The Annual Cycle as the Earth's Breathing Process
GA 223
2 April 1923, Dornach
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The Annual Cycle as the Earth's Breathing Process, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Wir dürfen nicht unterschätzen, welche Bedeutung für die Menschheit so etwas hat wie die Hinlenkung aller Aufmerksamkeit auf eine Festeszeit des Jahres. Wenn auch in unserer Gegenwart das Feiern der religiösen Feste mehr ein gewohnheitsmäßiges ist, so war es doch nicht immer so, und es gab Zeiten, in denen die Menschen ihr Bewußtsein verbanden mit dem Verlauf des ganzen Jahres, indem sie bei Jahresbeginn sich so im Zeitenverlaufe stehend fühlten, daß sie sich sagten: Es ist ein bestimmter Grad von Kälte oder Wärme da, es sind bestimmte Verhältnisse der sonstigen Witterung da, es sind bestimmte Verhältnisse da im Wachstum oder Nichtwachstum der Pflanzen oder der Tiere. — Und die Menschen lebten dann mit, wie allmählich die Natur ihre Verwandlungen, ihre Metamorphosen durchmachte. Sie lebten das aber so mit, indem ihr Bewußtsein sich mit den Naturerscheinungen verband, daß sie gewissermaßen dieses Bewußtsein hinorientierten nach einer bestimmten Festeszeit, sagen wir also: im Jahresbeginne durch die verschiedenen Empfindungen hindurch, die mit dem Vergehen des Winters zusammenhingen nach der OÖsterzeit hin, oder im Herbste mit dem Hinwelken des Lebens nach der Weihnachtszeit hin. Dann erfüllten die Seele jene Empfindungen, die sich eben ausdrückten in der besonderen Art, wie man sich zu dem stellte, was einem die Feste waren.
[ 1 ] We must not underestimate the significance for humanity of something like focusing all attention on a festive season of the year. Even though the celebration of religious festivals is more of a matter of habit in our time, this was not always the case, and there were times when people aligned their consciousness with the course of the entire year, feeling at the beginning of the year that they stood at a certain point in the passage of time, so that they said to themselves: There is a certain degree of cold or warmth, there are certain conditions regarding the rest of the weather, and there are certain conditions regarding the growth or lack of growth of plants or animals. — And people then experienced firsthand how nature gradually underwent its transformations, its metamorphoses. But they experienced this in such a way—by uniting their consciousness with the phenomena of nature—that they, so to speak, oriented this consciousness toward a specific festival season; let us say, at the beginning of the year, through the various sensations associated with the passing of winter toward Easter, or in the fall, with the withering of life toward Christmas. Then the soul was filled with those sensations that found expression precisely in the particular way one related to what the festivals meant to one.
[ 2 ] So erlebte man also den Jahreslauf mit, und dieses Miterleben des Jahreslaufes war ja im Grunde genommen ein Durchgeistigen desjenigen, was man um sich herum nicht nur sah und hörte, sondern mit seinem ganzen Menschen erlebte. Man erlebte den Jahreslauf wie den Ablauf eines organischen Lebens, so wie man etwa im Menschen, wenn er ein Kind ist, die Äußerungen der kindlichen Seele in Zusammenhang bringt mit den ungelenken kindlichen Bewegungen, mit der unvollkommenen Sprechweise des Kindes. Wie man bestimmte seelische Erlebnisse zusammenbringt mit dem Zahnwechsel, andere seelische Erlebnisse mit späteren Veränderungen des Körpers, so sah man das Walten und Weben von Geistigem in den Veränderungen der äußeren Naturverhältnisse. Es war ein Wachsen und Abnehmen.
[ 2 ] This is how one experienced the passing of the year, and this experience of the year’s cycle was, in essence, a spiritualization of what one not only saw and heard around oneself, but experienced with one’s whole being. One experienced the course of the year as the unfolding of an organic life, just as one might, for example, in a human being—when that person is a child—connect the expressions of the child’s soul with the child’s clumsy movements and imperfect speech. Just as one associates certain soul experiences with the changing of teeth, and other soul experiences with later changes in the body, so one saw the working and weaving of the spiritual in the changes of the external conditions of nature. It was a process of growth and decline.
[ 3 ] Das aber hängt zusammen mit der ganzen Art und Weise, wie sich der Mensch überhaupt als Erdenmensch innerhalb der Welt fühlt. Und so kann man sagen: In der Zeit, in der im Beginne unserer Zeitrechnung angefangen wurde, die Erinnerung an das Ereignis von Golgatha zu feiern, das dann zum Osterfest geworden ist, in der Zeit, in der das Osterfest im Laufe des Jahres lebendig empfunden worden ist, in der man den Jahreslauf so miterlebte, wie ich es eben gekennzeichnet habe, da war es im wesentlichen so, daß die Menschen ihr eigenes Leben hingegeben fühlten an die äußere geistig-physische Welt. Sie fühlten, daß sie, um ihr Leben zu einem vollständigen zu machen, bedürftig waren der Anschauung der Grablegung und Auferstehung, des grandiosen Bildes vom Ereignis von Golgatha.
[ 3 ] But this is connected to the very way in which human beings, as earthly beings, perceive themselves within the world. And so one can say: In the time when, at the beginning of our calendar, people began to commemorate the event at Golgotha—which then became the Easter festival—in the time when Easter was vividly experienced throughout the year, when people lived through the course of the year as I have just described, it was essentially the case that people felt they had surrendered their own lives to the outer spiritual-physical world. They felt that, in order to make their lives complete, they needed the vision of the burial and resurrection, the magnificent image of the event at Golgotha.
[ 4 ] Von solchem Erfüllen des Bewußtseins aber gehen Inspirationen für die Menschen aus. Die Menschen sind sich dieser Inspirationen nicht immer bewußt, aber es ist ein Geheimnis der Menschheitsentwickelung, daß von diesen religiösen Einstellungen gegenüber den Welterscheinungen Inspirationen für das ganze Leben ausgehen. Zunächst müssen wir uns ja klar sein darüber, daß während eines gewissen Zeitalters, während des Mittelalters, die Menschen, die das geistige Leben orientiert haben, die Priester waren, jene Priester, welche vor allen Dingen auch damit zu tun hatten, die Feste zu regeln, tonangebend zu sein im Feste-Feiern. Die Priesterschaft war diejenige Körperschaft innerhalb der Menschheit, welche vor die übrige Menschheit, die Laienmenschheit, die Feste hinstellte, den Festen ihren Inhalt gab. Damit aber fühlte die Priesterschaft diesen Inhalt der Feste ganz besonders. Und der ganze Seelenzustand, der sich dadurch einstellte, daß solche Feste inspirierend wirkten, der drückte sich dann aus im übrigen Seelenleben.
[ 4 ] But it is from such a fulfillment of consciousness that inspiration flows to human beings. People are not always aware of this inspiration, but it is a mystery of human development that inspiration for all of life flows from these religious attitudes toward the phenomena of the world. First of all, we must be clear that during a certain era—the Middle Ages—the people who guided spiritual life were the priests, those priests who were primarily concerned with organizing the festivals and setting the tone for their celebration. The priesthood was the group within humanity that presented the festivals to the rest of humanity—the laity—and gave the festivals their content. Consequently, the priesthood felt this content of the festivals in a very special way. And the entire state of mind that arose from the inspiring effect of such festivals was then expressed in the rest of their spiritual life.
[ 5 ] Man hätte im Mittelalter nicht dasjenige gehabt, was man die Scholastik nennt, was man die Philosophie des Thomas von Aguino, des Albertus Magnus und anderer Scholastiker nennt, wenn diese Philosophie, diese Weltanschauung und alles, was sie sozial in ihrem Gefolge hatte, nicht inspiriert gewesen wäre gerade von dem wichtigsten Kirchengedanken: von dem Ostergedanken. In der Anschauung des heruntersteigenden Christus, der im Menschen ein zeitweiliges Leben auf Erden führt, der dann durch die Auferstehung geht, war jener seelische Impuls gegeben, der dazu führte, jenes eigentümliche Verhältnis zwischen Glauben und Wissen, zwischen Erkenntnis und Offenbarung zu setzen, das eben das scholastische ist. Daß man aus dem Menschen heraus nur die Erkenntnis der sinnlichen Welt bekommen kann, daß alles, was sich auf die übersinnliche Welt bezieht, durch Offenbarung gewonnen werden muß, das war im wesentlichen durch den Ostergedanken, wie er sich an den Weihnachtsgedanken anschloß, bestimmt.
[ 5 ] The Middle Ages would not have had what is called Scholasticism—the philosophy of Thomas Aquinas, Albertus Magnus, and other Scholastics—if this philosophy, this worldview, and all that it entailed socially had not been inspired precisely by the most important concept of the Church: the concept of Easter. In the vision of Christ descending to earth, living a temporary life among humanity, and then passing through the Resurrection, lay the spiritual impulse that led to the establishment of that distinctive relationship between faith and knowledge, between insight and revelation, which is precisely what Scholasticism is. The idea that human beings can gain knowledge only of the sensory world, and that everything pertaining to the supersensory world must be attained through revelation, was essentially determined by the idea of Easter, as it followed on from the idea of Christmas.
[ 6 ] Und wenn wiederum die heutige naturwissenschaftliche Ideenwelt eigentlich ganz und gar ein Ergebnis der Scholastik ist, wie ich oftmals hier auseinandergesetzt habe, so muß man sagen: Ohne daß es die naturwissenschaftliche Erkenntnis der Gegenwart weiß, ist sie im wesentlichen ein richtiger Siegelabdruck, möchte ich sagen, des Ostergedankens, so wie er geherrscht hat in den älteren Zeiten des Mittelalters, wie er dann abgelähmt worden ist in der menschlichen Geistesentwickelung im späteren Mittelalter und in der neueren Zeit. Schauen wir darauf hin, wie die Naturwissenschaft in Ideen das verwendet, was heute ja populär ist und unsere ganze Kultur beherrscht, sehen wit, wie die Naturwissenschaft ihre Ideen verwendet: sie wendet sie an auf die tote Natur; sie glaubt sich nicht erheben zu können über die tote Natur. Das ist ein Ergebnis jener Inspiration, die angeregt war durch das Hinschauen auf die Grablegung. Und solange man zu der Grablegung hinzufügen konnte die Auferstehung als etwas, zu dem man aufsah, da fügte man auch die Offenbarung über das Übersinnliche zu der bloßen äußeren Sinneserkenntnis hinzu. Als immer mehr und mehr die Anschauung aufkam, die Auferstehung wie ein unerklärliches und daher unberechtigtes Wunder hinzustellen, da ließ man die Offenbarung, also die übersinnliche Welt, weg. Die heutige naturwissenschaftliche Anschauung ist sozusagen bloß inspiriert von der Karfreitagsanschauung, nicht von der Ostersonntagsanschauung.
[ 6 ] And if, on the other hand, today’s scientific worldview is in fact entirely a product of Scholasticism—as I have often discussed here—then one must say: Without the scientific knowledge of the present being aware of it, it is essentially a true imprint, I would say, of the Easter idea, as it prevailed in the earlier periods of the Middle Ages, and as it was subsequently diluted in the development of the human spirit during the later Middle Ages and in modern times. Let us consider how natural science employs in its ideas what is popular today and dominates our entire culture; let us see how natural science uses its ideas: it applies them to inanimate nature; it does not believe it can rise above inanimate nature. This is a result of that inspiration which was stimulated by contemplating the burial. And as long as one could add the Resurrection to the burial as something to which one looked up, one also added revelation about the supersensible to mere external sensory knowledge. As the view increasingly took hold that the Resurrection should be regarded as an inexplicable and therefore unjustified miracle, the revelation—that is, the supersensible world—was set aside. Today’s scientific worldview is, so to speak, inspired solely by the Good Friday perspective, not by the Easter Sunday perspective.
[ 7 ] Man muß diesen inneren Zusammenhang erkennen: Das Inspirierte ist immer das, was innerhalb aller Festesstimmungen miterlebt wird gegenüber der Natur. Man muß den Zusammenhang erkennen zwischen diesem Inspirierenden und dem, was in allem Menschenleben zum Ausdrucke kommt. Wenn man erst einsieht, welch inniger Zusammenhang besteht zwischen diesem Sich-Einleben in den Jahreslauf und dem, was die Menschen denken, fühlen und wollen, dann wird man auch erkennen, von welcher Bedeutung es wäre, wenn es zum Beispiel gelänge, die Herbstes-Michael-Feier zu einer Realität zu machen, wenn es wirklich gelänge, aus geistigen Untergründen heraus, aus esoterischen Untergründen heraus die Herbstes-Michael-Feier zu etwas zu machen, was nun in das Bewußtsein der Menschen überginge und wiederum inspirierend wirkte. Wenn der Östergedanke seine Färbung bekäme dadurch, daß sich zu dem Ostergedanken: Et ist ins Grab gelegt worden und auferstanden — hinzufügte der andere Gedanke, der menschliche Gedanke: Er ist auferstanden und darf in das Grab gelegt werden, ohne daß er zugrunde geht —, wenn dieser Michael-Gedanke lebendig werden könnte, welche ungeheure Bedeutung würde gerade solch ein Ereignis haben können für das gesamte Empfinden und Fühlen und Wollen der Menschen! Wie würde sich das einleben können in das ganze soziale Gefüge der Menschheit!
[ 7 ] One must recognize this inner connection: What is inspired is always that which is experienced within all festive moods in relation to nature. One must recognize the connection between this source of inspiration and what finds expression in all human life. Once one realizes what an intimate connection exists between this immersion in the cycle of the year and what people think, feel, and will, then one will also recognize how significant it would be if, for example, we were able to make the Michaelmas celebration a reality—if we could truly succeed, drawing from spiritual and esoteric foundations, in making the Michaelmas celebration something that would now enter people’s consciousness and, in turn, have an inspiring effect. If the idea of Easter were to take on its character through the fact that, in addition to the Easter idea: “He was laid in the tomb and rose again”—the other thought, the human thought: “He has risen and may be laid in the tomb without perishing”—if this Michael thought could come to life, what immense significance could such an event have for the entire sensibility, feeling, and will of humanity! How could this take root in the entire social fabric of humanity!
[ 8 ] Alles, was die Menschen erhoffen von einer Erneuerung des sozialen Lebens, es wird nicht kommen von all den Diskussionen und von all den Institutionen, die sich auf Äußerlich-Sinnliches beziehen, es wird allein kommen können, wenn ein mächtiger Inspirationsgedanke durch die Menschheit geht, wenn ein Inspirationsgedanke die Menschheit ergreift, durch welchen wiederum Moralisch-Geistiges unmittelbar im Zusammenhange gefühlt und empfunden wird mit dem NatürlichSinnlichen. Die Menschen suchen heute, ich möchte sagen, wie die unter der Erde befindlichen Regenwürmer das Sonnenlicht, während man, um das Sonnenlicht zu finden, eben über die Oberfläche der Erde hervorkommen muß. Mit allen Diskussionen und Reformgedanken von heute ist nichts zu machen in Wirklichkeit; allein von dem mächtigen Einschlage eines aus dem Geiste heraus geholten Gedankenimpulses ist etwas zu erreichen. Denn man muß sich klar sein darüber, daß gerade der Ostergedanke seine neue Nuance bekommen würde, wenn er ergänzt würde durch den Michael-Gedanken.
[ 8 ] Everything that people hope for from a renewal of social life will not come from all the discussions and institutions that relate to the external and sensory, it can come about only when a powerful, inspiring thought passes through humanity, when an inspiring thought seizes humanity, through which, in turn, the moral-spiritual is directly felt and experienced in connection with the natural-sensory. People today are searching, I might say, like earthworms underground searching for sunlight, whereas to find sunlight, one must emerge above the surface of the earth. In reality, nothing can be achieved with all of today’s discussions and reform ideas; something can be achieved only through the powerful impact of a thought impulse drawn from the spirit. For one must be clear that the very idea of Easter would take on a new nuance if it were supplemented by the Michael idea.
[ 9 ] Betrachten wir diesen Michael-Gedanken einmal näher. Wenn wir den Blick auf den Ostergedanken hinwerfen, so haben wir zu beachten, daß Ostern in die Zeit des aufsprießenden und sprossenden Frühlingslebens fällt. In dieser Zeit atmet die Erde ihre Seelenkräfte aus, damit diese Seelenkräfte im Umkreise der Erde sich durchdringen mit dem, was astralisch um die Erde herum ist, mit dem außerirdischen Kosmischen. Die Erde atmet ihre Seele aus. Was bedeutet das? Das bedeutet, daß gewisse elementare Wesenheiten, welche ebenso im Umkreise der Erde sind wie die Luft oder wie die Kräfte des Pflanzenwachstums, ihr eigenes Wesen mit der ausgeatmeten Erdenseele verbinden für die Gegenden, in denen eben Frühling ist. Es verschwimmen und verschweben diese Wesenheiten mit der ausgeatmeten Erdenseele. Sie entindividualisieren sich, sie verlieren ihre Individualität, sie gehen in dem allgemein Irdisch-Seelischen auf. Zahlreiche Elementarwesen schaut man im Frühling gerade um die Osterzeit, wie sie aus dem letzten Stadium ihres individuellen Daseins, das sie während der Winterzeit gehabt haben, wolkenartig verschwimmen und aufgehen im allgemein Irdisch-Seelenhaften. Ich möchte sagen:
[ 9 ] Let’s take a closer look at this thought from Michael. When we turn our attention to the idea of Easter, we must note that Easter falls during the time of spring life as it sprouts and shoots forth. During this time, the Earth exhales its soul forces so that these soul forces, within the Earth’s sphere, may interpenetrate with what surrounds the Earth in the astral realm—with the extraterrestrial cosmic forces. The Earth exhales its soul. What does that mean? It means that certain elemental beings—which exist in the Earth’s atmosphere just as the air or the forces of plant growth do—connect their own essence with the exhaled Earth soul in those regions where spring is just beginning. These beings merge and float together with the exhaled Earth soul. They lose their individuality; they dissolve into the general earthly-spiritual realm. In the spring, especially around Easter, one can observe numerous elemental beings as they, like clouds, dissolve from the final stage of their individual existence—which they had during the winter—and merge into the general earthly-spiritual realm. I would like to say:
[ 10 ] Diese Elementarwesen waren während der Winterzeit innerhalb des Seelenhaften der Erde, wo sie sich individualisiert hatten (siehe Zeichnung: grün im gelb). Die sind vor dieser Osterzeit noch mit einer gewissen Individualität behaftet, fliegen, schweben gewissermaßen herum als individuelle Wesenheiten. Während der Osterzeit sehen wir, wie sie in allgemeinen Wolken zusammenlaufen und eine gemeinsame Masse bilden innerhalb der Erdenseele (grün im gelb). Dadurch aber verlieren bis zu einem gewissen Grade diese Elementarwesen ihr Bewußtsein. Sie kommen in eine Art schlafähnlichen Zustand. Gewisse Tiere führen einen Winterschlaf; diese Elementarwesen führen einen Sommerschlaf. Das ist am stärksten während der Johannizeit, wo sie vollständig schlafen. Dann aber fangen sie wiederum an, sich zu individualisieren, und man sieht sie schon als besondere Wesen in dem Einatmungszug der Erde klar zur Michaeli-Zeit, Ende des September.
[ 10 ] During the winter season, these elemental beings were within the soul-life of the Earth, where they had become individualized (see illustration: green within yellow). Before the Easter season, they still possess a certain degree of individuality; they fly and, in a sense, float about as individual beings. During the Easter season, we see how they converge into general clouds and form a collective mass within the Earth’s soul (green within yellow). As a result, however, these elemental beings lose their consciousness to a certain degree. They enter a kind of sleep-like state. Certain animals hibernate; these elemental beings undergo a summer slumber. This is most pronounced during the St. John’s period, when they are completely asleep. But then they begin to individualize again, and one can already see them clearly as distinct beings in the Earth’s inhalation phase around St. Michael’s Day, at the end of September.


[ 11 ] Aber diese Elementarwesen sind diejenigen, die der Mensch nun braucht. Das alles liegt ja nicht in seinem Bewußtsein, aber der Mensch braucht sie trotzdem, um sie mit sich zu vereinigen, damit er seine Zukunft vorbereiten kann. Und der Mensch kann diese Elementarwesen mit sich vereinigen, wenn er zu einer Festeszeit, die in das Ende des September fiele, mit einer besonderen inneren seelenvollen Lebendigkeit empfinden würde, wie die Natur gerade gegen den Herbst zu sich verändert; wenn der Mensch empfinden könnte, wie da das tierisch-pflanzliche Leben zurückgeht, wie gewisse Tiere sich anschicken, ihre schützenden Orte aufzusuchen für den Winter, wie die Pflanzenblätter ihre Herbstesfärbungen bekommen, wie das ganze Natürliche verwelkt. Gewiß, der Frühling ist schön, und die Schönheit des Frühlings, das wachsende, sprießende und sprossende Leben des Frühlings zu empfinden, ist eine schöne Eigenschaft der menschlichen Seele. Aber auch empfinden zu können, wenn die Blätter sich bleichen, ihre Herbstesfärbungen annehmen, wenn die Tiere sich verkriechen, fühlen zu können, wie im absterbenden Sinnlichen ersteht das glitzernde, glänzende Geistig-Seelische, empfinden zu können, wie mit dem Gelbfärben der Blätter ein Untergang des sprießenden, sprossenden Lebens da ist, aber wie das Sinnliche gelb wird, damit das Geistige in dem Gelbwerden als solches leben könne, empfinden zu können, wie in dem Abfallen der Blätter das Aufsteigen des Geistes stattfindet, wie das Geistige die Gegenoffenbarung des verglimmenden Sinnlichen ist: das sollte als eine Empfindung für den Geist den Menschen in der Herbsteszeit beseelen. Dann bereitet er sich in der richtigen Weise gerade auf die Weihnachtszeit vor.
[ 11 ] But these elemental beings are the ones that human beings need now. None of this is present in human consciousness, but human beings need them nonetheless—to unite with them so that they can prepare for their future. And human beings can unite with these elemental beings if, during a festival season that would fall toward the end of September, they were to feel—with a special inner, soulful vitality—how nature is transforming itself as autumn approaches; if people could sense how animal and plant life is receding, how certain animals are preparing to seek out their shelters for the winter, how the leaves of the plants take on their autumn colors, how the whole natural world withers. Certainly, spring is beautiful, and the beauty of spring—the growing, sprouting, and budding life of spring—is a beautiful quality of the human soul. But to be able to feel, too, when the leaves turn pale and take on their autumnal hues, when the animals retreat into their hiding places; to be able to sense how, within the dying-away of the physical, the glittering, radiant spiritual-soul aspect arises; to be able to perceive how, with the yellowing of the leaves, there is a passing away of the sprouting, budding life, but how the physical world turns yellow so that the spiritual can live in that yellowing as such; to be able to sense how, in the falling of the leaves, the ascent of the spirit takes place, how the spiritual is the counter-revelation of the fading physical world: this is what should inspire people as a spiritual sensation during the autumn season. Then he prepares himself in the right way for the Christmas season.
[ 12 ] Durchdrungen sollte der Mensch werden aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft heraus von der Wahrheit, daß gerade das geistige Leben des Menschen auf Erden zusammenhängt mit dem absteigenden physischen Leben. Indem wir denken, geht ja unsere physische Materie in dem Nerv zugrunde. Der Gedanke ringt sich aus der zugrunde gehenden Materie auf. Das Werden der Gedanken in sich selber, das Aufglänzen der Ideen in der Menschenseele und im ganzen menschlichen Organismus Sich-verwandt-Fühlen mit den sich gelbfärbenden Blättern, mit dem welkenden Laub der Pflanzen, mit dem Dürrwerden der Pflanzen, dieses Sich-verwandt-Fühlen des menschlichen Geistseins mit dem Naturgeistsein: das kann dem Menschen jenen Impuls geben, der seinen Willen verstärkt, jenen Impuls, der den Menschen hinweist auf die Durchdringung des Willens mit Geistigkeit.
[ 12 ] Through anthroposophical spiritual science, human beings should be imbued with the truth that it is precisely the spiritual life of human beings on Earth that is connected to the descending physical life. As we think, our physical matter is, in fact, broken down within the nerves. The thought struggles its way up out of the decaying matter. The unfolding of thoughts within themselves, the shining forth of ideas in the human soul and throughout the entire human organism; a sense of kinship with the yellowing leaves, with the withering foliage of plants, with the drying up of plants—this sense of kinship between the human spiritual being and the spirit of nature: this can give a person that impulse which strengthens their will, that impulse which points the person to the permeation of the will with spirituality.
[ 13 ] Dadurch aber, daß der Mensch seinen Willen mit Geistigkeit durchdringt, wird er ein Genosse der Michael-Wirksamkeit auf Erden. Und wenn der Mensch in dieser Weise gegen den Herbst zu mitlebt mit der Natur und dieses Mitleben mit der Natur in einem entsprechenden Festesinhalt zum Ausdrucke bringt, dann kann er jene Ergänzung der Osterstimmung wirklich empfinden. Dadurch aber wird ihm noch etwas anderes klar. Sehen Sie, was der Mensch heute denkt, fühlt und will, ist ja inspiriert von der einseitigen Osterstimmung, die noch dazu eine abgelähmte ist. Diese Osterstimmung ist im wesentlichen ein Ergebnis des sprossenden, sprießenden Lebens, das alles wie in eine pantheistische Einheit aufgehen läßt. Der Mensch ist hingegeben an die Einheit der Natur und an die Einheit der Welt überhaupt. Das ist ja auch das Gefüge unseres Geisteslebens heute. Man will alles auf eine Einheit, auf ein Monon zurückführen. Entweder ist einer Anhänger des Allgeistes oder der Allnatur: danach ist er entweder ein spiritualistischer Monist oder ein materialistischer Monist. Es wird alles in einem unbestimmten All-Einen gefaßt. Das ist im wesentlichen Frühlingsstimmung.
[ 13 ] But by infusing his will with spirituality, man becomes a partner in Michael’s work on earth. And when human beings live in harmony with nature in this way as autumn approaches, and express this harmony with nature through a corresponding festive celebration, then they can truly experience that complement to the Easter spirit. Through this, however, something else becomes clear to them. You see, what people think, feel, and will today is, after all, inspired by the one-sided Easter mood, which is, moreover, a stunted one. This Easter mood is essentially a result of the sprouting, budding life that causes everything to merge into a pantheistic unity. People are devoted to the unity of nature and to the unity of the world in general. That, after all, is also the structure of our spiritual life today. People want to reduce everything to a unity, to a “monon.” One is either a follower of the Universal Spirit or of Universal Nature: accordingly, one is either a spiritualistic monist or a materialistic monist. Everything is encompassed in an indeterminate “All-One.” This is essentially a springtime mood.
[ 14 ] Schaut man hinein in die Herbstesstimmung mit dem aufsteigenden freiwerdenden Geistigen (gelb), mit dem, ich möchte sagen, abtropfenden, welkwerdenden Sinnlichen (rot), dann hat man den Ausblick auf das Geistige als solches, auf das Sinnliche als solches.
[ 14 ] If one looks into the atmosphere of autumn—with the spiritual (yellow) rising and becoming free, and the sensual (red), I might say, dripping away and withering—then one has a view of the spiritual as such, and of the sensual as such.


[ 15 ] Die frühlingsprießende Pflanze hat in ihrem Wachstum, in ihrem Tafel 5, Sprossen und Wachsen das Geistige darinnen. Das Geistige ist mit dem Sinnlichen durchmischt, man hat im wesentlichen eine Einheit. Die verwelkende Pflanze läßt das Blatt fallen und der Geist steigt auf: man hat den Geist, den unsichtbaren, übersinnlichen Geist, und herausfallend das Materielle. Es ist so, wie wenn man in einem Gefäß zuerst eine einheitliche Flüssigkeit hätte, in der irgend etwas aufgelöst ist, und man dann durch irgendeinen Vorgang es bewirken würde, daß sich aus dieser Flüssigkeit etwas absetzt, was als 'Trübung herunterfällt. Da hat man die zwei, die miteinander verbunden waren, die ein einziges bildeten, nun getrennt.
[ 15 ] The spring-blooming plant contains the spiritual within its growth, as shown in Figure 5, in its shoots and development. The spiritual is intermingled with the physical; essentially, they form a unity. As the plant withers, it sheds its leaves and the spirit ascends: one has the spirit—the invisible, supersensible spirit—and the material aspect falls away. It is as if one were to start with a homogeneous liquid in a vessel, in which something is dissolved, and then, through some process, cause something to settle out of this liquid, which falls to the bottom as “turbidity.” Thus, the two that were connected and formed a single whole are now separated.
[ 16 ] Der Frühling ist geeignet, alles ineinander zu verweben, alles in eine undifferenzierte, unbestimmte Einheit zu vermischen. Die Herbstesanschauung, wenn man nur richtig auf sie hinschaut, wenn man sie in der richtigen Weise kontrastiert mit der Frühlingsanschauung, sie macht einen aufmerksam darauf, wie Geist auf der einen Seite wirkt, Physisch-Materielles auf der andern Seite. Und man darf natürlich dann nicht einseitig bei dem einen oder bei dem andern stehenbleiben. Der Ostergedanke verliert ja nicht an Wert, wenn man den MichaelGedanken hinzufügt. Man hat auf der einen Seite den Ostergedanken, wo alles, ich möchte sagen, in einer Art pantheistischer Vermischung auftritt, in einer Einheit. Man hat dann das Differenzierte, aber die Differenzierung geschieht nicht in irgendeiner unregelmäßigen, chaotischen Weise. Wir haben durchaus eine Regelmäßigkeit. Denken Sie sich den zyklischen Verlauf: Ineinanderfügung, Ineinandermischung, Vereinheitlichung, einen Zwischenzustand, wo die Differenzierung geschieht, die vollständige Differenzierung; dann wiederum das Aufgehen des Differenzierten im Einheitlichen und so fort. Da sehen Sie immer außer diesen zwei Zuständen noch einen dritten: da sehen Sie den Rhythmus zwischen dem Differenzierten und dem Undifferenzierten, gewissermaßen zwischen dem Einatmen des Herausdifferenzierten und dem Wiederausatmen. Einen Rhythmus sehen Sie, einen Zwischenzustand, ein Physisch-Materielles, ein Geistiges; ein Ineinanderwirken von Physisch-Materiellem und Geistigem: ein Seelisches. Sie lernen sehen im Naturverlaufe die Natur durchsetzt von der Urdreiheit: von Materiellem, von Geistigem, von Seelischem.
[ 16 ] Spring has a way of weaving everything together, of blending everything into an undifferentiated, indefinite unity. The autumn perspective—if one looks at it closely enough, if one contrasts it properly with the spring perspective—draws one’s attention to how the spiritual works on the one hand, and the physical-material on the other. And of course, one must not then remain one-sidedly fixed on one or the other. The idea of Easter does not lose its value when one adds the idea of Michael. On the one hand, there is the idea of Easter, where everything—I would say—appears in a kind of pantheistic blending, in a unity. Then there is the differentiated, but the differentiation does not occur in some irregular, chaotic way. There is definitely a regularity. Imagine the cyclical process: interweaving, intermingling, unification, an intermediate state where differentiation occurs—complete differentiation—and then, once again, the merging of the differentiated into the unified, and so on. There, in addition to these two states, you always see a third: you see the rhythm between the differentiated and the undifferentiated—in a sense, between the inhalation of what has been differentiated and its subsequent exhalation. You see a rhythm, an intermediate state, something physical-material, something spiritual; an interplay of the physical-material and the spiritual: something soulful. You learn to see, in the course of nature, nature permeated by the primordial trinity: the material, the spiritual, and the soulful.
[ 17 ] Das aber ist das Wichtige, daß man nicht stehenbleibt bei der allgemein-menschlichen Träumerei, man müsse alles auf eine Einheit zurückführen. Dadurch führt man alles, ob nun die Einheit eine spirituelle, ob sie eine materielle ist, auf das Unbestimmte der Weltennacht zurück. In der Nacht sind alle Kühe grau, im spirituellen Monismus sind alle Ideen grau, im materiellen Monismus sind sie ebenso grau. Das sind nur Empfindungsunterschiede. Darauf kommt es gar nicht an für eine höhere Anschauung. Worauf es ankommt, ist, daß wit als Menschen mit dem Weltenlauf uns so verbinden können, daß wir das lebendige Übergehen von der Einheit in die Dreiheit, das Zurückgehen von der Dreiheit in die Einheit zu verfolgen in der Lage sind. Dann, wenn wir dadurch, daß wir den Ostergedanken in dieser Weise ergänzen durch den Michaeli-Gedanken, uns in die Lage versetzen, die Urdreiheit in allem Sein in der richtigen Weise zu empfinden, dann werden wir sie in unsere ganze Seelenverfassung aufnehmen. Dann werden wir in der Lage sein, einzusehen, daß in der Tat alles Leben auf der Betätigung und dem Ineinanderwirken von Urdreiheiten beruht. Und dann werden wir, wenn wir das Michael-Fest so inspirierend haben, für eine solche Anschauung, wie das einseitige Osterfest inspirierend war für die Anschauungen, die nun einmal heraufgekommen sind, dann werden wir eine Inspiration, einen Natur-Geistimpuls haben, um in alles zu beobachtende und zu gestaltende Leben die Dreigliederung, den Dreigliederungsimpuls einzuführen. Und von der Einführung dieses Impulses hängt es doch zuletzt einzig und allein ab, ob die Niedergangskräfte, die in der menschlichen Entwickelung sind, wiederum in Aufgangskräfte verwandelt werden können.
[ 17 ] But what is important is that one does not get stuck in the universal human fantasy that everything must be reduced to a single unity. By doing so, one reduces everything—whether that unity is spiritual or material—to the indeterminacy of the night of the worlds. At night, all cows are gray; in spiritual monism, all ideas are gray; in material monism, they are just as gray. These are merely differences in perception. This is of no consequence whatsoever for a higher perspective. What matters is that we, as human beings, can connect with the course of the world in such a way that we are able to trace the living transition from unity to the Trinity, and the return from the Trinity to unity. Then, when—by supplementing the idea of Easter in this way with the idea of Michaelmas—we enable ourselves to perceive the primordial Trinity in all of being in the right way, we will take it into our entire soul’s constitution. Then we will be able to see that, in fact, all life is based on the activity and interplay of primordial Trinities. And then, if we experience the Michaelmas festival as an inspiration for such a view—just as the one-sided Easter festival served as an inspiration for the views that have come to the fore—then we will have an inspiration, a natural-spiritual impulse, to introduce the threefold structure, the impulse toward threefolding, into all life that is to be observed and shaped. And ultimately, it depends solely on the introduction of this impulse whether the forces of decline present in human development can once again be transformed into forces of ascent.
[ 18 ] Man möchte sagen, als von dem Dereigliederungsimpuls im sozialen Leben gesprochen worden ist, da war das gewissermaßen eine Prüfung, ob der Michael-Gedanke schon so stark ist, daß gefühlt werden kann, wie ein solcher Impuls unmittelbar aus den zeitgestaltenden Kräften herausquillt. Es war eine Prüfung der Menschenseele, ob der Michael-Gedanke in einer Anzahl von Menschen stark genug ist. Nun, die Prüfung hat ein negatives Resultat ergeben. Der Michael-Gedanke ist noch nicht stark genug in auch nur einer kleinen Anzahl von Menschen, um wirklich in seiner ganzen zeitgestaltenden Kraft und Kräftigkeit empfunden zu werden. Und es wird ja kaum möglich sein, die Menschenseelen für neue Aufgangskräfte so mit den urgestaltenden Weltenkräften zu verbinden, wie es notwendig ist, wenn nicht ein solch Inspirierendes wie eine Michael-Festlichkeit durchdringen kann, wenn also nicht aus den Tiefen des esoterischen Lebens heraus ein neugestaltender Impuls kommen kann.
[ 18 ] One might say that when the impulse toward disintegration in social life was spoken of, it was, in a sense, a test to see whether the Michael idea was already strong enough for people to sense how such an impulse springs directly from the forces that shape the times. It was a test of the human soul to see whether the Michael idea was strong enough in a number of people. Well, the test yielded a negative result. The Michael idea is not yet strong enough in even a small number of people to be truly felt in all its time-shaping power and vigor. And it will hardly be possible to connect human souls to the primordial formative forces of the worlds in the way necessary for new forces of ascent unless something as inspiring as a Michael festival can take hold—unless, that is, a new-forming impulse can arise from the depths of esoteric life.
[ 19 ] Wenn sich statt der passiven Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft nur wenige aktive Mitglieder fänden, so würden über einen solchen Gedanken Erwägungen angestellt werden können. Das Wesentliche der Anthroposophischen Gesellschaft besteht ja darin, daß allerdings Anregungen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ausgelebt werden, daß aber die Mitglieder eigentlich hauptsächlich den Wert darauf legen, teilzunehmen an dem, was sich abspielt; daß sie wohl ihre betrachtenden Seelenkräfte hinwenden zu dem, was sich abspielt, daß aber die Aktivität der eigenen Seele nicht verbunden wird mit demjenigen, was als ein Impuls durch die Zeit geht. Daher kann natürlich bei dem gegenwärtigen Bestande der anthroposophischen Bewegung nicht davon gesprochen werden, daß so etwas wie dieses, was jetzt gewissermaßen wie ein esoterischer Impuls ausgesprochen wird, in seiner Aktivität erwogen werden kann. Aber verstehen muß man doch, wie eigentlich der Gang der Menschheitsentwickelung geht, wie nicht aus dem, was man in oberflächlichen Worten äußerlich ausspricht, die großen tragenden Kräfte der Weltentwickelung der Menschheit kommen, sondern wie sie, ich möchte sagen, aus ganz andern Ecken heraus kommen.
[ 19 ] If, instead of the passive members of the Anthroposophical Society, there were only a few active members, such an idea might be worth considering. The essence of the Anthroposophical Society lies, after all, in the fact that while inspirations are indeed lived out within the Society, the members actually place their primary value on participating in what is taking place; that while they do turn their contemplative soul powers toward what is taking place, the activity of their own souls is not connected to that which passes through time as an impulse. Therefore, given the current state of the anthroposophical movement, it is naturally not possible to speak of something like this—which is now, so to speak, being expressed as an esoteric impulse—as something that can be actively considered. But one must understand how the course of human development actually proceeds—how the great, sustaining forces of humanity’s world development do not arise from what is expressed outwardly in superficial words, but rather, I would say, emerge from entirely different quarters.
[ 20 ] Alte Zeiten haben das immer gewußt aus ursprünglichem, elementarischem, menschlichem Hellsehen heraus. Alte Zeiten haben es nicht so gemacht, daß die jungen Leute zum Beispiel lernen: So und so viele chemische Elemente, dann wird eins entdeckt zu den fünfundsiebzig, dann sind es sechsundsiebzig, dann wird wieder eins entdeckt, dann sind es siebenundsiebzig. Man kann nicht absehen, wie viele noch entdeckt werden können. Zufällig fügt sich eins zu fünfundsiebzig, zu sechsundsiebzig und so weiter. In dem, was da als Zahl angeführt wird, ist keine innere Wesenhaftigkeit. Und so ist es überall. Wen interessiert heute, was, sagen wir in der Pflanzensystematik, irgendwie eine Art von Dreiheit zur Offenbarung bringen würde! Man entdeckt Ordnung neben Ordnung oder Art neben Art. Man zählt ab so, wie man zufällig hingeworfene Bohnen oder Steinchen abzählt. Aber das Wirken der Zahl in der Welt ist ein solches, das auf Wesenhaftigkeit beruht, und diese Wesenhaftigkeit muß man durchschauen.
[ 20 ] People in the old days always knew this through a primal, elemental, human form of clairvoyance. In the old days, they didn’t teach young people, for example, that there are so-and-so many chemical elements; then one is discovered, bringing the total to seventy-five; then there are seventy-six; then another is discovered, bringing the total to seventy-seven. It’s impossible to predict how many more might be discovered. By chance, one is added to seventy-five, to seventy-six, and so on. There is no inner essence in what is listed there as a number. And it is the same everywhere. Who today is interested in what—say, in plant taxonomy—would somehow reveal a kind of trinity! One discovers order alongside order or species alongside species. One counts them off just as one counts beans or pebbles tossed down at random. But the workings of number in the world are such that they are based on essence, and this essence must be understood.
[ 21 ] Man denke zurück, wie kurz die hinter uns liegende Zeit ist, wo dasjenige, was Stoffeserkenntnis war, zurückgeführt wurde auf die Dreiheit: auf das Salzige, das Merkurialische, das Phosphorartige, wie da eine Dreiheit von Urkräftigem geschaut wurde, wie alles, was sich als einzelnes fand, eben in irgendeine der Urkräfte der Drei hineingefügt werden mußte. Und anders noch ist es, wenn wir zurückblicken in noch ältere Zeiten, in denen es übrigens auch durch die Lage der Kultur den Menschen leichter war, auf so etwas zu kommen, denn die orientalischen Kulturen lagen mehr der heißen Zone zugeneigt, wo das dem älteren elementaren Hellsehen leichter möglich war. Heute ist es der gemäßigten Zone allerdings möglich, in freier, exakter Hellsichtigkeit zu diesen Dingen zu kommen; aber man will ja zurück in alte Kulturen! Damals unterschied man nicht Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Frühling, Sommer, Herbst und Winter zu unterscheiden, verführt, weil man darinnen die Vier hat, zu einem bloßen Aneinanderreihen. So etwas wie den Jahreslauf beherrscht von der Vier zu denken, wäre zum Beispiel der altindischen Kultur ganz unmöglich gewesen, weil da nichts von den Urgestalten alles Wirkens darinnen liegt.
[ 21 ] Let us think back to how recent the time is that lies behind us, when what was known as the science of matter was traced back to the triad: the saline, the mercurial, and the phosphoric—how a triad of primal forces was perceived there, and how everything that appeared as an individual entity simply had to be subsumed into one of the three primal forces. And it is even different when we look back to even earlier times, when, incidentally, the state of culture also made it easier for people to arrive at such insights, for the Eastern cultures were more inclined toward the hot zone, where the older form of elemental clairvoyance was more readily possible. Today, however, it is possible even in the temperate zone to arrive at an understanding of these things through free, precise clairvoyance; but people want to go back to ancient cultures! Back then, no distinction was made between spring, summer, fall, and winter. Distinguishing between spring, summer, fall, and winter—because one has the Four within them—leads one to merely string them together. To conceive of the cycle of the year in terms of the Four, for example, would have been entirely impossible for ancient Indian culture, because it contains none of the primordial forms of all activity.
[ 22 ] Als ich mein Buch «Theosophie» schrieb, da konnte ich nicht einfach aneinanderreihen: physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich, wie man es zusammenfassen kann, wenn die Sache schon da ist, wenn man die Sache innerlich durchschaut. Da mußte ich nach der Dreizahl anordnen: physischer Leib, Ätherleib, Empfindungsleib; erste Dreiheit. Dann die damit verwobene Dreiheit: Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele; dann die damit verwobene Dreiheit: Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch, drei mal drei, ineinander verwoben (siehe Schema), dadurch wird es zu sieben. Aber die Sieben ist eben drei mal drei ineinander verwoben. Und nur, wenn man auf das gegenwärtige Stadium der Menschheitsentwickelung blickt, kommt die Vier heraus, die eigentlich im Grunde genommen eine sekundäre Zahl ist.
[ 22 ] When I was writing my book Theosophy, I couldn’t simply list them one after another: physical body, etheric body, astral body, and I—as one might summarize them once the concept is already there, once one has grasped it inwardly. Instead, I had to organize them according to the number three: physical body, etheric body, sensory body; the first triad. Then the triad interwoven with it: sensory soul, intellectual soul, conscious soul; then the triad interwoven with that: Spirit-Self, Life Spirit, Spiritual Human, three times three, interwoven (see diagram), which makes seven. But the seven is simply three times three interwoven. And only when one looks at the present stage of human development does the number four emerge, which is actually, at its core, a secondary number.


[ 23 ] Will man auf das innerlich Wirksame, auf das sich Gestaltende sehen, muß man auf die Gestaltung im Sinne der Dreiheit schauen. Daher hat die alte indische Anschauung gehabt: heiße Jahreszeit, ungefähr würde das umfassen unsere Monate April, Mai, Juni, Juli; feuchte Jahreszeit, die würde ungefähr umfassen unsere Monate August, September, Oktober, November; und die kalte Jahreszeit würde umfassen unsere Monate Dezember, Januar, Februar, März, wobei die Grenzen gar nicht so festzustehen brauchen nach Monaten, sondern nur approximativ sind. Das kann verschoben gedacht werden. Aber der Jahreslauf wurde gedacht in der Dreiheit. Und so würde überhaupt die menschliche Seelenverfassung sich durchdringen mit der Anlage, diese Urdreiheit in allem Webenden und Wirkenden zu beobachten, dadurch aber auch allem menschlichen Schaffen, allem menschlichen Gestalten diese Urdreiheit einzuverweben. Man kann schon sagen, reinliche Ideen zu haben auch von dem freien Geistesleben, von dem Rechtsleben, von dem sozial-wirtschaftlichen Leben ist nur möglich, wenn man diesen Dreischlag des Weltenwirkens, das auch durch das Menschenwirken gehen muß, in der Tiefe durchschaut.
[ 23 ] If one wishes to observe what is at work within, what is taking shape, one must look at the process of formation in terms of the triad. Hence, the ancient Indian view held: the hot season, which would roughly correspond to our months of April, May, June, and July; the humid season, which would roughly correspond to our months of August, September, October, and November; and the cold season, which would correspond to our months of December, January, February, and March—though the boundaries need not be strictly defined by months but are only approximate. These can be thought of as shifting. But the course of the year was conceived in terms of the triad. And so the human soul’s disposition would be permeated by the inclination to observe this primordial triad in all that weaves and works, and thereby also to weave this primordial triad into all human creation and all human shaping. One might even say that having clear ideas—whether about the life of the free spirit, the legal life, or the socio-economic life—is only possible if one deeply comprehends this threefold rhythm of world activity, which must also permeate human activity.
[ 24 ] Heute gilt alles, was auf solche Dinge sich beruft, als eine Art von Aberglaube, währenddem es als hohe Weisheit gilt, einfach zu zählen: eins und wieder eins, zwei, drei und so weiter. Aber so verfährt ja die Natur nicht. Wenn man aber seine Anschauung lediglich darauf beschränkt, auf dasjenige hinzuschauen, in dem sich alles verwebt, zum Beispiel auf das Frühlingshafte allein, auf das man natürlich hinschauen muß, um zu sehen, wie sich alles verwebt, so kann man eben nicht den Dreischlag wiedergeben. Wenn man aber den ganzen Jahreslauf verfolgt, wenn man sieht, wie sich die Drei gliedert, wie das Geistige und das physisch-materielle Leben als Zweiheit vorhanden ist und das rhythmische Ineinanderweben von beiden als das Dritte, dann nimmt man wahr dieses Drei in Eins, Eins in Drei, und lernt erkennen, wie der Mensch sich selber hineinstellen kann in dieses Weltenwirken: drei zu eins, eins zu drei.
[ 24 ] Today, anything that appeals to such things is regarded as a kind of superstition, whereas simply counting—one, then one again, two, three, and so on—is considered a form of profound wisdom. But that is not how nature works. However, if one limits one’s perspective solely to observing that in which everything is interwoven—for example, focusing solely on the qualities of spring, which one naturally must observe to see how everything is interwoven—then one simply cannot capture the threefold rhythm. But if one follows the entire course of the year, if one sees how the Three is structured—how spiritual and physical-material life exist as a duality and the rhythmic interweaving of both as the Third—then one perceives this Three in One, One in Three, and learns to recognize how human beings can place themselves within this cosmic process: three to one, one to three.
[ 25 ] Das würde menschliche Seelenverfassung werden, weltendurchdringende, mit Welten sich verbündende menschliche Seelenverfassung, wenn der Michael-Gedanke als Festesgedanke so erwachen könnte, daß wirklich dem Osterfest an die Seite gesetzt würde in der zweiten Septemberhälfte ein Michael-Fest, wenn dem Auferstehungsgedanken des Gottes nach dem Tode hinzugefügt werden könnte der durch die Michael-Kraft bewirkte Auferstehungsgedanke des Menschen vor dem Tode. So daß der Mensch durch die Auferstehung Christi die Kraft finden würde, in Christus zu sterben, das heißt, den auferstandenen Christus in seine Seele aufzunehmen während des Erdenlebens, damit er in ihm sterben könne, das heißt, nicht tot, sondern lebendig sterben kann.
[ 25 ] This would become a human state of mind—one that permeates the world and unites with the worlds—if the Michael idea, as a festival idea, could awaken in such a way that a Michael Festival would truly be established alongside the Easter Festival in the second half of September, if the idea of God’s resurrection after death could be complemented by the idea of human resurrection before death, brought about by the Michael force. So that through the Resurrection of Christ, human beings would find the strength to die in Christ—that is, to take the risen Christ into their souls during their earthly lives, so that they might die in him—that is, to die not dead, but alive.
[ 26 ] Solches inneres Bewußtsein würde hervorgehen aus dem Inspirierenden, das aus einem Michael-Dienst kommen würde. Man kann sehr wohl einsehen, wie unserer materialistischen Zeit, die aber identisch ist mit einer ganz und gar philiströs gewordenen Zeit, so etwas ferne liegt. Gewiß, man kann auch nichts davon erwarten, wenn es ein Totes, Abstraktes bleibt. Aber wenn mit demselben Enthusiasmus, mit dem einmal in der Welt Feste eingeführt worden sind, als man die Kraft hatte, Feste zu gestalten, wiederum so etwas geschieht, dann wird es inspirierend wirken. Dann wird es aber auch inspirierend wirken für unser ganzes geistiges und für unser ganzes soziales Leben. Dann wird dasjenige im Leben stehen, was wir brauchen: nicht abstrakter Geist auf der einen Seite, geistlose Natur auf der andern Seite, sondern durchgeistigte Natur, natürlich gestaltender Geist, die eines sind, und die auch wiederum Religion, Wissenschaft und Kunst in eines verweben werden, weil sie verstehen werden, die Dreiheit im Sinne des Michael-Gedankens in Religion, Wissenschaft und Kunst zu fassen, damit sie in der richtigen Weise vereinigt werden können im Ostergedanken, im anthroposophischen Gestalten, das religiös, künstlerisch, erkenntnismäßig wirken kann, das auch wiederum religiös, erkenntnismäßig differenzieren kann. So daß eigentlich der anthroposophische Impuls darin bestehen würde, in der Osterzeit zu empfinden Einheit von Wissenschaft, Religion und Kunst; in der Michaelzeit zu empfinden, wie die Drei — die eine Mutter haben, die Ostermutter —, wie die Drei Geschwister werden und nebeneinander stehen, aber sich gegenseitig ergänzen. Und auf alles menschliche Leben könnte der Michael-Gedanke, der festlich lebendig werden sollte im Jahreslauf, inspirierend wirken.
[ 26 ] Such inner awareness would arise from the inspiration that would come from a Michael ministry. One can easily see how far removed our materialistic age—which is, in fact, an age that has become thoroughly philistine—is from such a thing. Certainly, one cannot expect anything of it if it remains dead and abstract. But if something like this were to happen again with the same enthusiasm with which festivals were once introduced into the world—when people had the strength to shape festivals—then it would have an inspiring effect. Then, however, it will also have an inspiring effect on our entire spiritual and social life. Then what we need will be present in life: not abstract spirit on the one hand, spiritless nature on the other, but nature imbued with spirit, spirit that shapes nature—the two being one— and which, in turn, will weave religion, science, and art into one, because they will understand how to grasp the trinity—in the sense of the Michael idea—in religion, science, and art, so that they can be united in the right way within the Easter idea, within anthroposophical creation, which can have a religious, artistic, and epistemological effect, and which, in turn, can also differentiate between the religious and the epistemological. So that, in fact, the anthroposophical impulse would consist in perceiving, during the Easter season, the unity of science, religion, and art; and in perceiving, during the Michaelmas season, how the three—who have one mother, the Easter Mother—become siblings and stand side by side, yet complement one another. And the Michael thought, which should come to life festively throughout the course of the year, could have an inspiring effect on all human life.
[ 27 ] Von solchen Dingen, die durchaus dem real Esoterischen angehören, sollte man sich durchdringen, wenigstens zunächst erkenntnismäßig. Wenn dann einmal auch die Zeit kommen könnte, wo es aktiv wirkende Persönlichkeiten gibt, so könnte so etwas tatsächlich ein Impuls werden, der doch so, wie die Menschheit ist, einzig und allein wiederum Aufgangskräfte an die Stelle der Niedergangskräfte setzen könnte.
[ 27 ] One should immerse oneself in such matters, which certainly belong to the realm of true esotericism—at least initially on an intellectual level. If the time were to come when there are actively influential personalities, such a thing could indeed become an impulse that—given the nature of humanity—could, once again, replace the forces of decline with forces of ascent.
