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The Secret of the Trinity
GA 214

5 August 1922, Dornach

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The Secret of the Trinity, tr. SOL
  1. Das Geheimnis der Trinität

Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Der Mensch kennt, wenn er sich seines gewöhnlichen Bewußtseins bedient, nur einen Teil dessen, was mit seinem Dasein zusammenhängt. Wir erhalten, wenn wir uns in der Welt umschauen, durch unser gewöhnliches Bewußtsein die Bilder der Außenwelt, die wir durch unsere Sinne in uns erregen können. Und indem wir dann über das, was uns die Sinne geben, denken, indem wir uns Gedanken bilden, bleiben uns von diesen Gedanken Erinnerungsbilder. So daß also das Leben in der Seele so verläuft, daß der Mensch die Außenwelt anschaut, mit ihr lebt, aber, indem er mit der Außenwelt lebt, in sich auch trägt die Erinnerungsbilder an Vergangenes, das er erlebt hat.

[ 1 ] When a person makes use of their ordinary consciousness, they are aware of only a part of what is connected with their existence. When we look around the world, our ordinary consciousness provides us with the images of the external world that we can evoke within ourselves through our senses. And as we then reflect on what our senses provide us—as we form thoughts—memory images of these thoughts remain with us. Thus, life in the soul unfolds in such a way that a person observes the external world and lives with it; but in living with the external world, they also carry within themselves the memory images of the past that they have experienced.

[ 2 ] Nur wird von dem gewöhnlichen Bewußtsein das, was in der Erinnerung lebt, nicht richtig erkannt. Der Mensch stellt sich das ja ungefähr so vor: Er hat von der Außenwelt Erkenntnisse, Wahrnehmungen erhalten, die haben Bilder in ihm ergeben; diese Bilder bleiben irgendwo zurück, und er kann sie in seinem Seelenleben als Erinnerungsbilder wiederum heraufrufen. So ist aber die Sache nicht. Betrachten Sie einmal stufenweise, was sich eigentlich mit dem Menschen abspielt. Sie werden schon bemerkt haben, in welcher Weise dasjenige, um das man sich nicht besonders in Gedanken kümmert, sondern was man nur mit den Sinnen, zum Beispiel mit den Augen betrachtet, Nachbilder gibt. Goethe beschreibt solche Nachbilder, wie sie von den Augen gebildet werden, sehr gut in seiner Farbenlehre: als abklingende Bilder. Man sieht auf irgend etwas hin, schließt die Augen: veränderte Bilder klingen ab. Man beachtet im gewöhnlichen Leben diese abklingenden Bilder wenig, denn man setzt für das Wahrnehmen eine energischere Tätigkeit ein: man denkt nach. Wenn der Mensch eine schwache Gedankentätigkeit einsetzt, und die Außenwelt ihm ein Bild gibt im Auge, so klingt ein Nachbild nach. Wenn der Mensch aber jetzt nachdenkt, so nimmt er gewissermaßen die von außen kommende Tätigkeit weiter herein, und es klingt dann sein Gedankenbild nach. Das ist auch ein Nachklingen.

[ 2 ] However, ordinary consciousness does not correctly recognize what lives in memory. People imagine it goes something like this: They have received insights and perceptions from the external world, which have produced images within them; these images remain somewhere, and they can recall them in their inner life as images of memory. But that is not how it works. Consider step by step what actually takes place within a person. You will have already noticed how things that one does not particularly dwell on in thought—but merely observes with the senses, for example with the eyes—produce afterimages. Goethe describes such afterimages, as formed by the eyes, very well in his *Theory of Colors*: as fading images. You look at something, close your eyes: altered images fade away. In everyday life, you pay little attention to these fading images, because you employ a more vigorous activity for perception: you think. When a person engages in weak mental activity, and the external world presents an image to the eye, an afterimage lingers. But when a person now reflects, they, so to speak, draw the activity coming from the outside further inward, and their mental image then lingers. This, too, is a lingering effect.

[ 3 ] Diese Gedankenbilder sind stärker, ihr Nachklingen ist auch ein intensiveres als das der bloßen Sinnesnachbilder; aber es ist im Grunde genommen eben doch nur eine höhere Stufe. Diese Gedankennachbilder würden aber dennoch verklingen, so wie die Sinnesnachbilder verklingen, wenn sie nur als Gedankenbilder erregt würden. Das ist aber gar nicht der Fall. Denn der Mensch hat ja nicht nur seinen Kopf, sondern auch seinen übrigen Organismus, der nun doch etwas ganz anderes als der Kopf ist. Der Kopf ist eigentlich vorzugsweise ein Nachbild dessen, was mit dem Menschen geschieht, bevor er aus der geistigen Welt in die physische Welt durch die Geburt oder Empfängnis heruntergestiegen ist. Er ist viel mehr physisch als der übrige Organismus. Der übrige Organismus ist weniger physisch entwickelt als der Kopf, und man könnte sagen: Das Geistige ist eigentlich im Kopfe nur wie ein Bild vorhanden, während es für den übrigen Organismus geistig stark ist. Sie haben einen stark physischen Kopf, plastisch ausgebildet; da ist wenig Geist darinnen im spirituellen Sinne. Und Sie haben einen Organismus, der ist physisch nicht stark ein Nachbild desjenigen, was der Mensch war vor der Geburt, vor dem Heruntersteigen, aber das Geistige ist im übrigen Organismus stärker. Beim Kopfe ist mehr das Physische, bei dem übrigen Organismus mehr das Geistige ausgebildet.

[ 3 ] These mental images are stronger, and their aftereffects are also more intense than those of mere sensory afterimages; but, when it comes down to it, they are really just a higher level. These mental afterimages would nevertheless fade away, just as sensory afterimages fade away, if they were evoked solely as mental images. But that is not the case at all. For human beings do not consist solely of their head, but also of the rest of their organism, which is, after all, something quite different from the head. The head is, in fact, primarily an afterimage of what happens to a human being before they descend from the spiritual world into the physical world through birth or conception. It is far more physical than the rest of the organism. The rest of the organism is less physically developed than the head, and one could say: The spiritual is actually present in the head only as an image, whereas it is spiritually strong in the rest of the organism. You have a strongly physical head, sculpted; there is little spirit within it in the spiritual sense. And you have a body that is not, physically speaking, a strong reflection of what the human being was before birth, before descending, but the spiritual aspect is stronger in the rest of the body. In the head, the physical aspect is more developed; in the rest of the body, the spiritual aspect is more developed.

[ 4 ] Die Gedanken, die wir haben, die würden nun geradeso verklingen wie die Nachbilder der Augen, wenn sie nicht von unserem Geistorganismus übernommen und von ihm verarbeitet würden. Aber der Geist-Organismus könnte nicht viel mit diesen Bildern anfangen, wenn nicht noch etwas anderes stattfände. Während wir nämlich diese Bilder wahrnehmen, die wir dann zu diesen flüchtigen Gedanken machen, die eigentlich nur in unserem Kopfe sitzen, bekommen wir geradeso wie wir durch das Auge die Bilder bekommen, die wir dann zu Gedanken verarbeiten, außer dem Bilde noch — denn die Augenbilder erhalten wir ja von der physisch-ätherischen Welt — von der übrigen Welt das Geistige in uns hinein, so daß wir nicht nur in uns den Geist tragen, sondern daß fortwährend auch der übrige Geist der Welt in uns hineinkommt. Sie können also sagen: Mit dem Auge nehmen Sie aus der physisch-ätherischen Welt irgend etwas wahr, was in Ihnen als Bildwirkung ist; aber dahinter steht ein sehr realer geistiger Vorgang, der nur im Unbewußten bleibt. Der Mensch kann ihn mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht wahrnehmen. Das ist, durchaus parallel laufend der physischen Wahrnehmung, ein geistiger Vorgang. Und während Sie das Bild wahrnehmen, das kurze Zeit nachklingt im Auge, während Sie den Gedanken haben, den Sie ein bißchen behalten würden, aber der auch abklingen würde, geht da in Ihnen etwas Geistiges vor, und wenn Sie sich wieder erinnern, so wenden Sie einfach den Blick nach innen und schauen das an, was geistig im Inneren vorgegangen ist, während Sie wahrgenommen haben.

[ 4 ] The thoughts we have would fade away just as quickly as the afterimages in our eyes if they were not taken up and processed by our mental organism. But the spiritual organism could not do much with these images if something else did not take place. For while we perceive these images—which we then turn into fleeting thoughts that actually exist only in our minds—we receive, just as we receive images through the eye that we then process into thoughts, in addition to the image—for we do, after all, receive the images from the physical-etheric world—we also receive the spiritual from the rest of the world into ourselves, so that we not only carry the spirit within us, but the rest of the world’s spirit also continually enters into us. So you can say: With your eyes, you perceive something from the physical-etheric world that exists within you as a visual impression; but behind this lies a very real spiritual process that remains solely in the unconscious. Human beings cannot perceive it with ordinary consciousness. This is a spiritual process that runs entirely parallel to physical perception. And while you perceive the image—which lingers briefly in your eye—while you have the thought that you might hold onto for a moment, but which would also fade away, something spiritual is taking place within you; and when you recall it later, you simply turn your gaze inward and observe what has taken place spiritually within you while you were perceiving.

[ 5 ] Ich will es Ihnen noch durch etwas Anschauliches verdeutlichen. Nehmen wir an, Sie sehen irgend etwas in der Außenwelt, sagen wir zum Beispiel eine Maschine. Sie haben das Bild der Maschine. In dem Sinne, wie das Goethe beschrieben hat, gibt das ein Nachbild, das kurz erklingt, dann abklingt. Sie bekommen den Gedanken der Maschine, der sich länger hält, der aber auch abklingen würde. Aber die Maschine sendet außerdem in Ihren Geistesorganismus noch etwas hinein. Bei der Maschine ist das allerdings etwas sehr wenig Schönes, bei der Pflanze zum Beispiel ist es viel schöner. Die sendet etwas in Sie hinein. Und nun, nach meinetwillen einem Monat, blicken Sie in sich hinein. Die Erinnerung entsteht Ihnen durch das, was damals auch in Sie, ohne daß Sie es gewußt haben, gleichzeitig mit dem hineingegangen ist, was den Gedanken erregt hat. Nicht der Gedanke ist da unten herumgewandelt, sondern es ist ein unbewußter geistiger Vorgang gewesen. Der wird später beobachtet. Erinnerung ist Beobachtung, späteres Beobachten eines Geistvorganges, der parallel gegangen ist der physischen Wahrnehmung. — Sehen Sie, eigentlich leben wir Menschen so in der Welt: Da ist unser fortlaufender Strom des Daseins; wir sind in dem Meere der Geisteswelt drinnen. Und nun leben wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in dieser geistigen Welt darinnen unser Dasein weiter. Nur gibt es Zeiten, da gehen wir aus der geistigen Welt heraus mit dem Kopf. Also wir bewegen uns fort, und zu gewissen Zeiten, wie ein Fisch, der über das Wasser hinausschnellt, kommen wir heraus. Das ist das Erdenleben. Dann tauchen wir wieder unter. Dann kommt wieder ein Erdenleben. Wir tauchen nämlich nicht mit unserem ganzen Geistwesen aus diesem Meere des geistigen Daseins auf, sondern nur mit dem Kopf. Da unten bleiben wir immer in der geistigen Welt drinnen. Nur wissen wir nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, was vorgeht. Also für die geistige Wahrnehmung ist es eigentlich so, daß wir sagen können: Der Mensch lebt zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt. Dann guckt er herauf mit seinem Kopf in sein Physisches, aber mit dem Hauptteil bleibt er immer noch in der geistigen Welt, auch zwischen der Geburt und dem Tode. Und es ist gut für uns, daß wir dadrinnen schwimmen bleiben, denn wir hätten sonst keine Erinnerungen. Das, was uns die geistige Welt gibt, macht sie uns möglich. Das Erinnern ist schon ein geistiger Vorgang, der durchaus einer objektiven Welt angehört, nicht bloß etwa einer subjektiven. Das gewöhnliche Bewußtsein gibt sich dabei einem Irrtum hin. Es glaubt nicht, daß mit der Erinnerung ein realer Prozeß verknüpft ist. Aber das gewöhnliche Bewußtsein irrt sich, geradeso wie jemand, der einen Berg mit einem Schloß vor sich hat. Jetzt sieht er das ganz genau, jetzt glaubt er an die Wirklichkeit. Nun entfernt er sich. Die Sache wird immer perspektivischer, und er würde sagen, weil das immer perspektivischer wird: Jetzt habe ich nur ein Bild, keine Wirklichkeit mehr. So entfernen wir uns in der Zeit von der Wirklichkeit. Das Schloß, das ändert sich nicht .in bezug auf seine Wirklichkeit im Raume, wenn unser Bild sich ändert. Ebensowenig ändert sich in bezug auf seine Realität dasjenige, dem unser Erinnerungsbild entspricht. Das bleibt, wie unser Schloß bleibt. Wir irren uns nur, weil wir unsere zeitliche Perspektive nicht richtig einschätzen können. So sind viele Dinge, die sich auf den Menschen beziehen, einfach richtigzustellen. Was wir als ein in der Zeit verlaufendes Bewußtsein haben, das ist nämlich nichts anderes als ein perspektivischer Anblick der Vergangenheit. Vergangenheit vergeht nicht, sie bleibt. Unsere Bilder rücken nur in zeitliche Perspektive.

[ 5 ] I’d like to illustrate this further with a concrete example. Let’s assume you see something in the outside world—say, a machine. You have the image of the machine. In the sense that Goethe described it, this produces an afterimage that flashes briefly and then fades. You form the idea of the machine, which lasts longer but would also eventually fade. But the machine also sends something else into your mental organism. In the case of the machine, however, this is something not very beautiful; in the case of a plant, for example, it is much more beautiful. The plant sends something into you. And now, let’s say after a month, you look within yourself. The memory arises in you through what also entered you at that time—without your knowing it—simultaneously with what aroused the thought. It is not the thought that has been transformed down there, but rather an unconscious mental process has taken place. This is observed later. Memory is observation—the later observation of a spiritual process that ran parallel to physical perception. —You see, this is actually how we humans live in the world: there is our continuous stream of existence; we are immersed in the ocean of the spiritual world. And now, between death and a new birth, we continue our existence within this spiritual world. But there are times when we emerge from the spiritual world with our heads. So we move away, and at certain times, like a fish leaping out of the water, we emerge. That is earthly life. Then we dive back down. Then another earthly life follows. For we do not emerge from this ocean of spiritual existence with our entire spiritual being, but only with our heads. Down there, we always remain within the spiritual world. It’s just that with our ordinary consciousness, we don’t know what’s going on. So, from the perspective of spiritual perception, we can actually say: Between death and a new birth, a person lives in the spiritual world. Then they look up with their head into their physical life, but the main part of them remains in the spiritual world, even between birth and death. And it is good for us that we remain immersed in it, for otherwise we would have no memories. What the spiritual world gives us makes this possible. Remembering is indeed a spiritual process that belongs entirely to an objective world, not merely to a subjective one. Ordinary consciousness succumbs to an error in this regard. It does not believe that a real process is linked to memory. But ordinary consciousness is mistaken, just like someone who has a mountain with a castle in front of them. Now they see it very clearly; now they believe in its reality. Now they move away. The object becomes increasingly distorted by perspective, and they would say, because it becomes increasingly distorted: “Now I have only an image, no longer reality.” This is how we distance ourselves from reality over time. The castle does not change in terms of its reality in space when our image of it changes. Nor does that to which our memory image corresponds change in terms of its reality. It remains, just as our castle remains. We are mistaken only because we cannot correctly assess our temporal perspective. Thus, many things relating to human beings can simply be set straight. What we have as a consciousness unfolding in time is, in fact, nothing other than a perspectival view of the past. The past does not pass away; it remains. Our images merely shift into a temporal perspective.

[ 6 ] Nun, aber gerade dieses Verhältnis zu dem in uns, was eigentlich auch zwischen Geburt und Tod geistigere Vorgänge sind, hat sich für die Menschen im Laufe des Erdenlebens ganz wesentlich geändert. Wenn wir den Menschen betrachten, so besteht er ja aus dem physischen und dem ätherischen Leibe. Aber das wäre von dem Menschen nur das, was in der Nacht, wenn er schläft, im Bette liegt. Bei Tag, da ist hineingesenkt in diesen physischen und ätherischen Leib noch der astralische Leib und das Ich. Das Ich derjenigen Menschen, die vor dem Mysterium von Golgatha gelebt haben — und wir waren ja selbst in früheren Inkarnationen diese Menschen —, dämmerte gegen das Mysterium von Golgatha hin ab. Da wachten die Menschen in einer anderen Weise auf, als diejenigen nach dem Mysterium von Golgatha. Der astralische Leib geht immer ganz in den Ätherleib hinein. Aber das Ich ging früher auch sehr weit in den Ätherleib hinein. Heute ist das nicht mehr der Fall. Heute geht das Ich nur in den Kopfteil des Ätherleibs hinein. So daß das Ich bei dem alten Menschen ganz untertauchte und daher auch in die unteren Partien des Ätherleibes kam. Heute geht es nicht dahinunter, sondern nur in den Kopf. Dadurch können wir intellektualistisch denken. In dem Augenblick, wo wir tiefer untertauchen würden, würden wir innerlich instinktive Bilder bekommen. Und das Ich ist eigentlich noch stark außerhalb des physischen Leibes bei dem Menschen der Gegenwart. So daß gerade sein intellektualistisches Wesen darauf beruht, daß er nun nicht mehr mit seinem Ich in seinen ganzen Ätherleib untertaucht. Würde das geschehen, so würde er instinktives Hellsehen haben. Da er aber nicht mehr in seinen ganzen Ätherleib untertaucht, sondern nur in den des Kopfes, so bekommt er nicht dieses instinktive Hellsehen, sondern ein klar bewußtes Sehen, ein klar bewußtes Wahrnehmen der Außenwelt, aber nur ein Kopfwahrnehmen der Außenwelt, so wie eben unser Wahrnehmen ist. Der alte Mensch hat mit seinem ganzen Menschen noch gesehen. Der neuere Mensch sieht nur mit dem Kopfe. Und der Kopf ist eben das am allermeisten physisch Geartete zwischen Geburt und Tod. Daher wird dem Menschen des intellektualistischen Zeitalters nur das gegeben, was er durch seinen physischen Kopf und dasjenige noch, was er durch den Ätherleib des Kopfes wahrnimmt: die Gedanken, die er sich machen kann. Schon der Vorgang des Erinnerns, der allerdings dann da unten vorgeht, entzieht sich dem Bewußtsein. Den deutet der moderne Mensch ganz falsch, wie ich ausgeführt habe. Dadurch sah der alte Mensch um sich herum nicht bloß die physische Außenwelt, sondern hinter ihr das geistige Wesen. Die physische Außenwelt wurde ihm gar nicht besonders klar, die hatte für ihn viel mehr Verschwommenes als für den neueren Menschen. Aber dafür sah er überall hinter den Dingen, die da sich in der physischen Welt ausbreiteten, göttlich-geistige Wesenheiten niederer Art, aber auch solche höherer Art. Es ist eine kindlich naive Vorstellung, wenn man glaubt, daß, wenn die alten Menschen ihre Götter in der Natur beschrieben haben, sie da etwas erdichtet hätten. Sie haben nichts erdichtet. Es wäre gerade so naiv, als wenn wir von irgend jemandem hören, er hat das und das im Wachen gesehen, und wir würden sagen: Das hat er bloß erdichtet. — Die Alten haben die Dinge nicht bloß erdichtet, sondern sie haben sie gesehen, verwoben in die sinnlichen Anschauungen, die deshalb auch viel undeutlicher waren, weil sie gewissermaßen auf dem Hintergrunde des Göttlich-Geistigen, das sich abspielte, gesehen wurden. Es war also ein ganz anderes Weltbild, das der alte Mensch hatte. Er tauchte eben beim Aufwachen tiefer in seinen Ätherleib ein und hatte dadurch ein anderes Weltbild. Er war in sich drinnen, und dadurch zeigten sich ihm die göttlich-geistigen Wesenheiten in ihren Schicksalen.

[ 6 ] Well, but it is precisely this relationship to that which lies within us—which, between birth and death, consists of spiritual processes—that has changed quite significantly for human beings in the course of their earthly lives. When we consider the human being, we see that he consists of the physical and the etheric bodies. But that would be only the part of the human being that lies in bed at night while he sleeps. During the day, the astral body and the “I” are also immersed within this physical and etheric body. The “I” of those people who lived before the Mystery of Golgotha—and we ourselves were such people in earlier incarnations—began to fade as the Mystery of Golgotha approached. At that time, people awoke in a different way than those who came after the Mystery of Golgotha. The astral body always penetrates completely into the etheric body. But in the past, the I also penetrated very deeply into the etheric body. Today, that is no longer the case. Today, the I enters only the head region of the etheric body. Thus, in the ancient human being, the I was completely submerged and therefore also reached the lower regions of the etheric body. Today, it does not descend that far, but only into the head. This enables us to think in an intellectualistic way. The moment we were to submerge more deeply, we would receive instinctive images within ourselves. And the “I” is actually still very much outside the physical body in the modern human being. Thus, his intellectual nature is based precisely on the fact that he no longer submerges his “I” into his entire etheric body. If that were to happen, they would possess instinctive clairvoyance. But since they no longer immerse themselves in their entire etheric body—but only in that of the head—they do not acquire this instinctive clairvoyance, but rather a clearly conscious vision, a clearly conscious perception of the external world—though only a perception of the external world through the head, just as our own perception is. The ancient human being saw with his entire being. The modern human being sees only with the head. And the head is, in fact, the most physical aspect of the human being between birth and death. Therefore, the human being of the intellectualistic age is given only what he perceives through his physical head and what he perceives through the etheric body of the head: the thoughts he is able to form. Even the process of remembering—which, admittedly, takes place down below—eludes consciousness. Modern man interprets this entirely incorrectly, as I have explained. As a result, the ancient human being saw not only the physical external world around him, but also the spiritual being behind it. The physical external world was not particularly clear to him; for him, it was far more vague than it is for the modern human being. But in return, they saw everywhere behind the things that spread out in the physical world divine-spiritual beings of a lower kind, but also those of a higher kind. It is a childishly naive notion to believe that when ancient people described their gods in nature, they were simply making things up. They did not make anything up. It would be just as naive as if we heard from someone that they had seen this or that while awake, and we were to say: “They just made that up.” — The ancients did not merely invent these things; rather, they saw them, interwoven with their sensory perceptions, which were consequently much less distinct precisely because they were, so to speak, viewed against the backdrop of the divine-spiritual events unfolding. The ancient person, then, had a completely different worldview. Upon waking, they simply plunged deeper into their etheric body and thereby had a different worldview. They were within themselves, and through this, the divine-spiritual beings revealed themselves to them in their destinies.

[ 7 ] Der Mensch sah hinein in die Götterwelten, die seiner eigenen Welt vorangegangen waren. Die Götter zeigten dem Menschen ihr Schicksal, und er konnte, indem er in die Götterwelten hineinsah, die Schicksale der Götter wahrnehmen. Er konnte sagen: Ich weiß, woher ich komme, ich weiß, mit welcher Welt ich zusammenhänge. Das war deshalb, weil der Mensch den Ausgangspunkt seiner Perspektive in sich haben konnte. Er machte seinen Ätherleib zu einem Organ, um diese Götterwelt wahrnehmen zu können. Das kann der moderne Mensch nicht. Der kann seine Perspektive nur vom Kopf aus nehmen, und der ist außerhalb des geistigsten Teiles des Ätherleibes. Der Ätherleib des Kopfes ist etwas Chaotisches, ist nicht so durchorganisiert, wie es der Ätherleib des übrigen Organismus ist. Daher sieht der Mensch eben die physische Welt jetzt genauer als früher, aber er sieht nicht mehr die Götter dahinter. Aber dafür ist er im gegenwärtigen Zeitalter in einer gewissen Vorbereitung. Er ist auf dem Wege, ganz aus sich herauszugehen und seine Perspektive außerhalb zu nehmen. Das ist etwas, was dem Menschen beschert ist in der Zukunft. Jetzt ist er ja schon auf dem Wege dazu, denn wenn man sonst in nichts drinnen ist als in seinem Kopfe, so ist man eigentlich nur mehr mit den abstraktesten Gedanken in der Welt drinnen. Man ist in nichts Rechtem mehr drinnen, möchte man sagen; es ist das etwas extrem gesprochen, wenn man sagt: Man ist in nichts drinnen als in einem Menschenkopf. — Denn ein Menschenkopf gibt einem nur Bewußtsein von dem physisch-irdischen Dasein. In demselben Maße aber, in dem der Mensch herauswächst aus seinem Kopfe, wird er wiederum Kenntnis erlangen, jetzt aber von dem Menschen selber. Als der Mensch noch in sich war, hatte er von dem Schicksale der Götter Kenntnis erhalten. Indem der Mensch aus sich herausrückt, kann er von seinem eigenen Weltenschicksal Kenntnis erhalten. Er kann in sich hineinblicken. Und wenn sich die Menschen nur jetzt schon recht anstrengen würden, so würde der Kopf sie gar nicht so stark hindern, als man gewöhnlich glaubt, an diesem Hineinschauen in das eigene Menschenschicksal, in das Weltenschicksal des Menschen. Das Hindernis ist nur, daß sich die Menschen so darauf versteifen, in gar nichts anderem leben zu wollen als in ihrem Kopfe; und wie man sagt Kirchturmpolitik, so könnte man auch sagen Kopfmenschenkenntnis. Es ist ein nicht Hinausschauenwollen über das, was der Kopf erzeugt, wenn die Menschen sich gegenwärtig noch gar nicht dazu herbeilassen wollen, das, was nun Anthroposophie als Menschenweisheit bietet, als etwas, was man wissen kann über die Menschen, aus ihrem gesunden Menschenverstand einsehen zu wollen.

[ 7 ] Human beings looked into the worlds of the gods that had preceded their own world. The gods revealed their destinies to human beings, and by looking into the worlds of the gods, human beings were able to perceive the destinies of the gods. He could say: I know where I come from; I know to which world I am connected. This was because human beings could find the starting point of their perspective within themselves. They transformed their etheric body into an organ capable of perceiving this divine world. Modern human beings cannot do this. They can only take their perspective from the head, which lies outside the most spiritual part of the etheric body. The etheric body of the head is chaotic; it is not as thoroughly organized as the etheric body of the rest of the organism. That is why human beings now see the physical world more clearly than before, but they no longer see the gods behind it. However, in the present age, they are undergoing a certain preparation for this. They are on the path to stepping completely outside of themselves and taking their perspective from the outside. This is something that will be granted to human beings in the future. They are already on their way toward this, for if one is immersed in nothing but one’s own head, one is actually engaged with the world only through the most abstract thoughts. One is no longer truly immersed in anything, one might say; it is somewhat of an exaggeration to say: “One is immersed in nothing but one’s own head.” — For a human mind gives one only an awareness of physical, earthly existence. But to the same extent that a person grows out of their mind, they will in turn gain knowledge—this time of the human being itself. When a person was still within themselves, they had gained knowledge of the fate of the gods. By stepping outside of themselves, human beings can gain knowledge of their own cosmic destiny. They can look within themselves. And if people would only make a real effort right now, the mind would not hinder them nearly as much as is commonly believed from looking into their own human destiny, into the cosmic destiny of humanity. The only obstacle is that people are so set on wanting to live in nothing but their minds; and just as one speaks of “parochial politics,” one could also speak of “mind-centered knowledge.” It is a refusal to look beyond what the mind produces when people are currently still unwilling to allow themselves to understand, through their own sound common sense, what anthroposophy now offers as human wisdom—as something that can be known about human beings.

[ 8 ] So ist der Mensch auf dem Wege, den Menschen kennenzulernen, weil er seinen Ausgangspunkt allmählich von außerhalb des Menschen nimmt. So daß also das allgemeine Menschenschicksal ist, aus dem Ätherleib immer mehr und mehr herauszukommen und den Menschen kennenzulernen. Aber das ist natürlich etwas, was mit einer gewissen Gefahr verbunden ist. Man verliert allmählich — oder wenigstens ist die Möglichkeit vorhanden, den Zusammenhang zu verlieren mit seinem ätherischen Leibe. Es ist eben im Weltenschicksal der Menschheit dem abgeholfen worden durch das Mysterium von Golgatha. Während der Mensch vorher die Götterschicksale außen gesehen hat, ist er seither dazu veranlagt, sein eigenes Welten-Menschenschicksal zu sehen. Aber indem er immer mehr und mehr aus sich herausgeht und das Mysterium von Golgatha so verstanden wird, wie es Paulus haben wollte: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», kommt der Mensch durch seine Verbindung mit dem Christus wieder in das Menschliche hinein. Also gerade durch das Christus-Erlebnis kann er dieses allmähliche Herausgehen ertragen. Aber dieses Christus-Erlebnis muß eben immer intensiver und intensiver werden. Deshalb, als im Verlaufe des Weltenschicksals die äußere Götterwelt immer mehr und mehr abdämmerte, dämmerte im Menschen die Möglichkeit auf, nun ein Götterschicksal zu haben, das sich auf der Erde selbst abgespielt hat, das also mit dem Menschen ganz verbunden ist.

[ 8 ] Thus, human beings are on the path to getting to know themselves, because they are gradually shifting their point of departure from outside the human being. So the general destiny of humanity is to emerge more and more from the etheric body and to get to know the human being. But this is, of course, something that involves a certain danger. One gradually loses—or at least there is the possibility of losing—the connection with one’s etheric body. It is precisely this that has been remedied in the world destiny of humanity through the Mystery of Golgotha. Whereas human beings previously viewed the destinies of the gods from the outside, they have since been enabled to see their own world destiny as human beings. But as they step further and further out of themselves and the Mystery of Golgotha is understood as Paul intended—“Not I, but Christ in me”—human beings return to the human realm through their connection with Christ. Thus, it is precisely through the experience of Christ that they can endure this gradual stepping out. But this experience of Christ must indeed become ever more intense. Therefore, as the outer world of the gods faded more and more in the course of world destiny, the possibility dawned within the human being to now have a divine destiny that has unfolded on Earth itself—one that is thus completely connected with humanity.

[ 9 ] Es ist so, daß, wenn wir den alten Menschen vorstellen, er seine Götterwahrnehmungen um sich herum hatte. Er bildete sie sich aus den Bildern. Es war seine Mythologie, der Mythos. Diese Götterwahrnehmungen sind abgedämmert. Es ist gewissermaßen nur die physische Welt um den Menschen herum. Aber dafür hat er die Möglichkeit, jetzt sich in seinem Inneren zu verbinden mit einem Götterschicksal, mit dem Durchgehen des Gottes durch den Tod, mit der Auferstehung des Gottes. Nach außen hat der Mensch sein Geistesauge gelenkt in alten Zeiten, sah Götterschicksale, bildete sich daraus den Mythos, der in Bildern erlebt wird, in fluktuterenden Bildern, den Mythos, der vielgestaltig sein kann, weil er im Grunde genommen in der Geistwelt in der verschiedensten Weise lebt. Man möchte sagen, es war diese Götterwelt etwas, was mit einem gewissen Grad von Undeutlichkeit schon für den Erdenmenschen wahrnehmbar war, als er sie in seinem instinktiven Hellsehen wahrnahm. Daher bildeten die Menschen nach ihren verschiedenen Charakteren die Bilder von dieser Götterwelt verschieden aus. Die Mythen der verschiedenen Völker sind dadurch verschieden geworden. Der Mensch nahm eine wahre Welt war, aber diese wahre Welt mehr in Träumen, die jedoch von der Außenwelt kamen. Es waren Bilder von größerer oder geringerer Deutlichkeit, aber die Deutlichkeit war nicht groß genug, um für alle Menschen eindeutig zu sein.

[ 9 ] The fact is that when we imagine ancient people, they were surrounded by their perceptions of the gods. They formed these perceptions from images. That was his mythology, the myth. These perceptions of the gods have faded. In a sense, there is only the physical world around human beings. But in return, he now has the opportunity to connect within himself to the destiny of the gods, to the god’s passage through death, to the god’s resurrection. In ancient times, human beings directed their spiritual eye outward, saw the destinies of the gods, and formed from them the myth—experienced in images, in flickering images—a myth that can take many forms because, fundamentally, it lives in the spiritual world in the most diverse ways. One might say that this world of the gods was something that was already perceptible to earthly human beings—albeit with a certain degree of obscurity—as they perceived it through their instinctive clairvoyance. Therefore, people shaped the images of this world of the gods differently according to their various characters. This is why the myths of different peoples have come to differ. Human beings perceived a real world, but they perceived this real world more in dreams—dreams that, however, originated from the external world. These were images of greater or lesser clarity, but the clarity was not great enough to be unambiguous for all people.

[ 10 ] Nun kam ein Götterschicksal, das sich auf der Erde selber abspielte. Die anderen Götterschicksale waren dem Menschen ferner. Der Mensch sah sie in der Perspektive. Er sah sie daher nicht deutlich. Sie waren ihm in seinem Erdenleben ferner. Das Christus-Ereignis ist ihm seinem Erdenleben nach ganz nahe. Die Götter sah er undeutlich, weil er sie gewissermaßen in der Perspektive sah. Er überblickt das Mysterium von Golgatha noch nicht gehörig, weil ihm dieses zu nahe steht. Die Götter hat er in der Perspektive erblickt mit einigen perspektivischen Undeutlichkeiten, weil sie ihm ferne waren, zu ferne, um sie ganz deutlich zu sehen, sonst hätten alle Völker den gleichen Mythos gebildet. Das Mysterium von Golgatha ist dem Menschen zu nahe. Er ist mit ihm zu stark verbunden. Er muß erst noch Perspektive bekommen; dadurch, daß er immer weiter und weiter aus sich herausgeht, muß er Perspektive bekommen für das Götterschicksal auf der Erde, für das Mysterium von Golgatha.

[ 10 ] Now came a divine destiny that unfolded right here on Earth. The other divine destinies were more distant from humankind. Humankind viewed them from a distance. Therefore, they were not clearly visible to humankind. They were more distant from humankind in its earthly life. The Christ event, however, is very close to humankind in its earthly life. He saw the gods indistinctly because, in a sense, he viewed them from a distance. He does not yet fully grasp the Mystery of Golgotha because it is too close to him. He perceived the gods from a distance, with some blurring due to that distance, because they were far from him—too far to see them clearly; otherwise, all peoples would have formed the same myth. The Mystery of Golgotha is too close to human beings. They are too strongly connected to it. They must first gain perspective; by stepping further and further outside of themselves, they must gain perspective on the destiny of the gods on Earth, on the Mystery of Golgotha.

[ 11 ] Das ist der Grund, warum diejenigen, die in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, lebten und noch schauen konnten — warum diese den Christus leicht verstehen. Sie konnten ihn leicht verstehen, weil sie ja die Götterwelt gesehen hatten und nun wußten: Der Christus ist aus dieser Götterwelt herausgegangen auf diese Erde für sein weiteres Schicksal, das mit dem Mysterium von Golgatha beginnt. Sie haben allerdings auch schon auf das Mysterium von Golgatha undeutlich hingesehen; aber den Christus konnten sie bis zum Mysterium von Golgatha gut sehen. Sie wußten daher von dem Christus als Gott sehr viel zu sagen. Sie fingen nur an zu diskutieren, was mit diesem Gotte geworden war, als er durch die Johannistaufe im Jordan in einen Menschen untergetaucht ist. Daher haben wir in den ersten Zeiten des Christentums eine sehr ausgeprägte Christologie und keine Jesulogie. Und weil überhaupt die Götterwelt aufhörte, ein Bekanntes zu sein, verwandelte sich zunächst die Christologie in eine bloße Jesulogie. Und die Jesulogie wurde immer stärker bis ins 19. Jahrhundert herauf, wo der Christus gar nicht einmal mehr mit dem Verstande begriffen wurde, sondern wo sich die moderne Theologie sehr viel darauf zugute tat, den Jesus möglichst menschlich zu verstehen und den Christus fahren zu lassen.

[ 11 ] That is why those who lived at the time the Mystery of Golgotha took place and were still able to see—why they find it easy to understand Christ. They could understand him easily because they had, after all, seen the world of the gods and now knew: Christ had come down from this world of the gods to this earth for his further destiny, which begins with the Mystery of Golgotha. They had, however, already caught a faint glimpse of the Mystery of Golgotha; but they could see Christ clearly right up to the Mystery of Golgotha. They therefore had much to say about Christ as God. They only began to discuss what had become of this God when he was immersed as a human being through John’s baptism in the Jordan. That is why, in the early days of Christianity, we find a very pronounced Christology and no Jesusology. And because the world of the gods in general ceased to be something familiar, Christology initially transformed into mere Jesulogy. And Jesulogy grew ever stronger up through the 19th century, when Christ was no longer even grasped by the intellect, but when modern theology took great pride in understanding Jesus as humanly as possible and letting Christ go.

[ 12 ] Aber es muß wiederum gerade durch geistige Erkenntnis die Perspektive gefunden werden, um das Wichtige, den Christus in dem Jesus zu erkennen. Denn dadurch wird es erst möglich, statt daß man mit dem Menschen gar nicht mehr in Verbindung bleibt und nur von außen sich ihn anschaut, nun auf dem Umwege durch die Verbindung mit dem Christus den Menschen und die Menschheit selber wiederum mit Anteil zu sehen auf dem Umwege durch das Verständnis des Mysteriums von Golgatha.

[ 12 ] But it is precisely through spiritual insight that we must find the perspective needed to recognize what is essential—Christ in Jesus. For only in this way does it become possible—instead of losing all connection with the human being and merely observing him from the outside—to once again see the human being and humanity itself with a sense of participation, indirectly through the connection with Christ, by way of an understanding of the Mystery of Golgotha.

[ 13 ] So daß wir sagen können: Die Menschheit ist auf dem Wege, im Herausgehen aus sich selber die geistige Realität nach und nach ganz in abstrakte Begriffe und Ideen zu verwandeln. In dieser Beziehung ist die Menschheit ja schon sehr weit gekommen, und es könnte ihr eigentlich folgendes bevorstehen: Die Menschen könnten im abstrakten, im intellektuellen Vermögen immer weiter und weiter kommen und eine Art von Bekenntnis in sich selber ausbilden, durch das sie sich sagen würden: Ja, wir erleben zwar Geistiges, aber dieses Geistige ist ja eine Fata Morgana, das hat kein Gewicht, das sind bloße Ideen. — Der Mensch muß wiederum die Möglichkeit finden, diese Ideen mit geistiger Substantialität auszufüllen. Das wird er dadurch, daß er den Christus miterlebt mit dem Übergang in das intellektuelle Leben. So daß zusammenwachsen muß der moderne Intellektualismus mit dem ChristusBewußtsein. Wir müssen als Menschen schon etwas gar nicht anerkennen wollen, wenn wir dieses Christus-Bewußtsein nicht gerade auf dem Wege des Intellektualismus finden können.

[ 13 ] So that we can say: Humanity is on the path, by stepping outside of itself, to gradually transform spiritual reality entirely into abstract concepts and ideas. In this regard, humanity has indeed already come a very long way, and the following could actually lie ahead for it: People could advance further and further in their abstract, intellectual capacities and develop a kind of conviction within themselves through which they would say to themselves: Yes, we do experience the spiritual, but this spiritual realm is merely a mirage; it has no substance—it consists of mere ideas. — Humanity must once again find the means to imbue these ideas with spiritual substance. This will happen as they experience Christ alongside their transition into intellectual life. Thus, modern intellectualism must grow together with Christ-consciousness. As human beings, we must simply refuse to acknowledge certain things if we cannot find this Christ-consciousness precisely through the path of intellectualism.

[ 14 ] Sehen Sie, in alten Zeiten hat der Mensch gesprochen von dem Sündenfall. Er sprach von diesem Bilde des Sündenfalls in dem Sinne, als ob er seiner Wesenheit nach einer höheren Welt angehört hätte und in eine tiefere heruntergefallen wäre, was ja auch, wenn man es bildlich auffaßt, durchaus der Realität entspricht. Man kann durchaus im realen Sinne von einem Sündenfall sprechen. Geradeso wie aber der alte Mensch richtig gefühlt hat, wenn er sich sagte: Ich bin hinuntergestürzt aus einer geistigen Höhe und habe mich mit Tieferstehendem vereinigt —, so sollte der neuere Mensch finden, wie ihn die immer abstrakter werdenden Gedanken auch in eine Art von Fall bringen, aber in einen Fall, bei dem es hinaufgeht, wo der Mensch gewissermaßen nach oben fällt, also steigt, aber in demselben Sinne zu seinem Verderben steigt, wie der alte Mensch sich fallen gefühlt hat zu seinem Verderben. So wie der alte Mensch, der noch den Sündenfall im Sinne des Alten verstanden hat, in dem Christus denjenigen gesehen hat, der den Menschen in das rechte Verhältnis zu dieser Sünde gebracht hat, nämlich zu der Möglichkeit einer Erlösung —, also wie der alte Mensch, wenn er Bewußtsein entwickelt hat, in dem Christus denjenigen sah, der ihn aus dem Fall heraufgehoben hat, so sollte der neuere Mensch, der in den Intellektualismus hineingeht, in dem Christus denjenigen sehen, der ihm Gewicht gibt, daß er nicht geistig fortfliegt von der Erde beziehungsweise von der Welt, in der er drinnen sein soll.

[ 14 ] You see, in ancient times, people spoke of the Fall. They spoke of this image of the Fall in the sense that, as if by its very nature, humanity had belonged to a higher world and had fallen into a lower one—which, when taken figuratively, certainly corresponds to reality. One can certainly speak of a Fall in a real sense. Just as the ancient person felt correctly when he said to himself: “I have fallen from a spiritual height and united myself with what lies lower”— so too should the modern human being recognize how thoughts that are becoming ever more abstract also lead him into a kind of fall—but a fall in which one ascends, where the human being, so to speak, falls upward, that is, rises, yet rises toward his own ruin in the same sense that the ancient human being felt himself falling toward his ruin. Just as the old human being, who still understood the Fall in the sense of the Old Testament, in which Christ saw the One who brought humanity into the right relationship to this sin—namely, to the possibility of redemption—, just as the old human being, having developed consciousness, was seen by Christ as the one who lifted him up out of the Fall—so too should the newer human being, who is entering into intellectualism, be seen by Christ as the one who gives him the weight necessary so that he does not fly away spiritually from the earth or from the world in which he is meant to dwell.

[ 15 ] Hat der alte Mensch vorzugsweise das Christus-Ereignis im Sinne der Willensentwickelung angesehen, was ja zusammenhängt mit dem Sündenfall, so sollte der neuere Mensch lernen, den Christus anzusehen im Zusammenhange mit dem Gedanken, der aber die Realität verlieren muß, wenn der Mensch ihm nicht Gewicht zu geben vermag, so daß im Gedankenleben selber wiederum Realität zu finden ist.

[ 15 ] While people of the past tended to view the Christ event primarily in terms of the development of the will—which is, of course, connected to the Fall—people today should learn to view Christ in connection with thought; yet this thought must lose its reality if people are unable to give it weight, so that reality may once again be found within the life of thought itself.

[ 16 ] Man muß sich schon sagen: Die Menschheit macht eine Entwickelung durch. Und wie der Paulus sprechen durfte von dem alten Adam und von dem neuen Adam, von dem Christus, so darf das in gewissem Sinne der moderne Mensch auch; nur muß er sich klar sein darüber, daß der Mensch, der noch das alte Bewußtsein in sich hatte, sich durch den Christus aufgehoben fühlte, daß der neuere Mensch sich durch den Christus vor dem Hinausschnellen in das Wesenlose der bloßen Abstraktion, des bloßen Intellektualismus geschützt wissen soll. Der moderne Mensch braucht den Christus, um seine in die Weiten gehende Sünde zu dem zu machen in sich, was wiederum gut werden kann. Und der Gedanke wird dadurch gut, daß er sich wiederum mit der wirklichen Realität, mit der geistigen Realität verbinden kann. So gibt es gerade für denjenigen, der die Geheimnisse des Weltenalls durchschaut, durchaus die Möglichkeit, den Christus auch in die allermodernste Bewußtseinsentwickelung hineinzustellen.

[ 16 ] One really must admit: Humanity is undergoing a process of development. And just as Paul was able to speak of the old Adam and the new Adam—Christ—so, in a certain sense, modern man may do the same; but he must be clear that the person who still carried the old consciousness within himself felt transcended by Christ, and that the newer person should know himself protected by Christ from hurtling off into the nothingness of mere abstraction, of mere intellectualism. Modern man needs Christ to transform his sin, which extends into the vastness of the universe, into something within himself that can once again become good. And the thought becomes good through its ability to reconnect with true reality, with spiritual reality. Thus, especially for those who penetrate the mysteries of the universe, there is certainly the possibility of placing Christ even within the most modern development of consciousness.

[ 17 ] Und nun gehen Sie zu unserem früheren Bilde zurück, das ich angelehnt habe an die menschliche Erinnerungsfähigkeit. Da können wir sagen: Ja, wir leben fort als Menschenwesen in der geistigen Welt, erheben uns über die geistige Welt, indem wir mit unserem Kopf herausgucken in die physische Welt. Wir tauchen aber nicht ganz heraus, sondern nur mit unserem Kopf. Wir bleiben so in der geistigen Welt, daß selbst unsere Erinnerungen immer in ihr spielen. Unsere Erinnerungswelt bleibt unten im Meere der geistigen Welt. — Sehen Sie, solange wir zwischen Geburt und Tod stehen und nicht mächtig genug sind in unserem Ich, um all das zu sehen, was da unten selbst mit unseren Erinnerungen vor sich geht, so lange merken wir nichts davon, wie es eigentlich mit uns in der neueren Zeit als Menschheit steht. Wenn wir aber sterben, dann wird es mit dieser geistigen Welt, aus der wir uns wie ein luftschnappender Fisch heraus erheben im physischen Dasein, sehr ernst. Und da blicken wir nicht so zurück, daß wir glauben, wesenlose Erinnerungsbilder zu sehen, indem wir uns dem Irrtum hingeben, daß die Zeitperspektive auch die Realität tötet. Der Mensch gibt sich der Erinnerung für die Zeit so hin, wie einer, der das, was er in der Entfernung sieht, weil eine Raumperspektive da ist, nicht für Realität hält, sondern bloß für Bilder; der also sagen würde: Ja, wenn ich weit fortgehe, so ist das Schloß dort ja so klein, so furchtbar klein, daß es doch keine Realität haben kann, denn in einem so kleinen Schloß können doch nicht Menschen drinnen wohnen, also kann es auch keine Realität haben. — So ungefähr ist auch hier die Schlußfolgerung. Wenn der Mensch zurückblickt in der Zeit, da hält er die Erinnerungsbilder nicht für Realitäten, weil er die Zeitperspektive nicht berücksichtigt. Das aber hört auf, wenn alle Perspektive aufhört, wenn wir aus Raum und Zeit heraußen sind. Wenn wir gestorben sind, dann hört das auf. Da tritt das, was in der Zeitperspektive lebt, sehr stark als Realität auf.

[ 17 ] And now let’s return to our earlier image, which I based on the human capacity for memory. There we can say: Yes, we continue to live as human beings in the spiritual world, rising above the spiritual world by peering out into the physical world with our heads. But we do not emerge completely; we emerge only with our heads. We remain in the spiritual world in such a way that even our memories are always active within it. Our world of memories remains down below in the ocean of the spiritual world. — You see, as long as we stand between birth and death and are not strong enough in our sense of self to see everything that is happening down there—even with our own memories—we remain unaware of what is actually happening to us as humanity in the modern age. But when we die, matters become very serious with regard to this spiritual world, from which we rise in physical existence like a fish gasping for air. And there we do not look back in such a way that we believe we are seeing insubstantial images of memory, succumbing to the error that the perspective of time also kills reality. A person surrenders to memory for the time being just as one who, because of spatial perspective, does not consider what he sees in the distance to be reality, but merely images; who would therefore say: “Yes, when I walk far away, that castle over there is so small—so terribly small—that it cannot possibly be real, for people cannot possibly live inside such a small castle, so it cannot be real either.”—That is roughly the conclusion here as well. When a person looks back in time, they do not regard the images of memory as realities, because they do not take temporal perspective into account. But that ceases when all perspective ceases, when we are outside of space and time. When we have died, then that ceases. There, what lives within the temporal perspective appears very strongly as reality.

[ 18 ] Es ist nun möglich, daß wir in unser Erleben das hineingebracht haben, was ich das Christus-Bewußtsein nenne. Dann blicken wir nach dem Tode zurück, und wir sehen, daß wir uns im Leben mit Realität verbunden haben, daß wir nicht bloß abstrakt gelebt haben. Die Perspektive hört auf, die Realität steht da. Sind wir aber beim bloßen abstrakten Erleben geblieben, dann steht freilich auch die Wirklichkeit da, aber wir haben im Erdenleben Luftschlösser gebaut. Wir haben etwas gebaut, was keine Festigkeit in sich hat. Mit dem intellektuellen Erkennen und Wissen kann man allerdings bauen, aber die Sache hat keine Festigkeit, ist brüchig.

[ 18 ] It is now possible that we have brought into our experience what I call Christ-consciousness. Then, after death, we look back and see that we have connected with reality in life, that we have not merely lived abstractly. The perspective ceases; reality stands there. But if we have remained at the level of mere abstract experience, then reality certainly stands there as well, but we have built castles in the air during our earthly life. We have built something that has no solidity of its own. One can certainly build with intellectual understanding and knowledge, but the result has no solidity; it is fragile.

[ 19 ] So daß der moderne Mensch die Durchsetzung mit dem ChristusBewußtsein braucht, damit er sich mit Realitäten verbindet, damit er nicht Luftschlösser baut, sondern Geistesschlösser. Für die Erde sind Luftschlösser etwas, wo das, was darunter liegt, zu wenig dicht ist. Für das geistige Leben sind Luftschlösser etwas, was unter dem Geist liegt. Luftschlösser liegen immer an ihrem Orte. Nur für das Erdendasein sind sie zu dünn, für das geistige Dasein sind sie zu dicht physisch. Die Menschen können dann nicht los von dem dicht Physischen, das dem Geistigen gegenüber aber eigentlich eine geringere Realität hat; sie bleiben erdengebunden, bekommen kein freies Verhältnis zum irdischen Dasein, wenn sie Luftschlösser gebaut haben durch den Intellektualismus.

[ 19 ] Thus, modern man needs to be imbued with Christ-consciousness so that he may connect with realities, so that he builds not castles in the air, but castles of the spirit. For the earthly realm, castles in the air are something where what lies beneath them is not dense enough. For spiritual life, castles in the air are something that lies beneath the spirit. Castles in the air always remain in their place. They are simply too insubstantial for earthly existence, yet too physically dense for spiritual existence. People are then unable to detach themselves from the dense physical realm, which, however, actually has a lesser reality compared to the spiritual; they remain earthbound and fail to develop a free relationship with earthly existence when they have built castles in the air through intellectualism.

[ 20 ] Sie sehen also, gerade für den Intellektualismus hat das ChristusBewußtsein eine sehr reale Bedeutung, eine Bedeutung im Sinne einer wirklichen Erlösungslehre — der Erlösung von dem Bauen von Luftschlössern — für unser Dasein, nachdem wir durch die Todespforte geschritten sind.

[ 20 ] So you see, Christ-consciousness has a very real significance precisely for intellectualism—a significance in the sense of a genuine doctrine of salvation—salvation from building castles in the air—for our existence after we have passed through the gate of death.

[ 21 ] Diese Dinge sind für Anthroposophie nicht Glaubensartikel, es sind Erkenntnisse, die nun ebenso gewonnen werden können, wie die mathematischen Erkenntnisse von demjenigen, der die mathematischen Methoden zu handhaben weiß.

[ 21 ] For anthroposophy, these things are not articles of faith; they are insights that can be gained in the same way as mathematical insights are gained by those who know how to apply mathematical methods.