Spiritual Connections
in the Structure of the Human Organism
GA 218
19 November 1922, London
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Geistige Zusammenhänge in der Gestaltung des menschlichen Organismus
12. Moralische Erziehung vom Gesichtspunkte der Anthroposophie
12. Moralische Erziehung vom Gesichtspunkte der Anthroposophie
[ 1 ] Anthroposophie, wie ich mir erlaubte, sie in den zwei letzten Tagen hier zu charakterisieren, will nicht bloß eine theoretische Ansicht sein, durch die der Mensch sich über das Unerfreuliche, das Schmerzliche und Unglückliche des Lebens hinwegsetzen, sich in eine mystische Welt flüchten kann, sondern sie will etwas sein, das namentlich in das praktische Leben des Menschen einzugreifen vermag. Sie muß eine praktische Angelegenheit des Daseins werden aus dem Grunde, weil diejenige Geisteserkenntnis, von der ich gestern und vorgestern gesprochen habe, ja führen soll zu einer wirklichen Durchdringung, zu einer wirklichen Anschauung der geistigen Welt, die nicht nur für sich ein abgesondertes Dasein führt, sondern die eingreift in alles materielle Geschehen. Wenn wir im Leben dem Menschen gegenüberstehen, so haben wir es gar nicht nur mit dem zu tun, was unsere Augen an ihm wahrnehmen können, was unser Sprachvermögen durch seine Rede zu verstehen vermag, was wir vielleicht sonst an ÄAußerungen, an Offenbarungen seines Wesens durch das gewöhnliche Bewußtsein empfangen können, sondern wir haben es zu tun mit einem geistigen, mit einem spirituellen Wesen, das in ihm lebt, mit einem solchen spirituellen, mit einem solchen übersinnlichen Wesen, das fortwährend eingreift in seine materielle Organisation.
[ 1 ] Anthroposophie, wie ich mir erlaubte, sie in den zwei letzten Tagen hier zu charakterisieren, will nicht bloß eine theoretische Ansicht sein, durch die der Mensch sich über das Unerfreuliche, das Schmerzliche und Unglückliche des Lebens hinwegsetzen, sich in eine mystische Welt flüchten kann, sondern sie will etwas sein, das namentlich in das praktische Leben des Menschen einzugreifen vermag. Sie muß eine praktische Angelegenheit des Daseins werden aus dem Grunde, weil diejenige Geisteserkenntnis, von der ich gestern und vorgestern gesprochen habe, ja führen soll zu einer wirklichen Durchdringung, zu einer wirklichen Anschauung der geistigen Welt, die nicht nur für sich ein abgesondertes Dasein führt, sondern die eingreift in alles materielle Geschehen. Wenn wir im Leben dem Menschen gegenüberstehen, so haben wir es gar nicht nur mit dem zu tun, was unsere Augen an ihm wahrnehmen können, was unser Sprachvermögen durch seine Rede zu verstehen vermag, was wir vielleicht sonst an ÄAußerungen, an Offenbarungen seines Wesens durch das gewöhnliche Bewußtsein empfangen können, sondern wir haben es zu tun mit einem geistigen, mit einem spirituellen Wesen, das in ihm lebt, mit einem solchen spirituellen, mit einem solchen übersinnlichen Wesen, das fortwährend eingreift in seine materielle Organisation.
[ 2 ] Mit derjenigen Erkenntnis, welche wir uns erwerben durch unsere gewöhnliche Sinnesanschauung, und durch den Intellekt, der an diese Sinnesanschauung gebunden ist, können wir ja niemals viel von der Welt begreifen. Man gibt sich zwar der Illusion hin, daß man einmal, wenn die Wissenschaft, wie man sagt, vollkommener sein wird, mehr begreifen wird von der Welt durch die Intelligenz, durch die Sinnesbeobachtung und durch das Experiment, als gegenwärtig. Aber wer das ganze Verhältnis des Menschen zur Welt so beurteilen kann, wie es sich ergibt aus den beiden Vorträgen, die ich hier halten durfte, weiß, daß man mit der Sinnesanschauung und mit dem Intellekt nur das Mineralreich begreifen kann. Schon wenn es sich um das Pflanzenreich handelt, muß man sich darüber klar sein, daß ein viel Feineres gesetzmäßig und kraftmäßig aus dem Weltenall eingreift in die Pflanzenwelt, als das, was Verstand und Sinne begreifen können. Noch mehr ist das dann der Fall bei der tierischen, bei der animalischen Welt, und am meisten ist das der Fall beim Menschen. Denn Pflanzen — diese am wenigsten —, Tiere und Menschen, sind auch in ihrer physischen Organisation durchaus so, daß dasjenige, was in ihnen als Kräfte wirkt im Materiellen, so wirkt wie eine ideelle Magie. Und wer glaubt, daß er irgendeinen Vorgang, den er im Laboratorium verfolgt hat, auch in derselben Weise in dem Tiere oder in dem Menschenorganismus verfolgen könne, der täuscht sich gar sehr. Denn mit dem tierischen und menschlichen Organismus wird der rein physikalische Vorgang eingefangen in eine ideelle Magie. Und innerhalb des Menschen verstehen wir dann etwas, wenn wir diese ideelle Magie durchschauen, wenn wir also imstande sind, den Menschen so zu beurteilen, daß wir in ihm gewissermaßen durch seine materiellen Vorgänge hindurch schauen, wie das Spirituelle fortwährend in ihm tätig ist.
[ 2 ] Mit derjenigen Erkenntnis, welche wir uns erwerben durch unsere gewöhnliche Sinnesanschauung, und durch den Intellekt, der an diese Sinnesanschauung gebunden ist, können wir ja niemals viel von der Welt begreifen. Man gibt sich zwar der Illusion hin, daß man einmal, wenn die Wissenschaft, wie man sagt, vollkommener sein wird, mehr begreifen wird von der Welt durch die Intelligenz, durch die Sinnesbeobachtung und durch das Experiment, als gegenwärtig. Aber wer das ganze Verhältnis des Menschen zur Welt so beurteilen kann, wie es sich ergibt aus den beiden Vorträgen, die ich hier halten durfte, weiß, daß man mit der Sinnesanschauung und mit dem Intellekt nur das Mineralreich begreifen kann. Schon wenn es sich um das Pflanzenreich handelt, muß man sich darüber klar sein, daß ein viel Feineres gesetzmäßig und kraftmäßig aus dem Weltenall eingreift in die Pflanzenwelt, als das, was Verstand und Sinne begreifen können. Noch mehr ist das dann der Fall bei der tierischen, bei der animalischen Welt, und am meisten ist das der Fall beim Menschen. Denn Pflanzen — diese am wenigsten —, Tiere und Menschen, sind auch in ihrer physischen Organisation durchaus so, daß dasjenige, was in ihnen als Kräfte wirkt im Materiellen, so wirkt wie eine ideelle Magie. Und wer glaubt, daß er irgendeinen Vorgang, den er im Laboratorium verfolgt hat, auch in derselben Weise in dem Tiere oder in dem Menschenorganismus verfolgen könne, der täuscht sich gar sehr. Denn mit dem tierischen und menschlichen Organismus wird der rein physikalische Vorgang eingefangen in eine ideelle Magie. Und innerhalb des Menschen verstehen wir dann etwas, wenn wir diese ideelle Magie durchschauen, wenn wir also imstande sind, den Menschen so zu beurteilen, daß wir in ihm gewissermaßen durch seine materiellen Vorgänge hindurch schauen, wie das Spirituelle fortwährend in ihm tätig ist.
[ 3 ] Die Einsicht in eine solche spirituelle Magie kann dem Menschen nur kommen durch diejenigen Erkenntnisse, von denen ich gestern und vorgestern hier gesprochen habe. Ich habe zeigen können, daß eine erste Stufe dieser Erkenntnis den Menschen so zeigt, daß er nicht nur im gegenwärtigen Augenblicke zu der Welt ein Verhältnis hat, sondern daß er sich zurückversetzen kann in jenes Lebensalter, das er durchgemacht hat seit seiner irdischen Geburt. Man kann, sagte ich, sich zurückversetzen in die Zeit, da man achtzehn, fünfzehn Jahre alt war, und man erlebt das, was man damals erlebt hat, nicht nur in der schattenhaften Erinnerung, man erlebt es so, daß man mit Intensität und Kraft darinnensteckt, wie man dazumal drinnengesteckt hat. Man wird wiederum fünfzehn-, zwölfjährig und so weiter. Man macht in sich diese geistige Metamorphose durch. Dadurch aber ist man in der Lage, im Menschen einen zweiten Organismus, einen feinen Organismus, den man deshalb ätherisch nennen kann, weil er kein Gewicht hat wie der Raumeskörper, einen solchen feineren Organismus wahrzunehmen. Dieser feinere Organismus ist aber ein Zeitorganismus. Man hat auf einmal in einer Gesamtanschauung dasjenige alles an sich, was diesen ätherischen Organismus als ein Geschehen in der Zeit ausmacht. Aber man weiß, daß man dennoch einen Organismus an sich hat, und man lernt erkennen, daß der Mensch sich in diesem feineren Zeitorganismus so befindet, wie er sich sonst im Raumesorganismus befindet.
[ 3 ] Die Einsicht in eine solche spirituelle Magie kann dem Menschen nur kommen durch diejenigen Erkenntnisse, von denen ich gestern und vorgestern hier gesprochen habe. Ich habe zeigen können, daß eine erste Stufe dieser Erkenntnis den Menschen so zeigt, daß er nicht nur im gegenwärtigen Augenblicke zu der Welt ein Verhältnis hat, sondern daß er sich zurückversetzen kann in jenes Lebensalter, das er durchgemacht hat seit seiner irdischen Geburt. Man kann, sagte ich, sich zurückversetzen in die Zeit, da man achtzehn, fünfzehn Jahre alt war, und man erlebt das, was man damals erlebt hat, nicht nur in der schattenhaften Erinnerung, man erlebt es so, daß man mit Intensität und Kraft darinnensteckt, wie man dazumal drinnengesteckt hat. Man wird wiederum fünfzehn-, zwölfjährig und so weiter. Man macht in sich diese geistige Metamorphose durch. Dadurch aber ist man in der Lage, im Menschen einen zweiten Organismus, einen feinen Organismus, den man deshalb ätherisch nennen kann, weil er kein Gewicht hat wie der Raumeskörper, einen solchen feineren Organismus wahrzunehmen. Dieser feinere Organismus ist aber ein Zeitorganismus. Man hat auf einmal in einer Gesamtanschauung dasjenige alles an sich, was diesen ätherischen Organismus als ein Geschehen in der Zeit ausmacht. Aber man weiß, daß man dennoch einen Organismus an sich hat, und man lernt erkennen, daß der Mensch sich in diesem feineren Zeitorganismus so befindet, wie er sich sonst im Raumesorganismus befindet.
[ 4 ] Wenn man zum Beispiel merkt, daß der Mensch, sagen wir, an einem bestimmten Kopfschmerz leidet, muß man sich sagen können, daß man vielleicht die Heilung von irgendeinem inneren Organ des Leibes aus bewirken muß, daß man durchaus nicht die Heilung bloß gegenüber dem Kopfe vornehmen kann, sondern gegenüber einem Organe, das weit abliegt vom Kopfe. In dem Raumesorganismus, den wir an uns tragen, hängt eben alles zusammen. Aber so ist es auch mit dem ätherischen Zeitorganismus, der ganz besonders regsam ist im frühesten Kindesalter des Menschen, der aber in Beweglichkeit ist durch das ganze Leben hindurch und in dem die Kräfte sind, die zum Beispiel in der folgenden Art wirken: Man nehme an, jemand hat als fünfunddreißigjähriger Mensch die Möglichkeit, einer neuen Lebenssituation entgegenzutreten; wenn er nun dieser Lebenssituation gewachsen ist, so daß er in die Lage kommt, das Richtige zu tun in dieser Lebenssituation, so kann er sich bewußt werden, daß er einmal vielleicht als zwölfjähriges, als achtjähriges Kind, das Wichtigste von dem gelernt hat, was ihm die Möglichkeit bietet, jetzt sich schnell in diese Situation hineinzufinden. Und eine gewisse Freude strahlt aus im fünfunddreißigsten Jahre von dem, was im achten oder im zwölften Jahre durch den Erzieher, durch den Lehrer an das Kind herangetreten ist, weil das, was im achten oder zehnten Jahre im menschlichen Ätherleib vor sich geht durch den Erzieher, durch den Unterricht, geradeso wirkt wie ein Organ, das weit vom Kopfe abliegt, auf die Gesundung des Kopfes wirkt, wenn wir es heilen. So wirkt das im sechsten oder zwölften Jahre Erlebte im fünfunddreißigsten Jahre und später nach und erzeugt eine freudige Stimmung oder eine Depression. Die ganze Lebensverfassung des Menschen noch im spätesten Erwachsenenzustande ist abhängig von dem, was der Erzieher in dem Ätherleibe des Menschen ausbildet, wie das eine Organ des menschlichen Raumesleibes abhängig ist von dem anderen. Wenn man das bedenkt, dann muß man sich sagen: Diejenige Erkenntnis, die herauskommt aus einer Anschauung, wie dieser ätherische Leib sich entwickelt, wie seine einzelnen Tatsachen zusammenhängen, diese Erkenntnis kann erst die richtige Grundlage geben für die erzieherische Behandlung des Menschen. Und wenn man dies, was ich eben ausgesprochen habe, in der richtigen Weise zu Ende denkt, dann sagt man sich: Ja, wie der Maler oder der andere Künstler die Technik lernen muß zu seiner Kunst, so ist es notwendig für den Erzieher, für den Lehrer, daß er sich aneignet eine, und zwar jetzt im ideellsten Sinne gemeinte Technik des Erziehens. Wie der Maler beobachten muß in seiner Art — nicht wie der Laie — die Formen, wie er beobachten muß die Farben und ihre Zusammenstimmungen oder ihre Dissonanzen, und wie er aus der Beobachtung heraus dasjenige gewinnen muß, was dann in die Handhabung der Farben, in die Handhabung des Stiftes hineingeht, wie er sich aneignen muß etwas, was durch seinen ganzen Menschen wirkt, und was beruht auf der Möglichkeit, daß er richtig beobachten kann, so muß der Erzieher, muß der Lehrer dasjenige verwerten können, das die Beobachtung dessen ergibt, was spirituell im Menschen arbeitet und was seinen ganzen Lebenslauf zu einer organischen Einheit macht. Denn das Erziehen kann nicht eine Wissenschaft sein, das Erziehen muß eine Kunst sein. Bei der Kunst muß man sich aneignen: erstens die besondere Beobachtungsgabe; zweitens muß man sich aneignen die Handhabung desjenigen, was man in fortwährender Beobachtung, in fortwährendem Kampfe mit dem Stoffe zu tun hat. So ist die spirituelle Wissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die anthroposophische Geisteswissenschaft, dasjenige, was die Grundlage abgeben kann für eine wirkliche, wahrhaftige Erziehungskunst.
[ 4 ] Wenn man zum Beispiel merkt, daß der Mensch, sagen wir, an einem bestimmten Kopfschmerz leidet, muß man sich sagen können, daß man vielleicht die Heilung von irgendeinem inneren Organ des Leibes aus bewirken muß, daß man durchaus nicht die Heilung bloß gegenüber dem Kopfe vornehmen kann, sondern gegenüber einem Organe, das weit abliegt vom Kopfe. In dem Raumesorganismus, den wir an uns tragen, hängt eben alles zusammen. Aber so ist es auch mit dem ätherischen Zeitorganismus, der ganz besonders regsam ist im frühesten Kindesalter des Menschen, der aber in Beweglichkeit ist durch das ganze Leben hindurch und in dem die Kräfte sind, die zum Beispiel in der folgenden Art wirken: Man nehme an, jemand hat als fünfunddreißigjähriger Mensch die Möglichkeit, einer neuen Lebenssituation entgegenzutreten; wenn er nun dieser Lebenssituation gewachsen ist, so daß er in die Lage kommt, das Richtige zu tun in dieser Lebenssituation, so kann er sich bewußt werden, daß er einmal vielleicht als zwölfjähriges, als achtjähriges Kind, das Wichtigste von dem gelernt hat, was ihm die Möglichkeit bietet, jetzt sich schnell in diese Situation hineinzufinden. Und eine gewisse Freude strahlt aus im fünfunddreißigsten Jahre von dem, was im achten oder im zwölften Jahre durch den Erzieher, durch den Lehrer an das Kind herangetreten ist, weil das, was im achten oder zehnten Jahre im menschlichen Ätherleib vor sich geht durch den Erzieher, durch den Unterricht, geradeso wirkt wie ein Organ, das weit vom Kopfe abliegt, auf die Gesundung des Kopfes wirkt, wenn wir es heilen. So wirkt das im sechsten oder zwölften Jahre Erlebte im fünfunddreißigsten Jahre und später nach und erzeugt eine freudige Stimmung oder eine Depression. Die ganze Lebensverfassung des Menschen noch im spätesten Erwachsenenzustande ist abhängig von dem, was der Erzieher in dem Ätherleibe des Menschen ausbildet, wie das eine Organ des menschlichen Raumesleibes abhängig ist von dem anderen. Wenn man das bedenkt, dann muß man sich sagen: Diejenige Erkenntnis, die herauskommt aus einer Anschauung, wie dieser ätherische Leib sich entwickelt, wie seine einzelnen Tatsachen zusammenhängen, diese Erkenntnis kann erst die richtige Grundlage geben für die erzieherische Behandlung des Menschen. Und wenn man dies, was ich eben ausgesprochen habe, in der richtigen Weise zu Ende denkt, dann sagt man sich: Ja, wie der Maler oder der andere Künstler die Technik lernen muß zu seiner Kunst, so ist es notwendig für den Erzieher, für den Lehrer, daß er sich aneignet eine, und zwar jetzt im ideellsten Sinne gemeinte Technik des Erziehens. Wie der Maler beobachten muß in seiner Art — nicht wie der Laie — die Formen, wie er beobachten muß die Farben und ihre Zusammenstimmungen oder ihre Dissonanzen, und wie er aus der Beobachtung heraus dasjenige gewinnen muß, was dann in die Handhabung der Farben, in die Handhabung des Stiftes hineingeht, wie er sich aneignen muß etwas, was durch seinen ganzen Menschen wirkt, und was beruht auf der Möglichkeit, daß er richtig beobachten kann, so muß der Erzieher, muß der Lehrer dasjenige verwerten können, das die Beobachtung dessen ergibt, was spirituell im Menschen arbeitet und was seinen ganzen Lebenslauf zu einer organischen Einheit macht. Denn das Erziehen kann nicht eine Wissenschaft sein, das Erziehen muß eine Kunst sein. Bei der Kunst muß man sich aneignen: erstens die besondere Beobachtungsgabe; zweitens muß man sich aneignen die Handhabung desjenigen, was man in fortwährender Beobachtung, in fortwährendem Kampfe mit dem Stoffe zu tun hat. So ist die spirituelle Wissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die anthroposophische Geisteswissenschaft, dasjenige, was die Grundlage abgeben kann für eine wirkliche, wahrhaftige Erziehungskunst.
[ 5 ] Sie ist das aber auch noch in einer anderen Beziehung: Wenn das Erziehen wirklich kraftvoll sein soll, so muß es das, was im Menschen aus dem tiefen Inneren seiner Wesenheit als Kindheit sich heraus entwickeln will, in der richtigen Weise pflegen. Es muß diese Erziehungskunst durchaus in der Lage sein, das Kind so zu beurteilen, daß es ihm erscheint, wie wenn es ihm übergeben wäre durch eine göttlich-moralische Mission. Nur das, was uns als Erzieher oder Lehrer innerlich moralisch selber erhebt an der Erziehung, was wie eine religiöse Andacht unser erzieherisches Handeln durchdringt, gibt jene Kraft her, durch die wir in die Lage kommen, neben dem Kinde so zu wirken, daß alle Anlagen, die in ihm liegen, aus ihm heraus entfaltet werden. Mit anderen Worten: jedes Erziehen und Unterrichten muß selber eine moralische Handlung sein, muß durchaus moralischen Impulsen entspringen. Und diese moralischen Impulse müssen angewendet werden auf eine so geartete Menschenerkenntnis und Menschenbeobachtung, wie ich sie eben jetzt charakterisiert habe.
[ 5 ] Sie ist das aber auch noch in einer anderen Beziehung: Wenn das Erziehen wirklich kraftvoll sein soll, so muß es das, was im Menschen aus dem tiefen Inneren seiner Wesenheit als Kindheit sich heraus entwickeln will, in der richtigen Weise pflegen. Es muß diese Erziehungskunst durchaus in der Lage sein, das Kind so zu beurteilen, daß es ihm erscheint, wie wenn es ihm übergeben wäre durch eine göttlich-moralische Mission. Nur das, was uns als Erzieher oder Lehrer innerlich moralisch selber erhebt an der Erziehung, was wie eine religiöse Andacht unser erzieherisches Handeln durchdringt, gibt jene Kraft her, durch die wir in die Lage kommen, neben dem Kinde so zu wirken, daß alle Anlagen, die in ihm liegen, aus ihm heraus entfaltet werden. Mit anderen Worten: jedes Erziehen und Unterrichten muß selber eine moralische Handlung sein, muß durchaus moralischen Impulsen entspringen. Und diese moralischen Impulse müssen angewendet werden auf eine so geartete Menschenerkenntnis und Menschenbeobachtung, wie ich sie eben jetzt charakterisiert habe.
[ 6 ] Wenn wir dies beachten, dann sehen wir allerdings, wie der Mensch in seinem Leben in einer viel deutlicheren Weise gewisse Lebensabschnitte hat, als man das gewöhnlich meint. Gewöhnlich sieht man in einer äußerlichen Weise zum Beispiel das an, daß der Mensch, wenn er so ungefähr im siebenten Lebensjahre steht, die zweiten Zähne bekommt. Man sieht manchmal, welche körperlichen Zustände diesen Zahnwechsel begleiten, aber man sieht nicht genauer hin, welche Verwandlung mit dem Menschen während dieses Zahnwechsels vor sich geht. Derjenige, der richtig zu beurteilen vermag, wie der Mensch vor seinem siebenten Lebensjahre war und wie er nachher ist, der sieht, daß sich nach diesem siebenten Lebensjahre aus den Tiefen des menschlichen Wesens heraus Kräfte entwickeln, die vorher tief im Organismus verborgen waren. Wenn wir die Sache recht ansehen, dann müssen wir uns nämlich das Folgende sagen: Der Zahnwechsel ist ja nicht nur ein einmaliges, plötzliches Ereignis im menschlichen Leben. Der Zahnwechsel, der im siebenten Lebensjahre eintritt, der sich zwar nicht wiederholt, ist aber ein Ereignis, das das ganze Leben von dem Bekommen der ersten Zähne bis zum Zahnwechsel ausfüllt. In der ganzen Zeit drängen und treiben die Kräfte, die zuletzt die zweiten Zähne herausstülpen aus dem Kinde, im menschlichen Organismus. Und im Zahnwechsel ist nur ein Abschluß vorhanden für dasjenige, was in dem ganzen ersten Lebensabschnitt des Kindes wirkt. Nun zahnt ja das Kind nicht wiederum in seinem Leben. Was heißt das? Das heißt, das Kind hat in seinem physischen Organismus bis zum siebenten Lebensjahr Kräfte entwickelt, die es braucht, bis es die zweiten Zähne bekommen hat, die es dann nicht mehr braucht für seinen physischen Organismus, weil es nicht wiederum einem Zahnwechsel unterliegt. Was wird aus diesen Kräften?
[ 6 ] Wenn wir dies beachten, dann sehen wir allerdings, wie der Mensch in seinem Leben in einer viel deutlicheren Weise gewisse Lebensabschnitte hat, als man das gewöhnlich meint. Gewöhnlich sieht man in einer äußerlichen Weise zum Beispiel das an, daß der Mensch, wenn er so ungefähr im siebenten Lebensjahre steht, die zweiten Zähne bekommt. Man sieht manchmal, welche körperlichen Zustände diesen Zahnwechsel begleiten, aber man sieht nicht genauer hin, welche Verwandlung mit dem Menschen während dieses Zahnwechsels vor sich geht. Derjenige, der richtig zu beurteilen vermag, wie der Mensch vor seinem siebenten Lebensjahre war und wie er nachher ist, der sieht, daß sich nach diesem siebenten Lebensjahre aus den Tiefen des menschlichen Wesens heraus Kräfte entwickeln, die vorher tief im Organismus verborgen waren. Wenn wir die Sache recht ansehen, dann müssen wir uns nämlich das Folgende sagen: Der Zahnwechsel ist ja nicht nur ein einmaliges, plötzliches Ereignis im menschlichen Leben. Der Zahnwechsel, der im siebenten Lebensjahre eintritt, der sich zwar nicht wiederholt, ist aber ein Ereignis, das das ganze Leben von dem Bekommen der ersten Zähne bis zum Zahnwechsel ausfüllt. In der ganzen Zeit drängen und treiben die Kräfte, die zuletzt die zweiten Zähne herausstülpen aus dem Kinde, im menschlichen Organismus. Und im Zahnwechsel ist nur ein Abschluß vorhanden für dasjenige, was in dem ganzen ersten Lebensabschnitt des Kindes wirkt. Nun zahnt ja das Kind nicht wiederum in seinem Leben. Was heißt das? Das heißt, das Kind hat in seinem physischen Organismus bis zum siebenten Lebensjahr Kräfte entwickelt, die es braucht, bis es die zweiten Zähne bekommen hat, die es dann nicht mehr braucht für seinen physischen Organismus, weil es nicht wiederum einem Zahnwechsel unterliegt. Was wird aus diesen Kräften?
[ 7 ] Diese Kräfte erkennen wir wiederum, wenn wir mit einer übersinnlichen Erkenntnis den Menschen ansehen können, in dem veränderten Seelenleben des Kindes zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife; dieses Seelenleben wird anders. Es gliedert sich eine andere Art von Gedächtnishaftem der Seele ein. Das Kind richtet sich in anderer Weise zu seiner Umgebung. Und wenn wir geistig, spirituell, nicht bloß physisch zu beobachten verstehen, dann stellt sich die Sache so dar, daß wir uns sagen müssen: Dasjenige, was wir in der Seele des Kindes vom ungefähr siebenten bis vierzehnten Jahre sehen, das war vorher in seinem physischen Organismus, war also noch eine Betätigung, die zusammenhängt, die ein einzelnes Glied hat in dem Zahnwechsel, die aber viele Vorgänge in dem menschlichen Organismus bewirkt, und die nunmehr mit dem siebenten Jahre aufhört in physischer Weise tätig zu sein und beginnt, seelisch tätig zu sein. Wir können also sagen: Willst du dasjenige beurteilen, was als besondere Kräfte im Seelischen des Kindes zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife wirkt, so mußt du hinschauen auf das, was physisch in dem Kinde vorgeht von seiner Geburt bis zum Zahnwechsel. Da arbeiten die seelischen Kräfte, die dann noch im physischen Organismus sich als seelisch-geistig offenbaren. Und die Folge davon ist, daß das Kind, wenn wir es richtig betrachten — am meisten solange es noch ein Säugling ist, aber auch noch in einer gewissen Weise bis zum Zahnwechsel hin —, in einer feineren, nicht in einer groben Art ganz Sinnesorgan ist. In einer feineren Art, möchte ich sagen, ist das Kind ganz eine Art von tastendem Auge. Wie das Auge, indem es die Gegenstände um sich her sieht, innerlich nachbildet dasjenige, was draußen ist, so daB der Mensch ein innerliches Bild von dem hat, was die Gegenstände draußen darstellen, wie das Auge ein innerliches Bild hat, so hat das Kind in seinem frühesten Lebensabschnitte zwar kein Sehbild, aber ein anderes Wahrnehmungsbild. Es ist ganz Sinnesorgan, wenn ich mich so ausdrücken darf. Ich möchte das anschaulich so aussprechen: Nehmen wir den Säugling. Wir als erwachsene Menschen haben unseren Geschmack auf der Zunge und im Gaumen, und das Kind — das zeigt uns die spirituelle Wissenschaft, von der ich Ihnen hier in diesen Tagen gesprochen habe — hat einen Anflug von Geschmack durch den ganzen Organismus hindurch: es ist ganz Geschmacksorgan. Es ist auch noch ganz Geruchsorgan, auch ganz in einer gewissen innerlichen Beziehung innerliches Tastorgan. Also es hat seine ganze Organisation eine sinnesgemäße Natur, und diese sinnesgemäße Natur strahlt im ganzen Organismus des Kindes aus. Dadurch ist das Kind bis zum siebenten Jahre dazu veranlagt, alles dasjenige, was in seiner Umgebung vorgeht, innerlich nachzubilden und sich selber danach zu entfalten. Wer mit demjenigen Sinne, der feiner organisiert wird, wenn man zugleich geisteswissenschaftlich erkennen kann, ein Kind betrachtet, wie es jede Geste, die derjenige, der in seiner Umgebung ist, macht, auf sich bezieht, innerlich nachbildet und sie selbst darstellen will, wie das Kind so ganz in dem lebt, was die Menschen seiner Umgebung tun, der sieht, wie das Kind ein nachahmendes Wesen bis zum Zahnwechsel ist. Und aus dieser Nachahmung geht ja dasjenige hervor, was die wesentlichste Gabe ist für das erste Lebensalter des Kindes. Es geht die menschliche Sprache hervor, die ganz allein darauf beruht, daß das Kind in das sich hineinlebt, was die Menschen seiner Umgebung sind und tun, und durch Nachahmung, indem es innerlich sich anpaßt an das, was in seiner Umgebung geschieht, die Sprache ausbildet. Wir können daher, wenn wir als Erzieher neben dem kleinen Kinde in seiner ersten Lebensepoche stehen, nicht anders, als mit diesem nachahmenden Prinzip als dem allerwichtigsten in der Erziehung rechnen. Und man muß sich dann sagen: Wir können das ganz kleine Kind nur dadurch erziehen, daß wir in seiner Umgebung jene Tätigkeiten und Vorgänge hervorrufen, die das Kind nachmachen soll, damit es stark an Geist, Seele und Leib werde. Denn das, was sich da nicht nur seinem Geist und seiner Seele, sondern auch seinem Leibe einpflanzt, wie sich innerlich die Organe verstärken, das bleibt als eine Konstitution das ganze Leben hindurch. Wie ich mich neben einem Kinde von vier Jahren benehme, daran hat das Kind bis in sein sechzigstes Jahr hinauf in seinem Leben zu tragen; so daß es mein Verhalten neben ihm im spätesten Lebensalter als sein Schicksal empfindet.
[ 7 ] Diese Kräfte erkennen wir wiederum, wenn wir mit einer übersinnlichen Erkenntnis den Menschen ansehen können, in dem veränderten Seelenleben des Kindes zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife; dieses Seelenleben wird anders. Es gliedert sich eine andere Art von Gedächtnishaftem der Seele ein. Das Kind richtet sich in anderer Weise zu seiner Umgebung. Und wenn wir geistig, spirituell, nicht bloß physisch zu beobachten verstehen, dann stellt sich die Sache so dar, daß wir uns sagen müssen: Dasjenige, was wir in der Seele des Kindes vom ungefähr siebenten bis vierzehnten Jahre sehen, das war vorher in seinem physischen Organismus, war also noch eine Betätigung, die zusammenhängt, die ein einzelnes Glied hat in dem Zahnwechsel, die aber viele Vorgänge in dem menschlichen Organismus bewirkt, und die nunmehr mit dem siebenten Jahre aufhört in physischer Weise tätig zu sein und beginnt, seelisch tätig zu sein. Wir können also sagen: Willst du dasjenige beurteilen, was als besondere Kräfte im Seelischen des Kindes zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife wirkt, so mußt du hinschauen auf das, was physisch in dem Kinde vorgeht von seiner Geburt bis zum Zahnwechsel. Da arbeiten die seelischen Kräfte, die dann noch im physischen Organismus sich als seelisch-geistig offenbaren. Und die Folge davon ist, daß das Kind, wenn wir es richtig betrachten — am meisten solange es noch ein Säugling ist, aber auch noch in einer gewissen Weise bis zum Zahnwechsel hin —, in einer feineren, nicht in einer groben Art ganz Sinnesorgan ist. In einer feineren Art, möchte ich sagen, ist das Kind ganz eine Art von tastendem Auge. Wie das Auge, indem es die Gegenstände um sich her sieht, innerlich nachbildet dasjenige, was draußen ist, so daB der Mensch ein innerliches Bild von dem hat, was die Gegenstände draußen darstellen, wie das Auge ein innerliches Bild hat, so hat das Kind in seinem frühesten Lebensabschnitte zwar kein Sehbild, aber ein anderes Wahrnehmungsbild. Es ist ganz Sinnesorgan, wenn ich mich so ausdrücken darf. Ich möchte das anschaulich so aussprechen: Nehmen wir den Säugling. Wir als erwachsene Menschen haben unseren Geschmack auf der Zunge und im Gaumen, und das Kind — das zeigt uns die spirituelle Wissenschaft, von der ich Ihnen hier in diesen Tagen gesprochen habe — hat einen Anflug von Geschmack durch den ganzen Organismus hindurch: es ist ganz Geschmacksorgan. Es ist auch noch ganz Geruchsorgan, auch ganz in einer gewissen innerlichen Beziehung innerliches Tastorgan. Also es hat seine ganze Organisation eine sinnesgemäße Natur, und diese sinnesgemäße Natur strahlt im ganzen Organismus des Kindes aus. Dadurch ist das Kind bis zum siebenten Jahre dazu veranlagt, alles dasjenige, was in seiner Umgebung vorgeht, innerlich nachzubilden und sich selber danach zu entfalten. Wer mit demjenigen Sinne, der feiner organisiert wird, wenn man zugleich geisteswissenschaftlich erkennen kann, ein Kind betrachtet, wie es jede Geste, die derjenige, der in seiner Umgebung ist, macht, auf sich bezieht, innerlich nachbildet und sie selbst darstellen will, wie das Kind so ganz in dem lebt, was die Menschen seiner Umgebung tun, der sieht, wie das Kind ein nachahmendes Wesen bis zum Zahnwechsel ist. Und aus dieser Nachahmung geht ja dasjenige hervor, was die wesentlichste Gabe ist für das erste Lebensalter des Kindes. Es geht die menschliche Sprache hervor, die ganz allein darauf beruht, daß das Kind in das sich hineinlebt, was die Menschen seiner Umgebung sind und tun, und durch Nachahmung, indem es innerlich sich anpaßt an das, was in seiner Umgebung geschieht, die Sprache ausbildet. Wir können daher, wenn wir als Erzieher neben dem kleinen Kinde in seiner ersten Lebensepoche stehen, nicht anders, als mit diesem nachahmenden Prinzip als dem allerwichtigsten in der Erziehung rechnen. Und man muß sich dann sagen: Wir können das ganz kleine Kind nur dadurch erziehen, daß wir in seiner Umgebung jene Tätigkeiten und Vorgänge hervorrufen, die das Kind nachmachen soll, damit es stark an Geist, Seele und Leib werde. Denn das, was sich da nicht nur seinem Geist und seiner Seele, sondern auch seinem Leibe einpflanzt, wie sich innerlich die Organe verstärken, das bleibt als eine Konstitution das ganze Leben hindurch. Wie ich mich neben einem Kinde von vier Jahren benehme, daran hat das Kind bis in sein sechzigstes Jahr hinauf in seinem Leben zu tragen; so daß es mein Verhalten neben ihm im spätesten Lebensalter als sein Schicksal empfindet.
[ 8 ] Wir können dies etwa durch ein solches Beispiel erörtern: es kommen zu einem, wenn man mit solchen Dingen zu tun hat, Menschen, die sagen einem zum Beispiel das Folgende: Ach, mein Kind war immer ein braves Kind, es hat niemals etwas Unrechtes getan, und nun verfällt mir mein Kind in ein furchtbares Unrecht! — Frägt man genauer nach, was geschehen sei, erfährt man zum Beispiel: Ja, es hat der Mutter Geld gestohlen. — Wenn man in diesen Dingen bewandert ist, frägt man zunächst: Ja, wie alt ist das Kind? — Fünf Jahre! — Es ist also in erster Linie in ihm noch das nachahmende Prinzip in Tätigkeit. Man bekommt heraus: das Kind hat jeden Tag gesehen, daß die Mutter aus dem Schrank Geld nimmt; das ahmt es nach, hat überhaupt noch nicht irgendwie einen Impuls von Gut und Böse, sondern es hat nur den Impuls, dasjenige zu tun, was in seiner Umgebung getan wird. Wenn wir glauben, daß man mit Geboten von Gutem und Bösem an dem Kinde irgend etwas machen könne, geben wir uns der stärksten Illusion hin. Durch das, wodurch wir erziehen können, bewirken wir nur etwas, wenn wir vor das Kind hinstellen das Vorbild, das es nachahmen kann. Das geht bis in die Gedanken hinein. Oh, zwischen demjenigen, der erziehen soll, und dem Kinde, ist ein feiner, innerlicher geistiger Zusammenhang! Und wir sollten uns selbst in der Nähe des Kindes befleiRigen, nur diejenigen Gedanken und Empfindungen zu haben, welche auch von dem Kinde innerlich als Gedanken und Empfindungen nachgeahmt werden können. Denn, sehen Sie, es ist eben das Kind seelisch ganz Sinn, und es nimmt in den feinsten Regungen, von denen sich unsere Erwachsenensinne gar nichts träumen lassen, dasjenige wahr, was in seiner Umgebung vorgeht.
[ 8 ] Wir können dies etwa durch ein solches Beispiel erörtern: es kommen zu einem, wenn man mit solchen Dingen zu tun hat, Menschen, die sagen einem zum Beispiel das Folgende: Ach, mein Kind war immer ein braves Kind, es hat niemals etwas Unrechtes getan, und nun verfällt mir mein Kind in ein furchtbares Unrecht! — Frägt man genauer nach, was geschehen sei, erfährt man zum Beispiel: Ja, es hat der Mutter Geld gestohlen. — Wenn man in diesen Dingen bewandert ist, frägt man zunächst: Ja, wie alt ist das Kind? — Fünf Jahre! — Es ist also in erster Linie in ihm noch das nachahmende Prinzip in Tätigkeit. Man bekommt heraus: das Kind hat jeden Tag gesehen, daß die Mutter aus dem Schrank Geld nimmt; das ahmt es nach, hat überhaupt noch nicht irgendwie einen Impuls von Gut und Böse, sondern es hat nur den Impuls, dasjenige zu tun, was in seiner Umgebung getan wird. Wenn wir glauben, daß man mit Geboten von Gutem und Bösem an dem Kinde irgend etwas machen könne, geben wir uns der stärksten Illusion hin. Durch das, wodurch wir erziehen können, bewirken wir nur etwas, wenn wir vor das Kind hinstellen das Vorbild, das es nachahmen kann. Das geht bis in die Gedanken hinein. Oh, zwischen demjenigen, der erziehen soll, und dem Kinde, ist ein feiner, innerlicher geistiger Zusammenhang! Und wir sollten uns selbst in der Nähe des Kindes befleiRigen, nur diejenigen Gedanken und Empfindungen zu haben, welche auch von dem Kinde innerlich als Gedanken und Empfindungen nachgeahmt werden können. Denn, sehen Sie, es ist eben das Kind seelisch ganz Sinn, und es nimmt in den feinsten Regungen, von denen sich unsere Erwachsenensinne gar nichts träumen lassen, dasjenige wahr, was in seiner Umgebung vorgeht.
[ 9 ] Indem das Kind den Zahnwechsel durchgemacht hat, sind diejenigen Kräfte, die vorher tief in seinem Organismus drinnen sitzen, seelische Kräfte geworden. Nun kann es, während es früher hingegeben war seiner Umgebung, auch als Seele der Seele gegenüberstehen, in einer solchen Empfindung, die jetzt gegenüber dem bloßen Nachahmen ein Sich-Fügen der selbstverständlichen Autorität ist. Wir haben wirklich dieses, daß wir in den ersten Kindesjahren bis zum Zahnwechsel so sind, daß wir uns ganz verbinden möchten mit der Umgebung und uns ganz hingeben möchten an die Umgebung. Das ist, ich möchte sagen, das physische Gegenbild der religiösen Empfindung. Die religiöse Empfindung, die gibt sich im Geiste hin an den Geist; das Kind gibt sich mit seinem Körper hin seiner physischen Umgebung. Es ist das physische Korrelat, das physische Gegenbild des Religiösen.
[ 9 ] Indem das Kind den Zahnwechsel durchgemacht hat, sind diejenigen Kräfte, die vorher tief in seinem Organismus drinnen sitzen, seelische Kräfte geworden. Nun kann es, während es früher hingegeben war seiner Umgebung, auch als Seele der Seele gegenüberstehen, in einer solchen Empfindung, die jetzt gegenüber dem bloßen Nachahmen ein Sich-Fügen der selbstverständlichen Autorität ist. Wir haben wirklich dieses, daß wir in den ersten Kindesjahren bis zum Zahnwechsel so sind, daß wir uns ganz verbinden möchten mit der Umgebung und uns ganz hingeben möchten an die Umgebung. Das ist, ich möchte sagen, das physische Gegenbild der religiösen Empfindung. Die religiöse Empfindung, die gibt sich im Geiste hin an den Geist; das Kind gibt sich mit seinem Körper hin seiner physischen Umgebung. Es ist das physische Korrelat, das physische Gegenbild des Religiösen.
[ 10 ] Wenn das Kind dann das siebente Jahr überschritten hat, dann gibt es sich nicht mit seinem Körper hin seiner physischen Umgebung, sondern mit seiner Seele der Seele. Der Lehrer tritt an seine Seite, und es ist notwendig für das Kind, daß es den Lehrer ansieht als eine Quelle alles dessen, was für es Gut und Böse ist, daß es jetzt ebensoviel gibt auf das, was der Lehrer sagt und an ihm heranerzieht, wie es früher auf die Geste, auf die äußere Betätigung in der Umgebung gegeben hat. Und jetzt tritt nun bei dem Kinde zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre ungefähr der Drang auf, sich einer selbstverständlichen Autorität hinzugeben, so daß das Kind werden will, wie diese Autorität ist. Die Liebe zu dieser selbstverständlichen Autorität, das Hinhorchen auf sie, das ist jetzt ebenso Prinzip, wie es früher die Nachahmung war.
[ 10 ] Wenn das Kind dann das siebente Jahr überschritten hat, dann gibt es sich nicht mit seinem Körper hin seiner physischen Umgebung, sondern mit seiner Seele der Seele. Der Lehrer tritt an seine Seite, und es ist notwendig für das Kind, daß es den Lehrer ansieht als eine Quelle alles dessen, was für es Gut und Böse ist, daß es jetzt ebensoviel gibt auf das, was der Lehrer sagt und an ihm heranerzieht, wie es früher auf die Geste, auf die äußere Betätigung in der Umgebung gegeben hat. Und jetzt tritt nun bei dem Kinde zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre ungefähr der Drang auf, sich einer selbstverständlichen Autorität hinzugeben, so daß das Kind werden will, wie diese Autorität ist. Die Liebe zu dieser selbstverständlichen Autorität, das Hinhorchen auf sie, das ist jetzt ebenso Prinzip, wie es früher die Nachahmung war.
[ 11 ] Wer, wie ich, in dem Beginn der neunziger Jahre eine «Philosophie der Freiheit» geschrieben hat, dem werden Sie nicht zutrauen, daß er hier für irgendein unberechtigtes Autoritätsprinzip eintritt. Was ich meine, ist: daß es wie ein Naturgesetz im menschlichen Leben ist, wenn zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre ungefähr der Mensch dem Lehrenden, dem Erziehenden so gegenüberstehen muß, daß für ihn nicht intellektuell gilt: das ist gut, das ist wahr, das ist böse, das ist falsch oder häßlich, sondern daß für ihn gilt: das ist gut, weil der Lehrer, weil der Erzieher es für gut findet; das ist schön, weil der Erzieher es schön findet. Alle Weltengeheimnisse müssen auf dem Umwege des geliebten Lehrers oder Erziehers an das Kind herankommen. Das ist das Prinzip der menschlichen Entwickelung ungefähr zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre. So daß wir sagen können, das Kind ist durchdrungen in seiner ersten Lebensepoche wie von einem ins Physische umgesetzten religiösen Hingegebensein an die Umgebung. Das Kind ist durchdrungen von seinem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife von einem ästhetischen Auffassen der Umgebung, einem ästhetischen, von Liebe durchdrungenen Auffassen der Umgebung. Es verlangt, daß ihm gefalle dasjenige, was ihm der Lehrer, der Erzieher gegenüberstellt und daß ihm mißfalle das, was dieser von ihm abhalten will. In die innere Anschauung soll das hineingehen, was erzieherisch wirken soll in diesem Lebensalter. So müssen wir sagen: Vorbild muß der Lehrer und Erzieher sein für die erste Lebensepoche, Autorität im edelsten Sinne, selbstverständliche Autorität, die er durch sein Wesen, durch seinen Charakter sein kann, soll er sein in der zweiten Lebensepoche. Dann tragen wir als Lehrer schon das in uns, wodurch sich das Kind neben uns, man möchte schon sagen, in der richtigen Weise selbst erzieht. Das Wichtige in der Selbsterziehung ist die moralische Erziehung. Von der werde ich gleich nachher zu sprechen beginnen, wenn der erste Teil übersetzt sein wird.
[ 11 ] Wer, wie ich, in dem Beginn der neunziger Jahre eine «Philosophie der Freiheit» geschrieben hat, dem werden Sie nicht zutrauen, daß er hier für irgendein unberechtigtes Autoritätsprinzip eintritt. Was ich meine, ist: daß es wie ein Naturgesetz im menschlichen Leben ist, wenn zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre ungefähr der Mensch dem Lehrenden, dem Erziehenden so gegenüberstehen muß, daß für ihn nicht intellektuell gilt: das ist gut, das ist wahr, das ist böse, das ist falsch oder häßlich, sondern daß für ihn gilt: das ist gut, weil der Lehrer, weil der Erzieher es für gut findet; das ist schön, weil der Erzieher es schön findet. Alle Weltengeheimnisse müssen auf dem Umwege des geliebten Lehrers oder Erziehers an das Kind herankommen. Das ist das Prinzip der menschlichen Entwickelung ungefähr zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre. So daß wir sagen können, das Kind ist durchdrungen in seiner ersten Lebensepoche wie von einem ins Physische umgesetzten religiösen Hingegebensein an die Umgebung. Das Kind ist durchdrungen von seinem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife von einem ästhetischen Auffassen der Umgebung, einem ästhetischen, von Liebe durchdrungenen Auffassen der Umgebung. Es verlangt, daß ihm gefalle dasjenige, was ihm der Lehrer, der Erzieher gegenüberstellt und daß ihm mißfalle das, was dieser von ihm abhalten will. In die innere Anschauung soll das hineingehen, was erzieherisch wirken soll in diesem Lebensalter. So müssen wir sagen: Vorbild muß der Lehrer und Erzieher sein für die erste Lebensepoche, Autorität im edelsten Sinne, selbstverständliche Autorität, die er durch sein Wesen, durch seinen Charakter sein kann, soll er sein in der zweiten Lebensepoche. Dann tragen wir als Lehrer schon das in uns, wodurch sich das Kind neben uns, man möchte schon sagen, in der richtigen Weise selbst erzieht. Das Wichtige in der Selbsterziehung ist die moralische Erziehung. Von der werde ich gleich nachher zu sprechen beginnen, wenn der erste Teil übersetzt sein wird.
[ 12 ] Wenn man sagen kann, daß das Kind bis zu seinem siebenten Jahr ganz Sinnesorgan ist, so muß man es nach dem Zahnwechsel, nach dem siebenten Jahre so ansehen, daß das Prinzip der sinnlichen Auffassung mehr an die Oberfläche der Menschenorganisation getreten ist und sich zurückgezogen hat von dem Inneren. Aber es ist bei dem Kinde noch so, daß Sinneseindrücke noch nicht in die Sinnesorgane hinein ordnend, regulierend eingreifen können. Und so sehen wir, daß das Kind vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife das an sich hat, daß es seiner gesamten Sinnesorganisation seelisch hingegeben sein will, daß es aber noch nicht von innen heraus mit dem Willen teilnimmt an dieser Sinnesorganisation. Das Teilnehmen von innen an der Sinnesorganisation macht intellektuelle Menschen. Solche intellektuelle Menschen werden wir erst nach der Geschlechtsreife. Eigentlich sind wir erst dann in der richtigen Weise dazu veranlagt, die Welt nach dem Intellekt zu beurteilen. Denn intellektuell beurteilen heißt, persönlich, aus der inneren Freiheit heraus urteilen. Das eignen wir uns erst an, wenn wir die Epoche der Geschlechtsreife angetreten haben. Das aber macht notwendig, daß wir das Kind im schulpflichtigen Alter, also vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, nicht in intellektualistischer Weise erziehen, daß wir es auch nicht moralisch-intellektuell erziehen. Das Kind will in den ersten sieben Lebensjahren in der äußeren sinnlichen Wirklichkeit das vor sich haben, was es nachahmen kann. Das Kind will dann nach dem siebenten Jahre von seiner Erzieherautorität hören, was es tun kann und was es nicht tun kann, was es für wahr halten soll, oder nicht für wahr halten soll, für unrecht und so weiter.
[ 12 ] Wenn man sagen kann, daß das Kind bis zu seinem siebenten Jahr ganz Sinnesorgan ist, so muß man es nach dem Zahnwechsel, nach dem siebenten Jahre so ansehen, daß das Prinzip der sinnlichen Auffassung mehr an die Oberfläche der Menschenorganisation getreten ist und sich zurückgezogen hat von dem Inneren. Aber es ist bei dem Kinde noch so, daß Sinneseindrücke noch nicht in die Sinnesorgane hinein ordnend, regulierend eingreifen können. Und so sehen wir, daß das Kind vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife das an sich hat, daß es seiner gesamten Sinnesorganisation seelisch hingegeben sein will, daß es aber noch nicht von innen heraus mit dem Willen teilnimmt an dieser Sinnesorganisation. Das Teilnehmen von innen an der Sinnesorganisation macht intellektuelle Menschen. Solche intellektuelle Menschen werden wir erst nach der Geschlechtsreife. Eigentlich sind wir erst dann in der richtigen Weise dazu veranlagt, die Welt nach dem Intellekt zu beurteilen. Denn intellektuell beurteilen heißt, persönlich, aus der inneren Freiheit heraus urteilen. Das eignen wir uns erst an, wenn wir die Epoche der Geschlechtsreife angetreten haben. Das aber macht notwendig, daß wir das Kind im schulpflichtigen Alter, also vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, nicht in intellektualistischer Weise erziehen, daß wir es auch nicht moralisch-intellektuell erziehen. Das Kind will in den ersten sieben Lebensjahren in der äußeren sinnlichen Wirklichkeit das vor sich haben, was es nachahmen kann. Das Kind will dann nach dem siebenten Jahre von seiner Erzieherautorität hören, was es tun kann und was es nicht tun kann, was es für wahr halten soll, oder nicht für wahr halten soll, für unrecht und so weiter.
[ 13 ] Nun aber beginnt so zwischen dem neunten und zehnten Jahre sich etwas außerordentlich Wichtiges in dem Kinde zu regen. Der Erzieher, der wirklich ein Menschenbeobachter ist, weiß, daß das Kind irgendeinmal zwischen dem neunten und zehnten Jahre ganz besonders stark etwas braucht. Das Kind hat zwar nicht intellektualistische Zweifel, aber es hat eine innerliche Unruhe, es hat etwas von dem, was eine innerliche Frage, möchte ich sagen, in kindlicher Art an das Schicksal ist, was es nicht aussprechen kann, was es auch noch nicht auszusprechen braucht; aber es empfindet es halbtraumhaft, halb unbewußt. Man soll nur einmal mit dem richtigen Erzieherblicke gesehen haben, wie die Kinder gerade an dieses Lebensalter herankommen. Sie wissen genau: von dem Erzieher, zu dem sie mit Liebe hinaufschauen, wollen sie etwas ganz Besonderes. Man kann ihnen gewöhnlich das auch nicht so beantworten, daß man ihnen eine intellektualistische Frage beantwortet. Es handelt sich vielmehr darum, daß sich gerade in diesem Lebensalter ein besonders intensives und intimes Vertrauensverhältnis herausbilde, daß man in dem Kinde die Meinung hervorrufe: man spricht in diesem Lebensalter ganz besonders viel zu ihm, man ist ganz besonders lieb zu ihm. In diesem Empfangen der Liebe, in diesem Vertrauenfassen zu dem Erzieher, liegt die Beantwortung einer kindlichen Lebensfrage von der allergrößten Bedeutung. Denn, worinnen besteht diese Lebensfrage? — Wie gesagt, das Kind stellt sie nicht mit dem Verstand, es stellt sie mit dem Gefühl, mit dem ganzen unterbewußten Menschen. Aber wir können sie formulieren und es formuliert nicht. Da müssen wir sagen: bis zu diesem Lebensalter hat das Kind naiv, ohne weiteres die Autorität des geliebten Erziehers hingenommen. Jetzt ist in ihm das Bedürfnis erwacht: Gut und Böse noch in einer neuen Weise zu empfinden, so wie wenn sie in der Welt als Kräfte vorhanden wären. Bisher schaute es gewissermaßen auf zum Erzieher; jetzt möchte es durch den Erzieher durchschauen und sich sagen können: dieser Erzieher ist nicht nur der Mensch, der da sagt, es ist etwas gut oder böse, sondern dieser Erzieher sagt es, weil er ein Geistesbote ist, ein Gottesbote, er weiß es aus höheren Welten. — Wie gesagt, das Kind sagt es sich nicht durch den Verstand, aber es fühlt das. Und seine besondere Frage, die auch gefühlsmäßig auftaucht, die sagt einem: das und das eignet sich für dieses Kind. So daß sich wirklich zeigt: es wurzelt in einem 'Tieferen das, wovon man sagt, es sei gut oder böse, wahr oder falsch. Dann faßt das Kind neues Vertrauen.
[ 13 ] Nun aber beginnt so zwischen dem neunten und zehnten Jahre sich etwas außerordentlich Wichtiges in dem Kinde zu regen. Der Erzieher, der wirklich ein Menschenbeobachter ist, weiß, daß das Kind irgendeinmal zwischen dem neunten und zehnten Jahre ganz besonders stark etwas braucht. Das Kind hat zwar nicht intellektualistische Zweifel, aber es hat eine innerliche Unruhe, es hat etwas von dem, was eine innerliche Frage, möchte ich sagen, in kindlicher Art an das Schicksal ist, was es nicht aussprechen kann, was es auch noch nicht auszusprechen braucht; aber es empfindet es halbtraumhaft, halb unbewußt. Man soll nur einmal mit dem richtigen Erzieherblicke gesehen haben, wie die Kinder gerade an dieses Lebensalter herankommen. Sie wissen genau: von dem Erzieher, zu dem sie mit Liebe hinaufschauen, wollen sie etwas ganz Besonderes. Man kann ihnen gewöhnlich das auch nicht so beantworten, daß man ihnen eine intellektualistische Frage beantwortet. Es handelt sich vielmehr darum, daß sich gerade in diesem Lebensalter ein besonders intensives und intimes Vertrauensverhältnis herausbilde, daß man in dem Kinde die Meinung hervorrufe: man spricht in diesem Lebensalter ganz besonders viel zu ihm, man ist ganz besonders lieb zu ihm. In diesem Empfangen der Liebe, in diesem Vertrauenfassen zu dem Erzieher, liegt die Beantwortung einer kindlichen Lebensfrage von der allergrößten Bedeutung. Denn, worinnen besteht diese Lebensfrage? — Wie gesagt, das Kind stellt sie nicht mit dem Verstand, es stellt sie mit dem Gefühl, mit dem ganzen unterbewußten Menschen. Aber wir können sie formulieren und es formuliert nicht. Da müssen wir sagen: bis zu diesem Lebensalter hat das Kind naiv, ohne weiteres die Autorität des geliebten Erziehers hingenommen. Jetzt ist in ihm das Bedürfnis erwacht: Gut und Böse noch in einer neuen Weise zu empfinden, so wie wenn sie in der Welt als Kräfte vorhanden wären. Bisher schaute es gewissermaßen auf zum Erzieher; jetzt möchte es durch den Erzieher durchschauen und sich sagen können: dieser Erzieher ist nicht nur der Mensch, der da sagt, es ist etwas gut oder böse, sondern dieser Erzieher sagt es, weil er ein Geistesbote ist, ein Gottesbote, er weiß es aus höheren Welten. — Wie gesagt, das Kind sagt es sich nicht durch den Verstand, aber es fühlt das. Und seine besondere Frage, die auch gefühlsmäßig auftaucht, die sagt einem: das und das eignet sich für dieses Kind. So daß sich wirklich zeigt: es wurzelt in einem 'Tieferen das, wovon man sagt, es sei gut oder böse, wahr oder falsch. Dann faßt das Kind neues Vertrauen.
[ 14 ] Das ist aber auch der Zeitpunkt, wo man mit der moralischen Erziehung zu etwas anderem übergehen kann als zu der bloßen Nachahmung, oder daß wir sagen, etwas sei gut oder böse. Es ist dieser Zeitpunkt zwischen dem neunten und zehnten Jahr derjenige, wo man anfangen kann, dem Kinde in bildhafter Weise — denn es ist ganz seinen Sinnen, ohne den Intellekt hingegeben — das Moralische vorzuführen. Man muß überhaupt in dem ganzen schulpflichtigen Alter zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife das Kind bildhaft erziehen, durch Bilder erziehen, durch Bilder für alle Sinne. Denn wenn es auch nicht mehr ganz Sinn ist, so lebt es doch in seinen Sinnen, die sich jetzt an seiner Körperoberfläche offenbaren. Wie man das Kind von sieben oder sechs Jahren an im allgemeinen durch Lesen oder Schreiben zu erziehen hat, das werde ich morgen in dem Abendvortrag im besonderen auszuführen haben. Jetzt möchte ich nur eingehen auf die moralische Seite der Erziehung.
[ 14 ] Das ist aber auch der Zeitpunkt, wo man mit der moralischen Erziehung zu etwas anderem übergehen kann als zu der bloßen Nachahmung, oder daß wir sagen, etwas sei gut oder böse. Es ist dieser Zeitpunkt zwischen dem neunten und zehnten Jahr derjenige, wo man anfangen kann, dem Kinde in bildhafter Weise — denn es ist ganz seinen Sinnen, ohne den Intellekt hingegeben — das Moralische vorzuführen. Man muß überhaupt in dem ganzen schulpflichtigen Alter zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife das Kind bildhaft erziehen, durch Bilder erziehen, durch Bilder für alle Sinne. Denn wenn es auch nicht mehr ganz Sinn ist, so lebt es doch in seinen Sinnen, die sich jetzt an seiner Körperoberfläche offenbaren. Wie man das Kind von sieben oder sechs Jahren an im allgemeinen durch Lesen oder Schreiben zu erziehen hat, das werde ich morgen in dem Abendvortrag im besonderen auszuführen haben. Jetzt möchte ich nur eingehen auf die moralische Seite der Erziehung.
[ 15 ] Wenn das Kind angelangt ist bei diesem Zeitpunkt zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre, dann dürfen wir beginnen, ihm vorzuführen Bilder, die seine Phantasie vor allen Dingen anregen, Bilder von guten Menschen, Bilder von solchen Menschen, die in ihm ein Gefühl, eine Sympathie mit dem, was diese Menschen tun, hervorrufen. Merken Sie wohl, ich sage nicht, man soll dem Kinde sittliche Gebote vordozieren; ich sage nicht, man soll mit dem moralischen Urteil an den Intellekt herangehen. — Man soll an das Ästhetische, an die Phantasie herangehen. Man soll ein Gefallen oder Mißfallen auch an dem Guten oder dem Schlimmen, an dem Rechten oder Unrechten wecken, an dem Erhabenen, an der sittlichen Tat, oder auch an dem in der Welt herbeigeführten Ausgleich für unrichtige Handlungen. Hat man vorher sich selber hinzustellen gehabt vor das Kind, um ein sittlicher Regulator zu sein, so hat man jetzt Bilder hinzuzufügen, Bilder, die nun nicht mehr auf etwas anderes wirken als auf die in dem Sinnenwesen sich auslebende Phantasie. So soll das Kind zunächst bis zur Geschlechtsreife hin aufnehmen die Moralität als Gefühl. Es soll fest werden in dem Gefühlsurteil: Das ist etwas, womit ich Sympathie habe, das Gute; das ist etwas, wogegen ich Antipathie habe, das Böse. — Sympathien und Antipathien, Gefühlsurteile, sollen die Grundlage des Moralischen ausmachen.
[ 15 ] Wenn das Kind angelangt ist bei diesem Zeitpunkt zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre, dann dürfen wir beginnen, ihm vorzuführen Bilder, die seine Phantasie vor allen Dingen anregen, Bilder von guten Menschen, Bilder von solchen Menschen, die in ihm ein Gefühl, eine Sympathie mit dem, was diese Menschen tun, hervorrufen. Merken Sie wohl, ich sage nicht, man soll dem Kinde sittliche Gebote vordozieren; ich sage nicht, man soll mit dem moralischen Urteil an den Intellekt herangehen. — Man soll an das Ästhetische, an die Phantasie herangehen. Man soll ein Gefallen oder Mißfallen auch an dem Guten oder dem Schlimmen, an dem Rechten oder Unrechten wecken, an dem Erhabenen, an der sittlichen Tat, oder auch an dem in der Welt herbeigeführten Ausgleich für unrichtige Handlungen. Hat man vorher sich selber hinzustellen gehabt vor das Kind, um ein sittlicher Regulator zu sein, so hat man jetzt Bilder hinzuzufügen, Bilder, die nun nicht mehr auf etwas anderes wirken als auf die in dem Sinnenwesen sich auslebende Phantasie. So soll das Kind zunächst bis zur Geschlechtsreife hin aufnehmen die Moralität als Gefühl. Es soll fest werden in dem Gefühlsurteil: Das ist etwas, womit ich Sympathie habe, das Gute; das ist etwas, wogegen ich Antipathie habe, das Böse. — Sympathien und Antipathien, Gefühlsurteile, sollen die Grundlage des Moralischen ausmachen.
[ 16 ] Wenn man so einsieht, wie ich es dargelegt habe, daß der menschliche Zeitleib ein Organismus ist, in dem alles zusammenhängt, dann wird man sich sagen: es kommt darauf an, daß man in der rechten Zeit das Rechte tut für das Kind. Sie können eine Pflanze nicht so wachsen lassen, daß sie gleich Blüte wird. Das Zur-Blüte-Werden, das muß später geschehen. Sie müssen die Pflanze zuerst in der Wurzel pflegen. Wenn Sie die Wurzel zur Blüte machen wollten, würden Sie einen Unsinn machen. Wenn Sie dem Kinde zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife intellektualistisch formulierte Moralurteile beibringen wollten, so wäre das so, wie wenn Sie die Pflanzenwurzel zur Blüte machen wollten. Sie müssen zuerst den Keim, die Wurzel pflegen; das ist: die Moralität im Gefühl. Wenn das Kind die Moralität im Gefühl gepflegt hat, dann wird es nach der Geschlechtsreife erwachen zur Intelligenz, und dann setzt es selber dasjenige, was es im Gefühl gehabt hat zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife, durch die Geschlechtsreife durch die innere Entwickelung fort. Dann kann in ihm selber erwachen das moralische, intellektuelle Urteil. Und das ist etwas so Wichtiges für das Leben, daß alle Moralerziehung darauf fundiert werden muß! Wie Sie eben nicht die Pflanzenwurzel zur Blüte machen können, sondern warten müssen, bis sich die Wurzel entfaltet und die Pflanze zuletzt zur Blüte kommt, sich zur Blüte entfaltet, so müssen Sie gewissermaßen die moralische Wurzel pflegen in dem Gefühlsurteil, in der Sympathie für das Moralische. Und dann müssen Sie den Menschen durch die eigene Kraft des menschlichen Wesens selber sein Gefühl in den Intellekt hineintragen lassen. Dann hat er die tiefe innere Befriedigung darüber, daß in ihm nicht im späteren Leben bloß Erinnerungen leben an das, was einem die Erzieher gesagt haben, daß es richtig oder unrichtig im Moralischen sei, sondern es lebt mit innerer Freudigkeit, mit innerer Kraft das ganze seelische Leben erfüllend so, daß es selber zum moralischen Urteil in der richtigen Zeit in Freiheit erwacht ist. Daß man das Kind nicht sklavenmäßig erzieht zu irgendeiner moralischen Richtung, sondern daß man die moralische Richtung vorbereitet, so daß sie aus dem freiwachsenden Seelenwesen des Menschen selber aufsprießt, das rüstet den Menschen zugleich nicht nur mit moralischem Urteil, sondern mit moralischer Kraft aus. Und das ist es, was uns immer wieder und wieder darauf hinweist, wenn wir eine spirituelle Grundlage der Erziehung anstreben, daß wir alles in der richtigen Weise und Zeit an den werdenden Menschen heranbringen.
[ 16 ] Wenn man so einsieht, wie ich es dargelegt habe, daß der menschliche Zeitleib ein Organismus ist, in dem alles zusammenhängt, dann wird man sich sagen: es kommt darauf an, daß man in der rechten Zeit das Rechte tut für das Kind. Sie können eine Pflanze nicht so wachsen lassen, daß sie gleich Blüte wird. Das Zur-Blüte-Werden, das muß später geschehen. Sie müssen die Pflanze zuerst in der Wurzel pflegen. Wenn Sie die Wurzel zur Blüte machen wollten, würden Sie einen Unsinn machen. Wenn Sie dem Kinde zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife intellektualistisch formulierte Moralurteile beibringen wollten, so wäre das so, wie wenn Sie die Pflanzenwurzel zur Blüte machen wollten. Sie müssen zuerst den Keim, die Wurzel pflegen; das ist: die Moralität im Gefühl. Wenn das Kind die Moralität im Gefühl gepflegt hat, dann wird es nach der Geschlechtsreife erwachen zur Intelligenz, und dann setzt es selber dasjenige, was es im Gefühl gehabt hat zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife, durch die Geschlechtsreife durch die innere Entwickelung fort. Dann kann in ihm selber erwachen das moralische, intellektuelle Urteil. Und das ist etwas so Wichtiges für das Leben, daß alle Moralerziehung darauf fundiert werden muß! Wie Sie eben nicht die Pflanzenwurzel zur Blüte machen können, sondern warten müssen, bis sich die Wurzel entfaltet und die Pflanze zuletzt zur Blüte kommt, sich zur Blüte entfaltet, so müssen Sie gewissermaßen die moralische Wurzel pflegen in dem Gefühlsurteil, in der Sympathie für das Moralische. Und dann müssen Sie den Menschen durch die eigene Kraft des menschlichen Wesens selber sein Gefühl in den Intellekt hineintragen lassen. Dann hat er die tiefe innere Befriedigung darüber, daß in ihm nicht im späteren Leben bloß Erinnerungen leben an das, was einem die Erzieher gesagt haben, daß es richtig oder unrichtig im Moralischen sei, sondern es lebt mit innerer Freudigkeit, mit innerer Kraft das ganze seelische Leben erfüllend so, daß es selber zum moralischen Urteil in der richtigen Zeit in Freiheit erwacht ist. Daß man das Kind nicht sklavenmäßig erzieht zu irgendeiner moralischen Richtung, sondern daß man die moralische Richtung vorbereitet, so daß sie aus dem freiwachsenden Seelenwesen des Menschen selber aufsprießt, das rüstet den Menschen zugleich nicht nur mit moralischem Urteil, sondern mit moralischer Kraft aus. Und das ist es, was uns immer wieder und wieder darauf hinweist, wenn wir eine spirituelle Grundlage der Erziehung anstreben, daß wir alles in der richtigen Weise und Zeit an den werdenden Menschen heranbringen.
[ 17 ] Nun werden Sie mich fragen: Ja, wenn ich das Kind so erziehen soll, daß ich sein moralisch-fühlendes Urteil zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife einpflanze, und nicht so, daß ich ihm Gebote gebe, an seinen Intellekt appelliere, an was soll ich dann appellieren? — Ja, jenes selbstverständliche Autoritätsverhältnis, das führt zu Imponderabilien zwischen dem Erzieher und dem Kinde! Das will ich nun durch ein Beispiel veranschaulichen. Ich kann bildhaft dem Kinde beibringen wollen etwas über die Unsterblichkeit des menschlichen Seelenwesens; bildhaft beibringen, nicht durch Wissenschaftliches. Wissenschaft ist eigentlich für das Kind im Grunde genommen bis zur Geschlechtsreife nicht da. Ich muß Natur und Geist in eins verweben, und ich sage zu dem Kinde vielleicht etwas, was ich in ein künstlerisches Bild forme: Sieh einmal, die Schmetterlingspuppe ist da; der Schmetterling kriecht aus der Puppe heraus. Wie der Schmetterling aus der Puppe auskriecht, so die Seele aus dem menschlichen Leibe, wenn der menschliche Leib dem Tode verfällt. — Ich rege dadurch seine Phantasie an, ich bringe ein lebendiges moralisches Bild vor seine Seele. Das kann ich in zweifacher Weise bringen. Ich kann sagen: Ich bin also ein gereifter Erzieher, furchtbar gescheit; das Kind ist klein, furchtbar dumm, und weil sich das Kind noch nicht zu meiner Höhe erhoben hat, so forme ich für es ein Bild. Das Bild gestalte ich so: ich weiß, das hat für mich keinen Wert, aber ich forme es für das Kind. Wenn ich mir dieses sage und mit dieser Gesinnung dem Kinde das Bild beibringen will: es wirkt nicht in der Seele, es geht wieder ebenso heraus, wie es hineingegangen ist; denn es wirken Imponderabilien zwischen dem Erzieher und dem Kinde. — Wenn ich aber so sage: Ich bin eigentlich nicht viel klüger als das Kind —, oder vielleicht: Das Kind ist im Unterbewußten viel klüger als ich —, wenn ich für das Kind Ehrfurcht habe, und mir in bezug auf dieses Bild sage: Ja, das Bild bilde ich gar nicht selber, sondern die Natur selbst hat in dem auskriechenden Schmetterling das Bild vor uns hingestellt, ich glaube mit derselben Intensität an dieses Bild, wie das Kind glauben soll —, wenn ich diese Stärke der eigenen Glaubenskraft in mir habe, dann sitzt das Bild in der Seele des Kindes, dann wirken diejenigen Dinge, die nicht in der groben Welt liegen, sondern die in der feineren Welt zwischen dem Erzieher und dem Kinde leben. Und das, was so zwischen dem Erzieher und dem Kinde sich abspielt an Imponderabilien, das ersetzt reichlich all das, was an intellektueller Lehre vom Lehrer auf das Kind übergehen könnte! Das Kind erhält auf diese Weise Gelegenheit, sich frei neben dem Lehrer zu entwickeln. Der Lehrer sagt sich: ich lebe in der Umgebung des Kindes, muß diejenigen Gelegenheiten herbeiführen, durch die sich das Kind möglichst selbst erzieht. Aber dann muß ich auch in dieser Weise neben dem Kinde stehen, daß ich mich nicht ungeheuer erhaben fühle, sondern nur als ein Mensch, der ein paar Jahre älter ist. Man wird ja nicht immer — hier nur in relativer Weise anwendbar — gescheiter; also man braucht sich nicht immer über das Kind zu erheben, sondern man soll nur ein Helfer der Entwickelung des Kindes sein. Wenn man die Pflanze als Gärtner pflegen soll, so schiebt man ja auch nicht den Saftstrom, der von der Wurzel nach der Blüte geht, sondern man bereitet die Umgebung ringsumher so zu, daß der Saftstrom sich entfalten kann. So selbstlos muß man sein als Erzieher, daß sich die inneren Kräfte des Kindes entfalten können, dann wird man ein guter Erzieher, und dann wird das Kind in der richtigen Weise gedeihen können.
[ 17 ] Nun werden Sie mich fragen: Ja, wenn ich das Kind so erziehen soll, daß ich sein moralisch-fühlendes Urteil zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife einpflanze, und nicht so, daß ich ihm Gebote gebe, an seinen Intellekt appelliere, an was soll ich dann appellieren? — Ja, jenes selbstverständliche Autoritätsverhältnis, das führt zu Imponderabilien zwischen dem Erzieher und dem Kinde! Das will ich nun durch ein Beispiel veranschaulichen. Ich kann bildhaft dem Kinde beibringen wollen etwas über die Unsterblichkeit des menschlichen Seelenwesens; bildhaft beibringen, nicht durch Wissenschaftliches. Wissenschaft ist eigentlich für das Kind im Grunde genommen bis zur Geschlechtsreife nicht da. Ich muß Natur und Geist in eins verweben, und ich sage zu dem Kinde vielleicht etwas, was ich in ein künstlerisches Bild forme: Sieh einmal, die Schmetterlingspuppe ist da; der Schmetterling kriecht aus der Puppe heraus. Wie der Schmetterling aus der Puppe auskriecht, so die Seele aus dem menschlichen Leibe, wenn der menschliche Leib dem Tode verfällt. — Ich rege dadurch seine Phantasie an, ich bringe ein lebendiges moralisches Bild vor seine Seele. Das kann ich in zweifacher Weise bringen. Ich kann sagen: Ich bin also ein gereifter Erzieher, furchtbar gescheit; das Kind ist klein, furchtbar dumm, und weil sich das Kind noch nicht zu meiner Höhe erhoben hat, so forme ich für es ein Bild. Das Bild gestalte ich so: ich weiß, das hat für mich keinen Wert, aber ich forme es für das Kind. Wenn ich mir dieses sage und mit dieser Gesinnung dem Kinde das Bild beibringen will: es wirkt nicht in der Seele, es geht wieder ebenso heraus, wie es hineingegangen ist; denn es wirken Imponderabilien zwischen dem Erzieher und dem Kinde. — Wenn ich aber so sage: Ich bin eigentlich nicht viel klüger als das Kind —, oder vielleicht: Das Kind ist im Unterbewußten viel klüger als ich —, wenn ich für das Kind Ehrfurcht habe, und mir in bezug auf dieses Bild sage: Ja, das Bild bilde ich gar nicht selber, sondern die Natur selbst hat in dem auskriechenden Schmetterling das Bild vor uns hingestellt, ich glaube mit derselben Intensität an dieses Bild, wie das Kind glauben soll —, wenn ich diese Stärke der eigenen Glaubenskraft in mir habe, dann sitzt das Bild in der Seele des Kindes, dann wirken diejenigen Dinge, die nicht in der groben Welt liegen, sondern die in der feineren Welt zwischen dem Erzieher und dem Kinde leben. Und das, was so zwischen dem Erzieher und dem Kinde sich abspielt an Imponderabilien, das ersetzt reichlich all das, was an intellektueller Lehre vom Lehrer auf das Kind übergehen könnte! Das Kind erhält auf diese Weise Gelegenheit, sich frei neben dem Lehrer zu entwickeln. Der Lehrer sagt sich: ich lebe in der Umgebung des Kindes, muß diejenigen Gelegenheiten herbeiführen, durch die sich das Kind möglichst selbst erzieht. Aber dann muß ich auch in dieser Weise neben dem Kinde stehen, daß ich mich nicht ungeheuer erhaben fühle, sondern nur als ein Mensch, der ein paar Jahre älter ist. Man wird ja nicht immer — hier nur in relativer Weise anwendbar — gescheiter; also man braucht sich nicht immer über das Kind zu erheben, sondern man soll nur ein Helfer der Entwickelung des Kindes sein. Wenn man die Pflanze als Gärtner pflegen soll, so schiebt man ja auch nicht den Saftstrom, der von der Wurzel nach der Blüte geht, sondern man bereitet die Umgebung ringsumher so zu, daß der Saftstrom sich entfalten kann. So selbstlos muß man sein als Erzieher, daß sich die inneren Kräfte des Kindes entfalten können, dann wird man ein guter Erzieher, und dann wird das Kind in der richtigen Weise gedeihen können.
[ 18 ] Wenn in einer solchen Weise das Moralische in dem Menschen entwickelt wird, dann bildet sich, so wie bei der Pflanze, ein Teil nach dem anderen aus. Zunächst das Moralische genau so, wie es der menschlichen Natur entspricht, indem es sich offenbart im nachahmenden menschlichen Organismus. Da befestigt es sich gewissermaßen in der geschilderten Weise, damit der Mensch später im Leben auch die nötige innere, auch durch den physischen Organismus gehaltene Kraft hat, um im Moralischen sicher zu sein, sonst kann er vielleicht durch den physischen Organismus erlahmen, schwach werden und ein gutes moralisches Urteil haben, aber ihm nicht folgen können. Wenn das Vorbild in der ersten kindlichen Lebensepoche ein stark und intensiv wirkendes war, bildet sich moralische Festigkeit aus. Wenn vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife die Sympathie- und Antipathiekräfte für das Gute und gegen das Böse in der richtigen Weise den Menschen ergriffen haben, dann hat auch später der Mensch an dem Moralischen die richtige Erhebung gegenüber den und jenen Depressionen, die ihn davon abhalten, das zu tun, was für das Moralische notwendig ist. In seinem Organismus hat er als nachahmendes Wesen dasjenige ausgebildet, was für seine Seele notwendig ist, auf die Art ausgebildet, wie sein Moralgefühl, seine Empfindung, seine Sympathie und Antipathie gepflegt worden sind in der zweiten menschlichen Lebensepoche. Und in der dritten Lebensepoche erwacht in der freien menschlichen Entwickelung, an dem Leben orientiert für den Geist: das moralische Urteilen im Intellekt, so wie die Pflanze zur Blüte und zur Frucht erwacht an dem Sonnenlichte. Im Geiste setzt sich das Moralische nur dann richtig fest, wenn das, was in Körper und Seele für das Moralische vorbereitet ist, an dem Leben erwacht, frei, wie frei erwacht die Blüte und die Frucht der Pflanze an dem Sonnenlicht.
[ 18 ] Wenn in einer solchen Weise das Moralische in dem Menschen entwickelt wird, dann bildet sich, so wie bei der Pflanze, ein Teil nach dem anderen aus. Zunächst das Moralische genau so, wie es der menschlichen Natur entspricht, indem es sich offenbart im nachahmenden menschlichen Organismus. Da befestigt es sich gewissermaßen in der geschilderten Weise, damit der Mensch später im Leben auch die nötige innere, auch durch den physischen Organismus gehaltene Kraft hat, um im Moralischen sicher zu sein, sonst kann er vielleicht durch den physischen Organismus erlahmen, schwach werden und ein gutes moralisches Urteil haben, aber ihm nicht folgen können. Wenn das Vorbild in der ersten kindlichen Lebensepoche ein stark und intensiv wirkendes war, bildet sich moralische Festigkeit aus. Wenn vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife die Sympathie- und Antipathiekräfte für das Gute und gegen das Böse in der richtigen Weise den Menschen ergriffen haben, dann hat auch später der Mensch an dem Moralischen die richtige Erhebung gegenüber den und jenen Depressionen, die ihn davon abhalten, das zu tun, was für das Moralische notwendig ist. In seinem Organismus hat er als nachahmendes Wesen dasjenige ausgebildet, was für seine Seele notwendig ist, auf die Art ausgebildet, wie sein Moralgefühl, seine Empfindung, seine Sympathie und Antipathie gepflegt worden sind in der zweiten menschlichen Lebensepoche. Und in der dritten Lebensepoche erwacht in der freien menschlichen Entwickelung, an dem Leben orientiert für den Geist: das moralische Urteilen im Intellekt, so wie die Pflanze zur Blüte und zur Frucht erwacht an dem Sonnenlichte. Im Geiste setzt sich das Moralische nur dann richtig fest, wenn das, was in Körper und Seele für das Moralische vorbereitet ist, an dem Leben erwacht, frei, wie frei erwacht die Blüte und die Frucht der Pflanze an dem Sonnenlicht.
[ 19 ] Dann aber, wenn in dem Menschen das Moralische also entwickelt wird, so daß der Mensch gewissermaßen selbst in seiner inneren Freiheit geachtet wird, dann verbindet sich mit dem Menscheninneren der moralische Impuls so, daß der Mensch wirklich empfinden kann: das ist etwas, was zu ihm gehört. Und er fühlt sich dann in seinen moralischen Kräften, seinem moralischen Wirken so, wie er sich körperlich in dem Zirkulieren seines Blutes in seinen Wachstumskräften fühlt. Wie er das natürliche Leben so zu ihm gehörig betrachten muß, daß es seinen ganzen Körper bis an die Oberfläche der Haut durchpulst und durchkraftet, so fühlt er, weil er es in der richtigen Weise an sich selber entwickelt hat, das Moralische.
[ 19 ] Dann aber, wenn in dem Menschen das Moralische also entwickelt wird, so daß der Mensch gewissermaßen selbst in seiner inneren Freiheit geachtet wird, dann verbindet sich mit dem Menscheninneren der moralische Impuls so, daß der Mensch wirklich empfinden kann: das ist etwas, was zu ihm gehört. Und er fühlt sich dann in seinen moralischen Kräften, seinem moralischen Wirken so, wie er sich körperlich in dem Zirkulieren seines Blutes in seinen Wachstumskräften fühlt. Wie er das natürliche Leben so zu ihm gehörig betrachten muß, daß es seinen ganzen Körper bis an die Oberfläche der Haut durchpulst und durchkraftet, so fühlt er, weil er es in der richtigen Weise an sich selber entwickelt hat, das Moralische.
[ 20 ] Und was kommt dann? Dann kommt es über den Menschen, daß er sich sagt: Bin ich nicht moralisch, so Din ich verstümmelt. — Wie man sich dem Physischen gegenüber sagt: Wenn mir ein Glied fehlt, bin ich verstümmelt —, so lernt man sich sagen durch die angedeutete moralische Entwickelung: Wenn ich nicht mich mit Moralität ausfülle, wenn ich nicht mein äußeres Handeln durch Moralität durchzogen sein lasse, bin ich ein verstümmelter Mensch.
[ 20 ] Und was kommt dann? Dann kommt es über den Menschen, daß er sich sagt: Bin ich nicht moralisch, so Din ich verstümmelt. — Wie man sich dem Physischen gegenüber sagt: Wenn mir ein Glied fehlt, bin ich verstümmelt —, so lernt man sich sagen durch die angedeutete moralische Entwickelung: Wenn ich nicht mich mit Moralität ausfülle, wenn ich nicht mein äußeres Handeln durch Moralität durchzogen sein lasse, bin ich ein verstümmelter Mensch.
[ 21 ] Das, bei einer sonst gut geleiteten Erziehung, als ein Urteil im Menschen begründen, daß er ein verstümmelter Mensch ist, wenn er nicht moralisch ist, das ist der stärkste moralische Antrieb, der im Menschen überhaupt entwickelt werden kann. Denn man braucht den Menschen nur in der rechten Weise zu entwickeln, dann will er ein ganzer Mensch sein. Dann aber, wenn man ihn so entwickelt, daß er ein ganzer Mensch sein will, dann entwickelt er ganz von selber, gerade durch ein solches Herankommen des Moralischen an sich selber, auch die innerliche Hinneigung zum Geistigen im Menschen. Und dann sieht er dasjenige, was die Welt als das Gute durchflutet, ebenso an als in ihm wirksam, wie er ansieht die Naturkräfte als in seinem Körper wirksam. Dann versteht er, wenn man ihm etwa bildhaft sagen will: Ja, da liegt ein Hufeisen, ein als Hufeisen gestaltetes Eisen. Da kommt einer und sagt: Dieses Hufeisen kann man als Magnet verwenden, denn es hat innere Kräfte! — Dann kommt aber ein anderer, der sagt: Ach was, Eisen ist Eisen, da gebe ich nichts darauf; ich verwende dieses Hufeisen zum Beschlagen meines Pferdes. — Ja, sehen Sie, so etwa wie der letztere, ist derjenige, der nicht durch die verschiedenen Entwickelungsgänge des Lebens dazu kommen kann, im ganzen Menschen das Geistige des Lebens zu sehen. Derjenige von den beiden, der nur auf das Äußerliche blickt, nicht auf das, was spirituell im Menschen waltet und webt, der ist so, daß er ein wie ein Hufeisen gestaltetes Magneteisen eben zum Pferdebeschlagen verwendet. Das heißt, man erzieht den Menschen nicht für den richtigen Blick im Leben und nicht zur Entfaltung der richtigen Kräfte im Leben. Das wird, wenn es im spirituellen Sinne erfaßt, gefühlt und in den Willen übergeführt ist, der stärkste Antrieb auch im Sozialen sein.
[ 21 ] Das, bei einer sonst gut geleiteten Erziehung, als ein Urteil im Menschen begründen, daß er ein verstümmelter Mensch ist, wenn er nicht moralisch ist, das ist der stärkste moralische Antrieb, der im Menschen überhaupt entwickelt werden kann. Denn man braucht den Menschen nur in der rechten Weise zu entwickeln, dann will er ein ganzer Mensch sein. Dann aber, wenn man ihn so entwickelt, daß er ein ganzer Mensch sein will, dann entwickelt er ganz von selber, gerade durch ein solches Herankommen des Moralischen an sich selber, auch die innerliche Hinneigung zum Geistigen im Menschen. Und dann sieht er dasjenige, was die Welt als das Gute durchflutet, ebenso an als in ihm wirksam, wie er ansieht die Naturkräfte als in seinem Körper wirksam. Dann versteht er, wenn man ihm etwa bildhaft sagen will: Ja, da liegt ein Hufeisen, ein als Hufeisen gestaltetes Eisen. Da kommt einer und sagt: Dieses Hufeisen kann man als Magnet verwenden, denn es hat innere Kräfte! — Dann kommt aber ein anderer, der sagt: Ach was, Eisen ist Eisen, da gebe ich nichts darauf; ich verwende dieses Hufeisen zum Beschlagen meines Pferdes. — Ja, sehen Sie, so etwa wie der letztere, ist derjenige, der nicht durch die verschiedenen Entwickelungsgänge des Lebens dazu kommen kann, im ganzen Menschen das Geistige des Lebens zu sehen. Derjenige von den beiden, der nur auf das Äußerliche blickt, nicht auf das, was spirituell im Menschen waltet und webt, der ist so, daß er ein wie ein Hufeisen gestaltetes Magneteisen eben zum Pferdebeschlagen verwendet. Das heißt, man erzieht den Menschen nicht für den richtigen Blick im Leben und nicht zur Entfaltung der richtigen Kräfte im Leben. Das wird, wenn es im spirituellen Sinne erfaßt, gefühlt und in den Willen übergeführt ist, der stärkste Antrieb auch im Sozialen sein.
[ 22 ] Nun, wir stehen heute unter dem Zeichen der sozialen Frage. Diese soziale Frage, sie hat gewiß ihre volle Berechtigung, und ich wäre ja froh, wenn ich mehr über sie sagen könnte, allein meine Zeit zu sprechen ist zu Ende. Kurz nur noch will ich sagen: diese soziale Frage, sie hat außerordentlich viele Seiten, und vieles wird notwendig, um allen Einzelheiten dieser sozialen Frage so nahe zu kommen, daß dasjenige entstehe, was ein Mensch, der heute unbefangen ist, dennoch für die Menschenzukunft an einer Umformung des sozialen Lebens ersehnen muß. Aber alles das, was wir etwa erdenken und auch praktisch einführen können als äußere Institutionen, was wir sonst ausdenken in den vielen Schemen, die über das soziale Leben heute existieren, es erscheint dem, der das Moralische im Lichte des Spirituellen sieht, so, daß er sagt: Die soziale Frage zu behandeln ohne die moralische Frage, ist, wie wenn man ein Zimmer ohne Licht hätte und die Gegenstände darin suchen sollte, ohne daß Licht drinnen ist.
[ 22 ] Nun, wir stehen heute unter dem Zeichen der sozialen Frage. Diese soziale Frage, sie hat gewiß ihre volle Berechtigung, und ich wäre ja froh, wenn ich mehr über sie sagen könnte, allein meine Zeit zu sprechen ist zu Ende. Kurz nur noch will ich sagen: diese soziale Frage, sie hat außerordentlich viele Seiten, und vieles wird notwendig, um allen Einzelheiten dieser sozialen Frage so nahe zu kommen, daß dasjenige entstehe, was ein Mensch, der heute unbefangen ist, dennoch für die Menschenzukunft an einer Umformung des sozialen Lebens ersehnen muß. Aber alles das, was wir etwa erdenken und auch praktisch einführen können als äußere Institutionen, was wir sonst ausdenken in den vielen Schemen, die über das soziale Leben heute existieren, es erscheint dem, der das Moralische im Lichte des Spirituellen sieht, so, daß er sagt: Die soziale Frage zu behandeln ohne die moralische Frage, ist, wie wenn man ein Zimmer ohne Licht hätte und die Gegenstände darin suchen sollte, ohne daß Licht drinnen ist.
[ 23 ] Die soziale Frage kann erst durch eine wirkliche Erfassung der moralischen Frage in das richtige Beurteilungsfeld gerückt werden. Wer das Leben in seinem ganzen Zusammenhange betrachtet, der wird sich sagen müssen: Die moralische Frage ist wie das Licht, welches das soziale Leben beleuchten muß, wenn die soziale Frage in einem menschlich-wahren Sinn zu dem kommen soll, was man ein Religiöses nennt. Daher ist es vor allen Dingen auch in sozialer Beziehung notwendig, daß der Mensch heute einen Standpunkt gewinne zur moralischen Frage. Und ich denke, es ist vielleicht möglich gewesen zu zeigen, daß dasjenige, was ich hier eine spirituelle Wissenschaft, eine anthroposophische Geisteswissenschaft nenne, auch in diesem Sinne ehrlich an die großen Zeitenfragen der Gegenwart herantritt, und daß sie es ernst mit der moralischen Frage und mit der Heran-Erziehung des moralischen Menschen meint.
[ 23 ] Die soziale Frage kann erst durch eine wirkliche Erfassung der moralischen Frage in das richtige Beurteilungsfeld gerückt werden. Wer das Leben in seinem ganzen Zusammenhange betrachtet, der wird sich sagen müssen: Die moralische Frage ist wie das Licht, welches das soziale Leben beleuchten muß, wenn die soziale Frage in einem menschlich-wahren Sinn zu dem kommen soll, was man ein Religiöses nennt. Daher ist es vor allen Dingen auch in sozialer Beziehung notwendig, daß der Mensch heute einen Standpunkt gewinne zur moralischen Frage. Und ich denke, es ist vielleicht möglich gewesen zu zeigen, daß dasjenige, was ich hier eine spirituelle Wissenschaft, eine anthroposophische Geisteswissenschaft nenne, auch in diesem Sinne ehrlich an die großen Zeitenfragen der Gegenwart herantritt, und daß sie es ernst mit der moralischen Frage und mit der Heran-Erziehung des moralischen Menschen meint.
