The Annual Cycle as the Earth's Breathing Process
GA 223
28 September 1923, Vienna
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The Annual Cycle as the Earth's Breathing Process, tr. SOL
Die Anthroposophie und das menschliche Gemüt II
Anthroposophy and the Human Soul II
[ 1 ] Das, was ich gestern zum Schlusse der Betrachtung über die alte Vorstellung vom Streite Michaels mit dem Drachen sagen konnte, war Ihnen wohl schon ein Hinweis darauf, wie eine Art Wiederbelebung desjenigen für unsere Zeit notwendig ist, was an Weltanschauungselementen in diesem gigantischen Bilde einmal für die Menschheit gelegen hat für eine, wie wir gesehen haben, gar nicht so weit zurückliegende Menschheit. Denn ich konnte an den verschiedensten Stellen des gestrigen Vortrages darauf hinweisen, daß in zahlreichen Seelen des 18. Jahrhunderts noch diese Vorstellung voll lebendig war. Bevor ich aber in den nächsten Vorträgen von dem werde zu sprechen haben, was aus dem Geiste unserer Zeit heraus, aus einer wirklichen Geistesanschauung unserer Zeit zu einer Wiederbelebung dieser Vorstellung führen kann und führen muß, ist es notwendig, daß ich heutegewissermaßen als episodische Einschiebung — eine allgemeinere anthroposophische Betrachtung vor Ihnen anstelle. Aus dieser wird sich dann ergeben, in welcher Weise die angedeutete Vorstellung wieder belebt werden kann, so daß sie eine wahre Kraft im Denken, Fühlen und Handeln der Menschheit wiederum werden kann.
[ 1 ] What I was able to say yesterday at the conclusion of my reflection on the ancient conception of Michael’s battle with the dragon was likely already an indication to you of how necessary it is for our time to revive, in a sense, those elements of worldview contained in this gigantic image that were once of significance to humanity—a humanity, as we have seen, from a time not so long ago. For I was able to point out at various points in yesterday’s lecture that this concept was still very much alive in the souls of many people in the 18th century. But before I speak in the next lectures about what, arising from the spirit of our time—from a genuine spiritual perspective of our time—can and must lead to a revival of this concept, it is necessary that I present to you today, as it were, a more general anthroposophical consideration—as a sort of episodic interlude. From this, it will then become clear how the concept I have alluded to can be revived, so that it may once again become a true force in humanity’s thinking, feeling, and acting.
[ 2 ] Wenn wir das Verhältnis des Menschen zur Natur und zur ganzen Welt ins Auge fassen, das der Mensch heute hat, so werden wir sagen können, wenn wir nur unbefangen genug dieses heutige Verhältnis mit dem Verhältnis der früheren Zeiten vergleichen können: Der Mensch ist eigentlich im Grunde genommen heute ein wahrer Einsiedler gegenüber den kosmischen Mächten geworden, ein Einsiedler insofern, als er durch seine Geburt in das physische Dasein hereingeführt wird und nicht mehr jene Erinnerungen an das vorirdische Dasein hat, die wirklich einmal die ganze Menschheit hatte. In der Zeit, in welcher der Mensch sonst nur zum Gebrauche seiner Verstandes- und Gedächtniskräfte erwächst, bis zu welcher man sich im Erdenleben zurückerinnert, hatte einmal in der ganzen Menschheit der Mensch in den älteren Epochen der Menschheitsentwickelung zugleich das Aufleuchten einer wirklichen Erinnerung, eines wirklichen Zurückschauens an vorirdische Erlebnisse, an Erlebnisse, die er als geistig-seelisches Wesen vor seinem Erdenleben durchgemacht hat. Das ist das eine, was den Menschen gewissermaßen zum Welteneinsiedler heute macht, daß er sich nicht bewußt ist, wie sein irdisches Dasein an ein Geistdasein angeschlossen ist. Das andere ist dieses, daß der Mensch heute seinen Blick hinausrichtet in die Weiten desKosmos, daß er die äußeren Gestalten der Sterne und Sternbilder schaut, daß er aber ein inneres geistiges Verhältnis zu dem Geistigen im Kosmos nicht mehr hat. Ja, man kann auch weiter gehen. Der Mensch richtet heute seinen Blick auf die Reiche der Natur, die ihn auf der Erde umgeben, auf die mannigfaltige Schönheit der Pflanzen, auf das Gigantische der Berge, auf die ziehenden Wolken und so weiter; allein auch da muß er sich auf dasjenige beschränken, was Eindruck macht auf seine Sinne, er fürchtet sich sogar sehr häufig, wenn er eine intimere, tiefere Beziehung zu den Weiten der Natur bekommt, daß ihm die naive Anschauung der Natur verlorengehen könne. Aber so notwendig diese Entwickelungsphase der Menschheit dazu war, daß der Mensch dasjenige entwickele, was wir im Bewußtsein der Freiheit, im Freiheitsgefühl erleben, so notwendig das für den Menschen war, um zu seinem vollen Selbstbewußtsein zu kommen, zu jener inneren Stärke, die das Ich mit voller Kraft im Menschen sich aufrichten läßt, so notwendig, wie gesagt, dieses Einsiedlerleben des Menschen im Kosmos war: es darf nur ein Übergang sein zu einer andern Epoche, in welcher der Mensch wiederum den Weg zurückfindet zu dem Geistigen, das allen Dingen und Wesenheiten denn doch zugrunde liegt. Und gerade dieses Zurückfinden zum Geistigen muß durch diejenige Kraft erreicht werden, die dem Menschen werden kann, wenn er die Michael-Idee in ihrer wahren Gestalt und in derjenigen Gestalt, die sie für unsere Zeit annehmen muß, im rechten Sinne ergreifen kann.
[ 2 ] If we consider the relationship that human beings have today with nature and the entire world, we will be able to say—provided we can compare this present-day relationship with that of earlier times with sufficient objectivity—that: Human beings today have, in essence, become true hermits in relation to the cosmic forces—hermits insofar as they are introduced into physical existence through birth and no longer possess those memories of pre-earthly existence that the whole of humanity once truly had. During the period in which human beings otherwise grow only to use their powers of intellect and memory—the period as far back as one can recall in earthly life—humanity as a whole, in the earlier epochs of human development, simultaneously experienced a flash of genuine memory, a genuine looking back at pre-earthly experiences—experiences that they had undergone as spiritual -soul being prior to their earthly life. This is the one thing that, in a sense, makes human beings today like hermits of the world—that they are not aware of how their earthly existence is connected to a spiritual existence. The other is this: that human beings today direct their gaze out into the vastness of the cosmos, that they behold the outer forms of the stars and constellations, yet no longer have an inner spiritual connection to the spiritual in the cosmos. Indeed, one can go even further. Today, human beings direct their gaze toward the realms of nature that surround them on Earth—toward the manifold beauty of plants, the grandeur of the mountains, the drifting clouds, and so on; yet even there he must limit himself to what makes an impression on his senses; indeed, he very often fears that if he were to develop a more intimate, deeper relationship with the vastness of nature, he might lose his naive view of nature. But as necessary as this phase of human development was for humanity to develop what we experience as the consciousness of freedom and the sense of freedom—as necessary as it was for human beings to attain their full self-awareness, that inner strength which allows the “I” to rise up with full power within the human being—as necessary, as I said, as this solitary existence of humanity within the cosmos was: it must be only a transition to another epoch in which humanity once again finds its way back to the spiritual, which after all underlies all things and beings. And it is precisely this return to the spiritual that must be achieved through the very power that can become available to human beings when they are able to grasp the Michael Idea in its true form—and in the form it must take for our time—in the right sense.
[ 3 ] Wir brauchen für das Denkerische, wir brauchen für das Gemütsleben, wir brauchen auch für das Tatenleben das Durchdrungensein mit dem Michael-Impuls. Aber es genügt natürlich nicht, wenn nun so etwas gehört wird wie: Ein Michael-Fest müsse wiederum lebendig werden in der Menschheit, und es sei nun an der Zeit, dieses MichaelFest hinzuzufügen zu den andern Festen des Jahres. — Es genügt nicht, daß dann einige sagen: Also fangen wir einmal an, begehen wir einmal ein Michael-Fest! — Wenn dasjenige in der Welt erreicht werden soll, was mit Anthroposophie anzustreben ist, dann darf selbstverständlich nicht die sonst heute in der Welt übliche Oberflächlichkeit gerade bei den Einrichtungen des Anthroposophischen eine Rolle spielen, sondern dann muß, wenn aus dem Anthroposophischen irgend etwas herauswächst, dieses mit dem allerintensivsten Ernste herauswachsen. Und um uns ein wenig einzuleben in das, was dieser Ernst sein soll, möchte ich Sie doch bitten, einmal zu erwägen, wie denn die heute verblaßten, einmal lebendigen Feste sich in die Menschheitsentwickelung hineingestellt haben.
[ 3 ] We need the Michael impulse to permeate our thinking, our emotional life, and our active life. But of course it is not enough simply to hear something like: A Michael Festival must once again come to life among humanity, and now is the time to add this Michael Festival to the other festivals of the year. — It is not enough for some to then say: Well, let’s get started; let’s celebrate a Michael Festival! — If what we strive for through anthroposophy is to be achieved in the world, then, of course, the superficiality that is otherwise common in the world today must not play a role, especially in anthroposophical institutions; rather, when anything grows out of anthroposophy, it must grow out of it with the utmost seriousness. And to help us get a little sense of what this seriousness should be, I would like to ask you to consider how these festivals—once vibrant but now faded—have been woven into the development of humanity.
[ 4 ] Ist denn etwa das Weihnachtsfest, ist das Osterfest hervorgegangen aus dem Entschlusse von einigen wenigen, die gesagt haben: Wir haben eine Idee, in einer bestimmten Zeit des Jahres ein Fest zu feiern, und wir machen die nötigen Veranstaltungen dazu? — Das ist natürlich nicht der Fall. Damit so etwas wie das Weihnachtsfest in der Menschheit Eingang finden konnte, war ja nötig, daß der Christus Jesus geboren wurde, daß diese Tatsache in der weltgeschichtlichen Entwickelung der Erde eingetreten ist, daß ein überragendes Ereignis dastand. Und das Osterfest? Es hätte keinen Sinn jemals in der Welt gehabt, wenn es nicht das Erinnerungsfest an dasjenige gewesen wäre, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, wenn nicht dieses Ereignis in die ganze Menschheitsentwickelung einschneidend für die Erdengeschichte eingegriffen hätte. Wenn heute diese Feste verblaßt sind, wenn am Weihnachtsfeste nicht mehr der ganze Ernst gefühlt wird, ebensowenig am Osterfeste, so sollte das vielleicht gerade dazu führen, durch ein intensiveres Verständnis der Geburt des Christus Jesus und des Mysteriums von Golgatha auch diese Feste wiederum zu vertiefen. Keinesfalls dürfte aber die Idee Platz greifen, daß man, um nun zu diesen Festen auch noch mit derselben Oberflächlichkeit ein weiteres hinzuzufügen, nun zum Herbst beginnt, das Michael-Fest einfach einzurichten.
[ 4 ] Did Christmas or Easter perhaps arise from the decision of a few people who said, “We have an idea to celebrate a festival at a certain time of year, and we’ll organize the necessary events for it”? — Of course that is not the case. For something like Christmas to take root among humanity, it was necessary for Jesus Christ to be born, for this event to have occurred in the course of world history, and for a momentous event to have taken place. And what about Easter? It would never have had any meaning in the world if it had not been the festival commemorating what took place through the Mystery of Golgotha, if this event had not intervened decisively in the entire course of human development and in the history of the Earth. If these festivals have lost their luster today, if the full solemnity is no longer felt at Christmas—nor at Easter—then perhaps this should lead us to deepen our understanding of these festivals once again through a more intense comprehension of the birth of Christ Jesus and the Mystery of Golgotha. Under no circumstances, however, should the idea take hold that, in order to add yet another festival to these with the same superficiality, we should now begin to simply establish the Michaelmas festival in the fall.
[ 5 ] Es muß irgend etwas da sein, das — wenn vielleicht auch in getingerem Maße — in derselben Weise einschneidend sein kann in der Entwickelung der Menschheit, wie alle die Ereignisse einschneidend waren, die zu Festen geführt haben. Es muß ganz gewiß dazu kommen, daß in allem Ernste ein Michael-Fest gefeiert werden kann, und es muß für dieses Michael-Fest aus der anthroposophischen Bewegung heraus ein Verständnis erwachsen können. Aber so wie äußere Ereignisse, Ereignisse im Objektiven des Werdens, zum Weihnachtsfest, zum Osterfest geführt haben, so muß etwas im Inneren der Menschheit — derjenigen Menschheit, die den Entschluß faßt, so etwas zu tun — ganz anders werden, als es vorher gewesen ist. Es muß Anthroposophie zu einem gründlichen Erlebnis werden, einem Erlebnis, von dem der Mensch wirklich in einer ähnlichen Weise so zu sprechen vermag, wie er zu sprechen vermag, wenn ihm die ganze Kraft, die in der Geburt des Christus Jesus liegt, die im Mysterium von Golgatha ist, aufgeht. Wie gesagt, im geringeren Maße mag das der Fall sein beim Michael-Fest, aber es muß so etwas von seelenumgestaltender Kraft aus der anthroposophischen Bewegung hervorgehen. Das möchte man, daß Anthroposophie diese Kraft bekäme, Seelen umzugestalten. Und das wird sie nur können, wenn dasjenige, was in ihren, wenn ich so sagen darf, Lehren liegt, tatsächlich Erlebnis wird.
[ 5 ] There must be something that—perhaps to a lesser extent—can be just as decisive for the development of humanity as all the events that have led to the festivals. It must certainly come to pass that a Michaelmas festival can be celebrated in all seriousness, and an understanding of this Michaelmas festival must be able to grow out of the anthroposophical movement. But just as external events—events in the objective realm of becoming—have led to the Christmas and Easter festivals, so something within humanity—that humanity which resolves to do such a thing—must become quite different from what it was before. Anthroposophy must become a profound experience, an experience of which a person can truly speak in a similar way to how they can speak when the full power lying in the birth of Christ Jesus—the power contained in the Mystery of Golgotha—dawns upon them. As I said, this may be the case to a lesser extent on the Feast of Michael, but something of this soul-transforming power must emerge from the anthroposophical movement. One would like anthroposophy to acquire this power to transform souls. And it will only be able to do so if what lies in its—if I may say so—teachings actually becomes an experience.
[ 6 ] Nun wollen wir gerade heute einiges von jenen Erlebnissen vor unsere Seele hinstellen, die durch Anthroposophie in das Innere des Menschen einziehen können. Wir unterscheiden ja im menschlichen Seelenleben Denken, Fühlen und Wollen, und wir sprechen, indem wir namentlich auf das Fühlen hinschauen, von dem menschlichen Gemüt. Wir finden unser Denken kalt, trocken, nüchtern, wir finden es uns gewissermaßen geistig auszehrend, wenn die Gedanken in abstrakter Form in unserer Seele leben, wenn wir nicht in der Lage sind, heraufzusenden in diese Gedanken die Wärme, den Enthusiasmus des Fühlens. Wir können einen Menschen nur dann gemütvoll nennen, wenn uns in seinen Gedanken, indem er sie zu uns äußert, etwas entgegenströmt von der inneren Wärme seines Gemütes. Und wir können eigentlich an einen Menschen erst dann heran, wenn er uns gegenüber nicht nur pflichtgemäß, korrekt handelt, wenn er auch der Welt gegenüber nicht bloß pflichtgemäß, korrekt handelt, sondern wenn in seinen Handlungen etwas liegt, das uns sehen läßt, es fließt in sie aus der Enthusiasmus seines Herzens, die Wärme, die Liebe für die Natur, für jedes Wesen. So sitzt gewissermaßen in der Mitte des Seelenlebens dieses menschliche Gemüt.
[ 6 ] Today, in particular, let us bring to mind some of those experiences that, through anthroposophy, can find their way into the innermost being of the human person. We distinguish, after all, between thinking, feeling, and willing in the life of the human soul, and when we focus specifically on feeling, we speak of the human heart. We find our thinking cold, dry, and sober; we find it, in a sense, spiritually exhausting when thoughts live in our soul in abstract form, when we are unable to infuse these thoughts with the warmth and enthusiasm of feeling. We can call a person warm-hearted only when, as they express their thoughts to us, something flows toward us from the inner warmth of their heart. And we can truly connect with a person only when they do not merely act toward us in a dutiful, proper manner—nor do they merely act toward the world in a dutiful, proper manner—but when there is something in their actions that allows us to see that the enthusiasm of their heart, the warmth, and the love for nature and for every being flow into them. Thus, in a sense, this human spirit sits at the center of the life of the soul.
[ 7 ] Aber wenn auch das Denken, wenn auch das Wollen einen bestimmten Charakter angenommen haben durch jene Tatsache, daß der Mensch ein kosmischer Einsiedler geworden ist, am meisten hat eigentlich das menschliche Gemüt einen bestimmten Charakter unter dieser kosmischen Einsiedelei bekommen. Das Denken mag seine vollkommenen Berechnungen über das Weltenall vor sich hinstellen, es ergötzt sich vielleicht an der Spitzfindigkeit dessen, was da errechnet wird, aber es empfindet eben nicht, wie fern es im Grunde genommen dem warmen Pulsschlag des Lebens steht. Und in dem korrekten, rein pflichtgemäßen Handeln kann sich mancher Mensch vielleicht befriedigen, ohne daß er so recht fühlt, wie das Leben in diesem nüchternen Handeln nur ein halbes Leben ist. Beides geht nicht ganz nahe an die menschliche Seele heran. Dasjenige aber, was zwischen Denken und Wollen liegt, alles das, was das menschliche Gemüt umfaßt, geht schon sehr, sehr nahe an das ganze menschliche Wesen heran. Und wenn wir manchmal glauben, daß auch das, was das Gemüt eigentlich erwärmen, erheben, enthusiasmieren soll, bei der eigentümlichen Anlage manches Menschen in der Gegenwart erkalten könne, so ist das eine Täuschung. Es ist doch schließlich so: Für das, was der Mensch innerlich erlebt, bewußt erlebt, läßt sich sagen wir das Paradoxe — zur Not gemütlos sein, aber es läßt sich nicht gemütlos sein, ohne daß irgendwie doch durch die Gemütlosigkeit das menschliche Wesen ergriffen werde. Und wenn der Mensch es seelisch ertragen kann, vielleicht durch Seelenlosigkeit sich zur Gemütlosigkeit zwingt, so wird das in irgendeiner andern Form an seinem ganzen Wesen fressen, wird bis in die physische Organisation, bis in Gesundheit und Krankheit hinein fressen. Vieles, was in unserer Zeit an Niedergangserscheinungen auftritt, hängt im Grunde genommen gerade mit der Gemütlosigkeit zusammen, in die viele Menschen sich hineingefunden haben. Aber was alles mit diesen mehr im allgemeinen hingestellten Sätzen gemeint ist, wird uns erst entgegentreten, wenn wir die gestern begonnenen Betrachtungen ein wenig vertiefen.
[ 7 ] But even if thinking and volition have taken on a certain character due to the fact that human beings have become cosmic hermits, it is actually the human mind that has acquired a distinct character under this cosmic hermitage. Thinking may set forth its perfect calculations about the universe; it may take delight in the subtlety of what is being calculated, but it simply does not sense how far removed it actually is from the warm pulse of life. And in correct, purely duty-bound action, some people may find satisfaction without truly sensing how life in this sober action is only half a life. Neither of these comes very close to the human soul. But that which lies between thinking and willing—everything that the human mind encompasses—comes very, very close to the whole human being. And if we sometimes believe that even what is meant to warm, uplift, and inspire the mind might, given the peculiar disposition of some people today, cause it to grow cold, that is an illusion. After all, the fact is this: regarding what a person experiences inwardly, consciously experiences—let us call it the paradox—one may, if necessary, be dispirited, but one cannot be dispirited without the human being being affected in some way by that dispiritedness. And if a person can endure it emotionally—perhaps forcing themselves into a state of emotional detachment through a lack of soulfulness—it will gnaw away at their entire being in some other form, eating away even into their physical constitution, into their health and illness. Much of what appears in our time as signs of decline is, at its core, precisely connected to the lack of warmth into which many people have fallen. But the full meaning of these more generally stated propositions will only become clear to us when we delve a little deeper into the reflections we began yesterday.
[ 8 ] Der Mensch, der einfach in die gegenwärtige Zivilisation hineinwächst, sieht die Dinge der Außenwelt an, nimmt sie wahr, macht sich darüber seine abstrakten Gedanken, hat vielleicht an der lieblichen Blüte, an der majestätischen Pflanze auch seine herzliche Freude, seine herzliche Befriedigung, gewinnt sogar vielleicht, wenn er Phantasie hat, ein gewisses inneres Bild von der lieblichen Blüte, von der majestätischen Pflanze. Allein er ahnt nicht, welches seine tiefere Beziehung ist — sagen wir zunächst, um das eine herauszugreifen — zu der Welt der Pflanzen. Es genügt wahrhaftig für eine geistige Anschauung nicht, daß wir von Geist und Geist und wieder Geist reden, sondern es ist da nötig, daß wir uns der wahrhaftig geistigen Beziehungen bewußt werden, die wir zu den Dingen um uns herum haben.
[ 8 ] A person who simply grows up within modern civilization looks at the things of the outside world, perceives them, forms abstract thoughts about them, and may even find heartfelt joy and satisfaction in the lovely flower or the majestic plant; if they have imagination, they may even form a certain inner image of the lovely flower or the majestic plant. Yet they have no inkling of what their deeper relationship is—let us say, for the moment, to single out just one aspect—to the world of plants. It is truly not enough for spiritual insight that we speak of spirit, spirit, and spirit again; rather, it is necessary that we become aware of the truly spiritual relationships we have with the things around us.
[ 9 ] Wenn wir eine Pflanze betrachten, wie man es gewohnt ist, sie heute zu betrachten, so ahnt man gar nicht, daß in dieser Pflanze eine elementarische Wesenheit steckt, ein Geistiges steckt, daß in jeder solchen Pflanze etwas drinnen ist, dem es nicht genügt, daß wir sie anschauen und uns die abstrakte Bildvorstellung machen, die wir uns heute gemeiniglich auch von Pflanzen machen. Denn in jeder solchen Pflanze steckt elementarisches geistiges Wesen, aber es steckt so darinnen, daß es gewissermaßen in der Pflanze verzaubert ist. Und im Grunde genommen schaut nur derjenige eine Pflanze richtig an, der sich sagt: Dies ist in aller Schönheit die Umhüllung eines geistigen Wesens, das drinnen verzaubert ist. — Gewiß, im großen kosmischen Zusammenhange ein relativ unbedeutendes Wesen, aber ein Wesen, das eine tiefe Beziehung zum Menschen hat.
[ 9 ] When we look at a plant the way we are accustomed to looking at it today, we have no inkling that there is an elemental being within this plant, a spiritual presence, that there is something inside every such plant for which it is not enough that we simply look at it and form the abstract mental image that we generally form of plants today. For within every such plant there is an elemental spiritual being, but it is contained within it in such a way that it is, so to speak, enchanted within the plant. And, strictly speaking, the only person who truly sees a plant is the one who says to themselves: This, in all its beauty, is the outer shell of a spiritual being that is enchanted within. — Certainly, in the grand cosmic context, a relatively insignificant being, but a being that has a deep connection to human beings.
[ 10 ] Der Mensch ist eigentlich so innig verknüpft mit der Welt, daß er keinen Gang in die Natur machen kann, ohne daß die intimen Beziehungen, in denen er zur Welt steht, eine intensive Bedeutung für ihn haben. Wenn die Lilie auf dem Felde erwächst aus dem Keim, bis zur Blüte kommt, dann müssen wir uns schon — ohne Personifikation — ganz intensiv vorstellen, daß diese Lilie auf etwas wartet. Ich muß es mit Menschenworten wiederum aussprechen, wie ich das gestrige Bild auch mit Menschenworten aussprechen mußte. Die Menschenworte treffen natürlich die Dinge nicht ganz, aber sie drükken doch das aus, was als Realität in den Dingen drinnen ist. Diese Lilie, indem sie ihre Blätter, aber namentlich ihre Blüte entfaltet, wartet eigentlich auf etwas. Sie sagt sich: Es werden Menschen an mir vorübergehen, Menschen, die mich anschauen, und wenn genügend Menschenaugen ihren Blick auf mich geheftet haben werden, dann werde ich — so sagt der Geist der Lilie — aus der Verzauberung entzaubert sein und werde meinen Weg in geistige Welten antreten können! — Gewiß, Sie werden sagen: Es wachsen viele Lilien, auf die nicht menschliche Augen blicken. — Bei denen ist das eben anders. Lilien, auf die nicht menschliche Augen blicken, finden ihre Entzauberung auf einem andern Wege. Denn das erste menschliche Auge, das auf eine Lilie blickt, ruft die Bestimmung hervor, daß diese Lilie durch Menschenaugen entzaubert werde. Es ist ein Verhältnis, das die Lilie zum Menschen eingeht, indem der Mensch zuerst seinen Blick auf die Lilie wirft. Überall in unserer Umgebung sind diese elementarischen Geister, und sie rufen uns eigentlich zu: Schauet doch nicht so abstrakt die Blumen an und macht euch nicht bloß die abstrakten Bilder davon, sondern habt ein Herz, ein Gemüt für das, was geistig-seelisch in den Blumen wohnt. Das will durch euch aus seiner Verzauberung erlöst werden. — Und das menschliche Dasein sollte eigentlich eine fortdauernde Erlösung sein verzauberter Elementargeister in den Mineralien, Pflanzen und Tieren.
[ 10 ] Human beings are, in fact, so intimately connected to the world that they cannot take a walk in nature without the intimate relationships they share with the world taking on profound significance for them. When the lily in the field grows from a seed to bloom, we must—without resorting to personification—vividly imagine that this lily is waiting for something. I must once again express this in human words, just as I had to express yesterday’s image in human words. Human words, of course, do not quite capture things, but they do express what is present as reality within them. This lily, as it unfolds its leaves—but especially its flower—is actually waiting for something. It says to itself: People will pass by me, people who will look at me, and when enough human eyes have fixed their gaze upon me, then—so says the spirit of the lily—I will be disenchanted and will be able to set out on my path into spiritual worlds! — Certainly, you will say: There are many lilies that no human eyes look upon. — With those, it’s simply different. Lilies that are not gazed upon by human eyes find their release from enchantment in a different way. For the first human eye that gazes upon a lily brings about the destiny that this lily will be released from enchantment through human eyes. It is a relationship that the lily enters into with the human being the moment the human first casts their gaze upon the lily. These elemental spirits are everywhere around us, and they are actually calling out to us: Do not look at the flowers so abstractly and do not merely form abstract images of them, but have a heart, a soul for what dwells spiritually and emotionally within the flowers. It wants to be redeemed from its enchantment through you. — And human existence should, in fact, be a continuous redemption of the enchanted elemental spirits in minerals, plants, and animals.
[ 11 ] Eine solche Idee kann in ihrer vollen Schönheit empfunden werden. Aber gerade indem sie im richtigen geistigen Sinne erfaßt wird, kann sie auch im Lichte der vollen Verantwortlichkeit empfunden werden, in die sich der Mensch dadurch zum ganzen Kosmos hineinstellt. Und die Art und Weise, wie sich der Mensch in der Gegenwart, in der Zivilisationsepoche der Entwickelung der Freiheit zu den Blumen verhält, ist eigentlich ein Nippen an demjenigen, an dem er eigentlich trinken sollte. Er nippt, indem er sich Begriffe und Ideen bildet, und er sollte trinken, indem er mit seinem Gemüt sich mit den Blementargeistern der Dinge und Wesenheiten um ihn herum verbindet.
[ 11 ] Such an idea can be experienced in all its beauty. But precisely by grasping it in the proper spiritual sense, it can also be experienced in the light of the full responsibility that places human beings in relation to the entire cosmos. And the way in which human beings relate to flowers in the present—in this era of civilization marked by the development of freedom—is actually merely a sipping at that from which they ought to be drinking. They sip by forming concepts and ideas, whereas they ought to drink by connecting, through their inner being, with the flower spirits of the things and beings around them.
[ 12 ] Ich sagte: Wir brauchen nicht zu denken an diejenigen Lilien, auf die niemals ein menschlicher Blick fällt, aber wir müssen an diejenigen denken, auf die der menschliche Blick fällt, denn die bedürfen des Gemütsverhältnisses, das der Mensch zu ihnen eingehen kann. Nun aber, von der Lilie geht die Wirkung aus. Und mannigfaltig, großartig und gewaltig sind die geistigen Wirkungen, die fortwährend von den Dingen der Natur an den Menschen herantreten, indem der Mensch seinen Weg durch die Natur nimmt. Derjenige, der in diese Dinge hineinschauen kann, sieht eigentlich fortdauernd, wie unendlich mannigfaltig und großartig alles das ist, was an den Menschen von allen Seiten durch die Elementargeistigkeit der Natur heranströmt. Und es strömt in ihn ein. Es ist dasjenige, was — ich habe es gestern im Sinne der äußeren Vorstellung auseinandergesetzt — aus dem Spiegel der äußeren Natur, die ein Spiegel des Göttlich-Geistigen ist, fortwährend dem Menschen als ein Geistiges entgegenströmt, das da ist als ein Übersinnliches, das über die Natur ergossen ist.
[ 12 ] I said: We need not think of those lilies that are never seen by human eyes, but we must think of those that are seen, for they require the emotional connection that a person can form with them. But now, the effect emanates from the lily. And manifold, magnificent, and mighty are the spiritual effects that continually approach human beings from the things of nature as they make their way through nature. Those who can look into these things actually see, without ceasing, how infinitely manifold and magnificent is all that flows toward human beings from every side through the elemental spirituality of nature. And it flows into him. It is that which—as I explained yesterday in terms of external perception—flows continuously toward the human being from the mirror of external nature, which is a mirror of the divine-spiritual, as a spiritual reality that exists as a supersensible force poured out over nature.
[ 13 ] Aber nun ist — wir werden über diese Dinge im Sinne wirklicher anthroposophischer Vorstellung in den nächsten Tagen noch genauer zu sprechen haben — zunächst in dem Menschen diejenige Kraft enthalten, die ich gestern als die Kraft des Drachen beschrieben habe, die Michael bekämpft, des Drachen, mit dem Michael im Streit ist. Ich habe angedeutet, wie dieser Drache zwar eine tierähnliche Gestalt hat, aber eigentlich ein übersinnliches Wesen ist, wie er durch seine Widersetzlichkeit als übersinnliches Wesen in die Sinneswelt verstoßen ist und nun in ihr haust. Ich habe angedeutet, wie er nur im Menschen ist, weil die äußere Natur ihn nicht haben kann. Die äußere Natur in ihrer Unschuld, als ein Spiegel der göttlichen Geistigkeit, hat mit dem Drachen nichts zu tun. Ich habe gestern dargestellt, wie er in den Menschenwesenheiten sitzt. Dadurch aber, daß er ein solches Wesen ist, daß er ein Übersinnliches in der Sinneswelt ist, zieht er in demselben Augenblicke dasjenige an, was aus den Weiten der Natur an den Menschen als übersinnliches Elementarisches heranströmt, verbindet sich mit dem, und statt daß der Mensch durch seine Seelenhaftigkeit, durch sein Gemüt die Elementarwesen, sagen wir der Pflanzen, aus ihrer Verzauberung erlöst, verbindet er sie mit dem Drachen, läßt er sie in seiner niederen Natur mit dem Drachen untergehen. Denn alles in der Welt ist in der Strömung einer Entwickelung, nimmt die verschiedensten Wege der Entwickelung. Und jene Elementarwesen, die in den Mineralien, Pflanzen und Tieren leben, müssen zu höherem Dasein aufsteigen, als sie es haben können in den gegenwärtigen Mineralien, Pflanzen und Tieren. Das können sie nur, wenn sie durch den Menschen durchgehen. Der Mensch ist wahrhaftig auf der Erde nicht nur dazu da, daß er die äußere Kultur begründet. Der Mensch hat innerhalb der ganzen Weltenentwickelung ein kosmisches Ziel, und dieses kosmische Ziel hängt mit solchen Dingen zusammen, wie ich sie eben beschrieben habe: mit der Höherentwickelung jener Elementarwesen, die im irdischen Dasein auf einer niederen Stufe stehen, aber zu einer höheren Stufe bestimmt sind, und die, wenn der Mensch in ein bestimmtes Verhältnis zu ihnen kommt, und wenn das alles mit rechten Dingen zugeht, zu einer höheren Entwickelungsstufe kommen können.
[ 13 ] But now—we will have to speak in even greater detail about these things in the coming days, in the spirit of true anthroposophical thought—there is contained within the human being, for the time being, the very force that I described yesterday as the force of the dragon that Michael fights, the dragon with whom Michael is in conflict. I have indicated how this dragon, though it has an animal-like form, is in fact a supersensible being; how, through its rebelliousness as a supersensible being, it has been cast out into the sensory world and now dwells there. I have indicated how it exists only within the human being, because outer nature cannot contain it. External nature in its innocence, as a mirror of divine spirituality, has nothing to do with the dragon. Yesterday I described how it dwells within human beings. But precisely because it is such a being—a supersensible entity in the sensory world—it attracts, at that very moment, whatever flows toward human beings from the vastness of nature as a supersensible elemental force; it unites with it, and instead of the human being, through the soul’s attachment and through the mind, freeing the elemental beings— let us say of plants—from their enchantment, he binds them to the dragon, causing them to perish with the dragon in his lower nature. For everything in the world is in the flow of evolution, taking the most diverse paths of development. And those elemental beings that live in minerals, plants, and animals must ascend to a higher existence than they can attain in the present-day minerals, plants, and animals. They can do this only by passing through human beings. Human beings are truly not on Earth merely to establish external civilization. Within the entire course of world evolution, human beings have a cosmic purpose, and this cosmic purpose is connected to the very things I have just described: the higher development of those elemental beings who, in earthly existence, are at a lower stage but are destined for a higher one, and who—when human beings enter into a certain relationship with them, and if everything proceeds as it should—can attain a higher stage of development.
[ 14 ] Es war nun in der Tat in den alten Zeiten der instinktiven Menschenentwickelung, da die Menschen in ihrem Gemüt als Erleben hatten das Seelisch-Geistige, und da ihnen das Geistig-Seelische ebenso ein Selbstverständliches war wie das Natürliche, so, daß in der Tat die Weltenentwickelung vorrückte, indem gewissermaßen die Strömung des Daseins durch den Menschen in einer regelrechten Weise durchging. Aber gerade in der Epoche, die jetzt ihren Abschluß finden muß, die jetzt zu einer höheren Geistigkeit vorrücken muß, ist es so gewesen, daß Unzähliges von Elementarwesenhaftigkeit innerhalb des Menschen dem Drachen ausgeliefert worden ist. Denn es ist gerade das die Wesenhaftigkeit dieses Drachen, daß er dürstet und hungert nach diesen Elementarwesen; er möchte überall herumschleichen, er möchte alle Pflanzen und Mineralien abschlecken, um in sich die Elementarwesen der Natur aufsaugen zu können. Denn mit denen will er sich verbinden, mit denen will er sein eigenes Dasein durchdringen. In der außermenschlichen Natur kann er das nicht, er kann es nur in der innermenschlichen Natur. Er kann es nur in der menschlichen Natur, weil dort für ihn eine Möglichkeit des Daseins ist. Und wenn das so fortginge, dann wäre die Erde dem Verfall anheimgegeben, dann würde unbedingt der Drache, von dem ich gestern gesprochen habe, im irdischen Dasein siegen. Er würde aus einem ganz bestimmten Grunde siegen, weil dadurch, daß er sich gewissermaßen in der Menschennatur vollsaugt mit den Elementarwesen, etwas geschieht.
[ 14 ] It was indeed in the early days of instinctive human development, that human beings experienced the soul-spiritual in their inner lives, and that the spiritual-soul aspect was just as self-evident to them as the natural, so that world evolution indeed advanced as the current of existence flowed through human beings in a regular manner, as it were. But precisely in the epoch that must now come to an end, that must now advance toward a higher spirituality, it has been the case that countless elements of elemental nature within the human being have been delivered over to the dragon. For it is precisely the very nature of this dragon that he thirsts and hungers for these elemental beings; he wants to prowl everywhere, he wants to lick all plants and minerals so that he can absorb the elemental beings of nature into himself. For it is with them that he wishes to unite; it is with them that he wishes to permeate his own existence. He cannot do this in nature outside of humanity; he can do it only within human nature. He can do it only within human nature because there lies a possibility of existence for him there. And if this were to continue, then the Earth would be left to decay; then the dragon I spoke of yesterday would inevitably triumph in earthly existence. He would triumph for a very specific reason: because, by imbibing the elemental beings into human nature, so to speak, something happens.
[ 15 ] Es geschieht dadurch physisch, seelisch und geistig etwas. Geistig: nun, der Mensch würde niemals zu dem albernen Glauben an eine bloß materielle Außenwelt, wie sie die Naturforschung heute annimmt, würde niemals zu einer Annahme von toten Atomen kommen, wie er heute kommt, und zu ähnlichem. Der Mensch würde niemals zu solchen fortschrittfeindlichen Gesetzen kommen, wie dem von der Erhaltung der Kraft und der Energie und der Erhaltung der Materie und dergleichen, wenn nicht der Drache in ihm die Elementarwesen von außen aufsaugen würde. Dadurch, daß die Elementarwesen von außen in ihm sitzen, wird der menschliche Blick von dem Geistigen der Dinge abgelenkt. Wenn der Mensch nach außen sieht, dann sieht er nicht mehr das Geistige in den Dingen, das mittlerweile in ihn eingezogen ist, sondern er sieht nur die tote Materie.
[ 15 ] This brings about changes on the physical, psychological, and spiritual levels. Spiritually: well, human beings would never arrive at the absurd belief in a purely material external world, as assumed by modern natural science today; they would never arrive at the notion of “dead atoms,” as they do today, or at similar ideas. Human beings would never arrive at laws so hostile to progress—such as the laws of conservation of force and energy, conservation of matter, and the like—if not for the dragon within them that absorbs the elemental beings from the outside. Because these elemental beings from the outside reside within them, the human gaze is diverted from the spiritual aspect of things. When a person looks outward, he no longer sees the spiritual aspect of things—which has meanwhile entered into him—but sees only dead matter.
[ 16 ] Und im Seelischen? Alles, was der Mensch jemals geäußert hat an demjenigen, was ich Feigheiten der Seele nennen möchte, rührt von dem her, was der Drache an Elementargewalten in ihm aufsaugt. Oh, wie sind sie verbreitet, diese Feigheiten der Seele! Der Mensch weiß ganz gut: Dies oder jenes soll ich tun, dies oder jenes ist in einer bestimmten Lage das Richtige. — Er kann sich nicht dazu aufraffen, er kann es nicht tun, irgend etwas wirkt als seelische Schwere in ihm. Es sind die Elementarwesen im Leibe des Drachen, die in ihm wirken.
[ 16 ] And in the realm of the soul? Everything a person has ever expressed that I would call “cowardice of the soul” stems from the elemental forces that the dragon absorbs within him. Oh, how widespread these cowardices of the soul are! A person knows full well: I should do this or that; this or that is the right thing to do in a given situation. — Yet he cannot bring himself to do it; he cannot do it; something acts as a spiritual heaviness within him. It is the elemental beings in the dragon’s body that are at work within him.
[ 17 ] Und physisch? Der Mensch würde niemals von demjenigen geplagt werden, was man die Bazillen der Krankheiten nennt, wenn nicht in ihm durch jene geistigen Wirkungen, die ich jetzt beschrieben habe, sein Leib fähig gemacht würde, ein Boden für Bazillenwirkungen zu sein. Bis in die physische Organisation gehen diese Dinge hinein. Und man möchte sagen: Sieht man richtig den Menschen in geistiger, seelischer und physischer Verfassung, sieht man, wie er nach diesen drei Richtungen hin heute ist, so sieht man, daß — allerdings zu einem guten Zwecke, zum Zwecke der Erlangung seiner Freiheit — der Mensch nach drei Richtungen hin vom Geistigen abgeschnitten worden ist, daß er die geistigen Kräfte nicht mehr in sich hat, die er haben könnte. Und so sehen Sie, wie durch diese dreifache Schwächung seines Lebens, durch das, was der vollgesogene Drache in dem Menschen geworden ist, der Mensch abgehalten wird, die Schlagkraft des Geistigen in sich zu erleben.
[ 17 ] And physically? Human beings would never be afflicted by what are called disease-causing germs if, through the spiritual influences I have just described, their bodies were not made capable of serving as a breeding ground for these germs. These influences penetrate right down into the physical organism. And one might say: If one correctly observes human beings in their spiritual, soul, and physical states—if one sees how they are today in these three respects—one sees that—albeit for a good purpose, namely the attainment of their freedom—human beings have been cut off from the spiritual in these three respects, and that they no longer possess within themselves the spiritual powers they could have. And so you see how, through this threefold weakening of their life—through what the dragon, gorged with blood, has become within the human being—people are prevented from experiencing the power of the spiritual within themselves.
[ 18 ] Es gibt zweierlei Art, Anthroposophie zu erleben. Es gibt noch mannigfaltige Differenzierungen dazwischen, ich will nur die beiden Extreme anführen. Die eine Art ist diese: Man setzt sich auf seinen Stuhl, nimmt ein Buch, liest es, findet es ja ganz interessant, findet es tröstlich für den Menschen, daß es einen Geist gibt, daß es eine Unsterblichkeit gibt, man findet sich recht wohl dabei, daß es das gibt und daß der Mensch der Seele nach nicht tot ist, wenn er auch dem Körper nach tot ist. Man findet sich mehr befriedigt an einer solchen Weltanschauung als an einer materialistischen, man nimmt sie auf, wie man vielleicht die abstrakten Gedanken der Geographie aufnimmt, nur daß, was er bei der Anthroposophie erhält, für den Menschen tröstlicher ist. Gewiß, das ist die eine Art: Man steht von seinem Sitz wieder so auf, wie man sich eigentlich niedergesetzt hat, nur daß man eine gewisse Befriedigung an der Lektüre gehabt hat. Ich könnte ja auch von einem Vortrage reden, statt von der Lektüre. Nun gibt es eine andere Art, Anthroposophie auf sich wirken zu lassen, die Art, daß man Dinge, wie zum Beispiel die Idee vom Streite Michaels mit dem Drachen, so in sich aufnimmt, daß man eigentlich innerlich verwandelt wird, daß es einem ein wichtiges, einschneidendes Erlebnis ist, und daß man im Grunde genommen als ein ganz anderer von seinem Sitze wieder aufsteht, nachdem man so etwas gelesen hat. Zwischen diesen beiden Arten gibt es noch alle möglichen Nuancen.
[ 18 ] There are two ways to experience anthroposophy. There are many nuances in between, but I will mention only the two extremes. One way is this: You sit down in your chair, pick up a book, read it, find it quite interesting, find it comforting for human beings that there is a spirit, that there is immortality; you feel quite at ease with the fact that these things exist and that, in terms of the soul, a person is not dead even if they are dead in the physical sense. One finds oneself more satisfied with such a worldview than with a materialistic one; one takes it in, much as one might take in the abstract concepts of geography, except that what one gains from anthroposophy is more comforting to human beings. Certainly, that is one way: one rises from one’s seat just as one actually sat down, except that one has derived a certain satisfaction from the reading. I could just as well be speaking of a lecture instead of reading. Now there is another way to let anthroposophy take effect on oneself—the way in which one takes in things, such as the idea of Michael’s battle with the dragon, in such a way that one is actually transformed inwardly, that it is an important, life-changing experience, and that, in essence, one rises from one’s seat as a completely different person after reading something like that. Between these two approaches, there are all sorts of nuances.
[ 19 ] Auf die erste Art Leser kann zum Beispiel gar nicht gerechnet werden, wenn von der Wiederbelebung des Michael-Festes die Rede ist, sondern es kann nur auf diejenigen gerechnet werden, die vielleicht, wenigstens annähernd in ihrem Willen das haben, Anthroposophie als etwas Lebendiges in sich aufzunehmen. Und das ist dasjenige, was innerhalb der anthroposophischen Bewegung erlebt werden sollte: diese Notwendigkeit, die Gedanken, die man zunächst als Gedanken empfängt, als Lebensmächte zu empfinden. Ich werde jetzt etwas ganz Paradoxes sagen: Manchmal begreift man die Gegner der Anthroposophie viel besser als die Anhänger. Die Gegner sagen: Ach, diese anthroposophischen Gedanken sind phantastisch, sie entsprechen keiner Wirklichkeit. — Die Gegner weisen sie ab, sie sind nicht weiter von ihnen berührt. Man kann ein solches Verhältnis gut verstehen, man kann die verschiedensten Gründe dafür anführen, meistens ist es die Furcht vor diesen Gedanken, die nur unbewußt bleibt, aber immerhin, es ist ein Verhältnis. Oftmals aber kommt dieses vor, daß die Gedanken zwar aufgenommen werden, daß man aber durch die Gedanken, die von alledem abweichen, was sonst in der Welt aufgenommen werden kann, nicht einmal so viel fühlt, wie man fühlt, wenn man an den Knopf einer Elektrisiermaschine den Knöchel hält und elektrisiert wird. Da fühlt man durch den elektrischen Funken wenigstens körperlich einiges Zucken. Ein solches Einschlagen eines Funkens in die Seele ist dasjenige, was einem, wenn es nicht vorhanden ist, so ungeheuren Schmerz machen kann. Dies hängt mit dem zusammen, daß unsere Zeit notwendig hat für die Menschen, nicht nur vom Physischen ergriffen zu werden, sondern notwendig hat, vom Geistigen ergriffen und gepackt zu werden. Der Mensch vermeidet es, gestoßen, gezerrt zu werden, aber er vermeidet es nicht, Gedanken an sich herankommen zu lassen, die von andern Welten handeln, die sich als etwas ganz Besonderes in die gegenwärtige Welt der Sinne hereinstellen, und vermeidet es nicht, diesen Gedanken gegenüber dieselbe Gleichgültigkeit zu haben wie den Gedanken der Sinne gegenüber.
[ 19 ] For example, when speaking of the revival of the Michaelmas Festival, one cannot count on the first type of reader at all; rather, one can only count on those who may, at least to some extent, have the will to take anthroposophy into themselves as something living. And that is precisely what should be experienced within the anthroposophical movement: this necessity of perceiving the ideas—which one initially receives as mere ideas—as life forces. I am now going to say something quite paradoxical: Sometimes one understands the opponents of anthroposophy much better than its adherents. The opponents say: “Oh, these anthroposophical ideas are fanciful; they have no basis in reality.” — The opponents reject them; they are not moved by them in the slightest. One can easily understand such an attitude; one can cite a wide variety of reasons for it—most often it is a fear of these ideas that remains merely unconscious—but in any case, it is an attitude. Often, however, it happens that while the ideas are taken in, one does not even feel as much from them—since they differ from everything else that can otherwise be taken in by the world—as one feels when holding one’s knuckle to the button of an electric shock machine and receiving a shock. There, at least, one feels a slight twitch in the body from the electric spark. Such a spark striking the soul is precisely what, when it is absent, can cause one such immense pain. This is connected to the fact that our time demands that people not only be gripped by the physical, but also be gripped and seized by the spiritual. People avoid being jostled or dragged along, but they do not avoid allowing thoughts to enter their minds that deal with other worlds—worlds that present themselves as something quite special within the present world of the senses—and they do not avoid treating these thoughts with the same indifference as they do the thoughts of the senses.
[ 20 ] Dieses Sich-Aufschwingen dazu, daß man von den Gedanken über das Geistige so erfaßt werden kann wie dutch irgend etwas Physisches in der Welt: das ist Michael-Kraft! Vertrauen haben zu den Gedanken des Geistigen, wenn man die Anlage dazu hat, sie überhaupt aufzunehmen, so daß man weiß: Du hast diesen oder jenen Impuls aus dem Geistigen. Du gibst dich ihm hin, du machst dich zum Werkzeug seiner Ausführung. Ein erster Mißerfolg kommt — macht nichts! Ein zweiter Mißerfolg kommt — macht nichts! Und wenn hundert Mißerfolge kommen — macht nichts! Denn kein Mißerfolg ist jemals ausschlaggebend für die Wahrheit eines geistigen Impulses, dessen Wirkung innerlich durchschaut und ergriffen ist. Denn erst dann hat man Vertrauen, das richtige Vertrauen zu einem geistigen Impuls, den man in einem bestimmten Zeitpunkt faßt, wenn man sich sagt: Hundert Male habe ich Mißerfolg gehabt, das kann mir aber höchstens beweisen, daß für mich in dieser Inkarnation die Bedingungen zur Realisierung dieses Impulses nicht gegeben sind. Daß dieser Impuls aber richtig ist, das schaue ich durch seinen eigenen Charakter. Und wenn es auch erst nach der hundertsten Inkarnation sein wird, daß für diesen Impuls die Kräfte zu seiner Realisierung mir erwachsen — nichts kann mich überzeugen von der Durchschlagskraft oder Nichtdurchschlagskraft eines geistigen Impulses als dessen eigene Natur. — Wenn Sie sich dies im Gemüte des Menschen als das große Vertrauen für irgend etwas Geistiges ausgebildet denken, wenn Sie sich denken, daß der Mensch felsenfest halten kann an etwas, was er als ein geistig Siegendes durchschaut hat, so festhalten kann, daß er es auch dann nicht losläßt, wenn die äußere Weit noch so sehr dagegen spricht, wenn Sie sich dies vorstellen, dann haben Sie eine Vorstellung von dem, was eigentlich die Michael-Kraft, die Michael-Wesenheit von dem Menschen will, denn dann erst haben Sie eine Anschauung von dem, was das große Vertrauen in den Geist ist. Man kann irgendeinen geistigen Impuls zurückstellen, selbst für die ganze Inkarnation zurückstellen, aber hat man ihn einmal gefaßt, so darf man niemals wanken, ihn in seinem Inneren zu hegen und zu pflegen; dann allein kann man ihn aufsparen für die folgenden Inkarnationen. Und wenn auf diese Weise das Vertrauen zu dem Geistigen eine solche Seelenverfassung begründet, daß man in die Lage kommt, dieses Geistige als so real zu empfinden wie den Boden unter unseren Füßen, von dem wir wissen, daß, wenn er nicht da wäre, wir mit unseren Füßen nicht auftreten könnten, dann haben wir ein Gefühl in unserem Gemüte von dem, was eigentlich Michael von uns will.
[ 20 ] This ability to rise up so that one can be gripped by thoughts of the spiritual just as one is by anything physical in the world: that is the power of Michael! Have confidence in thoughts of the spiritual, if you have the capacity to receive them at all, so that you know: You have received this or that impulse from the spiritual. You surrender to it; you make yourself an instrument for its fulfillment. A first failure comes—it doesn’t matter! A second failure comes—it doesn’t matter! And even if a hundred failures come—it doesn’t matter! For no failure is ever decisive for the truth of a spiritual impulse whose effect has been inwardly understood and grasped. For only then do you have trust—the right kind of trust—in a spiritual impulse that you grasp at a particular moment, when you say to yourself: I have failed a hundred times, but that can at most prove to me that the conditions for realizing this impulse are not present for me in this incarnation. But that this impulse is correct, I see through its very nature. And even if it is only after the hundredth incarnation that the powers necessary for the realization of this impulse will have developed within me—nothing can convince me of the effectiveness or ineffectiveness of a spiritual impulse other than its own nature. — If you imagine this taking shape in the human mind as a profound trust in something spiritual, if you imagine that a person can hold fast to something they have recognized as a spiritual triumph, hold on to it so firmly that he does not let go even when the outer world speaks out against it as strongly as it may—if you imagine this, then you have a conception of what the Michael Force, the Michael Being, actually wants from the human being, for only then do you have a vision of what the great trust in the spirit is. One can set aside any spiritual impulse—even for the duration of an entire incarnation—but once one has grasped it, one must never waver in cherishing and nurturing it within oneself; only then can one preserve it for subsequent incarnations. And when, in this way, trust in the spiritual establishes such a state of soul that one is able to perceive the spiritual as just as real as the ground beneath our feet—which we know that, were it not there, we could not stand upon—then we have a sense in our hearts of what Michael actually wants from us.
[ 21 ] Sie werden ohne Zweifel zugestehen, daß von diesem Vertrauen, von diesem aktiven Vertrauen in den Geist im Laufe der letzten Jahrhunderte, ja des letzten Jahrtausends der Menschheit unendlich viel dahingeschwunden ist, daß es eigentlich heute für die meisten Menschen so ist, daß gar nicht aus dem Leben die Zumutung an sie herantritt, ein solches Vertrauen zu entwickeln. Das aber ist es, was kommen mußte. Denn was sage ich damit eigentlich, indem ich dieses ausspreche? Ich sage: Im Grunde genommen hat der Mensch die Brücke zur Michael-Kraft hinter sich abgebrochen. Aber in der Welt hat sich mittlerweile manches ereignet. Der Mensch ist gewissermaßen von der Michael-Kraft abgefallen; der starre und straffe Materialismus des 19. Jahrhunderts ist ja ein Abfall von der Michael-Kraft. Aber im Objektiven, im äußeren Geistigen hat die Michael-Kraft gesiegt, hat gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gesiegt. Dasjenige, was der Drache hat erreichen wollen, durch die menschliche Entwickelung hat erreichen wollen, das wird nicht erreicht werden. Aber das andere Große steht heute vor der menschlichen Seele, daß der Mensch aus eigenem, freiem Entschluß den Sieg des Michael über den Drachen wird mitmachen müssen. Das aber bedingt, daß der Mensch wirklich die Möglichkeit findet, aus jener Passivität des Verhältnisses zum Geistigen, in dem er heute so vielfach ist, herauszutreten und in ein aktives Verhältnis zum Geistigen zu kommen. Die Michael-Kräfte lassen sich nicht erringen — auch nicht durch das passive Gebet durch irgendeine Art von Passivität. Die Michael-Kräfte lassen sich einzig und allein dadurch erringen, daß der Mensch mit seinem liebevollen Willen sich zum Werkzeug für die göttlich-geistigen Kräfte macht. Denn die Michael-Kräfte wollen nicht, daß der Mensch zu ihnen fleht, sie wollen, daß der Mensch sich mit ihnen verbündet. Das kann der Mensch, wenn er mit innerer Energie die Lehren von der geistigen Welt aufnimmt.
[ 21 ] You will undoubtedly concede that, over the course of the last few centuries—indeed, the last millennium—an infinite amount of this trust, this active trust in the Spirit, has faded away from humanity; that for most people today, life does not even present them with the challenge of developing such trust. But that is what was bound to happen. For what am I actually saying when I express this? I am saying: Fundamentally speaking, humanity has broken the bridge to the Michael force behind it. But in the meantime, much has happened in the world. Humanity has, so to speak, fallen away from the Michael force; the rigid and austere materialism of the 19th century is, after all, a falling away from the Michael force. But in the objective, in the outer spiritual realm, the Michael force has triumphed—it triumphed precisely in the last third of the 19th century. What the dragon sought to achieve through human evolution will not be achieved. But the other great task now stands before the human soul: that human beings, of their own free will, must participate in Michael’s victory over the dragon. This, however, requires that human beings truly find the means to step out of the passivity in their relationship to the spiritual—a state in which they so often find themselves today—and enter into an active relationship with the spiritual. The Michael forces cannot be attained—not even through passive prayer or any other form of passivity. The Michael forces can be attained solely by a person using his loving will to make himself an instrument for the divine-spiritual forces. For the Michael forces do not want a person to plead with them; they want a person to ally himself with them. A person can do this when he absorbs the teachings about the spiritual world with inner energy.
[ 22 ] So können wir hindeuten auf dasjenige, was im Menschen eintreten muß, damit der Michael-Gedanke wieder lebendig werden kann. Der Mensch muß das Erlebnis des Geistigen wirklich haben können. Er muß dieses Erlebnis des Geistigen aus dem bloßen Gedanken, nicht etwa erst aus irgendeiner Hellsichtigkeit heraus, gewinnen können. Es wäre schlimm, wenn jeder Mensch hellsichtig werden müßte, um dieses Vertrauen zu dem Geist haben zu können. Dieses Vertrauen zu dem Geist kann ein jeder haben, der überhaupt nur Empfänglichkeit hat für die Lehren der Geisteswissenschaft. Durchdringt sich der Mensch immer mehr und mehr mit diesem Vertrauen für das Geistige, dann wird über ihn etwas kommen wie eine Inspiration, eine Inspiration, auf die eigentlich alle guten Geister der Welt warten. Der Mensch wird den Frühling erleben, so erleben, daß er die Schönheit, die Lieblichkeit der Pflanzenwelt empfindet, daß er seine innigste Freude über das sprießende, sprossende Leben hat, aber er wird zu gleicher Zeit ein Gefühl dafür bekommen, daß in allem sprießenden, sprossenden Leben elementarisch Geistiges verzaubert ist. Er wird ein Gefühl, einen Gemütsinhalt dafür bekommen, daß jeder Blütensproß ihm Zeuge wird für die Tatsache, daß in der blühenden Pflanze Wohnung nimmt ein verzaubertes Elementarwesen. Und der Mensch wird ein Gefühl dafür bekommen, wie in diesem Elementarwesen die Sehnsucht lebt, gerade durch ihn erlöst zu werden, nicht übergeben zu werden dem Drachen, dem es durch seine eigene Unsichtbarkeit ja verwandt ist. Der Mensch wird ein Gefühl dafür bekommen, wenn dann die Blumen im Herbste abwelken, daß es ihm gelungen ist, etwas beizutragen, damit die Welt in ihrer Geistigkeit wiederum ein Stückchen weiterkomme, und daß mit der abwelkenden und sich senkenden Blüte, mit der Blüte, die in den Samen übergeht, die hart und welk wird, ein Elementarwesen aus der Pflanze schlüpft. Entsprechend dem, wie sich der Mensch mit der starken Michael-Kraft durchdrungen hat, wird er es sein, der dieses elementarische Wesen nach aufwärts führt, in die Geistigkeit, nach der es strebt.
[ 22 ] In this way, we can point to what must take place within the human being so that the Michael idea can come alive again. The human being must truly be able to have an experience of the spiritual. He must be able to gain this experience of the spiritual from mere thought, not, for example, from some form of clairvoyance. It would be unfortunate if every person had to become clairvoyant in order to have this trust in the spirit. Anyone who is even slightly receptive to the teachings of spiritual science can have this trust in the spirit. As a person becomes more and more imbued with this trust in the spiritual, something will come over them like an inspiration—an inspiration that all the good spirits of the world are actually waiting for. A person will experience spring in such a way that they sense the beauty and loveliness of the plant world, that they feel their deepest joy in the sprouting, budding life; but at the same time, they will develop a sense that everything that sprouts and buds is enchanted by elemental spiritual forces. They will develop a sense, a feeling within their soul, that every blossoming shoot bears witness to the fact that an enchanted elemental being dwells within the flowering plant. And the human being will develop a sense of how this elemental being yearns to be redeemed precisely through him, rather than being handed over to the dragon, to which it is, after all, related through its own invisibility. When the flowers wither in the fall, the human being will sense that he has succeeded in contributing something so that the world may advance a little further in its spirituality, and that with the withering and falling flower—the flower that transforms into seed, becoming hard and withered—an elemental being emerges from the plant. Depending on the extent to which a person has imbued themselves with the powerful Michael force, it will be that person who guides this elemental being upward, into the spirituality toward which it strives.
[ 23 ] Und der Mensch wird den Jahreslauf miterleben. Er wird den Frühling erleben wie die Geburt von Elementarwesen, die nach Geistigkeit streben, und er wird den Herbst erleben wie die Befreiung dieser Elementarwesen aus den abwelkenden Pflanzen, aus den abwelkenden Blüten und so weiter. Der Mensch wird nicht nur für sich allein als ein kosmischer Einsiedler im Herbste um ein halbes Jahr älter geworden sein, als er im Frühling war. Der Mensch wird zusammen mit der werdenden Natur dann um ein Stück des Lebens fortgeschritten sein. Der Mensch wird nicht bloß so und so oft den physischen Sauerstoff ein- und ausgeatmet haben, er wird teilgenommen haben an dem Werden der Natur, teilgenommen haben an der Verzauberung und Entzauberung von Geistwesen in der Natur. Der Mensch wird nicht nur sein Älterwerden empfinden, er wird die Verwandlung der Natur mit als sein Schicksal empfinden. Er wird zusammenwachsen mit dem, was draußen wächst, er wird größer werden in seinem Wesen, indem sich sein Individuelles als freies Wesen in das Kosmische hineinopfernd ergießen kann. Das wird dasjenige sein, was er beitragen kann zum günstigen Entscheid des Streites Michaels mit dem Drachen.
[ 23 ] And human beings will witness the cycle of the year. They will experience spring as the birth of elemental beings who strive toward spirituality, and they will experience autumn as the liberation of these elemental beings from the withering plants, from the withering blossoms, and so on. Human beings will not merely have grown half a year older in the fall than they were in the spring, as if they were solitary cosmic hermits. Together with nature as it comes to life, they will have advanced a step further in life. Human beings will not merely have inhaled and exhaled physical oxygen a certain number of times; they will have participated in the unfolding of nature, in the enchantment and disenchantment of spiritual beings within nature. Human beings will not only feel their own aging; they will also perceive the transformation of nature as part of their own destiny. He will grow together with what grows outside; he will grow greater in his being as his individual self, as a free being, is able to pour itself sacrificially into the cosmic. This will be what he can contribute to the favorable outcome of Michael’s struggle with the dragon.
[ 24 ] Und so können wir darauf hinweisen, daß dasjenige, was zu einem Michael-Fest führen kann, ein menschliches Gemütsereignis sein muß, das Gemütsereignis, das in der angedeuteten Weise den Jahreslauf wiederum wirklich als ein Reales erlebt. Sagen Sie aber nicht, indem Sie diesen abstrakten Gedanken hinstellen vor Ihre Seele, Sie würden dieses erleben, sagen Sie das erst, wenn Sie tatsächlich Anthroposophie so aufgenommen haben, daß Anthroposophie Sie jede Pflanze, jeden Stein anders anschauen lehrt, als Sie vorher die Pflanze oder den Stein angeschaut haben, sagen Sie es auch erst, nachdem die Anthroposophie Sie gelehrt hat, das ganze Menschenleben in seinem Werden anders anzuschauen.
[ 24 ] And so we can point out that what can lead to a Michaelmas celebration must be a human emotional experience—the kind of emotional experience that, in the way described, truly experiences the course of the year once again as a reality. But do not say, by simply holding this abstract thought before your soul, that you would experience this; say that only when you have truly taken anthroposophy to heart in such a way that it teaches you to look at every plant and every stone differently than you did before; say it only after anthroposophy has taught you to view the entire human life in its unfolding differently.
[ 25 ] Ich wollte Ihnen dadurch eine Art Blick geben auf dasjenige, was sich gerade im menschlichen Gemüt vorbereiten muß, damit dieses Menschengemüt geeignet werde, die Natur um sich herum zu empfinden wie die eigne Wesenheit. Notdürftig haben sich die Menschen noch bewahrt, sagen wir, ihren Blutkreislauf so zu erleben, daß sich in ihm zugleich ein Seelisches neben dem Materiellen abspielt. Wenn die Menschen nicht krasse Materialisten sind, haben sie sich das noch bewahrt. Aber den Pulsschlag des äußeren Daseins wie das Innere zu empfinden, den Jahreslauf wieder so mitzuerleben, wie man das Leben innerhalb seiner eigenen Haut erlebt, das ist das, was zum MichaelFest vorbereiten muß.
[ 25 ] My intention was to give you a glimpse of what must take place within the human mind so that it may become capable of perceiving the nature around it as its own essence. People have, so to speak, barely managed to preserve the ability to experience their blood circulation in such a way that a spiritual aspect unfolds within it alongside the material. Unless they are extreme materialists, they have retained this ability. But to feel the pulse of external existence just as one feels the inner life, to experience the course of the year once again in the same way one experiences life within one’s own skin—that is what must be prepared for the Feast of Michael.
[ 26 ] Ich möchte, daß diese Vorträge — wie sie dazu bestimmt sind, die Beziehungen zwischen der Anthroposophie und dem menschlichen Gemüt vor die Seele zu rücken — auch wirklich nicht bloß aufgefaßt werden mit dem Kopfe, sondern daß sie gerade auch mit dem Gemüte aufgefaßt werden. Denn eigentlich ist alle Anthroposophie ziemlich vergeblich in der Welt und unter den Menschen, die nicht mit dem Gemüte aufgefaßt wird, die nicht Wärme hineinträgt in dieses menschliche Gemüt. Gescheitheit haben die letzten Jahrhunderte reichlich über die Menschen gebracht; im Denken sind die Menschen so weit fortgeschritten, daß sie schon gar nicht mehr wissen, wie gescheit sie sind. Das ist schon so. Gewiß glaubt mancher, die Menschen wären dumm in der Gegenwart. Es mag zwar zugegeben werden, daß es auch Dumme gibt, aber dies ist eigentlich nur aus dem Grunde, weil die Gescheitheit so groß geworden ist, daß die Menschen aus einer Schwäche ihres Gemütes heraus mit ihrer Gescheitheit nichts anzufangen wissen. Ich sage immer, wenn es von jemandem heißt, er wäre dumm: Da ist nichts anderes im Spiele, als daß der mit seiner Gescheitheit nichts anzufangen weiß. Ich habe schon vielen Verhandlungen zugehört, wo über den einen oder andern Redner deshalb gelacht worden ist, weil man ihn für dumm hielt, manchmal aber erschienen mir die, über die man am meisten lachte, wirklich als die Gescheitesten. Gescheitheit also haben die letzten Jahrhunderte den Menschen genug gebracht. Was sie aber heute brauchen, ist Wärme des Gemütes, und die kann die Anthroposophie geben. Wenn jemand Anthroposophie studiert und sagt, sie lasse ihn kalt, dann kommt er mir vor wie einer, der Holz in den Ofen legt und wieder Holz hineinlegt und dann sagt: Es wird ja ewig nicht warm. — Aber er sollte nur das Holz anzünden, dann wird es schon warm werden! Die Anthroposophie kann man vortragen, sie ist das gute Holz der Seele; aber anzünden kann es jeder nur selber. Das ist das, was jeder in seinem Gemüte finden muß: das Zündholz für die Anthroposophie. Wer die Anthroposophie kalt und nüchtern und intellektuell findet, dem fehlt nur die Möglichkeit, diese sehr brennende, sehr wärmende und das Gemüt durchseelende Anthroposophie anzuzünden, so daß sie ihn mit ihrem Feuer durchglühen kann. Und so wie man für das gewöhnliche Holz nur ein kleines Zündholz braucht, so braucht man auch für die Anthroposophie nur ein kleines Zündholz. Damit aber werden wir die Michael-Kraft im Menschen entzünden können.
[ 26 ] I would like these lectures—which are intended to bring the relationship between anthroposophy and the human soul to the forefront—to be understood not merely with the head, but also, and especially, with the soul. For in truth, all of anthroposophy is quite futile in the world and among people if it is not received with the soul, if it does not bring warmth into the human soul. The past few centuries have bestowed plenty of cleverness upon people; in their thinking, people have advanced so far that they no longer even realize how clever they are. That is indeed the case. Certainly, some believe that people today are stupid. It may be admitted that there are also stupid people, but this is really only because cleverness has become so great that, out of a weakness of their hearts, people do not know what to do with their cleverness. I always say that when someone is called stupid, there is nothing else at play here than that they do not know what to do with their own intelligence. I have listened to many debates where people laughed at one speaker or another because they were considered stupid; yet sometimes those who were laughed at the most actually seemed to me to be the wisest. So the past few centuries have brought people plenty of intelligence. But what they need today is warmth of heart, and that is what anthroposophy can provide. If someone studies anthroposophy and says it leaves them cold, they strike me as someone who puts wood in the stove, adds more wood, and then says, “It’s never going to get warm.” — But they need only light the wood, and then it will certainly get warm! Anthroposophy can be presented; it is the good wood of the soul; but each person must light it themselves. That is what everyone must find within their own heart: the match for anthroposophy. Anyone who finds anthroposophy cold, sober, and intellectual simply lacks the ability to ignite this very fiery, very warming anthroposophy that permeates the soul, so that it can set them ablaze with its fire. And just as one needs only a small match for ordinary wood, so too does one need only a small match for anthroposophy. With it, however, we will be able to kindle the Michaelic force within the human being.
