Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220
14 January 1923, Dornach
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Lebendiges Naturerkennen Intellektueller Sündenfall und spirituelle Sündenerhebung
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Ich möchte nun das Thema, das ich in diesen verflossenen zwei Tagen angeschlagen habe, heute etwas fortsetzen. Es handelt sich dabei darum, aus den Entwickelungsmomenten, die zum Geistesleben der Gegenwart geführt haben, zu erkennen, wie auf der einen Seite anthroposophische Weltanschauung eine Notwendigkeit wird, wie auf der andern Seite auch verstanden werden muß, daß diese anthroposophische Weltanschauung Gegner hat. Ich will mich — und das ist begreiflich — gerade im gegenwärtigen Augenblicke natürlich jetzt nicht auf eine spezielle Charakteristik dieser oder jener Gegner einlassen, möchte das Thema möglichst allgemein behandeln, weil es sich ja auch gar nicht darum handelt, diese oder jene Gegnerschaft ins Auge zu fassen, sondern weil es sich eigentlich darum handelt, daß die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie als solche existieren will, sich ihrer Stellung im Geistesleben eben bewußt werden und dazu etwas beitragen muß, sich zu konsolidieren. Ich sage ja da nichts besonders Neues für heute, denn es ist erst einige Wochen her, daß ich ausdrücklich gesagt habe, daß diese Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft eine Notwendigkeit sei.
[ 1 ] Ich möchte nun das Thema, das ich in diesen verflossenen zwei Tagen angeschlagen habe, heute etwas fortsetzen. Es handelt sich dabei darum, aus den Entwickelungsmomenten, die zum Geistesleben der Gegenwart geführt haben, zu erkennen, wie auf der einen Seite anthroposophische Weltanschauung eine Notwendigkeit wird, wie auf der andern Seite auch verstanden werden muß, daß diese anthroposophische Weltanschauung Gegner hat. Ich will mich — und das ist begreiflich — gerade im gegenwärtigen Augenblicke natürlich jetzt nicht auf eine spezielle Charakteristik dieser oder jener Gegner einlassen, möchte das Thema möglichst allgemein behandeln, weil es sich ja auch gar nicht darum handelt, diese oder jene Gegnerschaft ins Auge zu fassen, sondern weil es sich eigentlich darum handelt, daß die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie als solche existieren will, sich ihrer Stellung im Geistesleben eben bewußt werden und dazu etwas beitragen muß, sich zu konsolidieren. Ich sage ja da nichts besonders Neues für heute, denn es ist erst einige Wochen her, daß ich ausdrücklich gesagt habe, daß diese Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft eine Notwendigkeit sei.
[ 2 ] Wir müssen uns durchaus klar sein darüber, wie Anthroposophie hineingestellt ist in eine gegenwärtige Zivilisation, die für Europa und Amerika eigentlich ihre Geschichte in Wahrheit nur bis in die Zeit zurückführt, von der ich öfters gesprochen habe: bis in die Zeit etwa des 4. nachchristlichen Jahrhunderts. Dieses 4. nachchristliche Jahrhundert liegt ja gerade in der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes. Ich habe öfters darauf aufmerksam gemacht, daß die Verbreitung des Christentums, die ganze Auffassungsweise des Christentums in den allerersten drei bis vier christlichen Jahrhunderten eine wesentlich andere war als später.
[ 2 ] Wir müssen uns durchaus klar sein darüber, wie Anthroposophie hineingestellt ist in eine gegenwärtige Zivilisation, die für Europa und Amerika eigentlich ihre Geschichte in Wahrheit nur bis in die Zeit zurückführt, von der ich öfters gesprochen habe: bis in die Zeit etwa des 4. nachchristlichen Jahrhunderts. Dieses 4. nachchristliche Jahrhundert liegt ja gerade in der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes. Ich habe öfters darauf aufmerksam gemacht, daß die Verbreitung des Christentums, die ganze Auffassungsweise des Christentums in den allerersten drei bis vier christlichen Jahrhunderten eine wesentlich andere war als später.
[ 3 ] Wir denken heute oftmals so, wenn wir die Geschichte nach rückwärts verfolgen, daß wir die Neuzeit betrachten, zum Mittelalter zurückgehen, da etwa bei dem ankommen, was man die Völkerwanderung nennt, dann beim Römerreich, dann geht man eben weiter zurück ins Griechentum und denkt eigentlich und empfindet gegenüber dem Griechentum so ähnlich, wie man auch demjenigen gegenüber empfindet, was etwa seit der römischen Kaiserzeit als spätere europäische Geschichte existiert. Aber das ist ja gar nicht so. Es liegt eigentlich ein tiefer Abgrund zwischen dem, was noch mit einer gewissen Lebendigkeit vor dem Bewußtsein des heutigen Menschen steht, nämlich der Rückgang bis ins Römertum, und dem, was als griechisches Leben vorangegangen ist. Rufen wir nur ganz skizzenhaft die Sache vor die Seele. Wenn wir das Griechenland des Perikles oder Platon oder des Phidias betrachten, oder gar das Griechenland des Sophokles und Äschylos, dann geht dasjenige, was diesem Griechentum als Seelenverfassung zugrunde liegt, zurück auf alte Mysterienkultur, auf alte Geistigkeit. Und es hatte vor allen Dingen dieses Griechentum noch viel von dem in sich, was ich gestern charakterisierte als ein lebendiges Erleben der wirklichen Vorgänge im menschlichen Inneren; was ich als den Salz-, als den Sulfur-, als den Merkurprozeß bezeichnete. Wir müssen uns darüber klar sein, daß das griechische Denken und Empfinden dem Menschenwesen nahestand, während die spätere Zeit, vom 4. nachchristlichen Jahrhundert an, dem ja schon vorgearbeitet hat, was dann gekommen ist und sich in den drei Gestalten, die ich in diesen beiden Tagen angeführt habe, so besonders charakteristisch gezeigt hat: den Verlust des Menschenwesens für das menschliche Bewußtsein.
[ 3 ] Wir denken heute oftmals so, wenn wir die Geschichte nach rückwärts verfolgen, daß wir die Neuzeit betrachten, zum Mittelalter zurückgehen, da etwa bei dem ankommen, was man die Völkerwanderung nennt, dann beim Römerreich, dann geht man eben weiter zurück ins Griechentum und denkt eigentlich und empfindet gegenüber dem Griechentum so ähnlich, wie man auch demjenigen gegenüber empfindet, was etwa seit der römischen Kaiserzeit als spätere europäische Geschichte existiert. Aber das ist ja gar nicht so. Es liegt eigentlich ein tiefer Abgrund zwischen dem, was noch mit einer gewissen Lebendigkeit vor dem Bewußtsein des heutigen Menschen steht, nämlich der Rückgang bis ins Römertum, und dem, was als griechisches Leben vorangegangen ist. Rufen wir nur ganz skizzenhaft die Sache vor die Seele. Wenn wir das Griechenland des Perikles oder Platon oder des Phidias betrachten, oder gar das Griechenland des Sophokles und Äschylos, dann geht dasjenige, was diesem Griechentum als Seelenverfassung zugrunde liegt, zurück auf alte Mysterienkultur, auf alte Geistigkeit. Und es hatte vor allen Dingen dieses Griechentum noch viel von dem in sich, was ich gestern charakterisierte als ein lebendiges Erleben der wirklichen Vorgänge im menschlichen Inneren; was ich als den Salz-, als den Sulfur-, als den Merkurprozeß bezeichnete. Wir müssen uns darüber klar sein, daß das griechische Denken und Empfinden dem Menschenwesen nahestand, während die spätere Zeit, vom 4. nachchristlichen Jahrhundert an, dem ja schon vorgearbeitet hat, was dann gekommen ist und sich in den drei Gestalten, die ich in diesen beiden Tagen angeführt habe, so besonders charakteristisch gezeigt hat: den Verlust des Menschenwesens für das menschliche Bewußtsein.
[ 4 ] Ich sagte, solche Persönlichkeiten wie Bruno, Jakob Böhme und in gewisser Beziehung auch Lord Bacon, sie rangen nach einer Erkenntnis des Menschenwesens. Allein, es war diesem Ringen nicht möglich, an das Menschenwesen wirklich heranzukommen. Wenn wir hinter das Römertum ins Griechentum zurückgehen, dann hört eben dieses Reden von der Fremdheit des Menschenwesens auf, einen Sinn zu haben, denn der Grieche wußte sich als Mensch im Kosmos drinnenstehend. Der Grieche hat diesen Naturbegriff, der später aufgekommen ist, nicht gehabt, diesen Naturbegriff, der zuletzt ausmündete in die Auffassung vom Mechanismus der Natur. Man könnte vom Griechen sagen: er sah die Wolke, er sah den Regen herabquillen, er sah wiederum in Nebeln aufsteigen, was aus der Erde als Flüssigkeit kommt, und er sah mit einer besonderen Lebendigkeit, wenn er in sich selbst mit dem noch konkret geschärften Blick sah, seine Blutbewegung. Und er empfand keinen so tiefgehenden Unterschied zwischen dem auf- und absteigenden Wasser in der Natur und seiner eigenen Blutbewegung, wie man das später empfand. Der Grieche erfaßte noch etwas von dem, was in den Worten liegt: die Welt im Menschen, der Mensch in der Welt.
[ 4 ] Ich sagte, solche Persönlichkeiten wie Bruno, Jakob Böhme und in gewisser Beziehung auch Lord Bacon, sie rangen nach einer Erkenntnis des Menschenwesens. Allein, es war diesem Ringen nicht möglich, an das Menschenwesen wirklich heranzukommen. Wenn wir hinter das Römertum ins Griechentum zurückgehen, dann hört eben dieses Reden von der Fremdheit des Menschenwesens auf, einen Sinn zu haben, denn der Grieche wußte sich als Mensch im Kosmos drinnenstehend. Der Grieche hat diesen Naturbegriff, der später aufgekommen ist, nicht gehabt, diesen Naturbegriff, der zuletzt ausmündete in die Auffassung vom Mechanismus der Natur. Man könnte vom Griechen sagen: er sah die Wolke, er sah den Regen herabquillen, er sah wiederum in Nebeln aufsteigen, was aus der Erde als Flüssigkeit kommt, und er sah mit einer besonderen Lebendigkeit, wenn er in sich selbst mit dem noch konkret geschärften Blick sah, seine Blutbewegung. Und er empfand keinen so tiefgehenden Unterschied zwischen dem auf- und absteigenden Wasser in der Natur und seiner eigenen Blutbewegung, wie man das später empfand. Der Grieche erfaßte noch etwas von dem, was in den Worten liegt: die Welt im Menschen, der Mensch in der Welt.
[ 5 ] Das sind Dinge, die eigentlich nicht tief genug genommen werden können, denn sie führen hinein in die Seelenverfassung, die ja für die außere Geschichte nur in Fragmenten vorhanden ist. Man darf eben nicht vergessen, wie im 4. nachchristlichen Jahrhundert damit begonnen worden ist, alle Reste der hellseherischen Kultur gründlich zu vernichten. Gewiß, die heutige Menschheit weiß wiederum einiges, was später ausgegraben worden ist. Aber man sollte doch nicht vergessen, wie dasjenige, was später die Impulse der abendländischen Kultur gegeben hat, entstanden ist auf den Trüummern des alten Hellenismus, jenes erweiterten Hellenismus, der nicht nur in Südeuropa war, der bis nach Asien hinüberging. Man sollte nicht vergessen, daß in der Zeit zwischen der Mitte des 4. und der Mitte des 5. Jahrhunderts unzählige Tempel brannten, die ungeheuer bedeutungsvollen, bildhaften Inhalt hatten, kostbaren Inhalt hatten in bezug auf alles, was der Hellenismus ausgebildet hat. Das alles sieht ja die heutige Menschheit, die nur nach äußeren Dokumenten geht, nicht mehr. Man muß an ein solches Wort erinnern, wie das eines damaligen Schriftstellers, der in einem Briefe schrieb: Es geht zu Ende mit der alten Zeit. Alle einzelnen Heiligtümer, die zu finden sind auf den einzelnen Feldern, um derentwillen die Bau ern auf ihren Feldern arbeiten, die werden vernichtet. Wo sollen die auf dem Felde arbeitenden Leute noch Freude hernehmen zu ihrer Arbeit?
[ 5 ] Das sind Dinge, die eigentlich nicht tief genug genommen werden können, denn sie führen hinein in die Seelenverfassung, die ja für die außere Geschichte nur in Fragmenten vorhanden ist. Man darf eben nicht vergessen, wie im 4. nachchristlichen Jahrhundert damit begonnen worden ist, alle Reste der hellseherischen Kultur gründlich zu vernichten. Gewiß, die heutige Menschheit weiß wiederum einiges, was später ausgegraben worden ist. Aber man sollte doch nicht vergessen, wie dasjenige, was später die Impulse der abendländischen Kultur gegeben hat, entstanden ist auf den Trüummern des alten Hellenismus, jenes erweiterten Hellenismus, der nicht nur in Südeuropa war, der bis nach Asien hinüberging. Man sollte nicht vergessen, daß in der Zeit zwischen der Mitte des 4. und der Mitte des 5. Jahrhunderts unzählige Tempel brannten, die ungeheuer bedeutungsvollen, bildhaften Inhalt hatten, kostbaren Inhalt hatten in bezug auf alles, was der Hellenismus ausgebildet hat. Das alles sieht ja die heutige Menschheit, die nur nach äußeren Dokumenten geht, nicht mehr. Man muß an ein solches Wort erinnern, wie das eines damaligen Schriftstellers, der in einem Briefe schrieb: Es geht zu Ende mit der alten Zeit. Alle einzelnen Heiligtümer, die zu finden sind auf den einzelnen Feldern, um derentwillen die Bau ern auf ihren Feldern arbeiten, die werden vernichtet. Wo sollen die auf dem Felde arbeitenden Leute noch Freude hernehmen zu ihrer Arbeit?
[ 6 ] Es ist heute gar nicht mehr auszudenken, wieviel gerade in jenen Jahrhunderten von der Mitte des 4. bis zu der Mitte des 5. Jahrhunderts vernichtet worden ist. Die Vernichtung der äußeren Denkmäler ging parallel dem Bestreben, das griechische Geistesleben auszurotten, was ja in seinem herbsten Schlag vollzogen worden ist mit der Schließung der Philosophenschule in Athen, 529. Ja, so wie man zurückschauen kann ins Römertum, kann man in der äußerlichen Geschichte eben nicht zurückschauen in das Griechentum. Und es ist ja gewiß richtig, daß Unendliches in der abendländischen Zivilisation durch das ganze Mittelalter hindurch und bis in die Neuzeit herauf, sagen wir, zum Beispiel dem Benediktinerorden zu verdanken ist. Aber der heilige Benedikt hat ja zunächst an der Stätte, wo er das Mutterkloster für den Benediktinerorden begründet hat, nun auch die heidnischen Heiligtümer zerstört. Das alles mußte zunächst verschwinden und ist verschwunden.
[ 6 ] Es ist heute gar nicht mehr auszudenken, wieviel gerade in jenen Jahrhunderten von der Mitte des 4. bis zu der Mitte des 5. Jahrhunderts vernichtet worden ist. Die Vernichtung der äußeren Denkmäler ging parallel dem Bestreben, das griechische Geistesleben auszurotten, was ja in seinem herbsten Schlag vollzogen worden ist mit der Schließung der Philosophenschule in Athen, 529. Ja, so wie man zurückschauen kann ins Römertum, kann man in der äußerlichen Geschichte eben nicht zurückschauen in das Griechentum. Und es ist ja gewiß richtig, daß Unendliches in der abendländischen Zivilisation durch das ganze Mittelalter hindurch und bis in die Neuzeit herauf, sagen wir, zum Beispiel dem Benediktinerorden zu verdanken ist. Aber der heilige Benedikt hat ja zunächst an der Stätte, wo er das Mutterkloster für den Benediktinerorden begründet hat, nun auch die heidnischen Heiligtümer zerstört. Das alles mußte zunächst verschwinden und ist verschwunden.
[ 7 ] Es ist tatsächlich schwer verständlich, wenn man sozusagen normal menschliche Gefühle anlegt, wie ein solcher Impuls der Zerstörung dazumal hat über ganz Südeuropa, Vorderasien, Nordafrika gehen können. Verständlich wird das erst, wenn man sich klar darüber wird, daß eben das ganze Bewußtsein der Menschheit in der damaligen Zeit ein anderes geworden ist, daß tatsächlich, was ich ja öfter schon gesagt habe, der Spruch ganz unrichtig ist, die Natur oder überhaupt die Welt mache keine Sprünge. In der Geschichte vollziehen sich solche Sprünge. Und es ist die Seelenverfassung der zivilisierten Menschheit im 2., 3. Jahrhundert der nachchristlichen Zeit etwas ganz anderes gewesen als das, was dann Seelenverfassung geworden ist.
[ 7 ] Es ist tatsächlich schwer verständlich, wenn man sozusagen normal menschliche Gefühle anlegt, wie ein solcher Impuls der Zerstörung dazumal hat über ganz Südeuropa, Vorderasien, Nordafrika gehen können. Verständlich wird das erst, wenn man sich klar darüber wird, daß eben das ganze Bewußtsein der Menschheit in der damaligen Zeit ein anderes geworden ist, daß tatsächlich, was ich ja öfter schon gesagt habe, der Spruch ganz unrichtig ist, die Natur oder überhaupt die Welt mache keine Sprünge. In der Geschichte vollziehen sich solche Sprünge. Und es ist die Seelenverfassung der zivilisierten Menschheit im 2., 3. Jahrhundert der nachchristlichen Zeit etwas ganz anderes gewesen als das, was dann Seelenverfassung geworden ist.
[ 8 ] Aber nun möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen, was Ihnen ganz besonders veranschaulichen kann, wie dieser Umschwung eigentlich ist. Wir müssen heute sagen, wenn wir von den Wechselzuständen von Wachen und Schlafen reden: Der physische Leib und der ätherische Leib bleiben im Bette liegen, und das Ich und der astralische Leib gehen heraus; das Seelisch-Geistige geht heraus aus dem physischen und Ätherleib. — So würde man in einer gewissen Zeit des alten Indertums nicht gesagt haben, da würde man das Umgekehrte gesagt haben. Im Schlaf, so würde gesagt worden sein, geht das Geistig-Seelische des Menschen tiefer in den physischen Leib hinein, geht mehr unter in dem physischen Leib. — Also das genau Entgegengesetzte.
[ 8 ] Aber nun möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen, was Ihnen ganz besonders veranschaulichen kann, wie dieser Umschwung eigentlich ist. Wir müssen heute sagen, wenn wir von den Wechselzuständen von Wachen und Schlafen reden: Der physische Leib und der ätherische Leib bleiben im Bette liegen, und das Ich und der astralische Leib gehen heraus; das Seelisch-Geistige geht heraus aus dem physischen und Ätherleib. — So würde man in einer gewissen Zeit des alten Indertums nicht gesagt haben, da würde man das Umgekehrte gesagt haben. Im Schlaf, so würde gesagt worden sein, geht das Geistig-Seelische des Menschen tiefer in den physischen Leib hinein, geht mehr unter in dem physischen Leib. — Also das genau Entgegengesetzte.
[ 9 ] Dies wird sehr wenig beachtet. Ich will nur aufmerksam darauf machen, daß ja, als zum Beispiel die Theosophische Gesellschaft begründet worden ist, die Leute, die sie begründet haben, einiges von geistigen Wahrheiten durch die Inder gehört und das, was sie da gehört haben, zu ihrem Eigentum gemacht haben. Da haben sie eben diese Sache von dem Herausgehen des Ich und des astralischen Leibes gehört. Gewiß, die Inder haben das damals gesagt, im 19. Jahrhundert haben sie das natürlich gesagt, denn in Indien kann man vielfach beobachten, was real ist. Aber wenn dann etwa Leute der Theosophischen Gesellschaft erzählen, das wäre auch uralte indische Weisheit gewesen, so ist das ein Unsinn, denn der alte Inder hat gerade das Umgekehrte gesagt: Das Seelisch-Geistige geht tiefer in den physischen Leib hinein, wenn der Mensch schläft. Und das war auch in älteren Zeiten der Fall. Und davon war in gewissem Sinne durchaus noch ein Bewußtsein vorhanden bei den Griechen, daß im Schlafe das Geistig-Seelische mehr den physischen Leib ergreife, als das im Wachen der Fall ist, denn das liegt in der Entwickelung der Menschheit.
[ 9 ] Dies wird sehr wenig beachtet. Ich will nur aufmerksam darauf machen, daß ja, als zum Beispiel die Theosophische Gesellschaft begründet worden ist, die Leute, die sie begründet haben, einiges von geistigen Wahrheiten durch die Inder gehört und das, was sie da gehört haben, zu ihrem Eigentum gemacht haben. Da haben sie eben diese Sache von dem Herausgehen des Ich und des astralischen Leibes gehört. Gewiß, die Inder haben das damals gesagt, im 19. Jahrhundert haben sie das natürlich gesagt, denn in Indien kann man vielfach beobachten, was real ist. Aber wenn dann etwa Leute der Theosophischen Gesellschaft erzählen, das wäre auch uralte indische Weisheit gewesen, so ist das ein Unsinn, denn der alte Inder hat gerade das Umgekehrte gesagt: Das Seelisch-Geistige geht tiefer in den physischen Leib hinein, wenn der Mensch schläft. Und das war auch in älteren Zeiten der Fall. Und davon war in gewissem Sinne durchaus noch ein Bewußtsein vorhanden bei den Griechen, daß im Schlafe das Geistig-Seelische mehr den physischen Leib ergreife, als das im Wachen der Fall ist, denn das liegt in der Entwickelung der Menschheit.
[ 10 ] Wir müssen heute, weil wir ja von unserer unmittelbar geistigen Wahrnehmung aus schildern müssen, mit Recht sagen: Die alten Weisen und auch die griechische Bevölkerung hatten ein instinktives Hellsehen, das traumhaft war. Das schildern wir von unserem Gesichtspunkte aus. Für die Leute dazumal war das aber nicht traumhaft. Sie fühlten sich gerade erwachend in diesem Zustande der Hellsichtigkeit. Das war gerade eine größere Intensität ihres Bewußtseins, wenn sie in mächtigen Bildern so die Welt wahrnahmen, wie ich es gestern geschildert habe. Aber sie wußten zugleich: da dringen sie in das Innere ihres Menschen ein und sehen dasjenige, was im Menschen vorgeht, und wissen, weil der Mensch in der Welt ist, daß das Weltvorgänge sind. Und dann wußten sie: Im Schlafe taucht der Mensch noch tiefer hinein in seinen physischen Leib. Und im tiefen Schlaf wurde dann wiederum dieses Bewußtsein dumpf, dammerhaft, eben unbewußt. Und das schrieben die Leute dem Einfluß des physischen Leibes zu, der die Seele umfängt und sie eigentlich ins Süundhafte hineinführt. Und es entstand gerade aus dieser Anschauung heraus das alte Sündenbewußtsein. Dieses Sündenbewußtsein führt eigentlich, wenn wir es nicht in seiner jüdischen Form nehmen, zurück in das Heidentum, und da geht es hervor aus einem Bewußtsein des Untertauchens in den physischen Leib, der die Seele nicht frei genug laßt, um in der geistigen Welt zu leben.
[ 10 ] Wir müssen heute, weil wir ja von unserer unmittelbar geistigen Wahrnehmung aus schildern müssen, mit Recht sagen: Die alten Weisen und auch die griechische Bevölkerung hatten ein instinktives Hellsehen, das traumhaft war. Das schildern wir von unserem Gesichtspunkte aus. Für die Leute dazumal war das aber nicht traumhaft. Sie fühlten sich gerade erwachend in diesem Zustande der Hellsichtigkeit. Das war gerade eine größere Intensität ihres Bewußtseins, wenn sie in mächtigen Bildern so die Welt wahrnahmen, wie ich es gestern geschildert habe. Aber sie wußten zugleich: da dringen sie in das Innere ihres Menschen ein und sehen dasjenige, was im Menschen vorgeht, und wissen, weil der Mensch in der Welt ist, daß das Weltvorgänge sind. Und dann wußten sie: Im Schlafe taucht der Mensch noch tiefer hinein in seinen physischen Leib. Und im tiefen Schlaf wurde dann wiederum dieses Bewußtsein dumpf, dammerhaft, eben unbewußt. Und das schrieben die Leute dem Einfluß des physischen Leibes zu, der die Seele umfängt und sie eigentlich ins Süundhafte hineinführt. Und es entstand gerade aus dieser Anschauung heraus das alte Sündenbewußtsein. Dieses Sündenbewußtsein führt eigentlich, wenn wir es nicht in seiner jüdischen Form nehmen, zurück in das Heidentum, und da geht es hervor aus einem Bewußtsein des Untertauchens in den physischen Leib, der die Seele nicht frei genug laßt, um in der geistigen Welt zu leben.
[ 11 ] Aber wenn Sie alles das, was ich Ihnen da schildere, durchdenken, so werden Sie sich sagen: Dieser ältere Mensch hatte ein Bewußtsein davon, daß er ein geistiges Wesen ist, daß er als geistiges Wesen in einem physischen Leibe lebt. Es fiel ihm gar nicht ein, das, was er physisch am Menschen sah, Mensch zu nennen. Das Wort Mensch führt ja eigentlich zurück auf eine Bedeutung wie «der Denkende». Also nicht derjenige, der mit einem mehr oder weniger roten oder blassen Gesicht zu sehen ist, mit zwei Armen, zwei Beinen, war der Mensch, sondern der war der Mensch, der in diesem Wohnhause des physischen Leibes als Geist-Seele wohnte.
[ 11 ] Aber wenn Sie alles das, was ich Ihnen da schildere, durchdenken, so werden Sie sich sagen: Dieser ältere Mensch hatte ein Bewußtsein davon, daß er ein geistiges Wesen ist, daß er als geistiges Wesen in einem physischen Leibe lebt. Es fiel ihm gar nicht ein, das, was er physisch am Menschen sah, Mensch zu nennen. Das Wort Mensch führt ja eigentlich zurück auf eine Bedeutung wie «der Denkende». Also nicht derjenige, der mit einem mehr oder weniger roten oder blassen Gesicht zu sehen ist, mit zwei Armen, zwei Beinen, war der Mensch, sondern der war der Mensch, der in diesem Wohnhause des physischen Leibes als Geist-Seele wohnte.
[ 12 ] Und ein ins Künstlerische herüber übersetzter Rest dieses Bewußtseins vom geistig-seelischen Menschen war eben durchaus in der allgemeinen griechischen Zivilisation vorhanden — in jener wunderbar plastisch-künstlerischen Form des Griechentums. Und wenn auch das äußere Tempelwesen, wenn auch die Kulte in vieler Beziehung in einer ungeheuren Dekadenz waren, so darf man doch sagen, daß in den zerstörten Götterbildern und Tempeln eben Abbilder vorhanden waren, die hinwiesen auf jene alte Seelenverfassung. Ich möchte sagen: mit mächtiger Schrift stand in den Formen dessen, was zerstört worden war, das alte Geist-Seelenbewußtsein der Menschheit.
[ 12 ] Und ein ins Künstlerische herüber übersetzter Rest dieses Bewußtseins vom geistig-seelischen Menschen war eben durchaus in der allgemeinen griechischen Zivilisation vorhanden — in jener wunderbar plastisch-künstlerischen Form des Griechentums. Und wenn auch das äußere Tempelwesen, wenn auch die Kulte in vieler Beziehung in einer ungeheuren Dekadenz waren, so darf man doch sagen, daß in den zerstörten Götterbildern und Tempeln eben Abbilder vorhanden waren, die hinwiesen auf jene alte Seelenverfassung. Ich möchte sagen: mit mächtiger Schrift stand in den Formen dessen, was zerstört worden war, das alte Geist-Seelenbewußtsein der Menschheit.
[ 13 ] Wenn mit demselben Bewußtsein, nicht in einer folgenden Inkarnation, wo das Bewußtsein immer etwas verändert ist, sondern wenn mit demselben Bewußtsein, das er damals gehabt hat, ein Mysterieneingeweihter der griechischen Vorzeit heute wiederum zu uns käme und sich über diese Dinge mit uns besprechen würde, so würde er sagen: Ihr modernen Menschen, ihr schlaft ja alle! — Ja, das würde er sagen: Ihr modernen Menschen, ihr schlaft ja alle! Wir waren wach, denn wir wachten in unserem Leibe, wir wachten als Geistmenschen in unserem Leibe. Wir wußten, daß wir Menschen waren, weil wir uns in unserem Leibe von diesem Leibe unterschieden. Was ihr wachen nennt, das ist für uns schlafen, denn während ihr wacht und eure Sinne da in die Außenwelt richtet und irgend etwas von der Außenwelt erklärt, schlaft ihr ja in bezug auf euren Menschen. Ihr seid die Eingeschlafenen; wir waren die Wachen.
[ 13 ] Wenn mit demselben Bewußtsein, nicht in einer folgenden Inkarnation, wo das Bewußtsein immer etwas verändert ist, sondern wenn mit demselben Bewußtsein, das er damals gehabt hat, ein Mysterieneingeweihter der griechischen Vorzeit heute wiederum zu uns käme und sich über diese Dinge mit uns besprechen würde, so würde er sagen: Ihr modernen Menschen, ihr schlaft ja alle! — Ja, das würde er sagen: Ihr modernen Menschen, ihr schlaft ja alle! Wir waren wach, denn wir wachten in unserem Leibe, wir wachten als Geistmenschen in unserem Leibe. Wir wußten, daß wir Menschen waren, weil wir uns in unserem Leibe von diesem Leibe unterschieden. Was ihr wachen nennt, das ist für uns schlafen, denn während ihr wacht und eure Sinne da in die Außenwelt richtet und irgend etwas von der Außenwelt erklärt, schlaft ihr ja in bezug auf euren Menschen. Ihr seid die Eingeschlafenen; wir waren die Wachen.
[ 14 ] So würde er sagen. Und von einem gewissen Gesichtspunkt aus hätte er ganz recht. Denn heute ist es so: Wir wachen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wie wir sagen, wenn wir in unserem physischen Leibe sind als geist-seelischer Mensch. Aber da wissen wir ja gar nichts von uns, da schlafen wir in bezug auf uns selber. Wenn wir aber drinnen sind in der Welt, die außer uns ist, da schlafen wir, nämlich vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Da müssen wir lernen zu wachen. Mit derselben Intensität, mit der die alten Menschen in ihrem Körper gewacht haben, muß der moderne Mensch lernen, außer seinem Leibe zu wachen, wenn er wirklich drinnen ist in der Außenwelt.
[ 14 ] So würde er sagen. Und von einem gewissen Gesichtspunkt aus hätte er ganz recht. Denn heute ist es so: Wir wachen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wie wir sagen, wenn wir in unserem physischen Leibe sind als geist-seelischer Mensch. Aber da wissen wir ja gar nichts von uns, da schlafen wir in bezug auf uns selber. Wenn wir aber drinnen sind in der Welt, die außer uns ist, da schlafen wir, nämlich vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Da müssen wir lernen zu wachen. Mit derselben Intensität, mit der die alten Menschen in ihrem Körper gewacht haben, muß der moderne Mensch lernen, außer seinem Leibe zu wachen, wenn er wirklich drinnen ist in der Außenwelt.
[ 15 ] Daran ersehen Sie, daß es sich um einen Übergangszustand handelt. Wir sind eingeschlafen als Menschheit gegenüber dem alten Wachen und sind jetzt gerade in dem Zeitpunkt, wo aufgewacht werden soll gegenüber dem neuen Wachen. Und was will denn Anthroposophie in dieser Beziehung sein? Anthroposophie ist ja nichts anderes als dieses: daß sie zuerst darauf aufmerksam geworden ist, daß der Mensch außer sich wachen lernen soll. Und nun kommt sie und schüttelt den modernen Menschen — den der alte Mensch eben einen Schläfer nennen würde —, schüttelt den modernen Menschen und der will nicht aufwachen.
[ 15 ] Daran ersehen Sie, daß es sich um einen Übergangszustand handelt. Wir sind eingeschlafen als Menschheit gegenüber dem alten Wachen und sind jetzt gerade in dem Zeitpunkt, wo aufgewacht werden soll gegenüber dem neuen Wachen. Und was will denn Anthroposophie in dieser Beziehung sein? Anthroposophie ist ja nichts anderes als dieses: daß sie zuerst darauf aufmerksam geworden ist, daß der Mensch außer sich wachen lernen soll. Und nun kommt sie und schüttelt den modernen Menschen — den der alte Mensch eben einen Schläfer nennen würde —, schüttelt den modernen Menschen und der will nicht aufwachen.
[ 16 ] Anthroposophie fühlt sich schon manchmal so wie der Gallus neben dem Schläfer Stichl! Anthroposophie macht aufmerksam darauf, daß die Waldvöglein singen. «Laß s’ nur singen», sagt die Gegenwart, «ham kloane Kepf, ham bald ausgschlofa» und so weiter. «Der Himmel kracht scho!» «Ei, laß’n kracha, er is scho alt gnua dazua'» Nur natürlich ist das nicht immer mit denselben Worten ausgedrückt, sondern Anthroposophie sagt: Die Geisteswelt, die will schon herein, steht auf! — Ei, laß nur scheinen das Licht des Geistes, ’s ist scho alt gnua dazua! — Tatsächlich ist es so: den Schläfer erwekken möchte Anthroposophie. Denn dasjenige, was von der modernen Zivilisation gefordert. wird, ist eben ein Erwachen. Und die Menschheit will schlafen, will weiterschlafen.
[ 16 ] Anthroposophie fühlt sich schon manchmal so wie der Gallus neben dem Schläfer Stichl! Anthroposophie macht aufmerksam darauf, daß die Waldvöglein singen. «Laß s’ nur singen», sagt die Gegenwart, «ham kloane Kepf, ham bald ausgschlofa» und so weiter. «Der Himmel kracht scho!» «Ei, laß’n kracha, er is scho alt gnua dazua'» Nur natürlich ist das nicht immer mit denselben Worten ausgedrückt, sondern Anthroposophie sagt: Die Geisteswelt, die will schon herein, steht auf! — Ei, laß nur scheinen das Licht des Geistes, ’s ist scho alt gnua dazua! — Tatsächlich ist es so: den Schläfer erwekken möchte Anthroposophie. Denn dasjenige, was von der modernen Zivilisation gefordert. wird, ist eben ein Erwachen. Und die Menschheit will schlafen, will weiterschlafen.
[ 17 ] Und ich möchte sagen: in Jakob Böhme, weil er ganz mit der Volksweisheit ging, in Giordano Bruno, weil er innerhalb einer Geistgemeinschaft stand, die dazumal noch sehr viel bewahrt hatte von alten Zeiten, in ihnen lebte durchaus eine Erinnerung an das alte Wachsein. In Lord Bacon lebt eigentlich der Impuls zur Rechtfertigung des neuen Schlafens. Das ist, noch tiefer erfaßt als wir das in den beiden vorhergehenden Tagen tun konnten, das Charakteristikon unserer Zeit. So wach in bezug auf die Auffassung des Menschenwesens, wie die Menschheit der alten Zeiten war, kann der Mensch der Gegenwart nicht sein. Denn er dringt nicht etwa tiefer in seinen physischen Leib hinab, wie das der alte Mensch getan hat, wenn er schlief, sondern er geht im Schlafe heraus. Aber er muß lernen, auch herauszukommen aus seinem physischen Leibe im Wachen, denn nur dadurch wird er in die Lage kommen, sich wieder als Mensch zu wissen. Aber der Drang, den Schlaf zu bewahren, der ist ja sehr groß. «Stichl, dö Fuhrleut kleschn scho auf der Stroßn'» «Ei; laß s’ nur kleschn, habn noch goar wait z’foarn.»
[ 17 ] Und ich möchte sagen: in Jakob Böhme, weil er ganz mit der Volksweisheit ging, in Giordano Bruno, weil er innerhalb einer Geistgemeinschaft stand, die dazumal noch sehr viel bewahrt hatte von alten Zeiten, in ihnen lebte durchaus eine Erinnerung an das alte Wachsein. In Lord Bacon lebt eigentlich der Impuls zur Rechtfertigung des neuen Schlafens. Das ist, noch tiefer erfaßt als wir das in den beiden vorhergehenden Tagen tun konnten, das Charakteristikon unserer Zeit. So wach in bezug auf die Auffassung des Menschenwesens, wie die Menschheit der alten Zeiten war, kann der Mensch der Gegenwart nicht sein. Denn er dringt nicht etwa tiefer in seinen physischen Leib hinab, wie das der alte Mensch getan hat, wenn er schlief, sondern er geht im Schlafe heraus. Aber er muß lernen, auch herauszukommen aus seinem physischen Leibe im Wachen, denn nur dadurch wird er in die Lage kommen, sich wieder als Mensch zu wissen. Aber der Drang, den Schlaf zu bewahren, der ist ja sehr groß. «Stichl, dö Fuhrleut kleschn scho auf der Stroßn'» «Ei; laß s’ nur kleschn, habn noch goar wait z’foarn.»
[ 18 ] Du Bois-Reymond — nicht Gallus aus dem Christgeburtspiel, aber Du Bois-Reymond — sagt: Der Mensch hat Grenzen der Erkenntnis, er kann nicht eindringen in die Naturerscheinungen, in die Geheimnisse der Naturerscheinungen, er muß sich beschränken. Ja, aber, sagt Anthroposophie, man muß doch weiter, weiter und weiter streben! Der Impuls nach Geistigkeit ertönt schon. — Ei sagt Du Bois-Reymond —, laß ihn nur ertönen, er hat noch gar weit, sich zu entwickeln, bis die Naturwissenschaft am Ende der Erdentage angekommen sein wird bei der Ergründung aller Naturgeheimnisse.
[ 18 ] Du Bois-Reymond — nicht Gallus aus dem Christgeburtspiel, aber Du Bois-Reymond — sagt: Der Mensch hat Grenzen der Erkenntnis, er kann nicht eindringen in die Naturerscheinungen, in die Geheimnisse der Naturerscheinungen, er muß sich beschränken. Ja, aber, sagt Anthroposophie, man muß doch weiter, weiter und weiter streben! Der Impuls nach Geistigkeit ertönt schon. — Ei sagt Du Bois-Reymond —, laß ihn nur ertönen, er hat noch gar weit, sich zu entwickeln, bis die Naturwissenschaft am Ende der Erdentage angekommen sein wird bei der Ergründung aller Naturgeheimnisse.
[ 19 ] In vieler Beziehung findet man da gerade eine Rechfertigung des Schlafens. Denn das Reden von den Grenzen des Naturerkennens ist eben eine Rechtfertigung des Schlafens gegenüber dem Eindringen des Menschenwesens in die Natur. Und Schlafmittel findet ja die Gegenwart genügend — auch davon wurde des öfteren hier gesprochen. Man will heute womöglich allein dem zuhören, was sich anschaulich machen kann, recht anschaulich, womöglich gleich mit einem Film anschaulich. Aber man liebt es nicht, wenn etwas geltend gemacht wird, wo die Zuhörer mit dern Kopfe dabei sein müssen, in dem auch noch was drinnen arbeitet. Denn eigentlich strebt man danach, sich die Weltengeheimnisse träumen zu lassen, nur ja nicht innerlich aktiv denkend mitzuarbeiten. Das ist aber gerade der Weg, um aufzuwachen: zunächst beim Denken anzufangen, denn der Gedanke will in Tätigkeit entwickelt werden. Deshalb habe ich auf dieses Denken mit solcher Energie gerade in meiner «Philosophie der Freiheit» vor Jahrzehnten hingewiesen.
[ 19 ] In vieler Beziehung findet man da gerade eine Rechfertigung des Schlafens. Denn das Reden von den Grenzen des Naturerkennens ist eben eine Rechtfertigung des Schlafens gegenüber dem Eindringen des Menschenwesens in die Natur. Und Schlafmittel findet ja die Gegenwart genügend — auch davon wurde des öfteren hier gesprochen. Man will heute womöglich allein dem zuhören, was sich anschaulich machen kann, recht anschaulich, womöglich gleich mit einem Film anschaulich. Aber man liebt es nicht, wenn etwas geltend gemacht wird, wo die Zuhörer mit dern Kopfe dabei sein müssen, in dem auch noch was drinnen arbeitet. Denn eigentlich strebt man danach, sich die Weltengeheimnisse träumen zu lassen, nur ja nicht innerlich aktiv denkend mitzuarbeiten. Das ist aber gerade der Weg, um aufzuwachen: zunächst beim Denken anzufangen, denn der Gedanke will in Tätigkeit entwickelt werden. Deshalb habe ich auf dieses Denken mit solcher Energie gerade in meiner «Philosophie der Freiheit» vor Jahrzehnten hingewiesen.
[ 20 ] Ich möchte Sie auf etwas aufmerksam machen, meine lieben Freunde. Ich möchte, daß Sie sich erinnern an manche Träume, die Sie gehabt haben und möchte Sie fragen, ob Sie noch nie einen Traum gehabt haben, in dem Sie so recht ein Filou waren, jedenfalls etwas taten, dessen Sie sich schämen würden, wenn Sie es bei Tag so täten, wie Sie es da im Traum getan haben? Ich meine doch. Nun gewiß, es mag ja viele geben, die hier sitzen, die niemals einen solchen Traum gehabt haben, aber die können sich es von andern erzählen lassen, denn etwelche wird es schon geben, die wissen, daß man manchmal Dinge träumt, die man nicht im Wachen wiederholen möchte, deren man sich schämen würde. Ja, wenden Sie das jetzt auf den großen Schlaf an, den wir auch den Zivilisationsschlaf der Gegenwart nennen können, wo sich eigentlich die Leute alle Weltengeheimnisse träumen lassen wollen. Nun kommt die Anthroposophie und sagt: Stichl, steh auf! — Nun sollen die Leute aufwachen! Manches, das kann ich Sie versichern, manches von dem, was in dieser Schlafzivilisation gemacht wird, würden die Leute nicht tun, wenn sie wach würden, da ist es ebenso. Sie werden allerdings sagen: Ja, wer soll denn das glauben? — Doch darüber denkt der Träumer auch nicht nach, wenn er seine Allotria im Traume treibt, wie das im Wachzustande eigentlich sich ausnimmt. Aber unbewußt ist eben diese Angst vorhanden, daß man da vieles nicht tun dürfte, wenn man aufwachte. Ich meine das natürlich jetzt nicht philiströs und spießbürgerlich, sondern ich meine: Vieles, was man heute durchaus als sehr ordentlich betrachtet, würde man ganz anders ansehen, wenn man eben erwachte.
[ 20 ] Ich möchte Sie auf etwas aufmerksam machen, meine lieben Freunde. Ich möchte, daß Sie sich erinnern an manche Träume, die Sie gehabt haben und möchte Sie fragen, ob Sie noch nie einen Traum gehabt haben, in dem Sie so recht ein Filou waren, jedenfalls etwas taten, dessen Sie sich schämen würden, wenn Sie es bei Tag so täten, wie Sie es da im Traum getan haben? Ich meine doch. Nun gewiß, es mag ja viele geben, die hier sitzen, die niemals einen solchen Traum gehabt haben, aber die können sich es von andern erzählen lassen, denn etwelche wird es schon geben, die wissen, daß man manchmal Dinge träumt, die man nicht im Wachen wiederholen möchte, deren man sich schämen würde. Ja, wenden Sie das jetzt auf den großen Schlaf an, den wir auch den Zivilisationsschlaf der Gegenwart nennen können, wo sich eigentlich die Leute alle Weltengeheimnisse träumen lassen wollen. Nun kommt die Anthroposophie und sagt: Stichl, steh auf! — Nun sollen die Leute aufwachen! Manches, das kann ich Sie versichern, manches von dem, was in dieser Schlafzivilisation gemacht wird, würden die Leute nicht tun, wenn sie wach würden, da ist es ebenso. Sie werden allerdings sagen: Ja, wer soll denn das glauben? — Doch darüber denkt der Träumer auch nicht nach, wenn er seine Allotria im Traume treibt, wie das im Wachzustande eigentlich sich ausnimmt. Aber unbewußt ist eben diese Angst vorhanden, daß man da vieles nicht tun dürfte, wenn man aufwachte. Ich meine das natürlich jetzt nicht philiströs und spießbürgerlich, sondern ich meine: Vieles, was man heute durchaus als sehr ordentlich betrachtet, würde man ganz anders ansehen, wenn man eben erwachte.
[ 21 ] Und davor herrscht eine heillose Angst. Man könnte auch nicht mehr so bequem die Leber neben dem Hirn sezieren! Vor manchen Forschungsmethoden gerade würde man sich heillos schämen, wenn man anthroposophisch erwachte. Wie wollen Sie denn dann verlangen, daß die Leute so von heute auf morgen, gerade wenn sie in solchen Methoden drinnenstehen, so ohne weiteres erwachen! Man bemerkt ja auf sonderbare Weise die Apologie des Schlafens. Denken Sie doch nur einmal, was für eine riesige Freude ein Träumer hat, wenn er etwas träumt, was in ein paar Tagen zutrifft! Sie müssen nur einmal so recht aufgemerkt haben, welche riesige Freude abergläubische Träumer haben, wenn das, was sie geträumt haben, zutrifft — es trifft ja manchmal zu —, sie haben eine riesige Freude. Nun, die Zivilisationsträumer, sie rechnen nach dem Newtonschen Gravitationsgesetz, nach den Formeln, die dann weiter ausgearbeitet sind von den Mathematikern, daß der Uranus eine bestimmte Bahn hat. Aber die Bahn stimmt nicht mit den Formeln. Sie träumen davon, daß da Störungen vorhanden sein müssen von einem Planeten, der noch da sein könnte. Es ist ja alles geträumt, denn es wird tatsächlich ohne den intensiven Impuls der inneren Gewißheit so etwas ausgerechnet. Und wenn es eintrifft — es hat dann der Dr. Galle den Neptun wirklich entdeckt: da ist der Traum eingetroffen. Das ist sogar etwas, was heute angeführt wird als das, was geradezu die naturwissenschaftliche Methode rechtfertigt, daß da, nun, sagen wir, einer den Neptun im Traum ausrechnet, und dann trifft das ein. Es ist wirklich wie bei den Träumern, wenn ihnen irgend etwas eintrifft. Oder der Mendelejew, der sogar ein Element nach dem periodischen System ausrechnet. Es ist dieser Traum gar nicht einmal so schwer, denn wenn man das periodische System aufstellt, und eins fehlt, wenn ein Platz leer ist, so ist es eigentlich ziemlich leicht, eins da hineinzusetzen und ein paar Eigenschaften zu sagen. Aber es ist zunächst ein Traum! Trifft er ein, dann geht das nach derselben Methode, wie es eben beim Träumer geht, wenn der sieht, daß ein paar Tage darauf das eintrifft, daß er die Sache verifiziert bekommt. Ja, der Träumer sagt gewöhnlich nicht so, daß er das verifiziert bekommt, aber in der Gelehrtensprache sagt man eben, daß man die Sache verifiziert bekommt.
[ 21 ] Und davor herrscht eine heillose Angst. Man könnte auch nicht mehr so bequem die Leber neben dem Hirn sezieren! Vor manchen Forschungsmethoden gerade würde man sich heillos schämen, wenn man anthroposophisch erwachte. Wie wollen Sie denn dann verlangen, daß die Leute so von heute auf morgen, gerade wenn sie in solchen Methoden drinnenstehen, so ohne weiteres erwachen! Man bemerkt ja auf sonderbare Weise die Apologie des Schlafens. Denken Sie doch nur einmal, was für eine riesige Freude ein Träumer hat, wenn er etwas träumt, was in ein paar Tagen zutrifft! Sie müssen nur einmal so recht aufgemerkt haben, welche riesige Freude abergläubische Träumer haben, wenn das, was sie geträumt haben, zutrifft — es trifft ja manchmal zu —, sie haben eine riesige Freude. Nun, die Zivilisationsträumer, sie rechnen nach dem Newtonschen Gravitationsgesetz, nach den Formeln, die dann weiter ausgearbeitet sind von den Mathematikern, daß der Uranus eine bestimmte Bahn hat. Aber die Bahn stimmt nicht mit den Formeln. Sie träumen davon, daß da Störungen vorhanden sein müssen von einem Planeten, der noch da sein könnte. Es ist ja alles geträumt, denn es wird tatsächlich ohne den intensiven Impuls der inneren Gewißheit so etwas ausgerechnet. Und wenn es eintrifft — es hat dann der Dr. Galle den Neptun wirklich entdeckt: da ist der Traum eingetroffen. Das ist sogar etwas, was heute angeführt wird als das, was geradezu die naturwissenschaftliche Methode rechtfertigt, daß da, nun, sagen wir, einer den Neptun im Traum ausrechnet, und dann trifft das ein. Es ist wirklich wie bei den Träumern, wenn ihnen irgend etwas eintrifft. Oder der Mendelejew, der sogar ein Element nach dem periodischen System ausrechnet. Es ist dieser Traum gar nicht einmal so schwer, denn wenn man das periodische System aufstellt, und eins fehlt, wenn ein Platz leer ist, so ist es eigentlich ziemlich leicht, eins da hineinzusetzen und ein paar Eigenschaften zu sagen. Aber es ist zunächst ein Traum! Trifft er ein, dann geht das nach derselben Methode, wie es eben beim Träumer geht, wenn der sieht, daß ein paar Tage darauf das eintrifft, daß er die Sache verifiziert bekommt. Ja, der Träumer sagt gewöhnlich nicht so, daß er das verifiziert bekommt, aber in der Gelehrtensprache sagt man eben, daß man die Sache verifiziert bekommt.
[ 22 ] Man muß erst wirklich gründlich verstehen, wie diese moderne Zivilisation eben eine Schlafzivilisation geworden ist und wie ein Erwachen notwendig ist für die Menschheit. Dann aber müssen gerade die Tendenzen des Schlafens in der Gegenwart von denjenigen, welche nun einmal einen Drang haben nach einer geistigen Wissenschaft, klar durchschaut werden. Jene Momente müssen eintreten, die oftmals beim Träumer eintreten, wenn er sich als Träumer weiß, wenn er weiß: ich träume. Und so sollte die Menschheit heute eine besondere Empfindung haben für ein so starkes Wort — ich habe Ööfter auf dieses Wort hingewiesen —, wie es einstmals der so energische Philosoph Johann.Gottlieb Fichte ausgesprochen hat: Die Welt, die vor dem Menschen ausgebreitet ist, ist ein Traum, und dasjenige, was der Mensch über sie denkt, ist ein Traum vom Traume.
[ 22 ] Man muß erst wirklich gründlich verstehen, wie diese moderne Zivilisation eben eine Schlafzivilisation geworden ist und wie ein Erwachen notwendig ist für die Menschheit. Dann aber müssen gerade die Tendenzen des Schlafens in der Gegenwart von denjenigen, welche nun einmal einen Drang haben nach einer geistigen Wissenschaft, klar durchschaut werden. Jene Momente müssen eintreten, die oftmals beim Träumer eintreten, wenn er sich als Träumer weiß, wenn er weiß: ich träume. Und so sollte die Menschheit heute eine besondere Empfindung haben für ein so starkes Wort — ich habe Ööfter auf dieses Wort hingewiesen —, wie es einstmals der so energische Philosoph Johann.Gottlieb Fichte ausgesprochen hat: Die Welt, die vor dem Menschen ausgebreitet ist, ist ein Traum, und dasjenige, was der Mensch über sie denkt, ist ein Traum vom Traume.
[ 23 ] Nur darf man nicht etwa in so etwas wiederum verfallen, was ähnlich wäre einer Schopenhauerschen Philosophie. Denn wenig hat man davon als Mensch, wenn man nur etwa erkenntnistheoretisch darauf aufmerksam macht, daß alles ein Traum ist. Nicht das ist die Aufgabe, einzusehen, daß man träumt — das möchten viele Leute der Gegenwart ja recht klar beweisen, daß man träumt, und daß der Mensch überhaupt gar nichts anderes kann als träumen, denn wenn er je an die Grenze dieser Träume kommt, dann ist eben da drüben das Ding an sich, da läßt sich nicht herankommen. Interessant hat ja von diesen Träumen gegenüber dem, was Realität ist, oftmals Eduard von Hartmann, der sonst ausgezeichnete Denker, gesprochen. Er macht klar, daß der Mensch eigentlich alles, was er so im Bewußtsein hat, träumt; wie aber allem ein «an sich», von dem der Mensch nichts weiß, zugrunde liegt. So spricht Hartmann, der die Dinge bis zum Extrem trieb, zum Beispiel vom Tisch an sich, im Gegensatz von dem Tisch, den wir vor uns haben: der Tisch, den wir vor uns haben, ist eben ein Traum, und dahinter ist der Tisch an sich. Wirklich, Hartmann unterscheidet zwischen dem Tisch als Erscheinung und dem Tisch an sich, zwischen dem Sessel als Erscheinung und dem Sessel an sich. Aber er ist sich gar nicht bewußt, daß schließlich der Sessel, auf den er sich draufsetzt, etwas zu tun hat mit dem Sessel an sich, denn auf dem Sessel als Erscheinung, auf dem geträumten Sessel, läßt sich nämlich nicht gut sitzen, so wie auch der Träumer in einem wirklichen Bette liegen muß. Aber die ganze Rederei, daß die Welt ein Traum ist, kann ja nur eine Vorbereitung sein zu etwas anderem. Zu was? Nun, zum Erwachen, meine lieben Freunde! Nicht darum handelt es sich, daß wir einsehen, die Welt ist ein Traum, sondern darum handelt es sich, daß wir, sobald wir nur ahnen, die Welt ist ein Traum, etwas dazutun, um zu erwachen! Und das Erwachen, das beginnt schon beim energischen Ergreifen des Denkens, bei dem aktiven Denken. Und da kommt man dann in alles andere hinein.
[ 23 ] Nur darf man nicht etwa in so etwas wiederum verfallen, was ähnlich wäre einer Schopenhauerschen Philosophie. Denn wenig hat man davon als Mensch, wenn man nur etwa erkenntnistheoretisch darauf aufmerksam macht, daß alles ein Traum ist. Nicht das ist die Aufgabe, einzusehen, daß man träumt — das möchten viele Leute der Gegenwart ja recht klar beweisen, daß man träumt, und daß der Mensch überhaupt gar nichts anderes kann als träumen, denn wenn er je an die Grenze dieser Träume kommt, dann ist eben da drüben das Ding an sich, da läßt sich nicht herankommen. Interessant hat ja von diesen Träumen gegenüber dem, was Realität ist, oftmals Eduard von Hartmann, der sonst ausgezeichnete Denker, gesprochen. Er macht klar, daß der Mensch eigentlich alles, was er so im Bewußtsein hat, träumt; wie aber allem ein «an sich», von dem der Mensch nichts weiß, zugrunde liegt. So spricht Hartmann, der die Dinge bis zum Extrem trieb, zum Beispiel vom Tisch an sich, im Gegensatz von dem Tisch, den wir vor uns haben: der Tisch, den wir vor uns haben, ist eben ein Traum, und dahinter ist der Tisch an sich. Wirklich, Hartmann unterscheidet zwischen dem Tisch als Erscheinung und dem Tisch an sich, zwischen dem Sessel als Erscheinung und dem Sessel an sich. Aber er ist sich gar nicht bewußt, daß schließlich der Sessel, auf den er sich draufsetzt, etwas zu tun hat mit dem Sessel an sich, denn auf dem Sessel als Erscheinung, auf dem geträumten Sessel, läßt sich nämlich nicht gut sitzen, so wie auch der Träumer in einem wirklichen Bette liegen muß. Aber die ganze Rederei, daß die Welt ein Traum ist, kann ja nur eine Vorbereitung sein zu etwas anderem. Zu was? Nun, zum Erwachen, meine lieben Freunde! Nicht darum handelt es sich, daß wir einsehen, die Welt ist ein Traum, sondern darum handelt es sich, daß wir, sobald wir nur ahnen, die Welt ist ein Traum, etwas dazutun, um zu erwachen! Und das Erwachen, das beginnt schon beim energischen Ergreifen des Denkens, bei dem aktiven Denken. Und da kommt man dann in alles andere hinein.
[ 24 ] Sie sehen, es ist dies, was ich eben charakterisiert habe, dieser Impuls des Erwachens, ein notwendiger Impuls für die Gegenwart. Gewiß, dasjenige, was da als Anthroposophie auftritt, kann in die Welt gestellt werden. Wenn aber eine Anthroposophische Gesellschaft eben Gesellschaft sein will, dann muß diese Gesellschaft eine Realität bedeuten. Dann muß der einzelne, der in der Anthroposophischen Gesellschaft lebt, diese Anthroposophische Gesellschaft als Realität empfinden. Und er muß tief durchdrungen sein von diesem Erwachenwollen, und nicht, wie es vielfach der Fall ist, es sogleich als eine Beleidigung betrachten, wenn man ihm sagt: Stichl, steh auf! — Das ist schon notwendig. Und das ist es, was ich eben noch einmal nur in ein paar Worten wiederholen möchte.
[ 24 ] Sie sehen, es ist dies, was ich eben charakterisiert habe, dieser Impuls des Erwachens, ein notwendiger Impuls für die Gegenwart. Gewiß, dasjenige, was da als Anthroposophie auftritt, kann in die Welt gestellt werden. Wenn aber eine Anthroposophische Gesellschaft eben Gesellschaft sein will, dann muß diese Gesellschaft eine Realität bedeuten. Dann muß der einzelne, der in der Anthroposophischen Gesellschaft lebt, diese Anthroposophische Gesellschaft als Realität empfinden. Und er muß tief durchdrungen sein von diesem Erwachenwollen, und nicht, wie es vielfach der Fall ist, es sogleich als eine Beleidigung betrachten, wenn man ihm sagt: Stichl, steh auf! — Das ist schon notwendig. Und das ist es, was ich eben noch einmal nur in ein paar Worten wiederholen möchte.
[ 25 ] Das Unglück, das uns betroffen hat, sollte in allererster Linie auch ein Weckruf dazu sein, an der Anthroposophischen Gesellschaft etwas zu tun, damit sie eine Realität werde. Dieses reale Wesen, das ist dasjenige, was man ja seit jener Zeit, die ich vor einigen Tagen hier am Ende des Weihnachtskursus charakterisiert habe, so spürt. Die lebendige Strömung von Mensch zu Mensch innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, die muß da sein. Eine gewisse Lieblosigkeit ist an die Stelle des gegenseitigen Vertrauens in der neuesten Phase der Anthroposophischen Gesellschaft so häufig getreten, und wenn diese Lieblosigkeit weiter überhand nimmt, dann wird eben die Anthroposophische Gesellschaft zerfallen müssen.
[ 25 ] Das Unglück, das uns betroffen hat, sollte in allererster Linie auch ein Weckruf dazu sein, an der Anthroposophischen Gesellschaft etwas zu tun, damit sie eine Realität werde. Dieses reale Wesen, das ist dasjenige, was man ja seit jener Zeit, die ich vor einigen Tagen hier am Ende des Weihnachtskursus charakterisiert habe, so spürt. Die lebendige Strömung von Mensch zu Mensch innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, die muß da sein. Eine gewisse Lieblosigkeit ist an die Stelle des gegenseitigen Vertrauens in der neuesten Phase der Anthroposophischen Gesellschaft so häufig getreten, und wenn diese Lieblosigkeit weiter überhand nimmt, dann wird eben die Anthroposophische Gesellschaft zerfallen müssen.
[ 26 ] Sehen Sie, der Bau hat ja viele außerordentlich schöne Eigenschaften der Anthroposophen auf die Oberfläche gebracht; aber parallel hätte gehen müssen eine lebendige Erkraftung der Gesellschaft selbst. Es sind mit vollem Recht viel schöne Eigenschaften am Ende unseres Kurses neulich genannt worden, die hervorgetreten sind während des Baues, hervorgetreten sind während der Brandnacht. Aber diese Eigenschaften brauchen Führung, brauchen vor allen Dingen aber auch dieses, daß jeder, der irgend etwas zu tun hat, auch innerhalb der Gesellschaft etwas zu tun hat, nicht dasjenige hineinträgt in die Gesellschaft, was heute eben gang und gäbe ist, sondern daß jeder vor allen Dingen alles, was er für die Gesellschaft zu machen hat, mit wirklichem persönlichem Interesse und Anteil tue. Und dieses persönliche Interesse und diesen persönlichen Anteil, den muß man leider gerade da vermissen, wo Persönlichkeiten für die Gesellschaft das eine oder das andere tun.
[ 26 ] Sehen Sie, der Bau hat ja viele außerordentlich schöne Eigenschaften der Anthroposophen auf die Oberfläche gebracht; aber parallel hätte gehen müssen eine lebendige Erkraftung der Gesellschaft selbst. Es sind mit vollem Recht viel schöne Eigenschaften am Ende unseres Kurses neulich genannt worden, die hervorgetreten sind während des Baues, hervorgetreten sind während der Brandnacht. Aber diese Eigenschaften brauchen Führung, brauchen vor allen Dingen aber auch dieses, daß jeder, der irgend etwas zu tun hat, auch innerhalb der Gesellschaft etwas zu tun hat, nicht dasjenige hineinträgt in die Gesellschaft, was heute eben gang und gäbe ist, sondern daß jeder vor allen Dingen alles, was er für die Gesellschaft zu machen hat, mit wirklichem persönlichem Interesse und Anteil tue. Und dieses persönliche Interesse und diesen persönlichen Anteil, den muß man leider gerade da vermissen, wo Persönlichkeiten für die Gesellschaft das eine oder das andere tun.
[ 27 ] Es ist ja kein Dienst gering, der für die Gesellschaft, das heißt auch von einem Menschen für den andern Menschen, in der Gesellschaft gemacht werden kann. Das Geringste wird ja wertvoll dadurch, daß es im Dienste eines Großen steht. Das aber ist etwas, was so oft vergessen wird. Die Gesellschaft muß es ja mit größter, höchster Befriedigung sehen, wenn ein gewaltiges Unglück herausfordert zu der Betätigung der allerschönsten Eigenschaften. Aber darüber sollte nicht vergessen werden, wie bei vielen in den alltäglichen Verrichtungen Fleiß und Ausdauer, aber namentlich Interesse und persönliche Anteilnahme an dem, was einem obliegt, so leicht erlahmt, und wie manches, was man sich eines Tages vornimmt, so schnell vergessen wird. Deshalb wollte ich jetzt die ganze Größe des Gegensatzes, in dem sich Anthroposophie befindet gegenüber der Welt, einmal hervorheben, weil gerade immer übersehen wird, wie die Gegnerschaft einzuschätzen ist.
[ 27 ] Es ist ja kein Dienst gering, der für die Gesellschaft, das heißt auch von einem Menschen für den andern Menschen, in der Gesellschaft gemacht werden kann. Das Geringste wird ja wertvoll dadurch, daß es im Dienste eines Großen steht. Das aber ist etwas, was so oft vergessen wird. Die Gesellschaft muß es ja mit größter, höchster Befriedigung sehen, wenn ein gewaltiges Unglück herausfordert zu der Betätigung der allerschönsten Eigenschaften. Aber darüber sollte nicht vergessen werden, wie bei vielen in den alltäglichen Verrichtungen Fleiß und Ausdauer, aber namentlich Interesse und persönliche Anteilnahme an dem, was einem obliegt, so leicht erlahmt, und wie manches, was man sich eines Tages vornimmt, so schnell vergessen wird. Deshalb wollte ich jetzt die ganze Größe des Gegensatzes, in dem sich Anthroposophie befindet gegenüber der Welt, einmal hervorheben, weil gerade immer übersehen wird, wie die Gegnerschaft einzuschätzen ist.
[ 28 ] Daß Gegnerschaft in sachlicher Beziehung da ist, das muß man begreifen, das muß man aus dem objektiven Weltengang heraus begreifen. Manchmal aber bin ich doch — und ich habe es ja auch öffentlich ausgesprochen — erstaunt darüber, wie wenig innere Anteilnahme da ist, wenn die Gegnerschaft so ausartet, daß sie einfach von objektiven Unwahrheiten nur so wimmelt. Wir müssen sachlich in der positiven Verteidigung der Anthroposophie bleiben, wenn es sich um Sachliches handelt. Aber wir müssen uns auch wirklich dazu aufschwingen können, zu begreifen, daß Anthroposophie nur bestehen kann in der Atmosphäre der Wahrhaftigkeit; daß wir daher auch ein Gefühl entwickeln müssen dafür, was es heißt, wenn so viel von Unwahrhaftigkeit, von objektiver Verleumdung demjenigen entgegengebracht wird, was sich auf anthroposophischem Felde geltend macht. Da brauchen wir wirklich inneres Leben. Und da haben wir heute reichlich Gelegenheit dazu, zu erwachen. Dann wird der Impuls des Erwachens vielleicht sich auch auf anderes ausdehnen. Aber wenn man jemanden schlafen sieht, während die Flammen der Unwahrheit überall sich geltend machen, dann braucht man sich nicht zu verwundern, wenn auch der Stichl weiterschläft.
[ 28 ] Daß Gegnerschaft in sachlicher Beziehung da ist, das muß man begreifen, das muß man aus dem objektiven Weltengang heraus begreifen. Manchmal aber bin ich doch — und ich habe es ja auch öffentlich ausgesprochen — erstaunt darüber, wie wenig innere Anteilnahme da ist, wenn die Gegnerschaft so ausartet, daß sie einfach von objektiven Unwahrheiten nur so wimmelt. Wir müssen sachlich in der positiven Verteidigung der Anthroposophie bleiben, wenn es sich um Sachliches handelt. Aber wir müssen uns auch wirklich dazu aufschwingen können, zu begreifen, daß Anthroposophie nur bestehen kann in der Atmosphäre der Wahrhaftigkeit; daß wir daher auch ein Gefühl entwickeln müssen dafür, was es heißt, wenn so viel von Unwahrhaftigkeit, von objektiver Verleumdung demjenigen entgegengebracht wird, was sich auf anthroposophischem Felde geltend macht. Da brauchen wir wirklich inneres Leben. Und da haben wir heute reichlich Gelegenheit dazu, zu erwachen. Dann wird der Impuls des Erwachens vielleicht sich auch auf anderes ausdehnen. Aber wenn man jemanden schlafen sieht, während die Flammen der Unwahrheit überall sich geltend machen, dann braucht man sich nicht zu verwundern, wenn auch der Stichl weiterschläft.
[ 29 ] Das also, was ich im Großen charakterisieren möchte, was ich im Kleinen heute charakterisiere, das ist: Denken Sie, empfinden Sie, meditieren Sie über das Erwachen. Manche sehnen sich heute in dieser Zeit, wo die Verleumdungen zum Fenster hereinhageln, nach allerlei Esoterik. Ja, meine lieben Freunde, die Esoterik ist da. Fassen Sie sie! Aber dasjenige, was vor allen Dingen Esoterik ist innerhalb der ganzen Anthroposophischen Gesellschaft, das ist der Wille zum Erwachen. Dieser Wille zum Erwachen, er muß zuerst Platz greifen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Dann wird diese sein ein Ausstrahlungspunkt für das Erwachen der ganzen gegenwärtigen Zivilisation.
[ 29 ] Das also, was ich im Großen charakterisieren möchte, was ich im Kleinen heute charakterisiere, das ist: Denken Sie, empfinden Sie, meditieren Sie über das Erwachen. Manche sehnen sich heute in dieser Zeit, wo die Verleumdungen zum Fenster hereinhageln, nach allerlei Esoterik. Ja, meine lieben Freunde, die Esoterik ist da. Fassen Sie sie! Aber dasjenige, was vor allen Dingen Esoterik ist innerhalb der ganzen Anthroposophischen Gesellschaft, das ist der Wille zum Erwachen. Dieser Wille zum Erwachen, er muß zuerst Platz greifen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Dann wird diese sein ein Ausstrahlungspunkt für das Erwachen der ganzen gegenwärtigen Zivilisation.
