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The Secret of the Trinity
GA 214

30 July 1922, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Noch einmal wollen wir zurückschauen zu dem, wovon ich gestern angedeutet habe, wie es durch die fortschreitende Intellektualisierung der Menschheitskultur abgelähmt worden ist. Wir wollen zurückblikken zu den älteren atavistischen Initiationsprinzipien, wollen dann sehen, wie diejenigen Menschen, welche noch mit diesen Initiationsprinzipien lebten, als Eingeweihte dem Christentum entgegengetreten sind und aus ihren Anschauungen heraus das gebildet haben, was dann später dogmatischer Inhalt geworden ist und als solcher, namentlich nach dem 8., 9. Jahrhundert, eben nicht mehr verstanden werden konnte.

[ 1 ] Let us once again look back at what I alluded to yesterday—how it has been stifled by the progressive intellectualization of human culture. Let us look back at the older, atavistic principles of initiation, and then see how those people who still lived by these principles, as initiates, confronted Christianity and, based on their views, formed what later became dogmatic content—content that, as such, particularly after the 8th, 9th centuries, could no longer be understood.

[ 2 ] Wir brauchen uns ja nur daran zu erinnern, daß vor dem Mysterium von Golgatha in der Menschheitszivilisation der Einschlag des eigentlichen menschlichen Ich-Prinzips im wesentlichen fehlte. Der Mensch war zwar immer veranlagt, dieses Ich-Prinzip in sich zu haben. Er war auch dazu geschaffen, sein äußeres und inneres Wesen aus diesem IchPrinzip heraus zu bilden. Aber nur langsam und allmählich kam der Mensch zur Erfühlung und namentlich zum Bewußtsein dessen, was in ihm die Ich-Wesenheit und die Ich-Kraft ist. So daß man sagen kann: Zwar bestand selbstverständlich auch in den Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha die menschliche Wesenheit aus physischem Leib, ätherischem Leib, astralischem Leib und Ich, aber die Bewußtheit des Menschen hatte nicht in sich diese Ich-Wesenheit. Die Ich-Wesenheit war mehr oder weniger unbewußt. Im Grunde genommen wandelten in jenen älteren Zeiten Menschen auf der Erde herum, die nicht im Vollbewußtsein ihres Ich lebten. Aber eigentlich ist es nur möglich, daß das Ich sich auswirkt innerhalb der Menschenwesenheit, wenn der Mensch nicht mehr voll, ich möchte sagen, nicht in voller Frische mehr seinen physischen Leib entwickelt. Diejenigen Menschen, welche noch unbewußt ihres Ich waren, haben in größerer Frische ihren physischen Leib entwickelt als jene, welche dann eingetreten sind in das Vollbewußtsein des Ich. Und dieser Eintritt in das Vollbewußtsein des Ich, er fand zwar nicht plötzlich statt, er fand in den Jahrhunderten vor und nach dem Mysterium von Golgatha statt, aber er ist deutlich wahrnehmbar für die geisteswissenschaftliche Geschichtsbetrachtung. Und wir müssen sagen: Das, was der Mensch eigentlich in voller Frische aufrechterhalten kann von seinem physischen Leib und auch von seinem ätherischen und astralischen Leib, das ist nur aufrechtzuerhalten, wenn etwas von der göttlich-geistigen Natur in die menschliche Wesenheit hereinfließt. Solange die Menschen bei Abwesenheit des IchBewußtseins ein atavistisches Hellsehen hatten, floß ja dieses GöttlichGeistige aus dem Kosmos in die Menschen ein. Die Menschen hätten niemals freie Wesen werden können, wenn nicht das Ich dadurch aufgetreten wäre, daß nicht mehr im alten Sinne das Göttlich-Geistige in sie einfloß. Die Menschen wurden nur dadurch freie Wesen, daß sie auch im Bewußtsein ihres Ich mächtig wurden. Das aber war nur möglich, wenn die Menschen allmählich sich hineinentwickelten in das, was die abstrakten Gedanken sind. Die abstrakten Gedanken aber sind eigentlich die Leichname der geistigen Welt. Ich habe ja in diesen Vorträgen schon darauf aufmerksam gemacht: So wie der Leichnam von unserem Physischen übrigbleibt, wenn wir durch den Erdentod hindurchgehen, so bleibt von jener geistig-seelischen Wesenheit, die wir in der geistigen Welt sind, bevor wir heruntersteigen in die physische Welt, auch ein Leichnam übrig. Das ist aber erst so seit der Zeit, seit welcher der Mensch mit dem Bewußtsein seines Ich ausgestattet ist. Und die Gedanken, die abstrakten Gedanken stellen diesen Leichnam dar. Indem wir imstande werden, abstrakte Gedanken in uns zu fassen, fassen wir den Leichnam unseres geistig-seelischen Wesens, wie es war vor dem Herunterstieg in die Erdenwelt. Aber daß wir den Leichnam unseres Geistig-Seelischen fassen, das hat zur Voraussetzung, daß auch etwas vom absterbenden, ablähmenden Prinzip in unseren physischen Leib einzieht.

[ 2 ] We need only recall that, prior to the Mystery of Golgotha, the impact of the true human “I” principle was essentially absent from human civilization. Human beings were, of course, always predisposed to possess this “I” principle within themselves. They were also created to shape their outer and inner being out of this “I” principle. But only slowly and gradually did human beings come to sense—and, above all, to become conscious of—what constitutes the “I” essence and the “I” power within them. So one can say: Although, of course, even in the times before the Mystery of Golgotha, the human being consisted of a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I,” human consciousness did not contain this “I”-essence within itself. The “I”-essence was more or less unconscious. Essentially, in those earlier times, people walked the earth who did not live in full consciousness of their “I.” But in reality, it is only possible for the “I” to exert its influence within the human being when the person is no longer developing their physical body to its fullest—I would say, no longer with full vitality. Those people who were still unaware of their “I” developed their physical bodies with greater vitality than those who subsequently entered into full consciousness of the “I.” And this entry into full consciousness of the “I”—though it did not take place suddenly, but rather unfolded over the centuries before and after the Mystery of Golgotha—is clearly discernible to the spiritual-scientific view of history. And we must say: What a human being can actually sustain with full vitality—in their physical body as well as in their etheric and astral bodies—can only be sustained when something of the divine-spiritual nature flows into the human being. As long as human beings possessed atavistic clairvoyance in the absence of ego-consciousness, this divine-spiritual essence did indeed flow from the cosmos into them. Human beings could never have become free beings had the ego not emerged as a result of the divine-spiritual no longer flowing into them in the old sense. Human beings became free beings only by gaining power in their awareness of the “I.” But this was possible only when human beings gradually developed themselves into what abstract thoughts are. Abstract thoughts, however, are actually the corpses of the spiritual world. I have already drawn attention to this in these lectures: Just as the corpse remains of our physical body when we pass through earthly death, so too does a corpse remain of that spiritual-soul being that we are in the spiritual world before we descend into the physical world. But this has only been the case since the time when human beings were endowed with the consciousness of their “I.” And these thoughts—the abstract thoughts—represent this corpse. By becoming capable of grasping abstract thoughts within ourselves, we grasp the corpse of our spiritual-soul being as it was before descending into the earthly world. But the fact that we grasp the corpse of our spiritual-soul being presupposes that something of the dying, paralyzing principle also enters our physical body.

[ 3 ] Ja, die Entwickelung des Menschen ist schon so, daß seine Natur sich im Laufe seiner Erdenentwickelung geändert hat. Die alten Leiber waren anders, als die neuen Leiber sind. Die alten Leiber waren so, daß der Mensch zwar unfrei in ihnen war, daß er sich aber in einer frischen, in einer durch die eigene physisch-ätherisch-astralische Tätigkeit sich vollziehenden Eigennatur in seinem Leibe bewegte. So daß man sagen kann: Wir leben innerhalb der zivilisierten Welt bereits in einer Periode der Menschheitsentwickelung, wo der Leib beginnt zu zerfallen. Und gerade durch diesen zerfallenden Leib, der die Grundlage ist für die intellektualistischen, das heißt für die abstrakten Gedanken, gewinnen wir unsere Freiheit. Durch diesen verfallenden Leib hat der Mensch alles das errungen, worauf er heute als der intellektualistisch gefärbte Wissenschafter so stolz ist.

[ 3 ] Yes, human evolution is such that human nature has changed over the course of human development on Earth. The old bodies were different from the new ones. The old bodies were such that, although human beings were not free within them, they moved within their bodies in a fresh, inherent nature that was brought about by their own physical, etheric, and astral activity. Thus, one can say: We in the civilized world are already living in a period of human development in which the body is beginning to decay. And it is precisely through this decaying body—which is the foundation for intellectualistic, that is, abstract thoughts—that we gain our freedom. Through this decaying body, human beings have achieved everything of which they are so proud today as intellectualistic scientists.

[ 4 ] Wenn wir das bedenken, so müssen wir uns sagen: Vor dem Mysterium von Golgatha lebte also auf der Erde in den Menschen selbst noch nicht das volle Ich-Bewußtsein. Aber es gab eben Menschen, welche schon dazumal dieses volle Ich-Bewußtsein entwickelten, welche es entwickelten durch die Mysterienhandlung. Das waren eben die Initiierten oder die Eingeweihten. Wir haben ja schon das Verschiedenste darüber gesprochen, was innerhalb der alten Mysterienstätten mit denen geschah, welche die Einweihung durchmachten und zu diesem vollbewußten Ich hinanstiegen, während es allgemeine Menschennatur war, noch nicht ein vollbewußtes Ich zu haben. Allein, der alte Initiierte konnte zu diesem vollbewußten Ich nur hinaufsteigen dadurch, daß durch die heilige Handlung der Mysterien etwas in ihn einzog, was innerhalb aller alten Kulturen und Zivilisationen als der ewige Vater des Kosmos empfunden worden ist. Und der Myste der alten Mysterien, der Initiierte, hatte dieses Erlebnis, wenn er bei einem bestimmten Punkte seiner Initiation angelangt war, daß er sich sagte: Der Vater lebt in mir.

[ 4 ] When we consider this, we must realize: Before the Mystery of Golgotha, full “I”-consciousness did not yet exist within human beings on Earth. But there were indeed people who, even back then, developed this full “I”-consciousness—who developed it through the mystery rites. These were precisely the initiates. We have already discussed a wide variety of topics regarding what took place within the ancient mystery temples with those who underwent initiation and ascended to this fully conscious “I,” while it was a general characteristic of human nature not yet to possess a fully conscious “I.” However, the ancient initiate could ascend to this fully conscious “I” only because, through the sacred rite of the mysteries, something entered into him that had been perceived within all ancient cultures and civilizations as the eternal Father of the cosmos. And the initiate of the ancient mysteries, upon reaching a certain point in his initiation, had this experience, saying to himself: “The Father lives within me.”

[ 5 ] Wenn wir uns etwa vorstellen würden einen solchen Initiierten innerhalb der althebräischen Kultur, so müßten wir sagen: Dieser Initiierte charakterisierte das, was mit ihm selber durch die Initiation geschehen war, in der folgenden Art. Er sagte: Die allgemeine Menschheit hat das als ihr Eigentümliches, daß der Vater sie zwar erhält und trägt, daß aber der Vater nicht in das Bewußtsein einzieht und nicht das Bewußtsein zum Ich entfacht. Der Vater gibt dem gewöhnlichen Menschen lediglich den Geist des Atems; er haucht ihm den Atem ein, und der ist die lebendige Seele. Aber es empfand der Initiierte, daß zu dem, was da als lebendige Seele eingehaucht wurde, ein besonderes Geistiges, das lebendige Vaterprinzip des Kosmos, in dem Menschen einzog. Und dann, wenn in diesem alten Initiierten der hebräischen Welt dieses göttliche Vaterprinzip eingezogen war und der Mensch dessen bewußt geworden war, dann sprach dieser Mensch mit vollem Rechte aus, was bei ihm «Ich» bedeutete: Ich bin der Ich bin. — Und so sah man auch einen solchen Menschen, der unter den alten Völkern herumging und mit Recht durch die Innewohnung des göttlichen Vaterprinzips das Ich aussprechen konnte, das im ganzen Altertum eigentlich der unaussprechliche Name der Gottheit, der Vatergottheit war, so sah man den selber als den Stellvertreter des Vaters auf Erden an. Und man nannte diese Initiierten die Väter, die unter den Völkern herumgingen. Väter nannte man sie, denn sie vertraten das göttliche Vaterprinzip unter den anderen Menschen. Und man sagte von ihnen, daß in sie einzog in den Mysterien der göttliche Vater. Daher sah man die Mysterien als etwas an, in dem sich innerhalb des Irdischen entwickelt, was sonst nur draußen den ganzen Kosmos durchwallt und durchwebt. Innerhalb der Mysterienstätte und dann wiederum durch die Mysterienstätte im Menschen, wurde dem göttlichen Vaterprinzip eine Hütte gebaut. Der Mensch selber wurde zu dieser Hütte des göttlichen Vaterprinzips.

[ 5 ] If we were to imagine, for example, such an initiate within ancient Hebrew culture, we would have to say: This initiate described what had happened to him through the initiation in the following way. He said: It is characteristic of humanity in general that, although the Father sustains and supports them, the Father does not enter into their consciousness nor kindle consciousness into the “I.” The Father gives the ordinary human being merely the spirit of the breath; He breathes life into him, and that is the living soul. But the initiate sensed that, in addition to what was breathed into him as the living soul, a special spiritual essence—the living Father-principle of the cosmos—entered into the human being. And then, when this divine Father Principle had entered into this ancient initiate of the Hebrew world and the human being had become conscious of it, that person rightly expressed what “I” meant to him: “I am who I am.” — And so such a person, who walked among the ancient peoples and who, through the indwelling of the divine Father-principle, could rightly utter the “I”—which throughout antiquity was actually the unpronounceable name of the deity, the Father-deity—was himself regarded as the Father’s representative on earth. And these initiates were called the Fathers who walked among the peoples. They were called Fathers because they represented the divine Father principle among other human beings. And it was said of them that the divine Father entered into them during the Mysteries. Therefore, the Mysteries were regarded as something in which, within the earthly realm, that which otherwise surges and weaves its way through the entire cosmos took shape. Within the place of the Mysteries—and then, in turn, through that place within the human being—a dwelling was built for the divine Father principle. The human being himself became this dwelling of the divine Father principle.

[ 6 ] So empfand man durch die Mysterien das Wallen und Pilgern Gottes des Vaters innerhalb der Erdenwelt, und man sah hinaus in den Kosmos, in die große Welt, und nannte das, insofern man es durchwallt und durchwebt auffaßte von dem göttlichen Vaterprinzip, man nannte es den Makrokosmos, die große Welt. Und man sah dann hin zu der Mysterienstätte, in welcher diesem Vatergotte eine Hütte gebaut war, in welcher initiiert wurden diejenigen, die als Menschen selber die Hütte dieses Vatergottes geworden waren, und man nannte das, was die Mysterien waren, man nannte das, was der Mensch selber war durch die Mysterien: die kleine Welt, den Mikrokosmos. Das ist etwas, was sich noch bis zu Goethe herauf erhalten hat; denn als Goethe Mitglied von Logen wurde, eignete er sich den Sprachgebrauch an «Groß’ und kleine Welt», und er verstand unter der großen Welt eben den Makrokosmos, unter der kleinen Welt die Loge, die ein Abbild der großen Welt für ihn sein soll.

[ 6 ] Through the Mysteries, people sensed the surging and pilgrimage of God the Father within the earthly world, and they looked out into the cosmos, into the great world; and since they perceived it as permeated and interwoven by the divine Father principle, they called it the macrocosm, the great world. And people then looked toward the site of the Mysteries, where a hut had been built for this Father God, in which those who had themselves become the hut of this Father God as human beings were initiated; and they called what the Mysteries were—they called what the human being himself was through the Mysteries—the small world, the microcosm. This is something that persisted all the way up to Goethe; for when Goethe became a member of lodges, he adopted the usage of “the Great and the Small World,” and by the Great World he meant precisely the macrocosm, while by the Small World he meant the lodge, which was to be for him a reflection of the Great World.

[ 7 ] Das alles kam in ein anderes Stadium, als innerhalb der Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha heranrückte. Da handelte es sich um etwas wesentlich anderes. Während dieses Mysteriums von Golgatha waren zuerst diejenigen Menschen auf der Erde wandelnd, welche etwas in sich fühlten von dem selbständigen Ich. Das Ich-Bewußtsein hatte gewissermaßen angefangen einzuziehen in den Menschen. Damit war aber zu gleicher Zeit ein anderes aufgetreten: daß der menschliche physische Leib anfing, innerlich brüchig zu werden, zu zerfallen. Und so stand die Menschheitsentwickelung in dieser Zeit, in der Mitte der Erdenentwickelung, vor einer großen Gefahr, vor der Gefahr, immer mehr und mehr den Zusammenhang zu verlieren mit der geistigen Welt, aber auch vor der Gefahr, daß der physische Leib immer mehr und mehr zerfallen könne.

[ 7 ] All of this entered a different phase as the Mystery of Golgotha drew near in the course of human evolution. This was something fundamentally different. During this Mystery of Golgotha, the first people walking the Earth were those who felt within themselves something of the independent “I.” “I”-consciousness had, so to speak, begun to take root in human beings. But at the same time, something else had come to pass: the human physical body began to become internally fragile, to disintegrate. And so, at this time—in the middle of Earth’s evolution—human development faced a great danger: the danger of losing connection with the spiritual world more and more, but also the danger that the physical body might disintegrate more and more.

[ 8 ] Um dem abzuhelfen, beschloß eben jenes Wesen, das wir als den Christus kennen, sich nun so in den Jesus von Nazareth hineinzuergießen, wie sich früher in die Initiierten das göttliche Vaterprinzip hineinergossen hatte. Dieses göttliche Vaterprinzip hatte sich in die Initiierten hineinergossen. Dadurch war in den Initiierten angefacht worden zu dem physischen Leib, zu dem Ätherleib, zu dem astralischen Leib hinzu das Ich. Diejenigen allein, so sagte ich schon, durften das Ich aussprechen, das eigentlich der unaussprechliche Name des Gottes selber war, in die der göttliche Vater eingezogen war.

[ 8 ] To remedy this, the very Being we know as the Christ decided to pour Himself into Jesus of Nazareth in the same way that the divine Father principle had previously poured itself into the initiates. This divine Father principle had poured itself into the initiates. Through this, the “I” had been kindled within the initiates, in addition to the physical body, the etheric body, and the astral body. Only those, as I have already said, were permitted to utter the “I”—which was in fact the unpronounceable name of God Himself—into whom the divine Father had entered.

[ 9 ] Aber jetzt waren Menschen da in der Mitte der Erdenentwickelungszeit, die anfingen, zu sich Ich zu sagen, die das Ich ins Bewußtsein herauf erhoben. In einen solchen Menschen, der da war der Jesus von Nazareth, zog jetzt dasjenige Prinzip ein, welches das Sohnesprinzip ist, das Christus-Prinzip. Dieses Christus-Prinzip trat also ein in das Ich. Während wir früher haben den Einzug des Vaterprinzips in physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib, so haben wir jetzt das Einziehen des Christus-Prinzips in den Menschen, der sich weiter fortentwickelt hatte.

[ 9 ] But now, in the middle of Earth’s evolutionary period, there were people who began to call themselves “I,” who raised the “I” into consciousness. Into such a person—who was Jesus of Nazareth—the principle known as the Son principle, the Christ principle, now entered. This Christ principle thus entered the “I.” Whereas we previously witnessed the entry of the Father principle into the physical body, the etheric body, and the astral body, we now witness the entry of the Christ principle into the human being who had developed further.

[ 10 ] Nun erinnern Sie sich, wie ich den Menschen in diesen Tagen beschrieben habe. Ich habe Ihnen gesagt: Die Pflanzen vernichten in sich die physische Natur, korrumpieren sie, könnte man sagen; das Tier korrumpiert die physische und die ätherische Natur, und der Mensch korrumpiert die physische, die ätherische und die astralische Natur. Er korrumpierte sie nicht vollständig in der Zeit der Entwickelung der Menschheit vor dem Mysterium von Golgatha; jetzt korrumpierte er sie vollständig, indem sein Ich wirklich einzog in seine Wesenheit. Der Initiierte der alten Mysterien aber, der machte sich völlig frei von physischem Leib, ätherischem Leib, astralischem Leib, indem er das göttliche Vaterprinzip in sich einfließen ließ und schon in jener Zeit ein Ich wurde.

[ 10 ] Now, recall how I have described human beings in recent days. I told you: Plants destroy their physical nature from within—one might say they corrupt it; animals corrupt both the physical and the etheric nature; and human beings corrupt the physical, the etheric, and the astral nature. He did not corrupt them completely during the period of human evolution prior to the Mystery of Golgotha; now he has corrupted them completely, as his “I” has truly taken up residence within his being. The initiate of the ancient mysteries, however, freed himself completely from the physical body, the etheric body, and the astral body by allowing the divine Father-principle to flow into him and by becoming an “I” even in that era.

[ 11 ] Indem Christus in den Jesus von Nazareth einzog, vernichtete er aber bei diesem Einzug nun nicht nur den physischen Leib, nicht nur den ätherischen Leib und den astralischen Leib, sondern auch mit das Ich, soweit es in der damaligen Zeit in dem Jesus von Nazareth entwickelt war. So daß also in dem Jesus Christus eben das höhere Christus-Prinzip wohnte, das sich zu dem Ich so verhält wie sonst das Ich des Menschen zum astralischen Leibe.

[ 11 ] When Christ entered into Jesus of Nazareth, however, He did not merely destroy the physical body, the etheric body, and the astral body, but also the “I,” to the extent that it had developed in Jesus of Nazareth at that time. Thus, the higher Christ principle dwelt within Jesus Christ, a principle that relates to the “I” in the same way that the human “I” otherwise relates to the astral body.

[ 12 ] Das ist etwas, was gerade noch die alten Initiierten, in denen höhere Fähigkeiten des Schauens entwickelt waren, eben auch schauen konnten. Wenn diese alten Initiierten angeschaut haben den Menschen, wie er nun war in ihrer Zeit, dann haben sie in ihm gefunden, wie der Mensch alle Kräfte der übrigen Naturwesen in sich vereinigte, hinausragte über die übrigen Naturwesen, sie gewissermaßen zusammenfaßte. Sie haben gesehen, wie man wieder finden kann in dem menschlichen physischen Leib das mineralische Reich, in dem menschlichen Ätherleib das Pflanzenreich, in dem menschlichen astralischen Leib das tierische Reich, und dann den eigentlichen Menschen. Indem diese in den älteren Zeiten zum Schauen gebrachten Initiierten, diese Väter der Völker, insofern noch einzelne von ihnen vorhanden waren, jetzt Kunde bekamen von diesem Christus-Ereignis, von dem herannahenden Ereignis von Golgatha, konnten sie eine Wesenheit in dem Christus sehen, in welchem nun mehr enthalten war, in welchem nicht nur die irdischen Wesen bis zum Menschen heraufragten, sondern in welchem der Mensch wiederum hinaufragte zum göttlich-geistigen Sein.

[ 12 ] This is something that only the ancient initiates—who had developed higher powers of perception—were able to perceive. When these ancient initiates looked at human beings as they were in their time, they saw how each human being united within themselves all the forces of the other beings of nature, towered above them, and, in a sense, encompassed them. They saw how one can find within the human physical body the mineral kingdom, within the human etheric body the plant kingdom, within the human astral body the animal kingdom, and then the human being proper. When these initiates of earlier times—these fathers of the peoples, insofar as some of them were still present— now received news of this Christ event, of the approaching event at Golgotha, they were able to see a being in Christ in whom more was now contained—in whom not only did the earthly beings reach up to the human being, but in whom the human being, in turn, reached up to the divine-spiritual being.

[ 13 ] Wenn als menschlicher Ausdruck im Menschen etwas vorhanden ist, was wir eben kennen als in dem äußeren physischen Leib des Menschen lebend, so werden wir verstehen, wie diese Initiierten in dem Christus Jesus mehr sahen als einen Menschen, wie sie etwas herumwandeln sahen auf der Erde, was über die Menschheit, über die Menschlichkeit hinausragte. Diese Initiierten haben den Christus Jesus eben in einem besonderen Glanze gesehen, nicht nur mit dem menschlichen Inkarnat, sondern mit einem besonderen strahligen Glanze.

[ 13 ] If there is something within human beings—as a human expression—that we know to be living within the outer physical body of a human being, then we will understand how these initiates saw in Christ Jesus more than just a human being, how they saw something walking upon the earth that transcended humanity and human nature. These initiates saw Christ Jesus in a special radiance—not merely in his human incarnation, but with a special, radiant splendor.

[ 14 ] Diesen besonderen strahligen Glanz, den konnten allerdings die alten Initiierten auch an ihren Genossen wahrnehmen: es war die Kraft des Vaterprinzipes, das in den Initiierten wohnte. Aber jetzt ‚nahmen sie nicht nur dasjenige wahr, was in den alten Initiierten als das göttliche Vaterprinzip wohnte, jetzt nahmen sie etwas wahr, was von dem Christus Jesus noch in besonderer Weise ausstrahlte, weil in ihm eben nicht bloß physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib vernichtet waren, sondern auch das Ich, soweit es in der damaligen Zeit in einem Menschen vorhanden sein konnte.

[ 14 ] The ancient initiates could, however, also perceive this special, radiant splendor in their fellow initiates: it was the power of the Father Principle that dwelt within them. But now they perceived not only what dwelt in the ancient initiates as the divine Father Principle; now they perceived something that radiated from Christ Jesus in a special way, because in him not only had the physical body, the etheric body, and the astral body been destroyed, but also the “I,” insofar as it could exist in a human being at that time.

[ 15 ] Daher kam es, daß den Christus Jesus als eine besonders strahlende Wesenheit nicht nur die Inititerten schauen konnten, sondern auch andere, hierzu besonders begabte Menschen. Und das war das ungeheuer Neue auch für die Initiierten zur Zeit des Mysteriums von Golgatha: daß andere Menschen, die nur mit Naturgaben, nicht mit Mysteriengaben ausgestattet waren, wenn es auch nur einzelne waren, eben in dem Christus Jesus die höhere Natur erkannten.

[ 15 ] This is why Christ Jesus, as a particularly radiant being, could be seen not only by the initiates but also by other people who were especially gifted in this regard. And this was the immensely new development even for the initiates at the time of the Mystery of Golgotha: that other people, endowed only with natural gifts and not with mystical gifts—even if they were only a few individuals—recognized the higher nature in Christ Jesus.

[ 16 ] Daraus entstand dann Verständnis dafür, daß jetzt mit dem Mysterium von Golgatha etwas geschehen sollte, was früher im Grunde nur innerhalb der Mysterien selber geschehen war. In die große Welt, in den Makrokosmos war etwas hinausversetzt worden, das früher nur innerhalb des Mikrokosmos, innerhalb der kleinen Welt vor sich gegangen war. Und es ist schon so, daß zunächst innerhalb der letzten Mysterienstätten des Altertums am reinsten, am klarsten das ChristusGeheimnis verkündet worden ist, und daß gerade diese Verkündigung des Christus-Geheimnisses im Laufe der ersten vier Jahrhunderte europäischer Entwickelung für die neuere Zivilisation verlorengegangen ist. Diese alten Initiierten wußten, weil in dem Christus Jesus nun nicht bloß das Vaterprinzip, sondern das Sohnesprinzip lebte, daß der Christus Jesus etwas darstellte, was einzig innerhalb der irdischen Entwickelung ist, einzig insofern, als eben im weiteren Fortgang nicht etwa wieder ein solches Mysterium von Golgatha auftreten könne, nicht wiederum eine solche Innewohnung des Sohnesprinzips in einem Menschen stattfinden könne, wie sie stattgefunden hat in dem Jesus von Nazareth.

[ 16 ] This led to the realization that, with the Mystery of Golgotha, something was now to take place that had previously, in essence, occurred only within the mysteries themselves. Something had been brought out into the great world, into the macrocosm, that had previously taken place only within the microcosm, within the small world. And it is indeed the case that the mystery of Christ was first proclaimed in its purest and clearest form within the last mystery schools of antiquity, and that it was precisely this proclamation of the mystery of Christ that was lost to modern civilization in the course of the first four centuries of European development. These ancient initiates knew—because in Christ Jesus lived not merely the Father principle but also the Son principle—that Christ Jesus represented something that is unique within earthly evolution, unique insofar as, in the course of further development, no such Mystery of Golgotha could ever occur again, nor could such an indwelling of the Son-principle in a human being take place again as it did in Jesus of Nazareth.

[ 17 ] Und es wußten diese Initiierten, daß der Christus in die Menschheit eingetreten ist als der Heiler, als der große Heiler, als derjenige, der verhindert, daß der menschliche Leib Schaden erleidet dadurch, daß er brüchig wird durch das Einziehen des Ich. Denn, was wäre geschehen, wenn der Christus nicht als der Heiler erschienen wäre? Wäre der Christus nicht als der Heiler erschienen, so würden, wenn die Menschen sterben, wenn sie ablegen ihren verfallenden Leib, durch das Ablegen des verfallenden Leibes die Verfallserscheinungen zurückstrahlen in ihr Seelisches, das sie nach dem Tode entfalten. Beunruhigt, gequält würden die Toten durch das, was der verfallende physische Leib im Erdendasein darstellte. Sie würden schauen müssen, diese Seelen, die durch den Tod gegangen sind, wie die Erde selber, dadurch, daß sie einen verfallenden Leib aufnehmen muß, Schaden leidet. Und es wußten die alten Initiierten, wie diejenigen, die sich im rechten Sinne des Wortes Christen nennen, die zu der inneren Erfüllung mit dem Christus-Prinzip durchdringen, wie diese nun so herunterschauen konnten auf ihren Leib, der ihnen genommen war im Tode, daß sie sagen konnten: Durch unsere Innewohnung des Christus, während wir Erdenkinder waren, haben wir diesen physischen Leib soweit geheilt, daß er in die Erde versenkt werden kann, ohne daß er für die Erde selber ein Verfallsprinzip darstellt. An der Erde mußte geheilt werden dasjenige, was der Mensch haben mußte, um ein Ich zu werden. Denn damit er ein Ich werden konnte, mußte er einen verfallenden Körper haben; aber wenn dieser verfallende Körper geblieben wäre, hätte die Erde Schaden genommen. Und die Seelen, wenn sie herunterschauten auf ihren von der Erde aufgenommenen physischen Leib, wären nach dem Tode gequält worden unter dem Einflusse der Empfindung, daß die Erde selber Schaden nähme an diesem verfallenden physischen Leibe.

[ 17 ] And these Initiates knew that the Christ had entered humanity as the Healer, as the great Healer, as the One who prevents the human body from suffering harm by becoming frail due to the entry of the “I.” For what would have happened if the Christ had not appeared as the Healer? Had the Christ not appeared as the Healer, then when people die—when they shed their decaying body—the signs of decay would, through the shedding of the decaying body, radiate back into their soul life, which they unfold after death. The dead would be troubled and tormented by what the decaying physical body represented during earthly life. These souls who have passed through death would have to witness how the earth itself suffers harm by having to receive a decaying body. And the ancient initiates knew—as do those who call themselves Christians in the true sense of the word, those who have penetrated to the inner fulfillment with the Christ principle—how these souls could now look down upon their bodies, which had been taken from them in death, so that they could say: Through Christ’s indwelling within us while we were children of the Earth, we have healed this physical body to such an extent that it can be returned to the Earth without becoming a source of decay for the Earth itself. What the human being needed in order to become an “I” had to be healed within the Earth. For in order to become an “I,” human beings had to have a decaying body; but if this decaying body had remained, the Earth would have suffered harm. And the souls, if they had looked down upon their physical bodies—which had been taken up by the Earth—would have been tormented after death by the feeling that the Earth itself was suffering harm from this decaying physical body.

[ 18 ] Das ist es, was durch das Mysterium von Golgatha eingetreten ist, daß die Menschenseelen nun sich sagen konnten, nachdem sie durch die Pforte des Todes durchgegangen waren: Ja, wir haben ihn getragen auf der Erde, diesen verfallenden physischen Leib; ihm verdanken wir die Möglichkeit, ein freieres Ich in der menschlichen Wesenheit entwickeln zu können. Aber der Christus hat durch sein Innewohnen in dem Jesus von Nazareth geheilt diesen physischen Leib, so daß er dem Erdendasein nicht schädlich ist, so daß wir mit Beruhigung hinunterschauen können in das Erdendasein, wissend, daß nach dem Mysterium von Golgatha nicht ein unrechter Same hineinfällt in dieses Erdendasein durch denjenigen Leib, den der Mensch zum Gebrauche seines Ich nötig hat. Und so ist der Christus durch das Mysterium von Golgatha hindurchgegangen, um den menschlichen physischen Leib für das Erdendasein zu heiligen.

[ 18 ] This is what came about through the Mystery of Golgotha: that human souls could now say to themselves, after passing through the gate of death, “Yes, we bore him on Earth, this decaying physical body; it is thanks to him that we have the opportunity to develop a freer ‘I’ within our human being.” But Christ, through his indwelling in Jesus of Nazareth, has healed this physical body so that it is not harmful to earthly existence, so that we can look down upon earthly existence with peace of mind, knowing that, after the Mystery of Golgotha, not a single unrighteous seed falls into this earthly existence through the body that the human being needs for the use of his “I.” And so Christ passed through the Mystery of Golgotha in order to sanctify the human physical body for earthly life.

[ 19 ] Nun, wenn es dabei geblieben wäre, was wäre dann im Verlaufe der Erdenentwickelung geschehen? Wenn es dabei geblieben wäre, so hätte gesagt werden können: In alten Zeiten ist der Vatergott eingezogen in die Menschen, damit sie als Seelen zu dem Ich hinaufkommen konnten und den anderen Menschen als Initiierte verkündigen konnten das eigentliche Wesen des Menschen, das Ich-Wesen. Dann ist der Sohn, der Christus, in die Menschenwesenheit eingezogen. Diejenigen, die sich dazu aufschwingen, die Innewohnung des Christus in sich zu bewirken, die retten jetzt dadurch für die Erdenentwickelung ihren Leib. Wie durch das alte Vaterprinzip und seine Innewohnung in der Menschheitsentwickelung durch die Mysterien das Seelische der Menschen gerettet worden ist, so wird das Leibliche der Menschen gerettet durch den Heiler, durch den Heiland, durch den Christus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist.

[ 19 ] Well, if things had remained that way, what would have happened in the course of Earth’s evolution? If it had remained that way, one could have said: In ancient times, the Father God entered into human beings so that they, as souls, could ascend to the “I” and, as initiates, proclaim to other human beings the true nature of the human being—the “I”-nature. Then the Son, the Christ, entered into human existence. Those who rise to the task of bringing about the indwelling of Christ within themselves are thereby saving their physical bodies for the sake of Earth’s evolution. Just as the soul of humanity was saved through the ancient Father principle and its indwelling in human evolution via the mysteries, so too is the physical body of humanity saved through the Healer, through the Savior, through Christ, who passed through the Mystery of Golgotha.

[ 20 ] Aber würde es nur dabei bleiben, so würden diejenigen, die ihren Leib gerettet wissen, sie würden nun den Christus, als die in ihnen wirkende Wesenheit, die in ihnen auch leiblich wirkende Wesenheit, in sich tragen müssen. Und damit könnten die Menschen wieder nicht freie Wesen werden. Die Menschen würden sich, wenn es dabei geblieben wäre — damals, als die Freiheit heraufzog im 14. nachchristlichen Jahrhunderte —, so entwickelt haben, daß sie den Christus hätten in sich aufnehmen können zur Beruhigung ihrer Seelen nach dem Tod, damit diese Seelen so auf die Erde hätten herabschauen können, wie ich es Ihnen jetzt beschrieben habe; aber die Menschen hätten nicht frei werden können. Wenn sie hätten gut werden wollen, dann hätten sie den Christus so in sich wirken lassen müssen, wie im Altertum der Vater gewirkt hatte in den Menschen, die nicht Initiierte waren. Damals sind die Menschen, indem das Ich in ihnen entwickelt wurde, frei geworden. Die Initiierten wurden freie Menschen in alten Zeiten, die anderen waren unfrei, weil der Vater unbewußt in ihnen lebte. Wären nun die Christen des Christus in sich bewußte Wesenheiten gewesen, dann hätten sie jederzeit, wenn sie hätten gut werden wollen, auslöschen müssen ihr Ich-Bewußtsein, um den Christus mit Auslöschung dieses Ich-Bewußtseins in sich zu erwecken. Nicht sie selber hätten gut sein können, sondern lediglich der Christus in ihnen hätte gut sein können. Die Menschen hätten herumwandeln müssen hier auf der Erde, der Christus hätte in ihnen wohnen müssen, und indem der Christus sich bedient hätte der Menschenleiber, hätte die Heilung dieser Menschenleiber stattgefunden. Aber die guten Handlungen, welche die Menschen verrichtet hätten, die wären ChristusHandlungen gewesen, nicht Menschenhandlungen.

[ 20 ] But if it were to stop there, those who know their bodies are saved would now have to carry Christ within themselves as the being active within them—the being that is also active in them physically. And thus human beings could once again become unfree beings. If things had remained that way—back when freedom began to dawn in the 14th century A.D.—human beings would have developed to the point where they could have received Christ within themselves to bring peace to their souls after death, so that these souls could have looked down upon the earth as I have just described to you; but human beings would not have been able to become free. If they had wanted to become good, they would have had to allow Christ to work within them in the same way that the Father had worked in people who were not initiates in ancient times. Back then, as the “I” was developed within them, people became free. The initiates became free people in ancient times; the others were unfree because the Father lived within them unconsciously. If the Christians had been beings conscious of Christ within themselves, then whenever they had wanted to become good, they would have had to extinguish their ego-consciousness in order to awaken Christ within themselves through the extinction of that ego-consciousness. They themselves could not have been good; only Christ within them could have been good. People would have had to walk the earth with Christ dwelling within them, and as Christ made use of their human bodies, the healing of those bodies would have taken place. But the good deeds that people would have performed would have been the deeds of Christ, not the deeds of human beings.

[ 21 ] Das war nicht die Aufgabe, die Mission des göttlichen Sohnes, der durch das Mysterium von Golgatha sich mit der Erdenentwickelung verbunden hatte. Er wollte innewohnen der Menschheit, aber er wollte nicht das heraufkommende Ich-Bewußtsein der Menschen trüben. Er hatte das einmal getan in dem Jesus, in dem an der Stelle des Ich-Bewußtseins von der Taufe an das Sohnesbewußtsein lebte. Aber das sollte bei den Menschen der künftigen Zeiten nicht stattfinden. Bei den Menschen der künftigen Zeiten sollte das Ich sich voll bewußt erheben können, und der Christus dennoch innewohnen können diesen Menschen.

[ 21 ] That was not the task, the mission, of the Divine Son, who had bound himself to Earth’s evolution through the Mystery of Golgotha. He wished to dwell within humanity, but he did not wish to cloud the emerging sense of self in human beings. He had done this once before in the person of Jesus, who, from the time of his baptism onward, lived in the consciousness of the Son rather than in ego-consciousness. But this was not to be the case for the people of future times. For the people of future times, the ego was to be able to rise to full consciousness, and yet Christ was to be able to dwell within these people.

[ 22 ] Dazu war notwendig, daß der Christus als solcher vor der unmittelbaren Anschauung der Menschen verschwand, daß er zwar vereinigt blieb mit dem irdischen Dasein, aber vor dem unmittelbaren Anblick der Menschen verschwand. Auf ihn wurde anwendbar derjenige Ausdruck, der ja auch in den alten Initiationsstätten für so etwas üblich war: Wenn ein Wesen, das physisch sichtbar ist, das von den Menschen, die in der physischen Welt ihre Anschauung ha /üO ben, seinem Dasein nach verfolgt werden kann, aufhört sichtbar zu sein, so sagt man, es habe seine Himmelfahrt gehalten. Es ist eben eingetreten in diejenigen Regionen, in denen die physische Sichtbarkeit nicht mehr stattfindet. So hat der Christus seine Himmelfahrt gehalten, so ist er unsichtbar geworden. Denn er hätte in einer gewissen Weise seine volle Sichtbarkeit behalten, wenn er den Menschen innegewohnt und das Ich ausgelöscht hätte, so daß diese nur hätten gut werden können dadurch, daß der Christus eigentlich in ihnen handelnd gewesen wäre.

[ 22 ] For this to happen, it was necessary for the Christ, as such, to disappear from the immediate sight of human beings—to remain united with earthly existence, yet vanish from their direct view. The expression that was customary in the ancient places of initiation for such an event became applicable to him: When a being that is physically visible—one whose existence can be observed by people who perceive the physical world—ceases to be visible, it is said that he has ascended. It has simply entered those regions where physical visibility no longer exists. Thus Christ ascended; thus he became invisible. For he would, in a certain sense, have retained his full visibility had he dwelt within human beings and extinguished the “I,” so that they could have become good only through Christ actually acting within them.

[ 23 ] Die Art und Weise, wie der Christus noch den Aposteln, den Jüngern auch nach seiner Auferstehung sichtbar war, diese Art und Weise verschwand: Der Christus hielt seine Himmelfahrt. Aber er sandte den Menschen diejenige göttliche Wesenheit, die nun nicht das IchBewußtsein auslöscht, zu der man sich erhebt nicht im Anschauen, sondern gerade im unanschaulichen Geiste. Er sandte den Menschen den Heiligen Geist.

[ 23 ] The way in which Christ was still visible to the apostles and disciples even after his Resurrection—that way disappeared: Christ ascended into heaven. But He sent to humanity that divine essence which does not extinguish the sense of self—an essence to which one ascends not through visual perception, but precisely through the invisible Spirit. He sent the Holy Spirit to humanity.

[ 24 ] So ist eigentlich der Heilige Geist dasjenige, was von dem Christus gesandt werden sollte, damit der Mensch sein Ich-Bewußtsein behalten könne und der Christus dem Menschen unbewußt innewohnen kann. So daß der Mensch, wenn er nun im vollen Sinne des Wortes sich vor die Seele führt, was er eigentlich für ein Wesen ist, sagen muß: Wenn ich zurückblicke zu dem, was die alten Initiierten wußten, so sehe ich, daß in mir lebt das Vaterprinzip, welches den Kosmos erfüllt, welches in diesen alten Initiierten auftrat und bei ihnen das Ich entfaltete. Das ist dasjenige Prinzip, welches mit uns lebte, bevor wir heruntergestiegen sind in die physische Welt. — Durch das Innewohnen dieses Vaterprinzips erinnerten sich die alten Initiierten in vollständiger Klarheit an die Art und Weise, wie sie lebten, bevor sie heruntergestiegen waren in die physische Welt. Da suchten sie das Göttliche in dem Vorgeburtlichen, in dem Präexistenten: Ex deo nascimur.

[ 24 ] Thus, the Holy Spirit is actually that which was to be sent by Christ so that human beings might retain their sense of self and so that Christ might dwell within them unconsciously. So that when a person brings before their soul—in the fullest sense of the word—what kind of being they truly are, they must say: When I look back at what the ancient initiates knew, I see that the Father Principle lives within me—the principle that fills the cosmos, that manifested in those ancient initiates and unfolded the “I” within them. This is the very principle that lived with us before we descended into the physical world. — Through the indwelling of this Father Principle, the ancient initiates remembered with complete clarity the way they lived before they had descended into the physical world. There they sought the divine in the pre-birth, in the pre-existent: Ex deo nascimur.

[ 25 ] Nach dem Mysterium von Golgatha hat für den Menschen nicht bleiben können: «Den Christus schaue ich», denn dann hätte er eben nicht gut werden können durch sich selber, dann hätte nur der Christus in ihm gut sein können. Es konnte nur über den Menschen kommen das: In Christo morimur. Sterben konnte er in den Christus; mit demjenigen, was Todesprinzip in ihm ist, konnte er den Christus vereinigen.

[ 25 ] After the Mystery of Golgotha, it could no longer be true for human beings that “I see the Christ,” for then they could not have become good through themselves; then only the Christ within them could have been good. This could only come about through the human being: *In Christo morimur*. He could die into Christ; he could unite the Christ with that which is the principle of death within him.

[ 26 ] Aber sein neues Bewußtsein konnte erweckt werden durch die Wesenheit, die der Christus ihm sandte, durch die Wesenheit des Heiligen Geistes: Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 26 ] But his new consciousness could be awakened by the essence that Christ sent him, by the essence of the Holy Spirit: Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 27 ] Sehen Sie, damit haben Sie den Zusammenhang innerhalb der Trinität. Sie haben aber damit zugleich das gegeben, daß es durchaus im Christentum liegt, daß man auch ohne die Anschauung des Christus selber in ihm zu der Auferweckung des Geistes kommen kann. Indem der Christus der Menschheit den Heiligen Geist sandte, hat er sie befähigt dazu, aus dem Intellektuellen heraus selber sich aufzuschwingen zum Begreifen des Geistigen. Es darf daher nicht gesagt werden, der Mensch könne das geistige Übersinnliche nicht durch seinen Geist begreifen; einzig und allein dadurch könnte der Mensch rechtfertigen dieses Nichtbegreifen des Übersinnlichen, daß er den Heiligen Geist ignorierte, daß er nur sprechen würde von dem Vatergott und dem Christus-Gott. Auch im Evangelium ist klar angedeutet für denjenigen, der nur sehen will, der nur lesen will, daß es selber eine Offenbarung ist, daß der Mensch durch den ihm innewohnenden Geist, wenn er sich nur hinneigt zu dem Christus, das Übersinnliche begreifen kann. Deshalb wird uns mitgeteilt, daß bei der Taufe Christi der Heilige Geist erschien. Und im Erscheinen des Heiligen Geistes ertönen die Worte durch den Kosmos: «Dieser ist mein vielgeliebter Sohn, heute habe ich ihn gezeuget.»

[ 27 ] You see, this shows you the connection within the Trinity. But at the same time, it demonstrates that it is entirely within Christianity to attain the awakening of the Spirit even without a direct vision of Christ Himself. By sending the Holy Spirit to humanity, Christ has enabled people to rise from the intellectual realm on their own to comprehend the spiritual. It must therefore not be said that human beings cannot comprehend the spiritual and supernatural through their own spirit; the only way a person could justify this failure to comprehend the supernatural would be by ignoring the Holy Spirit, by speaking only of God the Father and God the Christ. The Gospel, too, clearly indicates—for those who are willing to see, who are willing to read—that it is itself a revelation: that human beings, through the Spirit dwelling within them, can comprehend the supernatural if they but turn toward Christ. That is why we are told that the Holy Spirit appeared at Christ’s baptism. And with the appearance of the Holy Spirit, the words resound throughout the cosmos: “This is my beloved Son; today I have begotten him.”

[ 28 ] Der Vater ist der ungezeugte Zeugende, der den Sohn hereinstellt in die physische Welt. Aber zu gleicher Zeit bedient sich der Vater des Heiligen Geistes, um mitzuteilen der Menschheit, daß im Geiste erfaßbar ist das Übersinnliche, auch wenn dieser Geist nicht geschaut wird, sondern wenn dieser Geist nur innerlich auch sein abstraktes Geistiges zum Lebendigen hinaufarbeitet, wenn er durch den ihm innewohnenden Christus den Gedankenleichnam, den wir von unserem vorgeburtlichen Dasein haben, zum Leben erweckt.

[ 28 ] The Father is the unbegotten Begetter who brings the Son into the physical world. But at the same time, the Father makes use of the Holy Spirit to reveal to humanity that the supersensible can be grasped in the spirit, even if this spirit is not seen, but rather when this spirit works its abstract spiritual nature upward toward the living from within, when, through the Christ dwelling within it, it brings to life the thought-body that we possess from our pre-birth existence, brings to life.

[ 29 ] Damals war die Mitteilung von dem Heiligen Geist und die Erscheinung des Heiligen Geistes selber bei der Taufe durch den Vater geschehen. Und als der Christus diesen Heiligen Geist den Seinigen geschickt hatte, da geschah diese Mitteilung durch den Christus, durch den Sohn. Daher war es ein altes Dogma, daß der Vater der zeugende Ungezeugte ist, daß der Sohn der von dem Vater Gezeugte ist, daß der Heilige Geist der von dem Vater und dem Sohn an die Menschheit Mitgeteilte ist. Das ist nicht etwa bloß ein willkürlich aufgestelltes Dogma, sondern Initiationsweisheit der ersten christlichen Jahrhunderte, und es ist nur später verschüttet worden, wie überhaupt die Trichotomie und die Trinität verschüttet worden sind.

[ 29 ] At that time, the bestowal of the Holy Spirit and the manifestation of the Holy Spirit Himself at baptism had been accomplished by the Father. And when Christ sent this Holy Spirit to His own, this bestowal took place through Christ, through the Son. Therefore, it was an ancient dogma that the Father is the begetting, unbegotten One; that the Son is the One begotten by the Father; and that the Holy Spirit is the One bestowed upon humanity by the Father and the Son. This is not merely an arbitrarily established dogma, but rather the initiatory wisdom of the first Christian centuries, and it was only later that it was obscured, just as the trichotomy and the Trinity were obscured.

[ 30 ] Innerhalb der sich entwickelnden Menschheit ist das im Sinne des Christentums wirkende göttliche Prinzip nicht ohne die Trinität zu verstehen, und wenn an die Stelle der Trinität eine andere Gottesmitteilung tritt, dann ist diese im Grunde genommen keine völlig christliche Mitteilung. Man muß den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist verstehen, wenn man im Konkreten die Gottesmitteilung im echten Sinne verstehen will.

[ 30 ] Within evolving humanity, the divine principle at work in the Christian sense cannot be understood apart from the Trinity, and if another revelation of God takes the place of the Trinity, then this is, in essence, not a fully Christian revelation. One must understand the Father, the Son, and the Holy Spirit if one wishes to understand, in concrete terms, the revelation of God in its true sense.

[ 31 ] Und so war das Evangelium selber nicht mehr verstanden, als innerhalb der Scholastik dekretiert wurde, daß der Mensch nur eine Offenbarung habe im Glauben, daß er aber mit seiner Erkenntnis sich nicht hinaufentwickeln könne bis zum Übersinnlichen. Dieses Dekret über das menschliche Erkennen, das abgegrenzt wurde vom Glauben, es war selber eine Sünde wider das Christentum, es war eine Sünde wider die Verkündigung des Heiligen Geistes durch den Vater bei der Taufe Jesu, und durch den Jesus selber bei der Aussendung des Heiligen Geistes bei dem Pfingstfeste.

[ 31 ] And so the Gospel itself was no longer understood when Scholasticism decreed that human beings have only one revelation—that of faith—and that they cannot, through their own knowledge, ascend to the supernatural. This decree concerning human cognition, which was separated from faith, was itself a sin against Christianity; it was a sin against the proclamation of the Holy Spirit by the Father at the baptism of Jesus, and by Jesus Himself at the outpouring of the Holy Spirit on the Day of Pentecost.

[ 32 ] So daß also innerhalb der europäischen Entwickelung in dem, was sich fortwährend Christentum nannte, viel gesündigt worden ist gegen die ursprünglichen christlichen Impulse, und daß heute die Menschheit wirklich nötig hat, wiederum zu diesen ursprünglichen christlichen Impulsen zurückzukehren.

[ 32 ] Thus, within the course of European development, in what has consistently called itself Christianity, there have been many transgressions against the original Christian impulses, and today humanity truly needs to return once again to these original Christian impulses.

[ 33 ] Diese ursprünglichen christlichen Impulse sind vielfach in den Dogmen verhärtet. Aber wenn man eindringt in den lebendigen Geist, dann wird man wiederum Feuer schlagen aus dem, was Wahrhaftigkeit ist in den Dogmen. Dann werden die Dogmen aufhören, Dogmen zu sein. Das Falsche in der Kirche besteht nicht darin, daß sie die Dogmen fortgepflanzt hat, sondern es besteht darin, daß sie die Dogmen vereist, kristallisiert hat, daß sie sie hinweggenommen hat von der menschlichen Erkenntnis. Indem man die menschliche Erkenntnis beschränkte auf das, was nur die Sinneswelt ist, mußten die Dogmen kristallisiert, mußten die Dogmen verhärtet, mußten die Dogmen unverständlich werden. Denn daß der Glaube jemals wirklich ein Verständnis bringen könne, das ist eine Unmöglichkeit. Was erlöst werden muß innerhalb der Menschheit, das ist die Erkenntnis selber, das ist die Zurückführung der Erkenntnis zum Übersinnlichen.

[ 33 ] These original Christian impulses have in many cases become set in stone within the dogmas. But when one penetrates to the living spirit, one will once again kindle a fire from what is true within the dogmas. Then the dogmas will cease to be dogmas. What is wrong with the Church is not that it has perpetuated the dogmas, but that it has frozen them, crystallized them, and removed them from human understanding. By limiting human understanding to the sensory world alone, the dogmas had to crystallize, had to harden, and had to become incomprehensible. For it is impossible that faith could ever truly bring about understanding. What must be redeemed within humanity is knowledge itself; it is the restoration of knowledge to the supersensible.

[ 34 ] Und diese Aufforderung, sie dringt im Grunde genommen zu uns von Golgatha her, wenn wir es richtig verstehen, wenn wir wissen, wie der Christus — nach dem Durchgang durch das Mysterium von Golgatha — zu seinem göttlichen Vaterprinzip hinzu den Geist in die Menschheit sandte. Wer das Kreuz auf Golgatha schaut, der muß zugleich die Trinität schauen, denn der Christus zeigt in Wirklichkeit in seinem ganzen Verwobensein mit der irdischen Menschheitsentwickelung die Trinität.

[ 34 ] And this call—it essentially comes to us from Golgotha, if we understand it correctly, if we know how Christ—after passing through the Mystery of Golgotha—sent the Spirit into humanity in addition to his divine Father-principle. Whoever looks upon the cross at Golgotha must at the same time behold the Trinity, for Christ, in all His interwoven connection with the earthly development of humanity, truly reveals the Trinity.

[ 35 ] Das, meine lieben Freunde, ist es, was ich gerade heute auf Ihre Herzen habe legen wollen, und was uns die Unterlage geben soll für weitere Betrachtungen der nächsten Zeit.

[ 35 ] That, my dear friends, is what I wanted to impress upon your hearts today, and what should serve as the foundation for our further reflections in the coming days.