Earthly Knowledge and Heavenly Insight
GA 221
18 February 1923, Dornach
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Erdenwissen und Himmelserkenntnis
9. Moralische Antriebe und physische Wirksamkeit im Menschenwesen. Das Erfassen eines Geistesweges
9. Moralische Antriebe und physische Wirksamkeit im Menschenwesen. Das Erfassen eines Geistesweges
[ 1 ] Es wurde öfter betont, daß der gegenwärtige historische Zeitpunkt der Menschheitsentwickelung der ist, in dem das intellektuelle Leben tonangebend geworden ist. Für diesen gegenwärtigen Zeitpunkt war vorbereitend die Zeit, die wir im Zusammenhange charakterisiert haben als den vierten nachatlantischen Zeitraum, als die griechisch-römische Zeit. Und Sie wissen ja: nach gewissen inneren Seeleneigentümlichkeiten der Menschen, die sich in diesen Zeitepochen entwickelt haben, rechnen wir den griechisch-römischen Zeitraum vom 8. vorchristlichen Jahrhundert bis zum 15. nachchristlichen Jahrhundert. Und seit jener Zeit nehmen wir denjenigen Zeitraum an, in dem wir mit der Seelenentwickelung der abendländischen Menschheit voll drinnenstehen, der uns also als der gegenwärtige historische Zeitmoment zu gelten hat.
[ 1 ] Es wurde öfter betont, daß der gegenwärtige historische Zeitpunkt der Menschheitsentwickelung der ist, in dem das intellektuelle Leben tonangebend geworden ist. Für diesen gegenwärtigen Zeitpunkt war vorbereitend die Zeit, die wir im Zusammenhange charakterisiert haben als den vierten nachatlantischen Zeitraum, als die griechisch-römische Zeit. Und Sie wissen ja: nach gewissen inneren Seeleneigentümlichkeiten der Menschen, die sich in diesen Zeitepochen entwickelt haben, rechnen wir den griechisch-römischen Zeitraum vom 8. vorchristlichen Jahrhundert bis zum 15. nachchristlichen Jahrhundert. Und seit jener Zeit nehmen wir denjenigen Zeitraum an, in dem wir mit der Seelenentwickelung der abendländischen Menschheit voll drinnenstehen, der uns also als der gegenwärtige historische Zeitmoment zu gelten hat.
[ 2 ] Nun war das ganze Verhältnis des Menschen zu der intellektualistischen Welt vor dem 15. Jahrhundert ein ganz anderes als später. Und wenn auch schon seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert die Färbung in der Menschenseelenstimmung zum intellektuellen Leben, die in Griechenland vorhanden war, in der Abendröte sich befand, so kommt doch überall auch noch in diesem zweiten Zeitraum des vierten nachatlantischen Zeitalters etwas von jener griechisch-römischen Seelenstimmung zum Ausdrucke, die allerdings nur voll erfaßt werden kann, wenn man sich gemütvoll fühlend hineinversetzt in das besonders Charakteristische des griechischen Menschen, wie er namentlich in jener Zeit war, die von der Geschichte ziemlich äußerlich geschildert wird im Ausgange des griechischen Lebens, in der Zeit etwa von Sokrates und Plato bis zum Ausgang des Griechentums.
[ 2 ] Nun war das ganze Verhältnis des Menschen zu der intellektualistischen Welt vor dem 15. Jahrhundert ein ganz anderes als später. Und wenn auch schon seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert die Färbung in der Menschenseelenstimmung zum intellektuellen Leben, die in Griechenland vorhanden war, in der Abendröte sich befand, so kommt doch überall auch noch in diesem zweiten Zeitraum des vierten nachatlantischen Zeitalters etwas von jener griechisch-römischen Seelenstimmung zum Ausdrucke, die allerdings nur voll erfaßt werden kann, wenn man sich gemütvoll fühlend hineinversetzt in das besonders Charakteristische des griechischen Menschen, wie er namentlich in jener Zeit war, die von der Geschichte ziemlich äußerlich geschildert wird im Ausgange des griechischen Lebens, in der Zeit etwa von Sokrates und Plato bis zum Ausgang des Griechentums.
[ 3 ] Man kann aus allem, was hindurchleuchtet durch die äußerliche, man möchte sagen, oberflächliche geschichtliche Darstellung, auch ohne geisteswissenschaftliche Vertiefung erkennen, daß der Grieche, wenn er das erreichte, was wir heute eine intellektuelle Anschauung von der Welt nennen, darin seine Freude, zum mindesten seine Befriedigung hatte, daß er glaubte, wenn er durch die verschiedenen damaligen Bildungsstufen hindurchgegangen war und imstande war, durch die Kraft des Intellektes sich ein Weltbild zu machen, mit dem Besitz dieses Weltbildes eine Erhöhung seines Menschtums erreicht zu haben. Er glaubte in einem besseren Sinne Mensch zu sein, wenn er die Welt intellektuell erfassen konnte, als wenn er nicht dazu imstande war. Die innere Freude und Befriedigung am intellektuellen Leben, die war in diesem vierten nachatlantischen Zeitraum vollständig vorhanden.
[ 3 ] Man kann aus allem, was hindurchleuchtet durch die äußerliche, man möchte sagen, oberflächliche geschichtliche Darstellung, auch ohne geisteswissenschaftliche Vertiefung erkennen, daß der Grieche, wenn er das erreichte, was wir heute eine intellektuelle Anschauung von der Welt nennen, darin seine Freude, zum mindesten seine Befriedigung hatte, daß er glaubte, wenn er durch die verschiedenen damaligen Bildungsstufen hindurchgegangen war und imstande war, durch die Kraft des Intellektes sich ein Weltbild zu machen, mit dem Besitz dieses Weltbildes eine Erhöhung seines Menschtums erreicht zu haben. Er glaubte in einem besseren Sinne Mensch zu sein, wenn er die Welt intellektuell erfassen konnte, als wenn er nicht dazu imstande war. Die innere Freude und Befriedigung am intellektuellen Leben, die war in diesem vierten nachatlantischen Zeitraum vollständig vorhanden.
[ 4 ] Und man kann das auch noch bei späteren Persönlichkeiten sehen. Man kann zum Beispiel bei dem Ihnen oft erwähnten Johannes Scotus Erigena aus dem 9. nachchristlichen Jahrhundert sehen an der Art und Weise, wie er seine Ideen faßt, wie er seine Ideen darstellt, daß er glaubt, in dieser Ideenerfassung etwas zu haben, worüber im Menschen eine innerliche Begeisterung aufleben kann. So war es ja, wenn auch dann eine etwas kältere Diskussion eingegriffen hat, durchaus noch der Fall bei denjenigen, die oftmals in Einsamkeit gegenüber der übrigen Welt in der Scholastik versuchten, auf intellektualistische Weise ein Weltbild zu erhalten. Und erst in den letzten Jahrhunderten ist es so geworden, daß eigentlich der Mensch glaubt, seine innere Seelenwärme zu verlieren, wenn er zum Intellektuellen aufsteigt. Wenn wir gar nicht weit zurückgehen, wenn wir zum Beispiel zurückgehen bis zu einer solchen intellektualistischen Weltauffassung, wie sie zum Beispiel bei Schiller vorliegt, ja selbst in der außerordentlich exakten Morphologie, wie sie Goethe ausgebildet hat, können wir noch sehen, wie solche Persönlichkeiten in auffälliger Weise zu einer ideell intellektualistischen Ausmalung des Weltbildes kamen, wie sie glaubten, erst da wahrhaft Mensch zu werden, wo sie innerliche Wärme in die Ideen hineintragen können. So blaß und kalt, wie die Ideenwelt heute oftmals empfunden wird, so wurde sie eben vor gar nicht langer Zeit noch nicht empfunden. Und das hängt allerdings zusammen mit einem bedeutsamen Entwickelungsgesetz der Menschheit. Es hängt damit zusammen, daß der Mensch zu der Ideenwelt, die intellektualistisch ausgebildet wird, selber ein ganz anderes Verhältnis bekommen hat, als er es früher hatte. Die Ideenwelt ging in einer früheren Zeit auf das Lebendige. Das Weltall wurde als ein Lebendiges angesehen. Man braucht nur eine wirkliche Einsicht in ältere Begriffsgebilde zu bekommen, so weiß man, daß das Tote eigentlich etwas war, was aus dem Lebendigen, das ausgebreitet gedacht wurde über die ganze Welt, herausfallend gedacht wurde, so wie wir etwa die Asche aus dem Verbrennenden herausfallend finden. Es war eine ganz andere Empfindung gegenüber dem Weltall beim Menschen vorhanden. Er sah das Weltenall als einen großen lebendigen Organismus an, und das Tote, also zum Beispiel die ganze Summe des mineralischen Reiches, sah er an wie die Asche, die herausgefallen ist aus dem Weltenprozesse, und die tot geworden ist, weil sie Abfall ist des Lebendigen.
[ 4 ] Und man kann das auch noch bei späteren Persönlichkeiten sehen. Man kann zum Beispiel bei dem Ihnen oft erwähnten Johannes Scotus Erigena aus dem 9. nachchristlichen Jahrhundert sehen an der Art und Weise, wie er seine Ideen faßt, wie er seine Ideen darstellt, daß er glaubt, in dieser Ideenerfassung etwas zu haben, worüber im Menschen eine innerliche Begeisterung aufleben kann. So war es ja, wenn auch dann eine etwas kältere Diskussion eingegriffen hat, durchaus noch der Fall bei denjenigen, die oftmals in Einsamkeit gegenüber der übrigen Welt in der Scholastik versuchten, auf intellektualistische Weise ein Weltbild zu erhalten. Und erst in den letzten Jahrhunderten ist es so geworden, daß eigentlich der Mensch glaubt, seine innere Seelenwärme zu verlieren, wenn er zum Intellektuellen aufsteigt. Wenn wir gar nicht weit zurückgehen, wenn wir zum Beispiel zurückgehen bis zu einer solchen intellektualistischen Weltauffassung, wie sie zum Beispiel bei Schiller vorliegt, ja selbst in der außerordentlich exakten Morphologie, wie sie Goethe ausgebildet hat, können wir noch sehen, wie solche Persönlichkeiten in auffälliger Weise zu einer ideell intellektualistischen Ausmalung des Weltbildes kamen, wie sie glaubten, erst da wahrhaft Mensch zu werden, wo sie innerliche Wärme in die Ideen hineintragen können. So blaß und kalt, wie die Ideenwelt heute oftmals empfunden wird, so wurde sie eben vor gar nicht langer Zeit noch nicht empfunden. Und das hängt allerdings zusammen mit einem bedeutsamen Entwickelungsgesetz der Menschheit. Es hängt damit zusammen, daß der Mensch zu der Ideenwelt, die intellektualistisch ausgebildet wird, selber ein ganz anderes Verhältnis bekommen hat, als er es früher hatte. Die Ideenwelt ging in einer früheren Zeit auf das Lebendige. Das Weltall wurde als ein Lebendiges angesehen. Man braucht nur eine wirkliche Einsicht in ältere Begriffsgebilde zu bekommen, so weiß man, daß das Tote eigentlich etwas war, was aus dem Lebendigen, das ausgebreitet gedacht wurde über die ganze Welt, herausfallend gedacht wurde, so wie wir etwa die Asche aus dem Verbrennenden herausfallend finden. Es war eine ganz andere Empfindung gegenüber dem Weltall beim Menschen vorhanden. Er sah das Weltenall als einen großen lebendigen Organismus an, und das Tote, also zum Beispiel die ganze Summe des mineralischen Reiches, sah er an wie die Asche, die herausgefallen ist aus dem Weltenprozesse, und die tot geworden ist, weil sie Abfall ist des Lebendigen.
[ 5 ] Diese Empfindung gegenüber der Welt ist nun allerdings in den letzten Jahrhunderten wesentlich anders geworden. Wissenschaftliches Erkennen zum Beispiel wird voll geachtet, oder wurde wenigstens immer voll geachtet, insofern es sich über das, was tot ist, verbreiten kann. Und immer mehr und mehr kam die Sehnsucht herauf, das Lebendige selbst nur als eine etwa chemische Verbindung aus Totem anzusehen. Die Idee einer Urzeugung aus Totem, die kam herauf.
[ 5 ] Diese Empfindung gegenüber der Welt ist nun allerdings in den letzten Jahrhunderten wesentlich anders geworden. Wissenschaftliches Erkennen zum Beispiel wird voll geachtet, oder wurde wenigstens immer voll geachtet, insofern es sich über das, was tot ist, verbreiten kann. Und immer mehr und mehr kam die Sehnsucht herauf, das Lebendige selbst nur als eine etwa chemische Verbindung aus Totem anzusehen. Die Idee einer Urzeugung aus Totem, die kam herauf.
[ 6 ] Ich habe es schon öfter erwähnt: Wenn man im Mittelalter trachtete, in der Retorte den Homunkulus darzustellen, so war dieser Gedanke der Darstellung eines Wesens aus Ingredienzien nicht als Urzeugung gedacht in dem Sinne, wie etwa die spätere Naturforschung von der Urzeugung gesprochen hat, sondern es war wie ein Herauszaubern eines bestimmten Lebendigen aus dem unbestimmten lebendigen All gedacht. Man dachte noch nicht das Weltenall als Mechanismus, als Totes. Deshalb glaubte man an die Möglichkeit, aus dem allgemeinen Lebendigen ein spezielles Lebendiges herausholen zu können. Aber an eine Zusammenfügung des Unlebendigen zum Lebendigen dachte eigentlich das mittelalterliche Gemüt noch nicht. Diese Dinge sind heute außerhalb der Geisteswissenschaft außerordentlich schwer zu durchschauen, weil der Mensch heute gewohnt ist, seine Begriffe so zu fassen, als ob sie eigentlich, nachdem die Menschheit Kindheitsstufen durchgemacht hat, nun so geworden wären, daß sie heute eben absolut richtig seien.
[ 6 ] Ich habe es schon öfter erwähnt: Wenn man im Mittelalter trachtete, in der Retorte den Homunkulus darzustellen, so war dieser Gedanke der Darstellung eines Wesens aus Ingredienzien nicht als Urzeugung gedacht in dem Sinne, wie etwa die spätere Naturforschung von der Urzeugung gesprochen hat, sondern es war wie ein Herauszaubern eines bestimmten Lebendigen aus dem unbestimmten lebendigen All gedacht. Man dachte noch nicht das Weltenall als Mechanismus, als Totes. Deshalb glaubte man an die Möglichkeit, aus dem allgemeinen Lebendigen ein spezielles Lebendiges herausholen zu können. Aber an eine Zusammenfügung des Unlebendigen zum Lebendigen dachte eigentlich das mittelalterliche Gemüt noch nicht. Diese Dinge sind heute außerhalb der Geisteswissenschaft außerordentlich schwer zu durchschauen, weil der Mensch heute gewohnt ist, seine Begriffe so zu fassen, als ob sie eigentlich, nachdem die Menschheit Kindheitsstufen durchgemacht hat, nun so geworden wären, daß sie heute eben absolut richtig seien.
[ 7 ] So sehr man über den heutigen Fortschritt spricht, es ist doch der Fall, daß der Mensch noch nie so starr war in seinen Begriffsbildungen, wie in diesem Zeitalter. Und es ist zuletzt im Grunde genommen ein subjektives Element, das den Menschen namentlich im Erkennen diese Starrheit gibt. Wenn der Mensch seine Begriffe, seine Ideen auf das Tote richtet, so ist das Tote ein rein Passives. Er, der Mensch, ist in der Lage, seine Begriffe hübsch bequem formen zu können, denn das Tote rührt sich nicht, und er kann seine physikalischen Begriffe ausbilden, ohne daß er, wenn er nun mit diesen Begriffen an die Natur geht, dadurch gestört wird, daß die Natur selbst in lebendiger Beweglichkeit ihn auffordert, in seinen Begriffen ebenso beweglich zu sein.
[ 7 ] So sehr man über den heutigen Fortschritt spricht, es ist doch der Fall, daß der Mensch noch nie so starr war in seinen Begriffsbildungen, wie in diesem Zeitalter. Und es ist zuletzt im Grunde genommen ein subjektives Element, das den Menschen namentlich im Erkennen diese Starrheit gibt. Wenn der Mensch seine Begriffe, seine Ideen auf das Tote richtet, so ist das Tote ein rein Passives. Er, der Mensch, ist in der Lage, seine Begriffe hübsch bequem formen zu können, denn das Tote rührt sich nicht, und er kann seine physikalischen Begriffe ausbilden, ohne daß er, wenn er nun mit diesen Begriffen an die Natur geht, dadurch gestört wird, daß die Natur selbst in lebendiger Beweglichkeit ihn auffordert, in seinen Begriffen ebenso beweglich zu sein.
[ 8 ] Goethe hat noch dieses Gefühl gehabt, daß man innerlich lebendige, nicht mit scharfen Konturen ausgestattete Begriffe haben müsse, die, wenn man sich an den Umkreis der Dinge begibt, um die einzelnen Dinge durch die Ideen zu erfassen, sich dem lebendigen beweglichen Sein und dem lebendigen beweglichen Wesen anpassen.
[ 8 ] Goethe hat noch dieses Gefühl gehabt, daß man innerlich lebendige, nicht mit scharfen Konturen ausgestattete Begriffe haben müsse, die, wenn man sich an den Umkreis der Dinge begibt, um die einzelnen Dinge durch die Ideen zu erfassen, sich dem lebendigen beweglichen Sein und dem lebendigen beweglichen Wesen anpassen.
[ 9 ] Der Mensch liebt heute, wenn man sich etwas paradox ausdrücken darf, in seinen Begriffen das Bequeme. Es ist so, daß dieses Hinneigen zum starren Begriff, zu dem Begriff, der in scharfen Konturen gefaßt werden kann, nur auf das Tote anwendbar ist, das sich nicht rührt und daher den Begriff starr sein läßt. Aber es ist doch so, daß dieses Leben in den starren Begriffen, die sich eigentlich um nichts äußerlich Lebendiges mehr kümmern, dennoch dem Menschen die Möglichkeit gegeben hat, innerlich das Bewußtsein der Freiheit zu erringen, wie ich das ja öfter ausgeführt habe.
[ 9 ] Der Mensch liebt heute, wenn man sich etwas paradox ausdrücken darf, in seinen Begriffen das Bequeme. Es ist so, daß dieses Hinneigen zum starren Begriff, zu dem Begriff, der in scharfen Konturen gefaßt werden kann, nur auf das Tote anwendbar ist, das sich nicht rührt und daher den Begriff starr sein läßt. Aber es ist doch so, daß dieses Leben in den starren Begriffen, die sich eigentlich um nichts äußerlich Lebendiges mehr kümmern, dennoch dem Menschen die Möglichkeit gegeben hat, innerlich das Bewußtsein der Freiheit zu erringen, wie ich das ja öfter ausgeführt habe.
[ 10 ] Zweierlei ist es eben, was heraufgekommen ist dadurch, daß der Mensch in seinen Begriffen völlig tot geworden ist. Auf der einen Seite das Bewußtsein der Freiheit, auf der anderen Seite die Möglichkeit, nun die starren Begriffe, die vom Toten genommen werden und nur auf das Tote anwendbar sind, in der großartigen triumphalen Technik anzuwenden, die ja darauf angewiesen ist, eine Verwirklichung des starren Ideensystems zu sein.
[ 10 ] Zweierlei ist es eben, was heraufgekommen ist dadurch, daß der Mensch in seinen Begriffen völlig tot geworden ist. Auf der einen Seite das Bewußtsein der Freiheit, auf der anderen Seite die Möglichkeit, nun die starren Begriffe, die vom Toten genommen werden und nur auf das Tote anwendbar sind, in der großartigen triumphalen Technik anzuwenden, die ja darauf angewiesen ist, eine Verwirklichung des starren Ideensystems zu sein.
[ 11 ] Das ist die eine Seite der Entwickelung, welche die neuere Menschheit durchgemacht hat. Man muß ebenso verstehen, wie der Mensch aus dem Lebendigen gewissermaßen sich herausgeschnürt hat, wie ihm das Lebendige fremd geworden ist, wie man auch einsehen muß: Wenn der Mensch dem Toten gegenüberzustehen hat, so hat er, wenn er nicht in dem Toten verbleiben will, sondern in sein Gemüt den Impuls des Lebendigen aufnehmen will, aus seiner eigenen Kraft dieses Lebendige zu finden.
[ 11 ] Das ist die eine Seite der Entwickelung, welche die neuere Menschheit durchgemacht hat. Man muß ebenso verstehen, wie der Mensch aus dem Lebendigen gewissermaßen sich herausgeschnürt hat, wie ihm das Lebendige fremd geworden ist, wie man auch einsehen muß: Wenn der Mensch dem Toten gegenüberzustehen hat, so hat er, wenn er nicht in dem Toten verbleiben will, sondern in sein Gemüt den Impuls des Lebendigen aufnehmen will, aus seiner eigenen Kraft dieses Lebendige zu finden.
[ 12 ] Wir können in alte Zeiten zurückgehen, da finden wir, daß dem Menschen jede Wolkenformung, der Blitz, der aus der Wolke zuckte, der Donner, der da rollte, die Pflanze, die wuchs und so weiter, daß die alle dem Menschen das Lebendige herbeitrugen, daß der Mensch gewissermaßen erkennend das Lebendige atmete und sich daher unwillkürlich im Lebendigen befand. Er brauchte das Lebendige nur von außen aufzunehmen. In der heutigen Zeit ist der Mensch, weil ihm das Äußere eben nach seiner Entwickelungsstufe, nach welcher seine Begriffenurdas Tote erfassen können, dieses Lebendige nicht mehr gibt, genötigt, dieses Lebendige aus dem innersten Wesen seines Lebens selber hervorzuholen, sich selber lebendig zu machen. Man kann eben nicht bloß theoretisch mit dem Verstande Geschichte erfassen. Da erscheint die Geschichte zu einförmig. Man muß sich mit der ganzen Seele hineinversetzen in die Art und Weise, wie die Menschen in verschiedenen Zeitepochen Geschichte erlebten. Und da wird man dann finden, welch gewaltiger Umschwung eingetreten ist von allen, wenn ich mich jetzt so ausdrücken darf, vorgriechischen Zeitaltern an, die wirja in unserer Anthroposophie zurückverfolgen bis zur atlantischen Zeit, also bis ins 7., 8. vorchristliche Jahrtausend, durch die griechische Zeit hin bis zu uns. Und ich möchte Ihnen heute diesen Umschwung in bezug auf das Fühlen des Menschen im Weltenall einfach einmal gegenständlich schildern. Ich möchte Ihnen schildern, wie sich dieser Umschwung im Fühlen der Menschenseele gegenüber dem Weltenall vor die geistige Anschauung hinstellt.
[ 12 ] Wir können in alte Zeiten zurückgehen, da finden wir, daß dem Menschen jede Wolkenformung, der Blitz, der aus der Wolke zuckte, der Donner, der da rollte, die Pflanze, die wuchs und so weiter, daß die alle dem Menschen das Lebendige herbeitrugen, daß der Mensch gewissermaßen erkennend das Lebendige atmete und sich daher unwillkürlich im Lebendigen befand. Er brauchte das Lebendige nur von außen aufzunehmen. In der heutigen Zeit ist der Mensch, weil ihm das Äußere eben nach seiner Entwickelungsstufe, nach welcher seine Begriffenurdas Tote erfassen können, dieses Lebendige nicht mehr gibt, genötigt, dieses Lebendige aus dem innersten Wesen seines Lebens selber hervorzuholen, sich selber lebendig zu machen. Man kann eben nicht bloß theoretisch mit dem Verstande Geschichte erfassen. Da erscheint die Geschichte zu einförmig. Man muß sich mit der ganzen Seele hineinversetzen in die Art und Weise, wie die Menschen in verschiedenen Zeitepochen Geschichte erlebten. Und da wird man dann finden, welch gewaltiger Umschwung eingetreten ist von allen, wenn ich mich jetzt so ausdrücken darf, vorgriechischen Zeitaltern an, die wirja in unserer Anthroposophie zurückverfolgen bis zur atlantischen Zeit, also bis ins 7., 8. vorchristliche Jahrtausend, durch die griechische Zeit hin bis zu uns. Und ich möchte Ihnen heute diesen Umschwung in bezug auf das Fühlen des Menschen im Weltenall einfach einmal gegenständlich schildern. Ich möchte Ihnen schildern, wie sich dieser Umschwung im Fühlen der Menschenseele gegenüber dem Weltenall vor die geistige Anschauung hinstellt.
[ 13 ] Wenn wir zurückgehen in ältere Zeiten — die äußere Geschichte zeigt nur noch Spuren davon, man muß da schon geisteswissenschaftlich durch die Methoden, die wir ja kennengelernt haben, in die Sache eindringen, um das einzusehen —, wenn wirzurückgehen zu dem Menschen der vorgriechischen Zeit, etwa zur ägyptischen Kultur, zur babylonisch-chaldäischen Kultur oder gar zur urpersischen Kultur, finden wir überall, daß beim Menschen die Empfindung vorliegt, er sei aus einem vorgeburtlichen, aus einem vorirdischen Leben auf die Erde heruntergestiegen. Und was Götter in ihn verpflanzt hatten im vorirdischen Leben, das trägt er noch als eine Nachwirkung in sich.
[ 13 ] Wenn wir zurückgehen in ältere Zeiten — die äußere Geschichte zeigt nur noch Spuren davon, man muß da schon geisteswissenschaftlich durch die Methoden, die wir ja kennengelernt haben, in die Sache eindringen, um das einzusehen —, wenn wirzurückgehen zu dem Menschen der vorgriechischen Zeit, etwa zur ägyptischen Kultur, zur babylonisch-chaldäischen Kultur oder gar zur urpersischen Kultur, finden wir überall, daß beim Menschen die Empfindung vorliegt, er sei aus einem vorgeburtlichen, aus einem vorirdischen Leben auf die Erde heruntergestiegen. Und was Götter in ihn verpflanzt hatten im vorirdischen Leben, das trägt er noch als eine Nachwirkung in sich.
[ 14 ] Der Mensch fühlte sich damals eigentlich so auf der Erde, daß er sich sagte: Hier auf der Erde stehe ich. Bevor ich auf der Erde stand, war ich in einer geistig-seelischen Welt, bildhaft gesprochen in einer Lichtwelt. In meinem Innern leuchtet geheimnisvoll noch jenes Licht fort. Ich bin gewissermaßen als Mensch die Umhüllung des göttlichen Lichtes, das noch in mir fortlebt. — Und so war sich der Mensch bewußt, daß ein Göttliches mit ihm selber auf die Erde heruntergestiegen war. Er sagte eigentlich nicht — das ist selbst philosophisch nachzuweisen —: Ich stehe hier auf der Erde, sondern er sagte eigentlich: Ich Mensch umhülle den Gott, der sich auf die Erde gestellt hat. — Das war eigentlich sein Bewußtsein. Und je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, desto mehr finden wir dieses Bewußtsein: Ich Mensch auf der Erde umhülle den Gott, der herabgestiegen ist. — Denn das Göttliche war ein Vielfältiges. Und man möchte sagen: Die letzten Götter in der Götterhierarchie, die bis zur Erde herabreichten, waren für das alte Bewußtsein die Menschen selbst. Und derjenige, der nicht in äußerlicher Weise, in der schauerlich äußerlichen Weise etwa, wie Deußen die orientalische Kultur für Europa verballhornt hat, sondern wer in einer wirklich nachfühlenden Art gewahr wird, mit welchem Bewußtsein der alte Inder gesprochen hat, wenn er sein Brahman in sich fühlte, das er umhüllte, der wird auch nachempfinden können, wie das im menschlichen Seelenleben in alten Zeiten eigentlich war.
[ 14 ] Der Mensch fühlte sich damals eigentlich so auf der Erde, daß er sich sagte: Hier auf der Erde stehe ich. Bevor ich auf der Erde stand, war ich in einer geistig-seelischen Welt, bildhaft gesprochen in einer Lichtwelt. In meinem Innern leuchtet geheimnisvoll noch jenes Licht fort. Ich bin gewissermaßen als Mensch die Umhüllung des göttlichen Lichtes, das noch in mir fortlebt. — Und so war sich der Mensch bewußt, daß ein Göttliches mit ihm selber auf die Erde heruntergestiegen war. Er sagte eigentlich nicht — das ist selbst philosophisch nachzuweisen —: Ich stehe hier auf der Erde, sondern er sagte eigentlich: Ich Mensch umhülle den Gott, der sich auf die Erde gestellt hat. — Das war eigentlich sein Bewußtsein. Und je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, desto mehr finden wir dieses Bewußtsein: Ich Mensch auf der Erde umhülle den Gott, der herabgestiegen ist. — Denn das Göttliche war ein Vielfältiges. Und man möchte sagen: Die letzten Götter in der Götterhierarchie, die bis zur Erde herabreichten, waren für das alte Bewußtsein die Menschen selbst. Und derjenige, der nicht in äußerlicher Weise, in der schauerlich äußerlichen Weise etwa, wie Deußen die orientalische Kultur für Europa verballhornt hat, sondern wer in einer wirklich nachfühlenden Art gewahr wird, mit welchem Bewußtsein der alte Inder gesprochen hat, wenn er sein Brahman in sich fühlte, das er umhüllte, der wird auch nachempfinden können, wie das im menschlichen Seelenleben in alten Zeiten eigentlich war.
[ 15 ] Daraus aber entwickelte sich dasjenige Bewußtsein, welches im Menschen gegenüber dem göttlichen Vater, dem Vatergotte, vorhanden war. Der Mensch selber fühlte sich als eine Art Göttersohn. Nicht das am Menschen fühlte er so, was in Fleisch und Blut dastand, aber dasjenige, was Fleisch und Blut umhüllte, was ja nach der Anschauung verschiedener Menschen der alten Zeit allerdings sich nicht würdig machte, den Gott zu umhüllen. Nicht diesen Menschen in Fleisch und Blut betrachtete er als ein Göttliches, aber dasjenige, was hereinragte aus einer geistigen Welt in diesen physisch-irdischen Menschen, in den Menschen aus Fleisch und Blut.
[ 15 ] Daraus aber entwickelte sich dasjenige Bewußtsein, welches im Menschen gegenüber dem göttlichen Vater, dem Vatergotte, vorhanden war. Der Mensch selber fühlte sich als eine Art Göttersohn. Nicht das am Menschen fühlte er so, was in Fleisch und Blut dastand, aber dasjenige, was Fleisch und Blut umhüllte, was ja nach der Anschauung verschiedener Menschen der alten Zeit allerdings sich nicht würdig machte, den Gott zu umhüllen. Nicht diesen Menschen in Fleisch und Blut betrachtete er als ein Göttliches, aber dasjenige, was hereinragte aus einer geistigen Welt in diesen physisch-irdischen Menschen, in den Menschen aus Fleisch und Blut.
[ 16 ] Und so war vor allen Dingen das Verhältnis zum Vatergotte etwas, was als das religiöse Verhältnis empfunden wurde. Und die höchste Würde in den alten Mysterien war diejenige des Vaters. In den meisten orientalischen Mysterien unterschied man ja sieben Grade, durch die der Einzuweihende aufzusteigen hatte. Der erste Grad war derjenige, durch den er sich bloß vorzubereiten hatte, wo er sich eine Seelenverfassung anzueignen hatte, durch die er überhaupt erst verstehen konnte, was ihm in den Mysterien gezeigt worden ist. Die folgenden Grade bis zum vierten Grade hatten ihn dann dazu gebracht, vollständig zu erfassen, was seine Volksseele war, so daß er sich nicht mehr als der einzelne Mensch fühlte, sondern als der Angehörige einer Menschengruppe. Und indem er dann zu den höheren Graden, zu dem fünften, sechsten Grad aufschritt, fühlte er sich immer mehr und mehr als der Umhüller des Göttlichen. Und der höchste Grad war der Vater. Das waren diejenigen Persönlichkeiten, die in ihrem äußeren Leben und in ihrem äußeren Dasein gewissermaßen eine Verwirklichung sein sollten dessen, was der Mensch als das göttliche Urprinzip fühlte, das er in einem wirklichen Sinne zu sich selbst in eine Beziehung setzte. Es war die äußere geistige Kultur ganz angepaßt diesem Mittelpunkte des religiösen Lebens: im Bewußtsein des Menschen ein Verhältnis zum väterlichen Schöpfungsprinzip zu fühlen. Und dementsprechend fühlte der Mensch alles dasjenige, was er auch im Innern begreifen konnte; das Licht der Erkenntnis, das ihm aufgehen konnte, fühlte er wie ihm übermacht von Gott dem Vater. Er fühlte gewissermaßen in seinem eigenen Verstande fortwirkend Gott den Vater. Daraufhin war aller Kultus eingerichtet, der ja nur ein Abbild war von dem, was in den Mysterien als Erkenntnisweg gegangen werden konnte.
[ 16 ] Und so war vor allen Dingen das Verhältnis zum Vatergotte etwas, was als das religiöse Verhältnis empfunden wurde. Und die höchste Würde in den alten Mysterien war diejenige des Vaters. In den meisten orientalischen Mysterien unterschied man ja sieben Grade, durch die der Einzuweihende aufzusteigen hatte. Der erste Grad war derjenige, durch den er sich bloß vorzubereiten hatte, wo er sich eine Seelenverfassung anzueignen hatte, durch die er überhaupt erst verstehen konnte, was ihm in den Mysterien gezeigt worden ist. Die folgenden Grade bis zum vierten Grade hatten ihn dann dazu gebracht, vollständig zu erfassen, was seine Volksseele war, so daß er sich nicht mehr als der einzelne Mensch fühlte, sondern als der Angehörige einer Menschengruppe. Und indem er dann zu den höheren Graden, zu dem fünften, sechsten Grad aufschritt, fühlte er sich immer mehr und mehr als der Umhüller des Göttlichen. Und der höchste Grad war der Vater. Das waren diejenigen Persönlichkeiten, die in ihrem äußeren Leben und in ihrem äußeren Dasein gewissermaßen eine Verwirklichung sein sollten dessen, was der Mensch als das göttliche Urprinzip fühlte, das er in einem wirklichen Sinne zu sich selbst in eine Beziehung setzte. Es war die äußere geistige Kultur ganz angepaßt diesem Mittelpunkte des religiösen Lebens: im Bewußtsein des Menschen ein Verhältnis zum väterlichen Schöpfungsprinzip zu fühlen. Und dementsprechend fühlte der Mensch alles dasjenige, was er auch im Innern begreifen konnte; das Licht der Erkenntnis, das ihm aufgehen konnte, fühlte er wie ihm übermacht von Gott dem Vater. Er fühlte gewissermaßen in seinem eigenen Verstande fortwirkend Gott den Vater. Daraufhin war aller Kultus eingerichtet, der ja nur ein Abbild war von dem, was in den Mysterien als Erkenntnisweg gegangen werden konnte.
[ 17 ] Nun kam die griechische Zeit. Im Griechen haben wir den reinsten Repräsentanten dieser Menschheitsstufe, die sich herausentwickelte aus den Menschen mit jenen älteren Seelenverhältnissen, die ich eben geschildert habe. Der Grieche fühlte den Menschen mehr als Mensch, nicht mehr bloß als die Hülle des Göttlichen. Aber es ist dieses griechische Gefühl so, daß derjenige, der durch die griechische Schulung, sagen wir jetzt durch die griechische Vernunftschulung durchgegangen war, oder auch, der durch das griechische Künstlertum, oder durch das griechische religiöse Leben durchgegangen war, gewissermaßen fühlte, daß das Göttliche restlos in dem Menschen aufgegangen war. Der Grieche fühlte sich nicht mehr als die Umhüllung des Gottes, sondern fühlte sich als die Darstellung des Gottes. Nur wurde das nicht mehr in derselben unverhüllten Weise ausgesprochen, wie in den älteren Zeiten das andere. In Griechenland war es so, daß eigentlich erst dem Mystetienschüler auf einer bestimmten Stufe enthüllt wurde: Du bist als Mensch ein göttliches Wesen, ein Göttersohn. — Und man betrachtete es als unmöglich, dem unvorbereiteten Menschen dieses Geheimnis der Menschwerdung darzustellen. Aber der eingeweihte Grieche sah das so an; daher diese Grundempfindung. Es war eben nicht eine Idee, die in klaren Konturen auftrat, sondern eine seelische Grundempfindung.
[ 17 ] Nun kam die griechische Zeit. Im Griechen haben wir den reinsten Repräsentanten dieser Menschheitsstufe, die sich herausentwickelte aus den Menschen mit jenen älteren Seelenverhältnissen, die ich eben geschildert habe. Der Grieche fühlte den Menschen mehr als Mensch, nicht mehr bloß als die Hülle des Göttlichen. Aber es ist dieses griechische Gefühl so, daß derjenige, der durch die griechische Schulung, sagen wir jetzt durch die griechische Vernunftschulung durchgegangen war, oder auch, der durch das griechische Künstlertum, oder durch das griechische religiöse Leben durchgegangen war, gewissermaßen fühlte, daß das Göttliche restlos in dem Menschen aufgegangen war. Der Grieche fühlte sich nicht mehr als die Umhüllung des Gottes, sondern fühlte sich als die Darstellung des Gottes. Nur wurde das nicht mehr in derselben unverhüllten Weise ausgesprochen, wie in den älteren Zeiten das andere. In Griechenland war es so, daß eigentlich erst dem Mystetienschüler auf einer bestimmten Stufe enthüllt wurde: Du bist als Mensch ein göttliches Wesen, ein Göttersohn. — Und man betrachtete es als unmöglich, dem unvorbereiteten Menschen dieses Geheimnis der Menschwerdung darzustellen. Aber der eingeweihte Grieche sah das so an; daher diese Grundempfindung. Es war eben nicht eine Idee, die in klaren Konturen auftrat, sondern eine seelische Grundempfindung.
[ 18 ] Diese seelische Grundempfindung finden wir dann in der griechischen Kunst, welche die Götter so darstellt, daß sie eben idealisierte Menschen werden. Dieses Darstellen des Göttlichen durch idealisierte Menschen geht durchaus aus dieser Grundempfindung hervor. So daß der Grieche, man möchte sagen, in die Keuschheit des Gefühles und Gemütes sein Verhältnis zum Göttlichen zurückgenommen hat.
[ 18 ] Diese seelische Grundempfindung finden wir dann in der griechischen Kunst, welche die Götter so darstellt, daß sie eben idealisierte Menschen werden. Dieses Darstellen des Göttlichen durch idealisierte Menschen geht durchaus aus dieser Grundempfindung hervor. So daß der Grieche, man möchte sagen, in die Keuschheit des Gefühles und Gemütes sein Verhältnis zum Göttlichen zurückgenommen hat.
[ 19 ] Nun tritt, nachdem die griechische Weltanschauung völlig in ihre Abendröte getaucht war, mit dem 15. Jahrhundert eine ganz andere Seelenstimmung auf. Der Mensch fühlt sich auf der Erde nicht mehr als eine Umhüllung des Göttlichen, auch nicht mehr als eine Darstellung des Göttlichen wie der Grieche, sondern er fühlt sich als ein Wesen, das mehr von unteren unvollkommenen Stufen zu der Menschwerdung aufgestiegen ist, und das nur aufschauen kann zu einem jenseitigen Göttlichen. Und der neuere Mensch gründet eine Naturwissenschaft, die zwar aus dieser Grundempfindung hervorgeht, deren Verhältnis aber zu sich selbst er noch nicht finden konnte. Und es ist gerade Aufgabe der Anthroposophie, dieses Verhältnis des Menschen zu sich selber und zum Göttlichen wiederum zu finden. Wir können uns dieses Finden in der folgenden Weise vergegenwärtigen. Wir können uns einmal versetzen in die Seele des vorgriechischen Menschen. Er wird sagen: Ich umhülle ein Göttliches. Ich kann dieses Göttliche, indem ich es mit menschlichem Fleisch und Blut umhülle, auf der Erde nur unwürdiger darstellen, als es in Wahrheit ist. Ich kann es gewissermaßen nur herabwürdigen. Ich muß mich, wenn ich das Göttliche in mir rein darstellen will, reinigen. Ich muß eine Art Katharsis durchmachen, mich reinigen, damit der Gott in mir möglichst gut zur Geltung kommt. — Aber im Grunde genommen ist es ein Zurückgehen zu dem väterlichen Urprinzip, was ja auch in manchem religiösen Leben des Altertums dadurch zum Vorschein kommt, daß die Menschen die Idee haben, sie gehen zurück nach dem Tode zu den Vorfahren, zu weit zurückliegenden Vorfahren. Es ist durchaus im religiösen Leben dieser Zug nach dem väterlichen Urschöpfungsprinzip. Der Mensch fühlt sich noch nicht ganz heimisch auf der Erde. Es ist aber auch noch nicht vorhanden das Streben, aus einer fremden Menschenposition heraus, möchte ich sagen, zu dem jenseitigen Göttlichen hin. Es ist das Streben vielmehr, den Menschen rein darzustellen, weil man meint, dann komme der Gott zum Vorschein.
[ 19 ] Nun tritt, nachdem die griechische Weltanschauung völlig in ihre Abendröte getaucht war, mit dem 15. Jahrhundert eine ganz andere Seelenstimmung auf. Der Mensch fühlt sich auf der Erde nicht mehr als eine Umhüllung des Göttlichen, auch nicht mehr als eine Darstellung des Göttlichen wie der Grieche, sondern er fühlt sich als ein Wesen, das mehr von unteren unvollkommenen Stufen zu der Menschwerdung aufgestiegen ist, und das nur aufschauen kann zu einem jenseitigen Göttlichen. Und der neuere Mensch gründet eine Naturwissenschaft, die zwar aus dieser Grundempfindung hervorgeht, deren Verhältnis aber zu sich selbst er noch nicht finden konnte. Und es ist gerade Aufgabe der Anthroposophie, dieses Verhältnis des Menschen zu sich selber und zum Göttlichen wiederum zu finden. Wir können uns dieses Finden in der folgenden Weise vergegenwärtigen. Wir können uns einmal versetzen in die Seele des vorgriechischen Menschen. Er wird sagen: Ich umhülle ein Göttliches. Ich kann dieses Göttliche, indem ich es mit menschlichem Fleisch und Blut umhülle, auf der Erde nur unwürdiger darstellen, als es in Wahrheit ist. Ich kann es gewissermaßen nur herabwürdigen. Ich muß mich, wenn ich das Göttliche in mir rein darstellen will, reinigen. Ich muß eine Art Katharsis durchmachen, mich reinigen, damit der Gott in mir möglichst gut zur Geltung kommt. — Aber im Grunde genommen ist es ein Zurückgehen zu dem väterlichen Urprinzip, was ja auch in manchem religiösen Leben des Altertums dadurch zum Vorschein kommt, daß die Menschen die Idee haben, sie gehen zurück nach dem Tode zu den Vorfahren, zu weit zurückliegenden Vorfahren. Es ist durchaus im religiösen Leben dieser Zug nach dem väterlichen Urschöpfungsprinzip. Der Mensch fühlt sich noch nicht ganz heimisch auf der Erde. Es ist aber auch noch nicht vorhanden das Streben, aus einer fremden Menschenposition heraus, möchte ich sagen, zu dem jenseitigen Göttlichen hin. Es ist das Streben vielmehr, den Menschen rein darzustellen, weil man meint, dann komme der Gott zum Vorschein.
[ 20 ] Das wird im griechischen Leben anders. Im griechischen Leben fühlt sich der Mensch nicht mehr so eng mit dem göttlichen VaterPrinzip verbunden, wie das in früheren Zeiten der Fall war. Der Mensch fühlt sich als Mensch so recht mit dem Göttlichen verbunden, aber zu gleicher Zeit auch mit dem Irdischen. Er fühlt sich gewissermaßen in einer Gleichgewichtslage zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen. Das ist der Zeitabschnitt, in den das Mysterium von Golgatha fällt. Das ist der Zeitabschnitt, wo nicht mehr bloß gesagt werden kann: «Im Urbeginne war der Logos, und der Logos war bei Gott» — man meinte den Vatergott — «und ein Gott war der Logos», sondern wo gesagt werden mußte: «Und das Wort ist Fleisch geworden.» Der Logos, der ursprünglich nur als die Vereinigung mit dem Vatergotte angesehen wurde, er wurde angesehen so, daß er gewissermaßen voll in dem Menschen sein Haus gefunden hat, daß der Mensch ihn in sich selber suchen muß. Dieser Menschenstimmung kam das Mysterium von Golgatha entgegen. Der Vatergott konnte eigentlich niemals in menschlicher Gestalt gedacht werden. Der Vatergott mußte rein geistig gedacht werden. Der Christus, der Gottessohn, wurde als göttlichmenschlich gedacht. Und im Grunde genommen haben wir das, was der Grieche wie eine Sehnsucht empfindet, oder wie eine künstlerische Verwirklichung auslebt, für das Vollmenschliche erfüllt in der Gesamtdarstellung des Mysteriums von Golgatha. Wir müssen uns dabei nicht an irgendwelche Nebensächlichkeiten halten, wir müssen uns an das Hauptsächliche halten, an das Einkehren des Göttlichen in den Menschen selber, so wie der Mensch auf Erden dasteht.
[ 20 ] Das wird im griechischen Leben anders. Im griechischen Leben fühlt sich der Mensch nicht mehr so eng mit dem göttlichen VaterPrinzip verbunden, wie das in früheren Zeiten der Fall war. Der Mensch fühlt sich als Mensch so recht mit dem Göttlichen verbunden, aber zu gleicher Zeit auch mit dem Irdischen. Er fühlt sich gewissermaßen in einer Gleichgewichtslage zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen. Das ist der Zeitabschnitt, in den das Mysterium von Golgatha fällt. Das ist der Zeitabschnitt, wo nicht mehr bloß gesagt werden kann: «Im Urbeginne war der Logos, und der Logos war bei Gott» — man meinte den Vatergott — «und ein Gott war der Logos», sondern wo gesagt werden mußte: «Und das Wort ist Fleisch geworden.» Der Logos, der ursprünglich nur als die Vereinigung mit dem Vatergotte angesehen wurde, er wurde angesehen so, daß er gewissermaßen voll in dem Menschen sein Haus gefunden hat, daß der Mensch ihn in sich selber suchen muß. Dieser Menschenstimmung kam das Mysterium von Golgatha entgegen. Der Vatergott konnte eigentlich niemals in menschlicher Gestalt gedacht werden. Der Vatergott mußte rein geistig gedacht werden. Der Christus, der Gottessohn, wurde als göttlichmenschlich gedacht. Und im Grunde genommen haben wir das, was der Grieche wie eine Sehnsucht empfindet, oder wie eine künstlerische Verwirklichung auslebt, für das Vollmenschliche erfüllt in der Gesamtdarstellung des Mysteriums von Golgatha. Wir müssen uns dabei nicht an irgendwelche Nebensächlichkeiten halten, wir müssen uns an das Hauptsächliche halten, an das Einkehren des Göttlichen in den Menschen selber, so wie der Mensch auf Erden dasteht.
[ 21 ] Damit stellt sich das Mysterium von Golgatha in den Mittelpunkt der ganzen Menschheitsentwickelung auf Erden. Und man darf es durchaus nicht als einen historischen Zufall betrachten, daß das Mysterium von Golgatha in die Geschichte trat da, wo das Griechentum sozusagen von außen her, von der Erde aus, das Göttliche im Menschen darstellen will. Man möchte sagen, womit man mehr als ein poetisches Bild meinen darf: Der Grieche mußte aus den Erdeningredienzien heraus den Gott als einen Menschen künstlerisch darstellen, und der Kosmos schickte den Gott herab auf die Erde in den Menschen hinein, um im kosmischen Sinne die Antwort zu geben auf die wunderbare Frage, die das Griechentum gewissermaßen in die Weltenweiten hinausgeschickt hat. Man möchte sagen, man fühlt es der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit an, wie das Griechentum in seinen menschlich dargestellten Göttern an den Kosmos die Frage stellt: Kann der Gott Mensch werden? — Und der Kosmos antwortete: Der Gott kann Mensch werden — indem er das Mysterium von Golgatha geschehen ließ.
[ 21 ] Damit stellt sich das Mysterium von Golgatha in den Mittelpunkt der ganzen Menschheitsentwickelung auf Erden. Und man darf es durchaus nicht als einen historischen Zufall betrachten, daß das Mysterium von Golgatha in die Geschichte trat da, wo das Griechentum sozusagen von außen her, von der Erde aus, das Göttliche im Menschen darstellen will. Man möchte sagen, womit man mehr als ein poetisches Bild meinen darf: Der Grieche mußte aus den Erdeningredienzien heraus den Gott als einen Menschen künstlerisch darstellen, und der Kosmos schickte den Gott herab auf die Erde in den Menschen hinein, um im kosmischen Sinne die Antwort zu geben auf die wunderbare Frage, die das Griechentum gewissermaßen in die Weltenweiten hinausgeschickt hat. Man möchte sagen, man fühlt es der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit an, wie das Griechentum in seinen menschlich dargestellten Göttern an den Kosmos die Frage stellt: Kann der Gott Mensch werden? — Und der Kosmos antwortete: Der Gott kann Mensch werden — indem er das Mysterium von Golgatha geschehen ließ.
[ 22 ] Aber ich habe es ja öfter begreiflich gemacht, wie dieses Verstehen des Mysteriums von Golgatha in seiner Urwesenheit eigentlich nur möglich ist, wenn man nun nicht mit der Erkenntnis des Toten, die in der neueren Zeit üblich geworden ist, an dieses Mysterium von Golgatha herantritt, sondern mit einer neuen, lebensvollen Erkenntnis, mit einer Erkenntnis, die wiederum vom Geiste durchdrungen sein kann.
[ 22 ] Aber ich habe es ja öfter begreiflich gemacht, wie dieses Verstehen des Mysteriums von Golgatha in seiner Urwesenheit eigentlich nur möglich ist, wenn man nun nicht mit der Erkenntnis des Toten, die in der neueren Zeit üblich geworden ist, an dieses Mysterium von Golgatha herantritt, sondern mit einer neuen, lebensvollen Erkenntnis, mit einer Erkenntnis, die wiederum vom Geiste durchdrungen sein kann.
[ 23 ] Damit kommen wir dazu, uns jetzt sagen zu müssen: Zwar hat der Mensch auf der einen Seite sein Freiheitsbewußtsein, auf der anderen Seite seine mechanistischen Fortschritte in der äußeren Kultur durch die toten Begriffe erreicht, allein er kann bei dieser inneren Totheit nicht stehenbleiben. Er muß aus der eigenen Kraft der Seele heraus den Impuls eines Lebendigen, eines Lebendig-Geistigen gewinnen, das heißt, er muß in der Lage sein, wiederum zu Ideen zu kommen, die innerlich lebendig sind, zu Ideen, die aber nicht nur den Verstand ergreifen, sondern die den ganzen Menschen ergreifen. Es muß dem modernen Menschen wirklich möglich werden, was ich angedeutet habe in meinem Buche «Goethes Weltanschauung», wiederum dazu zu kommen, nicht von toten Ideen zu sprechen, nicht von Ideenabstraktionen zu sprechen, sondern sich aufzuschwingen zu jener Geistigkeit, in der er sich mit Ideen erfüllt, aber mitzunehmen in diese Ideenregion alle lebendige Wärme, die in seiner Seele erglimmen kann, alles hellste Licht, das seine Begeisterung in der Seele erwecken kann. Der Mensch muß wiederum hinauftragen können zu den Ideen alle seine Seelenwärme und all sein Seelenlicht. Er muß innerlich wiederum seinen ganzen Menschen mitnehmen können in die Geistigkeit der Ideenwelt. Das haben wir eigentlich in der Gegenwart verloren.
[ 23 ] Damit kommen wir dazu, uns jetzt sagen zu müssen: Zwar hat der Mensch auf der einen Seite sein Freiheitsbewußtsein, auf der anderen Seite seine mechanistischen Fortschritte in der äußeren Kultur durch die toten Begriffe erreicht, allein er kann bei dieser inneren Totheit nicht stehenbleiben. Er muß aus der eigenen Kraft der Seele heraus den Impuls eines Lebendigen, eines Lebendig-Geistigen gewinnen, das heißt, er muß in der Lage sein, wiederum zu Ideen zu kommen, die innerlich lebendig sind, zu Ideen, die aber nicht nur den Verstand ergreifen, sondern die den ganzen Menschen ergreifen. Es muß dem modernen Menschen wirklich möglich werden, was ich angedeutet habe in meinem Buche «Goethes Weltanschauung», wiederum dazu zu kommen, nicht von toten Ideen zu sprechen, nicht von Ideenabstraktionen zu sprechen, sondern sich aufzuschwingen zu jener Geistigkeit, in der er sich mit Ideen erfüllt, aber mitzunehmen in diese Ideenregion alle lebendige Wärme, die in seiner Seele erglimmen kann, alles hellste Licht, das seine Begeisterung in der Seele erwecken kann. Der Mensch muß wiederum hinauftragen können zu den Ideen alle seine Seelenwärme und all sein Seelenlicht. Er muß innerlich wiederum seinen ganzen Menschen mitnehmen können in die Geistigkeit der Ideenwelt. Das haben wir eigentlich in der Gegenwart verloren.
[ 24 ] Und man darf sagen, vielleicht ergreift einen weniges in der neuen Literatur so tief wie das erste Kapitel von Nietsches Darstellung der Philosophie im «tragischen Zeitalter der Griechen», wie er es nennt. Nietzsche schildert die Philosophen der vorsokratischen Zeit, Thales, Heraklit, Anaxagoras, und es ist etwas furchtbar Ergreifendes für denjenigen, der für so etwas einen richtigen Sinn und ein offenes Herz hat, wenn Nietzsche da schildert, wie in einer gewissen Zeit der griechischen Entwickelung der Grieche sich emporgeschwungen hat zu der Abstraktion des bloßen Seins, von der Vielheit der den Menschen mit Wärme erfüllenden Natureindrücke zu dem blassen Gedanken des Seins. Etwa so sagt Nietzsche an der Stelle: Dann fühlt man, wie einen fröstelt, fühlt man, in welch eisige Regionen man gerät, wenn man aufsteigt mit einem alten griechischen Philosophen, etwa mit dem Parmenides, zu dieser abstrakten Idee des allumfassenden Seins. Wie in Gletscherregionen des Seelenlebens versetzt, so fühlt sich Nietzsche aus jener modernen Kultur heraus, in die er ganz hineinversetzt war, wie ich vorgestern hier dargestellt habe.
[ 24 ] Und man darf sagen, vielleicht ergreift einen weniges in der neuen Literatur so tief wie das erste Kapitel von Nietsches Darstellung der Philosophie im «tragischen Zeitalter der Griechen», wie er es nennt. Nietzsche schildert die Philosophen der vorsokratischen Zeit, Thales, Heraklit, Anaxagoras, und es ist etwas furchtbar Ergreifendes für denjenigen, der für so etwas einen richtigen Sinn und ein offenes Herz hat, wenn Nietzsche da schildert, wie in einer gewissen Zeit der griechischen Entwickelung der Grieche sich emporgeschwungen hat zu der Abstraktion des bloßen Seins, von der Vielheit der den Menschen mit Wärme erfüllenden Natureindrücke zu dem blassen Gedanken des Seins. Etwa so sagt Nietzsche an der Stelle: Dann fühlt man, wie einen fröstelt, fühlt man, in welch eisige Regionen man gerät, wenn man aufsteigt mit einem alten griechischen Philosophen, etwa mit dem Parmenides, zu dieser abstrakten Idee des allumfassenden Seins. Wie in Gletscherregionen des Seelenlebens versetzt, so fühlt sich Nietzsche aus jener modernen Kultur heraus, in die er ganz hineinversetzt war, wie ich vorgestern hier dargestellt habe.
[ 25 ] Aber daran ist Nietzsche ja auch gescheitert, daß er nur noch bis zu der Kälte, man möchte sagen, bis zu dem Gletscherhaften der menschlichen Ideenwelt gehen konnte, während das Hellsehen in wirklicher Geistigkeit Seelenwärme und Seelenlicht in das Intellektualistische hineinzutragen vermag, so daß man jene Reinheit im Begriff erreichen kann, von der ich gesprochen habe in meiner «Philosophie der Freiheit», aber mit dieser Reinheit der Begriffe nicht ein innerlich ausgetrockneter Mensch, sondern ein innerlich begeisterter Mensch wird. Ein Mensch, welcher, indem er die Erdenwärme der Sinnlichkeit verläßt, durch die kalten Regionen des Intellektualismus hindurch die warme Sonnenwärme des Kosmos empfindet, ein Mensch, welcher, indem er die leuchtenden Erdengegenstände verläßt und es erlebt, wie es durch die intellektualistische Begriffswelt innerlich dunkel wird, durch seine lebendigen Seelenimpulse, die er hineinträgt in diese Dunkelheit, nun imstande wird, das kosmische Licht zu empfangen, nachdem er, man möchte sagen, überwunden hat die irdische Dunkelheit.
[ 25 ] Aber daran ist Nietzsche ja auch gescheitert, daß er nur noch bis zu der Kälte, man möchte sagen, bis zu dem Gletscherhaften der menschlichen Ideenwelt gehen konnte, während das Hellsehen in wirklicher Geistigkeit Seelenwärme und Seelenlicht in das Intellektualistische hineinzutragen vermag, so daß man jene Reinheit im Begriff erreichen kann, von der ich gesprochen habe in meiner «Philosophie der Freiheit», aber mit dieser Reinheit der Begriffe nicht ein innerlich ausgetrockneter Mensch, sondern ein innerlich begeisterter Mensch wird. Ein Mensch, welcher, indem er die Erdenwärme der Sinnlichkeit verläßt, durch die kalten Regionen des Intellektualismus hindurch die warme Sonnenwärme des Kosmos empfindet, ein Mensch, welcher, indem er die leuchtenden Erdengegenstände verläßt und es erlebt, wie es durch die intellektualistische Begriffswelt innerlich dunkel wird, durch seine lebendigen Seelenimpulse, die er hineinträgt in diese Dunkelheit, nun imstande wird, das kosmische Licht zu empfangen, nachdem er, man möchte sagen, überwunden hat die irdische Dunkelheit.
[ 26 ] In Nietzsche sieht man überall die Sehnsucht nach diesem kosmischen Lichte, nach dieser kosmischen Wärme. Er kann sie nicht erreichen. Daran scheitert er. Anthroposophie möchte den Weg weisen dahin, wo man nicht verliert die Erdenwärme, nicht verliert das Erdenlicht, wo man den frischen Anteil und das frische Interesse behält an allem einzelnen Konkreten des Irdischen, wo man in Liebe zugetan bleibt allem Irdischen und dennoch heraufsteigen kann zu jener Höhe der Begriffe, wo sich in reinen Begriffen das Göttliche enthüllt, das man nun als moderner Mensch nicht mehr in sich fühlen kann wie der alte Mensch auf Erden, sondern zu dem man erst hinkommen muß.
[ 26 ] In Nietzsche sieht man überall die Sehnsucht nach diesem kosmischen Lichte, nach dieser kosmischen Wärme. Er kann sie nicht erreichen. Daran scheitert er. Anthroposophie möchte den Weg weisen dahin, wo man nicht verliert die Erdenwärme, nicht verliert das Erdenlicht, wo man den frischen Anteil und das frische Interesse behält an allem einzelnen Konkreten des Irdischen, wo man in Liebe zugetan bleibt allem Irdischen und dennoch heraufsteigen kann zu jener Höhe der Begriffe, wo sich in reinen Begriffen das Göttliche enthüllt, das man nun als moderner Mensch nicht mehr in sich fühlen kann wie der alte Mensch auf Erden, sondern zu dem man erst hinkommen muß.
[ 27 ] Das ist die Stimmung, die in der richtigen Weise empfinden läßt das Geheimnis von dem Heiligen Geiste. Und das ist der Unterschied im Leben im Geistigen zwischen dem modernen Menschen und dem älteren Menschen. Der ältere Mensch sog seine Geistigkeit aus allen einzelnen Wesen der Natur. Die Wolke sprach ihm vom Geistigen, die Blume sprach ihm vom Geistigen. Der moderne Mensch muß durch seine eigene Kraft seine kalt und tot gewordenen Begriffe verlebendigen, dann gelangt er an jenen Heiligen Geist, durch den er auch das Mysterium von Golgatha in der richtigen Weise sehen kann. Denn man nimmt etwas mit aus dem Menschentum, wenn man in dieser Weise — ich darf jetzt trocken sagen — anthroposophisch seine Ideen mit Seelenwärme und Seelenlicht durchsetzt, man nimmt etwas mit aus dem Menschentum. Man kann nicht über das Trockene, Banale, Abstrakte der Ideenwelt hinausdringen, wenn man nicht dieses mitnimmt. Steigt man auf durch jene Erkenntnisse, von denen ich in den anthroposophischen Büchern gesprochen habe, zu einem Welterfassen, dann bleiben die Ideen gerade so exakt, wie sie in der Mathematik sind, oder wie sie in den anderen Wissenschaften sind. Man denkt nicht unexakter, als der Chemiker in seinem Laboratorium oder der Biologe in seinem Kabinette denkt, nur bedingen die Begriffe etwas, was vom Menschen mitgeht. Wenn der Anthroposoph in Imagination, wenn er in Inspiration spricht, und der gesunde Menschenverstand wirklich diese Imagination, diese Inspiration begreift, so stehen sie vor ihm tatsächlich wie die mathematischen oder geometrischen Gebilde vor dem Mathematiker. Aber der Mensch muß etwas mitbringen, sonst begreift er diese Ideen nicht richtig. Das, was er mitbringen muß, ist die Liebe.
[ 27 ] Das ist die Stimmung, die in der richtigen Weise empfinden läßt das Geheimnis von dem Heiligen Geiste. Und das ist der Unterschied im Leben im Geistigen zwischen dem modernen Menschen und dem älteren Menschen. Der ältere Mensch sog seine Geistigkeit aus allen einzelnen Wesen der Natur. Die Wolke sprach ihm vom Geistigen, die Blume sprach ihm vom Geistigen. Der moderne Mensch muß durch seine eigene Kraft seine kalt und tot gewordenen Begriffe verlebendigen, dann gelangt er an jenen Heiligen Geist, durch den er auch das Mysterium von Golgatha in der richtigen Weise sehen kann. Denn man nimmt etwas mit aus dem Menschentum, wenn man in dieser Weise — ich darf jetzt trocken sagen — anthroposophisch seine Ideen mit Seelenwärme und Seelenlicht durchsetzt, man nimmt etwas mit aus dem Menschentum. Man kann nicht über das Trockene, Banale, Abstrakte der Ideenwelt hinausdringen, wenn man nicht dieses mitnimmt. Steigt man auf durch jene Erkenntnisse, von denen ich in den anthroposophischen Büchern gesprochen habe, zu einem Welterfassen, dann bleiben die Ideen gerade so exakt, wie sie in der Mathematik sind, oder wie sie in den anderen Wissenschaften sind. Man denkt nicht unexakter, als der Chemiker in seinem Laboratorium oder der Biologe in seinem Kabinette denkt, nur bedingen die Begriffe etwas, was vom Menschen mitgeht. Wenn der Anthroposoph in Imagination, wenn er in Inspiration spricht, und der gesunde Menschenverstand wirklich diese Imagination, diese Inspiration begreift, so stehen sie vor ihm tatsächlich wie die mathematischen oder geometrischen Gebilde vor dem Mathematiker. Aber der Mensch muß etwas mitbringen, sonst begreift er diese Ideen nicht richtig. Das, was er mitbringen muß, ist die Liebe.
[ 28 ] Ohne die Erkenntnis mit Liebe zu durchdringen, kann man sich nicht die Erkenntnis, welche durch Anthroposophie gegeben wird, aneignen, sonst bleibt sie eben etwas, was ganz gleichwertig ist mit anderem. Es ist ganz gleichwertig, ob Sie mit irgendeinem materialistischen Naturforscher sagen: Beuteltiere, Menschenaffen, Affenmenschen, Menschen, oder ob Sie sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich. — Es ist nur ein anderer Gedanke, aber der Status der Seele ist kein anderer. Der Status der Seele wird erst ein anderer, wenn innerlich lebendig dieses geistige Erfassen des Menschen in der Natur wird. Aber es geht nicht, wenn nicht dasselbe Gefühl, dieselbe Empfindung, derselbe Seelenstatus, die in der Liebe leben, mit der Erkenntnis mitgehen. Und durchdringt man also seine Erkenntnis mit dem Erlebnis der Liebe, dann dringt diese Erkenntnis heran an das Mysterium von Golgatha. Und dann haben wir nicht nur die an sich ganz berechtigte naive Hinneigung zu dem Christus — wie gesagt, ganz berechtigt ist ja diese naive Hinneigung —, sondern wir haben dann auch eine Erkenntnis, die sich ausbreitet über den ganzen Kosmos, und die sich vertiefen kann zu der Erfassung des Mysteriums von Golgatha. Mit anderen Worten: Das Leben in dem Heiligen Geiste führt zum Leben in dem Christus, oder vor den Christus, vor den Sohn Gottes hin.
[ 28 ] Ohne die Erkenntnis mit Liebe zu durchdringen, kann man sich nicht die Erkenntnis, welche durch Anthroposophie gegeben wird, aneignen, sonst bleibt sie eben etwas, was ganz gleichwertig ist mit anderem. Es ist ganz gleichwertig, ob Sie mit irgendeinem materialistischen Naturforscher sagen: Beuteltiere, Menschenaffen, Affenmenschen, Menschen, oder ob Sie sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich. — Es ist nur ein anderer Gedanke, aber der Status der Seele ist kein anderer. Der Status der Seele wird erst ein anderer, wenn innerlich lebendig dieses geistige Erfassen des Menschen in der Natur wird. Aber es geht nicht, wenn nicht dasselbe Gefühl, dieselbe Empfindung, derselbe Seelenstatus, die in der Liebe leben, mit der Erkenntnis mitgehen. Und durchdringt man also seine Erkenntnis mit dem Erlebnis der Liebe, dann dringt diese Erkenntnis heran an das Mysterium von Golgatha. Und dann haben wir nicht nur die an sich ganz berechtigte naive Hinneigung zu dem Christus — wie gesagt, ganz berechtigt ist ja diese naive Hinneigung —, sondern wir haben dann auch eine Erkenntnis, die sich ausbreitet über den ganzen Kosmos, und die sich vertiefen kann zu der Erfassung des Mysteriums von Golgatha. Mit anderen Worten: Das Leben in dem Heiligen Geiste führt zum Leben in dem Christus, oder vor den Christus, vor den Sohn Gottes hin.
[ 29 ] Und dann lernen wir begreifen, wie in der Tat der Logos übergegangen ist durch das Mysterium von Golgatha von dem Vater auf den Sohn. Und dann wird uns das Wichtige enthüllt, daß es für die alten Menschen richtig war, zu sagen «Im Urbeginne war der Logos. Und der Logos war bei Gott, und ein Gott war der Logos», daß aber dann angefangen werden mußte in der griechischen Zeit, zu sagen: «Und der Logos ist Fleisch geworden.» Und der moderne Mensch muß hinzusetzen: Und ich muß finden ein Verständnis des im Fleische lebenden Logos dadurch, daß ich meine Begriffe und Ideen, daß ich meine ganze Welterfassung ins Geistige erhebe, so daß ich durch den Heiligen Geist den Christus, und durch den Christus erst den Vatergott finde.
[ 29 ] Und dann lernen wir begreifen, wie in der Tat der Logos übergegangen ist durch das Mysterium von Golgatha von dem Vater auf den Sohn. Und dann wird uns das Wichtige enthüllt, daß es für die alten Menschen richtig war, zu sagen «Im Urbeginne war der Logos. Und der Logos war bei Gott, und ein Gott war der Logos», daß aber dann angefangen werden mußte in der griechischen Zeit, zu sagen: «Und der Logos ist Fleisch geworden.» Und der moderne Mensch muß hinzusetzen: Und ich muß finden ein Verständnis des im Fleische lebenden Logos dadurch, daß ich meine Begriffe und Ideen, daß ich meine ganze Welterfassung ins Geistige erhebe, so daß ich durch den Heiligen Geist den Christus, und durch den Christus erst den Vatergott finde.
[ 30 ] Das ist ganz gewiß nichts Theoretisches, das ist etwas, was ins unmittelbare Erleben des modernen Menschen eingehen kann, und das ist die Stellung zum Christentum, die sich auf ganz naturgemäße Weise aus der Anthroposophie heraus ergibt.
[ 30 ] Das ist ganz gewiß nichts Theoretisches, das ist etwas, was ins unmittelbare Erleben des modernen Menschen eingehen kann, und das ist die Stellung zum Christentum, die sich auf ganz naturgemäße Weise aus der Anthroposophie heraus ergibt.
[ 31 ] Es ist schon so, daß dieses Erfassen eines Geistesweges dem modernen Menschen unerläßlich ist. Er braucht dieses Erfassen eines Geistesweges gerade gegenüber der toten Kultur, die in dem durchaus nicht herunterzusetzenden, sondern von der anderen Seite aufs höchste zu schätzenden Mechanismus unseres heutigen Lebens besteht. Aber es gehört, ich möchte sagen, ein innerer Ruck dazu, damit der moderne Mensch auf diesen Geistesweg komme. Und diesen inneren Ruck — ich habe es vor kurzem hier einmal ein wirkliches Aufwachen genannt — möchten viele nicht entwickeln. Und das macht eigentlich die moderne Gegnerschaft gegen die Anthroposophie aus, daß dieser Ruck nicht mitgemacht werden will in der Seele. Es hat etwas Unbequemes, diesen Ruck mitzumachen. Man wird gewissermaßen durch diesen Ruck in den Strudel des kosmischen Werdens hineingerissen. Man möchte ruhig bleiben mit seinen starren, scharf konturierten Begriffen, die nur auf das Tote gehen, das sich nicht wehrt im Erfassen der Welt, während das Lebendige, wenn man es mit den toten Begriffen erfassen will, sich wehrt, sich bewegt und aus den Begriffen herausschlüpft. Das ist dem modernen Menschen unbequem. Er fühlt das. Er kleidet es in allerlei andere Dinge, und er wird geradezu wild, wenn er hört, daß man von einer gewissen Seite aus ein ganz anderes Erfassen der Welt auf den verschiedensten Gebieten des Lebens will.
[ 31 ] Es ist schon so, daß dieses Erfassen eines Geistesweges dem modernen Menschen unerläßlich ist. Er braucht dieses Erfassen eines Geistesweges gerade gegenüber der toten Kultur, die in dem durchaus nicht herunterzusetzenden, sondern von der anderen Seite aufs höchste zu schätzenden Mechanismus unseres heutigen Lebens besteht. Aber es gehört, ich möchte sagen, ein innerer Ruck dazu, damit der moderne Mensch auf diesen Geistesweg komme. Und diesen inneren Ruck — ich habe es vor kurzem hier einmal ein wirkliches Aufwachen genannt — möchten viele nicht entwickeln. Und das macht eigentlich die moderne Gegnerschaft gegen die Anthroposophie aus, daß dieser Ruck nicht mitgemacht werden will in der Seele. Es hat etwas Unbequemes, diesen Ruck mitzumachen. Man wird gewissermaßen durch diesen Ruck in den Strudel des kosmischen Werdens hineingerissen. Man möchte ruhig bleiben mit seinen starren, scharf konturierten Begriffen, die nur auf das Tote gehen, das sich nicht wehrt im Erfassen der Welt, während das Lebendige, wenn man es mit den toten Begriffen erfassen will, sich wehrt, sich bewegt und aus den Begriffen herausschlüpft. Das ist dem modernen Menschen unbequem. Er fühlt das. Er kleidet es in allerlei andere Dinge, und er wird geradezu wild, wenn er hört, daß man von einer gewissen Seite aus ein ganz anderes Erfassen der Welt auf den verschiedensten Gebieten des Lebens will.
[ 32 ] Nur aus dieser Stimmung heraus sind die ja ganz absonderlichen Dinge zu erklären, die gerade bei der Gegnerschaft der Anthroposophie auftreten. Man braucht nur einige Erscheinungen der allerletzten Zeit zu erwähnen, und man wird dieses Absonderliche durchaus fühlen können.
[ 32 ] Nur aus dieser Stimmung heraus sind die ja ganz absonderlichen Dinge zu erklären, die gerade bei der Gegnerschaft der Anthroposophie auftreten. Man braucht nur einige Erscheinungen der allerletzten Zeit zu erwähnen, und man wird dieses Absonderliche durchaus fühlen können.
[ 33 ] Wir haben hier das große Unglück des Verlustes unseres Goetheanum. Wir können ganz gut wissen, daß, was auch immer möglich ist an Wiederaufbau, dieses alte Goetheanum uns nicht mehr erstehen kann, daß dieses alte Goetheanum nur eine Erinnerung bleiben kann, und daß es ein wirklich ungeheurer Schmerz ist, sich sagen zu müssen: Es ist versucht worden mit diesem Goetheanum, jenen Kunststil zu finden, der der neuen Geistigkeit entspricht, und dieser Kunststil, von dem man gewollt hat, daß er anregend wirkt, ist eigentlich mit diesem Goetheanum zunächst vom Erdboden verschwunden. Man braucht die Tatsache nur auszusprechen, um das ungeheuer Schmerzvolle, das in dem Untergang des Goetheanum liegt, zu empfinden.
[ 33 ] Wir haben hier das große Unglück des Verlustes unseres Goetheanum. Wir können ganz gut wissen, daß, was auch immer möglich ist an Wiederaufbau, dieses alte Goetheanum uns nicht mehr erstehen kann, daß dieses alte Goetheanum nur eine Erinnerung bleiben kann, und daß es ein wirklich ungeheurer Schmerz ist, sich sagen zu müssen: Es ist versucht worden mit diesem Goetheanum, jenen Kunststil zu finden, der der neuen Geistigkeit entspricht, und dieser Kunststil, von dem man gewollt hat, daß er anregend wirkt, ist eigentlich mit diesem Goetheanum zunächst vom Erdboden verschwunden. Man braucht die Tatsache nur auszusprechen, um das ungeheuer Schmerzvolle, das in dem Untergang des Goetheanum liegt, zu empfinden.
[ 34 ] Nun ist es ja sonst üblich, daß dem Unglück gegenüber selbst die Gegner aufhören, eine pietätlose und höhnische Sprache zu führen. Just dem Unglück des Goetheanum-Brandes gegenüber finden es aber die Gegner richtig und angemessen, ihre Gegnerschaften noch höhnender und noch schimpfender zu entfalten. Das ist eben das Absonderliche. Und das ist etwas, was sich in würdiger, aber eigentlich unwürdiger Weise an das andere anreiht.
[ 34 ] Nun ist es ja sonst üblich, daß dem Unglück gegenüber selbst die Gegner aufhören, eine pietätlose und höhnische Sprache zu führen. Just dem Unglück des Goetheanum-Brandes gegenüber finden es aber die Gegner richtig und angemessen, ihre Gegnerschaften noch höhnender und noch schimpfender zu entfalten. Das ist eben das Absonderliche. Und das ist etwas, was sich in würdiger, aber eigentlich unwürdiger Weise an das andere anreiht.
[ 35 ] Die anthroposophische Bewegung wurde begonnen als eine rein positive Wirksamkeit. Niemand wurde attackiert, niemand wurde angegriffen, keine Agitation wurde sonst getrieben, als daß gesagt wurde, was eben auf anthroposophische Art erforscht werden kann. Gewartet wurde ruhig, bis diejenigen Seelen, die nun eben in der Gegenwart vorhanden sind, aus den Impulsen ihrer Seelen herbeikommen, um Verständnis zu haben für das, was aus der geistigen Welt heraus gesagt werden soll. Auf das hin war die ganze anthroposophische Arbeit veranlagt: nicht in wüster Weise zu agitieren, nicht Programme aufzustellen, sondern einfach zu sagen, was ist, nach den Erforschungen der geistigen Welt, und zu warten, in welchen Seelen die Sehnsucht nach Erkenntnis dieses Seienden vorhanden ist.
[ 35 ] Die anthroposophische Bewegung wurde begonnen als eine rein positive Wirksamkeit. Niemand wurde attackiert, niemand wurde angegriffen, keine Agitation wurde sonst getrieben, als daß gesagt wurde, was eben auf anthroposophische Art erforscht werden kann. Gewartet wurde ruhig, bis diejenigen Seelen, die nun eben in der Gegenwart vorhanden sind, aus den Impulsen ihrer Seelen herbeikommen, um Verständnis zu haben für das, was aus der geistigen Welt heraus gesagt werden soll. Auf das hin war die ganze anthroposophische Arbeit veranlagt: nicht in wüster Weise zu agitieren, nicht Programme aufzustellen, sondern einfach zu sagen, was ist, nach den Erforschungen der geistigen Welt, und zu warten, in welchen Seelen die Sehnsucht nach Erkenntnis dieses Seienden vorhanden ist.
[ 36 ] Nun gibt es heute zahlreiche Menschen, welche Gegner der AnthroPposophie sind, ohne daß sie überhaupt wissen warum, die nur mitlaufen mit anderen, von denen sie angeführt werden. Aber es gibt immerhin einige, die wissen sehr gut, warum sie Gegner der Anthroposophie sind. Sie wissen es, weil sie sehen, daß auf anthroposophischem Boden Wahrheiten herauskommen, die jenen eben charakterisierten Ruck fordern. Und das will man nicht. Das will man aus den verschiedensten Gründen nicht, weil man so geartete Wahrheiten einfach immer in engen Kreisen bewahren wollte, um durch den Besitz solcher Wahrheiten als eine Art kleiner geistiger, aristokratischer Gruppen hinauszuragen über die allgemeine Menschheit. Daher wird vorzugsweise derjenige gehaßt, der gegenüber dem, was einfach im Geiste der heutigen Zeit liegt, die Wahrheit aus der geistigen Welt für alle Menschen holt. Aber zu gleicher Zeit wissen diese Gegner — ich meine diese führenden Gegner —, daß ja gegen die Wahrheit als solche nichts gemacht werden kann, daß diese ihren Weg durch die engsten Felsenspalten hindurch findet, welche Hindernisse ihr auch entgegentreten mögen. Daher wird zumeist nicht der Weg eingeschlagen, gegen diese Wahrheiten zu kämpfen; da würden diese Wahrheiten schon die Mittel und Wege finden, den Gegner aus dem Felde zu schlagen. Sehen Sie sich die Gegnerschaften an — und es wäre gut, wenn in anthroposophischen Kreisen man recht viel die Gegnerschaften ansehen würde —, man sieht ab von der Bekämpfung der Wahrheiten und legt das Hauptgewicht auf die persönlichen Angriffe, persönlichen Verdächtigungen, persönlichen Beschimpfungen, persönlichen Verleumdungen. Der Wahrheit glaubt man nichts antun zu können, man will sie aber aus der Welt schaffen; deshalb glaubt man sie aus der Welt schaffen zu können durch den Weg der persönlichen Verunglimpfung. Das ist etwas, was in der Art des Kampfes gerade hinweist darauf, wie gut die führenden Gegner wissen, in welcher Weise sie vorzugehen haben, damit sie einen zeitweiligen Sieg erringen.
[ 36 ] Nun gibt es heute zahlreiche Menschen, welche Gegner der AnthroPposophie sind, ohne daß sie überhaupt wissen warum, die nur mitlaufen mit anderen, von denen sie angeführt werden. Aber es gibt immerhin einige, die wissen sehr gut, warum sie Gegner der Anthroposophie sind. Sie wissen es, weil sie sehen, daß auf anthroposophischem Boden Wahrheiten herauskommen, die jenen eben charakterisierten Ruck fordern. Und das will man nicht. Das will man aus den verschiedensten Gründen nicht, weil man so geartete Wahrheiten einfach immer in engen Kreisen bewahren wollte, um durch den Besitz solcher Wahrheiten als eine Art kleiner geistiger, aristokratischer Gruppen hinauszuragen über die allgemeine Menschheit. Daher wird vorzugsweise derjenige gehaßt, der gegenüber dem, was einfach im Geiste der heutigen Zeit liegt, die Wahrheit aus der geistigen Welt für alle Menschen holt. Aber zu gleicher Zeit wissen diese Gegner — ich meine diese führenden Gegner —, daß ja gegen die Wahrheit als solche nichts gemacht werden kann, daß diese ihren Weg durch die engsten Felsenspalten hindurch findet, welche Hindernisse ihr auch entgegentreten mögen. Daher wird zumeist nicht der Weg eingeschlagen, gegen diese Wahrheiten zu kämpfen; da würden diese Wahrheiten schon die Mittel und Wege finden, den Gegner aus dem Felde zu schlagen. Sehen Sie sich die Gegnerschaften an — und es wäre gut, wenn in anthroposophischen Kreisen man recht viel die Gegnerschaften ansehen würde —, man sieht ab von der Bekämpfung der Wahrheiten und legt das Hauptgewicht auf die persönlichen Angriffe, persönlichen Verdächtigungen, persönlichen Beschimpfungen, persönlichen Verleumdungen. Der Wahrheit glaubt man nichts antun zu können, man will sie aber aus der Welt schaffen; deshalb glaubt man sie aus der Welt schaffen zu können durch den Weg der persönlichen Verunglimpfung. Das ist etwas, was in der Art des Kampfes gerade hinweist darauf, wie gut die führenden Gegner wissen, in welcher Weise sie vorzugehen haben, damit sie einen zeitweiligen Sieg erringen.
[ 37 ] Das aber ist etwas, was gerade unter Anthroposophen gewußt werden sollte; denn noch immer glauben Anthroposophen, daß man durch eine gewöhnliche Diskussion mit dem Gegner etwas erreichen kann. Es kann uns ja nichts mehr schaden, als wenn es uns in Diskussionen gelingt, unsere Wahrheit darzustellen, denn wir werden nicht deshalb gehaßt, weil wir die Unwahrheit sagen, sondern weil wir die Wahrheit sagen. Und je mehr es uns gelingt zu zeigen, daß wir die Wahrheit sagen, desto mehr wird das der Fall sein.
[ 37 ] Das aber ist etwas, was gerade unter Anthroposophen gewußt werden sollte; denn noch immer glauben Anthroposophen, daß man durch eine gewöhnliche Diskussion mit dem Gegner etwas erreichen kann. Es kann uns ja nichts mehr schaden, als wenn es uns in Diskussionen gelingt, unsere Wahrheit darzustellen, denn wir werden nicht deshalb gehaßt, weil wir die Unwahrheit sagen, sondern weil wir die Wahrheit sagen. Und je mehr es uns gelingt zu zeigen, daß wir die Wahrheit sagen, desto mehr wird das der Fall sein.
[ 38 ] Natürlich kann es einen davon nicht abhalten, für die Wahrheit einzutreten. Aber abhalten kann es einen davon, die Naivität zu bewahren [zu glauben], daß man durch Diskussionen vorwärtskommt. Man kommt nur durch positive Arbeit vorwärts. Man kommt nur dadurch vorwärts, daß man so stark als möglich die Wahrheit vertritt, damit so viel als möglich prädestinierte Seelen, die viel mehr, als man meint, in der Gegenwart vorhanden sind, herbeikommen, um an ihr die Geistesnahrung zu finden, die notwendig ist, wenn für die Zukunft der Menschen nicht Abbau, sondern Aufbau getrieben werden soll, wenn eine Aufwärtsentwickelung, nicht eine Abwärtsentwickelung stattfinden soll.
[ 38 ] Natürlich kann es einen davon nicht abhalten, für die Wahrheit einzutreten. Aber abhalten kann es einen davon, die Naivität zu bewahren [zu glauben], daß man durch Diskussionen vorwärtskommt. Man kommt nur durch positive Arbeit vorwärts. Man kommt nur dadurch vorwärts, daß man so stark als möglich die Wahrheit vertritt, damit so viel als möglich prädestinierte Seelen, die viel mehr, als man meint, in der Gegenwart vorhanden sind, herbeikommen, um an ihr die Geistesnahrung zu finden, die notwendig ist, wenn für die Zukunft der Menschen nicht Abbau, sondern Aufbau getrieben werden soll, wenn eine Aufwärtsentwickelung, nicht eine Abwärtsentwickelung stattfinden soll.
[ 39 ] Aus dem Chaos der Gegenwart ist nicht herauszukommen auf materiellem Wege. Aus dem Chaos der Gegenwart ist nur herauszukommen auf dem geistigen Wege. Aber auf den geistigen Weg kann man sich nur begeben, wenn man den Geist als Führer wählt. Und in rechtem Sinne den Geist als Führer zu wählen, zu verstehen, wie man ihn wählt, das ist es, was Anthroposophen in tiefstem Sinne erkennen und durchschauen müssen.
[ 39 ] Aus dem Chaos der Gegenwart ist nicht herauszukommen auf materiellem Wege. Aus dem Chaos der Gegenwart ist nur herauszukommen auf dem geistigen Wege. Aber auf den geistigen Weg kann man sich nur begeben, wenn man den Geist als Führer wählt. Und in rechtem Sinne den Geist als Führer zu wählen, zu verstehen, wie man ihn wählt, das ist es, was Anthroposophen in tiefstem Sinne erkennen und durchschauen müssen.
