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Der Jahreskreislauf als Atmungsvorgang der Erde und die vier großen Festeszeiten
GA 223

30 September 1923, Wien

Die Anthroposophie und das menschliche Gemüt III

[ 1 ] Ich habe Ihnen im ersten dieser Vorträge darzulegen versucht, wie als eine menschenbestimmende Idee, eigentlich als ein menschenbestimmender Impuls selbst bis ins 18. Jahrhundert herein der Streit Michaels mit dem Drachen vorhanden war, und ich habe dann im zweiten der Vorträge versucht zu zeigen, wie eine fruchtbare Wiederbelebung dieses Impulses möglich ist und eigentlich auch möglich werden muß. Bevor wir nun aber über das Besondere, sagen wir der Einrichtung eines Michael-Festes im Herbstbeginn des Jahres sprechen, was ich dann morgen tun will, möchte ich auch heute noch von einzelnen Vorbedingungen zu einer solchen Absicht sprechen.

[ 2 ] Es handelt sich darum, daß solche Impulse wie der Michael-Impuls eigentlich immer damit zusammenhängen, daß der Mensch eine übersinnliche Einsicht bekommt in seinen Zusammenhang nicht nur mit den Erdenverhältnissen, sondern mit den kosmischen Verhältnissen, daß er lernt, sich nicht nur als ein Erdenbürger zu fühlen, sondern als ein Bürger des ihm wahrnehmbaren Weltenalls, sei es auf geistige Art wahrnehmbar, sei es im Abbilde auf physische Art. Nun sind in der allgemeinen Bildung heute die Bedingungen zum Erfühlen des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos möglichst geringe. Wir müssen sagen: Der Mensch kennt gewiß auch durch seine materialistisch kolorierte Wissenschaft die Erdenverhältnisse bis zu einem solchen Grade, daß er — wenigstens was sein materielles Leben im weiteren Sinne des Wortes betrifft — sich mit diesen Erdenverhältnissen verbunden fühlt. Begeisternd wirkt allerdings dieses Wissen von einem solchen Verbundensein nicht. Deshalb sind alle äußeren Zeichen für ein solches Verbundensein eigentlich schattenhaft geworden. Schattenhaft sind die menschlichen Gefühle für die traditionell überkommenen Feste. Während diese Feste — das Weihnachtsfest, das Osterfest — in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung einen tiefgehenden Einfluß auf das ganze soziale Leben, auf die sozialen Einrichtungen hatten, sind sie heute kaum etwas anderes als ein schattenhafter Abglanz dessen, was sie einmal waren, dieser lebt sich aus in allerlei Gebräuchen, die aber eine tiefgehende soziale Bedeutung nicht mehr haben.

[ 3 ] Wenn man daran denken muß, das Michael-Fest gerade mit seiner sozialen Tragweite — von ihr werde ich morgen sprechen — irgendwie zu realisieren, dann muß natürlich erst eine Empfindung davon geschaffen werden, was ein solches Michael-Fest bedeuten könnte. Denn ein solches Michael-Fest dürfte nicht denselben Charakter tragen wie heutige Festlichkeiten, sondern es müßte herausgeholt sein, wie ich schon vorgestern hier andeutete, aus Tiefen der menschlichen Wesenheit. An die wird man aber nur herankommen, wenn man wieder eindringt und eintritt in den Zusammenhang des Menschen mit dem außerirdischen Kosmos und mit dem, was sich aus dem außerirdischen Kosmos für den Jahreslauf ergibt. Ich möchte Ihnen, um auf dasjenige hinzudeuten, was ich eigentlich hiermit meine, nur vor die Seele führen, wie abstrakt, wie schrecklich wenig den Menschen berührend alles dasjenige ist, was heute in das Menschenbewußtsein an Gefühlen, Empfindungen über das außerirdische Weltenall hereinkommt. Denken Sie nur in dieser Beziehung an alles das, was heute Astronomie, Astrophysik und so weiter leisten. Sie errechnen den Weg der Planeten, meinetwillen die Orte der Fixsterne, sie kommen dazu, durch spektralanalytische Untersuchungen Schlüsse zu ziehen auf die stoffliche Zusammensetzung dieser Weltenkörper. Aber was alles da auf diese Weise herauskommt, was hat es denn für einen Bezug auf das innere, intime Seelenleben des Menschen? Dieser Mensch fühlt sich gerade mit all dieser Himmelsweisheit als Einsiedler auf dem, was er als Erdenplaneten ansieht. Und dasjenige, was heute als Denkungsart mit diesen Dingen verknüpft wird, ist im Grunde genommen nur ein System von sehr engmaschigen Begriffen.

[ 4 ] Betrachten wir einmal, um uns das vor die Seele zu führen, einen im gewöhnlichen Leben durchaus vorhandenen, wenn auch minderwertigen Bewußtseinszustand: den Bewußtseinszustand des traumerfüllten Schlafes. Ich will Ihnen nur mit ein paar Worten, damit wir Anhaltspunkte für die heutige Betrachtung gewinnen, das vor Augen führen, was sich auf den traumerfüllten Schlaf bezieht.

[ 5 ] Der traumerfüllte Schlaf knüpft entweder an, wie ich schon gestern im öffentlichen Vortrage sagte, an innere Zustände des menschlichen Organismus, verwandelt solche inneren Zustände des Organismus in Bilder, die wie Sinnbilder aussehen, so daß zum Beispiele die Herzbewegungen symbolisiert werden in Feuerflammen und dergleichen; wir werden sehr leicht im einzelnen konkret herausfinden können, wie Traumessinnbilder mit inneren organischen Zuständen und Vorgängen zusammenhängen. Oder es symbolisieren sich äußere Ereignisse des Lebens, die als Erinnerungen in uns vorhanden sind und dergleichen. Es ist unter allen Umständen in die Irre führend, wenn man den Vorstellungsinhalt des Traumes sehr stark ernst nimmt. Er ist interessant, er hat eine sensationelle Seite, er ist das, was viele Menschen außerordentlich interessiert, für den aber, der tiefer in die menschliche Natur hineinschaut, ist der vorstellungsmäßige Trauminhalt von einer außerordentlich geringen Bedeutung. Dagegen ist der dramatische Ablauf des Traumes von der allergrößten Bedeutung. Ich will es durch ein Beispiel veranschaulichen.

[ 6 ] Es kann jemand träumen, er unternehme eine Bergpartie. Die Bergpartie ist außerordentlich schwierig, je höher er steigt, desto schwieriger wird sie. Er kommt so in eine Region, wo ihn die Kraft verläßt, er kann nicht mehr weiter, die Verhältnisse werden so ungünstig, daß er nicht weiter aufsteigen kann, er muß stehenbleiben. Etwas wie Ängstlichkeit, etwas von Enttäuschung kommt noch in seinen Traum hinein. Vielleicht wacht er dann auf. Es liegt diesem Traume etwas zugrunde, was man eigentlich nicht in dem Vorstellungsmäßigen der Traumbilder sehen sollte, sondern in dem gefühlsmäßigen Erleben einer Absicht, in der Steigerung der Hindernisse, die dieser Absicht sich entgegenstellen, und im Ankommen an immer unüberwindlicheren Hindernissen. Denken wir uns das alles in gefühlsmäßig-dramatischer Weise verlaufend, so haben wir gewissermaßen einen Gefühlsinhalt, der als dramatischer Inhalt hinter den eigentlichen Vorstellungsbildern des Traumes lebt. Dasselbe, was in diesem Gefühlsinhalt liegt, könnte nun auch ganz anders geträumt werden. Der Betreffende könnte träumen, er gehe in eine Höhle hinein, es wird immer finsterer und finsterer, er tastet sich immer weiter und weiter fort, kommt endlich in ein sumpfiges Gebiet. Da watet er noch ein bißchen, aber nachdem er lange genug gewatet hat, kommt er an eine Art Morast. Er kann nicht weiter. Dieselbe Gefühls- und Empfindungsdramatik liegt in diesem Bilde. Derselbe Traum in seinem dramatischen Inhalt könnte noch auf viele Arten geträumt werden.

[ 7 ] Der Vorstellungsinhalt eines Traumes kann immer verschieden sein. Das, was hinter dem Traume an Bewegungen, an Spannung und Entspannung, an Erwartung und Enttäuschung liegt, ist das Wesentliche für den Traum. Aber der Traum kleidet sich in Bilder. Wodurch entstehen diese Bilder? Sie entstehen dadurch, daß zum Beispiel beim Aufwachen irgend etwas erlebt wird von dem Ich und dem astralischen Leib, die außerhalb des physischen Leibes und des ätherischen Leibes sind. Was da erlebt wird als übersinnliches Erleben, ist selbstverständlich etwas, was sich gar nicht auf Bilder aus der sinnlichen Welt zurückbringen läßt, aber indem Ich und astralischer Leib untertauchen in physischen Leib und Ätherleib, werden sie dazu veranlaßt, aus dem Vorrat der Bilder, die da sind, dasjenige zu entnehmen, was sich gerade bietet. Und so wird die eigentümliche Traumdramatik in Bilder gekleidet.. Nun fängt der Inhalt dieser Bilder an, uns zu interessieren. Der Zusammenhang ist ein ganz anderer als der der äußeren Erlebnisse. Woher kommt das? Lauter äußere oder innere Erlebnisse nimmt der Traum, aber er bringt sie in einen andern Zusammenhang. Warum ist das? Das ist, weil der Traum ein Protest ist gegen die Art, wie wir in der physisch-sinnlichen Welt zwischen Aufwachen und Einschlafen leben. Wir leben in dieser physisch-sinnlichen Welt zwischen Aufwachen und Einschlafen eingewoben mit unserem ganzen Leben in Naturgesetzmäßigkeit. Diese Naturgesetzmäßigkeit durchbricht der Traum. Er läßt sich diese Naturgesetzmäßigkeit nicht gefallen, er reißt die Ereignisse heraus, bringt sie in eine andere Folge. Er protestiert gegen die Naturgesetzmäßigkeit.

[ 8 ] Der Mensch sollte lernen, daß in dem Augenblick gegen die Naturgesetzmäßigkeit protestiert wird, in welchem man überhaupt in das Geistige eintaucht. In dieser Beziehung sind sogar in einer gewissen Weise, ich möchte sagen, drollig diejenigen Leute, die mit der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methode in die Geisteswelt eindringen wollen. Außerordentlich charakteristisch ist in dieser Beziehung das Buch von Dr. Ludwig Staudenmaier über «Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft». Ein solcher Mensch geht von der Ansicht aus: Alles was begriffen werden soll, soll nach naturwissenschaftlicher Denkweise begriffen werden. — Nun geht Staudenmaier nicht gerade auf den Traum aus, aber er geht aus auf die sogenannten medialen Erscheinungen, die im Grunde genommen eine Fortbildung der Traumwelt sind. Beim gesunden Menschen bleibt der Traum ein Erlebnis, das nicht in die äußere Organisation übergeht. Beim medialen Wesen ist es so, daß das, was sonst vom Ich und astralischen Leib erlebt wird und sich formt in die Bilder des physischen Leibes und des Ätherleibes, dann auch übergeht in die Erlebnisse des physischen Leibes und des Ätherleibes, und dadurch entstehen alle diejenigen Erscheinungen, die beim Mediumwesen zutage treten. Staudenmaier wollte sich — darin hat er durchaus recht — nicht nach dem richten, was andere Medien ihm geben, und so machte er sich denn selbst in einer gewissen Weise zum Medium. Er träumte sozusagen schreibend. Er fing an, die Feder und den Bleistift anzusetzen, so wie er immer bei Medien gesehen hatte, und richtig — es ging! Nur war er höchst erstaunt über das, was da zutage trat, er war erstaunt über den Zusammenhang, den er früher niemals irgendwie sich gedacht hätte. Alles mögliche schrieb er da auf, was ganz außerhalb des Bereiches seines bewußten Lebens war. Und so stark war das zuweilen außerhalb seines bewußten Lebens, daß er fragte: Ja, wer seid ihr, die da schreiben? — Geister —, antworteten sie. Er mußte aufschreiben: Geister! — Denken Sie sich, der Materialist, der doch keine Geister anerkennt, mußte aufschreiben: Geister! — Nun war er doch überzeugt davon, daß das, was da schreibt, lügt. Er fragte also weiter, warum ihn die Geister so anlügen. Da sagten sie: Ja, wir müssen dich so anlügen, das ist so unsere Art. — Dann fragte er sie über allerlei, was auf ihn selber Bezug hatte. Da kam sogar einmal heraus, daß sie sagten: Kohlkopf. — Es ist nun nicht anzunehmen, daß es in seiner eigenen Seelenverfassung lag, sich selber als Kohlkopf zu bezeichnen. Also es kam da allerlei heraus, was sich so charakterisierte, daß es sagte: Wir müssen dich anlügen. — Daß er aber dann sich sagte: Geister gibt es natürlich nicht, da spricht eben mein Unterbewußtes. — Aber nun wird die Sache immer beunruhigender, denn nun ist das Unterbewußte etwas, was zum Oberbewußten Kohlkopf sagt und was lügt, und ein solcher Vorgang müßte dazu führen, daß die betreffende Persönlichkeit sich sagen muß: In meinem Unterbewußtsein bin ich ein kompletter Lügner.

[ 9 ] Aber das alles weist auch schließlich auf nichts anderes hin als auf dies, daß so wie die Traumwelt auch jene Welt, in die man da hinuntertaucht, Protest einlegt gegen den naturgesetzlichen Zusammenhang. Alles was wir denken, wollen und empfinden können in der physisch-sinnlichen Welt, wird entstellt, sobald wir in diese mehr oder weniger unterbewußte Welt eindringen. Warum? Nun, es ist eben der Traum die Brücke hinüber in die geistige Welt, und die geistige Welt ist durchaus durchwoben von einer Gesetzmäßigkeit, die nicht die naturgesetzliche ist, die einen ganz andern inneren Charakter hat. Der Traum ist der Übergang dazu. Wer da glaubt, die geistige Welt mit Naturgesetzen begreifen zu können, der irrt sich gar sehr. Und so ist der Traum gewissermaßen der Vorherverkünder für die Notwendigkeit, daß, wenn wir eindringen in die geistige Welt, wir nicht einfach die Naturgesetze fortsetzen können. Wir können die Methoden fortsetzen, indem wir uns dazu vorbereiten, aber wir kommen in eine ganz andere Gesetzmäßigkeit hinein, wenn wir in die geistige Welt eindringen.

[ 10 ] Das ist dasjenige, was oftmals so wenig bedacht wird. Es ist wirklich so, daß es heute als Grundsatz gilt, daß man die Welt nur nach der Verstandesfähigkeit, die sich im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte erst herausgebildet hat, erfassen kann und erfassen soll. Das hat sich langsam gebildet. Heute gibt es jene Menschen gar nicht mehr — in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat es diese Menschen noch gegeben — von der Art zum Beispiel eines Johannes Müller, dem Lehrer Haeckels, der selbst zugestanden hat, daß ihm manches Problem, das er rein als Physiologe zu erforschen suchte, nicht aufging, wenn er darüber nachdachte im gewöhnlichen vollwachen Zustande; daß aber dann der Traum über ihn gekommen ist, der ihm wieder das Gewebe vorgeführt hat, das er im Wachzustande präpariert hatte, der ihm alle die Hantierungen wieder vorgeführt hat. Da ging ihm dann im Traume manches von der Lösung solcher Rätsel auf. Johannes Müller war noch davon durchdrungen, daß man im Schlafe in diesem eigentümlichen Weben des Geistigen ist, wo man nicht berührt wird von der harten Notwendigkeit der physischen Naturgesetzlichkeit, wo man sogar in die physische Naturgesetzlichkeit eindringen kann, weil auch dieser physischen Naturgesetzlichkeit etwas von demjenigen zugrunde liegt, was geistig ist, und weil das Geistige in seinen Grundlagen nicht von physischer Naturgesetzlichkeit ist, sondern diese nur an seiner Oberfläche uns darbietet.

[ 11 ] Da muß man wirklich paradox werden, wenn man solche Gedanken so zu Ende führt, wie sie sich auf ganz selbstverständliche Weise aus der Geistesforschung heraus ergeben. Kein Mensch, der im Sinne der heutigen Naturwissenschaft denkt, wird glauben, daß ein Licht, wenn es hier an einem bestimmten Orte leuchtet, im Umkreise in einiger Entfernung noch ebenso stark leuchtet. Der Physiker berechnet die Abnahme der Lichtstärke mit dem Quadrat der Entfernung, und ebenso berechnet er auch die Abnahme der Schwerkraft. Er sagt sich mit Bezug auf diese physischen Entitäten: Was hier auf der Oberfläche der Erde gilt, das nimmt in seiner Gültigkeit ab, indem wir in den Umkreis des Kosmos kommen. — Nur für den Inhalt seines Denkens läßt er das nicht gelten. Und doch ist es mit diesem Denken nicht anders als mit dem, was man hier in den Erdenlaboratorien, in den Kliniken, überhaupt auf der Erde — bis auf das Zwei-mal-zweiist-Vier — von den Erdendingen erfährt. Wenn die Schwerkraft abnimmt im Quadrat der Entfernung, warum sollte denn das, was Naturgesetzmäßigkeit ist, nicht auch abnehmen mit dem Quadrat der Entfernung in seiner Gültigkeit und von einer gewissen Entfernung an nicht mehr gelten? Das ist aber das, worin die Geisteswissenschaft eindringt. Und sie muß sagen: Wollt Ihr den Orionnebel oder den Nebel in den Jagdhunden erforschen, so macht Ihr dasselbe, wie wenn Ihr Erdenbegriffe anwendet und irgendwie die Venus zum Beispiel beleuchten wolltet mit einer Erdenkerze. — Wenn man aus der Geistesforschung heraus die Wahrheit durch solche Analogien hinstellt, so kommt sie den Menschen paradox vor. Und doch, in jenem Zustande, in dem wir im Schlafe eindringen in die geistige Welt, haben wir mehr Möglichkeiten, zum Beispiel den Orionnebel oder den Nebel in den Jagdhunden zu erforschen, als mit den Möglichkeiten, die durch das Arbeiten in den Laboratorien und auf den Sternwarten zustande kommen. Man würde viel mehr darüber erforschen, wenn man über diese Dinge träumen würde, als über sie verstandesmäßig nachzudenken. Kommt man in den Kosmos hinein, dann nützt es nichts, diejenigen Dinge, die man auf der Erde erforscht hat, auf diesen Kosmos anzuwenden. So stehen wir heute mit unserer Bildung darinnen, daß wir eigentlich das, was wir in unserer kleinen Erdenzelle als richtig befinden, auf den ganzen Kosmos anwenden möchten, und leicht ersichtlich ist es, daß dabei in Wirklichkeit nicht die Wahrheit Zutage treten kann.

[ 12 ] Wenn man von solchen Erwägungen ausgeht, dann wird einem manches, was in älteren Zeiten bei einer primitiven, aber eindringlichen hellsichtigen Anschauungsart vor der Menschheit stand, doch wertvoller, als es der heutigen Menschheit ist. Und man wird nicht einmal an denjenigen Menschenerkenntnissen, die einst im Hirtenstande der Urzeit entstanden sind, so oberflächlich vorbeigehen, als man es heute gewöhnlich tut. Denn diese Leute haben manches besser geträumt von den Geheimnissen der Sterne bei ihrem Hirtenleben, als heute die Leute bei ihrem gescheiten Leben auf den Sternwarten erforschen, errechnen und mit dem Spektroskop feststellen können. So sonderbar es klingt, es ist so. Aber in diesen geheimnisvollen Zusammenhang des Menschen mit dem Weltenall kommt man hinein, wenn man manche Überreste, die aus alten Zeiten erhalten sind, in geisteswissenschaftlicher Art betrachtet. Und da gestatten Sie, daß ich heute von dem spreche, was sich ergeben kann, wenn man auf der einen Seite geisteswissenschaftlich die tiefe religiös-ethische, aber auch soziale Bedeutung der alten druidischen Einrichtungen prüft, und andrerseits der alten Einrichtungen der Mithrasmysterien, denn wir werden, indem wir das noch vor unserer Seele vorüberzichen lassen, Anhaltspunkte dafür gewinnen, wie die Gestaltung eines MichaelFestes eigentlich zu denken ist.

[ 13 ] In bezug auf die Druidenmysterien war ja der Vortragszyklus, den ich vor wenigen Wochen in Penmaenmawr in Wales zu halten hatte, unmittelbar an derjenigen Stätte Englands, wo die Insel Anglesey vorgelagert ist, wirklich von ganz besonderer Bedeutung, weil dort eine Stelle ist, wo in Trümmern herumliegend viele Erinnerungen an die alten Opferstätten, an die Mysterienstätten der Druiden sich finden. Heute sind die Überreste, diese alten Kromlechs, Dolmen, eigentlich ziemlich unansehnlich. Man steigt auf diese Bergeshöhen hinauf, findet dort Steine so zusammengestellt, daß sie eine Art Kammer abschließen, ein größerer Stein liegt darüber, oder man findet auch im Kreise — es sind ursprünglich immer zwölf gewesen — solche Kromlechs angeordnet. Gerade in der unmittelbaren Nähe von Penmaenmawr konnte man hinaufsteigen und fand zwei solcher unmittelbar aneinandergrenzender Sonnenzirkel. Und gerade in dieser besonderen Gegend, wo auch noch im geistigen Leben der Natur so vieles vorhanden ist, was anders wirkt, als sonst die Natur heute in andern Gegenden wirkt, konnte man mit höchster Deutlichkeit dasjenige wieder prüfen, was ich in verschiedenen anthroposophischen Vorträgen gerade mit Bezug auf die Druidenmysterien auseinandergelegt habe. Es ist dort, wo auch auf der Insel Anglesey eine Niederlassung der Gesellschaft des Königs Artus war, es ist in dieser Gegend tatsächlich eine besondere geistige Atmosphäre vorhanden. Ich muß sie folgendermaßen charakterisieren.

[ 14 ] Wenn man von übersinnlichen Dingen spricht, so kann man nicht in derselben Art seine Gedanken bilden, wie man sie sonst im Leben oder in der Wissenschaft bildet. Da bildet man abstrakte Gedanken, da zieht man Schlüsse und so weiter. Wenn man nun auch darauf angewiesen ist, mehr oder weniger sogar abstrakt zu reden—denn das verursacht unsere Sprache, die abstrakt geworden ist —, in seinem inneren Seelenwesen kann man nicht, wenn man geisteswissenschaftlich darstellen will, so abstrakt sein. Da muß alles in Bildern verlaufen. Bilder, Imaginationen muß man vor der Seele haben. Bilder, Imaginationen vor der Seele haben, bedeutet aber doch etwas anderes noch, als Gedanken in der Seele haben. Gedanken in der Seele sind, je nachdem man innerlich mehr oder weniger träge ist, außerordentlich geduldig, man kann sie halten. Die Imaginationen haben immer ein Eigenleben. Man fühlt ganz genau: eine Imagination stellt sich vor einen hin. Es ist anders und doch wieder ähnlich, wie wenn man schreibt oder zeichnet. Man schreibt oder zeichnet mit der Seele. Aber Imaginationen sind nicht etwas so abstrakt Festgehaltenes wie die bloßen Gedanken. Man schreibt sie. Nun, in den meisten Gegenden Europas, wo die Zivilisation schon einen so abstrakten Charakter angenommen hat, da huschen diese Imaginationen verhältnismäßig sehr schnell vorüber, man hat immer einen inneren Kampf zu bestehen, wenn man Übersinnliches darstellen will. Es ist schon so, wie wenn man schreiben würde, und durch irgendeine dämonische Kraft das Geschriebene sogleich wiederum verlöschte. Es ist gleich wieder nicht mehr da. So ist es bei den Imaginationen, durch die man das Übersinnliche vorstellungsgemäß macht, als Seelenerlebnis bekommt.

[ 15 ] Die geistige Atmosphäre nun in jenen Orten in Wales, die ich nannte, hat die Eigentümlichkeit, daß sich dort Imaginationen zwar schwieriger einschreiben in das Astralische, aber sie bleiben dafür länger vorhanden, sie sind tiefer eingeprägt. Das ist das, was man gerade in jener Gegend als etwas so Auffälliges wahrnehmen konnte. Und es war schon wirklich so, daß alles darauf hindeutete, dort auch auf eine mehr geistige Art den Weg zurück machen zu können zu dem, was jene Druidenpriester — nicht in den Verfallszeiten dieser Druidenkulte, wo diese etwas ziemlich Unsympathisches, ja sogar sehr Schlimmes hatten, sondern in den Blütezeiten — damals eigentlich wollten.

[ 16 ] Man muß sich nur einen solchen Kromlech anschauen: er schließt auf eine primitive Weise einen gewissen Raum ab, der zugedeckt war. Wenn Sie nun das Sonnenlicht betrachten, so haben Sie zunächst das physische Sonnenlicht. Dieses physische Sonnenlicht ist aber durchaus überall durchdrungen von den geistigen Wirkungen der Sonne. Und bloß von dem physischen Sonnenlicht so zu sprechen, wie das der Physiker heute macht, wäre genau so, wie wenn man mit Bezug auf einen Menschen bloß sprechen wollte von seinen Muskeln, seinen Knochen, seinem Blut und so weiter, und keine Rücksicht nehmen würde auf das in ihm waltende Seelisch-Geistige. Das Licht ist durchaus nicht bloß «phos». Das Licht ist Phosphor, Lichtträger, hat ein Aktives, hat Seelisches. Dieses Seelische des Lichtes geht dem Menschen in der bloßen Sinneswelt verloren. Wenn nun der Druidenpriester sich in diese Grabstätte stellte — die Kromlechs waren zumeist, wie andere alte Kultstätten auch, über Gräbern errichtet —, dann stellte er diese Vorrichtung hin, die in einer gewissen Weise undurchlässig war für die physischen Sonnenstrahlen. Aber die geistigen Sonnenwirkungen gingen durch sie durch, und der Druidenpriester war dafür besonders geschult, die geistigen Sonnenwirkungen wahrzunehmen. Und so sah er durch die besonders ausgewählten Steine — sie waren immer besonders ausgewählt — in jenen Raum hinein, wohin die geistigen Sonnenwirkungen kamen, die physische Sonnenwirkung aber ausgeschlossen war. Und nun hatte er seine Anschauung intim geschult. Denn das, was man da sieht in einer solchen primitiv hergestellten Dunkelkammer, das ist anders im Februar, anders im Juli oder August, anders im Dezember. Im Juli ist es so, daß es einen leicht gelblichen Anflug hat, im Dezember dagegen ist es so, daß es eine leicht bläuliche Innerlichkeit hat. Wer das beobachten kann, schaut in den qualitativen Veränderungen, die in einer solchen Dunkelkammer dieses abgeschlossene Schattengebilde im Laufe des Jahres annimmt, den ganzen Lauf des Jahres in den Wirkungen des Geistig-Seelischen der Sonnenstrahlung. Und wiederum in diesen Sonnenzirkeln stehen die Vorrichtungen so, daß sie wie die Zeichen des Tierkreises in der Zwölfzahl angeordnet sind. Gerade an dem Berge, den wir bestiegen hatten, gab es einen größeren solcher Sonnenzirkel, und in einer geringen Entfernung davon war ein kleinerer. Wenn man sich etwa in einem Luftballon in die Höhe erhoben und auf diese beiden Druidenkreise heruntergeschaut hätte und die kleine Entfernung zwischen ihnen dabei nicht beachtet hätte, so würde man das hatte etwas Ergreifendes — denselben Grundriß gesehen haben, wie ihn das heruntergebrannte Goetheanum in Dornach hatte.

[ 17 ] Der alte Druidenpriester hatte sich dafür geschult, daß er dem, was er da vor seiner Seele hatte, es ansah, wie zu jeder Tageszeit, aber auch zu jeder Jahreszeit, der Schatten der Sonne anders fiel. Er konnte diese Schattengestaltungen verfolgen und aus ihnen heraus genau angeben: jetzt ist diese Märzzeit, jetzt ist diese Oktoberzeit. Er stand in der Wahrnehmung, die ihm dadurch vermittelt wurde, drinnen in dem, was im Kosmos vorging, aber auch in dem, was vom Kosmos aus Bedeutung für das Erdenleben hatte. Nun denken Sie sich nur, was man heute macht, wenn man den Einfluß des kosmischen Lebens für das irdische Leben bestimmen will. Was machen selbst die Bauern? Sie haben ihren Kalender, in dem steht, was man an dem oder jenem Tage machen soll. Es wird auch das nur annähernd gemacht, denn die gründlichen Erkenntnisse, die einmal von diesen Dingen da waren, sind heute verglommen, aber Kalender gab es zur alten Druidenzeit nicht, es gab nicht einmal eine Schrift. Was der Druidenpriester aus seiner Sonnenbeobachtung heraus sagen konnte, war, was man über den Zusammenhang des Himmels mit der Erde wußte. Und wie der Druidenpriester sagte: Jetzt steht die Sonne so, daß der Weizen gesät werden sollte — oder: Jetzt steht die Sonne so, daß der Zuchtstier durch die Herde geführt werden muß —, so geschah es. Diese Zeiten hatten einen Kult, der wahrhaftig nicht ein abstraktes Gebet war, sondern sie hatten einen Kult, der das unmittelbar praktische Leben einrichtete nach dem, wie man sich mit dem Geistigen des Weltenalls in Verbindung setzte. Die große Sprache des Himmels wurde abgelesen, und sie wurde in den irdischen Dingen angewendet.

[ 18 ] Das aber ging bis in die Intimitäten des sozialen Lebens hinein. Der Druidenpriester gab aus dem, was er aus dem Weltenall ablas, an, was man an diesem oder jenem Tage des Jahres so zu machen habe, daß es in einem günstigen Zusammenhange im ganzen Weltenall drinnensteht. Das war ein Kultus, durch den tatsächlich das ganze Leben eine Art Gottesdienst war. Dagegen ist selbst die mystischste Mystik von heute eine Art Abstraktion, denn sie läßt sozusagen die äußere Natur walten, kümmert sich nicht weiter um sie, sondern schaltet und waltet da nach Traditionen, während sie sich innerlich erhebt, sich möglichst in sich abschließt und in sich konzentriert, um eine abstrakte Beziehung zu einem wolkenkuckucksheimmäßigen Göttlich-Geistigen zu bekommen. Das war allerdings anders in jenen alten Zeiten. Da verband man sich im Kultus, der aber eine reale Beziehung zum Weltenall hatte, mit dem, was die Götter in der Welt schufen und immerfort wirkten. Und als Mensch auf der Erde führte man das aus, was man aus solchen Einrichtungen, wie sie die Druiden hatten, als den Willen der Götter in der Sternenschrift ablas. Aber diese Sternenschrift mußte man erst lesen. Es ist etwas ungeheuer Ergreifendes, gerade dort an Ort und Stelle sich so ganz zurückversetzen zu können in das, was einmal in der Blütezeit der Druidenkultur so gewirkt hat, wie ich es jetzt geschildert habe. Und man findet in jenen Gegenden — auch noch in andern Gegenden bis nach Norwegen hinüber — überall solche Überreste der alten druidischen Kultur.

[ 19 ] So findet man auch wieder in Mitteleuropa, in den Gegenden Deutschlands bis in die Rheingegend, auch bis nach Westfrankreich hinein überall Überreste, Erinnerungen an den alten Mithraskultus. Auch von ihnen will ich nur das Wesentlichste angeben. Sie finden überall als das äußere Symbolum des Mithraskultus den Stier, auf dem der Mensch reitet, der ein Schwert stößt in den Hals des Stieres. Sie finden einen Skorpion, der den Stier beißt, oder die Schlange unten. Sie finden aber überall, wenn die Bilder vollständig sind, dieses Stierbild mit dem Menschen umgeben von dem Sternenhimmel, namentlich mit den Tierkreiszeichen. Wiederum können wir uns fragen: Was drückt eigentlich dieses Bild aus? — Was dieses Bild ausdrückt, wird eine äußere, antiquierte Geschichte niemals erforschen, weil sie nicht die Beziehungen herstellen kann, durch die man darauf kommen kann, was eigentlich dieser Mensch auf dem Stiere bedeutet. Um darauf zu kommen, muß man erst wissen, was diejenigen, die bei diesem Mithraskult dienten, für eine Schulung durchgemacht haben. Die ganze Zeremonie läßt sich natürlich so abwickeln, daß sie eine schöne oder auch meinetwillen eine häßliche Zeremonie ist, und daß man dabei gar nichts irgendwie Vernünftiges herausbekommt. Es konnte auch nur derjenige etwas Vernünftiges herausbekommen, der eine gewisse Schulung durchgemacht hatte, daher sind auch alle die Beschreibungen der Mithrasmysterien trotz des Vielversprechenden, was die Bilder hatten, eigentlich Wischiwaschi. Denn derjenige, der dem Mithraskult dienen wollte, mußte besonders sein Empfindungsvermögen in einer feinen, intimen Weise ausbilden. Darauf kam alles beim Mithrasschüler an, daß er so sein Empfindungsvermögen ausbildete.

[ 20 ] Nun habe ich gestern im öffentlichen Vortrage gesagt, daß das Herz des Menschen eigentlich ein unterbewußtes Sinnesorgan ist. Der Kopf nimmt unterbewußt durch das Herz wahr, was in den physischen Funktionen des Unterleibes und der Brust vorgeht. So wie wir durch das Auge die äußeren Vorgänge in der Sinneswelt wahrnehmen, so ist das Herz des Menschen in Wirklichkeit ein Sinnesorgan mit Bezug auf die angegebenen Funktionen. Der Kopf — namentlich macht es das Kleinhirn — nimmt unterbewußt durch das Herz wahr, wie das Blut sich mit den verarbeiteten Nahrungsmitteln speist, wie die Nieren, die Leber und so weiter funktionieren, was da alles im Organismus vorgeht. Dafür ist für das Obere des Menschen das Herz das Sinnesorgan. Dieses Herz nun als Sinnesorgan zu einer gewissen Bewußtheit heraufzuheben, bildete die Schulung desjenigen, der beim Mithraskult beschäftigt werden sollte. Er mußte eine feine, bewußte Empfindung dafür bekommen, was im menschlichen Organismus in Leber, Nieren, Milz und so weiter vorgeht. Der obere Mensch, der Kopfmensch mußte fein empfinden, was im Brust- und Gliedmaßenmenschen vorgeht. Eine solche Schulung in den älteren Zeiten war nicht eine Verstandesschulung, wie wit sie heute gewohnt sind, sondern eine Schulung des ganzen Menschen, die vorzugsweise auf das Gefühlsvermögen ging. Und wenn dann der Schüler die nötige Reife erlangt hatte, konnte er sagen, so wie wir auf Grund der Wahrnehmung durch äußere Augen sagen, da sind Regenwolken, oder da ist blauer Himmel: Jetzt ist diese Verarbeitungsart in meinem Organismus, jetzt jene Verarbeitungsatt.

[ 21 ] Es ist tatsächlich das, was im menschlichen Organismus vorgeht, nur für den Abstraktling für das ganze Jahr gleich. Wenn einmal die Wissenschaft wieder zu wirklichen Wahrheiten über diese Dinge vorgedrungen sein wird, dann werden die Menschen erstaunen darüber, wie — wenn auch nicht in jener grobklotzigen Art, wie es durch die heutigen Feininstrumente schon erforscht werden kann — in ganz anderer Art für den Menschen festgestellt werden kann, wie sein Blut anders wird, wie er anders verdaut im Januar als im September, so daß das Herz als Sinnesorgan ein wunderbares Barometer ist für den Jahreslauf im menschlichen Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus. Dafür wurde der Mithrasschüler erzogen, in sich selbst den Jahreslauf durch die Herzorganisation wahrzunehmen, durch die Herzwissenschaft, die ihm den Gang der durch die Verdauung metamorphosierten Speise im Organismus überlieferte und der Aufnahme des Verdauten in das Blut. Und in dem, was da wahrgenommen wurde, zeigte sich eigentlich am Menschen, in der Bewegung des inneren Menschen, der ganze Lauf der äußeren Natur.

[ 22 ] Ach, was ist denn unsere abstrakte Wissenschaft, wenn wir noch so genau die Pflanzen und die Pflanzenzellen, die Tiere und die tierischen Gewebe beschreiben, was ist denn diese abstrakte Wissenschaft gegenüber dem, was einmal in einer mehr instinktiven Weise dadurch vorhanden war, daß sich der ganze Mensch zum Erkenntnisorgan machen konnte, daß er wie der Mithrasschüler sein Gefühlsvermögen als Erkenntnisorgan ausbilden konnte. Der Mensch trägt die tierische Natur in sich, und er trägt sie wahrhaftig in einer intensiveren Weise in sich, als man gewöhnlich meint. Und das, was durch ihre Herzwissenschaft die einstigen Mithrasschüler wahrgenommen haben, ließ sich nicht anders darstellen als durch den Stier. Und die Gewalten, die durch den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen wirken und nur gezähmt werden durch den oberen Menschen, diese Gewalten werden durch alles dasjenige angegeben, was da als Skorpion, als die Schlange figuriert um den Stier herum. Und der eigentliche Mensch in seiner Krüppelhaftigkeit sitzt oben mit der primitiven Macht, indem er mit dem MichaelSchwerte in den Hals des Stieres hineinstößt. Aber was da zu besiegen ist, wie es sich darstellt im Jahreslaufe, das wußte eben nur der, der in dieser Beziehung geschult war.

[ 23 ] Und jetzt gewinnt dieses Symbolum erst an Bedeutung. Man kann es mit dem, was der Mensch heute gewöhnlich weiß, noch so viel anschauen oder malerisch darstellen wollen, es kommt nichts dabei heraus. Es kommt erst etwas dabei heraus, wenn man etwas von der Herzwissenschaft der alten Mithrasschüler weiß. Und dann studierte der Mensch aber wirklich, wenn er durch sein Herz sich selber ansah, den Geist des Jahresganges der Sonne durch den Tierkreis. Daher war ganz richtig — und die Erfahrungen macht man auf diese Weise, daß der Mensch als ein höheres Wesen auf seiner niederen Natur reitet — um den Menschen herum im Kreise angeordnet der Kosmos, denn das Geistige des Kosmos erfuhr man auf diese Weise. Es ist wirklich so, daß man, je mehr man durch die wieder heraufkommende Geistwissenschaft hineinschaut in das, was ein altes halbbewußtes, traumhaftes, aber doch Hellsehen zutage gefördert hat, vor diesem einen immer größeren Respekt bekommt. Man wird wirklich andächtig gegenüber den alten Kulten, wenn man in sie eindringt und wiederfinden kann, wenn man tiefer in sie hineindringt, wie der Mithraskult zum Beispiel dazu da war, daß der alte Mithraspriester, indem er in den Jahreslauf eindringen konnte, seiner Gemeinde angeben konnte, was an jedem einzelnen Tage des Jahres zu tun war. So war der Mithraskult dazu da, vom Himmel zu erforschen, was auf der Erde zu geschehen hat. Denken Sie sich nur, was für ein anderer Enthusiasmus, was für eine andere Impulsivität sich ergibt für das, was auf der Erde zu tun ist, wenn man sich auf der Erde fühlt als Tätiger, so daß in diese Tätigkeit die Impulse einströmen, die man durch die große kosmische Schrift erst erforscht hat, die man abgelesen hat aus dem Weltenall, indem man von einem solchen Wissen ausging und mit dem, was sich als Impulse ergab, auf die einzelnen Verrichtungen des Lebens einging. So unsympathisch das uns auch nach heutigen Begriffen sein mag und mit Recht ist, für die alten Begriffe war es gut und das Richtige. Aber man muß, indem man diese Reserve macht, sich klarmachen, was es heißt, vom Himmel abzulesen, was auf der Erde im Menschenleben zu geschehen hat, und sich so mit seinem Göttlichen eins zu wissen, statt im Sinne von Adam Smith oder Karl Marx darüber zu diskutieren, was in bezug auf das soziale Leben zu tun sei. Erst wer sich diese Gegensätze vor die Seele stellen kann, weiß hineinzuschauen in das, was heute notwendig ist an neuen Impulsen für das soziale Leben.

[ 24 ] Erst wenn man sich diese Grundlagen schafft, bekommt man die richtige Seelenverfassung für das Hinausgehen der Erkenntnis von der Erde in den Weltenraum; nicht mehr hinaufzuschauen in der Art, wie man es gewöhnlich macht, zu Merkur, Venus, Saturn und so weiter, indem man bloß die abstrakte Rechnerei oder das Spektroskop gebraucht, sondern diejenigen Mittel dann anzuwenden, die in Imagination, Inspiration und Intuition liegen. Da kommt man dann allerdings dazu, schon von der Imagination an, daß die Himmelskörper etwas ganz anderes werden, als wie sie teilweise durch sinnliche Anschauung, teilweise aber auch nur durch Schlüsse sich der heutigen Astronomie darstellen. Dem heutigen Astronomen stellt sich der Mond zum Beispiel als irgendein schon alt gewordener mineralischer Himmelskörper dar, der wie eine Art Spiegel das Sonnenlicht zurückwirft, das dann unter gewissen Verhältnissen auf die Erde fällt. Um die Wirkungen dieses Sonnenlichtes überhaupt kümmert man sich dann nicht gerade sehr viel. Eine Zeitlang hat man die Dinge auf das Wetter angewendet. Allein an die Beziehungen der Mondphasen zum Wetter haben die ganz Gescheiten des 19. Jahrhunderts selbstverständlich nicht geglaubt; die einen kleinen mystischen Anflug in ihrer Seele hatten, wie zum Beispiel Gustav Theodor Fechner, hatten es aber geglaubt. Ich habe schon öfter in unseren Kreisen die Geschichte erzählt, wie an einer Universität zusammen gewirkt haben Schleiden, der große Botaniker des 19. Jahrhunderts, und Gustav Theodor Fechner, und wie Schleiden es selbstverständlich als einen Aberglauben hingestellt hat, daß Fechner sorgfältig statistisch nebeneinandergestellt hat, wieviel Regenwasser die Vollmondtage und wieviel die Neumondtage ergeben. Für den Professor Schleiden war das, was in bezug auf die Mondwirkungen für das Wetter Gustav Theodor Fechner sagte, ein purer Aberglaube. Aber nun trug sich einmal folgendes zu. Die beiden Professoren hatten auch Frauen, und damals war es in Leipzig noch so, daß man für die Wäsche das Regenwasser sammelte; man stellte dazu Fässer auf, in denen man es sammelte. So sammelten natürlich auch die Frau Professor Fechner und ebenso die Frau Professor Schleiden ihr Regenwasser in solchen Fässern. Wenn es mit natürlichen Dingen zugegangen wäre, dann hätte eigentlich die Frau Professor Schleiden sagen müssen: Es ist eine Dummheit, sich darum zu bekümmern, was für einen Einfluß die Mondphasen auf die Menge des Regenwassers haben. — Aber trotzdem es der Herr Professor Schleiden als eine Dummheit bezeichnete, darüber ernste Erwägungen anzustellen, kam die Frau Professor Schleiden in einen furchtbaren Streit mit der Frau Professor Fechner darüber, daß beide Frauen gleichzeitig an der gleichen Stelle ihre Fässer für das Regenwasser aufstellen wollten. Die Frauen wußten aus ihrer Lebenspraxis heraus, was es mit dem Regenwasser auf sich hat, während die Männer auf ihren Kathedern sich ganz anders gebärdeten.

[ 25 ] Mit dem Äußeren des Mondes ist es also so, wie ich es geschildert habe. Aber besonders wenn man von der Imagination zur Inspiration kommt, stellt sich einem gleich der Mond mit seinem geistigen Inhalte dar. Dieser geistige Inhalt des Mondes ist nun nicht bloß etwas, was man im abstrakten Sinne meint, sondern es ist eine wirkliche Mondenbevölkerung, und der Mond stellt sich in der geisteswissenschaftlichen Anschauung einem dar als eine Art Festung im Kosmos. Nach außen werden vom Monde nicht nur die Lichtstrahlen der Sonne, sondern die äußeren Wirkungen des Universums überhaupt auf die Erde zurückgestrahlt. Aber im Inneren des Mondes ist eine abgeschlossene Welt, eine Welt, die man heute nur erreicht, wenn man in einem gewissen Sinne zum Geistigen aufsteigt. Manches an Andeutungen, die sich in älteren Literaturen über die Beziehungen des Mondes zu anderem Wesenhaften im Kosmos finden, können Sie nachlesen und vergleichen mit dem, was jetzt aus der Anthroposophie heraus über das Wesen des Mondes gesagt werden kann.

[ 26 ] Wir haben öfter gehört, wie man, wenn man in der Erdenentwickelung zurückgeht, zu alten Zeiten kommt, wo die Menschen nicht nur jene instinktive Weisheit gehabt haben, von der ich auch heute schon gesprochen habe, sondern wo sie als Lehrer Wesenheiten hatten, die niemals einen physischen Leib annahmen, höhere geistige Wesenheiten und solche Wesenheiten, die nur einen ätherischen Leib annahmen, deren Unterricht in bezug auf die Menschen darin bestand, daß diese Wesen zu den Menschen nicht sprachen, wie wir heute sprechen, sondern daß sie innerlich den Menschen die Weisheit eingaben, gewissermaßen dem ätherischen Leibe einimpften. Die Menschen wußten, daß diese höheren Wesenheiten da sind, geradeso wie wir wissen, daß irgendein physischer Lehrer oder dergleichen da ist, aber sie wußten auch, daß diese Wesen durchaus in einem Geistdasein um die Menschen herum sind. Auf diesen Unterricht höherer geistiger Wesenheiten führt alles das zurück, was selbst bis in die katholische Kirche hinein anerkannt wird als die Urweisheit der Menschen, jene Urweisheit, die einmal da war, von der selbst die Veden und die hehre Vedantaphilosophie nur schattenhafter Abglanz sind. Jene Urweisheit, die niemals aufgeschrieben ist, war so da, daß sie der Mensch nicht erdachte, sondern daß sie im Menschen erwuchs, denn die Einflüsse der Urlehrer müssen wir uns nicht so vorstellen, daß es ein demonstrierender Unterricht gewesen wäre. Wie wir heute als Kinder die Sprache lernen, nachahmend die älteren Menschen, ohne daß da ein besonderer Unterricht stattfindet, wie wir überhaupt vieles so entwickeln, als wenn es aus unserem Inneren herauswächst, so war in jenen Zeiten ein geheimnisvoller Einfluß der Urlehrer auf diese älteren Menschen vorhanden, nicht ein abstrakter Unterricht, so daß der Mensch sich einfach in einem bestimmten Lebensalter wissend wußte. So wie der Mensch heute in einem bestimmten Lebensalter Zähne bekommt oder geschlechtsreif wird, so ging damals auch das Wissen den Menschen in dieser Weise auf. Mancher Student würde, glaube ich, froh sein, wenn es heute auch noch etwas Derartiges gäbe, daß ihm das Wissen einfach aufginge, ohne daß er sich besonders anzustrengen hätte,

[ 27 ] Aber es war ein ganz anderes Wissen als das heutige. Es war ein Wissen, das organische Kraft im Menschen war, das mit der Wachstumskraft und so weiter zusammenhing. Es war also diese Urweisheit von einem ganz andern Charakter, und das, was da geschah mit Bezug auf diese Urweisheit, kann ich nur durch einen Vergleich darstellen. Denken Sie sich, ich gieße in ein Glas erst irgendeine Flüssigkeit, gebe dann ein Salz hinein. Ich löse das Salz auf, so daß ich eine trübliche Flüssigkeit habe, dann mache ich irgend etwas, daß sich das Salz unten als Bodensatz niederschlägt und oben die Lösungsflüssigkeit übrigbleibt, dann ist die Lösungsflüssigkeit oben reinlicher, heller, und unten ist der Bodensatz dichter. Wenn ich nun das, was die Menschen durchwoben hat während der Zeit der alten Urweisheit, schildern will, so ist es so gemischt aus dem geistig ganz Reinen und dem physisch Animalischen. Wenn wir heute denken, so glauben wir, daß diese abstrakten Gedanken so, ohne irgend etwas zu sein in uns, walten und weben, und daß wiederum etwas für sich zum Beispiel das Atmen und die Blutzirkulation ist. Aber das war für den Urmenschen in den früheren Erdenzeiten alles eines: er mußte atmen, und sein Blut zirkulierte in ihm, und er wollte in der Blutzirkulation. Dann zog sich das Denken des Menschen mehr nach dem Kopfe herauf und wurde reinlicher, wie in dem Glase die dünner gewordene Flüssigkeit oben, und unten bildete sich sozusagen der Bodensatz.

[ 28 ] Das war zu der Zeit, als sich die Urlehrer immer mehr und mehr zurückzogen von der Erde, als diese Urweisheit nicht mehr in dieser alten Art gegeben wurde. Und wohin zogen sich diese Urlehrer zurück? Wir finden sie in dieser Mondenfestung wieder! Dadrinnen sind sie und führen ihr weiteres Dasein. Und auf der Erde blieb der Bodensatz zurück, nämlich die jetzige Art der Fortpflanzungskräfte. Diese Fortpflanzungskräfte waren noch nicht in der heutigen Form da, als die Urweisheit auf der Erde vorhanden war, sie sind erst so geworden, gewissermaßen als der Bodensatz. Ich will nicht sagen, daß sie etwas Schlechtes sind, aber es ist in diesem Zusammenhange der Bodensatz. Und das, was oben gewissermaßen die Lösungsflüssigkeit ist, ist heute unsere abstrakte Weisheit. So daß wir da sehen, wie mit der Entwickelung der Menschheit auf der einen Seite das mehr Geistige, im abstrakten Sinne, heraufkommt, und wie auf der andern Seite die gröberen animalischen Dinge als Bodensatz sich ergeben. Auf diese Weise bekommt man nach und nach eine Vorstellung von dem geistigen Inhalt des Mondes. Solch eine Wissenschaft war aber — dazumal hatte sie einen mehr prophetischen Charakter — in dem instinktiven Hellsehen der Menschen schon vorhanden.

[ 29 ] Geradeso wie man vom Monde in dieser Art spricht, indem man, ich möchte sagen, auf seine Bevölkerung, auf sein Geistiges hinweist, so kann man auch vom Saturn sprechen. Lernt man durch geisteswissenschaftliche Anstrengung den Saturn kennen, was sich auch schon der Imagination ein wenig, aber nicht viel, mehr aber der Inspiration und Intuition ergibt, so ergibt sich dadurch, daß man sich immer mehr und mehr so vertieft in das Weltenall, daß man verfolgt den sinnlichen Wahrnehmungsprozeß. Der Mensch erlebt diesen sinnlichen Wahrnehmungsprozeß, er sieht irgendein Ding, fühlt dann an dem Ding das Rot. Das ist noch etwas ganz anderes, als wenn man durch die angegebenen Methoden, die Sie in meinen Büchern beschrieben finden, aus dem physischen Leibe herauskommt und dann anschauen kann, wie ein äußerer Gegenstand auf den menschlichen physischen Organismus wirkt, wie da, von innen aufsteigend, die Ätherkräfte dasjenige erfassen, was als physischer Vorgang, als physisch-chemischer Vorgang zum Beispiel im Auge beim Wahrnehmungsprozeß sich abspielt. Ich möchte sagen, das gewöhnliche SichExponieren der Welt in der Wahrnehmung, auch in der wissenschaftlichen Beobachtung, es rührt nicht sehr den Menschen. Wenn man aber auf diese Weise aus sich heraustritt und dann sich vor sich hat in seinem ätherischen Leibe, mit dem Astralischen vielleicht noch, und dann nachträglich sieht, wie ein solcher sinnlicher Wahrnehmungsoder Erkenntnisvorgang zustande gekommen ist, trotzdem man als geistiges Wesen aus seinem Physisch-Sinnlichen herausgetreten ist, dann fühlt man einen mächtigen, einen intensiven Vorgang in seiner Geistigkeit: Was man da erlebt, ist ein wirkliches Entrücktsein. Die Welt wird groß. Und was man sonst gewohnt ist, nur im äußeren Umkreis zu sehen, den Tierkreis in seinen äußeren Sternbilderoffenbarungen, das entsteht als etwas, was von innen aufsteigt. Wer da etwa sagen würde: In dem, der so spricht, steigen Reminiszenzen auf-, der kennt den betreffenden Vorgang nicht. Denn das, was da aufsteigt, sind wahrhaftig keine Reminiszenzen, sondern das sind mächtige, von Intuitionen durchzogene Imaginationen, und man beginnt dann das, was man sonst nur von außen gesehen hat, jetzt von innen zu sehen. Man wird als Mensch in die ganzen Geheimnisse des Tierkreises verwoben. Und aus dem Inneren des Universums, wenn man den günstigen Augenblick erfaßt, kann einem dann auch innerlich zum Beispiel das Saturngeheimnis aufleuchten in seinem Vorübergange über die Tierkreisbilder. Das Lesen im Kosmos besteht darin, daß man die Methoden findet, aus den innerlich gesehenen Himmelskörpern in ihrem Vorbeigang an den Tierkreisbildern zu lesen. Das, was einem der einzelne Planet sagt, gibt einem die Vokale der Weltenschrift. Und was sich um die Vokale herumgestaltet, wenn die Planeten vorüberziehen an den Tierkreisbildern, das gibt die Konsonanten, wenn ich mich vergleichsweise ausdrücken darf. Man lernt tatsächlich das Wesen des Planetarischen kennen, wenn man so von innen heraus sich eine Anschauung von demjenigen erobert, was man sonst nur in seiner Außenseite schaut.

[ 30 ] Das ist der Weg, um zum Beispiel den Saturn nach seiner wahren inneren Wesenheit kennenzulernen. Da ergibt sich einem dann: Da ist seine Bevölkerung, sie ist die Gedächtnisbewahrerin unseres Planetensystems. Alles, was in unserem Planetensystem seit Urzeiten geschehen ist, bewahren wie in einem mächtigen kosmischen Gedächtnis die Saturngeister. Wer daher studieren will, was der geschichtliche, der große kosmisch-geschichtliche Verlauf unseres Planetensystems ist, darf wahrlich nicht darüber spekulieren, wie es Kant und Laplace gemacht haben, daß da einmal ein Urnebel war, der sich verdichtete und in spiralige Bewegung gekommen ist, von dem dann die Planeten sich abspalteten und die Sonne in der Mitte blieb, um die nun die Planeten kreisen. Ich habe schon öfter darüber gesprochen und gesagt: Es ist schön, wenn man den Kindern das Experiment vormacht, bei welchem man einen in einer Flüssigkeit schwimmenden Öltropfen hat, durch ein Kartenblatt von oben eine Nadel durchsteckt, nun den Öltropfen in eine drehende Bewegung bringt, so daß kleinere Öltropfen sich von ihm loslösen. Es mag sonst gut sein im Leben, wenn man sich vergißt. Aber man darf in einem solchen Falle nicht vergessen, was man im Experiment selbst macht, daß man nämlich selbst erst den Öltropfen in die drehende Bewegung gebracht hat. Und man müßte dementsprechend bei der Kant-Laplaceschen Theorie den Drehenden nicht vergessen, müßte ihn ins Weltenall hinausversetzen, sich dort einen großen, mächtigen «Herrn Lehrer» denken, der da die Stecknadel dreht. Dann hätte man wahr und ehrlich gesprochen. So aber, wie die Wissenschaft heute von diesen Dingen spricht, so spricht sie eben nicht ehrlich.

[ 31 ] Ich schilderte Ihnen, wie man dazu kommt, in Wirklichkeit zu sehen, was in den Planeten, was in den Himmelsgebilden überhaupt lebt. Am Saturn muß man studieren, wie das Planetensystem in seinem kosmisch-historischen Werden beschaffen ist. Eine geistige Wissenschaft also kann erst wiederum dasjenige in der menschlichen Seelenverfassung geben, was dem Menschen wie eine kosmische Erfahrung vorkommen kann. Wir sprechen heute eigentlich nur von irdischen Erfahrungen. Kosmische Erfahrung führt uns hinaus zu einem Miterleben des Kosmos. Und erst wenn wir den Kosmos so miterleben, dann werden wir wiederum einen vergeistigten, spirituellen Instinkt dafür bekommen, was der Jahreslauf ist, in den wir mit unserem organischen und mit unserem sozialen Leben hineinverwoben sind. Wir werden einen Instinkt dafür bekommen, wie doch die Erde in einem ganz andern Verhältnis zum Kosmos steht im Frühling zum Sommer hin, und wiederum in einem andern Verhältnisse steht vom Sommer zum Herbst in den Winter hinein. Dann werden wir einen Sinn bekommen, wie das Leben auf der Erde anders dahinfließt, wenn der Frühling mit seinem Sprießenden und Sprossenden da ist, und wie es anders verläuft, wenn der Herbst mit seinem Ertötenden in der Natur da ist. Wir werden einen Sinn bekommen für den Unterschied des aufwachenden Naturlebens im Frühling von dem schlafenden Naturdasein im Herbst. Dadurch wird der Mensch wiederum reif werden, sich mit seinen Festen, die eine soziale Bedeutung haben können, in den Naturlauf so hineinzustellen, wie ihn die Naturkräfte durch seine physische Organisation hineinstellen in seinen Atmungsablauf und seine Blutzirkulation.

[ 32 ] Schauen wir auf das hin, was innerhalb unserer Haut ist, so leben wir da in Atmung und Blutzirkulation. Was wir da sind, das sind wir als physische Menschen, gehören mit dem, was da in uns vorgeht, dem Weltenlauf an. Da leben wir aber nach außen ebenso hineinverwoben in das äußere Naturdasein, wie wir nach innen verwoben sind in unsere Atmung und unsere Blutzirkulation. Und was ist denn der Mensch in Wahrheit in seinem Bewußtsein? Ja, er ist eigentlich ein Regenwurm, aber noch dazu ein solcher Regenwurm, für den es nie regnet. Es ist so schön, wenn man in gewissen Gegenden geht, wo es viel regnet, da kommen dann die Regenwürmer heraus, und man muß sich dann in acht nehmen, was man ja tut, wenn man ein Tier liebt, daß man sie nicht zertritt. Und man denkt sich dann, die armen Kerle müssen immer da unten sein, nur beim Regen kommen sie einmal aus der Erde heraus, und wenn es nicht regnet, dann bleiben sie unten. Aber ein solcher Regenwurm ist der heutige materialistische Mensch, nur einer, für den es nie regnet. Denn wenn wir den Vergleich festhalten wollen, müßte für ihn der Regen in dem Hereinglänzen der geistigen Erkenntnis bestehen, denn sonst wurmt er immer da unten herum, wo es nie Licht wird. Diese Regenwurmnatur muß die Menschheit heute überwinden. Sie muß aus ihr heraus, muß an das Licht, an das Geisteslicht des Tages. Und der Ruf nach dem Michael-Fest ist der Ruf nach dem Geisteslicht des Tages.

[ 33 ] Auf das wollte ich Sie hinweisen, bevor ich über die Dinge sprechen kann, die ein Michael-Fest als ein besonders bedeutungsvolles, auch sozial bedeutungsvolles Fest inaugurieren können.