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The Rudolf Steiner Archive

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Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220

13 January 1923, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Indem ich die gestrigen Betrachtungen fortsetzen will, möchte ich nur daran erinnern, daß die drei Gestalten, deren Bedeutung zu uns herüberragt aus der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert, und die ich zu charakterisieren versuchte, Giordano Bruno, Baco von Verulam und Jakob Böhme, uns alle darauf hinweisen, wie in ihnen ein Ringen lebte, den Menschen zu verstehen, etwas zu wissen über das Wesen des Menschen selbst, und wie zu gleicher Zeit in diesen drei Gestalten eine gewisse Unfähigkeit lebte, zu einem solchen Erkennen des Menschen zu kommen. Das ist das Charakteristische, daß man deutlich sieht in dieser Zeitepoche, auf die ich hinwies, wie eine alte Menschenerkenntnis verlorengegangen ist und wie das ehrlichste, aufrichtigste Ringen der hervorragendsten Geister zu einer neuen Menschenerkenntnis nicht führt.

[ 1 ] As I intend to continue yesterday’s reflections, I would simply like to remind you that the three figures whose significance extends to us from the turn of the 16th to the 17th century—and whom I attempted to characterize—Giordano Bruno, Baco of Verulam, and Jakob Böhme, all point out to us how they were driven by a struggle to understand human beings, to know something about the very nature of humanity itself, and how, at the same time, these three figures were marked by a certain inability to arrive at such an understanding of humanity. This is the defining feature: that one can clearly see in this historical epoch, to which I referred, how an ancient understanding of humanity has been lost and how the most honest, most sincere striving of the most outstanding minds does not lead to a new understanding of humanity.

[ 2 ] Wir mußten ja darauf hinweisen, daß aus der eigentümlich stammelnden Sprache des Jakob Böhme heraus etwas tönt wie die Sehnsucht, die Welt im Menschen, den Menschen in der Welt zu erkennen, wie aber aus allem, was Jakob Böhme zu einer solchen Welt- und Menschenerkenntnis zusammenbringt, etwas herausleuchtet, was sich vor der gegenwärtigen anthroposophischen Anschauung wie ein Hinweis auf das Wesen des vorirdischen Menschen darstellt, des Menschen, bevor er zum irdischen Dasein heruntergestiegen ist, und daß doch wiederum bei Jakob Böhme eine klare Darstellung dieses Wesens nicht zu finden ist. Ich sprach das etwa mit diesen Worten aus: Jakob Böhme schildert in stammelnden Worten das Wesen des vorirdischen Menschen, aber so, daß der Mensch, den er da schildert, eigentlich als geistig-seelisches Wesen in der geistigen Welt sterben mußte, bevor er auf die Erde heruntersteigen konnte. Ein Rudiment gewissermaßen des vorirdischen Menschen schildert Jakob Böhme. Also es ist bei ihm das Unvermögen vorhanden, die Welt im Menschen, den Menschen in der Welt wirklich zu verstehen.

[ 2 ] We had to point out that, from Jakob Böhme’s peculiarly stammering language, something resonates like a longing to recognize the world within the human being and the human being within the world; yet from everything that Jakob Böhme brings together toward such an understanding of the world and humanity, something shines forth that appears to the present anthroposophical view as a reference to the nature of the pre-earthly human being—the human being before he descended into earthly existence—and that yet, again, a clear description of this nature cannot be found in Jakob Böhme. I expressed this in roughly these words: Jakob Böhme describes, in faltering words, the nature of the pre-earthly human being, but in such a way that the human being he describes there actually had to die as a spiritual-soul being in the spiritual world before he could descend to Earth. Jakob Böhme describes, so to speak, a rudimentary form of the pre-earthly human being. Thus, in his work, there is an inability to truly understand the world within the human being, or the human being within the world.

[ 3 ] Sehen wir dann auf den poetisierenden Giordano Bruno, so finden wir eine in Bildern dargestellte Welterkenntnis grandioser Art. Wir finden auch den Versuch, den Menschen hineinzustellen in dieses grandiose Weltenbild, also wiederum den Versuch, die Welt im Menschen, den Menschen in der Welt zu erkennen. Aber es kommt nicht zu einer solchen Erkenntnis. Giordano Brunos mächtige Bilder sind schön und grandios, sie schweifen in Unendlichkeiten auf der einen Seite, und in Tiefen der menschlichen Seele auf der andern Seite. Aber sie bleiben unbestimmt, sie bleiben sogar verschwommen. Nach allem, was Giordano Bruno spricht, finden wir bei ihm ein Streben, den gegenwärtigen Menschen im räumlichen Weltenall und das räumliche Weltenall selbst darzustellen.

[ 3 ] If we then turn our attention to the poetic Giordano Bruno, we find a magnificent understanding of the world expressed through imagery. We also find an attempt to place humanity within this magnificent worldview—that is, once again, an attempt to recognize the world within humanity and humanity within the world. But such an understanding is not achieved. Giordano Bruno’s powerful images are beautiful and magnificent; they roam through infinities on the one hand, and into the depths of the human soul on the other. But they remain indefinite; they even remain blurred. In everything Giordano Bruno says, we find in him a striving to depict contemporary humanity within the spatial universe and the spatial universe itself.

[ 4 ] Während also Jakob Böhme auf den vorirdischen Menschen in ungenügender Art hinweist, sehen wir bei Giordano Bruno eine verschwommene Darstellung des Menschen, wie er auf Erden lebt, im Zusammenhange mit dem räumlichen, also auch für den irdischen Menschen bestehenden Kosmos, aber eben ungenügend. Denn eine wirklich genügend durchgreifende Anschauung des Verhältnisses des Menschen zum Kosmos für die Gegenwart gibt einen Ausblick auf den vorirdischen Menschen und einen Ausblick auf den nachirdischen Menschen, wie ich das vor einer kurzen Zeit hier am Goetheanum in dem sogenannten Französischen Kurs dargestellt habe.

[ 4 ] While Jakob Böhme refers to pre-earthly humanity in an inadequate manner, we find in Giordano Bruno a vague depiction of humanity as it lives on Earth, in connection with the spatial cosmos—that is, the cosmos that also exists for earthly humanity—but this, too, is inadequate. For a truly comprehensive view of the relationship between human beings and the cosmos in the present offers a glimpse of pre-earthly human beings and a glimpse of post-earthly human beings, as I outlined a short time ago here at the Goetheanum in the so-called French Course.

[ 5 ] Und sehen wir wiederum auf Baco von Verulam, Lord Bacon, dann finden wir, daß er eigentlich keine traditionellen Vorstellungen vom Menschen mehr hat. Von den alten Einblicken in die menschliche Natur, welche herübergekommen waren aus alten hellseherischen Anschauungen, und von den alten Mysterienwahrheiten, findet sich ja nichts bei Baco von Verulam. Aber Baco von Verulam wendet den Blick hinaus in die Welt, die für die Sinne wahrnehmbar ist, und teilt dem menschlichen Verstande die Mission zu, die Erscheinungen und die Dinge dieser Welt des Sinnendaseins zu kombinieren, Gesetze zu finden und so weiter. Er versetzt also die Anschauung der menschlichen Seele in diejenige Welt, in welcher der Mensch als Seele ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen, aber er gelangt da nur zu Bildern von der nichtmenschlichen Natur. Diese Bilder, wenn sie bloß, wie sie Lord Bacon nimmt, logisch und abstrakt genommen werden, stellen nur die äußere menschliche Natur dar. Wenn sie erlebt werden, dann werden sie allmählich zu etwas, was den Ausblick gibt auf des Menschen Dasein nach dem Tode. Denn gerade aus einer wirklichen Naturerkenntnis heraus kann eine exakt clairvoyante Anschauung über das Wesen des Menschen nach dem Tode gewonnen werden. So ist auch Bacon einer, der ringt nach jener Erkenntnis des Menschen in der Welt, der Welt im Menschen, um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert. Aber auch seine Kräfte bleiben ungenügend, denn dasjenige, was im bloßen Bilde auftritt, weil eine alte Realität im seelischen Erleben nicht mehr vorhanden ist, das intensivierte er nicht zu einem neuen Erleben. Er steht gewissermaßen vor der Pforte zur Erkenntnis des Lebens nach dem Tode, gelangt aber nicht an diese Erkenntnis heran.

[ 5 ] And if we turn once more to Baco of Verulam, Lord Bacon, we find that he no longer holds any traditional views of human nature. Indeed, nothing of the ancient insights into human nature—which had been passed down from ancient clairvoyant perspectives—nor of the ancient truths of the mysteries is to be found in Baco of Verulam. But Bacon of Verulam turns his gaze outward to the world perceptible to the senses and assigns to the human intellect the mission of combining the phenomena and things of this world of sensory existence, discovering laws, and so on. He thus transposes the perception of the human soul into that world in which the human being, as a soul, exists from falling asleep until waking up; but there he arrives only at images of non-human nature. These images, if taken merely in a logical and abstract sense—as Lord Bacon does—represent only external human nature. When they are experienced, however, they gradually become something that offers a glimpse into human existence after death. For it is precisely through a genuine understanding of nature that an accurate, clairvoyant insight into the nature of the human being after death can be gained. Thus, Bacon, too, was one who struggled for that understanding of humanity in the world and the world within humanity at the turn of the 16th to the 17th century. But even his powers prove insufficient, for he did not intensify into a new experience that which appears merely as an image—because an ancient reality is no longer present in spiritual experience. He stands, so to speak, at the threshold of knowledge of life after death, but does not attain this knowledge.

[ 6 ] So daß wir sagen können: Jakob Böhme gibt noch eine Erkenntnis in alten Traditionen über den vorirdischen Menschen, die aber ungenügend ist. Giordano Bruno steht vor einer Weltenschilderung, die ihm den gegenwärtigen Menschen geben könnte, den irdischen Menschen mit seinem Seelischen auf der einen Seite, mit seinem Hintergrunde des Kosmos auf der andern Seite. Allein, Giordano Bruno bleibt bei einer ungenügenden Schilderung des Kosmos und bei einer ebenso ungenügenden Schilderung des seelischen Lebens, das bei ihm zu einer bloßen belebten Monade zusammenschrumpft.

[ 6 ] So we can say: Jakob Böhme offers another insight into ancient traditions concerning pre-earthly human beings, but it is insufficient. Giordano Bruno is faced with a description of the world that could present him with modern humanity—the earthly human being with his soul on the one hand, and the cosmos as his backdrop on the other. However, Giordano Bruno remains stuck with an inadequate description of the cosmos and an equally inadequate description of spiritual life, which in his view shrinks to a mere animated monad.

[ 7 ] Lord Bacon zeigt bereits, wie Naturwissenschaft sich entwickeln muß, wie Naturwissenschaft aus der bloßen Materie heraus den Funken des Geistigen in freier menschlicher Erkenntnis suchen muß. Er deutet hin auf diese freie menschliche Erkenntnis, aber sie bekommt keinen Inhalt. Würde sie Inhalt bekommen, so müßte er hindeuten auf den nachirdischen Menschen. Das kann er nicht. Auch seine Erkenntnisfähigkeit bleibt unvermögend.

[ 7 ] Lord Bacon already shows how natural science must develop, how natural science must seek the spark of the spiritual within mere matter through free human knowledge. He points toward this free human knowledge, but it is given no substance. If it were to be given substance, he would have to point toward the post-earthly human being. He cannot do that. His capacity for knowledge, too, remains inadequate.

[ 8 ] All das, was in früheren Epochen der irdischen Menschheitsentwickelung an lebendiger Erkenntnis aus dem Innern hat geschöpft werden können, das war in jener Zeit vergangen. Der Mensch war gewissermaßen dazu gelangt, leer zu bleiben, wenn er in sein Inneres blickte und aus seinem Inneren Erkenntnis über die Welt gewinnen wollte. Der Mensch hatte, man darf schon sagen, in einer gewissen Weise sich selbst verloren, sich verloren mit dem inneren Erkenntnisleben. Und geblieben war ihm der Ausblick auf die äußere Welt, auf die äußere Natur, auf das, was nicht Mensch ist.

[ 8 ] All the living insight that could have been drawn from within during earlier epochs of humanity’s earthly development had passed away by that time. Human beings had, so to speak, come to find nothing when they looked within themselves and sought to gain insight into the world from within. One might even say that human beings had, in a certain sense, lost themselves—lost their inner life of insight. And all that remained for them was the view of the outer world, of outer nature, of that which is not human.

[ 9 ] Jakob Böhme hatte, wie ich gestern schon andeutete, aus der Volksweisheit heraus noch so etwas genommen wie dieses: In der menschlichen Wesenheit leben drei Prinzipien, die er Salz, Merkur, Sulfur nannte. Diese Worte bedeuten noch in seiner Sprache etwas ganz anderes als in unserer heutigen chemischen Sprache. Denn verbindet man die Begriffe, die heute in der Chemie üblich sind, mit dem, was Jakob Böhme in großartiger Weise stammelt, so hat dieses Jakob Böhmesche Stammeln überhaupt keinen Sinn mehr. Die Worte wurden für anderes gebraucht. Und wofür wurden sie gebraucht? Worauf deutete selbst noch ihr Gebrauch in der Volksweisheit hin, aus der Jakob Böhme geschöpft hat? Ja, indem Jakob Böhme von einem Wirken des Salzigen, des Merkurischen, des Sulfurigen im Menschen sprach, sprach er von etwas Konkretem, von Realem.

[ 9 ] As I hinted at yesterday, Jakob Böhme had drawn something like this from folk wisdom: Three principles live within the human being, which he called salt, mercury, and sulfur. In his language, these words still mean something entirely different from what they mean in our modern chemical terminology. For if one combines the terms commonly used in chemistry today with what Jakob Böhme so magnificently stammers, then this stammering of Jakob Böhme’s no longer makes any sense at all. The words were used to mean something else. And what did they mean? What did their very use in the folk wisdom from which Jakob Böhme drew indicate? Indeed, when Jakob Böhme spoke of the workings of the salty, the mercurial, and the sulfuric within the human being, he was speaking of something concrete, of something real.

[ 10 ] Wenn der Mensch heute von sich selber spricht, spricht er von dem Seelischen ganz in Abstraktionen, für die er keinen Inhalt mehr bekommt; die Realität, die Wirklichkeit war aus dem menschlichen Begriff hinweggegangen. Die letzten Brocken sozusagen sammelt Jakob Böhme noch auf. Die äußere Natur lag, für die Sinne wahrnehmbar, für den Verstand zu kombinieren, vor dem Menschen ausgebreitet. Aber in dieser äußeren Natur lernte man Vorgänge, lernte man Dinge kennen, und dann baute man in den folgenden Jahrhunderten bis heute auch den Menschen auf aus demjenigen, was man in der Natur hat erkennen können. Man mußte sozusagen den Menschen durch das Aufßermenschliche begreifen. Und indem man den Menschen durch dieses Außermenschliche zu begreifen suchte, baute man, ohne daß) man es wußte, ob das auch mit der menschlichen Wesenheit wirklich stimmt, seinen Körper auf.

[ 10 ] When people today speak of themselves, they speak of the spiritual realm entirely in terms of abstractions for which they can no longer find any substance; reality had vanished from human understanding. Jakob Böhme, so to speak, gathers up the last remnants of it. External nature lay spread out before humanity—perceptible to the senses and capable of being synthesized by the intellect. But in this external nature, people came to understand processes and things, and then, in the centuries that followed and up to the present day, they also constructed a conception of the human being based on what they had been able to recognize in nature. One had to, so to speak, understand human beings through what lies beyond the human. And in seeking to understand human beings through this non-human realm, one constructed one’s body without knowing whether this truly corresponded to human nature.

[ 11 ] Man bekommt in einer gewissen Weise eine Art Aufbau eines Menschengespenstes dadurch, daß man für die Vorgänge innerhalb der menschlichen Haut jene Vorgänge kombiniert, die man draußen in der sinnlichen Natur beobachtet. Aber auf diese Weise kommt man nicht mehr an den Menschen heran. Spricht man dann über den Menschen, so redet man wohl von Denken, Fühlen, Wollen, aber das bleiben Abstraktionen, das bleiben schattenhafte Gedankenbilder, von sogenannten inneren Erlebnissen ausgefüllt. Denn diese inneren Erlebnisse sind ja nur die Spiegelungen der äußeren Natur. Wie das Geistig-Seelische eingreift in die menschliche körperliche Wesenheit, davon hatte man eigentlich keine Ahnung mehr. Und was traditionell überliefert war aus alter hellseherischer Erkenntnis, das verstand man nicht mehr.

[ 11 ] In a certain sense, one ends up constructing a kind of “human specter” by combining, for the processes occurring within the human skin, those processes that one observes outside in the sensory world. But this approach no longer brings one closer to the human being. When one speaks of the human being, one may well speak of thinking, feeling, and willing, but these remain abstractions, shadowy mental images filled with so-called inner experiences. For these inner experiences are, after all, merely reflections of external nature. People actually no longer had any idea how the spiritual-soul aspect intervenes in the human physical being. And what had been traditionally handed down from ancient clairvoyant knowledge was no longer understood.

[ 12 ] Was hat dazu unsere heutige anthroposophische Geisteswissenschaft zu sagen? Erinnern Sie sich an manches, was darüber gesagt worden ist. Wir haben es zu tun im Menschen, wenn wir zunächst auf sein Körperliches hinschauen, mit solchen Vorgängen, die sich abspielen in Anlehnung an die Sinne. Wir haben es zu tun mit Vorgängen, die sich abspielen in Anlehnung an die Ernährung des Menschen. Und wir sehen auch solche Vorgänge, wo gewissermaßen die Ernährung mit der Sinneswahrnehmung zusammenfällt. Wenn der Mensch ißt, so nimmt er die Nahrungsmittel in sich auf. Die äußeren Stoffe der Natur also nimmt er in sich auf. Aber er schmeckt sie zugleich. Also eine Sinneswahrnehmung vermischt sich mit einem Vorgang, der von der äußeren Natur in den Menschen herein geschieht.

[ 12 ] What does our present-day anthroposophical spiritual science have to say about this? Recall some of what has been said on this subject. When we first look at the physical aspect of the human being, we are dealing with processes that take place in connection with the senses. We are dealing with processes that take place in connection with human nutrition. And we also see processes in which, so to speak, nutrition coincides with sensory perception. When a person eats, they take food into their body. Thus, they take in the external substances of nature. But at the same time, they taste them. In other words, a sensory perception is intertwined with a process that flows from the external natural world into the human being.

[ 13 ] Greifen wir einmal gerade diesen Vorgang heraus, daß in Begleitung der Geschmackswahrnehmungen sich die Ernährung vollzieht. Da finden wir zunächst, daß, während sich die Geschmackswahrnehmung abspielt und der Ernährungsvorgang eingeleitet wird, die äußeren Stoffe aufgelöst werden in den Säften, die im menschlichen Organismus enthalten sind. Die außeren Stoffe, welche die Pflanze aufnimmt aus der leblosen Natur, sind eigentlich, zunächst in ihren Prinzipien, alle gestaltet. Dasjenige auf der Erde, was nicht gestaltet ist in der leblosen Natur, ist eigentlich zerklüftet. Wir müssen eigentlich für alle Stoffe Kristalle suchen. Und diejenigen Stoffe, die wir nicht in kristallisierter Form, die wir gestaltenlos oder als Staub und dergleichen finden, die sind eigentlich zerstörte Kristallisationen. Und aus der kristallisierten leblosen Natur entnimmt die Pflanze ihre Stoffe und baut sie eben in der Form auf, welche die Pflanze haben kann. Daraus wiederum nimmt das Tier die Stoffe und so weiter. So daß wir sagen können: Draußen in der Natur hat alles seine Form, hat alles seine Gestaltungen. Indem der Mensch diese Gestaltungen aufnimmt, löst er sie auf. — Darin besteht die eine Form der Vorgänge, welche sich im Menschen vollzieht: im Auflösen der gestalteten äußeren Natur. Das alles geht gewissermaßen in das Wässerige, in das Flüssige über.

[ 13 ] Let us focus specifically on this process: that nutrition takes place in conjunction with taste perceptions. We find, first of all, that as the perception of taste takes place and the process of nutrition is initiated, the external substances are dissolved in the fluids contained within the human organism. The external substances that the plant absorbs from inanimate nature are, in their fundamental principles, all structured. That which is unstructured in inanimate nature on Earth is, in fact, fragmented. We must actually look for crystals in all substances. And those substances that we do not find in crystallized form—that we find formless or as dust and the like—are actually destroyed crystallizations. And from the crystallized inanimate nature, the plant draws its substances and builds them up precisely in the form that the plant can have. From this, in turn, the animal takes the substances, and so on. So we can say: Out in nature, everything has its form; everything has its structures. By taking in these structures, the human being dissolves them. — This is one form of the processes that take place within the human being: the dissolution of the structured external nature. All of this, so to speak, passes into the aqueous, into the liquid.

[ 14 ] Aber indem das nun in das Wässerige, in das Flüssige übergeht, wenn der Mensch es aufnimmt, bildet er innerlich diese Gestalten wiederum aus dem, was er erst aufgelöst hat. Er schafft diese Gestalten. Wenn wir Salz zu uns nehmen, lösen wir es auf durch das Flüssige unseres Organismus, aber wir gestalten in uns dasjenige, was das Salz war. Wenn wir eine Pflanze aufnehmen, so lösen wir die Stoffe der Pflanze auf, aber wir gestalten innerlich wiederum. Aber wir gestalten das jetzt nicht im Flüssigen, wir gestalten es im Ätherleib des Menschen.

[ 14 ] But as this now passes into the aqueous, into the liquid state when a person ingests it, he internally forms these shapes once again from what he has just dissolved. He creates these shapes. When we consume salt, we dissolve it through the fluids of our organism, but we form within ourselves that which the salt once was. When we consume a plant, we dissolve the plant’s substances, but we form them anew within ourselves. However, we do not form them in the fluid state; we form them in the human etheric body.

[ 15 ] Nun ist das Folgende der Fall: Wenn Sie sich zurückversetzen in alte Zeiten der Menschheitsentwickelung, da nahm der Mensch zum Beispiel Salz zu sich. Er löste es auf, das Aufgelöste gestaltete er in seinem Ätherleib wiederum. Er konnte aber innerlich diesen ganzen Prozeß wahrnehmen, das heißt, er konnte aus sich heraus den Gedanken an die Salzgestalt erleben. Der Mensch aß Salz, er löste das Salz auf, in seinem Ätherleib war der Salzwürfel, und er wußte daraus: das Salz hat die Gestalt des Würfels. Und so erlebte der Mensch, indem er innerlich sich erlebte, eben auch die Natur innerlich. Die Weltengedanken wurden seine Gedanken. Das, was er als Imagination erlebte, als traumhafte Imagination, waren im Menschen sich darstellende, ätherisch sich bildende Gestaltungen, die aber die Gestaltungen der Welt waren.

[ 15 ] Now, the following is true: If you think back to earlier times in human evolution, people consumed salt, for example. They dissolved it, and then reshaped what had been dissolved within their etheric body. But they could perceive this entire process inwardly; that is, they could experience the thought of the salt’s form from within themselves. A person ate salt, dissolved the salt, and in their etheric body was the cube of salt, and from this they knew: salt has the form of a cube. And so, by experiencing themselves inwardly, a person also experienced nature inwardly. The thoughts of the world became his thoughts. What he experienced as imagination—as dreamlike imagination—were forms manifesting within him, taking shape in the etheric, yet these were the very forms of the world.

[ 16 ] Jetzt war die Zeit heraufgezogen, durch welche dem Menschen diese Fähigkeit abhanden gekommen war, innerlich seinen Auflösungsprozeß und Wiedergestaltungsprozeß im Ätherischen zu erleben, und er wurde immer mehr und mehr angewiesen, die Frage an die äußere Natur zu stellen. Er konnte nicht mehr innerlich durch Anschauen erleben, daß das Salz in Würfelform gestaltet ist. Er mußte in der äußeren Natur nachforschen, welches die Gestalt des Salzes ist. So wurde der Mensch von innen abgelenkt und auf das Äußere gelenkt. Der radikale Umschwung zu diesem Zustande, daß der Mensch innerlich die Weltengedanken nicht mehr in Selbstwahrnehmung seines Ätherleibes erlebte, der vollzog sich eben seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts, und war zum Beispiel bis zu einer gewissen Höhe gestiegen in der Zeit, in der Giordano Bruno, Jakob Böhme und Baco von Verulam lebten.

[ 16 ] The time had now come when human beings had lost the ability to experience inwardly their process of dissolution and reconstitution in the etheric realm, and they were increasingly compelled to turn to the external natural world for answers. He could no longer experience inwardly, through contemplation, that salt is formed into cubes. He had to investigate in the external world what the form of salt is. Thus, human beings were diverted from within and directed toward the external. The radical shift to this state—in which human beings no longer experienced the world-ideas inwardly through self-perception of their etheric body—took place precisely from the beginning of the 15th century onward and had, for example, reached a certain peak during the time when Giordano Bruno, Jakob Böhme, and Bacon of Verulam lived.

[ 17 ] Jakob Böhme hatte aber noch eben die Brocken der Volksweisheit aufgenommen, die eigentlich so zu ihm gesprochen hat: Der Mensch löst alles, was er an äußeren Stoffen einnimmt, auf. Es ist ein Prozeß, so wie wenn man Salz in Wasser auflöst. Der Mensch tragt dieses Wasser in seiner Lebensflüssigkeit in sich. Alle Stoffe sind, insofern sie Nährstoffe sind, Salz. Das löst sich auf. Im Salz, in den Salzen sind die Weltengedanken auf der Erde ausgedrückt. Und der Mensch gestaltet wiederum diese Weltengedanken in seinem ätherischen Leibe. Das ist der Salzprozeß. So sprach Jakob Böhme stammelnd dasjenige aus, was in alten Zeiten eben durch innerliches Erleben noch erkannt worden war. Aber wenn man nicht mit den Mitteln der Anthroposophie hineinleuchtet in das, was Jakob Böhme sagt, so wird man die stammelnden Sätze doch nicht in der richtigen Weise entziffern können und allerlei mystisch-nebuloses Zeug hinein interpretieren. So daß man also besser sagen kann: Jakob Böhme brachte den Denkprozeß, den Vorgang, durch den man die Welt vorstellt in Bildern, mit dem Salzprozeß, mit dem Auflösungsprozesse und dem Wiedergestaltungsprozesse des Aufgelösten zusammen. Das war sein Salzprozeß.

[ 17 ] Jakob Böhme, however, had just taken up the fragments of folk wisdom that essentially spoke to him in this way: Human beings dissolve everything they take in from the external world. It is a process, just as when one dissolves salt in water. Human beings carry this water within themselves as their life fluid. All substances, insofar as they are nutrients, are salt. This dissolves. In salt—in the salts—the world-ideas are expressed on Earth. And human beings, in turn, shape these world-ideas in their etheric body. This is the salt process. Thus, stammering, Jakob Böhme articulated what had been recognized in ancient times through inner experience. But if one does not shed light on what Jakob Böhme says using the tools of anthroposophy, one will not be able to decipher these stammering sentences correctly and will instead interpret all sorts of mystical, nebulous nonsense into them. So it is better to say: Jakob Böhme linked the thought process—the process through which one conceives of the world in images—with the salt process, with the process of dissolution and the process of reconstitution of what has been dissolved. That was his salt process.

[ 18 ] Es ist manchmal, wenn es nicht zu gleicher Zeit eben den Hochmut vieler Leute verriete, rührend zu sehen, wie sie Jakob Böhme lesen und da, wo bei ihm das Wort Salz steht, irgend etwas zu verstehen glauben, während sie gar nichts verstehen. Dann kommen sie, halten den Kopf hoch, die Nase in die Lüfte und sagen, sie haben Jakob Böhme gelesen und das ist ungeheuer tiefe Weisheit. Aber diese Weisheit lebt nicht in den Interpreten, in denen, die solche Behauptungen aufstellen. Wenn es nicht hochmütig wäre, wäre es sogar rührend, wie die Leute über dasjenige sprechen, was Jakob Böhme selber nur noch annähernd verstanden hat, indem er die Volksweisheit aufgenommen und in stammelnde Sätze gebracht hat.

[ 18 ] It is sometimes touching—if it did not at the same time betray the arrogance of many people—to see how they read Jakob Böhme and, whenever the word “salt” appears in his writing, believe they understand something, when in fact they understand nothing at all. Then they come along, holding their heads high, their noses in the air, and say they have read Jakob Böhme and that it is immensely profound wisdom. But this wisdom does not dwell in the interpreters, in those who make such claims. If it weren’t so arrogant, it would even be touching to hear people speak about what Jakob Böhme himself only roughly understood, having taken up folk wisdom and expressed it in stammering sentences.

[ 19 ] Aber damit ist uns ja hingedeutet auf eine ganz andersgeartete Weisheit und Wissenschaft der alten Zeiten, auf eine Weisheit, die erlebt wurde, indem der Mensch die Selbstwahrnehmung der Vorgänge in seinem Ätherleib hatte, die sich ihm darstellten als die in ihm sich wiederholenden' Weltengedanken. Die Welt, aufgebaut nach den Gedanken, die wir verkörpert sehen in den Kristallisationen der Erde, die der Mensch wiederum gestaltet in seinem Ätherleib und erkennend miterlebt: das war jenes alte Erkennen, das verschwunden war in einer gewissen Zeit.

[ 19 ] But this points us to a wisdom and science of ancient times of a completely different nature—a wisdom that was experienced through human beings’ direct perception of the processes occurring in their etheric bodies, which presented themselves to them as the “world-thoughts” repeating within them. The world, structured according to the thoughts we see embodied in the Earth’s crystallizations—thoughts that human beings in turn shape within their etheric bodies and experience through insight—that was the ancient form of knowledge that had disappeared at a certain point in time.

[ 20 ] Versetzt man sich in ein altes Mysterium und lauscht der Schilderung, die ein solcher Mysterieneingeweihter vom Weltenall gegeben hat, dann wird einem so etwas geistig-seelisch hörbar — wie die Worte, die ich eben ausgesprochen habe: Überall im Weltenall wirken die Weltengedanken, wirkt der Logos. Schauet auf die Kristallisationen der Erde! In ihnen sind Verkörperungen der einzelnen Worte des universellen Logos.

[ 20 ] If one immerses oneself in an ancient mystery and listens to the description that such a mystery initiate has given of the universe, then something becomes audible to one’s spirit and soul—just like the words I have just spoken: Throughout the universe, the world-thoughts are at work; the Logos is at work. Look at the crystallizations of the Earth! Within them are embodiments of the individual words of the universal Logos.

[ 21 ] Der Geschmackssinn ist nur einer von den vielen Sinnen. Dasjenige, was der Mensch hört und was der Mensch sieht, ist in einer ähnlichen Weise zu behandeln, wenn auch da das Salz in einer mehr ätherischen Form schon äußerlich aufgefaßt werden muß. Aber der Mensch nimmt durch seine Sinne das, was in den Salzen verkörpert ist, auf und gestaltet es wieder in seinem Ätherleib, erlebt es in sich. Die Weltengedanken wiederholen sich in den Menschheitsgedanken, man erkennt die Welt im Menschen, den Menschen in der Welt. Mit einer ungeheuren Anschaulichkeit, mit einer konkreten Intensivität schilderten das aus ihren traumhaft-visionären Weltenerkenntnissen und Menschenerkenntnissen heraus die alten Eingeweihten.

[ 21 ] The sense of taste is just one of the many senses. What a person hears and what a person sees must be treated in a similar way, even though in these cases the salt must already be perceived externally in a more ethereal form. But through their senses, people take in what is embodied in the salts and reshape it in their etheric body, experiencing it within themselves. The thoughts of the world are echoed in the thoughts of humanity; one recognizes the world in the human being, and the human being in the world. The ancient initiates described this with tremendous vividness and concrete intensity, drawing upon their dreamlike, visionary insights into the world and into human nature.

[ 22 ] Das war im Verlaufe des Mittelalters allmählich verschwunden hinter einer bloß logischen Weisheit, die allerdings sehr bedeutend, aber eben eine bloß scholastische Weisheit gewesen ist, und es war hinuntergesickert und Volksweisheit geworden. Man möchte sagen, was einstmals eine hohe kosmische und humanistische Weisheit war, war übergegangen in die Volksaussprüche, die von Leuten getan wurden, die wenig mehr davon verstanden, die aber noch fühlten, daß ihnen da ein ungeheures Gut erhalten geblieben war. Und unter solchen Leuten lebte Jakob Böhme, nahm die Dinge auf, und durch sein eigenes Talent belebten sie sich in ihm, und er konnte mehr sagen als das Volk. Aber er konnte eben auch nur zum Stammeln kommen.

[ 22 ] Over the course of the Middle Ages, this had gradually disappeared behind a purely logical wisdom—which, while certainly very significant, was nonetheless merely scholastic—and it had seeped down to become folk wisdom. One might say that what was once a lofty cosmic and humanistic wisdom had been transformed into folk sayings, uttered by people who understood little more about it but who still sensed that an immense treasure had been preserved for them. And among such people lived Jakob Böhme; he absorbed these things, and through his own talent they came to life within him, enabling him to express more than the common people could. But he, too, could only manage to stammer.

[ 23 ] In Giordano Bruno lebte nichts mehr als das allgemeine Gefühl: Man muß den Kosmos erkennen, man muß den Menschen erkennen. Aber es reichte seine Erkenntnisfähigkeit nicht aus, so etwas Konkretes zu sagen wie: Weltengedanken sind draußen, ein Weltenlogos, der sich in den Kristallen verkörpert. Der Mensch nimmt die Weltengedanken auf, indem er wahrnehmend und sich erahnend auflöst das Salzige und es wiedererstehen läßt in seinem Ätherleib, wo er ihn erlebt, den konkreten Gedanken von der vielgestaltigen Welt, und jenen konkreten Gedanken von dem menschlichen Innern, aus dem aufsprießt, ätherisch ebenso reich sich gestaltend eine Welt — wie es die Welt draußen ist. Denken Sie sich diese unendlich reichen Gedanken! Der kosmische Gedanke und der menschliche Gedanke, sie schmolzen sozusagen zusammen bei Giordano Bruno zu einer allgemeinen Schilderung des Kosmos, die allerdings, wie ich sagte, in Unendlichkeiten schweifte, aber abstrakt war. Und was im Menschen lebt als die wiedergestaltete Welt, das schmolz zusammen zu der Schilderung der lebendigen Monade: im Grunde genommen ein ausgedehnter Punkt, weiter nichts.

[ 23 ] In Giordano Bruno, nothing remained but a general sense: one must understand the cosmos; one must understand humanity. But his capacity for understanding was not sufficient to state something as concrete as: World-ideas exist out there—a World-Logos that is embodied in crystals. Human beings take in the cosmic thoughts by perceiving and intuitively dissolving the salt element and allowing it to arise anew in their etheric body, where they experience it—the concrete thought of the multifaceted world, and that concrete thought of the human inner being, from which a world springs forth, taking shape just as richly in the etheric realm as the world outside is. Imagine these infinitely rich thoughts! The cosmic thought and the human thought—they merged, so to speak, in Giordano Bruno into a general description of the cosmos, which, as I said, did indeed wander into infinities, but was abstract. And what lives within the human being as the re-formed world merged into the description of the living monad: essentially an extended point, nothing more.

[ 24 ] Dieses, was ich Ihnen geschildert habe, war in einem gewissen Sinne Einsicht der alten Mysterienweisen. Es war ihre Wissenschaft. Aber außer dem, daß die alten Mysterienweisen durch ihre besondere, in Traum gehüllte Methode eine solche Wissenschaft erringen konnten, hatten sie ja auch noch die Möglichkeit, mit geistigen Wesenheiten des Kosmos in wirkliche Verbindung zu treten. So wie hier auf Erden ein Mensch mit dem andern in bewußte Verbindung tritt, so traten diese alten Weisen in Verbindung mit geistigen Wesenheiten des Kosmos. Und von diesen geistigen Wesenheiten lernten sie nun den andern Teil, den man bei ihnen findet: Sie lernten von diesen geistigen Wesenheiten, daß nur der Mensch dasjenige, was er so im Ätherleibe gestaltet, wodurch er eigentlich innerlich eine Wiederholung des Kosmos ist — ein kleiner Kosmos, ein Mikrokosmos, eine ätherische Wiedergeburt des großen, des Makrokosmos —, daß er, was er auf diese Weise als innerlichen Kosmos hat, in dem Elemente der Luft durch den Atmungsprozeß wiederum verglimmen macht, abdämmern macht.

[ 24 ] What I have described to you was, in a certain sense, the insight of the ancient mystery priests. It was their science. But apart from the fact that the ancient mystery sages were able to attain such knowledge through their special method, which was shrouded in dreams, they also had the ability to enter into genuine contact with spiritual beings of the cosmos. Just as here on Earth one person enters into conscious contact with another, so these ancient sages entered into contact with spiritual beings of the cosmos. And from these spiritual beings they learned the other aspect found in their teachings: They learned from these spiritual beings that only the human being shapes within the etheric body that which makes him, in essence, an inner repetition of the cosmos—a small cosmos, a microcosm, an etheric rebirth of the great macrocosm—that what they possess in this way as an inner cosmos is, through the process of breathing, caused to fade away and subside by the elements of air.

[ 25 ] Also der Mensch konnte lernen, wie die Welt in ihm wiedergeboren wird in vielen Gestalten, so daß er eine innerlich gestaltete Welt erlebte. Aus seinem innerlichen Lebenswasser tauchte ätherisch die ganze Welt innerlich auf (siehe Zeichnung, Linien). Das war altes Hellsehen. Das ist aber ein wirklicher Prozeß, ein wirklicher Vorgang. Und im neueren Menschen ist der Vorgang auch vorhanden, nur kann er ihn nicht innerlich erleben.

[ 25 ] Thus, human beings were able to learn how the world is reborn within them in many forms, so that they experienced an inner world of forms. From the waters of their inner life, the entire world emerged ethereally within them (see drawing, lines). That was the clairvoyance of old. But this is a real process, a real phenomenon. And this phenomenon is also present in modern human beings; they are simply unable to experience it inwardly.

[ 26 ] Jene Wesenheiten nun, mit denen der alte Weise wirkliche Verhältnisse eingehen konnte, die wiesen ihn nicht bloß auf sein Lebenswasser hin, aus dem heraus geboren wurde dieser Mikrokosmos, sondern auf seine Lebensluft, auf das, was der Mensch als Luft mit dem Atem aufnimmt und in seinem ganzen Organismus ausbreitet. Was da ausgebreitet wird, das ergießt sich gewissermaßen wiederum über diesen ganzen Mikrokosmos, macht die Gestalten, die drinnen sind, undeutlich (rote Schraffur auf der Zeichnung). Die wunderbar ätherisch gestaltete kleine Welt beginnt, indem der Atem über sie kommt, da und dort, man möchte sagen, abzudämmern, undeutlich zu werden. Das, was vielgestaltet war, wird eines, deshalb, weil in dem Luftförmigen der astralische Mensch lebt, so wie in dem Wässerigen der ätherische Mensch lebt. Der astralische Mensch lebt darinnen, und durch den Zusammenbruch der ätherischen Gedanken, durch die Umwandlung der ätherischen Gedanken in Kraft, durch das Astralische im Luftmenschen wird der Wille geboren, und mit dem Willen die Wachstumskräfte, die verwandt sind mit dem Willen.

[ 26 ] Those beings with whom the ancient sage was able to establish genuine relationships did not merely point him toward his water of life—from which this microcosm was born—but also toward his breath of life, toward that which human beings take in as air through their breathing and distribute throughout their entire organism. What is diffused in this way, in a sense, pours back over this entire microcosm, rendering the forms within it indistinct (red hatching in the drawing). The wonderfully ethereal little world begins, as the breath passes over it, here and there—one might say—to fade, to become indistinct. That which was multifaceted becomes one, because the astral human lives within the airy form, just as the etheric human lives within the watery form. The astral human lives within it, and through the collapse of the etheric thoughts, through the transformation of the etheric thoughts into force, through the astral within the air human, the will is born—and with the will, the forces of growth that are related to the will.

[ 27 ] Wiederum haben wir nicht das abstrakte Wort Wille, sondern einen konkreten Vorgang. Wir haben den konkreten Vorgang, daß das Astralische das Luftförmige ergreift und sich über dasjenige, was ätherisch-wässerig ist, ausbreitet. Und dadurch geschieht wirklich ein Prozeß, wie er äußerlich in der Natur sich darstellt auf einer andern Stufe, wenn das Gestaltete verbrannt wird. Diesen Prozeß aber faßte man in alten Zeiten als den Sulfurprozeß auf. Und aus dem Sulfurprozeß heraus entwickelte sich dasjenige, was dann seelisch erlebt wird als der menschliche Wille.

[ 27 ] Once again, we do not have the abstract term “will,” but rather a concrete process. We have the concrete process in which the astral takes hold of the airy and spreads out over that which is etheric-aquous. And through this, a process truly takes place, similar to what is observed externally in nature at another level when the formed substance is burned. In ancient times, however, this process was understood as the sulfur process. And out of the sulfur process developed what is then experienced in the soul as the human will.

[ 28 ] Man sagte in alten Zeiten nicht das abstrakte Wort Denken für etwas bloß Bildhaftes, sondern wenn man vom Denken sprach und ein wirklich Erkennender war, so sprach man von dem Ihnen eben geschilderten Salzprozeß. Man sprach nicht in abstrakter Weise von dem Willen, sondern man sprach, wenn man ein Erkennender war, von dem Erfassen des vom Astralischen durchsetzten Luftförmigen, von dem Sulfurprozeß, in dem der Wille urständet, der angeschaute Wille. Und man sagte, daß der Ausgleich zwischen beiden — denn es sind ja entgegengesetzte Vorgänge — durch den Merkurprozeß vollzogen wird, durch dasjenige, was gestaltet und flüssig ist, was hin- und herpendelt gewissermaßen von dem Ätherischen zu dem Astralischen, von dem Wässerigen zu dem Luftförmigen.

[ 28 ] In ancient times, people did not use the abstract term “thinking” to refer to something merely figurative; rather, when one spoke of thinking—and was truly a person of insight—one was referring to the salt process I have just described to you. People did not speak of “will” in an abstract sense; rather, if one was a true knower, one spoke of the grasping of the airy substance permeated by the astral, of the sulfur process in which will arises—the will that is directly perceived. And it was said that the balance between the two—for they are, after all, opposing processes—is achieved through the Mercury process, through that which is formative and fluid, which oscillates, as it were, back and forth from the etheric to the astral, from the aqueous to the airy.

[ 29 ] Solche abstrakten Ideen, wie sie die Scholastik allmählich ausgebildet hat und wie sie die moderne Naturwissenschaft übernommen hat, gab es ja für die alten Denker gar nicht. Solche alten Denker wären sich vorgekommen, wenn man ihnen unsere Begriffe von Denken, Fühlen und Wollen gegeben hätte, wie ein Laubfrosch, den man unter den ausgepumpten Rezipienten einer Luftpumpe, in einen luftleeren Raum setzt. So wären sich die alten Denker vorgekommen mit unseren abstrakten Begriffen. Sie hätten gedacht: Damit laßt sich ja nicht seelisch leben, da kann man ja nicht seelisch Luft schnappen. Es wäre für sie überhaupt gar nichts gewesen. Sie sprachen nicht von einem bloßen abstrakten Willensprozeß, von einem bloßen abstrakten Denkprozeß, sondern von einem Salzprozeß, von einem Sulfurprozeß, und meinten damit etwas, was auf der einen Seite geistig-seelisch, aber auf der andern Seite materiellätherisch war. Das war für sie eine Einheit, und sie durchschauten das Weltwirken, indem die Seele überall im Körperlichen wirkte, das Körperliche überall vom Seelischen ergriffen war.

[ 29 ] Such abstract ideas, as gradually developed by Scholasticism and adopted by modern natural science, did not even exist for the ancient thinkers. If one were to present such ancient thinkers with our concepts of thinking, feeling, and willing, they would have felt like a tree frog placed in a vacuum—among the emptied reservoirs of an air pump. That is how the ancient thinkers would have felt with our abstract concepts. They would have thought: One cannot live spiritually with these; one cannot catch one’s breath spiritually with them. It would have meant absolutely nothing to them. They did not speak of a mere abstract process of will, of a mere abstract process of thought, but of a salt process, of a sulfur process, and by this they meant something that was, on the one hand, spiritual-soul-like, but on the other hand, material-etheric. For them, this was a unity, and they perceived the workings of the world in such a way that the soul was active everywhere within the physical, and the physical was permeated everywhere by the soul.

[ 30 ] In den Schriften des Mittelalters, die hinaufreichen bis zum 13., 14., 15. Jahrhundert, da spukt noch nach diese alte Anschauung, die von Inhalt erfüllte, aber innerlich erlebte Erkenntnisse hatte. Die waren erstorben in der Zeit, in der Giordano Bruno, Jakob Böhme, Baco von Verulam lebten. Die Ideen waren abstrakt geworden. Der Mensch war angewiesen darauf, nicht mehr in sich hinein, sondern hinaus in die Natur zu schauen. Ich sagte Ihnen, die alten Denker wären sich mit unseren Ideen vorgekommen wie ein Laubfrosch unter dem Rezipienten der Luftpumpe. Aber wir können diese Ideen doch haben. Die meisten Menschen denken sich allerdings nichts, wenn sie von Denken, Fühlen und Wollen reden, als höchstens die Spiegelbilder der äußeren Natur, die im Menschen vorkommen. Aber man kann sich gerade in der neueren Zeit etwas erringen, was man in der alten Zeit nicht konnte. Man ist gewissermaßen von der Selbsttätigkeit, die von innen heraus zum Erkennen kommt, verlassen worden. In der Zwischenzeit, die sich da gebildet hat seit dem 15. Jahrhundert, findet der Mensch nichts mehr, wenn er bloß in sein Inneres schaut. Er schaut hinaus in die Natur, da macht er sich abstrakte Begriffe. Aber nun können diese abstrakten Begriffe eben äußerlich wiederum intensiviert werden, können wiederum zum Inhalt werden, weil sie erlebt werden können. Damit ist man ja allerdings jetzt erst im Anfange, aber diesen Anfang möchte anthroposophische Geisteserkenntnis machen.

[ 30 ] In the writings of the Middle Ages, which date back to the 13th, 14th, and 15th centuries, this old way of thinking still lingers—a way of thinking that was rich in content but based on insights experienced from within. These had died out by the time Giordano Bruno, Jakob Böhme, and Bacon of Verulam were alive. Ideas had become abstract. People were no longer encouraged to look within themselves, but rather out into nature. I told you that the ancient thinkers would have felt, faced with our ideas, like a tree frog beneath the receptacle of an air pump. But we can still hold onto these ideas. Most people, however, when they speak of thinking, feeling, and willing, conceive of nothing more than the reflections of external nature that occur within the human being. But especially in more recent times, one can attain something that was not possible in the past. In a sense, we have been abandoned by the self-activity that leads to knowledge from within. In the intervening period that has developed since the fifteenth century, human beings find nothing anymore when they look merely within themselves. They look out into nature, and there they form abstract concepts. But now these abstract concepts can, in turn, be intensified externally; they can once again become substance because they can be experienced. Of course, we are only at the very beginning of this process, but this is the beginning that anthroposophical spiritual knowledge seeks to establish.

[ 31 ] All die Prozesse aber, auf die ich Ihnen da hingedeutet habe, dieser Salzprozeß, dieser Sulfurprozeß, sind ja Prozesse, die sich in der außerlichen Natur gar nicht vollziehen. Es sind Prozesse, die der Mensch nur erkennen konnte in seinem Innern. In der äußeren Natur vollziehen sie sich nicht. In der äußeren Natur vollzieht sich etwas, was zu diesen Prozessen sich so verhält wie die Prozesse in einem Leichnam zu den Prozessen in dem lebenden Menschen.

[ 31 ] All the processes, however, to which I have referred—this salt process, this sulfur process—are, after all, processes that do not take place at all in external nature. They are processes that human beings can only perceive within themselves. They do not take place in external nature. In external nature, something takes place that relates to these processes in the same way that the processes in a corpse relate to the processes in a living human being.

[ 32 ] Wenn die heutige Chemie von Sulfurprozessen, von Salzprozessen redet, so verhalten sich diese Sulfur-, diese Salzprozesse zu dem, was Jakob Böhme noch aus der Volksweisheit aufnahm, wie sich die Vorgänge in einem Leichnam zu den Vorgängen im lebendigen Menschen verhalten. Es ist alles tot, wahrend diese alten Anschauungen innerliches Leben hatten. Man sah also hinein in eine neue Welt, die um den Erdenmenschen herum nicht ist. Dadurch aber hatte man die Gabe, mit Hilfe der selbsterlebten Erkenntnis dasjenige zu sehen, was nicht um den Erdenmenschen herum ist, sondern was einer andern Welt angehörte. In dem Augenblicke, wo man ernsthaftig etwas weiß über diese Salz- und Sulfurprozesse, sieht man eben hinein in das vorirdische Menschenleben. Denn das irdische Leben unterscheidet sich von dem vorirdischen Menschenleben dadurch, daß die lebendigen Sulfur- und Salzprozesse hier in der äußeren Sinneswelt als erstorben erscheinen. Was wir zwischen Geburt und Tod um uns herum durch unsere Sinne ertötet wahrnehmen, das ist in jenen Sulfur- und Salzprozessen lebendig, aber wir erleben es im vorirdischen Dasein. Das heißt, diese Prozesse, von denen Jakob Böhme noch stammelt, wirklich verstehen, gilt gleich mit dem Hineinschauen ins vorirdische Dasein.

[ 32 ] When modern chemistry speaks of sulfur processes and salt processes, these sulfur and salt processes stand in the same relationship to what Jakob Böhme drew from folk wisdom as the processes in a corpse do to those in a living human being. Everything is dead, whereas these ancient views possessed an inner life. One thus looked into a new world that does not exist around the earthly human being. Through this, however, one had the gift, with the help of firsthand experience, to see that which does not exist around the earthly human being, but rather belongs to another world. The moment one truly understands these salt and sulfur processes, one looks right into pre-earthly human life. For earthly life differs from pre-earthly human life in that the living sulfur and salt processes appear here in the outer sensory world as if they had died. What we perceive around us between birth and death through our senses—as if it were dead—is alive in those sulfur and salt processes, but we experience it in pre-earthly existence. This means that truly understanding these processes, about which Jakob Böhme still stammers, is tantamount to looking into pre-earthly existence.

[ 33 ] Daß Jakob Böhme von diesem vorirdischen Dasein nicht spricht, das kommt eben davon her, weil er es nicht wirklich, sondern eben nur stammelnd hatte. Diese Fähigkeit des Menschen, hineinzublikken in das vorirdische Dasein, ist verlorengegangen, vergangen damit auch jene Verbindung mit den geistigen Wesenheiten der Welt, die auf das nachirdische Dasein hinweisen aus dem Sulfurprozeß. Die ganze Seelenverfassung des Menschen ist eben eine andere geworden. Und in diese Umwandlung der Seelenverfassung waren Giordano Bruno, Jakob Böhme und Baco von Verulam hineingestellt.

[ 33 ] The reason Jakob Böhme does not speak of this pre-earthly existence is precisely because he did not truly possess it, but only had a vague sense of it. This human ability to glimpse into pre-earthly existence has been lost, and with it has also vanished that connection to the spiritual beings of the world who point toward post-earthly existence through the sulfur process. The entire constitution of the human soul has simply become different. And Giordano Bruno, Jakob Böhme, and Bacon of Verulam were immersed in this transformation of the soul’s constitution.

[ 34 ] Ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daß ja von der Art und Weise, wie der Mensch in älteren Epochen in die Welt hineingestellt war, heute die Menschen keinen blauen Dunst mehr haben. Daher würdigen sie Nachrichten, die aus verhältnismäßig gar nicht langer Vergangenheit herrühren, nicht stark. Ich habe hingewiesen auf die grandiose Idee von der Entstehung des Merlin. Wir können auch auf anderes hinweisen. Sehen Sie, wir führen jetzt das Dreikönigsspiel auf, haben es wiederholt aufgeführt. Aber diese Erzählung von dem Besuch der drei Könige bei dem Jesuskinde wird auch in dem altgermanischen Liede von dem «Heliand» gegeben. Sie wissen, das führt in verhältnismäßig frühe Zeiten des Mittelalters zurück, entsteht in Mitteleuropa. Aber da ist etwas sehr Merk würdiges. Da vernehmen wir, daß noch etwas anderes geknüpft wird an diesen Besuch der drei Könige aus dem Morgenlande. Die drei Könige erzählen nämlich im «Heliand», daß sie herkommen aus Gegenden, in denen es einmal ganz anders war als jetzt, das heißt, als in der Zeit zu Beginn unserer Zeitrechnung; denn sie seien die Nachkommen von Vorfahren, die noch unendlich viel weiser waren, als sie zu ihrer Zeit sein können. Und besonders einen Vorfahren haben sie, so erzählen diese drei Könige, der weit zurückliegt in der Zeit, aber dieser Vorfahr war noch ein solcher, der mit seinem Gotte Zwiesprache halten konnte. Und als er zu Tode kam, da versammelte dieser Vorfahr alle Glieder seiner weiten Familie und sagte ihnen, daß sein Gott ihm geoffenbart habe, es werde einstmals ein König der Welt erscheinen, den ein Stern ankündigen werde.

[ 34 ] I already pointed out yesterday that people today have no inkling of the way human beings were situated in the world in earlier eras. That is why they do not place much value on news that comes from a relatively recent past. I have pointed out the magnificent idea behind the origin of Merlin. We can also point to other examples. You see, we are now performing the Play of the Three Kings; we have staged it repeatedly. But this account of the Three Kings’ visit to the infant Jesus is also found in the Old High German poem Heliand. As you know, this dates back to the relatively early Middle Ages and originated in Central Europe. Yet there is something very noteworthy here. We learn that something else is connected to this visit by the Three Kings from the East. Namely, in the Heliand, the Three Kings recount that they come from regions where things were once very different from how they are now—that is, from the time at the beginning of our calendar—for they are the descendants of ancestors who were infinitely wiser than they themselves could ever be in their own time. And according to these three kings, they have one ancestor in particular who lived long ago, but this ancestor was one who could converse directly with his God. And when he was about to die, this ancestor gathered all the members of his extended family and told them that his God had revealed to him that a king of the world would one day appear, heralded by a star.

[ 35 ] Und wenn man nachforscht, wo ein äußeres Zeichen dieses Vorfahren ist, so findet man — sogar die Literatur weist uns darauf hin, man kann das auch äußerlich belegen —, daß es aus dem Alten Testament im vierten Buch Mose Bileam ist; daß also diese Heiligen Drei Könige, die Könige aus dem Morgenlande, den Bileam meinen, der ein Sohn Beors ist, von dem da im vierten Buch Mose erzählt wird, wie er mit seinem Gotte Zwiesprache hält, und wie er sein ganzes irdisches Leben einrichtet im Sinne der Zwiesprache mit seinem Gotte. Wenn wir die ganze Tatsache nehmen, so finden wir einfach, daß zu der Zeit, als der Heliand in Mitteleuropa entstanden ist, noch ein Bewußtsein davon lebte, daß einstmals die Menschen mit den Göttern verkehrt haben. Eine reale Vorstellung von diesem Vorgang lebte in den Menschen.

[ 35 ] And if one investigates what an outward sign of this ancestor is, one finds—as even the literature points out, and as can also be substantiated externally—that it is Balaam from the Old Testament, in the Book of Numbers; that is to say, these Three Wise Men, the kings from the East, refer to Balaam, the son of Beor, of whom the Book of Numbers tells how he converses with his God, and how he organizes his entire earthly life in accordance with this dialogue with his God. If we consider the entire matter, we simply find that at the time the Heliand was written in Central Europe, there was still a living awareness that people had once communed with the gods. A real conception of this process lived on in people.

[ 36 ] Da haben wir wiederum etwas, was für diese Menschen in der Anschauung von der Geschichte darinnen stand und was uns eben beweist, daß wir übergegangen sind aus älteren Zeitaltern, wo die Menschen noch in einer lebendigen Welt lebten, wie ich gestern andeutete, in das Zeitalter des Philisteriums. Denn unsere Zivilisation ist im Grunde genommen die allgemeine Philisterzivilisation. Auch diejenigen, die meinen, daß sie aus dieser Philisterzivilisation herauswachsen, sind keineswegs das Gegenteil des Philisters in dem Sinne, daß sie noch in Weltenzusammenhängen leben könnten, die so grandios sind, wie etwa die Idee von Merlin oder die Tradition von Bileam als dem Urahnen der Heiligen Drei Könige. O nein, Nichtphilister sind diese Menschen nicht, höchstens Bohemiens.

[ 36 ] Here again we have something that was part of these people’s view of history, and which proves to us that we have transitioned from earlier eras—when people still lived in a living world, as I hinted at yesterday—into the age of Philistianism. For our civilization is, in essence, the universal Philistine civilization. Even those who believe they are outgrowing this Philistine civilization are by no means the opposite of the Philistine in the sense that they could still live within cosmic contexts as grandiose as, for example, the idea of Merlin or the tradition of Balaam as the forefather of the Three Wise Men. Oh no, these people are not non-Philistines—at most, they are bohemians.

[ 37 ] Nun sehen Sie, wenn man diese Dinge sagt, dann merkt man erst, welch gewaltiger Umschwung sich in bezug auf Dinge, auf die man heute nicht die Aufmerksamkeit richtet, mit der Seelenverfassung der Menschheit vollzogen hat. Aber in gewissem Sinne hat man diese Dinge vorausgesehen. Was hat man denn schon vor Jahrhunderten gehabt? Man wußte, einstmals gab es ein, wenn auch traumhaftes Hellsehen. Da haben die Menschen hineingeschaut in solche Prozesse, wie den Sulfur-, wie den Salzprozeß. Dadurch haben sie sich die Möglichkeit erworben, in das präexistente Dasein hineinzuschauen.

[ 37 ] Now you see, when one says these things, one realizes for the first time what a tremendous shift has taken place in the state of humanity’s soul with regard to matters that do not attract our attention today. But in a certain sense, these things were foreseen. What did people already have centuries ago? People knew that there had once been a form of clairvoyance, albeit a dreamlike one. Through it, people were able to look into processes such as the sulfur process and the salt process. In this way, they gained the ability to look into pre-existing existence.

[ 38 ] Gewisse Leute, welche die Menschheit nicht aufwärts-, sondern abwärtsbringen wollten, die aber auch in einem gewissen Sinne eingeweiht waren, die sahen voraus: Diese Fähigkeit wird den Menschen verlorengehen, es wird eine Zeit kommen, wo die Menschen aus sich heraus nichts sagen können über das präexistente Leben. Und so haben sie dogmatisch festgesetzt: Es gibt überhaupt kein präexistentes Leben, des Menschen Seele wird geschaffen zugleich mit seiner physischen Erzeugung. Und die Tatsache der Präexistenz wurde dogmatisch in Dunkel gehüllt. Das war der erste Schritt, die erste Etappe, von der Erkenntnis des Menschen in der Welt zu der Unkenntnis des Menschen zu gehen. Denn man erkennt den Menschen nicht mehr, wenn man ein Stück von ihm wegnimmt, und noch dazu ein so wichtiges wie das präexistente Leben.

[ 38 ] Certain people, who wanted to lead humanity not upward but downward, yet who were also, in a certain sense, initiated, foresaw this: This ability will be lost to humanity; a time will come when people will be unable to say anything from within themselves about pre-existent life. And so they dogmatically decreed: There is no pre-existent life at all; the human soul is created at the same time as the physical body. And the fact of preexistence was dogmatically shrouded in darkness. That was the first step, the first stage, in moving from knowledge of the human being in the world to ignorance of the human being. For one no longer recognizes the human being when a part of him is taken away—and, moreover, a part as important as pre-existent life.

[ 39 ] Nun, Jakob Böhme und Giordano Bruno und Lord Bacon lebten in der Zeit, wo man diesen Ausblick auf das präexistente Leben zugedeckt hatte. Und sie lebten in einer Zeit, in der dasjenige noch nicht vorhanden war, was nun sich aufdecken sollte: nicht mehr das innerliche Erleben, sondern das geistige Anschauen der Außenwelt, so daß man in der Außenwelt den Menschen wiederfindet, der sich nicht mehr in seinem Inneren finden kann.

[ 39 ] Well, Jakob Böhme, Giordano Bruno, and Lord Bacon lived in an era when this perspective on pre-existent life had been obscured. And they lived in an era when what was now to be revealed did not yet exist: no longer the inner experience, but the spiritual contemplation of the external world, so that one finds in the external world the human being who can no longer find himself within.

[ 40 ] Wiederum gab es schon vor langer Zeit Eingeweihte, die aber den Menschen abwärts-, nicht aufwärtsführen wollten, und die nicht aufkommen lassen wollten diese neue Einsicht, welche die umgekehrte alte Clairvoyance ist, und die daher dogmatische Mittel suchten, um an die Stelle der neuen Erkenntnis den bloßen Glauben an das nachirdische Leben zu setzen, den bloßen Glauben. Und so hatte man in der Zeit, in der Giordano Bruno wirkte, durch Menschensatzungen getilgt die Möglichkeit einer Erkenntnis des vorirdischen Menschen, die Möglichkeit einer Erkenntnis des nachirdischen Menschen. Und Giordano Bruno stand da wie ein Ringender; denn er war ein Ringender, mehr als Jakob Böhme, mehr natürlich als Lord Bacon, und er stand da mit dem Menschen der Gegenwart und konnte nicht umformen das, was ihm als Dominikanerweisheit geblieben war, in eine wirkliche Weltenansicht. Er poetisierte dasjenige, was sich ihm in einer unbestimmten Weise als eine solche Weltenansicht ergab.

[ 40 ] Once again, there were initiates long ago who, however, sought to lead people downward rather than upward, and who did not want to allow this new insight—which is the reverse of the old clairvoyance—to emerge; and who therefore sought dogmatic means to replace this new knowledge with mere belief in the afterlife, mere belief. And so, during the time when Giordano Bruno was active, human laws had eradicated the possibility of gaining insight into the pre-earthly human being, as well as the possibility of gaining insight into the post-earthly human being. And Giordano Bruno stood there like a wrestler; for he was a wrestler, more so than Jakob Böhme, and certainly more so than Lord Bacon, and he stood there with the people of his time and was unable to transform what had remained to him as Dominican wisdom into a genuine worldview. He poeticized what presented itself to him in an indefinite way as such a worldview.

[ 41 ] Aber aus dem, was Giordano Bruno nur nebulos vor sich hatte, muß eben erstehen eine bestimmte Erkenntnis über die Welt im Menschen, über den Menschen in der Welt. Nicht in dem aus dem Inneren heraus wiedergeborenen Hellsehen, sondern aus dem frei errungenen Hellsehen heraus muß der ganze Mensch wiederum erkannt werden.

[ 41 ] But from what Giordano Bruno could only vaguely perceive, a definite understanding of the world within the human being—and of the human being within the world—must emerge. It is not through clairvoyance reborn from within, but through freely attained clairvoyance that the whole human being must once again be recognized.

[ 42 ] Damit habe ich Ihnen charakterisiert, was heraufziehen muß in der Menschheitsentwickelung. Und heute steht man vor der Tatsache, daß den Willen zum Heraufziehenlassen einer solchen Erkenntnis ungeheuer viele Menschen hassen, tief hassen, Feinde dieses Heraufziehens sind. Das kann auch historisch begriffen werden. Dann wird man begreifen, wie aus dem Innern heraus die feindseligen Gegnerschaften gegen anthroposophische Weltanschauung kommen.

[ 42 ] I have thus described to you what must emerge in the course of human evolution. And today we are faced with the fact that an immense number of people hate—deeply hate—the very will to allow such an insight to emerge; they are enemies of this emergence. This can also be understood historically. Then one will understand how the hostile opposition to the anthroposophical worldview arises from within.