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Knowledge — The Task of Youth
Supplements to the Pedagogical Youth Course
GA 217a

8 February 1923, Stuttgart

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Knowledge—The Task of Youth, tr. SOL
  1. Die Erkenntnis—Aufgabe der Jugend

7. Über den Ausbau der Anthroposophischen Gesellschaft

7. On the Expansion of the Anthroposophical Society

[ 1 ] Rudolf Steiner: Man ist jetzt so weit, daß wenigstens der Entwurf eines Rundschreibens an die Anthroposophische Gesellschaft gemacht ist. Damit ist eine Art Boden geschaffen, auf dem eine Verhandlung möglich wäre. Ich glaube, daß es jetzt vielleicht gut wäre, wenn Sie das, was Sie selber wünschen, in einer gemeinsamen Verhandlung mit dem bis zu einer Delegiertenversammlung vorhandenen Komitee verhandeln würden. Dieses Komitee ist rein sachlich zusammengestellt, so sachlich, daß nicht, wie es früher war in dem Ihnen bekannten Dreißiger-Ausschuß, die Mitglieder der einzelnen Institute, sondern diejenigen, welche die bestehenden Einrichtungen zu repräsentieren haben, in diesem Komitee darinnen sind. Dieses Komitee ist so zusammengesetzt, daß von dem alten Zentralvorstand Herr Leinhas für den «Kommenden Tag», Dr. Unger als Rest des alten Zentralvorstandes, Dr. Rittelmeyer als Repräsentant der Bewegung für religiöse Erneuerung, dann Wolfgang Wachsmuth, Herr von Grone, Dr. Palmer, Dr. Kolisko, für den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag Fräulein Mücke und für die übrigen auswärtigen Interessen Herr Werbeck aus Hamburg darinnen sind. Die sieben Stuttgarter habe ich gebeten, daß sie mit Ihnen gemeinschaftlich die von Ihnen gemeinten Schritte unternehmen. Ich werde selber morgen früh nach Dornach abreisen müssen und am Montag wieder da sein. Ich bedaure, daß ich an den nächsten Besprechungen nicht teilnehmen kann. Ich glaube nun, daß es jetzt das allerbeste ist, da ja mit mir selbst auch von Ihrer Seite keine Differenz sein kann, daß Sie rein von sich aus die Verhandlungen mit diesen Persönlichkeiten führen. So wie die Verhältnisse liegen, sind diese Persönlichkeiten die gegebenen, da alle Schattierungen unter ihnen vertreten sind; die jugendlichen durch die Anwesenheit von Herrn von Grone und Wolfgang Wachsmuth — ich sehe ab, ob Ihnen diese beiden sympathisch sind —, die ja völlig jungfräulich in bezug auf alle Vorstandschaft sind. Außerdem hat Dr. Palmer erklärt, daß er jede mögliche Brücke zu der Jugend bauen will.

[ 1 ] Rudolf Steiner: We have now reached the point where at least a draft of a circular letter to the Anthroposophical Society has been prepared. This lays a kind of foundation on which negotiations would be possible. I believe it might now be a good idea for you to discuss your own wishes in joint negotiations with the committee that will remain in place until the delegates’ assembly. This committee is composed purely on a functional basis—so functional, in fact, that unlike the “Committee of Thirty” you are familiar with, it does not include members of the individual institutes, but rather those who are tasked with representing the existing institutions. This committee is composed as follows: from the former Central Executive Committee, Mr. Leinhas representing Der Kommende Tag, Dr. Unger as the remaining member of the old Central Executive Committee, Dr. Rittelmeyer as the representative of the Movement for Religious Renewal, then Wolfgang Wachsmuth, Mr. von Grone, Dr. Palmer, Dr. Kolisko, Miss Mücke representing the Philosophical-Anthroposophical Publishing House, and Mr. Werbeck from Hamburg representing the other external interests. I have asked the seven from Stuttgart to work together with you to take the steps you have in mind. I myself will have to leave for Dornach tomorrow morning and will be back on Monday. I regret that I will not be able to participate in the upcoming meetings. I now believe that the very best course of action—since there can be no disagreement on your part regarding me—is for you to conduct the negotiations with these individuals entirely on your own initiative. As things stand, these individuals are the ones available, since all shades of opinion are represented among them; the younger generation is represented by Mr. von Grone and Wolfgang Wachsmuth—I’ll leave it to you to decide whether you find these two likable—who are, of course, completely new to any leadership role. Furthermore, Dr. Palmer has stated that he wants to build every possible bridge to the younger generation.

[ 2 ] Der Aufruf an die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft ist im Entwurf vorhanden. Er wird im wesentlichen das enthalten, was jetzt die Anthroposophische Gesellschaft sagen mußte. Er mußte naturgemäß aus denen hervorgehen, die die Anthroposophische Gesellschaft bis jetzt geführt haben. Vom 25. bis 28. Februar wird eine Delegiertenversammlung insofern stattfinden, als die einzelnen Zweige und Gruppen, die sich zusammengehörig betrachten, ihre Delegierten hierherschicken, damit eine Art Generalversammlung stattfinden soll. Damit ist Gelegenheit gegeben, alle Ansichten über den Ausbau vertreten zu können. Bis jetzt stand man ja vor der Alternative, es so zu machen oder aber die Anthroposophische Gesellschaft, so wie sie war, eingehen zu lassen und etwas völlig Neues zu begründen. Im Jahre 1918 hätte man leichter Hand etwas Neues begründen können. Jetzt steht man vor positiven Einrichtungen, mit denen man vor der Welt engagiert ist und aus denen man nicht herauskommt, daher muß alles aus der Gesellschaft heraus entstehen. Die Gesellschaft selbst muß in sich freier gestaltet sein, und es muß unmöglich sein, sich in ihr beengt zu fühlen. Ich denke, es wird gehen, möchte aber gerne etwas hören, was Sie von sich aus zu sagen haben. Daß es so lange gedauert hat, bis wir so weit waren, muß man auf die Bedächtigkeit des Alters schieben. Wir werden gerne hören, was Sie im gegenwärtigen Augenblick zu sagen haben.

[ 2 ] The appeal to the members of the Anthroposophical Society is currently in draft form. It will essentially contain what the Anthroposophical Society has had to say at this time. Naturally, it had to come from those who have led the Anthroposophical Society up to now. From February 25 to 28, a delegates’ assembly will take place, in that the individual branches and groups that consider themselves part of the same body will send their delegates here so that a kind of general assembly can be held. This will provide an opportunity to present all views regarding the Society’s future development. Until now, we have faced the alternative of either proceeding in this way or allowing the Anthroposophical Society, as it was, to come to an end and founding something entirely new. In 1918, it would have been easier to found something new. Now we are faced with established institutions through which we are committed to the world and from which we cannot extricate ourselves; therefore, everything must arise from within the Society. The Society itself must be structured in a way that allows for greater freedom within it, and it must be impossible to feel constrained within it. I think it will work, but I would like to hear what you have to say on your own initiative. The fact that it has taken so long for us to reach this point must be attributed to the deliberateness of old age. We will be happy to hear what you have to say at this moment.

[ 3 ] Ein Vertreter der Jugend spricht über das Darinnenstehen der jüngeren Menschen in der Gesellschaft mit Rücksicht auf das, was Dr. Steiner in dem letzten Stuttgarter Zweigvortrag über die einzelnen Phasen in der Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft gesagt hat.

[ 3 ] A youth representative speaks about the place of young people in society, with reference to what Dr. Steiner said in his most recent lecture at the Stuttgart branch on the individual phases in the history of the Anthroposophical Society.

[ 4 ] Rudolf Steiner: Was Sie sagten von der Scheidewand, die entstanden ist im Zusammenhang mit der ersten, zweiten und dritten Phase der Bewegung, die sehr deutlich voneinander zu scheiden sind, ist richtig. Man muß ja berücksichtigen, daß die einzelnen Phasen annähernd sieben Jahre gewährt haben, wie ja die Gesellschaft selbst etwa im einundzwanzigsten Lebensjahr steht. Was richtig ist, ist dieses: die Impulse des Eintretens und der Beteiligung sind eigentlich bei den früheren Mitgliedern andere gewesen als jetzt bei den wesentlich akademisch-jugendlichen Kreisen. Sie sind insofern verschieden, als die Leute, die während der ersten Phase gekommen sind, mit dem ganzen Komplex, zwar aus den heutigen Zeitverhältnissen, aber mit ganz unbewußten Sehnsuchten gekommen sind; sie haben sich nicht im Zusammenhang mit irgendwelchen Zeitverhältnissen gewußt und waren in einem Lebensalter, in dem man sich über sein Verhältnis zur Zeit nicht klar Rechenschaft gibt. Sie kamen mit ganz allgemein menschlichen Interessen, die mit der Zeit in Beziehung stehen, aber die Leute gaben sich nicht darüber Rechenschaft. So war es fast auch noch in der zweiten Phase. Die Anthroposophie kam wesentlich weiter, aber die Anthroposophen, mit Ausnahmen, interessierten sich weniger für die auf das Zeitgemäße gehenden Fragen. Die dritte Phase war den früher Eingetretenen gruselig. Sie kamen mit denen allen zusammen, die unbefriedigt waren — nicht mit unbestimmten Zeitverhältnissen, sondern in ganz bestimmter Art mit dem, was diese Menschen in den heutigen Bildungsanstalten erfahren hatten. Sie würden nicht zur Anthroposophie gekommen sein, wenn nicht der starke Gegensatz zu den heutigen Bildungsanstalten in ihnen vorhanden gewesen wäre. Sie kamen mit anderen Impulsen als die, die zum geringsten Teil auch eigentlich die Anthroposophie im Verhältnis zur Zeit gesehen hatten. Ich selber habe darüber sprechen müssen. Was ich über das Verhältnis der Anthroposophie zur Zeit gesagt habe, ist eigentlich sehr wenig aufgenommen worden. Sie aber kamen merkwürdigerweise und doch nicht merkwürdigerweise mit einer Sehnsucht, die eigentlich auf das Zentrale der Anthroposophie geht.

[ 4 ] Rudolf Steiner: What you said about the dividing line that has emerged in connection with the first, second, and third phases of the movement—which are very clearly distinct from one another—is correct. One must, of course, take into account that the individual phases lasted approximately seven years, just as the Society itself is now in its twenty-first year, so to speak. What is true is this: the impulses for joining and participating were actually different among the earlier members than they are now among the predominantly academic and youthful circles. They differ in that the people who joined during the first phase came with a whole complex of longings—arising, admittedly, from the circumstances of their time, but entirely unconscious; they were not aware of their connection to any particular historical context and were at an age when one does not yet clearly reflect on one’s relationship to the times. They came with very general human interests related to the times, but they were not aware of this. This was still largely the case in the second phase as well. Anthroposophy had advanced considerably, but the anthroposophists, with a few exceptions, were less interested in questions pertaining to contemporary issues. The third phase was unsettling for those who had joined earlier. They came together with all those who were dissatisfied—not with vague temporal circumstances, but in a very specific way with what these people had experienced in today’s educational institutions. They would not have come to anthroposophy if there had not been a strong contrast within them to today’s educational institutions. They came with impulses different from those who, even to the slightest degree, had actually viewed anthroposophy in relation to the times. I myself had to speak about this. What I said about the relationship of anthroposophy to the times was actually taken in very little. Yet, strangely enough—and yet not so strangely—they came with a longing that actually points to the very heart of anthroposophy.

[ 5 ] Es hat sich nun ein Merkwürdiges herausgestellt: nämlich das Mißverständnis gegenüber den Hochschulkursen. Ich will nichts sagen gegen ihren Wert. Aber die Hochschulkurse waren ein Mißverständnis. Es ist von Ihnen das gar nicht gesucht worden, was dort ausgesprochen worden ist. Sie suchten Anthroposophie an sich. Das konnten diejenigen nicht verstehen, die in früheren Zeiten als Akademiker in die Anthroposophische Gesellschaft hineingekommen waren. Diese wollten ihre akademische Arbeit mit der Anthroposophie zusammenschweißen. Sie haben das nicht akzeptiert. Sie werden also auch mit der Zeit in gar keinen Konflikt kommen mit dem, was ich das Gros der Anthroposophischen Gesellschaft genannt habe. Der wirkliche Konflikt bestand nur mit den Akademikern, weil diese geglaubt haben, auf biologische, chemisch-physikalische, historische Weise Anthroposophie vertreten zu wollen. Sie wollen das nicht. Sie wollen reine Anthroposophie haben. Sie haben die Schwierigkeit, über diesen Berg zu kommen, gemeinsam auch mit der gesamten Gesellschaft. Das Akademische, das da eingedrungen ist, ist wie ein Berg; hinüber und herüber muß er aber übergangen werden. Wenn von beiden Seiten mit gutem Willen gearbeitet wird, so wird sich das vielleicht nützlich erweisen. Auf der anderen Seite aber, wenn man weiterkommen will, so bedarf es zuletzt auch ein bißchen des Spezialisierens. Wenn auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden ist, so wird es gehen.

[ 5 ] A curious fact has now come to light: namely, the misunderstanding regarding the School of Spiritual Science courses. I do not wish to speak against their value. But the School of Spiritual Science courses were a misunderstanding. What was expressed there was not at all what you were seeking. You were seeking anthroposophy in and of itself. Those who had joined the Anthroposophical Society in earlier times as academics could not understand this. They wanted to fuse their academic work with anthroposophy. They did not accept this. So, over time, they will not come into any conflict at all with what I have called the main body of the Anthroposophical Society. The real conflict existed only with the academics, because they believed they wanted to represent anthroposophy in a biological, chemical-physical, and historical manner. They do not want that. They want pure anthroposophy. They face the difficulty of getting over this mountain, together with the entire Society. The academic element that has crept in is like a mountain; but it must be crossed, one way or the other. If both sides work with good will, this may prove beneficial. On the other hand, however, if one wants to make progress, a certain degree of specialization is ultimately necessary. If good will exists on both sides, it will work out.

[ 6 ] Ein Teilnehmer spricht über einige Wünsche der jüngeren Menschen in bezug auf die Umgestaltung der Zweigarbeit, insbesondere des Vortrags- und Referatwesens.

[ 6 ] A participant discusses some of the younger people’s wishes regarding the reorganization of branch activities, particularly the lecture and presentation programs.

[ 7 ] Rudolf Steiner (unterbricht): Dieses Büchelchen von Albert Steffen [Der pädagogische Kurs am Goetheanum] ist deshalb berechtigt, weil es in einer wirklich künstlerischen Art den Inhalt meiner Vorträge wiedergibt. Es ist kein Journalistenreferat; es steht auf selbständigem Boden. Früher ist etwas Derartiges nicht geschehen. Wir werden sehen, ob das Schule macht. Es wäre ein Glück.

[ 7 ] Rudolf Steiner (interrupting): This little book by Albert Steffen [The Pedagogical Course at the Goetheanum] is worthwhile because it conveys the content of my lectures in a truly artistic way. It is not a journalistic report; it stands on its own. Nothing like this has happened before. We’ll see if it catches on. That would be fortunate.

[ 8 ] Nicht wahr — der Aufruf, der wird im wesentlichen zweierlei umfassen müssen. Das eine: die Betonung der Notwendigkeit eines innerlichen Arbeitens in der anthroposophischen Bewegung. Zweitens ist jetzt schon ein so starkes Geschlossensein in der Anthroposophischen Gesellschaft unerläßlich, daß es die auftretenden Gegner abwehren kann. Abwehr nicht durch Polemik, sondern durch wirkliche sachgemäße Arbeit vor der Welt. Wenn endlich in Anbetracht der Gegnerschaft nichts gemacht wird, so geht die Anthroposophie zugrunde. Man kann nicht in der Weise arbeiten, daß der eine dies behauptet, der andere es widerlegt. Bei den wichtigsten Gegnern kommt man nicht an das Publikum heran. Wetn heute aus den Kreisen der Alldeutschen und Deutschvölkischen über Anthroposophie Verleumdungen ausgestreut werden, so hat man dafür ein Publikum, das unter allen Umständen alles glaubt. Dem kommt man nicht bei. Man muß die Menschen, die unter diesem Publikum sich befinden, kennen. Man kann gewisse Dinge nicht einem katholischen Publikum sagen. Sind die Widerlegungen falsch, so sind sie falsch. Sind sie aber richtig, so nützen sie uns nichts, sondern — ich muß schon dieses Wort gebrauchen — schaden uns nur, gerade bei den Katholiken. Sie ärgern sich, wenn man in der Lage ist, die gegnerischen Behauptungen zu widerlegen. Recht haben schadet uns heute, Unrecht vielleicht weniger. Die Dinge kann man nur durch die positive Arbeit entkräften. Machen Sie sich stark, wie die andern es sind. Dr. Rittelmeyer hat mit Recht neulich den Ausspruch gebraucht, ich selbst habe auch schon oft gerade darauf hingewiesen: Man ahnt gar nicht, wie überall etwas ist, wovon man sagen kann: es wird überall Feuer gemacht! Unsere Gegnerschaft wird in der nächsten Zeit in ganz furchtbarer Weise zum Ausdruck kommen. Ihr gegenüber ist es nötig, eine geschlossene Körperschaft zu bilden. Alle Dinge, die gut sind, gereichen der Gesellschaft zur Gefahr. Es ist schon so, die Bewegung für religiöse Erneuerung gereicht der Anthroposophischen Gesellschaft zur Gefahr. Es ist so, daß man sich nicht vorgestellt hat, daß auch noch auf diesem Gebiet von uns etwas zustande kommt. Und wenn wir, was natürlich wiederum sehr wünschenswert ist, in das Akademische weiter hineinarbeiten, dann werden die Leisegangs überall hervorschlüpfen. Es macht mir wirklich Sorge, weil die alten reaktionären Mächte immer stärker werden. Bei Gründung des Hochschulbundes waren viel mehr Chancen vorhanden, die alten Mächte zurückzustauen. Heute sind diese Chancen geringer geworden. Sie werden viel zu leiden haben. Aber selbst dann, wenn die Anthroposophie getötet würde, sie würde wieder aufstehen, denn sein muß sie doch, und eine Notwendigkeit ist sie doch. Entweder gibt es eine Erdenzukunft oder keine. Die Erdenzukunft ist von der Anthroposophie unzertrennlich. Wenn diese keine Zukunft hat, dann erreicht die ganze Menschheit keine Zukunft. Die Tendenz allein genügt. Die Anthroposophie kann bezüglich ihrer Ausbreitung manche Phasen durchmachen. Ich glaube schon, daß Sie über diesen Berg, den ich vorhin angedeutet habe, zum Vorteil der Gesellschaft in allem Frieden werden kommen müssen.

[ 8 ] Isn't that right—the call will essentially have to encompass two things. First: an emphasis on the necessity of inner work within the anthroposophical movement. Second, it is already essential that the Anthroposophical Society be so strongly united that it can fend off the opponents who arise. Defense not through polemics, but through genuine, substantive work before the world. If, in the face of opposition, nothing is ultimately done, then anthroposophy will perish. One cannot work in a way where one person asserts something and another refutes it. With the most significant opponents, one cannot reach their audience. If slanderous claims about anthroposophy are spread today from the circles of the Pan-Germans and German Nationalists, there is an audience that believes everything under any circumstances. One cannot reach that audience. One must know the people who make up this audience. Certain things cannot be said to a Catholic audience. If the refutations are false, then they are false. But if they are correct, they do us no good; rather—I must use this word—they only harm us, especially among Catholics. They take offense when one is in a position to refute the opposing claims. Being right harms us today; being wrong, perhaps, less so. These things can only be refuted through positive work. Be as strong as the others are. Dr. Rittelmeyer was right to use the expression the other day, and I myself have often pointed this out: One has no idea how widespread the situation is—one can say that fires are being started everywhere! Our opposition will manifest itself in a truly dreadful way in the near future. In the face of this, it is necessary to form a united body. All things that are good pose a danger to society. It is indeed true that the movement for religious renewal poses a danger to the Anthroposophical Society. The fact is that no one imagined that we would achieve anything in this area as well. And if we—which is, of course, highly desirable—continue to work our way deeper into the academic sphere, then the Leisegangs will emerge everywhere. This truly worries me, because the old reactionary forces are growing ever stronger. When the University League was founded, there were far more opportunities to hold back the old powers. Today, those opportunities have diminished. You will have to suffer greatly. But even if anthroposophy were to be destroyed, it would rise again, for it must exist, and it is a necessity. Either there is a future for the Earth or there is not. The future of the Earth is inseparable from anthroposophy. If anthroposophy has no future, then all of humanity will have no future. The trend alone is enough. Anthroposophy may go through various phases as it spreads. I do believe that you will have to overcome this obstacle, which I alluded to earlier, for the benefit of society, and do so in complete peace.

[ 9 ] Ein Teilnehmer spricht über ein anderes Verhältnis, das die Jugend zur Gesellschaft haben müßte.

[ 9 ] A participant talks about a different relationship that young people should have with society.

[ 10 ] Rudolf Steiner: Sie müssen nur bedenken, daß bei alten Kulturströmungen, die schon weltgeschichtlich erwachsen sind, ganz andere Seelenhaltungen vorhanden waren als bei solchen, die historisch ganz jung sind. Man hat heute einfach keine Vorstellung mehr, wie schwer es war in den ersten christlichen Jahrhunderten, ein Christ zu sein. Heute ist es bequem, ein Christ zu sein. Es war früher nicht die äußere Märtyrerschwierigkeit, sondern die innere Seelenschwierigkeit. Es war schwer, vor sich selber ein Christ zu sein. Heute ist es schwer, ein richtiger Anthroposoph zu sein. Es ist in gewissem Sinne schwer. Diejenigen, die schon lange Anthroposophen sind, die tragen in sich, in ihrer ganzen Seelenhaltung, die ganze Schwierigkeit, verbunden zu sein mit dem ersten Auftreten einer geistigen Bewegung; in ihnen ist das Verständnis für gewisse Erscheinungen des Lebens nicht so stark. Diejenigen, die schon lange Anthroposophen sind, länger als die Jungen, reden manchmal diesen gegenüber glatt aneinander vorbei. Erst in diesen Tagen ist mir ein sehr krasses Beispiel aufgetreten. Diese Freunde hatten Besprechungen; die Stimmung war dort, daß der Glaube darüber vorhanden war, jetzt sind alle Brücken gebaut, jetzt versteht man sich auf das i-Tüpfelchen. Man war drüben ganz ehrlich. Bei Ihnen dagegen trat mir die Stimmung entgegen, man müsse die Opposition organisieren; man hat sich gar nicht gefunden. In dem spiegelt sich durchaus die leichte Illusionsfähigkeit über die Verhältnisse des Lebens wider, wenn man in einer gewissen Lebenshaltung ist, die ich charakterisiert habe. Es ist schwer, Anthroposoph zu sein; es ist nicht leicht, eine gewisse Starrheit zu überwinden. Die Illusionisten sind ehrlich. Sie kommen mit der Frischheit der Seele, und deshalb sind Sie, als einer, der noch nicht müde geworden ist, weniger geneigt, diese Illusionen zu haben, als ein Müder. Viele sind müde und mürbe geworden durch die Schwierigkeiten, die sich uns entgegengestellt haben. Daher ist auch in diesen Tagen viel aneinander vorbeigeredet worden.

[ 10 ] Rudolf Steiner: You must simply bear in mind that in ancient cultural movements—those that have already matured over the course of world history—the spiritual attitudes were quite different from those in movements that are historically very young. Today, people simply have no idea how difficult it was to be a Christian in the early centuries of Christianity. Today, it is easy to be a Christian. In the past, the difficulty lay not in external martyrdom but in an inner struggle of the soul. It was difficult to be a Christian in one’s own eyes. Today, it is difficult to be a true anthroposophist. In a certain sense, it is difficult. Those who have been anthroposophists for a long time carry within themselves, in their entire spiritual attitude, the full difficulty of being connected to the very beginnings of a spiritual movement; in them, the understanding of certain aspects of life is not as strong. Those who have been anthroposophists for a long time—longer than the younger ones—sometimes talk right past one another when speaking to them. Just the other day, I encountered a very striking example of this. These friends were having discussions; the mood there was one of belief that all bridges had now been built, that they now understood each other down to the last detail. Over there, people were completely sincere. With you, on the other hand, I sensed a mood that we needed to organize the opposition; we simply couldn’t find common ground. This certainly reflects a tendency to be easily deluded about the realities of life when one is in a certain state of mind, which I have described. It is difficult to be an anthroposophist; it is not easy to overcome a certain rigidity. The illusionists are honest. They come with the freshness of the soul, and that is why you, as someone who has not yet grown weary, are less inclined to harbor these illusions than someone who is weary. Many have grown weary and worn down by the difficulties we have faced. That is also why there has been so much talking past one another these days.

[ 11 ] Ein Teilnehmer spricht über seinen ursprünglichen Plan, die für die Opposition verwandten Kräfte besonders von seiten der Jugend umzubiegen und in fruchtbarer Weise zu organisieren.

[ 11 ] A participant speaks about his original plan to redirect the forces working for the opposition—particularly those from the youth—and organize them in a productive way.

[ 12 ] Rudolf Steiner: Manche Dinge sind schon so, daß ein realistisches Denken sie auch ins Auge fassen muß. Irgendwie muß es auch in der Zukunft so etwas geben, was Ihre Bildungsanstalten sind. Wenn auch gerade in dieser Hinsicht alle Zukunftshoffnungen im Keime sind, so darf es doch nicht so sein, daß die Hochschule eine bloße Attrappe bleibt. Da macht es mir wirklich Sorge, wie weit entfernt wir davon noch sind. Auf der andern Seite ist das Hochschulwesen ganz im argen. Vor einem Jahrhundert hatte man wenigstens noch eine einheitliche Weltanschauung; das ist jetzt ganz vorüber, auch in der Gesinnung der Menschenwürde. Sehen Sie, Leisegang — es kommt ja gar nicht auf die Art an, wie er mich behandelt —, aber Leisegang, der ja demnächst Professor werden wird, da er ja alle Aspirationen dafür besitzt, hat jetzt ein Werk über Plato herausgegeben, einen ersten Band. Er behandelt mich gar nicht so schlimm wie den Plato, er behandelt den Plato viel schlimmer, er macht eine Karikatur aus ihm, nur — die Leute merken es nicht. Sehen Sie, und da macht es mir Sorge, wirklich Sorge, wie weit weg man von der Möglichkeit ist, eine Hochschule zu schaffen.

[ 12 ] Rudolf Steiner: Some things are simply such that realistic thinking must also take them into account. Somehow, there must continue to be something like your educational institutions in the future. Even if, in this regard specifically, all hopes for the future are nipped in the bud, it must not be the case that the university remains a mere sham. It truly worries me how far we still are from that. On the other hand, the university system is in a terrible state. A century ago, people at least still had a unified worldview; that is now completely gone, even in terms of the concept of human dignity. You see, Leisegang—it doesn’t really matter how he treats me—but Leisegang, who is about to become a professor, since he certainly has all the aspirations for it, has now published a work on Plato, the first volume. He doesn’t treat me nearly as badly as he treats Plato—he treats Plato much worse, turning him into a caricature—only, people don’t notice it. You see, and that’s what worries me, truly worries me: how far we are from the possibility of creating a university.

[ 13 ] Ein Teilnehmer weist auf die Art und Weise hin, wie in dem Gefangenenlager, in dem er tätig war, von den Gefangenen eine Hochschule geschaffen worden ist, und stellt dies als Beispiel für die Schaffung einer Hochschule für Geisteswissenschaft hin.

[ 13 ] One participant points out how the prisoners at the prison camp where he worked established a college, and cites this as an example of the creation of a college for the science of the spirit.

[ 14 ] Rudolf Steiner: Man kann ja heute nicht eine Hochschule ins Leben rufen, weil dazu erst als Vorbedingung notwendig ist, daß die einzelnen Wissenschafter vorhanden sind. Ideen und Ansätze sind zwar schon vorhanden. Solange man aber die Menschen, die innerhalb der Bewegung arbeiten sollen — ich muß mich schon kraß ausdrücken —, eben nur als Hungerleider haben kann, wird es schwer gehen. Das wird deshalb täglich schwieriger, weil die Zeit sich naht, wo man kaum daran denken kann, daß die vorangehende Zeit die nachfolgende mit Stipendien versorgt. Die Möglichkeit herbeizuführen, auf eine andere Art eine vollkommen neue Bildung ins Leben zu rufen, wird täglich schwieriger. Ich muß schon bei jeder Gelegenheit aus rein spirituellen Gründen zwei Dinge betonen: erstens, mit aller Intensität danach zu streben, so stark als möglich zu werden; zweitens, alle Energie darauf zu verwenden, daß der Kreis der Freunde größer wird; es wäre nicht notwendig, nach der Zahl zu sehen, nur in Anbetracht der Zeitverhältnisse. Im Spirituellen muß zwar das Gegenteil richtig sein, der Zeit gegenüber aber ist es so. Es braucht die Verbreitung des Kreises nicht auf Kosten der Verflachung zu gehen, aber Anstrengungen dahingehend muß man schon machen, damit man eine große Zahl von Freunden erhält. Sonst ist der Untergang des einzelnen und der Bewegung als solcher eher möglich. Es ist schon so. Sie dürfen sich aber nicht scheuen, um die Vergrößerung nach außen zu erreichen, auch als Jugend recht stark zu sein.

[ 14 ] Rudolf Steiner: After all, one cannot simply establish a university today, because the prerequisite for that is the presence of individual scholars. Ideas and approaches do indeed already exist. But as long as the people who are supposed to work within the movement—I must put it bluntly—can only be considered starving souls, things will be difficult. This is becoming more difficult every day because the time is approaching when it is hardly conceivable that the preceding generation will provide scholarships for the next. The possibility of bringing about a completely new form of education in a different way is becoming more difficult every day. For purely spiritual reasons, I must emphasize two things at every opportunity: first, to strive with all one’s intensity to become as strong as possible; second, to devote all one’s energy to expanding the circle of friends; it would not be necessary to focus on numbers, but only in view of the circumstances of the times. In spiritual matters, the opposite must certainly be true, but in relation to the times, this is how it is. Expanding the circle need not come at the expense of superficiality, but efforts must certainly be made in this direction in order to gain a large number of friends. Otherwise, the downfall of the individual and of the movement as such is more likely. That is indeed the case. However, you must not shy away from being quite strong—even as young people—in order to achieve outward expansion.

[ 15 ] Ein Teilnehmer spricht darüber, wie schwer es ist, sich mit dem Alter zu verständigen.

[ 15 ] A participant talks about how difficult it is to communicate with older people.

[ 16 ] Rudolf Steiner: Abgesehen von Bewertungen, ist es aber in gewissem Sinne so, daß das Nichtverstehen gegenseitig ist! Das Alter ist so, daß man sagen kann: So, wie es ist, ist es nicht seine Schuld, sondern sein Schicksal. Das Wehren der Jugend gegen das Alter aber ist Schutzmittel und Schwäche zugleich!

[ 16 ] Rudolf Steiner: Setting aside judgments, however, it is true in a certain sense that this lack of understanding is mutual! Old age is such that one can say: The way it is, it is not his fault, but his fate. Yet youth’s resistance to old age is both a defense mechanism and a sign of weakness!

[ 17 ] Werden Sie Genies an Interesse!

[ 17 ] Become a genius through interest!