Spiritual Connections
in the Structure of the Human Organism
GA 218
17 November 1922, London
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Spiritual Connections in the Makeup of the Human Organism, tr. SOL
10. Exakte Erkenntnis Der Übersinnlichen Welten Im Sinne Der Anthroposophischen Geisteswissenschaft
10. Accurate Knowledge of the Supernatural Worlds in the Spirit of Anthroposophical Spiritual Science
[ 1 ] Es ist zweifellos, daß sich in der Gegenwart eine große Zahl von Menschen danach sehnt, etwas zu wissen von den geistigen, von den übersinnlichen Welten, und selbst Männer der Wissenschaft haben sich ja in der neueren Zeit vielfach damit befaßt, Wege zu finden, durch die man zur Erkenntnis der übersinnlichen Welt kommen kann. Allein bei allen diesen Versuchen, in die übersinnliche Welt hineinzukommen, stellt sich dem modernen Menschen ja immer das in den Weg, was aus der modernen Wissenschaft heraus als Urteilsfähigkeit folgt, was an Autorität aus dieser modernen Wissenschaft heraus vorhanden ist. Und gegenüber so mancher Quelle, aus der man zu schöpfen glaubt für die Erkenntnis der übersinnlichen Welt, macht sich das Urteil geltend: Ja, aber eine exakte Erkenntnis, wie wir sie gewöhnt sind in der Wissenschaft zu entwickeln, eine exakte Erkenntnis der übersinnlichen Welten kann es doch nicht geben, denn all das hält nicht stand. Demgegenüber strebt jene anthroposophische Geisteswissenschaft, von der ich Ihnen heute und in den nächsten Tagen mir erlauben werde zu sprechen, eine wirklich exakte Erkenntnis der übersinnlichen Welt an. Eine exakte Erkenntnis nicht dadurch, daß in demselben Sinne, wie für die Wissenschaft der äußeren Welt, Experimente gemacht werden, sondern so, daß innere Fähigkeiten der Seele, die sonst im alltäglichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft im Menschen nur schlummern, auf eine solche Art entwickelt werden, daß bei all dieser Entwickelung die menschliche Besonnenheit so aufrechterhalten bleibt, wie das nur in der exakten Wissenschaft geschieht. Während man also in der exakten Wissenschaft sein Bewußtsein so behält, wie man es im gewöhnlichen Leben hat, und dann sich in den Methoden exakt verhält bei der Untersuchung der äußeren Welt, verfährt man in der anthroposophischen Geisteswissenschaft so, daß man sich eines Tages unterwirft dem, was ich nennen möchte intellektuelle Bescheidenheit, indem man sich sagt: Du warst einmal Kind, du hast damals Fähigkeiten gehabt, die nicht im entferntesten an diejenigen Fähigkeiten heranreichen, die du jetzt als erwachsener Mensch hast, und die du dir angeeignet hast durch Erziehung, durch das Leben. — Gerade so, wie man von der Kindheit auf gewisse Fähigkeiten entwickelt hat, die vorher eben nicht da waren, so kann man sich sagen, gibt es vielleicht auch im erwachsenen Menschen Fähigkeiten, die bei ihm schlummern, so wie seine jetzigen Fähigkeiten geschlummert haben in der Seele des Kindes. Und man kann durch gewisse Methoden diese Fähigkeiten aus der Seele herausholen.
[ 1 ] There is no doubt that a large number of people today long to know something about the spiritual and supersensible worlds, and even men of science have, in recent times, frequently sought ways to gain insight into the supersensible world. Yet in all these attempts to enter the supersensible world, modern people are always hindered by what modern science imposes as a standard of judgment—by the authority inherent in modern science. And when faced with many a source from which one believes one can draw knowledge of the supersensible world, the judgment prevails: “Yes, but there can be no exact knowledge—such as we are accustomed to developing in science—of the supersensible worlds, for none of this holds up.” In contrast, the anthroposophical spiritual science, about which I shall take the liberty of speaking to you today and in the coming days, strives for a truly exact knowledge of the supersensible world. An exact understanding not achieved by conducting experiments in the same sense as in the science of the external world, but rather by developing the soul’s inner faculties—which otherwise lie dormant in human beings in everyday life and in ordinary science—in such a way that, throughout this entire process, human discernment is maintained just as it is in exact science. So while in exact science one retains one’s consciousness as it is in ordinary life and then adheres strictly to the methods of investigating the external world, in anthroposophical spiritual science one proceeds in such a way that one eventually submits to what I would like to call “intellectual humility,” by saying to oneself: You were once a child; back then you had abilities that did not even remotely come close to those you now possess as an adult—abilities you have acquired through education and through life. — Just as one has developed certain abilities from childhood that were simply not there before, so one can tell oneself that there may also be abilities in the adult that lie dormant, just as one’s present abilities lay dormant in the soul of the child. And through certain methods, one can draw these abilities out of the soul.
[ 2 ] Nun müssen bei der anthroposophischen Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, diese Fähigkeiten auf eine solche Art aus der Seele herausgeholt werden, daß die Methoden, die man dann, bevor man an eine Erkenntnis geht, auf seine eigene Entwickelung anwendet, eben in dieser eigenen Entwickelung exakt vor sich gehen. Man präpariert sich also für das Schauen in die höhere Welt hinein so, daß die Präparation, die man auf sich selber anwendet, eine exakte Methode voraussetzt. Deshalb kann man, wie ich mir schon erlaubte, bei meinen letzten Vorträgen hier in diesem Saale zu sagen, auf diese Art zu einer exakten Clairvoyance, zu einem exakten Hellsehen kommen. Es ist auf eine exakte Weise erworben, wie man sonst mit den gewöhnlichen Erkenntnissen eben auf exakte Weise die Natur erforscht.
[ 2 ] Now, in the case of anthroposophical spiritual science—which is what is meant here—these abilities must be drawn out of the soul in such a way that the methods one then applies to one’s own development before proceeding to gain insight are carried out precisely within that very development. One thus prepares oneself for looking into the higher world in such a way that the preparation one applies to oneself presupposes a precise method. That is why, as I already mentioned in my last lectures here in this hall, one can attain precise clairvoyance in this way. It is acquired in a precise manner, just as one otherwise explores nature in a precise manner using ordinary knowledge.
[ 3 ] Ich werde heute weniger zu sprechen haben von der Art und Weise, wie man sich dieses exakte Hellsehen erwirbt. Ich werde das Entsprechende gelegentlich erwähnen, denn ich habe bereits in den erwähnten vorigen Vorträgen von den Methoden gesprochen, durch die man zur exakten Clairvoyance kommt, und man kann sich über diese Methoden unterrichten namentlich aus dem Buche, das ins Englische übersetzt ist und das im Englischen eben den Titel trägt: «The Way of Initiation.»
[ 3 ] Today I will have less to say about how to acquire this exact form of clairvoyance. I will mention this topic occasionally, since I have already spoken in the previous lectures I mentioned about the methods by which one attains precise clairvoyance, and one can learn about these methods specifically from the book that has been translated into English and bears the title *The Way of Initiation*.
[ 4 ] Dagegen möchte ich zunächst heute darauf aufmerksam machen, wodurch dem Menschen im gewöhnlichen Leben versagt ist, einzudringen in die höheren Welten. Das ist ihm vor allen Dingen dadurch versagt, daß er nur immer im gegenwärtigen Augenblicke die Welt wahrnehmen kann. Durch unsere Augen können wir nur im gegenwärtigen Augenblicke die Welt und ihre Erscheinungen sehen. Durch unsere Ohren können wir nur im gegenwärtigen Augenblicke Töne hören. Und so ist es mit allen unseren Sinnen. Alles, was zunächst die Vergangenheit unseres eigenen Erdenlebens ist, können wir nur in der Erinnerung wissen, das heißt in abgeblaßten Gedanken. Man vergleiche nur einmal, wie lebendig, wie konkret dasjenige war, was wir im Dasein vor zehn Jahren durchgemacht haben, und wie blaß, schattenhaft der Gedanke ist, mit dem wir uns heute daran erinnern.
[ 4 ] Today, however, I would first like to draw attention to what prevents human beings in everyday life from entering the higher worlds. Above all, they are prevented from doing so because they can only perceive the world in the present moment. Through our eyes, we can see the world and its phenomena only in the present moment. Through our ears, we can hear sounds only in the present moment. And so it is with all our senses. Everything that belongs to the past of our own earthly life, we can know only through memory—that is, through faded thoughts. Just compare how vivid and concrete our experiences were ten years ago, and how pale and shadowy the thought is with which we recall them today.
[ 5 ] Und so ist alles, was über den gegenwärtigen Augenblick hinausgeht, für das gewöhnliche Bewußtsein des Menschen so, daß es in ihm nur in der schattenhaften Erinnerung leben kann. Aber diese schattenhafte Erinnerung kann zu einem höheren Leben angefacht und angefeuert werden. Und das geschieht durch diejenigen Methoden, die ich, wie gesagt, heute weniger erörtern will, durch die Methode der Meditation in Gedanken, der Konzentration auf Gedanken, der Selbsterziehung und so weiter.
[ 5 ] And so, for the ordinary human consciousness, everything that extends beyond the present moment can exist within it only as a shadowy memory. But this shadowy memory can be kindled and stirred into a higher life. And this is achieved through those methods which, as I said, I do not wish to discuss in detail today—through the method of mental meditation, concentration on thoughts, self-education, and so on.
[ 6 ] Derjenige, der solche Methoden auf sich anwendet, wodurch er lernt, in Gedanken ebenso intensiv zu leben, wie man sonst nur in den äußeren Sinneseindrücken lebt, der erlangt eine gewisse Fähigkeit, die darinnen besteht, daß er nicht nur im gegenwärtigen Augenblicke die Welt betrachten kann. Solche Übungen, welche dazu führen, daß man nicht nur im gegenwärtigen Augenblicke die Welt betrachten kann, müssen allerdings lange Zeit, je nach den betreffenden Anlagen des Menschen, in sorgfältiger und systematischer, eben in exakter Meditation und Konzentration ausgeführt werden. Manche Menschen bringen gerade in der gegenwärtigen Zeit die Fähigkeit, die man auf diese Weise ausbilden kann, schon bei ihrer Geburt mit. Das heißt, sie ist nicht gleich bei der Geburt so da, daß sie offenbar werden kann, aber sie tritt aus dem Inneren hervor in einem gewissen Zeitpunkte des Lebens, und man weiß, man hätte sich sie nicht im gewöhnlichen Leben erworben, wenn man sie nicht schon durch die Geburt mitgebracht hätte. Diese Fähigkeit besteht darin, daß man in den Gedanken drinnen so leben kann, wie man sonst durch seinen Körper in der sinnlichen Welt lebt.
[ 6 ] Anyone who applies such methods to themselves—through which they learn to live just as intensely in thought as one otherwise does only through external sensory impressions—acquires a certain ability, which consists in being able to perceive the world beyond the present moment. Such exercises, which lead to the ability to view the world beyond the present moment, must, however, be carried out over a long period of time—depending on the individual’s aptitudes—through careful, systematic, and indeed precise meditation and concentration. Some people, especially in the present age, are born with the ability that can be developed in this way. That is to say, it is not present at birth in such a way that it can manifest itself, but it emerges from within at a certain point in life, and one knows that one would not have acquired it in ordinary life if one had not already possessed it at birth. This ability consists in being able to live within one’s thoughts just as one otherwise lives in the sensory world through one’s body.
[ 7 ] Man nehme eine solche Aussage nicht allzu leicht. Man bedenke, daß der Mensch alles das, wodurch er sich selbst ein Dasein zuschreibt, seinem Miterleben mit der Sinneswelt verdankt. Wenn der Mensch so weit kommt, daß er, ohne daß er sich auf die Eindrücke der Augen, der Ohren, auf die Eindrücke anderer Sinne verläßt, dennoch ein inneres Leben entwickelt, das nun innerlich intensiv ist, wie sonst nur das Leben der Sinne, ein inneres Leben, das nicht bloß in schattenhaften Gedanken lebt, sondern in innerlich lebendigen Gedanken, daß man die Gedanken so erlebt, wie man sonst nur die Sinneseindrücke erlebt, dann erlebt man allerdings ein zweites Dasein, dann erlebt man ein anderes Selbstbewußtsein. Man erlebt geradezu dasjenige, was ich nennen möchte: Aufwachen, nicht außerhalb des Leibes, sondern im Innern des Menschen zu einem Leben erwachen, trotzdem der physische Leib so ruhig und durch die Sinne so unempfänglich ist, wie er sonst nur im Schlafe ist.
[ 7 ] One should not take such a statement too lightly. One should bear in mind that human beings owe everything by which they attribute existence to themselves to their experience of the sensory world. When a person reaches the point where, without relying on the impressions of the eyes, the ears, or other senses, yet develops an inner life that is now as intensely lived inwardly as the life of the senses otherwise is—an inner life that does not merely exist in shadowy thoughts but in thoughts that are inwardly alive, such that one experiences these thoughts just as one otherwise experiences sensory impressions—then one does indeed experience a second existence; then one experiences a different kind of self-consciousness. One experiences precisely what I would like to call: awakening—not outside the body, but awakening to life within the human being, even though the physical body is as still and as unresponsive through the senses as it is otherwise only during sleep.
[ 8 ] Wenn wir in uns selbst hineinschauen, finden wir, daß wir eigentlich nur dasjenige wissen im gewöhnlichen Leben, was wir durch die Sinne aufgenommen haben. Wir wissen von unserem eigenen Inneren durch unmittelbare Wahrnehmungen nichts. Wir können durch das gewöhnliche Bewußtsein nicht hineinschauen in unsere innere Organisation. Wenn wir ein Selbstbewußtsein im reinen Denken erwerben, dann lernen wir ebenso nach innen schauen, wie wir sonst nach außen schauen können.
[ 8 ] When we look within ourselves, we find that in ordinary life we actually know only what we have taken in through the senses. We know nothing of our own inner being through direct perceptions. Through ordinary consciousness, we cannot look into our inner organization. When we acquire self-awareness through pure thought, we learn to look inward just as we are otherwise able to look outward.
[ 9 ] Dann fühlen wir etwa das Folgende: Wenn wir sonst nach außen schauen, muß die Sonne oder ein Licht da sein, welches seine Strahlen wirft auf die Gegenstände um uns her. Durch dieses Licht, das außer uns ist, sehen wir die Gegenstände um uns her. Wenn wir uns bewußt werden in diesem zweiten Dasein im reinen Denkprozesse, der aber dann ein Anschauungsprozeß ist, der so farbig und intensiv ist wie sonst die Sinneswahrnehmung, dann empfinden wir gewissermaßen — ja, nicht nur gewissermaßen, sondern im eigentlichen Sinne, nur ist der Sinn geistig gemeint —, wir empfinden ein inneres Licht, ein Licht, durch das wir in unser eigenes Inneres so hineinleuchten, wie wir sonst die Gegenstände beleuchtet bekommen durch die äußeren Lichter.
[ 9 ] Then we feel something like this: When we normally look outward, there must be the sun or some light that casts its rays onto the objects around us. Through this light, which is outside of us, we see the objects around us. When we become conscious in this second state of existence—a pure thought process, which is, however, a process of perception as vivid and intense as sensory perception—then we experience, so to speak—indeed, not merely so to speak, but in the true sense of the word, though the “sense” here is meant in a spiritual sense— we perceive an inner light, a light through which we shine into our own inner being just as objects are otherwise illuminated by external lights.
[ 10 ] Deshalb kann man diesen Zustand des menschlichen Erlebens eine Clairvoyance, ein Hellsehen nennen. Und dieses Hellsehen bei dem erwachten Selbstbewußtsein im Geiste, dieses Hellsehen bringt zunächst die Fähigkeit hervor, daß man in jedem Momente, den man auf Erden erlebt hat, wiederum drinnen sein kann.
[ 10 ] That is why this state of human experience can be called clairvoyance. And this clairvoyance, which arises from awakened self-awareness in the spirit, first and foremost gives one the ability to return to every moment one has ever experienced on Earth.
[ 11 ] Man kann zum Beispiel ganz gut erleben: Du warst achtzehn Jahre alt, Mit diesen achtzehn Jahren gingst du durch diese oder jene Erlebnisse. — Man hat aber nicht nur eine Erinnerung an diese Erlebnisse, man erlebt sie mehr oder weniger stark ja wieder. Man ist abermals der Mensch, der man mit achtzehn Jahren oder mit fünfzehn Jahren oder mit zehn Jahren gewesen ist. Man kann sich versetzen in jeden Augenblick seines Lebens, und man gelangt dadurch zu einem inneren erleuchteten Anschauen dessen, was man gegenüber dem Raumesleib, der unsere Sinne enthält und uns die äußere Anschauung liefert, einen Zeitleib nennen kann.
[ 11 ] For example, one can quite clearly experience this: You were eighteen years old, and at that age you went through this or that experience. — But one does not merely have a memory of these experiences; one actually relives them to a greater or lesser degree. Once again, you are the person you were at eighteen, or at fifteen, or at ten. You can transport yourself back to every moment of your life, and through this you arrive at an inner, enlightened perception of what might be called a “time body”—in contrast to the “spatial body” that contains our senses and provides us with external perception.
[ 12 ] Aber dieser Zeitleib ist auf einmal da. Nicht daß man ihn in Momenten hintereinander erlebt, er ist auf einmal da. Er ist da in seiner inneren Beweglichkeit. Man überschaut sich in seinem ganzen bisherigen Erdenleben, wie man sich sonst nur in schattenhaften Gedanken an dieses Erdenleben erinnert. Man durchleuchtet seinen ganzen Erdenlauf, aber so, daß man in jedem Momente drinnensteht.
[ 12 ] But this “time-body” is suddenly there. It is not that one experiences it in successive moments; it is simply there all at once. It is there in its inner fluidity. One surveys one’s entire earthly life up to that point, just as one would otherwise only recall this earthly life in vague, shadowy thoughts. One examines one’s entire earthly journey, but in such a way that one stands within every moment of it.
[ 13 ] Wenn man diese innere Erleuchtung erlebt, dann weiß man, man trägt nicht nur diesen physischen Menschenleib, diesen Raumesleib an sich. Man weiß, der Mensch trägt einen zweiten, einen feineren Leib in sich, einen Leib, der eigentlich gewoben ist aus den Bildern des bisherigen Erdenlebens, aber aus solchen Bildern, die zu gleicher Zeit dieses Erdenleben selber schöpferisch gestalten, nämlich unseren Organismus und unsere Tätigkeiten gestalten, unseren Organismus, in dem wir sind, unsere Tätigkeiten, die wir ausgeübt haben. So lernt man einen zweiten Menschen in sich kennen.
[ 13 ] When one experiences this inner enlightenment, one knows that one does not merely carry this physical human body, this spatial body, within oneself. One knows that the human being carries within a second, more subtle body—a body that is actually woven from the images of one’s earthly life thus far, but from images that simultaneously creatively shape this earthly life itself: namely, they shape our organism and our activities—our organism in which we exist, and the activities we have carried out. In this way, one comes to know a second human being within oneself.
[ 14 ] Und diesen zweiten Menschen, den man kennenlernt auf diese Art, den nimmt man so wahr, daß er sich in der Tat erlebt — wie sich der physische Raumesleib in einer physischen Welt erlebt — in einer feinern ätherischen, ich möchte sagen, in einer durchleuchteten Welt. Die Welt ist noch einmal da. Die Welt ist in feineren Gestalten da. Allem Physischen liegen feinere ätherische Gestaltungen zugrunde, die man auf diese Weise schaut.
[ 14 ] And this second human being, whom one comes to know in this way, is perceived as actually experiencing himself—just as the physical body experiences itself in a physical world—in a finer, ethereal, I might say, luminous world. The world is there once again. The world is present in finer forms. Everything physical is underpinned by finer, ethereal forms, which one perceives in this way.
[ 15 ] Und man erlebt das Eigentümliche, daß man alles, was man in diesem feineren Leibe erlebt, nur kurze Zeit festhalten kann. Meistens ist es so, daß derjenige, der sich diese exakte Clairvoyance erworben hat und dadurch seinen Äther- oder Bildekräfteleib, wie ich ihn auch nennen möchte, durchleuchtet hat, daß er das Ätherische der Welt, das Ätherische seiner selbst wahrnimmt, daß er aber auch zu gleicher Zeit erkennen muß, wie ungeheuer schnell die Eindrücke verschwinden. Man kann sie nicht festhalten. Man bekommt eine Art von Ängstlichkeit, nur rasch wieder zurückzukehren zu den Wahrnehmungen des physischen Leibes, damit man eine innerliche Festigkeit als Mensch, als Persönlichkeit habe. Und man erlebt sich in seinem Ätherleib. Man erlebt auch Dinge der höheren Welt in diesem Ätherleib, dasjenige, was in der höheren Welt ätherisch ist. Aber man schaut zugleich, wie flüchtig alle diese Eindrücke sind, man kann sie nicht lange festhalten, man kann sie nur dadurch festhalten, daß man sich irgendwie hilft.
[ 15 ] And one experiences the peculiar fact that one can retain only for a short time everything one experiences in this finer body. It is usually the case that the person who has acquired this precise clairvoyance—and thereby has illuminated his etheric body, or body of formative forces, as I might also call it—perceives the etheric aspect of the world and the etheric aspect of himself, but at the same time must recognize how incredibly quickly these impressions vanish. One cannot hold on to them. One feels a kind of anxiety to return quickly to the perceptions of the physical body, so that one may have an inner stability as a human being, as a personality. And one experiences oneself in one’s etheric body. One also experiences things of the higher world in this etheric body—that which is etheric in the higher world. But at the same time, one sees how fleeting all these impressions are; one cannot hold onto them for long; one can only hold onto them by helping oneself in some way.
[ 16 ] Ich möchte als Beispiel anführen, wie ich mir selber helfe, um die Eindrücke dieses ätherischen Schauens nicht allzu schnell verschwinden zu lassen: Ich versuche jedesmal, nachdem solche Eindrücke da sind, sie nicht nur zu schauen, sondern sie aufzuschreiben; so daß die Tätigkeit, die ausgeübt wird, nicht nur ausgeübt wird durch die abstrakten Fähigkeiten der Seele, sondern festgehalten wird durch das Aufschreiben. Es kommt nicht darauf an, daß man die Dinge hinterher liest, aber es kommt darauf an, daß man eine stärkere Tätigkeit einfließen läßt in diejenige Tätigkeit, die zunächst eine rein ätherische ist.
[ 16 ] I would like to give an example of how I help myself to prevent the impressions of this ethereal vision from fading away too quickly: Every time such impressions arise, I try not only to observe them, but also to write them down; so that the activity being carried out is not merely performed through the abstract faculties of the soul, but is preserved through the act of writing it down. It is not important to read these things later, but it is important to infuse a stronger activity into the one that is initially a purely ethereal one.
[ 17 ] Dadurch gießt man sozusagen das, was ungeheuer flüchtig und flüssig ist und was schnell hinweghuscht, in seine gewöhnlichen menschlichen Fähigkeiten hinein. Es geschieht das alles nicht wie beim Medium unbewußt, sondern es geschieht mit vollem Bewußtsein. Aber man gießt das alles in seine gewöhnlichen menschlichen körperlichen Fähigkeiten hinein. Dadurch kann man es festhalten. Dadurch kommt man auch in die Lage, etwas sehr Wichtiges zu begreifen. Man kommt in die Lage, zu begreifen, wie festzuhalten ist eine übersinnlich-ätherische Welt zunächst — wir werden nachher von anderen übersinnlichen Welten sprechen —, aber eine übersinnlich-ätherische Welt, die einen selbst umfaßt in seinem bisherigen Lebenslauf und die das Ätherische der äußeren Natur umfaßt bis in die Sternenwelt hinauf. Man lernt diese ätherische Welt kennen. Man lernt sich selber in dieser ätherischen Welt erleben; und man weiß, daß, ohne daß man an den physischen Leib wieder herankommt, es unmöglich ist, diese Welt länger als höchstens zwei bis drei Tage festzuhalten. Wenn man die Fähigkeiten sehr stark ausgebildet hat, kommt es dazu, daß man diese Welt zwei bis drei Tage festhalten kann. Und da man dann durch Dinge, von denen ich gleich nachher sprechen werde, dies alles überschauen kann als moderner Eingeweihter, so weiß man auch zu beurteilen, was das ist, das man da, ohne sich auf die körperlichen Fähigkeiten zu stützen, in seinem Ätherleib oder in seinem Bildekräfteleib festhält. Es ist dasjenige, was man, wenn der Mensch durch die Todespforte schreitet aus dem physischen Leib, der zerfällt und abgelegt wird, was man da zunächst aus seinem höheren Selbstbewußtsein heraus schaut, und was aus diesem Grunde auch nicht länger als zwei bis drei Tage nach dem Tode des physischen Leibes bei dem menschlichen Selbstbewußtsein verbleiben kann.
[ 17 ] In this way, one pours—so to speak—that which is immensely fleeting and fluid, and which quickly slips away, into one’s ordinary human faculties. None of this happens unconsciously, as it does with a medium; rather, it happens with full consciousness. But one pours all of this into one’s ordinary human physical faculties. In this way, one can hold onto it. This also enables one to grasp something very important. One is enabled to understand how to grasp, first of all, a supersensible-etheric world—we will speak later of other supersensible worlds—but a supersensible-etheric world that encompasses oneself in one’s life so far and that encompasses the etheric aspect of external nature all the way up to the world of the stars. One comes to know this etheric world. One learns to experience oneself within this etheric world; and one knows that, without returning to the physical body, it is impossible to hold onto this world for longer than two or three days at most. If one has developed these abilities to a very high degree, one is able to hold onto this world for two or three days. And since one can then, as a modern initiate, survey all of this through the means I will discuss shortly, one also knows how to assess what it is that one holds onto there—without relying on physical faculties—in one’s etheric body or in one’s body of formative forces. It is that which, when a person passes through the gate of death out of the physical body—which decays and is cast off—is first perceived from one’s higher self-consciousness, and which, for this reason, cannot remain within human self-consciousness for longer than two to three days after the death of the physical body.
[ 18 ] So erlebt man durch die Gestaltung der exakten Clairvoyance die ersten Zustände, die beim Menschen nach dem Tode eintreten; man erlebt sie aus dem Grunde, weil man sie erkennend vorerlebt.
[ 18 ] Through the practice of exact clairvoyance, one experiences the initial states that occur in human beings after death; one experiences them because one has already experienced them in advance with full awareness.
[ 19 ] Dasjenige, was der Eingeweihte erkennend vorerlebt, das tritt nun bei jedem Menschen ein, wenn er seinen physischen Leib ablegt. Aber der Mensch würde weiter kein Bewußtsein haben — wodurch er trotzdem ein Bewußtsein hat nach dem Tode, das werde ich nachher erklären —, der Mensch würde kein Bewußtsein all die Zeit hindurch haben, in der er durch die höhere Erkenntnis seinen Äther- oder Bildekräfteleib festhalten kann, das heißt zwei bis drei Tage.
[ 19 ] What the initiate experiences in advance through insight now occurs in every human being when they shed their physical body. But the human being would otherwise have no consciousness—though he does, in fact, have consciousness after death, as I will explain later—the human being would have no consciousness during the entire time in which he is able to retain his etheric or formative body through higher knowledge, that is, for two to three days.
[ 20 ] Zwei bis drei Tage nach dem Tode hat also der Mensch ein im Ätherleib lebendes Bewußtsein von der ätherischen Welt. Dann legt er dieses Bewußtsein ab. Er erlebt, wie der Ätherleib gewissermaßen von ihm abfällt, wie zuerst der physische Leib abgefallen ist, und wie er nötig hat, in ein anderes Bewußtsein überzugehen, um nach dem Tode als bewußtes Menschenwesen weiterzuleben.
[ 20 ] Two to three days after death, a person thus has a consciousness of the etheric world that resides in the etheric body. Then they shed this consciousness. They experience how the etheric body, so to speak, falls away from them, just as the physical body fell away before, and how they must transition into a different state of consciousness in order to continue living after death as a conscious human being.
[ 21 ] Das, was ich Ihnen hier schildere als die ersten Augenblicke gewissermaßen — denn gegenüber dem Weltendasein sind es die ersten Augenblicke —, das darf derjenige, der sich die charakterisierte Fähigkeit erworben hat, in die höhere Welt hineinzuschauen, behaupten, weil er das vorerlebt, was sonst im Menschenleben normal nach dem Tode eintritt. Dadurch, daß er jenes starke Selbstbewußtsein sich erworben hat, das nicht mehr auf den Leib angewiesen ist, erlebt er diese Momente unmittelbar nach dem Tode schon in diesem Bewußtsein vor.
[ 21 ] What I am describing to you here as, so to speak, the very first moments—for in relation to existence beyond the world, these are indeed the very first moments—can be affirmed by anyone who has acquired the ability to glimpse into the higher world, because they experience in advance what normally occurs in human life after death. Because they have acquired that strong sense of self-awareness that is no longer dependent on the physical body, they experience these moments immediately after death already within this state of consciousness.
[ 22 ] Er gelangt dazu, sein eigenes höheres Leben zu beleuchten, und er gelangt dadurch dazu, jenes Licht in sich selber zu erkennen, wodurch er nach dem Tode in den ersten zwei bis drei Tagen eine Welt um sich herum hat, die anders ist als diejenige Welt, die wir um uns herum haben, wenn wir durch unsere Sinne hinausschauen in unsere Umgebung während unseres Erdenlebens zwischen Geburt und Tod.
[ 22 ] He comes to shed light on his own higher life, and through this he comes to recognize that light within himself, whereby, in the first two to three days after death, he finds himself in a world that is different from the one we experience when we look out at our surroundings through our senses during our earthly life between birth and death.
[ 23 ] Was nach diesen Tagen eintritt, das will ich, nachdem dieser Teil des Vortrages übersetzt ist, weiter auseinandersetzen.
[ 23 ] I intend to discuss in more detail what happens after these days, once this part of the lecture has been translated.
[ 24 ] Um den übersinnlichen Teil des irdischen Lebenslaufes zu überschauen, der in seinem Charakter, wie ich gesagt habe, noch einige Tage nach dem Tode nachlebt, braucht man die geschilderte innere Erleuchtung. Man muß gewissermaßen in sich selber das geistige Licht anfachen, das nach innen leuchtet. Dann kommt man darüber hinaus, bloß in dem gegenwärtigen Augenblicke wahrzunehmen, wie das durch die Sinne möglich ist.
[ 24 ] To gain an overview of the supersensible aspect of one’s earthly life—which, as I have said, continues to exist in its own way for several days after death—one needs the inner enlightenment described above. One must, so to speak, kindle within oneself the spiritual light that shines inward. Then one transcends the mere perception of the present moment, as is possible through the senses.
[ 25 ] Um zu weiteren Erkenntnissen in der übersinnlichen Welt zu kommen, ist notwendig, daß sich nicht nur der Wahrnehmungszustand beim Menschen ändere, sondern daß sich auch der Lebenszustand selber ändert. Wir Menschen haben im gewöhnlichen Leben einen solchen Lebenszustand, daß unser Leben eingeschlossen ist in unseren physischen Raumeskörper. Die Grenzen unserer Haut sind zu gleicher Zeit die Grenzen unseres Lebens. Unser Leben reicht so weit, als unser Körper reicht. Innerhalb eines solchen Erlebniszustandes kann man nicht hinauskommen über dasjenige, was ich bis jetzt beschrieben habe an Erkenntnissen der höheren Welten. Man kann für Erkenntnisse der höheren Welten erst dadurch hinauskommen aus dem gewöhnlichen Erleben, daß man sich ein Erleben aneignet, das nicht eingeschlossen ist in die Grenzen des Raumesleibes, sondern das miterlebt die ganze Welt, die sonst um einen herum ist.
[ 25 ] In order to gain further insights into the supersensible world, it is necessary not only for a person’s state of perception to change, but also for their very condition of life to change. In ordinary life, we humans exist in such a state that our lives are confined within our physical bodies. The boundaries of our skin are at the same time the boundaries of our lives. Our lives extend only as far as our bodies do. Within such a state of experience, one cannot go beyond what I have described so far regarding insights into the higher worlds. One can only transcend ordinary experience to gain insights into the higher worlds by acquiring an experience that is not confined within the boundaries of the physical body, but rather one that experiences the entire world that otherwise surrounds us.
[ 26 ] Und auch ein solches Miterleben kann für die Erkenntnisse der höheren Welten erworben werden. Ich will nur, wie ich schon gesagt habe, gelegentlich einiges anführen von den Methoden des modernen Eingeweihten, durch die er Erkenntnis der höheren Welten exakt erwirbt. Das übrige ist in der genannten Schrift zu finden.
[ 26 ] And such direct experience can also be attained for the purpose of gaining insight into the higher worlds. As I have already said, I merely wish to mention a few of the methods used by the modern initiate through which he precisely attains knowledge of the higher worlds. The rest can be found in the aforementioned work.
[ 27 ] Wenn man nicht nur sich die Fähigkeit erwirbt, ein zweites Dasein im Gedankenleben zu haben, das noch immer eingeschlossen bleibt in den Raumesleib, sondern wenn man sich die Fähigkeit erwirbt, außer seinem Leibe zu leben, dadurch, daß man nicht bloß Gedanken intensiv in seinem Bewußtsein leben läßt, sondern sie auch ganz übungsgemäß, durch systematische Übungen aus seinem Bewußtsein immer fortschaffen kann, dann erwirbt man sich diesen Erlebenszustand außerhalb des Leibes. Ich will eine einfache Übung angeben.
[ 27 ] If one not only acquires the ability to lead a second existence in one’s inner life—one that remains confined within the physical body—but also acquires the ability to live outside one’s body, by not merely allowing thoughts to live intensely within one’s consciousness, but also by being able to systematically remove them from one’s consciousness through practice, then one attains this state of experience outside the body. I will describe a simple exercise.
[ 28 ] Man nehme an, man schaue einen Kristall an. Man hat durch seine Augen diesen Kristall vor sich. Derjenige, der ein bloßes Medium sein will oder zu einer Artvon Hypnose kommen will, der starrt diesen Kristall an, und der Eindruck, den der Kristall auf ihn macht, versetzt ihn in einen Zustand der Unbesonnenheit. Damit hat anthroposophische Geisteswissenschaft nichts zu tun. Sie muß zu ganz anderen Übungen ihre Zuflucht nehmen. Für sie handelt es sich darum, daß, indem man einen Kristall anschaut, man zuletzt dazu kommt, von ihm abzusehen, zu abstrahieren, wie man sonst von Gedanken nur abstrahiert. So hat man einen Kristall vor sich und lernt durch ihn nicht physisch, aber seelisch durchzuschauen, so daß man seine Augen nicht benützt, um ihn anzuschauen, trotzdem man sie voll offen hat, und man gestaltet das seelische Erkennen so, daß man den Kristall nicht mehr vor sich hat, daß man ihn für die Anschauung wegschafft, Man kann diese Übungen auch so machen, daß man eine Farbe, die man vor sich hat, wegschafft, so daß man sie, trotzdem man sie vor sich hat, nicht mehr schaut.
[ 28 ] Suppose one is looking at a crystal. Through one’s eyes, this crystal is right in front of one. Someone who merely wants to be a medium or to induce a kind of hypnosis stares at this crystal, and the impression the crystal makes on them plunges them into a state of recklessness. Anthroposophical spiritual science has nothing to do with this. It must resort to entirely different exercises. For it, the point is that, by looking at a crystal, one ultimately comes to look beyond it, to abstract from it, just as one otherwise abstracts from thoughts. Thus, one has a crystal before one and learns through it not to look at it physically, but to look through it spiritually, so that one does not use one’s eyes to look at it, even though they are wide open, and one shapes one’s spiritual perception in such a way that one no longer has the crystal before one, that one removes it from one’s field of vision, One can also perform these exercises by “removing” a color that is in front of one, so that, even though it is there, one no longer sees it.
[ 29 ] Und so kann man insbesondere Übungen machen dahingehend, daß man Gedanken, die durch das äußere Leben im gegenwärtigen Augenblicke auftauchen, oder aber in früheren Momenten des Erdenlebens durchgemacht worden sind und jetzt als Erinnerungen auftauchen, daß man solche Gedanken fortschafft, das Bewußtsein von ihnen leer macht, damit man bloß wacht und eigentlich nichts von der äußeren Welt in seinem Bewußtsein hat.
[ 29 ] And so one can, in particular, perform exercises aimed at dispelling thoughts that arise in the present moment due to external life, or that were experienced in earlier moments of earthly life and now surface as memories—dispelling such thoughts and emptying one’s consciousness of them, so that one is merely awake and has virtually nothing from the external world in one’s consciousness.
[ 30 ] Macht man solche Übungen, dann findet man in sich die Möglichkeit, mit seinem Leben nicht mehr innerhalb der Grenzen seines Raumesleibes zu bleiben, sondern über denselben hinauszugehen. Man erlebt dann das Leben der ganzen Umwelt mit, die man sonst nur in ihren sinnlichen Erscheinungen anschaut.
[ 30 ] When one does such exercises, one discovers within oneself the ability to no longer remain confined within the boundaries of one’s physical body, but to go beyond it. One then experiences the life of the entire environment, which one would otherwise only observe through its sensory manifestations.
[ 31 ] Dadurch tritt vor allen Dingen im ganz besonnenen Bewußtsein etwas auf, was ich vergleichen kann mit einer Erinnerung an das Leben, das man im Schlafe zubringt, an das Leben, das man zubringt vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Geradeso wie man sich für das gewöhnliche Wahrnehmen auf den gegenwärtigen Augenblick beschränkt sieht, so sieht man sich für das gewöhnliche Leben beschränkt auf dasjenige, was man immer im wachen Zustande erlebt hat.
[ 31 ] As a result, something arises—above all in a completely clear-headed state of consciousness—that I can compare to a memory of the life one spends in sleep, of the life one spends from the moment one falls asleep until one wakes up. Just as one finds oneself limited to the present moment in ordinary perception, so too does one find oneself limited, in ordinary life, to what one has always experienced while awake.
[ 32 ] Denken Sie nur, wenn Sie sich zurückerinnern an Ihr Leben, so sind ja immer die Zeiten, die Sie durch den Schlaf haben, für das gewöhnliche Bewußtsein leer. Was da die Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen immer erlebt hat, das tritt nicht in der Erinnerung auf, so daß wir in der Erinnerung eigentlich immer eine unterbrochene Strömung haben. Wir nehmen nur nicht immer Notiz davon.
[ 32 ] Just think: when you look back on your life, the times you spend asleep are, for ordinary consciousness, empty. Whatever the soul has experienced from the moment of falling asleep until waking up does not appear in memory, so that in memory we actually always have an interrupted flow. We just don’t always take note of it.
[ 33 ] Dasjenige aber, was die Seele jedesmal zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen erlebt, das steht wie eine intensive Erinnerung vor demjenigen Bewußtsein, das so erwacht ist, daß der Mensch mit ihm außerhalb seines Leibes leben kann. Dadurch tritt die zweite Stufe der Erkenntnis der übersinnlichen Welten ein, und wir können zunächst gewahr werden, was wir durchmachen als Seele, wenn unser Leib, unser physischer Leib, ruhig, wie seelenlos, ohne Wahrnehmung, ohne Willensäußerungen in Ruhe schlafend beharrt. Wir können uns dadurch im gewöhnlichen Tagesleben gewissermaßen erinnern an dasjenige, was wir außerhalb des Leibes jedesmal zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erlebt haben. Nur müssen wir uns eben klar sein, daß, was da auftritt, von uns in der richtigen Weise beurteilt werden muß. Wir lernen ja kennen, daß das, was die Seele erlebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, außerhalb des Leibes erlebt wird. Wir können es nur anschauen, wenn wir ein Bewußtsein, einen Lebenszustand entwickeln können außerhalb des Leibes. Und wir lernen jetzt nicht nur etwas kennen, was gewissermaßen durch ein inneres Licht bestrahlt wird, wie unser eigener Zeitleib, wie ich das geschildert habe, sondern wir lernen jetzt in der Tageserinnerung, die nur zu dieser exakten Clairvoyance höherer Art aufgestiegen ist, dasjenige erkennen, was wir jedesmal zwischen dem Einschlafen und Aufwachen wirklich erleben. Nur ist zunächst dieses Erleben etwas Frappierendes. So wie wir im Tagesleben im gewöhnlichen Bewußtsein in unserem physischen Leibe leben, in uns Lunge, Herz und so weiter haben, so haben wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen tatsächlich nicht ein persönliches menschliches Bewußtsein, sondern ein kosmisches Bewußtsein. Wir haben ein Bewußtsein, als ob in uns — so paradox das klingt, es ist der anschauenden Erkenntnis dieses wahrnehmbar — leben würden Nachbildungen der Planeten- und Sternenwelten. Wir fühlen uns im Alleben des Kosmos. Wir schauen gewissermaßen die Welt an von dem Gesichtspunkte des Allebens im Kosmos.
[ 33 ] But what the soul experiences each time between falling asleep and waking up stands before the consciousness—which has awakened to such an extent that the human being can live outside of their body—like an intense memory. This marks the beginning of the second stage of knowledge of the supersensible worlds, and we can first become aware of what we go through as a soul when our body—our physical body—remains at rest, as if soulless, without perception or expressions of will, sleeping peacefully. Through this, we can, in a sense, recall in our ordinary daily life what we have experienced outside the body each time between falling asleep and waking up. We must simply be clear that what occurs there must be judged by us in the right way. We come to understand, after all, that what the soul experiences from falling asleep until waking up takes place outside the body. We can only observe it if we are able to develop a consciousness—a state of being—outside the body. And we are now not only coming to know something that is, so to speak, illuminated by an inner light—such as our own temporal body, as I have described it—but we are now learning, in the day-memory that has risen to this precise, higher form of clairvoyance, to recognize what we actually experience each time between falling asleep and waking up. At first, however, this experience is somewhat startling. Just as we live in our physical body in ordinary consciousness during daily life—with lungs, a heart, and so on within us—so, from the moment we fall asleep until we wake up, we do not in fact possess a personal human consciousness, but rather a cosmic consciousness. We have a consciousness as if—as paradoxical as it sounds, this is evident to the contemplative mind—replicas of the worlds of the planets and stars were living within us. We feel ourselves to be part of the cosmic life. We view the world, so to speak, from the perspective of the cosmic life.
[ 34 ] Und indem wir das, was wir sonst um uns haben, dann innerlich in uns erleben, gehen wir — und zwar im wirklichen Lebenszustande rückwärts — jedesmal beim Schlafen dasjenige durch, was wir hier im physischen Leben durchlebt haben vom vorigen Aufwachen bis zum Einschlafen.
[ 34 ] And by experiencing inwardly within ourselves what is otherwise around us, we go through—in reverse, as it were, in the actual state of life—every time we sleep, everything we have lived through here in physical life from the time we last woke up until we fell asleep.
[ 35 ] Wenn wir also zum Beispiel regelmäßig einen Tag durchwacht haben und dann in der Nacht schlafen, dann zeigt es sich, daß wir, indem wir einzuschlafen beginnen, die letzten Erlebnisse, die wir am Abend gehabt haben, bevor wir in den Schlaf gekommen sind, rückwärts erleben, dann die mehr am Nachmittag liegenden. Und so erleben wir rücklaufend das ganze Tagesleben die Nacht hindurch.
[ 35 ] So, for example, if we have regularly stayed awake for a whole day and then sleep at night, it becomes apparent that, as we begin to fall asleep, we relive our most recent experiences—those we had in the evening before falling asleep—in reverse order, followed by those from earlier in the afternoon. And so we relive the entire day in reverse throughout the night.
[ 36 ] Wie gesagt, es handelt sich für die exakte Clairvoyance, von der ich hier sprach, darum, daß man im gewöhnlichen Tagesleben diese Rückerinnerung an diese nächtlichen Erlebnisse hat. Gerade so, wie man sich in der gewöhnlichen Erinnerung rückerinnert an das, was man im Tagesbewußtsein vor Jahren erlebt hat, so kann man durch die exakte Clairvoyance erleben dieses rückwärtige Erleben des Tageslebens. Und so hat man in der Tat etwas wie eine erweiterte Erinnerung in dieser exakten Clairvoyance vor sich. Man schaut zurück auf sein schlafendes Erleben. Man weiß, daß man schlafend außerhalb des physischen Raumesleibes erlebt, daß man in einer wirklichen Weltwesenheit, die gewissermaßen ein Nachbild der ganzen Welt in sich im Bewußtsein hat, daß man in einer solchen Weltwesenheit sein eigenes Tagesdasein rückwärts erlebt. Und man findet dann auch, daß dieses Tagesdasein im rückwärtigen Erleben nicht so lange braucht, als es hier in der physischen Welt braucht. Man lernt allmählich, indem man wirklich Forscher wird auf diesem Gebiete, das heißt in systematischer Weise, immer mehr und mehr die Dinge kennen durch eine exakte Erfahrung, man lernt erkennen, wie dieses Rückwärtserleben dreimal so schnell vor sich geht als das physische Erleben im gewöhnlichen Bewußtsein. So daß also jemand, der etwa zwei Drittel seiner Zeit wach ist und dann ein Drittel der Zeit schläft, in diesem Drittel der Zeit auch dasjenige durchlebt, was er in den zwei Dritteln im physischen Dasein durchgemacht hat. So daß man also kennenlernt ein Leben, das der Mensch außer seinem Leibe entfaltet, das rückwärts verläuft mit dreifacher Schnelligkeit.
[ 36 ] As I said, the point of the exact clairvoyance I have been discussing here is that one has this recollection of these nocturnal experiences in ordinary daily life. Just as one recalls in ordinary memory what one experienced in waking consciousness years ago, so too can one, through exact clairvoyance, experience this retrospective view of daily life. And so, in fact, one has before oneself something like an expanded memory in this exact clairvoyance. One looks back on one’s experiences during sleep. One knows that while asleep one experiences life outside the physical body; that one is in a real world-entity which, in a sense, holds an afterimage of the entire world within its consciousness; and that within such a world-entity, one relives one’s own waking life in reverse. And one then also discovers that this waking life, when experienced in reverse, does not take as long as it does here in the physical world. As one gradually becomes a true researcher in this field—that is, in a systematic way—one comes to know these things more and more through precise experience; one learns to recognize how this backward experience proceeds three times as fast as physical experience in ordinary consciousness. Thus, someone who is awake for about two-thirds of their time and sleeps for one-third of the time also experiences, within that one-third of the time, what they went through during the two-thirds spent in physical existence. In this way, one comes to know a life that the human being unfolds outside of their body, a life that unfolds in reverse at three times the speed.
[ 37 ] Indem man sich im gewöhnlichen Tagesleben durch exakte Clairvoyance an dieses nächtliche schlafende Leben erinnert, weiß man zu gleicher Zeit, daß dieses schlafende Rückerleben keine eigene Bedeutung hat. Das, was man im Tagesbewußtsein hat in der exakten Clairvoyance, ist schon eine Erinnerung. Aber dasjenige, woran man sich als an die Schlafeserlebnisse erinnert, das zeigt, daß es keine eigene Bedeutung hat, sondern nur eine Vorbedeutung. Und das ist so. Fragen Sie sich, wie beurteilen Sie eine Erinnerung an ein Erlebnis, das Sie vor zwanzig Jahren gehabt haben? — Sie sagen sich: Ich erlebe in schattenhaften Gedanken. Aber diese Erinnerung bietet mir durch ihr eigenes Wesen die Garantie, daß ich keine Phantasie vor mir habe, sondern daß sie ein Abbild ist dessen, was in der Vergangenheit meines Erdenlebens von mir wirklich, tatsächlich einmal erlebt worden ist. So wie die Erinnerung in sich eine Garantie enthält, daß sie sich auf etwas ganz anderes bezieht, was wirklich in der Vergangenheit ist, so trägt dasjenige, auf das man hinsieht als auf ein nächtliches Erleben, die Garantie in sich, daß es keine eigene Bedeutung hat, sondern auf ein Zukünftiges weist.
[ 37 ] By recalling this nocturnal, sleeping life through precise clairvoyance in ordinary daily life, one knows at the same time that this recollection of the sleeping life has no meaning of its own. What one experiences in daytime consciousness through precise clairvoyance is already a memory. But what one recalls as sleep experiences shows that it has no meaning of its own, but only a preliminary meaning. And that is how it is. Ask yourself: How do you assess a memory of an experience you had twenty years ago? — You tell yourself: I am reliving it in shadowy thoughts. But this memory, by its very nature, offers me the guarantee that I am not dealing with a fantasy, but rather that it is a reflection of what I truly and actually experienced once in the past of my earthly life. Just as the memory contains within itself a guarantee that it refers to something entirely different that truly lies in the past, so too does that which one regards as a nocturnal experience carry within itself the guarantee that it has no meaning of its own, but rather points to something in the future.
[ 38 ] Man braucht der Erinnerung nicht zu beweisen, daß sie sich auf ein Vergangenes bezieht. Man braucht ebensowenig, wenn man die exakte Clairvoyance erlangt hat, demjenigen, was man da überschaut von seinen nächtlichen Erlebnissen, zu beweisen, daß es nicht eine Phantasterei der Gegenwart ist. Man sieht ihm an, daß es sich auf die Zukunft des Menschen bezieht, und zwar auf jene Zukunft des Menschen, wo der Mensch seinen physischen Leib mit dem Tode wirklich abgelegt haben wird, wie er ihn jetzt bloß in der exakten Clairvoyance bildhaft abgelegt hat.
[ 38 ] There is no need to prove to memory that it relates to the past. Nor, once one has attained exact clairvoyance, is there any need to prove to oneself—based on what one perceives from one’s nocturnal experiences—that it is not a figment of the present. One can see that it relates to the future of the human being—specifically, to that future in which the human being will have truly shed his physical body upon death, just as he has now shed it only figuratively through exact clairvoyance.
[ 39 ] Und dadurch lernt man erkennen, was der Mensch erlebt nach dem Tode, wenn er die drei Tage absolviert hat, von denen ich gesprochen habe. Ja, man lernt durch diesen erinnerungsähnlichen Vorgang auch die Bedeutung der zwei bis drei Tage nach dem Tode erkennen, wo man sich wie in einem Weltbewußtsein fühlt, in einem kosmischen Bewußtsein, wo man das Ätherische von sich nun von dem Kosmos aus noch einmal überschaut, wo man zurückblickt auf dasjenige, was man durchlebt hat in seinem irdischen Lebenslauf. Und man lernt erkennen, was man nachher erlebt, und zwar so, daß sich anschließt an das Todesereignis ein Leben, das dreimal so schnell verläuft als das Erdenleben. Man lernte ja das kennen durch die Anschauung der nächtlichen Erlebnisse.
[ 39 ] And through this, one learns to recognize what a person experiences after death, once they have completed the three days I spoke of. Yes, through this process—which is similar to recollection—one also comes to understand the significance of the two to three days following death, during which one feels as if in a universal consciousness, a cosmic consciousness, where one now surveys one’s own etheric body once more from the perspective of the cosmos, looking back on what one has lived through during one’s earthly life. And one comes to recognize what one experiences afterward—namely, that the event of death is followed by a life that unfolds three times as quickly as earthly life. One has, after all, come to know this through the contemplation of nocturnal experiences.
[ 40 ] Man weiß, an die ätherische Anschauung, die nur kurze Zeit nach dem Tode dauert, schließt sich ein Leben an, das zwanzig, dreißig Jahre oder auch kürzer dauert, je nachdem der Mensch in seinem Erdenleben alt geworden ist. Ungefähr — das alles ist ja approximativ — dreimal so schnell als das Erdenleben verläuft dieses Leben. Ist also jemand dreißig Jahre alt geworden, so erlebt er dasjenige Leben, das ich jetzt meine, nach dem Tode dreimal so schnell, also in zehn Jahren. Ist jemand sechzig Jahre alt geworden, erlebt er rückwärts sein Leben, nach dem Tode, in zwanzig Jahren; aber alles approximativ genommen.
[ 40 ] It is known that the ethereal state, which lasts only a short time after death, is followed by a life that lasts twenty, thirty years, or even less, depending on how old a person became during their earthly life. Roughly—and all of this is, of course, approximate—this life unfolds three times as quickly as earthly life. So if someone lived to be thirty years old, they will experience the life I am referring to after death three times as quickly—that is, in ten years. If someone lived to be sixty years old, they will relive their life in reverse after death in twenty years; but all of this is approximate.
[ 41 ] Das alles wird erkannt, wie durch eine Erinnerung eine durchlebte Tätigkeit erkannt wird, in der exakten Clairvoyance. Und so lernen wir erkennen, daß sich an unseren Tod ein übersinnliches Erleben anschließt, ein Erleben in der übersinnlichen Welt, welches ein Rückwärtserleben unseres ganzen Erdenlebens ist. Jede Nacht durchleben wir den vorhergehenden Tag. Nach unserem Tode erleben wir rückwärts verlaufend unser ganzes Erdenleben. Wir machen alles wieder durch. Und wir eignen uns, indem wir alles, was wir im Erdenleben durchgemacht haben, in einer geistigen Form wieder durchmachen, ein zutreffendes Urteil über unseren eignen moralischen Wert an.
[ 41 ] All of this is perceived—just as a past experience is recognized through memory—in exact clairvoyance. And so we come to realize that our death is followed by a supersensible experience, an experience in the supersensible world that is a re-living in reverse of our entire earthly life. Every night we relive the previous day. After our death, we experience our entire earthly life in reverse. We go through everything again. And by reliving everything we have experienced in our earthly life in a spiritual form, we arrive at an accurate judgment of our own moral worth.
[ 42 ] Wir gliedern uns gewissermaßen durch diese Zeit, die wir nach dem Tode durchmachen, ein Bewußtsein ein von unserer moralischen Persönlichkeit, von unserem moralischen Werte, wie wir uns hier auf dieser Erde ein Bewußtsein aneignen von dem Leben im Fleische und im Blute. Wir leben nach dem Tode in demjenigen, was wir als moralischer Mensch hier auf Erden waren. Indem wir alle die Ereignisse wieder durchmachen, rückwärts verlaufend, und dadurch nicht mehr abgezogen sind von der moralischen Beurteilung durch unsere Instinkte, Triebe, Leidenschaften, sondern sie rein geistig überschauen, lernen wir ein zutreffendes, ein richtiges Urteil über unsere eigene moralische Qualität kennen.
[ 42 ] Through this period we go through after death, we, in a sense, develop an awareness of our moral personality and our moral worth, just as we acquire an awareness here on Earth of life in the flesh and blood. After death, we live as the moral beings we were here on Earth. By reliving all events in reverse order—and thereby no longer being distracted from moral judgment by our instincts, drives, and passions, but instead surveying them purely spiritually—we come to know an accurate, correct judgment of our own moral character.
[ 43 ] Zu dieser Beurteilung ist diejenige Zeit notwendig, von der ich eben gesprochen habe. Haben wir diese Zeit nach dem Tode absolviert, dann schwindet das hin, was moralisches Innenleben ist, die Rückerinnerung an unseren moralischen Wert auf der Erde, und wir müssen weiterschreiten durch die geistigen Welten mit einem anderen Bewußtsein, das nun auch durch exakte Clairvoyance kennengelernt werden kann.
[ 43 ] This assessment requires the period of time I just mentioned. Once we have spent this time after death, our inner moral life—the recollection of our moral worth on Earth—fades away, and we must continue on through the spiritual worlds with a different consciousness, one that can now also be perceived through precise clairvoyance.
[ 44 ] Da ist dann notwendig, daß der Mensch nicht nur leben lernt außerhalb seines Raumesleibes, sondern daß er leben lernt in einem ganz anderen Bewußtsein, als er es hier innerhalb der physischen Welt hat. Dann lernt der Mensch erkennen, wie sich anschließt an das Erleben seiner moralischen Qualität durch ein Drittel der Zeit seines vorangehenden Erdenlaufes ein übersinnliches, ein geistiges Erleben. Er lernt erkennen, was sich anschließt. Es schließt sich dann an ein anderes, ein rein geistiges Leben. Dazu muß aber erst die Möglichkeit gewonnen werden, daß die exakte Clairvoyance aufsteigt von dem gewöhnlichen Bewußtsein zu einem reinen, höheren Bewußtsein und daß sie dieses höhere Bewußtsein voll beurteilen lernt.
[ 44 ] It is then necessary for the human being not only to learn to live outside of his physical body, but also to learn to live in a state of consciousness entirely different from the one he experiences here within the physical world. Then the human being learns to recognize how, following the experience of his moral quality during one-third of his previous earthly life, a supersensible, spiritual experience follows. He learns to recognize what follows. This is then followed by another, purely spiritual life. To achieve this, however, one must first attain the ability for exact clairvoyance to rise from ordinary consciousness to a pure, higher consciousness and to learn to fully assess this higher consciousness.
[ 45 ] So habe ich versucht, Ihnen zwei Zustände nach dem Tode zu schildern. Den dritten werde ich sogleich nachher schildern, wenn die bisherige Darstellung übersetzt ist.
[ 45 ] So I have tried to describe two states after death to you. I will describe the third one immediately afterward, once the previous description has been translated.
[ 46 ] Wenn Sie dieses Hineinschauen in das Rückwärtserleben während des Schlafzustandes ins Auge fassen, so wie ich es geschildert habe, so werden Sie sehen, daß in diesem Rückwärtserleben der Mensch zwar außerhalb seines physischen Raumesleibes ein Leben hat; er ist gewissermaßen außer sich, neben sich. Aber dieses Leben ist, ich möchte sagen, so, daß man sich in ihm nicht bewegen kann. Man muß im Grunde genommen das ausführen, nur in der anderen Richtung, was man ausgeführt hat während des gewöhnlichen Bewußtseins am Tage. Und auch derjenige, welcher durch exakte Clairvoyance einen übersinnlichen Einblick in diese Erlebnisse erhält, von denen ich gesprochen habe, der fühlt sich wie hineingebannt in eine Welt, an die er sich erinnert im Tagesbewußtsein der Clairvoyance, aber in der er sich nicht bewegen kann, in die er eingespannt, gefesselt ist. Dasjenige, was man als einen dritten Zustand der höheren Erkenntnis und des höheren Lebens erringen muß, das ist die freie Bewegung in der geistigen Welt. Sonst kann man nicht eintreten in die Erkenntnis des rein geistigen, des rein übersinnlichen Bewußtseins.
[ 46 ] If you consider this insight into the experience of moving backward in time during sleep, as I have described it, you will see that in this experience of moving backward in time, a person does indeed have a life outside of their physical body; they are, so to speak, outside of themselves, beside themselves. But this life is, I would say, such that one cannot move within it. Essentially, one must carry out—only in the opposite direction—what one has carried out during ordinary daytime consciousness. And even the person who, through precise clairvoyance, gains a supersensory insight into these experiences I have spoken of feels as if spellbound in a world that they recall in the daytime consciousness of clairvoyance, but in which they cannot move—a world in which they are confined, bound. What one must attain as a third state of higher knowledge and higher life is free movement in the spiritual world. Otherwise, one cannot enter into the knowledge of the purely spiritual, the purely supersensible consciousness.
[ 47 ] Man muß hinzuerwerben zu der exakten Clairvoyance das, was ich bezeichnen werde als ideelle Magie. Wohl zu unterscheiden von der unrichtigen Magie, die äußerlich ausgeführt wird, die mit vielem Scharlatanhaften verknüpft ist; wohl zu unterscheiden davon ist dasjenige, was ich jetzt meine als ideelle Magie.
[ 47 ] In addition to exact clairvoyance, one must acquire what I will refer to as “ideal magic.” This must be clearly distinguished from false magic, which is performed externally and is associated with much charlatanism; what I now mean by “ideal magic” must be clearly distinguished from that.
[ 48 ] Unter dieser ideellen Magie verstehe ich das Folgende: Wenn der Mensch für das gewöhnliche Bewußtsein sein Leben überblickt, dann sieht er, wie er eigentlich mit jedem Jahr und mit jedem Jahrzehnt ein anderer geworden ist in einer gewissen Beziehung. Die Gewohnheiten haben sich, wenn auch langsam, so doch geändert. Gewisse Fähigkeiten hat man sich angeeignet, gewisse Fähigkeiten sind auch verschwunden. Wer sich ehrlich anblickt in bezug auf gewisse Fähigkeiten des Erdenlebens, der kann sich jeweilig sagen, daß er ein anderer geworden ist. Aber das hat das Leben aus uns gemacht. Wir haben uns ganz hingegeben dem Leben, und das Leben erzieht uns, trainiert uns, bildet unsere Seelenformation aus.
[ 48 ] By this “ideal magic” I mean the following: When a person looks back on their life from the perspective of ordinary consciousness, they see how, in a certain sense, they have actually become a different person with each passing year and decade. Their habits have changed, albeit slowly. We have acquired certain abilities, and certain abilities have also disappeared. Anyone who takes an honest look at themselves with regard to certain abilities of earthly life can say to themselves that they have become a different person. But that is what life has made of us. We have given ourselves entirely to life, and life educates us, trains us, and shapes our soul.
[ 49 ] Aber wer in die übersinnliche Welt erkennend eintreten will, wer mit anderen Worten ideelle Magie erwerben will, der muß nicht bloß seine Gedanken innerlich so intensiv machen, daß er ein zweites Dasein von sich dadurch erkennt, wie ich es geschildert habe, sondern er muß auch seinen Willen befreien von der Gebundenheit an den physischen Leib. Wir können unseren Willen im gewöhnlichen Leben nur in Bewegung bringen dadurch, daß wir uns unseres physischen Leibes, unserer Beine, unserer Arme, unserer Sprachwerkzeuge bedienen. Der physische Leib ist die Grundlage für unser Willensleben. Aber wir können folgendes machen, und das hat wiederum in ganz systematischer Weise derjenige durchzuführen, der als Geistesforscher zur ideellen Magie kommen will und diese hinzu erwerben will zu der exakten Clairvoyance. Er hat zum Beispiel einen so starken Willen zu entwickeln, daß er sich in einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens sagt: Du sollst dir eine bestimmte Gewohnheit abgewöhnen, und dafür eine andere deiner Seele einverleiben.
[ 49 ] But whoever wishes to enter the supersensible world with full awareness—in other words, whoever wishes to acquire ideal magic—must not only intensify their thoughts inwardly to such an extent that they thereby perceive a second existence within themselves, as I have described, but must also free their will from its bondage to the physical body. In ordinary life, we can set our will in motion only by making use of our physical body—our legs, our arms, and our speech organs. The physical body is the foundation of our volitional life. But we can do the following, and this, in turn, must be carried out in a very systematic manner by anyone who, as a spiritual researcher, wishes to attain ideal magic and acquire it in addition to exact clairvoyance. For example, he must develop such a strong will that, at a certain point in his life, he says to himself: “You shall break a certain habit and, in its place, incorporate another into your soul.”
[ 50 ] Man wird, wenn man energischen Willen angewendet hat, manchmal Jahre brauchen, um sich in dieser Beziehung ganz umzuwenden für gewisse Erlebnisformen, aber man kann das. Man kann sozusagen nicht bloß das Leben durch den physischen Leib sich Erzieher sein lassen, sondern man kann diese Erziehung, diese Selbstzucht nun auch selbst in die Hand nehmen.
[ 50 ] If one has applied strong willpower, it may sometimes take years to completely transform oneself in this regard with regard to certain forms of experience, but it is possible. One can, so to speak, not only allow life through the physical body to be one’s teacher, but one can now also take this education, this self-discipline, into one’s own hands.
[ 51 ] Durch solche energischen Willensübungen, die ich wiederum in den genannten Büchern beschrieben habe, gelangt derjenige, der im modernen Sinne ein Eingeweihter, ein Initiierter werden will, dazu, nun nicht bloß das nachzuerleben im Schlafe, was er am Tage erlebt hat. Er gelangt dazu, Zustände herbeizuführen, die nicht Schlaf sind, die bei voller Besonnenheit erlebt werden und die ihm aber dennoch die Möglichkeit bieten, während er schläft, beweglich zu sein, etwas zu tun, so daß er außerhalb seines Leibes nicht bloß passiv ist, wie das beim gewöhnlichen Bewußtsein der Fall ist, nicht bloß passiv ist in der geistigen Welt, sondern handeln kann in der geistigen Welt, tätig sein kann in der geistigen Welt. Der Mensch bringt sich sonst während seines Schlafzustandes nicht weiter. Derjenige, der in diesem Sinne ein moderner Initiierter wird, der trägt die Fähigkeiten, tätig zu sein, zu handeln, in sein Wesen als Mensch auch für das Leben hinein, das zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erlebt wird. Und wenn man so den Willen in das menschliche Wesen hineinträgt in dem Zustande, in dem dieses Wesen außerhalb des Leibes lebt, dann gelangt man dazu, ein ganz anderes Bewußtsein in sich auszubilden: dasjenige Bewußtsein, das nun wirklich schauen kann, was der Mensch erlebt in der Zeit, die sich an die geschilderte nach seinem Tode anschließt. Und da erlebt man tatsächlich durch dieses andere Bewußtsein die Möglichkeit, hineinzuschauen in unser nachirdisches Erdenleben ebenso wie in unser vorirdisches Erdenleben. Man schaut hinein, wie man ein Leben durchlebt, welches ebenso eine geistige Welt durchläuft, wie das physische Erdenleben eine physische Welt durchläuft. Man lernt sich erkennen als reiner Geist in einer geistigen Welt, wie man sich hier, innerhalb der physischen Erde, als physischer Leib innerhalb der physischen Welt erkennt. Und es bietet sich einem nun die Möglichkeit, auch ein Urteil darüber zu bekommen, wie lange dieses Leben, ich möchte sagen, nach der moralischen Bewertungszeit, die ich früher geschildert habe, dauert.
[ 51 ] Through such vigorous exercises of the will—which I have, in turn, described in the books mentioned—the person who wishes to become an initiate in the modern sense comes to do more than merely relive in sleep what he has experienced during the day. They come to be able to bring about states that are not sleep, that are experienced with full lucidity, and that nevertheless offer them the possibility, while they sleep, to be mobile, to do something, so that outside his body he is not merely passive, as is the case with ordinary consciousness—not merely passive in the spiritual world—but can act in the spiritual world, can be active in the spiritual world. Otherwise, a person does not progress during the state of sleep. The one who becomes a modern initiate in this sense carries the abilities to be active and to act into his human being—even into the life experienced between falling asleep and waking up. And when one brings the will into the human being in the state in which this being lives outside the body, one comes to develop a completely different consciousness within oneself: the consciousness that can now truly perceive what the human being experiences in the time that follows the period described after death. And through this different consciousness, one actually experiences the possibility of looking into our post-earthly life on Earth just as well as into our pre-earthly life on Earth. One looks into how one lives through a life that passes through a spiritual world just as physical life on Earth passes through a physical world. One learns to recognize oneself as pure spirit in a spiritual world, just as one recognizes oneself here, within the physical Earth, as a physical body within the physical world. And one is now offered the opportunity to form a judgment as to how long this life lasts—I would say—following the period of moral assessment that I described earlier.
[ 52 ] Indem man nämlich auf diese Weise den Willen durch ideelle Magie in sein Seelenleben hineinträgt, lernt man dieses Bewußtsein, das man als erwachsener Mensch hat, erkennen und in der richtigen Weise zu vergleichen mit dem dumpfen Bewußtsein, das man in der ersten Zeit seines Erdenlebens als kleines Kind, als Säugling gehabt hat.
[ 52 ] For by bringing the will into one’s soul life in this way through ideal magic, one learns to recognize this consciousness that one possesses as an adult and to compare it correctly with the dull consciousness one had in the early days of one’s earthly life as a small child, as an infant.
[ 53 ] Sie wissen, daß das gewöhnliche Bewußtsein sich nicht an diese allerersten Jahre der Kindheit zurückerinnern kann. Da lebt der Mensch wie in einem dumpfen Bewußtsein; wie schlafend lebt er sich herein in die Welt. Und unser gewöhnliches Bewußtsein als Erwachsener ist hell und intensiv und durchleuchtet, eben gegenüber diesem dumpfen, finsteren Bewußtsein, in das wir zurückblicken und das wir gehabt haben, während wir die erste Lebenszeit hier auf Erden durchmachten. Aber derjenige, der in der geschilderten Weise zur ideellen Magie aufsteigt, der lernt den Unterschied erkennen zwischen seinem gewöhnlichen Wachbewußtsein als erwachsener Mensch, und diesem dumpfen Kindheitsbewußtsein. Er lernt gewissermaßen erkennen, daß er wie über eine Stufe heraufsteigt von dem dumpfen Kindesbewußtsein zu dem helleren Bewußtsein als Erwachsener. Und aus dem Verhältnis, das er ja kennt, zwischen dem kindlichen Bewußtsein, das wie ein Traumbewußtsein ist, und seinem Bewußtsein während der Erwachsenheit, aus diesem Verhältnis lernt er auch beurteilen das andere Verhältnis zwischen seinem Bewußtsein als Erwachsener und jenem durchleuchteten Bewußtsein, in das er nicht nur exakte Clairvoyance, sondern ideelle Magie hineingetragen hat, so daß er sich in der geistigen Welt jetzt frei bewegen kann.
[ 53 ] You know that ordinary consciousness cannot recall these very earliest years of childhood. During that time, a person lives as if in a dull state of consciousness; as if asleep, they find their way into the world. And our ordinary consciousness as adults is bright, intense, and clear—in stark contrast to this dull, dark consciousness that we look back upon and that we possessed while we were going through our first life here on earth. But the person who ascends to ideal magic in the manner described learns to recognize the difference between their ordinary waking consciousness as an adult and this dull childhood consciousness. They learn, so to speak, to recognize that they are ascending, as it were, a step from the dull childhood consciousness to the brighter consciousness of adulthood. And from the relationship—which he is, after all, familiar with—between childhood consciousness, which is like a dream-like state, and his consciousness during adulthood—from this relationship, he also learns to assess the other relationship between his consciousness as an adult and that illuminated consciousness into which he has brought not only precise clairvoyance but also ideal magic, so that he can now move freely in the spiritual world.
[ 54 ] Ich möchte sagen, wir lernen uns in der geistigen Welt frei bewegen, geradeso wie wir uns als Körper haben frei bewegen gelernt während des physischen Erdenlebens aus der Kindheit heraus, wo wir uns nicht bewegen konnten. Man lernt also hinzu erkennen zu dem Verhältnis, das man von der ersten Kindheit zu dem gewöhnlichen Bewußtsein hat, das andere Verhältnis des erwachsenen Bewußtseins zu einem höchsten, rein geistigen Bewußtsein.
[ 54 ] I would like to say that we learn to move freely in the spiritual world, just as we learned to move freely with our physical bodies during our earthly life, starting from childhood, when we were unable to move. Thus, in addition to recognizing the relationship we have from early childhood to ordinary consciousness, we also come to recognize the different relationship of adult consciousness to a highest, purely spiritual consciousness.
[ 55 ] Dadurch aber lernt man auch erkennen, wie man nicht nur in dem nachirdischen Leben, nach dem Tode, ein Geist ist unter Geistern, mit denen man zusammen arbeitet, sondern man eignet sich auch ein Urteil darüber an, wie lange dieses geistige Leben unter geistigen Wesenheiten dauert. Wiederum müßte ich das Beispiel von dem Erinnern an ein gewöhnliches Erlebnis anführen. Man sieht ein: Wie die Erinnerung in sich vergangene Wirklichkeit trägt, so trägt dasjenige, was man jetzt erlebt, in sich ein richtiges Urteil darüber, daß man in dem höheren Bewußtsein des Initiierten nicht etwas hat, was eine eigene Bedeutung hat, sondern etwas, was hinweist auf das Leben als Geist unter Geistern nach dem Tode. Und man lernt erkennen, wie sich dieses rein geistige Leben zu dem Erdenleben verhält, das man hier zwischen Geburt und Tod durchgemacht hat.
[ 55 ] Through this, however, one also learns to recognize not only that in the afterlife—after death—one is a spirit among spirits with whom one works together, but one also gains an understanding of how long this spiritual life among spiritual beings lasts. Once again, I must cite the example of remembering an ordinary experience. One realizes: Just as memory carries within itself a past reality, so too does what one is now experiencing carry within itself a true understanding that, in the higher consciousness of the initiate, one does not possess something that has a meaning of its own, but rather something that points to life as a spirit among spirits after death. And one learns to recognize how this purely spiritual life relates to the earthly life one has lived here between birth and death.
[ 56 ] Sieht man nämlich als Initiierter zurück auf sein allererstes Kindheitsleben, so weiß man, es wird einem immer leichter möglich, in die geistige Welt hineinzuschauen, je älter man wird. Gewiß, es gibt verhältnismäßig jugendliche Personen, die gut hineinsehen können in die geistige Welt. Aber exakter und klarer wird dieses Hineinschauen mit jedem Jahre, mit dem man älter wird. Man erlangt immer mehr und mehr die Fähigkeit, in dieses andere Bewußtsein hinüberzugehen; dadurch lernt man erkennen, wie sich ein Bewußtsein zu dem anderen verhält. Man lernt folgendes erkennen: Man ist zum Beispiel vierzig Jahre alt geworden und man hat ja nur die Möglichkeit, sich zurückzuerinnern, sagen wir, bis zu seinem dritten, vierten Jahre. Man betrachtet diese Verhältnisse, wievielmal die vierzig Jahre mehr sind, als das unbewußte traumhaft kindliche Bewußtsein. Man lernt erkennen, wie das Leben im Geiste nach dem Tode ebensovielmal länger sein wird, als dieses Erdenleben im ganzen länger ist als das Leben als kleines Kind im traumhaften Zustande; das erstreckt sich auf viele Jahrhunderte. So daß sich anschließt an das Nacherleben des moralischen Zustandes ein rein geistiges Leben des Menschen als Geist unter Geistern, das nach Jahrhunderten dauert. In diesem Erleben hat der Mensch die Aufgaben der geistigen Welt ebenso um sich, wie er hier im Erdenleben die Aufgaben der physischen Welt um sich hat.
[ 56 ] For when an initiate looks back on his very first childhood life, he knows that the older he gets, the easier it becomes to glimpse into the spiritual world. Certainly, there are relatively young people who can see clearly into the spiritual world. But this insight becomes more precise and clearer with every passing year as one grows older. One acquires more and more the ability to cross over into this other state of consciousness; through this, one learns to recognize how one state of consciousness relates to the other. One comes to realize the following: For example, one has reached the age of forty and can only recall, let’s say, events up to the age of three or four. One considers these circumstances—how many times forty years exceed that unconscious, dreamlike, childlike state of consciousness. One comes to realize how life in the spirit after death will be just as many times longer than this earthly life as a whole is longer than life as a small child in a dreamlike state; this extends over many centuries. Thus, following the afterlife experience of the moral state comes a purely spiritual life of the human being as a spirit among spirits, which lasts for centuries. In this experience, a person is surrounded by the tasks of the spiritual world just as they are surrounded by the tasks of the physical world here in earthly life.
[ 57 ] Aber diese Aufgaben, die zeigen sich für jene exakte Clairvoyance, die unterstützt wird von dem, ich möchte sagen, Herumwandeln in der geistigen Welt, durch ideelle Magie, sie zeigen sich dadurch, daß aus dem Wesen der geistigen Welt, in der man nach dem Tode lebt, alles dasjenige an Kräften herausgearbeitet wird, was dann hinführt zu einem folgenden Leben auf der Erde. Dieses folgende Leben auf der Erde steht einem als Ziel bevor, vom Anfange an des Lebens nach dem Tode. Und dieses Leben auf Erden im Menschen ist ja ein wirklicher Mikrokosmos. Dieser Mikrokosmos wird herausgearbeitet aus einem gewaltigen Erleben in der geistigen Welt nach dem Tode.
[ 57 ] But these tasks—which become apparent through that precise clairvoyance supported by, I might say, wandering through the spiritual world by means of ideal magic—are revealed in that all the forces necessary for a subsequent life on Earth are drawn out from the very essence of the spiritual world in which one lives after death. This subsequent life on Earth lies before one as a goal from the very beginning of life after death. And this earthly life within the human being is, after all, a true microcosm. This microcosm is shaped out of a profound experience in the spiritual world after death.
[ 58 ] Sehen Sie, wenn man hier in der physischen Welt von einem Keime spricht, dann ist der Keim klein und entfaltet sich; nachher wird er eine große Pflanze oder ein großes Tier. Ich könnte auch von einem Geistkeim sprechen, den der Mensch ausbildet nach seinem physischen Leben auf Erden, nach dem Tode. Er arbeitet im Zusammenhang mit geistigen Wesenheiten aus den Geistkräften der Welt einen Geistkeim heraus für sein späteres Erdenleben. Und dieses Erarbeiten ist nicht etwa eine Wiederholung des Erdenlebens, sondern das schließt Betätigungsweisen, Wesenhaftes in sich, das größer und gewaltiger ist, selbstverständlich, als all das, was auf Erden erlebt werden kann. Das Zubereiten des künftigen Erdenlebens unter den Erfahrungen der geistigen Welt, das ist es, was der Mensch zunächst für sich erlebt im nachirdischen Leben.
[ 58 ] You see, when we speak of a seed here in the physical world, the seed is small and develops; later it becomes a large plant or a large animal. I could also speak of a spiritual seed that a human being develops after his physical life on Earth, after death. In collaboration with spiritual beings, he draws a spiritual seed from the spiritual forces of the world for his future life on Earth. And this process is not merely a repetition of earthly life, but rather encompasses modes of activity and essential qualities that are, of course, greater and more powerful than anything that can be experienced on Earth. Preparing for the future earthly life through the experiences of the spiritual world—that is what a person first experiences for themselves in the afterlife.
[ 59 ] Und dazu kommt, daß ja das kosmische Bewußtsein auftritt, wie ich es geschildert habe. Dadurch, daß in dem einen Menschen das kosmische Bewußtsein auftritt, und in dem anderen Menschen ebenso, ja, dieses kosmische Bewußtsein allnächtlich schon vorhanden ist, wenn auch in einem dumpfen Zustande, so daß es kein wirkliches Bewußtsein ist, sondern — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf ein unbewußtes Bewußtsein ist, dadurch leben die Menschen, indem sie als geistige Wesen leben, nicht nur mit anderen geistigen Wesenheiten zusammen, die niemals auf die Erde kommen, sondern eben in der reinen Geisteswelt wohnen; sie leben vielmehr dadurch auch mit all den Seelen zusammen, die entweder in physischen Menschenleibern verkörpert sind, oder aber, die selbst durch die Pforte des Todes gegangen sind und dasselbe durchmachen wie sie: durchmachen das kosmische Bewußtsein, das alle gemeinsam haben.
[ 59 ] And on top of that, cosmic consciousness arises, just as I have described it. Because cosmic consciousness arises in one person and in another as well—indeed, this cosmic consciousness is already present every night, albeit in a dormant state, so that it is not true consciousness but—if I may use this paradoxical expression—an unconscious consciousness— as a result, human beings, living as spiritual beings, not only coexist with other spiritual beings who never come to Earth but dwell in the pure spiritual world; rather, they also live together with all the souls who are either incarnated in physical human bodies or who have themselves passed through the gate of death and are undergoing the same experience as they are: experiencing the cosmic consciousness that they all share.
[ 60 ] Und es ist wirklich so, daß dasjenige, was sich hier angesponnen hat auf Erden von Seele zu Seele, in der Familie, unter Menschen, wo wir uns gefunden haben dadurch, daß wir uns in physischen Menschenleibern begegnet sind, wir uns dadurch aber auch als Seelen gefunden haben, es ist so, daß wir das alles, was wir hier auf Erden gefunden haben, dann abgelegt haben; was wir erleben als Liebende, was wir erleben als Freunde, als uns sonst nahestehende Menschen, was wir erleben durch unsere physischen Erfahrungen im physischen Leibe, das streifen wir ab, das legen wir ab, ebenso wie wir diesen physischen Leib selber ablegen. Aber dadurch, daß wir hier Verhältnisse des Familienhaften, der Freundschaft, der Liebe entwickelt haben, pflanzt sich das geistig fort durch die Pforte des Todes hinein in jene GeistErlebnisse, die ein späteres Leben aufbauen. Und wir arbeiten nicht nur für uns allein, sondern wir arbeiten — sogar schon in der Zeit, wo wir die moralische Beurteilung unseres vergangenen Lebens haben — mit den Menschenseelen zusammen, die uns hier wert und lieb geworden sind in der Welt.
[ 60 ] And it is truly the case that what has developed here on Earth from soul to soul—within the family, among people, where we have found one another through our encounters in physical human bodies, and through which we have also found one another as souls— it is true that we have then laid aside everything we have found here on Earth; what we experience as lovers, what we experience as friends, as people who are otherwise close to us, what we experience through our physical experiences in the physical body—we shed that, we lay that aside, just as we lay aside this physical body itself. But because we have developed relationships of family, friendship, and love here, these are spiritually carried forward through the gateway of death into those spiritual experiences that build a future life. And we do not work solely for ourselves; rather, we work—even during the time when we undergo the moral assessment of our past life—together with the human souls who have become dear and precious to us here in the world.
[ 61 ] Das alles wird durch exakte Clairvoyance und durch ideelle Magie nicht nur etwas, was dem Glauben unterliegt, sondern es wird eine wirkliche Erkenntnis. Es dringt herein in das unmittelbare Anschauen des Menschen. Ja, wir können sogar sagen: Hier in der physischen Welt ist ein Abgrund zwischen den Seelen, auch wenn sie sich noch so lieb haben, denn sie begegnen sich innerhalb ihrer Körperhaftigkeit, und sie können nur in solche Wechselverhältnisse treten, die durch körperliche Beziehungen vermittelt sind. Aber wenn der Mensch selber in der geistigen Welt ist, dann ist nicht einmal das der Fall, daß der physische Leib, der hier einem zurückgelassenen geliebten Wesen eigen ist, ein Hindernis ist, um mit seiner Seele zusammen zu leben. So wie man sich aneignen muß für das Hineinschauen in die geistige Welt die Fähigkeit, durchzuschauen durch irdische Gegenstände, wie ich es geschildert habe, so hat derjenige, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, Gemeinschaft durch den Körper hindurch mit den Seelen, die er hier als ihm nahestehende zurückgelassen hat. Er erlebt sie auch noch, solange sie auf der Erde sind, bis zu ihrem eigenen Tode, als Seelen.
[ 61 ] Through exact clairvoyance and spiritual magic, all of this becomes not merely a matter of faith, but a genuine insight. It penetrates into a person’s direct perception. Yes, we can even say: Here in the physical world, there is a gulf between souls, no matter how much they love one another, for they encounter one another within their physicality, and they can only enter into relationships mediated by physical connections. But when a person is in the spiritual world, even the physical body—which here belongs to a beloved being left behind—is no longer an obstacle to living together with that being’s soul. Just as one must acquire the ability to see through earthly objects in order to look into the spiritual world, as I have described, so too does the one who has passed through the gate of death commune, through the body, with the souls he has left behind here as those closest to him. They continue to experience them—even while they are still on Earth, until their own death—as souls.
[ 62 ] Das möchte ich zunächst heute im Beginne dieser drei Vorträge gesagt haben über dasjenige, was Einsichten geben kann in das wirkliche übersinnliche Leben des Menschen. Ich möchte darauf hingewiesen haben, daß dadurch, daß exakte Clairvoyance und ideelle Magie angestrebt werden, tatsächlich in solcher Weise — wissenschaftlich erkennend — über die höheren Welten gesprochen werden kann, wie durch die exakte Naturerkenntnis über die Sinneswelt gesprochen werden kann. Und man wird sehen, indem man sich immer mehr und mehr einleben wird — denn Menschen werden schon da sein, die ihre Fähigkeiten entwickeln werden, um sich in diese Welten einzuleben —, man wird sehen, daß keine Wissenschaft, so vollkommen sie sich auch entwickelt hat, ein Hindernis dafür sein kann, das anzunehmen, was mit echter wissenschaftlicher Gesinnung durch exakte Clairvoyance und durch ideelle Magie an Erkenntnissen dem Menschen gegeben werden kann über das, was er durchmacht, nicht nur hier auf dieser Erde zwischen Geburt und Tod, sondern auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt bis zu einem Wiederkehren in einem Erdenleben.
[ 62 ] That is what I would like to say first today, at the beginning of these three lectures, regarding what can provide insights into the true supersensible life of the human being. I would like to point out that by striving for exact clairvoyance and ideal magic, it is indeed possible to speak about the higher worlds in such a way—through scientific understanding—as one can speak about the sensory world through exact knowledge of nature. And as people become increasingly familiar with these realms—for there will already be people who are developing their abilities to immerse themselves in these worlds— one will see that no science, however perfectly developed it may be, can be an obstacle to accepting what can be given to human beings—with a genuine scientific attitude—through precise clairvoyance and ideal magic: insights into what they experience, not only here on Earth between birth and death, but also between death and a new birth, right up to a return to an earthly life.
[ 63 ] Wie diese wiederkehrenden Leben sind und inwiefern sie ein Ende erreichen, davon will ich dann morgen sprechen, wenn ich mir gestatten werde, darzustellen, welche Beziehung das Christus-Ereignis, das Ereignis von Golgatha hereingebracht hat in das menschliche Erdenleben.
[ 63 ] I will speak tomorrow about what these recurring lives are like and to what extent they come to an end, when I will take the liberty of describing the relationship that the Christ event—the event of Golgotha—has brought into human life on Earth.
[ 64 ] Da werde ich zu zeigen haben, daß diejenige Erkenntnis, von der ich gesprochen habe, insofern sie den Menschen als einzelnen angeht, hinleuchtet auf die ganze Entwickelung des Menschengeschlechtes durch das Leben der Erde, und dadurch auch hinleuchten kann auf dasjenige, was eigentlich durch den Eintritt des Christus in das Erdenleben für die Menschheit geschehen ist.
[ 64 ] There I will have to show that the insight I have spoken of, insofar as it concerns the individual human being, sheds light on the entire development of the human race through the life of the Earth, and can thereby also shed light on what actually happened for humanity through Christ’s entry into earthly life.
[ 65 ] Und so soll gezeigt werden durch diese Vorträge auf der einen Seite, daß man nicht gegen die heutige exakte Naturwissenschaft zu gehen braucht, wenn man von übersinnlichen Erkenntnissen spricht. Und das soll der Gegenstand des morgigen Vortrags sein, daß auch das für das Erdenleben der Menschheit wichtigste Ereignis, das Christus-Ereignis, in einer neuen Gestalt, in einer leuchtenderen Gestalt, vor die menschliche Seele tritt, wenn diese menschliche Seele sich bereit erklärt, anzunehmen die hier gemeinten Erkenntnisse der übersinnlichen Welt.
[ 65 ] And so these lectures are intended to show, on the one hand, that one need not go against today’s exact natural science when speaking of supersensible knowledge. And that will be the subject of tomorrow’s lecture: that even the most important event for humanity’s earthly life—the Christ event—appears before the human soul in a new form, in a more radiant form, when that human soul declares itself ready to accept the insights into the supersensible world referred to here.
[ 66 ] Die Beziehung der anthroposophischen Geisteswissenschaft zum Christentum zu erörtern, wird dann meine Aufgabe morgen sein.
[ 66 ] My task tomorrow will be to discuss the relationship between anthroposophical spiritual science and Christianity.
