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The Annual Cycle as the Earth's Breathing Process
GA 223

30 September 1923, Vienna

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Die Anthroposophie und das menschliche Gemüt III

Anthroposophy and the Human Soul III

[ 1 ] Ich habe Ihnen im ersten dieser Vorträge darzulegen versucht, wie als eine menschenbestimmende Idee, eigentlich als ein menschenbestimmender Impuls selbst bis ins 18. Jahrhundert herein der Streit Michaels mit dem Drachen vorhanden war, und ich habe dann im zweiten der Vorträge versucht zu zeigen, wie eine fruchtbare Wiederbelebung dieses Impulses möglich ist und eigentlich auch möglich werden muß. Bevor wir nun aber über das Besondere, sagen wir der Einrichtung eines Michael-Festes im Herbstbeginn des Jahres sprechen, was ich dann morgen tun will, möchte ich auch heute noch von einzelnen Vorbedingungen zu einer solchen Absicht sprechen.

[ 1 ] In the first of these lectures, I attempted to explain to you how Michael’s struggle with the dragon existed—as an idea that shapes humanity, indeed as an impulse that shapes humanity itself—right up into the 18th century; and in the second lecture, I then attempted to show how a fruitful revival of this impulse is possible and, in fact, must become possible. But before we discuss the specifics—let’s say, the organization of a Michaelmas festival at the beginning of autumn—which I plan to do tomorrow, I would like to speak today about some of the prerequisites for such an undertaking.

[ 2 ] Es handelt sich darum, daß solche Impulse wie der Michael-Impuls eigentlich immer damit zusammenhängen, daß der Mensch eine übersinnliche Einsicht bekommt in seinen Zusammenhang nicht nur mit den Erdenverhältnissen, sondern mit den kosmischen Verhältnissen, daß er lernt, sich nicht nur als ein Erdenbürger zu fühlen, sondern als ein Bürger des ihm wahrnehmbaren Weltenalls, sei es auf geistige Art wahrnehmbar, sei es im Abbilde auf physische Art. Nun sind in der allgemeinen Bildung heute die Bedingungen zum Erfühlen des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos möglichst geringe. Wir müssen sagen: Der Mensch kennt gewiß auch durch seine materialistisch kolorierte Wissenschaft die Erdenverhältnisse bis zu einem solchen Grade, daß er — wenigstens was sein materielles Leben im weiteren Sinne des Wortes betrifft — sich mit diesen Erdenverhältnissen verbunden fühlt. Begeisternd wirkt allerdings dieses Wissen von einem solchen Verbundensein nicht. Deshalb sind alle äußeren Zeichen für ein solches Verbundensein eigentlich schattenhaft geworden. Schattenhaft sind die menschlichen Gefühle für die traditionell überkommenen Feste. Während diese Feste — das Weihnachtsfest, das Osterfest — in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung einen tiefgehenden Einfluß auf das ganze soziale Leben, auf die sozialen Einrichtungen hatten, sind sie heute kaum etwas anderes als ein schattenhafter Abglanz dessen, was sie einmal waren, dieser lebt sich aus in allerlei Gebräuchen, die aber eine tiefgehende soziale Bedeutung nicht mehr haben.

[ 2 ] The point is that impulses such as the Michael Impulse are in fact always connected with the fact that human beings gain a supersensible insight into their connection not only with earthly conditions but also with cosmic conditions; that they learn to feel themselves not only as citizens of the Earth but as citizens of the universe as they perceive it—whether perceived in a spiritual way, or in a physical reflection. Yet in general education today, the conditions for sensing the human being’s connection to the cosmos are as minimal as possible. We must say: Through their materialistically colored science, human beings certainly know earthly conditions to such an extent that they—at least as far as their material life in the broader sense of the word is concerned—feel connected to these earthly conditions. However, this knowledge of such a connection does not inspire enthusiasm. That is why all outward signs of such a connection have, in fact, become mere shadows. Human feelings toward the traditionally observed festivals are now but shadows. While these festivals—Christmas, Easter—had a profound influence on the entire social life and social institutions in earlier periods of human development, today they are little more than a faint reflection of what they once were; this reflection manifests itself in all sorts of customs, which, however, no longer have any profound social significance.

[ 3 ] Wenn man daran denken muß, das Michael-Fest gerade mit seiner sozialen Tragweite — von ihr werde ich morgen sprechen — irgendwie zu realisieren, dann muß natürlich erst eine Empfindung davon geschaffen werden, was ein solches Michael-Fest bedeuten könnte. Denn ein solches Michael-Fest dürfte nicht denselben Charakter tragen wie heutige Festlichkeiten, sondern es müßte herausgeholt sein, wie ich schon vorgestern hier andeutete, aus Tiefen der menschlichen Wesenheit. An die wird man aber nur herankommen, wenn man wieder eindringt und eintritt in den Zusammenhang des Menschen mit dem außerirdischen Kosmos und mit dem, was sich aus dem außerirdischen Kosmos für den Jahreslauf ergibt. Ich möchte Ihnen, um auf dasjenige hinzudeuten, was ich eigentlich hiermit meine, nur vor die Seele führen, wie abstrakt, wie schrecklich wenig den Menschen berührend alles dasjenige ist, was heute in das Menschenbewußtsein an Gefühlen, Empfindungen über das außerirdische Weltenall hereinkommt. Denken Sie nur in dieser Beziehung an alles das, was heute Astronomie, Astrophysik und so weiter leisten. Sie errechnen den Weg der Planeten, meinetwillen die Orte der Fixsterne, sie kommen dazu, durch spektralanalytische Untersuchungen Schlüsse zu ziehen auf die stoffliche Zusammensetzung dieser Weltenkörper. Aber was alles da auf diese Weise herauskommt, was hat es denn für einen Bezug auf das innere, intime Seelenleben des Menschen? Dieser Mensch fühlt sich gerade mit all dieser Himmelsweisheit als Einsiedler auf dem, was er als Erdenplaneten ansieht. Und dasjenige, was heute als Denkungsart mit diesen Dingen verknüpft wird, ist im Grunde genommen nur ein System von sehr engmaschigen Begriffen.

[ 3 ] If we are to consider how to bring the Michaelmas Festival to life—particularly in terms of its social significance, which I will discuss tomorrow—we must first, of course, cultivate a sense of what such a Michaelmas Festival might mean. For such a Michaelmas celebration should not have the same character as today’s festivities; rather, as I already hinted at here the day before yesterday, it must be drawn from the depths of the human being. But one can only reach those depths by once again penetrating and entering into the connection between the human being and the extraterrestrial cosmos, and with what arises from the extraterrestrial cosmos for the course of the year. To illustrate what I actually mean by this, I would simply like to bring to your attention just how abstract—and how terribly little it touches human beings—is everything that enters human consciousness today in the form of feelings and sensations regarding the extraterrestrial cosmos. Just think, in this regard, of all that astronomy, astrophysics, and so on accomplish today. They calculate the paths of the planets—or, for that matter, the positions of the fixed stars—and they are able, through spectral analysis, to draw conclusions about the material composition of these celestial bodies. But what does all that is discovered in this way actually have to do with the inner, intimate life of the human soul? With all this celestial knowledge, human beings feel like hermits on what they regard as the Earth. And the way of thinking associated with these matters today is, in essence, merely a system of very narrow concepts.

[ 4 ] Betrachten wir einmal, um uns das vor die Seele zu führen, einen im gewöhnlichen Leben durchaus vorhandenen, wenn auch minderwertigen Bewußtseinszustand: den Bewußtseinszustand des traumerfüllten Schlafes. Ich will Ihnen nur mit ein paar Worten, damit wir Anhaltspunkte für die heutige Betrachtung gewinnen, das vor Augen führen, was sich auf den traumerfüllten Schlaf bezieht.

[ 4 ] To bring this home to us, let us consider a state of consciousness that is certainly present in ordinary life, even if it is of a lower order: the state of consciousness during dream-filled sleep. I’d like to briefly outline what pertains to dream-filled sleep, just to provide some context for today’s discussion.

[ 5 ] Der traumerfüllte Schlaf knüpft entweder an, wie ich schon gestern im öffentlichen Vortrage sagte, an innere Zustände des menschlichen Organismus, verwandelt solche inneren Zustände des Organismus in Bilder, die wie Sinnbilder aussehen, so daß zum Beispiele die Herzbewegungen symbolisiert werden in Feuerflammen und dergleichen; wir werden sehr leicht im einzelnen konkret herausfinden können, wie Traumessinnbilder mit inneren organischen Zuständen und Vorgängen zusammenhängen. Oder es symbolisieren sich äußere Ereignisse des Lebens, die als Erinnerungen in uns vorhanden sind und dergleichen. Es ist unter allen Umständen in die Irre führend, wenn man den Vorstellungsinhalt des Traumes sehr stark ernst nimmt. Er ist interessant, er hat eine sensationelle Seite, er ist das, was viele Menschen außerordentlich interessiert, für den aber, der tiefer in die menschliche Natur hineinschaut, ist der vorstellungsmäßige Trauminhalt von einer außerordentlich geringen Bedeutung. Dagegen ist der dramatische Ablauf des Traumes von der allergrößten Bedeutung. Ich will es durch ein Beispiel veranschaulichen.

[ 5 ] Dream-filled sleep is linked, as I already mentioned yesterday in my public lecture, to the inner states of the human organism; it transforms these inner states of the organism into images that resemble symbols, so that, for example, the movements of the heart are symbolized by flames of fire and the like; we will very easily be able to determine in detail how dream symbols are related to inner organic states and processes. Or they symbolize external events in life that exist within us as memories and the like. It is misleading under all circumstances to take the imagery of a dream too seriously. It is interesting; it has a sensational side; it is what fascinates many people immensely. But for those who look more deeply into human nature, the imaginative content of the dream is of extremely little significance. In contrast, the dramatic unfolding of the dream is of the utmost importance. I will illustrate this with an example.

[ 6 ] Es kann jemand träumen, er unternehme eine Bergpartie. Die Bergpartie ist außerordentlich schwierig, je höher er steigt, desto schwieriger wird sie. Er kommt so in eine Region, wo ihn die Kraft verläßt, er kann nicht mehr weiter, die Verhältnisse werden so ungünstig, daß er nicht weiter aufsteigen kann, er muß stehenbleiben. Etwas wie Ängstlichkeit, etwas von Enttäuschung kommt noch in seinen Traum hinein. Vielleicht wacht er dann auf. Es liegt diesem Traume etwas zugrunde, was man eigentlich nicht in dem Vorstellungsmäßigen der Traumbilder sehen sollte, sondern in dem gefühlsmäßigen Erleben einer Absicht, in der Steigerung der Hindernisse, die dieser Absicht sich entgegenstellen, und im Ankommen an immer unüberwindlicheren Hindernissen. Denken wir uns das alles in gefühlsmäßig-dramatischer Weise verlaufend, so haben wir gewissermaßen einen Gefühlsinhalt, der als dramatischer Inhalt hinter den eigentlichen Vorstellungsbildern des Traumes lebt. Dasselbe, was in diesem Gefühlsinhalt liegt, könnte nun auch ganz anders geträumt werden. Der Betreffende könnte träumen, er gehe in eine Höhle hinein, es wird immer finsterer und finsterer, er tastet sich immer weiter und weiter fort, kommt endlich in ein sumpfiges Gebiet. Da watet er noch ein bißchen, aber nachdem er lange genug gewatet hat, kommt er an eine Art Morast. Er kann nicht weiter. Dieselbe Gefühls- und Empfindungsdramatik liegt in diesem Bilde. Derselbe Traum in seinem dramatischen Inhalt könnte noch auf viele Arten geträumt werden.

[ 6 ] Someone might dream that he is embarking on a mountain hike. The hike is extremely difficult; the higher he climbs, the more difficult it becomes. He eventually reaches a region where his strength fails him; he can go no further. Conditions become so unfavorable that he cannot continue climbing; he must stop. A sense of anxiety, a touch of disappointment, creeps into the dream. Perhaps the dreamer then wakes up. Underlying this dream is something that should not actually be sought in the imaginative nature of the dream images, but rather in the emotional experience of an intention, in the escalation of the obstacles that stand in the way of this intention, and in the encounter with increasingly insurmountable obstacles. If we imagine all of this unfolding in an emotionally dramatic way, we have, so to speak, an emotional content that lives as a dramatic element behind the actual visual images of the dream. The very same thing that lies within this emotional content could now also be dreamed in a completely different way. The person in question might dream that he is entering a cave; it grows darker and darker; he feels his way farther and farther, and finally arrives in a swampy area. There he wades a little further, but after wading long enough, he reaches a kind of quagmire. He cannot go any farther. The same emotional and sensory drama lies within this image. The same dream, in terms of its dramatic content, could be dreamed in many other ways.

[ 7 ] Der Vorstellungsinhalt eines Traumes kann immer verschieden sein. Das, was hinter dem Traume an Bewegungen, an Spannung und Entspannung, an Erwartung und Enttäuschung liegt, ist das Wesentliche für den Traum. Aber der Traum kleidet sich in Bilder. Wodurch entstehen diese Bilder? Sie entstehen dadurch, daß zum Beispiel beim Aufwachen irgend etwas erlebt wird von dem Ich und dem astralischen Leib, die außerhalb des physischen Leibes und des ätherischen Leibes sind. Was da erlebt wird als übersinnliches Erleben, ist selbstverständlich etwas, was sich gar nicht auf Bilder aus der sinnlichen Welt zurückbringen läßt, aber indem Ich und astralischer Leib untertauchen in physischen Leib und Ätherleib, werden sie dazu veranlaßt, aus dem Vorrat der Bilder, die da sind, dasjenige zu entnehmen, was sich gerade bietet. Und so wird die eigentümliche Traumdramatik in Bilder gekleidet.. Nun fängt der Inhalt dieser Bilder an, uns zu interessieren. Der Zusammenhang ist ein ganz anderer als der der äußeren Erlebnisse. Woher kommt das? Lauter äußere oder innere Erlebnisse nimmt der Traum, aber er bringt sie in einen andern Zusammenhang. Warum ist das? Das ist, weil der Traum ein Protest ist gegen die Art, wie wir in der physisch-sinnlichen Welt zwischen Aufwachen und Einschlafen leben. Wir leben in dieser physisch-sinnlichen Welt zwischen Aufwachen und Einschlafen eingewoben mit unserem ganzen Leben in Naturgesetzmäßigkeit. Diese Naturgesetzmäßigkeit durchbricht der Traum. Er läßt sich diese Naturgesetzmäßigkeit nicht gefallen, er reißt die Ereignisse heraus, bringt sie in eine andere Folge. Er protestiert gegen die Naturgesetzmäßigkeit.

[ 7 ] The content of a dream can always vary. What lies behind the dream—the movements, the tension and relaxation, the anticipation and disappointment—is the essence of the dream. But the dream is clothed in images. How do these images arise? They arise, for example, when, upon waking, the “I” and the astral body—which are outside the physical body and the etheric body—experience something. What is experienced there as a supersensory experience is, of course, something that cannot be traced back to images from the sensory world at all; but as the “I” and the astral body submerge into the physical body and the etheric body, they are prompted to draw from the store of images that is available whatever happens to be on hand at that moment. And so the peculiar drama of the dream is clothed in images. Now the content of these images begins to interest us. The context is entirely different from that of external experiences. Where does this come from? The dream draws upon a multitude of external and internal experiences, but it places them in a different context. Why is that? It is because the dream is a protest against the way we live in the physical-sensory world between waking and falling asleep. In this physical-sensory world, between waking and falling asleep, we live interwoven with our entire lives within the laws of nature. The dream breaks through these laws of nature. It does not put up with these laws of nature; it tears events out of their context and arranges them in a different sequence. It protests against the laws of nature.

[ 8 ] Der Mensch sollte lernen, daß in dem Augenblick gegen die Naturgesetzmäßigkeit protestiert wird, in welchem man überhaupt in das Geistige eintaucht. In dieser Beziehung sind sogar in einer gewissen Weise, ich möchte sagen, drollig diejenigen Leute, die mit der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methode in die Geisteswelt eindringen wollen. Außerordentlich charakteristisch ist in dieser Beziehung das Buch von Dr. Ludwig Staudenmaier über «Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft». Ein solcher Mensch geht von der Ansicht aus: Alles was begriffen werden soll, soll nach naturwissenschaftlicher Denkweise begriffen werden. — Nun geht Staudenmaier nicht gerade auf den Traum aus, aber er geht aus auf die sogenannten medialen Erscheinungen, die im Grunde genommen eine Fortbildung der Traumwelt sind. Beim gesunden Menschen bleibt der Traum ein Erlebnis, das nicht in die äußere Organisation übergeht. Beim medialen Wesen ist es so, daß das, was sonst vom Ich und astralischen Leib erlebt wird und sich formt in die Bilder des physischen Leibes und des Ätherleibes, dann auch übergeht in die Erlebnisse des physischen Leibes und des Ätherleibes, und dadurch entstehen alle diejenigen Erscheinungen, die beim Mediumwesen zutage treten. Staudenmaier wollte sich — darin hat er durchaus recht — nicht nach dem richten, was andere Medien ihm geben, und so machte er sich denn selbst in einer gewissen Weise zum Medium. Er träumte sozusagen schreibend. Er fing an, die Feder und den Bleistift anzusetzen, so wie er immer bei Medien gesehen hatte, und richtig — es ging! Nur war er höchst erstaunt über das, was da zutage trat, er war erstaunt über den Zusammenhang, den er früher niemals irgendwie sich gedacht hätte. Alles mögliche schrieb er da auf, was ganz außerhalb des Bereiches seines bewußten Lebens war. Und so stark war das zuweilen außerhalb seines bewußten Lebens, daß er fragte: Ja, wer seid ihr, die da schreiben? — Geister —, antworteten sie. Er mußte aufschreiben: Geister! — Denken Sie sich, der Materialist, der doch keine Geister anerkennt, mußte aufschreiben: Geister! — Nun war er doch überzeugt davon, daß das, was da schreibt, lügt. Er fragte also weiter, warum ihn die Geister so anlügen. Da sagten sie: Ja, wir müssen dich so anlügen, das ist so unsere Art. — Dann fragte er sie über allerlei, was auf ihn selber Bezug hatte. Da kam sogar einmal heraus, daß sie sagten: Kohlkopf. — Es ist nun nicht anzunehmen, daß es in seiner eigenen Seelenverfassung lag, sich selber als Kohlkopf zu bezeichnen. Also es kam da allerlei heraus, was sich so charakterisierte, daß es sagte: Wir müssen dich anlügen. — Daß er aber dann sich sagte: Geister gibt es natürlich nicht, da spricht eben mein Unterbewußtes. — Aber nun wird die Sache immer beunruhigender, denn nun ist das Unterbewußte etwas, was zum Oberbewußten Kohlkopf sagt und was lügt, und ein solcher Vorgang müßte dazu führen, daß die betreffende Persönlichkeit sich sagen muß: In meinem Unterbewußtsein bin ich ein kompletter Lügner.

[ 8 ] People should learn that the moment one delves into the spiritual realm at all, one is protesting against the laws of nature. In this regard, those who seek to penetrate the spiritual world using the usual scientific method are, in a certain sense—I would say—quite comical. Dr. Ludwig Staudenmaier’s book Magic as an Experimental Natural Science is exceptionally characteristic in this regard. Such a person proceeds from the view that everything that is to be understood must be understood according to the scientific way of thinking. — Now, Staudenmaier does not focus specifically on dreams, but rather on so-called mediumistic phenomena, which are, in essence, a further development of the dream world. For a healthy person, the dream remains an experience that does not spill over into the outer organization. In the case of a medium, however, what is otherwise experienced by the ego and the astral body—and takes shape in the images of the physical body and the etheric body—then also spills over into the experiences of the physical body and the etheric body, and this gives rise to all the phenomena that manifest in the medium. Staudenmaier did not want—and in this he is absolutely right—to rely on what other mediums gave him, and so he made himself, in a certain sense, a medium. He dreamed, so to speak, while writing. He began to put pen to paper and pencil to paper, just as he had always seen mediums do, and sure enough—it worked! But he was utterly astonished by what came to light; he was astonished by the connections he would never have imagined before. He wrote down all sorts of things that lay completely outside the realm of his conscious life. And at times it was so far removed from his conscious life that he asked: “Yes, who are you who are writing here?”—“Spirits,” they replied. He had to write down: “Spirits!”—Just imagine, the materialist, who doesn’t believe in spirits at all, had to write down: “Spirits!”—Now he was convinced that whatever was writing there was lying. So he asked further why the spirits were lying to him like that. Then they said: “Yes, we have to lie to you like this; that’s just our way.” — Then he asked them all sorts of questions that related to himself. At one point, they even said: “Cabbage head.” — It’s hardly plausible that it stemmed from his own state of mind to refer to himself as a cabbage head. So all sorts of things came out that were characterized by the statement: “We have to lie to you.” — But then he said to himself: Of course there are no ghosts; it’s just my subconscious speaking.—But now the matter is becoming increasingly troubling, because now the subconscious is something that tells the conscious mind “cabbage head” and is lying, and such a process would have to lead the person in question to say to himself: “In my subconscious, I am a complete liar.”

[ 9 ] Aber das alles weist auch schließlich auf nichts anderes hin als auf dies, daß so wie die Traumwelt auch jene Welt, in die man da hinuntertaucht, Protest einlegt gegen den naturgesetzlichen Zusammenhang. Alles was wir denken, wollen und empfinden können in der physisch-sinnlichen Welt, wird entstellt, sobald wir in diese mehr oder weniger unterbewußte Welt eindringen. Warum? Nun, es ist eben der Traum die Brücke hinüber in die geistige Welt, und die geistige Welt ist durchaus durchwoben von einer Gesetzmäßigkeit, die nicht die naturgesetzliche ist, die einen ganz andern inneren Charakter hat. Der Traum ist der Übergang dazu. Wer da glaubt, die geistige Welt mit Naturgesetzen begreifen zu können, der irrt sich gar sehr. Und so ist der Traum gewissermaßen der Vorherverkünder für die Notwendigkeit, daß, wenn wir eindringen in die geistige Welt, wir nicht einfach die Naturgesetze fortsetzen können. Wir können die Methoden fortsetzen, indem wir uns dazu vorbereiten, aber wir kommen in eine ganz andere Gesetzmäßigkeit hinein, wenn wir in die geistige Welt eindringen.

[ 9 ] But ultimately, all of this points to nothing other than this: just as the world of dreams does, so too does that world into which one plunges protest against the connections governed by the laws of nature. Everything we can think, will, and feel in the physical-sensory world is distorted as soon as we enter this more or less subconscious world. Why? Well, it is precisely the dream that serves as the bridge to the spiritual world, and the spiritual world is thoroughly interwoven with a system of laws that is not that of the natural world—one that has an entirely different inner character. The dream is the transition to it. Anyone who believes they can understand the spiritual world through the laws of nature is very much mistaken. And so the dream is, in a sense, the harbinger of the necessity that, when we enter the spiritual world, we cannot simply continue to apply the laws of nature. We can continue using the same methods by preparing ourselves for it, but we enter into an entirely different system of laws when we enter the spiritual world.

[ 10 ] Das ist dasjenige, was oftmals so wenig bedacht wird. Es ist wirklich so, daß es heute als Grundsatz gilt, daß man die Welt nur nach der Verstandesfähigkeit, die sich im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte erst herausgebildet hat, erfassen kann und erfassen soll. Das hat sich langsam gebildet. Heute gibt es jene Menschen gar nicht mehr — in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat es diese Menschen noch gegeben — von der Art zum Beispiel eines Johannes Müller, dem Lehrer Haeckels, der selbst zugestanden hat, daß ihm manches Problem, das er rein als Physiologe zu erforschen suchte, nicht aufging, wenn er darüber nachdachte im gewöhnlichen vollwachen Zustande; daß aber dann der Traum über ihn gekommen ist, der ihm wieder das Gewebe vorgeführt hat, das er im Wachzustande präpariert hatte, der ihm alle die Hantierungen wieder vorgeführt hat. Da ging ihm dann im Traume manches von der Lösung solcher Rätsel auf. Johannes Müller war noch davon durchdrungen, daß man im Schlafe in diesem eigentümlichen Weben des Geistigen ist, wo man nicht berührt wird von der harten Notwendigkeit der physischen Naturgesetzlichkeit, wo man sogar in die physische Naturgesetzlichkeit eindringen kann, weil auch dieser physischen Naturgesetzlichkeit etwas von demjenigen zugrunde liegt, was geistig ist, und weil das Geistige in seinen Grundlagen nicht von physischer Naturgesetzlichkeit ist, sondern diese nur an seiner Oberfläche uns darbietet.

[ 10 ] This is precisely what is so often overlooked. It is indeed true that today it is considered a fundamental principle that one can and should understand the world only in accordance with the intellectual capacity that has only developed over the course of the last three to four centuries. This has developed gradually. Today, people like that no longer exist—though they were still around in the first half of the 19th century—people such as Johannes Müller, Haeckel’s teacher, who himself admitted that certain problems he sought to investigate purely as a physiologist did not make sense to him when he thought about them in his ordinary, fully awake state; but then a dream would come over him, presenting him once more with the tissue he had dissected while awake, reenacting all the manipulations he had performed. Then, in his dream, the solution to many such puzzles became clear to him. Johannes Müller was still imbued with the belief that during sleep one is in this peculiar weaving of the spiritual, where one is not affected by the harsh necessity of the laws of physical nature, where one can even penetrate into the laws of physical nature, because even these laws of physical nature are based on something that is spiritual, and because the spiritual, in its foundations, is not of physical natural law, but merely presents this to us on its surface.

[ 11 ] Da muß man wirklich paradox werden, wenn man solche Gedanken so zu Ende führt, wie sie sich auf ganz selbstverständliche Weise aus der Geistesforschung heraus ergeben. Kein Mensch, der im Sinne der heutigen Naturwissenschaft denkt, wird glauben, daß ein Licht, wenn es hier an einem bestimmten Orte leuchtet, im Umkreise in einiger Entfernung noch ebenso stark leuchtet. Der Physiker berechnet die Abnahme der Lichtstärke mit dem Quadrat der Entfernung, und ebenso berechnet er auch die Abnahme der Schwerkraft. Er sagt sich mit Bezug auf diese physischen Entitäten: Was hier auf der Oberfläche der Erde gilt, das nimmt in seiner Gültigkeit ab, indem wir in den Umkreis des Kosmos kommen. — Nur für den Inhalt seines Denkens läßt er das nicht gelten. Und doch ist es mit diesem Denken nicht anders als mit dem, was man hier in den Erdenlaboratorien, in den Kliniken, überhaupt auf der Erde — bis auf das Zwei-mal-zweiist-Vier — von den Erdendingen erfährt. Wenn die Schwerkraft abnimmt im Quadrat der Entfernung, warum sollte denn das, was Naturgesetzmäßigkeit ist, nicht auch abnehmen mit dem Quadrat der Entfernung in seiner Gültigkeit und von einer gewissen Entfernung an nicht mehr gelten? Das ist aber das, worin die Geisteswissenschaft eindringt. Und sie muß sagen: Wollt Ihr den Orionnebel oder den Nebel in den Jagdhunden erforschen, so macht Ihr dasselbe, wie wenn Ihr Erdenbegriffe anwendet und irgendwie die Venus zum Beispiel beleuchten wolltet mit einer Erdenkerze. — Wenn man aus der Geistesforschung heraus die Wahrheit durch solche Analogien hinstellt, so kommt sie den Menschen paradox vor. Und doch, in jenem Zustande, in dem wir im Schlafe eindringen in die geistige Welt, haben wir mehr Möglichkeiten, zum Beispiel den Orionnebel oder den Nebel in den Jagdhunden zu erforschen, als mit den Möglichkeiten, die durch das Arbeiten in den Laboratorien und auf den Sternwarten zustande kommen. Man würde viel mehr darüber erforschen, wenn man über diese Dinge träumen würde, als über sie verstandesmäßig nachzudenken. Kommt man in den Kosmos hinein, dann nützt es nichts, diejenigen Dinge, die man auf der Erde erforscht hat, auf diesen Kosmos anzuwenden. So stehen wir heute mit unserer Bildung darinnen, daß wir eigentlich das, was wir in unserer kleinen Erdenzelle als richtig befinden, auf den ganzen Kosmos anwenden möchten, und leicht ersichtlich ist es, daß dabei in Wirklichkeit nicht die Wahrheit Zutage treten kann.

[ 11 ] One really has to think in paradoxical terms when following such thoughts to their logical conclusion, as they arise quite naturally from spiritual research. No one who thinks in terms of modern natural science would believe that a light, when it shines here at a specific location, still shines just as brightly at some distance away. The physicist calculates the decrease in light intensity as the square of the distance, and he calculates the decrease in gravitational force in the same way. With regard to these physical entities, he tells himself: What applies here on the surface of the Earth loses its validity as we move out into the cosmos. — Yet he does not apply this principle to the content of his own thinking. And yet this way of thinking is no different from what we learn here in earthly laboratories, in hospitals, and generally on Earth—except for the fact that two times two equals four—about earthly matters. If gravity decreases with the square of the distance, why should not the validity of what is a law of nature also decrease with the square of the distance and cease to apply beyond a certain distance? But this is precisely where spiritual science comes in. And it must say: If you wish to investigate the Orion Nebula or the nebula in the Hunting Dogs, you are doing the same thing as if you were applying earthly concepts and, for example, trying to illuminate Venus with an earthly candle. — When the truth is presented through such analogies based on spiritual research, it seems paradoxical to people. And yet, in that state in which we enter the spiritual world during sleep, we have more opportunities to explore, for example, the Orion Nebula or the nebula in the Hunting Dogs than we do with the methods developed through work in laboratories and observatories. We would learn far more about these things by dreaming about them than by thinking about them intellectually. Once one enters the cosmos, it is of no use to apply to that cosmos the things one has researched on Earth. Thus, with our current level of education, we find ourselves in a position where we actually wish to apply what we consider correct within our small earthly sphere to the entire cosmos, and it is readily apparent that, in reality, the truth cannot come to light in this way.

[ 12 ] Wenn man von solchen Erwägungen ausgeht, dann wird einem manches, was in älteren Zeiten bei einer primitiven, aber eindringlichen hellsichtigen Anschauungsart vor der Menschheit stand, doch wertvoller, als es der heutigen Menschheit ist. Und man wird nicht einmal an denjenigen Menschenerkenntnissen, die einst im Hirtenstande der Urzeit entstanden sind, so oberflächlich vorbeigehen, als man es heute gewöhnlich tut. Denn diese Leute haben manches besser geträumt von den Geheimnissen der Sterne bei ihrem Hirtenleben, als heute die Leute bei ihrem gescheiten Leben auf den Sternwarten erforschen, errechnen und mit dem Spektroskop feststellen können. So sonderbar es klingt, es ist so. Aber in diesen geheimnisvollen Zusammenhang des Menschen mit dem Weltenall kommt man hinein, wenn man manche Überreste, die aus alten Zeiten erhalten sind, in geisteswissenschaftlicher Art betrachtet. Und da gestatten Sie, daß ich heute von dem spreche, was sich ergeben kann, wenn man auf der einen Seite geisteswissenschaftlich die tiefe religiös-ethische, aber auch soziale Bedeutung der alten druidischen Einrichtungen prüft, und andrerseits der alten Einrichtungen der Mithrasmysterien, denn wir werden, indem wir das noch vor unserer Seele vorüberzichen lassen, Anhaltspunkte dafür gewinnen, wie die Gestaltung eines MichaelFestes eigentlich zu denken ist.

[ 12 ] If one proceeds from such considerations, then much of what was presented to humanity in earlier times through a primitive yet vivid clairvoyant perception becomes more valuable than it is to humanity today. And one will not even pass over those insights into human nature—which once arose among the shepherds of primeval times—as superficially as is usually done today. For these people dreamed more profoundly of the mysteries of the stars during their life as shepherds than people today, with their intellectual lives in observatories, are able to research, calculate, and determine with the spectroscope. As strange as it sounds, it is true. But one enters into this mysterious connection between humanity and the universe when one examines certain remnants preserved from ancient times from a spiritual-scientific perspective. And so please allow me today to speak of what may emerge when, on the one hand, we examine from a spiritual-scientific perspective the profound religious-ethical—but also social—significance of the ancient Druidic institutions, and on the other hand, that of the ancient institutions of the Mithraic Mysteries; for as we let these pass before our souls, gain insights into how a Michaelmas festival should actually be conceived.

[ 13 ] In bezug auf die Druidenmysterien war ja der Vortragszyklus, den ich vor wenigen Wochen in Penmaenmawr in Wales zu halten hatte, unmittelbar an derjenigen Stätte Englands, wo die Insel Anglesey vorgelagert ist, wirklich von ganz besonderer Bedeutung, weil dort eine Stelle ist, wo in Trümmern herumliegend viele Erinnerungen an die alten Opferstätten, an die Mysterienstätten der Druiden sich finden. Heute sind die Überreste, diese alten Kromlechs, Dolmen, eigentlich ziemlich unansehnlich. Man steigt auf diese Bergeshöhen hinauf, findet dort Steine so zusammengestellt, daß sie eine Art Kammer abschließen, ein größerer Stein liegt darüber, oder man findet auch im Kreise — es sind ursprünglich immer zwölf gewesen — solche Kromlechs angeordnet. Gerade in der unmittelbaren Nähe von Penmaenmawr konnte man hinaufsteigen und fand zwei solcher unmittelbar aneinandergrenzender Sonnenzirkel. Und gerade in dieser besonderen Gegend, wo auch noch im geistigen Leben der Natur so vieles vorhanden ist, was anders wirkt, als sonst die Natur heute in andern Gegenden wirkt, konnte man mit höchster Deutlichkeit dasjenige wieder prüfen, was ich in verschiedenen anthroposophischen Vorträgen gerade mit Bezug auf die Druidenmysterien auseinandergelegt habe. Es ist dort, wo auch auf der Insel Anglesey eine Niederlassung der Gesellschaft des Königs Artus war, es ist in dieser Gegend tatsächlich eine besondere geistige Atmosphäre vorhanden. Ich muß sie folgendermaßen charakterisieren.

[ 13 ] With regard to the Druidic mysteries, the lecture series I gave a few weeks ago in Penmaenmawr, Wales—located right next to the spot in England where the island of Anglesey lies offshore—was truly of very special significance, because there is a place there where, scattered among the ruins, one can find many remnants of the ancient sacrificial sites and the Druids’ mystery sites. Today, the remains—these ancient cromlechs and dolmens—are actually rather unsightly. One climbs up to these mountain heights and finds stones arranged there in such a way that they enclose a kind of chamber, with a larger stone lying on top, or one also finds such cromlechs arranged in a circle—there were originally always twelve. Right in the immediate vicinity of Penmaenmawr, one could climb up and find two such sun circles directly adjacent to one another. And it is precisely in this special region—where so much in the spiritual life of nature still exists that has a different effect than nature usually has today in other areas—that one could once again examine with the utmost clarity what I have expounded in various anthroposophical lectures specifically in relation to the Druidic mysteries. It is there—where King Arthur’s society also had a settlement on the island of Anglesey—that a special spiritual atmosphere truly prevails. I must characterize it as follows:

[ 14 ] Wenn man von übersinnlichen Dingen spricht, so kann man nicht in derselben Art seine Gedanken bilden, wie man sie sonst im Leben oder in der Wissenschaft bildet. Da bildet man abstrakte Gedanken, da zieht man Schlüsse und so weiter. Wenn man nun auch darauf angewiesen ist, mehr oder weniger sogar abstrakt zu reden—denn das verursacht unsere Sprache, die abstrakt geworden ist —, in seinem inneren Seelenwesen kann man nicht, wenn man geisteswissenschaftlich darstellen will, so abstrakt sein. Da muß alles in Bildern verlaufen. Bilder, Imaginationen muß man vor der Seele haben. Bilder, Imaginationen vor der Seele haben, bedeutet aber doch etwas anderes noch, als Gedanken in der Seele haben. Gedanken in der Seele sind, je nachdem man innerlich mehr oder weniger träge ist, außerordentlich geduldig, man kann sie halten. Die Imaginationen haben immer ein Eigenleben. Man fühlt ganz genau: eine Imagination stellt sich vor einen hin. Es ist anders und doch wieder ähnlich, wie wenn man schreibt oder zeichnet. Man schreibt oder zeichnet mit der Seele. Aber Imaginationen sind nicht etwas so abstrakt Festgehaltenes wie die bloßen Gedanken. Man schreibt sie. Nun, in den meisten Gegenden Europas, wo die Zivilisation schon einen so abstrakten Charakter angenommen hat, da huschen diese Imaginationen verhältnismäßig sehr schnell vorüber, man hat immer einen inneren Kampf zu bestehen, wenn man Übersinnliches darstellen will. Es ist schon so, wie wenn man schreiben würde, und durch irgendeine dämonische Kraft das Geschriebene sogleich wiederum verlöschte. Es ist gleich wieder nicht mehr da. So ist es bei den Imaginationen, durch die man das Übersinnliche vorstellungsgemäß macht, als Seelenerlebnis bekommt.

[ 14 ] When speaking of supersensible matters, one cannot form one’s thoughts in the same way as one otherwise does in everyday life or in science. There, one forms abstract thoughts, draws conclusions, and so on. Even if one is compelled to speak more or less abstractly—since our language, which has become abstract, demands it—one cannot be so abstract in one’s inner soul life when seeking to present spiritual science. There, everything must take place in images. One must have images and imaginations before one’s soul. But having images and imaginations before the soul means something different still from having thoughts in the soul. Thoughts in the soul are—depending on how more or less sluggish one is inwardly—extremely patient; one can hold onto them. Imaginations, however, always have a life of their own. One feels quite precisely: an imagination presents itself before one. It is different and yet similar to when one writes or draws. One writes or draws with the soul. But imaginations are not something as abstractly fixed as mere thoughts. One writes them down. Now, in most parts of Europe, where civilization has already taken on such an abstract character, these imaginations flit by relatively quickly; one must always wage an inner struggle when one wishes to depict the supersensible. It is just as if one were writing, and some demonic force were immediately erasing what had been written. It is gone again in an instant. So it is with the imaginations through which one makes the supersensible tangible in the imagination and experiences it as a soul experience.

[ 15 ] Die geistige Atmosphäre nun in jenen Orten in Wales, die ich nannte, hat die Eigentümlichkeit, daß sich dort Imaginationen zwar schwieriger einschreiben in das Astralische, aber sie bleiben dafür länger vorhanden, sie sind tiefer eingeprägt. Das ist das, was man gerade in jener Gegend als etwas so Auffälliges wahrnehmen konnte. Und es war schon wirklich so, daß alles darauf hindeutete, dort auch auf eine mehr geistige Art den Weg zurück machen zu können zu dem, was jene Druidenpriester — nicht in den Verfallszeiten dieser Druidenkulte, wo diese etwas ziemlich Unsympathisches, ja sogar sehr Schlimmes hatten, sondern in den Blütezeiten — damals eigentlich wollten.

[ 15 ] The spiritual atmosphere in those places in Wales that I mentioned has the peculiarity that, while imaginations are more difficult to imprint upon the astral realm there, they remain present longer and are more deeply engraved. This is precisely what one could perceive as particularly striking in that region. And it was indeed true that everything pointed to the possibility of finding a way back there—in a more spiritual manner—to what those Druid priests had actually intended back then—not during the decline of these Druidic cults, when they had something rather unsympathetic, even very terrible about them, but during their heyday.

[ 16 ] Man muß sich nur einen solchen Kromlech anschauen: er schließt auf eine primitive Weise einen gewissen Raum ab, der zugedeckt war. Wenn Sie nun das Sonnenlicht betrachten, so haben Sie zunächst das physische Sonnenlicht. Dieses physische Sonnenlicht ist aber durchaus überall durchdrungen von den geistigen Wirkungen der Sonne. Und bloß von dem physischen Sonnenlicht so zu sprechen, wie das der Physiker heute macht, wäre genau so, wie wenn man mit Bezug auf einen Menschen bloß sprechen wollte von seinen Muskeln, seinen Knochen, seinem Blut und so weiter, und keine Rücksicht nehmen würde auf das in ihm waltende Seelisch-Geistige. Das Licht ist durchaus nicht bloß «phos». Das Licht ist Phosphor, Lichtträger, hat ein Aktives, hat Seelisches. Dieses Seelische des Lichtes geht dem Menschen in der bloßen Sinneswelt verloren. Wenn nun der Druidenpriester sich in diese Grabstätte stellte — die Kromlechs waren zumeist, wie andere alte Kultstätten auch, über Gräbern errichtet —, dann stellte er diese Vorrichtung hin, die in einer gewissen Weise undurchlässig war für die physischen Sonnenstrahlen. Aber die geistigen Sonnenwirkungen gingen durch sie durch, und der Druidenpriester war dafür besonders geschult, die geistigen Sonnenwirkungen wahrzunehmen. Und so sah er durch die besonders ausgewählten Steine — sie waren immer besonders ausgewählt — in jenen Raum hinein, wohin die geistigen Sonnenwirkungen kamen, die physische Sonnenwirkung aber ausgeschlossen war. Und nun hatte er seine Anschauung intim geschult. Denn das, was man da sieht in einer solchen primitiv hergestellten Dunkelkammer, das ist anders im Februar, anders im Juli oder August, anders im Dezember. Im Juli ist es so, daß es einen leicht gelblichen Anflug hat, im Dezember dagegen ist es so, daß es eine leicht bläuliche Innerlichkeit hat. Wer das beobachten kann, schaut in den qualitativen Veränderungen, die in einer solchen Dunkelkammer dieses abgeschlossene Schattengebilde im Laufe des Jahres annimmt, den ganzen Lauf des Jahres in den Wirkungen des Geistig-Seelischen der Sonnenstrahlung. Und wiederum in diesen Sonnenzirkeln stehen die Vorrichtungen so, daß sie wie die Zeichen des Tierkreises in der Zwölfzahl angeordnet sind. Gerade an dem Berge, den wir bestiegen hatten, gab es einen größeren solcher Sonnenzirkel, und in einer geringen Entfernung davon war ein kleinerer. Wenn man sich etwa in einem Luftballon in die Höhe erhoben und auf diese beiden Druidenkreise heruntergeschaut hätte und die kleine Entfernung zwischen ihnen dabei nicht beachtet hätte, so würde man das hatte etwas Ergreifendes — denselben Grundriß gesehen haben, wie ihn das heruntergebrannte Goetheanum in Dornach hatte.

[ 16 ] One need only look at a cromlech like this: it encloses, in a primitive way, a certain space that was covered. Now, when you consider sunlight, you first have the physical sunlight. But this physical sunlight is thoroughly permeated everywhere by the spiritual effects of the sun. And to speak of physical sunlight alone, as physicists do today, would be exactly like speaking of a human being in terms only of his muscles, bones, blood, and so on, without taking into account the soul-spiritual life within him. Light is by no means merely “phos.” Light is phosphorus, a bearer of light; it possesses an active, soulful aspect. This soulful aspect of light is lost to human beings in the purely sensory world. When the Druid priest stood within this burial site—the cromlechs were, like other ancient places of worship, usually built over graves—he would set up this structure, which was, in a certain sense, impervious to the physical rays of the sun. But the spiritual effects of the sun passed through it, and the Druid priest was specially trained to perceive these spiritual effects of the sun. And so, through the specially selected stones—they were always specially selected—he looked into that space where the spiritual effects of the sun entered, while the physical effects of the sun were excluded. And by then he had intimately trained his perception. For what one sees there in such a primitively constructed dark chamber is different in February, different in July or August, and different in December. In July, it has a slightly yellowish tinge; in December, on the other hand, it has a slightly bluish inner quality. Anyone who can observe this sees, in the qualitative changes that this enclosed shadow form undergoes in such a darkroom over the course of the year, the entire course of the year in the spiritual-psychic effects of the sun’s rays. And again, in these sun circles, the structures are arranged in such a way that they are arranged in a series of twelve, like the signs of the zodiac. Right on the mountain we had climbed, there was a larger sun circle of this kind, and a short distance away from it was a smaller one. If one had risen high into the air, say in a hot-air balloon, and looked down upon these two Druid circles—disregarding the short distance between them—one would have seen something truly moving: the same floor plan as that of the burned-down Goetheanum in Dornach.

[ 17 ] Der alte Druidenpriester hatte sich dafür geschult, daß er dem, was er da vor seiner Seele hatte, es ansah, wie zu jeder Tageszeit, aber auch zu jeder Jahreszeit, der Schatten der Sonne anders fiel. Er konnte diese Schattengestaltungen verfolgen und aus ihnen heraus genau angeben: jetzt ist diese Märzzeit, jetzt ist diese Oktoberzeit. Er stand in der Wahrnehmung, die ihm dadurch vermittelt wurde, drinnen in dem, was im Kosmos vorging, aber auch in dem, was vom Kosmos aus Bedeutung für das Erdenleben hatte. Nun denken Sie sich nur, was man heute macht, wenn man den Einfluß des kosmischen Lebens für das irdische Leben bestimmen will. Was machen selbst die Bauern? Sie haben ihren Kalender, in dem steht, was man an dem oder jenem Tage machen soll. Es wird auch das nur annähernd gemacht, denn die gründlichen Erkenntnisse, die einmal von diesen Dingen da waren, sind heute verglommen, aber Kalender gab es zur alten Druidenzeit nicht, es gab nicht einmal eine Schrift. Was der Druidenpriester aus seiner Sonnenbeobachtung heraus sagen konnte, war, was man über den Zusammenhang des Himmels mit der Erde wußte. Und wie der Druidenpriester sagte: Jetzt steht die Sonne so, daß der Weizen gesät werden sollte — oder: Jetzt steht die Sonne so, daß der Zuchtstier durch die Herde geführt werden muß —, so geschah es. Diese Zeiten hatten einen Kult, der wahrhaftig nicht ein abstraktes Gebet war, sondern sie hatten einen Kult, der das unmittelbar praktische Leben einrichtete nach dem, wie man sich mit dem Geistigen des Weltenalls in Verbindung setzte. Die große Sprache des Himmels wurde abgelesen, und sie wurde in den irdischen Dingen angewendet.

[ 17 ] The old Druid priest had trained himself to observe what lay before his soul, noting how the sun’s shadows fell differently not only at every hour of the day but also in every season. He could trace these shifting shadows and, based on them, state precisely: “Now it is March; now it is October.” Through the perception this gave him, he stood within what was taking place in the cosmos, but also within what, emanating from the cosmos, held significance for life on Earth. Now just imagine what people do today when they want to determine the influence of cosmic life on earthly life. What do even the farmers do? They have their calendar, which tells them what to do on this or that day. Even that is done only approximately, for the thorough insights that once existed regarding these matters have faded away today; but there were no calendars in the ancient Druidic era—there wasn’t even a written language. What the Druid priest could say based on his observations of the sun was what was known about the connection between heaven and earth. And just as the Druid priest would say, “Now the sun is in such a position that the wheat should be sown”—or, “Now the sun is in such a position that the breeding bull must be led through the herd”—so it came to pass. Those times had a cult that was truly not an abstract prayer, but rather a cult that organized immediate, practical life according to how one connected with the spiritual essence of the universe. The great language of the heavens was interpreted, and it was applied to earthly matters.

[ 18 ] Das aber ging bis in die Intimitäten des sozialen Lebens hinein. Der Druidenpriester gab aus dem, was er aus dem Weltenall ablas, an, was man an diesem oder jenem Tage des Jahres so zu machen habe, daß es in einem günstigen Zusammenhange im ganzen Weltenall drinnensteht. Das war ein Kultus, durch den tatsächlich das ganze Leben eine Art Gottesdienst war. Dagegen ist selbst die mystischste Mystik von heute eine Art Abstraktion, denn sie läßt sozusagen die äußere Natur walten, kümmert sich nicht weiter um sie, sondern schaltet und waltet da nach Traditionen, während sie sich innerlich erhebt, sich möglichst in sich abschließt und in sich konzentriert, um eine abstrakte Beziehung zu einem wolkenkuckucksheimmäßigen Göttlich-Geistigen zu bekommen. Das war allerdings anders in jenen alten Zeiten. Da verband man sich im Kultus, der aber eine reale Beziehung zum Weltenall hatte, mit dem, was die Götter in der Welt schufen und immerfort wirkten. Und als Mensch auf der Erde führte man das aus, was man aus solchen Einrichtungen, wie sie die Druiden hatten, als den Willen der Götter in der Sternenschrift ablas. Aber diese Sternenschrift mußte man erst lesen. Es ist etwas ungeheuer Ergreifendes, gerade dort an Ort und Stelle sich so ganz zurückversetzen zu können in das, was einmal in der Blütezeit der Druidenkultur so gewirkt hat, wie ich es jetzt geschildert habe. Und man findet in jenen Gegenden — auch noch in andern Gegenden bis nach Norwegen hinüber — überall solche Überreste der alten druidischen Kultur.

[ 18 ] But this extended even into the most intimate aspects of social life. Based on what he perceived from the cosmos, the druid priest would specify what one should do on this or that day of the year so that it would be in harmony with the entire cosmos. This was a form of worship through which life itself was, in effect, a kind of religious service. In contrast, even the most mystical mysticism of today is a kind of abstraction, for it allows, so to speak, external nature to take its course, pays it no further attention, but acts and governs according to traditions, while it elevates itself inwardly, closes itself off as much as possible, and concentrates within itself in order to establish an abstract relationship with a divine-spiritual realm that is like a pipe dream. That was different, however, in those ancient times. There, through a cult that maintained a real connection to the universe, people united with what the gods created in the world and continually brought about. And as human beings on Earth, they carried out what they read as the will of the gods in the “star script” through institutions such as those of the Druids. But this “star script” first had to be deciphered. It is an immensely moving experience to be able to transport oneself back, right there on the spot, to what once took place during the heyday of Druidic culture, just as I have now described. And one finds such remnants of the ancient Druidic culture everywhere in those regions—and even in other regions as far as Norway.

[ 19 ] So findet man auch wieder in Mitteleuropa, in den Gegenden Deutschlands bis in die Rheingegend, auch bis nach Westfrankreich hinein überall Überreste, Erinnerungen an den alten Mithraskultus. Auch von ihnen will ich nur das Wesentlichste angeben. Sie finden überall als das äußere Symbolum des Mithraskultus den Stier, auf dem der Mensch reitet, der ein Schwert stößt in den Hals des Stieres. Sie finden einen Skorpion, der den Stier beißt, oder die Schlange unten. Sie finden aber überall, wenn die Bilder vollständig sind, dieses Stierbild mit dem Menschen umgeben von dem Sternenhimmel, namentlich mit den Tierkreiszeichen. Wiederum können wir uns fragen: Was drückt eigentlich dieses Bild aus? — Was dieses Bild ausdrückt, wird eine äußere, antiquierte Geschichte niemals erforschen, weil sie nicht die Beziehungen herstellen kann, durch die man darauf kommen kann, was eigentlich dieser Mensch auf dem Stiere bedeutet. Um darauf zu kommen, muß man erst wissen, was diejenigen, die bei diesem Mithraskult dienten, für eine Schulung durchgemacht haben. Die ganze Zeremonie läßt sich natürlich so abwickeln, daß sie eine schöne oder auch meinetwillen eine häßliche Zeremonie ist, und daß man dabei gar nichts irgendwie Vernünftiges herausbekommt. Es konnte auch nur derjenige etwas Vernünftiges herausbekommen, der eine gewisse Schulung durchgemacht hatte, daher sind auch alle die Beschreibungen der Mithrasmysterien trotz des Vielversprechenden, was die Bilder hatten, eigentlich Wischiwaschi. Denn derjenige, der dem Mithraskult dienen wollte, mußte besonders sein Empfindungsvermögen in einer feinen, intimen Weise ausbilden. Darauf kam alles beim Mithrasschüler an, daß er so sein Empfindungsvermögen ausbildete.

[ 19 ] Thus, throughout Central Europe—in the regions of Germany extending as far as the Rhine Valley, and even into western France—one finds remnants and traces of the ancient cult of Mithras everywhere. I will mention only the most essential aspects of these as well. Everywhere you find, as the outward symbol of the cult of Mithras, the bull with a man riding it, thrusting a sword into the bull’s neck. You find a scorpion biting the bull, or a snake below. But wherever the images are complete, you find this image of the bull with the man surrounded by the starry sky, specifically by the signs of the zodiac. Once again, we may ask ourselves: What does this image actually express? — What this image expresses will never be uncovered by an external, antiquated history, because it cannot establish the connections through which one might arrive at the meaning of this figure riding the bull. To arrive at that meaning, one must first know what kind of training those who served in the Mithras cult underwent. The entire ceremony can, of course, be conducted in such a way that it is a beautiful—or, for that matter, an ugly—ceremony, and that one gains nothing of any substance from it. Only those who had undergone a certain training could derive anything meaningful from it; that is why all the descriptions of the Mithraic Mysteries, despite the promising nature of the images, are actually rather vague. For anyone who wished to serve the Mithras cult had to cultivate their sensibility in a particularly subtle and intimate way. Everything depended on the Mithras initiate cultivating his sensibility in this way.

[ 20 ] Nun habe ich gestern im öffentlichen Vortrage gesagt, daß das Herz des Menschen eigentlich ein unterbewußtes Sinnesorgan ist. Der Kopf nimmt unterbewußt durch das Herz wahr, was in den physischen Funktionen des Unterleibes und der Brust vorgeht. So wie wir durch das Auge die äußeren Vorgänge in der Sinneswelt wahrnehmen, so ist das Herz des Menschen in Wirklichkeit ein Sinnesorgan mit Bezug auf die angegebenen Funktionen. Der Kopf — namentlich macht es das Kleinhirn — nimmt unterbewußt durch das Herz wahr, wie das Blut sich mit den verarbeiteten Nahrungsmitteln speist, wie die Nieren, die Leber und so weiter funktionieren, was da alles im Organismus vorgeht. Dafür ist für das Obere des Menschen das Herz das Sinnesorgan. Dieses Herz nun als Sinnesorgan zu einer gewissen Bewußtheit heraufzuheben, bildete die Schulung desjenigen, der beim Mithraskult beschäftigt werden sollte. Er mußte eine feine, bewußte Empfindung dafür bekommen, was im menschlichen Organismus in Leber, Nieren, Milz und so weiter vorgeht. Der obere Mensch, der Kopfmensch mußte fein empfinden, was im Brust- und Gliedmaßenmenschen vorgeht. Eine solche Schulung in den älteren Zeiten war nicht eine Verstandesschulung, wie wit sie heute gewohnt sind, sondern eine Schulung des ganzen Menschen, die vorzugsweise auf das Gefühlsvermögen ging. Und wenn dann der Schüler die nötige Reife erlangt hatte, konnte er sagen, so wie wir auf Grund der Wahrnehmung durch äußere Augen sagen, da sind Regenwolken, oder da ist blauer Himmel: Jetzt ist diese Verarbeitungsart in meinem Organismus, jetzt jene Verarbeitungsatt.

[ 20 ] Yesterday, in my public lecture, I said that the human heart is actually a subconscious sensory organ. The head subconsciously perceives, through the heart, what is happening in the physical functions of the lower abdomen and the chest. Just as we perceive external events in the sensory world through the eye, so the human heart is in reality a sensory organ with regard to the functions mentioned. The head—specifically the cerebellum—subconsciously perceives through the heart how the blood is nourished by processed food, how the kidneys, the liver, and so on function, and everything else that takes place within the organism. For this reason, the heart is the sensory organ of the upper part of the human being. Elevating this heart—as a sensory organ—to a certain level of consciousness constituted the training of those who were to be engaged in the Mithraic cult. They had to develop a subtle, conscious perception of what is taking place within the human organism—in the liver, kidneys, spleen, and so on. The upper human being—the head human—had to perceive with subtlety what was taking place in the chest and limb human. Such training in earlier times was not an intellectual training, as we are accustomed to today, but a training of the whole human being, directed primarily toward the capacity for feeling. And once the student had attained the necessary maturity, he could say—just as we say, based on what we perceive with our physical eyes, “There are rain clouds” or “There is a blue sky”—“Now this process is taking place in my organism; now that process is taking place.”

[ 21 ] Es ist tatsächlich das, was im menschlichen Organismus vorgeht, nur für den Abstraktling für das ganze Jahr gleich. Wenn einmal die Wissenschaft wieder zu wirklichen Wahrheiten über diese Dinge vorgedrungen sein wird, dann werden die Menschen erstaunen darüber, wie — wenn auch nicht in jener grobklotzigen Art, wie es durch die heutigen Feininstrumente schon erforscht werden kann — in ganz anderer Art für den Menschen festgestellt werden kann, wie sein Blut anders wird, wie er anders verdaut im Januar als im September, so daß das Herz als Sinnesorgan ein wunderbares Barometer ist für den Jahreslauf im menschlichen Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus. Dafür wurde der Mithrasschüler erzogen, in sich selbst den Jahreslauf durch die Herzorganisation wahrzunehmen, durch die Herzwissenschaft, die ihm den Gang der durch die Verdauung metamorphosierten Speise im Organismus überlieferte und der Aufnahme des Verdauten in das Blut. Und in dem, was da wahrgenommen wurde, zeigte sich eigentlich am Menschen, in der Bewegung des inneren Menschen, der ganze Lauf der äußeren Natur.

[ 21 ] This is, in fact, what takes place in the human organism—though for the abstract thinker, it remains the same throughout the entire year. Once science has once again arrived at real truths about these matters, people will be amazed at how — though not in that crude, clumsy way in which it can already be investigated using today’s precision instruments — it can be determined in a completely different way for human beings: how their blood changes, how their digestion differs in January from that in September, so that the heart, as a sensory organ, is a marvelous barometer for the course of the year within the human organism’s metabolic system. To this end, the Mithras disciple was trained to perceive the course of the year within himself through the organization of the heart, through the science of the heart, which taught him the path of food—metamorphosed through digestion—within the organism and the absorption of the digested matter into the blood. And in what was perceived there, the entire course of external nature was actually revealed in the human being, in the movement of the inner human being.

[ 22 ] Ach, was ist denn unsere abstrakte Wissenschaft, wenn wir noch so genau die Pflanzen und die Pflanzenzellen, die Tiere und die tierischen Gewebe beschreiben, was ist denn diese abstrakte Wissenschaft gegenüber dem, was einmal in einer mehr instinktiven Weise dadurch vorhanden war, daß sich der ganze Mensch zum Erkenntnisorgan machen konnte, daß er wie der Mithrasschüler sein Gefühlsvermögen als Erkenntnisorgan ausbilden konnte. Der Mensch trägt die tierische Natur in sich, und er trägt sie wahrhaftig in einer intensiveren Weise in sich, als man gewöhnlich meint. Und das, was durch ihre Herzwissenschaft die einstigen Mithrasschüler wahrgenommen haben, ließ sich nicht anders darstellen als durch den Stier. Und die Gewalten, die durch den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen wirken und nur gezähmt werden durch den oberen Menschen, diese Gewalten werden durch alles dasjenige angegeben, was da als Skorpion, als die Schlange figuriert um den Stier herum. Und der eigentliche Mensch in seiner Krüppelhaftigkeit sitzt oben mit der primitiven Macht, indem er mit dem MichaelSchwerte in den Hals des Stieres hineinstößt. Aber was da zu besiegen ist, wie es sich darstellt im Jahreslaufe, das wußte eben nur der, der in dieser Beziehung geschult war.

[ 22 ] Ah, what is our abstract science, even if we describe plants and plant cells, animals and animal tissues with the greatest precision? What is this abstract science compared to what once existed in a more instinctive way—namely, that the whole human being could make himself an organ of knowledge, that he could, like the Mithraic disciple, develop his emotional faculties as an organ of knowledge? Human beings carry animal nature within themselves, and they truly carry it within themselves in a more intense way than is commonly thought. And what the ancient Mithraic disciples perceived through their science of the heart could be represented by nothing other than the bull. And the forces that act through the metabolic-limb human and are tamed only by the higher human—these forces are symbolized by all that which appears as the scorpion and the serpent surrounding the bull. And the true human being, in his crippled state, sits above with the primal power, thrusting the sword of Michael into the bull’s throat. But what is to be conquered there—as it manifests itself in the course of the year—was known only to those who had been trained in this regard.

[ 23 ] Und jetzt gewinnt dieses Symbolum erst an Bedeutung. Man kann es mit dem, was der Mensch heute gewöhnlich weiß, noch so viel anschauen oder malerisch darstellen wollen, es kommt nichts dabei heraus. Es kommt erst etwas dabei heraus, wenn man etwas von der Herzwissenschaft der alten Mithrasschüler weiß. Und dann studierte der Mensch aber wirklich, wenn er durch sein Herz sich selber ansah, den Geist des Jahresganges der Sonne durch den Tierkreis. Daher war ganz richtig — und die Erfahrungen macht man auf diese Weise, daß der Mensch als ein höheres Wesen auf seiner niederen Natur reitet — um den Menschen herum im Kreise angeordnet der Kosmos, denn das Geistige des Kosmos erfuhr man auf diese Weise. Es ist wirklich so, daß man, je mehr man durch die wieder heraufkommende Geistwissenschaft hineinschaut in das, was ein altes halbbewußtes, traumhaftes, aber doch Hellsehen zutage gefördert hat, vor diesem einen immer größeren Respekt bekommt. Man wird wirklich andächtig gegenüber den alten Kulten, wenn man in sie eindringt und wiederfinden kann, wenn man tiefer in sie hineindringt, wie der Mithraskult zum Beispiel dazu da war, daß der alte Mithraspriester, indem er in den Jahreslauf eindringen konnte, seiner Gemeinde angeben konnte, was an jedem einzelnen Tage des Jahres zu tun war. So war der Mithraskult dazu da, vom Himmel zu erforschen, was auf der Erde zu geschehen hat. Denken Sie sich nur, was für ein anderer Enthusiasmus, was für eine andere Impulsivität sich ergibt für das, was auf der Erde zu tun ist, wenn man sich auf der Erde fühlt als Tätiger, so daß in diese Tätigkeit die Impulse einströmen, die man durch die große kosmische Schrift erst erforscht hat, die man abgelesen hat aus dem Weltenall, indem man von einem solchen Wissen ausging und mit dem, was sich als Impulse ergab, auf die einzelnen Verrichtungen des Lebens einging. So unsympathisch das uns auch nach heutigen Begriffen sein mag und mit Recht ist, für die alten Begriffe war es gut und das Richtige. Aber man muß, indem man diese Reserve macht, sich klarmachen, was es heißt, vom Himmel abzulesen, was auf der Erde im Menschenleben zu geschehen hat, und sich so mit seinem Göttlichen eins zu wissen, statt im Sinne von Adam Smith oder Karl Marx darüber zu diskutieren, was in bezug auf das soziale Leben zu tun sei. Erst wer sich diese Gegensätze vor die Seele stellen kann, weiß hineinzuschauen in das, was heute notwendig ist an neuen Impulsen für das soziale Leben.

[ 23 ] And now this symbol truly begins to take on meaning. No matter how much one might look at it or try to depict it artistically based on what people generally know today, nothing comes of it. Something only comes of it when one knows something of the heart science of the ancient Mithras disciples. And then, when a person looked at themselves through their heart, they truly studied the spirit of the sun’s annual journey through the zodiac. Therefore, it was quite correct—and one gains these experiences in this way, with the human being, as a higher being, riding upon their lower nature—that the cosmos was arranged in a circle around the human being, for the spiritual aspect of the cosmos was experienced in this way. It is truly the case that the more one looks, through the resurgent spiritual science, into what an ancient, semi-conscious, dreamlike, yet clairvoyant perception has brought to light, the greater one’s respect for it becomes. One truly becomes reverent toward the ancient cults when one delves into them and, as one penetrates deeper, discovers—as with the Mithras cult, for example—that the ancient Mithras priest, by being able to penetrate the course of the year, could instruct his congregation on what was to be done on each and every day of the year. Thus, the cult of Mithras served to discern from the heavens what was to happen on Earth. Just imagine what a different kind of enthusiasm, what a different kind of impulsiveness arises for what is to be done on Earth when one feels oneself to be an active agent on Earth, so that the impulses one has first explored through the great cosmic scripture—which one has read from the universe—flow into this activity, proceeding from such knowledge and applying the resulting impulses to the individual tasks of life. As unsympathetic as this may be to us by today’s standards—and rightly so—it was good and right according to the old concepts. But in making this reservation, one must realize what it means to read from the heavens what is to happen on Earth in human life, and thus to know oneself to be one with the Divine, rather than discussing, in the spirit of Adam Smith or Karl Marx, what should be done with regard to social life. Only those who can hold these contrasts before their soul will know how to discern what new impulses are necessary for social life today.

[ 24 ] Erst wenn man sich diese Grundlagen schafft, bekommt man die richtige Seelenverfassung für das Hinausgehen der Erkenntnis von der Erde in den Weltenraum; nicht mehr hinaufzuschauen in der Art, wie man es gewöhnlich macht, zu Merkur, Venus, Saturn und so weiter, indem man bloß die abstrakte Rechnerei oder das Spektroskop gebraucht, sondern diejenigen Mittel dann anzuwenden, die in Imagination, Inspiration und Intuition liegen. Da kommt man dann allerdings dazu, schon von der Imagination an, daß die Himmelskörper etwas ganz anderes werden, als wie sie teilweise durch sinnliche Anschauung, teilweise aber auch nur durch Schlüsse sich der heutigen Astronomie darstellen. Dem heutigen Astronomen stellt sich der Mond zum Beispiel als irgendein schon alt gewordener mineralischer Himmelskörper dar, der wie eine Art Spiegel das Sonnenlicht zurückwirft, das dann unter gewissen Verhältnissen auf die Erde fällt. Um die Wirkungen dieses Sonnenlichtes überhaupt kümmert man sich dann nicht gerade sehr viel. Eine Zeitlang hat man die Dinge auf das Wetter angewendet. Allein an die Beziehungen der Mondphasen zum Wetter haben die ganz Gescheiten des 19. Jahrhunderts selbstverständlich nicht geglaubt; die einen kleinen mystischen Anflug in ihrer Seele hatten, wie zum Beispiel Gustav Theodor Fechner, hatten es aber geglaubt. Ich habe schon öfter in unseren Kreisen die Geschichte erzählt, wie an einer Universität zusammen gewirkt haben Schleiden, der große Botaniker des 19. Jahrhunderts, und Gustav Theodor Fechner, und wie Schleiden es selbstverständlich als einen Aberglauben hingestellt hat, daß Fechner sorgfältig statistisch nebeneinandergestellt hat, wieviel Regenwasser die Vollmondtage und wieviel die Neumondtage ergeben. Für den Professor Schleiden war das, was in bezug auf die Mondwirkungen für das Wetter Gustav Theodor Fechner sagte, ein purer Aberglaube. Aber nun trug sich einmal folgendes zu. Die beiden Professoren hatten auch Frauen, und damals war es in Leipzig noch so, daß man für die Wäsche das Regenwasser sammelte; man stellte dazu Fässer auf, in denen man es sammelte. So sammelten natürlich auch die Frau Professor Fechner und ebenso die Frau Professor Schleiden ihr Regenwasser in solchen Fässern. Wenn es mit natürlichen Dingen zugegangen wäre, dann hätte eigentlich die Frau Professor Schleiden sagen müssen: Es ist eine Dummheit, sich darum zu bekümmern, was für einen Einfluß die Mondphasen auf die Menge des Regenwassers haben. — Aber trotzdem es der Herr Professor Schleiden als eine Dummheit bezeichnete, darüber ernste Erwägungen anzustellen, kam die Frau Professor Schleiden in einen furchtbaren Streit mit der Frau Professor Fechner darüber, daß beide Frauen gleichzeitig an der gleichen Stelle ihre Fässer für das Regenwasser aufstellen wollten. Die Frauen wußten aus ihrer Lebenspraxis heraus, was es mit dem Regenwasser auf sich hat, während die Männer auf ihren Kathedern sich ganz anders gebärdeten.

[ 24 ] Only when one has laid this foundation does one attain the proper state of mind for extending one’s knowledge from Earth into outer space; no longer looking up—as is usually done—at Mercury, Venus, Saturn, and so on, by merely using abstract calculations or the spectroscope, but rather applying those means that lie in imagination, inspiration, and intuition. Then, however, one comes to realize—beginning with imagination—that the celestial bodies become something entirely different from how they are presented to modern astronomy, partly through sensory observation and partly through mere deductions. To today’s astronomer, for example, the Moon appears as a mineral celestial body that has grown old, reflecting sunlight like a kind of mirror, which then falls upon the Earth under certain conditions. Little attention is paid to the effects of this sunlight at all. For a time, people applied these ideas to the weather. Yet even the most intelligent minds of the nineteenth century, of course, did not believe in the connection between the phases of the Moon and the weather; those who possessed a slight mystical inclination in their souls—such as Gustav Theodor Fechner—did, however, believe in it. I have often told the story in our circles of how Schleiden, the great botanist of the 19th century, and Gustav Theodor Fechner worked together at a university, and how Schleiden naturally dismissed as superstition Fechner’s careful statistical comparison of how much rain fell on days of the full moon versus days of the new moon. For Professor Schleiden, what Gustav Theodor Fechner said about the moon’s effects on the weather was pure superstition. But then the following incident occurred. Both professors had wives, and back then in Leipzig, it was still customary to collect rainwater for laundry; barrels were set out for this purpose. So, naturally, both Professor Fechner’s wife and Professor Schleiden’s wife collected their rainwater in such barrels. If things had proceeded according to natural principles, Professor Schleiden’s wife would actually have had to say: “It is foolish to worry about what influence the phases of the moon have on the amount of rainwater.” — But even though Professor Schleiden called it foolish to give the matter serious consideration, Professor Schleiden’s wife got into a terrible argument with Professor Fechner’s wife over the fact that both women wanted to set up their barrels for rainwater at the same spot at the same time. The women knew from their own life experience what rainwater was all about, while the men, from their lecterns, behaved quite differently.

[ 25 ] Mit dem Äußeren des Mondes ist es also so, wie ich es geschildert habe. Aber besonders wenn man von der Imagination zur Inspiration kommt, stellt sich einem gleich der Mond mit seinem geistigen Inhalte dar. Dieser geistige Inhalt des Mondes ist nun nicht bloß etwas, was man im abstrakten Sinne meint, sondern es ist eine wirkliche Mondenbevölkerung, und der Mond stellt sich in der geisteswissenschaftlichen Anschauung einem dar als eine Art Festung im Kosmos. Nach außen werden vom Monde nicht nur die Lichtstrahlen der Sonne, sondern die äußeren Wirkungen des Universums überhaupt auf die Erde zurückgestrahlt. Aber im Inneren des Mondes ist eine abgeschlossene Welt, eine Welt, die man heute nur erreicht, wenn man in einem gewissen Sinne zum Geistigen aufsteigt. Manches an Andeutungen, die sich in älteren Literaturen über die Beziehungen des Mondes zu anderem Wesenhaften im Kosmos finden, können Sie nachlesen und vergleichen mit dem, was jetzt aus der Anthroposophie heraus über das Wesen des Mondes gesagt werden kann.

[ 25 ] The Moon’s outward appearance is, then, just as I have described it. But especially when one moves from imagination to inspiration, the Moon immediately presents itself with its spiritual content. This spiritual content of the Moon is not merely something conceived in an abstract sense, but rather a real lunar population; and from the perspective of spiritual science, the Moon appears as a kind of fortress in the cosmos. Outwardly, the Moon reflects not only the Sun’s rays but also the external influences of the universe as a whole back toward the Earth. But inside the Moon lies a self-contained world—a world that today can only be reached by ascending, in a certain sense, to the spiritual realm. You can read about many of the hints found in older literature regarding the Moon’s relationship to other beings in the cosmos and compare them with what can now be said about the nature of the Moon from the perspective of anthroposophy.

[ 26 ] Wir haben öfter gehört, wie man, wenn man in der Erdenentwickelung zurückgeht, zu alten Zeiten kommt, wo die Menschen nicht nur jene instinktive Weisheit gehabt haben, von der ich auch heute schon gesprochen habe, sondern wo sie als Lehrer Wesenheiten hatten, die niemals einen physischen Leib annahmen, höhere geistige Wesenheiten und solche Wesenheiten, die nur einen ätherischen Leib annahmen, deren Unterricht in bezug auf die Menschen darin bestand, daß diese Wesen zu den Menschen nicht sprachen, wie wir heute sprechen, sondern daß sie innerlich den Menschen die Weisheit eingaben, gewissermaßen dem ätherischen Leibe einimpften. Die Menschen wußten, daß diese höheren Wesenheiten da sind, geradeso wie wir wissen, daß irgendein physischer Lehrer oder dergleichen da ist, aber sie wußten auch, daß diese Wesen durchaus in einem Geistdasein um die Menschen herum sind. Auf diesen Unterricht höherer geistiger Wesenheiten führt alles das zurück, was selbst bis in die katholische Kirche hinein anerkannt wird als die Urweisheit der Menschen, jene Urweisheit, die einmal da war, von der selbst die Veden und die hehre Vedantaphilosophie nur schattenhafter Abglanz sind. Jene Urweisheit, die niemals aufgeschrieben ist, war so da, daß sie der Mensch nicht erdachte, sondern daß sie im Menschen erwuchs, denn die Einflüsse der Urlehrer müssen wir uns nicht so vorstellen, daß es ein demonstrierender Unterricht gewesen wäre. Wie wir heute als Kinder die Sprache lernen, nachahmend die älteren Menschen, ohne daß da ein besonderer Unterricht stattfindet, wie wir überhaupt vieles so entwickeln, als wenn es aus unserem Inneren herauswächst, so war in jenen Zeiten ein geheimnisvoller Einfluß der Urlehrer auf diese älteren Menschen vorhanden, nicht ein abstrakter Unterricht, so daß der Mensch sich einfach in einem bestimmten Lebensalter wissend wußte. So wie der Mensch heute in einem bestimmten Lebensalter Zähne bekommt oder geschlechtsreif wird, so ging damals auch das Wissen den Menschen in dieser Weise auf. Mancher Student würde, glaube ich, froh sein, wenn es heute auch noch etwas Derartiges gäbe, daß ihm das Wissen einfach aufginge, ohne daß er sich besonders anzustrengen hätte,

[ 26 ] We have often heard that, when one looks back through the Earth’s evolution, one arrives at ancient times when human beings not only possessed that instinctive wisdom I have already spoken of today, but also had as teachers beings who never took on a physical body, higher spiritual beings and beings who assumed only an etheric body; their teaching of human beings consisted not in speaking to them as we speak today, but in imparting wisdom to them inwardly—in a sense, instilling it into the etheric body. People knew that these higher beings were present, just as we know that a physical teacher or the like is present, but they also knew that these beings exist entirely in a spiritual form around human beings. Everything that is recognized even within the Catholic Church as the primordial wisdom of humankind—that primordial wisdom that once existed, of which even the Vedas and the noble Vedanta philosophy are but shadowy reflections—can be traced back to this teaching by higher spiritual beings. That primordial wisdom, which was never written down, existed in such a way that human beings did not conceive of it, but rather it grew within them; for we must not imagine the influence of the primordial teachers as having taken the form of a demonstrative lesson. Just as we children today learn language by imitating older people without any special instruction—just as we develop many things in general as if they were growing from within us—so in those times there was a mysterious influence of the primordial teachers upon these older people, not an abstract form of instruction, so that a person simply found themselves knowing at a certain age. Just as people today get their teeth or reach sexual maturity at a certain age, so, too, did knowledge dawn upon people in this way back then. I believe many a student today would be glad if something like that still existed—if knowledge would simply dawn upon them without having to make a special effort,

[ 27 ] Aber es war ein ganz anderes Wissen als das heutige. Es war ein Wissen, das organische Kraft im Menschen war, das mit der Wachstumskraft und so weiter zusammenhing. Es war also diese Urweisheit von einem ganz andern Charakter, und das, was da geschah mit Bezug auf diese Urweisheit, kann ich nur durch einen Vergleich darstellen. Denken Sie sich, ich gieße in ein Glas erst irgendeine Flüssigkeit, gebe dann ein Salz hinein. Ich löse das Salz auf, so daß ich eine trübliche Flüssigkeit habe, dann mache ich irgend etwas, daß sich das Salz unten als Bodensatz niederschlägt und oben die Lösungsflüssigkeit übrigbleibt, dann ist die Lösungsflüssigkeit oben reinlicher, heller, und unten ist der Bodensatz dichter. Wenn ich nun das, was die Menschen durchwoben hat während der Zeit der alten Urweisheit, schildern will, so ist es so gemischt aus dem geistig ganz Reinen und dem physisch Animalischen. Wenn wir heute denken, so glauben wir, daß diese abstrakten Gedanken so, ohne irgend etwas zu sein in uns, walten und weben, und daß wiederum etwas für sich zum Beispiel das Atmen und die Blutzirkulation ist. Aber das war für den Urmenschen in den früheren Erdenzeiten alles eines: er mußte atmen, und sein Blut zirkulierte in ihm, und er wollte in der Blutzirkulation. Dann zog sich das Denken des Menschen mehr nach dem Kopfe herauf und wurde reinlicher, wie in dem Glase die dünner gewordene Flüssigkeit oben, und unten bildete sich sozusagen der Bodensatz.

[ 27 ] But it was a very different kind of knowledge from what we have today. It was a form of knowledge that was an organic force within human beings, connected to the power of growth and so on. It was, therefore, this primal wisdom of a completely different character, and I can only illustrate what happened in relation to this primal wisdom by means of a comparison. Imagine that I first pour some liquid into a glass, then add a salt. I dissolve the salt so that I have a cloudy liquid; then I do something to cause the salt to settle at the bottom as sediment, leaving the solution at the top. The solution at the top is then clearer and brighter, while the sediment at the bottom is denser. Now, if I want to describe what permeated human beings during the time of ancient primordial wisdom, it is a mixture of the spiritually pure and the physically animalistic. When we think today, we believe that these abstract thoughts reign and weave within us without being anything in and of themselves, and that, in turn, something else—such as breathing and blood circulation—exists independently. But for the primeval human being in earlier earthly epochs, all of this was one and the same: he had to breathe, and his blood circulated within him, and his will was present in the blood circulation. Then human thinking rose more toward the head and became purer, like the thinner liquid at the top of a glass, while the sediment, so to speak, formed at the bottom.

[ 28 ] Das war zu der Zeit, als sich die Urlehrer immer mehr und mehr zurückzogen von der Erde, als diese Urweisheit nicht mehr in dieser alten Art gegeben wurde. Und wohin zogen sich diese Urlehrer zurück? Wir finden sie in dieser Mondenfestung wieder! Dadrinnen sind sie und führen ihr weiteres Dasein. Und auf der Erde blieb der Bodensatz zurück, nämlich die jetzige Art der Fortpflanzungskräfte. Diese Fortpflanzungskräfte waren noch nicht in der heutigen Form da, als die Urweisheit auf der Erde vorhanden war, sie sind erst so geworden, gewissermaßen als der Bodensatz. Ich will nicht sagen, daß sie etwas Schlechtes sind, aber es ist in diesem Zusammenhange der Bodensatz. Und das, was oben gewissermaßen die Lösungsflüssigkeit ist, ist heute unsere abstrakte Weisheit. So daß wir da sehen, wie mit der Entwickelung der Menschheit auf der einen Seite das mehr Geistige, im abstrakten Sinne, heraufkommt, und wie auf der andern Seite die gröberen animalischen Dinge als Bodensatz sich ergeben. Auf diese Weise bekommt man nach und nach eine Vorstellung von dem geistigen Inhalt des Mondes. Solch eine Wissenschaft war aber — dazumal hatte sie einen mehr prophetischen Charakter — in dem instinktiven Hellsehen der Menschen schon vorhanden.

[ 28 ] This was at the time when the Primordial Teachers were withdrawing more and more from the Earth, when this primordial wisdom was no longer imparted in the old way. And where did these Primordial Teachers withdraw to? We find them again in this lunar fortress! They are there, continuing their existence. And on Earth, the dregs remained behind—namely, the present form of the reproductive forces. These reproductive forces did not yet exist in their present form when primordial wisdom was present on Earth; they only came to be this way, so to speak, as the dregs. I do not mean to say that they are something bad, but in this context, they are the dregs. And what is, so to speak, the dissolving liquid above is our abstract wisdom today. So we see here how, with the development of humanity, on the one hand the more spiritual—in the abstract sense—emerges, and how, on the other hand, the coarser, animalistic elements result as dregs. In this way, one gradually gains an idea of the spiritual content of the Moon. Such a science, however—which at that time had a more prophetic character—was already present in people’s instinctive clairvoyance.

[ 29 ] Geradeso wie man vom Monde in dieser Art spricht, indem man, ich möchte sagen, auf seine Bevölkerung, auf sein Geistiges hinweist, so kann man auch vom Saturn sprechen. Lernt man durch geisteswissenschaftliche Anstrengung den Saturn kennen, was sich auch schon der Imagination ein wenig, aber nicht viel, mehr aber der Inspiration und Intuition ergibt, so ergibt sich dadurch, daß man sich immer mehr und mehr so vertieft in das Weltenall, daß man verfolgt den sinnlichen Wahrnehmungsprozeß. Der Mensch erlebt diesen sinnlichen Wahrnehmungsprozeß, er sieht irgendein Ding, fühlt dann an dem Ding das Rot. Das ist noch etwas ganz anderes, als wenn man durch die angegebenen Methoden, die Sie in meinen Büchern beschrieben finden, aus dem physischen Leibe herauskommt und dann anschauen kann, wie ein äußerer Gegenstand auf den menschlichen physischen Organismus wirkt, wie da, von innen aufsteigend, die Ätherkräfte dasjenige erfassen, was als physischer Vorgang, als physisch-chemischer Vorgang zum Beispiel im Auge beim Wahrnehmungsprozeß sich abspielt. Ich möchte sagen, das gewöhnliche SichExponieren der Welt in der Wahrnehmung, auch in der wissenschaftlichen Beobachtung, es rührt nicht sehr den Menschen. Wenn man aber auf diese Weise aus sich heraustritt und dann sich vor sich hat in seinem ätherischen Leibe, mit dem Astralischen vielleicht noch, und dann nachträglich sieht, wie ein solcher sinnlicher Wahrnehmungsoder Erkenntnisvorgang zustande gekommen ist, trotzdem man als geistiges Wesen aus seinem Physisch-Sinnlichen herausgetreten ist, dann fühlt man einen mächtigen, einen intensiven Vorgang in seiner Geistigkeit: Was man da erlebt, ist ein wirkliches Entrücktsein. Die Welt wird groß. Und was man sonst gewohnt ist, nur im äußeren Umkreis zu sehen, den Tierkreis in seinen äußeren Sternbilderoffenbarungen, das entsteht als etwas, was von innen aufsteigt. Wer da etwa sagen würde: In dem, der so spricht, steigen Reminiszenzen auf-, der kennt den betreffenden Vorgang nicht. Denn das, was da aufsteigt, sind wahrhaftig keine Reminiszenzen, sondern das sind mächtige, von Intuitionen durchzogene Imaginationen, und man beginnt dann das, was man sonst nur von außen gesehen hat, jetzt von innen zu sehen. Man wird als Mensch in die ganzen Geheimnisse des Tierkreises verwoben. Und aus dem Inneren des Universums, wenn man den günstigen Augenblick erfaßt, kann einem dann auch innerlich zum Beispiel das Saturngeheimnis aufleuchten in seinem Vorübergange über die Tierkreisbilder. Das Lesen im Kosmos besteht darin, daß man die Methoden findet, aus den innerlich gesehenen Himmelskörpern in ihrem Vorbeigang an den Tierkreisbildern zu lesen. Das, was einem der einzelne Planet sagt, gibt einem die Vokale der Weltenschrift. Und was sich um die Vokale herumgestaltet, wenn die Planeten vorüberziehen an den Tierkreisbildern, das gibt die Konsonanten, wenn ich mich vergleichsweise ausdrücken darf. Man lernt tatsächlich das Wesen des Planetarischen kennen, wenn man so von innen heraus sich eine Anschauung von demjenigen erobert, was man sonst nur in seiner Außenseite schaut.

[ 29 ] Just as one speaks of the Moon in this way—by referring, I might say, to its population and its spiritual nature—so too can one speak of Saturn. If one comes to know Saturn through spiritual scientific effort—which is already possible to some extent through imagination, though not to a great degree, and even more so through inspiration and intuition—this leads to one becoming more and more deeply immersed in the universe, so that one follows the process of sensory perception. A person experiences this process of sensory perception: they see some object and then perceive the color red in that object. This is something entirely different from when, through the methods described in my books, one steps out of the physical body and can then observe how an external object affects the human physical organism—how, rising from within, the etheric forces grasp what takes place as a physical process—as a physical-chemical process, for example, in the eye during the process of perception. I would like to say that the ordinary way the world reveals itself in perception—and even in scientific observation—does not deeply move a person. But when one steps out of oneself in this way and then has before oneself, in one’s etheric body—and perhaps also in the astral body—and then subsequently sees how such a sensory process of perception or cognition came about, even though one has stepped out of one’s physical-sensory realm as a spiritual being, then one feels a powerful, an intense process within one’s spirituality: What one experiences there is a true sense of rapture. The world becomes vast. And what one is otherwise accustomed to seeing only in the outer realm—the zodiac in its outer manifestations as constellations—arises as something that wells up from within. Anyone who might say, for example, “Reminiscences are welling up in the one who speaks thus,” does not understand the process in question. For what wells up there are truly not reminiscences, but rather powerful imaginations interwoven with intuitions, and one then begins to see from within what one has otherwise only seen from the outside. As a human being, one becomes interwoven with all the mysteries of the zodiac. And from within the universe, if one seizes the right moment, the mystery of Saturn, for example, can then dawn upon one inwardly as it passes through the signs of the zodiac. Reading the cosmos consists in finding the methods to interpret the celestial bodies as they pass through the signs of the zodiac, as seen from within. What each individual planet tells you provides the vowels of the world’s script. And what takes shape around the vowels as the planets pass through the signs of the zodiac provides the consonants, if I may put it that way. One truly comes to know the essence of the planetary realm when, from within, one gains an insight into that which one otherwise sees only from the outside.

[ 30 ] Das ist der Weg, um zum Beispiel den Saturn nach seiner wahren inneren Wesenheit kennenzulernen. Da ergibt sich einem dann: Da ist seine Bevölkerung, sie ist die Gedächtnisbewahrerin unseres Planetensystems. Alles, was in unserem Planetensystem seit Urzeiten geschehen ist, bewahren wie in einem mächtigen kosmischen Gedächtnis die Saturngeister. Wer daher studieren will, was der geschichtliche, der große kosmisch-geschichtliche Verlauf unseres Planetensystems ist, darf wahrlich nicht darüber spekulieren, wie es Kant und Laplace gemacht haben, daß da einmal ein Urnebel war, der sich verdichtete und in spiralige Bewegung gekommen ist, von dem dann die Planeten sich abspalteten und die Sonne in der Mitte blieb, um die nun die Planeten kreisen. Ich habe schon öfter darüber gesprochen und gesagt: Es ist schön, wenn man den Kindern das Experiment vormacht, bei welchem man einen in einer Flüssigkeit schwimmenden Öltropfen hat, durch ein Kartenblatt von oben eine Nadel durchsteckt, nun den Öltropfen in eine drehende Bewegung bringt, so daß kleinere Öltropfen sich von ihm loslösen. Es mag sonst gut sein im Leben, wenn man sich vergißt. Aber man darf in einem solchen Falle nicht vergessen, was man im Experiment selbst macht, daß man nämlich selbst erst den Öltropfen in die drehende Bewegung gebracht hat. Und man müßte dementsprechend bei der Kant-Laplaceschen Theorie den Drehenden nicht vergessen, müßte ihn ins Weltenall hinausversetzen, sich dort einen großen, mächtigen «Herrn Lehrer» denken, der da die Stecknadel dreht. Dann hätte man wahr und ehrlich gesprochen. So aber, wie die Wissenschaft heute von diesen Dingen spricht, so spricht sie eben nicht ehrlich.

[ 30 ] This is the way, for example, to come to know Saturn according to its true inner nature. One then realizes: There is its population, which serves as the repository of our solar system’s memory. The spirits of Saturn preserve everything that has happened in our solar system since time immemorial, as if in a mighty cosmic memory. Therefore, anyone who wishes to study the historical, the great cosmic-historical course of our planetary system must certainly not speculate—as Kant and Laplace did—that there was once a primordial nebula which condensed and began to move in a spiral, from which the planets then separated, while the Sun remained at the center, around which the planets now orbit. I have spoken about this on several occasions and said: It is wonderful to demonstrate to children the experiment in which you have a drop of oil floating in a liquid, pierce a sheet of paper from above with a needle, and then set the oil drop in a rotating motion so that smaller drops of oil break away from it. It may otherwise be good in life to lose oneself. But in such a case, one must not forget what one is doing in the experiment itself—namely, that one has set the oil drop in motion oneself. And accordingly, in the Kant-Laplace theory, one should not forget the one who is turning it; one would have to project him out into the universe, imagining there a great, powerful “Master Teacher” who is turning the pin. Then one would have spoken truthfully and honestly. But as science speaks of these things today, it simply does not speak honestly.

[ 31 ] Ich schilderte Ihnen, wie man dazu kommt, in Wirklichkeit zu sehen, was in den Planeten, was in den Himmelsgebilden überhaupt lebt. Am Saturn muß man studieren, wie das Planetensystem in seinem kosmisch-historischen Werden beschaffen ist. Eine geistige Wissenschaft also kann erst wiederum dasjenige in der menschlichen Seelenverfassung geben, was dem Menschen wie eine kosmische Erfahrung vorkommen kann. Wir sprechen heute eigentlich nur von irdischen Erfahrungen. Kosmische Erfahrung führt uns hinaus zu einem Miterleben des Kosmos. Und erst wenn wir den Kosmos so miterleben, dann werden wir wiederum einen vergeistigten, spirituellen Instinkt dafür bekommen, was der Jahreslauf ist, in den wir mit unserem organischen und mit unserem sozialen Leben hineinverwoben sind. Wir werden einen Instinkt dafür bekommen, wie doch die Erde in einem ganz andern Verhältnis zum Kosmos steht im Frühling zum Sommer hin, und wiederum in einem andern Verhältnisse steht vom Sommer zum Herbst in den Winter hinein. Dann werden wir einen Sinn bekommen, wie das Leben auf der Erde anders dahinfließt, wenn der Frühling mit seinem Sprießenden und Sprossenden da ist, und wie es anders verläuft, wenn der Herbst mit seinem Ertötenden in der Natur da ist. Wir werden einen Sinn bekommen für den Unterschied des aufwachenden Naturlebens im Frühling von dem schlafenden Naturdasein im Herbst. Dadurch wird der Mensch wiederum reif werden, sich mit seinen Festen, die eine soziale Bedeutung haben können, in den Naturlauf so hineinzustellen, wie ihn die Naturkräfte durch seine physische Organisation hineinstellen in seinen Atmungsablauf und seine Blutzirkulation.

[ 31 ] I described to you how one comes to see, in reality, what actually lives within the planets and within the celestial bodies in general. On Saturn, one must study the nature of the planetary system in its cosmic-historical development. A spiritual science, then, can in turn provide the human soul with an experience that can feel like a cosmic experience. Today, we really speak only of earthly experiences. Cosmic experience leads us out into a shared experience of the cosmos. And only when we experience the cosmos in this way will we, in turn, develop a spiritualized instinct for the cycle of the year, into which we are woven with our organic and social lives. We will develop an instinct for how the Earth stands in a completely different relationship to the cosmos as spring gives way to summer, and again in a different relationship as summer gives way to fall and into winter. Then we will gain a sense of how life on Earth flows differently when spring, with its sprouting and budding, is upon us, and how it unfolds differently when autumn, with its withering of nature, is upon us. We will gain an appreciation for the difference between the awakening life of nature in spring and the dormant existence of nature in autumn. Through this, human beings will in turn become ready to align themselves—through their festivals, which can have social significance—with the course of nature, just as the forces of nature, through their physical organization, align them with the rhythm of their breathing and blood circulation.

[ 32 ] Schauen wir auf das hin, was innerhalb unserer Haut ist, so leben wir da in Atmung und Blutzirkulation. Was wir da sind, das sind wir als physische Menschen, gehören mit dem, was da in uns vorgeht, dem Weltenlauf an. Da leben wir aber nach außen ebenso hineinverwoben in das äußere Naturdasein, wie wir nach innen verwoben sind in unsere Atmung und unsere Blutzirkulation. Und was ist denn der Mensch in Wahrheit in seinem Bewußtsein? Ja, er ist eigentlich ein Regenwurm, aber noch dazu ein solcher Regenwurm, für den es nie regnet. Es ist so schön, wenn man in gewissen Gegenden geht, wo es viel regnet, da kommen dann die Regenwürmer heraus, und man muß sich dann in acht nehmen, was man ja tut, wenn man ein Tier liebt, daß man sie nicht zertritt. Und man denkt sich dann, die armen Kerle müssen immer da unten sein, nur beim Regen kommen sie einmal aus der Erde heraus, und wenn es nicht regnet, dann bleiben sie unten. Aber ein solcher Regenwurm ist der heutige materialistische Mensch, nur einer, für den es nie regnet. Denn wenn wir den Vergleich festhalten wollen, müßte für ihn der Regen in dem Hereinglänzen der geistigen Erkenntnis bestehen, denn sonst wurmt er immer da unten herum, wo es nie Licht wird. Diese Regenwurmnatur muß die Menschheit heute überwinden. Sie muß aus ihr heraus, muß an das Licht, an das Geisteslicht des Tages. Und der Ruf nach dem Michael-Fest ist der Ruf nach dem Geisteslicht des Tages.

[ 32 ] When we look at what lies within our skin, we see that we live there through our breathing and blood circulation. What we are there—that is, who we are as physical human beings—is part of the course of the world, along with what takes place within us. Yet we live outwardly just as interwoven with the external natural world as we are inwardly interwoven with our breathing and our blood circulation. And what, in truth, is the human being in his consciousness? Yes, he is actually an earthworm—but, moreover, an earthworm for whom it never rains. It’s so lovely when you walk in certain areas where it rains a lot; that’s when the earthworms come out, and you have to be careful—as you do when you love an animal—not to step on them. And then you think to yourself, those poor creatures must always be down there; they only come out of the ground when it rains, and when it doesn’t rain, they stay down there. But today’s materialistic human being is just such an earthworm—one for whom it never rains. For if we are to stick with this comparison, the rain for him would have to consist of the radiance of spiritual insight; otherwise, he will always be wriggling around down there, where there is never any light. Humanity today must overcome this earthworm-like nature. It must break free from it, must come into the light—the spiritual light of the day. And the call for the Feast of Michael is the call for the spiritual light of the day.

[ 33 ] Auf das wollte ich Sie hinweisen, bevor ich über die Dinge sprechen kann, die ein Michael-Fest als ein besonders bedeutungsvolles, auch sozial bedeutungsvolles Fest inaugurieren können.

[ 33 ] I wanted to point that out to you before I can discuss the things that can make a Michaelmas celebration a particularly meaningful one—including in a social sense.