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The Secret of the Trinity
GA 214

5 August 1922, Dornach

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Das Geheimnis der Trinität
  1. The Secret of the Trinity, tr. SOL

Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Der Mensch kennt, wenn er sich seines gewöhnlichen Bewußtseins bedient, nur einen Teil dessen, was mit seinem Dasein zusammenhängt. Wir erhalten, wenn wir uns in der Welt umschauen, durch unser gewöhnliches Bewußtsein die Bilder der Außenwelt, die wir durch unsere Sinne in uns erregen können. Und indem wir dann über das, was uns die Sinne geben, denken, indem wir uns Gedanken bilden, bleiben uns von diesen Gedanken Erinnerungsbilder. So daß also das Leben in der Seele so verläuft, daß der Mensch die Außenwelt anschaut, mit ihr lebt, aber, indem er mit der Außenwelt lebt, in sich auch trägt die Erinnerungsbilder an Vergangenes, das er erlebt hat.

[ 1 ] Der Mensch kennt, wenn er sich seines gewöhnlichen Bewußtseins bedient, nur einen Teil dessen, was mit seinem Dasein zusammenhängt. Wir erhalten, wenn wir uns in der Welt umschauen, durch unser gewöhnliches Bewußtsein die Bilder der Außenwelt, die wir durch unsere Sinne in uns erregen können. Und indem wir dann über das, was uns die Sinne geben, denken, indem wir uns Gedanken bilden, bleiben uns von diesen Gedanken Erinnerungsbilder. So daß also das Leben in der Seele so verläuft, daß der Mensch die Außenwelt anschaut, mit ihr lebt, aber, indem er mit der Außenwelt lebt, in sich auch trägt die Erinnerungsbilder an Vergangenes, das er erlebt hat.

[ 2 ] Nur wird von dem gewöhnlichen Bewußtsein das, was in der Erinnerung lebt, nicht richtig erkannt. Der Mensch stellt sich das ja ungefähr so vor: Er hat von der Außenwelt Erkenntnisse, Wahrnehmungen erhalten, die haben Bilder in ihm ergeben; diese Bilder bleiben irgendwo zurück, und er kann sie in seinem Seelenleben als Erinnerungsbilder wiederum heraufrufen. So ist aber die Sache nicht. Betrachten Sie einmal stufenweise, was sich eigentlich mit dem Menschen abspielt. Sie werden schon bemerkt haben, in welcher Weise dasjenige, um das man sich nicht besonders in Gedanken kümmert, sondern was man nur mit den Sinnen, zum Beispiel mit den Augen betrachtet, Nachbilder gibt. Goethe beschreibt solche Nachbilder, wie sie von den Augen gebildet werden, sehr gut in seiner Farbenlehre: als abklingende Bilder. Man sieht auf irgend etwas hin, schließt die Augen: veränderte Bilder klingen ab. Man beachtet im gewöhnlichen Leben diese abklingenden Bilder wenig, denn man setzt für das Wahrnehmen eine energischere Tätigkeit ein: man denkt nach. Wenn der Mensch eine schwache Gedankentätigkeit einsetzt, und die Außenwelt ihm ein Bild gibt im Auge, so klingt ein Nachbild nach. Wenn der Mensch aber jetzt nachdenkt, so nimmt er gewissermaßen die von außen kommende Tätigkeit weiter herein, und es klingt dann sein Gedankenbild nach. Das ist auch ein Nachklingen.

[ 2 ] Nur wird von dem gewöhnlichen Bewußtsein das, was in der Erinnerung lebt, nicht richtig erkannt. Der Mensch stellt sich das ja ungefähr so vor: Er hat von der Außenwelt Erkenntnisse, Wahrnehmungen erhalten, die haben Bilder in ihm ergeben; diese Bilder bleiben irgendwo zurück, und er kann sie in seinem Seelenleben als Erinnerungsbilder wiederum heraufrufen. So ist aber die Sache nicht. Betrachten Sie einmal stufenweise, was sich eigentlich mit dem Menschen abspielt. Sie werden schon bemerkt haben, in welcher Weise dasjenige, um das man sich nicht besonders in Gedanken kümmert, sondern was man nur mit den Sinnen, zum Beispiel mit den Augen betrachtet, Nachbilder gibt. Goethe beschreibt solche Nachbilder, wie sie von den Augen gebildet werden, sehr gut in seiner Farbenlehre: als abklingende Bilder. Man sieht auf irgend etwas hin, schließt die Augen: veränderte Bilder klingen ab. Man beachtet im gewöhnlichen Leben diese abklingenden Bilder wenig, denn man setzt für das Wahrnehmen eine energischere Tätigkeit ein: man denkt nach. Wenn der Mensch eine schwache Gedankentätigkeit einsetzt, und die Außenwelt ihm ein Bild gibt im Auge, so klingt ein Nachbild nach. Wenn der Mensch aber jetzt nachdenkt, so nimmt er gewissermaßen die von außen kommende Tätigkeit weiter herein, und es klingt dann sein Gedankenbild nach. Das ist auch ein Nachklingen.

[ 3 ] Diese Gedankenbilder sind stärker, ihr Nachklingen ist auch ein intensiveres als das der bloßen Sinnesnachbilder; aber es ist im Grunde genommen eben doch nur eine höhere Stufe. Diese Gedankennachbilder würden aber dennoch verklingen, so wie die Sinnesnachbilder verklingen, wenn sie nur als Gedankenbilder erregt würden. Das ist aber gar nicht der Fall. Denn der Mensch hat ja nicht nur seinen Kopf, sondern auch seinen übrigen Organismus, der nun doch etwas ganz anderes als der Kopf ist. Der Kopf ist eigentlich vorzugsweise ein Nachbild dessen, was mit dem Menschen geschieht, bevor er aus der geistigen Welt in die physische Welt durch die Geburt oder Empfängnis heruntergestiegen ist. Er ist viel mehr physisch als der übrige Organismus. Der übrige Organismus ist weniger physisch entwickelt als der Kopf, und man könnte sagen: Das Geistige ist eigentlich im Kopfe nur wie ein Bild vorhanden, während es für den übrigen Organismus geistig stark ist. Sie haben einen stark physischen Kopf, plastisch ausgebildet; da ist wenig Geist darinnen im spirituellen Sinne. Und Sie haben einen Organismus, der ist physisch nicht stark ein Nachbild desjenigen, was der Mensch war vor der Geburt, vor dem Heruntersteigen, aber das Geistige ist im übrigen Organismus stärker. Beim Kopfe ist mehr das Physische, bei dem übrigen Organismus mehr das Geistige ausgebildet.

[ 3 ] Diese Gedankenbilder sind stärker, ihr Nachklingen ist auch ein intensiveres als das der bloßen Sinnesnachbilder; aber es ist im Grunde genommen eben doch nur eine höhere Stufe. Diese Gedankennachbilder würden aber dennoch verklingen, so wie die Sinnesnachbilder verklingen, wenn sie nur als Gedankenbilder erregt würden. Das ist aber gar nicht der Fall. Denn der Mensch hat ja nicht nur seinen Kopf, sondern auch seinen übrigen Organismus, der nun doch etwas ganz anderes als der Kopf ist. Der Kopf ist eigentlich vorzugsweise ein Nachbild dessen, was mit dem Menschen geschieht, bevor er aus der geistigen Welt in die physische Welt durch die Geburt oder Empfängnis heruntergestiegen ist. Er ist viel mehr physisch als der übrige Organismus. Der übrige Organismus ist weniger physisch entwickelt als der Kopf, und man könnte sagen: Das Geistige ist eigentlich im Kopfe nur wie ein Bild vorhanden, während es für den übrigen Organismus geistig stark ist. Sie haben einen stark physischen Kopf, plastisch ausgebildet; da ist wenig Geist darinnen im spirituellen Sinne. Und Sie haben einen Organismus, der ist physisch nicht stark ein Nachbild desjenigen, was der Mensch war vor der Geburt, vor dem Heruntersteigen, aber das Geistige ist im übrigen Organismus stärker. Beim Kopfe ist mehr das Physische, bei dem übrigen Organismus mehr das Geistige ausgebildet.

[ 4 ] Die Gedanken, die wir haben, die würden nun geradeso verklingen wie die Nachbilder der Augen, wenn sie nicht von unserem Geistorganismus übernommen und von ihm verarbeitet würden. Aber der Geist-Organismus könnte nicht viel mit diesen Bildern anfangen, wenn nicht noch etwas anderes stattfände. Während wir nämlich diese Bilder wahrnehmen, die wir dann zu diesen flüchtigen Gedanken machen, die eigentlich nur in unserem Kopfe sitzen, bekommen wir geradeso wie wir durch das Auge die Bilder bekommen, die wir dann zu Gedanken verarbeiten, außer dem Bilde noch — denn die Augenbilder erhalten wir ja von der physisch-ätherischen Welt — von der übrigen Welt das Geistige in uns hinein, so daß wir nicht nur in uns den Geist tragen, sondern daß fortwährend auch der übrige Geist der Welt in uns hineinkommt. Sie können also sagen: Mit dem Auge nehmen Sie aus der physisch-ätherischen Welt irgend etwas wahr, was in Ihnen als Bildwirkung ist; aber dahinter steht ein sehr realer geistiger Vorgang, der nur im Unbewußten bleibt. Der Mensch kann ihn mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht wahrnehmen. Das ist, durchaus parallel laufend der physischen Wahrnehmung, ein geistiger Vorgang. Und während Sie das Bild wahrnehmen, das kurze Zeit nachklingt im Auge, während Sie den Gedanken haben, den Sie ein bißchen behalten würden, aber der auch abklingen würde, geht da in Ihnen etwas Geistiges vor, und wenn Sie sich wieder erinnern, so wenden Sie einfach den Blick nach innen und schauen das an, was geistig im Inneren vorgegangen ist, während Sie wahrgenommen haben.

[ 4 ] Die Gedanken, die wir haben, die würden nun geradeso verklingen wie die Nachbilder der Augen, wenn sie nicht von unserem Geistorganismus übernommen und von ihm verarbeitet würden. Aber der Geist-Organismus könnte nicht viel mit diesen Bildern anfangen, wenn nicht noch etwas anderes stattfände. Während wir nämlich diese Bilder wahrnehmen, die wir dann zu diesen flüchtigen Gedanken machen, die eigentlich nur in unserem Kopfe sitzen, bekommen wir geradeso wie wir durch das Auge die Bilder bekommen, die wir dann zu Gedanken verarbeiten, außer dem Bilde noch — denn die Augenbilder erhalten wir ja von der physisch-ätherischen Welt — von der übrigen Welt das Geistige in uns hinein, so daß wir nicht nur in uns den Geist tragen, sondern daß fortwährend auch der übrige Geist der Welt in uns hineinkommt. Sie können also sagen: Mit dem Auge nehmen Sie aus der physisch-ätherischen Welt irgend etwas wahr, was in Ihnen als Bildwirkung ist; aber dahinter steht ein sehr realer geistiger Vorgang, der nur im Unbewußten bleibt. Der Mensch kann ihn mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht wahrnehmen. Das ist, durchaus parallel laufend der physischen Wahrnehmung, ein geistiger Vorgang. Und während Sie das Bild wahrnehmen, das kurze Zeit nachklingt im Auge, während Sie den Gedanken haben, den Sie ein bißchen behalten würden, aber der auch abklingen würde, geht da in Ihnen etwas Geistiges vor, und wenn Sie sich wieder erinnern, so wenden Sie einfach den Blick nach innen und schauen das an, was geistig im Inneren vorgegangen ist, während Sie wahrgenommen haben.

[ 5 ] Ich will es Ihnen noch durch etwas Anschauliches verdeutlichen. Nehmen wir an, Sie sehen irgend etwas in der Außenwelt, sagen wir zum Beispiel eine Maschine. Sie haben das Bild der Maschine. In dem Sinne, wie das Goethe beschrieben hat, gibt das ein Nachbild, das kurz erklingt, dann abklingt. Sie bekommen den Gedanken der Maschine, der sich länger hält, der aber auch abklingen würde. Aber die Maschine sendet außerdem in Ihren Geistesorganismus noch etwas hinein. Bei der Maschine ist das allerdings etwas sehr wenig Schönes, bei der Pflanze zum Beispiel ist es viel schöner. Die sendet etwas in Sie hinein. Und nun, nach meinetwillen einem Monat, blicken Sie in sich hinein. Die Erinnerung entsteht Ihnen durch das, was damals auch in Sie, ohne daß Sie es gewußt haben, gleichzeitig mit dem hineingegangen ist, was den Gedanken erregt hat. Nicht der Gedanke ist da unten herumgewandelt, sondern es ist ein unbewußter geistiger Vorgang gewesen. Der wird später beobachtet. Erinnerung ist Beobachtung, späteres Beobachten eines Geistvorganges, der parallel gegangen ist der physischen Wahrnehmung. — Sehen Sie, eigentlich leben wir Menschen so in der Welt: Da ist unser fortlaufender Strom des Daseins; wir sind in dem Meere der Geisteswelt drinnen. Und nun leben wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in dieser geistigen Welt darinnen unser Dasein weiter. Nur gibt es Zeiten, da gehen wir aus der geistigen Welt heraus mit dem Kopf. Also wir bewegen uns fort, und zu gewissen Zeiten, wie ein Fisch, der über das Wasser hinausschnellt, kommen wir heraus. Das ist das Erdenleben. Dann tauchen wir wieder unter. Dann kommt wieder ein Erdenleben. Wir tauchen nämlich nicht mit unserem ganzen Geistwesen aus diesem Meere des geistigen Daseins auf, sondern nur mit dem Kopf. Da unten bleiben wir immer in der geistigen Welt drinnen. Nur wissen wir nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, was vorgeht. Also für die geistige Wahrnehmung ist es eigentlich so, daß wir sagen können: Der Mensch lebt zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt. Dann guckt er herauf mit seinem Kopf in sein Physisches, aber mit dem Hauptteil bleibt er immer noch in der geistigen Welt, auch zwischen der Geburt und dem Tode. Und es ist gut für uns, daß wir dadrinnen schwimmen bleiben, denn wir hätten sonst keine Erinnerungen. Das, was uns die geistige Welt gibt, macht sie uns möglich. Das Erinnern ist schon ein geistiger Vorgang, der durchaus einer objektiven Welt angehört, nicht bloß etwa einer subjektiven. Das gewöhnliche Bewußtsein gibt sich dabei einem Irrtum hin. Es glaubt nicht, daß mit der Erinnerung ein realer Prozeß verknüpft ist. Aber das gewöhnliche Bewußtsein irrt sich, geradeso wie jemand, der einen Berg mit einem Schloß vor sich hat. Jetzt sieht er das ganz genau, jetzt glaubt er an die Wirklichkeit. Nun entfernt er sich. Die Sache wird immer perspektivischer, und er würde sagen, weil das immer perspektivischer wird: Jetzt habe ich nur ein Bild, keine Wirklichkeit mehr. So entfernen wir uns in der Zeit von der Wirklichkeit. Das Schloß, das ändert sich nicht .in bezug auf seine Wirklichkeit im Raume, wenn unser Bild sich ändert. Ebensowenig ändert sich in bezug auf seine Realität dasjenige, dem unser Erinnerungsbild entspricht. Das bleibt, wie unser Schloß bleibt. Wir irren uns nur, weil wir unsere zeitliche Perspektive nicht richtig einschätzen können. So sind viele Dinge, die sich auf den Menschen beziehen, einfach richtigzustellen. Was wir als ein in der Zeit verlaufendes Bewußtsein haben, das ist nämlich nichts anderes als ein perspektivischer Anblick der Vergangenheit. Vergangenheit vergeht nicht, sie bleibt. Unsere Bilder rücken nur in zeitliche Perspektive.

[ 5 ] Ich will es Ihnen noch durch etwas Anschauliches verdeutlichen. Nehmen wir an, Sie sehen irgend etwas in der Außenwelt, sagen wir zum Beispiel eine Maschine. Sie haben das Bild der Maschine. In dem Sinne, wie das Goethe beschrieben hat, gibt das ein Nachbild, das kurz erklingt, dann abklingt. Sie bekommen den Gedanken der Maschine, der sich länger hält, der aber auch abklingen würde. Aber die Maschine sendet außerdem in Ihren Geistesorganismus noch etwas hinein. Bei der Maschine ist das allerdings etwas sehr wenig Schönes, bei der Pflanze zum Beispiel ist es viel schöner. Die sendet etwas in Sie hinein. Und nun, nach meinetwillen einem Monat, blicken Sie in sich hinein. Die Erinnerung entsteht Ihnen durch das, was damals auch in Sie, ohne daß Sie es gewußt haben, gleichzeitig mit dem hineingegangen ist, was den Gedanken erregt hat. Nicht der Gedanke ist da unten herumgewandelt, sondern es ist ein unbewußter geistiger Vorgang gewesen. Der wird später beobachtet. Erinnerung ist Beobachtung, späteres Beobachten eines Geistvorganges, der parallel gegangen ist der physischen Wahrnehmung. — Sehen Sie, eigentlich leben wir Menschen so in der Welt: Da ist unser fortlaufender Strom des Daseins; wir sind in dem Meere der Geisteswelt drinnen. Und nun leben wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in dieser geistigen Welt darinnen unser Dasein weiter. Nur gibt es Zeiten, da gehen wir aus der geistigen Welt heraus mit dem Kopf. Also wir bewegen uns fort, und zu gewissen Zeiten, wie ein Fisch, der über das Wasser hinausschnellt, kommen wir heraus. Das ist das Erdenleben. Dann tauchen wir wieder unter. Dann kommt wieder ein Erdenleben. Wir tauchen nämlich nicht mit unserem ganzen Geistwesen aus diesem Meere des geistigen Daseins auf, sondern nur mit dem Kopf. Da unten bleiben wir immer in der geistigen Welt drinnen. Nur wissen wir nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, was vorgeht. Also für die geistige Wahrnehmung ist es eigentlich so, daß wir sagen können: Der Mensch lebt zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt. Dann guckt er herauf mit seinem Kopf in sein Physisches, aber mit dem Hauptteil bleibt er immer noch in der geistigen Welt, auch zwischen der Geburt und dem Tode. Und es ist gut für uns, daß wir dadrinnen schwimmen bleiben, denn wir hätten sonst keine Erinnerungen. Das, was uns die geistige Welt gibt, macht sie uns möglich. Das Erinnern ist schon ein geistiger Vorgang, der durchaus einer objektiven Welt angehört, nicht bloß etwa einer subjektiven. Das gewöhnliche Bewußtsein gibt sich dabei einem Irrtum hin. Es glaubt nicht, daß mit der Erinnerung ein realer Prozeß verknüpft ist. Aber das gewöhnliche Bewußtsein irrt sich, geradeso wie jemand, der einen Berg mit einem Schloß vor sich hat. Jetzt sieht er das ganz genau, jetzt glaubt er an die Wirklichkeit. Nun entfernt er sich. Die Sache wird immer perspektivischer, und er würde sagen, weil das immer perspektivischer wird: Jetzt habe ich nur ein Bild, keine Wirklichkeit mehr. So entfernen wir uns in der Zeit von der Wirklichkeit. Das Schloß, das ändert sich nicht .in bezug auf seine Wirklichkeit im Raume, wenn unser Bild sich ändert. Ebensowenig ändert sich in bezug auf seine Realität dasjenige, dem unser Erinnerungsbild entspricht. Das bleibt, wie unser Schloß bleibt. Wir irren uns nur, weil wir unsere zeitliche Perspektive nicht richtig einschätzen können. So sind viele Dinge, die sich auf den Menschen beziehen, einfach richtigzustellen. Was wir als ein in der Zeit verlaufendes Bewußtsein haben, das ist nämlich nichts anderes als ein perspektivischer Anblick der Vergangenheit. Vergangenheit vergeht nicht, sie bleibt. Unsere Bilder rücken nur in zeitliche Perspektive.

[ 6 ] Nun, aber gerade dieses Verhältnis zu dem in uns, was eigentlich auch zwischen Geburt und Tod geistigere Vorgänge sind, hat sich für die Menschen im Laufe des Erdenlebens ganz wesentlich geändert. Wenn wir den Menschen betrachten, so besteht er ja aus dem physischen und dem ätherischen Leibe. Aber das wäre von dem Menschen nur das, was in der Nacht, wenn er schläft, im Bette liegt. Bei Tag, da ist hineingesenkt in diesen physischen und ätherischen Leib noch der astralische Leib und das Ich. Das Ich derjenigen Menschen, die vor dem Mysterium von Golgatha gelebt haben — und wir waren ja selbst in früheren Inkarnationen diese Menschen —, dämmerte gegen das Mysterium von Golgatha hin ab. Da wachten die Menschen in einer anderen Weise auf, als diejenigen nach dem Mysterium von Golgatha. Der astralische Leib geht immer ganz in den Ätherleib hinein. Aber das Ich ging früher auch sehr weit in den Ätherleib hinein. Heute ist das nicht mehr der Fall. Heute geht das Ich nur in den Kopfteil des Ätherleibs hinein. So daß das Ich bei dem alten Menschen ganz untertauchte und daher auch in die unteren Partien des Ätherleibes kam. Heute geht es nicht dahinunter, sondern nur in den Kopf. Dadurch können wir intellektualistisch denken. In dem Augenblick, wo wir tiefer untertauchen würden, würden wir innerlich instinktive Bilder bekommen. Und das Ich ist eigentlich noch stark außerhalb des physischen Leibes bei dem Menschen der Gegenwart. So daß gerade sein intellektualistisches Wesen darauf beruht, daß er nun nicht mehr mit seinem Ich in seinen ganzen Ätherleib untertaucht. Würde das geschehen, so würde er instinktives Hellsehen haben. Da er aber nicht mehr in seinen ganzen Ätherleib untertaucht, sondern nur in den des Kopfes, so bekommt er nicht dieses instinktive Hellsehen, sondern ein klar bewußtes Sehen, ein klar bewußtes Wahrnehmen der Außenwelt, aber nur ein Kopfwahrnehmen der Außenwelt, so wie eben unser Wahrnehmen ist. Der alte Mensch hat mit seinem ganzen Menschen noch gesehen. Der neuere Mensch sieht nur mit dem Kopfe. Und der Kopf ist eben das am allermeisten physisch Geartete zwischen Geburt und Tod. Daher wird dem Menschen des intellektualistischen Zeitalters nur das gegeben, was er durch seinen physischen Kopf und dasjenige noch, was er durch den Ätherleib des Kopfes wahrnimmt: die Gedanken, die er sich machen kann. Schon der Vorgang des Erinnerns, der allerdings dann da unten vorgeht, entzieht sich dem Bewußtsein. Den deutet der moderne Mensch ganz falsch, wie ich ausgeführt habe. Dadurch sah der alte Mensch um sich herum nicht bloß die physische Außenwelt, sondern hinter ihr das geistige Wesen. Die physische Außenwelt wurde ihm gar nicht besonders klar, die hatte für ihn viel mehr Verschwommenes als für den neueren Menschen. Aber dafür sah er überall hinter den Dingen, die da sich in der physischen Welt ausbreiteten, göttlich-geistige Wesenheiten niederer Art, aber auch solche höherer Art. Es ist eine kindlich naive Vorstellung, wenn man glaubt, daß, wenn die alten Menschen ihre Götter in der Natur beschrieben haben, sie da etwas erdichtet hätten. Sie haben nichts erdichtet. Es wäre gerade so naiv, als wenn wir von irgend jemandem hören, er hat das und das im Wachen gesehen, und wir würden sagen: Das hat er bloß erdichtet. — Die Alten haben die Dinge nicht bloß erdichtet, sondern sie haben sie gesehen, verwoben in die sinnlichen Anschauungen, die deshalb auch viel undeutlicher waren, weil sie gewissermaßen auf dem Hintergrunde des Göttlich-Geistigen, das sich abspielte, gesehen wurden. Es war also ein ganz anderes Weltbild, das der alte Mensch hatte. Er tauchte eben beim Aufwachen tiefer in seinen Ätherleib ein und hatte dadurch ein anderes Weltbild. Er war in sich drinnen, und dadurch zeigten sich ihm die göttlich-geistigen Wesenheiten in ihren Schicksalen.

[ 6 ] Nun, aber gerade dieses Verhältnis zu dem in uns, was eigentlich auch zwischen Geburt und Tod geistigere Vorgänge sind, hat sich für die Menschen im Laufe des Erdenlebens ganz wesentlich geändert. Wenn wir den Menschen betrachten, so besteht er ja aus dem physischen und dem ätherischen Leibe. Aber das wäre von dem Menschen nur das, was in der Nacht, wenn er schläft, im Bette liegt. Bei Tag, da ist hineingesenkt in diesen physischen und ätherischen Leib noch der astralische Leib und das Ich. Das Ich derjenigen Menschen, die vor dem Mysterium von Golgatha gelebt haben — und wir waren ja selbst in früheren Inkarnationen diese Menschen —, dämmerte gegen das Mysterium von Golgatha hin ab. Da wachten die Menschen in einer anderen Weise auf, als diejenigen nach dem Mysterium von Golgatha. Der astralische Leib geht immer ganz in den Ätherleib hinein. Aber das Ich ging früher auch sehr weit in den Ätherleib hinein. Heute ist das nicht mehr der Fall. Heute geht das Ich nur in den Kopfteil des Ätherleibs hinein. So daß das Ich bei dem alten Menschen ganz untertauchte und daher auch in die unteren Partien des Ätherleibes kam. Heute geht es nicht dahinunter, sondern nur in den Kopf. Dadurch können wir intellektualistisch denken. In dem Augenblick, wo wir tiefer untertauchen würden, würden wir innerlich instinktive Bilder bekommen. Und das Ich ist eigentlich noch stark außerhalb des physischen Leibes bei dem Menschen der Gegenwart. So daß gerade sein intellektualistisches Wesen darauf beruht, daß er nun nicht mehr mit seinem Ich in seinen ganzen Ätherleib untertaucht. Würde das geschehen, so würde er instinktives Hellsehen haben. Da er aber nicht mehr in seinen ganzen Ätherleib untertaucht, sondern nur in den des Kopfes, so bekommt er nicht dieses instinktive Hellsehen, sondern ein klar bewußtes Sehen, ein klar bewußtes Wahrnehmen der Außenwelt, aber nur ein Kopfwahrnehmen der Außenwelt, so wie eben unser Wahrnehmen ist. Der alte Mensch hat mit seinem ganzen Menschen noch gesehen. Der neuere Mensch sieht nur mit dem Kopfe. Und der Kopf ist eben das am allermeisten physisch Geartete zwischen Geburt und Tod. Daher wird dem Menschen des intellektualistischen Zeitalters nur das gegeben, was er durch seinen physischen Kopf und dasjenige noch, was er durch den Ätherleib des Kopfes wahrnimmt: die Gedanken, die er sich machen kann. Schon der Vorgang des Erinnerns, der allerdings dann da unten vorgeht, entzieht sich dem Bewußtsein. Den deutet der moderne Mensch ganz falsch, wie ich ausgeführt habe. Dadurch sah der alte Mensch um sich herum nicht bloß die physische Außenwelt, sondern hinter ihr das geistige Wesen. Die physische Außenwelt wurde ihm gar nicht besonders klar, die hatte für ihn viel mehr Verschwommenes als für den neueren Menschen. Aber dafür sah er überall hinter den Dingen, die da sich in der physischen Welt ausbreiteten, göttlich-geistige Wesenheiten niederer Art, aber auch solche höherer Art. Es ist eine kindlich naive Vorstellung, wenn man glaubt, daß, wenn die alten Menschen ihre Götter in der Natur beschrieben haben, sie da etwas erdichtet hätten. Sie haben nichts erdichtet. Es wäre gerade so naiv, als wenn wir von irgend jemandem hören, er hat das und das im Wachen gesehen, und wir würden sagen: Das hat er bloß erdichtet. — Die Alten haben die Dinge nicht bloß erdichtet, sondern sie haben sie gesehen, verwoben in die sinnlichen Anschauungen, die deshalb auch viel undeutlicher waren, weil sie gewissermaßen auf dem Hintergrunde des Göttlich-Geistigen, das sich abspielte, gesehen wurden. Es war also ein ganz anderes Weltbild, das der alte Mensch hatte. Er tauchte eben beim Aufwachen tiefer in seinen Ätherleib ein und hatte dadurch ein anderes Weltbild. Er war in sich drinnen, und dadurch zeigten sich ihm die göttlich-geistigen Wesenheiten in ihren Schicksalen.

[ 7 ] Der Mensch sah hinein in die Götterwelten, die seiner eigenen Welt vorangegangen waren. Die Götter zeigten dem Menschen ihr Schicksal, und er konnte, indem er in die Götterwelten hineinsah, die Schicksale der Götter wahrnehmen. Er konnte sagen: Ich weiß, woher ich komme, ich weiß, mit welcher Welt ich zusammenhänge. Das war deshalb, weil der Mensch den Ausgangspunkt seiner Perspektive in sich haben konnte. Er machte seinen Ätherleib zu einem Organ, um diese Götterwelt wahrnehmen zu können. Das kann der moderne Mensch nicht. Der kann seine Perspektive nur vom Kopf aus nehmen, und der ist außerhalb des geistigsten Teiles des Ätherleibes. Der Ätherleib des Kopfes ist etwas Chaotisches, ist nicht so durchorganisiert, wie es der Ätherleib des übrigen Organismus ist. Daher sieht der Mensch eben die physische Welt jetzt genauer als früher, aber er sieht nicht mehr die Götter dahinter. Aber dafür ist er im gegenwärtigen Zeitalter in einer gewissen Vorbereitung. Er ist auf dem Wege, ganz aus sich herauszugehen und seine Perspektive außerhalb zu nehmen. Das ist etwas, was dem Menschen beschert ist in der Zukunft. Jetzt ist er ja schon auf dem Wege dazu, denn wenn man sonst in nichts drinnen ist als in seinem Kopfe, so ist man eigentlich nur mehr mit den abstraktesten Gedanken in der Welt drinnen. Man ist in nichts Rechtem mehr drinnen, möchte man sagen; es ist das etwas extrem gesprochen, wenn man sagt: Man ist in nichts drinnen als in einem Menschenkopf. — Denn ein Menschenkopf gibt einem nur Bewußtsein von dem physisch-irdischen Dasein. In demselben Maße aber, in dem der Mensch herauswächst aus seinem Kopfe, wird er wiederum Kenntnis erlangen, jetzt aber von dem Menschen selber. Als der Mensch noch in sich war, hatte er von dem Schicksale der Götter Kenntnis erhalten. Indem der Mensch aus sich herausrückt, kann er von seinem eigenen Weltenschicksal Kenntnis erhalten. Er kann in sich hineinblicken. Und wenn sich die Menschen nur jetzt schon recht anstrengen würden, so würde der Kopf sie gar nicht so stark hindern, als man gewöhnlich glaubt, an diesem Hineinschauen in das eigene Menschenschicksal, in das Weltenschicksal des Menschen. Das Hindernis ist nur, daß sich die Menschen so darauf versteifen, in gar nichts anderem leben zu wollen als in ihrem Kopfe; und wie man sagt Kirchturmpolitik, so könnte man auch sagen Kopfmenschenkenntnis. Es ist ein nicht Hinausschauenwollen über das, was der Kopf erzeugt, wenn die Menschen sich gegenwärtig noch gar nicht dazu herbeilassen wollen, das, was nun Anthroposophie als Menschenweisheit bietet, als etwas, was man wissen kann über die Menschen, aus ihrem gesunden Menschenverstand einsehen zu wollen.

[ 7 ] Der Mensch sah hinein in die Götterwelten, die seiner eigenen Welt vorangegangen waren. Die Götter zeigten dem Menschen ihr Schicksal, und er konnte, indem er in die Götterwelten hineinsah, die Schicksale der Götter wahrnehmen. Er konnte sagen: Ich weiß, woher ich komme, ich weiß, mit welcher Welt ich zusammenhänge. Das war deshalb, weil der Mensch den Ausgangspunkt seiner Perspektive in sich haben konnte. Er machte seinen Ätherleib zu einem Organ, um diese Götterwelt wahrnehmen zu können. Das kann der moderne Mensch nicht. Der kann seine Perspektive nur vom Kopf aus nehmen, und der ist außerhalb des geistigsten Teiles des Ätherleibes. Der Ätherleib des Kopfes ist etwas Chaotisches, ist nicht so durchorganisiert, wie es der Ätherleib des übrigen Organismus ist. Daher sieht der Mensch eben die physische Welt jetzt genauer als früher, aber er sieht nicht mehr die Götter dahinter. Aber dafür ist er im gegenwärtigen Zeitalter in einer gewissen Vorbereitung. Er ist auf dem Wege, ganz aus sich herauszugehen und seine Perspektive außerhalb zu nehmen. Das ist etwas, was dem Menschen beschert ist in der Zukunft. Jetzt ist er ja schon auf dem Wege dazu, denn wenn man sonst in nichts drinnen ist als in seinem Kopfe, so ist man eigentlich nur mehr mit den abstraktesten Gedanken in der Welt drinnen. Man ist in nichts Rechtem mehr drinnen, möchte man sagen; es ist das etwas extrem gesprochen, wenn man sagt: Man ist in nichts drinnen als in einem Menschenkopf. — Denn ein Menschenkopf gibt einem nur Bewußtsein von dem physisch-irdischen Dasein. In demselben Maße aber, in dem der Mensch herauswächst aus seinem Kopfe, wird er wiederum Kenntnis erlangen, jetzt aber von dem Menschen selber. Als der Mensch noch in sich war, hatte er von dem Schicksale der Götter Kenntnis erhalten. Indem der Mensch aus sich herausrückt, kann er von seinem eigenen Weltenschicksal Kenntnis erhalten. Er kann in sich hineinblicken. Und wenn sich die Menschen nur jetzt schon recht anstrengen würden, so würde der Kopf sie gar nicht so stark hindern, als man gewöhnlich glaubt, an diesem Hineinschauen in das eigene Menschenschicksal, in das Weltenschicksal des Menschen. Das Hindernis ist nur, daß sich die Menschen so darauf versteifen, in gar nichts anderem leben zu wollen als in ihrem Kopfe; und wie man sagt Kirchturmpolitik, so könnte man auch sagen Kopfmenschenkenntnis. Es ist ein nicht Hinausschauenwollen über das, was der Kopf erzeugt, wenn die Menschen sich gegenwärtig noch gar nicht dazu herbeilassen wollen, das, was nun Anthroposophie als Menschenweisheit bietet, als etwas, was man wissen kann über die Menschen, aus ihrem gesunden Menschenverstand einsehen zu wollen.

[ 8 ] So ist der Mensch auf dem Wege, den Menschen kennenzulernen, weil er seinen Ausgangspunkt allmählich von außerhalb des Menschen nimmt. So daß also das allgemeine Menschenschicksal ist, aus dem Ätherleib immer mehr und mehr herauszukommen und den Menschen kennenzulernen. Aber das ist natürlich etwas, was mit einer gewissen Gefahr verbunden ist. Man verliert allmählich — oder wenigstens ist die Möglichkeit vorhanden, den Zusammenhang zu verlieren mit seinem ätherischen Leibe. Es ist eben im Weltenschicksal der Menschheit dem abgeholfen worden durch das Mysterium von Golgatha. Während der Mensch vorher die Götterschicksale außen gesehen hat, ist er seither dazu veranlagt, sein eigenes Welten-Menschenschicksal zu sehen. Aber indem er immer mehr und mehr aus sich herausgeht und das Mysterium von Golgatha so verstanden wird, wie es Paulus haben wollte: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», kommt der Mensch durch seine Verbindung mit dem Christus wieder in das Menschliche hinein. Also gerade durch das Christus-Erlebnis kann er dieses allmähliche Herausgehen ertragen. Aber dieses Christus-Erlebnis muß eben immer intensiver und intensiver werden. Deshalb, als im Verlaufe des Weltenschicksals die äußere Götterwelt immer mehr und mehr abdämmerte, dämmerte im Menschen die Möglichkeit auf, nun ein Götterschicksal zu haben, das sich auf der Erde selbst abgespielt hat, das also mit dem Menschen ganz verbunden ist.

[ 8 ] So ist der Mensch auf dem Wege, den Menschen kennenzulernen, weil er seinen Ausgangspunkt allmählich von außerhalb des Menschen nimmt. So daß also das allgemeine Menschenschicksal ist, aus dem Ätherleib immer mehr und mehr herauszukommen und den Menschen kennenzulernen. Aber das ist natürlich etwas, was mit einer gewissen Gefahr verbunden ist. Man verliert allmählich — oder wenigstens ist die Möglichkeit vorhanden, den Zusammenhang zu verlieren mit seinem ätherischen Leibe. Es ist eben im Weltenschicksal der Menschheit dem abgeholfen worden durch das Mysterium von Golgatha. Während der Mensch vorher die Götterschicksale außen gesehen hat, ist er seither dazu veranlagt, sein eigenes Welten-Menschenschicksal zu sehen. Aber indem er immer mehr und mehr aus sich herausgeht und das Mysterium von Golgatha so verstanden wird, wie es Paulus haben wollte: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», kommt der Mensch durch seine Verbindung mit dem Christus wieder in das Menschliche hinein. Also gerade durch das Christus-Erlebnis kann er dieses allmähliche Herausgehen ertragen. Aber dieses Christus-Erlebnis muß eben immer intensiver und intensiver werden. Deshalb, als im Verlaufe des Weltenschicksals die äußere Götterwelt immer mehr und mehr abdämmerte, dämmerte im Menschen die Möglichkeit auf, nun ein Götterschicksal zu haben, das sich auf der Erde selbst abgespielt hat, das also mit dem Menschen ganz verbunden ist.

[ 9 ] Es ist so, daß, wenn wir den alten Menschen vorstellen, er seine Götterwahrnehmungen um sich herum hatte. Er bildete sie sich aus den Bildern. Es war seine Mythologie, der Mythos. Diese Götterwahrnehmungen sind abgedämmert. Es ist gewissermaßen nur die physische Welt um den Menschen herum. Aber dafür hat er die Möglichkeit, jetzt sich in seinem Inneren zu verbinden mit einem Götterschicksal, mit dem Durchgehen des Gottes durch den Tod, mit der Auferstehung des Gottes. Nach außen hat der Mensch sein Geistesauge gelenkt in alten Zeiten, sah Götterschicksale, bildete sich daraus den Mythos, der in Bildern erlebt wird, in fluktuterenden Bildern, den Mythos, der vielgestaltig sein kann, weil er im Grunde genommen in der Geistwelt in der verschiedensten Weise lebt. Man möchte sagen, es war diese Götterwelt etwas, was mit einem gewissen Grad von Undeutlichkeit schon für den Erdenmenschen wahrnehmbar war, als er sie in seinem instinktiven Hellsehen wahrnahm. Daher bildeten die Menschen nach ihren verschiedenen Charakteren die Bilder von dieser Götterwelt verschieden aus. Die Mythen der verschiedenen Völker sind dadurch verschieden geworden. Der Mensch nahm eine wahre Welt war, aber diese wahre Welt mehr in Träumen, die jedoch von der Außenwelt kamen. Es waren Bilder von größerer oder geringerer Deutlichkeit, aber die Deutlichkeit war nicht groß genug, um für alle Menschen eindeutig zu sein.

[ 9 ] Es ist so, daß, wenn wir den alten Menschen vorstellen, er seine Götterwahrnehmungen um sich herum hatte. Er bildete sie sich aus den Bildern. Es war seine Mythologie, der Mythos. Diese Götterwahrnehmungen sind abgedämmert. Es ist gewissermaßen nur die physische Welt um den Menschen herum. Aber dafür hat er die Möglichkeit, jetzt sich in seinem Inneren zu verbinden mit einem Götterschicksal, mit dem Durchgehen des Gottes durch den Tod, mit der Auferstehung des Gottes. Nach außen hat der Mensch sein Geistesauge gelenkt in alten Zeiten, sah Götterschicksale, bildete sich daraus den Mythos, der in Bildern erlebt wird, in fluktuterenden Bildern, den Mythos, der vielgestaltig sein kann, weil er im Grunde genommen in der Geistwelt in der verschiedensten Weise lebt. Man möchte sagen, es war diese Götterwelt etwas, was mit einem gewissen Grad von Undeutlichkeit schon für den Erdenmenschen wahrnehmbar war, als er sie in seinem instinktiven Hellsehen wahrnahm. Daher bildeten die Menschen nach ihren verschiedenen Charakteren die Bilder von dieser Götterwelt verschieden aus. Die Mythen der verschiedenen Völker sind dadurch verschieden geworden. Der Mensch nahm eine wahre Welt war, aber diese wahre Welt mehr in Träumen, die jedoch von der Außenwelt kamen. Es waren Bilder von größerer oder geringerer Deutlichkeit, aber die Deutlichkeit war nicht groß genug, um für alle Menschen eindeutig zu sein.

[ 10 ] Nun kam ein Götterschicksal, das sich auf der Erde selber abspielte. Die anderen Götterschicksale waren dem Menschen ferner. Der Mensch sah sie in der Perspektive. Er sah sie daher nicht deutlich. Sie waren ihm in seinem Erdenleben ferner. Das Christus-Ereignis ist ihm seinem Erdenleben nach ganz nahe. Die Götter sah er undeutlich, weil er sie gewissermaßen in der Perspektive sah. Er überblickt das Mysterium von Golgatha noch nicht gehörig, weil ihm dieses zu nahe steht. Die Götter hat er in der Perspektive erblickt mit einigen perspektivischen Undeutlichkeiten, weil sie ihm ferne waren, zu ferne, um sie ganz deutlich zu sehen, sonst hätten alle Völker den gleichen Mythos gebildet. Das Mysterium von Golgatha ist dem Menschen zu nahe. Er ist mit ihm zu stark verbunden. Er muß erst noch Perspektive bekommen; dadurch, daß er immer weiter und weiter aus sich herausgeht, muß er Perspektive bekommen für das Götterschicksal auf der Erde, für das Mysterium von Golgatha.

[ 10 ] Nun kam ein Götterschicksal, das sich auf der Erde selber abspielte. Die anderen Götterschicksale waren dem Menschen ferner. Der Mensch sah sie in der Perspektive. Er sah sie daher nicht deutlich. Sie waren ihm in seinem Erdenleben ferner. Das Christus-Ereignis ist ihm seinem Erdenleben nach ganz nahe. Die Götter sah er undeutlich, weil er sie gewissermaßen in der Perspektive sah. Er überblickt das Mysterium von Golgatha noch nicht gehörig, weil ihm dieses zu nahe steht. Die Götter hat er in der Perspektive erblickt mit einigen perspektivischen Undeutlichkeiten, weil sie ihm ferne waren, zu ferne, um sie ganz deutlich zu sehen, sonst hätten alle Völker den gleichen Mythos gebildet. Das Mysterium von Golgatha ist dem Menschen zu nahe. Er ist mit ihm zu stark verbunden. Er muß erst noch Perspektive bekommen; dadurch, daß er immer weiter und weiter aus sich herausgeht, muß er Perspektive bekommen für das Götterschicksal auf der Erde, für das Mysterium von Golgatha.

[ 11 ] Das ist der Grund, warum diejenigen, die in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, lebten und noch schauen konnten — warum diese den Christus leicht verstehen. Sie konnten ihn leicht verstehen, weil sie ja die Götterwelt gesehen hatten und nun wußten: Der Christus ist aus dieser Götterwelt herausgegangen auf diese Erde für sein weiteres Schicksal, das mit dem Mysterium von Golgatha beginnt. Sie haben allerdings auch schon auf das Mysterium von Golgatha undeutlich hingesehen; aber den Christus konnten sie bis zum Mysterium von Golgatha gut sehen. Sie wußten daher von dem Christus als Gott sehr viel zu sagen. Sie fingen nur an zu diskutieren, was mit diesem Gotte geworden war, als er durch die Johannistaufe im Jordan in einen Menschen untergetaucht ist. Daher haben wir in den ersten Zeiten des Christentums eine sehr ausgeprägte Christologie und keine Jesulogie. Und weil überhaupt die Götterwelt aufhörte, ein Bekanntes zu sein, verwandelte sich zunächst die Christologie in eine bloße Jesulogie. Und die Jesulogie wurde immer stärker bis ins 19. Jahrhundert herauf, wo der Christus gar nicht einmal mehr mit dem Verstande begriffen wurde, sondern wo sich die moderne Theologie sehr viel darauf zugute tat, den Jesus möglichst menschlich zu verstehen und den Christus fahren zu lassen.

[ 11 ] Das ist der Grund, warum diejenigen, die in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, lebten und noch schauen konnten — warum diese den Christus leicht verstehen. Sie konnten ihn leicht verstehen, weil sie ja die Götterwelt gesehen hatten und nun wußten: Der Christus ist aus dieser Götterwelt herausgegangen auf diese Erde für sein weiteres Schicksal, das mit dem Mysterium von Golgatha beginnt. Sie haben allerdings auch schon auf das Mysterium von Golgatha undeutlich hingesehen; aber den Christus konnten sie bis zum Mysterium von Golgatha gut sehen. Sie wußten daher von dem Christus als Gott sehr viel zu sagen. Sie fingen nur an zu diskutieren, was mit diesem Gotte geworden war, als er durch die Johannistaufe im Jordan in einen Menschen untergetaucht ist. Daher haben wir in den ersten Zeiten des Christentums eine sehr ausgeprägte Christologie und keine Jesulogie. Und weil überhaupt die Götterwelt aufhörte, ein Bekanntes zu sein, verwandelte sich zunächst die Christologie in eine bloße Jesulogie. Und die Jesulogie wurde immer stärker bis ins 19. Jahrhundert herauf, wo der Christus gar nicht einmal mehr mit dem Verstande begriffen wurde, sondern wo sich die moderne Theologie sehr viel darauf zugute tat, den Jesus möglichst menschlich zu verstehen und den Christus fahren zu lassen.

[ 12 ] Aber es muß wiederum gerade durch geistige Erkenntnis die Perspektive gefunden werden, um das Wichtige, den Christus in dem Jesus zu erkennen. Denn dadurch wird es erst möglich, statt daß man mit dem Menschen gar nicht mehr in Verbindung bleibt und nur von außen sich ihn anschaut, nun auf dem Umwege durch die Verbindung mit dem Christus den Menschen und die Menschheit selber wiederum mit Anteil zu sehen auf dem Umwege durch das Verständnis des Mysteriums von Golgatha.

[ 12 ] Aber es muß wiederum gerade durch geistige Erkenntnis die Perspektive gefunden werden, um das Wichtige, den Christus in dem Jesus zu erkennen. Denn dadurch wird es erst möglich, statt daß man mit dem Menschen gar nicht mehr in Verbindung bleibt und nur von außen sich ihn anschaut, nun auf dem Umwege durch die Verbindung mit dem Christus den Menschen und die Menschheit selber wiederum mit Anteil zu sehen auf dem Umwege durch das Verständnis des Mysteriums von Golgatha.

[ 13 ] So daß wir sagen können: Die Menschheit ist auf dem Wege, im Herausgehen aus sich selber die geistige Realität nach und nach ganz in abstrakte Begriffe und Ideen zu verwandeln. In dieser Beziehung ist die Menschheit ja schon sehr weit gekommen, und es könnte ihr eigentlich folgendes bevorstehen: Die Menschen könnten im abstrakten, im intellektuellen Vermögen immer weiter und weiter kommen und eine Art von Bekenntnis in sich selber ausbilden, durch das sie sich sagen würden: Ja, wir erleben zwar Geistiges, aber dieses Geistige ist ja eine Fata Morgana, das hat kein Gewicht, das sind bloße Ideen. — Der Mensch muß wiederum die Möglichkeit finden, diese Ideen mit geistiger Substantialität auszufüllen. Das wird er dadurch, daß er den Christus miterlebt mit dem Übergang in das intellektuelle Leben. So daß zusammenwachsen muß der moderne Intellektualismus mit dem ChristusBewußtsein. Wir müssen als Menschen schon etwas gar nicht anerkennen wollen, wenn wir dieses Christus-Bewußtsein nicht gerade auf dem Wege des Intellektualismus finden können.

[ 13 ] So daß wir sagen können: Die Menschheit ist auf dem Wege, im Herausgehen aus sich selber die geistige Realität nach und nach ganz in abstrakte Begriffe und Ideen zu verwandeln. In dieser Beziehung ist die Menschheit ja schon sehr weit gekommen, und es könnte ihr eigentlich folgendes bevorstehen: Die Menschen könnten im abstrakten, im intellektuellen Vermögen immer weiter und weiter kommen und eine Art von Bekenntnis in sich selber ausbilden, durch das sie sich sagen würden: Ja, wir erleben zwar Geistiges, aber dieses Geistige ist ja eine Fata Morgana, das hat kein Gewicht, das sind bloße Ideen. — Der Mensch muß wiederum die Möglichkeit finden, diese Ideen mit geistiger Substantialität auszufüllen. Das wird er dadurch, daß er den Christus miterlebt mit dem Übergang in das intellektuelle Leben. So daß zusammenwachsen muß der moderne Intellektualismus mit dem ChristusBewußtsein. Wir müssen als Menschen schon etwas gar nicht anerkennen wollen, wenn wir dieses Christus-Bewußtsein nicht gerade auf dem Wege des Intellektualismus finden können.

[ 14 ] Sehen Sie, in alten Zeiten hat der Mensch gesprochen von dem Sündenfall. Er sprach von diesem Bilde des Sündenfalls in dem Sinne, als ob er seiner Wesenheit nach einer höheren Welt angehört hätte und in eine tiefere heruntergefallen wäre, was ja auch, wenn man es bildlich auffaßt, durchaus der Realität entspricht. Man kann durchaus im realen Sinne von einem Sündenfall sprechen. Geradeso wie aber der alte Mensch richtig gefühlt hat, wenn er sich sagte: Ich bin hinuntergestürzt aus einer geistigen Höhe und habe mich mit Tieferstehendem vereinigt —, so sollte der neuere Mensch finden, wie ihn die immer abstrakter werdenden Gedanken auch in eine Art von Fall bringen, aber in einen Fall, bei dem es hinaufgeht, wo der Mensch gewissermaßen nach oben fällt, also steigt, aber in demselben Sinne zu seinem Verderben steigt, wie der alte Mensch sich fallen gefühlt hat zu seinem Verderben. So wie der alte Mensch, der noch den Sündenfall im Sinne des Alten verstanden hat, in dem Christus denjenigen gesehen hat, der den Menschen in das rechte Verhältnis zu dieser Sünde gebracht hat, nämlich zu der Möglichkeit einer Erlösung —, also wie der alte Mensch, wenn er Bewußtsein entwickelt hat, in dem Christus denjenigen sah, der ihn aus dem Fall heraufgehoben hat, so sollte der neuere Mensch, der in den Intellektualismus hineingeht, in dem Christus denjenigen sehen, der ihm Gewicht gibt, daß er nicht geistig fortfliegt von der Erde beziehungsweise von der Welt, in der er drinnen sein soll.

[ 14 ] Sehen Sie, in alten Zeiten hat der Mensch gesprochen von dem Sündenfall. Er sprach von diesem Bilde des Sündenfalls in dem Sinne, als ob er seiner Wesenheit nach einer höheren Welt angehört hätte und in eine tiefere heruntergefallen wäre, was ja auch, wenn man es bildlich auffaßt, durchaus der Realität entspricht. Man kann durchaus im realen Sinne von einem Sündenfall sprechen. Geradeso wie aber der alte Mensch richtig gefühlt hat, wenn er sich sagte: Ich bin hinuntergestürzt aus einer geistigen Höhe und habe mich mit Tieferstehendem vereinigt —, so sollte der neuere Mensch finden, wie ihn die immer abstrakter werdenden Gedanken auch in eine Art von Fall bringen, aber in einen Fall, bei dem es hinaufgeht, wo der Mensch gewissermaßen nach oben fällt, also steigt, aber in demselben Sinne zu seinem Verderben steigt, wie der alte Mensch sich fallen gefühlt hat zu seinem Verderben. So wie der alte Mensch, der noch den Sündenfall im Sinne des Alten verstanden hat, in dem Christus denjenigen gesehen hat, der den Menschen in das rechte Verhältnis zu dieser Sünde gebracht hat, nämlich zu der Möglichkeit einer Erlösung —, also wie der alte Mensch, wenn er Bewußtsein entwickelt hat, in dem Christus denjenigen sah, der ihn aus dem Fall heraufgehoben hat, so sollte der neuere Mensch, der in den Intellektualismus hineingeht, in dem Christus denjenigen sehen, der ihm Gewicht gibt, daß er nicht geistig fortfliegt von der Erde beziehungsweise von der Welt, in der er drinnen sein soll.

[ 15 ] Hat der alte Mensch vorzugsweise das Christus-Ereignis im Sinne der Willensentwickelung angesehen, was ja zusammenhängt mit dem Sündenfall, so sollte der neuere Mensch lernen, den Christus anzusehen im Zusammenhange mit dem Gedanken, der aber die Realität verlieren muß, wenn der Mensch ihm nicht Gewicht zu geben vermag, so daß im Gedankenleben selber wiederum Realität zu finden ist.

[ 15 ] Hat der alte Mensch vorzugsweise das Christus-Ereignis im Sinne der Willensentwickelung angesehen, was ja zusammenhängt mit dem Sündenfall, so sollte der neuere Mensch lernen, den Christus anzusehen im Zusammenhange mit dem Gedanken, der aber die Realität verlieren muß, wenn der Mensch ihm nicht Gewicht zu geben vermag, so daß im Gedankenleben selber wiederum Realität zu finden ist.

[ 16 ] Man muß sich schon sagen: Die Menschheit macht eine Entwickelung durch. Und wie der Paulus sprechen durfte von dem alten Adam und von dem neuen Adam, von dem Christus, so darf das in gewissem Sinne der moderne Mensch auch; nur muß er sich klar sein darüber, daß der Mensch, der noch das alte Bewußtsein in sich hatte, sich durch den Christus aufgehoben fühlte, daß der neuere Mensch sich durch den Christus vor dem Hinausschnellen in das Wesenlose der bloßen Abstraktion, des bloßen Intellektualismus geschützt wissen soll. Der moderne Mensch braucht den Christus, um seine in die Weiten gehende Sünde zu dem zu machen in sich, was wiederum gut werden kann. Und der Gedanke wird dadurch gut, daß er sich wiederum mit der wirklichen Realität, mit der geistigen Realität verbinden kann. So gibt es gerade für denjenigen, der die Geheimnisse des Weltenalls durchschaut, durchaus die Möglichkeit, den Christus auch in die allermodernste Bewußtseinsentwickelung hineinzustellen.

[ 16 ] Man muß sich schon sagen: Die Menschheit macht eine Entwickelung durch. Und wie der Paulus sprechen durfte von dem alten Adam und von dem neuen Adam, von dem Christus, so darf das in gewissem Sinne der moderne Mensch auch; nur muß er sich klar sein darüber, daß der Mensch, der noch das alte Bewußtsein in sich hatte, sich durch den Christus aufgehoben fühlte, daß der neuere Mensch sich durch den Christus vor dem Hinausschnellen in das Wesenlose der bloßen Abstraktion, des bloßen Intellektualismus geschützt wissen soll. Der moderne Mensch braucht den Christus, um seine in die Weiten gehende Sünde zu dem zu machen in sich, was wiederum gut werden kann. Und der Gedanke wird dadurch gut, daß er sich wiederum mit der wirklichen Realität, mit der geistigen Realität verbinden kann. So gibt es gerade für denjenigen, der die Geheimnisse des Weltenalls durchschaut, durchaus die Möglichkeit, den Christus auch in die allermodernste Bewußtseinsentwickelung hineinzustellen.

[ 17 ] Und nun gehen Sie zu unserem früheren Bilde zurück, das ich angelehnt habe an die menschliche Erinnerungsfähigkeit. Da können wir sagen: Ja, wir leben fort als Menschenwesen in der geistigen Welt, erheben uns über die geistige Welt, indem wir mit unserem Kopf herausgucken in die physische Welt. Wir tauchen aber nicht ganz heraus, sondern nur mit unserem Kopf. Wir bleiben so in der geistigen Welt, daß selbst unsere Erinnerungen immer in ihr spielen. Unsere Erinnerungswelt bleibt unten im Meere der geistigen Welt. — Sehen Sie, solange wir zwischen Geburt und Tod stehen und nicht mächtig genug sind in unserem Ich, um all das zu sehen, was da unten selbst mit unseren Erinnerungen vor sich geht, so lange merken wir nichts davon, wie es eigentlich mit uns in der neueren Zeit als Menschheit steht. Wenn wir aber sterben, dann wird es mit dieser geistigen Welt, aus der wir uns wie ein luftschnappender Fisch heraus erheben im physischen Dasein, sehr ernst. Und da blicken wir nicht so zurück, daß wir glauben, wesenlose Erinnerungsbilder zu sehen, indem wir uns dem Irrtum hingeben, daß die Zeitperspektive auch die Realität tötet. Der Mensch gibt sich der Erinnerung für die Zeit so hin, wie einer, der das, was er in der Entfernung sieht, weil eine Raumperspektive da ist, nicht für Realität hält, sondern bloß für Bilder; der also sagen würde: Ja, wenn ich weit fortgehe, so ist das Schloß dort ja so klein, so furchtbar klein, daß es doch keine Realität haben kann, denn in einem so kleinen Schloß können doch nicht Menschen drinnen wohnen, also kann es auch keine Realität haben. — So ungefähr ist auch hier die Schlußfolgerung. Wenn der Mensch zurückblickt in der Zeit, da hält er die Erinnerungsbilder nicht für Realitäten, weil er die Zeitperspektive nicht berücksichtigt. Das aber hört auf, wenn alle Perspektive aufhört, wenn wir aus Raum und Zeit heraußen sind. Wenn wir gestorben sind, dann hört das auf. Da tritt das, was in der Zeitperspektive lebt, sehr stark als Realität auf.

[ 17 ] Und nun gehen Sie zu unserem früheren Bilde zurück, das ich angelehnt habe an die menschliche Erinnerungsfähigkeit. Da können wir sagen: Ja, wir leben fort als Menschenwesen in der geistigen Welt, erheben uns über die geistige Welt, indem wir mit unserem Kopf herausgucken in die physische Welt. Wir tauchen aber nicht ganz heraus, sondern nur mit unserem Kopf. Wir bleiben so in der geistigen Welt, daß selbst unsere Erinnerungen immer in ihr spielen. Unsere Erinnerungswelt bleibt unten im Meere der geistigen Welt. — Sehen Sie, solange wir zwischen Geburt und Tod stehen und nicht mächtig genug sind in unserem Ich, um all das zu sehen, was da unten selbst mit unseren Erinnerungen vor sich geht, so lange merken wir nichts davon, wie es eigentlich mit uns in der neueren Zeit als Menschheit steht. Wenn wir aber sterben, dann wird es mit dieser geistigen Welt, aus der wir uns wie ein luftschnappender Fisch heraus erheben im physischen Dasein, sehr ernst. Und da blicken wir nicht so zurück, daß wir glauben, wesenlose Erinnerungsbilder zu sehen, indem wir uns dem Irrtum hingeben, daß die Zeitperspektive auch die Realität tötet. Der Mensch gibt sich der Erinnerung für die Zeit so hin, wie einer, der das, was er in der Entfernung sieht, weil eine Raumperspektive da ist, nicht für Realität hält, sondern bloß für Bilder; der also sagen würde: Ja, wenn ich weit fortgehe, so ist das Schloß dort ja so klein, so furchtbar klein, daß es doch keine Realität haben kann, denn in einem so kleinen Schloß können doch nicht Menschen drinnen wohnen, also kann es auch keine Realität haben. — So ungefähr ist auch hier die Schlußfolgerung. Wenn der Mensch zurückblickt in der Zeit, da hält er die Erinnerungsbilder nicht für Realitäten, weil er die Zeitperspektive nicht berücksichtigt. Das aber hört auf, wenn alle Perspektive aufhört, wenn wir aus Raum und Zeit heraußen sind. Wenn wir gestorben sind, dann hört das auf. Da tritt das, was in der Zeitperspektive lebt, sehr stark als Realität auf.

[ 18 ] Es ist nun möglich, daß wir in unser Erleben das hineingebracht haben, was ich das Christus-Bewußtsein nenne. Dann blicken wir nach dem Tode zurück, und wir sehen, daß wir uns im Leben mit Realität verbunden haben, daß wir nicht bloß abstrakt gelebt haben. Die Perspektive hört auf, die Realität steht da. Sind wir aber beim bloßen abstrakten Erleben geblieben, dann steht freilich auch die Wirklichkeit da, aber wir haben im Erdenleben Luftschlösser gebaut. Wir haben etwas gebaut, was keine Festigkeit in sich hat. Mit dem intellektuellen Erkennen und Wissen kann man allerdings bauen, aber die Sache hat keine Festigkeit, ist brüchig.

[ 18 ] Es ist nun möglich, daß wir in unser Erleben das hineingebracht haben, was ich das Christus-Bewußtsein nenne. Dann blicken wir nach dem Tode zurück, und wir sehen, daß wir uns im Leben mit Realität verbunden haben, daß wir nicht bloß abstrakt gelebt haben. Die Perspektive hört auf, die Realität steht da. Sind wir aber beim bloßen abstrakten Erleben geblieben, dann steht freilich auch die Wirklichkeit da, aber wir haben im Erdenleben Luftschlösser gebaut. Wir haben etwas gebaut, was keine Festigkeit in sich hat. Mit dem intellektuellen Erkennen und Wissen kann man allerdings bauen, aber die Sache hat keine Festigkeit, ist brüchig.

[ 19 ] So daß der moderne Mensch die Durchsetzung mit dem ChristusBewußtsein braucht, damit er sich mit Realitäten verbindet, damit er nicht Luftschlösser baut, sondern Geistesschlösser. Für die Erde sind Luftschlösser etwas, wo das, was darunter liegt, zu wenig dicht ist. Für das geistige Leben sind Luftschlösser etwas, was unter dem Geist liegt. Luftschlösser liegen immer an ihrem Orte. Nur für das Erdendasein sind sie zu dünn, für das geistige Dasein sind sie zu dicht physisch. Die Menschen können dann nicht los von dem dicht Physischen, das dem Geistigen gegenüber aber eigentlich eine geringere Realität hat; sie bleiben erdengebunden, bekommen kein freies Verhältnis zum irdischen Dasein, wenn sie Luftschlösser gebaut haben durch den Intellektualismus.

[ 19 ] So daß der moderne Mensch die Durchsetzung mit dem ChristusBewußtsein braucht, damit er sich mit Realitäten verbindet, damit er nicht Luftschlösser baut, sondern Geistesschlösser. Für die Erde sind Luftschlösser etwas, wo das, was darunter liegt, zu wenig dicht ist. Für das geistige Leben sind Luftschlösser etwas, was unter dem Geist liegt. Luftschlösser liegen immer an ihrem Orte. Nur für das Erdendasein sind sie zu dünn, für das geistige Dasein sind sie zu dicht physisch. Die Menschen können dann nicht los von dem dicht Physischen, das dem Geistigen gegenüber aber eigentlich eine geringere Realität hat; sie bleiben erdengebunden, bekommen kein freies Verhältnis zum irdischen Dasein, wenn sie Luftschlösser gebaut haben durch den Intellektualismus.

[ 20 ] Sie sehen also, gerade für den Intellektualismus hat das ChristusBewußtsein eine sehr reale Bedeutung, eine Bedeutung im Sinne einer wirklichen Erlösungslehre — der Erlösung von dem Bauen von Luftschlössern — für unser Dasein, nachdem wir durch die Todespforte geschritten sind.

[ 20 ] Sie sehen also, gerade für den Intellektualismus hat das ChristusBewußtsein eine sehr reale Bedeutung, eine Bedeutung im Sinne einer wirklichen Erlösungslehre — der Erlösung von dem Bauen von Luftschlössern — für unser Dasein, nachdem wir durch die Todespforte geschritten sind.

[ 21 ] Diese Dinge sind für Anthroposophie nicht Glaubensartikel, es sind Erkenntnisse, die nun ebenso gewonnen werden können, wie die mathematischen Erkenntnisse von demjenigen, der die mathematischen Methoden zu handhaben weiß.

[ 21 ] Diese Dinge sind für Anthroposophie nicht Glaubensartikel, es sind Erkenntnisse, die nun ebenso gewonnen werden können, wie die mathematischen Erkenntnisse von demjenigen, der die mathematischen Methoden zu handhaben weiß.