Spiritual Connections
in the Structure of the Human Organism
GA 218
18 November 1922, London
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Spiritual Connections in the Makeup of the Human Organism, tr. SOL
11. Christus vom Gesichtspunkte der Anthroposophie
11. Christ from the Perspective of Anthroposophy
[ 1 ] Von zwei Seiten, unter manchem anderen, erheben sich gerade in der Gegenwart Gegnerschaften gegen dasjenige, was ich anthroposophische Geisteserkenntnis nenne. Die eine Gegnerschaft habe ich gestern mit einigen Worten berührt. Es ist die naturwissenschaftliche, welche der Anschauung ist, daß übersinnliche Erkenntnisse von der Art, wie ich sie gestern dargestellt habe, überhaupt für die menschlichen Erkenntniskräfte nicht zu erringen sind. Und so wird denn Anthroposophie von dieser Seite vielfach als etwas Unmögliches dargestellt.
[ 1 ] From two quarters, among many others, opposition is currently arising against what I call anthroposophical spiritual knowledge. I touched on one of these forms of opposition briefly yesterday. It is the scientific opposition, which holds the view that supersensible knowledge of the kind I described yesterday cannot be attained at all by the human powers of cognition. And so, from this perspective, anthroposophy is often portrayed as something impossible.
[ 2 ] Eine andere Gegnerschaft soll uns heute mehr beschäftigen. Es ist die, welche von Persönlichkeiten ausgeht, welche die Empfindung haben, daß Anthroposophie ihnen und manchen ihrer Mitbekenner das Verhältnis zu dem Christus nimmt. Solche Persönlichkeiten sind zum großen Teil in ihrer Art außerordentlich fromme Christen, und gerade aus der Frömmigkeit ihrer Seele heraus kommen sie zu dieser Gegnerschaft. Sie finden vor allen Dingen, daß das Verhältnis des Menschen zum Christus gewonnen werden soll durch die einfache, naive Frömmigkeit des Herzens und der Seele. Sie finden, daß alles das, was in erkenntnismäßiger Weise von dem Christus sprechen will, nur verwirrend wirkt für die einfache, naive Herzensfrömmigkeit, und sie möchten am liebsten, daß das Streben nach dem Christus, aus ihrem einfachen menschlichen Herzen heraus, nicht gestört werde — bei niemandem — dadurch, daß auch über den Christus in erkenntnismäßiger Weise irgend etwas erstrebt wird.
[ 2 ] Today we should focus more on another form of opposition. It is the opposition that stems from individuals who feel that anthroposophy deprives them and some of their fellow adherents of their relationship to Christ. For the most part, such individuals are, in their own way, exceptionally devout Christians, and it is precisely out of the piety of their souls that they arrive at this opposition. Above all, they believe that a person’s relationship to Christ should be attained through the simple, naive piety of the heart and soul. They believe that anything that seeks to speak of Christ in a cognitive manner only serves to confuse this simple, naive piety of the heart, and they would prefer that the striving for Christ—arising from their simple human hearts—not be disturbed—in anyone—by the fact that anything is also sought regarding Christ in a cognitive manner.
[ 3 ] Was sich an Empfindungen bei diesen Menschen ergibt, das ist gewiß wohl zu beachten. Aber dennoch sind solche Menschen gerade der Anthroposophie gegenüber in einem starken Irrtum befangen. Und wenn sie das Richtige erkennen würden, so würden sie finden, daß gerade der sichere Weg, den sie zu dem Christus suchen, ihnen durch die Anthroposophie geebnet wird. Sie würden finden, daß alles, was sie in der einfachen Frömmigkeit ihres Herzens an Sehnsuchten zu dem Christus hinzieht, im wesentlichen verstärkt wird durch all dasjenige, was die Anthroposophie über den Christus zu sagen hat.
[ 3 ] The feelings that arise in these people certainly deserve careful consideration. Nevertheless, such people are, precisely with regard to anthroposophy, caught up in a profound error. And if they were to recognize the truth, they would find that it is precisely the sure path they seek to Christ that is paved for them by anthroposophy. They would find that everything in the simple piety of their hearts that draws them toward Christ is essentially strengthened by all that anthroposophy has to say about Christ.
[ 4 ] Ich möchte Ihnen von verschiedenen Seiten aus das, was ich eben behauptet habe, klarlegen. Und die erste dieser Seiten soll eine Betrachtung dessen sein, was die Menschen zu den verschiedenen Zeiten der Menschheitsentwickelung auf Erden als ihr religiöses Leben, als ihr religiöses Bewußtsein empfunden haben.
[ 4 ] I would like to clarify what I have just stated from various perspectives. And the first of these perspectives will be an examination of what people at various stages of human development on Earth have experienced as their religious life and religious consciousness.
[ 5 ] Gehen wir in dieser Beziehung ein wenig in alte Zeiten der Menschheitsentwickelung zurück. Sie werden aus dem weiteren Fortgang meiner heutigen Darstellungen sehen, daß dieser historische Ausblick nicht überflüssig ist, sondern gerade manches, was von Mißverständnissen in der Gegenwart vorhanden ist, aufklären kann. Diese sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung kann man allerdings nicht durch äußerliche historische Dokumente erreichen, sondern nur mit den Mitteln derjenigen Geisteswissenschaft, von der ich Ihnen gestern gesprochen habe; nur innerlich kann man sie erkennen durch ein solches Anschauen, wie ich es gestern als das Mittel dargelegt habe, um die übersinnliche Natur des Menschen und die übersinnlichen Schicksalserlebnisse des Menschen zu erschauen. Wenn wir in solche alte Zeiten zurückgehen, so finden wir, daß dazumal die Menschen auf diejenigen gehört haben, die Schüler der sogenannten Mysterien waren. Die alten Mysterien, von denen kaum irgendwelche äußerliche historische Dokumente vorhanden sind — denn was vorhanden ist, liegt so spät, daß es keine eigentlichen Einblicke in die Mysterien gibt —, diese alten Mysterien waren Geistesstätten der Menschheit, in denen Kunst, Religion und Wissenschaft eines waren. Und die großen Lehrer dieser Mysterien, welche die Gurus waren ihrer Schüler, sie genossen eine schier übermenschliche Verehrung. Und auf die Schüler solcher Mysterienlehrer hörte dann die weitere Menschheit hin, wenn sie die Bedürfnisse ihrer Frömmigkeit befriedigen wollte. Man nahm dasjenige auf, was in einem hingebungsvollen, verehrungsvollen Leben die Schüler der Mysterienlehrer sich als eine Einsicht in die Welt und ihre Ordnung errungen haben. Und ich möchte, um das zu beleuchten, was auch in der Gegenwart Frömmigkeit sein kann, was in der Gegenwart namentlich Christus-Verehrung sein kann, das Verhältnis eines solchen alten Schülers zu seinem Guru, zu seinem Lehrer in den Mysterien, einmal ein wenig zeichnen.
[ 5 ] Let us go back a little in this regard to the early stages of human development. You will see from the further course of my remarks today that this historical perspective is not superfluous, but can in fact shed light on many of the misunderstandings that exist in the present. These very ancient times in human development, however, cannot be accessed through external historical documents, but only through the means of that spiritual science of which I spoke to you yesterday; they can be recognized only inwardly through a kind of contemplation such as I described yesterday as the means for perceiving the supersensible nature of the human being and the supersensible experiences of human destiny. When we go back to such ancient times, we find that people in those days listened to those who were disciples of the so-called mysteries. The ancient Mysteries, of which hardly any external historical documents exist—for what does exist dates from so late a period that it offers no real insight into the Mysteries—these ancient Mysteries were spiritual sanctuaries of humanity, in which art, religion, and science were one. And the great teachers of these Mysteries, who were the gurus of their disciples, enjoyed a veritable superhuman veneration. And the rest of humanity then looked to the disciples of such Mystery teachers when it sought to satisfy the needs of its piety. People embraced what the disciples of the Mystery teachers had attained through a life of devotion and reverence as an insight into the world and its order. And to shed light on what piety can be in the present day—and specifically, what the veneration of Christ can be—I would like to sketch out, if only briefly, the relationship of such an ancient disciple to his guru, to his teacher in the mysteries.
[ 6 ] Da begegnet uns zunächst eines: Diese Lehrer waren von denen, die ihr Wesen zu erkennen glaubten, angesehen als Menschen, deren Inneres erfüllt war von göttlicher Kraft selber. Menschen wurden in diesen Mysterienlehrern gesehen, in denen — wenn sie aus der Begeisterung ihrer Mysterienstätten und ihrem Opferkultus heraus sprachen — für ihre Schüler nicht der Mensch sprach, sondern durch menschlichen Mund die göttlichen Weltenmächte sprachen.
[ 6 ] One thing strikes us right away: These teachers were regarded by those who believed they had come to know their true nature as people whose inner beings were filled with divine power itself. These mystery teachers were seen as human beings in whom—when they spoke out of the enthusiasm of their mystery sites and their sacrificial rites—it was not the human being who spoke to their students, but rather the divine powers of the world speaking through a human mouth.
[ 7 ] Das war keine sinnbildliche Vorstellung, sondern das war für jene alten Mysterienschüler eine durchaus reale Empfindung. Und Sie können sich denken, wie tief das Gefühl der Verehrung eines solchen Schülers für seinen Lehrer war, wenn er wußte, daß aus dem Lehrer nicht ein Menschliches, sondern ein Göttliches zu ihm spricht, daß aus dem Lehrer dasjenige zu ihm spricht, was er sein Göttliches nannte. Was uns heute paradox erscheint, was aber besonders charakteristisch ist für die Anschauung, welche die Schüler von den alten Mysterienlehrern hatten, das ist dieses, daß sie der Meinung waren: In noch älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung, in jenen Zeiten, in denen die Erdenentwickelung ihren Anfang genommen hat, da seien göttlich-geistige Wesenheiten selber herabgestiegen auf die Erde, in der Art, wie das sein kann, in geistiger Art selbstverständlich. Und diese geistig-göttlichen Wesenheiten, die nicht einen menschlichen Leib angenommen haben, die sich aber dennoch durch die Mittel der geistigen Erkenntnis verständigen konnten mit den ersten Gurus, mit den ersten Mysterienlehrern, diese göttlich-geistigen Wesenheiten haben die erste Anweisung gegeben über dasjenige, was den Menschen gelehrt werden sollte als eine Lehre, die sie in den richtigen Zusammenhang bringen konnte mit der geistigen Welt. Und so meinte man, daß von Generation zu Generation das einstmals von den Göttern selbst den Menschen. Überlieferte weitergepflegt worden ist und so auf die Schüler eines jeden Zeitalters gekommen ist.
[ 7 ] This was not a symbolic concept, but rather a very real experience for those ancient students of the mysteries. And you can imagine how deep a student’s sense of reverence for his teacher was, knowing that it was not a human being but a divine being speaking to him through the teacher—that what was speaking to him through the teacher was what he called his divine nature. What seems paradoxical to us today, but is particularly characteristic of the view that the students held of the ancient mystery teachers, is this: they believed that In even earlier times of human evolution, in those times when the Earth’s evolution first began, divine-spiritual beings themselves had descended to Earth—in the manner in which this is possible, spiritually speaking, of course. And these divine-spiritual beings, who did not take on a human body but who were nevertheless able to communicate through the means of spiritual knowledge with the first gurus, with the first mystery teachers—these divine-spiritual beings gave the first instructions regarding what was to be taught to human beings as a doctrine that could place them in the proper relationship with the spiritual world. And so it was believed that, from generation to generation, what had once been handed down to humanity by the gods themselves had been preserved and thus passed on to the disciples of every age.
[ 8 ] Sie werden sagen: Das führt zu einer Erklärung des Ursprungs der Menschenweisheit in übersinnlichen Welten. — Aber wir berühren ja da ein Gebiet, wo selbst heute noch, wenn wir nur zum Beispiel an die Erklärung denken, welche die Menschen über die Sprache haben, die Menschen sich durchaus unklar sind über den Ursprung des betreffenden Gebietes. Gewiß, es gibt Menschen, welche meinen, daß aus dem Tierlaut heraus, im Sinne der Darwinschen Theorie, sich die menschliche Sprache entwickelt habe. Aber es gibt, und hat, namentlich vor noch gar nicht langer Zeit, Menschen gegeben, welche auch der Sprache einen göttlichen Ursprung zugeschrieben haben.
[ 8 ] You will say: This leads to an explanation of the origin of human wisdom in supersensible worlds. — But we are touching on a field where, even today—if we consider, for example, the explanation people have regarding language—people are still quite unclear about the origin of this particular field. Certainly, there are people who believe that human language developed from animal sounds, in the sense of Darwin’s theory. But there are—and there have been, especially not so long ago—people who have also attributed a divine origin to language.
[ 9 ] Nun, ich will mich nicht weiter verbreiten über das, was hier wirklich zugrunde liegt, denn das würde heute zu weit führen. Uns mag ja genügen: was die eigentlich frommen Gefühle bei den Guruschülern bildete, war die Meinung, daß das, was sie von den Lehrern hörten, einmal der Menschheit von den Göttern selber überliefert worden ist.
[ 9 ] Well, I don’t want to dwell any further on what really underlies this, because that would take us too far afield today. It may suffice to say that what gave rise to the genuinely pious feelings among the guru’s disciples was the belief that what they heard from their teachers had once been handed down to humanity by the gods themselves.
[ 10 ] Und zu welchem Ziele sollte eine solche Schülerschaft führen? Nun, eine solche Schülerschaft bestand ja darinnen, daß zunächst, aus dem unendlich starken Gefühl der Verehrung und Anhänglichkeit zum Guru, der Schüler mit demjenigen, was ihn mit den geistigen Welten verband, ganz hingegeben sein sollte an seinen Lehrer. Er sollte gewissermaßen diesen Lehrer als den einzigen Strom betrachten, durch den das Göttliche zu ihm dringt. Alles, was ein solcher Schüler an sich hatte, was er in seiner Seele entwickelte, von dem sagte er sich: Ich verdanke es dem Lehrer. — Und der Lehrer gab ihm vor allen Dingen Anweisungen; erstens über die Führung der Gedanken. Die Gedanken sollten so geführt werden, daß der Mensch denken lernte, indem er nicht hinsah auf die Sinneswelt, sondern indem er das Gemüt durch diejenige Kraft, die der Guru, der Lehrer, wie in einer erlaubten Suggestion in seine Seele selber pflanzte, indem der Schüler all seine Gedanken nach dem Übersinnlichen hinwendete. Während sonst die Gedanken gewissermaßen in der Sinnesbeobachtung anstoßen an die äußeren Dinge — wir denken den Tisch, das heißt: unser Gedanke stößt an den Tisch an; wir denken den Baum: der Gedanke wird durch den Baum aufgehalten, er stößt an den Baum an —, sollten durch den Einfluß des Guru die Gedanken durchsichtig werden, so daß der Schüler nichts sah, was in der Welt ist, sondern daß er durch die Gedankenschau in jene Welten hineinsah, welche ich gestern Ihnen aus der modernen Initiationswissenschaft heraus beschrieben habe, in die übersinnlichen Welten. Der Schüler sollte diese übersinnlichen Welten auch erleben. Dazu wurden ihm Anweisungen gegeben in bezug auf die Sprache. Wenn wir im gewöhnlichen Leben sprechen, dann teilen wir Gedanken, die wir entweder selbst haben, oder die wir erhalten haben, einem anderen mit. Kurz, dasjenige, was in unsere Sprache einfließt, das lebt auf der physischen Erde. Der Guru gab seinem Schüler mantrische Sprüche, die in einer halb rezitativen, halb gesprochenen Art den Schüler dazu bringen sollten, lebensvoll in seiner Sprache nicht nur dasjenige, was die Worte bedeuten, zu hören, sondern die ihn dazu befähigen sollten, in dem hinströmenden Satze die göttliche Weltenströmung selber zu erleben. Der Satz sollte so ausgesprochen werden, daß sein menschlicher Inhalt bedeutungslos ist, daß aber in dem Satze hinströmt dasjenige, was als Göttliches in der Welt und im Menschen lebt. So sollte der Schüler durch die Gedanken, die ihm durchsichtig wir den, das Göttliche sehen. Er sollte durch die mantrischen Sprüche. nicht dasjenige hören, während er sie rezitierte, was in ihrer Bedeutung liegt, sondern die durch sie dahinströmende göttliche Kraft selber sollte durch dasjenige, was im Opfer lag, zu den Handlungen hingeführt werden. Er sollte durch das, was im Opfer lag, seinen Willen nach dem Göttlichen hin richten, seinen Willen und seine ganze menschliche Persönlichkeit. Die Opferhandlungen waren vielfach damit verknüpft. Sie können es heute noch an der Buddha-Stellung sehen; Sie können es daran sehen, daß die menschlichen Gliedmaßen nicht in eine: solche Lage gebracht wurden, wie sie zu äußeren irdischen Verrichtuhgen geeignet sind, sondern in solche Lagen, daß sie ungeeignet für irdische Verrichtungen sind, daß der Mensch daher schon durch die Kaltung, die Stellung seiner Gliedmaßen, aus dem Irdischen ganz herausgehoben ist, und dadurch auch mit seinen im Geiste sich vollziehenden Handlungen zu dem Göttlichen hingelenkt ist.
[ 10 ] And to what end should such discipleship lead? Well, such discipleship consisted, first of all, in the fact that—out of an infinitely strong feeling of reverence and devotion toward the guru—the disciple, through whatever connected him to the spiritual worlds, was to be completely devoted to his teacher. He was to regard this teacher, as it were, as the sole channel through which the Divine reached him. Whatever such a disciple possessed within himself, whatever he developed in his soul—of all this he would say to himself: “I owe it to the teacher.” —And the teacher gave him instructions above all else; first, regarding the direction of his thoughts. Thoughts were to be directed in such a way that the person learned to think not by looking at the sensory world, but by turning the mind toward the supersensible through the very power that the guru, the teacher, planted within the student’s own soul—as in a permitted suggestion—so that the student directed all his thoughts toward the supersensible. Whereas otherwise, in sensory observation, thoughts so to speak collide with external objects—we think of the table, that is to say: our thought collides with the table; we think of the tree: the thought is held back by the tree, it comes into contact with the tree—under the influence of the Guru, thoughts were to become transparent, so that the student saw nothing that is in the world, but rather, through the vision of thought, looked into those worlds which I described to you yesterday from the perspective of modern initiatory science—into the supersensible worlds. The disciple was also to experience these supersensible worlds. To this end, he was given instructions regarding language. When we speak in ordinary life, we communicate to another either thoughts we have ourselves or thoughts we have received. In short, that which flows into our speech lives on the physical earth. The guru gave his student mantric phrases that, in a style that was half recitative and half spoken, were intended to enable the student to hear not only the meaning of the words in his language, but also to experience the divine flow of the worlds itself in the flowing sentence. The sentence was to be spoken in such a way that its human content was meaningless, but that flowing through the sentence was that which lives as the divine in the world and in human beings. Thus, through the thoughts that became transparent to him, the disciple was to see the divine. Through the mantric chants, he should not hear—while reciting them—what lies in their meaning, but rather the divine power flowing through them should itself be directed toward the actions through what was contained in the sacrifice. Through what was contained in the sacrifice, he should direct his will toward the divine—his will and his entire human personality. The sacrificial rites were often linked to this. You can still see it today in the Buddha’s posture; you can see it in the fact that the human limbs are not placed in a: position suitable for external, earthly activities, but rather into positions that are unsuitable for earthly activities, so that the person is thus completely lifted out of the earthly realm simply by the posture—the position of his limbs—and thereby also directed toward the divine through the actions taking place within his spirit.
[ 11 ] Was sollte mit alldem erreicht werden? Nun, das Gemüt, die Seele des Schülers sollte das, was auf der Erde als Böses, als Sündhaftes, als Abfall von dem Göttlichen von den Menschen verrichtet wird, durch diese dreifache Hinlenkung ihrer selbst zu dem Göttlichen: hinaufheben, hinaufströmen lassen in diejenigen Welten, welche die übersinnlichen sind und die ich Ihnen gestern beschrieben habe. Ich habe Ihnen gestern beschrieben, daß man auch mit der neueren Initiationswissenschaft eindringen kann in diejenigen Welten, in denen der Mensch als geistig-seelisches Wesen lebt, bevor er sein Erdendasein antritt, aus denen er heruntersteigt, um sich mit dem Leib zu verbinden, der ihm durch Vater und Mutter gegeben wird, und in die er wiederum zurückkehrt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, um ein weiteres Erdenleben da vorzubereiten, wie ich es gestern beschrieben habe. Daß nicht nur der betrachtende Blick des Schülers hinaufgelenkt werde in die übersinnlichen Welten, sondern daß in dem Schüler eine Kraft entstehe, eine Kraft des gebetartigen Denkens, eine Kraft des mantrischen Rezitativs, in dem das Göttliche strömte, eine Kraft der Hingebung von Opferhandlungen, daß in dem Schüler eine große Kraft entstehe, welche dasjenige, was hier auf der Erde sündhaft ist, hinauflenkt in diese übersinnlichen Welten, das war der Zweck dieser göttlichen Lehrer in den alten Mysterien mit ihren Schülern. Und daß diese Schüler wiederum die anderen Menschen lehrten in dem Sinne, in dem sie selber erzogen wurden in diesen Mysterien, das bildete den zivilisatorischen Inhalt jener alten Zeiten.
[ 11 ] What was the purpose of all this? Well, the student’s mind and soul were meant to lift up—to allow to flow upward—into those supersensible worlds that I described to you yesterday—all that which is committed by human beings on Earth as evil, as sinful, as a departure from the Divine, through this threefold turning of themselves toward the Divine. I described to you yesterday that even with the newer science of initiation, one can penetrate those worlds in which the human being lives as a spiritual-soul being before embarking on earthly life, from which he descends to unite with the body given to him by his father and mother, and to which he returns again once he has passed through the gate of death to prepare for another earthly life there, as I described yesterday. That not only the student’s contemplative gaze be directed upward into the supersensible worlds, but that a power arise within the student— a power of prayer-like thinking, a power of mantric recitation through which the Divine flowed, a power of devotion in sacrificial rites—that a great power might arise within the student, one that directs that which is sinful here on Earth upward into these supersensible worlds—that was the purpose of these divine teachers in the ancient Mysteries with their students. And the fact that these students, in turn, taught other people in the same way they themselves had been educated in these mysteries—that constituted the civilizing essence of those ancient times.
[ 12 ] Was war denn die Voraussetzung dazu, daß man überhaupt so etwas machte? Nun, die Voraussetzung war diese, daß der Mensch hier auf Erden in einer Welt lebt, die gegenüber der göttlichen eine solche ist, die den Menschen in seiner Wesenheit nicht voll umfaßt. So dachte sich der alte Guruschüler und so lehrte ihn der Guru: Diese Welt, in der du lebst zwischen Geburt und Tod, sie umfaßt zwar die anderen Naturreiche, die mit ihrem Wesen in ihr in einer gewissen Weise aufgehen; aber sie umfaßt nicht die tiefere Wesenheit des Menschen. Und dasjenige, was der Mensch vollziehen kann zwischen Geburt und Tod — wir wollen ganz absehen davon, daß es in vieler Beziehung als ganz sündhaft dargestellt wurde in alten Zeiten —, wurde jedenfalls so dargestellt, daß der Mensch sich zu sagen hatte: Dasjenige, was ich hier auf der Welt erleben kann zwischen Geburt und Tod, was ich verrichten kann, was ich vollziehen kann an Taten, das reicht nicht heran an mein volles Menschenwesen, denn mein volles Menschenwesen gehört den übersinnlichen Welten an. — Und in jenen alten Zeiten hatten alle, die Guruschüler waren, aus einem alten primitiven Hellsehen heraus, das sie sich nicht zu erwerben brauchten, das sie in jenen alten Zeiten der Menschheit als traumhaftes Hellsehen selber hatten, aus dem heraus hatten sie in gewissen Momenten ihres Lebens eine deutliche Einsicht davon, daß sie tatsächlich, bevor sie zur Erde heruntergestiegen waren, in einer übersinnlichen Welt lebten, daß sie nach dem Tode wiederum in eine übersinnliche Welt eingehen werden. Und so sagten sie sich: Wenn ich als Mensch nur das vollbringe und nur mit dem zusammenhänge, was hier auf der physischen Erde vorhanden ist und möglich ist, bin ich nicht ein ganzer Mensch. Ich muß meine Kräfte hinauflenken in die geistigen Welten. Ja, da auf der Erde sind sie nicht, aber droben. — So war ja die Vorstellung jener alten Mysterien, daß aus den Opferhandlungen, die vollbracht wurden in dem Zeichen der hellsichtigen Gedanken, in göttlich tönenden Mantrams der Opferhandlung selber, daß in dieser Strömung dasjenige von dem Irdischen in das Überirdische hinübergeleitet wird, was der Mensch hier auf der Erde in seinen Handlungen nicht in Ordnung bringen kann, was erst in Ordnung gebracht werden kann in übersinnlichen Welten, weil diese übersinnlichen Welten zu dem ganzen Menschen gehören.
[ 12 ] What, then, was the prerequisite for doing something like this in the first place? Well, the prerequisite was this: that human beings here on Earth live in a world which, compared to the divine world, is one that does not fully encompass human beings in their essence. This is what the old disciple of the Guru thought, and this is what the Guru taught him: This world, in which you live between birth and death, does indeed encompass the other kingdoms of nature, which in a certain way merge into it through their very nature; but it does not encompass the deeper essence of the human being. And what a human being can accomplish between birth and death—let us set aside entirely the fact that in many respects it was portrayed as utterly sinful in ancient times—was in any case presented in such a way that a human being had to say to himself: “What I can experience here in the world between birth and death, what I can accomplish, what I can achieve in terms of deeds—this does not come close to my full human being, for my full human being belongs to the supersensible worlds.” — And in those ancient times, all who were disciples of the Guru, drawing upon an ancient, primitive form of clairvoyance—one they did not need to acquire, but which they possessed naturally as a dreamlike clairvoyance in those early days of humanity—had, at certain moments in their lives, a clear insight into the fact that they had indeed, before they had descended to Earth, lived in a supersensible world, and that after death they would once again enter a supersensible world. And so they said to themselves: If, as a human being, I accomplish only what is present and possible here on the physical Earth, and am connected only to that, then I am not a complete human being. I must direct my powers upward into the spiritual worlds. Yes, they are not here on Earth, but up above.—Such was the conception of those ancient mysteries: that through the sacrificial rites performed under the sign of clairvoyant thoughts, in the divinely resonant mantras of the sacrificial rite itself—that within this current, that which belongs to the earthly is conveyed into the super-earthly: that which human beings here on Earth cannot bring into order through their actions, that which can only be brought into order in the supersensible worlds, because these supersensible worlds belong to the whole human being.
[ 13 ] Und das sagten und lehrten in einer sehr tatsächlichen Weise die alten Guru ihren Schülern: Wenn der Mensch nun durch die Pforte des Todes tritt, da weiß er, wie das, was er hat auf Erden vollbringen können, nicht genügt für sein volles menschliches Wesen, wie beim Durchgang durch die geistige Welt nach dem 'Tode ein Ausgleich stattfinden muß, wie dasjenige, was auf Erden schlecht gemacht werden kann, nur unvollkommen gemacht werden kann, unweise gemacht werden kann, wie das seinen Ausgleich finden muß.
[ 13 ] And this is what the ancient gurus said and taught their disciples in a very concrete way: When a person passes through the gate of death, he realizes that what he was able to accomplish on earth is not sufficient for his full human nature; that as he passes through the spiritual world after “death,” a balancing must take place; that whatever can be done poorly, imperfectly, or unwisely on earth must be balanced.
[ 14 ] Und nun, unter all den Erkenntnissen, die man auf die gestern geschilderte Art über die übersinnlichen Welten gewinnt, ist auch diejenige, daß man erkennt, wie das, was auf der Erde unvollkommen bleibt, in der übersinnlichen Welt in die Vollkommenheit hineingetragen werden kann.
[ 14 ] And now, among all the insights one gains about the supersensible worlds in the manner described yesterday, there is also the realization that what remains imperfect on Earth can be carried into perfection in the supersensible world.
[ 15 ] Das war aber anders für jene alten Zeiten der Mysterien und muß, wie wir gleich nachher sehen werden, heute anders werden. In jenen alten Zeiten lernten die Guruschüler von ihren Lehrern: Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes in die übersinnliche Welt tritt, dann tritt ihm in einer gewissen Zeit ein hohes geistiges Wesen entgegen; dieses hohe geistige Wesen, das hat seinen äußeren Ausdruck in der Sonne und ihrem Erscheinen. — Daher nannten diese alten Mysterienweisen dieses Wesen das hohe, göttliche Sonnenwesen. Und so wie man den Menschen hier auf der Erde ansieht in seiner äußeren Physiognomie und sich sagt, daß in ihm sich die Seele ausdrückt durch die Physiognomie, durch die Mimik, so sahen die alten Menschen hin auf die Bewegungen der Sonne, auf die Erscheinungen auf der Sonne. Und sie sahen darinnen den physiognomischen Ausdruck, den äußeren Abglanz in bezug auf die Mimik in der Bewegung der Sonne; in dem Walten der Sonne sahen sie die Geste für das hohe Sonnenwesen, dessen sie hier auf der Erde nicht ansichtig werden können, das ihnen aber begegnet, wenn sie durch die Todespforte gegangen sind, und das hilft, das auf der Erde nur unvollkommen Errungene da vollkommen zu machen: Bauet in Herzensfrömmigkeit auf das hohe Sonnenwesen, damit ihr es findet, damit nach eurem Tode euer Unvollkommenes durch dieses Wesen, das ihr in geistigen Welten antreffen werdet, das ihr auf der Erde hier nicht treffen könnet, damit dieses Wesen euch hilft, in der rechten Weise durch die geistige Welt durchzugehen! — Nun, von diesem Wesen, das also alles Unvollkommene von den Menschen ins Gleichgewicht bringt, von diesem Wesen redeten so, wie ich es angedeutet habe, die alten Guru, die alten Lehrer.
[ 15 ] But things were different in those ancient times of the Mysteries, and—as we shall see shortly—they must be different today. In those ancient times, the disciples of the gurus learned from their teachers: When a human being passes through the gate of death into the supersensible world, a high spiritual being comes to meet them after a certain time; this high spiritual being finds its outward expression in the sun and its appearance. — That is why the sages of those ancient mysteries called this being the high, divine solar being. And just as one looks at a person here on Earth in terms of their outward physiognomy and says to oneself that the soul expresses itself through that physiognomy, through facial expressions, so too did the ancient people look upon the movements of the Sun, upon the phenomena on the Sun. And they saw in them the physiognomic expression, the outward reflection—akin to facial expressions—in the movement of the sun; in the course of the sun’s movement, they saw the gesture of the High Solar Being, whom they cannot behold here on Earth, but whom they will encounter once they have passed through the gate of death, and who helps to perfect there what was only imperfectly achieved on Earth: Place your trust, with heartfelt devotion, in the exalted Solar Being, so that you may find it; so that after your death, your imperfections may be rectified by this Being—whom you will encounter in the spiritual worlds but cannot meet here on Earth—and so that this Being may help you to pass through the spiritual world in the proper manner! — Now, the ancient gurus, the ancient teachers, spoke of this Being—which thus brings all that is imperfect in human beings into balance—in the way I have indicated.
[ 16 ] Und als das Mysterium von Golgatha herankam, war allerdings die alte Mysterienweisheit schon im Verfallen. Es war wenig mehr von ihr vorhanden; aber es waren Traditionen vorhanden, es waren Reste vorhanden. Es waren Eingeweihte in dem alten Sinne vorhanden, die noch mit derselben Hingebung, mit derselben Frömmigkeit, mit derselben Gläubigkeit festhielten an dem göttlichen Vater, der einstmals als Vatergott die göttlichen Sendboten auf die Erde geschickt hat, von denen die ersten Guru gelernt hatten. Und sie wußten, daß der große Trost des Lebens in alten Zeiten den Mysterienschülern gegeben worden ist dadurch, daß ihnen gesagt wurde: Nach dem Tode findet ihr das hohe Sonnenwesen, das alles Unvollkommene auf der Erde euch in das Vollkommene umzusetzen hilft, das hinwegnimmt von euch das drückende Bewußtsein, daß ihr eigentlich Abgefallene der göttlich 14 geistigen Weltenordnung seid. Dieses hohe Sonnenwesen aber, das mußte heruntersteigen auf die Erde, mußte in dem Menschen Jesus von Nazareth Menschheit annehmen und ist, seitdem der Tod des Jesus Christus auf Golgatha erfolgt ist, nicht mehr zu suchen in den übersinnlichen Welten, sondern ist zu suchen unter den Menschen.
[ 16 ] And as the Mystery of Golgotha drew near, the ancient wisdom of the mysteries was, however, already in decline. Little remained of it; yet traditions still existed, and remnants remained. There were still initiates in the old sense who, with the same devotion, the same piety, and the same faith, clung to the divine Father who had once, as the Father-God, sent the divine messengers to Earth—from whom the first gurus had learned. And they knew that the great consolation of life in ancient times had been given to the students of the mysteries by being told: After death, you will find the high solar being who helps transform all that is imperfect on Earth into perfection, who removes from you the oppressive awareness that you are, in fact, outcasts from the divine spiritual world order. But this exalted Solar Being had to descend to Earth, had to assume humanity in the person of Jesus of Nazareth, and—ever since the death of Jesus Christ on Golgotha—is no longer to be sought in the supersensible worlds, but must be sought among human beings.
[ 17 ] So haben die Eingeweihten, die Initiierten, zur Zeit des Mysteriums von Golgatha und auch noch bis in das 3. Jahrhundert hinein gesprochen. So daß diese Eingeweihten denen, die auf sie hören wollten, sagen konnten: Was ihr als eigentliches heilendes Wesen ersehnt, das hatte die Menschheit der alten Zeiten. Das ist durch eine Gottestat heruntergestiegen auf die Erde, ist in einem Menschen erschienen und lebt seither in übersinnlicher Art innerhalb der Menschheitsentwickelung. — Und während die alten Schüler in die Mysterien hineingehen mußten und hinaufblicken mußten auf ihre Opferweihehandlungen, auf dasjenige, was der Kultus in ihnen anregte in übersinnlichen Welten, müssen die Menschen der neueren Zeit lernen, auf Erden selbst ein unmittelbares Verhältnis zu dem Christus-Wesen zu gewinnen, das heruntergestiegen ist und Mensch geworden ist wie andere Menschen.
[ 17 ] This is how the initiates spoke at the time of the Mystery of Golgotha and even well into the 3rd century. Thus, these initiates were able to say to those who were willing to listen: What you long for as the true healing essence is what humanity possessed in ancient times. This descended to Earth through a divine act, appeared in a human being, and has since lived in a supersensible way within the development of humanity. — And while the ancient disciples had to enter the mysteries and look up to their sacrificial rites—to that which the cult stirred within them in the supersensible worlds—people of the modern era must learn to establish a direct relationship here on earth with the Christ-being who descended and became human like other human beings.
[ 18 ] Das war die Stimmung, welche von den Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha und noch von vielen Eingeweihten der ersten drei christlichen Jahrhunderte verbreitet worden ist, wovon allerdings die historischen Schriften wenig verkünden, weil man alles dasjenige, worinnen die Verkündigung gelegen hat, eigentlich ausgerottet hat. Aber durch diejenige Einsicht in die Weltenordnung, von der ich gestern gesprochen habe, kommt man darauf, daß solche Stimmung als die Christenstimmung der ersten drei Jahrhunderte unter denjenigen verbreitet war, die auf die damals noch vorhandenen Eingeweihten hören wollten, bis dann diese Christus-Stimmung verlorengegangen ist und heute wiederum erneuert werden muß. Davon will ich dann, nachdem dieses übersetzt ist, im zweiten Teil meiner Darstellungen reden.
[ 18 ] This was the spirit that was spread by the contemporaries of the Mystery of Golgotha and also by many initiates of the first three Christian centuries—a spirit of which, however, historical writings say little, because everything that constituted the essence of that proclamation was, in fact, eradicated. But through the insight into the world order of which I spoke yesterday, one comes to realize that such a spirit—the Christian spirit of the first three centuries—was widespread among those who were willing to listen to the initiates still present at that time, until this Christ-spirit was lost and must now be renewed. I intend to speak of this in the second part of my presentations, once this has been translated.
[ 19 ] So hatten die Menschen an dem Verhältnisse, das der Schüler zu seinem Lehrer entwickelte, aus diesem verehrenden, hingebungsvollen Verhältnisse allmählich gelernt, hinaufzuschauen zu dem Göttlichen. Und in dem Lehrer selbst, in dem Guru wurde gesehen der Vermittler des Göttlichen, der gewissermaßen das Göttliche auf die Erde herunterströmen ließ, und hinwiederum die Frömmigkeit, die der Mensch hinaufschicken wollte in die geistige Welt, hinaufleitete. So war eine Summe von Gefühlen und Empfindungen da, welche durch Vererbung von Generation zu Generation in das menschliche Gemüt, in die menschliche Seele eingezogen ist. Und von denen, welche die ersten christlichen Lehrer geworden sind — von deren Innigkeit, von deren Verehrungsmöglichkeit heute nur wenige noch eine Ahnung haben —, von jenen ersten christlichen Lehrern ist diese Verehrung bei solchen, die auf sie hören wollten, nun hingelenkt worden, nicht zu Gurus im alten Sinne, sondern zu dem Christus, der aus den geistigen Welten heruntergestiegen ist und in dem Menschen Jesus von Nazareth eben Menschheit, Leib angenommen hatte.
[ 19 ] Thus, through the relationship that the student developed with his teacher—this reverent, devoted relationship—people had gradually learned to look up to the Divine. And in the teacher himself—the guru—people saw the mediator of the Divine, who, so to speak, allowed the Divine to flow down to Earth and, in turn, channeled the piety that human beings wished to send up into the spiritual world. Thus there was a wealth of feelings and sensations that, through inheritance from generation to generation, found their way into the human mind and into the human soul. And among those who became the first Christian teachers—whose depth of feeling and capacity for reverence few today even begin to grasp—this reverence was directed, among those who were willing to listen to them, —not toward gurus in the old sense, but toward the Christ who descended from the spiritual worlds and had taken on humanity, a physical body, in the person of Jesus of Nazareth.
[ 20 ] Diese Summe von Gefühlen pflanzte sich nun zunächst fort, pflanzte sich durch Jahrhunderte fort und wurde hingeschickt zu demjenigen, von dem die äußere christliche Geschichte verkündete, daß er durch das Mysterium von Golgatha, daß er durch den Tod für die Menschen hindurchgegangen sei, damit die Menschheit ihn fortan auf Erden finden könnte.
[ 20 ] This sum of feelings now began to take root, took root over the centuries, and was sent to the one of whom external Christian history proclaimed that, through the Mystery of Golgotha, he had passed through death for the sake of humanity, so that humanity might henceforth find him on earth.
[ 21 ] Die neuere Initiationswissenschaft, von der ich Ihnen gestern hier gesprochen habe, sie dringt nun wiederum an dieses Christus-Mysterium heran, sie versucht wiederum nahezukommen dem Geheimnis von Golgatha. Warum ist das notwendig?
[ 21 ] The modern science of initiation, which I spoke to you about here yesterday, is once again approaching this Mystery of Christ; it is once again attempting to draw near to the mystery of Golgotha. Why is this necessary?
[ 22 ] Allerdings, während durch das christliche Mittelalter ein Zug von Frömmigkeit und Religiosität ging, der wie die Fortsetzung war jenes Verehrungsstromes, den die Schüler der alten Gurus für diese Lehrer hatten, verglomm, dämmerte ab in der Menschheit immer mehr und mehr, was wie ein altes traumhaftes Hellsehen in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung vorhanden war. Was da vorhanden war, das können wir durch anthroposophische Geisteswissenschaft durchaus auch außerhalb der historischen Dokumente feststellen: In jenen alten Zeiten hatten die Menschen die Möglichkeit, sich zu gewissen Zeiten in eine Art traumhaftes Hellsehen zu versetzen. Dadurch nahmen sie die Welt wahr, aus der sie selber heruntergestiegen waren zu ihrem irdischen Dasein. Aber dieses Wissen von dem Ewigen in der Menschenseele, das war allmählich der Menschheit verlorengegangen. Unter dem Einflusse dieses Wissens hätten nämlich die Menschen niemals sich das Gefühl der menschlichen Freiheit erringen können. Und dieses Gefühl der menschlichen Freiheit, das zur völligen Menschlichkeit gehört, sollte einmal einziehen in den Menschen. Und die Zeit, in der dieses Gefühl der menschlichen Freiheit eingezogen ist, war die des Mittelalters; sie war aber auch diejenige, wo jenes alte Bewußtsein hinabdämmerte, das nimmermehr hätte ein freies sein können. Denn wenn der Mensch hinschaute auf das, was der Mensch war als seelisches Wesen unter geistigen Wesen im vorirdischen Dasein, so fühlte er sich abhängig, fühlte sich nicht frei. Man möchte sagen, es kam eine Zeit der Abdämmerung des alten Hellsehens, und im Dämmerzustande gegenüber der geistigen Welt entwickelte die Menschheit ihr Freiheitsgefühl, das bis zu einem gewissen Kulminationspunkt gekommen ist in unserer modernen Zivilisation. Dadurch aber konnte ja die Menschheit nicht hineinschauen in jene übersinnlichen Welten, aus denen der Christus in den Jesus von Nazareth herabgestiegen ist. Und so wurde die Verehrung des Christentums zunächst eine traditionelle. Man verließ sich auf das, was historisch überliefert war, und man appellierte ani dasjenige, was vererbt war an alter Guruverehrung. So konnte man zu dem göttlichen Wesen, welches durch das Mysterium von Golgatha gegangen war, alle menschliche Verehrung hinleiten, die der Mensch sich erworben hatte mit Bezug auf sein Verhältnis zu dem Göttlichen; aber indem der Mensch immer mehr und mehr in diesem Dämmerzustande des Bewußtseins ein Naturwissen ausbildete, wie es die alten Zeiten niemals gehabt haben, kam man immer mehr und mehr ab auch nur von der Ahnung, daß eine geistige Welt durch Menschenerkenntnis zu erringen ist.
[ 22 ] However, while a spirit of piety and religiosity pervaded the Christian Middle Ages—which was like a continuation of that current of veneration that the disciples of the ancient gurus had for these teachers—what had existed in humanity in the ancient times of human development, like an ancient, dreamlike clairvoyance, gradually faded and dimmed more and more. We can certainly ascertain what existed back then through anthroposophical spiritual science, even outside of historical documents: In those ancient times, people had the ability to enter a kind of dreamlike clairvoyance at certain times. Through this, they perceived the world from which they themselves had descended into their earthly existence. But this knowledge of the eternal within the human soul had gradually been lost to humanity. For under the influence of this knowledge, people would never have been able to attain the feeling of human freedom. And this sense of human freedom, which is an integral part of full humanity, was destined to take root in human beings. The era in which this sense of human freedom took root was the Middle Ages; yet it was also the era in which that ancient consciousness began to fade—a consciousness that could never have been free. For when human beings looked back at what they had been as soul beings among spiritual beings in their pre-earthly existence, they felt dependent; they did not feel free. One might say that a time came when the old clairvoyance began to fade, and in this twilight state with regard to the spiritual world, humanity developed its sense of freedom, which has reached a certain culmination in our modern civilization. As a result, however, humanity could no longer look into those supersensible worlds from which the Christ descended into Jesus of Nazareth. And so the worship of Christianity initially became a traditional one. People relied on what had been historically handed down, and they drew upon what had been inherited from the ancient veneration of gurus. In this way, all the human veneration that humanity had acquired in relation to the Divine could be directed toward the divine being who had passed through the Mystery of Golgotha; but as human beings, in this twilight state of consciousness, developed a knowledge of nature more and more extensive than had ever existed in ancient times, they drifted further and further away even from the mere inkling that a spiritual world could be attained through human knowledge.
[ 23 ] Diejenige geistige Erkenntnis aber, von der ich Ihnen gestern gesprochen habe, sie ist eine wirkliche Fortsetzung der Naturerkenntnis. Und alles, was ich Ihnen gestern erzählt habe, was so an den Menschen herantritt, daß er durch Meditation, Konzentration hinaufgelangen kann mit seiner Erkenntnis in die geistige Welt, das entwickelt sich besonders stark, wenn man als moderner Mensch nicht haften bleibt an dem, was die Naturwissenschaft über die äußere Welt zu sagen hat, sondern wenn man innerlich ringt mit dem, was sie einem sagt, wenn man aufnimmt die Gedanken als durchaus exakt wissenschaftliche, dann aber sie mit seiner innersten Menschlichkeit vereinigen möchte. Dann tritt etwas auf, was zunächst unbestimmt ist: eine gewisse Stimmung, eine Verfassung der Seele. Nimmt man in diese herein das Meditieren, das Konzentrieren in der Gedankenwelt und in der Willenswelt, so wird die Seele hinaufgeleitet, so wie ich es gestern beschrieben habe, in die geistigen, in die übersinnlichen Welten. Und man erwirbt sich dadurch die Möglichkeit, zu verstehen, was das Übersinnliche ist. Man lernt von der Erde, über die einen die Naturwissenschaft so unterrichtet, hinwegschauen in eine übersinnliche Welt, die zur Erde hinzugehört, die insbesondere dann zur Erde hinzugerechnet werden muß, wenn man auf der Erde den Menschen verstehen will.
[ 23 ] But that spiritual insight I spoke to you about yesterday is a true continuation of the understanding of nature. And everything I told you yesterday—that which approaches the human being in such a way that, through meditation, concentration—can ascend with their insight into the spiritual world—develops particularly strongly when, as a modern person, one does not remain fixated on what natural science has to say about the external world, but rather when one wrestles inwardly with what it tells us, when one accepts the ideas as thoroughly precise scientific ones, yet then seeks to unite them with one’s innermost humanity. Then something arises that is at first indefinable: a certain mood, a state of the soul. If one incorporates into this state meditation and concentration in the worlds of thought and will, the soul is guided upward, as I described yesterday, into the spiritual, into the supersensible worlds. And through this one acquires the ability to understand what the supersensible is. One learns to look beyond the Earth—as taught by the natural sciences—into a supersensible world that belongs to the Earth, a world that must be taken into account, especially when one wishes to understand human beings on Earth.
[ 24 ] Und da entstehen dann im tiefsten Inneren des anthroposophischen Kämpfers Fragen von weittragendster Bedeutung. Und wenn er Antwort sucht auf diese Fragen, dann führen ihn die Antworten wiederum hin zum Verständnisse auch des Mysteriums von Golgatha.
[ 24 ] And this is when questions of the utmost significance arise in the very depths of the anthroposophical warrior’s being. And when he seeks answers to these questions, the answers in turn lead him to an understanding of the Mystery of Golgotha as well.
[ 25 ] Man hat auf der einen Seite gelernt, das Geistige zu schauen, nachdem man sein Bewußtsein hinweggehoben hat von der Erde, nachdem man es erreicht hat, außerhalb des menschlichen Leibes wahrzunehmen, und sogar, wie ich gestern geschildert habe, zu handeln in ideeller Magie. Kurz, man hat gelernt in diesem leibfreien Zustande mit der Erkenntnis und mit dem Willen hineinzugehen in eine geistige Welt.
[ 25 ] On the one hand, one has learned to perceive the spiritual realm after lifting one’s consciousness away from the earth, after achieving the ability to perceive it outside the human body, and even—as I described yesterday—to act through ideal magic. In short, we have learned to enter a spiritual world in this bodiless state through knowledge and will.
[ 26 ] Wenn man dann, ausgerüstet mit diesem inneren Verständnisse der geistigen Welt, wiederum hinschaut zu dem Christus, zu demjenigen, was einem als das Mysterium von Golgatha unter den Erdenereignissen erscheint, dann bleibt man nicht stehen, wie so mancher moderne Theologe, bei dem Menschen Jesus von Nazareth. Denn man versteht nicht bloß im materralistischen Sinne dasjenige, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, man versteht es so, daß man den Menschen Jesus von Nazareth mit dem göttlichen Christus durchdrungen erschaut, weil man sich angeeignet hat die Fähigkeit für das Geistige. Mit der Fähigkeit, das Geistige zu erkennen, gelangt man auch dazu, dieses Geistig-Göttliche in dem Christus wiederum zu schauen. So gelangt gerade diese jetzt moderne Theosophie, weil sie das Göttlich-Geistige wiederum in unmittelbarer Erkenntnis erlangt, dazu, durch die Erkenntnis dieses Geistigen gerüstet, hinschauen zu können auf den Jesus von Nazareth und in ihm wiederum den Christus, der nur als geistiges Wesen erkannt werden kann, zu erkennen. Mit der Erkenntnis, die man sich für Überirdisches erwirbt, gelangt man an den Christus heran, um in dem Christus selbst das Überirdische, das Göttliche in dem Gottmenschen zu schauen.
[ 26 ] When, equipped with this inner understanding of the spiritual world, one looks once more to Christ—to that which appears to us as the Mystery of Golgotha among earthly events—one does not stop, as so many modern theologians do, at the human Jesus of Nazareth. For one does not merely understand, in a materialistic sense, what happened in connection with the Mystery of Golgotha; one understands it in such a way that one beholds the human Jesus of Nazareth as permeated by the divine Christ, because one has acquired the capacity for the spiritual. With the capacity to recognize the spiritual, one also comes to behold this spiritual-divine aspect in Christ once again. Thus, precisely this modern theosophy—because it attains the divine-spiritual through direct knowledge—is able, equipped by this knowledge of the spiritual, to look upon Jesus of Nazareth and to recognize in him the Christ, who can be known only as a spiritual being. Through the knowledge one acquires of the supermundane, one draws near to Christ in order to behold in Christ himself the supermundane, the divine in the God-man.
[ 27 ] Die moderne Anthroposophie führt gerade durch volle Erfassung der geistigen Welt wiederum zu dem Christus hin. Und sie führt gerade dann zu ihm, wenn man sich in dieser Weise vorbereitet hat durch Anthroposophie. Um das völlig verständlich zu machen, möchte ich hinweisen, wie der moderne Mensch irrtümlich und richtig sich der geistigen Welt nahen kann. Sehen Sie, man möchte sagen, die heutigen Nachfolger derjenigen, welche einstmals unter dem Einflusse der Mysterien gestanden haben und in dem herabgedämmerten Bewußtsein der Menschheit, das aber hineinschauen konnte in gewisse Zustände des vorirdischen Daseins und in diesem herabgeminderten Bewußtsein in der Opferhandlung das Geistige hinaufströmen lassen wollte zum Göttlichen, die Nachfolger dieser alten Frommen sind heute Leute, die auf eine durchaus fragwürdige Weise mit der geistigen Welt in Beziehung treten wollen. Damals blieb bei den Frommen das äußere Seelenleben stehen im Seelischen, sie lenkten ihren seelischen Sinn hin in die überirdischen Welten. Diese fromme Stimmung hat sich als die christliche Stimmung bei jenen Frommen fortgepflanzt, von denen ich im Anfange meines heutigen Vortrags gesprochen habe und die bei dieser naiven Frömmigkeit stehenbleiben wollen. Naiv ist sie heute deshalb, weil der Mensch nicht mehr hineinschaut in das übersinnliche Dasein durch sein natürliches Bewußtsein, und weil der Mensch durch diese naive Frommheit nicht hinaufgeleitet wird wie die alten Guruschüler in die übersinnlichen Welten, sondern hier auf der Erde verbleibt in seinem physischen Leibe. Das ist ja das Charakteristische dieser naiven Frömmigkeit, daß sie bei den Gefühlen, bei den Empfindungen bleibt, bei der Empfindung, die die Seele hat, wenn sie sich in sich selber, in die eigene Menschlichkeit versenkt. Wenn sich der Mensch in die eigene Menschlichkeit versenkt, dann kommt er allerdings dazu, zu wissen, daß in dem, was da unten im physischen Leibe ist, nicht bloß Fleisch und Blut ist, daß da allerdings Geistiges ist. Dieses Geistige, das der Fromme hinlenken will zu dem Göttlichen, will derjenige, der heute, ich möchte sagen, der unrichtige Nachfolger der alten Guruschüler ist, als mediale Persönlichkeit in Handlung umsetzen.
[ 27 ] Modern anthroposophy leads back to Christ precisely through a full grasp of the spiritual world. And it leads to him precisely when one has prepared oneself in this way through anthroposophy. To make this fully understandable, I would like to point out how modern human beings can approach the spiritual world—both erroneously and correctly. You see, one might say that today’s successors to those who were once under the influence of the mysteries—and who, within humanity’s dimming consciousness, were nevertheless able to glimpse certain states of pre-earthly existence, and who, within this diminished consciousness, sought to allow the spiritual to flow upward toward the Divine through the act of sacrifice— the successors of these ancient devout people are today individuals who seek to relate to the spiritual world in a thoroughly questionable manner. In those days, the outer life of the soul among the devout remained within the soul itself; they directed their soul’s attention toward the supermundane worlds. This devout disposition has been carried on as the Christian disposition among those devout people of whom I spoke at the beginning of my lecture today and who wish to remain at this stage of naive piety. It is naive today because human beings no longer look into the supersensible realm through their natural consciousness, and because this naive piety does not lead them upward into the supersensible worlds, as it did the ancient disciples of the gurus, but instead keeps them here on earth in their physical bodies. That is, after all, the defining characteristic of this naive piety: that it remains at the level of feelings and sensations—at the sensation the soul experiences when it immerses itself in its own humanity. When a person immerses themselves in their own humanity, they do indeed come to know that what lies down there in the physical body is not merely flesh and blood, but that there is indeed something spiritual there. This spiritual element, which the devout person seeks to direct toward the Divine, is what the one who today is—I would say—the misguided successor to the ancient disciples of the gurus seeks to put into action as a mediumistic personality.
[ 28 ] Was ist denn eine mediale Persönlichkeit? Eine mediale Persönlichkeit ist eine solche, welche das Geistige aus dem physischen Leibe sprechen, aus dem physischen Leibe schreiben läßt, oder auch auf eine andere Weise noch sich kundgeben läßt. Daß die Medien sich äußern, indem ihr Bewußtsein, aus dem sonst das Schreiben und Sprechen kommt, herabgedämmert ist, wie einst bei den Guruschülern der alten Zeiten, das beweist, daß der menschliche Leib nicht bloß der physische ist, daß aus ihm spricht ein Geistiges, aber ein mechanisches Geistiges, ein Geistiges untergeordneter Art. Diese medialen Persönlichkeiten, sie wollen das Geistige unmittelbar in ihrem Leib nicht nur erleben, sie wollen es auch offenbaren bei sich. Und es spricht tatsächlich ein Geistiges, das im Leibe wohnt, wenn das Medium spricht oder schreibt. Was ist die Eigentümlichkeit solcher medialer Persönlichkeiten mit ihrer Offenbarung in bezug auf das Göttliche? Die Eigentümlichkeit ist diese — Sie wissen es vielleicht —: sie werden redselig, sie werden schreibselig, sie schreiben gern, sie reden gern, aber sie mischen Unzähliges, das der gewöhnlichen Logik als fragwürdig erscheinen muß, hinein in das, was durch ihren Körper der Geist kundgibt. Diese medialen Persönlichkeiten sind gerade der Beweis, daß wir nicht auf die alte Art zurückgreifen dürfen zu der Verbindung mit dem Göttlich-Geistigen, daß wir eine andere Art suchen müssen.
[ 28 ] What, then, is a medium? A medium is someone through whom the spiritual allows itself to speak from the physical body, to write from the physical body, or to make itself known in some other way. The fact that mediums express themselves while their consciousness—from which writing and speaking normally originate—is dimmed, as was once the case with the disciples of the gurus in ancient times, proves that the human body is not merely the physical body, that a spiritual element speaks through it—but a mechanical spiritual element, a spiritual element of a subordinate nature. These mediumistic personalities not only wish to experience the spiritual directly within their bodies; they also wish to reveal it through themselves. And indeed, a spiritual presence dwelling within the body speaks when the medium speaks or writes. What is the distinctive characteristic of such mediumistic personalities and their revelations in relation to the Divine? The peculiarity is this—as you may know—: they become talkative, they become eager to write; they enjoy writing and speaking, but they intermingle countless elements—which must appear questionable to ordinary logic—into what the Spirit reveals through their bodies. These mediumistic personalities are precisely the proof that we must not fall back on the old way of connecting with the divine-spiritual, but that we must seek a different way.
[ 29 ] Diese andere Art nun sucht die anthroposophische Geisteswissenschaft. Und vielleicht darf ich über diese andere Art gerade aus einem bestimmten Grunde heraus sprechen. Diese andere Art, sich der geistigen Welt zu nähern — wenn man in ganz sichtbarer Weise die naturwissenschaftlichen Ergebnisse ernst nimmt, wenn man sie hinnimmt als die großen Errungenschaften der neueren Zivilisation —, diese andere Weise, die kommt zunächst, indem sie sich den geistigen Welten nähern will, nur außerordentlich schwer dazu, ich möchte sagen, die Sprachorgane zu bewegen, ja auch nur die Gedanken zu hegen, oder gar in medialer Weise zu der Schrift zu greifen. Wenn man erfaßt wird durch die Meditation, durch die Konzentration von jenem Geiste in sich, von dem ich gestern gesprochen habe, ja, dann möchte man am liebsten zunächst stumm werden! Während die mediale Persönlichkeit redselig wird und das Geistige aus sich heraus durch die Sprachorganisation ertönen läßt, möchte man, wenn man als gewissenhafter, naturwissenschaftlich gebildeter Mensch für die übersinnliche Erkenntnis von dem Geiste ergriffen wird, wie ich es gestern geschildert habe, am liebsten zunächst stumm werden, nicht sprechen von jenem zarten Erlebnis, das sich in der Seele kundgibt, Ja man möchte sich sogar die Gedanken verbieten, weil man das Denken gelernt hat an den physisch-irdischen Dingen. Man möchte die Gedanken nicht laufen lassen, nicht strömen lassen in seiner Seele, weil man eine gewisse innere Ängstlichkeit hat, den Gedanken, den man an den äußeren physisch-sinnlichen Dingen heranzog, halb unbewußt auf das Geistige hinzuwenden, in das man durch jene innere Verfassung gelangt, von der ich gesprochen habe, weil man glaubt, daß dieses Geistige, indem man den Gedanken auf es anwendet, einem nicht nur entschlüpft, sondern daß man es profaniert, daß man es entstellt. Am allerwenigsten möchte man zum Schreiben übergehen, denn man weiß, daß in jenen alten Zeiten, in denen die Gottesverehrung in eine Tätigkeit übergeführt worden ist durch Opferhandlungen, durch die Einschaltung des menschlichen Leibes, nicht zum Schreiben gegriffen worden ist. Das Schreiben ist etwas, was erst mit dem auf die sinnlich-physische Natur gerichteten Intellekt und Verstand in die Menschheit eingezogen ist; das Schreiben findet man, indem man ergriffen wird von der Erkenntnis des Göttlich-Geistigen, zunächst als etwas, was man weit von sich wegschieben möchte. Und so wird man, indem man ergriffen wird von dieser Erkenntnisfähigkeit für das Göttlich-Geistige, für die übersinnliche Welt, zunächst erst innerlich stumm in bezug auf seine Gedanken; man wird stumm erst recht in bezug auf seine Sprache und in bezug auf dasjenige, was man irgendwie niederschreiben wollte über das Göttliche.
[ 29 ] Anthroposophical spiritual science seeks this other approach. And perhaps I am permitted to speak about this other approach for a specific reason. This other way of approaching the spiritual world—if one takes the findings of the natural sciences seriously in a very tangible way, if one accepts them as the great achievements of modern civilization—this other way, when it seeks to approach the spiritual worlds, finds it at first extremely difficult to I would say, to move the speech organs, indeed even to harbor thoughts, or to take up writing in a mediumistic manner. When one is seized by meditation, by the concentration of that spirit within oneself of which I spoke yesterday—yes, then one would prefer, at first, to fall silent! While the mediumistic personality becomes talkative and allows the spiritual to resound from within through the speech apparatus, one—as a conscientious, scientifically educated person who is seized by the spirit for supersensory knowledge, as I described yesterday—would prefer, at first, to fall silent, not to speak of that delicate experience that reveals itself in the soul, Indeed, one would even like to forbid oneself such thoughts, because one has learned to think in terms of physical, earthly things. One does not want to let thoughts run free, to let them flow within one’s soul, because one feels a certain inner apprehension that the thoughts one has drawn from external, physical, sensory things unconsciously turn toward the spiritual realm into which one enters through that inner state I have spoken of—because one believes that by applying one’s thoughts to this spiritual realm, it not only slips away but is also profaned and distorted. One is least of all inclined to turn to writing, for one knows that in those ancient times, when the worship of God was expressed through sacrificial rites and the involvement of the human body, writing was not resorted to. Writing is something that only entered humanity with the intellect and reason directed toward the sensory-physical nature; when one is seized by the knowledge of the divine-spiritual, one initially finds writing to be something one would like to push far away from oneself. And so, when one is seized by this capacity for knowledge of the divine-spiritual, of the supersensible world, one initially becomes inwardly silent with regard to one’s thoughts; one becomes all the more silent with regard to one’s speech and with regard to whatever one might have wished to write down about the divine.
[ 30 ] Ich sagte, daß ich gerade über diese Erfahrungen sprechen darf, denn diese Erfahrungen sind meine eigenen. Es sind solche, die ich wohl kennenlernte in derjenigen Entwickelung, die ich selber aus der Naturwissenschaft heraus durchgemacht habe, hin zum Begreifen der geistigen Welten, zum Erschauen der geistigen Welten, und hin zu dem Erschauen des Mysteriums von Golgatha durch diese geistigen Welten. Aber Sie werden auch verstehen, daß derjenige, der nun mit dieser modernen, anthroposophischen Geisteswissenschaft an das Mysterium von Golgatha herantritt, Schwierigkeiten hat. Das Mysterium von Golgatha muß erfaßt werden in seiner ganzen Majestät und Größe, wie es sich in der Geschichte der Menschheit offenbart. Man muß hinschauen lernen auf das historische Faktum, wie der Gott durch den Menschen Jesus von Nazareth durch den Tod gegangen ist auf Golgatha. Man muß in einem vollständig sinnenfreien Bilde anschauen das größte historische Ereignis. Aber eben gerade zu diesem sinnenfreien Erfassen desselben in Gedanken, zu dem Darstellen durch das Wort, zu dem Darstellen vielleicht gar durch die Schrift, ringt man sich in der Weise, wie ich es dargetan habe, außerordentlich schwer durch.
[ 30 ] I said that I am in a position to speak about these very experiences, for they are my own. They are experiences I came to know during the development I myself underwent, starting from the natural sciences, toward an understanding of the spiritual worlds, toward a vision of the spiritual worlds, and toward a vision of the Mystery of Golgotha through these spiritual worlds. But you will also understand that anyone who now approaches the Mystery of Golgotha with this modern, anthroposophical spiritual science faces difficulties. The Mystery of Golgotha must be grasped in all its majesty and grandeur, as it is revealed in the history of humanity. One must learn to look at the historical fact of how God, through the human being Jesus of Nazareth, passed through death on Golgotha. One must contemplate this greatest historical event in an image entirely free of sensory perception. But it is precisely this sensory-free grasping of it in thought—this representation through the word, perhaps even through writing—that one struggles to achieve with extraordinary difficulty, in the manner I have described.
[ 31 ] Was man sich aber aneignet auf diesem Wege, das ist: innerliche Ehrfurcht, innerliche Scheu vor dem großen Mysterium, das sich auf Golgatha abgespielt hat. Es gießt sich etwas aus über die Seele dessen, der in der Weise, wie ich es Ihnen geschildert habe, in seinen Gedanken und in seinen Worten stumm geworden ist, der nicht sich regen möchte, wenn das Göttlich-Geistige in ihm ihn hinzieht zu dem Mysterium von Golgatha. Es gießt sich aus über die Seele eines solchen das tiefste, ehrfurchtsvolle Fühlen: man möchte sich ihm nicht nahen. Und so wird aus dem, was der anthroposophische Weg ist, nicht nur etwas, was Erkenntnis ist. Erkenntnis ist es zuerst. Erkenntnis ist es im Hinaufschauen in die übersinnlichen Welten, aber es ergießt sich in das Fühlen, es wird scheue Ehrfurcht. Es wird etwas, was viel tiefer die menschliche Seele ergreift, als nur irgend dasjenige, was die Menschen jemals ergriffen hat, was der Schüler für seinen alten Guru fühlte. Und es bildet sich dieses Fühlen zuerst heraus als ein tiefstes Bedürfnis, zu erfassen den Christus Jesus auf Golgatha. Ganz wandelt sich durch eine innerliche Seelenmetamorphose dasjenige um, was zuerst übersinnliches Schauen ist, in das Fühlen. Und dieses Fühlen sucht den Gottmenschen auf Golgatha. Und es kann ihn finden, weil es gelernt hat das Geistige zu schauen. Es spricht nicht von dem Menschen Jesus von Nazareth, sondern es lernt erkennen diesen Menschen Jesus von Nazareth, aber es lernt auch erkennen, daß in ihm innerhalb des Erdenlebens der Christus als geistig-göttliche Wesenheit wirklich zu schauen ist. So strömt aus anthroposophischer Geisteswissenschaft Erkenntnis des geistigen Christus, so strömt aber auch dem Göttlichen gegenüber jene wahre Verehrung aus, durch das, was in der Erkenntnis des Übersinnlichen leben kann.
[ 31 ] But what one acquires in this way is an inner sense of awe, an inner reverence for the great mystery that unfolded on Golgotha. Something pours forth over the soul of the one who, in the way I have described to you, has become silent in thought and word, who does not wish to stir when the divine-spiritual within him draws him toward the Mystery of Golgotha. The deepest, most reverent feeling pours out over the soul of such a person: one does not wish to approach him. And so the anthroposophical path becomes more than mere knowledge. It is knowledge first and foremost. It is knowledge in the act of looking up into the supersensible worlds, but it pours out into feeling; it becomes a timid reverence. It becomes something that grips the human soul much more deeply than anything that has ever gripped people—more deeply than what the disciple felt for his ancient guru. And this feeling first takes shape as a deepest need to grasp Christ Jesus on Golgotha. Through an inner metamorphosis of the soul, what was initially supersensible vision is completely transformed into feeling. And this feeling seeks the God-man on Golgotha. And it can find him because it has learned to behold the spiritual. It does not speak of the man Jesus of Nazareth, but it learns to recognize this man, Jesus of Nazareth; yet it also learns to recognize that within him, during his earthly life, Christ can truly be beheld as a spiritual-divine being. Thus, from anthroposophical spiritual science flows knowledge of the spiritual Christ; but from this same source also flows true reverence for the Divine, through that which can live in the knowledge of the supersensible.
[ 32 ] Wie das dann zur Befruchtung des Christentums führen kann, das lassen Sie mich noch in dem kurzen dritten Teil darlegen, nachdem der zweite Teil übersetzt ist.
[ 32 ] I will explain how this can then lead to the enrichment of Christianity in the brief third part, once the second part has been translated.
[ 33 ] Gerade derjenige, welcher in der geschilderten Weise zunächst, wenn die übersinnliche Erkenntniskraft ihn ergreift, in Gedanken und Worten stumm werden möchte, der sich seines Organismus nicht bedienen möchte, um das zu äußern, was in ihm lebt, gerade der erlebt beim Übergange — indem er sich entschließt, über dasjenige, was in seinem Inneren lebt, auch äußerlich zu reden — etwas, das ihn berechtigt, von der Geistnatur des Christus Jesus zu sprechen. Was man bei diesem Übergange erlebt, wenn man sich zu dem Entschluß aufrafft: du denkst nun doch in Gedanken das Geistige, du sprichst über das Geistige, du schreibst über das Geistige, was man da erlebt, das ist: daß man für alles Sprechen und Denken dieses Geistigen sich aus dem physischen Leibe herausgehoben fühlt. Dann kann man eben nicht denken, nicht sprechen, denn zum Denken gehört der physische Leib, zum Sprechen gehört der physische Leib; man fühlt sich aber in einer gewissen Weise seinem physischen Leibe entfremdet. Während die mediale Person sich ganz drinnen fühlt im physischen Leibe, das Bewußtsein sogar abtötet, um ganz im physischen Leibe nur zu leben und das Geistige sprechen zu lassen, hebt sich durch ein verfeinertes Bewußtsein, ein erhöhtes Bewußtsein derjenige, den ich jetzt meine als den übersinnlichen Erkenner, aus seinem physischen Leibe heraus. Die physische Welt wird durch all dasjenige, was er als geistige Welt erlebte, für ihn so, daß er sie außerordentlich schwer ergreifen kann: er findet nicht seine Sprache, nicht die naive Tätigkeit seines Denkens, er findet nicht seine Arme, er findet den ganzen physischen Leib nicht. Man muß das Erlebnis durchmachen, erst wiederum diese physische Welt, erst wiederum die Gedanken und die Sprache zu finden für das, was man in der übersinnlichen Welt erlebt. Das aber ist etwas, das einen in die Lage bringt, wie wenn man sich das Leben neuerdings, ein zweites Mal, erobern müßte, wie wenn man durch eine selbstgeschaffene Geburt durchschreiten müßte. Das aber lehrt einen auch kennen die Tiefen des Menschenwesens. Denn indem man dieses Menschenwesen zum zweiten Mal erfaßt, um es zum Instrument des Denkens und Aussprechens des Geistigen, des Übersinnlichen zu machen, lernt man es kennen. Und man lernt es jetzt so kennen, daß man in derselben Art übersinnlich, wie die übersinnliche Erkenntnis ist, von der ich gestern und heute gesprochen habe, nun weiß: dringt man durch übersinnliche Erkenntnis in seinen Organismus ein, so findet man auch da den Christus, indem dieser durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Und man hat jetzt erfaßt nicht nur den einmal auf die Erde herabgestiegenen, durch den Tod durchgegangenen Christus, man hat den Christus erlebt, der deshalb durch den 'Tod gegangen ist, um fortan in die Menschheit, die ganze Menschheit sich auszugießen, so daß der Mensch ihn finden kann, wenn er tief genug in sich hinuntersteigt. Das erlebt der in der übersinnlichen Erkenntnis seinen Leib noch einmal und jetzt fester Erfassende. Und was er so sich an Christus-Erkenntnis erwirbt, das kann er dann allerdings in jene Worte kleiden, welche in sich enthalten eine wahre Botschaft von dem Christus. Denn er weiß es: der Christus ist auf Golgatha gestorben, der Christus hat sich durch den Tod ausgegossen in die Geburtskräfte des Menschen, er lebt seither in den menschlichen Wesen. Die können ihn finden, wenn sie tief genug in sich hineingehen. Der also modern Initiierte weiß, daß das Pauluswort eine tiefe Wahrheit hat: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Den Christus in mir finde ich, wenn ich tief genug in meine Menschheit hineinsteige.
[ 33 ] It is precisely the person who, when the supersensible power of cognition takes hold of him, would initially like to remain silent in thought and word—who would not wish to use his physical body to express what lives within him—who, during the transition, — by resolving to speak outwardly about what lives within him — something that entitles him to speak of the spiritual nature of Christ Jesus. What one experiences during this transition, when one summons the resolve: “You will now think the spiritual in your thoughts, you will speak about the spiritual, you will write about the spiritual”—what one experiences there is this: that for all speaking and thinking of this spiritual, one feels lifted out of the physical body. Then one simply cannot think or speak, for thinking involves the physical body, and speaking involves the physical body; yet one feels, in a certain way, alienated from one’s physical body. While the medium feels completely at home within the physical body—even suppressing consciousness in order to live entirely within the physical body and allow the spiritual to speak—the person I now refer to as the supersensible knower lifts himself out of his physical body through a refined consciousness, an elevated consciousness. Through all that he has experienced as the spiritual world, the physical world becomes so alien to him that he finds it extraordinarily difficult to grasp: he cannot find his language, nor the naive activity of his thinking; he cannot find his arms; he cannot find his entire physical body. One must go through this experience—first rediscovering this physical world, first rediscovering the thoughts and language for what one experiences in the supersensible world. But this is something that puts one in a position as if one had to conquer life anew, a second time, as if one had to pass through a self-created birth. But this also teaches one to know the depths of the human being. For by grasping this human being a second time, in order to make it an instrument for thinking and expressing the spiritual, the supersensible, one comes to know it. And one now comes to know it in such a way that, in the same supersensible manner as the supersensible knowledge of which I have spoken yesterday and today, one now knows: if one penetrates one’s own organism through supersensible knowledge, one finds Christ there as well, in that He has passed through the Mystery of Golgotha. And one has now grasped not only the Christ who once descended to Earth and passed through death, but one has experienced the Christ who passed through death precisely in order to pour himself out henceforth into humanity—into all of humanity—so that human beings may find him if they descend deeply enough within themselves. This is what the person who, through supersensible knowledge, grasps his body once more—and now more firmly—experiences. And what he thus gains in knowledge of Christ, he can then indeed clothe in those words that contain within them a true message about Christ. For he knows this: Christ died on Golgotha; Christ poured himself out through death into the creative forces of human beings; he has lived within human beings ever since. They can find him if they go deep enough within themselves. The modern initiate, then, knows that Paul’s words contain a profound truth: “Not I, but Christ in me.” I find Christ in me when I descend deep enough into my own humanity.
[ 34 ] Dann aber braucht der Eingeweihte nicht etwa lauter Eingeweihte zu machen, um Christen zu machen, sondern dann findet er die Möglichkeit, mit dieser Christus-Erkenntnis ausgerüstet, die neuen Wege auch für die primitive, einfache Frömmigkeit zu finden. Diese einfache, primitive Frömmigkeit kann den Christus finden. Die Wege der heutigen Frömmigkeit, sie müssen allerdings etwas anders sein, wie die Wege der alten, zu den Füßen des Guru geoffenbarten Frömmigkeit. Diese muß eine innerliche sein, denn nicht mehr soll der Mensch den Strom seines Empfindens für das Göttliche hinaufsenden in eine übersinnliche Welt, er soll in sich hineindringen, um den Christus, der seit dem Mysterium von Golgatha lebendig auf der Erde lebt, in sich zu finden. Und wenn der einfache Fromme sich heraufrankt dadurch, daß ihm gesagt werden kann aus anthroposophischer Geisteswissenschaft heraus: Es ist keine Illusion, daß du, wenn du tief genug in dich hineindringst, den Christus findest, der ist keine Illusion, der ist in deinen Tiefen, weil er in deine eigenen Tiefen heruntergestiegen ist durch den Tod auf Golgatha —, dann weiß der anthroposophische Geisteswissenschafter, wenn er also zu dem einfachen Frommen spricht, daß er eben eine Wahrheit sagt, daß er ihm nicht nur etwas sagt zum Ausbilden der Gefühle, sondern daß er ihm ein Ziel zeigen kann, das auch der einfache Fromme finden kann. Und so können die modernen Wege von dem einfachen Frommen gegangen werden. Während es sich früher darum handelte, daß an der Guruverehrung und Guruachtung sich entwickelten die durchsichtigen Gedanken, das göttliche Tönen des Mantram, sich die Opfergeste entwickelte, so soll derjenige, der im modernen Sinne seinen Weg zu Christus finden will, vor allen Dingen Verinnerlichung der Seele finden. Er soll lernen können, in sein Inneres hineinschauen, um auch dann noch in seinem inneren Gefühl, in seinem inneren Erleben etwas zu haben, wenn er die Blicke abwendet von der äußeren Welt. Und er soll da finden können diejenige Kraft, die ihn durch die Pforte des Todes führt, indem er hier auf Erden mit ihr bekannt wird in der Hingebung an den Christus und das Mysterium von Golgatha.
[ 34 ] But then the initiate does not need to go around making everyone else an initiate in order to make them Christians; rather, equipped with this knowledge of Christ, he finds the possibility of discovering new paths even for primitive, simple piety. This simple, primitive piety can find Christ. The paths of piety today, however, must be somewhat different from the paths of the old piety revealed at the feet of the guru. This piety must be an inner one, for human beings are no longer to send the stream of their feelings for the Divine upward into a supersensible world; rather, they are to penetrate within themselves to find Christ, who has been living on Earth since the Mystery of Golgotha. And when the simple believer is lifted up by being told, on the basis of anthroposophical spiritual science: “It is no illusion that, if you penetrate deeply enough into yourself, you will find Christ; He is no illusion—He is in your depths, for He has descended into your own depths through the death on Golgotha”— then the anthroposophical spiritual scientist knows, when speaking to the simple, devout person, that he is speaking a truth—that he is not merely saying something to cultivate feelings, but that he can show him a goal that even the simple, devout person can find. And so the simple, devout person can follow these modern paths. Whereas in the past the focus was on the worship and reverence of the guru, through which transparent thoughts and the divine sound of the mantra developed, and the gesture of sacrifice took shape, the one who wishes to find his way to Christ in the modern sense must, above all, find the innerization of the soul. He should be able to learn to look within himself, so that even when he turns his gaze away from the outer world, he still has something in his inner feeling, in his inner experience. And there he should be able to find the very power that leads him through the gate of death, by becoming acquainted with it here on earth through devotion to Christ and the Mystery of Golgotha.
[ 35 ] Der alte Guru hatte seinen Schülern und der ganzen Menschheit gesagt: Wenn ihr durch die Pforte des Todes schreitet, werdet ihr finden das hoheSonnenwesen, das ausgleicht die Unvollkommenheiten der Erde. — Der moderne Lehrer sagt: Wenn ihr hier auf Erden das Verhältnis gewinnt zu dem herabgestiegenen Christus, wenn ihr mit aller inneren Verehrung, inneren Anbetung, mit verinnerlichtem Seelenleben euer Verhältnis findet hier auf Erden zu dem Christus und zu dem Mysterium von Golgatha, dann erströmt in eurem Inneren eine Kraft, die nicht mit euch stirbt, die ihr durch die Pforte des Todes traget und die mit euch dasjenige vollführen wird, das ihr hier auf Erden, solange ihr den physischen Leib traget, nicht vollführen könnt. Was in alten Zeiten mit dem Menschen das hohe Sonnenwesen vollführt hat, das wird mit euch vollführen die Christus-Kraft, wenn sie in eurem eigenen Wesen bleibt, das im Tode leibfrei geworden ist. Es wird wirken die Christus-Kraft in der Erde in dem, was noch in dem Menschen unvollkommen ist, und es wird die Möglichkeit gegeben sein, daß die Menschen sich auf der Erde finden in dieser Anerkennung des Christus im sozialen Leben. — Denn dasjenige, was also sie durchdringt mit innerer Kraft, als die Kraft, die vom Christus ausströmt, die beleuchtet werden kann durch die anthroposophische Geisteswissenschaftslehre, diese Kraft, sie kann in die Handlungen, in den Willen des Menschen eingreifen, kann Impuls der Willenshandlungen werden und so in das soziale Leben einströmen. In das soziale Leben können einströmen die Christus-Kräfte.
[ 35 ] The ancient Guru had told his disciples and all of humanity: When you pass through the gate of death, you will find the exalted Solar Being who compensates for the imperfections of the earth. — The modern teacher says: When you establish a relationship here on Earth with the descended Christ—when, with all inner reverence, inner worship, and an internalized spiritual life, you find your relationship here on Earth to the Christ and to the Mystery of Golgotha— then a power will well up within you that does not die with you, that you carry through the gate of death, and that will accomplish with you what you cannot accomplish here on Earth as long as you bear the physical body. What the high solar being accomplished with humanity in ancient times, the Christ-force will accomplish with you if it remains within your own being, which has become free of the body in death. The Christ-force will work within the Earth in that which is still imperfect in humanity, and the possibility will be given for people to find one another on Earth in this recognition of the Christ in social life. — For that which thus permeates them with inner power—as the power that radiates from Christ, which can be illuminated by the teachings of anthroposophical spiritual science—this power can intervene in human actions and in the human will; it can become an impulse for acts of the will and thus flow into social life. The Christ forces can flow into social life.
[ 36 ] Ja, man redet heute viel von sozialen Reformen, redet viel vom sozialen Fortschritt. Wer wird der große Reformator des sozialen Lebens sein, wenn die Handlungen unter den Menschen einmal ausgeführt werden im sozialen Leben im Auftrag des Christus Jesus, so daß die Welt durchchristet werden kann? Wer wird der große, auch soziale Reformator werden, der Friede wird stiften können im sozialen Streit der Erde? Der Christus allein wird es sein können, wenn die Menschen untereinander ein soziales Leben werden haben können, das ihnen in gewissen Momenten des Lebens zu einer Weihehandlung werden wird, wo sie zu dem Christus so aufschauen, daß sie nicht sagen: Ich —, daß sie sagen: Wenn auch nur zwei oder drei, und wenn viele im Namen des Christus vereinigt sind, so ist der Christus mitten unter ihnen. — Und die soziale Tätigkeit wird eine Opferweihehandlung, sie setzt das fort, was die alte Kultushandlung war. Der Christus muß, indem er lebendig heute in dem Menschenwesen wirkt, auch selber der große soziale Reformator werden.
[ 36 ] Yes, there is much talk today of social reforms, much talk of social progress. Who will be the great reformer of social life once people’s actions in social life are carried out in the name of Christ Jesus, so that the world may be transformed by Christ? Who will be the great—and also social—reformer who will be able to bring peace to the social strife of the earth? Christ alone will be able to do so, when people are able to live a social life among themselves that, at certain moments in life, becomes an act of consecration for them—where they look up to Christ in such a way that they do not say: “I—,” but rather say: “Even if only two or three, and even if many, are united in the name of Christ, Christ is in their midst.” — And social activity will become a sacrificial act of consecration; it will continue what the ancient ritual once was. Christ, by working alive today within human beings, must also become the great social reformer Himself.
[ 37 ] In der Durchchristung des sozialen Lebens liegt das zweite. Und nun frage ich Sie: Kann dasjenige, was die Menschen ersehnen, was der einfache Fromme ersehnt, daß er in seiner Seele die Christus-Kraft finden kann, daß er, indem er im sozialen Leben unter anderen Menschen handelt, finden kann, er handle im Auftrag des Christus, so daß seine Taten im Auftrage des Christus vollführte Taten sind, kann dieser einfache Fromme die Gewißheit seiner Taten erlangen, wenn der moderne Eingeweihte zu ihm kommt und sagt: So ist es, es ist ausgegangen vom Tode von Golgatha dasjenige, was du finden kannst durch deine naive innerliche Seelenfrömmigkeit, was du finden kannst, wenn du dich besinnst auf dich selber und auf das, was als der Christus in dir lebt. Und es ist dies wirklich aus dem Christus herströmend. Und es ist das, was du im sozialen Leben ausführst mit dem Bewußtsein, es als Christus-Impuls zu tun, es ist in solchem Auftrage ausgeführt, weil Christus unter den Menschen lebt, wenn sie ihn finden. — Und sie finden ihn durch sich selber, durch Verinnerlichung im sozialen Leben, so wie sie dann die wahre, hingebungsvolle Liebe finden, welche die Brücke schlägt von Menschenherz zu Menschenherz, welche ein übersinnliches Element in das Fühlen hineinbringt, wie das Licht, das innerlich erleuchtet, ein übersinnliches Element in das Erkennen hineinbringt.
[ 37 ] The second aspect lies in the Christianization of social life. And now I ask you: Can that which people long for—what the simple, devout person longs for—namely, that he may find the power of Christ within his soul, that as he acts among other people in social life, he may realize he is acting on behalf of Christ, so that his deeds are deeds performed on behalf of Christ—can this simple, devout person attain certainty regarding his deeds when the modern initiate comes to him and says: “That is so; what you can find through your simple, inner piety—what you can find when you reflect on yourself and on what lives within you as the Christ—has indeed flowed forth from the death on Golgotha. And this truly flows from the Christ.” And it is what you carry out in social life with the awareness of doing so as a Christ impulse; it is carried out in such a mission because Christ lives among people when they find him. — And they find him through themselves, through internalization in social life, just as they then find the true, self-sacrificing love that builds a bridge from one human heart to another, which brings a supersensible element into feeling, just as the light that illuminates from within brings a supersensible element into cognition.
[ 38 ] Und so ist es möglich, daß die einfachen Frommen lernen, nicht mehr zu sagen: Unser Weg — was wir nur in einfacher Frömmigkeit anstreben wollen — wird gestört durch die Erkenntnis, welche angestrebt wird von der anthroposophischen Geisteswissenschaft. — Nein! Durch die Fortpflanzung der rein äußerlichen Naturwissenschaft würde diese Frömmigkeit allmählich vollständig hinabdämmern und verfinstert werden. Indem aber die anthroposophische Geisteswissenschaft eine Erkenntnis des Übersinnlichen und dadurch eine wirkliche Erkenntnis der Christus-Wesenheit als einer übersinnlichen Wesenheit bringen wird, kann dasjenige ihm werden, was gerade der wahrhaft Fromme ersehnen muß: Gewißheit über das, was in seiner Seele lebt, Gewißheit über das, was in seiner Hand lebt, wenn er sie liebend in die Tätigkeit umsetzt, um eine Christus-Handlung auszuführen, eine Handlung im Sinne des Christus-Impulses. Dasjenige, was gerade der Fromme ersehnt, es wird als eine Erkenntnisgewißheit in die Welt einziehen können durch das, was anthroposophische Geisteswissenschaft sein möchte. Deshalb darf diese sagen: Sie stört nicht den wahrhaft Frommen die Wege, sie führt nicht die Menschen von dem Christus hinweg. Sondern so wie sie sagen darf: Nicht gegen die moderne Wissenschaft in die Geisteswelt hinein, sondern mit derselben und mit Achtung derselben; so darf sie sagen: Nicht ohne den Christus soll die Menschheit hinein in die weitere Zukunft, sondern mit dem Christus, mit dem wirklich erkannten und gefühlten und mit seiner Wesenheit in der Welt wirkend gewollten Christus.
[ 38 ] And so it is possible that simple, devout people will learn to no longer say: “Our path—which we seek to follow solely out of simple piety—is disrupted by the knowledge sought by anthroposophical spiritual science.” — No! If purely external natural science were to continue unchecked, this piety would gradually fade away and be overshadowed. But since anthroposophical spiritual science will bring an understanding of the supersensible and, through this, a true understanding of the Christ-being as a supersensible being, it can become for the truly devout person precisely what they must long for: certainty about what lives in his soul, certainty about what lives in his hand when he lovingly puts it into action to perform a Christ-like deed, an act in the spirit of the Christ impulse. That which the devout person longs for will be able to enter the world as a certainty of knowledge through what anthroposophical spiritual science aspires to be. Therefore, it may say: It does not stand in the way of the truly devout; it does not lead people away from Christ. Rather, just as it may say: “Not against modern science into the spiritual world, but together with it and with respect for it”; so it may say: “Humanity is not to enter the future without Christ, but with Christ—with the Christ who is truly known and felt, and whose essence is willed to be active in the world.”
