Knowledge — The Task of Youth
Supplements to the Pedagogical Youth Course
GA 217a
9 April 1921, Dornach
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Knowledge—The Task of Youth, tr. SOL
4. Zur Frage: Wie Kann Anthroposophische Arbeit An Den Universitäten Aufgebaut Werden?
4. On the Question: How Can Anthroposophical Work Be Established at Universities?
[ 1 ] Zur Besprechung der Frage, wie anthroposophische Arbeit an den Universitäten aufgebaut werden könne, fand am Nachmittag des 9. April 1921 auf Anregung deutscher Studenten eine Zusammenkunft statt. Dr. Steiner ergriff zum Schluß das Wort.
[ 1 ] A meeting was held on the afternoon of April 9, 1921, at the suggestion of German students, to discuss how anthroposophical work could be established at universities. Dr. Steiner spoke at the end of the meeting.
[ 2 ] Dr. Stein hat allerdings auf die drei wichtigsten Dinge, die hier in Betracht kommen, hingewiesen: bei einer Organisation oder bei keiner Organisation, wie es gewünscht wird. Aber ich möchte vor allen Dingen das eine betonen: Wenn man in einer solchen Bewegung drinnensteht, wie es die unsrige ist, so ist es schon notwendig, von dem Vergangenen ein wenig zu lernen und weitere Stadien der Bewegung so zu führen, daß gewisse frühere Fehler vermieden werden.
[ 2 ] Dr. Stein, however, has pointed out the three most important considerations here: whether to have an organization or not, as desired. But above all, I would like to emphasize one thing: When you are part of a movement like ours, it is indeed necessary to learn a little from the past and to guide the movement’s next stages in such a way that certain past mistakes are avoided.
[ 3 ] Worauf es in erster Linie ankommen wird, das wird doch dieses sein, daß Anthroposophie, soweit sie heute schon vom Verständnis der Studentenschaft angenommen werden kann und soweit es durch die vorhandenen Kräfte oder durch die vorhandenen Gelegenheiten irgend möglich ist, daß Anthroposophie in ihren verschiedenen Verzweigungen unter der Studentenschaft verbreitet werde als positiver geistiger Inhalt. Wir haben im Grunde genommen die Erfahrung gemacht, daß etwas Reales doch nur dadurch zu erreichen ist, daß man auf dem Grunde des Positiven wirklich bauen kann.
[ 3 ] What will matter most of all is surely this: that anthroposophy—to the extent that it can already be understood by the student body today, and to the extent that it is at all possible given the available resources or opportunities—be disseminated among the student body in its various branches as a positive spiritual content. Essentially, we have found that something real can only be achieved by truly building upon a foundation of the positive.
[ 4 ] Ich hatte gestern Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß vor Jahren versucht worden ist, eine Art Weltenbund für Geisteswissenschaft zu begründen, und daß aus diesem Weltenbund, der eigentlich bloß nach den Regeln formaler äußerer Organisation vorgehen wollte, doch nichts geworden ist. Er ist sozusagen so ausgegangen, wie man im Deutschen sagt, wie das «Hornberger Schießen». Weil man aber dazumal einen Zusammenhalt, ein Zusammenarbeiten brauchte, mußten die vorhandenen Bekenner zur Anthroposophie in der «Anthroposophischen Gesellschaft» zusammengefaßt werden. Das waren nun mehr oder weniger lauter Leute, welche sich eben mit der Anthroposophie beschäftigt hatten. Mit einer solchen Organisation, wo eben schon etwas darinnen ist, kann man dann erst etwas machen.
[ 4 ] Yesterday I had the opportunity to point out that years ago an attempt was made to establish a kind of World Federation for Spiritual Science, and that this World Federation—which actually intended to operate solely according to the rules of formal, external organization—never came to fruition. It ended, so to speak, as the Germans say, like the “Hornberg Shoot.” But because there was a need for cohesion and cooperation at that time, the existing adherents of anthroposophy had to be brought together in the “Anthroposophical Society.” These were, more or less, all people who had simply been engaged with anthroposophy. Only with an organization like this—one that already has substance—can anything actually be accomplished.
[ 5 ] Natürlich wird es für die Studentenschaft ganz besonders notwendig sein, nicht nur zu arbeiten im Sinne einer Verbreitung der gegebenen anthroposophischen Probleme im engeren Sinne, sondern schon auch der Ausarbeitung von Generalproblemen und dergleichen in dem Sinne, wie es Dr. Stein eben gemeint hat. Es wird natürlich zunächst gar nicht so sehr nötig sein, mit solchen Dingen auf Dissertationen hinzuarbeiten. Es ist oft, wirklich recht oft vorgekommen, daß ich in der letzten Zeit gefragt worden bin von jüngeren Semestern etwa in der folgenden Richtung: Ja, wir möchten eigentlich die Anthroposophie zusammenbringen mit unserer speziellen Wissenschaft. Wie kann man sich da verhalten, daß man in der richtigen Weise mit seinem Ziel nach der Promotion, nach dem Staatsexamen, hinarbeitet? Was soll man da tun? Wie soll man seine Arbeit einrichten? — Ich habe dann immer den folgenden Rat gegeben: Versuchen Sie so schnell wie möglich sich durch das offizielle Studium durchzuschlängeln, so schnell wie möglich durchzukommen, wobei ich dann immer sehr gern bereit bin, mit irgendeinem Rat zur Seite zu stehen. Wählen Sie sich irgendein wissenschaftliches Thema, das Ihnen hervorzugehen scheint aus dem Verlauf Ihrer Studien, als Dissertationsarbeit oder Staatsprüfungsarbeit oder dergleichen. Welches Thema Sie auch wählen, ein jedes ist selbstverständlich anthroposophisch diametral entgegengesetzt den anderen Betrachtungsweisen, darüber kann gar kein Zweifel sein. Jedes ist diametral entgegengesetzt. Aber nun rate ich Ihnen: Schreiben Sie Ihre Dissertation so, daß Sie zunächst das hineinschreiben, was der Professor zensieren kann, was er verstehen wird; und nehmen Sie sich ein zweites Heft, da schreiben Sie alles das hinein, was sich Ihnen ergibt im Laufe Ihres Studiums und von dem Sie glauben, daß es eigentlich von der Anthroposophie her hereingearbeitet werden sollte. Das bewahren Sie sich dann auf. Dann machen Sie ihre zwei Bogen — so lang muß eine Dissertation sein —; die reichen Sie ein. Und versuchen Sie fertig zu werden. Dann können Sie mit dem, was Sie sich außer diesem einen im zweiten Heft nach und nach erworben haben, der Anthroposophie wirklich tatkräftig helfen. Denn man merkt in der Tat eigentlich erst, was für bedeutsame Probleme — Spezial- und Spezialistenprobleme einem aufschießen, wenn man in die Notwendigkeit versetzt ist, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten mit einem gewissen Thema und dergleichen. Aber es entsteht eine Gefahr durch, ich möchte sagen, ein unklares Zusammenarbeiten mit der Professorenschaft. Und ein Vorlegen von Dissertationen an die Professoren, die «im anthroposophischen Sinne» gehalten sind — die passen gewöhnlich nicht für Professoren —, das halte ich deshalb nicht für günstig, weil es uns in dem Tempo, das die anthroposophische Bewegung haben soll, eigentlich aufhält.
[ 5 ] Of course, it will be particularly important for the student body not only to work toward disseminating specific anthroposophical issues in the narrower sense, but also to develop general issues and the like, in the sense that Dr. Stein has just described. Of course, at first it won’t be all that necessary to work toward dissertations on such topics. It has happened often—really quite often—that I have been asked recently by younger students along the following lines: “Yes, we would actually like to integrate anthroposophy with our specific field of study. How should one go about this so as to work toward one’s goal of a doctorate or the state examination in the right way? What should one do?” How should one structure one’s work? — I have always given the following advice: Try to work your way through the official coursework as quickly as possible, to get through it as fast as you can, and I am always very happy to offer any advice to help you along the way. Choose any scientific topic that seems to emerge from the course of your studies—as a dissertation, state examination thesis, or the like. Whichever topic you choose, each one is, of course, diametrically opposed to other perspectives from an anthroposophical standpoint; there can be no doubt about that. Each one is diametrically opposed. But now my advice to you is this: Write your dissertation in such a way that you first include what the professor can evaluate—what he will understand—and take a second notebook; in that, write down everything that has come to you in the course of your studies and that you believe should actually be incorporated from the perspective of anthroposophy. Keep that separate. Then compile your two sheets—that is how long a dissertation must be—and submit them. And try to finish. Then, with what you have gradually acquired in the second notebook—in addition to what is in the first—you can truly and actively contribute to anthroposophy. For it is only when one is compelled to work scientifically on a specific topic and the like that one truly realizes what significant problems—specialized problems and those faced by specialists—arise. But a danger arises from, I would say, an unclear collaboration with the professoriate. And submitting dissertations to professors that are written “in the anthroposophical sense”—which usually do not suit professors—I do not consider this beneficial, because it actually slows us down in the pace that the anthroposophical movement should maintain.
[ 6 ] Wir brauchen möglichst viele akademisch gebildete Mitarbeiter. Wenn uns irgend etwas fehlt, gründlich fehlt heute in der anthroposophischen Bewegung, so ist es eine genügend große Anzahl akademisch gebildeter Mitarbeiter. Ich will damit nicht die Äußerlichkeit bezeichnen, daß man, sagen wir, abgestempelte Leute braucht. So ist es nicht gemeint. Aber erstens brauchen wir Leute, die innerlich wissenschaftlich arbeiten gelernt haben. Dieses innerlich wissenschaftlich Arbeiten lernt man doch am besten bei seiner eigenen Arbeit. Zweitens aber brauchen wir möglichst bald die Mitarbeiter, welche aus der Studentenschaft heraus kommen, und die nicht mehr aufgehalten werden durch die Rücksichten auf ihr späteres Fachstudium. — Sehen Sie, es ist gar nicht weiter wunderbar, daß das so schwer geht, wie es zum Beispiel in der Schweiz geht. — Man hat als Student natürlich leicht die Möglichkeit, in den ersten Semestern sich einem solchen Bunde anzuschließen, wenn man freien Sinn genug dazu hat. Dann kommen die letzten Semester. Da ist man mit anderem beschäftigt, und da wird die Sache schwieriger. Und so reißen immer fort und fort die Fäden ab, die man gezogen hat. Das ist gerade vorhin hervorgehoben worden.
[ 6 ] We need as many academically trained collaborators as possible. If there is one thing we are sorely lacking in the anthroposophical movement today, it is a sufficient number of academically trained collaborators. I do not mean by this the superficial notion that we need, let’s say, people with a certain label. That is not what I mean. But first, we need people who have learned to work scientifically from within. After all, the best way to learn this kind of inner scientific approach is through one’s own work. Second, however, we need—as soon as possible—collaborators who come from the student body and who are no longer held back by concerns about their future specialized studies. — You see, it’s not at all surprising that this is as difficult as it is, for example, in Switzerland. — As a student, of course, it’s easy to join such a group in the first few semesters if you’re open-minded enough. Then come the final semesters. By then, you’re preoccupied with other things, and that’s when things get more difficult. And so, time and again, the threads you’ve been pulling snap. That was just emphasized a moment ago.
[ 7 ] Also das möchte ich sagen, speziell für das wissenschaftliche Zusam menarbeiten: Die Themen müssen schon in einer solchen Übergangszeit eine zweifache Bearbeitung erfahren: die eine, die der Professor versteht, und die andere, die man sich aufhebt für später. Selbstverständlich will ich damit durchaus nicht sagen, daß nicht ganz spezielle Gelegenheiten, die da sind, ergriffen werden, und daß nicht diese Gelegenheiten, die da sind, in ganz eminentestem Sinne von der Studentenschaft wachsam beobachtet und auch wirklich im Sinne und Dienste der Bewegung ausgenützt werden: Ich hoffe auf der einen Seite, fürchte fast ganz leise auf der anderen Seite, daß unser lieber Freund, Professor Römer in Leipzig, nun mit einer Unsumme von anthroposophischen Dissertationen überschwemmt wird! Aber ich denke, das würde auch zu den Dingen führen, die ihm wahrscheinlich am liebsten wären. Und ein solches Dokument studentischen Vertrauens würde zeigen, daß er nicht zu den Professoren gehört, von denen jetzt eben gesprochen worden ist. Das würde ja aus dem Fundament hervorgehen.
[ 7 ] So this is what I’d like to say, specifically regarding academic collaboration: Even during such a transitional period, topics must be approached in two ways: one that the professor understands, and another that is set aside for later. Of course, I certainly do not mean to say that specific opportunities that arise should not be seized, or that these opportunities should not be closely monitored by the student body in the most eminent sense and truly utilized in the spirit and service of the Movement: On the one hand, I hope—and on the other, I fear almost silently—that our dear friend, Professor Römer in Leipzig, will now be inundated with a vast number of anthroposophical dissertations! But I think that would also lead to the very things he would likely most appreciate. And such a document of student trust would show that he does not belong to the group of professors just mentioned. That would, after all, be evident from the very foundation.
[ 8 ] Nun brauchen wir allerdings einen Ausbau desjenigen, was hier in Dornach schon einmal besprochen worden ist, nämlich doch immerhin eine Art von Zusammenarbeit. Das werden Sie sich später untereinander ausmachen, wie es technisch am besten zu bewerkstelligen ist. Es wäre schon gut, wenn mit Hilfe der Waldorflehrer, die ergänzt würden durch andere Persönlichkeiten aus unseren Reihen — Professor Römer, Dr. Unger und andere —, ein gewisser Austausch vor allen Dingen über die Wahl der Themen der Dissertationen oder der wissenschaftlichen Arbeiten stattfinden könnte, ohne daß irgendwie die freie Initiative des einzelnen davon beeinträchtigt ist. Es kann alles nur in Form von Ratschlägen geschehen. Es sollte gerade dadurch für dieses wissenschaftliche Arbeiten ein engerer Zusammenschluß — der ja nicht gerade eine Organisation zu sein braucht, aber ein Ideenaustausch — von Ihnen gesucht werden.
[ 8 ] Now, however, we need to build upon what has already been discussed here in Dornach—namely, some form of collaboration. You will work out among yourselves later how best to accomplish this from a technical standpoint. It would be good if, with the help of the Waldorf teachers—supplemented by other individuals from our ranks, such as Professor Römer, Dr. Unger, and others—a certain exchange could take place, particularly regarding the selection of topics for dissertations or scholarly papers, without in any way impeding the individual’s free initiative. All of this can only take the form of advice. Precisely for this reason, you should seek a closer collaboration—which need not necessarily be an organization, but rather an exchange of ideas—for this scholarly work.
[ 9 ] Das Wirtschaftliche ist natürlich eine sehr, sehr bedeutungsvolle Sache. Es ist schon so, daß namentlich das Universitätswesen, aber eigentlich mehr oder weniger das gesamteHochschulwesen unter unseren Wirtschaftsnöten außerordentlich leiden wird. Nun handelt es sich dabei darum, daß man nun wirklich einmal klar sieht, daß eigentlich nur geholfen werden kann, wenn es möglich ist, solche Institutionen vorwärtszubringen, wie es zum Beispiel für Deutschland der «Kommende Tag» ist, wie es hier das «Futurum» ist. So daß von diesen Organisationen aus eine Reorganisation auch der wirtschaftlichen Lage des Studententums ausgehen kann. Es sind — ich kann Ihnen die Versicherung geben — all die Dinge, die von uns aus nach solcher Richtung hin in Angriff genommen werden, eigentlich auf schnelles Wachstum berechnet. Wir haben nicht Zeit, uns Zeit zu lassen, sondern wir müssen tatsächlich mit solchen wirtschaftlichen Organisationen rasch vorwärtskommen. Und da muß ich nun allerdings sagen: da werden uns die Mitglieder der Studentenschaft, vielleicht mit ganz geringfügigen Ausnahmen, vor allen Dingen helfen können durch das Verbreiten des Verständnisses für solche Dinge. Es ist ja wirklich schon vorgekommen in bezug auf andere Dinge, daß der Student bei seinem Papa einiges durchsetzen konnte für dieses oder jenes, etwas durchsetzen konnte auch bei seiner Verwandtschaft. Nicht jeder hat nur mittellose Freunde. Und da ist dann wirklich etwas vorhanden, was wie eine Lawine wirkt. Lassen Sie sich das nur durchaus durch den Kopf gehen, wie stark erfahrungsgemäß so etwas wie eine Lawine wirkt: wenn man irgendwo anfängt, es geht weiter. Gerade so etwas geht weiter, wo man aus dem Positiven heraus wirkt: Versucht diese Prospekte zu studieren, die erschienen sind vom «Kommenden Tag» und «Futurum», und versucht, Verständnis hervorzurufen für so etwas.
[ 9 ] Economic considerations are, of course, a very, very important matter. It is certainly true that the university system in particular—but in fact, more or less the entire higher education system—will suffer extraordinarily from our economic hardships. The point here is that we must finally recognize clearly that real help can only be provided if it is possible to advance institutions such as, for example, “Kommende Tag” in Germany or “Futurum” here. In this way, these organizations can serve as a catalyst for reorganizing the economic situation of the student body. I can assure you that all the initiatives we are undertaking in this direction are, in fact, designed for rapid growth. We don’t have time to take our time; rather, we must indeed make rapid progress with such economic organizations. And here I must say: the members of the student body, perhaps with very few exceptions, will be able to help us above all by spreading understanding for such matters. After all, it has certainly happened before in other contexts that a student was able to persuade his father to support this or that, and was also able to persuade his relatives. Not everyone has only friends without means. And that’s when something truly happens that has the effect of an avalanche. Just let that sink in—how powerful, as experience shows, something like an avalanche can be: once it starts somewhere, it keeps going. This is precisely the kind of thing that gains momentum when you act from a positive perspective: Try to study these pamphlets published by “Kommender Tag” and “Futurum,” and try to foster understanding for such matters.
[ 10 ] Dieses Verständnis ist es, zu dem sich namentlich die ältesten Leute außerordentlich schwer emporarbeiten. Ich habe gesehen, wie ältere Leute, ich möchte sagen, gekaut haben an dem Verstehenwollen desjenigen, was «Kommender Tag» oder «Futurum» wollen, wie sie immer wieder und wiederum, wie die Katze auf die Pfoten, zurückgefallen sind auf ihre alten wirtschaftlichen Vorurteile, mit denen sie eben hineingesaust sind in den wirtschaftlichen Niedergang, und wie sie sich nicht herausfinden. Da glaube ich, daß wirklich lebt helles Verständnis der lieben Kommilitonen, das auch nach den älteren Generationen hinüber einiges wirken könnte. Auf eine andere Weise können wir doch nicht vorwärtskommen. Denn ich kann Ihnen sagen: Dann, wenn wir einmal in bezug auf diese wirtschaftlichen Institutionen so weit sind, daß wir wirksam etwas machen können, daß wir erstens genug Mittel haben, um ins Große gehend — denn nur da hilft es — etwas zu tun, und auf der anderen Seite überwinden können den gerade auf diesem Gebiete so scharf hervortretenden Widerstand des Proletariats, das sich einfach gerade einer wirtschaftlichen Besserung der Lage der Studenten feindlich entgegenstellt, dann wird es tatsächlich die erste Sorge sein müssen dieser unserer wirtschaftlichen Organisationen, wirtschaftlich gerade in bezug auf die Studentenschaft zu arbeiten.
[ 10 ] It is this understanding that the oldest people, in particular, find extraordinarily difficult to grasp. I have seen how older people—I would say—have struggled to grasp the meaning of “the coming day” or “the future,” how they have fallen back again and again, like a cat landing on its feet, into their old economic prejudices—the very ones that swept them into economic decline—and how they cannot find their way out. That is why I believe that a clear understanding truly lives on among our dear fellow students, one that could also have some impact on the older generations. There is simply no other way for us to move forward. For I can tell you this: Once we have reached a point with regard to these economic institutions where we can take effective action—where, first of all, we have sufficient resources to act on a grand scale—for only then will it help— and, on the other hand, can overcome the resistance of the proletariat—which is so sharply evident in this very area and which is simply hostile to any economic improvement in the students’ situation—then it will indeed have to be the primary concern of these economic organizations of ours to work economically specifically on behalf of the student body.
[ 11 ] Die «Kampfprobleme»! Ja, sehen Sie, da handelt es sich um folgendes. Die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie auch früher nicht so geheißen hat, besteht seit dem Beginn des Jahrhunderts, und sie hat immer eigentlich nur positiv gearbeitet, wenigstens soweit ich selber in Betracht komme. Sie ließ die Gegner schimpfen, alles mögliche tun. Aber natürlich kommen dann die Gegner mit gewissen Einwänden. Sie sagen, da ist das gesagt worden, da jenes gesagt worden, ja das, das ist nicht einmal widerlegt worden. — Es ist schon so, daß man schwer Verständnis findet dafür, daß eigentlich derjenige, der etwas behauptet, die Beweisverpflichtung hat, nicht derjenige, dem es angeworfen ist. Und wir konnten es wirklich erleben, immer wieder und wiederum, daß merkwürdige Anschauungen gerade unter den Akademikern, ich meine jetzt Dozenten, Professoren, Pfarrer und solche, die also aus den Akademikern hervorgegangen sind, hervortraten. Denken Sie doch nur einmal, daß von, ich möchte sagen, für die äußere Welt «ehrwürdigen» ich sage es aber selbstverständlich nur unter Gänsefüßchen — Professoren Dinge vorgebracht werden gegen Anthroposophie, Anthroposophen und so weiter, die so belegt sind, daß, wenn man diesen Belegen mit Beweisgründen nachgeht, das ein Hohn, ein blutiger Hohn ist auf alle irgendwie möglichen Methoden, wie man irgendwie etwas behauptet in der Wissenschaft. Daher mußte ich bei so jemandem, wie es der Professor Fuchs ist, einfach sagen: Es ist unmöglich, daß der Mensch etwas anderes ist als ein ganz unmöglicher Anatom! Denn, soll ich glauben, daß er gewissenhaft seine Dinge prüft, wenn er nach alledem, was vorgelegt worden ist, meinen Taufschein in dieser Weise prüft, wie er ihn geprüft hat? Man muß nämlich von der Art, wie ein Mensch das eine Gebiet behandelt, auf das andere schließen. Solche Dinge zeigen einfach — durch den Umstand, daß die Leute einmal heraustreten und ihre besonderen Gewohnheiten zeigen — die Symptome, wie heute wissenschaftlich gearbeitet wird. Auch die Dinge, die heute an den Universitäten und an den technischen Hochschulen vorgebracht werden, stehen im Grunde genommen kaum auf besseren Füßen, als die Dinge, die auf diese Weise behauptet werden; es treten nur die allgemein ungeheuer locker gewordenen Gewohnheiten im Wissenschaftsleben auf diese Weise zutage. Und das ist es, was nötig ist: daß man gewissermaßen den Kampf auf ein höheres Niveau hebt.
[ 11 ] The “problems of the struggle”! Yes, you see, here’s the thing. The Anthroposophical Society—even though it wasn’t called that in the past—has existed since the beginning of the century, and it has actually always worked in a positive way, at least as far as I’m concerned. It let its opponents rant and do whatever they wanted. But of course, the opponents then come forward with certain objections. They say, ‘This was said here, that was said there,’ and indeed, ‘That hasn’t even been refuted.’ — It is true that it is difficult to get people to understand that the burden of proof actually lies with the one who makes a claim, not with the one against whom it is leveled. And we have truly witnessed, time and again, that peculiar views have emerged precisely among academics—I mean lecturers, professors, pastors, and those who have emerged from academic circles. Just consider, for example, that from those whom I would call “venerable” in the eyes of the outside world—though I say this, of course, only in quotation marks — professors put forward arguments against anthroposophy, anthroposophists, and so on, which are supported by evidence such that, if one examines this evidence with critical reasoning, it is a mockery—a bloody mockery—of every conceivable method by which one might make any kind of claim in science. That is why, in the case of someone like Professor Fuchs, I simply had to say: It is impossible for this man to be anything other than a completely incompetent anatomist! For am I to believe that he conscientiously examines his material when, after all that has been presented, he examines my baptismal certificate in the manner in which he did? One must, in fact, draw conclusions about one field from the way a person handles another. Such things simply reveal—through the fact that people occasionally step out of line and display their particular habits—the symptoms of how scientific work is conducted today. Even the ideas put forward today at universities and technical colleges are, when it comes down to it, hardly on a better footing than the claims made in this manner; it is simply that the generally extremely lax habits in academic life are revealed in this way. And that is what is needed: to raise the struggle, so to speak, to a higher level.
[ 12 ] Und da ist es nicht notwendig, daß man sich, wie zum Beispiel der Kommilitone wünschte, was ich sehr gut begreife, als «Kampforganisation» ausspiele. Das ist nicht notwendig. Sondern nur das eine: das zu vermeiden, was in der Anthroposophischen Gesellschaft so zahlreich aufgetreten ist. In der Anthroposophischen Gesellschaft trat immer dieses hervor, so unglaublich es ist — natürlich nicht bei allen, aber sehr häufig —: Man war genötigt, sich gegen einen wüsten Anwurf zu verteidigen, auch dann irgendwelche scharfen Worte zu gebrauchen, zum Beispiel, sagen wir in dem Fall, wenn ein Herr von Gleich einen Vortragenden «Winter» erfindet, indem er liest, daß ich selber Wintervorträge gehalten habe, dann eine Persönlichkeit «Winter» erfindet, und das in einer sehr üblen Weise in den Kampf hineinbringt. Ja, sehen Sie, ich glaube nicht, daß man in diesem Falle zu scharfe Worte sagt, wenn man von Trottelitis sprechen würde! Denn hier hat man es, selbst wenn es bei einem General auftritt, mit einer echten Trottelitis in Reinkultur zu tun. — Und in der Anthroposophischen Gesellschaft war es dann gewöhnlich so, daß man nicht demjenigen unrecht gegeben hat, der etwa so wie Herr von Gleich handelte, sondern demjenigen, der sich verteidigt hat. Bis zum heutigen Tag! Erfuhren wir es doch ein paarmal, daß es hieß: In dieser Weise darf man nicht aggressiv werden. — Aggressiv werden, heißt nämlich in den Augen von vielen Leuten: sich in dieser Weise zu verteidigen. Da ist schon notwendig, daß man, ohne zu betonen, daß man Kampforganisation ist oder dergleichen, doch mit wachsamem Auge die Dinge verfolgt und zurückweist. Sie müssen da konkret im Positiven auftreten. Und dann müssen die anderen dahinterstehen, hinter dem, der genötigt ist, sich zu verteidigen. Es handelt sich nicht darum, daß wir selber Kampfhähne werden; aber darum handelt es sich, daß, wenn es nötig werden sollte, sich zu verteidigen, daß dann die anderen dahinterstehen. Und es handelt sich darum, daß man wirklich die Symptome des Weltanschaulichen, Wissenschaftlichen, Religiösen und so weiter in dieser Beziehung in unserer Zeit verfolgt, sich dafür interessiert.
[ 12 ] And it is not necessary, as my fellow student, for example, would like—which I understand very well—to present ourselves as a “militant organization.” That is not necessary. Rather, there is only one thing: to avoid what has occurred so frequently in the Anthroposophical Society. In the Anthroposophical Society, this has always come to the fore—as unbelievable as it is—though of course not in every case, but very frequently: One was compelled to defend oneself against a baseless accusation, even to the point of using harsh words—for example, let’s say in the case where a Mr. von Gleich invents a speaker named “Winter” by reading that I myself have given lectures on winter, then invents a “Winter” figure, and brings this into the conflict in a very malicious way. Yes, you see, I don’t think one would be using overly harsh words in this case if one were to speak of “idiocy”! For here, even if it occurs in a general, we are dealing with genuine idiocy in its purest form. — And in the Anthroposophical Society, it was usually the case that people didn’t blame the one who acted like Mr. von Gleich, but rather the one who defended himself. Right up to the present day! We’ve heard it said a few times that one mustn’t become aggressive in this way. — For many people, “becoming aggressive” simply means defending oneself in this way. It is therefore necessary—without emphasizing that we are a militant organization or the like—to keep a watchful eye on things and to refute them. You must take a concrete, positive stand in such situations. And then the others must stand behind the one who is compelled to defend themselves. It is not a matter of us becoming fighting cocks ourselves; but it is a matter of ensuring that, should it become necessary to defend ourselves, the others will stand behind us. And it is a matter of truly keeping track of and taking an interest in the manifestations of ideological, scientific, religious, and other such tendencies in this regard in our time.
[ 13 ] Nehmen Sie diese einzelne Erscheinung: Ich war genötigt, philosophische, oder wie soll man es nennen, Schreibereien — es ist nach meiner Meinung gleich, wie man sie nennt — des Grafen Keyserling einmal in der entsprechenden Weise zu charakterisieren, weil er in seiner unglaublichen Oberflächlichkeit hineingemischt hat die Tollheit, ich sei von Haeckelschen Anschauungen ausgegangen. Das ist natürlich eine nicht bloß objektive, sondern in diesem Falle subjektive Unwahrheit, das heißt, eine Lüge, weil man verlangen muß, daß derjenige, der so etwas behauptet, nach den Quellen sucht; und er hätte sehen können das Kapitel, das ich in den frühesten Jahren meiner Schriftstellerei geschrieben habe in meinen Auseinandersetzungen mit Haeckel, in der Einleitung zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften. Sie können das ja alle sehr gut nachlesen. — Nun hat der Graf Keyserling durch seinen Verleger eine kleine Schrift erscheinen lassen: «Der Weg zur Vollendung.» Ich will diese Schrift nicht weiter charakterisieren, empfehle Ihnen aber, daß einer oder zwei sich diese Schrift kaufen und sie herumgehen lassen; denn wenn es alle kaufen wollten, wäre es schade ums Geld; aber ich empfehle Ihnen trotzdem, es zu lesen, damit Sie eine Vorstellung bekommen von dem, was sozusagen gegen alle Weisheit sich auftut in dieser Schrift «Der Weg zur Vollendung» von Keyserling. Es steht da folgender Satz, den er sich zurechtzimmerte, so ungefähr, wie er mir im Gedächtnis ist — es ist nicht wörtlich —: Ja, wenn ich damit etwas Unrichtiges gesagt habe, daß Dr. Steiner von Haeckel ausgegangen ist, so hätte ja Dr. Steiner das einfach rektifizieren können; er hätte das bei mir richtigstellen können, denn ich habe — und nun bitte ich, diesen Satz recht genau zu beachten —, denn ich habe für eine besondere Steiner-Quellenforschung keine Zeit.
[ 13 ] Take this particular example: I was once compelled to characterize Count Keyserling’s philosophical—or whatever one might call it—writings—in my opinion, it makes no difference what one calls them—in this manner, because, in his incredible superficiality, he went so far as to claim that I had based my views on Haeckel’s ideas. This is, of course, not merely an objective but, in this case, a subjective untruth—that is, a lie—because one must demand that anyone who makes such a claim consult the sources; and he could have seen the chapter I wrote in the earliest years of my writing career, in my debates with Haeckel, in the introduction to Goethe’s Scientific Writings. You can all read about this very easily. — Now Count Keyserling has had a short treatise published through his publisher: The Path to Perfection. I do not wish to characterize this work further, but I recommend that one or two of you purchase it and pass it around; for if everyone were to buy it, it would be a waste of money; but I nevertheless recommend that you read it so that you can get an idea of what, so to speak, defies all wisdom in this work, The Path to Perfection, by Keyserling. It contains the following sentence, which he cobbled together, roughly as I recall it—it is not verbatim—: Yes, if I said something incorrect in that Dr. Steiner drew on Haeckel, then Dr. Steiner could simply have corrected that; he could have set the record straight with me, because I—and now I ask you to pay very close attention to this sentence—because I do not have time for specialized research into Steiner’s sources.
[ 14 ] Nun also, sehen Sie, wir haben es bereits in der wissenschaftlichen Moral so weit gebracht, daß jemand, der eine «Weisheitsschule» gründet, es für berechtigt hält, daß er Dinge in die Welt hinaussenden darf, für deren Erforschung er zugestandenermaßen keine Zeit hat, die er also nicht erforscht! Hier ertappt man einen scheinbar sich vornehm Dünkenden — denn der Graf Keyserling hat in seiner Schreiberei immer die Allmacht angeführt; das ist dasjenige, was so imponiert bei dem Grafen Keyserling, daß er immer die Allmacht anführt. Die ganze gegenwärtige Schreiberei ist an einem Punkt angekommen, wo sie am meisten versumpft und verlumpt ist. Und trotz der Allmacht ist hier eine vollständige moralische Verlumpung der Ansichten da. Und da muß schon einmal den Leuten gesagt werden: Ganz gewiß, es verlangt auch von dir niemand, daß du Steiner-Quellenforschung treibst; aber dann, wenn du schon keine Steiner-Quellenforschung treibst, keine Zeit hast, dann — in bezug auf alle diese Dinge, zu denen du von der Sache etwas wissen müßtest: Halte den Mund!
[ 14 ] Well then, you see, we have already reached a point in scientific ethics where someone who founds a “school of wisdom” considers it justified to put things out into the world that he admittedly has no time to research—and which he therefore does not research! Here one catches someone who apparently thinks highly of himself—for Count Keyserling has always invoked omnipotence in his writings; that is what is so impressive about Count Keyserling, that he always invokes omnipotence. All of today’s writing has reached a point where it is at its most bogged down and debased. And despite this omnipotence, there is a complete moral debasement of views here. And so people really need to be told: Certainly, no one is asking you to conduct research into Steiner’s sources; but then, if you’re not conducting such research—if you don’t have the time—then—with regard to all these matters about which you ought to know something: Keep your mouth shut!
[ 15 ] Sehen Sie, es ist notwendig, daß wir uns keinen Illusionen hingeben, daß wir einfach abstreifen jegliches durch das Konventionelle heraufgekommene Autoritätsprinzip und dergleichen, daß wir uns frei gegenüberstellen, wirklich, wirklich prüfend, demjenigen, was in unserer Zeit vorhanden ist. Dann werden wir heute schon recht viel solches bemerken können.
[ 15 ] You see, it is essential that we not harbor any illusions, that we simply cast aside any principle of authority—and the like—that has arisen from convention, and that we confront what exists in our time with an open mind, truly, truly examining it. Then we will already be able to observe quite a lot of this today.
[ 16 ] Ich würde Ihnen raten, manche der Sätze, die der große Germanist Roethe in Berlin ab und zu immer wiederum prägt, rein der Form nach — ich will ganz absehen von der Anschauung, die man dabei durchaus respektieren kann — sich anzusehen. Dann werden Sie das Lehrreiche finden. Wir brauchen keine Kampforganisation zu sein. Wir müssen aber bereit und wachsam sein, um, wenn die Dinge, die heute wirklich so schauderhaft in den Niedergang hineinführen, konkret auftreten, dann dagegen auch wirklich aufzutreten. Brauchen wir denn dazu eine Organisation anthroposophischer Studenten zu sein? Wir brauchen ja einfach nur wachsame, anständige und wissenschaftlich gewissenhafte Leute sein zu wollen, dann können wir immer — ganz von dem absolutesten Privatstandpunkt aus — gegen solche Schäden zu Felde ziehen. Und wenn wir außerdem noch für die positive Arbeit organisiert sind, dann kann die Anzahl derjenigen, die dafür organisiert ist, hinter uns stehen und uns halten. Das letztere brauchen wir. Aber es wäre durchaus nicht sehr gescheit, wenn wir uns als Kampforganisation auftun würden. Dagegen handelt es sich darum, daß wir wirklich ernsthaftig arbeiten an der Verbesserung unserer gegenwärtigen Zustände. Und dazu gehört schon einmal, daß man die furchtbaren Schäden, die auf dem einen oder anderen Feld zutage treten — und die wirklich sich leicht aufdrängen, denn sie sind in Unsummen da —, daß man diese Dinge beachtet, und daß man den Mut hat, gegen sie in der Form, in der man es kann, aufzutreten.
[ 16 ] I would advise you to take a look at some of the statements that the great Germanist Roethe in Berlin keeps repeating from time to time—purely in terms of their form; I will completely set aside the viewpoint behind them, which is certainly worthy of respect. Then you will find them instructive. We do not need to be a militant organization. But we must be ready and vigilant so that, when the things that are truly leading us so horrifically into decline actually arise, we can genuinely stand up against them. Do we really need to be an organization of anthroposophical students to do that? We simply need to aspire to be vigilant, decent, and scientifically conscientious people; then we can always—entirely from the most strictly personal standpoint—take a stand against such harm. And if, in addition, we are organized for positive work, then the number of those organized for that purpose can stand behind us and support us. We need the latter. But it would by no means be very wise for us to present ourselves as a militant organization. Rather, the point is that we work earnestly to improve our current circumstances. And this certainly includes paying attention to the terrible injustices that come to light in one area or another—and which are truly hard to ignore, since they exist on a massive scale—and having the courage to confront them in whatever way we can.
[ 17 ] Sie haben schon etwas getan, wenn Sie nur das tun können: bei einer geringen Anzahl Ihrer Kommilitonen einfach das Urteil richtigstellen in bezug auf solche Dinge, auch wenn das im kleinsten Kreise geschieht. Ich habe gestern zu jemandem von uns hier in bezug auf den Weltschulverein gesagt: Ich halte es gerade in bezug auf solche Dinge besonders wertvoll, wenn angefangen wird damit, daß einer zu zwei, drei anderen, also ganz kleinen Gruppen, davon spricht, selbst wenn es nur zwei sind; und, ganz radikal ausgedrückt, wenn einer gar keinen anderen findet, so sage er es sich wenigstens selber! Also diese Dinge sind schon durchaus so, daß man anfassen kann dasjenige, was der einzelne vermag. Es werden einzelne viel mehr vermögen, wie es tatsächlich schon vorgekommen ist bei einem Arzt, der Mitglied war, und dessen Kommilitonen sich als sehr begeisterungsfähig erwiesen. Es handelt sich darum, daß wir uns nicht dadurch Feinde machen, daß wir in wüster Form als Kampfhähne auftreten, aber auch darum, daß wir den Kampf nicht scheuen, wenn die anderen anfangen. Das ist es: wir müssen immer den anderen anfangen lassen; und dann muß die nötige Hilfe hinter uns stehen, die nicht die Taktik aufkommen läßt, denn es ist eine ganz bestimmte Taktik aufgekommen: daß wir angefangen hätten. Wenn von drüben angefangen wird, dann ist man genötigt, sich zu verteidigen; und dann können Sie immer lesen, daß von anthroposophischer Seite das und das im Kampfe als Angriff geführt worden ist und so weiter. Es wird immer der Spieß umgedreht. Das ist geradezu Methode bei den Gegnern. Das dürfen wir nicht aufkommen lassen.
[ 17 ] You’ve already accomplished something if you can do just this: simply correct the misconceptions of a small number of your fellow students regarding such matters, even if it happens within the smallest of circles. Yesterday I said to one of our group here regarding the World School Association: I consider it particularly valuable, especially with regard to such matters, to begin by one person speaking to two or three others—that is, in very small groups—even if there are only two; and, to put it quite radically, if one cannot find anyone else, then let him at least say it to himself! So these things are certainly such that one can grasp what the individual is capable of. Individuals will be capable of much more, as has in fact already happened with a doctor who was a member, and whose fellow students proved to be very enthusiastic. The point is that we must not make enemies by acting like fighting cocks in a wild manner, but also that we must not shy away from the struggle when the others start it. That is it: we must always let the others start; and then the necessary support must be behind us, which does not allow a certain tactic to take hold—for a very specific tactic has indeed emerged: that we were the ones who started it. If the other side strikes first, then one is compelled to defend oneself; and then you can always read that, from the anthroposophical side, this or that was carried out as an attack in the struggle, and so on. The tables are always turned. That is practically a method employed by our opponents. We must not allow that to take hold.
[ 18 ] Was den Weltschulverein betrifft, so möchte ich dazu nur noch das eine sagen: Nach meiner Empfindung wäre es wohl das allerbeste, wenn unabhängig voneinander gleichzeitig der Weltschulverein begründet werden könnte in Entente- und in neutralen Ländern, allerdings auch im deutschen mitteleuropäischen Gebiet. Wenn es gleichzeitig geschehen könnte, so daß sozusagen unabhängig voneinander die Dinge gleichzeitig aufschössen, wäre es das allerbeste. Dazu gehört natürlich eine gewisse Wachsamkeit, was etwa geschieht. Es müßte dann, wie ich glaube, ganz besonders von der Schweiz hier eine Vermittlung stattfinden. Es wäre gut, wenn man jetzt gerade für den Augenblick die Sache machen könnte. Ich kann Ihnen versichern: die Dinge sind auf des Messers Schneide — und wenn heute dieselben Kriegsmöglichkeiten vorhanden wären, die im Jahre 1914 vorhanden waren, dann, dann hätten wir längst wiederum Krieg. Es stehen die Dinge in bezug auf Stimmungen und so weiter auf des Messers Schneide. Und wir bekommen so etwas wie diesen Weltschulverein nicht zustande, wenn er zum Beispiel jetzt in Deutschland begründet wird, und dann etwa die anderen, wenn auch nur eine Woche, hintennachtrappen müßten. Er käme einfach nicht zustande; es wäre unpraktisch, es zu machen.
[ 18 ] As for the World School Association, I would like to say just one more thing: In my view, it would be best if the World School Association could be established simultaneously and independently in Entente countries and in neutral countries, as well as in the German-speaking region of Central Europe. If this could happen simultaneously—so that, so to speak, things would spring up at the same time yet independently of one another—that would be the very best outcome. Of course, this requires a certain vigilance regarding what is happening. I believe that Switzerland, in particular, would then need to play a mediating role here. It would be good if we could set this in motion right now, at this very moment. I can assure you: things are on a knife’s edge—and if the same conditions for war existed today as they did in 1914, then, then we would have been at war again long ago. In terms of public sentiment and so on, things are on a knife’s edge. And we wouldn’t be able to get something like this World School Association off the ground if, for example, it were established in Germany now, and then the others had to follow suit, even if only a week later. It simply wouldn’t happen; it would be impractical to do so.
[ 19 ] Dagegen dürfen wir auf der anderen Seite durchaus wiederum das nicht aufkommen lassen, daß wir im geringsten etwa verleugnen, wie wir überhaupt zu den Dingen stehen. Diese Hochschule für Geisteswissenschaft heißt Goetbeanum. Wir haben diesen Namen «Goetheanum» im Verlauf des Weltkrieges hier noch gegeben. Die anderen Nationen, insofern sie sich an der Anthroposophie beteiligt haben, haben den Namen aufgenommen, haben ihn akzeptiert. Wir haben niemals verleugnet, daß wir Gründe haben, die Hochschule für Geisteswissenschaft «Goetheanum» zu nennen, und es wäre daher nicht eigentlich gut, wenn in Deutschland die Sachen als irgendeine Imitation von der anderen Seite auftreten dürften.
[ 19 ] On the other hand, however, we must by no means allow the impression to arise that we in any way deny our stance on these matters. This School of Spiritual Science is called the Goetheanum. We adopted the name “Goetheanum” here during the World War. The other nations, insofar as they have participated in anthroposophy, have adopted the name and accepted it. We have never denied that we have reasons to call the School of Spiritual Science the “Goetheanum,” and it would therefore not be appropriate if things in Germany were to be presented as some kind of imitation from the other side.
[ 20 ] Also es würde sich schon darum handeln, daß man in dieser Beziehung — verzeihen Sie das harte Wort — ein wenig nicht ungeschickt vorgehen würde, daß man es ein wenig geschickt machen würde im größeren Weltkultursinne! Da müßte nun von der Schweiz hier mit vollem Verständnis gearbeitet werden. Es müßte also eigentlich unbedingt gleichzeitig von Mitteleuropa, von der Entente und von Neutralen aus die Sache in die Höhe schießen.
[ 20 ] So it would really be a matter of—forgive the harsh word—not being too clumsy in this regard, of handling it with a bit more skill in the broader sense of world culture! Switzerland would have to work on this with full understanding. So, in fact, it is absolutely essential that Central Europe, the Entente, and the neutral powers all work together to propel the matter forward.
[ 21 ] Vorläufig weiß ich ja noch nicht, ob sie auch nur an einem oder zwei Orten in die Höhe schießen wird. Ich habe heute morgen die Mitteilung bekommen, daß das gestern zusammenberufene Komitee, das so wacker arbeiten wollte, wenige Minuten, nachdem die Versammlung von gestern den Saal verlassen hat, schlafen gegangen ist; es sei auf heute abend vertagt worden. Ob sie heute abend tagen, wollen wir zunächst noch abwarten. Wir haben schon sehr merkwürdige Erfahrungen gemacht; und aus dieser Kenntnis heraus, daß wir schon die verschiedenartigsten Erfahrungen gemacht haben, habe ich mir jetzt erlaubt, zu Ihnen hier darüber zu sprechen, daß man im weiteren Verlauf der Bewegung die gemachten Erfahrungen berücksichtigen soll.
[ 21 ] For now, I don’t yet know whether it will even take off in just one or two places. I received word this morning that the committee convened yesterday—which had intended to work so diligently—went to sleep just a few minutes after yesterday’s assembly had left the hall; it has been postponed until tonight. We’ll have to wait and see whether they meet tonight. We’ve already had some very strange experiences; and based on this knowledge—that we’ve already had a wide variety of experiences—I’ve now taken the liberty of speaking to you here about the need to take these experiences into account as the movement progresses.
[ 22 ] Ich bin aber auf der anderen Seite überzeugt, wenn gerade unter der Kommilitonenschaft sich der nötige starke Impuls und die gehörige Begeisterung finden wird, namentlich für dasjenige, was ich selbst und andere meiner Freunde im Verlaufe dieses Kurses genannt haben: Begeisterung für die Wahrheit — dann wird die Sache gehen.
[ 22 ] On the other hand, however, I am convinced that if the necessary strong impetus and the appropriate enthusiasm can be found—particularly among my fellow students—namely for what I myself and some of my friends have mentioned in the course of this class: enthusiasm for the truth—then the endeavor will succeed.
[ 23 ] Ich möchte noch sagen: Ich habe neulich ein Stück aus einem Feuilleton vorgelesen, und ich kann Ihnen versichern, was neulich in Stuttgart stattgefunden hat, ist nicht im mindesten ein Ende, sondern erst ein Anfang, und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß es noch viel, viel schlimmer kommen wird. Ich habe das zu unseren Freunden hier des öfteren gesagt — vor sehr, sehr langer Zeit schon —, ich habe neulich ein Stück aus einem Feuilleton vorgelesen, in dem steht: «Geistige Feuerfunken, die Blitzen gleich nach der hölzernen Mäusefalle zischen, sind also genügend vorhanden, und es wird schon einiger Klugheit Steiners bedürfen, versöhnend zu wirken, damit nicht eines Tages ein richtiger Feuerfunke der Dornacher Herrlichkeit ein unrühmliches Ende bereitet.»
[ 23 ] I’d like to add: I recently read aloud an excerpt from a feature article, and I can assure you that what happened recently in Stuttgart is by no means the end, but only the beginning, and I can assure you that things will get much, much worse. I have said this to our friends here on numerous occasions—even a very, very long time ago—and I recently read aloud a passage from a cultural supplement that states: “Intellectual sparks, hissing like lightning after the wooden mousetrap, are thus abundant, and it will take quite a bit of Steiner’s wisdom to act as a conciliating force, lest one day a real spark bring an inglorious end to the splendor of Dornach.”
[ 24 ] Ich habe wirklich die Meinung, daß dasjenige, was als Reaktion eintreten muß gegen eine solche Aktion, die immer stärker und stärker werden wird, daß das besser gestaltet und vor allen Dingen energischer wird durchgeführt werden müssen. Und ich glaube, daß Sie, meine lieben Kommilitonen, nach dieser Richtung hin nötig haben, all Ihre jugendliche Begeisterung hineinfließen zu lassen in dasjenige, was wir hier öfter während dieses Kurses genannt haben: Enthusiasmus für die Wahrheit. Jugendlicher Enthusiasmus für die Wahrheit war immer ein sehr guter Impuls in der Fortentwickelung der Menschheit. Möge er es in einer Sache, die Sie für gut erkennen, auch in der nächsten Zukunft durch Sie werden.
[ 24 ] I truly believe that the response required to such an action—which will only grow stronger and stronger—must be better organized and, above all, carried out more vigorously. And I believe that you, my dear fellow students, need to channel all your youthful enthusiasm in this direction—into what we have often referred to here during this course: enthusiasm for the truth. Youthful enthusiasm for the truth has always been a very positive driving force in the further development of humanity. May it, in a cause that you recognize as good, continue to be realized through you in the near future.
