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The Human Soul in Its Relationship to Divine-Spiritual Individualities
GA 224

24 June 1923, Dornach

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9. Johannistimmung der geschärfte Johanniblick

9. St. John's Spirit: A Sharpened View of St. John's

[ 1 ] In dem kurzen Vortrage, den ich heute nachmittag der Eurythmieaufführung vorangehen ließ, habe ich bereits darauf hingewiesen, wie man auch an dem Verhältnis, welches die moderne Menschheit zu den Festeszeiten des Jahres hat, sehen kann, wie wir in den Materialismus hineinkommen. Allerdings muß man dann die Anschauung von dem Materialismus viel tiefer fassen, als das gewöhnlich der Fall ist. Das gefährlichste Charakteristikon der Gegenwart ist nicht, daß die Menschen vom Materialismus angesteckt sind, sondern das viel gefährlichere Charakteristikon ist die Oberflächlichkeit unseres Zeitalters.

[ 1 ] In the short lecture I gave this afternoon prior to the eurythmy performance, I already pointed out how one can see, even in the relationship modern humanity has to the annual festivals, how we are slipping into materialism. However, one must then understand the concept of materialism much more deeply than is usually the case. The most dangerous characteristic of the present day is not that people are infected by materialism; rather, the far more dangerous characteristic is the superficiality of our age.

[ 2 ] Diese Oberflächlichkeit ist nicht nur gegenüber geistigen Weltanschauungen vorhanden, sondern sie ist auch mit Bezug auf den Materialismus selbst vorhanden. Man nimmt ihn in den oberflächlichen Erscheinungen. So habe ich zum Beispiel heute nachmittag darauf aufmerksam gemacht, wie in den verschiedenen Zeiten des Jahres so etwas wie die Stimmungen, denen die Menschen in älteren Zeiten noch hingegeben waren, auch in den festlichen Veranstaltungen in diesen älteren Zeiten zur Offenbarung kamen. Man legte in das Wintersonnenwendefest, in das Frühlingsfest, in das Johannifest, in das Michaeli-Fest, in jene ganz bestimmten, kultusähnlichen oder wenigstens von Kultusähnlichem durchdrungenen Veranstaltungen, doch verschiedene Stimmungen hinein, die den Menschen überkommen müssen, wenn er den Jahreslauf bewußt miterlebt.

[ 2 ] This superficiality is not limited to spiritual worldviews; it is also present with regard to materialism itself. It is perceived only in its superficial manifestations. For example, this afternoon I pointed out how, at various times of the year, the kinds of moods to which people in earlier times were still attuned were also expressed in the festive celebrations of those times. People imbued the winter solstice festival, the spring festival, the St. John’s festival, the Michaelmas festival—those very specific, cult-like events, or at least those permeated by something akin to a cult—with various moods that must come over a person when they consciously experience the course of the year.

[ 3 ] Dadurch gab man der menschlichen Seele dasjenige, was man dem Menschen heute nur dem Leibe nach gibt. Den Tageslauf machen wir ja alle noch mit. Wenn die Sonne ihr Morgengold ihrer eigenen Offenbarung als Morgendämmerung voranschickt, dann essen wir unser Frühstück. Wenn die Sonne am höchsten steht, wenn sie ganz besonders liebevoll ihre Wärme und ihr Licht ausgießt über die Erdenmenschheit, dann geben wir uns der Mittagsmahlzeit hin, nun, und so weiter durch Five o’clock tea und Souper hindurch. Wir machen in diesen Festesveranstaltungen des Tages den Tageslauf der Sonne mit, indem wir selbst diesen feurigen Ritt der Sonne um die Welt in uns nitempfinden. Wir empfinden das mit, was die Sonne vollführt bei ihrem feurigen Ritt um die Welt, indem wir Hunger und Sättigung absolvieren. Und so ist die Stimmung für den menschlichen physischen Organismus in einer ganz dezidierten Weise zu bestimmten Tageszeiten da. Wir könnten Frühstück, Mittagsmahl, Teetrinken, Abendbrotessen die Feste des Tages nennen. Der menschliche physische Organismus macht dasjenige mit, was im Verhältnis der Erde zum Kosmos sich abspielt.

[ 3 ] In this way, the human soul was given what today is given to human beings only in terms of the body. After all, we all still follow the rhythm of the day. When the sun sends forth the golden light of its own revelation as dawn, we eat our breakfast. When the sun is at its highest, when it pours out its warmth and light with particular tenderness upon the people of the earth, then we indulge in our midday meal, and so on through five o’clock tea and supper. In these festive events of the day, we participate in the sun’s daily course by experiencing within ourselves this fiery ride of the sun around the world. We experience what the sun accomplishes on its fiery ride around the world by going through hunger and satiety. And so the mood for the human physical organism is present in a very distinct way at certain times of the day. We could call breakfast, lunch, tea time, and dinner the “festivities of the day.” The human physical organism participates in what takes place in the relationship between the Earth and the cosmos.

[ 4 ] In einer ähnlichen Weise hat man in älteren Zeiten, als das Seelenleben aus den alten instinktiven Hellseherzuständen heraus intensiver empfunden worden ist, den Jahreslauf mitgemacht. Es haben sogar gewisse Dinge aus der einen Sphäre in die andere hineingespielt. Sie brauchen sich nur zu erinnern an dasjenige, was von diesen Dingen noch geblieben ist: Ostereier, Martinsgänse und so weiter. Da spielt die untere Region, die leibliche Region in die seelische Region, die eigentlich den Jahreslauf eben auch auf seelische Art miterleben muß, hinein. Nun, am ehesten wäre ein materialistisches Zeitalter noch zu haben, ich will nicht gerade sagen für Ostereier, aber für Martinsgänse und dergleichen wäre man ja auch im Jahreslaufe zu haben.

[ 4 ] In a similar way, in earlier times—when spiritual life was experienced more intensely through the old, instinctive states of clairvoyance—people followed the course of the year. Certain elements even carried over from one sphere into the other. You need only recall what remains of these things today: Easter eggs, St. Martin’s geese, and so on. Here, the lower region—the physical region—influences the soul region, which must, in fact, also experience the course of the year in a spiritual way. Well, a materialistic age might still be open to the idea—I wouldn’t go so far as to say for Easter eggs, but for St. Martin’s geese and the like, one might well be open to them in the course of the year.

[ 5 ] Aber so waren diese Dinge mit Bezug auf die eigentlichen Festesstimmungen in alten Zeiten nicht gemeint, sondern sie waren abgestimmt auf Seelenhunger und Seelensättigung. Die Seele des Menschen brauchte etwas anderes zur Weihnachtszeit, etwas anderes zur Osterzeit, zur Johannizeit und zur Michaelizeit. Und man kann wirklich das, was in den Veranstaltungen der Festlichkeiten lag, vergleichen mit einer Art Rücksichtnahme auf den Hunger der Seele gerade in den auftretenden Jahresabschnitten und mit einer Sättigung der Seele in diesen Jahresabschnitten.

[ 5 ] But these things were not intended to reflect the actual festive moods of olden times; rather, they were attuned to the soul’s hunger and the soul’s satisfaction. The human soul needed something different during the Christmas season, something different during the Easter season, during the season of St. John, and during the season of St. Michael. And one can truly compare what lay at the heart of these festive celebrations to a kind of consideration for the soul’s hunger, particularly during the respective seasons of the year, and to a satisfying of the soul during these seasons.

[ 6 ] Nun kann man also sagen: Schauen wir auf den Tageslauf der Sonne, so können wir auf ihn dasjenige beziehen, was unserem Leibe frommt. Schauen wir auf den Jahreslauf der Sonne, so können wir auf ihn dasjenige beziehen, was unserer Seele frommt.

[ 6 ] So we can say: When we look at the sun’s daily course, we can relate to it that which benefits our body. When we look at the sun’s annual course, we can relate to it that which benefits our soul.

[ 7 ] Sollen Feste wieder aufleben, dann muß das natürlich aus einem viel bewußteren Zustande heraus geschehen: aus einem solchen Erwachen der Seele, wie sie durch die anthroposophische Weltgesinnung angestrebt wird. Wir können nicht bloß historisch die alten Festeszeiten erneuern, wir müssen sie durch die neueren Erkenntnisse und Anschauungen der Welt aus unserem eigenen Seelenwesen heraus wieder finden. Wir unterscheiden aber außer dem Leibe und außer der Seele ja am Menschen auch den Geist.

[ 7 ] If festivals are to be revived, this must naturally take place from a much more conscious state: from an awakening of the soul such as is sought through the anthroposophical worldview. We cannot merely revive the old festival times historically; we must rediscover them from within our own soul, through our newer insights and perspectives on the world. After all, in addition to the body and the soul, we also distinguish the spirit in human beings.

[ 8 ] Nun wird es dem modernen Menschen schon schwer, überhaupt sich noch bestimmten Vorstellungen hinzugeben, wenn von Seele gesprochen wird. Da verschwimmt die Geschichte ins Unbestimmte. Nicht nur, daß man es ja erlebt hat, wie im 19. Jahrhundert angefangen wurde zu sprechen von einer Psychologie, einer Seelenlehre ohne Seele. Fritz Mauthner, der große Sprachktitiker, hat sogar gefunden: Seele ist etwas so Unbestimmtes, wir kennen eigentlich keine Seele, wir kennen nur gewisse Gedanken, Empfindungen, Gefühle, die in uns erlebt werden, aber eine einheitliche Seele darinnen kennen wir nicht. Wir sollten daher auch dieses Wort «Seele» in der Zukunft gar nicht mehr gebrauchen. Wir sollten von diesem unbestimmten inneren Wuscheln sprechen und nicht mehr sagen Seele, sondern «Geseel». So daß Fritz Mauthner etwa rät, ein künftiger Klopstock, der eine «Messiade» dichtete, sollte nicht mehr sagen: «Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung...», sondern: «Sing, unsterbliches Geseel, der sündigen Menschen Erlösung...», wenn das überhaupt noch einen Sinn hat innerhalb dieser Geseellehre! Wir würden also in der Zukunft nicht eine Seelenkunde, sondern eine Geseelkunde haben.

[ 8 ] Nowadays, it is already difficult for modern people to even entertain certain ideas when the soul is mentioned. The story becomes blurred and vague. Not only have we witnessed how, in the 19th century, people began to speak of a psychology—a study of the soul—without a soul. Fritz Mauthner, the great linguistic critic, even concluded: The soul is something so indefinite that we do not actually know what a soul is; we know only certain thoughts, sensations, and feelings that are experienced within us, but we do not recognize a unified soul within them. We should therefore stop using the word “soul” altogether in the future. We should speak of this indefinite inner stirrings and no longer say “soul,” but rather “Geseel.” Thus, Fritz Mauthner advises, for example, that a future Klopstock, were he to compose a “Messiade,” should no longer say: “Sing, immortal soul, of the salvation of sinful mankind…,” but rather: “Sing, immortal Geseel, of the redemption of sinful mankind…,” if that even makes any sense at all within this doctrine of the Geseel! Thus, in the future, we would have not a study of the soul, but a study of the Geseel.

[ 9 ] Nun können wir wirklich sagen: Von diesem Zusammenhang seiner Seele mit dem Jahreslauf der Sonne weiß der moderne Mensch nichts mehr. Er ist auch in dieser Beziehung Materialist geworden. Er hält sich an die Festeszeiten des Leibes, die dem Tageslauf der Sonne folgen. Die Feste werden aus traditioneller Gewohnheit wohl begangen, aber lebendig werden sie nicht empfunden. Und wir haben außer dem, daß wir einen Leib, eine Seele — oder im Sinne von Fritz Mauthner ein Geseel — haben, ja auch Geist.

[ 9 ] Now we can truly say: Modern man knows nothing more of this connection between his soul and the sun’s annual cycle. He has become a materialist in this regard as well. He adheres to the bodily festivals that follow the sun’s daily course. The festivals are observed out of traditional habit, but they are not experienced as something alive. And besides having a body and a soul—or, in Fritz Mauthner’s sense, a “Geseel”—we also have a spirit.

[ 10 ] Nun gibt es im Weltenlauf wiederum dasjenige, was die historischen Epochen sind. Diese historischen Epochen, die über den Jahreslauf hinausreichen, Jahrhunderte umfassen, die lebt wiederum der menschliche Geist mit, wenn er sie mitempfindet, In alten Zeiten hat man sie sehr wohl erlebt. Wer in der richtigen Weise geistgetragen einzugehen weiß auf die Art und Weise, wie man in den älteren Zeiten sich hineingedacht hat in den Zeitenlauf, der weiß, wie überall gesagt worden ist: Zu dieser oder jener Zeitenwende sei irgendeine Persönlichkeit erschienen, die wiederum einmal Geistiges aus den Höhen der Welt geoffenbart hat. Und dann hat sich dieses Geistige eingelebt, wie im Physischen sich das Sonnenlicht einlebt. Kam dann eine solche Epoche in die Abenddämmerung, dann trat wiederum etwas Neues auf.

[ 10 ] Now, in the course of world history, there are, once again, what we call historical epochs. These historical epochs, which extend beyond the course of a single year and span centuries, are experienced by the human spirit when it resonates with them. In ancient times, people certainly experienced them. Whoever knows how to approach this in the right way, guided by the spirit—in the same way that people in earlier times immersed themselves in the course of history—knows, as has been said everywhere: At this or that turning point in history, a certain personality appeared who, in turn, revealed spiritual truths from the heights of the world. And then this spiritual reality took root, just as sunlight takes root in the physical world. When such an epoch reached its twilight, something new emerged once more.

[ 11 ] Diese historischen Epochen hängen so mit der Geistesentwickelung der Menschheit zusammen, wie der Jahreslauf der Sonne mit der Seelenentwickelung zusammenhängt. Natürlich, gerade wenn die Geistesentwickelung wiederum in lebendiger Weise erfaßt werden muß, so muß es dadurch geschehen, daß man in bewußter geistiger Erkenntnis wiederum verstehen lernt, wie Umschwünge, Metamorphosen im Werdegang der Menschheit eintreten. Heute möchte man dieses Eintreten von Metamorphosen ganz und gar übersehen. Man ist äußerlich irgendwie berührt von den Wirkungen, aber man möchte innerlich nicht eingehen auf die Umschwünge, die aus dem Geiste heraus kommen und die sich in den äußeren Weltereignissen ausleben.

[ 11 ] These historical epochs are related to the spiritual development of humanity in the same way that the sun’s annual cycle is related to the development of the soul. Of course, precisely when spiritual development must once again be grasped in a living way, this must be achieved by learning, through conscious spiritual insight, to understand once more how upheavals and metamorphoses occur in the course of human history. Today, people tend to overlook the occurrence of these metamorphoses entirely. Outwardly, people are somehow affected by the effects, but inwardly they do not wish to engage with the upheavals that arise from the spirit and play out in external world events.

[ 12 ] Man sollte nur einmal darauf hinsehen, wie in unserer Zeit eine gewisse Denkrichtung, eine Empfindungs- und Gefühlsrichtung auftritt bei den Kindern, bei den jungen Leuten, die der früheren Generation noch fremd waren; wie große Umschwünge geschehen, die, wenn man auf die richtigen Elemente hinschaut, im Werdegang der Menschheit durchaus dem Werdegang des Jahres zu vergleichen sind. Daher sollte man auf dasjenige hören, was die einzelnen Zeitalter als ihre Bedürfnisse verkünden, sollte hinhorchen, wenn ein neues Zeitalter heraufkommt und von dem Menschen etwas anderes verlangt, als frühere Zeitalter verlangt haben. Aber gerade dafür haben ja die Menschen heute nur im geringsten Maße ein Organ.

[ 12 ] One need only observe how, in our time, a certain way of thinking, a certain sensibility and emotional disposition is emerging among children and young people—one that was still foreign to the previous generation; how great upheavals are taking place which, if one looks at the right elements, can certainly be compared, in the course of human development, to the course of the year. Therefore, one should listen to what each individual age proclaims as its needs; one should pay attention when a new age dawns and demands something different from human beings than previous ages have demanded. But it is precisely for this that people today have only the slightest capacity.

[ 13 ] Die großen Zusammenhänge des Lebens können uns vor die Seele treten, wenn wir in der richtigen Weise gerade wiederum aus unserem Gegenwartsbewußtsein heraus an die Festesstimmungen herandtingen, wenn wir zum Beispiel so etwas wie Johannistimmung wirklich in unsere Seele dringen lassen, und wenn wir versuchen, aus der Johannistimmung heraus dasjenige für unsere Seele zu gewinnen, bei dem eine Förderung, eine Unterstützung unseres Eingehens dadurch stattfindet, daß uns der Kosmos zu Hilfe kommt.

[ 13 ] The great interconnections of life can come to the forefront of our souls if we approach the festive moods in the right way, drawing directly from our awareness of the present moment—if, for example, we truly allow something like the St. John’s mood to penetrate our souls, and if we try, from within the St. John mood, to gain for our soul that which fosters and supports our inner process through the cosmos coming to our aid.

[ 14 ] Gewiß, der modernen Menschheit sind die Dinge, die mit dem Großen der Weltentwickelung zusammenhängen, mehr oder weniger gleichgültig geworden. Man hat heute kein Herz mehr für die Erkenntnisse der großen Weltzusammenhänge. Da zeigt sich das Eindringen des Geistes der Kleinlichkeit, ich möchte sagen das Eindringen des Geistes der Mikroskopie und des Atomisierens in Erscheinungen, die, wenn man von ihnen heute so redet, wie ich es hier tun muß, natürlich den Eindruck des Paradoxen hervorrufen.

[ 14 ] Certainly, modern humanity has become more or less indifferent to matters related to the grand sweep of world history. Today, people no longer have a heart for understanding the great interconnections of the world. This reveals the encroachment of a spirit of pettiness—I would say the encroachment of a spirit of microscopy and atomization—into phenomena which, when discussed today in the way I must do here, naturally give the impression of a paradox.

[ 15 ] Ich möchte auf eine bestimmte Erscheinung gerade im Zusammenhang mit der Johannistimmung hinweisen. Der Zusammenhang wird etwas fernerliegend sein, aber ich möchte darauf hinweisen. Was ist, selbst wenn man kein sehr entwickeltes Organ hat für den Jahreslauf, selbstverständlicher, als daß man von dem Pflanzenwachstum, von dem Baumwachstum den Eindruck hat: Wenn der Frühling kommt, dann sprießt und sproßt das Grüne, es entwickelt sich immer mehr und mehr das Wachsen, das Sprießen, das Sprossen, Blatt geht in Blüte über. Das ganze rege Wachsen, das den Eindruck macht, als wenn der Kosmos mit seinen Sonnenwirkungen die Erde aufriefe, sich dem All zu öffnen, dieses Ganze tritt dann ein zur Johannizeit.

[ 15 ] I would like to point out a particular phenomenon specifically in connection with the St. John’s mood. The connection may seem somewhat remote, but I would like to highlight it. Even if one does not have a highly developed sense of the cycle of the year, what could be more natural than to get the impression from the growth of plants and trees that: When spring comes, greenery sprouts and shoots forth; growth, sprouting, and budding develop more and more, and leaves give way to blossoms. All this vigorous growth—which gives the impression that the cosmos, through the influence of the sun, is calling upon the earth to open itself to the universe—all of this comes to pass at the time of St. John.

[ 16 ] Dann beginnt wiederum ein Zurücktreten des Sprießens und Sprossens. Da nähern wir uns der Zeit, wo die Erde ihre Wachstumskräfte in sich selber zusammenzieht, wo die Erde sich dem Kosmos entzieht. Wie natürlich ist es, daß man aus dem Eindruck, den man so von dem Jahreslauf empfängt, sich die Vorstellung bildet, daß zum Winter die Schneedecke gehört, daß es zum Winter gehört, daß die Pflanzen sich sozusagen mit ihrem Wesen in den Boden der Erde verkriechen, daß es zum Sommer gehört, daß die Pflanzen herauskommen, dem Kosmos entgegenwachsen. Was ist natürlicher, als daß man die Vorstellung entwickelt — wenn das auch in einem tieferen Sinne gerade im entgegengesetzten Sinne richtig ist —: die Pflanzen schlafen im Winter, sie wachen im Sommer ?

[ 16 ] Then, once again, the sprouting and budding begin to subside. We are approaching the time when the earth draws its growth forces back into itself, when the earth withdraws from the cosmos. How natural it is that, based on the impression one gains from the course of the year, one forms the idea that a blanket of snow belongs to winter, that it is part of winter for plants to, so to speak, retreat with their very being into the earth, and that it is part of summer for plants to emerge and grow toward the cosmos. What could be more natural than to develop the idea—even if, in a deeper sense, the exact opposite is true—that plants sleep in winter and wake in summer?

[ 17 ] Ich will über dieses Schlafen und Wachen jetzt nicht als von richtigen und unrichtigen Begriffen sprechen. Ich will nur von den Eindrücken sprechen, die man bekommt, so daß die Menschen die Vorstellung haben: Der Sommer gehört der Entwickelung der Vegetation, der Winter gehört dem Zurücktreten, dem Sich-Verkriechen der Vegetation. Immerhin bildet sich da eine Art Weltempfindung heraus für den Menschen. Man gerät in das Gefühl eines Zusammenhanges hinein mit der wärmenden und leuchtenden Kraft der Sonne, wenn man diese wärmende und leuchtende Kraft der Sonne wieder erblickt in der grünenden und blühenden Pflanzendecke der Erde, und man gerät in eine Empfindung hinein, als wenn man im Winter ein Erdeneremit gegenüber dem Kosmos wäre, wenn die Pflanzendecke nicht da ist und der Schneemantel die Erde abschließt vom Kosmos, zur Innentätigkeit aufruft. Kurz, indem man so fühlt und empfindet, reißt man sich mit seinem Erdenbewußtsein gewissermaßen von dem Erdendasein ab. Man versetzt sich dadurch in größere Verhältnisse des Weltenalls.

[ 17 ] I do not wish to speak of this sleeping and waking in terms of right and wrong concepts. I simply want to speak of the impressions one receives, so that people have the idea: Summer belongs to the development of vegetation, while winter belongs to its retreat and hibernation. After all, a kind of worldview takes shape for human beings. One comes to feel a connection with the warming and radiant power of the sun when one sees this warming and radiant power of the sun reflected once more in the green and blooming vegetation covering the earth, and one is drawn into a sensation as if, in winter, one were an earthly hermit facing the cosmos—when the vegetation is absent and the mantle of snow seals off the earth from the cosmos, calling for inner activity. In short, by feeling and sensing in this way, one detaches oneself, so to speak, from earthly existence with one’s earthly consciousness. One thereby places oneself within the broader context of the universe.

[ 18 ] Nun kommt aber die moderne Forschung, die ich hiermit nicht kritisiere — was ich jetzt sagen werde, soll sogar in bezug auf Forschung selbst nicht ein Abkanzeln, sondern ein Lob sein —, nun kommt die moderne Forschung und zuckt die Achseln, wenn von großen kosmischen Zusammenhängen die Rede ist. Warum sollte man denn sich gehoben fühlen zur göttlich erleuchtenden, erwärmenden Kraft der Sonne, wenn die Bäume ausschlagen, grün werden, wenn die Erde sich mit der Pflanzendecke bedeckt? Warum sollte man denn an diesen aus der Erde herauswachsenden Pflanzen einen Zusammenhang mit dem Weltenall empfinden müssen? Es stört einen. Kosmische Empfindungen stören einen. Man bringt das mit seinem materialistischen Bewußtsein gar nicht mehr in Einklang, solche Empfindungen zu haben. Die Pflanze ist doch Pflanze. Es ist wie ein Eigensinn der Pflanze, daß sie just nur im Frühling blüht, im Sommer zum Fruchten sich bereit erklärt. Wie geht denn das zu? Man soll da nicht bloß mit der Pflanze zu tun haben, sondern mit der ganzen Welt! Wenn man über diese Dinge fühlen, empfinden oder erkennen soll, da soll man mit der ganzen Welt zu tun haben, nicht bloß mit der Pflanze! So etwas schickt sich doch nicht! Gibt man sich doch schon Mühe, nicht mit den Stoflen zu tun zu haben, die so in Pulverform oder in Kristallform vorhanden sind, sondern mit den Atomstrukturen, mit dem Atomkern, mit der elektromagnetischen Atmosphäre und so weiter! Man bemüht sich also, mit etwas Abgeschlossenem zu tun zu haben, nicht mit etwas, was da in vieles hinausweist. Der Pflanze soll man nun zugestehen, man brauche eine Empfindung, die in den Kosmos hinausreicht! Etwas Schreckliches ist es doch, wenn man sein Gesichtsfeld nicht einengen kann auf das bloße einzelne Objekt! Man ist das doch so gewöhnt: Wenn man mikroskopiert, da ist doch auch alles ringsherum abgeschlossen, da ist nur das kleine Gesichtsfeld da; es geht alles so im Kleinen, Abgeschlossenen vor sich. Man muß doch auch die Pflanze für sich betrachten können, nicht im Zusammenhang mit dem Kosmos!

[ 18 ] But now modern research—which I am not criticizing here; what I am about to say is not meant as a rebuke, even with regard to research itself, but rather as praise—now modern research shrugs its shoulders when the subject of great cosmic connections comes up. Why should one feel uplifted by the divinely illuminating, warming power of the sun when the trees bud and turn green, when the earth is covered with a blanket of plants? Why should one feel compelled to perceive a connection to the universe in these plants growing out of the earth? It disturbs one. Cosmic sensations disturb one. With one’s materialistic consciousness, it’s simply impossible to reconcile having such feelings. A plant is just a plant, after all. It’s as if the plant were being stubborn—blooming only in spring and bearing fruit in summer. How does that even work? One isn’t supposed to be dealing merely with the plant, but with the whole world! If one is to feel, sense, or recognize these things, one must engage with the whole world, not just with the plant! That’s simply not proper! After all, one is already making an effort not to deal with the substances that exist in powder or crystal form, but with atomic structures, the atomic nucleus, the electromagnetic atmosphere, and so on! So one strives to deal with something self-contained, not with something that points out into so many other things. One must now concede to the plant that it requires a perception that reaches out into the cosmos! It is, after all, a terrible thing when one cannot narrow one’s field of vision down to a mere single object! We are so used to this: when we look through a microscope, everything around us is also enclosed; there is only that small field of view; everything takes place on a small, enclosed scale. Surely we must also be able to consider the plant on its own, not in connection with the cosmos!

[ 19 ] Und siehe da, um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert gelang den Forschern gerade auf diesem Gebiete etwas Außerordentliches. Man hat ja ganz gewiß von einzelnen Pflanzen im Verhältnis zu Warmhäusern, ’Treibhäusern und so weiter schon gewußt, daß man das Sommerliche und Winterliche überwinden kann, aber im ganzen ist man um diese Wende des 19. zum 20. Jahrhundert zu wenig darüber hinausgekommen gewesen, daß die Pflanzen doch eine gewisse Winterruhe brauchen. Es wurden Diskussionen in dieser Zeit geführt, wie es sich mit den Tropenpflanzen verhält. Diejenigen Forscher, welche nichts mehr wissen wollten von einem Zusammenhang mit dem Kosmos, die behaupteten, die Tropenpflanzen wachsen das ganze Jahr hindurch. Die andern, die noch am alten konservativen Anschauen festhielten, die sagten: Ja, wenn man da in die üppige grüne Tropenwelt kommt, dann denkt man das nur aus dem Grunde, weil die Pflanzen zu verschiedenen Zeiten ihre Winterruhe halten, manche nur bis zu acht Tagen. So sieht man das nicht, wenn gerade eine bestimmte Art in der Ruhe ist. Es entstanden ausführliche Diskussionen darüber, wie es sich mit den Tropenpflanzen verhält. Kurz, man merkte etwas von einer ungeheuren Unbehaglichkeit diesem Zusammenhang der Pflanzenwelt mit dem Kosmos gegenüber.

[ 19 ] And lo and behold, at the turn of the 19th to the 20th century, researchers achieved something extraordinary in this very field. It was certainly already known, with regard to individual plants in relation to warmhouses, greenhouses, and so on, that one could overcome the differences between summer and winter; but on the whole, at the turn of the 19th to the 20th century, people had not yet progressed much beyond the understanding that plants do, after all, need a certain period of winter dormancy. Discussions took place during this period regarding the behavior of tropical plants. Those researchers who wanted nothing more to do with any connection to the cosmos claimed that tropical plants grow all year round. The others, who still clung to the old conservative view, said: Yes, when you enter the lush green tropical world, you think that only because the plants go into dormancy at different times—some for as little as eight days. You don’t see it that way when a particular species is currently dormant. Extensive discussions arose about the nature of tropical plants. In short, one sensed a tremendous unease regarding this connection between the plant world and the cosmos.

[ 20 ] Nun hat man in dieser Richtung, gerade um die Wende des 19. zum 20, Jahrhundert, die interessantesten, geistreichsten Versuche gemacht, und es ist wirklich gelungen, einer ganzen Anzahl nicht nur einzelner einjähriger Pflanzen, sondern sogar Bäumen, die viel stärker sind, ihren Eigensinn auszutreiben, ihren kosmischen Eigensinn. Es ist gelungen, Pflanzen, die man als einjährige kannte, durch Herstellung gewisser Bedingungen zu mehrjährigen zu machen, also die Abhängigkeit von den kosmischen Verhältnissen zu überwinden. Es ist bei der größten Anzahl unserer in gemäßigten Klimaten vorkommenden Waldbäume tatsächlich gelungen, Verhältnisse herbeizuführen, die bewirkten, Bäume, von denen man geglaubt hat, sie müssen diese Winterzeit haben, im Winter entblättert und dürr dastehen, zu immer fortwährendem Grünen zu bringen. Denn das war die Voraussetzung gewisser materialistischer Erklärungen. In dieser Beziehung ist wirklich außerordentlich Geistvolles geleistet worden.

[ 20 ] It was precisely at the turn of the 19th to the 20th century that the most interesting and ingenious experiments were conducted in this direction, and they truly succeeded in overcoming the “cosmic will” of not only a whole number of individual annual plants, but even of trees, which are much stronger. They succeeded in transforming plants known as annuals into perennials by creating certain conditions, thereby overcoming their dependence on cosmic conditions. In the case of the vast majority of our forest trees found in temperate climates, it has in fact been possible to create conditions that have caused trees—which were believed to require this winter period, during which they stand leafless and withered—to remain evergreen. For that was the prerequisite for certain materialistic explanations. In this regard, truly extraordinary intellectual achievements have been made.

[ 21 ] Man war darauf gekommen, daß man den Bäumen das Kosmische austreiben kann, wenn man die Bäume in geschlossene Räume bringt und den Boden ordentlich mit Nährsalzen nährt, so daß die Pflanzen, die sonst in der Winterzeit, wo der Boden so nährsalzarm ist, nichts finden, nun auch da ihre Nährsalze finden. Wenn man genügende Feuchtigkeit hineinbringt, genügend Wärme, genügend Licht, so wachsen die Bäume.

[ 21 ] It had been discovered that the cosmic forces could be drawn out of the trees by placing them in enclosed spaces and properly enriching the soil with nutrients, so that the plants—which otherwise find nothing during the winter months when the soil is so nutrient-poor—could now find their nutrients there as well. If one provides sufficient moisture, sufficient warmth, and sufficient light, the trees will grow.

[ 22 ] Nur ein einziger Baum im Umkreis Mitteleuropas hat sich noch im Beginne des 20. Jahrhunderts diesem Forschertrieb widersetzt. Es war die Buche, die Blutbuche. Sie wurde von allen Seiten gehetzt, sie solle sich nun auch in geschlossene Räume einsperren lassen! Sie wurde mit den nötigen Nährsalzen, mit der nötigen Feuchtigkeit und Wärme versehen — sie blieb eigensinnig, sie verlangte trotzdem ihre Winterruhe. Aber sie war nur noch ganz allein.

[ 22 ] At the beginning of the 20th century, only a single tree in Central Europe had still resisted this drive for discovery. It was the beech, the European beech. It was hounded from all sides—it was now expected to allow itself to be confined to enclosed spaces! It was provided with the necessary nutrients, moisture, and warmth—yet it remained stubborn, insisting on its winter dormancy nonetheless. But it was now all alone.

[ 23 ] Und nun haben wir in diesem 20. Jahrhundert, im Jahre 1914 zu verzeichnen — ich will jetzt nicht etwa vom Ausgang des Weltkrieges sprechen, sondern von einem andern großen historischen Ereignis das Große, Gewaltige, daß es dem auf diesem Gebiete außerordentlich vom Forschen begünstigten Forscher Klebs gelungen ist, auch der Buche ihren kosmischen Eigensinn auszutreiben. Es gelang ihm ganz einfach, die Buche in geschlossenen Räumen zu ziehen, ihr die nötigen Bedingungen zu verschaffen in geschlossenen Räumen: das gehörige Sonnenlicht, das man messen konnte. Und siehe da, die Buche widerstand nicht, sie fügte sich auch demjenigen, was die Forscher wollten.

[ 23 ] And now, in this 20th century, in the year 1914—I do not wish to speak here of the outcome of the World War, but rather of another great historical event, a grand and momentous one—it is noteworthy that Klebs, a researcher who was exceptionally well-supported in his work in this field, succeeded in driving the cosmic obstinacy out of the beech tree as well. He simply succeeded in growing the beech in enclosed spaces, providing it with the necessary conditions there: the appropriate amount of sunlight, which could be measured. And lo and behold, the beech did not resist; it, too, conformed to the researchers’ wishes.

[ 24 ] Ich führe nicht eine Erscheinung an, über die ich einen Grund habe, abkanzelnd zu sprechen, denn wer sollte nicht Bewunderung haben für einen solchen ungeheuren Forscherfleiß. Außerdem würde es selbstverständlich Tollheit sein, die Dinge widerlegen zu wollen. Sie sind da, sie sind so, sie sind durchaus so. Also um Zustimmungen oder Widerlegungen handelt es sich dabei durchaus nicht, aber es handelt sich um etwas anderes.

[ 24 ] I am not citing an example that I have any reason to speak of in a disparaging manner, for who could fail to admire such tremendous dedication to research? Besides, it would of course be madness to try to refute these things. They are there; they are what they are; they are absolutely as they are. So this is by no means a matter of agreement or refutation, but rather something else.

[ 25 ] Warum sollte es denn nicht auch gelingen, wenn man irgendwo auf einem neutralen Boden die nötigen Bedingungen für Haarwuchs fände, Haarwuchs außerhalb des Menschen und der Tiere zu erzeugen? Warum denn nicht? Es brauchen nur die entsprechenden Bedingungen irgendwie hergestellt zu werden. Ich weiß zwar, daß es manchem schon in unserer Zeit lieber wäre, wenn ihm die Haare auf dem Kopfe wüchsen, als wenn man sie äußerlich durch irgendeine Kultur hervorbringen würde! Aber wir könnten uns doch denken, daß auch das gelänge. Dann würden wir scheinbar nicht mehr nötig haben, irgendwie mit dem Kosmos dasjenige, was auf der Erde geschieht, in einen Zusammenhang zu bringen.

[ 25 ] Why shouldn’t it be possible, if one could find the necessary conditions for hair growth somewhere on neutral ground, to produce hair growth outside of humans and animals? Why not? All that’s needed is to create the appropriate conditions somehow. I know, of course, that even in our time, some people would prefer to have hair grow on their own heads rather than have it produced externally through some kind of cultivation! But we could certainly imagine that this, too, would be possible. Then we would apparently no longer need to somehow connect what happens on Earth to the cosmos.

[ 26 ] Man kann vor der Forschung selbstverständlich allen schuldigen Respekt haben, aber man muß in diese Dinge doch tiefer hineinsehen. Abgesehen von dem, was ich vor einiger Zeit hier über das Wesen der Elemente entwickelte, möchte ich heute das Folgende sagen. Man muß sich klar sein darüber, daß zum Beispiel folgendes der Fall ist. Wir wissen, daß einstmals die Erde und die Sonne ei» Körper waren. Das ist allerdings lange, sehr lange her: in der Saturnzeit, Sonnenzeit war es. Dann war eine kurze Wiederholung dieses Zustandes während der Erdenzeit. Aber dennoch ist etwas in der Erde zurückgeblieben, das dahin gehört. Das holen wir heute wieder heraus. Und wir holen es nicht nur aus dem Wiederholungszustande heraus, der sich während unserer Erdenzeit zugetragen hat, indem wir mit Steinkohle unsere Räume heizen, sondern wir holen es heraus, indem wir die Elektrizität benützen. Denn aus jenen Zeiten, in denen nach der alten Saturnzeit, zur Sonnenzeit, Sonne und Erde eines waren, da ist der Grund zu dem gelegt worden, daß wir auf der Erde Elektrizität haben. Wir haben mit der Elektrizität eine mit der Erde altverbundene Kraft, die Sonnenkraft ist, in der Erde verborgene Sonnenkraft.

[ 26 ] Of course, one can have all due respect for research, but one must look more deeply into these matters. Aside from what I discussed here some time ago regarding the nature of the elements, I would like to say the following today. One must be clear about the fact that, for example, the following is true. We know that the Earth and the Sun were once a single body. That was, of course, a long, very long time ago: it was during the Saturn era, the Sun era. Then there was a brief recurrence of this state during the Earth era. But nevertheless, something has remained in the Earth that belongs to that time. We are bringing that out again today. And we are not only bringing it out of the repeated state that occurred during our Earth era—by heating our rooms with coal—but we are bringing it out by using electricity. For it was during those times, after the ancient Saturn era, in the Sun era, when the Sun and the Earth were one, that the foundation was laid for our having electricity on Earth. With electricity, we have a force that has been anciently connected to the Earth—the power of the Sun, the solar power hidden within the Earth.

[ 27 ] Warum sollte denn nicht, wenn man ihr nur stark genug zu Leibe geht, selbst die eigensinnige Buche sich herbeilassen, statt daß sie die aus dem Kosmos hereinströmende Sonnenkraft benützt, die aus der Erde in Form der Elektrizität heraus gewonnene Sonnenleuchtkraft zu benützen!

[ 27 ] Why shouldn’t even the stubborn beech tree, if one tackles it with enough determination, be persuaded to use the solar energy extracted from the earth in the form of electricity, rather than the solar energy flowing in from the cosmos!

[ 28 ] Aber gerade wenn man diese Dinge ins Auge faßt, dann wird man so recht merken, wie man eine Vertiefung unserer ganzen Erkenntnis braucht. Solange die Menschen glauben konnten, die Sonnenkraft komme nur aus dem Kosmos, so lange kamen sie beim Pflanzenwachstum aus der unmittelbaren gegenwärtigen Anschauung jedes Jahres zu einem Bewußtsein ihres kosmischen Zusammenhanges. In dem jetzigen Zeitalter, wo man unter materialistischen Gesichtspunkten dasjenige von dem Kosmos lostrennen möchte, was auf so leichte Weise als kosmische Wirkung geschaut werden kann, muß man, wenn man die scheinbare Selbständigkeit der Pflanze anschaut, eine Wissenschaft haben, die sich erinnert, daß jener kosmische Zusammenhang zwischen Erde und Sonne in älteren Zeiten vorhanden war, aber in einer andern Form. Wir brauchen eben, indem wir auf der einen Seite wie mikroskopisch eingeschränkt werden, auf der andern Seite eine um so intensivere Weite des Blickes, und gerade an den Einzelheiten zeigt es sich, wie wir diese Weite des Blickes brauchen.

[ 28 ] But it is precisely when one considers these things that one truly realizes how much we need to deepen our entire understanding. As long as people could believe that the sun’s power came only from the cosmos, they were able, through their immediate, year-to-year observation of plant growth, to develop an awareness of its cosmic context. In the present age, when materialistic perspectives seek to sever from the cosmos that which can so easily be perceived as a cosmic influence, one must—when observing the apparent autonomy of the plant—possess a science that remembers that this cosmic connection between Earth and Sun existed in earlier times, albeit in a different form. Precisely because we are, on the one hand, limited as if by a microscope, we need, on the other hand, an all the more intense breadth of vision; and it is precisely in the details that it becomes evident how much we need this breadth of vision.

[ 29 ] Es handelt sich gar nicht darum, daß wir auf anthroposophischem Boden uns etwa in einer laienhaften Weise auflehnen gegen den Fortschritt der Forschung. Aber indem der Fortschritt der Forschung immer mehr und mehr durch seine eigene Natur dahin führen muß, uns zu jenet Regenwurmnatur zu btingen, von der ich oftmals hier gesprochen habe, so daß wir keinen freien Ausblick in die Weiten haben, müssen wir den weiteren Blick, den großen kosmischen histotischen Blick gewinnen, so daß wir den Zusammenhang zwischen der Erde und der Sonne uns nicht nur in der gegenwärtigen Erdenzeit zum Bewußtsein bringen können, sondern in jener längst vergangenen Zeit, die wir in der kosmischen Entwickelung der Erde die Sonnenzeit nennen. Wir brauchen überall den Gegenpol. Nicht das Keifen gegen die Forschung, sondern den spirituellen, den geistigen Gegenpol brauchen wir. Das ist der richtige Standpunkt, den wir einnehmen müssen. Und ich möchte sagen, es ist auch eine Johannistimmung, wenn wir uns dieses in unser Gemüt einschreiben, wenn wir uns klarwerden darüber, wie wir jetzt geradezu in einer welthistorischen Johannistimmung leben müssen, wie wir den Blick hinauswenden müssen in die Weiten des Kosmos. Das brauchen wir. Das brauchen wir gerade in spiritueller Erkenntnisbeziehung. Mit dem bloßen Reden vom Geistigen ist heute nichts getan, sondern einzig und allein mit dem wirklichen Eindringen in die konkreten Erscheinungen der geistigen Welt. Dasjenige, was aus der kosmischen Entwickelung der Eirde herausgeholt wird, indem man aufmerksam macht auf Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erdenentwickelung und so weiter, das hat eine ungeheure Tragweite in bezug auf die Erkenntnis auch in historischer Beziehung.

[ 29 ] It is not at all a matter of us, on anthroposophical grounds, rebelling in some amateurish way against the progress of research. But since the progress of research, by its very nature, must increasingly lead us to that “earthworm-like” state of being of which I have often spoken here—so that we have no free view of the vast expanses—we must gain the broader perspective, the great cosmic-historical perspective, so that we can become aware of the connection between the Earth and the Sun not only in the present Earth era, but also in that long-past era which, in the cosmic evolution of the Earth, we call the Solar Era. We need a counterpoint everywhere. Not bickering against research, but the spiritual, the intellectual counterpoint—that is what we need. That is the correct standpoint we must take. And I would like to say that it is also a Johannine mood when we take this to heart, when we realize how we must now live in a truly world-historical Johannine mood, how we must turn our gaze out into the vastness of the cosmos. That is what we need. That is what we need precisely in our spiritual understanding. Merely talking about the spiritual accomplishes nothing today; what matters is solely the genuine penetration into the concrete manifestations of the spiritual world. What is drawn from the cosmic evolution of the Earth—by drawing attention to the evolution of Saturn, the Sun, the Moon, the Earth, and so on—has immense significance in terms of understanding, even in a historical context.

[ 30 ] Wenn uns auf der einen Seite die materialistische Wissenschaft in solch glänzenden Forschungsresultaten, wie es die von Klebs sind, darauf aufmerksam macht, daß selbst die eigensinnige Buche dazu gebracht werden kann, das Sonnenlicht zu entbehren und unter elektrischem Lichte ihr Wachstum im Winter zu treiben, wie sie es sonst nur unter dem Einfluß des Sonnenlichtes macht, dann führt uns dies, wenn wit keine spirituelle Erkenntnis haben, dahin, daß wir alles in der Welt zerbröckeln, unser Gesichtsfeld einengen. Da steht jetzt die Buche vor uns, das elektrische Licht fördert ihr Wachstum, aber wir wissen nichts als dieses, was sich uns auf dem engsten Felde ergibt.

[ 30 ] If, on the one hand, materialistic science draws our attention—through such brilliant research results as those of Klebs—to the fact that even the stubborn beech tree can be induced to do without sunlight and to continue growing in winter under electric light, as it otherwise does only under the influence of sunlight, then this leads us—if we lack spiritual insight— to the point where we reduce everything in the world to fragments and narrow our field of vision. There stands the beech tree before us; the electric light promotes its growth, but we know nothing beyond what is revealed to us within this narrowest of fields.

[ 31 ] Werden wit mit spiritueller Erkenntnis ausgerüstet, dann sagen wir uns etwas anderes. Dann sagen wir uns: Wenn der Klebs der Buche das gegenwärtige Sonnenlicht entzieht, dann muß er ihr in Form der Elektrizität das uralte Sonnenlicht geben. — Dann wird nicht unser Blick eingeengt, sondern im Gegenteil, unser Blick wird erst ins Ungeheure erweitert. Ach was — sagen die Menschen leicht, die nichts mehr von dem seelischen Verlauf des Jahres wissen wollen —, ein Tag ist wie der andere: Frühstück, Mittagsmahl, Teezeit, Souperzeit; es ist ja gut, wenn es zu Weihnachten etwas Besseres gibt, aber im Grunde genommen geht es so Tag für Tag das ganze Jahr hindurch. Man sieht nur noch auf den Tag, das heißt auf das äußerlich Materielle des Menschen: Ach was, kosmische Zusammenhänge! Emanzipieren wir uns von einer solchen Weltanschauung! Machen wir uns doch klar, daß selbst die eigensinnige Buche den Kosmos nicht mehr braucht, laß wir ihr, wenn wir sie in ein geschlossenes Gefängnis sperren, doch nur in genügender Stärke elektrisches Licht beizubringen brauchen, dann wächst sie ohne die Sonne! — Nein, sie wächst eben nicht ohne die Sonne. Wir müssen nur in der richtigen Weise die Sonne aufzusuchen wissen, wenn wit so etwas tun. Wir müssen uns aber dann auch klar sein darüber, daß es nun doch etwas anderes ist, eine andere Beziehung. Mit weitem Blicke geschaut, stellt es sich schon heraus, daß es doch etwas anderes ist, ob wir die Buche im kosmischen Sonnenlichte gedeihen lassen, oder ob wir ihr das ahrimanisch gewordene, aus uralten Zeiten stammende Licht geben. Und wir erinnern uns an das, was wir oftmals gesagt haben von dem normal in der Entwickelung Fortgehenden, und dem Luziferischen auf der einen Seite, dem Ahrimanischen auf der andern Seite.

[ 31 ] When we are endowed with spiritual insight, we tell ourselves something different. Then we say to ourselves: If the bark of the beech tree deprives it of the present sunlight, then it must give the tree the ancient sunlight in the form of electricity. — Then our perspective is not narrowed; on the contrary, it is expanded into the immense. Oh, come on—people who no longer want to know anything about the spiritual course of the year are quick to say—one day is just like the next: breakfast, lunch, tea time, dinner; it’s nice if there’s something better at Christmas, but basically, it goes on like this day after day throughout the whole year. People only look at the day itself—that is, at the outwardly material aspects of human life: Oh, come on, cosmic connections! Let’s free ourselves from such a worldview! Let’s make it clear to ourselves that even the stubborn beech tree no longer needs the cosmos; if we lock it up in a sealed prison, we need only provide it with electric light of sufficient intensity, and it will grow without the sun! — No, it simply does not grow without the sun. We just have to know how to seek out the sun in the right way when we do such a thing. But we must also be clear that it is, after all, something different—a different relationship. Viewed from a broader perspective, it becomes evident that it is indeed something different whether we allow the beech tree to thrive in the cosmic sunlight or whether we give it the light that has become Ahrimanic, originating from time immemorial. And we recall what we have often said about the normal course of development, with the Luciferic on one side and the Ahrimanic on the other.

[ 32 ] Wenn wir einen genügenden Blick für dieses haben, dann werden wir uns nicht die Finger ablecken vor lauter Gescheitheit, daß wir nun den kosmischen Eigensinn der Buche überwunden haben, sondern wir werden viel weiter gehen. Wir werden nun zu den Säften der Buche vorgehen und werden untersuchen die Wirkung auf den menschlichen Organismus, werden die Wirkung auf den menschlichen Organismus bei derjenigen Buche untersuchen, der wir ihren Eigensinn gelassen haben, und bei derjenigen Buche, der wir mit dem elektrischen Licht ihren Eigensinn genommen haben, und werden von der heilkräftigen Wirkung der einen Buche und der andern Buche vielleicht etwas ganz Besonderes erfahren. Da müssen wir dann auf das Geistige eingehen!

[ 32 ] If we have a sufficient understanding of this, then we will not pat ourselves on the back, thinking we have now overcome the cosmic obstinacy of the beech tree, but we will go much further. We will now turn to the sap of the beech tree and investigate its effect on the human organism; we will examine this effect on the human organism in the case of the beech tree whose inherent nature we have left undisturbed, and in the case of the beech tree from which we have removed its inherent nature using electric light; and we may discover something quite special about the healing effects of one beech tree compared to the other. Then we must turn to the spiritual aspect!

[ 33 ] Aber wie kümmert man sich heute um diese Dinge? Man hat ein bewunderungswürdiges Forscherinteresse. Man setzt sich in ein Schulzimmer, ist Experimentalpsychologe, schreibt allerlei Worte auf, die gemerkt werden müssen, prüft das Gedächtnis, experimentiert an den Kindern herum, bekommt ungeheuer Interessantes heraus. Hat man einmal das Interesse für irgend etwas geweckt, so sind selbstverständlich alle Dinge in der Welt interessant, es kommt nur auf den subjektiven Standpunkt an. Warum sollte man es nicht dahin bringen, daß einem eine Markensammlung viel interessanter ist als eine botanische Sammlung? Da das der Fall sein kann, warum sollte einem denn nicht auf einem andern Gebiete auch so etwas passieren können? Warum sollten einem denn die Folterqualen, denen da die Kinder unterworfen werden, wenn man mit ihnen experimentiert, kein Interesse abgewinnen können? Aber überall frägt es sich, ob es da nicht höhere Verpflichtungen gibt, ob es überhaupt tunlich ist, daß man in einem gewissen Lebensalter mit den Kindern so herumexperimentiert. Die Frage entsteht, was man da verdirbt. Und die noch stärkere Frage entsteht, was man an den Lehrern verdirbt, wenn man, statt von ihnen ein lebendiges, herzliches Verhältnis zu verlangen, ein experimentelles Interesse aus den Ergebnissen der experimentierenden Psychologie verlangt. So kommt es wirklich darauf an, ob, wenn man sich mit einer solchen Forschung in ein richtiges Verhältnis zu der Sinneswelt versetzt, man sich damit auch in ein richtiges Verhältnis zu der übersinnlichen Welt versetzt.

[ 33 ] But how do people deal with these things today? They have an admirable curiosity. They sit in a classroom, acting as experimental psychologists, jotting down all sorts of words that need to be memorized, testing memory, conducting experiments on the children, and discovering incredibly interesting things. Once one’s interest in something has been piqued, of course everything in the world becomes interesting—it all depends on one’s subjective point of view. Why shouldn’t one be able to reach a point where a stamp collection is much more interesting than a botanical collection? Since that can be the case, why shouldn’t something similar be possible in another field as well? Why shouldn’t one be able to take an interest in the torments to which children are subjected when one experiments on them? But everywhere the question arises as to whether there aren’t higher obligations, and whether it is at all appropriate to experiment on children in this way at a certain age. The question arises as to what is being corrupted in the process. And an even more pressing question arises as to what is being corrupted in the teachers when, instead of demanding a lively, heartfelt relationship from them, one demands an experimental interest based on the findings of experimental psychology. So it really comes down to whether, when one uses such research to establish a proper relationship with the sensory world, one thereby also establishes a proper relationship with the supersensory world.

[ 34 ] Nun ja, wird es jetzt bei gewissen Leuten grölen können, die von der notwendigen Objektivität der Forschung sprechen: Der will also behaupten, daß es irgendwelche Geister gibt, die es unmoralisch finden, wenn der Klebs der Buche in dieser Weise ihren Eigensinn nimmt! — Das fällt mir gar nicht ein. Es fällt mir nicht im Traume ein. Das alles, was gemacht wird, soll gemacht werden, aber man muß das Gegengewicht dazu haben. Und in einer Zeit, in der man sich in bezug auf das Buchenbäumewachstum emanzipiert von der kosmischen Empfindung, muß auf der andern Seite, in einer Zivilisation, die solche Dinge in sich aufnimmt, auch eine Empfindung dafür vorhanden sein, wie der geistige Fortgang im Werden der Menschheit geschieht. Man muß Epochensinn haben in einer Zeit, wie es die unsrige ist. Nicht die Forschung will ich einschränken, aber empfunden muß werden, daß dem etwas anderes gegenüberstehen muß. Es muß dem gegenüberstehen ein offenes Herz dafür, daß zu gewissen Zeiten immer diese und jene Dinge aus der geistigen Welt heraus sich offenbaren. Wenn auf der einen Seite der materialistische Sinn überwuchert und es zu starken und großen Ergebnissen bringt, so müßten gerade diejenigen, die ein Interesse haben an solchen Ergebnissen, auch ihr Interesse an den Forschungstesultaten über die geistige Welt haben.

[ 34 ] Well, this might cause an uproar among certain people who speak of the necessary objectivity of research: So he’s claiming that there are some spirits out there who find it immoral when Klebs robs the beech of its will in this way! — That wouldn’t even occur to me. It wouldn’t even occur to me in my wildest dreams. Everything that is done should be done, but one must have a counterbalance to it. And in an age in which people are emancipating themselves from a cosmic sensibility with regard to beech tree growth, there must also, on the other hand, in a civilization that absorbs such things, be a sensibility for how spiritual progress occurs in the development of humanity. One must have a sense of the epoch in a time such as ours. I do not wish to restrict research, but one must realize that there must be something else to balance it. There must be an open heart to the fact that, at certain times, this or that always reveals itself from the spiritual world. If, on the one hand, the materialistic mindset runs rampant and yields significant and far-reaching results, then it is precisely those who have an interest in such results who should also take an interest in the findings of research into the spiritual world.

[ 35 ] Dies aber liegt im Inneren der Natur des Christentums. Das richtig angeschaute Christentum sieht nach dem Mysterium von Golgatha fortwirkend im Erdendasein in dem Wesen des Christus die ChristusKraft, den Christus-Impuls. Und das bedeutet, daß man auch dann, wenn Herbststimmung kommt, wenn alles dürt und öde wird, wenn das Sprießende und Sprossende in der Sinnesnatur aufhört, dann gerade das Sprießen und Sprossen des Geistes wahrnimmt, wenn man in dem sich entblätternden Baum das Aufglitzern und Aufleuchten derjenigen Geister empfinden kann, die nun den Menschen durch den Winter begleiten.

[ 35 ] But this lies at the very heart of Christianity. A true understanding of Christianity sees, following the Mystery of Golgotha, the Christ-force—the Christ-impulse—continuing to work in earthly existence through the essence of Christ. And this means that even when the mood of autumn sets in, when everything withers and becomes barren, when the sprouting and budding in the sensory world ceases—it is precisely then that one perceives the sprouting and budding of the spirit; when, in the tree shedding its leaves, one can sense the glimmer and radiance of those spirits who now accompany human beings through the winter.

[ 36 ] Aber ebenso muß man empfinden lernen, wie in einem Zeitalter, das sich von einem gewissen Gesichtspunkte aus mit Recht darüber hermacht, die Einzelheiten aufzufassen, in bezug auf die Einzelheiten den Blick einzuengen, der Blick auch auf das Große, Umfassende fallen muß. Das ist gegenüber dem Christentum die Johannistimmung. Wir müssen empfindend verstehen, daß die Johannistimmung der Ausgangspunkt ist für dasjenige Geschehen, das in dem Worte liegt: «Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen. »

[ 36 ] But just as in an age that, from a certain point of view, is rightly focused on grasping the details—and thus narrowing its gaze to the details—one must also learn to direct one’s gaze toward the great and all-encompassing. This is the Johannine spirit in relation to Christianity. We must intuitively understand that the Johannine spirit is the starting point for the process encapsulated in the words: “He must increase, but I must decrease.”

[ 37 ] Das heißt, der Eindruck auf den Menschen von alledem, was erobert wird durch die Sinnesforschung, dieser Eindruck muß abnehmen. Und gerade, indem man immer mehr und mehr ins SinnlichEinzelne eindringt, muß der Eindruck des Geistigen immer stärker und stärker werden. Die Sonne des Geistes muß immer mehr in das menschliche Herz hineinleuchten, je mehr die in der Sinneswelt wirkende Sonne abnimmt.

[ 37 ] This means that the impression made on human beings by everything that is discovered through sensory research must diminish. And precisely as one delves deeper and deeper into the individual sensory realm, the impression of the spiritual must become stronger and stronger. The sun of the spirit must shine ever more brightly into the human heart as the sun active in the sensory world wanes.

[ 38 ] Johannistimmung müssen wir empfinden als den Eingang in Geistesimpulse und als den Ausgang aus Sinnesimpulsen. Johannistimmung müssen wir als etwas empfinden lernen, worin es webt und weht, geistig-dämonisch weht aus dem Sinnlichen ins Geistige, aus dem Geistigen ins Sinnliche. Und wir müssen durch die Johannistimmung unseren Geist leicht gestalten lernen, so daß er nicht nur pechartig klebt an den festen Konturen der Ideen, sondern daß er in webende, wehende, lebendige Ideen sich hineinfindet. Wir müssen merken können das Aufglimmen des Sinnlichen, das Verglimmen des Sinnlichen, das Aufglimmen des Geistigen im verglimmenden Sinnlichen. Wir müssen das Symbol des Aufleuchtens der Johanniswürmchen durchaus empfinden als etwas, das auch im Abdämpfen der Beleuchtung seine Bedeutung hat.

[ 38 ] We must perceive the St. John’s mood as the gateway to spiritual impulses and as the exit from sensory impulses. We must learn to perceive the St. John’s mood as something in which there is a weaving and a blowing—a spiritual-demonic blowing from the sensory into the spiritual, and from the spiritual into the sensory. And through the St. John’s mood, we must learn to make our spirit light, so that it does not merely cling like pitch to the fixed contours of ideas, but finds its way into weaving, blowing, living ideas. We must be able to perceive the flaring up of the sensory, the fading of the sensory, and the flaring up of the spiritual within the fading sensory. We must experience the symbol of the St. John’s fireflies’ glow as something that retains its significance even as the light fades.

[ 39 ] Das Johanniswürmchen leuchtet auf, das Johanniswürmchen leuchtet wieder ab. Aber indem es ableuchtet, läßt es lebendig in uns zurück das Leben und Weben des Geistigen im dämmerigen Sinnlichen. Und wenn wir in der Natur überall die geistigen kleinen Springwellen sehen, so wie wir symbolisch im Sinnlichen das Aufglühen und Wiederabdämpfen der Johanniswürmchen sehen, dann werden wir, wenn wir dieses mit vollem, hellem, klarem Bewußtsein können, für unser Zeitalter die richtige Johannistimmung finden. Und diese richtige Johannistimmung brauchen wir, denn wir müssen durch unser Zeitalter so hindurchgehen, wenn wir nicht in den völligen Abstieg kommen wollen, daß der Geist sich glühend beleben lernt, und daß wir dem glühend belebten Geistigen sinnvoll folgen lernen.

[ 39 ] The firefly glows, then fades again. But as it fades, it leaves within us a vivid sense of the life and activity of the spiritual in the twilight of the sensory world. And when we see the small spiritual ripples everywhere in nature—just as we symbolically see the glowing and fading of the fireflies in the sensory world—then, if we can do so with full, bright, and clear consciousness, we will find the right St. John’s mood for our age. And we need this true St. John’s mood, for we must pass through our age in such a way—if we do not wish to fall into complete decline—that the spirit learns to come alive with fervor, and that we learn to follow the fervently animated spiritual realm in a meaningful way.

[ 40 ] Johannistimmung — der Menschen- und Erdenzukunft entgegen! Nicht mehr die alte Stimmung, die nur das Sprießen und Sprossen des Äußerlichen versteht, die froh ist, wenn sie dieses Sprießen und Sprossen auch noch einsperren kann, unter elektrisches Licht dasjenige setzen kann, was sonst froh im Sonnenlichte gediehen ist. Wir müssen vielmehr das Aufblitzen und Aufblühen des Geistes erkennen lernen, so daß uns das elektrische Licht weniger wichtig wird, als es in der Gegenwart ist; daß wir aber dadurch den Blick, den Johanniblick, geschärft bekommen für jenes alte Sonnenlicht, das uns erscheint, wenn wir den großen geistigen Horizont eröffnen, nicht nur den engen Erdenhorizont, sondern den großen Horizont vom Saturn bis zum Vulkan.

[ 40 ] The Spirit of St. John—Toward the Future of Humanity and the Earth! No longer the old mindset that understands only the sprouting and growth of the external, that is glad when it can even confine this sprouting and growth, placing under electric light that which otherwise thrived joyfully in the sunlight. Rather, we must learn to recognize the flash and blossoming of the spirit, so that electric light becomes less important to us than it is at present; but so that, through this, we may sharpen our gaze—the St. John’s gaze—for that ancient sunlight that appears to us when we open up the great spiritual horizon, not just the narrow earthly horizon, but the vast horizon stretching from Saturn to Vulcan.

[ 41 ] Wenn wir in der richtigen Weise das Licht, das uns auf diesem großen Horizont erscheint, auf uns wirken lassen, dann werden alle Kleinigkeiten unseres Zeitalters uns eben in diesem Lichte erscheinen können, dann werden wir vorwärts- und aufwärtskommen. Sonst aber, wenn wir uns dazu nicht entschließen, werden wir rückwärts- und abwärtskommen.

[ 41 ] If we allow the light that shines upon us from this vast horizon to influence us in the right way, then all the trivialities of our age will appear to us in precisely this light, and we will move forward and upward. Otherwise, however, if we do not resolve to do so, we will move backward and downward.

[ 42 ] Es handelt sich heute überall um menschliche Freiheit, um menschliches Wollen. Es handelt sich heute überall um die selbständige menschliche Entscheidung zwischen vorwärts oder rückwärts, zwischen aufwärts oder abwärts.

[ 42 ] Today, everywhere, it is a matter of human freedom, of human will. Today, everywhere, it is a matter of the independent human decision between moving forward or backward, between moving upward or downward.