Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220
5 January 1923, Dornach
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Living Knowledge of Nature, Intellectual Fall from Grace and Spiritual Elevation from Sin, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Ich möchte heute, im Anschluß an die Vorträge, die ich in den letzten Tagen des dahingegangenen Goetheanum gehalten habe, über den Zusammenhang des Menschen mit dem Jahreslauf und über Erkenntnisse, die sich auf diesen Zusammenhang beziehen, Sie noch einmal zurückführen in ein Zeitalter, das wir öfter betrachtet haben und das voll verstanden werden muß, wenn man die Gegenwart der Menschheitsentwickelung in der rechten Weise erkennen will. Wir haben ja von der Möglichkeit gesprochen, daß im Menschen in der bestimmtesten Weise Vorgänge geschehen, die man wieder erkennen kann in dem sich immer wiederholenden Geschehen des Jahreslaufes. Und ich habe ja auch darauf hingewiesen, wie ältere Mysterienwissenschaft, Initiationswissenschaft, darauf ausgegangen ist, unter den Menschen, die dafür zugänglich waren, solche Erkenntnisse auszubreiten. Dadurch, daß man solche Erkenntnisse ausbreitete, sollte gestärkt werden das menschliche Denken, das Fühlen, das Wollen, das ganze Sich-Hineinstellen des Menschen in die Welt.
[ 1 ] Today, following the lectures I gave during the final days of the former Goetheanum, I would like to take you back once more—in connection with the relationship between the human being and the cycle of the year, and the insights pertaining to this relationship—to an era that we have often considered and that must be fully understood if one is to perceive the present state of human development in the proper way. We have, after all, spoken of the possibility that processes take place within the human being in the most definite way, processes that can be recognized in the ever-recurring events of the course of the year. And I have also pointed out how the ancient science of the mysteries, the science of initiation, set out to disseminate such insights among those who were receptive to them. By disseminating such insights, the aim was to strengthen human thinking, feeling, and willing—the whole way in which human beings relate to the world.
[ 2 ] Nun können wir uns fragen: Wovon hing es denn ab, daß in älteren Zeiten die Menschen von vornherein ein Verständnis gehabt haben für dieses Verhältnis des Menschen, des Mikrokosmos zur großen Welt, zum Makrokosmos, wie sich dieser im Jahreslaufe ausdrückt? Denn ein solches Verständnis hatten die Menschen. Dieses Verständnis hatten sie deshalb, weil in jenen älteren Zeiten das seelische Innere des Menschen enger gebunden war an den Ätherleib oder Bildekräfteleib, als das heute der Fall ist. Wir wissen ja aus den skizzenhaften Darstellungen, die ich habe geben können innerhalb des Französischen Kurses, daß der Mensch, wenn er seinen übersinnlichen Lebenslauf durchgemacht hat zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, nachdem er den Geistkeim seines physischen Leibes auf die Erde heruntergeschickt hat und als seelisch-geistiges Wesen noch nicht selber heruntergestiegen ist vor der Konzeption — daß er dann aus dem Kosmos sich die Kräfte des Weltenäthers zusammenzieht, und daß er daraus seinen ätherischen Leib bildet, den er also hat, bevor er sich mit seinem physischen Leibe verbindet. Der Mensch steigt also aus geistig-übersinnlichen Welten in der Weise herunter, daß er sein Geistig-Seelisches zunächst umkleidet hat mit seinem ätherischen Leibe. Dann verbindet er sich mit demjenigen, was ihm durch die physische Vererbungsströmung, durch Vater und Mutter, als physischer Leib übergeben wird.
[ 2 ] Now we may ask ourselves: What was the reason that, in earlier times, people had an innate understanding of this relationship between the human being—the microcosm—and the greater world—the macrocosm—as it is expressed in the course of the year? For people did indeed possess such an understanding. They possessed this understanding because, in those earlier times, the inner soul of the human being was more closely bound to the etheric body—or body of formative forces—than is the case today. We know, after all, from the sketchy descriptions I was able to provide in the French course, that when a human being has passed through the supersensible phase of life between death and a new birth, after having sent the spiritual seed of his physical body down to Earth but not yet having descended himself as a soul-spiritual being prior to conception—that he then draws in the forces of the world ether from the cosmos and forms his etheric body from them, which he thus possesses before uniting with his physical body. Human beings thus descend from the spiritual and supersensible worlds in such a way that they first clothe their spiritual-soul nature with their etheric body. Then they unite with that which is handed down to them as a physical body through the physical hereditary stream, via their father and mother.
[ 3 ] Nun war in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung die Verbindung, die der Mensch vor seinem Erdenleben mit dem Ätherleib eingehen konnte, eine viel innigere, als sie später war und ist. Diese innigere Verbindung mit dem Ätherleibe machte es eben einer älteren Menschheit möglich, zu verstehen, was gemeint war, wenn aus den Mysterien heraus die Erkenntnis kam: Dasjenige, was man als physische Sonne sieht, das ist der physische Ausdruck von etwas Geistigem. — Verständnis war vorhanden, wenn man von dem Sonnengeiste sprach. Verständnis war deshalb vorhanden, weil bei jener innigen Verbindung des menschlichen geistig-seelischen Wesens mit dem Ätherleib oder Bildekräfteleib es den Menschen ganz töricht geschienen hätte, wenn sie hätten glauben müssen, daß da oben irgendwo im Weltenraum jener physische Gasball schwebe, von dem uns zum Beispiel die heutige Astrophysik erzählt. Es war diesen älteren Menschen selbstverständlich erschienen, daß zu diesem Physischen ein Geistiges gehört. Und dieses Geistige war eben dasjenige, was in allen alten Mysterien als der Sonnengeist erkannt und verehrt wurde.
[ 3 ] In earlier periods of human evolution, the connection that a person could establish with the etheric body before their earthly life was much more intimate than it was later on and is today. It was precisely this deeper connection with the etheric body that enabled an earlier humanity to understand what was meant when the insight emerged from the mysteries: That which is seen as the physical sun is the physical expression of something spiritual. — There was an understanding when people spoke of the spirit of the sun. Understanding existed because, given that intimate connection between the human spiritual-soul being and the etheric body—or body of formative forces—it would have seemed utterly absurd to people if they had had to believe that somewhere up there in outer space floated that physical ball of gas of which, for example, modern astrophysics tells us. It had seemed self-evident to these ancient people that a spiritual aspect belonged to this physical reality. And this spiritual aspect was precisely what was recognized and revered in all the ancient mysteries as the Sun Spirit.
[ 4 ] Nun können wir — natürlich sind alle diese Dinge nur annähernd richtig, aber im wesentlichen sind sie eben doch so — das 4. nachchristliche Jahrhundert als denjenigen Zeitraum angeben, in dem die aus der geistig-übersinnlichen Welt herunterkommenden Menschenwesen diese innigere Verbindung mit dem Ätherleib oder Bildekräfteleib eben nicht mehr hatten. Es war eine losere Verbindung. Daher bereitete sich ja immer mehr und mehr vor, daß auch im physischen Erdenleben die Menschen sich nurmehr ihres physischen Leibes bedienen konnten, wenn sie, wenn ich mich so ausdrücken darf, zum Himmel emporschauten. In älteren Zeiten, wenn die Menschen zum Himmel emporschauten, da sahen sie die Sonne, aber aus ihrem Innern stieg der Antrieb auf, in dieser Sonne doch nicht etwas bloß Physisches zu sehen, sondern ein Geistig-Seelisches damit verbunden zu wissen. Nach dem 4. nachchristlichen Jahrhundert konnte man sich, um die Sonne zu sehen, nur eben des physischen Leibes, der physischen Augen bedienen, durch die nicht mehr der Blick, wenn er nach außen schweifte, getragen wurde von der Kraft des ätherischen oder Bildekräfteleibes. Man sah daher immer mehr und mehr nur die physische Sonne. Und daß es einen Sonnengeist gab, konnte man nur noch lehren, weil die Früheren es wußten und weil es als Tradition vorhanden war. So lernte zum Beispiel Julianus Apostata, der Abtrünnige, bei seinen Lehrern, wie ich früher einmal angegeben habe, daß es solch einen Sonnengeist gibt. Nun, dieser Sonnengeist aber ist ja durch das Mysterium von Golgatha, wie wir wissen, auf die Erde heruntergestiegen. Er hat seinen Himmelslebenslauf herunterverlegt und ihn verwandelt in einen Erdenlebenslauf, indem er sein künftiges Wirken seit dem Mysterium von Golgatha darauf hinorientiert hat, die Menschheitsentwickelung innerhalb der Erdenwirksamkeit zu führen.
[ 4 ] Now we can—of course, all these things are only approximately correct, but in essence they are indeed true—identify the 4th century A.D. as the period during which human beings descending from the spiritual-supernatural world no longer had this inner connection with the etheric body or the body of formative forces. It was a looser connection. Consequently, the conditions were increasingly being set in motion so that even in their physical earthly lives, people could make use of their physical bodies only when they—if I may put it this way—looked up toward heaven. In earlier times, when people looked up toward the heavens, they saw the sun, but an impulse arose within them not to see in this sun merely something physical, but to know that something spiritual-soul-related was connected with it. After the 4th century A.D., in order to see the sun, one could make use only of the physical body and the physical eyes, through which the gaze, when it wandered outward, was no longer carried by the power of the etheric body or the body of formative forces. Consequently, people saw more and more only the physical sun. And the existence of a sun spirit could be taught only because the ancients knew of it and because it was preserved as tradition. Thus, for example, Julian the Apostate, as I have mentioned before, learned from his teachers that such a sun spirit exists. Now, as we know, this Sun Spirit descended to Earth through the Mystery of Golgotha. He transferred his heavenly life course down to Earth and transformed it into an earthly life course by orienting his future work, since the Mystery of Golgotha, toward guiding the development of humanity within the context of earthly activity.
[ 5 ] Sie bemerken: die beiden Zeitpunkte fallen nicht zusammen. Der Zeitpunkt des Mysteriums von Golgatha — als was erscheint er uns, wenn wir heute auf ihn zurückblicken? Wir müssen dann sagen: In diesem Zeitpunkt geht der Christus, das Hohe Sonnenwesen, durch das Mysterium von Golgatha und verbindet sich mit dem Erdendasein. Populär ausgedrückt: seit jenem Zeitpunkt ist der Christus auf der Erde. Das Sehen des Sonnengeistes war den Menschen möglich bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert, weil sie bis dahin noch inniger mit ihrem Ätherleib oder Bildekräfteleib verbunden waren.
[ 5 ] You will notice: the two points in time do not coincide. The moment of the Mystery of Golgotha—how does it appear to us when we look back on it today? We must then say: At this moment, the Christ, the High Solar Being, passes through the Mystery of Golgotha and unites with earthly existence. To put it simply: since that moment, the Christ has been on Earth. People were able to perceive the Sun Spirit until the 4th century A.D., because until then they were still more intimately connected to their etheric body, or body of formative forces.
[ 6 ] Wenn nun auch der Christus selbst schon auf Erden war, so sah man doch bis in das 4. Jahrhundert die Sonne so, daß man gewissermaßen noch das Nachbild durch den ätherischen Leib sah. Wie man im Physischen, wenn man auf irgend etwas scharf hinschaut und dann das Auge schließt, ein Nachbild hat im Auge, so hatte der menschliche Ätherleib, indem er die Sonne sah, bei denjenigen Persönlichkeiten, bei denen eben das noch geblieben war, ein Nachbild des Sonnengeistes, wenn der Mensch in den Kosmos hinaussah. Daher kam es, daß solche Menschen, die so mit ihrem Ätherleib noch verbunden waren — und das war namentlich in südlichen europäischen Gegenden, in nordafrikanischen, in vorderasiatischen Gegenden bei sehr vielen Menschen der Fall —, sich einfach durch ihre Erfahrung sagten: Der Sonnengeist ist zu sehen, wenn man in die Weiten der Himmel hinausblickt. — Und sie verstanden nicht, was das heißen soll, was die Lehrer und Führer jener andern Mysterien sagten, von denen ich Erwähnung getan habe während dieses Französischen Kurses; sie verstanden nicht, was das heißen soll: der Christus wäre auf der Erde.
[ 6 ] Even though Christ himself had already been on Earth, people continued to see the sun—right up into the 4th century—in such a way that, in a sense, they were still seeing its afterimage through the etheric body. Just as in the physical world, when one looks intently at something and then closes one’s eyes, an afterimage remains in the eye, so too did the human etheric body—when it beheld the sun—retain an afterimage of the solar spirit in those individuals in whom this capacity had not yet been lost, whenever the person gazed out into the cosmos. This is why such people, who were still connected in this way to their etheric body—and this was particularly the case for very many people in southern European regions, in North Africa, and in the Near East—simply said to themselves, based on their experience: The Sun Spirit can be seen when one looks out into the vastness of the heavens. — And they did not understand what was meant by what the teachers and leaders of those other mysteries—which I have mentioned during this French course—said; they did not understand what it meant to say that Christ was on Earth.
[ 7 ] Bedenken Sie, daß ja fast vier Jahrhunderte vergangen waren seit dem Mysterium von Golgatha, in denen eine große Anzahl gutorganisierter Menschen durch das, was ich eben gesagt habe, keinen rechten Begriff damit verbinden konnten: Der Christus ist auf der Erde erschienen. — Für sie war das, was in Palästina vor sich gegangen war, ein unbedeutendes Ereignis, ein so unbedeutendes Ereignis, wie es tatsächlich für jene römischen Schriftsteller war, die das in nebensächlicher Erwähnung aufgeschrieben haben. Es war eben eine unbedeutende Persönlichkeit, die unter merkwürdigen Umstanden den Tod gefunden hatte. Denn das ganze tiefe Mysterium wurde gerade von diesen Menschen nicht begriffen. Im Grunde genommen kann man sagen: Diese Menschen brauchten ja nicht den Christus auf Erden, denn sie hatten ihn noch in der alten Weise in den Himmeln. Für sie war er noch derjenige Geist des Weltenalls, der im Lichte wirkte. Für sie war er der allumfassende Erleuchter der Menschheit. Für sie war noch kein Bedürfnis da, hineinzublikken in den Menschen und ihn im Ich zu suchen.
[ 7 ] Consider that nearly four centuries had passed since the Mystery of Golgotha, during which a large number of well-organized people, because of what I have just said, could not truly grasp the significance of it: Christ had appeared on Earth. — For them, what had taken place in Palestine was an insignificant event—as insignificant as it actually was for those Roman writers who recorded it in passing. He was, after all, an insignificant figure who had met his death under strange circumstances. For the whole profound mystery was precisely not understood by these people. Essentially, one can say: These people did not need the Christ on Earth, for they still had him in the heavens in the old way. For them, he was still the Spirit of the universe who worked in the light. For them, he was the all-encompassing Enlightener of humanity. For them, there was still no need to look within the human being and seek him in the “I.”
[ 8 ] Ein solcher Mensch, der gar nicht begreifen konnte, warum man den Christus in einem Menschen auf Erden suchen sollte, da er doch in den Himmeln zu suchen ist und in dem Lichte lebt, das täglich mit Sonnenaufgang auf die Erde scheint und mit Sonnenuntergang aufhört zu scheinen, ein solcher Mensch war eben Julian der Abtrünnige, Julianus Apostata. Es war für diese Menschen das, was in Palästina vor sich gegangen war, eben ein Ereignis wie andere geschichtliche Ereignisse, aber ein höchst unbedeutendes. Und es war namentlich deshalb ein gewöhnliches, und zwar unbedeutendes geschichtliches Ereignis, weil in diesen Menschen noch nicht die Not nach dem Christus lebte. Wann konnte denn erst anfangen zu leben im Menschen die Not nach dem Christus? Das wollen wir uns einmal heute vergegenwärtigen, wann diese Not nach dem Christus in der Menschheit überhaupt auftauchen konnte.
[ 8 ] Such a man—who could not at all comprehend why one should seek Christ in a human being on earth, since he is to be sought in the heavens and lives in the light that shines upon the earth daily at sunrise and ceases to shine at sunset—such a man was none other than Julian the Apostate, Julianus Apostata. For these people, what had taken place in Palestine was simply an event like any other historical event—but a highly insignificant one. And it was an ordinary—indeed, insignificant—historical event precisely because the longing for Christ had not yet taken root in these people. When, then, could the longing for Christ begin to take root in human beings? Let us consider today when this longing for Christ could have emerged in humanity at all.


[ 9 ] Wenn wir die aufeinanderfolgenden Epochen der Erdenentwikkelung nach der großen atlantischen Katastrophe ins Auge fassen, so ist es ja so: Wir haben also, wenn wir zurückgehen in das 8., 9. Jahrtausend, die atlantische Katastrophe, die ich öfter geschildert habe. Wir haben dann die erste nachatlantische Kulturperiode, über die Sie nachlesen können in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», die ich die urindische genannt habe (siehe Schema). In dieser urindischen Periode lebt der Mensch vorzugsweise in seinem Ätherleib oder Bildekräfteleib. Da ist noch die Verbindung eine so intensive, daß man überhaupt sagen kann: Der Mensch lebt in seinem Ätherleib oder Bildekräfteleib. Er lebt so, daß im Grunde genommen der physische Leib für ihn mehr noch ein Kleid ist, etwas Äußerliches ist. Er sieht viel mehr mit seinem ätherischen Auge in die Welt hinaus als mit den physischen Augen. Die zweite Periode ist die urpersische. Da sieht der Mensch in seine Umwelt vorzugsweise durch dasjenige, was man nennen kann den Empfindungsleib. In der dritten, in der ägyptisch-chaldäischen Periode sieht der Mensch in die Welt mit Hilfe seiner Empfindungsseele. Endlich in der vierten, in der griechisch-lateinischen Zeit, sieht der Mensch in die Welt mit der Verstandes- oder Gemütsseele.
[ 9 ] When we consider the successive epochs of Earth’s development following the great Atlantean catastrophe, the situation is as follows: If we go back to the 8th and 9th millennia, we encounter the Atlantean catastrophe, which I have described on several occasions. We then have the first post-Atlantean cultural period, which you can read about in my Outline of Esoteric Science, which I have called the Proto-Indian period (see diagram). In this Proto-Indian period, human beings live primarily in their etheric body or body of formative forces. The connection is still so intense that one can even say: Human beings live in their etheric body or body of formative forces. They live in such a way that, essentially, the physical body is for them more of a garment, something external. They perceive the world much more with their etheric eye than with their physical eyes. The second period is the Proto-Persian period. In this period, human beings perceive their surroundings primarily through what might be called the sensory body. In the third, the Egyptian-Chaldean period, human beings perceive the world with the help of their sensory soul. Finally, in the fourth, the Greek-Latin period, human beings perceive the world with their intellectual or emotional soul.
[ 10 ] Und in unserer fünften Zeit, seit dem 15. Jahrhundert, die man nennen kann die geschichtliche Gegenwart, sieht der Mensch mit der Bewußtseinsseele in die Welt. Und dieses Sehen mit der Bewußtseinsseele bewirkt ja alles das, was ich in dem Naturwissenschaftlichen Kursus an historischer Aufeinanderfolge dargestellt habe.
[ 10 ] And in our fifth epoch, beginning in the 15th century—which can be called the historical present—human beings view the world through the soul of consciousness. And this perception through the consciousness soul brings about everything I have described in the Course in Natural Science in terms of historical sequence.


[ 11 ] Nun machen wir uns aber klar, wie das nun eigentlich ist. Es ist das sogar sehr schwer, aber wenn man diesen Tatbestand schematisch aufzeichnen wollte, so müßte man sagen: Physischer Leib (siehe Schema), Ätherleib (schraffiert), und in diesem Ätherleib macht sich zunächst das Seelische geltend, aber so, daß zuerst der Mensch überhaupt im Ätherleib noch lebt. Dann aber im Empfindungsleib, der in Wirklichkeit noch ganz Ätherleib ist. Denn erst in der ägyptisch-chaldäischen Zeit lebt der Mensch in der Seele, aber da lebt die Seele durchaus noch im Ätherleibe drinnen. So daß ich etwa die Seele so zeichnen könnte (rot schraffiert). Indem der Mensch sich seelisch innerlich fühlt, fühlt er sich noch zur Hälfte im Ätherleib drinnen.
[ 11 ] But let’s now clarify exactly how this works. It is actually very difficult, but if one were to outline this situation schematically, one would have to say: Physical body (see diagram), etheric body (hatched), and within this etheric body the soul first makes itself felt—but in such a way that, at first, the human being still lives entirely within the etheric body. Then, however, in the sensory body, which in reality is still entirely etheric. For it is only in the Egyptian-Chaldean period that the human being lives in the soul, but even then the soul still lives entirely within the etheric body. So that I could, for example, depict the soul like this (red hatched). As the human being feels himself inwardly in a soulful way, he still feels himself to be half within the etheric body.


[ 12 ] In der griechisch-lateinischen Zeit ist es so, daß der Mensch herauswächst mit seinem Seelischen aus dem Ätherleib. Er hat auch noch den Ätherleib in sich etwa bis zum Jahre 333. Dann wächst der Mensch so heraus aus dem Ätherleib, daß seine Seele nur ganz lose mit dem Ätherleib verbunden ist, gar nicht mehr eine innere Verbindung hat (violett schraffiert). Die Seele fühlt sich nach außen hin verlassen. Sie ist genötigt jetzt, ohne die Stütze des Ätherleibes hinauszugehen in die Welt. Dadurch entsteht die Not nach Christus. Denn jetzt, da man nicht mehr in der Seele innig verbunden ist mit dem Ätherleib, sieht man nichts mehr vorn Sonnengeist, nicht einmal das Nachbild, wenn man in die Himmel hinausschaut. Aber in der Weltenentwickelung ist alles so, daß es sich erst durch lange Zeitlagen allmählich entwickelt. Zunächst war vom 4. Jahrhundert ab die Seele gewissermaßen innerlich emanzipiert vom Ätherleib, aber sie war noch nicht in sich erstarkt, sie war noch in sich schwach. Und wenn wir die ganzen Jahrhunderte durchgehen, vom 5., 6., 7. Jahrhundert bis ins 14., 15., 16. Jahrhundert, ja bis in unsere Zeit — aber namentlich wollen wir zunächst bei der Periode bis ins 15. Jahrhundert bleiben —, so haben wir die innerlich eben emanzipierte, aber schwache Seele, die zwar die Not nach etwas fühlt, aber noch nicht stark genug ist, aus innerem Impuls heraus dieser Not entgegenzukommen und, statt wie früher den Christus in der Sonne, jetzt den Christus im Mysterium von Golgatha zu suchen; statt ihn im Raume draußen, ihn im Zeitenlaufe zu suchen. Die Seele mußte innerlich erstarken, um in sich überhaupt Kräfte auszubilden. Die ganzen Jahrhunderte bis ins 15. Jahrhundert herein war man nicht stark genug, um innerlich Kräfte auszubilden, um überhaupt zu einer Erkenntnis von der Welt durch die Seele zu kommen. Daher beschränkte man sich darauf, die Erkenntnisse aus den Büchern zu nehmen, welche die Alten hinterlassen hatten, das historisch Bewahrte als Erkenntnis zu nehmen.
[ 12 ] During the Greco-Latin period, human beings grow out of the etheric body with their soul. The human being still retains the etheric body within until about the year 333. Then the human being grows out of the etheric body in such a way that the soul is only very loosely connected to the etheric body and no longer has any inner connection at all (shaded in violet). The soul feels abandoned to the outside world. It is now compelled to go out into the world without the support of the etheric body. This gives rise to the need for Christ. For now that the soul is no longer intimately connected to the etheric body, one no longer sees the Sun Spirit ahead, not even its afterimage, when looking out into the heavens. But in the development of the world, everything unfolds gradually over long periods of time. At first, from the 4th century onward, the soul was, so to speak, inwardly emancipated from the etheric body, but it had not yet grown strong in itself; it was still weak within. And if we look through all the centuries, from the 5th, 6th, and 7th centuries through the 14th, 15th, 16th centuries, indeed right up to our own time—but let us focus for now specifically on the period up to the 15th century—we find the soul that has just been inwardly emancipated but is still weak; a soul that feels a need for something but is not yet strong enough to respond to this need out of an inner impulse and, instead of seeking Christ in the sun as in earlier times, now to seek Christ in the Mystery of Golgotha; instead of seeking him in the external world, to seek him in the course of time. The soul first had to grow stronger inwardly in order to develop any powers at all within itself. Throughout the centuries up to and including the 15th century, people were not strong enough to develop inner powers, to arrive at any understanding of the world through the soul at all. Therefore, they limited themselves to drawing knowledge from the books left behind by the ancients, accepting what had been historically preserved as knowledge.
[ 13 ] Das ist etwas, was man berücksichtigen muß. Die Seele muß innerlich erstarken. Im 15. Jahrhundert war sie so weit, daß sie dasjenige, was sie nicht mehr aus dem Ätherleibe oder auf dem Umwege durch den Ätherleib aus dem physischen Leibe heraus erlernte als Mathematisches, daß sie das nun in Abstraktion — den abstrakten Raum als Gedanken — anfing, als ihr Eigenes zu erleben. In diesem Erleben ist die Menschheit noch nicht weit, aber es ist, wie Sie merken, ein anderes Erleben, als es früher war. Es ist der Drang, aus dem Innerseelischen heraus zu etwas zu kommen, wozu die Menschheit kommen konnte in alten Zeiten, als sie sich noch ihres Ätherleibes, mit dem die Seele innig verbunden war, bedienen konnte. Die Menschen mußten sich jetzt innerlich so erstarken, daß sie zum Christus kamen, während ihnen früher der Ätherleib gedient hatte, um von der Sonne herunter den Christus zu sehen. Und so können wir sagen, bis ins 4. Jahrhundert ist es so, daß gerade die zivilisiertesten Menschen überhaupt nicht recht etwas anzufangen wissen mit den Nachrichten über den Christus, über das Mysterium von Golgatha.
[ 13 ] This is something one must take into account. The soul must grow stronger within. In the 15th century, it had reached the point where it began to experience as its own, in abstraction—abstract space as thought—that which it no longer learned from the etheric body or, indirectly through the etheric body, from the physical body as mathematics. Humanity has not yet progressed very far in this experience, but as you can see, it is a different experience than it was in the past. It is the urge to arrive at something from within the soul itself—something humanity was able to attain in ancient times, when it could still make use of its etheric body, to which the soul was intimately connected. People now had to strengthen themselves inwardly to the point of coming to Christ, whereas in the past the etheric body had served them to see Christ descending from the sun. And so we can say that up until the 4th century, even the most civilized people did not really know what to make of the news about Christ, about the Mystery of Golgotha.
[ 14 ] Es ist interessant, daß man sagen kann: Weder das Bekenntnis des Kaisers Konstantin zum Christus noch die Abwendung des Julianus vom Christus stehen eigentlich auf irgendwelchem festem Boden. Der Historiker Zosimos erklärt sogar, daß der Kaiser Konstantin für seine Person deshalb zum Christentum übergetreten sei, weil er so viele Verbrechen an seiner Familie begangen hatte, daß ihm die alten Priester es nicht mehr verziehen. Deshalb sagte er sich vom alten Heidentum und seinen Priestern los, weil ihm die christlichen Priester versprochen hatten, sie könnten ihm das verzeihen. Also es war im Grunde genommen ein recht wenig intensiver Grund. Man kann schon sagen, er lenkte sein Bekenntnis zu dem Christus gar nicht aus der Not nach dem Christus hin.
[ 14 ] It is interesting to note that neither Emperor Constantine’s conversion to Christianity nor Julian’s rejection of Christ is actually based on any solid ground. The historian Zosimus even explains that Emperor Constantine converted to Christianity for his own sake because he had committed so many crimes against his family that the old priests would no longer forgive him. That is why he broke away from the old pagan religion and its priests—because the Christian priests had promised him they could forgive him. So, basically, it was a rather superficial reason. One could certainly say that his profession of faith in Christ was not at all motivated by a need for Christ.
[ 15 ] Bei Julianus bedurfte es eben nur der Einweihung in die eleusinischen Mysterien, die ja dazumal schon eine sehr außerliche war, um ihn für den Sonnengeist eben in der alten Form der Erkenntnis zu begeistern. Auch bei ihm ruhte das nicht gerade auf einem ganz tiefen Grund, obwohl er ja außerordentlich bedeutsame Kenntnisse durch seine Einweihung in die eleusinischen Mysterien erhielt. Aber jedenfalls weder das Pro noch Kontra war dazumal etwas Starkes und Intensives in bezug auf die Christus-Frage, weil eben die Menschen gar nicht wußten, was die Behauptung bedeutete, der Christus solle historisch in einem Menschenleib gesucht werden.
[ 15 ] For Julianus, all it took was initiation into the Eleusinian Mysteries—which, even back then, was already a very superficial experience—to inspire him with a passion for the Sun Spirit in the ancient form of knowledge. For him, too, this was not exactly based on a very deep foundation, even though he did, of course, gain extraordinarily significant knowledge through his initiation into the Eleusinian Mysteries. But in any case, neither the arguments for nor against were particularly strong or intense at that time with regard to the question of Christ, precisely because people had no idea what the assertion meant that Christ was to be sought historically in a human body.
[ 16 ] Vom 4. Jahrhundert angefangen war es wiederum so, daß die Menschen in den zwar innerlich emanzipierten, aber noch schwachen Seelen keinen andern Weg fanden zum Christus, überhaupt zu einer Welterklärung — denn es mußte ja die ganze Welterklärung neu aufgebaut werden —, als eben die historische Tradition, die geschriebene, beziehungsweise mündliche Überlieferung; das heißt die mündliche Überlieferung in der Weise, daß nur einige Menschen die schriftliche Überlieferung hatten und den andern eben eine mündliche Interpretation gaben.
[ 16 ] Starting in the 4th century, it was once again the case that people—whose souls were internally emancipated but still weak—could find no other path to Christ, or indeed to an explanation of the world at all—for the entire explanation of the world had to be rebuilt from scratch—than precisely the historical tradition, the written or oral tradition; that is, oral tradition in the sense that only a few people possessed the written tradition and provided the others with an oral interpretation.
[ 17 ] Das blieb durch viele Jahrhunderte so und ist eigentlich in bezug auf die Anschauung des Christus bis heute so geblieben. Aber das ist etwas sehr Bedeutsames, daß die Seele jetzt innerlich frei geworden war. Wie gesagt, wenn auch im Historischen alles Vorboten und Nachwirkungen hat, so können wir doch auf das Jahr 333 als auf das Jahr hindeuten, in dem diese Emanzipation der Seele für die vorgerücktesten Menschen geschah, wenn auch die Seele noch zu schwach war, um überhaupt innerliche Erkenntnisse zu gewinnen. Es war so, daß, wenn damals ein Mensch sich so recht tief besann da ja noch gute Nachrichten da waren aus früheren Zeiten —, er sagen konnte: Da hat es noch vor ganz kurzer Zeit Menschen gegeben, die haben in der Sonne noch etwas Göttlich-Geistiges gesehen. Ich sehe nichts mehr. Aber die Menschen, die in der Sonne etwas Göttlich-Geistiges gesehen haben, haben auch aus dem Innern noch andere Erkenntnisse herausgeschöpft, zum Beispiel die mathematischen Erkenntnisse. Meine Seele ist zwar so, daß sie sich als ein selbständiges Wesen fühlt, aber sie kann sich nicht zusammenraffen, sie kann nicht aus sich heraus Kräfte ziehen, um irgend etwas zu erkennen.
[ 17 ] This remained the case for many centuries and, in terms of the view of Christ, has in fact remained so to this day. But it is something very significant that the soul had now become inwardly free. As I said, even though everything in history has its precursors and aftereffects, we can still point to the year 333 as the year in which this emancipation of the soul took place for the most advanced human beings, even if the soul was still too weak to gain any inner insights at all. It was the case that, if a person at that time reflected deeply—since there was still good news from earlier times—he could say: There were people not so long ago who still saw something divine and spiritual in the sun. I no longer see anything. But the people who saw something divine and spiritual in the sun also drew other insights from within, for example, mathematical insights. My soul, though, is such that it feels itself to be an independent being, yet it cannot pull itself together; it cannot draw forces from within itself to recognize anything.
[ 18 ] Das war eben das Bedeutsame dann im 15., 16. Jahrhundert, daß wenigstens die Leute anfingen, mathematisch-mechanische Erkenntnisse aus der Seele heraus zu konzipieren. Und Kopernikus wandte das zuerst auf das Himmelsgebäude an, was er in dieser Weise in der emanzipierten Seele erlebte. Die früheren Weltensysteme waren eben so, daß sie mit Hilfe derjenigen Seelen gewonnen waren, die noch nicht emanzipiert waren vom Ätherleib, die noch Verstandes- oder Gemütsseelen waren, aber als Verstandesoder Gemütsseelen gewissermaßen noch die Kraft des Ätherleibes hatten, um in die Welt hinauszuschauen. Jetzt war auch noch die Verstandes- oder Gemütsseele da, bis ins 15. Jahrhundert, aber man konnte sich nur des physischen Leibes, des physischen Auges bedienen, um in die Welt hinauszuschauen. Das sind die Gründe, warum durch alle diese Jahrhunderte und bis heute nur durch die Schrift oder durch die mündliche Tradition die Kunde von dem Christus und dem Mysterium von Golgatha sich fortpflanzen konnte.
[ 18 ] That was precisely what was significant in the 15th and 16th centuries: that people at least began to conceive of mathematical-mechanical insights from within the soul. And Copernicus was the first to apply what he experienced in this way within his emancipated soul to the structure of the heavens. The earlier world systems were such that they had been derived with the help of souls that were not yet emancipated from the etheric body—souls that were still intellectual or emotional souls—but which, as intellectual or emotional souls, still possessed, in a sense, the power of the etheric body to look out into the world. The intellectual or emotional soul was still present until the 15th century, but people could only use the physical body and the physical eye to look out into the world. These are the reasons why, throughout all these centuries and up to the present day, the knowledge of Christ and the Mystery of Golgotha could be passed down only through Scripture or oral tradition.
[ 19 ] Was haben wir denn im Grunde genommen durch die nun allmählich durch die Jahrhunderte, vom 4., 5. Jahrhundert an, erstarkte Seele gewonnen? Äußerlich mechanische Erkenntnisse, diejenigen physikalischen Erkenntnisse, die ich in dem Naturwissenschaftlichen Kursus charakterisiert habe. Aber jetzt ist die Zeit eingetreten, wo die Seele so weit erstarken muß, daß sie so, wie sie früher mit Hilfe des Ätherleibes beim Hinausschauen in die Himmel mit der physischen Sonne die Geistsonne sah, jetzt innerlich in das Ich hineinschaut, das Ich empfindet und gewissermaßen hinter dem Ich den Christus.
[ 19 ] What, after all, have we gained through the soul that has gradually grown stronger over the centuries, beginning in the 4th and 5th centuries? Outwardly, mechanical knowledge—the kind of physical knowledge I described in the course on the natural sciences. But now the time has come when the soul must grow strong enough that, just as it once saw the spiritual sun alongside the physical sun when looking out into the heavens with the aid of the etheric body, it now looks inward into the “I,” perceives the “I,” and, in a sense, perceives Christ behind the “I.”


[ 20 ] Wenn wir uns das nicht schematisch, aber eigentlich sehr real vorstellen, so ist es so: Durch das physische Sehen wird die Sonne gesehen (hell schraffiert), durch das Sehen mit dem Ätherleib hinter der Sonne der Sonnengeist, der Christus (alte Zeit, rot). Heute ist es so, daß wenn der Mensch in sich hineinschaut, er jenes Ich hat. Er empfindet das Ich, er hat ein Ich-Gefühl. Aber das ist sehr dunkel. Dieses Ich-Gefühl ist ja in der emanzipierten Seele zunächst entstanden. Früher schaute der Mensch in die Welt hinaus, jetzt muß er in sich hineinschauen. Das Hinausschauen in die Welt brachte ihn mit der Sonne und mit dem Christus zusammen. Das Hineinschauen hat ihn zunächst nur mit dem Ich zusammengebracht. Er muß dazu kommen, hinter dem Ich nun das zu finden, was er früher vor der Sonne gefunden hat. Er muß dazu kommen, dasjenige, was er in dem Lichte erlebte, was er vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang erlebte, den Christus, den Erleuchter seines eigenen Wissens, aus seinem Ich heraus innerlich erstrahlen zu fühlen, daß er in dem Christus die starke Stütze des eigenen Ich findet. So daß man sagen kann: Früher schaute man in die Sonne hinaus und fand das durchchristete Licht. Jetzt fühlt man in sich selber hinein und lernt erkennen das durchchristete Ich (rot, violett).
[ 20 ] If we imagine this not schematically, but in a very real way, it is as follows: Through physical sight, the sun is seen (light hatched); through seeing with the etheric body behind the sun, the Sun Spirit, Christ (ancient times, red), is perceived. Today, when a person looks within, they have that “I.” They perceive the “I”; they have a sense of “I.” But this is very obscure. This sense of “I” first arose in the emancipated soul. In the past, people looked out into the world; now they must look within. Looking out into the world brought them into contact with the Sun and with Christ. Looking inward has, for the time being, brought them into contact only with the “I.” They must come to find, behind the “I,” what they formerly found before the Sun. They must come to feel, radiating inwardly from their “I,” that which they experienced in the light—what they experienced from sunrise to sunset—Christ, the Enlightener of their own knowledge, so that they find in Christ the strong support of their own “I.” So that one can say: In the past, one looked out toward the sun and found the Christ-imbued light. Now one looks inward and learns to recognize the Christ-imbued “I” (red, violet).


[ 21 ] Allerdings stehen wir in bezug darauf ganz im Anfange. Denn Anthroposophie besteht darin, gewissermaßen der Menschheit zu sagen: Diese Jahrhunderte seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert sind Zwischenjahrhunderte. Was vorher liegt, hatte eine Menschheit, die hinausschauen konnte in die Himmel und den Christus als äußeren räumlichen Sonnengeist fand. Eine Menschheit muß nach diesen Zwischenjahrhunderten erstehen, welche hineinfühlt in ihr Inneres und welche auf dem Wege zu diesem Inneren wiederum die innere Sonne findet, den Christus, der aber jetzt mit dem Ich so erscheint, wie er früher mit der Sonne erschienen war, der jetzt der Ich-Träger ist, wie er früher der Sonnengeist war.
[ 21 ] However, we are still in the very early stages in this regard. For anthroposophy consists, so to speak, in telling humanity: These centuries since the 4th century A.D. are intermediate centuries. What came before was a time when humanity could look out into the heavens and find Christ as an outer, spatial Sun Spirit. After these intermediate centuries, a new humanity must arise—one that looks inward and, on the path to this inner world, rediscovers the inner Sun, the Christ, who now appears with the “I” just as he formerly appeared with the Sun, and who is now the bearer of the “I,” just as he was formerly the Sun Spirit.
[ 22 ] Mit dem 4. Jahrhundert beginnt in der Menschheit, die sich allmählich herausentwickelt aus den griechisch-lateinischen Rassen, die Not nach dem Christus, die zunächst nur durch die schriftliche oder mündliche Tradition befriedigt werden kann. Aber heute ist ja die Sache so, daß diese schriftliche oder mündliche Tradition gerade bei den vorgerückteren Geistern an Kraft der Überzeugung verloren hat, und daß die Menschen lernen müssen, aus dem Inneren den Christus so zu finden, wie eine alte Menschheit ihn äußerlich durch die Sonne und deren Licht gefunden hat. Die Zwischenjahrhunderte müssen wir nur in der richtigen Weise verstehen, so verstehen, daß eben da die Seele zunächst selbständig, aber in einem gewissen Sinne leer war. Wenn die Seele hinausschaute, bewaffnet mit dem ätherischen Leib, konnte sie nicht jenes mechanisch-mathematische System in den Himmelserscheinungen sehen, das dann später das Kopernikanische geworden ist. Die Dinge wurden viel enger an den Menschen gebunden genommen. Und da stellte sich nicht ein ganz beliebig aus dem Menschen herausgerissenes Weltensystem hin, sondern eben dasjenige Weltensystem, das dann, auch schon in Dekadenz, als das Ptolemäische erscheint.
[ 22 ] With the 4th century, humanity—which was gradually evolving from the Greco-Latin races—began to feel a need for Christ, a need that at first could be satisfied only through written or oral tradition. But today the situation is such that this written or oral tradition has lost its power of conviction, especially among the more advanced spirits, and that people must learn to find Christ within themselves, just as ancient humanity found him externally through the sun and its light. We need only understand the intervening centuries in the right way—that is, to understand that at that time the soul was initially independent, yet in a certain sense empty. When the soul looked out, armed with the etheric body, it could not see in the celestial phenomena that mechanical-mathematical system which later became the Copernican model. Things were perceived as being much more closely bound to human beings. And what presented itself was not a world system arbitrarily torn from the human being, but precisely that world system which, even in its state of decline, appears as the Ptolemaic system.
[ 23 ] Aber als die Seele anfing, nicht mehr im Äther zu wurzeln mit dem eigenen Ätherleibe, da bereitete sich allmählich auch jene Stimmung vor, die später eine Sternenwissenschaft begründete, der es gleichgültig war, ob der Mensch zum Sternenhimmel dazugehört oder nicht. Den einzigen Tribut, den dieser gewandelte Mensch der alten Zeit brachte, war der, daß er den Ausgangspunkt für sein mechanisches System dorthin verlegte, wo früher der Christus gesehen worden war, nämlich in die Sonne. Die Sonne wurde durch Kopernikus zum Mittelpunkt des Weltenalls, aber nicht des geistigen, sondern des physischen Weltenalls gemacht. Darin lebt noch ein dunkles Gefühl davon, wie stark die Menschheit einstmals die Sonne als den Mittelpunkt der Welt mit dem Christus gefühlt hat. Man muß nicht nur die äußere Erscheinung der Weltgeschichte betrachten, wie das allmählich Sitte geworden ist, sondern man muß auch die Entwickelung der. Empfindungen etwas ins Auge fassen.
[ 23 ] But when the soul began to lose its roots in the ether through its own etheric body, the mindset that would later give rise to an astronomy—one that was indifferent to whether human beings belonged to the starry heavens or not—gradually began to take shape. The only tribute this transformed human being paid to the old era was that he shifted the starting point for his mechanical system to where Christ had formerly been seen—namely, the Sun. Through Copernicus, the Sun was made the center of the universe—not the spiritual universe, but the physical one. In this there still lives a vague sense of how strongly humanity once felt the Sun, together with Christ, to be the center of the world. One must not only consider the outward appearance of world history, as has gradually become customary, but one must also take the development of feelings somewhat into account.
[ 24 ] Da wird man gerade, wenn man den Kopernikus wirklich zu lesen versteht, in diesem merkwürdigen Empfindungselemente, das einem bei Kopernikus entgegentritt, merken: Er rechnete nicht nur; er hatte einen innerlichen Empfindungstrieb, der Sonne irgend etwas von dem Alten zurückzugeben. Durch diesen innerlichen Empfindungstrieb war es gekommen, daß er drei Gesetze fand, von denen das dritte eigentlich alles wiederum in einen gewissen fragwürdigen Zustand bringt, was in den zwei ersten gesagt ist. Denn Kopernikus hat ein drittes Gesetz, das dann die spätere Astronomie einfach ausgelassen hat, weil sie alles mechanisiert hat. Er hat ein Gesetz, wonach die Bewegung der Erde um die Sonne durchaus nicht so absolut hingestellt wird, wie man sie heute ansieht. Heute sieht man ja, wie ich schon erwähnt habe, die Sache als einen Tatbestand an, der sich etwa ergeben würde für die Beobachtung, wenn man sich einen Stuhl in den weiten Weltenraum, aber ziemlich weit hinaus, stellen würde, und von dort aus dann sehen würde, wie die Sonne ist und wie da die Erde herumkreist. Aber da müßte der Stuhl draußen stehen, und auf dem müßte der entsprechende Schulmeister sitzen, der sich nun das Weltensystem von da draußen ansieht. Ein Beobachtungsresultat ist das ja nicht. Kopernikus hatte, ich möchte sagen, noch nicht ein so robust konträres Gewissen in solchen Dingen, wie es die späteren Menschen beim Mechanisieren des ganzen Weltengebäudes hatten. Er hat auch diejenigen Erscheinungen angeführt, die eigentlich dafür sprechen, daß es doch nicht so ganz unbedingt richtig ist mit der Bewegung der Erde um die Sonne. Aber wie gesagt, dieses dritte Gesetz wurde ja einfach ignoriert, unterschlagen von der späteren Wissenschaft. Man blieb bei den zwei ersten — Erdendrehung um sich selbst, Drehung der Erde um die Sonne — und hatte ein sehr einfaches System, das nun allmählich in dieser einfachen Weise in den Schulen gelehrt wird. Hier soll selbstverständlich nicht gegen das Kopernikanische System Opposition getrieben werden. Es war notwendig im Laufe der Menschheitsentwickelung. Heute ist aber die Zeit gekommen, wo doch über die Dinge in einer solchen Weise gesprochen werden muß, wie ich es in einem naturwissenschaftlichen Kursus in Stuttgart versucht habe, wo ich über astronomische Dinge sprach. Da habe ich gezeigt, wie über diese Dinge doch ganz anders gedacht werden muß, als es im Sinne der heutigen materialistisch-mechanischen Konstruktion möglich ist.
[ 24 ] Precisely when one truly understands how to read Copernicus, one notices this remarkable intuitive impulse that one encounters in his work: He did not merely calculate; he had an inner intuitive impulse to restore something of the old to the Sun. It was through this inner impulse that he arrived at three laws, the third of which actually casts everything stated in the first two back into a certain state of uncertainty. For Copernicus has a third law that later astronomy simply omitted because it mechanized everything. He has a law according to which the Earth’s motion around the Sun is by no means presented as absolutely certain as it is viewed today. Today, as I have already mentioned, the matter is viewed as a fact that would emerge from observation if one were to place a chair out in the vastness of space—quite far out, in fact—and from there observe what the Sun is like and how the Earth orbits around it. But the chair would have to be out there, and the schoolteacher in question would have to be sitting on it, observing the solar system from out there. That is not, of course, an observational result. Copernicus, I would say, did not yet possess such a strongly contrary conviction in such matters as later people did when they mechanized the entire structure of the universe. He also cited those phenomena that actually suggest that the Earth’s motion around the Sun is not entirely correct. But as I said, this third law was simply ignored, suppressed by later science. People stuck with the first two—the Earth’s rotation on its axis and its orbit around the Sun—and had a very simple system, which is now gradually being taught in this straightforward way in schools. Of course, the intention here is not to oppose the Copernican system. It was necessary in the course of human development. Today, however, the time has come when these matters must be discussed in the manner I attempted in a natural science course in Stuttgart, where I spoke about astronomical topics. There I demonstrated how these matters must be conceived in a way quite different from what is possible within the framework of today’s materialistic-mechanistic worldview.
[ 25 ] Aber bei Kopernikus ist eben durchaus in der ganzen Auffassung seines Systems noch eine Empfindung, die man so charakterisieren kann, wie ich eben gesagt habe. Er wollte doch noch in einem gewissen Sinne nicht bloß ein mathematisches Koordinatenachsensystem für unser Sonnensystem schaffen und die Sonne in den Mittelpunkt dieses Koordinatenachsensystems stellen, sondern er wollte der Sonne zurückgeben, was ihr dadurch genommen war, daß die Menschen nicht mehr den Christus in der Sonne wahrnehmen konnten.
[ 25 ] But in Copernicus’s case, there is indeed, throughout his entire conception of his system, a sentiment that can be characterized exactly as I just described. In a certain sense, he did not merely want to create a mathematical coordinate system for our solar system and place the sun at the center of this coordinate system; rather, he wanted to restore to the sun what had been taken from it by the fact that people could no longer perceive Christ in the sun.
[ 26 ] Das sind Dinge, die Ihnen zeigen sollen, daß man nicht nur die äußere Tatsache und den Gedankenwandel der Menschen in der geschichtlichen Entwickelung verfolgen sollte, sondern auch die Umwandlung der Empfindungen. Das wurde zwar erst so, als der Mechanismus dann ganz vollkommen auftauchte. Bei Kopernikus, und namentlich bei Kepler, kann man noch Empfindungen finden, bei Newton sogar schon sehr stark. Ich habe im Naturwissenschaftlichen Kursus ja schon auseinandergesetzt, wie Newton bei seiner mathematischen Naturphilosophie später etwas unwohl wurde. Nachdem er erst den Raum so betrachtet hatte, daß er ihn mit lauter mathematisch-mechanischen Kräften durchsetzte, und nachdem er später die Sache noch einmal durchsah, da wurde ihm schwül dabei und da sagte er, daß das, was er so als abstrakten Raum mit den drei abstrakten Dimensionen statuiert hatte, eigentlich das Sensorium Dei, das Sensorium Gottes sei. Jetzt war es so für den etwas älter gewordenen Newton, dessen Gewissen sich regte gegenüber den mathematisch-mechanischen Vorstellungen, daß der Raum, den er genügend mathematisiert hatte, nun der wichtigste Raum im Gehirn Gottes war, nämlich das Sensorium, der wichtigste Teil des Gehirns Gottes.
[ 26 ] These are things intended to show you that one should not only trace the external facts and the shift in people’s thinking throughout historical development, but also the transformation of their feelings. This, however, only became apparent once the mechanism had fully emerged. In Copernicus, and especially in Kepler, one can still find such feelings; in Newton, they are already very strong. I have already discussed in the Natural Science Course how Newton later felt somewhat uneasy about his mathematical philosophy of nature. After he had initially viewed space in such a way that he imbued it with nothing but mathematical-mechanical forces, and after he later reconsidered the matter, he felt a sense of unease and said that what he had established as abstract space with its three abstract dimensions was in fact the Sensorium Dei, the Sensorium of God. Now, for Newton—who had grown somewhat older and whose conscience was stirring in response to these mathematical-mechanical concepts—it was the case that space, which he had sufficiently mathematized, was now the most important space in God’s mind, namely the sensorium, the most important part of God’s mind.
[ 27 ] Man kam erst später in die Lage, die erkennenden Menschen vollständig nurmehr auf ihre Gedanken, gar nicht mehr auf ihre Empfindungen zu prüfen. Newton muß man noch auf seine Empfindungen prüfen, Leibniz erst recht und überhaupt die Naturforscher dieser Zeit. Und auch wer das Leben Galileis vornimmt, der findet, ich möchte sagen, auf jeder Seite, wie da noch der ganze Mensch hineinspielt. Dieser Gedankenapparat Mensch, der sich selbst als seinen Gedankenapparat speist mit den Ergebnissen der Beobachtung und des Experimentes, so wie man eine Dampfmaschine mit Kohle speist, dieser Mensch taucht ja erst später auf, und er wird erst später der autoritative Führer der voraussetzungslosen Wissenschaft. Voraussetzungslos ist diese Wissenschaft eigentlich nur aus dem Grunde, weil ihr eben jede Voraussetzung fehlt zur wirklichen Erkenntnis.
[ 27 ] It was only later that we were able to evaluate thinking individuals solely on the basis of their thoughts, and no longer at all on the basis of their feelings. Newton must still be evaluated on the basis of his feelings, Leibniz all the more so, and indeed all the natural scientists of that era. And anyone who reads Galileo’s life will find—I would say—on every page how the whole person still comes into play there. This human “thought apparatus”—which feeds itself, as its own thought apparatus, with the results of observation and experiment, just as one feeds a steam engine with coal—this human being only emerges later, and only later does he become the authoritative guide of unconditional science. This science is, in fact, unconditional only because it lacks any prerequisite for true knowledge.
[ 28 ] Aber was eben hinzutreten muß zu den Errungenschaften der erstarkten Seele, die ja allerdings jetzt nicht mehr eine leere Seele ist, wie sie es im 4. nachchristlichen Jahrhundert wurde, sondern die sich nun ihrerseits angefüllt hat mit vielen mathematisch-mechanischen Vorstellungen, das ist, daß eben innerhalb des Ich das innere Licht gefunden wird, das man vielleicht jetzt nicht mehr bloß Ich nennen sollte, um nicht nur figürlich oder symbolisch zu sprechen, sondern das man nennen müßte: die stützende Wesenheit für die Seele.
[ 28 ] But what must now be added to the achievements of the strengthened soul—which, admittedly, is no longer an empty soul, as it had become in the 4th century A.D., but has now, for its part, filled itself with many mathematical -mechanical concepts, is that within the “I” the inner light is found—which perhaps should no longer be called merely the “I,” so as not to speak only figuratively or symbolically, but which one must call: the sustaining essence of the soul.
[ 29 ] Und damit lernen wir etwas erkennen, was im Laufe der Jahrhunderte immer mehr und mehr herauftauchte, was heute stark ist, aber von den Menschen, die sich darüber betäuben, in die unterbewußten Untergründe der Seele hinuntergeschoben wird: die Not zu Christus. Nur eine geistige Erkenntnis, eine Erkenntnis des geistigen Weltenalls kann dieser Not zu Christus entgegenkommen. Zualledem, was wir als charakteristische Momente unseres eigenen Zeitalters im 20. Jahrhundert anschauen müssen, gehört dies dazu: die Not zu Christus und das innere Aufraffen der Seele zu der Kraft, den Christus zu finden im Ich, hinter dem Ich, so wie er früher vor der Sonne gefunden worden ist.
[ 29 ] And in this way we come to recognize something that has emerged more and more over the centuries, something that is powerful today but is pushed down into the subconscious depths of the soul by people who numb themselves to it: the need for Christ. Only spiritual insight—an understanding of the spiritual universe—can meet this longing for Christ. Among the defining features of our own age in the 20th century is this: the longing for Christ and the soul’s inner striving for the strength to find Christ within the “I,” behind the “I,” just as he was once found before the sun.
[ 30 ] Die Art und Weise, wie die Menschen zu dem Sonnengeiste standen in der griechisch-lateinischen Zeit, war eine Abenddämmerung. Denn ganz hell, möchte ich sagen, seelisch-geistig hell sah den Sonnengeist nur die urindische Periode. Jetzt leben wir in einer Zeit, in der wir Morgendammerung fühlen sollten, Morgendämmerung der wirklichen, durch die Kraft des Menschen errungenen Christus-Erkenntnis. Die alte Erkenntnis des Sonnengeistes, die noch Julianus der Apostat galvanisieren wollte, kann nicht mehr der Menschheit in irgendeiner Weise Befriedigung gewähren. Schon das Bestreben des Julianus war gegenüber dem geschichtlichen Werden ein vergebliches. Aber nach der Epoche der ersten vier Jahrhunderte, wo man eigentlich nicht gewußt hat, was man anfangen sollte mit dem Christus, nach der Epoche, die dann gekommen ist, wo man die Not nach dem Christus hatte, aber diese Not nur durch die mündliche oder schriftliche Tradition befriedigen konnte, muß das Zeitalter kommen, das so etwas versteht wie den Zusatz zum Evangelium: «Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.»
[ 30 ] The way people viewed the Sun Spirit during the Greco-Latin period was like twilight. For it was only during the primordial Indian period that the Sun Spirit was seen with true clarity—I would say, with spiritual and soulful clarity. Now we live in a time when we should feel the dawn breaking—the dawn of true Christ-knowledge, won through human effort. The ancient understanding of the Sun Spirit, which Julian the Apostate still sought to revive, can no longer offer humanity any kind of satisfaction. Julian’s endeavor itself was futile in the face of historical development. But after the epoch of the first four centuries, when people did not really know what to make of Christ, and after the epoch that followed, when there was a need for Christ but this need could be satisfied only through oral or written tradition, there must come an age that understands something like the addition to the Gospel: “I have much more to say to you, but you cannot bear it now.”
[ 31 ] Ein Zeitalter muß kommen, das versteht, was der Christus gemeint hat, wenn er sagte: «Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Erdenzeiten.» Denn der Christus ist kein Toter, sondern ein Lebendiger. Er spricht nicht nur durch die Evangelien, er spricht für das Geistesauge, wenn das Geistesauge sich den Geheimnissen des Menschendaseins wiederum öffnet. Da ist er jeden Tag und spricht und offenbart sich. Und es ist eine schwache Menschheit, die gar nicht die Zeit erstreben will, in der auch das gesagt werden kann, was dazumal nicht gesagt wurde, weil die Menschen es noch nicht tragen konnten, jene Menschen, die noch in einer Verfassung waren, in der sie im Grunde genommen nicht verstehen konnten, was der Christus ihnen bot.
[ 31 ] An age must come that understands what Christ meant when he said, “I am with you always, even to the end of the age.” For Christ is not dead, but alive. He speaks not only through the Gospels; he speaks to the spiritual eye when that eye opens once more to the mysteries of human existence. There He is every day, speaking and revealing Himself. And it is a weak humanity that does not even wish to strive for the time when what was not said back then can be said—because people were not yet ready to bear it, those people who were still in a state where, fundamentally, they could not understand what Christ was offering them.
[ 32 ] Gewiß, die Umgebung konnte etwas davon verstehen, aber das Evangelium ist ja für alle gesprochen, und dieser Ausspruch geht natürlich in die Weiten der Welt hinaus. Eine Menschheit muß angestrebt werden, welche den lebendigen Christus an die Stelle der bloßen Überlieferung vom Christus setzt. Und es ist das Unchristlichste auch sogar im Sinne der Überlieferung, wenn man nur immer dasjenige gültig haben will, was niedergeschrieben ist, und nicht das, was jeden Tag zu unserem nach Erleuchtung strebenden Denken, zu unserem fühlenden Herzen und zu unserem ganzen wollenden Menschen heute als die Christus-Offenbarung aus der geistigen Welt heraus spricht.
[ 32 ] Certainly, those around him could understand some of it, but the Gospel is, after all, addressed to everyone, and this saying naturally spreads far and wide throughout the world. We must strive for a humanity that replaces the mere tradition of Christ with the living Christ. And it is the most unchristian thing—even in the sense of tradition—to insist that only what is written down is valid, and not what speaks to us every day from the spiritual world as the revelation of Christ to our minds striving for enlightenment, to our feeling hearts, and to our whole being as we will it today.



