Knowledge — The Task of Youth
Supplements to the Pedagogical Youth Course
GA 217a
6 January 1923, Dornach
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Knowledge—The Task of Youth, tr. SOL
6. Die Erkenntnis-Aufgabe Der Akademischen Jugend
6. The Academic Youth’s Mission of Enlightenment
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich müßte Ihnen ein Buch vorlesen, wenn ich Ihnen mitteilen wollte all die außerordentlich lieben Worte und die Worte inniger Verbindung mit dem, was hier durch die furchtbare Katastrophe verloren worden ist; ich werde mir erlauben, daher nur die Namen derjenigen mitzuteilen, welche unterzeichnet haben solche Worte des Anteiles, des Hingegebenseins an die Sache. Es sind zum Teil Zeichen dafür, wie tief in die Herzen vieler Menschen doch gegangen ist, was von hier aus an die Welt mitgeteilt werden darf. Es sind zum Teil auch Zeichen von wirklich tiefgefühlten Wünschen und auch tatkräftigen Willensentschließungen, das wieder zu erringen, was wir verloren haben. Die breite Anteilnahme an unserer Arbeit und an unserem Verluste wird für viele von Ihnen ja gewiß eine Quelle von Kraft sein können, und schon aus diesem Grunde darf ich hier die Mitteilung von alledem machen. Denn unsere Sache soll ja nicht bloß eine theoretische sein, unsere Sache soll eine Sache der Arbeit, der Menschenliebe, des hingebungsvollen Menschheitsdienstes sein, und deshalb gehört zu dem, was von hier aus gesprochen werden soll, auch die Mitteilung dessen, was Tat oder Absicht zur Tat ist. Ich werde mir nur erlauben, diejenigen Namen zu nennen, die nicht Persönlichkeiten angehören, welche hier sind, denn was sich die Herzen derer mitzuteilen haben, die hier sind, das ist ja in diesen Tagen, in diesen Tagen des wirklich vom Schmerz durchwühlten Zusammenseins mehr stumm, aber doch nicht weniger tief und deutlich zum Ausdrucke gekommen. So werden Sie mir gestatten, daß ich die lieben Freunde der Sache, die hier Ihre Anteilnahme auch schriftlich zum Ausdrucke gebracht haben, jetzt nicht besonders anführe. Sie kennen sie ja. [Es folgt die Verlesung der Namen. ]
[ 1 ] My dear friends! Distinguished guests! I would have to read a book to you if I wanted to convey all the extraordinarily kind words and the words of heartfelt solidarity with what has been lost here as a result of this terrible catastrophe; I will therefore take the liberty of simply sharing the names of those who have signed such words of sympathy and devotion to the cause. In part, they are a sign of how deeply what we share from here with the world has touched the hearts of many people. In part, they are also signs of truly heartfelt wishes and resolute determination to regain what we have lost. The widespread sympathy for our work and our loss will certainly be a source of strength for many of you, and for this reason alone, I feel it is appropriate to share all of this here. For our cause is not meant to be merely theoretical; our cause is to be one of work, of love for humanity, of devoted service to humanity, and therefore what is to be spoken of from here must also include the sharing of what is action or the intention to act. I will take the liberty of mentioning only those names that do not belong to individuals who are present here, for what the hearts of those who are here have to express has, in these days—these days of togetherness truly torn apart by grief—found expression more silently, yet no less deeply and clearly. So please allow me not to specifically mention at this time the dear friends of the cause who have also expressed their sympathy here in writing. You know them, after all. [The names are then read aloud.]
[ 2 ] Wir dürfen schon annehmen, daß in vielen Herzen dasjenige, was hier versucht worden ist, tief eingewurzelt ist, und ich möchte den heutigen Vortragsabend damit ausfüllen, daß ich gewissermaßen episodisch die Betrachtungen dieser Tage unterbreche und des Umstandes gedenke, daß es zunächst ein Kursus war, welcher auswärtige Freunde in größerer Anzahl zu den Freunden hinzugerufen hat, die sonst hier im Goetheanum die anthroposophische Sache sich zu erarbeiten versuchten. Und insbesondere möchte ich mich zuerst in Gedanken wenden an die jungen, an die jüngeren Freunde, welche zu diesem Kursus hierher gekommen sind, und die sich ja zur größten Befriedigung gewiß von allen, welche es mit Anthroposophie ernst meinen, in der letzten Zeit in so schöner, tiefer und herzlicher Weise innerhalb dieser Bewegung eingefunden haben.
[ 2 ] We may safely assume that what has been attempted here is deeply rooted in many hearts, and I would like to fill this evening’s lecture by, so to speak, interrupting the reflections of these past few days with a few anecdotes and recalling the fact that it was initially a course that drew a large number of friends from outside to join the friends who otherwise sought to work through the anthroposophical cause here at the Goetheanum. And in particular, I would like to turn my thoughts first to the young, to the younger friends who have come here for this course, and who—to the great satisfaction, I am sure, of all who take anthroposophy seriously—have recently found their place within this movement in such a beautiful, profound, and heartfelt way.
[ 3 ] Wir müssen uns durchaus klar darüber sein, welche Bedeutung es hat, wenn sich junge Seelen, Seelen, welche in dem Streben darinnen stehen, dasjenige zu erwerben, was heute von einem jungen Menschen erworben werden kann an Wissenschaft, Kunst und so weiter, wenn solche Seelen sich finden, um mitzuarbeiten innerhalb der anthroposophischen Bewegung. Diese jüngeren Freunde, die zu diesem Kursus hier erschienen sind, sie gehören ja nun auch zu denen, die vor kurzer Zeit hierher gekommen sind, das Goetheanum gesehen haben, wiedergesehen haben und wohl gedacht haben, daß sie es in anderem Zustande bei ihrer Rückreise verlassen werden, als das jetzt der Fall ist. Und wenn ich vorzugsweise mich jetzt zuerst in Gedanken an diese jüngeren Freunde wende, dann ist es doch so, daß ein jeder, dem die anthroposophische Bewegung am Herzen liegt, eigentlich als seine unmittelbare Seelensache alles empfinden muß, was irgendwelche Gruppen oder einzelne andere Menschen, die innerhalb der Bewegung sich befinden, angeht. Die jüngeren Freunde sind ja zum großen Teil solche, welche den Weg finden wollen zur anthroposophischen Arbeit aus dem heraus, was man heute das Geistesleben nennt. Und insbesondere möchte ich zuerst zu denen sprechen, welche dem akademischen Leben angehören und aus diesem heraus den Antrieb gefühlt haben — aber kaum durch dieses erzeugt —, sich innerhalb der anthroposophischen Bewegung zu weiterem Streben mit anderen Menschen zusammenzutun.
[ 3 ] We must be absolutely clear about the significance of young souls—souls who are striving to acquire what a young person today can acquire in terms of science, art, and so on—coming together to work within the anthroposophical movement. These younger friends who have come to this course here are, after all, among those who arrived here a short time ago, saw the Goetheanum, saw it again, and likely thought that they would leave it in a different state on their return journey than is currently the case. And while I am turning my thoughts first and foremost to these younger friends, the fact remains that everyone who holds the anthroposophical movement dear to their heart must actually feel everything that concerns any groups or individual people within the movement as a matter close to their own soul. The younger friends are, for the most part, those who wish to find their way to anthroposophical work through what is today called spiritual life. And in particular, I would like to speak first to those who are part of academic life and who, from within that context, have felt the impulse—though hardly generated by it—to join forces with others within the anthroposophical movement in pursuit of further aspirations.
[ 4 ] Da ist es ja ganz gewiß vor allen Dingen der heilige Ernst des Strebens nach einer Erfüllung der menschlichen Seele mit Geistesleben, was diese jungen Leute getrieben hat. Innerhalb der Anthroposophie wird allerdings von einem Geistesleben gesprochen, das in unmittelbarer Anschauung nicht auf jene leichte Weise erworben werden kann, die man heute ganz besonders liebt. Und es wird ja kein Hehl daraus gemacht — auch nicht in der Literatur, aus der sich im weitesten Umkreise jeder überzeugen kann, was er innerhalb der anthroposophischen Arbeit findet —, daß die Wege zur Anthroposophie schwierig sind. Aber schwierig nur aus dem Grunde, weil sie zusammenhängen mit dem Tiefsten, aber auch mit dem Kraftvollsten der Menschenwürde, und weil sie auf der anderen Seite auch zusammenhängen mit dem, was unserem Zeitalter, unserer Epoche ganz besonders notwendig ist, was geradezu so bezeichnet werden darf, daß der Einsichtige, der die Niedergangserscheinungen in unserer Zeit richtig zu würdigen weiß, die Notwendigkeit eines solchen Fortschrittes anerkennen muß, wie er von der anthroposophischen Bewegung wenigstens versucht wird.
[ 4 ] It is certainly, above all else, the solemn earnestness of the quest to fill the human soul with spiritual life that has driven these young people. Within anthroposophy, however, we speak of a spiritual life that cannot be attained through direct perception in that easy way that is so particularly favored today. And it is no secret—not even in the literature, from which anyone can see for themselves, within the broadest possible context, what they find within anthroposophical work—that the paths to anthroposophy are difficult. But they are difficult only because they are connected to the deepest—and also the most powerful—aspects of human dignity, and because, on the other hand, they are also connected to what is particularly necessary for our age, our epoch—something that may be described as follows: the discerning person, who knows how to properly assess the signs of decline in our time, must recognize the necessity of the kind of progress that the anthroposophical movement is at least attempting to achieve.
[ 5 ] Nun darf durchaus nicht außer acht gelassen werden, daß die anthroposophische Sache in mehrfacher Art für den Menschen der Gegenwart etwas sein kann. Sie kann ihm allerdings dadurch etwas werden, daß er mit wirklicher innerer Hingabe versucht, zur Anschauung der geistigen Welten selbst zu kommen, um sich dadurch zu überzeugen, daß alles, was hier mitgeteilt wird aus den geistigen Welten, durchaus auf Wahrheit fußt. Aber ich muß immer und immer wieder betonen, daß — so notwendig es ist, daß einzelne, oder vielleicht eine unbegrenzte Zahl von Menschen in der Gegenwart diesen ernsten, schwierigen Weg gehen — auf der anderen Seite aber doch jeder, der nur unbefangenen, gesunden Menschenverstand hat, eine völlig auf wirkliche innere Gründe gestützte Einsicht in die Wahrheit der Anthroposophie gewinnen kann.
[ 5 ] It must certainly not be overlooked that the anthroposophical cause can mean something to people today in many different ways. It can certainly become meaningful to them if they strive, with genuine inner devotion, to gain a direct insight into the spiritual worlds themselves, thereby convincing themselves that everything communicated here from the spiritual worlds is indeed based on truth. But I must emphasize again and again that—as necessary as it is for individuals, or perhaps an unlimited number of people today, to walk this serious, difficult path—on the other hand, anyone with an open mind and sound common sense can gain an understanding of the truth of anthroposophy based entirely on genuine inner reasons.
[ 6 ] Das muß immer wieder und wieder betont werden, damit nicht der Einwand, der ganz ungültig ist, scheinbar Geltung sich verschaffe: daß eigentlich nur derjenige, der hellsehend in die geistige Welt hineinblickt, irgendwie ein Verhältnis gewinnen könne zu dem, was in der anthroposophischen Bewegung als Wahrheit verkündet wird. Das heutige allgemeine Geistesleben, die allgemeine Zivilisation und Kultur, sie bringen ja allerdings so viele Vorurteile vor den Menschen hin, daß er wegen dieser Vorurteile zur völligen Besinnung im gesunden Menschenverstande nur schwer kommen kann, um auch ohne Hellsehen sich von der Wahrheit der anthroposophischen Sache zu überzeugen.
[ 6 ] This must be emphasized again and again so that the objection—which is entirely invalid—does not appear to gain traction: namely, that only those who can see into the spiritual world through clairvoyance can somehow relate to what is proclaimed as truth in the anthroposophical movement. Today’s general spiritual life, general civilization, and culture do indeed present people with so many prejudices that, because of these prejudices, it is difficult for them to arrive at a clear-headed judgment based on common sense—and thus to convince themselves of the truth of the anthroposophical cause even without clairvoyance.
[ 7 ] Aber gerade dazu sollte die Anthroposophische Gesellschaft die Wege weisen, und in dieser Richtung sollte sie ihre Arbeit leisten, daß die Vorurteile der gegenwärtigen Zivilisation immer mehr und mehr hinweggeräumt werden. Wenn die Anthroposophische Gesellschaft nach dieser Richtung ihre Pflicht tut, dann darf man sich der Hoffnung hingeben, daß jene inneren Erkenntniskräfte auch ohne Hellsehen denjenigen erwachsen, die aus irgendwelchen Gründen die exakte Clairvoyance, von der hier gesprochen werden muß, nicht anstreben können, daß sie doch zu einer vollkräftigen Überzeugung von der Gültigkeit der anthroposophischen Erkenntnis kommen können.
[ 7 ] But it is precisely in this regard that the Anthroposophical Society should point the way, and it is in this direction that it should carry out its work, so that the prejudices of our present-day civilization may be increasingly dispelled. If the Anthroposophical Society fulfills its duty in this direction, then we may hope that those inner powers of insight will develop—even without clairvoyance—in those who, for whatever reason, cannot strive for the precise clairvoyance referred to here, so that they may nevertheless arrive at a fully developed conviction of the validity of anthroposophical knowledge.
[ 8 ] Aber es kann noch ein ganz besonderer Weg sein, den nun der jüngere akademische Mensch heute zur Anthroposophie für sich finden kann. Sehen Sie, was eigentlich heute das akademische Studium geben sollte und geben könnte, wäre der gediegenste Ausgangspunkt, um auch zur eigenen Anschauung — ich sage ausdrücklich: zur eigenen Anschauung — des anthroposophischen Geistesgutes zu kommen, wenn Wissenschaft und Erkenntnis und inneres Leben innerhalb unseres Schulbetriebes so vorhanden wären, wie die Möglichkeit dazu eben heute durchaus vorliegt.
[ 8 ] But there may be yet another very special path that younger academics today can take to discover anthroposophy for themselves. To consider what academic study should and could actually offer today would be the most solid starting point for arriving at one’s own perspective—and I say this explicitly: one’s own perspective—on the anthroposophical spiritual heritage, if science, knowledge, and inner life were present within our school system to the extent that the possibility for this certainly exists today.
[ 9 ] Aber bedenken Sie einmal, wie wenig innerlich verbunden innerhalb der gegenwärtigen Zivilisation der jüngere Mensch heute mit dem ist, was er als seine Wissenschaft, als seine Erkenntnis erstreben soll. Bedenken Sie, wie es zumeist heute nicht anders sein kann, als daß mehr oder weniger als etwas Äußerliches die einzelnen Wissenschaften an den jüngeren Menschen herankommen. Sie treten ja heran mit einer Systematik, die durchaus nicht geeignet ist, die oftmals außerordentlich bedeutungsvollen, sogenannten empirischen Erkenntnisse in ihrem ganzen Wert sprechen zu lassen. Ja, meine lieben Freunde, es gibt heute innerhalb einer jeden Wissenschaft, die gepflegt wird, erschütternde Wahrheiten, manchmal erschütternde Wahrheiten in Einzelheiten, in Spezialitäten. Und es gibt namentlich solche Wahrheiten, von denen ich behaupten möchte, daß, wenn sie richtig an den jungen Menschen herantreten würden, sie wirken würden wie eine Art seelischen Mikroskops oder Teleskops, so daß, wenn sie von der Seele richtig verwendet werden könnten, sie ungeheure Geheimnisse des Daseins aufschließen würden.
[ 9 ] But just consider how little, within today’s civilization, the younger generation is inwardly connected to what they are supposed to strive for as their science, as their knowledge. Consider how, for the most part today, it cannot be otherwise than that the individual sciences approach the younger generation more or less as something external. After all, they are presented with a systematic framework that is by no means suited to allowing the often extraordinarily significant, so-called empirical findings to speak for themselves in their full value. Yes, my dear friends, there are today, within every science that is cultivated, earth-shattering truths—sometimes earth-shattering truths found in details, in specialized fields. And there are, in particular, such truths of which I would like to assert that, if they were presented to young people in the right way, they would act as a kind of spiritual microscope or telescope, so that, if they could be properly utilized by the soul, they would unlock the immense mysteries of existence.
[ 10 ] Aber gerade von solchen Dingen, die ungeheuer aufschlußgebend sein würden, wenn sie richtig gepflegt würden, die die Herzen und die Seelen hinreißen würden, wenn sie aus den Tiefen der Menschheit und der Persönlichkeit heraus innerhalb des akademischen Lebens an die Jugend herankämen, gerade von solchen Dingen muß heute vielfach gesagt werden, daß sie innerhalb einer ausgesponnenen gleichgültigen Systematik oftmals eben mit Gleichgültigkeit an die Jugend herangebracht werden, so daß das Verhältnis der Jugend zu dem, was unsere empirische Wissenschaft auf den mannigfaltigsten Gebieten an Aufschlußmöglichkeiten hervorgebracht hat, ein durchaus Äußerliches bleibt. Und man möchte sagen: mancher, ja, wohl die meisten unserer jungen akademischen Menschen gehen heute durch das Studium ohne inneren Anteil, lassen die Sache gewissermaßen mehr oder weniger als ein Panorama an sich vorübergehen, um dann mit den nötigen Wiederholungen die Examina machen zu können und eine Lebensstellung zu finden.
[ 10 ] But it is precisely these kinds of things—which would be immensely enlightening if they were properly cultivated, which would captivate hearts and souls if they were brought to young people within academic life from the depths of humanity and the individual— it must often be said today that, within an over-elaborated, indifferent system, such things are frequently presented to young people with indifference, so that their relationship to what our empirical science has produced in terms of insights across the most diverse fields remains entirely superficial. And one might say: many—indeed, probably most—of our young academics today go through their studies without any inner engagement, letting the material pass them by, so to speak, more or less as a panorama, so that they can then pass their exams with the necessary repetition and find a position in life.
[ 11 ] Es klingt ja fast paradox, wenn man sagen würde, es sollten auch die Herzen der akademischen Jugend bei jeglichem sein, das ihnen vorgebracht wird. Ich sage, das klingt wie ein Paradoxon, obwohl es so sein könnte. Denn die Möglichkeit ist vorhanden, weil für denjenigen, der gerade dazu eine subjektive Anlage hat, heute manchmal das trockenste Buch oder der trockenste Vortrag genügen kann, um, wenn auch nicht auf die Kraft des Schreibers oder des Vortragenden hin, so doch vielleicht aus der eigenen Kraft heraus tief auch dem Herzen nach ergriffen zu werden. Aber ich muß ja sagen: manchmal geht es einem schon ganz tief zur Seele, wenn man, vielleicht sogar bei den besten der jungen Freunde, die herankommen zur anthroposophischen Bewegung, merkt, daß sie nicht durch ihre Schuld, sondern durch ihr Schicksal innerhalb des heutigen Zivilisationslebens nicht nur für ihr Herz nichts bekommen haben aus dem gegenwärtigen Erkenntnisbetrieb heraus, sondern — vielleicht werden mir es manche nicht verzeihen, aber die meisten der jungen Akademiker, die hier sind, werden es wohl verstehen —, sondern auch nichts für ihren Kopf.
[ 11 ] It almost sounds paradoxical to say that the hearts of young scholars should also be engaged in whatever is presented to them. I say this sounds like a paradox, although it might well be true. For the possibility exists that, for those who have a particular subjective predisposition, even the driest book or the driest lecture can sometimes be enough today to move them deeply—even in their hearts—if not through the power of the writer or the lecturer, then perhaps through their own inner strength. But I must say: sometimes it really touches one’s soul deeply when one notices—perhaps even among the best of the young friends who are drawn to the anthroposophical movement—that, through no fault of their own but by the force of their fate within today’s civilization, they have gained nothing from the current pursuit of knowledge, not only for their hearts but—and perhaps some will not forgive me for saying this, but most of the young academics here will probably understand—but they have also gained nothing for their minds.
[ 12 ] Wir sind heute in diesem Zeitalter durch die naturwissenschaftliche Entwickelung, die ich während dieses naturwissenschaftlichen Kurses zu charakterisieren versuchte, bei einem Punkte der Zivilisationsentwickelung angelangt, in dem es möglich wäre, daß ohne alle Anthroposophie, durch bloßen vollmenschlichen Betrieb des wissenschaftlichen und Erkenntnislebens, die jungen Menschen aus der gewöhnlichen Naturwissenschaft heraus das erleben müßten, was ich nennen möchte eine Art tiefer seelischer Beklemmung. Ja, die Naturwissenschaft der Gegenwart ist so, daß gerade derjenige, der sie emsig und fleißig studiert und ihre Dinge ernst nimmt, etwas wie eine seelische Beklemmung empfindet, etwas von dem empfinden kann, was über die menschliche Seele kommt, wenn sie ringt mit dem Erkenntnisproblem. Denn wer sich ein bißchen umsieht aus dem oder jenem heraus, was innerhalb der Naturwissenschaft heute vorliegt, an den treten große Weltprobleme heran, Weltprobleme, die aber oftmals eingekleidet sind, ich möchte sagen, in kleine Formulierungen von Tatsachen. Und diese Formulierungen von Tatsachen, die drängen einen dahin, etwas in der eigenen Seele zu suchen, was gerade deshalb, weil diese naturwissenschaftlichen Wahrheiten vorhanden sind, als Rätsel gelöst werden muß; sonst kann man nicht leben, sonst fühlt man sich beklemmit.
[ 12 ] Today, in this age, thanks to the development of the natural sciences—which I have attempted to characterize during this course on the natural sciences— have reached a point in the development of civilization where it would be possible—even without any anthroposophy, through the purely human pursuit of scientific and intellectual life—for young people, based on ordinary natural science alone, to experience what I would like to call a kind of deep spiritual unease. Indeed, contemporary natural science is such that precisely those who study it diligently and earnestly and take its subject matter seriously experience something like a sense of spiritual unease—they can sense something of what comes over the human soul when it grapples with the problem of knowledge. For anyone who looks around a little at this or that aspect of what is currently available within the natural sciences is confronted with great world problems—world problems that are, however, often cloaked, I would say, in brief statements of fact. And these statements of fact compel one to seek something within one’s own soul—something that, precisely because these scientific truths exist, must be unraveled as a mystery; otherwise, one cannot live, otherwise one feels oppressed.
[ 13 ] Oh, wäre diese Beklemmung die Frucht unseres naturwissenschaftlichen Studiums! Dann würde aus dieser Beklemmung, die den ganzen Menschen ergreift, nicht allein die Sehnsucht nach der geistigen Welt entstehen, sondern auch die Begabung, in die geistige Welt hineinzuschauen. Auch dann, wenn man Erkenntnisse nimmt, die den Menschen nicht befriedigen können, kann gerade durch das richtig an die Seele und an das Herz herangebrachte Unbefriedigende das höchste Streben entfacht werden.
[ 13 ] Oh, if only this sense of foreboding were the fruit of our scientific studies! Then this sense of foreboding, which grips the whole human being, would give rise not only to a longing for the spiritual world, but also to the gift of being able to glimpse into that spiritual world. Even when one accepts insights that cannot satisfy people, it is precisely through what is unsatisfying—when presented correctly to the soul and the heart—that the highest aspirations can be kindled.
[ 14 ] Das ist es, meine lieben Freunde, was man manchmal als so furchtbar empfindet, als so niederschmetternd empfindet innerhalb des Erkenntnisbetriebes der Gegenwart, daß gar kein Anspruch darauf gemacht wird, fühlen zu lassen, wie die Dinge, die in der Gegenwart da sind, auf den ganzen Menschen so wirken können, daß er gehindert wird in seinem jungen Leben, überhaupt an das Menschenwürdigste heranzukommen, wenn er nicht gerade aus einer besonders veranlagten Sehnsucht heraus sich frei macht von dem, was ihn nur mit den Hindernissen behaftet, die in den Weg gelegt werden.
[ 14 ] This, my dear friends, is what is sometimes perceived as so terrible, as so devastating within the intellectual landscape of the present: that no attempt is made to to let people feel how the things that exist in the present can affect the whole person in such a way that he is prevented, in his young life, from even approaching what is most human, unless he frees himself—out of a particularly innate longing—from what burdens him only with the obstacles that are placed in his path.
[ 15 ] Und wenn man von den Naturwissenschaften weg zu den Geisteswissenschaften sieht: sie sind während des naturwissenschaftlichen Zeitalters in einen Zustand gekommen, daß, wenn man als junger Mensch mit einer Anleitung, die diese Geisteswissenschaften wiederum vom vollmenschlichen Standpunkte aus behandeln würde, sich ihnen so hingeben könnte, daß man durch sie wenigstens etwas bekommen würde, was ich nennen möchte eine seelische Atemnot. Denn alle die abstrakten Ideen, die Ergebnisse dokumentarischer Forschung und all das andere, was heute in den Geisteswissenschaften enthalten ist, das würde, wenn es wenigstens mit menschlichem Anteil an den jungen Menschen herangebracht würde, ja gerade das Ziel verfolgen können, in ihm diese Atemnot der Seele zu erzeugen, die den Drang in ihm erwecken würde, hinaufzusteigen in die frische Luft, die in das Gebiet der heutigen Geistesbetrachtung durch anthroposophische Weltanschauung gebracht werden soll.
[ 15 ] And if we look away from the natural sciences toward the humanities: during the age of the natural sciences, they have reached a state where, if a young person were to approach them with guidance that treated these humanities from a fully human perspective, they could devote themselves to them in such a way that they would gain, through them, at least something I would like to call a spiritual breathlessness. For all the abstract ideas, the results of documentary research, and everything else that is contained in the humanities today, if presented to young people with at least a human touch, could indeed pursue the very goal of creating within them this breathlessness of the soul—which would awaken in them the urge to ascend into the fresh air that is to be brought into the realm of contemporary spiritual contemplation through the anthroposophical worldview.
[ 16 ] Wer dem Geiste meiner Vorträge über die naturwissenschaftliche Entwickelung der neueren Zeit gefolgt ist, wird gewiß nicht sagen können, daß ich eine überflüssige Kritik an diese Naturwissenschaft der Gegenwart angelegt habe. Im Gegenteil, ich habe durch meine Vorträge ihre Notwendigkeit bewiesen, habe versucht zu beweisen, daß die Naturwissenschaft und schließlich auch die Geisteswissenschaft der Gegenwart nichts anderes sein können als Grundlagen, denn sie dienten und müssen dienen zu Grundlagen der Zivilisation, die einmal gelegt werden müssen, damit weitergebaut werden kann darauf.
[ 16 ] Anyone who has followed the spirit of my lectures on the development of modern natural science will certainly not be able to say that I have leveled an unnecessary criticism at contemporary natural science. On the contrary, through my lectures I have demonstrated their necessity; I have attempted to prove that contemporary natural science—and ultimately the humanities as well—can be nothing other than foundations, for they have served and must serve as the foundations of civilization, which must first be laid so that further construction can take place upon them.
[ 17 ] Aber der Mensch kann nicht anders, als Mensch sein, voller Mensch sein nach Leib, Geist und Seele. Und indem der heutige junge Mensch in einem Zeitalter leben muß, in dem ihm notwendigerweise etwas entgegentritt, was den Menschen gar nicht enthält, könnte dennoch das edelste und auch kraftvollste menschliche Streben erregt werden, wenn eben nur dasjenige, was notwendig, aber nicht menschlich befriedigend ist, im höchsten Sinne des Wortes aus voller Menschlichkeit ihm heute entgegengebracht würde. Wenn das so geschähe, dann würden unsere jungen Leute nichts anderes brauchen als die Errungenschaften der heutigen physikalischen Wissenschaft, der heutigen Geisteswissenschaften an den Akademien selber zu hören; und sie würden gerade daraus nicht nur den innersten Drang, sondern auch die Befähigung erhalten, Geisteswissenschaft in Vollmenschlichkeit in sich aufzunehmen. Und aus dem, was dann leben würde in den jungen Menschen, würde ganz von selbst erwachsen, daß ihnen die anthroposophische Gestalt der Wissenschaft auch diejenige würde, die notwendig ist, damit wir weiterkommen in der Zivilisation der Menschheit.
[ 17 ] But human beings cannot help but be human, to be fully human in body, mind, and soul. And since today’s young people must live in an age in which they are inevitably confronted with something that does not at all embody humanity, the noblest and most powerful human aspiration could nevertheless be stirred—if only that which is necessary but not humanly satisfying were presented to them today, in the highest sense of the word, out of a spirit of full humanity. If that were to happen, then our young people would need nothing more than to hear the achievements of today’s physical sciences and today’s humanities presented directly at the universities themselves; and from this very experience they would gain not only the innermost urge but also the capacity to absorb the humanities in a fully human way. And from what would then come alive within these young people, it would arise quite naturally that the anthroposophical form of science would also become for them the very form necessary for us to make further progress in the civilization of humanity.
[ 18 ] Ich glaube, daß unsere jüngeren Freunde, wenn sie sich die vielleicht etwas paradox klingenden Worte, die ich gesprochen habe, richtig überlegen, damit einigermaßen charakterisiert finden werden die wichtigsten der Leiden, die sie während ihrer akademischen Zeit durchzumachen hatten. Und ich darf annehmen, daß in diesem Leiden bei der . Mehrzahl der Grund liegt, warum sie zu uns gekommen sind. Aber dieses Leiden gehört bei vielen schon einer Vergangenheit, einer nicht mehr einzuholenden Vergangenheit an. Denn was man eigentlich in einer gewissen Zeit der Jugend haben sollte, das kann man ja in derselben Gestalt später nicht mehr haben. Aber dennoch glaube ich, daß eines als Ersatz dienen kann. Was ‚Ersatz sein soll für das, was man nicht mehr haben kann, das ist die Erkenntnis der Aufgabe, die insbesondere auch die jüngeren Leute unter uns haben zur Pflege des anthroposophischen Lebens in der Gegenwart. |
[ 18 ] I believe that if our younger friends give careful thought to the words I have spoken—which may sound somewhat paradoxical—they will find that they reasonably characterize the most significant of the hardships they had to endure during their time at university. And I may assume that this suffering is, for the majority, the reason why they have come to us. But for many, this suffering already belongs to the past—a past that can never be recaptured. For what one should actually have during a certain period of youth cannot be had again later in the same form. Nevertheless, I believe that one thing can serve as a substitute. What is meant to be a substitute for what one can no longer have is the recognition of the task—which the younger people among us, in particular, have—of nurturing anthroposophical life in the present. |
[ 19 ] Stellt Ihr Euch diese Aufgabe: zu tun für die anthroposophische Bewegung, was Ihr aus Eurer eigenen Überzeugung entweder schon wisset, was für sie zu tun ist, oder wovon Ihr im Laufe der Zeit Euch in Eurem eigensten Innern, in Eurem ganz individuellen Innern überzeugen könnt, daß es notwendig ist für die weitere Zivilisauon der Menschheit: dann werdet Ihr eines in Eurem Herzen einmal tragen können, tragen können länger als dieses Erdenleben währet: dann werdet Ihr tragen können das Bewußtsein, in einem Zeitalter der größten menschlichen Schwierigkeiten Eure Pflicht gegenüber der Menschheit und der Welt getan zu haben. Und das wird ein reichlicher Ersatz für dasjenige sein, was Ihr mit Recht verlorengeben möget.
[ 19 ] Set yourselves this task: to do for the anthroposophical movement what you already know—based on your own conviction—must be done for it, or what you will come to be convinced of over time, deep within yourselves, in your very own innermost being, that it is necessary for the further civilization of humanity: then you will one day be able to carry something in your heart, to carry it longer than this earthly life lasts: then you will be able to carry the awareness that, in an age of the greatest human difficulties, you have fulfilled your duty toward humanity and the world. And that will be ample compensation for whatever you may rightly have lost.
[ 20 ] Empfindet man so recht, wie es steht mit der Jugend innerhalb unseres Zeitalters, dann sieht man auch in der richtigen Weise auf die Tatsache hin, daß akademische Jugend innerhalb unserer Kreise sich eingefunden hat, und dann wird wohl auch — wenn ich mich so ausdrükken darf — nach und nach das Talent entstehen, ein Verhältnis zu dieser Jugend zu gewinnen von seiten derjenigen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, welche ihr nun, sagen wir, nicht als Jugend angehören in dieser oder jener Beziehung.
[ 20 ] If one truly understands the situation of young people in our time, then one will also view in the right light the fact that young academics have found their way into our circles, and then—if I may put it that way—the ability will gradually emerge, on the part of those within the Anthroposophical Society who do not, so to speak, belong to this group as young people in one respect or another, to establish a relationship with these young people.
[ 21 ] Aber ich glaube, &s gibt ein Wort, welches aus unserer gegenwärtigen Trauerlage herkommen kann, das ich auch zu den ältesten’ Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft sprechen kann, und das ist dieses: daß der Mensch, der heute sich als Mensch richtig versteht, innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ja erfahren kann, was wiederum mit Ernst betrachtet werden muß, wenn die Zivilisation der Menschheit weitergehen soll, wenn die Niedergangskräfte nicht die Oberhand gewinnen sollen über die Aufgangskräfte. Es ist ja nahezu so weit gekommen innerhalb der allgemeinen Kultur und Zivilisation der Gegenwart, daß es fast komisch klingt, wenn einer sagt: Wenn der Mensch in seinem Geistig-Seelischen ist zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, so sollte er dafür gesorgt haben, daß sein Geistig-Seelisches sich während dieser Zeit in der richtigen Weise verhalten kann. Aber innerhalb der anthroposophischen Bewegung erfahren Sie ja, daß dieses Geistig-Seelische, wie es lebt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, der Keim ist, den wir in die Ewigkeit der Zukunft hinaustragen. Was wir im Bette zurücklassen, wenn wir schlafen, dasjenige, was von uns sichtbar ist, wenn wir vom Morgen bis zum Abend unser Tageswerk vollbringen, das tragen wir nicht hinaus durch die Pforte des Todes in die geistige, in die übersinnliche Welt. Wohl aber tragen wir jenes geistig Feine hinaus, das außerhalb des physischen und des Ätherleibes vorhanden ist, wenn der Mensch sich zwischen dem Einschlafen und Aufwachen befindet. Sehen wir jetzt ab davon, welche Bedeutung das Schlafesleben für den Menschen hier auf Erden hat; das aber kann durch anthroposophische Geisteswissenschaft dem Menschen klar werden, daß jenes Feine, Substantielle, welches, für das gewöhnliche Bewußtsein unwahrnehmbar, zwischen dem Einschlafen und Aufwachen lebt, gerade dasjenige ist, was er an sich tragen wird, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, wenn er in anderen Welten, als es diese Erdenwelt ist, seine Aufgabe zu verrichten hat. Aber die Aufgaben, die er da zu verrichten hat, er wird sie verrichten können, je nachdem er dieses Geistig-Seelische gepflegt hat. Oh, meine lieben Freunde, in jener geistigen Welt, die um uns ist ebenso wie die physische Welt, leben auch diejenigen Menschenseelenwesen ein gegenwärtiges Dasein, die jetzt eben nicht in einem physischen Leibe sind, sondern vielleicht Jahrzehnte, Jahrhunderte lang noch zu warten haben auf ihre nächste Erdenverkörperung. Diese Seelen, sie sind da, wie wir physischen Menschen auf Erden da sind; und in dem, was hier unter uns physischen Menschen geschieht, was wir dann später das geschichtliche Leben nennen, in dem wirken nicht nur die Erdenmenschen, in dem wirken auch diejenigen Kräfte, die sich hereinstrecken aus Menschen, die gegenwärtig zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sind. Diese Kräfte sind da. Wie wir unsere Hände ausstrecken, so strecken diese Wesen ihre Geisterhände in die unmittelbare Gegenwart herein. Und eine wüste Geschichtsschreibung ist es, wenn nur die Do'kumente verzeichnet werden, welche vom Irdischen handeln, während die wahre Geschichte, die sich auf Erden abspielt, mit bewirkt wird von den aus der geistigen Welt hereinwirkenden Geisteskräften derer, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sind. Wir arbeiten auch mit den nicht auf der Erde verkörperten Menschen zusammen.
[ 21 ] But I believe there is a word that can arise from our current state of mourning, one that I can also address to the “oldest” members of the Anthroposophical Society, and that is this: that the person who truly understands themselves as a human being today can indeed experience within the Anthroposophical Society what must once again be taken seriously if human civilization is to continue, if the forces of decline are not to gain the upper hand over the forces of ascent. Things have indeed come so far within the general culture and civilization of the present day that it almost sounds comical when someone says: When a person is in their spiritual-soul state between falling asleep and waking up, they should have ensured that their spiritual-soul nature can behave in the right way during this time. But within the anthroposophical movement, you learn that this spiritual-soul aspect, as it lives between falling asleep and waking up, is the seed that we carry out into the eternity of the future. What we leave behind in bed when we sleep—that which is visible of us as we carry out our daily work from morning to evening—we do not carry through the gate of death into the spiritual, the supersensible world. Rather, we carry out that subtle spiritual essence that exists outside the physical and etheric bodies when a person is in the state between falling asleep and waking up. Let us now set aside the significance of the life of sleep for human beings here on earth; Anthroposophical spiritual science can make it clear to us that this subtle, substantial substance—which, imperceptible to ordinary consciousness, exists between falling asleep and waking up—is precisely what a person will carry with them once they have passed through the gate of death, when they have a task to fulfill in worlds other than this earthly one. But the tasks they have to perform there—they will be able to perform them depending on how well they have nurtured this spiritual-soul aspect. Oh, my dear friends, in that spiritual world that surrounds us just as much as the physical world, there also live human soul-beings who are currently not in a physical body but who may still have to wait decades or even centuries for their next incarnation on Earth. These souls are present just as we physical human beings are present on Earth; and in what takes place here among us physical human beings—what we later call “historical life”—it is not only earthly human beings who are at work, but also those forces that reach in from human beings who are currently between death and a new birth. These forces are present. Just as we reach out our hands, so do these beings reach their spiritual hands into the immediate present. And it is a barren form of historiography when only those documents dealing with earthly matters are recorded, while the true history unfolding on Earth is co-created by the spiritual forces of those who are between death and a new birth, forces that act from the spiritual world. We also work together with people who are not incarnated on Earth.
[ 22 ] Und so wie wir eine Sünde begehen wider die Menschheit, wenn wir die Jugend nicht in der rechten Weise erziehen, so begehen wir eine Sünde wider die Menschheit, eine Sünde wider die edelste Arbeit, die aus unsichtbaren Welten von den nicht verkörperten Menschen verrichtet werden soll, wir begehen eine Sünde an der Entwickelung der Menschheit, wenn wir unser eigenes Geistiges nicht pflegen, damit es so durch die Pforte des Todes geht, daß es dort bewußter und bewußter sich entwickeln kann. Denn wenn das Geistig-Seelische nicht auf Erden gepflegt wird, dann geschieht es, daß dieses Bewußtsein, das in einer gewissen Weise sofort und dann immer mehr und mehr zwischen dem Tod und einer neuen Geburt aufleuchtet, daß dieses Bewußtsein getrübt bleibt bei all den Seelen, die hier kein geistiges Leben pflegen. Wird sich der Mensch seiner vollen Menschlichkeit bewußt, dann gehört das Geistige dazu.
[ 22 ] And just as we commit a sin against humanity when we fail to educate the youth in the right way, so too do we commit a sin against humanity, a sin against the noblest work that is to be carried out in the invisible worlds by disembodied human beings, we commit a sin against the development of humanity when we fail to nurture our own spiritual nature so that it may pass through the gate of death in such a way that it can develop there with ever-greater consciousness. For if the spiritual-soul aspect is not cultivated on Earth, then it happens that this consciousness—which, in a certain way, flashes up immediately and then more and more between death and a new birth—remains clouded in all those souls who do not cultivate a spiritual life here. If a human being becomes aware of their full humanity, then the spiritual is part of it.
[ 23 ] Das sollte der Ernst der Menschen der Gegenwart sein, die in rechter Art etwas verstehen von den Impulsen der anthroposophischen Bewegung, daß sie wissen, in welcher Weise das durch anthroposophische Geisteswissenschaft Erworbene ein Welten-Lebensgut, eine WeltenLebenskraft ist. Daß es eine Sünde begehen heißt im höheren Sinne, wenn man unterläßt dasjenige zu pflegen, was da sein muß, um die Erde, um die Erdenmenschheit weiter zu entwickeln, weil es zum Untergange des Irdischen führen muß, wenn es nicht da ist. Und in vielem kommt es darauf an, neben dem, was man vielleicht gern mehr oder weniger theoretisch hinnimmt aus der Geisteswissenschaft, zu empfinden den tiefen Ernst, der darin liegt, sich zu verbinden mit einer im Geiste zu ergreifenden, umfassenden Menschheitsangelegenheit.
[ 23 ] This should be the earnest concern of people today who truly understand the impulses of the anthroposophical movement: that they know in what way what has been attained through anthroposophical spiritual science is a treasure of world life, a world life force. That it is, in the higher sense, a sin to neglect to nurture what must be present in order to further develop the Earth and humanity, because its absence must lead to the downfall of the earthly realm. And in many respects, it is essential—in addition to what one may accept more or less theoretically from spiritual science—to feel the profound seriousness inherent in connecting with a comprehensive human cause that must be grasped in the spirit.
[ 24 ] Und das, meine lieben Freunde, ist etwas, was nun nicht für eine besondere Menschenkategorie gilt, das ist etwas, was ganz gewiß für Junge und Alte gilt. Das scheint mir aber auch dasjenige zu sein, in dem sich Junge und Alte zusammenfinden können, damit ein Geist einmal herrsche innerhalb dessen, was Anthroposophische Gesellschaft ist.
[ 24 ] And that, my dear friends, is something that does not apply to any particular category of people; it is something that most certainly applies to both young and old. But it also seems to me to be the very thing in which young and old can come together, so that a spirit may one day reign within the Anthroposophical Society.
[ 25 ] Mögen die jüngeren Leute ihr Bestes bringen, mögen die älteren Leute dieses Beste verstehen, möge Verständnis von der einen Seite Verständnis auf der anderen Seite finden: dann allein kommen wir vorwärts. Lassen Sie uns aus den traurigen Tagen, die wir durchgemacht haben, aus dem schmerzlichen Leid, mit dem wir durchdrungen sind, Entschlüsse in unser Herz eindringen, die nicht bloße Wünsche, nicht bloße Gelobungen sind, sondern die so tief in unseren Seelen sitzen, daß sie Taten werden können. Auch im kleinen Kreise werden wir, wenn wir den großen Verlust ausgleichen wollen, Taten brauchen.
[ 25 ] May the younger people do their best; may the older people understand that best; may understanding on one side find understanding on the other: only then will we move forward. Let the sad days we have endured and the painful suffering that permeates us inspire resolutions in our hearts—resolutions that are not mere wishes or mere vows, but are so deeply rooted in our souls that they can become deeds. Even in a small circle, if we wish to make up for this great loss, we will need to take action.
[ 26 ] Jugendtaten sind, wenn sie in den richtigen Wegen gehen, weltenbrauchbare Taten. Und das Schönste, was man als älterer Mensch wollen kann, ist, zusammenarbeiten zu können mit denjenigen Menschen, die noch Jugendtaten verrichten können. Wenn man das in der richtigen Weise weiß, oh, meine lieben Freunde, dann kommt einem die Jugend wohl auch verständnisvoll entgegen. Und nur dann werden wir selbst das allein tun können, was zum Ausgleich unseres großen Verlustes notwendig ist, wenn die Jugend, die uns das entgegenbringen kann, was einstmals für die Zukunft notwendig ist, sehen kann — und ganz gewiß dann zu ihrer eigenen Befriedigung —, an schönen Beispielen sehen kann, was die älteren Leute zur Ausgleichung dieses Verlustes tun können.
[ 26 ] The deeds of youth, when they follow the right path, are deeds that benefit the world. And the most wonderful thing an older person can hope for is to be able to work together with those who are still capable of performing the deeds of youth. If one understands this in the right way, oh, my dear friends, then young people will surely meet us with understanding. And only then will we ourselves be able to do what is necessary to compensate for our great loss—when young people, who can offer us what was once necessary for the future, can see—and certainly for their own satisfaction—through fine examples what older people can do to make up for this loss.
[ 27 ] Bemühen wir uns, daß wir voneinander Rechtes, Kraftvolles sehen ‚können, damit sich Kraft an Kraft erkrafte, dann allein werden wir vorwärtskommen.
[ 27 ] Let us strive to see what is right and powerful in one another, so that strength may be drawn from strength; only then will we move forward.
