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The Rudolf Steiner Archive

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The Human Soul in Its Relationship to Divine-Spiritual Individualities
GA 224

11 July 1923, Stuttgart

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5. Die vier Wesensglieder des Menschen

5. The Four Constituents of the Human Being

Der Spiegelcharakter Des Intellektuellen Denkens Und Die Realität Des Sittlichreligiösen Erlebens

The Reflective Nature of Intellectual Thought and the Reality of Moral and Religious Experience

[ 1 ] Wir wollen davon ausgehen, daß der Mensch ein vielgliedriges, ein mehrgliedriges Wesen ist, also von einer uns ganz bekannten Tatsache. Wir wollen davon ausgehen, daß innerhalb der anthroposophischen Bewegung immer die Bemühung vorhanden ist, zu begreifen, inwiefern sich die menschliche Wesenheit aus Gliedern zusammensetzt, die jedes für sich ein gewisses Verständnis erfordern, so daß das Begreifen der ganzen Menschenwesenheit nur möglich ist, wenn man in der Lage ist, das Verständnis, das man den einzelnen Gliedern entgegengebracht hat, zu einem Ganzen zu vereinigen. Wenn wir zunächst von allem übrigen absehen, so wissen wir, daß diese menschliche Wesenheit gegliedert ist in den physischen Leib, in den Ätherleib oder Bildekräfteleib, in den astralischen Leib und in dasjenige, was wir als das Ich bezeichnen. Nun ist das nicht etwa — oder sollte wenigstens nicht sein — eine bloße Einteilung des Menschen und seiner Wesenheit, sondern dasjenige, was da aufgezählt wird als die vier Glieder der menschlichen Wesenheit, stammt eigentlich aus ganz verschiedenen Welten und kann nur verstanden werden aus den inneren Bedingungen dieser Welten heraus. Und erst wenn man verstanden hat, wie physischer Leib, Äther- oder Bildekräfteleib, asträlischer Leib und Ich aus ihren entsprechenden Welten heraus gebildet sind, dann ist man imstande, aus dem Zusammenklingen des Verständnisses dieser einzelnen menschlichen Glieder sich ein Verständnis der gesamten menschlichen Wesenheit zu verschaffen. Den physischen Leib des Menschen muß man einfach begreifen aus der physischen Welt heraus, aber den ätherischen oder Bildekräfteleib muß man seinerseits wiederum verstehen aus der ätherischen Welt heraus und so weiter. Wenn wir nicht auf diesem Gebiete außerordentlich genau sind, wenn wir uns nicht darauf einlassen, daß die Dinge eben so sich verhalten, wie ich sie eben angedeutet habe, dann können wir nicht zu einem Erfassen der Gesamtwesenheit des Menschen kommen.

[ 1 ] Let us assume that the human being is a multi-part, multi-membered being—a fact with which we are all thoroughly familiar. Let us assume that within the anthroposophical movement there is always an effort to understand to what extent the human being is composed of parts, each of which requires a certain understanding in its own right, so that an understanding of the whole human being is only possible if one is able to unite the understanding one has gained of the individual parts into a whole. If we set aside everything else for the moment, we know that this human being is divided into the physical body, the etheric body or body of formative forces, the astral body, and what we call the “I.” Now this is not—or at least should not be—merely a classification of the human being and his nature; rather, what is listed here as the four members of the human being actually originates from entirely different worlds and can only be understood in terms of the inner conditions of those worlds. And only when one has understood how the physical body, the etheric or formative body, the astral body, and the “I” are formed from their respective worlds can one, through the harmonious interplay of understanding these individual human components, gain an understanding of the entire human being. One must simply understand the human physical body from within the physical world, but the etheric body—or body of formative forces—must in turn be understood from within the etheric world, and so on. If we are not extremely precise in this area, if we do not accept that things are exactly as I have just described, then we cannot arrive at a comprehensive understanding of the human being as a whole.

[ 2 ] Sehen wir einmal ab vom physischen Leib des Menschen. Das können wir aus dem Grunde, weil die gesamte äußere Bildung und Wissenschaftlichkeit heute darauf ausgeht, den physischen Leib des Menschen zu begreifen. Aber nicht in demselben Sinne ist es heute ein Bestreben, den ätherischen oder Bildekräfteleib des Menschen zu verstehen. Man macht sich höchstens die Vorstellung, daß dieser ätherische oder Bildekräfteleib vielleicht aus einer feineren Substanz besteht als der dichte physische Leib und daß diese feinere ätherische Substanz nun einmal dem physischen Leib beigemischt ist. Aber so sind ja die Dinge nicht, sondern die Sache ist wesentlich anders: Derjenige, der alles begriffen hätte, was aus der physischen Wissenschaft heraus begriffen werden kann, um sich eine Vorstellung über die Wirkungsweise des physischen Leibes zu machen, könnte gänzlich unwissend sein über den ätherischen oder Bildekräfteleib, denn gerade wenn wir auf den Menschen sehen, so ist es unmöglich, die Gesetze des ätherischen oder Bildekräfteleibes in der Nähe der Erde zu finden. Wir können gar nicht in der Nähe der Erde selbst die Gesetze des ätherischen oder Bildekräfteleibes suchen. Denn geradeso wie wit, wenn wir bei einem in senkrechter Richtung fallenden Stein sagen: Da ist die Schwerkraft tätig, der Stein bewegt sich in der Richtung gegen den Mittelpunkt der Erde —, geradeso wie wir in der Nähe der Erde oder in der Erde die Ursachen für das Fallen des Steins suchen, geradeso wie wir da richtig vorgehen, gehen wir falsch vor, wenn wir nach den Ursachen des Geschehens im ätherischen oder Bildekräfteleib fragen, falls wir in der Nähe der Erde bleiben. Wir müssen vielmehr dasjenige, was in unserem ätherischen oder Bildekräfteleib wirkt, gar nicht auf der Erde suchen, sondern in den Weiten des Weltenalls, gewissermaßen in einer unbestimmt weit von uns entfernten Kugeloberfläche. Da wirken die Kräfte von allen Seiten hinein. So wie vom Mittelpunkt der Erde die physischen Kräfte herauswirken, so wirken von allen Seiten die Kräfte herein und bedingen unseren Ätherleib.

[ 2 ] Let us set aside the human physical body for a moment. We can do this because all of today’s external education and scientific inquiry is directed toward understanding the human physical body. But there is no corresponding effort today to understand the human etheric body, or body of formative forces. At most, people imagine that this etheric body—or body of formative forces—perhaps consists of a finer substance than the dense physical body, and that this finer etheric substance is simply mixed in with the physical body. But that is not how things are; the reality is fundamentally different: Someone who has grasped everything that can be understood from physical science in order to form a conception of how the physical body functions could be completely ignorant of the etheric or formative body, for precisely when we look at the human being, it is impossible to find the laws of the etheric or formative body in the vicinity of the Earth. We cannot even seek the laws of the etheric or formative body near the Earth itself. For just as when we observe a stone falling vertically, we say: ‘Gravity is at work here; the stone is moving toward the center of the Earth’—just as we seek the causes of the stone’s fall near the Earth or within the Earth, and just as we proceed correctly in that case, so too do we proceed incorrectly when we inquire into the causes of the event in the etheric or formative body if we remain near the Earth. Rather, we must not seek what acts within our etheric or formative body on Earth at all, but in the vastness of the universe, so to speak, on the surface of a sphere located at an indeterminately great distance from us. There, forces act inward from all sides. Just as physical forces radiate outward from the center of the Earth, so do forces act inward from all sides and determine our etheric body.

[ 3 ] Erinnern Sie sich einmal, was ich Ihnen gesagt habe mit Bezug auf den Übertritt des Menschen aus seinem vorirdischen Dasein in das irdische Dasein. Er kommt herunter und hat die Gesetze für seinen physischen Leib schon auf die Erde geschickt. Dann sammelt er, sagte ich, aus den Weiten des Weltenäthers seinen Ätherleib. Da ist er also, bevor er das, was er vorausgeschickt hat, seinen physischen Leib, bezieht, Ich, astralischer Leib und Ätherleib. Aber den Ätherleib hat er in bezug auf seine Gesetzmäßigkeit nicht von der Erde her gebildet, sondern wir sagen repräsentativ: aus den vier Weltgegenden; aber damit ist ja nur gemeint, von allen Seiten zusammengezogen. Also von allen Seiten der Weltperipherie, des Umkreises, werden die Gesetze wirksam, wenn der menschliche Ätherleib gebildet wird.

[ 3 ] Just recall what I told you regarding the transition of the human being from his pre-earthly existence to his earthly existence. He comes down having already sent the laws for his physical body to Earth. Then, I said, he gathers his etheric body from the vastness of the world ether. So there he is—before he takes up residence in what he has sent ahead, his physical body—the I, the astral body, and the etheric body. But in terms of its laws, the etheric body was not formed from the Earth; rather, we say—by way of analogy—that it is formed from the four corners of the world; but this simply means that the laws are drawn together from all sides. Thus, the laws take effect from all sides of the world’s periphery, its circumference, when the human etheric body is formed.

[ 4 ] Da kommt nun etwas, was von vorneherein, wenn man es darlegt, für den Menschen der Gegenwart etwas außerordentlich Schockierendes, etwas außerordentlich Frappierendes hat. Sie werden mir recht geben, wenn ich sage: Zünden wir hier eine noch so starke Flamme an, so wird die Lichtstärke um so weniger für uns bedeuten, je mehr wir uns entfernen von der Lichtquelle, und es tritt endlich in einer gewissen Entfernung ein Punkt ein, wo diese Lichtquelle kaum noch in Betracht kommt, wo sie schon so schwach geworden ist, daß wir jedenfalls nicht mehr lesen können; wo wit, wenn irgendwo in einer großen Entfernung ein Licht ist, für alle praktischen Zwecke sagen können, es sei eben kein Licht da. Das wird jeder zugeben. Ebenso gibt die heutige Wissenschaft zu, daß die Schwerkraft mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, immer schwächer wird, je weiter man in den Umkreis kommt. Was aber die Menschen heute gar nicht bedenken, das ist das Folgende. Wir sprechen auf der Erde in unseren Worten die Gesetzmäßigkeiten aus, die auf der Erde geltend sind. Auch die Gesetzmäßigkeit, die wir als Erdenmenschen aussprechen, nimmt ab, wird immer schwächer und schwächer und ist endlich für eine gewisse Weite praktisch gar nicht mehr da. Sie können noch so schlau Naturgesetze aufstellen für irdische Verhältnisse, Sie können noch so schlau geschichtliche Sätze aufstellen für dasjenige, was auf der Erde geschieht: diese Gesetze, die Naturgesetze und geschichtlichen Gesetze gelten in einem gewissen Umkreise ebensowenig, wie die Stärke der Schwerkraft oder eine Lichtstärke da noch eine Bedeutung hat. Daher ist es naiv, wenn jemand etwa behaupten wollte, daß für einen Stern, der so und so viele Lichtjahre weit entfernt sein soll, dieselben Naturgesetze gelten wie bei uns. Denn die Gültigkeit unserer Naturgesetze besteht eben nur für die irdischen Verhältnisse, hört auf, wenn wir hinausdringen in den Weltenraum. Aber die Äthergesetze kommen aus den Weiten des Weltenraumes. Erwarten wir von da dieselben Gesetze, wie sie die Naturgesetze der Erde sind, dann begreifen wir niemals das ätherische Dasein. Schon indem wir von dem Ätherleib des Menschen sprechen, müssen wir von etwas sprechen, das ganz andern Gesetzen folgt, als es die Naturgesetze der Erde sind.

[ 4 ] Here is something that, from the very outset—when it is explained—has an extraordinarily shocking and startling effect on people today. You will agree with me when I say: No matter how strong a flame we light here, the farther we move away from the light source, the less its brightness will matter to us, and eventually, at a certain distance, there comes a point where this light source is hardly worth considering—where it has already become so faint that we can no longer read by it; where, if there is a light somewhere at a great distance, we can say for all practical purposes that there is simply no light there. Everyone will admit this. Likewise, modern science admits that gravity decreases with the square of the distance, becoming weaker and weaker the farther one moves from the center. But what people today do not consider at all is the following. Here on Earth, we express in our words the laws that apply on Earth. Even the laws that we, as Earthlings, articulate diminish, becoming weaker and weaker, and ultimately, beyond a certain distance, they are practically nonexistent. No matter how cleverly you formulate laws of nature for earthly conditions, no matter how cleverly you formulate historical laws for what happens on Earth: these laws—the laws of nature and historical laws—are just as inapplicable beyond a certain distance as the strength of gravity or the intensity of light ceases to have any significance there. Therefore, it is naive for anyone to claim, for example, that the same laws of nature apply to a star said to be so many light-years away as they do here on Earth. For the validity of our laws of nature applies only to earthly conditions; it ceases when we venture out into outer space. But the laws of the ether originate from the vastness of outer space. If we expect the same laws to apply there as the natural laws of Earth, then we will never comprehend ethereal existence. Even when we speak of the human etheric body, we must speak of something that follows laws entirely different from the natural laws of Earth.

[ 5 ] Da liegt. dasjenige, was für die heutige Menschheit frappierend, schockierend ist, was aber nach und nach begriffen werden muß. Sonst wird sich diese heutige Menschheit eben einfach einspinnen in irdische Verhältnisse und nicht mit ihrer Seelenverfassung über diese irdischen Verhältnisse hinauskommen. Ich will Ihnen das jetzt in einer Form sagen, in der man es sagen kann — oder wenigstens sagen können sollte —, wenn man eine Zeitlang innerhalb eines Kreises über anthroposophische Wahrheiten gesprochen hat. Denn würde man das heute vor einem sonstigen Kreise sagen, was nun zu sagen sein wird, so würden die Leute vermeinen, man sei nicht ganz bei Sinnen. Aber das ist ja gar kein Vorwurf. Denn solange man bei Sinnen ist, behält man eben die Sinneswissenschaft. Also im Grunde genommen muß man es mit solchen Dingen, weil der Sprachgenius ganz richtig wirkt, ernst nehmen können. Jemandem, der Geisteswissenschaft vorträgt, sollte man höchstens den Vorwurf machen, er sei nicht bei Geist. Das ist gar kein Vorwurf! er sei nicht bei Sinnen. Man muß nur mit vollem Bewußtsein bei Geist sein, darauf kommt es an. Aber wenn man sagt, man hat nur ein berechtigtes Bewußtsein, wenn man bei Sinnen ist, dann muß man auf die Geisteswissenschaft verzichten.

[ 5 ] Therein lies what is startling and shocking to humanity today, but which must gradually be understood. Otherwise, humanity today will simply become entangled in earthly circumstances and, with its current state of mind, will be unable to rise above them. I want to tell you this now in a way that can be said—or at least should be said—after having spoken for some time within a circle about anthroposophical truths. For if one were to say today before any other circle what is now to be said, people would think one was not quite in one’s right mind. But that is by no means a reproach. For as long as one is in one’s right mind, one remains within the realm of sensory science. So, fundamentally speaking, one must be able to take such things seriously, because the genius of language is at work quite correctly. The most one could reproach someone who lectures on spiritual science is that they are not in touch with the spirit. That is no reproach at all! That they are not in their right mind. One must simply be in one’s right mind with full consciousness—that is what matters. But if one says that one has legitimate consciousness only when one is in one’s right mind, then one must renounce spiritual science.

[ 6 ] Die Leute deklamieren heute allerorten: Es gibt gewisse ungeheuer einfache Gesetze, auf die kommt man zuletzt. — Die Leute nennen es Axiome oder irgendwie, es kommt jetzt nicht auf die Namen an. Ich will solche Axiome nennen. Das eine Axiom lautet: Das Ganze ist stets größer als einer seiner Teile. — Das ist eine Selbstverständlichkeit, sagen die Leute, und der, der gegen solche Axiome sündigt, der ist nicht ganz bei Sinnen, denn das Ganze ist größer als einer seiner Teile. Oder: Die Gerade ist der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. Für irdische Verhältnisse und für die Sinneswelt gilt das im vollsten Umfange. Wenn wir zu den äußersten Abstraktionen gehen, kommen wir zu solchen Sätzen: Das Ganze ist stets größer als der eine seiner Teile, und: Die Gerade ist der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten.

[ 6 ] People everywhere today proclaim: There are certain incredibly simple laws that one ultimately arrives at. — People call them axioms or something like that; the names aren’t important right now. I want to name such axioms. One axiom is: The whole is always greater than one of its parts. — That goes without saying, people say, and anyone who goes against such axioms is not quite in their right mind, for the whole is greater than one of its parts. Or: A straight line is the shortest path between two points. By earthly standards and in the sensory world, this holds true to the fullest extent. When we proceed to the most extreme abstractions, we arrive at propositions such as: The whole is always greater than any one of its parts, and: A straight line is the shortest path between two points.

[ 7 ] Aber wenn Sie in den Äther hineinsegeln, dann müssen Sie wirklich von der Sinneswelt durchbrechen in eine andere Welt, wo gerade die trivialsten Gesetze der Sinneswelt nicht mehr gelten. Sobald Sie in die Ätherwelt kommen, gilt das Gesetz nicht: Das Ganze ist größer als einer seiner Teile. Denn in der Ätherwelt verhält sich das zum Beispiel für den Menschen so: Schaut man dasjenige, was ätherisch hinter dem Teil der ganzen menschlichen Wesenheit steht, schaut man Leber, Lunge und sucht nach ihren ätherischen Korrelaten, dann ist jeder einzelne Teil des Menschen wesentlich größer als der ganze Mensch auf Erden. Und wenn Sie je glauben würden, der Mensch sei größer als seine Leber, so würden Sie niemals in das Geistige hineindringen können. Denn im Geistigen wird ein Ganzes dadurch, daß die größeren Teile zu einem Kleineren zusammenwirken, daß gerade durch das Zusammenwirken der größeren Teile das Ganze entsteht.

[ 7 ] But when you sail into the ether, you must truly break through from the sensory world into another world where even the most trivial laws of the sensory world no longer apply. As soon as you enter the etheric world, the law that “the whole is greater than the sum of its parts” no longer applies. For in the etheric world, the situation is as follows, for example, with regard to the human being: If you look at what lies etherically behind the individual parts of the entire human being—if you look at the liver, the lungs, and search for their etheric counterparts—then every single part of the human being is essentially greater than the whole human being on Earth. And if you were ever to believe that a human being is greater than his liver, you would never be able to penetrate into the spiritual realm. For in the spiritual realm, a whole comes into being through the interaction of the larger parts with a smaller one; it is precisely through the interaction of the larger parts that the whole arises.

[ 8 ] Noch klarer wird Ihnen das vielleicht für das andere Beispiel, die Gerade sei der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. Ja, das gilt in der Welt des Physischen. Da ist, wenn man hier einen Punkt hat und hier einen zweiten, der gerade Weg der kürzeste. Aber wenn Sie in die Ätherwelt hineinkommen, dann ist jeder Weg leicht, der gemacht wird, jeder krumme, jeder geschlängelte, und will man den geraden Weg treffen, so spießt er sich. Er spießt sich in jedem Punkte, er ist eben am allerlängsten, um von einem Punkte zu einem zweiten zu kommen. Daher ist gegenüber der Ätherwelt ein solcher Satz: Die Gerade ist der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten — ein Satz, der einen einspinnt ins Physische, der macht, daß man überhaupt nicht herauskommt aus der Kruste, in die man eingeschlossen ist. Solange man nicht ernst macht damit, daß schon in der Ätherwelt alles anders und sogar entgegengesetzt ist gegenüber dem in der physischen Welt, so lange kommt man nicht zu einem Begreifen in die geistige Welt hinein.

[ 8 ] This may become even clearer to you with the other example: that a straight line is the shortest path between two points. Yes, that is true in the physical world. There, if you have one point here and a second one here, the straight path is the shortest. But when you enter the etheric world, every path taken is easy—every crooked one, every winding one—and if you try to take the straight path, it comes to a dead end. It comes to a dead end at every point; in fact, it is the very longest way to get from one point to another. That is why, in relation to the etheric world, a statement like this applies: “The straight line is the shortest path between two points”—a statement that traps one in the physical realm, preventing one from ever escaping the crust in which one is enclosed. As long as one does not take seriously the fact that, even in the etheric world, everything is different and even opposite to what it is in the physical world, one will not gain an understanding of the spiritual world.

[ 9 ] Die Menschen möchten gerne die Glieder der Menschennatur kennen: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, Ich. Aber jetzt möchten sie die Sache so haben, daß sie ganz dieselbe Art des Denkens auf den ätherischen Leib anwenden, die sie auf den physischen Leib angewendet haben. Das geht aber eben nicht, weil in demselben Maße, in dem man sich von der physischen Welt — das ist aber identisch mit der Erdenwelt — entfernt, nimmt die Gültigkeit der Naturgesetze ab, und ganz andere Gesetze treten an ihre Stelle. Ich mache Sie alle nur darauf aufmerksam, wie schon, wenn man zu diesem zweiten Gliede der Menschennatur kommt, durchaus die Notwendigkeit auftritt, sich in ein ganz anderes Denken hineinzubegeben.

[ 9 ] People would like to understand the components of human nature: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. But now they want to apply the exact same way of thinking to the etheric body as they have applied to the physical body. But that simply does not work, because to the same extent that one moves away from the physical world—which is identical to the earthly world—the validity of the laws of nature diminishes, and entirely different laws take their place. I am simply drawing your attention to the fact that, as soon as one comes to this second aspect of human nature, it becomes absolutely necessary to enter into a completely different way of thinking.

[ 10 ] Aber sobald man nun in dieses andere Denken hineinkommt, muß man im umfänglichsten Sinne mit diesem andern Denken ernst machen. Sie können, wenn Sie in der physischen Welt noch so weit herumgehen, allerlei finden, zwar nicht Atome, aber Sie können Zellen und dergleichen finden. Aber niemandem sollte es einfallen, daß er unter dem Mikroskop zum Beispiel oder im Teleskop Gedanken finden würde. Die muß man auf andere Weise finden. Sie können über das Gehirn bis zum Ende aller Tage mikroskopieren, Gedanken werden Sie darinnen nicht finden, die gehen nicht in das Mikroskop hinein. Aber gerade das ist ein Beweis, daß man im Mikroskop und überhaupt im ganzen Sehen eben nur die physische Welt findet, denn die Ätherwelt besteht aus lauter Gedanken. Die Ätherwelt ist Wirksamkeit der Gedanken als Kräfte. Und sobald man beim Menschen vom physischen Leib zum Ätherleib vordringt, so ist dieser Ätherleib durch und durch aus Gedanken bestehend, aber die Gedanken wirken als Kräfte. Wir sind ganz durchzogen von Gedanken, überall durchsetzt von Gedanken, aber die Gedanken wirken als Kräfte.

[ 10 ] But as soon as one enters into this other way of thinking, one must take it seriously in the broadest sense. No matter how far you go in the physical world, you can find all sorts of things—not atoms, to be sure, but you can find cells and the like. But it should never occur to anyone that they would find thoughts under a microscope, for example, or through a telescope. You have to find them in a different way. You can examine the brain under a microscope until the end of time, but you will not find thoughts in it; they do not appear under the microscope. But this is precisely proof that under the microscope—and indeed in all visual perception—one finds only the physical world, for the etheric world consists entirely of thoughts. The etheric world is the activity of thoughts as forces. And as soon as one penetrates from the physical body to the etheric body in a human being, this etheric body is composed through and through of thoughts, but the thoughts act as forces. We are completely permeated by thoughts, interwoven with them everywhere, but these thoughts act as forces.

[ 11 ] Das hat aber nun eine sehr wichtige Folge für die Anschauung der menschlichen Wesenheit. Denn denken Sie sich jetzt, Sie legen sich schlafen. Da liegt im Bette der physische Leib und der Ätherleib. Der Ätherleib ist voller Gedanken. Er ist eine Art Auszug, eine Art Extrakt aus dem Äther der Welt, und der Äther der Welt ist wirksame Gedankenwelt. Und daher gilt es, daß tatsächlich der Ätherleib des Menschen etwas außerordentlich Gescheites ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, voller lichtvoller und widerspruchsloser Gedanken ist. Und indem der Mensch mit seinem Ich und seinem astralischen Leib seinen physischen Leib und Ätherleib verläßt, verläßt er eigentlich eine sehr gescheite Wesenheit. Das einzige, was fatal ist, ist, daß der Mensch gar nicht wahrnimmt, wenn er schläft, wie gescheit der ist, der im Bette liegen geblieben ist. Denn daß wir bei Tage nicht so gescheit sind, beruht darauf, daß wir bei Tage mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leibe untertauchen in den sehr gescheiten Ätherleib und ihn fortwährend verdummen. Denn insofern wir als Menschen unvollkommen sind, rührt das von unserem Ich und unserem astralischen Leib her. Unser astralischer Leib und unser Ich sind nicht imstande, sich aufzuschwingen zu der inneren Gediegenheit, Klarheit und Weltangemessenheit des ätherischen Leibes. Wenn man den ätherischen Leib zum Sprechen bringen könnte und dann das ebenso treulich — oder untreulich — stenographieren würde, was der die ganze Nacht auszusagen hat über die Geheimnisse des Weltenalls, dann würde das etwas ungeheuer Gescheites sein, gescheiter sogar als dasjenige, was hier nachgeschrieben wird.

[ 11 ] But this has a very important implication for our understanding of the human being. For imagine now that you are going to sleep. There, lying in bed, are the physical body and the etheric body. The etheric body is full of thoughts. It is a kind of distillation, a kind of extract from the world’s ether, and the world’s ether is an active world of thought. And therefore, the human etheric body is in fact something extraordinarily intelligent—if I may put it that way—full of luminous and consistent thoughts. And when a person, with their “I” and their astral body, leaves their physical body and etheric body, they are actually leaving behind a very intelligent being. The only unfortunate thing is that when a person is asleep, they do not realize at all just how intelligent the one who has remained in bed is. For the reason we are not so wise during the day is that, during the day, we—with our “I” and our astral body—plunge into the very wise etheric body and continually dull it. For insofar as we are imperfect as human beings, this stems from our “I” and our astral body. Our astral body and our “I” are incapable of rising to the inner solidity, clarity, and worldliness of the etheric body. If one could make the etheric body speak and then transcribe just as faithfully—or unfaithfully—what it has to say all night long about the mysteries of the universe, that would be something immensely wise, even wiser than what is written here.

[ 12 ] Also Weltgedanken als Kräfte wirken in diesem ätherischen Leib des Menschen, und wir sind immer nur imstande, nach Maßgabe desjenigen, was wir in unserem astralischen Leibe haben, etwas — es ist immer sehr wenig — zu benützen von dem, was in unserem ätherischen Leibe ausgebreitet ist.

[ 12 ] Thus, universal thoughts act as forces within the human etheric body, and we are always only able to make use of a small portion—it is always very little—of what is spread out within our etheric body, depending on what we possess in our astral body.

[ 13 ] Und dennoch, was sind wir als physischer und ätherischer Leib, die im Bette liegen bleiben, wenn wir schlafen und unser Ich und unseren astralischen Leib herausgezogen haben? Wir sind da im Bette ein Wesen aus physischem Leib und ätherischem Leib, tragen also in uns bloß die Gesetzmäßigkeiten des Pflanzlichen. Und dasselbe, was wir an uns bemerken können, indem wir gewissermaßen zurückschauen, wie in strahlender Geistesklarheit aus unserem schlafenden ätherischen Leib die Weisheit der ganzen Welt herausleuchtet, in dem, was wir so am Menschen beobachten könnten im zurückgewandten Blick, haben wir im Grunde genommen vor uns im Kleinen alles dasjenige, was wir auch vor uns haben, wenn wir die Erde anschauen, indem sie als physische Kugel da ist, aber aus sich heraus die Pflanzenwelt sprießen und sprossen läßt, und diese Pflanzenwelt von allen Seiten ätherisch angeregt wird von den Weltgedanken, die im Weltenäther webend wirksam sind. Das ist dieses unendlich erhabene Bild des Kosmos; des Kosmos, der vor uns liegt, wenn wir nur einmal hinzuschauen vermögen auf alles dasjenige, was aus jeder einzelnen Pflanze auf unserer Erde wie, ich möchte sagen, aus geistigen Feuerflammen heraussprießt, Linien und Wellenzüge zieht bis in die fernsten Gegenden des Raumes. So daß wir in der Tat vor uns haben die Erdenkugel, aus dem entferntesten Punkte des Raumes hereinsprießend die Kräfte, die die Vegetation aus der Erde herausbringen, und wiederholt in jedem einzelnen schlafenden Menschen diese Erdenbildung.

[ 13 ] And yet, what are we—as physical and etheric bodies—that remain in bed when we sleep and have drawn our “I” and our astral body out of them? There in bed, we are a being composed of a physical body and an etheric body; thus, we carry within us only the laws of the plant kingdom. And the very same thing we can perceive in ourselves—by looking back, as it were, and seeing the wisdom of the entire world shining forth from our sleeping etheric body in radiant spiritual clarity—is what we might observe in a human being when we cast our gaze backward; we essentially have before us, on a small scale, everything that we also have before us when we look at the Earth—as it stands there as a physical sphere, yet allows the plant world to sprout and grow from within itself, and this plant world is ethereally stimulated from all sides by the world-thoughts that are actively weaving in the world-ether. This is that infinitely sublime image of the cosmos—the cosmos that lies before us if we are only able to look upon all that which springs forth from every single plant on our Earth, as it were, from spiritual flames, drawing lines and waves out into the farthest reaches of space. So that we indeed have before us the globe of the Earth, with the forces that bring vegetation forth from the Earth sprouting in from the most distant point in space, and this formation of the Earth is repeated in every single sleeping human being.

[ 14 ] Wenn wir dieses Bild vor uns hinstellen, müssen wir uns aber alles dasjenige wegdenken, was in unserem Ich und in unserem astralischen Leib ist, und wir müssen uns wegdenken von dem kosmischen Bilde das Bild der Tiere mit ihrem astralischen Leib. Dasjenige, was in unserem astralischen Leib ist, gehört eben nicht dem an, was auf der einen Seite irdisch ist, was auf der andern Seite ätherisch ist, sondern es gehört wiederum einer ganz andern Welt an, aber einer solchen Welt, die wir gar nicht auf dieselbe Weise suchen, wie wir den Äther suchen. Wenn man es bildhaft beschreibt, und diese Dinge können eben nur bildhaft beschrieben werden, weil man sonst in irdische Vorstellungen hineinkommt, so müßte man sagen: Wie kommt man zu einer Vorstellung vom Weltenäther? — Man kommt zu einer Vorstellung vom Weltenäther, wenn man dasjenige, was hier auf Erden ist, einfach nach auswärts verfolgt, wenn man sich immer weiter und weiter nach auswärts schwingt — man muß das natürlich geistig tun. Hier auf der Erde ist eigentlich die Wirksamkeit des Äthers kaum leicht wahrzunehmen, denn da ist sie am schwächsten. So wie die irdischen Beleuchtungseffekte zum Beispiel am schwächsten werden weit draußen, so ist die Wirksamkeit des Weltenäthers am schwächsten in der Nähe der Erde. Sobald wir hinausgehen in die Weltenfernen, wird immer mehr und mehr das eigentliche Wesen der ätherischen Wirksamkeit Tatsache. Gehen wir hinaus in die Weiten der Welt, dann beginnt uns aufzuleuchten, wie das Physische der Erde in das Ätherische eingewoben wird nach ganz andern Gesetzen, als diejenigen sind, die auf der Erde zu finden sind. Aber könnte man nun ganz hinauskommen bis zu den Grenzen, wo der Äther von außen hereinsprüht seine Wirkungen, dann würde man etwas Kurioses erleben. Die oberflächlichen physischen Denker sagen: Wenn du dich hier von der Erde in radialer Weise hinaus in die Welt bewegst, dann kannst du ins Unendliche fortgehen. Höchstens werden noch diejenigen, die etwas neuere Geometrie kennen, sagen: Wenn man da ins Unendliche hinausgeht, kommt man auf der andern Seite wiederum zurück, es wird nur etwas lange dauern. — Aber das ist gedacht, in der Realität ist es nämlich nicht so. In der Realität kommen Sie wirklich an ein Ende, wenn auch der Weg für irdische Verhältnisse, oberflächlich ausgesprochen, unendlich genannt werden kann. Die Welt hat ein Übergehen von irdischer Gesetzmäßigkeit zu kosmischer Gesetzmäßigkeit, die hereinstrahlt. Die Welt ist ein geschlossenes Ganzes, und kommt man ans Ende — Sie müssen sich das nur bildlich vorstellen —, dann trifft man überall an das Innere einer Kugeloberfläche. Da strahlt dann herein das Astralische. Das Astralische beginnt von außen hereinzuwirken, indem es sich des Ätherischen bemächtigt.

[ 14 ] When we visualize this image, however, we must set aside everything that belongs to our ego and our astral body, and we must exclude from the cosmic image the image of animals with their astral bodies. That which is within our astral body does not belong to what is earthly on the one hand or ethereal on the other, but rather belongs to an entirely different world—a world, however, that we do not seek in the same way that we seek the ether. If one were to describe it figuratively—and these things can only be described figuratively, because otherwise one would fall into earthly conceptions—one would have to ask: How does one arrive at a conception of the world-ether? — One arrives at a conception of the world ether by simply tracing what is here on Earth outward, by swinging farther and farther outward—one must, of course, do this spiritually. Here on Earth, the activity of the ether is actually hardly perceptible, for that is where it is weakest. Just as earthly lighting effects, for example, become weakest far out in the distance, so the activity of the world ether is weakest near the Earth. As soon as we venture out into the vastness of the universe, the true nature of etheric activity becomes increasingly evident. If we venture out into the vastness of the universe, it begins to dawn on us how the physical realm of the Earth is woven into the etheric realm according to laws entirely different from those found on Earth. But if one could go all the way out to the boundaries where the ether sprays its effects in from the outside, one would experience something curious. Superficial physical thinkers say: If you move out from the Earth in a radial direction into the world, you can go on into infinity. At most, those familiar with some modern geometry might say: If you go out into infinity, you’ll come back around on the other side—it’ll just take a while. — But that is merely a theoretical notion; in reality, it is not so. In reality, you do indeed reach an end, even if the path—in earthly terms and superficially speaking—could be called infinite. The world undergoes a transition from earthly laws to cosmic laws, which radiate inward. The world is a self-contained whole, and if you reach the end—you must imagine this only figuratively—then everywhere you encounter the inner surface of a sphere. That is where the astral realm shines in. The astral realm begins to exert its influence from the outside by taking hold of the etheric realm.

[ 15 ] Aber da kommen Sie noch immer nicht zu irgend etwas, was das Ich ist. Sie kommen, wenn Sie die Welt verfolgen, zunächst auf die Natur, auf die physische Natur, auf die Erdennatur, von da ins Ätherische, am Ende des Ätherischen ins Astralische. Aber Sie kommen da noch nicht in diejenige Welt hinein, der das Ich des Menschen angehört. Die ist zunächst überhaupt in diesem Bereich des Kosmos, der selbst für die astralischen Sinne aufzufinden ist, nicht vorhanden, sondern das Ich gehört noch einer weiteren Welt an, die wiederum durchaus eigene Gesetze hat. So daß, wenn man von der menschlichen Wesenheit spricht, man sich klar sein muß darüber, daß die verschiedenen Glieder ganz verschiedenen Welten angehören. Man hat es nicht mit einer bloßen Einteilung zu tun, sondern mit der Darstellung der Tatsache, daß in der menschlichen Wesenheit zusammenfließen die Wesenheiten radikal voneinander verschiedener Welten. Und nun, in dem Augenblick, wo Sie überhaupt nachdenken wollen über die Differenzierung von Wachen und Schlafen, müssen Sie sich schon Gedanken machen auch über diese Differenzierung der verschiedenen Welten. Denn dasjenige, was wir eigentlich in unserem Ich und in unserem astralischen Leib haben, das gehört nicht derselben Welt an, der die beiden Glieder der menschlichen Natur angehören, die im Bette liegen. Dasjenige, was wir im Bette liegen gelassen haben, haben wir der mineralischen und pflanzlichen Welt für die Zeit des Schlafes übermittelt. Dasjenige, was wir an uns tragen als Ich und astralischer Leib, haben wir herausgenommen aus der pflanzlichen und mineralischen Welt, haben es heraufgehoben in eine andere Welt, die nicht die pflanzliche und nicht die mineralische Welt ist.

[ 15 ] But even then, you still do not arrive at anything that constitutes the “I.” When you explore the world, you first encounter nature—physical nature, earthly nature—and from there move into the etheric realm, and at the end of the etheric realm, into the astral realm. But you have not yet entered the world to which the human “I” belongs. This world does not exist at all within that region of the cosmos that can be perceived even by the astral senses; rather, the “I” belongs to yet another world, which in turn has its own distinct laws. Thus, when speaking of the human being, one must be clear that the various members belong to entirely different worlds. This is not merely a matter of classification, but rather a description of the fact that within the human being, entities from radically different worlds converge. And now, the moment you wish to reflect at all on the distinction between waking and sleeping, you must also give thought to this distinction between the various worlds. For what we actually possess in our “I” and in our astral body does not belong to the same world as the two aspects of human nature that lie in bed. What we have left behind in bed, we have entrusted to the mineral and plant worlds for the duration of our sleep. What we carry within us as the “I” and the astral body, we have drawn out of the plant and mineral worlds and raised it up into another world that is neither the plant world nor the mineral world.

[ 16 ] Und was geschieht jetzt, während wir schlafen? Während wir schlafen, geht in dem, was da im Bette liegt, genau dasselbe vor, was draußen in der Welt vor sich geht im mineralischen Reich und im pflanzlichen Reich, solange die Pflanzen nicht von den Tieren gefressen werden. Denn da wirkt das Astralische aus der Tierwelt herein. Aber wenn wir von den Menschen und Tieren absehen und bloß die Erde mit den Pflanzen in Betracht ziehen, so haben wir da diejenige Welt, der wir unseren physischen und Ätherleib während des Schlafes übergeben, und alles, was im Mineral- und Pflanzenreich vor sich geht, geht dann auch in unserem physischen und Ätherleib vor sich.

[ 16 ] And what happens now, while we sleep? While we sleep, exactly the same processes take place within what lies there in bed as occur out in the world in the mineral and plant kingdoms—as long as the plants are not eaten by animals. For that is where the astral forces from the animal world exert their influence. But if we set aside humans and animals and consider only the Earth with its plants, we have there the world to which we entrust our physical and etheric bodies during sleep, and everything that takes place in the mineral and plant kingdoms then also takes place within our physical and etheric bodies.

[ 17 ] Nehmen wir an, wir könnten nicht schlafen. Ich habe schon einmal gesagt, die Menschen behaupten manchmal, sie können nicht schlafen, aber sie schlafen doch, wenn sie auch das Schlafen unterbrechen und oftmals aufwachen. Denn die Zeit, die manche Menschen angeben, in der sie nicht geschlafen hätten, ist so groß, daß sie längst tot sein müßten, wenn es wahr wäre. Also das Schlafen ist schon für die gesamte Wesenheit des Menschen notwendig. Aber wenn wir nicht schlafen würden — nehmen wir das an —, dann würden wir fortwährend in unserem physischen und Ätherleib darinnen wirtschaften mit unseren astralischen Leib und unserem Ich. Aber das vertragen physischer Leib und Ätherleib gar nicht. Der physische Leib folgt den Gesetzen der Erde. Der astralische Leib gehört ja der Erde gar nicht an, der bearbeitet den physischen Leib fortwährend im Gegensatz zu den Gesetzen der Erde. Der physische Leib würde, wenn der Mensch nicht schlafen kann, ganz untauglich, weil er fortwährend von außerirdischen Gesetzen bearbeitet wird. Wie wenn einer ein Feld des Mineralreiches fortwährend mit Hacken und mit Spaten bearbeiten und es dadurch ganz zerpulvern würde, so fängt unser astralischer Leib an, den physischen Leib zu bearbeiten. Der physische Leib muß wieder die irdischen Gesetze in sich geltend machen, damit er in gewisser Weise gefestigt wird. Und der Ätherleib wird dumm gemacht von dem astralischen Leib. Ich meine es nicht so schlimm, es gibt auch gescheite Leute, man braucht es den Leuten nicht immer vorzuwerfen, daß sie gescheit sind; aber tatsächlich, kosmisch angesehen, wirkt er so. Dann muß wiederum einmal der ätherische Leib dem Kosmos ausgesetzt sein, damit er eine Zeitlang diesen dumpfenden Einfluß los bekommt. Und so muß der Mensch mineralischer und vegetabilischer Kosmos werden, damit dasjenige, was in ihm ist, gedeihen kann, so daß ein bestimmter Zustand hergestellt ist, wenn wir aufwachen. Ich rede jetzt vom normalen Leben. Bei abnormen Erscheinungen schläft und wacht der Mensch natürlich auch.

[ 17 ] Let’s assume we couldn’t sleep. I’ve said before that people sometimes claim they can’t sleep, but they do sleep, even if they interrupt their sleep and wake up frequently. For the amount of time some people claim they have not slept is so great that they would have been dead long ago if it were true. So sleep is indeed necessary for the entire human being. But if we did not sleep—let’s assume that—then we would be constantly active within our physical and etheric bodies using our astral body and our “I.” But the physical body and the etheric body simply cannot tolerate this. The physical body follows the laws of the Earth. The astral body, however, does not belong to the Earth at all; it constantly works on the physical body in opposition to the laws of the Earth. If a person were unable to sleep, the physical body would become completely unfit for use because it would be constantly subjected to non-earthly laws. Just as if someone were to constantly work a field in the mineral kingdom with a hoe and a spade, thereby completely pulverizing it, so our astral body begins to work upon the physical body. The physical body must once again assert the earthly laws within itself so that it may be strengthened in a certain way. And the etheric body is dulled by the astral body. I don’t mean to make it sound so bad—there are also intelligent people, and one need not always reproach people for being intelligent—but in fact, from a cosmic perspective, that is how it works. Then, in turn, the etheric body must once again be exposed to the cosmos so that it can shake off this dulling influence for a time. And so the human being must become a mineral and vegetative cosmos so that what is within him can flourish, so that a certain state is established when we wake up. I am now speaking of normal life. In the case of abnormal phenomena, the human being naturally sleeps and wakes as well.

[ 18 ] Was wird nun für ein Zustand herbeigeführt, wenn wir aufwachen? Der Zustand, der da herbeigeführt ist, besteht darin, daß unser Seelisches, nämlich der astralische Leib und das Ich, zunächst nicht ganz hineinkönnen in den physischen Leib und in den Ätherleib. Sie können nämlich nie ganz hinein. Oh, was wären wir für gescheite Individuen, wenn wir ganz in unseren Ätherleib hinein könnten. Aber das zehrte uns auch auf, wir könnten es nicht ertragen. Es ist schon wirklich so, dieser astralische Leib ist im Grunde furchtbar egoistisch. Der ätherische Leib, der eigentlich seinem Wesen nach identisch ist mit dem Kosmos, er ist kein Egoist. Er ist auch nicht neidisch, er hat es auch nicht nötig. Aber der astralische Leib ist unterbewußt furchtbar neidisch auf den ätherischen Leib, der so weise ist, die Gedanken der ganzen Welt in sich enthält, — ist furchtbar neidisch. Und nun ist schon dafür gesorgt, daß die Sinne selbständig bleiben, Ich und astralischer Leib selbständig bleiben während des Tages. Da kommen dann allmählich Ich und astralischer Leib immer mehr und mehr in die Lage, sich tiefer hineinzusenken in den physischen Leib und in den Ätherleib. Aber das macht sie nur von der Sehnsucht durchdrungen, wiederum herauszugehen. Sie wollen dann schlafen, und daher werden sie müde, das Ich und der astralische Leib. Denn dadurch ist der Mensch überhaupt in der Lage, sich als ein selbständiges Wesen zu bewähren, daß er nicht aufgesogen wird während des Wachens vom physischen und vom ätherischen Leib. Würde der Mensch nach Ich und astralischem Leib aufgesogen, dann wüßten wir von uns und von der Welt nichts, sondern wir befänden uns in dem Inneren unseres physischen Organismus, der bis zur Haut ginge, würden die Vorgänge in unserem physischen Organismus verfolgen, wüßten überhaupt nur von unserem Inneren etwas, und dann wüßten wir noch, daß in das Innere großartige, weisheitdurchdrungene Gedanken hereinsprühen, aber wir kämen auch da über diese Gedanken nicht hinaus. Von irgendeinem andern Menschen, von Tieren auf der Erde, von andern Wesen auf der Erde wüßten wir überhaupt nichts, wenn wir ganz aufgingen in unserem physischen und Ätherleib. Wenn wir nicht die Selbständigkeit bewahrten, daß wir in unseren physischen Leib und Ätherleib nicht ganz hineingehen, so könnten wir niemals Beziehungen begründen zur Welt, könnten nur etwas wissen von unserem physischen Leib und unserem eigenen Ätherleib.

[ 18 ] What state is brought about when we wake up? The state that is brought about consists in the fact that our soul elements—namely, the astral body and the “I”—cannot, at first, fully enter the physical body and the etheric body. In fact, they can never fully enter them. Oh, what clever individuals we would be if we could enter our etheric body completely. But that would wear us out; we couldn’t bear it. It’s really true: this astral body is, at its core, terribly selfish. The etheric body, which is actually identical in its essence to the cosmos, is not selfish. Nor is it envious; it has no need to be. But the astral body is subconsciously terribly envious of the etheric body, which is so wise and contains the thoughts of the whole world within itself—it is terribly envious. And now it has already been arranged that the senses remain independent, and that the “I” and the astral body remain independent during the day. Then, gradually, the “I” and the astral body are increasingly able to sink deeper into the physical body and the etheric body. But this only fills them with a longing to emerge once more. They then want to sleep, and that is why the I and the astral body grow tired. For it is precisely through this that human beings are able to prove themselves as independent beings—that they are not absorbed by the physical and etheric bodies while awake. If a human being were absorbed by the I and the astral body, then we would know nothing of ourselves or of the world; rather, we would find ourselves within our physical organism, which would extend only as far as the skin, we would observe the processes within our physical organism, and we would know nothing at all beyond our inner self, and then we would still know that magnificent, wisdom-imbued thoughts surge into our inner being, but even there we would not go beyond these thoughts. We would know absolutely nothing about any other human being, about animals on Earth, or about other beings on Earth if we were completely absorbed into our physical and etheric bodies. If we did not preserve the independence of not becoming completely absorbed in our physical and etheric bodies, we could never establish relationships with the world; we could know only something of our physical body and our own etheric body.

[ 19 ] Die Leute denken nach darüber: Wie kommt es denn, daß man sagt, der Tisch ist außer uns? — Zu dieser Aussage: Der Tisch ist außer uns —, käme man gar nicht, wenn wir ganz untertauchen würden in unseren physischen und Ätherleib. Wir würden nie zu einem Bewußtsein kommen: Der Tisch ist außer uns —, würden nur dasjenige überhaupt erleben, was in uns ist, nämlich innerhalb der Haut unseres Körpers. Und da würde hereinglänzen ein innerlich geschlossenes Weltenall, das ätherisch ist, weisheitsvoll. Aber das Urteil, es sei irgend etwas außer uns, das kommt daher, daß wir im Schlafe selbst außer uns sind. Da gewöhnt sich das Ich, wenn es außer dem physischen Leibe ist, an ein Sein außerhalb des physischen Leibes. Schlüpft das Ich wiederum hinein, dann hat es ein Verständnis für die Außenwelt. Dem Umstande, daß wir schlafen können, verdanken wir überhaupt die Möglichkeit, Dinge außer uns annehmen zu können. Wir gewöhnen uns an das Sein außer uns dadurch, daß wir selbst uns außer uns versetzen im Schlafe.

[ 19 ] People ponder this: How is it that we say the table is outside of us? — We would never arrive at this statement—“The table is outside of us”—if we were to immerse ourselves completely in our physical and etheric bodies. We would never arrive at the awareness that “the table is outside of us” if we were to experience only what is within us—namely, what lies within the skin of our body. And there would shine forth an inwardly enclosed universe, one that is ethereal and full of wisdom. But the judgment that there is something outside of us arises from the fact that we ourselves are outside of ourselves during sleep. There, when the “I” is outside the physical body, it becomes accustomed to a state of being outside the physical body. When the “I” slips back into the body, it then has an understanding of the external world. It is precisely because we are able to sleep that we have the possibility of perceiving things outside ourselves at all. We become accustomed to being outside ourselves by placing ourselves outside ourselves during sleep.

[ 20 ] Die Philosophen denken darüber nach, was das Sein verbürgt; warum ich überhaupt sage: Etwas ist — oder: Ich bin, — Würde ich von meinem physischen und ätherischen Leibe ganz aufgesogen, käme ich gar nicht dazu, zu sagen: Ich bin. — Aber dadurch, daß ich mich zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unabhängig machen kann vom physischen und Ätherleib, gewöhne ich mich daran, auch mit der Außenwelt zu leben. Geradeso wie man bewußt eine Erinnerung hat, wie ich mich, wenn ich gestern jemanden gesehen habe, heute bewußt erinnere und dieser Erinnerung eine Realität zuschreibe, so schreibe ich dem, was außer mir ist, aus der Gewohnheit — weil ich auch zuweilen außer mir bin im Schlafe — eine äußere Realität zu.

[ 20 ] Philosophers reflect on what guarantees being; why I say at all: “Something is”—or: “I am.” If I were completely absorbed by my physical and etheric bodies, I would not even be able to say: “I am.” — But because I can detach myself from my physical and etheric bodies between falling asleep and waking up, I accustom myself to living in relation to the external world as well. Just as one consciously has a memory—such as when I saw someone yesterday and consciously recall it today, attributing reality to that memory—so, out of habit—because I am also sometimes outside myself in sleep—I attribute an external reality to what is outside of me.

[ 21 ] Man muß also aus ganz andern Ecken heraus über die Dinge denken, als heute gedacht wird. Dann gelangt man aber dazu, so richtig zu wissen, wieviel davon abhängt, daß der Mensch nicht aufgesogen wird von seinem physischen und Ätherleib. Dann erst gelangt man dazu, wirklich einzusehen, wie auch das Freiheitsgefühl im wesentlichen dadurch bedingt ist, daß man auch außerhalb seines physischen und Ätherleibes sein kann. Die Menschen als Naturforscher, die gar nicht nachdenken über die Selbständigkeit eines Ich und eines astralischen Leibes im Schlafe, können niemals zum Verständnis der Freiheit kommen, denn der Mensch wäre nicht frei, wenn er alle Zeit nur mit seinem physischen Leib und seinem Ätherleib vereinigt wäre, Wie sollten diejenigen von der Freiheit wissen, die nichts wissen von denjenigen Zeiten, in denen der Mensch seinen astralischen Leib und sein Ich unabhängig macht von seinem physischen und seinem Ätherleib! Könnten wir nicht schlafen, könnten wir nicht frei sein. Nur was wir uns in das Wachen mitbringen vom Schlafen, das macht frei.

[ 21 ] So one must think about these things from entirely different perspectives than is done today. Only then can one truly understand how much depends on the human being not being absorbed by his physical and etheric bodies. Only then can one truly grasp how the sense of freedom is essentially conditioned by the fact that one can also exist outside of one’s physical and etheric bodies. People who, as natural scientists, do not give any thought to the independence of the “I” and the astral body during sleep can never come to an understanding of freedom, for a human being would not be free if he were united with his physical body and his etheric body all the time, How could those who know nothing of the times when a person renders their astral body and their “I” independent of their physical and etheric bodies possibly know anything about freedom! If we could not sleep, we could not be free. Only what we bring with us from sleep into wakefulness is what sets us free.

[ 22 ] Von dieser Welt, in der das Ich und der astralische Leib also während des Schlafes sind, macht sich der heutige Mensch überhaupt keine Vorstellung. Weiß man aber, daß alles dasjenige, worüber sich der heutige Mensch Vorstellungen machen kann, im Bereiche des Mineralischen und Pflanzlichen liegt, dann weiß man, daß die heutige Wissenschaft eigentlich nur über den schlafenden Menschen zu entscheiden hat und nicht über den wachen; und über den schlafenden auch nur, wenn man sich über den Äther solche Vorstellungen macht, wie ich sie heute angeführt habe. Weiß man das, dann wird man sich sagen: Nun muß ich aber auch zu Vorstellungen kommen können über Ich und astralischen Leib. — Heute hat man ja, wie ich schon neulich andeutete, nur Worte von diesen Dingen.

[ 22 ] Modern people have absolutely no conception of this world in which the “I” and the astral body reside during sleep. But if one knows that everything modern people can conceive of lies within the mineral and plant kingdoms, then one knows that modern science really has to deal only with the sleeping human being and not with the waking one; and even with the sleeping human being, only if one forms such conceptions of the ether as I have described today. If one knows this, then one will say to oneself: Now I must also be able to form concepts regarding the ego and the astral body. — Today, as I hinted at recently, we have only words for these things.

[ 23 ] Wie kommt man zu Vorstellungen über Ich und astralischen Leib? Lassen Sie mich einen trivialen Vergleich gebrauchen. Erstens können sich dann Ihre Gedanken während des trivialen Vergleiches etwas ausruhen und zweitens verstehen wir uns doch besser, wenn ich diesen Vergleich einschiebe. Denken Sie sich einmal, irgendein Wesen, ein menschliches Wesen oder ein sonstiges Wesen, das auf Nahrung angewiesen ist, würde sich nicht ernähren, sondern die Nahrung ganz verweigern. Es wird immer magerer, zuletzt hat es nur Haut und Knochen. Das wird uns ja sehr schön symbolisiert durch eine Erzählung: Da war ein Bauer, der hatte beschlossen, seinem Ochsen das Fressen abzugewöhnen. Und nun war er ziemlich weit gekommen mit dieser Abgewöhnungskur. Er gab ihm täglich immer weniger und hatte die sichere Hoffnung, es so weit zu bringen, ihm täglich nur einen Strohhalm zu geben. Es wäre ihm auch gelungen, nur ist der Ochse früher gestorben, daher konnte er das Experiment nicht zu Ende führen. Zuletzt hört eben das Wesen auf, das nicht mehr Nahrung bekommen soll.

[ 23 ] How do we arrive at concepts of the “I” and the astral body? Let me use a trivial comparison. First, this will give your mind a chance to rest a bit during the comparison, and second, we’ll understand each other better if I include this comparison. Just imagine a being—a human or any other creature—that depends on food but refuses to eat, rejecting food entirely. It grows thinner and thinner, until finally it is nothing but skin and bones. This is beautifully symbolized by a story: There was a farmer who had decided to wean his ox off food. And by this point, he had made considerable progress with this weaning process. He gave the ox less and less each day and was confident he would eventually get to the point of giving it just a single straw each day. He would have succeeded, too, but the ox died before that happened, so he was unable to complete the experiment. Ultimately, the creature simply stops living when it is no longer given food.

[ 24 ] So ist es aber mit der menschlichen Seele im Laufe der geschichtlichen Entwickelung gegangen — oder wie wir das Seelische nennen: Ich und astralischer Leib. Die Menschen haben allmählich verloren irgendwelche Begriffe, die sie in das Seelische hineinschieben können. So ist das Seelische zum bloßen Wort geworden. Ich habe Ihnen ja schon das letzte Mal gesagt: Mauthner, der die «Kritik der Sprache» geschrieben hat, wollte gar nicht mehr die Seele als Wort anwenden. «Geseel» wollte er sagen.

[ 24 ] But this is what has happened to the human soul in the course of historical development—or, as we call the soul: the “I” and the astral body. People have gradually lost any concepts they could apply to the soul. Thus, the soul has become a mere word. As I already told you last time: Mauthner, who wrote *Critique of Language*, no longer wanted to use the word “soul” at all. He wanted to say “Geseel.”

[ 25 ] Nun erinnern wir uns an Zeiten, in denen noch ein lebendiges Bewußtsein davon vorhanden war, daß der Begriff der Seele Nahrung braucht, wenn er vorhanden sein soll; daß man für die Seele etwas braucht, was man ihr geben muß, geradeso wie man für ein lebendiges Wesen Nahrung braucht. Der Begriff der Seele ist ja ganz gestorben, weil zuletzt nicht mehr Nahrung da war im Begriffsinhalt der Menschen. Schauen wir in solche Zeiten zurück. Ich erinnere Sie da an ein allen bekanntes Wort des Paulus: «Wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre unsere Predigt eitel und eitel auch euer Glaube», denn die Menschen — das liegt dem zugrunde — müßten der Seele nach sterben, wenn nicht jene Kraft in die Welt gekommen wäre, die in der Auferstehung Christi liegt. Diese Kraft aber ist eine geistige Kraft, die den Seelen zugegeben wird. Und kommt man von solchen Vorstellungen her, so wird man sich sagen: Was soll denn der Begriff der Seele, damit er ein lebendiger Begriff wird, gewissermaßen als Nahrung eingefügt bekommen? Er muß als Nahrung eingefügt bekommen dasjenige auf Erden, was nicht irdisch ist, die ethisch-religiösen Inhalte, die sittlichen Inhalte. Die sind dasjenige, was die Seele am Leben erhält, so wie der Körper die Nahrung erhält.

[ 25 ] Now let us recall times when there was still a living awareness that the concept of the soul needs nourishment if it is to exist; that the soul requires something that must be given to it, just as a living being needs nourishment. The concept of the soul has, after all, died completely because, in the end, there was no longer any nourishment left in the content of people’s concepts. Let us look back on such times. I remind you here of a well-known saying of Paul’s: “If Christ had not been raised, our preaching would be in vain and your faith would be in vain,” for people—and this is the underlying point—would have to die in their souls if that power had not come into the world, the power that lies in the resurrection of Christ. But this power is a spiritual power that is bestowed upon the souls. And if one proceeds from such ideas, one will ask oneself: What, then, must be incorporated into the concept of the soul—as nourishment, so to speak—in order for it to become a living concept? It must be nourished by that which, on earth, is not earthly: the ethical-religious and moral contents. These are what keep the soul alive, just as food sustains the body.

[ 26 ] Wie weit ist die heutige Menschheit entfernt davon, sich zu sagen: Wenn die Seele nicht geistige Nahrung bekommt, so stirbt sie mit dem Leibe! Zu Paulus’ Zeiten war noch eine lebendige Vorstellung, daß es für die Seele eine Todesgefahr bedeutet, nicht geistige Nahrung zu erlangen. Das muß wiederum durch Anthroposophie in die Welt kommen. Denn Sie können glauben, wenn heute jemand einen Beweis sucht für die Unsterblichkeit der Seele, dann sucht er ihn so ähnlich, wie es die Naturwissenschaft macht. Es fällt ihm gar nicht ein zu sagen: Die Seele wird im Laufe des Erdenlebens dem physischen und Ätherleibe immer ähnlicher und ähnlicher; damit sie sich erhalten kann, muß sie geistige Nahrung bekommen, das heißt sittlich-religiöse Inhalte, dann besiegt sie das Vergängliche des physischen und Ätherleibes. Daß also das Geistige, das Sittlich-Religiöse im Geistigen mit dem Leben der Seele etwas zu tun hat, das muß erst wiederum von der Menschheit verstanden werden. Dann kommt man auch dazu, dem Sittlich-Religiösen Wirklichkeit und Realität beizulegen.

[ 26 ] How far is humanity today from saying to itself: If the soul does not receive spiritual nourishment, it dies along with the body! In Paul’s time, there was still a vivid understanding that failing to receive spiritual nourishment posed a mortal danger to the soul. This must once again be brought into the world through anthroposophy. For you can be sure that if anyone today seeks proof of the soul’s immortality, they seek it in much the same way as natural science does. It does not even occur to them to say: The soul becomes more and more like the physical and etheric bodies in the course of earthly life; in order to sustain itself, it must receive spiritual nourishment—that is, moral and religious content—and then it overcomes the transience of the physical and etheric bodies. Thus, the fact that the spiritual—that is, the moral and religious within the spiritual realm—has something to do with the life of the soul must first be understood by humanity once again. Only then will we come to attribute reality and authenticity to the moral and religious.

[ 27 ] Sie sehen daraus, was eigentlich das Zeitalter des Intellektualismus angerichtet hat. Was hat denn das Zeitalter des Intellektualismus gemacht? Sehen Sie, als das Zeitalter des Intellektualismus noch nicht da war, tauchten die Menschen noch immer ein wenig unter in ihren physischen und Ätherleib. Daß die Menschen gar nicht mehr untertauchen, das ist erst die Errungenschaft des intellektualistischen Zeitalters. Seit der Zeit haben sie in ihren Gedanken auch nur Spiegelbilder. Das Wesen des abstrakten, des intellektualistischen Gedankens ist, daß er in sich selbst gar nichts enthält, weil er Spiegelbild ist. Die früheren Gedanken der Menschen hatten noch Kraft. Da bildeten die Menschen den Mythos aus. Der Mythos drang noch hinunter in die Realität. Mit dem abstrakten, intellektualistischen Denken kann man alles genau denken, aber es bekommt keinen Inhalt, sondern es ist lediglich eine Zeichnung der Welt, was man mit dem intellektualistischen Denken hat. So daß die Sache also so ist, daß das intellektualistische Zeitalter den Menschen ganz außer sich gebracht hat, ihn nur noch Spiegelbilder der Wirklichkeit erleben läßt. Die sittlich-religiöse Welt wird überhaupt nicht erlebt, wenn man sie intellektualistisch erleben will, weil die sittlich-religiösen Dinge ja getan werden müssen vom Menschen. Da werden keine Spiegelbilder erlebt, wenn sie nicht getan werden, die sittlich-religiösen Dinge. So handelt es sich darum, daß der Mensch, gerade um die Wirklichkeit des Sittlich-Religiösen in Realität zu erleben, über das Intellektualistische wiederum hinauswachsen muß zu einem realen inneren Erleben. Das kann man nur, wenn man in voller Klarheit dem Wollen der Geisteswissenschaft gegenübersteht.

[ 27 ] You can see from this what the Age of Intellectualism has actually wrought. What, then, has the Age of Intellectualism done? You see, before the Age of Intellectualism had arrived, people still immersed themselves to some extent in their physical and etheric bodies. The fact that people no longer immerse themselves at all is the very achievement of the age of intellectualism. Since then, their thoughts have consisted only of mirror images. The nature of abstract, intellectual thought is that it contains nothing in itself, because it is a mirror image. People’s earlier thoughts still had power. That is when people developed mythology. Myth still penetrated down into reality. With abstract, intellectualistic thinking, one can think everything out precisely, but it acquires no content; rather, what one has with intellectualistic thinking is merely a sketch of the world. So the situation is that the intellectualistic age has completely estranged people from themselves, allowing them to experience only mirror images of reality. The moral-religious world is not experienced at all if one tries to experience it through intellectualism, because moral-religious acts must, after all, be performed by human beings. No mirror images are experienced of these moral-religious things unless they are actually carried out. Thus, the point is that, precisely in order to experience the reality of the moral-religious in actuality, human beings must in turn transcend intellectualism and move toward a real inner experience. This is possible only when one faces the will of spiritual science with complete clarity.

[ 28 ] Was ich schon an anderer Stelle genötigt war zu sagen, möchte ich auch hier wiederholen. Man kommt jetzt in gewissen Gebieten der Erde endlich darauf, daß ein Unterschied ist zwischen heute und vor hundert Jahren. Man redet so von Goethe, wie er, sagen wir, 1823 gelebt hat, indem man eines nicht betont, was jetzt erst in Amerika drüben, wo es noch stärker auftritt als in Europa, anfängt als Ahnung aufzuleuchten. Denken Sie, in dem Weimar, in dem Goethe herumgegangen ist — auch sonst, wo Goethe herumging —, da gab es ringsherum keine Telegraphendrähte, da gab es keine Telephonleitungen und so weiter. Da war die Luft nicht durchsetzt von Telegraphenleitungen, von elektrischen Leitungen. Nun denken Sie sich nur einmal, wie fein die Instrumente sind, wohin man überall die Wirkung der Elektrizität schickt. Der Mensch hat aber lauter solche Apparate vor sich und um sich. Den Leuten drüben in Amerika geht eine Ahnung auf, daß das auf den physischen Menschen einen Einfluß hat, daß er überall umschwirrt ist von elektrischen Leitungen und dergleichen. Goethe ging durch die Welt, ohne daß sein Körper Induktionsströme in sich hatte. Heute kann man irgendwo weit hinausgehen — man kommt gar nicht so weit hinaus, daß nicht die elektrischen Leitungen mitfolgen. Das induziert fortwährend Strömungen in uns. Goethe war nicht in solchen Strömen. Das alles nimmt der Menschheit den physischen Leib weg, macht den physischen Leib so, daß die Seele gar nicht hineinkommt. Wir müssen uns ja klar darüber sein: In.der Zeit, als es keine elektrischen Ströme gab, nicht die Luft durchschwirrt war von elektrischen Leitungen, da war es leichter, Mensch zu sein. Denn da waren nicht fortwährend diese ahrimanischen Kräfte da, die einem den Leib wegnehmen, wenn man auch wacht. Da war es auch nicht nötig, daß sich die Leute so anstrengten, um zum Geist zu kommen. Denn wenn wir hineinkommen in uns, kommen wir eigentlich erst zum Geist. Daher ist es nötig, heute viel stärkere geistige Kapazität aufzuwenden, um überhaupt Mensch zu sein, als es noch vor hundert Jahren war.

[ 28 ] I would like to repeat here what I have already been compelled to say elsewhere. In certain parts of the world, people are finally coming to realize that there is a difference between today and a hundred years ago. People speak of Goethe as he lived, say, in 1823, without emphasizing something that is only now beginning to dawn as an intuition—especially over in America, where it is even more pronounced than in Europe. Just think: in Weimar, where Goethe walked—and indeed wherever else he walked—there were no telegraph wires all around, no telephone lines, and so on. The air was not permeated by telegraph lines or electrical cables. Now just imagine how sophisticated the instruments are, and how the effects of electricity are transmitted everywhere. But people today have all sorts of such devices in front of them and all around them. People over in America are beginning to realize that this has an effect on the physical human being—that he is surrounded on all sides by electrical wires and the like. Goethe walked through the world without his body carrying any induced currents. Today, you can go far out into the countryside—but you can’t go so far that the power lines don’t follow you. This constantly induces currents within us. Goethe was not exposed to such currents. All of this robs humanity of its physical body, rendering the physical body such that the soul cannot enter it at all. We must be clear about this: In the time when there were no electric currents, when the air was not crisscrossed by power lines, it was easier to be human. For back then, these Ahrimanic forces were not constantly present to rob one of one’s body, even while one is awake. Nor was it necessary for people to exert themselves so much to reach the spirit. For it is only when we turn inward that we truly reach the spirit. That is why, today, we must expend far greater spiritual capacity just to be human than was necessary even a hundred years ago.

[ 29 ] Mir fällt es gar nicht ein, reaktionär zu sein und etwa zu sagen: Also weg mit all dem Zeug, den modernen Kulturerrungenschaften! Das ist nicht die Absicht. Aber der moderne Mensch braucht diese unmittelbare Hinwendung an den Geist, wie die Geisteswissenschaft sie ihm gibt, damit er durch dieses starke Erleben des Geistes tatsächlich auch der Stärkere ist gegenüber jenen Kräften, die gerade mit der modernen Kultur heraufkommen, unseren physischen Leib zu verfestigen, uns ihn zu nehmen. Sonst wird es dahin kommen, daß die Menschen, ich möchte sagen, den Anschluß versäumen in der Menschheitsentwickelung.

[ 29 ] It would never occur to me to be reactionary and say, for example: “So let’s do away with all that stuff—the achievements of modern culture!” That is not the intention. But modern human beings need this direct turning toward the spirit, as provided by spiritual science, so that through this intense experience of the spirit they may indeed be stronger than those forces that are emerging precisely with modern culture—forces that seek to solidify our physical body and take it away from us. Otherwise, it will come to pass that human beings, I would say, will miss the connection in human evolution.

[ 30 ] Dieses intellektualistische Zeitalter ist zum Heile der Menschheit ausgebrochen in einer Zeit, als die Menschen noch etwas untertauchen konnten in ihren physischen Leib. Wären wir so geblieben, wie die Menschen im 13., 14. Jahrhundert waren, mit jenen Seelenverfassungen dieser Menschen wären wir überhaupt nicht in der Lage, die intellektualistischen Gedanken zu fassen. Dann würden wir zwar das Ältere nicht mehr haben, aber zu abstrakten intellektualistischen Gedanken gar nicht kommen; sie würden verrauchen. Das Alte würde uns entfremdet, denken könnten wir nicht, und so würden wir als träumende Wesen herumgehen in der Welt, so taumelnd gegenüber den wichtigsten Weltangelegenheiten. Wir würden so wie taumelnde Träumer herumgehen. Aber das würde der Menschheit auch bevorstehen, wenn sie nicht die inneren geistigen Fähigkeiten verschärft und verstärkt. Die Menschheit würde unter dem Fortschritt so zu leiden haben, daß dem Menschen gleich etwas weh tun würde, wenn er denken sollte. Im 16. Jahrhundert waren noch die Leute innerlich so robust, daß sie sich scharfe intellektualistische Gedanken machen konnten. Da hatten sie noch eine große Freude daran, sich intellektualistische Gedanken zu machen. Heute sind wir schon sehr nahe daran, daß der Mensch sagt: Ach, nachdenken, es ist so schwer, verfilmt mir die ganze Geschichte, damit ich nicht zu denken brauche, daß ich sie mir in ihren verschiedenen Stadien anschauen kann! — Merkwürdige Dinge könnten da entstehen. Ich meine das wirklich nicht spaßhaft. Das ist etwas, wie Sie gleich sehen werden, was sehr im Bereiche der Möglichkeit liegt. Denken Sie sich nur einmal, wenn man das ganze Einmaleins filmen würde, dann könnte der Mensch immer einen Apparat vor sich tragen und dadurch, daß er den Rechnungsansatz macht, würde durch den bestimmten Klang das Richtige anspringen, und er hat die ganze Geschichte verfilmt vor sich. Der Mensch will nach und nach nicht mehr denken, weil es anfängt, unangenehm zu werden. Es wird unangenehm, das Denken. Der Mensch träumt schon viel lieber, als daß er denkt. Und wenn jene äußeren Dinge, die äußere Kulturentwickelung immer weitergehen würde und nicht ein starkes inneres Geistiges in der Entwickelung auftreten würde, dann wäre es eigentlich so, daß die Menschen alle zu herumtaumelnden 'Träumern würden. Das ist ganz ernst gemeint, solch eine Sache steht der Menschheit in Aussicht. Und gerade dieser Sache kann nur entgegengewirkt werden, indem man sich wirklich darauf einläßt, mutig und kühn auf die geistige Welt so loszugehen, wie Geisteswissenschaft das will und wie sie es auch kann. Es ist heute durchaus noch die Möglichkeit, daß wir uns innerlich so stark aufraffen als Menschheit, daß man zu innerer Aktivität kommt. Aber es muß von allen denjenigen, die das einsehen, in ernster Weise mit allen Mitteln gearbeitet werden.

[ 30 ] This age of intellectualism dawned for the good of humanity at a time when people were still able to immerse themselves somewhat in their physical bodies. Had we remained as people were in the 13th and 14th centuries—with the spiritual dispositions of those people—we would not have been able to grasp intellectualistic thoughts at all. Then, although we would no longer have the older ways, we would not even arrive at abstract intellectualistic thoughts; they would simply vanish into thin air. The old ways would become alien to us; we would be unable to think, and so we would go about the world as dreaming beings, reeling in the face of the most important world affairs. We would go about like reeling dreamers. But that is precisely what would be in store for humanity if it did not sharpen and strengthen its inner spiritual capacities. Humanity would suffer so much from progress that it would immediately cause a person pain to think. In the 16th century, people were still inwardly robust enough to engage in sharp, intellectual reflections. Back then, they still took great joy in engaging in such intellectual reflections. Today we are already very close to the point where people say: “Oh, thinking—it’s so hard. Just film the whole story for me so I don’t have to think, so I can watch it unfold in its various stages!” — Strange things could arise from that. I really don’t mean this as a joke. As you will see in a moment, this is something that lies very much within the realm of possibility. Just imagine, if the entire multiplication table were filmed, then people could always carry a device with them, and as soon as they began a calculation, the correct answer would pop up in response to a specific sound, and they would have the whole thing filmed right in front of them. Little by little, people no longer want to think, because it’s starting to become unpleasant. Thinking becomes unpleasant. People would much rather daydream than think. And if those external things—that is, external cultural development—were to continue indefinitely without a strong inner spiritual force emerging in the course of development, then people would essentially all become wandering “dreamers.” I mean this quite seriously; such a prospect lies ahead for humanity. And this very prospect can only be counteracted by truly committing oneself to venturing into the spiritual world with courage and boldness, just as spiritual science intends and is capable of doing. There is still every possibility today that we, as humanity, can muster the inner strength to achieve inner activity. But all those who recognize this must work earnestly toward this end, using every means at their disposal.

[ 31 ] Bitte, fassen Sie die Dinge, die ich im negativen Sinne sage, nicht negativ auf. Ich will gar nicht etwas aus der modernen Kultur wegnehmen. Je mehr die Dinge ausgebildet werden, desto mehr bin ich dafür enthusiasmiert. Ich will weder den Telegraphen noch den Film abschaffen, das fällt mir gar nicht ein. Aber es ist wirklich nötig in der Welt, zu berücksichtigen, daß überall zwei Dinge einander gegenüberstehen. Die Welt steht ganz im Zeichen der Veräußerlichung. Der Ausgleich: Geradeso wie man sich trocknen muß, wenn man gebadet hat, so muß man sich im Geist vertiefen, wenn auf der andern Seite die Kultur der äußeren Veranschaulichung immer größer und größer wird. Gerade das fordert uns auf, innerlich um so aktiver und aktiver zu werden, wenn wir äußerlich eingefangen werden in dasjenige, was nicht mehr durch uns wirkt, sondern an uns wirkt, so daß wir uns als Seele und Geist förmlich ausschalten.

[ 31 ] Please do not take the things I say in a negative sense as negative. I have no intention of taking anything away from modern culture. The more things are developed, the more enthusiastic I am about them. I do not want to do away with either the telegraph or the movie; that would never occur to me. But it is truly necessary in the world to take into account that two things are always in opposition to one another. The world is entirely dominated by externalization. The balance: just as one must dry off after taking a bath, so must one delve deeper into the spirit when, on the other hand, the culture of external visualization is growing ever larger and larger. This is precisely what calls on us to become ever more active inwardly when we are outwardly caught up in that which no longer works through us but acts upon us, so that we effectively shut ourselves off as soul and spirit.

[ 32 ] Diese Gedanken, die wir brauchen, finden wir am allerbesten dadurch, daß wir uns recht klarmachen: Dieser Mensch ist ein so kompliziertes Wesen dadurch, daß die Wesenheiten verschiedenster Welten in ihm zu einem Totalwesen zusammenfließen. Als ich meine «Geheimwissenschaft im Umriß» geschrieben hatte, da schickte mir — ich habe das schon einmal erwähnt — ein recht bedeutender Philosoph der Gegenwart eine lange Abhandlung über diese «Geheimwissenschaft» zu. Und als ich anfing, sie zu lesen, standen gleich solche gescheiten Dinge darin: Ja, das ist eine abstrakte Einteilung des Menschen in physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und so weiter. Nun ist das geradeso gescheit, wie wenn einer sagt: Es ist abstrakt zu sagen, das Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff. Man braucht sich nicht zu verwundern, wenn man sagen muß: Mit so jemandem läßt sich nicht diskutieren. Wir müssen immer unterscheiden die Unmöglichkeit, über das Sachliche mit unseren Zeitgenossen zu diskutieren. Solche Diskussionen sind unfruchtbare Diskussionen. Sie sind freilich auch das Seltenere. Das Häufigere sind die Fälle, wo die Gegner auftreten mit persönlichen Verleumdungen und Lügen. Da handelt es sich darum, die Lüge als Lüge, die Verleumdung als Verleumdung vor der Welt anschaulich zu machen. Aber mit Diskussionen ist außerordentlich wenig getan. Denn darin besteht gerade das Wesen der Anthroposophie und das Wesen dessen, was solche Gegner vorzubringen haben, die nun irgendwie diskutieren wollen: daß eben keine Brücke geschlagen werden kann; daß Anthroposophie durch ihre eigenen Kräfte sich herausringen muß auf allen Gebieten. Wir müssen ebenso wachsam sein, Verleumdung und Lüge zurückzuweisen, wie wir auf der andern Seite uns klar sein müssen, daß die Anthroposophie ihren Weg durch die Welt nur dadurch machen kann, daß sie aus ihrer inneren Kraft heraus mit aller Intensität arbeitet. Also, Behandlung der Gegner heißt: Da, wo mit unwahren Mitteln gekämpft wird, wachsam sein. Dagegen — nun gewiß, es kann Opportunität es notwendig machen, daß man aufmerksam macht, wie berechtigt das eine oder andere ist; das kann man ja tun, wenn man bloß einen fingierten Gegner vor sich hat. Manche haben es gerne so gemacht, daß sie die Widerlegungen, die in meinen Schriften darin stehen, abgeschrieben haben und nur das weggelassen haben, was das Positive war. Also es ist schon so, daß man sachliche Widerlegungen aus meinen Schriften selbst entnehmen kann. Es ist notwendig, in diesen Dingen klar zu sehen und nicht schon das Träumen auf diesem Gebiete anzufangen.

[ 32 ] The best way to find these thoughts we need is by making it very clear to ourselves: Human beings are such complex beings because the essences of the most diverse worlds converge within them to form a single, complete being. After I had written my *Outline of Esoteric Science*, a rather prominent contemporary philosopher—as I have mentioned before—sent me a long treatise on this “esoteric science.” And when I began to read it, I immediately found such clever remarks in it: “Yes, this is an abstract division of the human being into physical body, etheric body, astral body, and so on.” Now, that is just as clever as if someone were to say: “It is abstract to say that water consists of hydrogen and oxygen.” It’s no surprise when one has to say: You can’t have a discussion with someone like that. We must always distinguish between the impossibility of discussing factual matters with our contemporaries. Such discussions are fruitless. They are, of course, also the rarer ones. More common are the cases where opponents resort to personal slander and lies. In such cases, the task is to expose the lie as a lie and the slander as slander before the world. But discussions accomplish very little. For this is precisely the essence of anthroposophy and the essence of what such opponents—who now wish to engage in some form of discussion—have to offer: that no bridge can be built; that anthroposophy must forge its own path in all areas through its own strength. We must be just as vigilant in rejecting slander and lies as we must, on the other hand, be clear that anthroposophy can make its way through the world only by working with all its intensity out of its own inner strength. So, dealing with opponents means: being vigilant where the fight is waged with untruthful means. On the other hand—well, certainly, circumstances may make it necessary to point out how justified one thing or another is; one can certainly do that when one is dealing with nothing more than a fictitious opponent. Some have taken to copying the refutations contained in my writings and omitting only the positive aspects. It is indeed true that one can derive objective refutations from my writings themselves. It is necessary to see these matters clearly and not to begin daydreaming in this area.

[ 33 ] Nun verzeihen Sie, daß fast jede Betrachtung jetzt, auch wenn sie versuchte, in etwas entlegenere Gebiete einzuführen, doch mit einer solchen Aufforderung schließen muß. Das Schädlichste für die Anthroposophische Gesellschaft bleibt, wenn sie eine zu große Neigung entwickelt zum Schlafen; sie muß wach sein. Der Mensch wird zur Pflanze, wenn er schläft. Aber auch die Anthroposophische Gesellschaft bekommt ein Pflanzendasein, wenn über ihre eigentlichen Angelegenheiten geschlafen wird. Ebensowenig wie der Mensch vertragen kann, immer Pflanze zu sein, nicht das ganze Leben schlafen kann, ebensowenig kann es die Anthroposophische Gesellschaft vertragen, wenn man immer schläft. Es muß auch Wachsamkeit entwickelt werden. Und das möchte ich unterschiedslos der Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Anthroposophischen Gesellschaft empfehlen. Denn sonst könnte es herauskommen, daß beide Gesellschaften nur nebeneinander sich entwickelt haben, weil, wenn sie zusammengeblieben wären, die Angehörigen der einen und der andern sich gegenseitig zu stark den Schlaf stören würden. Wenn man aber selbständig ist, dann stören die andern weniger den Schlaf, und man kann um so besser schlafen.

[ 33 ] Please forgive me that almost every reflection now—even if it attempts to venture into somewhat more remote areas—must nevertheless conclude with such an appeal. The most harmful thing for the Anthroposophical Society is if it develops too great a tendency to sleep; it must remain awake. A human being becomes like a plant when he sleeps. But the Anthroposophical Society, too, takes on a plant-like existence when its actual affairs are neglected. Just as a human being cannot endure being a plant all the time—cannot sleep his entire life—so, too, the Anthroposophical Society cannot endure it if people are always asleep. Vigilance must also be cultivated. And I would like to recommend this without distinction to both the Anthroposophical Society and the Free Anthroposophical Society. For otherwise it might turn out that the two societies have developed only side by side because, had they remained united, the members of one would have disturbed the sleep of the other too much. But when one is independent, others disturb one’s sleep less, and one can sleep all the better.

[ 34 ] Es wird sich darum handeln, daß bei beiden Gesellschaften die Einsicht aufdämmert, daß beide nun durch ihre eigenen inneren Kräfte wach und nicht froh sind, daß die andere nun nicht weiter den Schlaf stört. Ich will selbstverständlich gar nicht anzüglich werden, aber manchmal muß man solche Dinge sagen und muß sie sogar der Freien Anthroposophischen Gesellschaft sagen. Soll schon nicht eine das Schoßkind sein, so sollen schon beide ganz menschlich behandelt werden. Also ich möchte, daß das ein wenig berücksichtigt würde. Ich glaube, der eine oder der andere weiß doch schon sogar heute, was ich eigentlich meine. Man sagt oftmals, man weiß nicht, was ich meine, aber ich glaube dennoch, wenn man will, kann man wissen, was ich meine, und sogar dann, wenn ich zum Aufwachen auffordere, kann man wissen, was ich meine, wenn es auch unangenehm klingt.

[ 34 ] The point will be that both societies come to realize that they are now awake—and not happy—because of their own inner forces, and that the other should no longer disturb their sleep. Of course, I don’t mean to be suggestive, but sometimes one has to say such things—and one must even say them to the Free Anthroposophical Society. If neither is to be the favored child, then both should be treated in a fully human way. So I would like for that to be taken into account a little. I believe that one or the other already knows, even today, what I actually mean. People often say they don’t know what I mean, but I still believe that if one wants to, one can know what I mean—and even when I call for people to wake up, one can know what I mean, even if it sounds unpleasant.

[ 35 ] Also, meine lieben Freunde, schicken Sie Ihre Delegierten zu der Delegiertenversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach vom 20. bis 22. Juli. Schicken Sie sie recht wach. Denn Wachheit brauchen wir in der Zukunft, volle Wachheit in der ganzen Anthroposophischen Gesellschaft.

[ 35 ] So, my dear friends, send your delegates to the Delegates’ Assembly of the Anthroposophical Society in Dornach from July 20 to 22. Send them with a keen sense of awareness. For we will need this awareness in the future—full awareness throughout the entire Anthroposophical Society.