Knowledge — The Task of Youth
Supplements to the Pedagogical Youth Course
GA 217a
9 June 1924, Wrocław
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Knowledge—The Task of Youth, tr. SOL
15. Ansprache und Fragenbeantwortung während der Breslau-Koberwitzer Tagung
15. Speech and Q&A Session During the Breslau-Koberwitz Conference
[ 1 ] Aus der Begrüßungsansprache des Versammlungsleiters: Dank an Herrn Dr. Steiner, Frau Dr. Steiner und die übrigen Vorstandsmitglieder. Wir möchten versuchen, im Bewußtsein zu haben, welch ungeheure Bedeutung es hat, daß Herr Dr. Steiner, der Weltaufgaben zu erfüllen hat, in unserem Kreise erscheint. Dieses wird uns die nötige Ehrfurcht geben, das anzuhören, was er zu uns zu sprechen hat. Wir wollen ihn begrüßen als einen, der jugendlich zu sein versteht, jugendlicher, als wir selbst sein können. Was wir Herrn Dr. Steiner entgegenbringen, ist lediglich ein Suchen, und mehr kann man von uns nicht erwarten. Wir sind nicht nur Akademiker, sondern auch Kaufleute, Beamte, und zumeist nicht Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft.
[ 1 ] From the chairperson’s opening remarks: Thanks to Dr. Steiner, Dr. Steiner, and the other members of the executive board. Let us try to keep in mind the immense significance of Dr. Steiner—who has global responsibilities to fulfill—appearing among us. This will give us the necessary reverence to listen to what he has to say to us. Let us welcome him as one who knows how to be youthful—more youthful than we ourselves can be. What we offer Dr. Steiner is merely a search, and one cannot expect more from us. We are not only academics, but also businesspeople, civil servants, and for the most part not members of the Anthroposophical Society.
[ 2 ] Eine Teilnehmerin: Wenn wir Blumen, wenn wir Steine, wenn wir Sterne anschauen, wenn wir die Welt anschauen, werden wir in dem Welt-Anschauen vorzeitig alt. Wir finden nicht die Art der Weltanschauung, die uns jugendlich sein läßt. Daher lassen viele das Welt-Anschauen und versuchen nur, in sich die Jugendlichkeit zu erleben. Um richtig in der Welt zu stehen, suchen wir nach einer Weltanschauung, die uns jugendlich sein läßt, und in diesem Suchen wollen wir vor Herrn Dr. Steiner hintreten.
[ 2 ] A participant: When we look at flowers, when we look at stones, when we look at stars, when we look at the world, we grow old prematurely through this act of looking at the world. We cannot find the kind of worldview that allows us to remain youthful. That is why many give up looking at the world and simply try to experience youthfulness within themselves. In order to stand firmly in the world, we seek a worldview that allows us to remain youthful, and in this search we wish to present ourselves before Dr. Steiner.
[ 3 ] Rudolf Steiner: Ich danke Ihnen herzlich für die liebevollen Begrüßungsworte, die ausgesprochen worden sind, und darf wohl sagen, daß ich Sie in ebenso herzlicher Weise begrüße, weil seit vielen Jahren vor meiner Seele gerade das als etwas außerordentlich Wichtiges und Bedeutungsvolles für die Gegenwart steht, was in Ihren Herzen, Ihren Seelen, Ihren Gemütern vorgeht. Daß man die Jugendbewegung von heute, wenn man unbefangen in der Welt drinnensteht, in höchstem Maße ernst nimmt, davon können Sie durchaus überzeugt sein. Wenn es auch so aussieht für Sie, wenn Sie herumschauen, nicht unter Ihren Altersgenossen, sondern unter den älteren Menschen der Gegenwart, wenn es auch so aussieht, als ob man die Jugendbewegung nicht ernst nimmt, sie wird ganz gewiß von derjenigen Seite ernst genommen, die heute geistigen Bestrebungen nachgeht.
[ 3 ] Rudolf Steiner: I thank you most sincerely for the warm words of welcome that have been spoken, and I may well say that I welcome you just as warmly, because for many years now, what is taking place in your hearts, your souls, and your minds has stood before my soul as something extraordinarily important and significant for the present. You can be absolutely certain that, when one stands impartially within the world, one takes today’s youth movement extremely seriously. Even if it appears to you—when you look around, not among your peers but among the older people of today—as though the youth movement is not taken seriously, it is most certainly taken seriously by those who are pursuing spiritual endeavors today.
[ 4 ] Es sind jetzt schon mehrere Jahre verflossen, seit ein kleiner Kreis jugendlicher Menschen hereingekommen ist in die Anthroposophische Gesellschaft und nicht bloß als Zuhörer teilnehmen wollte an dem, was die Anthroposophische Gesellschaft gibt, sondern auftrat mit denjenigen Gedanken, Empfindungen und Gefühlen, die der heutige junge Mensch eben in seinem Jungsein zusammenfaßt. Und gewissermaßen das tat eigentlich jener kleine Kreis, der sich vor Jahren in Stuttgart einfand und an die anthroposophische Bewegung die Frage stellte: Wie könnt Ihr uns einen Platz innerhalb dieser anthroposophischen Bewegung geben? Ich glaube, daß von meiner Seite aus diese damalige Frage wirklich verstanden worden ist. Es ist ja nicht immer leicht — und darüber werden wir uns vielleicht heute oder in diesen Tagen überhaupt unterhalten können —, es ist nicht immer leicht, die Frage zu verstehen, die der wirklich suchende Mensch heute an die Zeit richtet, und der junge Mensch hat schon eine Anzahl von Fragen mit vollem Rechte, die nicht mit voller Klarheit gestellt werden können.
[ 4 ] Several years have now passed since a small group of young people joined the Anthroposophical Society, not merely wishing to participate as listeners in what the Anthroposophical Society has to offer, but rather bringing with them the thoughts, impressions, and feelings that today’s young people embody in their very youth. And in a sense, that is precisely what that small group did when they gathered in Stuttgart years ago and posed the question to the anthroposophical movement: How can you give us a place within this anthroposophical movement? I believe that, for my part, that question from back then was truly understood. It is not always easy—and perhaps we will be able to discuss this today or in the coming days—it is not always easy to understand the question that the truly seeking person today poses to the times, and young people rightly have a number of questions that cannot be posed with complete clarity.
[ 5 ] Sehen Sie, damals, als zum erstenmal Jugendbewegung und anthroposophische Bewegung sich berührten, da kam es mir wirklich vor, wie wenn die beiden durch eine Art von Schicksal, Karma, geradezu zusammengeführt würden, und ich muß eigentlich bis heute daran festhalten, daß es so ist, daß Jugendbewegung und anthroposophische Bewegung wirklich durch ein inneres Schicksal aufeinander hingewiesen werden. Wenn ich das zu Hilfe nehme, was ich selber durch viele Jahrzehnte erlebt habe im Streben nach einer Gemeinschaft von Menschen, die nach dem Geiste suchen wollen, und wenn ich das zusammenhalte mit demjenigen, was etwa seit der Wende des Jahrhunderts als Jugendbewegung aufgetreten ist, so muß ich sagen, dasjenige, was ganz wenige fühlten vor vierzig Jahren schon, und was damals, weil es eben ganz wenige fühlten, kaum bemerkt worden ist, das ist heute gefühlt innerhalb der immer allgemeiner werdenden Jugendbewegung. Es ist in den eben gesprochenen Begrüßungsworten ganz schön zum Ausdruck gekommen, wie schwer es dem jungen Menschen heute eigentlich wird, zu leben.
[ 5 ] You see, back then, when the youth movement and the anthroposophical movement first came into contact, it really seemed to me as if the two were being brought together by a kind of destiny, karma, and I must still hold fast to the belief today that this is indeed the case—that the youth movement and the anthroposophical movement are truly drawn to one another by an inner destiny. When I draw on what I myself have experienced over many decades in the pursuit of a community of people who wish to seek the spiritual, and when I hold that together with what has emerged as the youth movement since around the turn of the century, I must say that what very few people sensed even forty years ago, and which, precisely because so few felt it at the time, went largely unnoticed—is now being felt within the increasingly widespread youth movement. The welcoming remarks just spoken beautifully expressed how difficult it actually is for young people to live today.
[ 6 ] Es war immerhin, wenn es auch zu allen Zeiten eine Art Jugendbewegung gegeben hat, es war immerhin zu anderen Zeiten anders, als es in unserer Zeit ist. Ältere Menschen, wenn man mit ihnen über die Jugendbewegung spricht, antworten einem heute sogar sehr häufig damit, daß sie sagen: Ach Gott, die Jugend hat eben immer anders gefühlt als das Alter, hat immer etwas anderes gewollt. Das hat sich dann abgeschliffen, hat sich ausgeglichen. In der Jugendbewegung von heute braucht man auch nichts anderes zu sehen als das, was die jüngere Generation gegenüber den älteren Generationen in jeder Zeit gewollt hat. — Ich wenigstens habe diese Antwort auf die brennende Frage der heutigen Jugendbewegung von sehr vielen Seiten gehört. Und dennoch, diese Antwort ist schon ganz falsch, diese Antwort ist schon ganz unrichtig. Und gerade darin liegt eine ungeheure Schwierigkeit. Es war zu allen Zeiten bei jüngeren Leuten, selbst wenn sie ganz radikal in einer Jugendbewegung aufgetreten sind, immer doch etwas von dem, was man so nennen kann: Es wurde das, was das Alter ringsherum gegründet hat an Institutionen, an allerlei Einrichtungen, es wurde das bis zu einem gewissen Grade doch von den jungen Leuten anerkannt und konnte anerkannt werden. Die jungen Leute konnten ein Ideal darin erblicken, in das Alte nach und nach hineinzuwachsen. Heute ist es nicht mehr so. Ob er Akademiker ist oder nicht, darauf kommt es nicht mehr an, sondern darauf, daß der junge Mensch, wenn er überhaupt leben will, in die Einrichtungen ja hineinwachsen muß, die die Alten zustande gebracht haben, und daß die jungen Menschen sich darin durchaus fremd fühlen; daß der junge Mensch das, was ihm da entgegenkommt, wie eine Art von Tod des Menschen empfindet, ja, daß er innerhalb dieser Einrichtungen die ganze Art, wie sich die älteren Menschen innerhalb dieser Einrichtungen benehmen und verhalten, als etwas Maskenhaftes fühlt. Der junge Mensch fühlt seine eigenen inneren Menschenformen, die findet er lebendig, und das, was um ihn herum ist, findet er wie lauter Maskenantlitze. Das ist das, was den Menschen heute, wenn er jung ist, zur Verzweiflung bringen kann, daß er unter den Älteren nicht Menschen, sondern zumeist Masken findet. Es ist wirklich so, daß einem die Menschen entgegentreten wie Abdrücke, Siegelabdrücke irgend welcher Menschenklassen, irgendwelcher Berufe oder selbst irgendwelcher Ideale, daß sie einem aber nicht entgegentreten als innerlich lebendige, volle Menschen.
[ 6 ] After all, even though there has always been some kind of youth movement, things were different in the past than they are today. When you talk to older people today about the youth movement, they very often respond by saying, “Oh, well, young people have always felt differently from older people; they’ve always wanted something different.” That difference has since worn away and evened out. In today’s youth movement, one need look for nothing other than what the younger generation has always wanted in relation to the older generations. — I, at least, have heard this answer to the burning question of today’s youth movement from many different quarters. And yet, this answer is completely wrong; this answer is entirely incorrect. And therein lies an immense difficulty. At all times, even when young people have been quite radical in a youth movement, there has always been something that one might call this: the institutions and various establishments established by the older generation around them were, to a certain extent, recognized by the young people and could be recognized. Young people were able to see an ideal in gradually growing into the old ways. Today, that is no longer the case. Whether one is an academic or not is no longer the point; rather, the point is that young people, if they want to live at all, must grow into the institutions that the older generation has created, and that young people feel thoroughly alienated within them; that young people perceive what they encounter there as a kind of death of the human being—indeed, that within these institutions they experience the entire way in which older people behave and conduct themselves as something mask-like. Young people feel their own inner human forms—which they find alive—while everything around them seems to them like nothing but masked faces. This is what can drive young people today to despair: that among older people they find not human beings, but mostly masks. It is truly the case that people appear to one as if they were imprints, seals of some class of people, some profession, or even some ideal—but they do not appear as inwardly alive, fully realized human beings.
[ 7 ] Nun sehen Sie, da möchte ich sagen, wenn es vielleicht auch etwas abstrakt aussieht, allein es lebt im Gefühl gar sehr, wir stehen heute eben sehr stark an einem Wendepunkt der Zeiten, wie die Menschheit wenigstens in historischen Zeiten und auch zu einem großen Teil in vorhistorischen Zeiten nie gestanden hat. Ich liebe es gar nicht, immer von Übergangszeiten zu sprechen; Übergangszeiten sind ja alle von vorher zu nachher; es handelt sich nur darum, was übergeht. Aber in unserer Zeit ist es schon so, daß die Menschheit an einem Wendepunkt steht, wie sie vor einem gleichen in historischer und vorhistorischer Zeit nie gestanden hat. Das hängt damit zusammen, daß in den Untergründen der menschlichen Seele, weniger sogar im Bewußtsein als in den Untergründen der menschlichen Seele, schon bedeutsame Dinge vorgehen, welche eigentlich Vorgänge der geistigen Welt sind, die nicht bloß auf die physische Welt sich beschränken. Man spricht davon, daß mit der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts das sogenannte finstere Zeitalter abgelaufen ist, und daß ein neues lichtvolles Zeitalter im Beginn ist. Ganz gewiß, wer in die geistige Welt hineinschauen kann, der weiß, daß es so ist. Daß jetzt nicht viel Licht zum Vorschein kommt, spricht nicht dagegen; die Menschen sind an die alte Finsternis gewöhnt, und gerade so wie eine Kugel, der man einen Stoß gegeben hat, fortrollt, so rollt das eine Zeitlang fort, rollt durch Trägheit fort. Unsere Zivilisation ist heute durchaus eine solche, die in Trägheit fortrollt, und wenn wir hinschauen auf das, was um uns herum in Trägheit rollt, dann müssen wir sagen: Eines ist schon da, was das, was um uns ist, gemeinschaftlich hat. Man will heute alles, was überhaupt vorhanden ist — es ist schwer, ein lebendiges Wort zu finden, weil die Dinge tot sind —, man will alles bestätigt haben; es ist eigentlich alles nur berechtigt für das, was schließlich als Zivilisation sich ergeben hat, was bestätigt ist. Bestätigt muß jede wissenschaftliche Wahrheit sein, bestätigt muß alles das sein, was irgendein Mensch behauptete, bestätigt muß aber der Mensch selber sein; wenn er in irgendeinen Beruf eintritt, muß er irgendwie bestätigt werden, von außen her muß der Mensch bestätigt werden. Wenn man im wissenschaftlichen Leben drinnenlebt, so nennt man das: es muß bewiesen werden. Was nicht bewiesen ist, gilt nicht, das kann man nicht verstehen.
[ 7 ] Now, you see, I’d like to say that even though this might seem a bit abstract, it’s actually very much alive in our feelings: we are standing today at a turning point in history unlike any humanity has ever faced, at least in historical times and, to a large extent, in prehistoric times as well. I really don’t like to keep talking about periods of transition; after all, all periods of transition are simply a matter of moving from one stage to the next—it’s just a question of what is changing. But in our time, it is indeed the case that humanity stands at a turning point unlike any it has ever faced in historical or prehistoric times. This is connected to the fact that in the depths of the human soul—less so in consciousness than in the depths of the human soul—significant things are already taking place, which are actually processes of the spiritual world that are not limited merely to the physical world. It is said that with the turn of the 19th and 20th centuries, the so-called dark age has come to an end, and that a new, luminous age is beginning. Certainly, anyone who can look into the spiritual world knows that this is so. The fact that not much light is coming to the fore at present does not contradict this; people are accustomed to the old darkness, and just as a ball that has been given a push continues to roll, so too does this carry on for a while, rolling on by inertia. Our civilization today is certainly one that rolls on by inertia, and when we look at what is rolling around us by inertia, then we must say: There is already one thing that everything around us has in common. Today people want everything that exists at all—it is hard to find a living word, because things are dead—they want everything to be confirmed; in fact, everything is only legitimate insofar as it has ultimately emerged as civilization, insofar as it is confirmed. Every scientific truth must be validated; everything that any person has claimed must be validated; but the person himself must also be validated; when he enters any profession, he must be validated in some way; from the outside, the person must be validated. When one lives within the world of science, this is called: it must be proven. What is not proven does not count; it cannot be understood.
[ 8 ] Nun sehen Sie, ich könnte noch viel reden über dieses Bestätigtwerden, über dieses Bewiesenwerden. Es tritt einem ja manchmal in grotesker Weise entgegen. Sehen Sie, ich war auch einmal jung, nicht mehr ganz jung, da habe ich — ich will das kleine Erlebnis erzählen, weil es nicht ganz ohne Zusammenhang steht mit dem, was ich sagen will — eine Zeitschrift redigiert und hatte einen Prozess, bei dem es sich um eine Kleinigkeit handelte. Es handelte sich nicht um vieles; ich bin selber hingegangen und habe in der ersten Instanz gewonnen. Der Prozessor war nicht zufrieden, er hat an die zweite Instanz appelliert. Ich ging wieder hin, da kam der gegnerische Advokat und sagte: Ja, Sie brauchen wir gar nicht, wir brauchen nur Ihren Rechtsanwalt, wo ist denn der? — Da sagte ich, ich habe gar keinen mitgebracht, ich habe gedacht, das geht mich an. Da half nichts. Ich mußte mit aller Schlauheit, die man aufwenden konnte, es dahin bringen, daß der Prozeß vertagt wurde und mir bedeutet wurde, daß ich das nächstemal da nichts zu suchen hätte, daß ich einen Rechtsanwalt zu schicken hätte, denn in der zweiten Instanz sei das nicht üblich, daß ein Mensch seine Sachen selbst vertritt. Ich ging erheitert weg. Die Sache kam mir aus dem Gedächtnis, und sie fiel mir gerade an dem Tag ein, wo am nächsten Tag der Prozeß sein sollte. Ich ging in die Stadt und dachte, ich kann mir das doch morgen nicht mehr sagen lassen, daß ich unnötig bin. Da ging ich dann die Straße entlang, traf eine Tafel von einem Rechtsanwalt und ging hinauf. Ich kannte ihn gar nicht, wußte nichts von ihm. Der sagte: Wer hat mich denn Ihnen empfohlen? — Ich sagte: Gar niemand. — Ich dachte, ein anderer wird es auch nicht besser machen, und nahm den nächsten, der mir entgegentrat. — Da sagte er: Schreiben Sie mir auf einen Zettel auf, was ich morgen sagen soll. Ich schrieb es ihm auf und blieb, weil es so Usus ist, eben weg. Nach einigen Tagen schrieb er mir, daß der Prozeß gewonnen ist. — Nun sehen Sie, so könnte ich aus meinem eigenen Leben tatsächlich Hunderte von Sachen erzählen. Es handelt sich überall gar nicht darum, daß man irgendwo als Mensch dabei ist, sondern daß die Dinge laufen, wie sie von Menschen eingerichtet sind. Das fühlt der junge Mensch. Er will nicht, daß alles bestätigt wird, er will etwas anderes. Er will an die Stelle der Bestätigung, des Beweises das Erleben setzen. Dieses Wort «Erleben» verstehen die alten Menschen ganz und gar nicht. Es steht nicht in ihrem Konversationslexikon darinnen. Sehen Sie, welch ein Greuel ist das Wort «Erleben»! Weil Sie sprechen von geistigem Erleben, ist es ein Greuel für sehr viele Leute. Und das ist, was einem beim Übergang vom finsteren Zeitalter ins lichte Zeitalter entgegentritt. Es ist eine radikale Wende einer Zeit da.
[ 8 ] Now, you see, I could go on at length about this “being confirmed,” about this “being proven.” It does sometimes present itself in a grotesque way. You see, I was young once, too—not quite so young anymore—and back then—I’ll tell you about this little experience because it’s not entirely unrelated to what I want to say—I edited a magazine and was involved in a lawsuit over a minor matter. It wasn’t a big deal; I went to court myself and won in the first instance. The plaintiff wasn’t satisfied; he appealed to the court of second instance. I went there again, and the opposing attorney came up and said, “Well, we don’t need you at all; we only need your lawyer—where is he?” I replied that I hadn’t brought one with me—I’d thought it was my own business. That didn’t help. I had to use every bit of cunning I could muster to get the trial adjourned, and I was told that I had no business being there next time—that I’d have to send a lawyer, because in the court of second instance it wasn’t customary for a person to represent themselves. I walked away amused. The whole thing had slipped my mind, and it came back to me on the very day the trial was scheduled for the next day. I went into town, thinking I couldn’t let them tell me again tomorrow that I was unnecessary. So I walked down the street, saw a sign for a lawyer, and went in. I didn’t know him at all; I knew nothing about him. He asked, “Who recommended me to you?” — I replied, “No one at all.” — I figured no one else would do any better, so I just went with the first person I came across. — Then he said, “Write down on a piece of paper what I’m supposed to say tomorrow.” I wrote it down for him and, as is customary, simply left. A few days later, he wrote to me that the case had been won. — Now you see, I could actually tell you hundreds of stories like this from my own life. It’s not at all about being present as a human being anywhere; rather, it’s about things proceeding as they’ve been arranged by people. That’s what young people feel. They don’t want everything to be confirmed; they want something else. They want to replace confirmation and proof with “experience.” Older people don’t understand this word “experience” at all. It isn’t even in their encyclopedia. See what an abomination the word “experience” is! Because you speak of spiritual experience, it is an abomination to very many people. And that is what one encounters in the transition from the dark age to the age of light. A radical turning point in time is upon us.
[ 9 ] Nun ist es auch wiederum natürlich, daß ja dieser Übergang in zwei Strömungen sozusagen aufgetreten ist. Deshalb sind in einer gewissen Weise anthroposophische Bewegung und Jugendbewegung schicksalsmäßig schon miteinander verbunden. Denn die anthroposophische Bewegung vereinigt die Leute jeglichen Standes, Berufes und Alters, die an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert gefühlt haben, daß der Mensch sich in einer ganz anderen Weise in das gesamte Weltall hineinstellen muß. Er muß nicht nur etwas bestätigt bekommen, bewiesen bekommen, er muß etwas erleben können. Und so erschien es mir wirklich ganz karmisch, ganz schicksalsgemäß, daß die beiden Bewegungen zusammengeführt wurden. Und das hat ja dann dazu geführt, daß wirklich eine Art Jugendbewegung, eine Art anthroposophische Jugendbewegung innerhalb der anthroposophischen Bewegung entstanden ist, und daß dieses zuletzt dazu geführt hat, daß, als die anthroposophische Bewegung auf unserer Weihnachtstagung am Goetheanum neu begründet wurde, wir bald darauf die Einrichtung einer Jugendsektion folgen ließen, wo nun tatsächlich die Interessen, die heute in der ehrlichsten, aufrichtigsten Weise durch die Gemüter der jungen Menschen gehen, gepflegt werden sollen.
[ 9 ] Now, it is also only natural that this transition took place, so to speak, in two distinct currents. That is why, in a certain sense, the anthroposophical movement and the youth movement are already fatefully linked. For the anthroposophical movement brings together people of every social class, profession, and age who, at the turn of the 19th to the 20th century, felt that human beings must relate to the entire universe in a completely different way. They must not only have something confirmed or proven to them; they must be able to experience something. And so it really seemed to me to be entirely karmic, entirely fated, that the two movements were brought together. And that then led to the emergence of a kind of youth movement—a kind of anthroposophical youth movement—within the anthroposophical movement itself, and this ultimately led to the fact that, when the anthroposophical movement was reestablished at our Christmas Conference at the Goetheanum, we soon followed up by establishing a Youth Section, where the interests that today genuinely and sincerely occupy the minds of young people are to be nurtured.
[ 10 ] Es war, ich möchte sagen, ein ungeheuer erfreulicher Vorstoß, der da in den ersten Monaten des Jahres in bezug auf unsere anthroposophische Jugendbewegung gemacht worden ist. Daß es jetzt etwas stagniert, hat seine Gründe; das liegt in der Schwierigkeit der Jugendbewegung. Sehen Sie, die Schwierigkeiten liegen darinnen, daß aus dem Chaos, namentlich aus dem geistigen Chaos, das in der Gegenwart besteht, es schwer ist, irgend etwas herauszugestalten. Heute etwas zu gestalten, ist eben viel schwieriger, als es jemals gewesen ist. Deshalb ist es schon so — sehen Sie, es liegt mir wirklich ganz ferne zu renommieren; diejenigen, die mich kennen, werden das wissen —, aber es ist so, daß einem heute die merkwürdigsten Dinge begegnen. Ich mußte, als der außerordentlich freundliche, liebenswürdige, verzeihen Sie, daß ich noch einmal darauf zurückkomme, Ausspruch des Herrn Rektor Bartsch gestern an meine Ohren drang, der da sagte, daß ich, wenn ich hier zur Anthroposophischen Gesellschaft komme, wie der Vater empfunden werde — ich mußte ja sagen, es ist schon etwas daran. Aber da werde ich als der Vater angesprochen — Väter sind alt, die können nicht mehr ganz jung sein. In Dornach hatte ich gerade, als wir mit der Jugendsektion anfingen, die Anregung gegeben, es sollten sich die jungen Leute von sich aus klipp und klar aussprechen. Da traten eine Anzahl junger Leute auf und sprachen sich sehr schön und ehrlich aus. Da sprach ich mich auch. aus. Nachher, als die ganze Sache zu Ende war, sagte mir jemand, der mich sonst ganz gut kennt, nachdem er sich das auch angehört hatte: «Sie sind dennoch der jüngste unter den Jungen gewesen.» So etwas kann einem heute passieren: da wird man als der alte Vater angeredet, da als der jüngste unter den Jungen. Da können doch die Begriffe nicht mehr ganz fest stehen. Also wissen Sie, wenn man so die Sprossen hinauf- und hinunterklettert, bald als das Väterchen, bald als der jüngste unter den Jungen, hat man gerade Gelegenheit, in das hineinzuschauen, was alles die Gemüter bewegt.
[ 10 ] It was, I would say, an immensely gratifying step forward that was taken in the first few months of the year with regard to our anthroposophical youth movement. There are reasons why things have now stagnated somewhat; this stems from the difficulties inherent in the youth movement. You see, the difficulties lie in the fact that it is hard to shape anything out of the chaos—especially the spiritual chaos—that exists today. Creating something today is simply much more difficult than it has ever been. That is why it is the case—you see, it is truly far from my nature to seek recognition; those who know me will know this—but it is true that one encounters the most remarkable things today. When the extraordinarily friendly, gracious—forgive me for returning to this once more—remark by Rector Bartsch reached my ears yesterday, in which he said that when I come here to the Anthroposophical Society, I am perceived as a father—I had to say, there is certainly some truth to that. But then I’m addressed as “the father”—fathers are old; they can’t be quite young anymore. In Dornach, just as we were starting the Youth Section, I had suggested that the young people should speak out clearly and plainly of their own accord. Then a number of young people stepped forward and spoke very beautifully and honestly. I also spoke my mind. Afterward, when the whole thing was over, someone who usually knows me quite well—after having listened to that as well—said to me, “You were still the youngest among the young people.” That sort of thing can happen to you these days: one moment you’re addressed as the old father, the next as the youngest among the young people. Clearly, the terms aren’t entirely fixed anymore. So you see, when you climb up and down the rungs like that—sometimes as the little old man, sometimes as the youngest among the young people—you have just the right opportunity to get a glimpse into what stirs people’s hearts.
[ 11 ] Nun, ich sagte, die Jugendsektion sei in eine Stagnation hineingekommen. Sie wird schon wieder herauskommen. Sie ist aus dem Grunde hineingekommen, weil es zunächst wirklich dem jugendlichen Gemüte außerordentlich schwer wird, sich in das auch hineinzudenken, was es ganz klar fühlt. Sehen Sie, unsere Zivilisation hat mit dem Geist den Menschen verloren! Und wenn ich jetzt mehr von den Hintergründen des Daseins spreche, so sehe ich doch, daß junge Menschen, die erst vor kurzem aus der geistigen Welt zum physischen Dasein heruntergestiegen sind, eben mit ganz anderen Forderungen an das Leben heruntersteigen als die, die früher heruntergestiegen sind. Warum ist das so? Sie brauchen mir das ja nicht zu glauben. Aber mir ist es eine Erkenntnis, nicht bloß ein Glaube. Sehen Sie, man macht, bevor man zum physischen Erdendasein heruntersteigt, in der geistigen Welt allerlei durch, was inhaltsvoller, gewaltiger ist als das, was man auf der Erde durchzumachen hat. Damit soll das. Erdenleben nicht unterschätzt werden. Die Freiheit könnte sich nie entwickeln ohne das Erdenleben. Aber großartiger ist das Leben zwischen Tod und Geburt. Die Seelen, die heruntergestiegen sind, das sind die Seelen, die in Ihnen sind, meine lieben Freunde. Die waren wirklich ansichtig einer hinter dem physischen Dasein verlaufenden ungeheuer bedeutungsvollen geistigen Bewegung in überirdischen Regionen, derjenigen Bewegung, die ich innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft die Michael-Bewegung nenne. Es ist so. Ob es der heutige materialistische Mensch glauben will oder nicht, es ist so! Und die führende Macht für heute, für unsere gegenwärtige Zeit — man könnte sie ja auch anders nennen, ich nenne sie die Michael-Macht —, strebt eigentlich innerhalb der geistigen Führung der Erde und der Menschheit nach einem Neugestalten alles Seelenhaften auf der Erde. Die Menschen, die im 19. Jahrhundert so gescheit geworden sind, ahnen ja gar nicht, daß von der geistigen Welt aus die Seelenverfassung aufgegeben ist, die gerade als die aufgeklärteste im 19. Jahrhundert sich herausgebildet hat, daß der ein Ende gesetzt ist, daß eine Michael-Gemeinschaft von Wesen, die niemals auf die Erde kommen, aber die Menschheit leiten, danach strebt, eine neue Seelenverfassung in die Menschheit hineinzubringen. Der Tod der alten Zivilisation ist eben einmal gekommen.
[ 11 ] Well, I said that the youth section had fallen into a state of stagnation. It will emerge from it again. It fell into this state because, at first, it is truly extremely difficult for the youthful mind to grasp intellectually what it feels quite clearly. You see, our civilization has lost touch with the human spirit! And when I speak now more about the deeper aspects of existence, I see that young people who have only recently descended from the spiritual world into physical existence come down with entirely different expectations of life than those who descended earlier. Why is that? You don’t have to believe me, of course. But for me, it is a realization, not merely a belief. You see, before one descends into physical life on Earth, one experiences all manner of things in the spiritual world that are more meaningful and more profound than what one has to go through on Earth. This is not to say that earthly life should be underestimated. Freedom could never develop without earthly life. But life between death and birth is even more magnificent. The souls that have descended—these are the souls that are within you, my dear friends. They have truly witnessed an immensely significant spiritual movement unfolding behind physical existence in supermundane regions—the very movement that I call the Michael Movement within our Anthroposophical Society. It is so. Whether today’s materialistic human being wants to believe it or not, it is so! And the leading power for today, for our present time—one could call it by another name, but I call it the Michael Power—is actually striving, within the spiritual guidance of the Earth and humanity, to reshape everything soul-related on Earth. The people who became so clever in the 19th century have no inkling that, from the spiritual world, the state of the soul that had developed in the 19th century as the most enlightened has been abandoned; that an end has been put to it; that a Michael community of beings—who never come to Earth but guide humanity— is striving to bring a new state of the soul into humanity. The death of the old civilization has simply come.
[ 12 ] Ich habe es in der Zeit, in der die Dreigliederungsbewegung war, die eben an dem Tode der alten Zivilisation gescheitert ist, öfters gesagt: Wir haben heute keine Dreigliederung im öffentlichen Leben nach Geist, nach Jurisprudenz und so weiter und nach Wirtschaft, sondern wir haben eine Dreigliederung nach Phrase, Konvention und Routine. Phrase ist das, was als das geistige Leben auftritt, und Routine — nicht Menschenwohlwollen, Menschenliebe, wie sie herrschen soll im Wirtschaftsleben — ist das, was das Wirtschaftsleben beherrscht.
[ 12 ] I have often said, during the time of the Threefold Social Order movement—which failed precisely because of the death of the old civilization—that: Today, we have no threefold social order in public life based on the spiritual, the legal, and so on, and the economic, but rather a threefold social order based on empty phrases, convention, and routine. Empty phrases are what pass for spiritual life, and routine—not human goodwill or love of humanity, as should prevail in economic life—is what dominates economic life.
[ 13 ] Diese Seelenverfassung, in der die Menschen darinnenstecken, diese Seelenverfassung soll durch eine andere abgelöst werden, die wieder aus dem Menschen selber heraufkommt, die im Menschenwesen erlebt ist. Das ist das Streben von geistigen Wesenheiten, die, ich möchte sagen, durch die Zeichen der Zeit erkennbar sind und die Führung unseres Zeitalters übernommen haben. Die Seelen, die in Ihren Leibern auf die Erde heruntergezogen sind, die haben diese Michael-Bewegung gesehen und sind unter dem Eindruck der Michael-Bewegung heruntergekommen. Und hier lebten sie sich ein in eine Menschheit, die eigentlich den Menschen ausschließt, den Menschen zur Maske macht. Und so ist eigentlich die Jugendbewegung eine wunderbare Erinnerung an das vorirdische Erleben, an wichtigste Eindrücke dieses vorirdischen Lebens. Und hat man diese unbestimmten, unterbewußten Erinnerungen an das vorirdische Leben, diesen Anblick des Strebens nach einer Erneuerung der menschlichen Seelenverfassung, man findet nichts davon auf der Erde. Das ist, was eigentlich heute in jugendlichen Gemütern vorgeht.
[ 13 ] This state of mind in which people find themselves—this state of mind is to be replaced by another that arises once again from within the human being itself, one that is experienced within the human being. This is the aspiration of spiritual beings who, I would say, are recognizable through the signs of the times and have taken on the leadership of our age. The souls who have descended to Earth in their bodies have witnessed this Michael Movement and have come down under its influence. And here they have found themselves living among a humanity that actually excludes the human being, turning the human being into a mask. And so the youth movement is actually a wonderful reminder of pre-earthly experiences, of the most important impressions of that pre-earthly life. And when one has these vague, subconscious memories of pre-earthly life—this vision of the striving for a renewal of the human soul’s constitution—one finds nothing of the sort on Earth. That is what is actually taking place in the minds of young people today.
[ 14 ] Die anthroposophische Bewegung ist dasjenige, was sich aus der Michael-Bewegung offenbart; sie hat das, was da gewollt wird, unter die Menschen zu bringen. Die anthroposophische Bewegung möchte hier auf der Erde von der Erde aus hinaufschauen zu der Michael-Bewegung. Die Jugend bringt sich die Erinnerung aus dem vorirdischen Dasein mit. Das führt schicksalsmäßig zusammen. So erschien mir alles das, was sich im Zusammenhang der Jugendbewegung mit der anthroposophischen Bewegung abgespielt hat, wirklich wie ganz innerlich, nicht bloß durch irdische Verhältnisse, sondern durch geistige Verhältnisse, insofern diese geistigen Verhältnisse zum Menschen gehören, gegeben zu sein. Aus diesen Untergründen heraus empfinde ich gerade diese Jugendbewegung als die, welche unendlich viele Hoffnungen erwecken kann für die Zukunft dessen, was man im richtigen Sinne als Anthroposophisches empfinden kann.
[ 14 ] The anthroposophical movement is that which manifests itself out of the Michael movement; its purpose is to bring what is intended there down among human beings. The anthroposophical movement seeks to look up from here on Earth, from the Earth itself, toward the Michael movement. Young people bring with them the memory of their pre-earthly existence. This brings them together by destiny. Thus, everything that has taken place in connection with the youth movement and the anthroposophical movement truly appeared to me to be given from within—not merely through earthly circumstances, but through spiritual circumstances, insofar as these spiritual circumstances belong to human beings. Based on these underlying factors, I perceive this youth movement in particular as one that can inspire infinite hope for the future of what can be understood, in the true sense, as anthroposophy.
[ 15 ] Es tritt einem natürlich immer wieder das entgegen, was dadurch, daß sowohl anthroposophische Bewegung wie Jugendbewegung Anfänge sind, eigentlich auftreten muß. Wir haben ja die Freie Anthroposophische Gesellschaft neben der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland begründen sehen, und diese Freie Anthroposophische Gesellschaft hatte, da das auch sein muß, eine Vorstand sich erkoren oder gewählt. Ich glaube, es waren sieben Mitglieder im Vorstand — es sagt jemand, es seien neun — ach, gar neun; nun, sehen Sie, es waren neun, aber es ist einer nach dem andern bis auf drei, die zuletzt übrig geblieben sind, so hinauskomplimentiert worden; alles ganz verständlich, ganz richtig verständlich. Die Freie Anthroposophische Gesellschaft wollte im wesentlichen das Jugenderlebnis erfassen. Nun kam es zur Diskussion über das Jugenderlebnis. Da bestritt man eben einem nach dem andern, die da im Vorstand waren, daß er das rechte Jugenderlebnis haben könnte. Es blieben drei zurück, die diskutierten selbstverständlich untereinander, ob alle das Jugenderlebnis hätten. Auch da tritt etwas ganz Merkwürdiges auf, schicksalsmäßig Hindeutendes tritt zwischen der Jugendbewegung und der anthroposophischen Bewegung zutage. Es tritt spaßhaft auf, ist aber sehr ernsthaft. Denn wenn man über die großen Schicksalsfragen nachforscht, kommt man auf sehr bedeutende Dinge, und da zeigt sich oft symptomatisch die Größe des Schicksals. Als wir die Anthroposophische Gesellschaft begründet hatten, hatten wir auch Vorstandsmitglieder, die zankten sich furchtbar, und mir war es klar, daß dann einige allein dastehen werden, wenn sie die andern hinauskomplimentieren würden; aber daß es damit nicht zu Ende kommen würde, sondern daß dann die linke Seite mit der rechten in Streit kommen würde, die linke Seite eines Menschen mit der rechten Seite eines Menschen, ob die rechte oder die linke das Jugenderlebnis wirklich habe. Das schaut wie Ironie aus, ist es aber nicht. Aber es weist nur darauf hin, daß das, was heute Jugenderlebnis genannt werden muß, tief unten in der Seele liegt, und es ist das Bedeutsame in dem Jugenderlebnis, daß es nicht unbedingt in klare Worte gefaßt werden kann. Klare Worte sind in der Zeit der Gescheitheit so viele gesprochen worden! Es kommt darauf an, daß wir eben zu Erlebnissen kommen. Aber da sollte es dann auch schon so sein, daß, ich möchte sagen, das auch auftritt, was notwendig zu diesem Nicht-zu-klaren-Formen-und-so-weiter-Kommen dazugehört. Der Anspruch auf das Recht, im Unbestimmten zu beharren, ist eben vorhanden. Ein anderes muß hinzukommen: sich wirklich nicht unter dem Eindruck der Unklarheit auseinanderzutrennen, sondern zusammenzugehen und sich zu äußern.
[ 15 ] Of course, one repeatedly encounters what is bound to occur given that both the anthroposophical movement and the youth movement are in their early stages. We have, after all, seen the Free Anthroposophical Society founded alongside the Anthroposophical Society in Germany, and this Free Anthroposophical Society, as was to be expected, had chosen or elected a board of directors. I believe there were seven members on the executive committee—someone says there were nine—oh, nine indeed; well, you see, there were nine, but one after another they were politely shown the door until only three remained in the end; all quite understandable, perfectly understandable. The Free Anthroposophical Society essentially wanted to capture the “youth experience.” Now a discussion arose about the “youth experience.” One by one, the members of the executive committee were accused of not having the true experience of youth. Three remained, and they naturally discussed among themselves whether they all had that experience. Here, too, something quite remarkable emerges—a fateful connection between the youth movement and the anthroposophical movement comes to light. It appears in a playful way, yet it is very serious. For when one investigates the great questions of destiny, one comes upon very significant things, and there the magnitude of destiny often reveals itself symptomatically. When we had founded the Anthroposophical Society, we also had executive committee members who quarreled terribly, and it was clear to me that some would be left standing alone if they were to show the others the door; but that this would not be the end of it—rather, the left side would then come into conflict with the right, the left side of one person with the right side of another, over whether the right or the left truly possesses the experience of youth. This may look like irony, but it is not. It merely points out that what must be called a “youth experience” today lies deep within the soul, and what is significant about the youth experience is that it cannot necessarily be put into clear words. So many clear words have been spoken in this age of cleverness! What matters is that we actually arrive at experiences. But then it should also be the case—and I would say this does indeed happen—that what is necessary to go beyond clear forms and so on actually occurs. The claim to the right to persist in the indeterminate is indeed present. Something else must be added: not to drift apart under the impression of ambiguity, but to come together and express ourselves.
[ 16 ] Insoweit Sie, meine jungen Freunde, hier zusammensitzen, möchte ich eigentlich vor allem den Wunsch aussprechen, daß Sie alle, was Sie auch fühlen, denken und empfinden mögen, mit eisernem Willen zusammenhalten, richtig zusammenhalten. Das brauchen wir vor allen Dingen, wenn wir in den großen Lebensfragen heute etwas erreichen wollen. Da können wir gar nicht immer darauf hinschauen, ob der eine ein bißchen eine andere Meinung hat als man selber. Es handelt sich wirklich darum, daß man sich zusammenfindet auch in der größten Differenz der Gefühle und Empfindungen. Das wird vielleicht später die schönste Errungenschaft sein, daß man in der Jugend trotz der Differenz in den Empfindungen zusammenzuhalten wußte. Es ist ja heute für den jungen Menschen wirklich so, daß er vor allen Dingen vermißt, den Menschen zu finden. Er fand unter dem, wo er hineingesteckt wurde, eben nicht den Menschen, weil der Mensch erstorben ist. Masken sind da, nicht Menschen! Überall Masken! Nun trat natürlich das hervor, was hervortreten mußte. Man suchte den Menschen! Und das ist etwas ungeheuer Ergreifendes. Denn all die verschiedenen Pfadfinderbewegungen, Wandervogelbewegungen und so weiter sind alle ein Suchen nach dem Menschen. Man sucht sich zusammenzuschließen. Jeder sucht beim andern den Menschen. Es ist ganz begreiflich. Weil geistig der Mensch eigentlich nicht mehr da war, so sagte man sich: Aber ich fühle doch, der Mensch muß doch da sein. Nun suchte man den Menschen, suchte ihn vor allen Dingen im Zusammenschluß. Aber das hat das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren — etwas ungeheuer Tragisches gehabt. Viele junge Leute haben diese Tragik durchgemacht. Sie sind in den Zusammenschluß eingetreten und haben gemeint, den Menschen zu finden. Der Zusammenschluß erfüllte sie nicht mit irgend etwas, was sie suchten; sie wurden um so einsamer wiederum. Und diese zwei Phasen der Jugendbewegung sind deutlich hervorgetreten: die Phase der Geselligkeit, die Phase der großen Einsamkeit. Wieviele junge Leute sind heute da, die wirklich mit dem Bewußtsein, nirgends verstanden zu werden, einsam durch die Welt ziehen.
[ 16 ] Since you, my young friends, are gathered here, I would like above all to express the hope that all of you—whatever you may feel, think, or sense—will stick together with an iron will, truly stick together. That is what we need above all else if we are to achieve anything today in the great questions of life. We cannot always be concerned with whether one person has an opinion that differs slightly from our own. What really matters is that we come together even in the face of the greatest differences in feelings and sensibilities. Perhaps this will later prove to be the most beautiful achievement—that, in our youth, we knew how to stick together despite our differing sensibilities. After all, it is truly the case today that what young people miss most of all is finding the human being. In the environment into which they were placed, they simply did not find the human being, because the human being has died out. There are masks, not people! Masks everywhere! So, naturally, what had to emerge did emerge. People were searching for the human being! And that is something tremendously moving. For all the various Scout movements, Wandervogel movements, and so on are all a search for the human being. People seek to unite. Everyone looks for the human being in the other. It is quite understandable. Because spiritually, the human being was actually no longer there, people said to themselves: But I feel that the human being must be there after all. So people sought the human being, seeking him above all else in these groups. But—and we must not lose sight of this—there was something immensely tragic about it. Many young people experienced this tragedy. They joined these groups, believing they would find the human being. The group did not fulfill them with anything they were seeking; they became all the more lonely as a result. And these two phases of the youth movement have emerged clearly: the phase of sociability, the phase of profound loneliness. How many young people are there today who wander through the world in solitude, truly conscious that they are not understood anywhere?
[ 17 ] Nun ist es so, man kann im anderen Menschen den Menschen nicht finden, wenn man ihn nicht auf geistige Weise zu suchen versteht, denn der Mensch ist einmal ein geistiges Wesen, und wenn man dem Menschen nur äußerlich gegenübertritt, so kann man ihn nicht finden, auch wenn er da ist. Es ist ja heute jammervoll, wie die Menschen eigentlich im Leben aneinander vorbeigehen. Gewiß, man schimpft heute mit Recht auf frühere Zeiten. Es ist vieles, was barbarisch war. Aber etwas war da: der Mensch fand den Menschen im anderen Menschen. Das kann er heute nicht. Die Menschen, die heute Erwachsenen, gehen alle aneinander vorbei. Keiner kennt den anderen. Es kann nicht einmal einer mit dem anderen leben, weil keiner dem anderen zuhört. Jeder schreit dem anderen etwas in die Ohren: seine eigene Meinung, und sagt dann, das ist meine eigene Meinung, das ist mein Standpunkt. Man hat heute wirklich lauter Standpunkte. Mehr Inhalt ist nicht da, denn das, was von den Standpunkten aus geltend gemacht wird, ist gleichgültig. Diese Dinge mit dem Herzen, nicht mit dem Verstande angesehen, die vibrieren durch die Jugend. Und deshalb können Sie sicher sein, die Empfindung muß richtig sein, daß etwas von Schicksalszusammenhang zwischen Jugendbewegung und anthroposophischer Bewegung besteht, daß nicht, weil man das auch probieren wollte, nachdem man vieles probiert hatte, die jungen Leute an die Anthroposophie herankamen, sondern aus einem Schicksal kamen sie heran. Und das gibt mir die Gewißheit, daß wir werden zusammenarbeiten können. Wir werden uns zusammenfinden, und wie auch die Dinge sich entwickeln, sie müssen sich so entwickeln, daß vor allen Dingen das Menschliche im weitesten Sinne, das in der Jugend lebt, zur Geltung kommt. Denn sonst kommt etwas ganz anderes, wenn nicht wirklich Geist aus dem jugendlichen Leben hervorquillt. Dann ist allerdings das jugendliche Leben da, man wird das Jungsein empfinden können, aber dieses Jungsein, ohne von Geist erfüllt zu sein, das hört im Anfang der Zwanzigerjahre auf. Denn physiologisch können wir die Jugend ja doch nicht erhalten. Wir müssen schon alt werden, aber wir müssen aus der Jugend ins Alter etwas hineintragen können. Wir müssen das Jungsein auch so verstehen, daß wir mit ihm in der richtigen Weise älter werden können, und ohne vom Geist in der Seele, in der tiefsten Seele berührt zu werden, kann man die Jahre zwischen zwanzig und dreißig doch nicht überstehen, ohne in das graue Seelenelend zu verfallen. Und das ist das, was zugleich meine große Sorge ausmacht. Diese besteht darin: Wie können wir zusammenarbeiten so, daß der Abgrund zwischen dem zwanzigsten und dem dreißigsten Jahr von unserer Jugend wirklich lebendig überschritten wird, ohne daß sie ins graue Seelenelend hineinkommt. Ich habe die Menschen schon kennengelernt, welche in der Mitte der Zwanzigerjahre ins graue Seelenelend hineingekommen sind. Denn im Grunde genommen ist das, was nach dem Ablauf des Kali ‚Yuga in den Untergründen der jugendlichen Seele lebt, der Schrei nach dem Geistigen. Es ist schon richtig, das macht nichts aus, daß unter Ihnen viele sind, die nicht in der Anthroposophischen Gesellschaft sind. Ich war bis zu Weihnachten auch nicht darinnen. Da ich Vorsitzender werden mußte, mußte ich in sie eintreten. Darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, daß man nach dem wirklich konkreten Geistigen sieht.
[ 17 ] The fact is, one cannot find the human being within another person unless one knows how to seek them in a spiritual way, for human beings are, after all, spiritual beings; and if one approaches them only superficially, one cannot find them, even if they are right there. It is truly lamentable today how people actually pass each other by in life. Certainly, people today are right to criticize earlier times. Much of it was barbaric. But one thing was there: people found the human being in another human being. They cannot do that today. People—the adults of today—all pass each other by. No one knows the other. People can’t even live with one another because no one listens to the other. Everyone shouts something in the other’s ear—their own opinion—and then says, “That’s my own opinion; that’s my point of view.” Today, people really do have nothing but points of view. There is no deeper substance, for what is asserted from these points of view is irrelevant. These things, viewed with the heart rather than the intellect, resonate deeply with young people. And that is why you can be certain that the feeling must be correct: that there is a fateful connection between the youth movement and the anthroposophical movement; that young people did not come to anthroposophy simply because they wanted to try it—after having tried so many other things—but rather that they were drawn to it by fate. And that gives me the certainty that we will be able to work together. We will come together, and however things develop, they must develop in such a way that, above all, the human element in the broadest sense—which lives in youth—comes to the fore. For otherwise, something entirely different will emerge if spirit does not truly well up from youthful life. Then, of course, youthful life will be there, and one will be able to experience youthfulness, but this youthfulness, without being filled with spirit, comes to an end in one’s early twenties. For physiologically, after all, we cannot preserve our youth. We must grow old, but we must be able to carry something from youth into old age. We must also understand youth in such a way that we can grow older with it in the right way, and without being touched by the spirit in the soul—in the deepest soul—one cannot get through the years between twenty and thirty without falling into the gray misery of the soul. And that is precisely what constitutes my great concern. It consists of this: How can we work together in such a way that the chasm between the ages of twenty and thirty is truly and vibrantly bridged by our youth, without it descending into that gray spiritual desolation? I have already met people who, in their mid-twenties, have fallen into that gray spiritual desolation. For, fundamentally speaking, what lives in the depths of the youthful soul after the end of the Kali Yuga is the cry for the spiritual. It is quite true—and it does not matter—that many of you are not members of the Anthroposophical Society. I wasn’t a member until Christmas either. Since I had to become chairman, I had to join. That is not what matters. What matters is that one seeks the truly concrete spiritual.
[ 18 ] Mit diesen Worten wollte ich Ihnen eine kleine Einleitung geben. Ich hoffe, daß Sie vieles werden zu sagen haben. Sprechen Sie sich unverhohlen aus, wählen Sie sich einen Vorsitzenden oder tun Sie das, wie Sie wollen. So habe ich auch die Dornacher Jugend gebeten, sich offen auszusprechen, damit wir zusammenarbeiten können. Der Dornacher Vorstand wird sicher aufmerksam zuhören, und wir werden das alles als gute Lehren für die Jugendsektion am Goetheanum entgegennehmen, was Sie selber zu sagen haben. Wir wollen uns nicht väterlich, sondern recht «söhnlich» verhalten zu dem, was Sie zu sagen haben.
[ 18 ] With these words, I wanted to offer you a brief introduction. I hope you will have much to say. Speak your minds freely, choose a chairperson, or do as you wish. I have also asked the Dornach youth to speak openly so that we can work together. The Dornach Executive Board will certainly listen attentively, and we will take everything you have to say as valuable lessons for the Youth Section at the Goetheanum. We do not wish to respond to what you have to say in a paternalistic manner, but rather in a truly “brotherly” way.
[ 19 ] Frage: Einer der jungen Freunde erzählte davon, daß sie gerne etwas Gemeinsames arbeiten wollten. Dieses gemeinsame Arbeiten sei ihnen aber schwer geworden; am besten seien ihnen die Weihnachtsspiele gelungen. Sie würden immer nach kurzer Zeit müde werden, sie fühlten sich von ihrem Beruf zerrieben. — Dann wurde noch über die Michaels-Idee gesprochen.
[ 19 ] Question: One of the young friends mentioned that they wanted to work on a project together. However, they found this collaborative work difficult; the Christmas plays were what they did best. They would always get tired after a short time; they felt worn down by their jobs. — Then they talked about the Michael’s idea.
[ 20 ] Rudolf Steiner: Wie kann man sich in den Beruf hineinstellen, wiederum mit innerlicher Freude in dem Beruf darinnen richtiger Mensch sein? Ja, sehen Sie, diese Dinge sind ja nicht so ganz leicht zu beantworten, meine lieben Freunde, aber man darf vielleicht etwas zu der Antwort beitragen, wenn man diese Dinge als Erlebnis kennt. Sehen Sie, ich habe so manche Freunde gehabt, als ich so alt war wie Sie. Die warfen dazumal auch die Frage auf, wie kann man sich in den Beruf hineinstellen, ohne in der Freudlosigkeit zu vergehen, ohne gewissermaßen das Seelische zu ertöten. Sie haben sich dann, nachdem sie alle — dazumal nannte man es Brauseköpfe, wenn einer sich frei entwickeln wollte — lange frei gebummelt hatten, in irgendeinen Beruf hineingeschoben, aber sie verkümmerten seelisch furchtbar. Ich möchte nicht gern von mir selber reden, aber in diesem Falle muß ich es. Ich habe mich in keinen Beruf hineingestellt, denn hätte ich es getan, es wäre zu keiner anthroposophischen Bewegung gekommen. Um das Vermächtnis Goethes zu gestalten, durfte man in keinem Beruf darinnenstehen. Man muß das Leben gestalten. Deshalb darf ich aus meinem Leben heraus einiges sagen zur Beantwortung der Frage. Das Problem kann nicht gelöst werden, sich in den heutigen Beruf hineinzustellen und innere Lebensfreudigkeit zu behalten. Deshalb muß man sich aber doch in die heutigen Berufe hineinstellen, denn es gehört Resignation dazu, sich in keinen Beruf hineinzustellen. Dazu müssen Sie sich schon aufschwingen einzusehen, daß es nicht möglich ist, sich in die heutigen Berufe hineinzustellen mit Lebensfreudigkeit oder Befriedigung. Das wird erst möglich sein, wenn das Berufsleben so beschaffen ist, daß es dem Menschen angemessen ist. Darauf muß verzichtet werden, sich in einen heutigen Beruf hineinzustellen und lebensfreudig zu sein. Sie müssen das Problem jenseits des Berufes lösen. In der wenigen Zeit, die Ihnen der Beruf übrig läßt, müssen Sie sich aber um so intensiver anstrengen. Es ist außerordentlich wohlig, und ich gebe Ihnen ganz recht in dem, was Sie gesagt haben von der anderen Seite her, Weihnachtsspiele zu spielen und daran Freude zu haben; aber ich habe Leute kennengelernt, die auch zu den Weihnachtsspielen kamen, auch dabei waren und mittaten, die hatten nicht nur auf dem Körper, sondern auch auf der Seele graue Haare. Dazu braucht man nicht jung zu sein.
[ 20 ] Rudolf Steiner: How can one approach one’s profession in such a way as to be a truly human being within it, once again with inner joy? Yes, you see, these things are not all that easy to answer, my dear friends, but perhaps one can contribute something to the answer if one has experienced these things firsthand. You see, I had quite a few friends when I was your age. Back then, they, too, raised the question of how one can engage with one’s profession without withering away in joylessness, without, so to speak, killing off one’s soul. After they had all—back then, people called those who wanted to develop freely “hotheads”—spent a long time idling about freely, they eventually squeezed themselves into some profession or another, but they withered away spiritually in a terrible way. I don’t really like to talk about myself, but in this case I have to. I did not commit myself to any profession, for had I done so, there would have been no anthroposophical movement. In order to give shape to Goethe’s legacy, one could not be entrenched in any profession. One must shape life itself. That is why I may say a few things drawn from my own life in answer to the question. The problem cannot be solved by immersing oneself in today’s professions and retaining an inner zest for life. Yet one must still immerse oneself in today’s professions, for it requires resignation not to do so. To do this, you must bring yourself to realize that it is not possible to immerse yourself in today’s professions with a zest for life or a sense of fulfillment. That will only be possible when working life is structured in a way that is appropriate for human beings. You must give up the idea of immersing yourself in a modern profession and remaining full of zest for life. You must solve the problem beyond the realm of work. In the little time that your job leaves you, however, you must strive all the more intensely. It is extraordinarily pleasant, and I completely agree with what you said from the other perspective—about performing Christmas plays and taking joy in them; but I have met people who also came to the Christmas plays, were there, and took part, who had gray hair not only on their bodies but also on their souls. You don’t have to be young for that.
[ 21 ] Die Anthroposophie hat eine Eigentümlichkeit. Wenn Sie heute ein strebsamer Mensch sind, und sich ein bißchen bilden wollen, nehmen Sie das auf, was in den Büchern steht. Was für Ansprüche macht die Literatur? Sie macht den Anspruch, daß sie eindeutig ist. Wenn Sie ein wissenschaftliches Buch nehmen, ist es egal, ob Sie achtzehn, fünfundzwanzig, siebenunddreißig oder achtzig Jahre alt sind. Die Wahrheit soll überall auf Sie wirken. Das soll absolut wahr sein. Das ist bei der Anthroposophie nicht so. Die Anthroposophie werden Sie als achtzehnjähriger Mensch anders aufnehmen wie als sechsundzwanzigjähriger, weil sie mit Ihnen wächst. Sie schmiegt sich an den Menschen an in seiner Jugendlichkeit und auch in seinem Alter. So wie der Mensch selber alt wird, wird auch die Anthroposophie alt. Wenn man sich in dieser ganz neuen, nennen Sie es Weltauffassung, Seelenverfassung, wie Sie wollen, wenn man sich in dem ganz Neuen ergeht, Gemeinschaften gestaltet, um gerade das leben zu lassen in der Gemeinschaft, wird man schon darauf kommen: Da kann man jung sein und kann sich in richtiger Weise hineinfinden, so daß die Dinge sich auch jugendlich auswirken. Die alten Leute machen uns ja ohnehin den Vorwurf, daß Sie die Anthroposophie nicht verstehen. Ein gutes Zeichen für die Anthroposophie! Man soll sie nicht verstehen, man soll sie erleben. Und dieser letzte Konservatismus muß auch noch verschwinden, daß man glaubt, man kann sich in die heutigen Berufe mit Freude hineinfinden. Man muß neben dem Beruf einen Weg finden und für diesen Weg so viele Menschen finden, daß eine solche Kraft entsteht, daß die Berufe neu gestaltet werden können. Denn nur in neugestalteten Berufen kann man sich freuen.
[ 21 ] Anthroposophy has a distinctive feature. If you are an ambitious person today and want to educate yourself a little, you take in what is written in the books. What claims does literature make? It claims to be unambiguous. When you pick up a scientific book, it doesn’t matter whether you’re eighteen, twenty-five, thirty-seven, or eighty years old. The truth is supposed to have an effect on you no matter what. It’s supposed to be absolutely true. That’s not the case with anthroposophy. As an eighteen-year-old, you’ll take in anthroposophy differently than you would as a twenty-six-year-old, because it grows with you. It adapts to the individual in their youth and also in their old age. Just as the individual themselves grows old, so too does anthroposophy. When one immerses oneself in this entirely new—call it a worldview, a state of mind, whatever you will—when one delights in this newness, forming communities precisely to allow this to come to life within the community, one will inevitably come to realize: There, one can be young and find one’s place in it in the right way, so that things also have a youthful effect. The older people accuse us anyway of not understanding anthroposophy. A good sign for anthroposophy! One is not supposed to understand it; one is supposed to experience it. And this last vestige of conservatism must also disappear—the belief that one can find joy in today’s professions. One must find a path alongside one’s profession and gather enough people for this path to generate the kind of force that can reshape the professions. For it is only in reshaped professions that one can find joy.
[ 22 ] Daß diese Kraft entsteht, dazu kann viel geschehen, wie ich es Ihnen in der Michaels-Kraft charakterisiert habe. Die muß sich aber in grandiosen Michaels-Festlichkeiten ausleben. Wir müßten es wirklich dahin bringen, daß das aufkeimende Leben der Zukunft, das von uns noch ganz embryonal gefühlt werden kann, in Festen der Hoffnung, in Festen der Erwartung entstehen kann. In Festen, wo man nur durch Hoffnung und Erwartung zusammengehalten wird, nicht durch scharf konturierte Ideale, müßte man gerade in diesen Festen dieses Bild vor sich haben des Michaels mit den Führeraugen, der weisenden Hand, mit dem geistigen Rüstzeug. Solch ein Fest muß entstehen. Warum ist es nicht entstanden? So fest ich hinweisen werde, daß dieses Fest aus dem Schoße der anthroposophischen Bewegung hervorgehen muß, so fest werde ich es auch zurückhalten, so lange nicht die Kraft da ist, es würdig zu halten. Denn spielerisch es zu machen, dazu ist die Zeit zu ernst. Wenn es in würdiger Weise gefeiert wird, wird es große Impulse in die Menschheit hineinsenden. Daher müssen wir so lange warten, bis die Kraft dazu da ist. Nicht bloß ein vages, blaues, dunstiges Erbauen an der Michaels-Idee soll da sein, sondern das Bewußtsein, daß eine neue Seelenwelt unter den Menschen begründet werden muß. Es ist tatsächlich das Michaels-Prinzip das Führende. Dazu gehört gemeinschaftliches Erleben, um gerade auf eine Michaels-Festeszeit hinzuarbeiten, wo “dann der Geist der Hoffnung in die Zukunft, der Geist der Erwartung leben kann. Das ist schon etwas, was walten kann und nach dem Beruf eine große Befriedigung gewähren kann, daß man schon mit Resignation in den Beruf hineingehen kann. Es soll Sie das nicht verstimmen, sondern anregen.
[ 22 ] Much can happen to bring this power into being, as I have described to you in relation to the Michael power. But it must find its full expression in magnificent Michael festivities. We really ought to ensure that the burgeoning life of the future—which we can still sense only in its most embryonic form—can take shape in festivals of hope, in festivals of anticipation. In festivals where people are held together solely by hope and anticipation—not by sharply defined ideals—it is precisely in these festivals that we must keep before us the image of Michael with his guiding eyes, his pointing hand, and his spiritual armor. Such a festival must come into being. Why has it not yet come into being? Just as firmly as I will point out that this festival must emerge from the bosom of the anthroposophical movement, so firmly will I also hold it back as long as the strength is not there to celebrate it with dignity. For the times are too serious to treat it lightly. If it is celebrated in a dignified manner, it will send great impulses out into humanity. Therefore, we must wait until the strength for it is present. There should not merely be a vague, hazy, ethereal inspiration from the Michaelic idea, but rather the awareness that a new world of the soul must be established among humanity. It is indeed the Michaelic principle that is the guiding force. This involves a shared experience of working toward a Michaelmas festival season, where “the spirit of hope for the future, the spirit of anticipation, can then come to life.” This is something that can take hold and, in one’s profession, provide such great satisfaction that one can approach one’s work with resignation. This should not dishearten you, but rather inspire you.
[ 23 ] Frage: Man wird gezwungen, während des Berufes ein anderer Mensch zu sein. Am Abend macht man Übungen, klettert die Leiter hinauf und wird am Tage wieder hinuntergezogen.
[ 23 ] Question: You are forced to be a different person at work. In the evening, you do exercises, climb the ladder, and are pulled back down again during the day.
[ 24 ] Rudolf Steiner: Man kann das auch nicht hineintragen in den Beruf, weil heute viel zu wenig Menschen sind, als daß eine wirkliche Kraft entstehen kann. Das würde bewirkt werden, wenn alle die, die das, wenn auch noch so dunkel, fühlen, daß etwas anderes zu-erwarten ist, nach einer Vereintheit streben würden. Wenn Sie sich heute in irgendeinem Beruf drinnen befinden, nicht wahr, das wissen Sie ja doch ganz klar, sind noch eine ganze Anzahl anderer darinnen, die das nicht so fühlen wie Sie. Diese Menschen haben auch gar nicht das Bedürfnis, den Abend irgendwie in Jugendbewegungsversammlungen zuzubringen; sie stehen in dem Beruf so darinnen, daß sie eigentlich darinnen zufrieden sind, weil sie gar nicht das Zeug haben, unzufrieden zu sein; sie wollen gar nicht, daß der Beruf ihnen Freude macht. Etwas Charakteristisches ist da in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgetreten. Bei wissenschaftlichen Versammlungen bin ich zur Verzweiflung getrieben worden. Solange man die paar Stunden von offiziellen Verhandlungen hatte, wurde wissenschaftlich verhandelt. Dann setzte man sich zusammen, und wer nun aus dem Beruf heraus ein Sterbenswörtchen sagte, der wurde für einen Philister angesehen. Diejenigen unter ihnen, die keine Philister sein wollten, sie waren es erst recht. Die hatten immer das Wort auf den Lippen: Nur nicht fachsimpeln! Das zeugt dafür, daß man sich überhaupt gar nicht interessierte für das, was man berufsmäßig trieb. Das ist auf allen Gebieten so. Die Menschen sind zum großen Teil Opfer der Zeit; sie wären auch für etwas Besseres zu gewinnen. Dazu gehört eben, daß noch mehr Macht in den geistigen Bewegungen der Zeit zutage treten kann, damit nicht diejenigen, die den Beruf als niederdrückend empfinden, dastehen und erdrückt werden durch die anderen, die gar nicht solche Bedürfnisse haben. Also je mehr wir darauf verzichten, schon morgen etwas zu erreichen, um so mehr wir uns bemühen, emsig zu arbeiten in dem, was sein soll zunächst eine geistige Gemeinschaft, die auf etwas hinarbeitet, desto besser wird das sein. Das ist das, was wir ins Auge fassen müssen.
[ 24 ] Rudolf Steiner: You can’t bring that into your profession either, because there are far too few people today for a real force to emerge. That would happen if all those who sense—however vaguely—that something different is to be expected were to strive for unity. If you’re in any profession today—and you know this quite clearly—there are still quite a few others in it who don’t feel the same way you do. These people don’t feel the need to spend their evenings at youth movement meetings; they are so deeply entrenched in their profession that they are actually content with it, because they simply don’t have what it takes to be dissatisfied; they don’t even want their profession to bring them joy. Something characteristic emerged in the second half of the 19th century. I was driven to despair at scientific gatherings. As long as there were those few hours of official proceedings, scientific discussions took place. Then people would sit down together, and anyone who uttered so much as a single word about their profession was regarded as a philistine. Those among them who did not want to be philistines were, in fact, philistines all the more. They always had the phrase on their lips: “Just don’t talk shop!” This shows that they were not at all interested in what they did professionally. This is true in all fields. People are, for the most part, victims of the times; they could also be won over to something better. This involves allowing even more power to emerge in the spiritual movements of the times, so that those who find their profession oppressive are not left standing there, crushed by others who have no such needs at all. So the more we refrain from trying to achieve something as early as tomorrow, and the more we strive to work diligently toward what should first and foremost be a spiritual community working toward a common goal, the better it will be. That is what we must aim for.
[ 25 ] Frage: Gegensatz von jung und alt. Die alten Anthroposophen wollen nur den Geist in sich hineinzerren. Die jungen wollen herausgestalten. Die andern wollen bremsen; sie äußern sich spöttisch über das, was die Jugend schafft.
[ 25 ] Question: The contrast between young and old. The older anthroposophists want only to draw the spirit inward. The younger ones want to bring it outward. The others want to hold them back; they speak mockingly of what the young are creating.
[ 26 ] Rudolf Steiner: Es brauchte der Gegensatz zwischen jungen und älteren Leuten nicht so stark hervorzutreten. Da scheint mir doch das Richtige das zu sein, was ich gesagt habe, daß man versuchen soll, weil es ja schon gegenwärtig unmöglich ist, alle über einen Leisten zu schlagen, auch gegen den andern, sagen wir, tolerant zu sein. Es ist ganz gewiß, daß man ja auf der einen Seite anstreben wird, wenn man dazu das nötige Temperament hat, mit dem, was da ist, auch nach außen in die Welt hineinzuschauen, hineinzureichen. Es wäre traurig, wenn es nicht so wäre. Aber auf der andern Seite liegt da auch ein beträchtlicher Unterschied in der Stärke vor. Es wird stärkere Elemente geben, die werden in der Lage sein, manches früher durchzuführen, als die andern sich getrauen. Aber zu etwas Durchgreifendem wird man doch nur kommen, wenn sich die verschiedenen Schattierungen zusammenfinden. Man kann sich zusammenfinden. Da könnte die anthroposophische Bewegung viel tun; sie tut es nur leider nicht.
[ 26 ] Rudolf Steiner: The contrast between young and older people need not be so strongly emphasized. It seems to me that what I said is correct: since it is already impossible at present to treat everyone the same, we should try to be, let’s say, tolerant toward one another. It is quite certain that, on the one hand, those who have the necessary temperament will strive to look out into the world with what is already there and to reach out to it. It would be sad if this were not the case. But on the other hand, there is also a considerable difference in strength. There will be stronger elements who will be able to carry out certain things sooner than others dare. But one will only achieve something truly far-reaching if the various shades of thought come together. It is possible to come together. The anthroposophical movement could do a great deal in this regard; unfortunately, it simply does not.
[ 27 ] Ich glaube schon, wenn die Jugendbewegung in die Anthroposophie hineinfinden wird, werden die verschiedenen Nuancen schon zur Geltung kommen. Was von mir abhängt, so wird niemals etwas gegen die Jugendbewegung eingewendet werden, die von der Temperamentslage ausgeht, die Sie vertreten haben. Ich möchte am allerwenigsten einwenden dagegen. Nur habe ich in meiner Jugend gesehen, wie stark man da gegen Widerstand anstößt und sich die Stirne blutig schlägt. Es ist gut von denen, die es wollen, aber wissen Sie, es ist schon einmal nicht jedermanns Sache, so, ich möchte sagen, von vorneherein auch wirklich sich dem unbestimmten Schicksal auszusetzen. Aber ist man in der Lage, in dieser Richtung wieder zu wirken, dann weniger dadurch, daß man die anderen, die es nicht so machen, kritisiert, sondern, daß man auf das hinweist, was wirklich geschaffen worden ist. Es handelt sich durchaus darum, auf das Positive hinzuweisen, was in dieser Richtung schon geschaffen wurde. Das ist, wie ich glaube, auch unter der Jugend viel zu wenig bekannt; es bleibt in kleinen Kreisen. Und das ist das Gefährliche, wenn es auch in der Jugend dadurch, daß es in der Jugend hervortritt, nicht in so krasser Form wie in den Sekten auftritt. Es darf nichts Sektiererisches vorkommen. Es muß das allgemein Menschliche darin walten.
[ 27 ] I do believe that once the youth movement finds its way into anthroposophy, the various nuances will come to the fore. As far as I am concerned, I will never object to the youth movement that stems from the temperamental disposition you have advocated. The last thing I’d want to do is object to that. It’s just that in my youth, I saw how strongly one runs up against resistance there and ends up with a bloody forehead. It’s fine for those who want it, but you know, it’s not everyone’s cup of tea—I’d say—to really expose oneself to an uncertain fate right from the start. But if one is in a position to work in this direction again, then it should be done not so much by criticizing others who do not act this way, but rather by pointing out what has actually been created. It is certainly a matter of highlighting the positive achievements that have already been made in this direction. This, I believe, is far too little known even among young people; it remains confined to small circles. And that is the danger—even if, because it manifests itself among young people, it does not appear in such a blatant form as it does in the sects. Nothing sectarian must be allowed to occur. What is universally human must prevail within it.
[ 28 ] Frage über die verschiedenen Altersstufen, die versammelt sind, zwischen achtzehn und fünfundzwanzig Jahren, und die verschiedenen Bildungsgrade der Berreffenden.
[ 28 ] Question regarding the various age groups represented—ranging from eighteen to twenty-five years old—and the different educational levels of those concerned.
[ 29 ] Rudolf Steiner: Daß das so ist, daran ist im Grunde genommen nur das schuld, daß in unserer Zivilisation der Egoismus eine so ungeheuer starke Rolle spielt. Es ist den Menschen nicht möglich, sich in den andern hineinzufühlen. Ein jeder redet und tut nur aus sich heraus. Denken Sie nur, wie das sofort anders ist, wenn man sich in den andern hineinfühlen kann. Nehmen wir an, es ist einer in den sechziger Jahren und er redet mit einem fünfjährigen Knaben. Eigentlich finde ich, daß das fünfjährige Kind sich viel mehr in den Sechzigjährigen hineinfindet als der Sechzigjährige sich in das Kind. Das Hineinkriechen in den andern, das ist das, was man lernen muß. Das kann man durch Anthroposophie, weil sie biegsam ist. Wenn wir durch geistige Interessen zusammengehalten werden, dann verschwindet der Altersunterschied zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig leicht, namentlich, wenn man eine Weile zusammen ist. Wenn man aber nur durch die egoistischen Interessen zusammengehalten ist, dann verstehen die Fünfzehn- und die Fünfundzwanzigjährigen sich nicht. Es handelt sich um die Überwindung des Egoismus. Man muß sich in etwas Objektives hineinfinden. Egoismus ist die Signatur des Zeitalters. Wenn wir anfangen uns rechtschaffen für den Menschen zu interessieren, so kann das nicht fortdauern. Den Egoismus überwindet man gründlich, wenn man ihn zuerst überwindet bei etwas, was so schwer in die Seele eingeht wie die Anthroposophie. Da muß man sich auf sein Inneres beziehen. Da streift man den Egoismus ab und kann dann schon in den anderen hineinfinden. Das tritt als eine Frucht auf.
[ 29 ] Rudolf Steiner: The reason this is the case is, fundamentally, simply that selfishness plays such an enormously strong role in our civilization. People are unable to empathize with others. Everyone speaks and acts solely from their own perspective. Just think how different it is when one is able to empathize with others. Let’s suppose there is a man in his sixties talking to a five-year-old boy. Actually, I think the five-year-old understands the man in his sixties much better than the man in his sixties understands the child. Getting inside the other person—that is what one must learn. This can be achieved through anthroposophy, because it is flexible. When we are held together by spiritual interests, the age difference between fifteen and twenty-five easily disappears, especially when we’ve been together for a while. But if we are held together only by selfish interests, then the fifteen-year-olds and the twenty-five-year-olds will not understand one another. It is a matter of overcoming selfishness. One must find one’s way into something objective. Selfishness is the hallmark of our age. If we begin to take a genuine interest in other people, this cannot continue indefinitely. One thoroughly overcomes selfishness when one first overcomes it in something that penetrates the soul as deeply as anthroposophy. There, one must turn inward. There, one sheds selfishness and can then begin to find a way into the other person. This emerges as a fruit.
[ 30 ] Daß Sie sich nicht verstehen können, hat den Grund, weil Sie nicht den Menschen haben. Wenn einer kein Mensch ist, sondern eine Schablone, wie man heute mit fünfundzwanzig Jahren ungefähr ist, wie soll er den anderen Menschen verstehen? Wenn man Akademiker ist, ist man mit fünfundzwanzig Jahren nicht ein Mensch, sondern ein Kleiderstock, an dem das Abiturientenexamen hängt und die Angst vor dem letzten Abschlußexamen. Man ist mit fünfzehn Jahren ein Kleiderstock, an dem noch die Klassenzeugnisse hängen, die von den Eltern unterschrieben werden müssen. Die verschiedenen Gegenstände verstehen sich nicht, aber sobald wir an den Menschen kommen, verstehen wir uns. So ist es mit den Berufen, mit den verschiedenen Berufen. Wir sind nicht mehr rechtschaffene Menschen, wir sind tatsächlich das, was ein Abklatsch der verschiedenen Verhältnisse ist. Und darin liegt das Bedeutsame der Jugendbewegung, daß sie das abgestreift hat, daß sie Menschen will. Das tritt einem doch bei diesen Menschen entgegen. Wenn sie aus dem Beruf draußen sind, wollen sie Menschen sein. Das werden sie werden, wenn sie von solchen Dingen klar durchdrungen sind.
[ 30 ] The reason you cannot understand one another is that you do not have a human being. If someone isn’t a human being but a template of what a twenty-five-year-old is supposed to be like today, how can they understand other people? If you’re an academic, at twenty-five you aren’t a human being but a clothes hanger with your high school diploma hanging from it and the fear of your final exams. At fifteen, you’re a coat rack with school report cards still hanging on it that need to be signed by your parents. These different “objects” don’t understand one another, but as soon as we come to the human being, we understand one another. That’s how it is with professions—with the various professions. We are no longer upright human beings; we are, in fact, nothing more than a pale imitation of various social conditions. And therein lies the significance of the youth movement: that it has cast off this imitation, that it wants people. That is what strikes you about these people. When they step outside their professions, they want to be human beings. They will become just that when they are clearly imbued with such things.
[ 31 ] Hermann Bahr schildert, wie es ihm ergangen ist, wenn er in eine Großstadt kam. Er wurde überall eingeladen, am Sonntag, am Montag, und nun — nicht wahr, ja, er konnte die Damen, die am Tische links saßen, und die Damen, die rechts saßen, nicht voneinander unterscheiden; er konnte die Damen vom Sonntag nicht von den Damen vom Montag unterscheiden. Es kam ihm alles durcheinander. Ja, sehen Sie, wenn man eben in solche Gesellschaften kommt, da schauen sich die Leute so ähnlich, weil sie alle ein Abklatsch dieser Verhältnisse sind.
[ 31 ] Hermann Bahr describes what it was like for him when he visited a big city. He was invited everywhere—on Sunday, on Monday—and well—you see, he couldn’t tell the ladies sitting on his left at the table apart from the ladies sitting on his right; he couldn’t tell the ladies from Sunday apart from the ladies from Monday. It all got mixed up for him. Yes, you see, when you enter such circles, people look so much alike because they’re all a carbon copy of these circumstances.
[ 32 ] Frage: Soll man den Beruf fallenlassen und sich nur der Anthroposophie widmen, oder kann man den Beruf durchwärmen?
[ 32 ] Question: Should one give up one's profession and devote oneself entirely to anthroposophy, or is it possible to continue working in one's profession?
[ 33 ] Rudolf Steiner: Das ist eine individuelle Sache. Man soll nie davor zurückschrecken, das, was man als das Richtige erkannt hat, auszuführen. Einmal kann man es, einmal kann man es nicht. Wenn man es kann, soll man einen Riecher dafür haben und es auch tun. Natürlich, man kann auch Märtyrer werden. Nur soll das keine allgemeine Regel werden. Denn dann kommt man nicht vorwärts, oder wenigstens müßte das dann eine allgemeine Regel werden. Aber wenn bloß unter hundert ein Prozent zum Märtyrer bereit sind, dann kommt man nicht weiter, weil das die anderen zunichte werden lassen. Das läßt sich nur individuell beantworten. Ich habe es in meinem Leben individuell beantwortet, indem ich nie in einen Beruf hineingegangen bin. Gewiß, Sie können sagen, dadurch weiß ich nicht, wie man einen Beruf fördern kann. So neben denen, die da waren, stand ich ja schon auch. Aber es ist schon so geworden, daß das Berufsleben etwas Erstarrtes hat, daß es außerordentlich schwierig ist, bei der Kompliziertheit der Lebenszusammenhänge heute in irgendeinem Beruf viel auszurichten. Hat man einen Riecher, kann man es tun.
[ 33 ] Rudolf Steiner: That is an individual matter. One should never shy away from carrying out what one has recognized as the right thing to do. Sometimes you can do it, sometimes you can’t. If you can do it, you should have a knack for it and actually do it. Of course, one can also become a martyr. But that shouldn’t become a general rule. Because then one doesn’t move forward—or at least it would have to become a general rule. But if only one percent out of a hundred are willing to become martyrs, then one doesn’t get anywhere, because the others will thwart that effort. That can only be answered on an individual basis. I have answered it individually in my own life by never entering a profession. Certainly, you might say that because of this, I don’t know how to advance a career. After all, I’ve stood alongside those who were there. But it has indeed turned out that professional life has a certain rigidity to it, that—given the complexity of life’s interconnections today—it is extraordinarily difficult to accomplish much in any profession. If you have a knack for it, you can do it.
[ 34 ] Frage: Es wurde erzählt, daß man Einzelgruppen gebildet hatte, weil man nicht jung und alt vereinen konnte. Wiederum Frage nach dem Beruf.
[ 34 ] Question: It was said that separate groups had been formed because it was not possible to bring young and old together. Another question about occupation.
[ 35 ] Rudolf Steiner: Es ist nicht viel anzufangen mit dem Beruf, wenn man Mensch sein will. Man muß resignieren und neben dem Beruf ein selbständiges Leben entfalten. Was der Herr hier sagt, kommt aus einem Mißverständnis der Anthroposophie heraus.
[ 35 ] Rudolf Steiner: There isn’t much to be gained from one’s profession if one wants to be human. One must accept this and develop an independent life alongside one’s profession. What this gentleman is saying here stems from a misunderstanding of anthroposophy.
[ 36 ] Der Fragesteller: Die Anthroposophie greife ich nicht an. Man muß verstehen können, was die Jugendbewegung Gutes hat. Rudolf Steiner: Es handelt sich nur darum, daß gerade die Jugendbewegung an der Anthroposophie erfahren kann, erleben kann, wie man mit Ausschluß alles Negativen im Einklang mit dem ganzen Kosmos positiv wirken kann. Denn Anthroposophie schließt ihrem Wesen nach, da sie von keinem angenommen wird, der sie nicht erleben kann, ein unfreies Wirken aus. Ich bin nie darauf ausgegangen, für Anthroposophie zu agitieren. Ich sagte, was ich wußte. Ich wußte, wenn ich zu tausend spreche, so werden es zunächst nur fünf sein, bei denen die Sache wirklich anfaßt. Ich machte mir nie etwas daraus, denn bei den Heringen im Meer geht es auch so. Da werden auch aus tausend Eiern, die ausgestreut werden, nur zwei oder drei wirkliche Heringe. Wer auf den Erfolg sieht, kann den Erfolg nie haben. Man muß aus der Sache heraus wirken. Das meine ich, sollte Platz greifen, daß man einen jeden tun läßt, was er tun kann, und eben nicht zu ablehnend ist, nicht zu stark sagt: Das sollte die Jugend nicht sein, das sollte die Jugendbewegung nicht sein. Es sollten möglichst viele zusammensein, jeder aus seiner Individualität heraus das zu tun, was er kann.
[ 36 ] The Questioner: I am not attacking anthroposophy. One must be able to understand what is good about the youth movement. Rudolf Steiner: The point is simply that the youth movement, in particular, can experience through anthroposophy how, by excluding all that is negative, one can work positively in harmony with the entire cosmos. For anthroposophy, by its very nature—since it is accepted only by those who can experience it—rules out any unfree action. I have never set out to campaign for anthroposophy. I said what I knew. I knew that if I spoke to a thousand people, at first there would be only five for whom the matter would truly take hold. I never made a big deal out of it, for it is the same with herring in the sea. There, too, out of a thousand eggs that are scattered, only two or three become actual herring. Whoever focuses on success can never achieve it. One must work from within the cause itself. What I mean is that we should allow everyone to do what they can, and not be too dismissive, not say too strongly: “This is not what youth should be; this is not what the youth movement should be.” As many people as possible should come together, each acting from their own individuality to do what they can.
[ 37 ] Der Unterschied zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig wird schon überwunden werden, wenn alle jung sind, und jung sind schon alle. Das ist nicht so schlimm, was differiert. Die Grundform ist schon da. Andere, die bleiben draußen, die gehen ins Kino, die gehen doch nicht in die Vereinigungen der Jugend.
[ 37 ] The difference between fifteen and twenty-five will be overcome once everyone is young—and everyone is already young. It doesn’t really matter what the difference is. The basic form is already there. Others, who stay on the outside, go to the movies; they don’t join the youth organizations.
[ 38 ] Nun handelt es sich darum, daß vielleicht zu stark daran gedacht wird, daß man eine Form geben soll. Es handelt sich vielmehr darum, daß ein aufrichtiges Verhältnis von Mensch zu Mensch gewonnen wird als eine Form. Hat man sich lieb, so geht man da hin, wo man sich lieb hat, und sucht nicht nach einer Form. Vielleicht ist das gerade falsch, nach einer Form zu suchen. Es handelt sich darum, daß Sie sogar dann zusammenkommen, wenn Sie ganz uneinig sind; daß Sie gerne zueinander kommen, gerne beisammen sind. Und wenn dieses Rein-Menschliche, im Gefühl Liegende die Form gibt, ist das die gesündeste Form. Jedes programmäßige Formsuchen wird sogar die Jugendbewegung stören. Wir haben auch in bezug auf die Jugendsektion am Goetheanum an Mannigfaltiges gedacht, und es wird auch Mannigfaltiges hervorkommen, was Grundlage geben wird, sich mit den Dingen zu beschäftigen, wenn man über einen gewissen Punkt der Stagnation hinübergekommen sein wird.
[ 38 ] The point is that perhaps too much emphasis is placed on the idea that one must establish a certain form. Rather, the point is to achieve a sincere relationship between people—that is the form itself. If you love one another, you go where you love one another, and you do not search for a form. Perhaps it is precisely wrong to search for a form. The point is that you come together even when you are in complete disagreement; that you enjoy coming together and enjoy being together. And when this purely human, emotionally rooted quality provides the form, that is the healthiest form. Any programmatic search for form will even disrupt the youth movement. We have also considered many different aspects regarding the Youth Section at the Goetheanum, and many different things will emerge that will provide a foundation for engaging with these matters once we have moved beyond a certain point of stagnation.
[ 38 ] Wenn wirklich das nach dem Kali Yuga auftretende Streben nach dem Licht — es muß ja nicht ein abstraktes Geisteslicht sein — so stark in den Menschen ist, daß sie gar nicht anders können als dem zu folgen, dann brauchen wir nicht weitere Formen. Es ist nur störend, besondere Formen zu haben. Es muß in den Menschen das Lebendige zusammenkommen. Ich denke mir, wenn auch nur unter einer großen, großen Versammlung zwei oder drei sind, die ganz herzhaft begeistert sind für ihre Sache, wird man zusammenkommen, weil die zwei oder drei dort sind, weil die dort zu treffen sind. Es muß das Menschliche sein. Das wird ganz sicher gefunden werden, wenn wir nicht mit schlaffen Armen, schlaffen Beinen und schlaffen Gehirnen zusammenkommen, sondern mit Eifer und ernsthaft in unserem Innern etwas wollen. Und wenn wir von dem andern nicht erwarten, daß er uns amüsiert, sondern hingehen und selber etwas leisten wollen, daß wir etwas leisten wollen und vom anderen möglichst wenig erwarten, selber möglichst viel tun wollen, dann haben wir die Form. Es ist so schwer, über allgemeine programmatische Sachen zu sprechen. Es kommt auf das Leben an bei den Dingen, die im Leben stehen. Wenn man im Beruf darinnensteht und dann extra das machen soll, wird man müde im Beruf. Aber die Begeisterung ist notwendig, die heute für die Jugend deshalb so leicht drinnen sein kann, weil sie beim Alter so schrecklich fehlt. Es bewegt sich nicht, es fehlt die Begeisterung; das Alter hat Blei im Körper. Das kann in der Jugend schon Begeisterung hervorrufen, wenn Sie sich heute vornehmen, wirklich das, was Sie jeder denken, in der nächsten Zeit gemeinsam mit denen, die heute zusammen sind, zu besprechen. Da haben Sie schon Form genug, und wir werden allerlei Botschaften, allerlei Fragen vom Goetheanum ausgehen lassen. Da werden Sie wieder etwas zu tun haben, und so suchen Sie einfach Gelegenheit, um sich zu treffen, und schwänzen möglichst wenig die Versammlungen. Dann wird es schon werden; das gibt die beste Form. Es ist tatsächlich vielleicht sogar der erste Grundsatz in bezug auf die Formbildung: Wir haben so und so viele Freunde, die wollen als ersten Grundsatz betrachten, unsere Zusammenkünfte nicht zu schwänzen. Dann ist schon eine Form da. Frage nach der Wandervogeljugend.
[ 38 ] If the quest for light—which arises after the Kali Yuga and need not be an abstract spiritual light—is truly so strong within people that they simply cannot help but follow it, then we do not need any further forms. Having specific forms is only a distraction. What is alive within people must come together. I imagine that even if there are only two or three people in a very, very large gathering who are wholeheartedly enthusiastic about their cause, people will come together because those two or three are there, because they can be found there. It must be the human element. That will certainly be found if we don’t come together with limp arms, limp legs, and limp minds, but with zeal and a sincere inner desire to achieve something. And if we don’t expect others to entertain us, but go there wanting to accomplish something ourselves—if we want to accomplish something and expect as little as possible from others, while doing as much as possible ourselves—then we have the form. It’s so hard to talk about general programmatic matters. It all comes down to life when it comes to the things that are part of life. If you’re immersed in your profession and then have to do something extra on top of that, you’ll grow weary in your work. But enthusiasm is necessary—the kind that comes so easily to young people today precisely because it is so terribly lacking in older people. There’s no movement; enthusiasm is missing; old age has lead in its body. This can already spark enthusiasm in young people if you resolve today to truly discuss what each of you is thinking in the near future, together with those who are here today. That alone provides enough structure, and we will send out all kinds of messages and questions from the Goetheanum. Then you’ll have something to do again, and so simply look for opportunities to meet and skip the gatherings as little as possible. Then things will work out; that creates the best structure. In fact, this may even be the first principle regarding the formation of a group: We have so many friends who want to make it their first principle not to skip our gatherings. Then a structure is already in place. Question regarding the Wandervogel youth movement.
[ 39 ] Rudolf Steiner: In Wirklichkeit braucht kein Gegensatz zu sein. Man geht in die Natur hinaus bei den Wandervögeln, man will die Eindrücke der Natur haben, man will an der Natur das Menschliche erleben und so weiter. Wenn man nachher, nachdem man das alles angestrebt hat und glaubt, es eine Zeitlang durchgemacht zu haben, in ein anderes Extrem verfällt, die Natur nicht mehr haben will und Bücher liest, dann hat man das erste auch nicht in der richtigen Weise gehabt. Heute kann der Mensch die ganze Welt durchwandern und sieht nichts. Man kann Ihnen die schönsten Exemplare von Italienreisenden, von englischen Wandervögeln zeigen, die gar nichts gesehen haben. Sie haben die Galerien angesehen, sie haben in Wirklichkeit nichts gesehen. Ich habe eine Anzahl von Wandervögeln gesehen, die den Drang gehabt haben, etwas zu sehen, die aber nichts gesehen haben.
[ 39 ] Rudolf Steiner: In reality, there need not be a contradiction. With the Wandervögel, one goes out into nature; one wants to take in the impressions of nature; one wants to experience the human aspect in nature, and so on. If, afterward—after having strived for all of that and believing one has gone through it for a while—one falls into the other extreme, no longer wanting nature and turning to books instead, then one has not experienced the first in the right way either. Today, a person can travel the whole world and see nothing. I can show you the finest examples of travelers to Italy and English ramblers who saw absolutely nothing. They looked at the galleries, but in reality they saw nothing. I have seen a number of ramblers who had the urge to see something, but who saw nothing.
[ 40 ] Um etwas zu sehen, muß man ein Herz haben. Wenn man aber schon in der Volksschule verhindert wird, ein ganzer Mensch zu sein, sieht man nicht, was in der Natur ist. Wenn man wieder darauf eingehen kann, was alles in der Natur ist, dann findet man auch in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» etwas anderes als andere. Dieses Buch ist durchaus nicht mit Ausschluß der Natur geschrieben, sondern durchaus im Anblick der Natur. Man hat gesagt, man könne meinem Stil ansehen, daß ich mit der Schreibmaschine schreibe, weil mir bei Tag die Zeit dazu fehle. Diese Kritik kann ganz gewiß nicht recht haben. Ich habe mir noch nie ins Bett, wo ich meine meisten ‚Sachen schreibe, eine Schreibmaschine gestellt. Das würde auch grotesk aussehen. Es kommt darauf an, wie die Sachen konzipiert sind. Sie sind durchaus im Anschauen der Natur konzipiert. «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist durchaus ein Wandervogelbuch. Ich sehe keinen Gegensatz, der beruht darauf, daß man weder das eine noch das andere ganz ist. Als Wandervogel die Natur erleben, dann wird man auch das Buch erleben, das gar kein Buch sein soll. Es schaut nur so aus. Aber man kann eben gewisse Dinge nur durch Druckerschwärze in die Welt setzen. Wenn die Jugendbewegung gelingt, werden wir auch über die Druckerschwärze hinwegkommen. Wir müssen zum Menschlichen kommen, nur, nicht wahr, die Anthroposophische Gesellschaft kann nicht alles auf einmal erreichen; sie tut schon viel dazu; es ist leider nicht gelungen. Es war meine Absicht, gewisse Dinge, die man von Mensch zu Mensch sagt, niemals drucken zu lassen. Ich bin so froh, daß heute keiner mitschreibt. Es haben sich immer wieder Leute gefunden, die nachgeschrieben haben. Das, was eine schlimme Nachschrift war, ist hinausgekommen, und so hatte ich doch wieder das Mittel zu finden, die Dinge drucken zu lassen.
[ 40 ] To see something, one must have a heart. But if one is prevented from becoming a whole person as early as elementary school, one fails to see what is in nature. When one is able to reconnect with all that is in nature, then one also finds something different from others in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. This book is by no means written to the exclusion of nature, but rather with a view of nature. It has been said that one can tell from my style that I write on a typewriter because I lack the time to do so during the day. This criticism certainly cannot be correct. I have never placed a typewriter in my bed, where I write most of my “work.” That would also look grotesque. It depends on how the works are conceived. They are conceived entirely with an eye toward nature. “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” is very much a Wandervogel book. I see no contradiction in the fact that one is neither one thing nor the other in its entirety. To experience nature as a Wandervogel is to experience the book that is not meant to be a book at all. It only looks that way. But there are certain things that can only be brought into the world through ink. If the youth movement succeeds, we’ll also move beyond the ink. We must arrive at what is human—only, you see, the Anthroposophical Society cannot achieve everything at once; it’s already doing a great deal toward that end; unfortunately, it hasn’t succeeded yet. It was my intention never to have certain things—the kind one says from person to person—printed. I’m so glad that no one is taking notes today. Time and again, people have come along who have transcribed what was said. What turned out to be a poor transcription was published, and so I had to find a way once again to have these things printed.
