fortsetzung bis in unsere Zeit hinein, sie ist eine Fortsetzung der scholastischen Zeit.
[ 38 ] Und deshalb ist es ganz in Ordnung, daß Johann Gregor Mendel nachträglich als ein großer Naturforscher anerkannt wird; er ist es auch, aber im gut katholischen Sinne. Bei ihm hatte es einen Sinn, bloß auf die Erbsen zu schauen, die sich miteinander vermischen, weil das katholisches Prinzip ist, weil da alles das, was übersinnlich ist, eben in der Tradition und in den Büchern enthalten ist; bei den Naturforschern hat es keinen Sinn, nicht den geringsten, höchstens wenn man bei dem Ignorabimus stehenbleibt und sich dem Agnostizismus ergibt.
[ 38 ] Und deshalb ist es ganz in Ordnung, daß Johann Gregor Mendel nachträglich als ein großer Naturforscher anerkannt wird; er ist es auch, aber im gut katholischen Sinne. Bei ihm hatte es einen Sinn, bloß auf die Erbsen zu schauen, die sich miteinander vermischen, weil das katholisches Prinzip ist, weil da alles das, was übersinnlich ist, eben in der Tradition und in den Büchern enthalten ist; bei den Naturforschern hat es keinen Sinn, nicht den geringsten, höchstens wenn man bei dem Ignorabimus stehenbleibt und sich dem Agnostizismus ergibt.
[ 39 ] Das ist der Grundwiderspruch in unserer Gegenwart. Das ist dasjenige, auf das man aufmerksam sein muß. Wenn man nicht auf diese Dinge hinsieht, dann wird man gar nicht verstehen, woher alle mögliche Unklarheit, woher das Widerspruchsvolle in unserem gegenwärtigen Treiben stammt. Aber die Bequemlichkeit der Gegenwart läßt die Menschen nicht dazu kommen, in diese Dinge hineinzuschauen.
[ 39 ] Das ist der Grundwiderspruch in unserer Gegenwart. Das ist dasjenige, auf das man aufmerksam sein muß. Wenn man nicht auf diese Dinge hinsieht, dann wird man gar nicht verstehen, woher alle mögliche Unklarheit, woher das Widerspruchsvolle in unserem gegenwärtigen Treiben stammt. Aber die Bequemlichkeit der Gegenwart läßt die Menschen nicht dazu kommen, in diese Dinge hineinzuschauen.
[ 40 ] Denken Sie nur, wenn das, was heute über die Weltereignisse gesagt wird, Geschichte wird — die Menschen der Nachwelt bekommen diese Geschichte! Glauben Sie, daß die viel Wahrheit haben werden? Ganz gewiß nicht! Aber für uns ist eben Geschichte so gemacht worden. Diese Geschichtspuppen, die da in den gebräuchlichen Geschichten dargestellt werden, die geben nicht wieder, was wirklich in der Menschheitsentwickelung geschehen ist. Aber wir sind in der heutigen Zeit da angekommen, wo es dringende Notwendigkeit ist, daß die Menschen erkennen lernen, was wirkliches Geschehen ist. Es genügt nicht, daß alle die Sagen von Attila und Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen — da fängt die Geschichte schon an, ganz fabulär zu werden —, daß alle diese Dinge, so wie man es heute tut, in der Geschichte verzeichnet werden. Da übersieht man das Allerwichtigste. Was die Gegenwart eigentlich verständlich macht, was wir brauchen, das sind Seelengeschichten. In die sich entwickelnden Seelen der Menschen muß anthroposophische Geisteswissenschaft hineinleuchten. Wir haben dadurch, daß wir verlernt haben, auf das Geistige hinzuschauen, auch keine Geschichte mehr. Und es ist eigentlich für jeden empfindenden Menschen so, daß man sagen kann: Nun ja, bei Martianus Capella sind eigentlich die alten Führer und Wächter, die hineinführten in die geistige Welt, schon recht magere, schmächtige Damen geworden; aber was man heute schließlich kennenlernt als Heinrich I., Otto I., Otto II., Heinrich II. und so weiter, so wie es in der Geschichte verzeichnet wird, das sind im Grunde genommen Geschichtspuppen, die nach dem Muster derjenigen gestaltet sind, die da als die schmächtigen Damen Grammatik, Rhetorik, Dialektik und so weiter sich entwickelt haben. Denn im Grunde genommen, etwas Fetteres hat man auch nicht an den Persönlichkeiten, die da als Geschichte hintereinander dargestellt werden!
[ 40 ] Denken Sie nur, wenn das, was heute über die Weltereignisse gesagt wird, Geschichte wird — die Menschen der Nachwelt bekommen diese Geschichte! Glauben Sie, daß die viel Wahrheit haben werden? Ganz gewiß nicht! Aber für uns ist eben Geschichte so gemacht worden. Diese Geschichtspuppen, die da in den gebräuchlichen Geschichten dargestellt werden, die geben nicht wieder, was wirklich in der Menschheitsentwickelung geschehen ist. Aber wir sind in der heutigen Zeit da angekommen, wo es dringende Notwendigkeit ist, daß die Menschen erkennen lernen, was wirkliches Geschehen ist. Es genügt nicht, daß alle die Sagen von Attila und Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen — da fängt die Geschichte schon an, ganz fabulär zu werden —, daß alle diese Dinge, so wie man es heute tut, in der Geschichte verzeichnet werden. Da übersieht man das Allerwichtigste. Was die Gegenwart eigentlich verständlich macht, was wir brauchen, das sind Seelengeschichten. In die sich entwickelnden Seelen der Menschen muß anthroposophische Geisteswissenschaft hineinleuchten. Wir haben dadurch, daß wir verlernt haben, auf das Geistige hinzuschauen, auch keine Geschichte mehr. Und es ist eigentlich für jeden empfindenden Menschen so, daß man sagen kann: Nun ja, bei Martianus Capella sind eigentlich die alten Führer und Wächter, die hineinführten in die geistige Welt, schon recht magere, schmächtige Damen geworden; aber was man heute schließlich kennenlernt als Heinrich I., Otto I., Otto II., Heinrich II. und so weiter, so wie es in der Geschichte verzeichnet wird, das sind im Grunde genommen Geschichtspuppen, die nach dem Muster derjenigen gestaltet sind, die da als die schmächtigen Damen Grammatik, Rhetorik, Dialektik und so weiter sich entwickelt haben. Denn im Grunde genommen, etwas Fetteres hat man auch nicht an den Persönlichkeiten, die da als Geschichte hintereinander dargestellt werden!
[ 41 ] Die Dinge müssen eben angeschaut werden, wie sie wirklich sind. Und eigentlich müßten die Menschen der Gegenwart darnach lechzen, die Dinge anzuschauen, wie sie wirklich sind. Deshalb ist es schon eine Pflicht, diese Dinge, wo es möglich ist, darzustellen, und dargestellt können sie heute werden in der Anthroposophischen Gesellschaft. — Ja, ich hoffe, daß wenigstens diese in einer künftigen Zeit einmal aufwacht!
[ 41 ] Die Dinge müssen eben angeschaut werden, wie sie wirklich sind. Und eigentlich müßten die Menschen der Gegenwart darnach lechzen, die Dinge anzuschauen, wie sie wirklich sind. Deshalb ist es schon eine Pflicht, diese Dinge, wo es möglich ist, darzustellen, und dargestellt können sie heute werden in der Anthroposophischen Gesellschaft. — Ja, ich hoffe, daß wenigstens diese in einer künftigen Zeit einmal aufwacht!



