Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220
14 January 1923, Dornach
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Living Knowledge of Nature, Intellectual Fall from Grace and Spiritual Elevation from Sin, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Ich möchte nun das Thema, das ich in diesen verflossenen zwei Tagen angeschlagen habe, heute etwas fortsetzen. Es handelt sich dabei darum, aus den Entwickelungsmomenten, die zum Geistesleben der Gegenwart geführt haben, zu erkennen, wie auf der einen Seite anthroposophische Weltanschauung eine Notwendigkeit wird, wie auf der andern Seite auch verstanden werden muß, daß diese anthroposophische Weltanschauung Gegner hat. Ich will mich — und das ist begreiflich — gerade im gegenwärtigen Augenblicke natürlich jetzt nicht auf eine spezielle Charakteristik dieser oder jener Gegner einlassen, möchte das Thema möglichst allgemein behandeln, weil es sich ja auch gar nicht darum handelt, diese oder jene Gegnerschaft ins Auge zu fassen, sondern weil es sich eigentlich darum handelt, daß die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie als solche existieren will, sich ihrer Stellung im Geistesleben eben bewußt werden und dazu etwas beitragen muß, sich zu konsolidieren. Ich sage ja da nichts besonders Neues für heute, denn es ist erst einige Wochen her, daß ich ausdrücklich gesagt habe, daß diese Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft eine Notwendigkeit sei.
[ 1 ] Today I would like to continue the topic I have been addressing over the past two days. The aim is to recognize, from the developmental stages that have led to the spiritual life of the present, how, on the one hand, the anthroposophical worldview becomes a necessity, and how, on the other hand, it must also be understood that this anthroposophical worldview has opponents. I do not wish—and this is understandable—to go into a specific characterization of this or that opponent at this very moment, but I would like to address the topic as generally as possible, because the point is not at all to focus on this or that opposition, but rather because the point is actually that the Anthroposophical Society, if it wishes to exist as such, must become aware of its position in spiritual life and must contribute to its own consolidation. I am not saying anything particularly new today, for it was only a few weeks ago that I explicitly stated that this consolidation of the Anthroposophical Society is a necessity.
[ 2 ] Wir müssen uns durchaus klar sein darüber, wie Anthroposophie hineingestellt ist in eine gegenwärtige Zivilisation, die für Europa und Amerika eigentlich ihre Geschichte in Wahrheit nur bis in die Zeit zurückführt, von der ich öfters gesprochen habe: bis in die Zeit etwa des 4. nachchristlichen Jahrhunderts. Dieses 4. nachchristliche Jahrhundert liegt ja gerade in der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes. Ich habe öfters darauf aufmerksam gemacht, daß die Verbreitung des Christentums, die ganze Auffassungsweise des Christentums in den allerersten drei bis vier christlichen Jahrhunderten eine wesentlich andere war als später.
[ 2 ] We must be perfectly clear about how anthroposophy fits into a contemporary civilization whose history, for Europe and America, actually only goes back to the time I have often spoken of: roughly the 4th century A.D. This 4th century A.D. lies precisely in the middle of the fourth post-Atlantean epoch. I have often pointed out that the spread of Christianity—and the entire way of understanding Christianity—in the very first three to four Christian centuries was fundamentally different from what it was later on.
[ 3 ] Wir denken heute oftmals so, wenn wir die Geschichte nach rückwärts verfolgen, daß wir die Neuzeit betrachten, zum Mittelalter zurückgehen, da etwa bei dem ankommen, was man die Völkerwanderung nennt, dann beim Römerreich, dann geht man eben weiter zurück ins Griechentum und denkt eigentlich und empfindet gegenüber dem Griechentum so ähnlich, wie man auch demjenigen gegenüber empfindet, was etwa seit der römischen Kaiserzeit als spätere europäische Geschichte existiert. Aber das ist ja gar nicht so. Es liegt eigentlich ein tiefer Abgrund zwischen dem, was noch mit einer gewissen Lebendigkeit vor dem Bewußtsein des heutigen Menschen steht, nämlich der Rückgang bis ins Römertum, und dem, was als griechisches Leben vorangegangen ist. Rufen wir nur ganz skizzenhaft die Sache vor die Seele. Wenn wir das Griechenland des Perikles oder Platon oder des Phidias betrachten, oder gar das Griechenland des Sophokles und Äschylos, dann geht dasjenige, was diesem Griechentum als Seelenverfassung zugrunde liegt, zurück auf alte Mysterienkultur, auf alte Geistigkeit. Und es hatte vor allen Dingen dieses Griechentum noch viel von dem in sich, was ich gestern charakterisierte als ein lebendiges Erleben der wirklichen Vorgänge im menschlichen Inneren; was ich als den Salz-, als den Sulfur-, als den Merkurprozeß bezeichnete. Wir müssen uns darüber klar sein, daß das griechische Denken und Empfinden dem Menschenwesen nahestand, während die spätere Zeit, vom 4. nachchristlichen Jahrhundert an, dem ja schon vorgearbeitet hat, was dann gekommen ist und sich in den drei Gestalten, die ich in diesen beiden Tagen angeführt habe, so besonders charakteristisch gezeigt hat: den Verlust des Menschenwesens für das menschliche Bewußtsein.
[ 3 ] Today, when we trace history backward, we often think that we look at modern times, go back to the Middle Ages, arriving, for example, at what is called the Migration Period, then at the Roman Empire, and then we go even further back to ancient Greece—and we actually think of and feel about ancient Greece in much the same way as we feel about what has existed as later European history since, say, the Roman Empire. But that is not the case at all. There is actually a deep chasm between what still stands with a certain vitality before the consciousness of modern people—namely, the period leading back to Roman times—and what preceded it as Greek life. Let us just sketch out the matter very briefly in our minds. When we consider the Greece of Pericles, Plato, or Phidias—or even the Greece of Sophocles and Aeschylus—then what underlies this Greek culture as a state of mind goes back to the ancient mystery culture, to an ancient spirituality. And above all, this Greek culture still contained much of what I characterized yesterday as a living experience of the actual processes taking place within the human soul—what I referred to as the salt, sulfur, and mercury processes. We must be clear about the fact that Greek thought and feeling were close to the human being, whereas the later period, beginning in the 4th century A.D., had already paved the way for what was to come and manifested itself so characteristically in the three figures I have mentioned over these two days: the loss of the human being to human consciousness.
[ 4 ] Ich sagte, solche Persönlichkeiten wie Bruno, Jakob Böhme und in gewisser Beziehung auch Lord Bacon, sie rangen nach einer Erkenntnis des Menschenwesens. Allein, es war diesem Ringen nicht möglich, an das Menschenwesen wirklich heranzukommen. Wenn wir hinter das Römertum ins Griechentum zurückgehen, dann hört eben dieses Reden von der Fremdheit des Menschenwesens auf, einen Sinn zu haben, denn der Grieche wußte sich als Mensch im Kosmos drinnenstehend. Der Grieche hat diesen Naturbegriff, der später aufgekommen ist, nicht gehabt, diesen Naturbegriff, der zuletzt ausmündete in die Auffassung vom Mechanismus der Natur. Man könnte vom Griechen sagen: er sah die Wolke, er sah den Regen herabquillen, er sah wiederum in Nebeln aufsteigen, was aus der Erde als Flüssigkeit kommt, und er sah mit einer besonderen Lebendigkeit, wenn er in sich selbst mit dem noch konkret geschärften Blick sah, seine Blutbewegung. Und er empfand keinen so tiefgehenden Unterschied zwischen dem auf- und absteigenden Wasser in der Natur und seiner eigenen Blutbewegung, wie man das später empfand. Der Grieche erfaßte noch etwas von dem, was in den Worten liegt: die Welt im Menschen, der Mensch in der Welt.
[ 4 ] I said that figures such as Bruno, Jakob Böhme, and, in a certain sense, Lord Bacon as well, struggled to gain an understanding of the human being. However, this struggle was unable to truly grasp the human being. If we go back beyond Roman times to the Greeks, then this very talk of the alienness of the human being ceases to make sense, for the Greeks knew themselves to be human beings situated within the cosmos. The Greeks did not have this concept of nature that arose later—the concept that ultimately led to the view of nature as a mechanism. One could say of the Greeks: they saw the cloud, they saw the rain pour down, they saw what emerges from the earth as liquid rise again in mists, and they observed the movement of their own blood with a special vividness when they looked within themselves with a gaze that was still concretely sharpened. And they did not perceive such a profound difference between the rising and falling water in nature and their own blood circulation as was perceived later. The Greeks still grasped something of what lies in the words: the world within the human being, the human being within the world.
[ 5 ] Das sind Dinge, die eigentlich nicht tief genug genommen werden können, denn sie führen hinein in die Seelenverfassung, die ja für die außere Geschichte nur in Fragmenten vorhanden ist. Man darf eben nicht vergessen, wie im 4. nachchristlichen Jahrhundert damit begonnen worden ist, alle Reste der hellseherischen Kultur gründlich zu vernichten. Gewiß, die heutige Menschheit weiß wiederum einiges, was später ausgegraben worden ist. Aber man sollte doch nicht vergessen, wie dasjenige, was später die Impulse der abendländischen Kultur gegeben hat, entstanden ist auf den Trüummern des alten Hellenismus, jenes erweiterten Hellenismus, der nicht nur in Südeuropa war, der bis nach Asien hinüberging. Man sollte nicht vergessen, daß in der Zeit zwischen der Mitte des 4. und der Mitte des 5. Jahrhunderts unzählige Tempel brannten, die ungeheuer bedeutungsvollen, bildhaften Inhalt hatten, kostbaren Inhalt hatten in bezug auf alles, was der Hellenismus ausgebildet hat. Das alles sieht ja die heutige Menschheit, die nur nach äußeren Dokumenten geht, nicht mehr. Man muß an ein solches Wort erinnern, wie das eines damaligen Schriftstellers, der in einem Briefe schrieb: Es geht zu Ende mit der alten Zeit. Alle einzelnen Heiligtümer, die zu finden sind auf den einzelnen Feldern, um derentwillen die Bau ern auf ihren Feldern arbeiten, die werden vernichtet. Wo sollen die auf dem Felde arbeitenden Leute noch Freude hernehmen zu ihrer Arbeit?
[ 5 ] These are matters that cannot really be taken seriously enough, for they lead into the state of the soul, which, after all, exists only in fragments outside of history. One must not forget how, in the 4th century A.D., efforts began to thoroughly destroy all remnants of the clairvoyant culture. Certainly, humanity today knows a great deal that has since been unearthed. But one should not forget how that which later provided the impetus for Western culture arose from the ruins of ancient Hellenism—that expanded Hellenism which was not confined to Southern Europe but extended all the way to Asia. One should not forget that in the period between the middle of the 4th and the middle of the 5th century, countless temples burned down—temples that contained immensely significant, pictorial elements, precious elements in relation to everything Hellenism had developed. Modern humanity, which relies solely on external documents, no longer sees any of this. One must recall the words of a writer from that time, who wrote in a letter: “The old era is coming to an end. All the individual sanctuaries that can be found in the fields—for the sake of which the farmers work their fields—are being destroyed. Where are the people working in the fields to find joy in their labor?”
[ 6 ] Es ist heute gar nicht mehr auszudenken, wieviel gerade in jenen Jahrhunderten von der Mitte des 4. bis zu der Mitte des 5. Jahrhunderts vernichtet worden ist. Die Vernichtung der äußeren Denkmäler ging parallel dem Bestreben, das griechische Geistesleben auszurotten, was ja in seinem herbsten Schlag vollzogen worden ist mit der Schließung der Philosophenschule in Athen, 529. Ja, so wie man zurückschauen kann ins Römertum, kann man in der äußerlichen Geschichte eben nicht zurückschauen in das Griechentum. Und es ist ja gewiß richtig, daß Unendliches in der abendländischen Zivilisation durch das ganze Mittelalter hindurch und bis in die Neuzeit herauf, sagen wir, zum Beispiel dem Benediktinerorden zu verdanken ist. Aber der heilige Benedikt hat ja zunächst an der Stätte, wo er das Mutterkloster für den Benediktinerorden begründet hat, nun auch die heidnischen Heiligtümer zerstört. Das alles mußte zunächst verschwinden und ist verschwunden.
[ 6 ] It is impossible to imagine today just how much was destroyed during those centuries, from the mid-4th to the mid-5th century. The destruction of external monuments went hand in hand with the effort to eradicate Greek intellectual life, which was carried out in its most severe form with the closure of the Academy in Athens in 529. Indeed, just as one can look back on Roman civilization, one cannot look back on Greek civilization in terms of external history. And it is certainly true that an infinite amount of Western civilization throughout the entire Middle Ages and up into modern times is, let us say, owed to the Benedictine Order, for example. But St. Benedict, after all, first destroyed the pagan shrines at the very site where he founded the mother monastery of the Benedictine Order. All of that had to disappear first—and it did.
[ 7 ] Es ist tatsächlich schwer verständlich, wenn man sozusagen normal menschliche Gefühle anlegt, wie ein solcher Impuls der Zerstörung dazumal hat über ganz Südeuropa, Vorderasien, Nordafrika gehen können. Verständlich wird das erst, wenn man sich klar darüber wird, daß eben das ganze Bewußtsein der Menschheit in der damaligen Zeit ein anderes geworden ist, daß tatsächlich, was ich ja öfter schon gesagt habe, der Spruch ganz unrichtig ist, die Natur oder überhaupt die Welt mache keine Sprünge. In der Geschichte vollziehen sich solche Sprünge. Und es ist die Seelenverfassung der zivilisierten Menschheit im 2., 3. Jahrhundert der nachchristlichen Zeit etwas ganz anderes gewesen als das, was dann Seelenverfassung geworden ist.
[ 7 ] It is indeed difficult to understand—if one applies, so to speak, normal human emotions—how such an impulse toward destruction could have swept across all of Southern Europe, the Near East, and North Africa at that time. This only becomes understandable when one realizes that the very consciousness of humanity at that time had changed; that, in fact—as I have often said—the saying that nature, or the world in general, does not make leaps is entirely incorrect. Such leaps do occur in history. And the state of mind of civilized humanity in the 2nd and 3rd centuries A.D. was something entirely different from what it later became.
[ 8 ] Aber nun möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen, was Ihnen ganz besonders veranschaulichen kann, wie dieser Umschwung eigentlich ist. Wir müssen heute sagen, wenn wir von den Wechselzuständen von Wachen und Schlafen reden: Der physische Leib und der ätherische Leib bleiben im Bette liegen, und das Ich und der astralische Leib gehen heraus; das Seelisch-Geistige geht heraus aus dem physischen und Ätherleib. — So würde man in einer gewissen Zeit des alten Indertums nicht gesagt haben, da würde man das Umgekehrte gesagt haben. Im Schlaf, so würde gesagt worden sein, geht das Geistig-Seelische des Menschen tiefer in den physischen Leib hinein, geht mehr unter in dem physischen Leib. — Also das genau Entgegengesetzte.
[ 8 ] But now I would like to draw your attention to something that can illustrate to you quite clearly what this transformation is actually like. Today, when we speak of the alternating states of waking and sleeping, we must say: The physical body and the etheric body remain in bed, while the “I” and the astral body go out; the soul-spiritual aspect goes out from the physical and etheric bodies. — In a certain period of ancient Indian thought, one would not have said this; rather, the opposite would have been stated. During sleep, it would have been said, the human soul-spiritual aspect penetrates deeper into the physical body, becoming more submerged within it. — In other words, the exact opposite.
[ 9 ] Dies wird sehr wenig beachtet. Ich will nur aufmerksam darauf machen, daß ja, als zum Beispiel die Theosophische Gesellschaft begründet worden ist, die Leute, die sie begründet haben, einiges von geistigen Wahrheiten durch die Inder gehört und das, was sie da gehört haben, zu ihrem Eigentum gemacht haben. Da haben sie eben diese Sache von dem Herausgehen des Ich und des astralischen Leibes gehört. Gewiß, die Inder haben das damals gesagt, im 19. Jahrhundert haben sie das natürlich gesagt, denn in Indien kann man vielfach beobachten, was real ist. Aber wenn dann etwa Leute der Theosophischen Gesellschaft erzählen, das wäre auch uralte indische Weisheit gewesen, so ist das ein Unsinn, denn der alte Inder hat gerade das Umgekehrte gesagt: Das Seelisch-Geistige geht tiefer in den physischen Leib hinein, wenn der Mensch schläft. Und das war auch in älteren Zeiten der Fall. Und davon war in gewissem Sinne durchaus noch ein Bewußtsein vorhanden bei den Griechen, daß im Schlafe das Geistig-Seelische mehr den physischen Leib ergreife, als das im Wachen der Fall ist, denn das liegt in der Entwickelung der Menschheit.
[ 9 ] Very little attention is paid to this. I simply want to point out that, for example, when the Theosophical Society was founded, the people who founded it had heard some spiritual truths from the Indians and had made what they heard there their own. They heard, for instance, about the separation of the “I” from the astral body. Certainly, the Indians said this back then; in the 19th century, they naturally spoke of it, for in India one can often observe what is real. But when people in the Theosophical Society claim that this was also ancient Indian wisdom, that is nonsense, for the ancient Indians said precisely the opposite: the soul-spiritual aspect penetrates more deeply into the physical body when a person sleeps. And that was also the case in earlier times. And in a certain sense, the Greeks were still quite aware of this—that during sleep the spiritual-soul aspect takes a greater hold of the physical body than is the case during wakefulness—for this is part of the development of humanity.
[ 10 ] Wir müssen heute, weil wir ja von unserer unmittelbar geistigen Wahrnehmung aus schildern müssen, mit Recht sagen: Die alten Weisen und auch die griechische Bevölkerung hatten ein instinktives Hellsehen, das traumhaft war. Das schildern wir von unserem Gesichtspunkte aus. Für die Leute dazumal war das aber nicht traumhaft. Sie fühlten sich gerade erwachend in diesem Zustande der Hellsichtigkeit. Das war gerade eine größere Intensität ihres Bewußtseins, wenn sie in mächtigen Bildern so die Welt wahrnahmen, wie ich es gestern geschildert habe. Aber sie wußten zugleich: da dringen sie in das Innere ihres Menschen ein und sehen dasjenige, was im Menschen vorgeht, und wissen, weil der Mensch in der Welt ist, daß das Weltvorgänge sind. Und dann wußten sie: Im Schlafe taucht der Mensch noch tiefer hinein in seinen physischen Leib. Und im tiefen Schlaf wurde dann wiederum dieses Bewußtsein dumpf, dammerhaft, eben unbewußt. Und das schrieben die Leute dem Einfluß des physischen Leibes zu, der die Seele umfängt und sie eigentlich ins Süundhafte hineinführt. Und es entstand gerade aus dieser Anschauung heraus das alte Sündenbewußtsein. Dieses Sündenbewußtsein führt eigentlich, wenn wir es nicht in seiner jüdischen Form nehmen, zurück in das Heidentum, und da geht es hervor aus einem Bewußtsein des Untertauchens in den physischen Leib, der die Seele nicht frei genug laßt, um in der geistigen Welt zu leben.
[ 10 ] Today, since we must describe things based on our immediate spiritual perception, we are justified in saying: The ancient sages, as well as the Greek people, possessed an instinctive clairvoyance that was dreamlike. We describe this from our own perspective. For the people of that time, however, this was not dreamlike. They felt as though they were just awakening into this state of clairvoyance. It was precisely a greater intensity of their consciousness when they perceived the world in powerful images, as I described yesterday. But at the same time they knew: they were penetrating into the innermost being of the human being and seeing what was taking place within the human being, and they knew—because the human being is in the world—that these were worldly processes. And then they knew: In sleep, the human being plunges even deeper into their physical body. And in deep sleep, this consciousness then became dull, hazy—in short, unconscious. And people attributed this to the influence of the physical body, which envelops the soul and actually leads it into a state of sinfulness. And it was precisely out of this view that the ancient sense of sin arose. This sense of sin actually traces back—if we do not consider it in its Jewish form—to paganism, where it arises from an awareness of being submerged in the physical body, which does not allow the soul enough freedom to live in the spiritual world.
[ 11 ] Aber wenn Sie alles das, was ich Ihnen da schildere, durchdenken, so werden Sie sich sagen: Dieser ältere Mensch hatte ein Bewußtsein davon, daß er ein geistiges Wesen ist, daß er als geistiges Wesen in einem physischen Leibe lebt. Es fiel ihm gar nicht ein, das, was er physisch am Menschen sah, Mensch zu nennen. Das Wort Mensch führt ja eigentlich zurück auf eine Bedeutung wie «der Denkende». Also nicht derjenige, der mit einem mehr oder weniger roten oder blassen Gesicht zu sehen ist, mit zwei Armen, zwei Beinen, war der Mensch, sondern der war der Mensch, der in diesem Wohnhause des physischen Leibes als Geist-Seele wohnte.
[ 11 ] But if you think through everything I am describing to you here, you will say to yourself: This older person was aware that he was a spiritual being, that he lived as a spiritual being within a physical body. It never even occurred to him to call what he saw physically in a human being “human.” The word “human” actually goes back to a meaning like “the thinker.” So it was not the one who can be seen with a more or less red or pale face, with two arms and two legs, who was the human being, but rather the one who dwelt as a spirit-soul within this dwelling place of the physical body.
[ 12 ] Und ein ins Künstlerische herüber übersetzter Rest dieses Bewußtseins vom geistig-seelischen Menschen war eben durchaus in der allgemeinen griechischen Zivilisation vorhanden — in jener wunderbar plastisch-künstlerischen Form des Griechentums. Und wenn auch das äußere Tempelwesen, wenn auch die Kulte in vieler Beziehung in einer ungeheuren Dekadenz waren, so darf man doch sagen, daß in den zerstörten Götterbildern und Tempeln eben Abbilder vorhanden waren, die hinwiesen auf jene alte Seelenverfassung. Ich möchte sagen: mit mächtiger Schrift stand in den Formen dessen, was zerstört worden war, das alte Geist-Seelenbewußtsein der Menschheit.
[ 12 ] And a remnant of this awareness of the spiritual-soul-endowed human being, translated into the realm of art, was indeed very much present in Greek civilization as a whole—in that wonderfully sculptural and artistic form of Hellenism. And even if the external temple system, even if the cults, were in many respects in a state of immense decadence, one may still say that within the destroyed images of the gods and temples there were representations that pointed to that ancient state of the soul. I would like to say: the ancient spiritual-soul consciousness of humanity was inscribed in powerful script within the forms of what had been destroyed.
[ 13 ] Wenn mit demselben Bewußtsein, nicht in einer folgenden Inkarnation, wo das Bewußtsein immer etwas verändert ist, sondern wenn mit demselben Bewußtsein, das er damals gehabt hat, ein Mysterieneingeweihter der griechischen Vorzeit heute wiederum zu uns käme und sich über diese Dinge mit uns besprechen würde, so würde er sagen: Ihr modernen Menschen, ihr schlaft ja alle! — Ja, das würde er sagen: Ihr modernen Menschen, ihr schlaft ja alle! Wir waren wach, denn wir wachten in unserem Leibe, wir wachten als Geistmenschen in unserem Leibe. Wir wußten, daß wir Menschen waren, weil wir uns in unserem Leibe von diesem Leibe unterschieden. Was ihr wachen nennt, das ist für uns schlafen, denn während ihr wacht und eure Sinne da in die Außenwelt richtet und irgend etwas von der Außenwelt erklärt, schlaft ihr ja in bezug auf euren Menschen. Ihr seid die Eingeschlafenen; wir waren die Wachen.
[ 13 ] If, with the very same consciousness—not in a subsequent incarnation, where consciousness is always somewhat altered, but with the very same consciousness he possessed back then—a mystery initiate from ancient Greece were to return to us today and discuss these matters with us, he would say: “You modern people, you are all asleep!” — Yes, that is what he would say: “You modern people, you are all asleep! We were awake, for we were awake in our bodies; we were awake as spiritual beings in our bodies.” We knew that we were human beings because, within our bodies, we were distinct from those bodies. What you call waking is, for us, sleeping; for while you are awake and direct your senses toward the outer world and explain something about the outer world, you are, in fact, asleep with regard to your human nature. You are the ones who are asleep; we were the ones who were awake.
[ 14 ] So würde er sagen. Und von einem gewissen Gesichtspunkt aus hätte er ganz recht. Denn heute ist es so: Wir wachen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wie wir sagen, wenn wir in unserem physischen Leibe sind als geist-seelischer Mensch. Aber da wissen wir ja gar nichts von uns, da schlafen wir in bezug auf uns selber. Wenn wir aber drinnen sind in der Welt, die außer uns ist, da schlafen wir, nämlich vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Da müssen wir lernen zu wachen. Mit derselben Intensität, mit der die alten Menschen in ihrem Körper gewacht haben, muß der moderne Mensch lernen, außer seinem Leibe zu wachen, wenn er wirklich drinnen ist in der Außenwelt.
[ 14 ] That’s what he would say. And from a certain point of view, he would be quite right. For today it is like this: We are awake from the moment we wake up until we fall asleep, as we say, when we are in our physical body as spiritual-soul beings. But then we know nothing at all about ourselves; in that sense, we are asleep with regard to ourselves. But when we are inside the world that is outside of us, that is when we sleep—namely, from the moment we fall asleep until we wake up. That is when we must learn to be awake. With the same intensity with which the people of old were awake within their bodies, modern human beings must learn to be awake outside their bodies when they are truly inside the external world.
[ 15 ] Daran ersehen Sie, daß es sich um einen Übergangszustand handelt. Wir sind eingeschlafen als Menschheit gegenüber dem alten Wachen und sind jetzt gerade in dem Zeitpunkt, wo aufgewacht werden soll gegenüber dem neuen Wachen. Und was will denn Anthroposophie in dieser Beziehung sein? Anthroposophie ist ja nichts anderes als dieses: daß sie zuerst darauf aufmerksam geworden ist, daß der Mensch außer sich wachen lernen soll. Und nun kommt sie und schüttelt den modernen Menschen — den der alte Mensch eben einen Schläfer nennen würde —, schüttelt den modernen Menschen und der will nicht aufwachen.
[ 15 ] This shows that we are in a transitional state. As humanity, we have fallen asleep in relation to the old state of wakefulness, and we are now at the very moment when we are to awaken to the new state of wakefulness. And what, then, does anthroposophy aim to be in this regard? Anthroposophy is, after all, nothing other than this: that it was the first to recognize that human beings must learn to be awake outside of themselves. And now it comes and shakes modern humanity—whom the old human being would call a sleeper—it shakes modern humanity, and they do not want to wake up.
[ 16 ] Anthroposophie fühlt sich schon manchmal so wie der Gallus neben dem Schläfer Stichl! Anthroposophie macht aufmerksam darauf, daß die Waldvöglein singen. «Laß s’ nur singen», sagt die Gegenwart, «ham kloane Kepf, ham bald ausgschlofa» und so weiter. «Der Himmel kracht scho!» «Ei, laß’n kracha, er is scho alt gnua dazua'» Nur natürlich ist das nicht immer mit denselben Worten ausgedrückt, sondern Anthroposophie sagt: Die Geisteswelt, die will schon herein, steht auf! — Ei, laß nur scheinen das Licht des Geistes, ’s ist scho alt gnua dazua! — Tatsächlich ist es so: den Schläfer erwekken möchte Anthroposophie. Denn dasjenige, was von der modernen Zivilisation gefordert. wird, ist eben ein Erwachen. Und die Menschheit will schlafen, will weiterschlafen.
[ 16 ] Anthroposophy sometimes feels just like Gallus next to the sleeper Stichl! Anthroposophy draws our attention to the fact that the little forest birds are singing. “Just let them sing,” says the present, “they’ve got little heads, they’ll be asleep in no time,” and so on. “The heavens are already rumbling!” “Oh, let them rumble—they’re old enough for that.” Of course, this isn’t always expressed in exactly those words; rather, anthroposophy says: The spiritual world wants to come in—wake up! — Oh, just let the light of the spirit shine—it’s old enough for that! — In fact, this is how it is: Anthroposophy seeks to awaken the sleeper. For what modern civilization demands is precisely an awakening. And humanity wants to sleep, wants to keep sleeping.
[ 17 ] Und ich möchte sagen: in Jakob Böhme, weil er ganz mit der Volksweisheit ging, in Giordano Bruno, weil er innerhalb einer Geistgemeinschaft stand, die dazumal noch sehr viel bewahrt hatte von alten Zeiten, in ihnen lebte durchaus eine Erinnerung an das alte Wachsein. In Lord Bacon lebt eigentlich der Impuls zur Rechtfertigung des neuen Schlafens. Das ist, noch tiefer erfaßt als wir das in den beiden vorhergehenden Tagen tun konnten, das Charakteristikon unserer Zeit. So wach in bezug auf die Auffassung des Menschenwesens, wie die Menschheit der alten Zeiten war, kann der Mensch der Gegenwart nicht sein. Denn er dringt nicht etwa tiefer in seinen physischen Leib hinab, wie das der alte Mensch getan hat, wenn er schlief, sondern er geht im Schlafe heraus. Aber er muß lernen, auch herauszukommen aus seinem physischen Leibe im Wachen, denn nur dadurch wird er in die Lage kommen, sich wieder als Mensch zu wissen. Aber der Drang, den Schlaf zu bewahren, der ist ja sehr groß. «Stichl, dö Fuhrleut kleschn scho auf der Stroßn'» «Ei; laß s’ nur kleschn, habn noch goar wait z’foarn.»
[ 17 ] And I would like to say: in Jakob Böhme, because he was fully in tune with folk wisdom; in Giordano Bruno, because he was part of a spiritual community that, at that time, had still preserved much from ancient times; in them, a memory of the ancient state of wakefulness certainly lived on. In Lord Bacon, in fact, lies the impulse to justify the new sleep. This is—grasped even more deeply than we were able to do in the previous two days—the defining characteristic of our time. The human being of the present cannot be as awake with regard to the understanding of the human being as humanity of ancient times was. For he does not, as it were, penetrate deeper into his physical body—as the ancient human did when he slept—but rather he steps out of it while asleep. But he must learn to step out of his physical body even while awake, for only in this way will he be able to recognize himself as a human being once more. Yet the urge to preserve sleep is, after all, very strong. “Hey, the cart drivers are already honking on the street.” “Oh, just let them honk—we’ve still got a long way to go.”
[ 18 ] Du Bois-Reymond — nicht Gallus aus dem Christgeburtspiel, aber Du Bois-Reymond — sagt: Der Mensch hat Grenzen der Erkenntnis, er kann nicht eindringen in die Naturerscheinungen, in die Geheimnisse der Naturerscheinungen, er muß sich beschränken. Ja, aber, sagt Anthroposophie, man muß doch weiter, weiter und weiter streben! Der Impuls nach Geistigkeit ertönt schon. — Ei sagt Du Bois-Reymond —, laß ihn nur ertönen, er hat noch gar weit, sich zu entwickeln, bis die Naturwissenschaft am Ende der Erdentage angekommen sein wird bei der Ergründung aller Naturgeheimnisse.
[ 18 ] Du Bois-Reymond—not Gallus from the Nativity Play, but Du Bois-Reymond—says: Human beings have limits to their knowledge; they cannot penetrate natural phenomena or the mysteries of natural phenomena; they must set limits for themselves. Yes, but, says anthroposophy, one must strive on and on and on! The impulse toward spirituality is already resounding. — Well, says Du Bois-Reymond —, let it resound; it still has a long way to go before natural science, at the end of the world, will have fathomed all of nature’s mysteries.
[ 19 ] In vieler Beziehung findet man da gerade eine Rechfertigung des Schlafens. Denn das Reden von den Grenzen des Naturerkennens ist eben eine Rechtfertigung des Schlafens gegenüber dem Eindringen des Menschenwesens in die Natur. Und Schlafmittel findet ja die Gegenwart genügend — auch davon wurde des öfteren hier gesprochen. Man will heute womöglich allein dem zuhören, was sich anschaulich machen kann, recht anschaulich, womöglich gleich mit einem Film anschaulich. Aber man liebt es nicht, wenn etwas geltend gemacht wird, wo die Zuhörer mit dern Kopfe dabei sein müssen, in dem auch noch was drinnen arbeitet. Denn eigentlich strebt man danach, sich die Weltengeheimnisse träumen zu lassen, nur ja nicht innerlich aktiv denkend mitzuarbeiten. Das ist aber gerade der Weg, um aufzuwachen: zunächst beim Denken anzufangen, denn der Gedanke will in Tätigkeit entwickelt werden. Deshalb habe ich auf dieses Denken mit solcher Energie gerade in meiner «Philosophie der Freiheit» vor Jahrzehnten hingewiesen.
[ 19 ] In many respects, one finds there a justification for sleep. For talking about the limits of our understanding of nature is precisely a justification of sleep in the face of humanity’s encroachment on nature. And the present age certainly has no shortage of sleep aids—this, too, has been discussed here on numerous occasions. Today, people may well want to listen only to what can be made vivid—very vivid, perhaps even made vivid right away with a film. But they do not like it when something is presented that requires the listeners to engage their minds, something that also involves inner thought. For in reality, people strive to let the mysteries of the world be revealed to them in dreams, without actively engaging their minds in the process. Yet this is precisely the path to awakening: to begin with thinking, for thought must be developed through activity. That is why I emphasized this kind of thinking with such energy, particularly in my Philosophy of Freedom decades ago.
[ 20 ] Ich möchte Sie auf etwas aufmerksam machen, meine lieben Freunde. Ich möchte, daß Sie sich erinnern an manche Träume, die Sie gehabt haben und möchte Sie fragen, ob Sie noch nie einen Traum gehabt haben, in dem Sie so recht ein Filou waren, jedenfalls etwas taten, dessen Sie sich schämen würden, wenn Sie es bei Tag so täten, wie Sie es da im Traum getan haben? Ich meine doch. Nun gewiß, es mag ja viele geben, die hier sitzen, die niemals einen solchen Traum gehabt haben, aber die können sich es von andern erzählen lassen, denn etwelche wird es schon geben, die wissen, daß man manchmal Dinge träumt, die man nicht im Wachen wiederholen möchte, deren man sich schämen würde. Ja, wenden Sie das jetzt auf den großen Schlaf an, den wir auch den Zivilisationsschlaf der Gegenwart nennen können, wo sich eigentlich die Leute alle Weltengeheimnisse träumen lassen wollen. Nun kommt die Anthroposophie und sagt: Stichl, steh auf! — Nun sollen die Leute aufwachen! Manches, das kann ich Sie versichern, manches von dem, was in dieser Schlafzivilisation gemacht wird, würden die Leute nicht tun, wenn sie wach würden, da ist es ebenso. Sie werden allerdings sagen: Ja, wer soll denn das glauben? — Doch darüber denkt der Träumer auch nicht nach, wenn er seine Allotria im Traume treibt, wie das im Wachzustande eigentlich sich ausnimmt. Aber unbewußt ist eben diese Angst vorhanden, daß man da vieles nicht tun dürfte, wenn man aufwachte. Ich meine das natürlich jetzt nicht philiströs und spießbürgerlich, sondern ich meine: Vieles, was man heute durchaus als sehr ordentlich betrachtet, würde man ganz anders ansehen, wenn man eben erwachte.
[ 20 ] I’d like to draw your attention to something, my dear friends. I’d like you to recall some of the dreams you’ve had, and I’d like to ask you: Have you never had a dream in which you were a bit of a rascal—or at least did something you’d be ashamed of if you’d done it in broad daylight the way you did it in your dream? I’m sure you have. Now, of course, there may be many sitting here who have never had such a dream, but they can hear about it from others, for there are bound to be some who know that sometimes we dream of things we wouldn’t want to repeat while awake—things we would be ashamed of. Yes, apply that now to the great sleep—which we might also call the “sleep of modern civilization”—where people essentially want to have all the world’s mysteries revealed to them in their dreams. Now anthroposophy comes along and says: “Stichl, wake up!” — Now people are supposed to wake up! I can assure you that there are many things—many of the things done in this “sleep civilization”—that people would not do if they were awake; it’s the same with that. Of course, you’ll say: “Well, who’s supposed to believe that?” — But the dreamer doesn’t think about that either when he’s up to his shenanigans in a dream—how it actually looks when he’s awake. But unconsciously, this very fear exists—that there are many things one wouldn’t be allowed to do if one were to wake up. Of course, I don’t mean this in a philistine or narrow-minded way; rather, I mean that much of what is considered perfectly proper today would be viewed quite differently if one were to wake up.
[ 21 ] Und davor herrscht eine heillose Angst. Man könnte auch nicht mehr so bequem die Leber neben dem Hirn sezieren! Vor manchen Forschungsmethoden gerade würde man sich heillos schämen, wenn man anthroposophisch erwachte. Wie wollen Sie denn dann verlangen, daß die Leute so von heute auf morgen, gerade wenn sie in solchen Methoden drinnenstehen, so ohne weiteres erwachen! Man bemerkt ja auf sonderbare Weise die Apologie des Schlafens. Denken Sie doch nur einmal, was für eine riesige Freude ein Träumer hat, wenn er etwas träumt, was in ein paar Tagen zutrifft! Sie müssen nur einmal so recht aufgemerkt haben, welche riesige Freude abergläubische Träumer haben, wenn das, was sie geträumt haben, zutrifft — es trifft ja manchmal zu —, sie haben eine riesige Freude. Nun, die Zivilisationsträumer, sie rechnen nach dem Newtonschen Gravitationsgesetz, nach den Formeln, die dann weiter ausgearbeitet sind von den Mathematikern, daß der Uranus eine bestimmte Bahn hat. Aber die Bahn stimmt nicht mit den Formeln. Sie träumen davon, daß da Störungen vorhanden sein müssen von einem Planeten, der noch da sein könnte. Es ist ja alles geträumt, denn es wird tatsächlich ohne den intensiven Impuls der inneren Gewißheit so etwas ausgerechnet. Und wenn es eintrifft — es hat dann der Dr. Galle den Neptun wirklich entdeckt: da ist der Traum eingetroffen. Das ist sogar etwas, was heute angeführt wird als das, was geradezu die naturwissenschaftliche Methode rechtfertigt, daß da, nun, sagen wir, einer den Neptun im Traum ausrechnet, und dann trifft das ein. Es ist wirklich wie bei den Träumern, wenn ihnen irgend etwas eintrifft. Oder der Mendelejew, der sogar ein Element nach dem periodischen System ausrechnet. Es ist dieser Traum gar nicht einmal so schwer, denn wenn man das periodische System aufstellt, und eins fehlt, wenn ein Platz leer ist, so ist es eigentlich ziemlich leicht, eins da hineinzusetzen und ein paar Eigenschaften zu sagen. Aber es ist zunächst ein Traum! Trifft er ein, dann geht das nach derselben Methode, wie es eben beim Träumer geht, wenn der sieht, daß ein paar Tage darauf das eintrifft, daß er die Sache verifiziert bekommt. Ja, der Träumer sagt gewöhnlich nicht so, daß er das verifiziert bekommt, aber in der Gelehrtensprache sagt man eben, daß man die Sache verifiziert bekommt.
[ 21 ] And there is a profound fear of this. It would no longer be so easy to dissect the liver right next to the brain! One would feel utterly ashamed of certain research methods, especially if one were to awaken to anthroposophy. How, then, can you expect people to awaken just like that, overnight—especially when they are deeply immersed in such methods! One notices, in a strange way, the defense of sleep. Just think for a moment what immense joy a dreamer experiences when he dreams something that comes true in a few days! You need only have paid close attention to the immense joy that superstitious dreamers feel when what they have dreamed comes true—and it does come true sometimes—they experience immense joy. Well, the “civilization dreamers” calculate according to Newton’s law of gravity, using the formulas that have been further refined by mathematicians, which predict that Uranus has a specific orbit. But the orbit doesn’t match the formulas. They dream that there must be disturbances caused by a planet that might still be out there. It’s all just a dream, after all, because such calculations are actually made without the intense impulse of inner certainty. And when it comes true—Dr. Galle did indeed discover Neptune: the dream came true. This is even cited today as something that virtually justifies the scientific method—that, well, let’s say, someone calculates Neptune in a dream, and then it comes true. It really is just like with dreamers when something they dream about comes true. Or take Mendeleev, who even calculated an element based on the periodic table. This kind of dream isn’t even that difficult, because when you set up the periodic table and one element is missing—when there’s an empty spot—it’s actually quite easy to fill it in and describe a few of its properties. But it is, first and foremost, a dream! If it comes true, then it follows the same method as with the dreamer, when he sees that a few days later it comes true—that the matter is verified. Yes, the dreamer usually doesn’t say that it’s verified, but in scholarly language, one simply says that the matter is verified.
[ 22 ] Man muß erst wirklich gründlich verstehen, wie diese moderne Zivilisation eben eine Schlafzivilisation geworden ist und wie ein Erwachen notwendig ist für die Menschheit. Dann aber müssen gerade die Tendenzen des Schlafens in der Gegenwart von denjenigen, welche nun einmal einen Drang haben nach einer geistigen Wissenschaft, klar durchschaut werden. Jene Momente müssen eintreten, die oftmals beim Träumer eintreten, wenn er sich als Träumer weiß, wenn er weiß: ich träume. Und so sollte die Menschheit heute eine besondere Empfindung haben für ein so starkes Wort — ich habe Ööfter auf dieses Wort hingewiesen —, wie es einstmals der so energische Philosoph Johann.Gottlieb Fichte ausgesprochen hat: Die Welt, die vor dem Menschen ausgebreitet ist, ist ein Traum, und dasjenige, was der Mensch über sie denkt, ist ein Traum vom Traume.
[ 22 ] One must first truly and thoroughly understand how this modern civilization has become, in fact, a “sleeping civilization,” and how an awakening is necessary for humanity. But then, precisely these tendencies toward slumber in the present must be clearly discerned by those who have a genuine urge toward spiritual science. Those moments must occur that often occur in the dreamer when he knows he is dreaming, when he knows: “I am dreaming.” And so humanity today should have a special sensitivity to such a powerful statement—I have often referred to this statement—as was once expressed by the energetic philosopher Johann Gottlieb Fichte: “The world that lies spread out before humanity is a dream, and what humanity thinks about it is a dream within a dream.”
[ 23 ] Nur darf man nicht etwa in so etwas wiederum verfallen, was ähnlich wäre einer Schopenhauerschen Philosophie. Denn wenig hat man davon als Mensch, wenn man nur etwa erkenntnistheoretisch darauf aufmerksam macht, daß alles ein Traum ist. Nicht das ist die Aufgabe, einzusehen, daß man träumt — das möchten viele Leute der Gegenwart ja recht klar beweisen, daß man träumt, und daß der Mensch überhaupt gar nichts anderes kann als träumen, denn wenn er je an die Grenze dieser Träume kommt, dann ist eben da drüben das Ding an sich, da läßt sich nicht herankommen. Interessant hat ja von diesen Träumen gegenüber dem, was Realität ist, oftmals Eduard von Hartmann, der sonst ausgezeichnete Denker, gesprochen. Er macht klar, daß der Mensch eigentlich alles, was er so im Bewußtsein hat, träumt; wie aber allem ein «an sich», von dem der Mensch nichts weiß, zugrunde liegt. So spricht Hartmann, der die Dinge bis zum Extrem trieb, zum Beispiel vom Tisch an sich, im Gegensatz von dem Tisch, den wir vor uns haben: der Tisch, den wir vor uns haben, ist eben ein Traum, und dahinter ist der Tisch an sich. Wirklich, Hartmann unterscheidet zwischen dem Tisch als Erscheinung und dem Tisch an sich, zwischen dem Sessel als Erscheinung und dem Sessel an sich. Aber er ist sich gar nicht bewußt, daß schließlich der Sessel, auf den er sich draufsetzt, etwas zu tun hat mit dem Sessel an sich, denn auf dem Sessel als Erscheinung, auf dem geträumten Sessel, läßt sich nämlich nicht gut sitzen, so wie auch der Träumer in einem wirklichen Bette liegen muß. Aber die ganze Rederei, daß die Welt ein Traum ist, kann ja nur eine Vorbereitung sein zu etwas anderem. Zu was? Nun, zum Erwachen, meine lieben Freunde! Nicht darum handelt es sich, daß wir einsehen, die Welt ist ein Traum, sondern darum handelt es sich, daß wir, sobald wir nur ahnen, die Welt ist ein Traum, etwas dazutun, um zu erwachen! Und das Erwachen, das beginnt schon beim energischen Ergreifen des Denkens, bei dem aktiven Denken. Und da kommt man dann in alles andere hinein.
[ 23 ] But one must not, in turn, fall back into something akin to Schopenhauerian philosophy. For it is of little benefit to a human being to merely point out, from an epistemological perspective, that everything is a dream. The task is not to realize that one is dreaming—many people today would like to prove quite clearly that one is dreaming, and that human beings are incapable of anything other than dreaming, for if they ever reach the limits of these dreams, then the thing-in-itself lies just beyond, and it cannot be approached. Eduard von Hartmann, an otherwise excellent thinker, has often spoken interestingly about these dreams in contrast to what is reality. He makes it clear that human beings actually dream everything they have in their consciousness; yet everything is grounded in a “thing-in-itself” of which human beings know nothing. Thus Hartmann, who took things to the extreme, speaks, for example, of the table in itself, as opposed to the table we have before us: the table we have before us is simply a dream, and behind it lies the table in itself. Indeed, Hartmann distinguishes between the table as a phenomenon and the table in itself, between the chair as a phenomenon and the chair in itself. But he is not at all aware that, ultimately, the chair on which he sits has something to do with the chair in itself, for one cannot sit comfortably on the chair as a phenomenon—on the dreamed-of chair—just as the dreamer must lie in a real bed. But all this talk about the world being a dream can only be a preparation for something else. To what? Well, to awakening, my dear friends! It is not a matter of realizing that the world is a dream, but rather of doing something—as soon as we even suspect that the world is a dream—to awaken! And that awakening begins with the energetic grasping of thought, with active thinking. And from there, one then enters into everything else.
[ 24 ] Sie sehen, es ist dies, was ich eben charakterisiert habe, dieser Impuls des Erwachens, ein notwendiger Impuls für die Gegenwart. Gewiß, dasjenige, was da als Anthroposophie auftritt, kann in die Welt gestellt werden. Wenn aber eine Anthroposophische Gesellschaft eben Gesellschaft sein will, dann muß diese Gesellschaft eine Realität bedeuten. Dann muß der einzelne, der in der Anthroposophischen Gesellschaft lebt, diese Anthroposophische Gesellschaft als Realität empfinden. Und er muß tief durchdrungen sein von diesem Erwachenwollen, und nicht, wie es vielfach der Fall ist, es sogleich als eine Beleidigung betrachten, wenn man ihm sagt: Stichl, steh auf! — Das ist schon notwendig. Und das ist es, was ich eben noch einmal nur in ein paar Worten wiederholen möchte.
[ 24 ] You see, it is precisely this—what I have just described—this impulse toward awakening, that is a necessary impulse for the present. Certainly, what appears here as anthroposophy can be presented to the world. But if an Anthroposophical Society is to be a society at all, then this society must represent a reality. Then the individual who lives within the Anthroposophical Society must experience this Anthroposophical Society as a reality. And he must be deeply imbued with this desire to awaken, and not—as is often the case—immediately regard it as an insult when someone says to him: “Come on, get up!” — That is indeed necessary. And that is what I would like to repeat once more in just a few words.
[ 25 ] Das Unglück, das uns betroffen hat, sollte in allererster Linie auch ein Weckruf dazu sein, an der Anthroposophischen Gesellschaft etwas zu tun, damit sie eine Realität werde. Dieses reale Wesen, das ist dasjenige, was man ja seit jener Zeit, die ich vor einigen Tagen hier am Ende des Weihnachtskursus charakterisiert habe, so spürt. Die lebendige Strömung von Mensch zu Mensch innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, die muß da sein. Eine gewisse Lieblosigkeit ist an die Stelle des gegenseitigen Vertrauens in der neuesten Phase der Anthroposophischen Gesellschaft so häufig getreten, und wenn diese Lieblosigkeit weiter überhand nimmt, dann wird eben die Anthroposophische Gesellschaft zerfallen müssen.
[ 25 ] The misfortune that has befallen us should, first and foremost, serve as a wake-up call to take action within the Anthroposophical Society so that it may become a reality. This real essence is precisely what we have been sensing ever since that time I described here a few days ago at the end of the Christmas Course. The living current flowing from person to person within the Anthroposophical Society—that must be present. A certain lack of love has so often replaced mutual trust in the most recent phase of the Anthroposophical Society, and if this lack of love continues to gain the upper hand, then the Anthroposophical Society will simply have to fall apart.
[ 26 ] Sehen Sie, der Bau hat ja viele außerordentlich schöne Eigenschaften der Anthroposophen auf die Oberfläche gebracht; aber parallel hätte gehen müssen eine lebendige Erkraftung der Gesellschaft selbst. Es sind mit vollem Recht viel schöne Eigenschaften am Ende unseres Kurses neulich genannt worden, die hervorgetreten sind während des Baues, hervorgetreten sind während der Brandnacht. Aber diese Eigenschaften brauchen Führung, brauchen vor allen Dingen aber auch dieses, daß jeder, der irgend etwas zu tun hat, auch innerhalb der Gesellschaft etwas zu tun hat, nicht dasjenige hineinträgt in die Gesellschaft, was heute eben gang und gäbe ist, sondern daß jeder vor allen Dingen alles, was er für die Gesellschaft zu machen hat, mit wirklichem persönlichem Interesse und Anteil tue. Und dieses persönliche Interesse und diesen persönlichen Anteil, den muß man leider gerade da vermissen, wo Persönlichkeiten für die Gesellschaft das eine oder das andere tun.
[ 26 ] You see, the construction has indeed brought many extraordinarily beautiful qualities of the anthroposophists to the surface; but this should have been accompanied by a vital revitalization of society itself. Quite rightly, many beautiful qualities were mentioned at the end of our recent course—qualities that emerged during the construction and during the night of the fire. But these qualities need guidance; above all, they require that everyone who has a role to play—including within the Society itself—not bring into the Society what is so common today, but rather that everyone, above all, carry out everything they have to do for the Society with genuine personal interest and commitment. And this personal interest and this personal commitment—unfortunately, they are precisely what is lacking when individuals do one thing or another for society.
[ 27 ] Es ist ja kein Dienst gering, der für die Gesellschaft, das heißt auch von einem Menschen für den andern Menschen, in der Gesellschaft gemacht werden kann. Das Geringste wird ja wertvoll dadurch, daß es im Dienste eines Großen steht. Das aber ist etwas, was so oft vergessen wird. Die Gesellschaft muß es ja mit größter, höchster Befriedigung sehen, wenn ein gewaltiges Unglück herausfordert zu der Betätigung der allerschönsten Eigenschaften. Aber darüber sollte nicht vergessen werden, wie bei vielen in den alltäglichen Verrichtungen Fleiß und Ausdauer, aber namentlich Interesse und persönliche Anteilnahme an dem, was einem obliegt, so leicht erlahmt, und wie manches, was man sich eines Tages vornimmt, so schnell vergessen wird. Deshalb wollte ich jetzt die ganze Größe des Gegensatzes, in dem sich Anthroposophie befindet gegenüber der Welt, einmal hervorheben, weil gerade immer übersehen wird, wie die Gegnerschaft einzuschätzen ist.
[ 27 ] After all, no service rendered to society—that is, by one person for another within society—is insignificant. Even the smallest act becomes valuable simply by being in the service of a greater cause. Yet this is something that is so often forgotten. Society must surely view it with the greatest, highest satisfaction when a tremendous misfortune calls for the exercise of the very finest qualities. But we should not forget how, for many people, diligence and perseverance—and especially interest and personal commitment to one’s duties—so easily wane in the course of daily tasks, and how many of the things one sets out to do one day are so quickly forgotten. That is why I wanted to emphasize the full magnitude of the contrast between anthroposophy and the world, because people consistently overlook how this opposition should be assessed.
[ 28 ] Daß Gegnerschaft in sachlicher Beziehung da ist, das muß man begreifen, das muß man aus dem objektiven Weltengang heraus begreifen. Manchmal aber bin ich doch — und ich habe es ja auch öffentlich ausgesprochen — erstaunt darüber, wie wenig innere Anteilnahme da ist, wenn die Gegnerschaft so ausartet, daß sie einfach von objektiven Unwahrheiten nur so wimmelt. Wir müssen sachlich in der positiven Verteidigung der Anthroposophie bleiben, wenn es sich um Sachliches handelt. Aber wir müssen uns auch wirklich dazu aufschwingen können, zu begreifen, daß Anthroposophie nur bestehen kann in der Atmosphäre der Wahrhaftigkeit; daß wir daher auch ein Gefühl entwickeln müssen dafür, was es heißt, wenn so viel von Unwahrhaftigkeit, von objektiver Verleumdung demjenigen entgegengebracht wird, was sich auf anthroposophischem Felde geltend macht. Da brauchen wir wirklich inneres Leben. Und da haben wir heute reichlich Gelegenheit dazu, zu erwachen. Dann wird der Impuls des Erwachens vielleicht sich auch auf anderes ausdehnen. Aber wenn man jemanden schlafen sieht, während die Flammen der Unwahrheit überall sich geltend machen, dann braucht man sich nicht zu verwundern, wenn auch der Stichl weiterschläft.
[ 28 ] One must understand that opposition exists in a factual sense; one must grasp this from the objective course of world events. Sometimes, however—and I have indeed spoken about this publicly—I am astonished at how little inner empathy there is when opposition degenerates to the point where it is simply teeming with objective untruths. We must remain objective in our positive defense of anthroposophy when it comes to factual matters. But we must also truly be able to rise to the task of understanding that anthroposophy can only exist in an atmosphere of truthfulness; that we must therefore also develop a sense of what it means when so much untruthfulness and objective slander is directed against that which asserts itself in the field of anthroposophy. That is where we truly need inner life. And today we have ample opportunity to awaken to this. Then the impulse of awakening may perhaps extend to other areas as well. But when one sees someone sleeping while the flames of untruth are raging everywhere, one need not be surprised if the Stichl continues to sleep as well.
[ 29 ] Das also, was ich im Großen charakterisieren möchte, was ich im Kleinen heute charakterisiere, das ist: Denken Sie, empfinden Sie, meditieren Sie über das Erwachen. Manche sehnen sich heute in dieser Zeit, wo die Verleumdungen zum Fenster hereinhageln, nach allerlei Esoterik. Ja, meine lieben Freunde, die Esoterik ist da. Fassen Sie sie! Aber dasjenige, was vor allen Dingen Esoterik ist innerhalb der ganzen Anthroposophischen Gesellschaft, das ist der Wille zum Erwachen. Dieser Wille zum Erwachen, er muß zuerst Platz greifen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Dann wird diese sein ein Ausstrahlungspunkt für das Erwachen der ganzen gegenwärtigen Zivilisation.
[ 29 ] So what I would like to characterize on a large scale—and what I am characterizing on a small scale today—is this: Think, feel, and meditate on awakening. In these times, when slander is pouring in through the window, some people long for all kinds of esotericism. Yes, my dear friends, esotericism is here. Seize it! But what is, above all, esotericism within the entire Anthroposophical Society is the will to awakening. This will to awakening must first take root within the Anthroposophical Society. Then it will become a source of inspiration for the awakening of the entire present-day civilization.
