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Erdenwissen und Himmelserkenntnis
GA 221

2 Februar 1923, Dornach

1. Erkenne dich Selbst. Das Erleben des Christus im Menschen als Licht, Leben und Liebe

[ 1 ] Wenn wir ein tierisches Wesen betrachten in seinem Leben, sagen wir während eines Jahreslaufes, so finden wir, daß das Tier den Jahreslauf in einer gewissen Weise miterlebt. Bedenken Sie zum Beispiel ein Insekt, das sich im Zusammenhange mit der Jahreszeit verpuppt, das zu einer anderen Zeit als Schmetterling auskriecht, dann zu einer anderen Jahreszeit seine Eier ablegt und so weiter. Wir können den äuBeren Naturlauf verfolgen, können dann den Lebenslauf eines solchen Insektes verfolgen, und wir werden einen gewissen Zusammenhang finden, gewissermaßen so etwas, wovon wir sagen können, das Tier richtet sich in seinem eigenen Leben nach seiner natürlichen Umgebung ein. Wenn wir den Menschen irgendeiner Menschengruppe, einer größeren Menschengemeinschaft, in älteren Zeiten der Erdenentwickelung betrachten, so finden wir, daß er auch mehr oder weniger instinktiv das Äußerlich-Natürliche miterlebt. Indem aber die Menschheitsentwickelung vorwärtsgeschritten ist, hörten jene Instinkte mehr oder weniger auf, welche den Menschen dazu brachten, seine unmittelbare natürliche äußere Umgebung mitzuerleben. So daß wir bei den Mitgliedern der vorgeschritteneren Menschheit nicht mehr ein solches äußeres Zusammenstimmen finden zwischen der unmittelbaren Umgebung der Natur und demjenigen, was an dem Menschen selbst auftritt. Das hängt damit zusammen, daß der Mensch ja einer Entwickelung unterliegt, welche die Geschichte der Menschheit ausmacht, und welche ein Ganzes innerhalb der langen planetarischen Entwickelungsepoche der Erde bildet.

[ 2 ] Wenn wir, weil dabei ja die Verhältnisse am deutlichsten auftreten, ein niederes Tier nehmen, ein Insekt eben, so finden wir, daß ein solches Tier einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum, einen Jahreslauf etwa miterlebt. Dann wiederholt sich mit dem Tiere dasjenige, was in einem einzelnen Jahreslauf sich abspielt.

[ 3 ] Für die Menschheit haben wir ja bei unseren geschichtlichen Betrachtungen des öfteren eine gewisse Gesetzmäßigkeit gefunden, die durch lange Erdenzeiten, durch lange Zeiten unseres Planeten hindurchgeht. Wir haben zum Beispiel das uns ja so Geläufige gefunden, daß in älteren Zeiten die Menschen eine Art instinktiven Hellsehens hatten, ein Bilderbewußtsein, daß dann dieses Bilderbewußtsein abgeglommen ist in einer mittleren Zeit der Menschheitsentwickelung, wo ein Übergang war von dem alten Bilderbewußtsein zu dem modernen intellektualistischen Begriffsbewußtsein. Und unsere geschichtliche Gegenwart seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts haben wir ja öfters angeführt als die Zeit der eigentlichen Bewußtseinsseelenentwickelung, da wo der Mensch eintritt in das intellektualistische Denken im engeren Sinne, das ihn dann zum freien Selbstbewußtsein erst vollständig bringt.

[ 4 ] Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus also einen langen Zeitraum betrachten, dann erst finden wir eine gewisse überschaubare Regelmäßigkeit in der Entwickelung der ganzen Menschheit, eine Regelmäßigkeit, die wir für diesen langen Zeitraum schon vergleichen müssen mit der Regelmäßigkeit in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum, sagen wir für ein Insekt, das den Jahreslauf miterlebt.

[ 5 ] Nun, in älteren Zeiten war noch ein gewisses Miterleben, ein instinktives Miterleben der Menschheit mit dem natürlichen Lauf, mit der natürlichen Umgebung. Aber die Instinkte sind mehr oder weniger abgelähmt worden, und heute leben wir in einer Zeit, in der das bewußte Innenleben an die Stelle des alten instinktiven Lebens treten muß.

[ 6 ] Würde nun der Mensch nur so leben, daß er, ich möchte sagen, sich dem Zufall übergibt, daß er nicht aufnimmt innere Richtungslinien und Gesetzmäßigkeiten, in einem bestimmten Zeitpunkte nicht sich sagt: So mußt du deine ganze Wesenheit orientieren —, würde der Mensch nicht zu einer solchen inneren Orientierung kommen, sondern sich dem Zufall überlassen in seinem Hinleben von der Geburt bis zum Tode hier auf Erden, er würde, trotzdem er durch sein höher entwikkeltes Seelenleben über das Tier hinausragt, durch diese Handhabung seines Seelenlebens unter die Tierheit heruntersinken.

[ 7 ] Dann müßten wir sagen: Das Insekt hat eine gewisse Richtung seines Lebens für den Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Es überläßt sich nicht dem Zufall des Werdens, es stellt sich in einer gewissen RegelmäBigkeit in der Aufeinanderfolge der Lebensstadien in die Welt hinein.

[ 8 ] Wenn wir aber sehen, wie der Mensch aus dem instinktiven älteren Miterleben mit der Natur, das zwar seelischer war als das der Tiere, das aber dennoch instinktiv war, herausgetreten ist und die neuere, bewußtere Form angenommen hat, so finden wir allerdings, daß der Mensch, trotz seines höheren Seelen- und Denklebens, mit der Ablähmung seiner Instinkte sich mehr in ein chaotisches Leben hineinbegeben hat und dadurch in einer gewissen Weise unter das Tierische heruntergesunken ist.

[ 9 ] Man möge noch so sehr hervorheben, was der Mensch zunächst als herausragend über die Tierheit hat, dasjenige, was er auf der anderen Seite als seinen neueren Fortschritt entwickelt hat, wir werden dennoch gerade von den hier angegebenen Gesichtspunkten aus sagen müssen: Jenes innere Richtunggebende seines Lebens hat der Mensch eigentlich verloren. Denn er müßte dieses Richtunggebende seines Lebens darinnen sehen, daß er als ein Glied der Menschheit sich bewußt ist: Du bist ein Mensch dieses oder jenes Jahrhunderts. Dieses oder jenes Jahrhundert nimmt aber in dem Gesamtwerden deines Planeten eine bestimmte Stellung ein, so wie der Monat September eine bestimmte Stellung im Jahreslauf für ein niederes Lebewesen einnimmt. Du mußt dir bewußt werden, wie dein Seelenleben sich in eine bestimmte historische Epoche hineinstellen muß.

[ 10 ] Das muß allerdings etwas werden, das sich der Mensch aneignet, indem er immer mehr und mehr hineintritt in die Bewußtseinsseelenentwickelung. Der Mensch muß bewußt sich sagen können: Ich lebe in dieser oder jener Epoche, und ich bin nicht im vollen Sinne des Wortes Mensch, wenn ich mich dem Zufall überlasse, der mich durch die Geburt ins irdische Dasein hereingestellt hat, das heißt für mein Bewußtsein dem Zufall überlasse, sonst bin ich dem Karma überlassen. Ich bin nur dann im vollen Sinne des Wortes Mensch, wenn ich mir Rechenschaft darüber ablege, was die geschichtliche Entwickelung der Menschheit von meinem Seelenleben will, indem ich einer gewissen Epoche angehöre. Das Tier lebt im Jahreslauf. Der Mensch muß lernen, in der Geschichte der Erde zu leben.

[ 11 ] Wir haben ja als wichtigstes Ereignis in diese Geschichte der Erde das Mysterium von Golgatha hineingestellt. Und wir haben des öfteren betrachtet, was es heißt, der Mensch habe vor dem Mysterium von Golgatha gelebt, oder er lebte in einem gewissen Zeitpunkt nach dem Mysterium von Golgatha. Wir haben gewissermaßen einen Ruhepunkt in der geschichtlichen Entwickelung, indem wir von diesem größten historischen Ereignis auf Erden zurück- und vorwärtsrechnen. Aber wir werden einem solchen Rechnen in bezug auf das Mystetium von Golgatha erst voll gerecht, wenn wir auch für die einzelnen Epochen des geschichtlichen Lebens ins Auge fassen können, was eben des Menschen Seelenaufgabe in einer bestimmten Epoche ist.

[ 12 ] Die geschichtliche Darstellung, wie man sie heute gewöhnlich hat, genügt nicht, um ein solches Bewußtsein für eine bestimmte Epoche zu gewinnen. Denn die bloße Erzählung, wie sich das persische, das babylonische, das ägyptische, das griechische, das römische Leben und so weiter entwickelt hat, das gibt dem Menschen doch keinen Aufschluß über ein regelmäßiges Sich-Hineinstellen in das ganze geschichtliche Werden seines Planeten, so wie sich regelmäßig das Tier hineinstellt in den Jahreslauf.

[ 13 ] Nun haben wir ja schon in der verschiedensten Weise die einzelnen Epochen der Geschichte studiert, um daraus einen Begriff zu bekommen, was wir besonders in unserer Epoche innerhalb unseres Seelenlebens lebendig zu machen haben. Aber das Leben ist reich und vielartig, und wenn man zu der wahren Wirklichkeit des Erdenlebens, des Menschheitslebens überhaupt kommen will, so muß das Leben immer wieder von den verschiedensten Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Und so möchte ich Ihnen heute wiederum einen Gesichtspunkt im Menschenleben entwickeln, der geeignet ist, hinzuweisen auf die besondere Artung des Seelenlebens des Menschen in unserer Zeit.

[ 14 ] Wenn wir in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung zurückblicken, so finden wir ja in den einzelnen Lebensgebieten der Erde eingestreut dasjenige, was wir als die Mysterien kennengelernt haben. Wir finden, daß die einzelnen über die Erde hin lebenden Menschengruppen sich äußerlich sogar, aber namentlich seelisch, kulturell, unter dem Einfluß dieser Mysterien entwickeln. Wir finden, daß einzelne Menschen je nach ihrem Reifegrade in die Mysterien aufgenommen werden, daß sie dort eine Entwickelung durchmachen, die sie zu einer gewissen Stufe des Erkennens, des Fühlens, des Wollens bringt, und daß sie dann als solche Erkennende, Höher-Fühlende, Höher-Wollende unter die übrigen Menschengenossen hinaustreten und diesen für die einzelnen Dinge des Lebens, für die innere Stärke und Kräftigung der Seele, für das äußere Wollen und Tun die Richtungslinien geben. Man kann daher das, was solche Richtungslinien für ältere Epochen der Menschheit waren, am besten daran studieren, wie die in die Mysterien Einzuweihenden zu solchen Richtungslinien gebracht worden sind.

[ 15 ] Ähnlich wie heute, nur eben nicht, wie wir oft gehört haben, in der abstrakt-intellektualistischen Weise wie gegenwärtig, wurden die Schüler der Mysterien dazu gebracht, ihre Umwelt kennenzulernen, sagen wir, um das Hauptsächlichste herauszugreifen, dasjenige kennenzulernen, was in den sogenannten drei Reichen der Natur lebt. Wir lernen heute schon von der untersten Schulstufe ab durch allerlei Begriffe und Vorstellungen uns hineinversetzen in die drei Reiche der Natur. Wir lernen durch Begriffe und Ideen das Mineralische, das Pflanzliche, das Tierische kennen und wollen, von da ausgehend, auch Aufschlüsse über das menschliche Leben und Wesen selber gewinnen.

[ 16 ] Solche Begriffe, solchen intellektualistischen Seeleninhalt, wie er heute den Menschen mitgeteilt wird, gab es allerdings in jenen älteren Zeiten bei den in die Mysterien Einzuweihenden nicht. Begriffe waren auch da, aber sie waren nicht in der Weise errungen, erarbeitet im inneren Seelenleben durch Logik, Beobachtung und so weiter wie heute, sondern sie waren dadurch an den Menschen herangebracht, daß der Mensch eine innere Seelenentwickelung durchzumachen hatte, und daß er dann zu Bildern kam über das Mineralische, über das Pflanzliche, über das Tierische. Nicht jene abstrakten Begriffe nahm er auf, die er heute aufnimmt, sondern Bilder — Bilder, die der heutige intellektualistische Mensch vielleicht als phantastisch empfinden wird, aber eben Bilder nahm er auf, der Mensch. Er wußte aber von diesen Bildern durch unmittelbares Erleben, daß ihm das, was er in den Bildern erfuhr, in den Bildern erlebte, etwas gab von dem, was in den Dingen, in den Mineralien, Pflanzen, Tieren selber drinnen war, was in ihnen wuchs, was in ihnen Gestalt annahm, was in ihnen sich entfaltete. Das wußte er. Er wußte es eben aus den Bildern, die dem heutigen Menschen wie phantastische Mythen und dergleichen vorkommen.

[ 17 ] Der alte Mensch wußte, daß er Wirklichkeitsgemäßes hatte an dem, was der heutige Mensch mehr oder weniger als mythologisch-phantastisch empfindet. Der ältere Mensch wußte: Wenn ich ein Tier in der physisch-sinnlichen Welt anschaue, so steht es vor mir in festen Umtissen. — Diese festen Umrisse zu begreifen, war aber nicht eigentlich seine Absicht. Seine Absicht war vielmehr, das überall flutende, bewegliche, flüssige Leben zu verfolgen. Das konnte man nach seinen Anschauungen nicht in scharf umrissenen Bildern, nicht in scharf umtissenen Begriffen, sondern das mußte man in flüssigen, sich verwandelnden, sich metamorphosierenden Bildern vermitteln. Und so wurde es ihm in den Mysterien vermittelt.

[ 18 ] Dann aber, wenn der Mensch auf Grundlage dieser Mysterienerkenntnis aufsteigen sollte dazu, sich selbst zu erkennen, dann machte er in seiner Seele zunächst eine bedeutungsvolle Krise durch. Er hatte in seiner für die alte Zeit zeitgemäßen Erkenntnis Bilder empfangen von dem Mineralischen, von dem Pflanzlichen, von dem Tierischen. Er konnte in der seinem traumhaften Bewußtsein entsprechenden Weise gewissermaßen das Innere der Naturreiche durchschauen. Er hatte aus seinem Mysterienwesen heraus in einer ähnlichen Weise, wie spätere Zeiten, die Richtungslinien daraufhin bekommen, sich selbst zu erkennen. Das «Erkenne dich selbst» war doch ein Ideal durch alle Zeiten der menschlichen Kultur- und Zivilisationsentwickelung hindurch. Aber indem er, dieser ältere Mensch, von seiner Art imaginativer Naturerkenntnis aufsteigen sollte zur Selbsterkenntnis, machte er eine innere Seelenkrise durch.

[ 19 ] Soll ich Ihnen schildern, worin diese innere Seelenkrisis bestand, so muß ich das Folgende sagen: Der Mensch hatte sein Seelenleben erfüllt, indem er hinaussehen gelernt hatte auf das Wesen des ausgebreiteten Mineralischen, er trug Wirkungen der mineralisch-physischen Vorgänge in sich. Er trug des weiteren Bilder von dem mannigfaltig in sich verwebenden pflanzlichen Leben in sich. Er trug Bilder des Tierischen in sich. Er konnte das auch zusammenfügen zu einer mineralisch-pflanzlich-tierischen Welt. Indem er, gewissermaßen von dem Hinausschauen ausgehend, zurückschaute in sein Inneres, hatte er in seiner primitiveren Art von Gedächtnis ein inneres Bild des Mineralreiches, des Pflanzenreiches, des Tierreiches und ein inneres Bild des Zusammenwirkens.

[ 20 ] Wenn er dann heranging an die Erfüllung der Forderung: «Erkenne dich selbst», dann mußte er plötzlich stehenbleiben, dann mußte er sich sagen: Ich habe eine mannigfaltige, formenreiche, farbenreiche, sogar innerlich tönende, man möchte sagen, innerlich musikalische Bilderwelt von demjenigen, was außer dem Menschen im Erdenleben vorhanden ist. Aber diese ganze formenreiche, mannigfaltige, sich verwandelnde, in Farben überall schillernde und leuchtende und glänzende, in Tönen erklingende Welt, sie läßt mich im Stiche, wenn ich die Forderung «Erkenne dich selbst» erfüllen will. Indem ich das Menschenwesen selber in einer solch bildhaften Weise fassen will, kann ich das nicht. Ich bekomme zwar auch für den Menschen Bilder, aber indem ich diese Bilder erlebe, weiß ich aus dem Erleben der Bilder selbst heraus: das ist nicht der wirkliche Mensch, das ist nicht das, was ich empfinde, wenn ich meine Menschenwürde empfindend erlebe. Das bin ich nicht in Wirklichkeit.

[ 21 ] Und aus dieser Krise heraus, die da der Mensch durchmachte in bezug auf die Ohnmacht der Selbsterkenntnis, entwickelte sich dann für den Menschen, der durch die Mysterieneinweihung eben diese Krisis durchlebt hat, etwas anderes. Es entwickelte sich daraus eine ganz bestimmte Lebensüberzeugung, eine Lebensüberzeugung, die wir auf dem Grunde aller alten Zivilisationen finden.

[ 22 ] Diese Lebensüberzeugung bestand darinnen, daß der Mensch, der wirklich aufgeklärt war in älteren Zivilisationen, sich sagte: Hier auf Erden, wo die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere ihre Bestimmung finden, wo sie in der Lage sind, ihr Wesen zu offenbaren in den Bildern, die ich mir selber von ihnen machen kann, hier auf dieser Erde offenbart der Mensch sein Wesen nicht.

[ 23 ] Das ist die auf dem Grunde aller älteren Zivilisationen lebende Überzeugung, daß der Mensch nicht in demselben Sinne zur Erde gehört, wie die Wesen der anderen Naturreiche, daß er gewissermaßen die Heimat seines eigenen Wesens woanders als auf Erden hat, daß er diese Heimat seines eigenen Wesens in der übersinnlichen Welt hat. Und das war keine willkürliche Glaubensvorstellung, sondern das war etwas, was die Menschen sich in einer Krisis ihres Seelenlebens errungen haben, nachdem sie eben zunächst die ihrer Zeit gemäße Erkenntnis über das Außermenschliche im Erdenleben erworben hatten.

[ 24 ] Und eine Lösung dieser Krisis gab es ja nur dadurch, daß in jenen älteren Zeiten der Mensch vermöge der in ihm damals noch vorhandenen Fähigkeiten hingewiesen werden konnte auf das vorirdische Leben, und von da aus auch auf das nachirdische Leben, auf das Leben nach dem Tode.

[ 25 ] Das vorirdische Leben war in einer gewissen Weise jedem instinktiven Menschen bewußt. Es ragte herein wie eine vorirdische Erinnerung in das irdische Leben. Und das nachirdische Leben wurde in der Weise, wie ich das ja in dem sogenannten Französischen Kurs angedeutet habe, dann in der Erkenntnis auf Grundlage des vorirdischen Lebens erworben.

[ 26 ] Aber was lernte der Mensch da auf Grundlage seiner alten Fähigkeiten wissen? Er lernte wissen: Wenn du durch die Pforte des Todes getreten bist, dann erst wird der Zeitpunkt gekommen sein, in dem du nicht nur das Wesen der außermenschlichen Natur vor dir haben wirst, sondern in der du dein eigenes Wesen vor deiner Seele wirst auftreten schauen. Denn das war das Eigentümliche einer älteren Menschheitsentwickelung, daß der Mensch damals zwischen Geburt und Tod ausschließlich ein Bilderbewußtsein entwickelte, wie ich es öfters geschildert habe, noch nicht das intellektualistische Bewußtsein, das wir heute haben. Dieses intellektualistische Bewußtsein, das wir heute haben, das entwickelte der Mensch in jenen älteren Zeiten unmittelbar nach dem Tode. Und er behielt es dann nach dem Tode.

[ 27 ] Das ist das Eigentümliche im Fortschritt der Menschheitsentwickelung, daß das intellektualistische Bewußtsein, das die Menschen einer älteren Zeit nach dem Tode so hatten, wie wir heute für den Menschen die bloß bildhafte Rückschau der drei Tage nach dem Tode beschreiben, das war das Eigentümliche, daß der Mensch einer älteren Zeit auf der Erde ein traumhaftes Bilderbewußtsein hatte, so wie wir heute schon im Erdenleben das intellektualistische Bewußtsein haben, und nach dem Tode hineinwuchs in das intellektuelle Leben, das ihm dann, wenn er körperbefreit war, die Freiheit gab. In älteren Zeiten wurde der Mensch nach dem Tode ein intellektualistisches und freies Wesen.

[ 28 ] Und indem der Mysterienschüler eingeweiht wurde in diese Tatsache, konnte ihm klargemacht werden, auf Grundlage der damaligen Menschenerkenntnis: Hier auf dieser Erde kannst du durch dein Bilderbewußtsein eine Erkenntnis gewinnen von dem Außermenschlichen. Aber indem du gemäß der Forderung «Erkenne dich selbst» auf dich zurückblickst, findest du dich mit deiner vollen Menschenwürde im irdischen Leben vor dem Tode eigentlich nicht. Du wirst ein voller Mensch erst, wenn du durch die Pforte des Todes getreten bist. Dann wirst du das reine Denken in deinen Besitz bekommen können, dann wirst du mit dem reinen Denken ein freies Wesen werden können.

[ 29 ] Das ist das Eigentümliche, diese Form des Bewußtseins, die für ältere Zeiten der Menschheitsentwickelung so für den Menschen nach dem Tode eingetreten ist, wie für uns heute die Rückschau nach dem Tode; die hat sich gewissermaßen in einer dem Menschenleben entgegengesetzten Strömung hereinbewegt von dem nachtodlichen Leben, von dem nachirdischen Leben in das irdische Leben herein. Und das, was wir in ausgesprochenem Maße als Menschen uns erworben haben seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, das ist hereingewandert von dem nachirdischen Menschen in den irdischen Menschen. Das heißt, es ist das wirkliche Menschenwesen, von dem den älteren Mysterienschülern klargeworden ist, du findest es erst im überirdischen Dasein nach dem Tode, es ist dieses Menschenwesen in das irdische Leben hereingezogen. Ein wirklicher übersinnlicher Strom ist in das irdische Menschenleben hereingezogen, indem er unserem Menschenleben, das vom Vorher zu dem Nachher geht, sich entgegensetzt, vom Nachher zum Vorher bewegt. Wir sind als Menschen eines Überirdischen teilhaftig geworden und haben damit allerdings die Aufgabe übernommen, dieses aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche Hereingezogenen würdig zu werden, unsere Freiheit auch innerlich zu gewinnen, das Übersinnliche bewußt im Sinn der Bewußtseinsseelenentwickelung voll anzuerkennen.

[ 30 ] Es ist wirklich so, daß, wenn auch ältere Zeiten gewissermaßen über den Menschen erhoben gefunden haben die Forderung: «Erkenne dich selbst», ihm als Antwort wurde: Hier auf Erden gibt es keine Selbsterkenntnis, denn hier auf Erden ist das volle Menschenwesen gar nicht erfüllt. Du bist nicht voll Mensch auf der Erde, du bist voll Mensch erst, wenn du durch die Pforte des Todes geschritten sein wirst und hineingegangen sein wirst in die übersinnliche Welt.

[ 31 ] Noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha und Jahrhunderte später nannte man daher den Menschen, wie er auf Erden lebt, im Sinne der alten Mysterienweisheit: den natürlichen Menschen. Aber man war zu gleicher Zeit der Ansicht, dieser natürliche Mensch ist nicht der wahre Mensch, ist nicht der volle Mensch, trägt das volle Menschenwesen gar nicht in sich. Und man unterschied von diesem natürlichen Menschen den pneumatischen Menschen, den geistigen Menschen. Und man war der Ansicht, daß der Mensch erst, wenn er nach Ablegung des physischen Leibes mit Durchschreiten der Todespforte pneumatischer Mensch geworden ist, er erst als ein solcher pneumatischer Mensch voller Mensch sein kann. Daher war mit der Mysterieneinweihung der alten Zeiten die Entwickelung höchster Bescheidenheit für das Erdenbewußtsein des Menschen verbunden. Hochmütig konnte der Erdenmensch durch die Mysterieneinweihung nicht gemacht werden, denn er bekam nicht etwa das Gefühl: du bist auf dieser Erde schon im vollen Sinne des Wortes Mensch, sondern er bekam das Bewußtsein: du bist gewissermaßen ein Kandidat des Menschlichen hier auf Erden, und du mußt dein Erdenleben so anwenden, daß du nach deinem Tode voll Mensch werden könntest.

[ 32 ] So also empfand man den auf der Erde herumwandelnden Menschen im Sinne dieser Mysterienweisheit nicht als eine wahre Offenbarung des Vollmenschlichen. Erst in der Griechenzeit und in derjenigen Zeit, die dann später unter dem Einflusse der griechischen Kultur bestanden hat, empfand man, ich möchte sagen, mit der Intellektualität und mit der Freiheit das Hereinströmen des nachirdischen wahren Menschenwesens in das irdische Menschenwesen. Und man sah im Sinne der griechischen Zivilisation den irdischen Menschen so an, daß zwar auch nicht in dem einzelnen auf Erden herumwandelnden irdischen Menschen das ganze menschliche Wesen voll erfüllt war, aber in dem, was der irdische Mensch war, sah man gewissermaßen den aus dem Überirdischen in das Irdische hereinziehenden arbeiten. In der Art und Weise, wie sich ausprägten des Menschen Physiognomie, seine Betätigungsweise, seine Gestaltung, in alledem sah man verehrungsvoll das Hereinströmen des Überirdischen in das Irdische.

[ 33 ] Das alles ist mit der neueren Menschheitsentwickelungsphase anders geworden. Mit der neueren Menschheitsentwickelungsphase muß sich der Mensch sagen: Ich habe die große Aufgabe, meiner Menschheit mir bewußt zu werden. Ich habe die Aufgabe auf dieser Erde, wenigstens bis zu einem gewissen Grade den Menschen in seinem Wesen schon voll darzustellen. Auch über mir erhebt sich die Forderung: «Erkenne dich selbst.» Aber indem ich ein intellektualistisches Bewußtsein erworben habe, kann ich eben die innerliche Kraft des reinen Denkens und die innerliche Seelenverfassung der Freiheit erfassen in der Selbsterkenntnis des Menschen. Ich kann vor mein Seelenauge den Menschen bekommen. Hochmütig darf der Mensch auch durch diese, bis zu einem gewissen Grade sich erfüllende Forderung «Erkenne dich selbst» nicht werden. Denn in jedem Momente muß er sich ja bewußt werden, wie er zu erringen hat dasjenige, was seine wirkliche Freiheit ist, wie er in seinen Leidenschaften, in seinen Emotionen, in seinen Gefühlen und Empfindungen von dem abhängig ist, was untermenschlich ist, und was in einem so hohen Grade eine alte Menschheit durch das Bilderbewußtsein lebendig im Außermenschlichen geschaut hat, und damit auch schauen konnte im Menschlichen, das heißt aber im Untermenschlichen. Und die Anerkennung dieses Untermenschlichen für das, was man erkennen konnte, die war eine große in jenen alten Zeiten. Denn man sagte sich: Der wahre Mensch lebt gar nicht auf Erden — denn den wahren Menschen hätte man als intellektualistisches Wesen mit dem intellektualistischen Erkennen erfassen müssen. Mit dem nichtintellektualistischen Bildererkennen kann man nur das Untermenschliche zunächst erfassen. Erst dann, wenn das Intellektualistische, das in freier innerer Seelenverfassung lebt, so wie ich es dargestellt habe in meiner «Philosophie der Freiheit», erst wenn dieses nun weiterentwickelt wird zur bewußten exakten Hellsichtigkeit, vermag der Mensch auch sich zu erkennen in bezug auf die anderen Glieder seiner Wesenheit, außer dem intellektualistischen reinen Denken und dem freien Impuls des Wollens.

[ 34 ] Er vermag durch ein solches höheres Bewußtsein, durch das imaginative, inspirierte, intuitive Bewußtsein sich auch in seinem außerintellektuellen Wesen zu erkennen als einen Angehörigen der übersinnlichen Welt. Und dann wird ihm klar: Du bist zwar ein voller Mensch — das enthüllt sich vor deiner Selbsterkenntnis —, aber das volle Menschentum erfordert von dir, daß es immer vollkommener und vollkommener werde.

[ 35 ] Und so kann der Mensch der neueren Zeit nicht jene Art von Bescheidenheit entwickeln, die er entwickeln mußte in älteren Epochen der Zivilisation, und die ihm dadurch kam, daß er sich sagen mußte: Indem du in einem physischen Leibe lebst, bist du ja gar nicht Vollmensch, erfüllst du ja gar nicht deine volle Menschenwürde und deinen vollen Menschenwert, sondern du bist nur ein Kandidat des Menschenwesens. Du kannst dich nur vorbereiten für Bewußtsein und Freiheit, wie sie unmittelbar nach dem Tode in dir auftreten.

[ 36 ] Der neuere Mensch aber muß sich sagen, nachdem er die Zwischenstufe des Griechischen in anderen Erdenleben durchgemacht hat: Du mußt achtgeben, daß du nicht versäumst, ein wahrer Vollmensch zu sein in deinem fleischlichen Leibe zwischen Geburt und Tod, denn dir ist es beschieden als moderner Mensch, innerlich auszuarbeiten dasjenige, was aus dem vorirdischen Leben in das irdische Leben hereingetreten ist. Du kannst Mensch auf Erden werden. Du mußt daher die Schwierigkeit auf dich nehmen, Mensch zu werden auf der Erde.

[ 37 ] Das drückt sich auch aus in der Entwickelung des religiösen Bewußtseins der Menschen. Wir haben ja das letzte Mal hier gehört, wie eine ältere Zeit vorzugsweise aufblickte zu dem Vatergotte und in dem Christus den Gottsohn hatte. Den Vatergott aber sah man in dem Substantiell-Schöpferischen und Lenkerischen des Übersinnlichen, von dem das Sinnlich-Irdische nur ein Abglanz ist. Man blickte auf zu dem Kosmischen von der Erde aus. Und im religiösen Bewußtsein blickte man in diesem Sinne zum Vatergotte auf.

[ 38 ] Die Mysterienschüler waren sich immer bewußt: das Höchste, was sie über den Menschen lernen konnten, ist eine Vorbereitung für das Leben nach dem Tode. Nun ist durch das Mysterium von Golgatha der Gottessohn verbunden worden mit dem Erdenleben, und der Mensch kann im Sinne des Paulinischen Wortes das Bewußtsein entwickeln: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Dadurch aber, daß der Mensch den Christus-Impuls in sich aufleben läßt, daß er seine innere Tätigkeit orientiert, so daß ihn der Sinn, das Leben des ChristusImpulses durchweht und durchwellt, dadurch kann der Mensch eben jenen Strom erfühlen, der zu uns Menschen gekommen ist aus dem vorirdischen Leben und ihn während des irdischen Lebens in sich aufnehmen. Und das erste primitive Aufnehmen dieses Stromes in das irdische Leben besteht eben darin, daß sich der Mensch sagt: In einem gewissen Zeitpunkte meines Lebens komme ich dazu, innerlich aufsprießen und aufleben zu fühlen etwas, was bisher unter der Schwelle meines Bewußtseins gesessen hat, wovon ich jetzt merke, es ist da. Jetzt steigt es herauf! Es erfüllt mich mit innerem Lichte, also mit innerer Wärme. Ich weiß neuerdings dadurch, daß dieses innere Leben, diese innere Wärme, dieses innere Licht im Laufe des Erdenlebens nach der Geburt erst in mir aufgestiegen ist, ich weiß jetzt vom Erdenleben mehr, als mir angeboren ist. Ich lerne im Erdenleben etwas kennen, was in meiner Menschheit heraufsteigt.

[ 39 ] Indem dann der Mensch dieses in ihm heraufsteigende Licht und Leben und diese in ihm heraufsteigende Liebe als den in ihm webenden und lebenden Christus-Impuls empfindet, bekommt er in sich die Kraft, das Nachirdische als das Vollmenschliche im freien inneren Seelenleben zu erfassen.

[ 40 ] Und so hängt das Mysterium von Golgatha und der Christus-Impuls innig zusammen mit der Erlangung des menschlichen Freiheitsbewußtseins, jenes Bewußtseins, das auch imstande ist, das bloße Denken, das sonst tot und abstrakt wird, mit innerem Leben und mit innezer Wärme zu durchpulsen.

[ 41 ] Dadurch aber wird das Erleben des Christus in dem Menschen in der neueren Zeit hingestellt in seiner ganzen Wichtigkeit und Wesentlichkeit neben die Forderung, die an den Menschen zu allen Zeiten ergangen ist und auch heute ergeht: «Erkenne dich selbst. Befruchte dich in dir selbst zum vollen Menschentum.»

[ 42 ] Damit ist aber wieder in einer gewissen Weise angedeutet, wie unterschieden dasjenige im Menschen ist, was in der heutigen Epoche in seiner Seelenverfassung zu leben hat, gegenüber der Seelenverfassung in einer älteren Zeitepoche. Und wir lernen über einen großen Zeitraum hinüber den Menschen so betrachten, wie wir betrachten müssen das Insekt, von dem wir sagen müssen: es spürt, es empfindet im ganzen Weltenzusammenhange die Epoche des Sommers, und schickt sich an, zur rechten Zeit zu empfinden den Übergang in die Herbstepoche, um eine andere Lebensgestaltung in diese Herbstepoche hineinzusetzen, als es in die Frühlings- und Sommerepoche hineingesetzt hat. So wie das Tier im Jahreslauf lebt, so soll der Mensch in der Geschichte seines Erdenplaneten leben können. Er soll sich sagen können: Da war, wie für das Insekt die Frühlingszeit, so für mich einmal die Zeit des alten instinktiven Hellsehens mit Unfreiheit, mit dem Bilderbewußtsein, mit der Unmöglichkeit der Erfüllung der Forderung «Erkenne dich selbst», mit dem Bewußtsein: du bist ein Vollmensch erst, wenn du durch die Pforte des Todes geschritten bist. Dann kam, wie für das Insekt der Sommer und Herbst, die Griechenzeit. Da war der Übergang zu einer späteren Zeitepoche, in der ich nun lebe, und in der jetzt die Seelenaufgabe diese ist: in einem gewissen Sinne hier auf Erden zu erfüllen das «Erkenne dich selbst», und dadurch auch nach dem Tode zu höheren Stufen der Lebensentfaltung zu kommen, als es diejenigen einer älteren Menschheit waren, wo der Mensch eben erst nach dem Tode ein voller Mensch werden konnte.

[ 43 ] In jenen älteren Zeiten hatte der Mensch die Aufgabe, hier auf Erden ein Kandidat des Lebens zu sein, nach dem Tode dadurch ein voller Mensch zu werden. In dieser unserer gegenwärtigen Epoche hat der Mensch die Aufgabe, hier auf Erden sich die Möglichkeit zu erringen, ein Vollmensch zu sein, damit er dann nach dem Tode in höhere Stufen der Entwickelung eintreten könne, als das der ältere Mensch konnte. Der ältere Mensch setzte sich der Gefahr aus, wenn er das Erdenleben nicht richtig lebte, nicht bis zur vollen Menschheit zu kommen. Der neuere Mensch steht vor etwas anderem. Er steht davor, auf Erden erringen zu müssen das volle Menschentum. Und erringt er es nicht, dann verleugnet er es, und dann stößt er sich für das Leben nach dem Tode weiter in das Untermenschliche hinunter. Der ältere Mensch konnte etwas unterlassen; der neuere Mensch zerstört etwas. Der ältere Mensch unterließ etwas, wenn er nicht ein Kandidat des Lebens wurde; der neuere Mensch zerstört in seinem Menschentum etwas für die ganze Menschheit, wenn er nicht darnach strebt, auf Erden ein vollmenschliches Wesen zu werden, denn er verleugnet dadurch die Menschheit, während der ältere Mensch sie nur versäumte.

[ 44 ] So muß gedacht werden, wenn der Mensch auf seiner höheren Stufe des Daseins bewußt in demselben Sinne in die Welt sich hineinstellen will, wie das Tier instinktiv auf einer niederen Stufe in seine Welt sich hineinstellt, sonst liefert sich der Mensch dem Chaos aus, was das Tier aus seinem Instinkte heraus nicht tut.

[ 45 ] Das ist etwas, was wir lernen müssen durch Anthroposophie: wirklich Mensch zu sein, damit wir nicht die Schande erleben, weniger zu sein im Weltenall, trotzdem uns die Götter zu Höherem bestimmt haben, weniger zu sein im Weltenall als das Tier, das nicht versäumt, die Harmonie des Weltenalls mitzumachen, während wir Menschen, wenn wir so nicht denken wollen, wie es angedeutet ist durch das Hineinstellen des rechten Bewußtseins in die rechten Zeiten, die Weltenharmonie in Mißtöniges verwandeln und dadurch, ich möchte sagen, kosmisch Schande auf uns laden.

[ 46 ] So müssen wir unser Gefühlsleben verbinden lernen mit unserem intellektualistischen Leben in der modernen Zeit. Wir müssen erleben lernen, daß es eine Schande sein kann, nicht nach derjenigen Erkenntnis zu streben, welche uns zum vollen Menschen macht, eine Schande vor den Göttern der Welt.