Das Verhältnis der Sternenwelt zum Menschen und des Menschen zur Sternenwelt
Die geistige Kommunion der Menschheit
GA 219
31 Dezember 1922, Dornach
Zwölfter Vortrag
[ 1 ] Ich habe vorgestern davon gesprochen, wie man den Jahreskreislauf _ auch im Menschen finden kann. Ich habe aufmerksam darauf gemacht, wie die Naturwirkungen, die um uns herum sind, sich gewissermaßen in einem zeitlichen Organismus während eines Jahreskreislaufes abspielen, so daß man eine Art Zusammenwirken, Ineinanderwirken desjenigen schauen kann, was man sonst als einzelne Naturvorgänge, Naturtatsachen sich im Laufe eines Jahres abspielen sieht. Nun ist aber zwischen diesem Naturkreislaufe und seiner Abspiegelung im Menschen der wesentliche Unterschied, daß dasjenige, was für ein gewisses Erdengebiet sich nacheinander abspielt, im Menschen gleichzeitig ist. Zwar ist der Mensch als Ganzes dem Erdenganzen auch dadurch gleich, daß, wenn auf der einen Erdenhälfte Sommer ist, auf der andern Winter ist und so weiter. Aber bei der Erde ist es so, daß die entsprechenden Winterwirkungen einer Gegend und die Sommerwirkungen einer andern Gegend gewissermaßen dem weiten Weltenraume gegenüber voneinander getrennt stehen, so daß, wenn wir die Winterwirkungen einer Gegend, die Sommerwirkungen einer andern Gegend in ihrer Gleichzeitigkeit nehmen, sie auseinanderfließen, sich also gegenseitig in ihrem Dasein nicht irgendwie abschwächen, nicht stören.
[ 2 ] Beim Menschen ist es aber so, daß, wenn er schlafend ist, sein physischer Leib und auch sein Ätherleib in einer Art Sommerzustand, in einem sprießenden, sprossenden Leben sind. Das geistige Schauen zeigt uns für den Schlaf, wenn das Ich und der astralische Leib getrennt sind vom physischen und vom Ätherleibe, diesen sprießenden, sprossenden Sommerzustand des physischen und Ätherleibes. Man kann schon sagen, während der Mensch schläft, ist in seinem zurückgelassenen physischen und Ätherorganismus aufeinanderfolgend eine Art Frühlings- und Sommerzustand. Aber sein nun doch mit diesem gesamten Menschenorganismus in Wechselwirkung stehender astralischer Leib und sein Ich sind zu derselben Zeit in einer Art Winterzustand. So daß hier gleichzeitig Sommer- und Winterzustand sind, daß sie aber ineinanderwirken, nicht also voneinander abgewendet sind, sondern ineinanderwirken. Ebenso ist es aber auch beim menschlichen Wachzustand. Wenn der Mensch wacht, sind sein physischer und sein ätherischer Leib in einer Art Herbst- und Winterzustand. Dagegen sind, angeregt durch die Eindrücke der Außenwelt, angeregt durch die Gedanken, die sich der Mensch über diese Außenwelt macht, der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem vollen Sommer- oder vollen Frühlingszustand. Wiederum wirken da der innere Frühling, der innere Sommer und der innere Winter im Menschen zusammen, sind nicht voneinander abgewendet, sondern durchstrahlen sich.
[ 3 ] Das ergibt sich tatsächlich der geisteswissenschaftlichen Forschung, daß gewissermaßen, wenn wir die Gesamterde voll mit dem Menschen vergleichen wollten mit Bezug auf die Vorgänge des Winters und des Sommers, wir die einander entgegengesetzten Erdenhälften umwenden müßten. Beim Menschen ist es so, wie wenn wir bei der Erde den Sommer der einen Hälfte durch Umwendung der Erde unmittelbar auffallen lassen würden auf den Winter der andern Hälfte. Dadurch aber würde tatsächlich etwas entstehen, was damit charakterisiert werden kann, daß man sagt: Die Winterwirkungen heben die Sommerwirkungen, die Sommerwirkungen die Winterwirkungen zu einer Art von Gleichgewichtszustand auf. Das ist ein wichtiges Ergebnis, zu dem bis heute die äußere Wissenschaft nicht gekommen ist und wodurch sie eigentlich die im Menschen wesende Natur ganz verkennen muß. Im Menschen ist das Naturwirken in der Tat so, daß Winter und Sommer — wenn ich dieser Ausdrücke mich bedienen darf, denn sie beziehen sich wirklich auf ein sie rechtfertigendes Geschehen —, daß Sommer- und Winterzustand einander aufheben.
[ 4 ] Der Mensch trägt allerdings die ihn umgebende Natur in sich, aber die Wirkungen heben sich gegenseitig auf, und es tritt ein Zustand ein, der wirklich im Grunde genommen das Naturwirken im Menschen zur Ruhe bringt. Geradeso wie bei einer Waage, wenn sie an beiden Seiten mit Gewichten beschwert wird, in der Mitte des Waagebalkens ein Ruhepunkt ist, auf den weder die rechte noch die linke Kraftentwickelung wirkt, ein Gleichgewichtszustand in bezug auf das ist, was sonst auf den Waagebalken herunterziehend wirkt, so ist tatsächlich im Menschen eine Ausgeglichenheit entgegengesetzter Naturwirkungen.
[ 5 ] Wer den dreigliedrigen Menschen betrachtet, so wie ich ihn im Anhange zu meinem Buche «Von Seelenrätseln» skizziert habe, wirklich richtig betrachtet, wie man es heute noch nicht gewöhnt ist, wird in der Tat folgendes finden. Wir gliedern den Menschen in eine NervenSinnesorganisation, in eine rhythmische Organisation und in eine Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation. Diese drei Organisationen wirken ineinander. Man kann sagen, die Nerven-Sinnesorganisation wirkt hauptsächlich im Kopfe; aber der ganze Mensch ist in gewisser Beziehung funktionell wieder Kopf. Ebenso ist es mit den andern Systemen, der rhythmischen Organisation, der Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation.
[ 6 ] Nun können wir schematisch den Menschen etwa in folgender Art darstellen, wenn wir auf seine dreigliedrige Wesenheit Rücksicht nehmen. Wir haben also die Nerven-Sinnesorganisation, die rhythmische Organisation und die Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation.
[ 7 ] Nun ist in der Tat, wenn wir die beiden äußeren Organisationssysteme des Menschen nehmen, die Nerven-Sinnesorganisation und die Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation, ein Gegensatz zwischen beiden vorhanden, der sich für eine geisteswissenschaftliche Anatomie und Physiologie sehr deutlich zeigt. Wenn wir zum Beispiel gehen, so haben wir in unserem Gliedmaßenorganismus eine Bewegung, die sogar eine Bewegung im Raume ist. Dieser Bewegung entspricht in einem gewissen Teil unserer Nerven-Sinnesorganisation, in einem gewissen Teil unserer Kopforganisation eine Ruhe in demselben Maße, in dem die Gliedmaßenorganisation in Bewegung ist. Ich bitte Sie, den Versuch zu machen, die Sache richtig zu verstehen. Ich habe gesagt «in demselben Maße in Ruhe ist». Ruhe nimmt man gewöhnlich als einen absoluten Begriff. Wer sitzt, der sitzt, und man unterscheidet nicht, ob man mit mehr Intensität sitzt oder mit weniger Intensität. Man hat auch für das gewöhnliche Leben in einer gewissen Beziehung recht damit. Da unterscheiden sich diese Dinge nicht sehr stark voneinander.
[ 8 ] Aber mit unserer Nerven-Sinnesorganisation ist es anders. Wenn wir schneller laufen, wenn wir mit unserer Gliedmaßenorganisation schneller laufen, so ist eine gewisse Ruhetendenz in unserer NervenSinnesorganisation, die als Ruhetendenz, als Ruhigbleibenwollen, stärker ist, als wenn wir langsam gehen. Und allem, was mit unserer Gliedmaßenorganisation vor sich geht, auch was mit unserer Stoffwechselorganisation vor sich geht, wenn zum Beispiel die Nahrungssäfte ihren Weg durch die Bewegung der Gedärme machen, entspricht eine Ruhetendenz in unserem Nerven-Sinnesorganismus. Es drückt sich das auch äußerlich aus.
[ 9 ] Der Kopf, welcher der hauptsächlichste Sitz des Nerven-Sinnesorganismus ist, ist eigentlich in bezug auf unseren Gliedmaßenorganismus ein Faulpelz. Er benimmt sich ungefähr so, wie einer, der sich bequem in eine Droschke setzt und vom Pferde fahren läßt. Der bleibt ruhig. So ist unser Kopf fortwährend ruhig sitzend auf unserem übrigen Organismus. Es interessiert ihn nicht einmal, wenn ich zum Beispiel mit den Armen fuchtele. Da bewirkt das Fuchteln mit meinem linken Arm eine ruhige Tendenz in meiner rechten Kopfhälfte, wenn ich mit dem rechten Arme fuchtele, bewirkt das eine ruhige Tendenz in meiner linken Kopfhälfte. Und durch diese ruhige Tendenz ist es möglich, daß wir unsere Bewegungen mit Gedanken, mit Vorstellungen begleiten.
[ 10 ] Es ist ganz unrichtig, wenn etwa eine materialistische Weltanschauung meint, Vorstellungen beruhen auf Nervenbewegungen. Sie beruhen im Gegenteil, wenn sie Vorstellungen von irgendeiner Bewegung im Raume sind, auf ruhigen Tendenzen des Nervensystems. Das Nervensystem beruhigt sich, und dadurch, daß sich das Nervensystem beruhigt, sich sogar in seiner Lebenstätigkeit abdämpft, dringen in diese Ruhe die Gedanken ein, werden wirklich. Wer am Menschen geisteswissenschaftlich zu beobachten vermag, was sich beim Denken, beim Vorstellen abspielt, der kann unmöglich Materialist werden, weil er weiß, daß in demselben Maße die Gedanken regsam und tätig wirken als geist-seelische Substanz, in dem gerade die Nerven ruhig werden und sogar an Lebensintensität verlieren, sogar abgelähmt werden. Das Nervensystem muß durch Aufhören seiner materiellen Tätigkeit dem Geist-Seelischen der Gedanken erst Platz machen. Gerade an solchen Dingen sehen wit, warum wir einen Materialismus haben. Wir haben einen Materialismus seit der Zeit, wo die . Wissenschaft die Materie nicht kennt. Das ist gerade das Charakteristische der materialistischen Wissenschaft, daß sie keine Ahnung hat von dem Wesen der materiellen Vorgänge und ihnen daher allerlei Dinge andichtet, die nicht da sind.
[ 11 ] Da sehen Sie schon, wie entgegengesetzte Zustände, die aber nach einem Gleichgewichte tendieren, im Menschen vorhanden sind. Geradeso wie im Hochsommer entgegengesetzte Naturwirkungen im Verhältnisse zum Tiefwinter vorhanden sind, so verteilen sich auch auf den menschlichen Organismus entgegengesetzte Wirkungen, die aber einander das Gleichgewicht halten. Wir werden aber nur dann richtig über diese einander entgegengesetzten, einander das Gleichgewicht haltenden Wirkungen denken, wenn wir den Menschen noch in folgender Weise gliedern. Wenn wir sein mittleres System, sein rhythmisches System in zwei Teile gliedern, so unterscheiden wir im wesentlichen — es ist nicht ganz genau, aber im wesentlichen — den Atmungsrhythmus und den Blutzirkulationsrhythmus, und dann sprechen wir von einem oberen mittleren rhythmischen System und einem unteren mittleren rhythmischen System. Dann aber ist in der Mitte dieses rhythmischen Systems zwischen dem Oben und Unten diejenige Partie des Menschen, die am meisten zum Gleichgewicht strebt, weil sie von oben und unten in entgegengesetzter Weise von Naturwirkungen durchzogen, beeinflußt, beeindruckt wird.
[ 12 ] Will ich daher in meine schematische Zeichnung hier diesen Tatbestand von den entgegengesetzten Naturwirkungen im Menschen einfügen, so muß ich diese schematische Zeichnung in der folgenden Weise (rot) ergänzen: ich habe in dem oberen Teil dieser Achterlinie schematisch umgrenzt die Naturwirkungen, welche in entgegengesetzter Art gerichtet sind als diejenigen Naturwirkungen, die ich umgrenzt habe mit dem unteren Teil der Achterlinie.
[ 13 ] So zerfällt der Mensch gewissermaßen in zwei Hälften, in ein Oberes und in ein Unteres. Das Obere umfaßt das Nerven-Sinnessystem, das sich natürlich über den ganzen Menschen ausdehnt. Die Zeichnung ist schematisch. Manchmal muß man hier das «Oben» in der großen Zehe suchen, weil dort auch Nerven-Sinnesorgane sind. Also die Zeichnung ist schematisch, aber Sie werden sich leicht diese schematische Zeichnung auf die Wirklichkeit angewendet denken können. Ich habe also mir vorzustellen, wie auf der einen Seite das Nerven-Sinnessystem und dazugehörig im wesentlichen das Atmungssystem, auf der andern Seite das Blutzirkulationssystem und das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem entgegengesetzte Naturwirkungen haben. Die heben sich gegenseitig auf.
[ 14 ] Dasjenige Organ im Menschen, in dem der Ausgleich stattfindet, in dem eigentlich von unten nach oben und von oben nach unten fortwährend nach Gleichgewicht gestrebt wird, das ist das menschliche Herz, das nicht etwa im Sinne der heutigen Physiologie eine Pumpe ist, die das Blut durch den Leib pumpt, sondern welches darstellt das Gleichgewichtsorgan für das obere und untere System des Menschen. So daß sich auch im äußeren physischen Organismus des Menschen das, was geistig in ihm bewirkt wird, dadurch ausdrückt, daß immer gleichzeitig in ihm sich Sommer- und Winterwirkungen aufheben.
[ 15 ] Auf irgendeinem Erdengebiete kann nur dadurch Winter sein, daß nicht gleichzeitig Sommer ist, sonst würde der Sommer den Winter in einen Gleichgewichtszustand bringen, das heißt, es wäre kein Sommer und kein Winter da, sondern ein Gleichgewichtszustand. So ist es aber wirklich im Menschen. Der Mensch ist in sich ein Stück Natur, aber weil die Naturwirkungen im menschlichen Organismus einander entgegengesetzt gerichtet sind, heben sie sich auf, und der Mensch ist so, wie wenn er gar nicht Natur wäre. Dadurch ist der Mensch aber ein freies Wesen. Man darf auf ihn nicht die Gesetze der Naturnotwendigkeit anwenden, denn es gibt nicht eine Naturnotwendigkeit, sondern zwei einander entgegengesetzt orientierte Naturwirkungen, und die heben sich im Menschen auf. Und in diesem Gebiete sich aufhebender Naturwirkungen ist nun das Geist-Seelische des Menschen, unbeeinflußt von den Naturwirkungen, und muß aus seiner eigenen Gesetzlichkeit heraus erkannt werden. Sie sehen daraus, wie wir zu fundamentaler umfassender Beobachtung gehen müssen, wenn wir den Menschen verstehen wollen, und wie eigentlich die bloße Anwendung der äußeren Naturgesetze, die immer nur nach einer Richtung orientiert sind, auf den Menschen nicht angängig ist.
[ 16 ] Nun aber, nachdem wir uns auf der einen Seite die eigentliche menschliche Wesenheit vor die Seele gestellt haben, betrachten wir einmal, was das für eine Konsequenz hat. Man lernt den Menschen erst kennen, wenn man ihn so betrachtet: er trägt ein Stück Natur in sich, so daß sich die entgegengesetzten Naturwirkungen aufheben. Lernt man aber nun dieses Stück Natur durch geisteswissenschaftliche Anschauung kennen, so zeigt es sich für den Schlafzustand des Menschen in bezug auf den physischen und den Ätherleib als in sich durchdrungen von mineralischen und pflanzlichen Wirkungsweisen, die, wenn wir nur auf das hinschauen, was beim schlafenden Menschen im Bette zurückgeblieben ist, den sommerlichen Zustand darstellen. Aber jetzt lernt man dadurch, daß man in der richtigen Weise dieses sprieBende, sprossende Leben betrachten kann, es erst in seiner wahren Bedeutung kennen. Wann sprießt es, wann sproßt es? Wenn das Ich und der astralische Leib nicht dabei sind, wenn das Ich und der astralische Leib während des Schlafens draußen sind. Und woher kommt denn das Sprießen und Sprossen? Das zeigt sich gerade durch geisteswissenschaftliche Betrachtung.
[ 17 ] Wenn ich Ihnen dies schematisch zeichnen wollte, so müßte ich es in folgender Art tun. Das wäre das Schema des schlafenden Menschen (hell, grün, gelb, rot). Die untere hell-grüne Linie ist der im Bette liegende physische Leib und der Ätherleib, der sich für die geisteswissenschaftliche Anschauung zeigt wie Erdboden, Mineralisches, aus dem heraussprießt das pflanzliche Leben, natürlich in anderer Form, aber erkennbar für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Darüber glimmen wie eine Flamme, die sich nicht nähern kann, das Ich und der astralische Leib, dargestellt in der rot-gelben Linie, die darüber ist. Man hat also gewissermaßen, wenn man den Menschen im Schlafe betrachtet, sprießendes, sprossendes Erdenstück im Bette und zu ihm gehörendes, abgesondertes glimmendes Astral-Ichliches.
[ 18 ] Wie ist es im Wachen? Nun, da müßte ich das Schema in folgender Weise (hell, rot, grün, gelb) gestalten: welkendes, untenliegendes Mineralisches, Pflanzliches, und gleichsam dieses Mineralische, Pflanzliche verbrennend, in es hineinglimmend, das AstralischIchliche. Da haben wir also den wachenden Menschen mit in sich zerbröckelndem Mineralischen. Es zerbröckelt das Mineralische während des Tagwachens im Menschen. Das vegetabilische Wirken macht gleichsam überall einen solchen Eindruck — wenn es auch ganz anders ausschaut — wie die Bäume im Herbste, wie die niederhängenden, welkenden Pflanzenblätter, alles ersterbend, abnehmend, aber wie von Flammen, von Flämmchen durchglüht und durchglimmt. Diese Flammen und Flämmchen, die das durchglühen und durchglimmen, sind der im physischen Leibe und Ätherleib lebende astralische Leib und das Ich. Und die Frage taucht auf: Ja, wie ist es denn nun eigentlich mit dem flammenden Glimmen während des Schlafes, wo es abgesondert ist im Ich und astralischen Leib von dem physischen und Ätherleibe?
[ 19 ] Wenn man dem nun mit geisteswissenschaftlicher Forschung zu Leibe rückt — und das können Sie aus der Zusammenhaltung verschiedener Darstellungen, die ich im Laufe der Zeit gegeben habe, gewissermaßen sich selber als Konsequenz bilden —, so kommt man auf das Folgende. Dasjenige, was da zunächst vor allen Dingen das Flammen und Glimmen des Ich und astralischen Leibes herausstößt und was dann das sprießende, sprossende, vegetabilische Leben des sommerlichen, schlafenden physischen Leibes und dieses in sich auch eine Art Leben entwickelnde Mineralische anregt, was da bewirkt, daß die Bröselchen, möchte ich sagen, die Teilchen, das Atomisierende des Mineralischen im physischen Leibe wiederum so ausschaut, als ob sich die Atome auflösen würden, als ob sich aus dem Ganzen eine kontinuierliche, in sich bewegliche, überall regsame, mineralflüssigluftförmige Masse bildete, die überall von sprossendem Leben durchzogen ist — diese innere Kraft, die das bewirkt, was ist sie? Nun, das, was dadrinnen vibriert, während wir schlafen, im physischen und im Ätherleibe, das ist die noch nachklingende Welle unseres Lebens vom vorirdischen Dasein. Die bringen wir während unseres wachen Erdenlebens zum Stillstand.
[ 20 ] Wenn dieses flammende Flimmern des astralischen Leibes und des Ichs eins sind mit dem physischen und Ätherleib, dann bringen wir jene Anregungen, die während des Schlafes aus dem vorirdischen Leben vorhanden sind, zur Ruhe. Und jetzt lernen wir erst aus dem, was wir an uns selber lernen, in richtiger Weise auf die äußere Natur hinzuschauen, lernen hinzuschauen auf diese äußere Natur so, daß wir uns sagen: Alles, was in der äußeren Natur regsam ist an Naturgesetzen, an Naturkräften im mineralischen und im vegetabilischen Leben, das ist gleich demjenigen, was in uns während des Schlafes mineralisches und vegetabilisches Leben ist, sommerliches, sprießendes, sprossendes Leben. — Das heißt, gerade so, wie wir, wenn wir unseren schlafenden physischen und Ätherleib betrachten, auf unsere Vergangenheit gewiesen werden, auf das Geistleben, das wir im vorirdischen Dasein gehabt haben, so weist uns die äußere Natur, insofern sie mineralisch und vegetabilisch ist, hin auf die Vergangenheit.
[ 21 ] Wenn wir richtig verstehen wollen die wirksamen Naturkräfte und Naturgesetze in der uns umgebenden Natur, mit Ausnahme des Tierischen und des Physisch-Menschlichen, dann müssen wir uns sagen: In den Naturgesetzen und Naturkräften werden wir hingewiesen auf die Vergangenheit der Erde, auf das Ersterben der Erde. — Wenn wir uns also Gedanken über die äußere Natur machen, so sind diese Gedanken gewidmet dem ersterbenden Elemente des Erdendaseins. Soll dieses ersterbende Erdendasein wiederum belebt werden, Zukunftsimpulse in sich haben, dann kann es nur auf dieselbe Weise geschehen, wie es beim Menschen geschieht, dadurch, daß sich in das Mineralische und Vegetabilische Seelisches und Geistiges hineinschieben. Seelisches schiebt sich bei den Tieren hinein, Geistiges dann beim Menschen.
[ 22 ] Dadurch aber teilt sich uns das gesamte Weltenwesen eigentlich in zwei Glieder. Wir schauen in die äußere Natur hinaus, und insofern sie — und das ist die Hauptsache in der äußeren Natur — mineralischer und pflanzlicher Art ist, dürfen wir sie nur vergleichen mit unserem schlafenden physischen und ätherischen Organismus. Wenn wir auf die äußeren physischen Wirkungen sehen, so müssen wir uns auch sagen: Von diesen Wirkungen der äußeren Natur im Mineralischen und Vegetabilischen hängen auch alle andern physischen Wirkungen ab. — Denn wenn Sie die physischen Wirkungen ansehen, die sich an die Ernährung der Wesen knüpfen, so müssen Sie sagen: Es beginnt die Ernährung mit der Aufnahme der mineralischen und pflanzlichen Stoffe. Das Tier verarbeitet sie dann weiter mit der Ernährung für den Menschen. — Aber zunächst hängt alles, was äußere Natur ist, in ihren äußeren physischen und auch ätherischen Wirkungen von solcher Wesenheit ab, die wir in unserem schlafenden physischen und ätherischen Organismus finden. Was wir aber in uns tragen als das Ich und den astralischen Organismus, was zum Beispiel während des Wachzustandes — wo der physische und ätherische Organismus in ihrem Winterschlafe sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, es ist natürlich paradox zu der Wirklichkeit, wie Sie verspüren — in dem Sommerzustand ist, angeregt durch die äußeren Sinneswirkungen und durch die sich bildenden Gedanken, das bildet mit dem Winterzustand des physischen und ätherischen Leibes ein Gleichgewicht.
[ 23 ] Aber wer nun geisteswissenschaftlich zu Werke geht, findet, wenn auch das, was er beim Menschen in Gleichzeitigkeit zu denken hat, für den Zeitenjahreslauf getrennt ist, immer doch zu dem Winterzustand der Erde einen geistigen Sommerzustand dazugehörig, zu dem Sommerzustand einen geistigen Winterzustand. Nur daß diese auf der Erde nicht einen Gleichgewichtszustand bilden, sondern sich an entgegengesetzten Erdenhälften geltend machen, so daß bei der Erde es so ist, daß der physische Winterzustand gestärkt wird durch den seelisch-geistigen Winterzustand, der physische Sommerzustand verstärkt wird durch den geistigen Sommerzustand. Damit aber ist darauf hingedeutet, daß so, wie der Mensch seine Vergangenheit und seine Gegenwart in sich trägt, auch die ganze uns umgebende Natur ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart in sich trägt.
[ 24 ] Wir haben Gegenwart eigentlich nur in unserem physischen Leibe in bezug auf die ihn durchdringende Tätigkeit und Gesetzmäßigkeit, wenn wir wachen. Wir haben das Hereinwirken der Vergangenheit, und zwar einer Vergangenheit, die im Geistigen zugebracht worden ist, für den physischen und ätherischen Organismus im Schlafzustand. Das Entsprechende finden wir auch in der uns vorliegenden, auf uns wirkenden mineralischen und vegetabilischen Natur: sie sind im Grunde genommen die Ergebnisse vergangenen Daseins, und Gegenwart werden sie nur dadurch, daß die Erde ebenso umhüllt wird von Geistig-Seelischem, wie der Mensch durchdrungen wird von GeistigSeelischem. Und in der Gegenwatt ist bereits der Keim zur Zukunft.
[ 25 ] Aber wenn es wahr ist — und es ist wahr, was ich Ihnen dargestellt habe —, daß wir im physischen und im ätherischen Organismus, gerade wenn sie unabhängig von geistig-seelischer Tätigkeit sind, Wirkungen der Vergangenheit in uns haben, dann dürfen wir das Hinüberwirken in die Zukunft nur in unserem Ich und in unserem astralischen Leibe suchen, dürfen aber auch für die Erde die Zukunft nur im Geistigen suchen.
[ 26 ] Der Mensch ist heute so weit, daß er durch selbstverständliche elementarische Gewalten das Ich und den astralischen Leib hinzugesellt hat zum physischen und ätherischen Organismus. Die mineralische und pflanzliche Erdenwelt hat das noch nicht hinzugesellt. Sie umhüllen geistig und seelisch die Erde, aber sie durchdringen nicht die mineralische und vegetabilische Wirkungsweise der Erde. Die mineralische Wesenheit der Erde zeigt sich, so wie wit sie vor uns haben, wie etwas, das den Geist und die Seele nicht in sich hineinläßt, sondern sich nur umglimmen und umhüllen läßt von Geist und Seele.
[ 27 ] Die pflanzliche Natur zeigt sich so, daß sie das Seelische auch nicht in sich hineinläßt, aber sich in ihren obersten Partien in gewisser Weise, ich möchte sagen, berührt mit dem Geistig-Seelischen. Denn für die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt sich bei der Pflanze das Folgende: Wenn ich unten die Wurzel, in der Mitte den Stengel und oben die Blüte der Pflanze habe, so habe ich diese Blüte so anzusehen, daß sich in der Blüte die nach oben strebende Pflanze mit dem Astralischen berührt, das nicht in sie eindringt, aber sie berührt. Dadurch entsteht die Blüte, daß eine Berührung zwischen dem obersten Teil der Pflanze und dem Astralischen, das die Erde umhüllt, eintritt. Ich habe das öfters ausgesprochen in einem Vergleiche, der aber natürlich entsprechend dezent genommen werden muß, daß das Blühen der Pflanze im wesentlichen der Kuß ist, den die Sonne, das Sonnenlicht, mit der Pflanze selber austauscht. Das ist eine Astralwirkung, die aber ein bloßes Berühren ist.
[ 28 ] Wenn wir also hinausschauen in die uns umgebende Natur, dann sehen wir nicht unmittelbar in dem Mineralischen, in dem Pflanzlichen dasselbe, was wir in uns als Menschen sehen. In uns als Menschen sehen wir zusammmengehörig eine mineralische Natur, eine pflanzliche Natur, eine astralische Natur, eine Ich-Natur. Die Tiere müssen wir jetzt abrechnen. Wir werden in der Zukunft noch über sie sprechen. Aber das, wovon die physischen Wirkungen im wesentlichen abhängen, müssen wir in der mineralischen und pflanzlichen Welt finden. Die zeigt sich uns, ich möchte sagen, in der äußeren Natur entblößt vom Astralgedanklichen und von dem, was Erlebnis des Ichs ist: dem selbstbewußten Geistsinn. Die sind nicht draußen, nicht im Mineralischen, nicht im Pflanzlichen. Das Mineralische und Pflanzliche sind im Grunde genommen Ergebnisse der Vergangenheit.
[ 29 ] Wer richtig den mineralischen Boden, die heraussprießenden Pflanzen auf der Erde betrachtet, muß sich eigentlich gegenüber dem Erdenleben sagen: In euch Kristallformen, in euch Bergesgebilden, in euch sprießenden und sprossenden Pflanzen schaue ich die Denkmäler des einstmals Schaffenden, Lebenschaflenden, das ersterbend ist. Aber im Menschen selber — wenn wir in der richtigen Weise dieses Ersterbende zu gliedern verstehen, dieses aus dem vorirdischen Dasein Hereinkraftende und im physischen und ätherischen Leibe sich Ablähmende, Ersterbende — sehen wir den physischen und ätherischen Organismus von demjenigen durchsetzt, was in die Zukunft hinüberleuchtet von dem astralischen und Ich-Wesen, was als gedanklich vorstellungsgemäßes Leben sich auf der Gleichgewichtslage der Naturwirkungen in freier Weise im Menschen entfaltet.
[ 30 ] Wir sehen gewissermaßen im Menschen nebeneinander Vergangenheit und Zukunft. Wenn wir in die Natur hineinschauen, insofern sie mineralisch und vegetabilisch ist, sehen wir bloße Vergangenheit. Dasjenige, was im Menschen schon in der Gegenwart als Zukunft wirkt, das gibt ihm gerade das Wesen der Freiheit. Dieses Wesen der Freiheit ist in der äußeren Natur nicht vorhanden. Wäre die äußere Natur dazu verurteilt, so zu bleiben, wie sie durch ihr mineralisches und pflanzliches Reich ist, so wäre sie auch dazu verurteilt, zu sterben, so wie der bloß physische und ätherische Organismus des Menschen stirbt im Weltenall. Der physische und der ätherische Organismus sterben, der Mensch stirbt nicht, weil die astralische Wesenheit und die Ich-Wesenheit in ihm nicht den Tod, sondern das Werden, das Entstehen in sich tragen.
[ 31 ] Soll daher die äußere Natur nicht ersterben, dann muß ihr das gegeben werden, was der Mensch durch seinen astralischen und durch seinen Ich-Leib hat. Das heißt, da er durch seinen astralischen Leib und durch seinen Ich-Leib selbstbewußte Vorstellungen hat, so muß der Mensch, wenn er der sonst ersterbenden Erde die Zukunft sichern will, dasselbe in sie hineinstellen, was in ihm übersinnlich-unsichtbar ist. So wie er erwarten muß von dem, was in ihm übersinnlich und unsichtbar ist, die Wiederverkörperung in einem nächsten Erdendasein, dieses_nicht erwarten kann von seinem absterbenden physischen und ätherischen Leibe, so kann auch nicht von dem, was mineralische und pflanzliche Erdkugel ist und als solche uns umgibt, eine Zukunft der Erde entstehen. Einzig und allein, wenn wir in diese Erde hineinzustellen vermögen etwas, was sie nicht hat, kann eine Zukunfterde entstehen. Das, was nicht von selbst da ist auf der Erde, das sind die wirksamen Gedanken des Menschen, die in seinem durch den Gleichgewichtszustand von der äußeren Natur unabhängigen Organismus leben und weben. Verwirklicht er diese selbständigen Gedanken, dann gibt er der Erde Zukunft. Aber dazu muß er sie erst selber haben, diese selbständigen Gedanken, denn alle Gedanken, wie wir uns machen über das, was ersterbend in der gewöhnlichen Naturerkenntnis ist, sind Spiegelgedanken, sind keine Wirklichkeiten. Die Gedanken, die wir aufnehmen aus der Geistesforschung, werden belebt in Imagination, Inspiration, Intuition. Nehmen wir sie auf, dann sind sie selbständig im Erdenleben existierende Gebilde.
[ 32 ] Von diesen schöpferischen Gedanken konnte ich einstmals in meinem kleinen Büchelchen über die Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung sagen: Dieses Denken stellt dar die geistige Form des Kommunizierens der Menschheit. — Denn indem der Mensch sich überläßt seinen Spiegelgedanken über die äußere Natur, wiederholt er nur die Vergangenheit, lebt er in Leichnamen des Göttlichen. Indem er seine Gedanken selber belebt, verbindet er sich durch seine eigene Wesenheit, kommunizierend, die Kommunion empfangend, mit dem die Weltdurchdringenden, ihre Zukunft sichernden Göttlich-Geistigen.
[ 33 ] So ist spirituelle Erkenntnis eine wirkliche Kommunion, der Beginn eines der Menschheit der Gegenwart gemäßen kosmischen Kultus, der dann wachsen kann dadurch, daß der Mensch nun gewahr wird, wie er seinen physisch-mineralischen und seinen vegetabilischen Organismus mit seinem astralischen und Ich-Organismus durchzieht, wie er dadurch, daß er in sich selber den Geist lebendig macht, nun auch in das, was sonst als Tootes, als Ersterbendes ihn umgibt, den Geist hineinbannt.
[ 34 ] Da erlebt es dann der Mensch, daß, wenn er auf seinen in festem Zustand wirkenden Organismus hinsieht, er sich in diesem verbunden fühlt mit der Sternenwelt, insofern sie ruhendes Wesen ist. Insofern die Sternenwelt ruhendes Wesen ist, zum Beispiel sich in den Bildern des 'Tierkreises ruhig im Weltenraum zur Erde verhält, insofern ist der Mensch zusammenhängend mit seinem physischen Organismus mit diesen Formgebilden des Weltenraumes. Aber indem er in sie, in diese Formgebilde, einströmen läßt sein Geistig-Seelisches, wandelt er selber die Welt.
[ 35 ] Ebenso ist der Mensch durchzogen von seinem Säftestrom. Im Säftestrom lebt schon der ätherische Organismus. Dasjenige, was das Blut in uns kreisen läßt, was die andern Säfte in uns in Bewegung bringt, ist der ätherische Organismus. Mit diesem ätherischen Organismus steht der Mensch nun in Verbindung, ich möchte sagen, mit den Sternentaten, mit der Bewegung der Planeten. Geradeso wie die ruhenden Bilder des Fixsternhimmels auf die in sich fixe Form des menschlichen Organismus wirken oder mit ihr in Beziehung stehen, so mit dem Säftestrom die Planetenbewegungen des Planetensystems, zu dem wir gehören.
[ 36 ] Aber so, wie es im unmittelbaren Anblicke ist, ist das eine tote Welt. Der Mensch wandelt sie von seinem eigenen Geistigen aus, wenn er von seinem Geistigen der Welt mitteilt, indem er die Gedanken belebt zur Imagination, Inspiration, Intuition, indem er die geistige Kommunion der Menschheit vollführt.
[ 37 ] Davon muß der Mensch zuerst ein Bewußtsein haben. Dieses Bewußtsein muß immer lebendiger und immer reger erhalten werden, dann findet der Mensch immer mehr und mehr den Weg zu dieser geistigen Kommunion.
[ 38 ] Ich möchte Ihnen heute nur eine kleine Grundlage dafür geben, indem ich Ihnen zunächst mitteile jene Worte, die, wenn man sie richtig auf die Seele wirken läßt, wenn man sie immer wiederum in der Seele lebendig macht, so daß man ihren vollen Sinn, ihren beweglichen Sinn in der Seele erlebt, etwas in der Menschenseele entstehen lassen, wodurch das Tote in der Welt, mit dem der Mensch in Beziehung steht, sich in ein Lebendiges umwandelt, wodurch die Vergangenheit belebt wird, damit sie aus ihrer Totheit das Leben der Zukunft werden kann. Das kann nur geschehen, wenn man in folgender Weise sich seiner Zusammengehörigkeit mit dem Kosmos bewußt wird. Ich werde eine erste Formel aufschreiben nach dieser Richtung:
[ 39 ] Es nahet mir im Erdenwirken
[ 40 ] — ich stelle mir vor den Erdenstoff, den ich aufnehme mit demjenigen, was das feste Gebilde meines Organismus bildet
[ 41 ] Es nahet mir im Erdenwirken,
In Stoffes Abbild mir gegeben,
Der Sterne Himmelswesen
[ 42 ] Es ist ja so, daß, wenn wir hinschauen auf irgendein Gebilde der Erde, das wir als unsere Nahrung in uns aufnehmen, wir in ihm dann ein Abbild haben der ruhigen Sterngruppierungen. Das nehmen wir auf. Wir nehmen das Sternenwesen, das Himmelswesen in uns auf mit dem Stoff der Erde, der im Erdenwirken enthalten ist. Aber wir müssen uns bewußt sein, daß wir als Menschen in unserem Wollen, in unserem von Liebe durchzogenen Wollen dasjenige, was Stoff geworden ist, in Geist zurückwandeln, eine wirkliche Transsubstantiation vollziehen, wenn wir uns unseres Darinnenstehens in der Welt bewußt werden, so daß das gedanklich-geistige Leben in uns lebendig wird.
[ 43 ] Es nahet mir im Erdenwirken,
In Stoffes Abbild mir gegeben,
Der Sterne Himmelswesen:
Ich seh’ im Wollen sie sich liebend wandeln.
[ 44 ] Und wenn wir an dasjenige denken, was wir so aufnehmen, daß es unseren flüssigen Teil des Organismus durchdringt, die Säftewirkung, die Blutzirkulation, dann ist das, insofern es von der Erde herrührt, ein Abbild jetzt nicht des Himmels Wesen oder der Sterne Wesen, sondern der Sterne Taten, das heißt der Bewegungen der Planeten. Und ich kann mir bewußt werden, wie ich das vergeistige, wenn ich. richtig in der Welt darinnenstehe, durch folgende Formel:
[ 45 ] Es dringen in mich im Wasserleben,
In Stoffes Kraftgewalt mich bildend,
Der Sterne Himmelstaten —
[ 46 ] Das heißt die Taten der Planetenbewegungen. Und jetzt:
[ 47 ] Ich seh’ im Fühlen sie sich weise wandeln.
[ 48 ] Während ich der Sterne Wesen und Weben im Wollen sehen kann, wie es sich liebend wandelt in den spirituellen Gehalt der Zukunft, so sehe ich im Fühlen sich weise wandeln dasjenige, was mir hier auf der Erde gegeben wird, indem ich in dem, was meinen Säfteorganismus durchdringt, aufnehme das Abbild der Himmelstaten. So hineingestellt, kann der Mensch wollend und fühlend sich erleben. Hingegeben an das Allwalten des ihn umgebenden Weltendaseins, des kosmischen Daseins, kann er erleben dasjenige, was durch ihn ausgeführt wird in dem großen Tempel des Kosmos als Transsubstantiation, indem er opfernd darinnensteht in rein geistiger Art.
[ 49 ] Was sonst nur abstrakte Erkenntnis wäre, wird zu einem fühlenden und wollenden Verhältnis zur Welt. Die Welt wird zum Tempel, die Welt wird zum Gotteshaus. Der erkennende Mensch, sich aufraffend im Fühlen und Wollen, er wird zum opfernden Wesen. Das Grundverhältnis des Menschen zur Welt steigt auf vom Erkennen zum Weltenkultus, zum kosmischen Kultus. Daß all dasjenige, was unser Verhältnis zur Welt ist, zunächst sich als kosmischer Kultus erkennt im Menscher;, das ist der erste Anfang dessen, was geschehen muß, wenn Anthroposophie ihre Mission in der Welt vollziehen soll.
[ 50 ] Das wollte ich Ihnen zunächst als einen Anfang sagen. Fortsetzen dieses, was das Wesen des Kultischen im Verhältnis zum Naturerkennen ist, werde ich am nächsten Freitag. Heute wollte ich dies insbesondere sagen. Ich habe diesen Vortrag auf diesen Tag aus dem Grunde hintendiert, damit gerade heute dieser Inhalt herauskomme, weil ich meine, daß dann, wenn uns wiederum einmal jenes Wesen der Zeit vor die Seele tritt, das im Jahreskreislauf gegeben ist, wenn ein solcher Jahreskreislauf wenigstens für das äußere Anschauen, für das äußere Erleben sich vollendet, uns da zum Bewußtsein kommen soll, wie unser Verhältnis zur Zeit sich gestalten soll, wie wir aus der Vergangenheit heraus suchen sollen die Zukunft, wie wir wissen sollen, für die Zukunft zu schaffen, um das Geistige zu schöpfen.
[ 51 ] Heute nachmittag fing eines der Gedichte, die rezitiert wurden, damit an: Jedes neue Jahr trifft neue Gräber. — Tief wahr ist es! Aber ebenso wahr ist es: Jedes neue Jahr trifft neue Wiegen. — Wie es Vergangenheit trifft, so trifft es Zukunft. Heute ist es vor allen Dingen an den Menschen, diese Zukunft zu erfassen, daran zu denken, daß das sprießende und sprossende Leben, wie es uns äußerlich entgegentritt, den Tod in sich enthält, daß wir aber das Leben aus unserer eigenen Tatkraft suchen müssen. Und jedes Jahres Erneuerung ist uns Symbolum dafür. Schauen wir, wenn wir auch mit Recht auf der einen Seite auf die Gräber schauen, auf der andern Seite auf das sich erneuernde Leben, das wartet, den Keim in die Zukunft in sich zu empfangen.
[ 52 ] Das ist heute unsere große Aufgabe: zu bemerken, wie in der Welt Silvesterstimmung, Hingehendes, Absterbendes ist, wie aber im Herzen derjenigen Menschen, die sich ihres wahren Menschentums, ihres Gottesmenschentums bewußt werden, Neujahrsstimmung sein muß, Neuzeitstimmung, Auflebestimmung. Richten wir unsere Gedanken nicht nur in trivial-festlich philiströser Weise von dem symbolischen Silvester zu dem symbolischen Neujahr, richten wir sie, damit sie tatkräftig und schaffend werden, wie die Erdenentwickelung sie braucht, von dem, was uns jetzt überall im Zivilisationsleben als Absterbendes, als alte Gräber entgegentritt, vom Silvester hin zum Neujahr, zum Weltenneujahr! Das wird aber nur kommen, wenn der Mensch sich entschließt dazu, daran zu schaffen.
Es nahet mir im Erdenwirken,
In Stoffes Abbild mir gegeben,
Der Sterne Himmelswesen:
Ich seh’ im Wollen sie sich liebend wandeln.Es dringen in mich im Wasserleben,
In Stoffes Kraftgewalt mich bildend,
Der Sterne Himmelstaten:
Ich seh’ im Fühlen sie sich weise wandeln.
