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The Rudolf Steiner Archive

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Das Verhältnis der Sternenwelt zum Menschen und des Menschen zur Sternenwelt
Die geistige Kommunion der Menschheit
GA 219

26 November 1922, Dornach

Erster Vortrag

[ 1 ] Wir haben als anthroposophische Bewegung - das möchte ich heute einleitend bemerken — wiederum eine Reihe von Veranstaltungen über Anthroposophie und Eurythmie, und zwar in Holland und in London, hinter uns. Ich möchte darüber nur einige Bemerkungen machen. Vor allen Dingen möchte ich auf die außerordentlich erfreuliche Tatsache hinweisen, daß in bezug auf die Aufnahme der anthroposophischen Vorträge in der Öffentlichkeit wie auch der eurythmischen Darstellungen gegenüber dem letzten Mal ein außerordentlicher Fortschritt zu verzeichnen ist. In Holland konnte ich in Den Haag drei öffentliche Vorträge halten, zwei im engeren Sinne über anthroposophische Themata und einen über ein ausgesprochen pädagogisches Thema: über die moralische und religiöse Erziehung vom anthroposophischen Gesichtspunkte. In Rotterdam hatte ich einen allgemeinen anthroposophischen Vortrag zu halten. In der Stadt der holländischen technischen Hochschule, in Delft, hatte ich zu sprechen über die Beziehungen der Anthroposophie zur Wissenschaft. Und es werden gewiß die Teilnehmer, die ja auch von hier anwesend waren, bestätigen können, daß ein Interesse für dasjenige vorhanden war, was sowohl über das engere anthroposophische Gebiet wie über das Erziehungsgebiet gesagt werden konnte.

[ 2 ] Es ist ja allerdings bei allen diesen Dingen zu bemerken, daß der allgemeine Rückgang in der Zivilisation der Gegenwart sich außerordentlich stark bemerkbar macht, so daß die Besucherzahl natürlich längst nicht die Höhe erreicht, die sie erreichen würde, wenn wir nicht in einer im allgemeinen so außerordentlich schwierigen Zeit lebten. Das ist ja überall zu bemerken, und das ist etwas, was um so mehr dazu auffordert, das, was Anthroposophie dieser Zivilisation der Gegenwart geben kann, in einer intensiven Weise zur Geltung zu bringen. Ich möchte sagen: jeder Schritt nach vorwärts beweist einem gerade dieses. Zu meiner ganz besonderen Befriedigung habe ich zu bemerken, daß gerade in Den Haag in dieser Zeit die eurythmischen Vorstellungen, die dort in dem Hause der Königlichen Schauburg stattfinden konnten, in einer außerordentlich günstigen Weise aufgenommen worden sind. Es ist nach den Vorstellungen die Ansicht von den verschiedensten Seiten geäußert worden, daß man, je öfter man solche eurythmischen Vorstellungen sieht, desto mehr in den eigentlichen Geist dieses Versuches einer künstlerischen Neuschöpfung eindringen kann.

[ 3 ] In London konnte ich drei halböffentliche Vorträge und drei Zweigvorträge halten. In Den Haag habe ich auch einen Zweigvortrag zum Schluß noch gehalten. Es war mir besonders auch noch befriedigend, daß einer der öffentlichen Vorträge in London auch das Erziehungsthema behandeln konnte. Sie wissen ja vielleicht schon, daß ich in England zum Teil unter dem Eindruck derjenigen Vorträge sprechen konnte, die ich hier vorige Weihnachten hielt, und bei denen ja zahlreiche englische Bekenner der anthroposophischen Bewegung und sonstige für die Pädagogik interessierte Persönlichkeiten anwesend waren. Teils unter dem Eindrucke dieser Weihnachtsvorträge, teils unter dem Eindrucke meiner im Sommer dieses Jahres gehaltenen Oxforder Vorträge über anthroposophische Pädagogik, hat sich in England nach dem Muster des Waldorfschulvereins eine Erziehungsunion begründet, welche bestrebt ist, dasjenige, was anthroposophische Pädagogik geben kann, durch die Begründung von Schulen auch in England geltend zu machen. Diese Erziehungsunion hat dann den einen der öffentlichen Vorträge namentlich für Lehrer veranstaltet, und man kann eben daran sehen, daß auch das pädagogische Thema durchaus in England Interesse findet.

[ 4 ] Wir waren ja diesmal in einer verhältnismäßig recht ungünstigen Zeit nach London gekommen, mitten in die Wahlzeit hinein. Namentlich die eurythmischen Vorstellungen fanden während der Wahltage statt. Aber dennoch darf gesagt werden, daß gerade gegenüber den eurythmischen Vorstellungen in London von Vorstellung zu Vorstellung das Interesse und die Freudigkeit, mit der die Sache aufgenommen wurde, gewachsen ist, so daß man wirklich sagen kann, von dieser Seite her kann man schon finden, daß Anthroposophie und das, was zu ihr gehört, einen guten Fortschritt macht.


[ 5 ] Von dem Durchgang des Menschen durch die beiden Seiten seines Lebens, durch die geistige Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und dutch die physisch-irdische Welt zwischen der Geburt und dem Tode, sollen diese Vorträge handeln.

[ 6 ] Ich möchte heute an einiges erinnern, was uns innerhalb der letzten Vorträge hier vor die Seele getreten sein kann. Ich sagte Ihnen: In der wichtigsten Zeit, welche verfließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, findet sich der Mensch innerhalb der geistigen Welt mit einem wesentlich höheren Bewußtsein, als er es hier innerhalb des physischen Leibes auf der Erde hat. - Wenn wir hier auf der Erde in unserem physischen Leib stehen, so hängt ja dieses irdische Sinnen- und Nervenbewußtsein ab von der Gesamtorganisation des Menschen. Wir fühlen uns als Menschen hier, indem wir innerhalb unserer Haut tragen: unsere Gehirnorganisation, unsere Lungen-, Herzorganisation und so weiter. Das ist dasjenige, wovon wir sagen können, es ist in unserem Innern. Das aber, was um uns herum ist, mit dem fühlen wir uns verbunden, sei es durch unsere Sinne, sei es durch unsere Atmung, sei es durch unsere Nahrungsaufnahme.

[ 7 ] Wenn wir nun in jenem Zustande leben, der da verfließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so können wir nicht in dem gleichen Sinne von unserem Innern sprechen. Denn in dem Augenblick, wo wit durch die Pforte des Todes gehen, ja schon in dem Augenblick, wo wir in den Schlaf hinübergehen, wenn da auch das Bewußtsein herabgelähmt ist — die bewußtlosen Lebenszustände laufen doch so ab, wie ich sie dargestellt habe -, befinden wir uns in einem solchen Zustande, daß wir eigentlich da die ganze Welt, das Weltenall als unser Inneres bezeichnen können.

[ 8 ] Während wir also hier auf der Erde eine Organisation haben, die sich in unseren Organen und deren Wechselwirkung innerhalb der Haut offenbart, offenbart sich uns - im Schlafe bloß bewußtlos, lebensvoll, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt aber vollbewußt unser Inneres als ein Sterneninneres. Wir fühlen uns der Sternenwelt gegenüber so, daß wir zu den Wesenheiten der Sterne ebenso sagen, sie seien unser Inneres, wie wir hier zu Lunge und Herz sagen, sie gehören zu unserem physischen Inneren. Wir haben vom Einschlafen bis zum Aufwachen ein kosmisches Leben. Wir haben von dem Tode bis zu einer neuen Geburt ein kosmisches Bewußtsein. Dasjenige, was hier auf der Erde Außenwelt ist, insbesondere wenn wir den Blick hinausrichten in die Weiten des Weltenraumes, das wird zu unserem Inneren.

[ 9 ] Und was stellt sich uns in der geistigen Welt als das Äußere dar? Unser Äußeres wird gerade das, was jetzt unser Inneres ist. Unser Äußeres wird der Mensch selbst, aber der Mensch in einer ganz besonderen Weise, der Mensch so, daß wir dasjenige, was dann Äußeres ist, wie eine Art geistigen Keim aufbauen, aus dem hervorgehen soll unser künftiger physischer Erdenkörper. Im Zusammenhang mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien arbeiten wir diesen Geistkeim aus. Der ist vorhanden in einem bestimmten Zeitpunkte des Durchlaufens des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Er ist als Geistwesenheit da, aber er trägt als Geistwesenheit in sich die Kräfte, welche dann den physischen Leib des Menschen organisieren, so wie, sagen wir, der Pflanzenkeim in sich trägt die Kräfte, welche die spätere Pflanze organisierten. Nur müssen wir uns den Pflanzenkeim klein, die Pflanze groß vorstellen; der Geistkeim des menschlichen physischen Organismus aber ist sozusagen ein Universum von unermeßlicher Größe, obwohl im eigentlichen Sinne von «groß» zu sprechen ja für diese Zustände nicht mehr ganz richtig ist.

[ 10 ] Ich habe aber auch darauf hingedeutet, daß dieser Geistkeim uns gewissermaßen in einer gewissen Zeit entfällt. Wir fühlen von einer gewissen Zeit an: wir haben den Geistkeim unseres physischen Organismus im Zusammenhange mit andern Wesen des Weltenalls, mit Wesen der höheren Hierarchien ausgearbeitet; wir haben ihn bis zu einem gewissen Punkte gebracht. Dann entfällt er uns, und er senkt sich ein in die physischen Erdenkräfte, mit denen er verwandt ist und die vom Vater und von der Mutter kommen. Er verbindet sich mit dem Menschlichen der Vererbungsströmung. Er geht früher auf die Erde herunter als wir selbst als geistig-seelische Menschen, so daß wir noch eine wenn auch kurze Zeit in der geistigen Welt zubringen, wenn schon der Kräftezusammenhang unseres physischen Organismus auf die Erde heruntergegangen ist und als solcher in dem Menschenkeim im Leibe der Mutter lebt.

[ 11 ] In dieser Zeit, da ziehen wir zusammen aus dem Weltenäther die Kräfte und Substanzen des Weltenäthers selber und bilden unseren Ätherleib zu unserem astralischen Leib und dem Ich hinzu. Und als solches Wesen im Ich und im astralischen Leib und Ätherleib kommen wir selber zur Erde herunter und verbinden uns mit dem, was aus dem schon früher heruntergeschickten Geistkeim geworden ist. Wer diesen Vorgang genauer betrachtet, dem wird ganz besonders klar, wie der Mensch eigentlich in seinem Verhältnisse zum Weltenall steht. Und es wird einem das klar, wenn man vor allen Dingen auf drei Äußerungen der Menschenwesenheit hinschaut, auf die hier und an andern Orten im anthroposophischen Zusammenhange auch schon aufmerksam gemacht worden ist, wenn man hinschaut auf jene drei Äußerungen der Menschennatur, durch welche der Mensch eigentlich das Wesen wird, das er auf der Erde ist.

[ 12 ] Wir werden eigentlich ganz anders als Kind geboren, als wir dann später sind. Wir lernen erst auf der Erde gehen, sprechen, denken. Dasjenige, was, ich möchte sagen, dumpf bleibt beim Menschen zwischen der Geburt und dem Tode, der Wille, und was halb dumpf bleibt, das Gefühl, sie sind, wenn auch in einer primitiven Weise, schon beim ganz kleinen Kinde vorhanden. Das Gefühlsleben, wenn es auch ganz nur den inneren Funktionen zugewendet ist, es ist beim kleinen Kinde vorhanden. Das Willensleben ist vorhanden. Dafür sind ein Beweis die, wenn auch chaotischen Bewegungen, die das Kind ausführt.

[ 13 ] Daß aus dem Gefühlsleben und aus dem Willensleben im späteren Daseinsalter etwas anderes wird, als es beim Kinde ist, davon ist die Ursache, daß sich allmählich das Denken ausbildet und dieses Denken das Gefühl durchdringt, den Willen durchdringt, und so Gefühl und Wille etwas Vollkommeneres werden. Aber sie sind eben beim Kinde schon vorhanden. Dagegen ist das Denken etwas, was das Kind erst hier auf der Erde ausbildet, im Zusammenhange mit andern Menschen, was es gewissermaßen unter der Lehre der andern Menschen ausbildet. Ebenso ist es mit dem Gehen und Sprechen, die vor dem Denken von dem Kinde angeeignet werden.

[ 14 ] Wer für das wahrhaft Menschliche ein genügend tiefes Gefühl hat, dem wird schon aus der Betrachtung, wie das Kind sich durch Gehen, Sprechen und Denken entwickelt, aufgehen, welche bedeutungsvolle Rolle dieses Gehen, Sprechen und Denken in der menschlichen Erdenentwickelung spielt. Aber der Mensch ist eben nicht nur ein Erdenwesen. Der Mensch ist ein Wesen, welches ebenso, wie es der Erde und ihren Kräften, ihren Substanzen angehört, auch angehört der geistigen Welt, den Wesenheiten der höheren Hierarchien, den Tätigkeiten, die sich abspielen zwischen den einzelnen Wesen dieser höheren Hierarchien. Der Mensch gehört sozusagen nur mit dem einen Teile seines Wesens dem irdischen Dasein an, mit dem andern Teil seines Wesens gehört er einer Welt an, die nicht die sinnliche ist.

[ 15 ] In dieser Welt, die nicht die sinnliche ist, bereitet er, wie ich schon erwähnt habe, seinen Geistkeim. Ich habe Ihnen gesagt, man soll ja nicht glauben, daß alle Kultur- und Zivilisationstaten der Menschen auf der Erde, so kompliziert und so großartig sie sein mögen, an Großartigkeit das erreichen, was getan wird zwischen den Menschen und den Wesenheiten der höheren Hierarchien, um dieses ganze Wunder des menschlichen physischen Organismus zunächst in der geistigen Welt aufzubauen. Aber das, was da aufgebaut wird, und was, wie ich dargestellt habe, eigentlich vor uns auf die Erde heruntergeschickt wird, das ist doch etwas anders organisiert als dasjenige, was dann hier auf Erden als Mensch vorhanden ist zwischen der Geburt und dem Tode.

[ 16 ] Dasjenige, was da der Mensch aufbaut am Geistkeim seines physischen Organismus, hat auch Kräfte in sich. Der ganze Aufbau, der sich dann zusammenschließt mit dem physischen Menschenkeim, der eigentlich zum physischen Menschenkeim wird, indem er die Substanzen von den Eltern nimmt, der ist mit allen möglichen Eigenschaften und Kräften ausgerüstet; nur zu drei Dingen bekommt er innerhalb der geistigen Welt selbst keine Kräfte, und das sind gerade das Denken, das Sprechen, das Gehen. Denken, Sprechen und Gehen sind durchaus menschliche Tätigkeiten auf der Erde.

[ 17 ] Nehmen wir einmal das Gehen, nehmen wir überhaupt alles, was mit dem Gehen verwandt ist, ich könnte sagen, das Orientieren des Menschen innerhalb seines physischen Erdendaseins überhaupt. Denn schließlich, wenn ich den Arm bewege, wenn ich den Kopf bewege, so ist das ja auch etwas, was verwandt ist mit dem Mechanismus des Gehens. Das Aufrichten des Menschen im kindlichen Alter ist ein Orientieren. All das hängt zusammen mit dem, was man die Schwerkraft der Erde nennt, hängt zusammen mit der Tatsache, daß alles, was physisch auf der Erde lebt, ein Gewicht hat. Bei dem aber, was als Geistkeim ausgebildet wird zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, kann man nicht von einem Gewicht, nicht von einer Schwere reden.

[ 18 ] Es hat also alles das, was mit dem Gehen zusammenhängt, mit der Schwerkraft zu tun. Es ist ein Überwinden der Schwerkraft. Es ist ein Sich-Hineinstellen in die Schwerkraft. Indem wir ein Bein heben zu einem Schritt, fügen wir uns in die Schwerkraft hinein. Das eignen wir uns erst auf der Erde an, dieses Sich-Hineinstellen in die Schwerkraft, das ist nicht vorhanden zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aber es hat sein Analogon dort. Auch dort haben wir eine Orientierung, nur ist es nicht die in der Schwerkraft, denn in der geistigen Welt gibt es keine Schwerkraft, gibt es kein Gewicht. Dort ist die Orientierung lediglich eine geistige, und zwar so, daß dem, was hier auf der Erde entspricht dem Aufheben einesBeines, dem SichHineinstellen in die Schwerkraft, daß dem in der geistigen Welt entspricht das Verwandtwerden, sagen wir mit einem Wesen der höheren Hierarchien, das der Form der Angeloi oder Archangeloi angehört. Fühle ich mich innerlich seelisch nahe unter dem Einflusse eines Wesens aus der Hierarchie der Angeloi, oder sagen wir der Exusiai, mit denen der Mensch zusammenarbeitet, so orientiert sich der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wie wir es hier auf-der Erde mit unserem Gewicht zu tun haben, haben wir es dort zu tun mit dem, was an Sympathiekräften mit unserem eigenen menschlichen Wesen von den einzelnen Wesen der höheren Hierarchien ausgeht.

[ 19 ] Es ist nicht so wie bei derSchwerkraft, die eine Richtung hat: hin zur Erde. Das, was dort in der geistigen Welt der Schwerkraft entspricht, hat alle Richtungen, denn die geistigen Wesen der höheren Hierarchien sind nicht zentral geordnet, sie sind überall, und die Orientierung ist nicht eine solch geometrische, möchte man sagen, wie die SchwereOrientierung nach dem Mittelpunkte der Erde, sie ist eine Orientierung nach allen Richtungen hin. Je nachdem der Mensch seine Lunge aufzubauen hat, oder irgend etwas anderes zu arbeiten hat in Verbindung mit den Wesen der höheren Hierarchien, kann er sagen: Es zieht mich an die dritte Hierarchie, es zieht mich an die erste Hierarchie. — Er fühlt sich hineingestellt in die ganze Welt der Hierarchien. Er fühlt sich gewissermaßen nach allen Seiten — nicht physisch wie durch die Schwerkraft, sondern geistig — gezogen oder wohl auch abgestoßen. Das entspricht in der geistigen Welt der physischen Orientierung innerhalb der Schwere auf Erden.

[ 20 ] Hier auf der Erde lernt der Mensch sprechen, und das gehört wiederum zu seinem Erdenwesen. Sprechen können wir nicht innerhalb der geistigen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Zum Sprechen gehören die physischen Sprachorgane. Die sind nicht da, aber wir haben innerhalb der geistigen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt folgende Erlebensform: wir fühlen uns abwechselnd rhythmisch gewissermaßen zusammengezogen in unser eigenes Menschenwesen. Da zieht sich unser viel höheres Bewußtsein zusammen. Wie wir hier auf der Erde den Schlaf haben, wo wir uns in uns _ selbst abschließen, so schließen wir uns auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in uns selbst ab. Dann aber schließen wir uns wieder auf. Wie wir hier auf der physischen Erde unser Auge, unsere andern Sinne hinausrichten in das Universum, so ist es auch dort: wir richten unsere geistigen Wahrnehmungsorgane hinaus zu den Wesenheiten der höheren Hierarchien, wir lassen gewissermaßen unser Wesen in die Weiten ausströmen, wir ziehen es wieder zusammen.

[ 21 ] Das ist ein geistiger Atmungsprozeß, aber er verläuft so, daß man es etwa so darstellen könnte. Wenn man das, was der Mensch sich da sagt in der geistigen Welt, mit irdischen Worten, mit Vorstellungen, die dem irdischen Leben entnommen sind, darstellen wollte,so müßte man etwa das Folgende sagen: Ich habe als Mensch in der geistigen Welt dies oder jenes zu tun. Ich weiß das durch diejenigen Wahrnehmungsmöglichkeiten, die mir innerhalb der geistigen Welt eigen sind zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Ich fühle mich als dieses Menschenwesen, als diese Individualität. Aber so, wie ich auf der Erde ausatme, so lasse ich mich seelisch in das Universum hinausströmen ich werde eins mit dem Kosmos. Und wie ich auf der Erde einatme, so nehme ich dasjenige, was ich erlebt habe in meinem ausgeströmten Wesen, wiederum in mich als Mensch zurück. — Das findet fortwährend statt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Schematisch könnte ich es so darstellen:

[ 22 ] Nehmen Sie an, der Mensch fühlt sich in seinem eigenen Wesen (rot). Dann fühlt sich der Mensch ausgedehnt in die Weltenweiten. Er breitet sein eigenes Wesen aus in das, was da draußen ist (gelb). Bald ist der Mensch also zusammengezogen in sein eigenes Wesen (rot), bald ist er ausgebreitet mit seinem eigenen Wesen in die Weiten des Weltenalls. Ich will diese Zusammenziehung, nachdem die Ausbreitung geschehen ist, noch einmal besonders zeichnen: Da ist also das Menschenwesen (rot), und jetzt zieht es dasjenige, was draußen ist (gelb), wiederum in sich herein, so daß es verdichtet in dem eigenen Wesen ist, wie der Mensch aus den physischen Weiten des Weltenalls die Luft in sich hereinzieht beim Einatmen.

[ 23 ] Ja, aber wenn wir erst unser Wesen über den Kosmos ausgebreitet haben, dann es wiederum in uns hereinziehen, dann beginnt in uns, ich kann es nicht anders ausdrücken, dasjenige, was wir umfaßt haben, indem wit unser Wesen ausgebreitet haben in die Weltenweiten, und was wir wiederum in uns zusammenziehen, es beginnt in uns zu sagen, was es ist. Und wir sagen dann zwischen dem Tode und einer neuen Geburt: der Logos, in den wit uns zunächst hinausversenkt haben, der Logos spricht in uns.

[ 24 ] Wir haben hier auf der Erde in bezug auf die physische Sprache vorzugsweise das Gefühl, daß wir die Worte entwickeln, indem wir ausatmen. Wir haben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt die Wahrnehmung, daß die Worte, die im Weltenall ausgebreitet sind und die das Wesen des Weltenalls bedeuten, beim Einatmen unseres Wesens in uns hereinkommen und sich selber als Weltenwort in uns offenbaren. Wir sprechen hier auf der Erde ausatmend, wir sprechen in der geistigen Welt einatmend. Und indem wir mit uns vereinen, was uns der Logos, was uns das Weltenwort sagt, leuchten auf in unserem Wesen die Weltgedanken. Hier mühen wir uns durch unscr Nervensystem ab, die Erdgedanken zu hegen, dort saugen wir in uns selbst die Weltgedanken aus der Sprache des Logos, die auftritt, nachdem wir zuerst unser Wesen ausgebreitet haben über das Weltenall.

[ 25 ] Und nun fassen Sie in aller Lebendigkeit diesen Zusammenhang! Sie sagen sich zwischen dem Tode und einer neuen Geburt: Ich habe dieses zu tun — das nehmen Sie als innere Erfahrung aus dem, was Sie bisher erlebt haben, daß Sie dies oder jenes tun sollen. Mit dieser Absicht, dies oder jenes zu tun, breiten Sie Ihr Wesen in die Weiten der Welt hinaus, aber so, daß dieses Ausbreiten in Orientierung geschieht. Wenn Sie hier sich sagen: Ich muß mir Butter kaufen -, so ist das eine Absicht. Sie setzen sich in Bewegung nach Basel hinein zum Beispiel, um dort sich Ihre Butter zu kaufen und bringen sie hierher zurück. Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hegen Sie auch eine Absicht in bezug auf diejenigen Dinge, die eben drüben in der andern Welt getan werden müssen, und Sie breiten Ihr Wesen aus. In Ihrer Absicht liegt es, daß Sie alles das in sich tun, was nun auch Sie orientiert, aber, wenn dieses getan wird, zieht es Sie zu einem Engelwesen hin, wenn jenes getan wird, vielleicht zu einem Willenswesen hin und so weiter. Die vereinen sich mit Ihrem ausgebreiteten Wesen. Sie atmen ein: dieses Wesen spricht dasjenige aus, was sein Anteil an dem Logos ist, und die Weltgedanken von diesem Wesen gehen Ihnen auf.

[ 26 ] Eigentlich, wenn der Mensch hier auf die Erde in bezug auf seinen Geistkeim herunterströmt — wir selbst bleiben dann noch etwas, wie ich dargestellt habe, in der geistigen Welt oben -, da ist er aus der geistigen Welt her nicht zum Denken im irdischen Sinne, nicht zum Sprechen im irdischen Sinne, auch nicht zum Gehen im irdischen Sinne der Schwerkraft veranlagt, sondern er ist veranlagt, zwischen den Wesen der höheren Hierarchien sich zu bewegen, sich zu orientieren. Er ist nicht zum Sprechen veranlagt, er ist veranlagt dazu, den Logos in sich ertönen zu lassen. Er ist nicht zu den finsteren Gedanken des Erdenlebens veranlagt, er ist veranlagt zu den Gedanken, die in ihm leuchtend werden innerhalb des Kosmos.

[ 27 ] Dasjenige, was hier auf der Erde Gehen, Sprechen, Denken ist, das hat seine Analogien drüben in der geistigen Welt: Erstens in der Orientierung innerhalb der Hierarchien, zweitens in dem In-sich-lebendigTönendwerden des Weltenwortes und drittens in dem geistigen innerlichen Aufleuchten der Weltgedanken.

[ 28 ] Stellen Sie sich jetzt lebhaft das Hinausgehen des Menschen nach dem Tode in die Weiten des Universums vor. Er passiert dabei die Planetensphären im Umkreise der Erde. Über solche Dinge habe ich in den letzten Vorträgen hier gesprochen. Er passiert die Mondensphäre, die Venussphäre, die Merkursphäre, die Jupitersphäre, die Saturnsphäre. Denken Sie sich, er ist da hinausgekommen in die Weltenweiten. Er sieht die Sterne dann immer von der andern Seite. Von der Erde aus sehen wir zu den Sternen hinauf (Pfeil aufwärts); wenn wir aber draußen sind, sehen wir von außen herein (Pfeil abwärts). Die Kräfte, die uns hier befähigen, die Sterne zu sehen, geben uns das physische Abbild der Sterne. Die Kräfte, welche uns befähigen, die Sterne von der andern Seite zu sehen, lassen uns die Sterne nicht so erscheinen, wie sie uns hier erscheinen, sondern von der andern Seite sehen wir die Sterne durchaus als geistige Wesenheiten. Und wenn wir dann, ich muß mich natürlich irdischer Ausdrücke bedienen, aus dem Gebiete unserer Planetensphäre hinauskommen, so wie die Weltenentwickelung jetzt eben ist — dieses «jetzt» ist allerdings ein kosmisches Jetzt, das dauert lange -, dann sagen wir uns aus dem Verständnis, das wir uns aneignen durch das höhere Bewußtsein, das wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt haben: Die größte Wohlrat ist es für uns, daß die Kräfte des Saturns nicht nur hereinscheinen in die Planetenwelt der Erde, sondern auch in die Weiten des Weltenraumes. — Da sind sie allerdings etwas ganz anderes als die kleinen unbedeutenden bläulichen Strahlen des Saturns, die hier auf der Erde sichtbar sein können. Da erscheinen uns die Geiststrahlen, die ins Weltenall hinausstrahlen und die sogar aufhören, räumlich zu sein, die in ein Unräumliches hineinscheinen, so, daß wir uns zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sagen: Wir schauen in Dankbarkeit hierher zurück zu dem äußersten Planeten unseres Erden-Planetensystems, zu dem Saturn — denn Uranos und Neptun sind ja nicht eigentliche Planeten der Erde, sie sind später hinzugekommen -, wir sind uns bewußt, er scheint nicht nur auf die Erde nieder, er scheint auch in die Weiten des Weltenraumes hinaus. Dem, was et da hinausstrahlt an Geiststrahlen, verdanken wir es, daß wir entkleidet werden der irdischen Schwere, entkleidet werden dessen, was die physischen Sprachkräfte sind, dessen, was die physischen Denkkräfte sind. Saturn ist in der Tat unser größter Wohltäter zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in seinem Hinausstrahlen in die Weltenweiten, er ist in dieser Beziehung vom geistigen Gesichtspunkte aus das Entgegengesetzte der Mondenkräfte.

[ 29 ] Die geistigen Mondenkräfte bannen uns auf die Erde herein, die geistigen Saturnkräfte befähigen uns, in den Weiten des Weltenalls zu leben. Hier auf Erden sind uns als Menschen die Mondenkräfte von ganz besonderer Bedeutung; ich habe dargestellt, wie sie sogar bei unserem alltäglichen Aufwachen ihre Rolle spielen. Dasjenige, was uns die Mondenkräfte hier auf Erden sind, das sind uns die Kräfte, die von der äußersten Sphäre unseres Planetensystems als Saturnkräfte in das Weltenall hinausstrahlen. Denn in der Tat, dieses Hinausstrahlen ist nicht so, daß Sie sich vorstellen sollen: Nun ja, der Saturn hat eben eine Vorderseite, strahlt auf die Erde herunter, hat eine Rückseite, strahlt in das Weltenall hinaus. So ist es nicht, sondern der Saturn, wenn er das wäre (siehe Zeichnung), bewegt sich in dieser Bahn. Nun strahlt er von überall geistig aus (rot), so daß das Hinausstrahlen so geschieht. — Im Gegenteil: der physische Saturn erscheint, ich möchte sagen, wie ein Loch in dieser Sphäre des Weltensaturns, die hinausleuchtet geistig in den Weltenraum. Es ist durchaus so, daß dasjenige, was da hinausstrahlt, alles Irdische uns von einem bestimmten Zeitpunkte an nach dem Tode zudeckt, aber mit Licht zudeckt.

[ 30 ] Nun, kosmisch angeschaut ist das so: hier auf der Erde steht der Mensch unter dem Einfluß der geistigen Mondenkräfte, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt steht er unter dem Einfluß der Saturnkräfte. Und indem er wiederum auf die Erde heruntergeht, entzieht er sich den Saturnkräften und kommt allmählich in die Sphäre der Mondenkräfte. Was geschieht da? Solange der Mensch mit der Sphäre der Saturnkräfte verwandt ist - und dem Saturn, wenn ich so sagen darf, helfen Jupiter und Mars dabei, die eine besondere Aufgabe haben, von der ich in der nächsten Zeit hier sprechen werde -, solange der Mensch also unter dem Einflusse von Saturn, Jupiter und Mars steht, will er eigentlich ein Wesen werden, das nicht geht und spricht und denkt im irdischen Sinne, sondern das sich unter Geistwesen orientieren will, das den Logos in sich tönend erleben will, das die Weltgedanken in sich aufleuchtend haben will. Und mit diesen inneren Absichten wird nun in der Tat der Geistkeim des physischen Organismus auf die Erde herunter entlassen.

[ 31 ] Der Mensch, der von den geistigen Welten auf die Erde steigt, hat nämlich nicht die geringste Neigung, sich der Erdenschwere zu fügen, et hat keine Neigung zu gehen, die Sprachorgane in Vibration zu bringen so, daß seine physische Sprache ertönt, und mit einem physischen Gehirn über die physischen Dinge nachzudenken. Das hat er alles nicht. Das bekommt er dadurch, daß er, indem er aus der Sphäre der Saturnkräfte, also als physischer Geistkeim, auf die Erde hinunter entlassen wird, durch die Sonne durchgeht und dann in die andere Planetensphäre hineinkommt, in die Merkur-, Venus-, Mondensphäre. Merkur-, Venus- und Mondensphäre verwandeln die kosmischen Anlagen zur Geistorientierung, zum Logoserleben, zum Aufleuchten der Weltgedanken im Innern, in die Anlagen zum Sprechen, zum Denken, zum Gehen. Und die Umkehrung bewirkt die Sonne, das heißt, die geistige Sonne.

[ 32 ] Dadurch, daß der Mensch in die Mondensphäre kommt - und den Mondenkräften helfen eben die Venus- und Merkurkräfte -, werden die, wenn ich mich so ausdrücken darf, himmlischen Orientierungs- und Logos- und Gedankenanlagen in die irdischen verwandelt. Eigentlich müßten wir das Menschenkind hier auf der Erde, indem es beginnt, sich aus der kriechenden Stellung aufzurichten, so ansprechen, daß wir sagen: Du warst, ehe du aufgenommen worden bist von Merkur-, Venus-, Mondenkraft, veranlagt drüben in den himmlischen Sphären für Geistorientierung innerhalb der Hierarchien, für das innerliche Erleben des tönenden Logos, für das innere Erleuchtetsein mit den Weltgedanken. Die Metamorphose von jenen himmlischen Fähigkeiten in irdische Fähigkeiten hast du vollzogen, und gearbeitet hast du an diesem Vollzug, indem du durch die ganze Planetensphäre gegangen bist, und die Sonne gerade die Umkehrung des Himmlischen in das Irdische bewirkt hat.

[ 33 ] Dabei aber vollzieht sich noch etwas ganz Gewaltiges: dabei vollzieht sich dieses, daß der Mensch, indem er aus dem Himmlischen in das Irdische tritt, nur die eine Seite des Ätherischen erlebt. Das Ätherische ist ausgebreitet innerhalb der ganzen Planeten- und Sternensphäre. Aber in dem Moment, wo sich die himmlischen Fähigkeiten in die irdischen Fähigkeiten verwandeln, verliert der Mensch das Erlebnis der kosmischen Moralität. Wenn man die Orientierung unter den Wesen der höheren Hierarchien erlebt, dann erlebt man sie nicht bloß mit Naturgesetzen durchsetzt, sondern man erlebt sie als moralische Orientierung. Da ist alles zugleich moralisch. Ebenso spricht der Logos in dem Menschen, nicht wie die Naturerscheinungen amoralisch - wenn auch nicht antimoralisch, aber amoralisch sprechen die Naturerscheinungen -, der Logos spricht mit Moralität. Und ebenso leuchten die Weltgedanken im Sinne der Moralität.

[ 34 ] Saturn, Jupiter, Mars enthalten, wenn das auch zum Horror der Physiker ausgesprochen werden muß, neben ihren sonstigen Kräften durchaus Kräfte, die moralisch orientierend sind. Erst indem der Mensch diese charakterisierten Fähigkeiten umwandelt in das Gehen, Sprechen, Denken, verliert er die moralischen Ingredienzien.

[ 35 ] Das ist außerordentlich wichtig. Wenn wir hier auf der Erde vom Äther sprechen, in dem wir zunächst leben, wenn wir uns der Erde nähern, um dann geboren zu werden, da sprechen wir vom Äther so, daß wir ihm allerlei Eigenschaften zuschreiben. Aber das ist nur die eine Seite des Äthers. Die andere Seite ist die, daß er eine moralisch wirkende Substanz ist, daß er von Moralimpulsen überall durchsetzt ist. Wie er vom Licht durchsetzt ist, so ist er von Moralimpulsen durchsetzt. Die sind im irdischen Äther nicht vorhanden.

[ 36 ] Nun ist es aber doch so, daß der Mensch als irdisches Wesen sozusagen nicht ganz verlassen ist von den Kräften, innerhalb derer er zwischen dem Tode und einer neuen Geburt lebt. Es könnte ja auch so sein -— wenn es in der Weltenordnung durch irgendeine göttliche Fügung so gekommen wäre, daß der Mensch hier auf der Erde gar keine Ahnung davon hätte, daß er neben einem physischen auch ein moralisches Wesen sein soll -, daß sein Gehen, Sprechen, Denken hier auf der Erde einer himmlischen Orientierung, einem himmlischen Logos, einem himmlischen Erleuchtetwerden mit den Weltgedanken entspricht. Der Mensch weiß, wenn es nicht in ihm angeregt wird, auf der Erde nicht viel von diesen himmlischen Gegenbildern seines Irdischen, aber Ahnungen davon sind in ihm doch vorhanden. Alles, was den Menschen mit der geistigen Welt verbinden würde, würde auf der Erde spurlos vergessen sein, nicht einmal das Gewissen würde sich regen, wenn nicht auf der Erde dennoch Nachwirkungen des Himmlischen vorhanden wären.

[ 37 ] Ich will von etwas ganz Bestimmtem ausgehen. Es wird zunächst etwas paradox erscheinen, was ich Ihnen jetzt sagen werde, aber es entspricht durchaus den geistig festzustellenden Tatsachen. Nehmen wir an, wir haben hier die Erde selbst (rot), wir haben hier ihre Luftumgebung (hell). Es ist natürlich nicht in dem richtigen Verhältnis gezeichnet, das macht aber nichts. Und wir haben dann weiter draußen dasjenige, was allmählich übergeht in die geistige Welt: wir haben den kosmischen Äther, der allmählich übergeht in die geistige Welt. Da hört es dann auf. Wenn ich zeichne, so muß ich noch räumlich zeichnen, aber eigentlich wird es unräumlich da hinaus (siehe Zeichnung, gelb).

[ 38 ] Nun, hier auf der Erde atmen wir, atmen die Luft ein und aus, und das ist der Atmungsrhythmus. Aber draußen breiten wir unser Wesen in den Kosmos aus, so daß wir den Logos, die Weltgedanken in uns hereinnehmen. Da lassen wir die Welt in uns sprechen. Das geschieht auch im Rhythmus, in einem Rhythmus, der sich nach den Sternenwesen richtet. Da draußen ist auch Rhythmus. Hier auf der Erde ist bei uns Menschen also der Atmungsrhythmus, der in einem gewissen Verhältnis steht zum Zirkulationsrhythmus, wie eins zu vier, während eines Atemzuges vier Pulsschläge. Da draußen ist das, was wir da geistig ausatmen und wieder einatmen, Weltenrhythmus. Hier leben wir dadurch, daß wir eine bestimmte Anzahl von Atemzügen, eine bestimmte Anzahl von Zirkulationsschlägen in der Minute haben. Wir leben als Menschen auf der Erde von unserem Atmungsrhythmus, von unserem Zirkulationsrhythmus. Wir dringen hinaus in die Welt, wir leben da draußen in einem Weltenrhythmus, indem wir gewissermaßen die moralisch-ätherische Welt einatmen — da sind wir in uns; und indem wir sie wieder ausatmen -, da sind wir mit den Wesen der höheren Hierarchien zusammen. So wie wir hier in unserem physischen Leib innerhalb der Haut regelmäßige Bewegungen rhythmisch angeregt haben, so haben wir draußen in dem Gang und in der Stellung der Sterne diese Anreger in dem Weltenrhythmus, in den wir uns einleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 39 ] Es ist also wirklich so, da (siehe Zeichnung) ist die Erde mit ihrer nächsten Umgebung. Wir leben in der Luft, entfalten in der Luft unseren Atmungsrhythmus. Der ist außerordentlich regelmäßig. Seine Unregelmäßigkeit bedeutet Krankheit für den Menschen. Draußen da müßten wir aber, ich möchte sagen, einen Weltenzwischenraum durchgehen - erleben wir den Weltenrhythmus, indem wir in dem moraldurchdrungenen Weltenäther draußen leben. Das sind zwei verschiedene Rhythmen: der Menschenrhythmus, der Weltenrhythmus; beides sind Menschenrhythmen, denn der Weltenrhythmus ist der Menschenrhythmus zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 40 ] Die Welt hat sozusagen hier auf der Erde den regelmäßigen Menschheitsrhythmus, draußen den Rhythmus, an dem wir selber teilnehmen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Was ist da zwischen beiden? Der Menschheitsrhythmus befähigt uns zwischen der Geburt und dem Tode, menschliche Worte zu sprechen, die Menschenworte, die Menschensprache uns anzueignen. Der Weltenrhythmus befähigt uns zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, das Weltenwort in uns ertönen zu lassen. Die Erde gibt uns die Sprache; das Universum, das Geistuniversum gibt uns den Logos. Sie werden ahnen, daß es da ganz anders ausschaut, wo jener Rhythmus webt, der uns den Logos gibt, als hier auf der Erde in der Luft, wo wir das Menschenwort entfalten.

[ 41 ] Wodurch sind denn die beiden Gebiete abgegrenzt? Wir schauen hinaus in die physische Welt. Wir schauen da draußen nicht den Weltenrhythmus. Beides sind harmonisch innerlich durch und durch gesetzmäßige Zusammenhänge. Was ist zwischen beiden? Zwischen beiden ist dasjenige, an dem der Weltenrhythmus, indem er, ich möchte sagen, der Erde zu nahe kommt, zerstiebt, und das unter Umständen auch den menschlichen Atmungsrhythmus in Unordnung bringt; zwischen beiden sind all diejenigen Erscheinungen, die sich ausdrücken in den Lufterscheinungen, in alldem, was zur Meteorologie gehört. Würden auf unserer Erde nicht Schneegestöber, Gewitter, Wolkenbildung, Wind stattfinden, würde nicht die Luft zunächst neben dem, was sie regelmäßig an Sauerstoff und Stickstoff für unsere Atmung bedeutet, dieses Wesen der Meteorologie in sich haben denn es ist immer da, auch wenn sie scheinbar rein ist —, wir würden hinausblicken in das Weltenall und draußen einen andersgearteten Rhythmus, aber das volle Gegenbild, nur ins Grandiose übersetzt, unseres Atmungsrhythmus überblicken. Die chaotischen Wettererscheinungen liegen zwischen den beiden Regelmäßigkeiten der Welt. Die chaotischen Wettererscheinungen trennen voneinander den Weltenrhythmus und den Menschen-Atmungsrhythmus.

[ 42 ] Und in einer ähnlichen Weise ist der Mensch hier auf Erden der Schwere unterworfen. Er ordnet seinen Gang, er ordnet jede Handbewegung in diese Schwere, in diese Kräfte der Schwere ein. Draußen sind sie ganz anders, da sind sie nach allen Seiten orientiert. Da laufen die Linien von Wesenheit zu Wesenheit der höheren Hierarchien. Was ist zwischen beiden? So wie das Wetter zwischen Himmelsrhythmus und Menschen-Erdenrhythmus ist — was ist zwischen dem Gegensatz der Schwere des Kosmos und der Schwere der Erde?

[ 43 ] Nun, geradeso wie das Wetter zwischen den Rhythmen ist, so ist zwischen den einander entgegengesetzten Kräften, der Schwerkraft und der geistigen Himmelsorientierungskraft, dasjenige, was sich auf der Erde als die vulkanischen Kräfte, als die Erdbebenkräfte auslebt. Die sind unregelmäßig.

[ 44 ] Mit welchem Interesse sind zum Beispiel die wunderbaren Bildungen der im Stillen Ozean draußen liegenden Osterinsel beschrieben worden, die ganz besonders wunderbare Reste aus alten Bildungen enthält. Sie werden sich erinnern, wie gerade diese Bildungen beschrieben worden sind. Seit Anfang November alles fort! Ein furchtbares Erd- und Seebeben hat die Osterinsel von dem Erdboden verschwinden lassen; sie ist hineingesunken in das Meer.

[ 45 ] Dasjenige, was sich in Wind und Wetter abspielt, steht im innigen Zusammenhange mit unseren Atmungsvorgängen auf die Weise, wie ich es geschildert habe vom Kosmos aus gesehen. Was sich in den vulkanischen Kräften abspielt, das steht so im Zusammenhange mit der Schwerkraft, daß es uns tatsächlich erscheint, wenn wir es nur in diesem Zusammenhang erblicken wollen, wie wenn sich von Zeit zu Zeit die übersinnlichen Mächte Stücke von der Erde heimholten, indem sie in die Gesetzmäßigkeit der Schwerkräfte eingreifen, indem sie von der andern Seite her das, was die Schwerkräfte nach und nach aufgebaut haben, ins Chaotische hineinprägen, um es heimzuholen.

[ 46 ] So wirkt in der Tat alle irdische Bildung, wie sie durch die Schwerkraft entstanden ist, durch solche, ich möchte sagen terrestrischen Erscheinungen. Aber während sich beim Wetter das Luftförmige, das Warme bewegt und das Wäßrige, haben wir es hier mit dem IrdischFesten zu tun und mit dem Wäßrigen, durch das die Erde revoltiert. Wir haben es da zu tun mit demjenigen, was über die Regelmäßigkeit der Gewichtsverhältnisse hinausführt und was nach und nach die Erde ebenso wieder hinwegnehmen wird, wie sie entstanden ist durch die Schwerkr aft. Daß dazu noch ein Drittes kommt zur Meteorologie und zum Vulkanismus, davon werde ich dann das nächste Mal sprechen.

[ 47 ] Eine gewöhnliche Wissenschaft weiß eigentlich nicht viel mit den vulkanischen Erscheinungen anzufangen und erklärt sie oftmals so, wie ich zum Beispiel neulich gerade in Anknüpfung an dieses furchtbare Erdbeben gelesen habe. Da schrieb jemand einen Artikel darüber. Ein Geologe, das heißt ein Weiser auf diesem Gebiete, beschrieb die Sache und sagte dann: Ja, aber wenn wir über die Ursache dieser Erscheinungen, die von Zeit zu Zeit immer wiederkommen und so vieles auf der Erde zerstören, nachdenken, so müssen wir dieses letzte Erdbeben in die Kategorie der tektonischen Erderschütterungen rechnen. -— Was heißt das: Wenn wir über die Ursache nachdenken, müssen wir das in die Reihe der tektonischen Erderschütterungen rechnen? -— Wenn man sagt tektonische Erderschütterungen, so sind das Erschütterungen, wo sich die verschiedenen Partien der Erde so umeinander umwälzen. Also wenn wir über die Ursache dieses Umwälzens sprechen wollen, da müssen wir über das Umwälzen sprechen! Die Armut kommt von der pauvreté!

[ 48 ] Es ist eben schon durchaus so: wenn wir Zusammenhänge in diesen Dingen sehen wollen, dann müssen wir herantreten an das Geistige. Denn in dem Augenblicke, wo wir das, was uns die gewöhnliche Naturgesetzlichkeit auf irgendeinem Gebiete, sagen wir auf dem Gebiete der Schwerkraft oder auf dem der rhythmischen Erscheinungen im Äther, gibt, wenn wir von dem übergehen zu dem, was aus dem Kosmos in ein scheinbares Chaos führt - um aber durch dieses Chaos hinauf in das Höhere des Kosmos zu führen -, wenn wir mit andern Worten durch Vulkanismus und Meteorologie dringen wollen, so müssen wir an das Geistige heran.

[ 49 ] Was sich wie ein Zufälliges - so nennt man es ja dann - hineinstellt in das Weltenganze, das enthüllt sich innerhalb des Geistigen in seinem vollgültigen gesetzmäßigen Zusammenhange. Man kann wissen, daß man durch das Meteorologische als Mensch zwischen der Geburt und dem Tode herausgenommen wird aus dem, worinnen man zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist. Wenn man konkret spricht gegenüber den vielen Abstraktionen, die es heute gibt, so kann man sagen: In den himmlischen Regionen ist der Mensch in einer Gesetzmäßigkeit darinnen, die ihm hier auf Erden dadurch verdeckt ist, daß er in die meteorologischen Erscheinungen des Luftkreislaufes eingespannt ist. Das Meteorologische ist die Scheidewand zwischen dem, was der Mensch auf Erden erlebt, und dem, was er erlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 50 ] Auf diese Weise möchte ich mich bemühen, Ihnen immer mehr und mehr Zusammenhänge zu zeigen, die wirklich ins Konkrete gehen und nicht bloße Umschreibungen sind.