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The Rudolf Steiner Archive

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The Human Soul in Its Relationship to Divine-Spiritual Individualities
GA 224

28 April 1923, Prague

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6. Drei Etappen des Erwachens der menschlichen Seele

6. Three Stages of the Awakening of the Human Soul

[ 1 ] Heute möchte ich esoterisch einiges hinzufügen dem, was ich gestern im öffentlichen Vortrag sprechen durfte. Geradezu eine Art esoterischer Ergänzung soll es sein, was ich heute zu Ihnen sprechen möchte. Wenn der Mensch aus jenem Dasein, das ich gestern das vorirdische genannt habe, zuerst durch das Keimesleben hereinwächst in das physisch-irdische Dasein, so sehen wir, wie in diesem physischen Dasein das Geistig-Seelische, das im Anfang verborgen ist, sich aus dem physischen Leibe heraus geltend macht, wie das Kind gleichsam hereinschiäft in die physische Erdenwelt. Wir sehen, daß das Leben des Kindes im Verhältnis zur Umwelt geradezu noch eine Art Träumen ist, daß es allmählich erst erwacht. Dreierlei aber finden wir, das an besonders hervorragenden Punkten die Stufen dieses Erwachens darstellt. Von diesem Dreierlei wird einiges mit jener innigen Freude beobachtet, mit jener hingebungsvollen Liebe, mit der man das Kind, wenn man ein voller Mensch ist, immer beobachtet. Aber die volle Bedeutung dieser Dreiheit geht einem eigentlich erst auf, wenn man durch Geisteswissenschaft das geistig-seelische Leben im physisch-leiblichen Dasein beobachten kann. Diese Dreiheit ist das Gehenlernen, das Sprechenlernen und das Denkenlernen. Sie wissen, in einem wie frühen Lebensalter der Mensch diese Dreiheit durchmacht. So ist nämlich die sinngemäße Reihenfolge. Wir werden gleich sehen, warum diese sinngemäße Reihenfolge so sein muß. Sie kann anders sein, das Naturgemäße ist aber doch diese Reihenfolge.

[ 1 ] Today I would like to add a few esoteric points to what I was able to speak about yesterday in the public lecture. What I would like to share with you today is intended to be a kind of esoteric supplement. When the human being, emerging from that existence I called “pre-earthly” yesterday, first grows into physical-earthly existence through the embryonic life, we see how, within this physical existence, the spiritual-soul aspect—which is hidden at the beginning—asserts itself out of the physical body, just as the child, so to speak, bursts into the physical earthly world. We see that the child’s life, in relation to its surroundings, is still, in a sense, a kind of dreaming; that it is only gradually awakening. We find, however, three aspects that represent the stages of this awakening at particularly significant points. These three aspects are observed with that heartfelt joy, with that devoted love, with which one always observes a child when one is a fully developed human being. But the full significance of this triad only truly becomes clear when, through spiritual science, one is able to observe the spiritual-soul life within physical-bodily existence. This triad consists of learning to walk, learning to speak, and learning to think. You know at what early age a human being goes through this triad. For this is, in fact, the logical sequence. We will see shortly why this logical sequence must be this way. It could be different, but this sequence is the one that is natural.

[ 2 ] Das Gehenlernen ist etwas, was nur in ganz einseitiger Weise auf eine Reihe von Dingen hinweist, welche sich das Kind zugleich aneignet. Das Kind tritt ja so in die Welt, daß es in einer ganz andern Gleichgewichtslage darin ist als derjenigen, in der es sich später in der Welt bewegt. Zugleich ist damit der richtige Gebrauch der Arme verknüpft, auch die richtige Einstellung des menschlichen Organismus in die Lage, die dem Menschen gegenüber der Welt die entsprechende ist, in die dem Menschen entsprechende Bewegungsfähigkeit im irdischen Dasein. Das ist, was das Kind zunächst lernen muß. Aus dem, was sich da der Mensch an Beweglichkeit aus seinem Organismus aneignet, fließt, was ihn einordnet in die Gleichgewichtslage gegenüber dem Festen, Flüssigen, Gasförmigen. In alledem liegt die Grundlage, der Boden für etwas anderes. Indem der Mensch diese ganze Betätigung vornimmt, das Gehenlernen, das Gleichgewicht, die Arme und Finger gebrauchen lernt, wirken jene Bewegungen, die in seinem ganzen System sich vollziehen, herauf in dasjenige System, das der menschlichen Sprache zugrunde liegt. Das spannt die Muskeln an, das bewegt das Blut, übt einen Einfluß auf den ätherischen Leib des Menschen aus, überträgt sich auf jene physischen, ätherischen, astralischen Organe der Atmung, das setzt sich fort, übt eine gewisse plastische Tätigkeit an dem Gehirn aus. Man möchte sagen, es überträgt sich auf diejenigen Organe, die aus dem Menscheninneren durch Nachahmung seiner Umgebung die Sprache herausbringen. Die Sprache ist umgesetzte Bewegung und umgesetztes Gleichgewicht des Menschen. Wer sich aus der Anschauung des Geistig-Seelischen die Wirklichkeit zur Erkenntnis bringen kann, sieht, wie im melodiösen Element der Sprache weiterwirkt die Geschicklichkeit — nicht die fertige, sondern die Anstrengung, die das Kind machen muß, um jene Geschicklichkeit zu erwerben, die unsere Hand beim Greifen ausübt. Was Rhythmus der Sprache ist, drückt sich aus in der Art, wie die Füße aufgesetzt werden, in den Gehbewegungen. Es ist sehr bedeutungsvoll zu beobachten, ob das gehenlernende Kind zuerst mit den Fersen, den Ballen oder den Zehen auftritt. Aus der Sprache wächst heraus, was aus dem Menschen herausschießt als kindliches Denken. Gehen, Sprechen, Denken: aus jenem dumpfen, traumhaften Bewußtseinszustand entwickelt sich das heraus. Wenn der Mensch geboren worden ist und das noch nicht kann, so ist diese Kraft doch im Kinde vorhanden in der letzten Nachwirkung, so wie sie im vorirdischen Dasein vorhanden ist. Geisteswissenschaft kann uns zeigen, wie das im vorirdischen Dasein vorhanden ist. Die ersten Sprachlaute sind nicht solche, welche Denken wiedergeben, sondern gehen hervor aus dem körperlichen Wohl- oder Mißbehagen.

[ 2 ] Learning to walk is something that, in a very one-sided way, points to a number of things that the child is acquiring at the same time. After all, the child enters the world in a state of balance that is entirely different from the one in which it later moves through the world. At the same time, this is linked to the proper use of the arms, as well as the proper alignment of the human organism in the posture that corresponds to the human being’s relationship to the world—the mobility appropriate to human existence on earth. This is what the child must first learn. From the mobility that the human being acquires through his or her organism flows what places him or her in a state of equilibrium in relation to solids, liquids, and gases. In all of this lies the foundation, the groundwork for something else. As the human being engages in all these activities—learning to walk, maintaining balance, and learning to use the arms and fingers—the movements taking place throughout the entire system radiate upward into the system that underlies human speech. This tenses the muscles, sets the blood in motion, exerts an influence on the human etheric body, and is transmitted to the physical, etheric, and astral organs of respiration; this process continues and exerts a certain formative activity on the brain. One might say that it is transmitted to those organs that, from within the human being and through imitation of the surroundings, produce language. Speech is the transformed movement and transformed balance of the human being. Anyone who can come to an understanding of reality through an insight into the spiritual-soul aspect sees how dexterity continues to work within the melodious element of speech—not the finished dexterity, but the effort the child must make to acquire the dexterity that our hand exercises when grasping. What constitutes the rhythm of language is expressed in the way the feet touch the ground, in the movements of walking. It is very significant to observe whether a child learning to walk first steps down with the heels, the balls of the feet, or the toes. What springs forth from the human being as childlike thinking grows out of language. Walking, speaking, thinking: these develop out of that dull, dreamlike state of consciousness. When a human being is born and cannot yet do these things, this power is nevertheless present in the child as a residual effect, just as it is present in pre-earthly existence. Spiritual science can show us how this is present in pre-earthly existence. The first sounds of speech are not those that express thought, but arise from physical comfort or discomfort.

[ 3 ] Wie hat sich nun Gehen, Sprechen, Denken ausgenommen im vorirdischen Dasein? Wer die Äußerungen dieses Denkens sieht, so wie es ausfließt aus dem Kinde, indem er es rückläufig betrachtet, dem verschwindet es in einem unbestimmten Dunkel. Es taucht ihm erst wieder auf in der letzten Zeit vor der irdischen Geburt. Da schaut man die geistig-seelische Wesenheit des Menschen in einem geistigen Verkehr mit jener Schar von Wesenheiten, die ich beschrieben habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» als Angeloi. Es ist ein Verkehr, der sich so charakterisieren läßt, daß man sagt: Da werden Gedanken nicht abstrakt gedacht und ausgesprochen, sondern es fließt ein lebendiger Gedankenstrom hin und her von Wesenheit zu Wesenheit; ein lebendiger Verkehr mit den Angeloi entsteht. Aus dem, was in die menschliche Seele an Kraft eingeflossen ist, entwickelt sich etwas, was vom Menschen wie verschlafen wird im Keimesleben, das sich aber später auftretend als Kraft des Denkens, des Vorstellens zeigt. Und wir haben dieses, um zum richtigen Verkehr mit den Menschen zu kommen. Denken Sie, was wir wären, wenn wir keine denkenden Wesen wären, was wir wären als Menschen untereinander! Alles, was wir als Menschen untereinander sind, sind wir dadurch, daß wir denkende Wesen sind. Hier auf der Erde verständigen wir uns als Mensch zu Mensch durch das Denken, das wir in die Sprache hineinlegen. Diese Art, wie wir uns hier durch das Denken verständigen, diese Art haben wir aus dem vorirdischen Verkehr mit den Engeln. Da können wir allerdings jenen Verkehr, wie mit den Engeln, auch mit den andern Menschen pflegen, die im vorirdischen Dasein sind; das nimmt sich aus wie eine unmittelbare Gedankensprache. Erhaben darüber ist aber der Verkehr mit der Hierarchie der Engel, denn der gibt nicht nur Befriedigung für die Seele, sondern Kraft, die wiedererscheint im Denken, welches das Kind auf der dritten Stufe seines irdischen Lebens sich aneignet.

[ 3 ] What, then, were walking, speaking, and thinking like in pre-earthly existence? Anyone who observes the expressions of this thinking—as it flows from the child—by looking at it retrospectively, sees it vanish into an indefinite darkness. It only reappears to them in the final period before earthly birth. There one sees the spiritual-soul being of the human being in spiritual communion with that host of beings whom I have described in my *Outline of Esoteric Science* as Angeloi. It is a communion that can be characterized as follows: Thoughts are not conceived and expressed abstractly, but rather a living stream of thought flows back and forth from being to being; a living communion with the Angeloi arises. From the power that has flowed into the human soul, something develops that is, as it were, slumbering within the human being during embryonic life, but which later manifests as the power of thought and imagination. And we possess this in order to achieve proper communion with one another. Consider what we would be if we were not thinking beings—what we would be as human beings in relation to one another! Everything we are as human beings in relation to one another, we are precisely because we are thinking beings. Here on Earth, we communicate from human to human through the thinking we express in language. This way in which we communicate here through thinking stems from our pre-earthly interaction with the angels. Indeed, we can cultivate this same kind of interaction—as we do with the angels—with other human beings who are in their pre-earthly existence; this takes the form of a direct language of thought. But communication with the hierarchy of angels is even more sublime, for it provides not only satisfaction for the soul but also strength that reappears in the thinking which the child acquires on the third stage of its earthly life.

[ 4 ] Sehen wir nun auf die zweite Stufe, auf die Sprache. Sie ist nicht so sehr gebunden nur an das Sinnes-Nervensystem wie das Denken. Die Sprache ist gebunden an das Brustsystem, das rhythmische System des Menschen, an das, was sich auslebt in der Atmung, in der Blutzirkulation. Wenn wir das, was sich da dem Kind entringt, die äußere Welt nachahmend in der Sprache, zurückverfolgen bis in das vorirdische Dasein, dann finden wir, daß der Mensch diese Kräfte aus jenem Verkehr hat, den er im vorirdischen Dasein pflegen durfte mit der zweiten Hierarchie, den Erzengeln, den regierenden Wesenheiten der Volksstämme, die diese Aufgabe haben, eben weil sie mit dem Menschen die Beziehung haben, die jetzt gekennzeichnet wurde. Diese Kräfte, die der Mensch bekommt im Verkehr mit den Erzengeln, sie tauchten unter in die Nacht und kommen erst wieder zum Vorschein in den Kräften des irdischen Sprachlebens, durch das wir uns mit andern Menschen verständigen. Was wären wir als Menschen untereinander ohne Sprache, wenn wir nicht das Ätherische der Gedankenwellen hineingießen könnten in die gröberen Luftwellen, die die Sprache vermitteln! Die Kräfte, die bewirken, daß unser rhythmisches System der 'Träger einer dichteren Offenbarung wird, haben wir von der Hierarchie der Archangeloi. Und so können wir das verfolgen, indem wir zurückgehen zum vorirdischen Dasein. Wir können nicht nur im Abstrakten sagen, der Mensch lebt da zwischen geistigen Wesenheiten-, sondern wir können in ganz bestimmter Form sagen, was uns diese oder jene Art von Wesen für eine Gabe für das Erdenleben verliehen hat. Wir danken diesen Geistwesen, das heißt, wir setzen uns zu diesen Wesenheiten in ein richtiges Verhältnis, wenn wir sagen: Für mein Denken danke ich den Angeloi, für die Sprache danke ich den Archangeloi.

[ 4 ] Let us now turn to the second level: language. It is not as closely bound to the sensory-nervous system as thought is. Language is connected to the chest system, the human rhythmic system, to that which expresses itself in breathing and in blood circulation. If we trace back what emerges from the child—language that imitates the outer world—all the way to pre-earthly existence, we find that human beings derive these forces from the communion they were able to cultivate in their pre-earthly existence with the second hierarchy—the archangels, the ruling beings of the tribal peoples—who have this task precisely because they share with human beings the relationship that has just been described. These powers, which human beings receive through their communion with the archangels, sank into the night and only reemerge in the powers of earthly language, through which we communicate with one another. What would we be as human beings without language, if we could not pour the ethereal nature of thought waves into the coarser air waves that convey language! The forces that cause our rhythmic system to become the “bearer of a denser revelation” come to us from the hierarchy of the Archangels. And so we can trace this by going back to pre-earthly existence. We cannot merely say in abstract terms that human beings live among spiritual beings—rather, we can state in a very specific way what gift this or that kind of being has bestowed upon us for our earthly life. We thank these spiritual beings—that is, we establish a proper relationship with these beings—when we say: “For my thinking, I thank the angels; for speech, I thank the archangels.”

[ 5 ] Gehen wir nun zurück zum ersten, was das Kind lernt: zum Gehen, zum Lernen der Gleichgewichtshaltung. Damit ist mehr verbunden, als man gewöhnlich denkt. Verbunden ist damit das Heraufholen eines ganz bestimmten physischen Vorganges durch das Ich, der den Menschen aus dem kriechenden zu einer gehenden Wesen macht. Das Ich ist es, das den Menschen aufrichtet, der Astralleib ist es, der in die Sprachempfindung hineinwirkt in dem aufrechten Wesen, der ätherische Leib ist es, der das alles mit Denkkraft durchdringt. Sie wirken aber alle hinein in den physischen Leib. Wenn wir das Tier betrachten, das sein Rückgrat parallel zur Erdoberfläche hat, so ist das Tun, das Sich-Bewegen, Handeln, alles, was aus dem Astralen hervorgeht, etwas ganz anderes als beim Menschen, der als ein wollendes Wesen aus seiner aufrechten, senkrechten Natur heraus handelt. Was beim Menschen Zustände sind, die sich so im Ich, Astralleib und Ätherleib abspielen, das ist im physischen Leibe eine Art Verbrennungsprozeß. Hier ist der Punkt, wo unsere physische Wissenschaft, wenn sie sich wird vervollkommnen wollen, den Zusammenschluß mit Anthroposophie wird finden können.

[ 5 ] Let us now return to the very first thing a child learns: walking, and learning to maintain balance. There is more to this than one usually realizes. It involves the “I” bringing about a very specific physical process that transforms a human being from a crawling creature into a walking one. It is the “I” that raises the human being to an upright posture; it is the astral body that influences the sense of language in the upright being; and it is the etheric body that permeates all of this with the power of thought. But they all act upon the physical body. When we consider the animal, whose spine runs parallel to the earth’s surface, its activity—its movement, its actions, everything that arises from the astral—is something entirely different from that of the human being, who, as a willing being, acts out of his upright, vertical nature. What in humans are states that unfold in this way within the “I,” the astral body, and the etheric body is, in the physical body, a kind of combustion process. This is the point where our physical science, if it wishes to perfect itself, will be able to find a connection with anthroposophy.

[ 6 ] Man muß sagen: Die Verbrennungsprozesse beim Menschen sind ganz andere als beim Tier. Wenn die Flamme des organischen Wesens horizontal wirkt, vernichtet sie das, was aus dem Gewissen kommt, es kann nicht hereinwirken, was aus dem Moralischen kommt vom Gewissen. Daß sie beim Menschen durchströmt wird vom Gewissen, beruht darauf, daß die Willensflamme beim Menschen senkrecht auf dem Erdboden steht. In diesen Einschlag des Moralischen, des Gewissenhaften, versetzt sich das Kind ebenso wie in die äußere physische Gleichgewichtslage. Mit dem Gehenlernen schießt in den Menschen hinein die moralische Menschennatur, ja sogar das religiöse Durchsetztsein der Menschennatur. Das sind wahrhaft erhabene Kräfte, die da einwirken, wenn das Kind übergeht aus der kriechenden in die gehende Bewegung. Diese Kräfte, wenn wir sie zurückverfolgen durch das Dunkel des Kindesbewußtseins, sie führen uns zu einem noch höheren Umgang des Menschen mit den Wesenheiten, die wir Urkräfte, Archai nennen. Das alles wirkt nach, was der Mensch im vorirdischen Dasein durchgemacht hat. Wenn wir der gebetsartigen Formel: Für mein Denken danke ich den Angeloi, für die Sprache danke ich den Archangeloi — hinzufügen wollen ein drittes, so müssen wir sagen: Für mein Hineingestelltsein in das irdische Dasein nach physischen und moralischen Kräften danke ich den Archai, die es von noch höheren Wesenheiten haben.

[ 6 ] It must be said: The processes of combustion in humans are entirely different from those in animals. When the flame of the organic being acts horizontally, it destroys what arises from the conscience; what arises from the moral realm of the conscience cannot take effect. The fact that it is permeated by the conscience in human beings is due to the fact that the flame of the will stands vertically on the ground in human beings. The child enters into this influence of the moral, of the conscientious, just as it does into the outer physical state of balance. As the child learns to walk, moral human nature—indeed, even the religious permeation of human nature—surges into the human being. These are truly sublime forces at work when the child transitions from crawling to walking. If we trace these forces back through the darkness of the child’s consciousness, they lead us to an even higher level of human interaction with the beings we call primordial forces, the Archai. All of this is a continuation of what the human being experienced in pre-earthly existence. If we wish to add a third element to the prayer-like formula: “For my thinking I thank the Angeloi; for speech I thank the Archangeloi”—we must say: “For my placement within earthly existence, endowed with physical and moral powers, I thank the Archai, who have received these from even higher beings.”

[ 7 ] Und nun können wir uns die Frage beantworten: Wie kommt es, daß der Mensch, der ein Helligkeitsbewußtsein hatte vor der Geburt, dann ein dumpfes Bewußtsein hereinbringt? Ja, darin taucht dasjenige unter, was wir zusammenfassen können unter den Begriff Geh.kräfte, Sprachkräfte, Denkkräfte, die wir von den höheren Hierarchien hereinbekommen haben, um sie zu verwandeln. Wir sehen daher, wie das, was uns zu Menschen macht, wodurch wir Menschen unter Menschen sind, uns im Zusammenhang mit den höheren göttlich-geistigen Welten zeigt. Diese göttlich-geistigen Welten betreten wir während des irdischen Lebens in gewisser Weise immer wieder von neuem. Es ist so, daß wir uns sagen müssen: Für die eigentliche Wesenheit des Menschen ist der Schlafzustand, aus dem ja die Träume hervorspielen, zum mindesten von einer ebenso großen Wichtigkeit wie der Wachzustand. Wenn der Mensch aus dem wachen Zustand in den Schlafzustand übergeht, beginnen ja gerade diese drei Fähigkeiten zu schweigen, die sich der Mensch in der geschilderten Weise angeeignet hat. Es schweigt das Vorstellen, das Sprechen und Tun. Da sehen wir allerdings, wie der Mensch, indem das Denken schweigt, wenn wir einschlafen, in demselben Maße, in dem seine Gedanken aus seinem Bewußtsein schwinden, in die Nähe der Angeloi kommt, und wie er, wenn die Sprechfähigkeit aufhört, in die Nähe der Archangeloiwesenheiten kommt. In dem Maß, wie der Mensch vollständiger Ruhe hingegeben ist, kommt er durch Stillegung seines Tuns in die Nähe der Archaiwesen, der Urkräfte.

[ 7 ] And now we can answer the question: How is it that a human being, who had a consciousness of light before birth, then brings a dull consciousness into the world? Yes, it is in this process that what we can summarize under the terms “powers of movement,” “powers of speech,” and “powers of thought”—which we have received from the higher hierarchies in order to transform them—is submerged. We thus see how that which makes us human—that which distinguishes us as human beings among human beings—reveals itself to us in connection with the higher divine-spiritual worlds. In a certain sense, we enter these divine-spiritual worlds again and again anew during our earthly life. The fact is that we must tell ourselves: For the very essence of the human being, the state of sleep—from which dreams emerge—is at least as important as the waking state. When a person transitions from the waking state to the sleeping state, it is precisely these three faculties—which the person has acquired in the manner described—that fall silent. Imagination, speech, and action fall silent. Here, however, we see how, as thinking falls silent when we fall asleep—to the same extent that our thoughts fade from our consciousness—we draw near to the Angeloi, and how, when the ability to speak ceases, we draw near to the Archangeloi beings. To the extent that a human being is surrendered to complete stillness, he or she, through the cessation of action, draws near to the Archai, the primordial forces.

[ 8 ] Um was es sich aber handelt, das ist, daß wir in würdiger Weise in die Nähe dieser drei Hierarchien kommen gerade im schlafenden Zustand; daß wir in würdiger Weise in die Nähe der Angeloi, Archangeloi und Archai kommen. Hier ist der Punkt, wo man insbesondere reden müßte zu den Menschen der Gegenwart, denn es hängt da sehr viel davon ab, wie das Denken während des Wachens sich gestaltet, wie wir in die Nähe der Angeloi kommen. Es hängt ab von der Art, wie der Mensch seine Sprachkräfte in würdiger Weise gebraucht, ob er in würdiger Weise in die Nähe der Archangeloi kommt. Von der Art, wie er in richtiger Weise seine Bewegungsfähigkeit und seinen moralischen Sinn gebraucht, hängt ab, ob er in würdiger Weise in die Nähe der Archai kommt.

[ 8 ] But what this is all about is that we come into the presence of these three hierarchies in a worthy manner precisely while we are asleep; that we come into the presence of the Angeloi, Archangeloi, and Archai in a worthy manner. This is the point where we should speak in particular to the people of the present, for a great deal depends on how our thinking takes shape while we are awake—on how we draw near to the angels. It depends on the way a person uses their powers of speech in a worthy manner whether they come into the presence of the Archangels in a worthy manner. It depends on the way they correctly use their motor abilities and their moral sense whether they come into the presence of the Archai in a worthy manner.

[ 9 ] Wir leben in einer Zeit, wo die Menschen nicht mehr gerne in ihrem Denken etwas haben möchten, was über die physische Welt hinausgeht, wo sie angeregt sein wollen durch die äußere Welt. Ein selbständiges, reines Denken, wie ich es als Grundlage für moralische Einsicht in der «Philosophie der Freiheit» schon vor dreißig Jahren gefordert habe, sucht man und erzeugt man bei den heutigen Kindern leider recht wenig. Aber durch ein solches Denken, das noch Goethe und Schiller ein idealistisches genannt hätten, reißt sich der Mensch los von der bloßen Wachenswelt im irdischen Dasein und behält etwas übrig für den Schlafzustand. So viel Kräfte haben wir, um uns im Schlafe den Angeloi zu nähern, als Idealismus in unserem Denken ist. Und so viel Ohnmacht haben wir zu den Schritten, die wir machen müßten zu den Angeloi hin, als Materialismus in unserem Denken wirkt. Es ist in demselben Sinne zu bemerken, wie jene Menschen während des Schlafes ahrimanischen Elementarwesen verfallen, zu denen sich dann ihr Denken wenden muß, die nicht durch Idealismus, den sie im Wachen entwickeln, die Kräfte finden, in die Nähe der Angeloiwesenheiten zu kommen. Es ist ja so schön, wenn das Kind so unmittelbar denken gelernt hat in einer Weise, von der sich die meisten Menschen gar keine Vorstellung mehr machen! Das Denken des Kindes, unmittelbar nachdem es denken gelernt hat, ist voller Geistigkeit. Es ist wunderbar zu sehen, wie bis zur Zeit, wo sie angefressen werden vom Materialismus, Kinder im Schlafe geradezu wie im Fluge ihren Angeloiwesen entgegengehen, wie sie verbunden werden mit den Engelwesen während des Schlafes. So können wir sagen: Im Schlafe suchen wir, aber nur durch den Idealismus, durch Vergeistigung der Gedankenwelt, jene Welten auf, aus denen wir uns herausentwickelt haben, um hier als Menschen unter Menschen das Denken zu erlernen.

[ 9 ] We live in a time when people no longer wish to include in their thinking anything that goes beyond the physical world; they want to be stimulated by the external world. Independent, pure thinking—as I called for thirty years ago in *The Philosophy of Freedom* as the foundation for moral insight—is, unfortunately, rarely sought or cultivated in today’s children. But through such thinking—which Goethe and Schiller would still have called idealistic—human beings break free from the mere waking world of earthly existence and retain something for the state of sleep. We possess as much power to draw near to the angels in sleep as there is idealism in our thinking. And we are just as powerless to take the steps we would need to take toward the angels as there is materialism at work in our thinking. It should be noted in the same sense that those people fall prey to Ahrimanic elemental beings during sleep—toward whom their thinking must then turn—who do not find, through the idealism they develop while awake, the strength to come into the presence of the angelic beings. It is indeed so beautiful when a child has learned to think so directly in a way that most people can no longer even imagine! A child’s thinking, immediately after it has learned to think, is full of spirituality. It is wonderful to see how, until the time when they become consumed by materialism, children in their sleep literally fly toward the angelic beings, how they become connected with the angelic beings during sleep. So we can say: In sleep, we seek—but only through idealism, through the spiritualization of the world of thought—those worlds from which we have evolved in order to learn to think here as human beings among human beings.

[ 10 ] Und wenn wir die Sprache betrachten: gerade dieselbe Bedeutung, die der Idealismus der Gedanken hat für den Verkehr mit den Angeloi, hat der Idealismus der Gesinnung für den Verkehr des Menschen während des Schlafes mit den Archangeloiwesen. Derjenige Mensch, der in seine Worte hineinzugießen vermag, wenn er sie an einen andern richtet, Wohlwollen, gütige Gesinnung, die sich hinüberlebt in die Seele des andern, die nicht an den Menschen vorübergeht, sondern mit dem Interesse, das man für den Menschen haben kann, auf ihn eingeht, jene Gesinnung, die man als idealistisch-wohlwollende Gesinnung bezeichnen kann, die ist es, die auch der Sprache den Wohllaut gibt. Wenn Astralleib und Ich in den Schlaf übergegangen sind, gibt sie dem astralischen Leib und dem Ich, die auch an der Sprache beteiligt sind, die Kraft, in die Nähe der Archangeloiwesen zu kommen, während die unsoziale, egoistische Gesinnung es ist, die diese Kräfte zerstreut in die Welt der ahrimanischen Elementarwesen; so daß der Mensch, wenn er in den Schlaf kommt und er die Sprache nicht in idealistischer, richtiger Weise gebraucht hat, sich eigentlich entmenscht.

[ 10 ] And if we consider language: the idealism of thought has precisely the same significance for communication with the Angeloi as the idealism of disposition has for a person’s communication with the Archangeloi beings during sleep. The person who is able to infuse their words—when addressing another—with goodwill and a kind disposition—one that reaches into the other’s soul, that does not pass the person by but engages with them through the interest one can have in them—that disposition, which can be described as an idealistic and benevolent disposition, is what also gives language its melodious quality. When the astral body and the “I” have passed into sleep, it gives the astral body and the “I”—which are also involved in language—the power to draw near to the Archangelic beings, whereas it is the antisocial, egoistic attitude that scatters these forces into the world of the Ahrimanic elemental beings; so that when a person falls asleep and has not used language in an idealistic, proper way, they actually dehumanize themselves.

[ 11 ] Ebenso ist es, wenn wir unsere Handlungen, unser Tun in einer Weise gebrauchen, die menschenfreundlich ist, die sich aber voll bewußt ist, daß der Mensch nicht nur jenes Wesen ist, das im Fleische lebt, sondern daß der Mensch seinem inneren Wesen nach ein geistiges Wesen ist. Denn aus diesem Bewußtsein entspringt die Achtung auch der andern Menschen als Geistwesen. Aus dem Tun aus dieser Auffassung heraus gewinnen wir für den Schlafzustand diejenige Kraft, die uns in richtiger Weise in die Nähe der Archai bringt, während, wenn wir nicht in der Lage sind, menschenfreundliche Taten zu tun, wenn wir uns unserer nur als körperlicher Wesen bewußt sind, die entsprechenden Kräfte dann zerstreut werden in der Welt der ahrimanischen Elementarkräfte: wir entfremden uns der Menschennatur selber.

[ 11 ] The same is true when we act in a way that is benevolent toward others, yet fully aware that human beings are not merely creatures living in the flesh, but that, in their inner essence, they are spiritual beings. For it is from this awareness that respect for other human beings as spiritual beings also arises. Through actions guided by this understanding, we gain the power for the state of sleep that brings us in the right way into the presence of the Archai; whereas, if we are unable to perform acts of human kindness, if we are aware of ourselves only as physical beings, the corresponding forces are then scattered into the world of Ahrimanic elemental forces: we alienate ourselves from human nature itself.

[ 12 ] So bringt sich der Mensch dreierlei Gaben mit aus dem vorirdischen Dasein, so knüpft er sie aber in dreifacher Art wieder an die ursprüngliche Gestalt zwischen Einschlafen und Aufwachen an, wenn er unbewußt bleibt, aber immer wieder in die Nähe dieser Wesenheiten kommt. Es ist dann das gerade so, wie wir hier auf Erden unseren Umgang mit den Menschen aus drei Quellen zu gestalten haben, der Gedankenquelle, der Sprachquelle und der Tatquelle. So stehen wir während unseres Schlaflebens in dreifacher Beziehung zu der geistigen Welt: zu den Engeln, zu den Erzengeln und zu den Urkräften.

[ 12 ] Thus, human beings bring with them three kinds of gifts from their pre-earthly existence; yet they reconnect these gifts in three ways to their original form—between falling asleep and waking up—when they remain unconscious but repeatedly come into the presence of these beings. It is just as we here on Earth must shape our interactions with people from three sources: the source of thought, the source of speech, and the source of action. Thus, during our sleep life, we stand in a threefold relationship to the spiritual world: to the angels, to the archangels, and to the primordial forces.

[ 13 ] Was wir hier im Verein mit diesen Wesen anknüpfen, ist von maßgebender Bedeutung, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Denn man kann durch Geistesschau erkennen, wie der Mensch immer näher und näher kommen kann den Angeloi-, den Archangeloi-, den Archaiwesen. Es ist allerdings etwas, was sehr schlimm werden kann für die zukünftige Menschheit, wenn sie sich ganz hingibt an die ahrimanischen Elementarwesen, wenn der Materialismus des Denkens, Sprechens, Handelns immer mehr sich festsetzen wird. Aber dank der geistigen Welt haben die Menschenseelen heute noch wenigstens für die meisten Menschen — so viel Erbschaft an guter Gesinnung des Denkens, Sprechens und Handelns, daß durch den Materialismus von heute noch nicht alles verderbt werden kann. Sehr materialistische Menschen haben aus dem gegenwärtigen Erdenleben nicht viel, um in die Nähe der Hierarchien zu kommen, doch aus dem vergangenen Leben quillt empor, was sie hinbringt. Aber die Menschheit könnte sehr leicht einen andern Lohn entgegennehmen, wenn sie: nicht eine geistige Lebensauffassung gewinnt. Die Idealisierung des Denkens, des Sprechens, des Tuns gibt dem Menschen die Möglichkeit, gewissermaßen neue Verbindungen anzuknüpfen mit den drei Arten der göttlich-geistigen Wesenheiten, den Angeloi, den Archangeloi und den Archai, die der Mensch braucht für die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Sonst müßte er in einer fernen Zukunft, wenn er nicht Zusammenhang hätte mit den Angeloi in dieser Zeit, als ein gedankengelähmtes Wesen geboren werden; wenn er nicht eine Verbindung eingegangen wäre mit den Archangeloi, als ein Wesen ohne Sprache; wenn er nicht Zusammenhang hätte mit den Archai, gelähmt an Gliedern und gelähmt an moralischen Impulsen geboren werden. Die Erdenmenschheit hat es in der Hand, durch Materialismus der Zivilisation und Kultur die ganze Erdenmenschheit zugrundezurichten, oder durch Vergeistigung sie zu einer höheren Höhe emporzuheben, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» genannt habe das Jupiterdasein des Erdenwesens.

[ 13 ] What we establish here in union with these beings is of decisive importance when we pass through the gate of death. For through spiritual vision one can see how human beings can come ever closer and closer to the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai. However, there is something that could become very dire for the future of humanity if it surrenders itself entirely to the Ahrimanic elemental beings, if materialism in thought, speech, and action becomes increasingly entrenched. But thanks to the spiritual world, human souls today still possess—at least for most people—such a legacy of good disposition in thought, speech, and action that not everything can yet be corrupted by today’s materialism. Very materialistic people have little from their present earthly life to bring them into the presence of the hierarchies, yet what brings them there wells up from their past lives. But humanity could very easily receive a different reward if it does not adopt a spiritual outlook on life. The idealization of thought, speech, and action gives human beings the opportunity, so to speak, to forge new connections with the three kinds of divine-spiritual beings—the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai—whom human beings need for the time between death and a new birth. Otherwise, in the distant future—if they had no connection with the Angeloi during this time—they would be born as beings paralyzed in thought; if they had not established a connection with the Archangeloi, as beings without language; and if they had no connection with the Archai, they would be born with paralyzed limbs and paralyzed moral impulses. It is up to humanity on Earth to either bring about the ruin of all humanity through the materialism of civilization and culture, or to elevate it to a higher plane through spiritualization—what I have called in my *Secret Science* the “Jupiter existence” of the earthly being.

[ 14 ] Anthroposophie ist nicht eine Theorie. Jedes Wort, jeder Gedanke geht in unser ganzes Gedankenleben, in unser ganzes seelisches Menschenwesen über. Wir können nicht anders, als den Gedanken haben: Du bist ja ein verkrüppeltes Wesen, wenn du den richtigen Zusammenhang mit den höheren Wesenheiten nicht hast. — Das gibt uns auch ein Verantwortungsgefühl im moralischen Dasein gegenüber der geistigen Welt, und aus diesem kommt dem Menschen sein richtiges Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der physischen Welt. Nur daraus kommt es. Wenn Sie sich besinnen darauf, was da an dem Menschen geschieht, wie er sich durch den Idealismus in seinen Gedanken in die Nähe der Angeloi bringt, wie er durch seine Worte, durch das, was’ an idealistischer Gesinnung enthalten ist im Sprechen, in die Nähe der Archangeloi bringt, durch das, was in seinen Handlungen an Idealismus enthalten ist, in die Nähe der Archai bringt, wie er sich während des Schlafes zu den drei Hierarchien hinaufringt, dann werden Sie auch begreiflich finden, was anthroposophische Forschung uns zeigt: daß dasjenige, was des Menschen Schicksal ist, in dieser Art gewoben ist. Das alles tragen wir durch die Pforte des Todes hindurch, und später wird es bewußt. Wir müssen nach dem Tode die Gedanken gestalten im Verkehr mit den Angeloi; mit dem, was wir an Gesinnung haben, müssen wir uns die Vorstellungen nach dem Tode erwerben. Die Art und Weise, wie wir uns durch die Sprache in die Menschheit hineinstellen, gibt uns die Fähigkeit, die Kraft, mit den Archangeloi zusammenzukommen. Durch die Art und Weise, wie wir unsere Glieder gebrauchen, müssen wir uns die Möglichkeit erwerben, durch den Verkehr mit den Archai ein Selbstbewußtsein nach dem Tode zu haben. So leben wir uns hinein, und so wird dasjenige gesponnen, was sich dann ausbildet in heller Bewußtseinskraft zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 14 ] Anthroposophy is not a theory. Every word, every thought permeates our entire life of thought, our entire human soul. We cannot help but think: You are, after all, a crippled being if you do not have the right connection with the higher beings. — This also gives us a sense of responsibility in our moral existence toward the spiritual world, and from this comes a person’s true sense of responsibility toward the physical world. It arises only from this. If you reflect on what happens within a human being—how, through idealism in his thoughts, he draws near to the Angeloi; how, through his words, through the idealistic spirit contained in his speech, brings them into the presence of the Archangels, and through the idealism contained in their actions brings them into the presence of the Archai—and how, during sleep, they strive upward toward the three hierarchies—then you will also come to understand what anthroposophical research shows us: that what constitutes a human being’s destiny is woven in this way. We carry all of this through the gate of death, and later it becomes conscious. After death, we must shape our thoughts in communion with the angels; with the attitude we possess, we must acquire our perceptions after death. The way in which we place ourselves within humanity through speech gives us the ability, the power, to come together with the archangels. Through the way we use our limbs, we must acquire the possibility of having self-awareness after death through communion with the Archai. In this way we live our way into it, and in this way is woven that which then develops as a bright power of consciousness between death and a new birth.

[ 15 ] Wenn wir jetzt das Kind betrachten in den ersten Lebensjahren, so sehen wir das vorige Erdenleben nachwirken. Man sieht nicht bloß in das vorirdische Leben, sondern in das vorige Erdenleben, und da erst eignet man sich den Blick für das ganze Erdenleben an. Da sieht man dann das Kind an, wie es gehen lernt, seine Arme handhaben lernt, man beobachtet, ob es auf den Ballen oder auf den Fersen geht. Nicht bloß so sieht man es an, wie es sich dem physischen Blicke darstellt, sondern wie früher gewisse Handlungen mit Zartheit, mit Weichheit, mit mitleidsvollem Herzen ausgeführt worden sind, wie das dem Kinde in diesem Leben den festen Schritt gibt, wie ein unsicherer, tänzelnder Schritt die Folge ist eines brutalen, mitleidslosen Auftretens im vorigen Leben. Jeder Schritt, den das Kind macht, das Ringen nach dieser oder jener Gestaltung des Schrittes, verrät uns, wie diese Gestaltung die Folge eines vorigen Erdenlebens ist. Das Physische lernen wir erkennen als Abbild desjenigen, was in dem Kinde von einem früheren Erdenleben als moralischer Impuls lebt. Es ist das Großartigste, was man sehen kann, das Gehenlernen. Das Hauptmaß des Schicksals drückt sich im Gehenlernen aus. Die Freiheit des Menschen, sagte ich schon gestern, wird dadurch, daß der Mensch mit seinem Schicksal geboren wird, so wenig beeinträchtigt, wie dadurch, ob er blonde oder braune Haare hat.

[ 15 ] When we now observe the child during the first years of life, we see the aftereffects of the previous earthly life. One sees not only into the pre-earthly life, but also into the previous earthly life, and it is only then that one develops the ability to perceive the entire earthly life. One then observes the child as it learns to walk, learns to use its arms, and notes whether it walks on the balls of its feet or on its heels. One does not merely observe the child as it appears to the physical eye, but also sees how certain actions were previously carried out with tenderness, with gentleness, and with a compassionate heart—how this gives the child a steady gait in this life, and how an unsteady, wobbly gait is the result of a brutal, uncompassionate demeanor in a previous life. Every step the child takes, the struggle to achieve this or that form of gait, reveals to us how this form is the result of a previous earthly life. We learn to recognize the physical as a reflection of what lives within the child from a previous earthly life as a moral impulse. It is the most magnificent thing one can witness: learning to walk. The main measure of destiny is expressed in learning to walk. Human freedom, as I said yesterday, is no more impaired by the fact that a person is born with their destiny than it is by whether they have blond or brown hair.

[ 16 ] Im Sprechenlernen drückt sich etwas anderes aus. Es ist das auch ein Zusammenhang mit dem vorirdischen Dasein, aber er ist schwer zu charakterisieren. Weil es schwierig auszudrücken ist, möchte ich Ihnen das in populäre Worte kleiden. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, hat er sein Menschenwesen in einer gewissen Weise moralisch gestaltet. Er hat sein eigenes Wesen immer während des Schlafzustandes gewoben, und was er da gewoben hat, fängt er an, selber zu sehen. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, gelangt er in der richtigen Weise in die Nähe der Angeloi, Archangeloi, Archai. Aber dazu kommt noch etwas, was der Mensch von der zweiten Gruppe der Hierarchien hat. Diese gießen in den Menschen als ein weiteres, mehr unpersönliches Schicksal dasjenige hinein, was den Menschen in seinem kommenden Leben hineinstellt in eine bestimmte Sprache, einreiht in einen bestimmten Volkszusammenhang. Das persönliche Schicksal hängt damit zusammen, was der Mensch ist im Zusammenhange mit den Archai, die Sprachfähigkeit haben wir von den Archangeloi. Welche Sprache wir aber sprechen, das haben wir von viel höheren Wesen: den Exusiai, Dynamis, Kyriotetes.

[ 16 ] Learning to speak expresses something else. This, too, is connected to pre-earthly existence, but it is difficult to characterize. Because it is difficult to express, I would like to put it into simple terms. When a person passes through the gate of death, they have, in a certain sense, morally shaped their human being. They have always woven their own being during the state of sleep, and they begin to see for themselves what they have woven there. Once a person has passed through the gate of death, they come into the proper proximity of the Angeloi, Archangeloi, and Archai. But there is something else that a person receives from the second group of hierarchies. These pour into the person, as a further, more impersonal destiny, that which places the person in a specific language in their coming life and integrates them into a specific national context. Personal destiny is connected to what a person is in relation to the Archai; we derive our ability to speak from the Archangeloi. But the language we speak, we have received from much higher beings: the Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes.

[ 17 ] Wenn wir auf das Denken, auf das Vorstellen sehen, steht es in einem Zusammenhang, wie ich es gezeigt habe, mit den Angeloi. Diese Wesen können dem Menschen die Gabe des Denkens verleihen. Diese Fähigkeit haben sie aber erst in der Erdenzeit errungen, die hatten sie nicht in der Mondenzeit. Dabei kommt für die Angeloi selbst eine Entwickelung zustande; dadurch kommen sie selbst in die Nähe der Seraphim, Cherubim, Throne. Dadurch haben sie die Fähigkeit errungen, einen unmittelbaren Verkehr mit den Thronen, Cherubim, Seraphim zu haben, und diese verleihen nicht eine Fähigkeit, die nur einer Menschengemeinschaft erteilt wird, sondern die der ganzen Menschheit gegeben wird. Das Denken ist ja etwas, was für die ganze Menschheit gemeinsam ist. Daher die Logik, die über die ganze Welt hin die gleiche ist. Das Gehen, in dem sich das persönliche Schicksal ausprägt, haben wir von den Archai aus deren eigenen Kräften. Die Sprachkräfte hat der Mensch von den Erzengeln, aber diese richten sich dabei nach der zweiten Gruppe der Hierarchien. Von den Angeloi hat der Mensch die Denkfähigkeit, aber diese geben sie ihm unter dem Einfluß der höchsten Hierarchien.

[ 17 ] When we consider thinking and imagination, they are connected—as I have shown—to the Angeloi. These beings can bestow the gift of thought upon human beings. However, they only acquired this ability during the Earth period; they did not possess it during the Lunar period. In the process, the Angeloi themselves undergo a development; through which they themselves draw near to the Seraphim, Cherubim, and Thrones. Through this, they have attained the ability to have direct communion with the Thrones, Cherubim, and Seraphim, and these beings bestow not merely a capacity granted to a single human community, but one given to all of humanity. Thinking, after all, is something common to all of humanity. Hence the logic that is the same throughout the entire world. The path along which personal destiny unfolds, we have received from the Archai through their own powers. Human beings have received the powers of speech from the Archangels, but these are aligned with the second group of hierarchies. From the Angeloi, human beings have received the capacity for thought, but they bestow this upon us under the influence of the highest hierarchies.

[ 18 ] So sind die Dinge verwoben in der Weltenordnung, und man versteht den Menschen nur, wenn man ihn in seiner Verwobenheit mit der Weltenordnung ins Auge fassen kann. So versteht man nicht nur den einzelnen Menschen, sondern das Wesen eines lebenden oder absterbenden Sprachstammes, eines mangelhaften oder vollkommeneren Denkens. Der Mensch steht auf der Erde in einem gewissen Dualismus darin. Er sieht die Wesen abhängig von gewissen Naturgesetzen. Und demgegenüber hat der Mensch ein Bewußtsein seines Zusammenhanges mit der Gottheit. Hier auf dieser Erde gibt es keine Verbindung zwischen physischer und moralischer Weltenordnung. Aber wenn wir zurückschauen in das vorgeburtliche und ins nachtodliche Leben, dann treten wir in eine Welt ein, wo diese beiden Welten in eine einzige verschmolzen sind. Der Mensch kann auch nicht richtig beurteilen, was er selbst ist, wenn er nicht in der Lage ist, sich als geistiges Wesen recht einzusehen. Der Mensch kommt nicht zu einer einheitlichen Weltanschauung, wenn er nicht hinaussieht über Geburt und Tod, wenn er nicht hineinblickt in die höheren Welten. Der Mensch braucht, um sein ganzes, volles Wesen zu verstehen, ein Bewußtsein, das durchsetzt ist von der Erkenntnis seines Zusammenhanges mit der geistigen Welt. — Das sind die Dinge, die ich Ihnen heute in einer mehr esoterischen Weise sagen wollte.

[ 18 ] This is how things are interwoven in the order of the world, and one can only understand human beings if one can view them in their interconnectedness with the order of the world. In this way, one understands not only the individual human being, but also the essence of a living or dying language group, or of a form of thought that is imperfect or more perfect. Human beings exist on Earth within a certain dualism. They perceive beings as subject to certain laws of nature. And in contrast to this, human beings have an awareness of their connection to the divine. Here on Earth, there is no connection between the physical and moral orders of the world. But when we look back at life before birth and life after death, we enter a world where these two realms are fused into one. Nor can a person truly assess what he himself is unless he is able to perceive himself correctly as a spiritual being. Human beings cannot arrive at a unified worldview unless they look beyond birth and death, unless they gaze into the higher worlds. To understand their whole, complete being, human beings need a consciousness permeated by the realization of their connection to the spiritual world. — These are the things I wanted to share with you today in a more esoteric way.