The Secret of the Trinity
GA 214
27 August 1922, Dornach
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The Secret of the Trinity, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Die Menschheit muß wieder dazu kommen können, mit allen Kräften, die in der Seele des Menschen leben, das Mysterium von Golgatha zu begreifen, nicht bloß so zu begreifen, wie das aus der heutigen Zivilisation heraus möglich ist, sondern so, daß das ganze menschliche Wesen verbunden werden kann mit dem Mysterium von Golgatha. Das aber wird der Menschheit erst dann möglich sein, wenn sie von dem Gesichtspunkt einer spirituellen Erkenntnis aus sich wiederum nähern kann dem Mysterium von Golgatha. Keine intellektualistische Erkenntnis ist in Wirklichkeit imstande, das Christentum mit seinem vollen Impuls in der Welt geltend zu machen, denn jede intellektualistische Erkenntnis ergreift bloß das menschliche Denken. Und wir müssen dann, wenn wir eine Erkenntnis haben, die bloß zu dem Denken spricht, unsere Willensimpulse — und das sind die wichtigsten Impulse innerhalb des wahren Christentums — aus unseren Instinkten heraus suchen; wir können sie nicht aus der Welt heraus empfinden, in der sie wirklich vorhanden sind, aus der spirituellen Welt. Es wird in der gegenwärtigen Zeit nicht anders möglich sein, als den Blick wiederum hinzuwenden auf die große Menschheitsfrage: Inwiefern ist das Mysterium von Golgatha der Sinn der ganzen Erdenentwickelung?
[ 1 ] Humanity must once again be able to comprehend the Mystery of Golgotha with all the forces that live within the human soul—not merely as is possible within the context of today’s civilization, but in such a way that the entire human being can be united with the Mystery of Golgotha. But this will only be possible for humanity when it can once again approach the Mystery of Golgotha from the standpoint of spiritual knowledge. No intellectual understanding is in reality capable of bringing Christianity into full effect in the world, for every intellectual understanding engages only human thinking. And when we have a form of knowledge that speaks only to the thinking mind, we must seek our impulses of will—and these are the most important impulses within true Christianity—from our instincts; we cannot perceive them from the world in which they truly exist, namely the spiritual world. In the present age, there will be no other option but to turn our gaze once again to the great question of humanity: To what extent is the Mystery of Golgotha the meaning of the entire development of the Earth?
[ 2 ] Man möchte das, was damit ausgesprochen werden soll, am liebsten in ein Bild bringen, in ein vielleicht etwas paradoxes Bild. Wenn irgendein Wesen von einem anderen Planeten auf die Erde herunterkäme, würde dieses Wesen wahrscheinlich, weil es nicht ein Mensch im Erdensinne sein könnte, alles auf der Erde recht unverständlich finden; aber es ist meine tiefste Überzeugung, geschöpft aus der Erkenntnis der Erdenevolution heraus, daß ein solches Wesen, auch wenn es vom Mars oder Jupiter käme, tief ergriffen würde von dem Bilde Leonardo da Vincis, dem «Heiligen Abendmahl». Denn es würde ein solches Wesen in diesem Bilde etwas finden, was ihm sagt: Ein tieferer Sinn ist mit der Erde und ihrer Entwickelung verbunden. — Und von diesem Sinne aus, der umfaßt das Mysterium von Golgatha, würde ein Wesen aus einer ganz anderen Welt die Erde mit ihren sonstigen Erscheinungen verstehen können.
[ 2 ] One would most like to express what this is meant to convey through an image—perhaps a somewhat paradoxical one. If some being from another planet were to come down to Earth, that being would probably find everything on Earth quite incomprehensible, since it could not be a human being in the earthly sense; but it is my deepest conviction, drawn from an understanding of Earth’s evolution, that such a being—even if it came from Mars or Jupiter—would be deeply moved by Leonardo da Vinci’s painting, *The Last Supper*. For such a being would find in this painting something that tells it: A deeper meaning is connected to Earth and its evolution. — And from this perspective, which encompasses the Mystery of Golgotha, a being from a completely different world would be able to understand Earth and all its other phenomena.
[ 3 ] Wir Menschen der Gegenwart wissen gar nicht, wie sehr wir in die intellektualistische Abstraktion hineingekommen sind. Daher können wir uns nicht mehr hineinfinden in die Seelen der Menschen, die eine Weile gelebt haben vor dem Mysterium von Golgatha. Diese Menschenseelen waren ganz anders als die heutigen Menschenseelen. Man stellt sich ja die Geschichte der Menschheit viel zu ähnlich denjenigen Vorgängen vor, die heute geschehen. Aber die Seelen der Menschen haben eine bedeutsame Entwickelung durchgemacht, und sie waren in den Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha so, daß alle Menschen, selbst diejenigen, die nur primitive Bildung in ihrer Seele hatten, in sich selber etwas erblickten, was seelische Wesenheit war, was man nennen kann Erinnerung an die Zeit, welche die Menschenseele durchlebt, bevor sie in einen irdischen Leib, in einen irdischen Körper herabsteigt. So wie wir uns heute im gewöhnlichen Leben an das erinnern, was wir etwa seit unserem dritten, vierten, fünften Jahre erlebt haben, so hatte die alte Menschenseele eine Erinnerung an ihr vorgeburtliches Leben in der geistig-seelischen Welt. Der Mensch war sich in gewissem Sinne durchsichtig in seelischer Beziehung, er wußte: Ich bin eine Seele, und ich war eine Seele, bevor ich auf die Erde heruntergestiegen bin. Und er wußte auch, namentlich in älteren Zeiten, gewisse Einzelheiten seines geistig-seelischen Lebens vor seinem Niederstieg auf die Erde. Er erlebte sich selber in Weltenbildern. Er sah hinauf zu den Sternen, und er sah die Sterne nicht bloß in der abstrakten Konfiguration, wie wir heute die Sterne sehen, er sah sie in traumhaften Imaginationen. Er sah die ganze Welt durchsetzt von traumhaften Imaginationen, und er konnte sich sagen: Das ist der letzte Schein jener geistigen Welt, aus der ich heruntergestiegen bin, und indem ich als Seele aus dieser geistigen Welt heruntergestiegen bin, bin ich eingekehrt in einen menschlichen Leib. — Und niemals verband sich dieser Mensch der älteren Zeiten so intensiv mit seinem menschlichen Leibe, daß er nicht ein Erlebnis von dem Seelischen gehabt hätte.
[ 3 ] We people of the present day have no idea how deeply we have become entangled in intellectualistic abstraction. As a result, we can no longer connect with the souls of people who lived for a time before the Mystery of Golgotha. Those human souls were quite different from the human souls of today. People tend to imagine the history of humanity as far too similar to the events taking place today. But human souls have undergone a significant evolution, and in the times before the Mystery of Golgotha, they were such that all people—even those who had only a primitive education in their souls—perceived within themselves something that was a spiritual essence, what one might call a memory of the time the human soul experiences before it descends into an earthly body. Just as we today, in our ordinary lives, remember what we have experienced since, say, our third, fourth, or fifth year, so the ancient human soul had a memory of its prenatal life in the spiritual-soul world. In a certain sense, human beings were self-aware in a soul-related sense; they knew: “I am a soul, and I was a soul before I descended to Earth.” And they also knew—especially in earlier times—certain details of their spiritual-soul life prior to their descent to Earth. They experienced themselves through visions of the world. They looked up at the stars, and they did not see the stars merely in their abstract configuration, as we see them today; they saw them in dreamlike visions. They saw the entire world permeated by dreamlike visions, and they could say to themselves: “This is the last glimmer of that spiritual world from which I have descended, and by descending as a soul from this spiritual world, I have entered a human body.” — And never did this person of earlier times connect so intensely with his human body that he did not have an experience of the soul.
[ 4 ] Was erlebte dieser Mensch der älteren Zeit? Er erlebte das, daß er sich sagen konnte: Da war ich, bevor ich auf die Erde heruntergestiegen war, in einer Welt, in welcher die Sonne nicht bloß ein lichtverbreitender Himmelskörper ist, in welcher die Sonne der Versammlungsort höherer geistiger Hierarchien ist. Ich lebte nicht in einem physischen, sondern in einem geistigen Raume, in einer Welt, in welcher nicht die Sonne bloß Licht verbreitet, sondern strahlende Weisheit aussendet. Ich lebte in einer Welt, in welcher die Sterne Wesenhaftigkeiten sind, die ihren Willen geltend machen. Aus dieser Welt bin ich herausgestiegen. — Und mit einer solchen Empfindung verbanden sich für diesen Menschen der älteren Zeit zwei Erlebnisse: das Erlebnis der Natur und das Erlebnis der Sünde.
[ 4 ] What did this person from a bygone era experience? He experienced being able to say to himself: “Before I descended to Earth, I was in a world where the sun is not merely a celestial body that radiates light, but rather the gathering place of higher spiritual hierarchies.” I did not live in a physical space, but in a spiritual one—in a world where the sun does not merely spread light, but radiates wisdom. I lived in a world in which the stars are beings that assert their will. I ascended from this world. — And for this person of earlier times, two experiences were linked to this feeling: the experience of nature and the experience of sin.
[ 5 ] Dieses Erlebnis der Sünde, der moderne Mensch hat es nicht mehr, weil Sünde für ihn nur in der Welt des abstrakten Daseins lebt, weil Sünde für ihn nur eine Übertragung ist, etwas, was er als Moralisches nicht in Vereinigung bringt mit den Naturnotwendigkeiten. Für den alten Menschen gab es diese zwei Strömungen im Weltendasein nicht: Naturnotwendigkeit auf der einen Seite, moralische Notwendigkeit auf der anderen Seite. Alle moralische Notwendigkeit war für ihn auch eine Naturnotwendigkeit; alle Naturnotwendigkeit war auch eine moralische Notwendigkeit.
[ 5 ] Modern man no longer has this experience of sin, because for him sin exists only in the world of abstract existence; for him, sin is merely a projection—something that, as a moral concept, he cannot reconcile with the necessities of nature. For the ancient man, these two currents did not exist in worldly existence: natural necessity on the one hand, moral necessity on the other. For him, all moral necessity was also a natural necessity; all natural necessity was also a moral necessity.
[ 6 ] So konnte sich der Mensch sagen: Ich mußte heruntersteigen aus der göttlich-geistigen Welt. Aber indem ich in einen menschlichen Leib eingezogen bin, bin ich gegenüber jener Welt, aus der ich heruntergestiegen bin, eigentlich krank. — Und der Begriff der Krankheit und der Sünde, sie banden sich zusammen für den alten Menschen. Der Mensch fühlte sich hier auf dieser Erde so, daß er in sich finden mußte die Überwindung der Krankheit. Deshalb kam immer mehr und mehr das Bewußtsein über diese älteren Seelen: Wir brauchen als Erziehung etwas, was Heilung ist. Die Erziehung ist Medizin, die Erziehung ist Therapie. Und es erschienen solche Gestalten, wie die Therapeuten, kurz vor dem Mysterium von Golgatha als die Heiler. Auch in Griechenland wurde in Verbindung gedacht alles geistige Leben mit einem Heilen der Menschen, weil man fühlte: Der Mensch war im Beginne der Erdenentwickelung mehr gesund, und er entwickelte sich allmählich so, daß er sich immer mehr von dem göttlich-geistigen Wesen entfernte. Das war der Begriff des Krankseins, der war — das ist vergessen worden — ein solcher, der sich verbreitete über diejenige Welt, in die sich dann geschichtlich das Mysterium von Golgatha hineinstellte. Denn der Mensch empfand in jenen älteren Zeiten alles Geistige durch einen Hinblick auf die Vergangenheit; er sagte sich: Vor meine Geburt muß ich hinblicken, wenn ich nach dem Geistigen sehen will, zurück in die Vergangenheit, da ist der Geist. Aus diesem Geiste bin ich geboren, und diesen Geist muß ich wieder finden. Aber von diesem Geiste habe ich mich entfernt.
[ 6 ] Thus, human beings could say to themselves: I had to descend from the divine-spiritual world. But by entering a human body, I am, in a sense, sick in relation to that world from which I descended. — And the concepts of illness and sin became intertwined for the ancient human being. Human beings felt so here on this earth that they had to find within themselves the means to overcome illness. That is why the awareness grew ever stronger among these older souls: We need, as education, something that is healing. Education is medicine; education is therapy. And figures such as the therapists appeared, shortly before the Mystery of Golgotha, as healers. In Greece, too, all spiritual life was thought of in connection with the healing of human beings, because people sensed that human beings were healthier at the beginning of Earth’s evolution and gradually developed in such a way that they became increasingly distant from the divine-spiritual being. That was the concept of illness—one that, though now forgotten, pervaded the very world into which the Mystery of Golgotha then historically entered. For in those earlier times, human beings perceived everything spiritual by looking back to the past; they said to themselves: “I must look back to a time before my birth if I want to see the spiritual—back into the past, for that is where the Spirit is. I was born of this Spirit, and I must find this Spirit again. But I have strayed from this Spirit.”
[ 7 ] Und so empfand der Mensch der Vergangenheit den Geist, von dem er sich entfernt hatte, als den Geist des Vaters. Und in den Mysterien war der höchste Initiierte derjenige, der in sich selber, in seinem Herzen, in seiner Seele, jene Kräfte entwickelt hatte, durch die er äußerlich als Mensch den Vater darstellen konnte. Und wenn die Mysterienschüler die Pforte der Mysterien überschritten, hineintraten in diejenigen Anstalten, die zu gleicher Zeit Kunst-, Erkenntnis- und Weihekultanstalten waren, und wenn sie dann vor dem höchsten Initiierten standen, dann erblickten sie in dem höchsten Initiierten den Repräsentanten des Vatergottes. Die Väter waren höhere Initiierte als die «Sonnenhelden». Das Vaterprinzip herrschte vor dem Mysterium von Golgatha.
[ 7 ] And so the people of the past perceived the Spirit from which they had become estranged as the Spirit of the Father. And in the Mysteries, the highest initiate was the one who had developed within himself—in his heart, in his soul—those powers through which he could outwardly represent the Father as a human being. And when the students of the Mysteries crossed the threshold of the Mysteries, entered those institutions that were at once centers of art, knowledge, and consecration, and when they then stood before the highest initiate, they beheld in the highest initiate the representative of the Father God. The Fathers were higher initiates than the “Sun Heroes.” The Father Principle prevailed before the Mystery of Golgotha.
[ 8 ] Und die Menschheit fühlte, wie sie sich immer mehr und mehr von dem Vater — gegenüber dem man sagen kann: Ex deo nascimur entfernt hatte, und wie sie geheilt werden mußte. Die Menschheit erwartete in dem Erkennenden den Heiler, den Heiland. Uns ist der Christus nicht mehr lebendig als der Heiland; aber erst wenn man ihn wiederum als den Weltenarzt empfindet, als den großen Heiland, wird man ihn wieder richtig in die Welt hineinstellen können.
[ 8 ] And humanity felt how it had drifted further and further away from the Father—of whom one can say: *Ex deo nascimur*—and how it needed to be healed. Humanity looked to the One who brings knowledge as the Healer, the Savior. Christ is no longer alive to us as the Savior; but only when we come to perceive him once more as the Physician of the Worlds, as the great Savior, will we be able to restore him to his rightful place in the world.
[ 9 ] Das war die Grundempfindung, welche die alten Seelen vor dem Mysterium von Golgatha hatten von ihrem Zusammenhange mit der übersinnlichen Welt des Vaters. Und was in Griechenland gefühlt wurde, was in dem merkwürdigen Ausspruche lebte: Besser ein Bettler zu sein auf Erden hier, als ein König im Reiche der Schatten —, das will sagen, daß die Menschheit hat tief fühlen lernen, wie weit sie sich entfernt hatte in ihrem ganzen Wesen von der übersinnlichen Welt. Eine tiefe Sehnsucht lebte zugleich in dem Menschen nach dieser übersinnlichen Welt.
[ 9 ] That was the fundamental feeling the ancient souls had regarding the Mystery of Golgotha and its connection to the supersensible world of the Father. And what was felt in Greece—what lived in that remarkable saying: “Better to be a beggar here on earth than a king in the realm of shadows”—means that humanity had come to feel deeply how far it had strayed, in its very being, from the supersensible world. At the same time, a deep longing for this supersensible world lived within human beings.
[ 10 ] Aber niemals hätte die Menschheit, wenn sie sich so weiter entwickelt hätte mit dem Bewußtsein nur vom Vatergotte, zu dem vollen Selbstbewußtsein des Ich, der innerlichen Freiheit kommen können. Denn, um zu dieser innerlichen Freiheit zu kommen, mußte dasjenige in den Menschenwesen Platz greifen, was gegenüber vorigen Zuständen als eine Krankheit betrachtet wurde. Die ganze Menschheit fühlte in einem gewissen Sinne die Lazarus-Krankheit. Aber es war eben die Krankheit, die nicht zum Tode führt, sondern zur Befreiung und zum neuen Erkennen des Ewigen im Menschen.
[ 10 ] But if humanity had continued to develop in this way, with an awareness only of God the Father, it could never have attained the full self-awareness of the “I” or inner freedom. For in order to attain this inner freedom, that which was regarded as a disease in comparison to previous states had to take root in human beings. In a certain sense, all of humanity felt the “Lazarus disease.” But it was precisely the disease that does not lead to death, but rather to liberation and to a new recognition of the eternal within the human being.
[ 11 ] Man kann sagen: Immer mehr hatten die Menschen vergessen jene geistig-seelische Vergangenheit vor der Geburt, ihr Blick war immer mehr und mehr hingerichtet auf die physische Umwelt. Hatte eine ältere Seele durch den Leib in diese physische Umwelt geblickt, so sah sie eben in den Sternen überall die Bilder des Geistigen, das sie verlassen hatte, indem sie durch die Geburt auf die Erde gekommen war. Sie sah in dem Lichte der Sonne die strahlende Weisheit, in der sie als in ihrer Lebensatmosphäre gelebt hatte, sah in der Sonne selbst den Chorus der höheren Hierarchien, von denen sie herniedergeschickt worden war auf die Erde. Aber das hatte die Menschheit vergessen.
[ 11 ] One could say: People had increasingly forgotten that spiritual and soul-related past before birth; their gaze was directed more and more toward the physical environment. When an older soul gazed into this physical environment through the body, it saw everywhere in the stars the images of the spiritual realm it had left behind when it came to Earth through birth. In the light of the sun, it saw the radiant wisdom in which it had lived as if in its own life-atmosphere; in the sun itself, it saw the chorus of the higher hierarchies from which it had been sent down to Earth. But humanity had forgotten this.
[ 12 ] Und das fühlte man, als das 8., das 7. und die folgenden Jahrhunhunderte vor dem Mysterium von Golgatha heranrückten. Wenn die äußere Geschichte davon nichts erzählt, so ist das eben ein Mangel der äußeren Geschichte. Wer die Geschichte spirituell zu verfolgen versteht, dem erscheint sie so, daß ein mächtiges Bewußtsein vom Vatergotte im Ausgangspunkte der Menschheitsentwickelung vorhanden war, und daß dieses Bewußtsein allmählich gelähmt worden ist, daß der Mensch um sich nurmehr die entgeistete Natur sehen sollte.
[ 12 ] And this could be felt as the 8th, the 7th, and the following centuries drew near the Mystery of Golgotha. If external history says nothing about this, that is simply a shortcoming of external history. To those who know how to view history spiritually, it appears that a powerful consciousness of God the Father was present at the starting point of human development, and that this consciousness was gradually numbed, so that human beings would see only a de-spiritualized nature around them.
[ 13 ] Vieles wurde damals nicht ausgesprochen, vieles war in den unterbewußten Tiefen der Menschenseelen. Aber was am meisten in den unterbewußten Sphären der Menschenseele wirkte, das war eine Frage die Menschen faßten sie nicht in Worte, die fühlten sie nur mit ihren Herzen —, die Frage: Um uns ist die Natur, wo ist der Geist, dessen Kinder wir sind? Wo schauen wir den Geist, dessen Kinder wir sind? — In den besten Seelen des 4., 3., 2., 1. Jahrhunderts lebte unbewußt, ohne daß sie formuliert wurde, diese Frage.
[ 13 ] Much went unsaid back then; much lay in the subconscious depths of the human soul. But what had the greatest impact in the subconscious realms of the human soul was a question that people could not put into words—they could only feel it with their hearts—the question: Nature surrounds us—where is the Spirit of whom we are children? Where do we see the Spirit of whom we are children? — This question lived unconsciously within the finest souls of the 4th, 3rd, 2nd, and 1st centuries, without ever being articulated.
[ 14 ] Es war eine Fragezeit, die Zeit, in der die Menschheit die Entfernung vom Vatergotte fühlte, gewissermaßen in den Tiefen der Seelen wußte: Es muß so sein — Ex deo nascimur! —, aber wissen wir es denn noch, können wir es wissen?
[ 14 ] It was a time of questioning, a time when humanity felt its distance from God the Father, knowing deep in its souls, as it were: It must be so—Ex deo nascimur!—but do we still know this, and can we even know it?
[ 15 ] Wenn wir noch tiefer hineinschauen in die Seelen der Menschen, die in dem Zeitalter lebten, als das Mysterium von Golgatha herannahte, so zeigt sich uns das Folgende. Da waren die einfacheren, primitiveren Seelen, welche nur tief in ihrem Unterbewußten empfinden konnten, wie sie nunmehr getrennt waren von dem Zusammenhang mit dem Vater. Denn sie waren die Nachkommen von jenen Urmenschen, die keineswegs so tierhaft waren, wie wir uns das heute naturwissenschaftlich vorstellen, sondern die innerhalb ihrer tierhaften Gestalt eine Seele trugen, durch die sie im alten traumhaften Hellsehen wußten: Wir sind heruntergestiegen aus der göttlich-geistigen Welt, haben einen menschlichen Leib angenommen. In die Erdenwelt herein hat uns geleitet der Vatergott. Aus ihm sind wir geboren.
[ 15 ] If we look even deeper into the souls of the people who lived in the age when the Mystery of Golgotha was approaching, the following becomes apparent to us. There were the simpler, more primitive souls who could only sense deep within their subconscious how they were now separated from their connection to the Father. For they were the descendants of those primordial human beings who were by no means as animal-like as we imagine them to be today from a scientific perspective, but who, within their animal-like form, bore a soul through which they knew, in the ancient, dreamlike clairvoyance: “We have descended from the divine-spiritual world and taken on a human body. The Father God has guided us into the earthly world. We were born of Him.”
[ 16 ] Aber die ältesten Seelen der Menschheit hatten gewußt: Sie haben verlassen in den geistigen Welten, aus denen sie heruntergestiegen waren, etwas, das wir nun nennen, oder das man später überhaupt nannte den «Christus». Deshalb sagten die ersten christlichen Schriftsteller, daß die ältesten Seelen Christen waren; diese Seelen haben wirklich auch den Christus anzubeten verstanden. Aber in den geistigen Welten, in denen sie waren, bevor sie auf die Erde heruntergestiegen waren, da war der Christus der Mittelpunkt ihres Anschauens, da war der Christus die zentrale Wesenheit, zu der sie ihre Seelenblicke hinwandten. Und an dieses Zusammensein mit dem Christus im vorirdischen Leben erinnerten sich die Menschen auf der Erde.
[ 16 ] But the oldest souls of humanity had known: In the spiritual worlds from which they had descended, they had left behind something that we now call—or that was later called—the “Christ.” That is why the early Christian writers said that the oldest souls were Christians; these souls truly knew how to worship the Christ. But in the spiritual worlds where they had been before descending to Earth, Christ was the focal point of their contemplation; Christ was the central Being toward whom they turned their spiritual gaze. And people on Earth remembered this communion with Christ in their pre-earthly life.
[ 17 ] Dann gab es andere Gegenden — und Plato zum Beispiel spricht von ihnen in einer ganz besonderen Art —, wo Schüler in den Mysterien eingeweiht wurden, in denen das Schauen der übersinnlichen Welten erweckt wurde, in denen aus der Menschenwesenheit die Kräfte losgebunden wurden, durch die man hineinschauen kann in die geistigen Welten. Diese Schüler der Initiierten lernten in der Tat nun nicht bloß aus einer dunklen Erinnerung ‚heraus den Christus kennen, mit dem alle Menschen gelebt hatten, bevor sie auf die Erde heruntergestiegen waren, der nun schon in den Menschenseelen wie eine halbvergessene Vorstellung war hier auf der Erde, sie lernten den Christus wiederum in der vollen Gestalt kennen. Aber sie lernten ihn kennen als eine Wesenheit, die in den überirdischen Welten gewissermaßen ihre Aufgabe verloren hatte.
[ 17 ] Then there were other regions—and Plato, for example, speaks of them in a very special way—where students were initiated into the mysteries, in which the perception of the supersensible worlds was awakened, and in which the powers were released from the human being that enable one to look into the spiritual worlds. These disciples of the initiates did not, in fact, merely come to know “Christ”—with whom all human beings had lived before they descended to Earth, and who was now merely a half-forgotten image in human souls here on Earth—from a vague memory; rather, they came to know Christ once again in his full form. But they came to know him as a being who, in a sense, had lost his purpose in the supersensible worlds.
[ 18 ] In den Mysterien des 2. und 1. Jahrhunderts vor dem Mysterium von Golgatha schaute man nämlich in einer ganz besonderen Weise zu jener Wesenheit der übersinnlichen Welten hin, die dann später die Christus-Wesenheit genannt worden ist. Man schaute so hin, daß man sagte: Diese Wesenheit, wir schauen sie in den überirdischen Welten, aber ihre Aktivität hat immer mehr und mehr abgenommen. — Sie war ja die Wesenheit, welche in die Seelen hineingepflanzt hat die Erinnerung an die vorgeburtlichen Zeiten, die dann im Erdendasein aufgelebt ist. Diese Wesenheit war in übersinnlichen Welten der große Lehrer für das, was die Seele noch in der Erinnerung hatte, nachdem sie auf die Erde heruntergestiegen war. Wie eine Wesenheit, die ihre Aktivität verloren hat, weil die Menschen diese Erinnerungen allmählich nicht mehr haben, nicht mehr bekommen konnten, so kam den Initiierten die Wesenheit vor, die man später die Christus-Wesenheit nannte.
[ 18 ] In the mysteries of the 2nd and 1st centuries before the Mystery of Golgotha, people looked in a very special way toward that Being of the supersensible worlds who was later called the Christ Being. People looked upon it in such a way that they said: “We see this Being in the supermundane worlds, but its activity has steadily diminished.” — For it was the Being who had implanted in the souls the memory of pre-birth times, which then came to life during earthly existence. In the supersensible worlds, this being was the great teacher of what the soul still retained in memory after it had descended to Earth. To the initiates, the being that was later called the Christ Being appeared as one who had lost its activity, because human beings gradually no longer possessed these memories or were no longer able to receive them.
[ 19 ] Und so lebten diese Initiierten weiter, indem in ihnen immer mehr und mehr das Bewußtsein aufstieg: Diese Wesenheit, an die sich die Urmenschheit im Erdendasein erinnert hat, diese Wesenheit, die wir jetzt sehen mit einer immer geringeren Aktivität in den geistigen Welten, die wird sich eine neue Lebenssphäre suchen. Sie wird auf die Erde herabkommen, um in den Menschen wiederum die übersinnliche Geistigkeit zu erwecken.
[ 19 ] And so these initiates continued to live, as the awareness within them grew ever stronger: This being, whom primordial humanity remembered during its earthly existence—this being, whom we now see becoming less and less active in the spiritual worlds—will seek out a new sphere of life. It will descend to Earth to reawaken the supersensible spirituality within human beings.
[ 20 ] Und man fing an, von jener Wesenheit, die man später als den Christus bezeichnete, als von jenem zu sprechen, der in der Zukunft kommen werde auf die Erde herunter, Menschenleib annehmen werde, wie er ihn dann angenommen hat in dem Jesus von Nazareth. Und dieses Sprechen von dem Christus als einem Zukünftigen, das war einer der Hauptinhalte des Sprechens in den letzten Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha. Wir sehen in der bildhaften Großartigkeit jener drei Magier oder drei Könige aus dem Morgenlande, Repräsentanten solcher Initiierter, die in ihren Initiationsstätten gelernt hatten: Der Christus wird kommen, wenn die Zeiten erfüllt sein werden und die Zeichen am Himmel ihn ankündigen werden. Dann müssen wir ihn suchen an seiner verborgenen Stätte. — Und in den Evangelien tönt überall durch als ein tieferes Geheimnis, als ein tieferes Mysterium, was in der Menschheitsevolution sich enthüllt, wenn man es wiederum mit dem spirituellen Blicke anschaut.
[ 20 ] And people began to speak of that being—who would later be called the Christ—as the one who would come down to Earth in the future and take on a human body, just as he did in Jesus of Nazareth. And this speaking of the Christ as one who was to come—that was one of the main themes of discourse in the last centuries before the Mystery of Golgotha. We see in the pictorial grandeur of those three Magi or three Kings from the East representatives of such initiates who had learned in their places of initiation: Christ will come when the times are fulfilled and the signs in the heavens announce him. Then we must seek him at his hidden place. — And throughout the Gospels, what is revealed in the evolution of humanity resounds as a deeper secret, as a deeper mystery, when viewed once more with the spiritual eye.
[ 21 ] So schauten die primitiven Menschen wie verloren nach dem Übersinnlichen auf. Sie sagten sich in ihrem Unterbewußten: Wir haben den Christus vergessen. — Und sie sahen die Natur um sich herum. Die Frage, die ich vorhin angedeutet habe, entstand in ihren Herzen: Wie finden wir die übersinnliche Welt wieder? — Und die Initiierten in den Mysterien wußten: Es wird diese Wesenheit, die man später den Christus nannte, kommen, menschliche Gestalt annehmen, und was vorher die Seelen in ihrem vorirdischen Dasein erlebt haben, das werden sie erleben in der Anschauung des Mysteriums von Golgatha.
[ 21 ] Thus, primitive humans looked up at the supersensible world as if lost. In their subconscious, they said to themselves: We have forgotten the Christ. — And they looked at the nature around them. The question I hinted at earlier arose in their hearts: How can we rediscover the supersensible world? — And the initiates in the Mysteries knew: This being, whom they later called Christ, will come, take on human form, and what the souls had previously experienced in their pre-earthly existence, they will experience in the contemplation of the Mystery of Golgotha.
[ 22 ] Dadurch ist nicht in einer intellektualistischen Art, sondern durch die gewaltigste Tatsache, die auf der Erde jemals geschehen ist, die Antwort gegeben auf die Frage: Wie kommen wir wieder zu dem Übersinnlichen? — Und die Menschen, die damals eine Empfindung entwickelt hatten für das, was geschah, die lernten von denen, die da wußten, daß in dem Menschen Jesus ein wirklicher Gott lebte, der heruntergestiegen ist, der Gott, den die Menschheit vergessen hatte, weil die Kräfte des Leibes, des Körpers sich nach der Freiheit hin entwickelten. Er erschien in einer neuen Gestalt, so daß man ihn schauen, ihn sehen konnte, und weiterhin die Geschichte von ihm reden konnte als von einem Erdenwesen. Der Gott, den man gekannt hatte nur drüben in der Geistwelt, war heruntergestiegen, war gewandelt in Palästina, hatte die Erde geheiligt dadurch, daß er selber in einen Menschenleib eingezogen war. Daher war die große Frage derjenigen, die in dem damaligen Sinne gebildete Menschen waren: Welchen Weg hat der Christus genommen, um zu dem Jesus hinzukommen?
[ 22 ] Thus, the answer to the question—“How do we return to the supernatural?”—is given not in an intellectualistic way, but through the most powerful event that has ever taken place on Earth. — And the people who at that time had developed a sense of what was happening learned from those who knew that within the human being Jesus lived a true God who had descended—the God whom humanity had forgotten because the forces of the body had developed toward freedom. He appeared in a new form, so that people could behold him, see him, and continue to speak of him in history as an earthly being. The God whom people had known only in the spirit world had descended, had walked in Palestine, and had sanctified the earth by taking up residence in a human body. Therefore, the great question for those who were educated people in the sense of that time was: What path did the Christ take to come to Jesus?
[ 23 ] Die Frage nach dem Christus war in den ersten Zeiten des Christentums eine rein spirituelle. Man forschte nicht nach dem Jesus, man forschte nach dem Christus, wie er heruntergestiegen ist. Man sah zu den übersinnlichen Welten hinauf, man sah den Herabstieg des Christus auf die Erde, man fragte sich: Wie ist das überirdische Wesen ein irdisches geworden? — Und deshalb hatten die schlichten Menschen, die den Christus Jesus als Jünger umgaben, die Möglichkeit, mit ihm als Geist auch nach dem Tode zu sprechen. Und es ist das Wichtigste, was er sagen konnte nach dem Tode, nur in einigen Fragmenten erhalten. Aber die spirituelle Wissenschaft, die spirituelle Erkenntnis kann erkunden, was der Christus zu denen, die seine Nächsten waren, gesprochen hat nach dem Tode, da er ihnen in seiner Geistigkeit erschienen ist.
[ 23 ] In the early days of Christianity, the question of the Christ was a purely spiritual one. People did not seek the Jesus; they sought the Christ, as he had descended. People looked up toward the supersensory worlds; they saw the descent of the Christ to Earth; they asked themselves: How did the superterrestrial being become an earthly one? — And that is why the simple people who surrounded Christ Jesus as disciples had the opportunity to speak with him as a spirit even after his death. And the most important things he was able to say after death have been preserved only in a few fragments. But spiritual science, spiritual knowledge, can explore what the Christ spoke to those who were closest to him after his death, since he appeared to them in his spiritual form.
[ 24 ] Da hat er zu ihnen als der große Heiler gesprochen, als der 'Therapeut, der ein Tröster war, der da wußte um das Geheimnis, daß die Menschen einmal eine Erinnerung an ihn selbst gehabt haben, weil sie mit ihm zusammen waren in übersinnlichen Welten im vorirdischen Dasein. Und jetzt konnte er ihnen sagen: Ich habe euch früher gegeben die Fähigkeit, euch zu erinnern an euer übersinnliches, vorirdisches Dasein. Ich gebe euch jetzt, wenn ihr mich aufnehmt in eure Seelen, wenn ihr mich aufnehmt in eure Herzen, die Kraft, mit dem Bewußtsein der Unsterblichkeit durch die Pforte des Todes hindurchzugehen. Und ihr werdet nicht mehr allein den Vater erkennen — Ex deo nascimur —, ihr werdet den Sohn fühlen als denjenigen, mit dem ihr sterben könnt und doch lebendig bleibt — In Christo morimur.
[ 24 ] There he spoke to them as the great Healer, as the “Therapist” who was a comforter, who knew the secret that human beings had once had a memory of him, because they had been with him in the spiritual realms during their pre-earthly existence. And now he could say to them: I have previously given you the ability to remember your supersensible, pre-earthly existence. I now give you—if you receive me into your souls, if you receive me into your hearts—the strength to pass through the gate of death with the awareness of immortality. And you will no longer recognize only the Father—Ex deo nascimur—but you will feel the Son as the One with whom you can die and yet remain alive—In Christo morimur.
[ 25 ] Das war natürlich nicht in die Worte getaucht, die ich jetzt ausspreche, aber dem Sinne nach war es das, was der Christus beibrachte denjenigen, die ihm nahestanden nach dem Leibestode. Die Menschen kannten ja das Sterben nicht, als sie Urmenschen waren, denn sie trugen von der Zeit an, in der sie das Bewußtsein erlangten, ein innerliches Erkennen ihres Seelischen; sie wußten von dem, was nicht sterben kann. Sie konnten die Menschen um sich herum sterben sehen — das Sterben war ihnen ein Schein in den Tatsachen um sie herum. Das Sterben haben die Menschen nicht empfunden. Erst als das Mysterium von Golgatha herannahte, fühlten die Menschen die Tatsache des Sterbens, denn ihr Seelisches war allmählich mit dem Körperlichen so verbunden, daß nun der Zweifel darüber entstehen konnte, wie die Seele weiterleben kann, wenn der Körper verfällt. Das wäre gar keine Frage in älteren Zeiten gewesen, weil die Menschen die Seele erkannten.
[ 25 ] Of course, this was not expressed in the exact words I am now using, but in essence, this was what Christ taught those who were close to him after his physical death. After all, human beings did not know death when they were primordial humans, for from the time they attained consciousness, they possessed an inner awareness of their soul; they knew of that which cannot die. They could see the people around them die—death was, to them, an illusion within the realities surrounding them. People did not experience death. It was only as the Mystery of Golgotha drew near that people felt the reality of death, for their soul had gradually become so connected to the physical body that doubt could now arise as to how the soul could continue to live when the body decays. This would not have been a question at all in earlier times, because people recognized the soul.
[ 26 ] Jetzt kam der Christus als derjenige, der da sagte: Ich will mit euch auf der Erde leben, damit ihr die Kraft habt, eure Seelen wieder so anzufachen, so innerlich zu impulsieren, daß ihr sie als eine lebendige Seele durch den Tod hindurchtraget. — Das war dasjenige, was Paulus nicht gleich begriffen hatte, was Paulus erst begriff, als ihm selber der Zugang zu den übersinnlichen Welten eröffnet worden war, als er hier auf dieser Erde die Impressionen des Christus Jesus erhalten hatte. Deshalb wird heute das Paulinische Christentum immer weniger geschätzt, weil es den Anspruch macht, daß man den Christus schaut als von überirdischen Welten kommend und seine überirdische Kraft mit dem irdischen Menschen verbindend.
[ 26 ] Now the Christ came as the one who said: “I will live with you on earth so that you may have the strength to rekindle your souls, to impel them from within, so that you may carry them through death as a living soul.” — That was what Paul had not immediately understood, what Paul only understood once access to the supersensible worlds had been opened to him, once he had received the impressions of Christ Jesus here on this earth. That is why Pauline Christianity is held in ever lower esteem today, because it claims that one must view Christ as coming from supermundane worlds and uniting his supermundane power with the earthly human being.
[ 27 ] So fügte sich für die Evolution der Menschheit im Bewußtsein zu dem Worte: «Aus Gott» — nämlich aus dem Vatergotte — «sind wir geboren», das Lebens-, das Trostes-, das Kraftwort hinzu: «In Christo sterben wir», — das heißt: Wir leben in ihm.
[ 27 ] Thus, in the evolution of human consciousness, the words “From God”—namely, from the Father God—“we are born” were joined by the words of life, comfort, and strength: “In Christ we die”—that is to say, we live in him.
[ 28 ] Was der Menschheit durch das Mysterium von Golgatha geworden ist, am besten wird es sich uns vor die Seele stellen, wenn ich nun die Evolution der Menschheit in der Gegenwart — und wie wir sie erhoffen müssen für die Zukunft —, von dem Gesichtspunkte des gegenwärtigen Initiierten schildere. Versucht worden ist von mir, den Gesichtspunkt des alten Initiierten, den Gesichtspunkt des Initiierten zur Zeit des Mysteriums von Golgatha vor Ihre Seele zu stellen; jetzt möchte ich versuchen, den Gesichtspunkt zu schildern des Initiierten der Gegenwart, desjenigen, der heute nicht bloß mit einer äußeren Erkenntnis von der Natur an das Leben herantritt, sondern in dem erwacht sind jene tieferen Erkenntniskräfte, die wir aus der Seele heraus erwecken können mit denjenigen Mitteln, die ja in der spirituellen Literatur angegeben sind.
[ 28 ] What has come to humanity through the Mystery of Golgotha will best come to life in our souls when I now describe the evolution of humanity in the present—and how we must hope it will unfold in the future—from the perspective of the modern initiate. I have attempted to present to you the perspective of the ancient initiate, the perspective of the initiate at the time of the Mystery of Golgotha; now I would like to attempt to describe the perspective of the modern initiate—one who today approaches life not merely with an external understanding of nature, but in whom those deeper powers of insight have awakened that we can awaken from within the soul using the methods described in spiritual literature.
[ 29 ] Wenn dieser Initiierte sich die Erkenntnisse erwirbt, die heute der Triumph der Zeit sind, der Glanz, in denen sich zahlreiche Menschen, wenn sie sie erwerben, auch mit einem gewissen höheren Bewußtsein wohlfühlen, dann fühlt er sich mit diesen Erkenntnissen in einer tragischen Situation. Denn der neuere, der moderne Initiierte fühlt diejenigen Erkenntnisse, die heute in der Welt besonders gelten und besonders wertvoll sind, wenn er sie mit seiner Seele verbindet, als ein Sterben. Und je mehr sich der moderne Initiierte, dem die Welt der überirdischen Sphäre vor der Seele auferstanden ist, durchdringt mit dem, was heute alle Welt Wissenschaft nennt, desto mehr fühlt er seine Seele ersterben. Die Wissenschaften sind für den modernen Initiierten das Grab der Seele; die fühlt sich schon lebend mit dem Tode verbunden, indem er nach Art der modernen Wissenschaft über die Welt sich Erkenntnisse erwirbt. Und er fühlt dieses Sterben oftmals tief und intensiv. Und dann sucht er wohl den Grund, warum er immer, wenn er im modernen Sinne erkennt, stirbt, warum er etwas wie eine Art von Leichengeruchsempfindung hat, gerade wenn er zu den höchsten modernen Erkenntnissen sich aufschwingt, die er wahrlich zu schätzen weiß, aber die ihm ein Vorgefühl sind des Todes.
[ 29 ] When this initiate acquires the insights that today represent the triumph of the age—the splendor in which many people, upon acquiring them, also feel at ease with a certain higher consciousness—he finds himself in a tragic situation with these insights. For the newer, the modern initiate, when he connects those insights—which are particularly esteemed and valued in the world today—with his soul, feels them as a kind of dying. And the more the modern initiate, before whose soul the world of the supersensible sphere has arisen, immerses himself in what the whole world today calls science, the more he feels his soul dying. For the modern initiate, the sciences are the grave of the soul; the soul already feels connected to death while still alive, as the initiate acquires knowledge about the world in the manner of modern science. And he often feels this dying deeply and intensely. And then he likely seeks the reason why he dies whenever he gains knowledge in the modern sense, why he experiences something like the scent of a corpse, precisely when he soars to the highest modern insights—which he truly appreciates, but which are for him a premonition of death.
[ 30 ] Dann sagt er sich aus seinen Erkenntnissen der übersinnlichen Welt etwas, was ich Ihnen ausdrücken möchte durch ein Bild. Wir leben geistig-seelisch, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. Von dem, was wir da in voller Realität geistig-seelisch durchleben im vorirdischen Dasein, haben wir in unserer Seele hier auf Erden nur Gedanken, Begriffe, Vorstellungen. Die sind in unserer Seele. Aber wie sind sie in unserer Seele?
[ 30 ] Then, based on his insights into the supersensible world, he tells himself something that I would like to convey to you through an image. We live spiritually and soulfully before we descend to Earth. Of what we experience there in full reality—spiritually and soulfully—in our pre-earthly existence, we have only thoughts, concepts, and ideas in our souls here on Earth. These are in our souls. But how are they in our souls?
[ 31 ] Sehen wir hin auf den Menschen, wie er im Leben zwischen Geburt und Tod steht, voll lebendig, mit Fleisch und Blut sein Leib durchzogen. Wir nennen ihn lebendig. Die Pforte des Todes wird von ihm durchschritten. Vom physischen Menschen ist der Leichnam da, der dann der Erde, den Elementen übergeben wird. Wir schauen den physisch toten Menschen an. Wir haben den Leichnam vor uns, den Rest des lebendigen, von lebendigem Blut durchzogenen Menschen. Der Mensch ist physisch tot. Wir schauen zurück, aber mit dem Blick der Initiation, in unsere eigene Seele. Wir schauen auf unsere Gedanken, die wir jetzt haben im Leben zwischen Geburt und Tod, auf die Gedanken, die wir haben als die heutige moderne Weisheit und Wissenschaft, und wir sehen: Sie sind der Leichnam desjenigen, was wir waren, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. Wie der Leichnam eines Menschen sich zum voll lebendigen Menschen verhält, so verhalten sich — das lernen wir erkennen — unsere Gedanken, die wir heute als die höchsten Reichtümer verehren, die uns die Erkenntnisse der äußeren Natur bringen, als die Leichname desjenigen in uns zu dem, was wir waren, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. Das ist dasjenige, was der Inititerte erleben kann. Er erlebt in dem Gedanken nicht sein wirkliches Leben, er erlebt in dem Gedanken den Leichnam seiner Seele. Das ist eine Tatsache, das ist etwas, was nicht aus Sentimentalität heraus gesprochen wird, sondern was gerade einer tatkräftigen Erkenntnis heute mit voller Stärke vor die Seele tritt. Das ist dasjenige, was sich heute nicht der sentimentale, mystische Träumer etwa sagt; der will gerade etwas empfinden aus irgendwelchen dunklen, mystischen Tiefen der eigenen Wesenheit heraus. Derjenige aber, der heute durch die Pforte der Initiation schreitet, der entdeckt in seiner Seele diese Gedanken, die allein, weil sie unlebendig sind, die lebendige Freiheit möglich machen können. Diese Gedanken, welche die ganze Grundlage der menschlichen Freiheit sind, zwingen den Menschen nicht, eben weil sie tot sind, weil sie nicht lebendig sind. Der Mensch kann heute ein freies Wesen werden, weil er es nicht mit lebendigen, sondern mit toten Gedanken zu tun hat. Die toten Gedanken können vom Menschen erfaßt und zur Freiheit verwendet werden. Aber man erlebt sie auch mit voller Weltentragik als Leichname der Seele. Bevor die Seele heruntergestiegen ist in die irdische Welt, da war alles, was heute Leichnam ist, voll lebendig, war regsam. In den geistig-übersinnlichen Welten bewegten sich zwischen den Menschenseelen, die entweder schon durch den Tod gegangen waren, nun auch in der geistigen Welt lebten, oder die noch nicht zur Erde heruntergestiegen sind, die Wesenheiten der höheren Hierarchien, die über dem Menschen stehen, bewegten sich auch innerhalb dieser Sphäre jene Elementarwesen, die der Natur zugrunde liegen. Da war alles in der Seele lebendig. Hier ist in der Seele die Erbschaft aus den geistigen Welten, der Gedanke ist tot.
[ 31 ] Let us look at the human being as he stands in life between birth and death, fully alive, his body permeated with flesh and blood. We call him alive. He passes through the gate of death. What remains of the physical human being is the corpse, which is then returned to the earth and the elements. We look at the physically dead human being. We have the corpse before us, the remnant of the living human being, once permeated by living blood. The human being is physically dead. We look back—but with the gaze of initiation—into our own soul. We look at the thoughts we now have in the life between birth and death, at the thoughts we hold as today’s modern wisdom and science, and we see: They are the corpse of what we were before we descended to Earth. Just as the corpse of a human being relates to the fully living human being, so too—as we come to recognize—do our thoughts, which we today revere as the highest treasures brought to us by the insights of external nature, relate as the corpses of that within us to what we were before we descended to Earth. This is what the initiate can experience. In thought, he does not experience his true life; in thought, he experiences the corpse of his soul. This is a fact; it is not something spoken out of sentimentality, but rather something that stands before the soul today with full force as a result of active insight. This is not what the sentimental, mystical dreamer of today tells himself; who seeks to feel something arising from some dark, mystical depths of his own being. But the one who today steps through the gate of initiation discovers within his soul these thoughts which, precisely because they are lifeless, alone can make living freedom possible. These thoughts, which are the very foundation of human freedom, do not compel the human being—precisely because they are dead, because they are not alive. Human beings can become free beings today precisely because they are dealing not with living thoughts, but with dead ones. These dead thoughts can be grasped by human beings and used to achieve freedom. Yet they are also experienced, with all the tragedy of the world, as the corpse of the soul. Before the soul descended into the earthly world, everything that is now a corpse was fully alive and active. In the spiritual-super-sensory worlds, among the human souls—some of whom had already passed through death and were now living in the spiritual world, and others who had not yet descended to Earth—the beings of the higher hierarchies that stand above humanity moved; within this sphere, too, moved those elemental beings that underlie nature. There, everything in the soul was alive. Here, in the soul, lies the legacy from the spiritual worlds; thought is dead.
[ 32 ] Aber verstehen wir als moderne Initiierte, mit dem Christus, wie er sich dargelebt hat in dem Mysterium von Golgatha, uns zu durchdringen, verstehen wir im tiefsten, innersten Sinne das Pauluswort: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», dann führt uns der Christus auch durch diesen Tod; dann dringen wir mit unseren Gedanken in die Natur ein, aber der Christus wandelt geistig mit uns, und er versenkt unsere Gedanken in das Grab der Natur. Denn indem wir sonst die toten Gedanken haben, wird die Natur zu einem Grabe. Gehen wir aber mit diesen toten Gedanken an die Mineralien, die Tiere, die Sternenwelt, an die Welt der Wolken, an die Berge, an die Ströme, gehen wir an sie mit diesen toten Gedanken heran, aber begleitet von dem Christus nach dem Worte: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», dann erleben wir in der modernen Initiation, wenn wir untertauchen in den Quarzkristall, daß der Gedanke aus der Natur, aus dem Quarzkristall nun als ein lebendiger aufsteigt. Wie aus dem mineralischen Grabe erhebt sich der Gedanke als ein lebendiger. Die mineralische Welt läßt in uns aufsteigen den Geist. Und führt uns der Christus durch die Pflanzennatur überall heraus aus dem, wo sonst nur die toten Gedanken leben würden, so erstehen die lebendigen Gedanken.
[ 32 ] But when we, as modern initiates, allow Christ—as he lived out his life in the Mystery of Golgotha—to permeate us, we understand, in the deepest, most inner sense, the words of Paul: “Not I, but Christ in me,” then Christ also leads us through this death; then we penetrate nature with our thoughts, but Christ walks with us spiritually, and He immerses our thoughts in the tomb of nature. For otherwise, when we have dead thoughts, nature becomes a tomb. But if we approach the minerals, the animals, the world of the stars, the world of the clouds, the mountains, and the rivers with these dead thoughts—if we approach them with these dead thoughts, yet accompanied by Christ according to the words: “Not I, but Christ in me,” then in modern initiation, when we immerse ourselves in the quartz crystal, we experience that the thought arising from nature, from the quartz crystal, now rises as a living one. As if from the mineral tomb, the thought rises as a living one. The mineral world allows the spirit to rise within us. And when Christ leads us through the plant world out of all those places where otherwise only dead thoughts would live, living thoughts come into being.
[ 33 ] Wir würden uns als krankhaft empfinden, wenn wir hingingen zu der Natur, in die Sternenwelt hinausschauten nur mit dem Blicke des rechnenden Astronomen, und diese toten Gedanken sich hineinsenken würden in die Welt, wir würden uns krank fühlen, und die Krankheit würde zum Tode führen. Lassen wir uns aber von dem Christus begleiten, tragen wir unsere toten Gedanken in Begleitung des Christus in die Sternenwelt hinein, in die Welt der Sonne, des Mondes, der Wolken, der Berge, der Flüsse, der Mineralien, der Pflanzen und der Tiere, tragen wir sie hinein in die ganze physische Menschenwelt, alles wird im Anschauen der Natur lebendig, und es ersteht wie aus einem Grabe aus allen Wesen der lebendige, der uns heilende, der uns vom Tode erweckende Geist, der Heilige Geist. Und wir fühlen uns, begleitet von dem Christus, mit dem, was wir als den Tod erlebt haben, wieder belebt. Wir fühlen den lebendigen, den heilenden Geist aus allen Wesen dieser Welt zu uns sprechen.
[ 33 ] We would feel sick if we went out into nature and gazed out into the world of the stars with only the gaze of a calculating astronomer, and if these dead thoughts were to sink into that world; we would feel sick, and that sickness would lead to death. But if we allow Christ to accompany us, if we carry our lifeless thoughts—accompanied by Christ—into the world of the stars, into the world of the sun, the moon, the clouds, the mountains, the rivers, the minerals, the plants, and the animals, if we carry them into the entire physical human world, everything comes alive as we contemplate nature, and from all beings—as if rising from a grave—arises the living Spirit, the one who heals us, the one who awakens us from death: the Holy Spirit. And, accompanied by Christ, we feel revived by what we have experienced as death. We feel the living, healing Spirit speaking to us from all beings in this world.
[ 34 ] Das müssen wir in einer spirituellen Erkenntnis, in einer neuen Initiationserkenntnis wieder gewinnen. Dann werden wir das Mysterium von Golgatha als den Sinn des ganzen Erdendaseins erfassen, werden wissen, wie wir geführt werden müssen in der Zeit, da sich durch die toten Gedanken die menschliche Freiheit entwickeln muß, wie wir geführt werden müssen zur Erkenntnis der Natur durch den Christus. Wir werden wissen, wie der Christus nicht nur sein eigenes Schicksal hingestellt hat auf die Erde in dem Sterben innerhalb des Mysteriums von Golgatha, sondern wie er die große Pfingstfreiheit der Erde beschieden hat, indem er der Erdenmenschheit verheißen hat den lebendigen Geist, der durch seine Hilfe aus allem, was auf der Erde ist, erstehen kann. Unsere Erkenntnis bleibt eine tote, bleibt selbst Sünde, wenn wir nicht durch den Christus so auferweckt werden, daß aus aller Natur, aus allem kosmischen Dasein zu uns wiederum der Geist spricht, der lebendige Geist.
[ 34 ] We must regain this through spiritual insight, through a new insight gained through initiation. Then we will grasp the Mystery of Golgotha as the meaning of all earthly existence; we will know how we must be guided in this age, when human freedom must develop through dead thoughts, and how we must be guided to an understanding of nature through Christ. We will know how Christ not only laid down his own destiny on Earth through his death within the Mystery of Golgotha, but how he bestowed upon Earth the great freedom of Pentecost by promising Earth’s humanity the living Spirit, which, through his help, can arise from all that is on Earth. Our knowledge remains dead—indeed, remains sin itself—unless we are raised up through Christ in such a way that from all of nature, from all cosmic existence, the Spirit—the living Spirit—speaks to us once more.
[ 35 ] Es ist nicht bloß eine ausgeklügelte Formel, die Trinität von dem Vatergotte, von dem Sohnesgotte und von dem Gotte, dem Heiligen Geist, es ist etwas, was tief mit der ganzen Evolution des Kosmos verbunden ist und was uns wird als eine lebendige, nicht als eine tote Erkenntnis, wenn wir den Christus selber als einen Auferstandenen in uns lebendig machen, der der Bringer des Heiligen Geistes ist.
[ 35 ] It is not merely a sophisticated formula—the Trinity of God the Father, God the Son, and God the Holy Spirit— it is something deeply connected to the entire evolution of the cosmos, and it becomes a living—not a dead—realization for us when we bring Christ Himself to life within us as the Risen One, who is the Bearer of the Holy Spirit.
[ 36 ] Dann verstehen wir, daß es wie eine Krankheit wäre, wenn wir das Göttliche nicht sehen könnten, aus dem wir geboren sind. Der Mensch muß im Geheimen krank sein, wenn er Atheist ist. Er ist nur gesund, wenn seine physische Natur sich so zusammenfaßt, daß er das: «Aus Gott bin ich geboren!», als die Zusammenfassung seines eigenen Wesens aus dem Inneren erfühlen kann. Und es ist ein Schicksalsschlag, wenn der Mensch in seinem Erdenleben nicht findet den Christus, der ihn führen kann, der ihn durch den Tod am Ende des Erdenlebens führen kann, der ihn durch den Tod zur Erkenntnis führen kann. Denn fühlen wir also das «In Christo morimur», dann fühlen wir auch dasjenige, was an uns herankommen will durch die Geleitung des Christus, durch die Führung des Christus, dann fühlen wir, wie aus allem der Geist aufersteht, aufersteht noch in diesem Erdenleben. Wir fühlen uns wieder lebendig in diesem Erdenleben, schauen hin durch die Pforte des Todes, durch die uns der Christus führt, schauen hin auf jenes Leben, das jenseits des Todes liegt, und wissen jetzt, warum der Christus den Geist, den Heiligen Geist geschickt hat: weil wir uns verbinden können schon hier im Leben mit diesem Heiligen Geiste, wenn wir uns der Führung des Christus überlassen. Wir dürfen dann mit Sicherheit sagen: Wir sterben in dem Christus, indem wir durch die Pforte des Todes schreiten.
[ 36 ] Then we understand that it would be like an illness if we could not see the Divine from which we were born. A person must be secretly ill if he is an atheist. He is healthy only when his physical nature is such that he can feel from within, “I am born of God!” as the essence of his own being. And it is a stroke of fate if a person does not find Christ in his earthly life—Christ who can guide him, who can lead him through death at the end of his earthly life, who can lead him through death to knowledge. For if we feel the “In Christo morimur,” then we also feel that which seeks to approach us through Christ’s guidance, through Christ’s leading; then we feel how the Spirit rises from everything, rising even in this earthly life. We feel alive again in this earthly life, gaze through the gate of death through which Christ leads us, look toward that life that lies beyond death, and now know why Christ sent the Spirit, the Holy Spirit: so that we may unite ourselves with this Holy Spirit even here in this life, if we surrender ourselves to Christ’s guidance. We can then say with certainty: We die in Christ as we pass through the gate of death.
[ 37 ] Was wir mit unserer Erkenntnis hier in der Natur erlebt haben, ist schon eine Vorbedeutung für die Zukunft. Denn was sonst tote Wissenschaft wäre, wird auferweckt durch den lebendigen Geist. Haben wir recht verstanden das: Aus dem Vater sind wir geboren —, In dem Christus sterben wir —, so dürfen wir auch sagen, wenn an die Stelle des Todes der Erkenntnis der wirkliche Tod tritt, der uns den Körper nimmt — hindurchblickend durch die Pforte des Todes —: In dem Heiligen Geiste werden wir wiederum auferweckt — Per spiritum sanctum reviviscimus.
[ 37 ] What we have experienced here in nature through our knowledge is already a foreshadowing of the future. For what would otherwise be dead science is brought to life by the living Spirit. If we have understood this correctly—that we are born of the Father, and that we die in Christ—then we may also say, when the death of knowledge is replaced by true death, which takes our body from us—looking through the gate of death—that we will be raised again in the Holy Spirit—Per spiritum sanctum reviviscimus.
