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The Rudolf Steiner Archive

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The Human Soul in Its Relationship to Divine-Spiritual Individualities
GA 224

13 April 1923, Dornach

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10. Wiedergewinnung des lebendigen Sprachquells durch den Christus-Impuls

10. Reclaiming the Living Source of Language Through the Christ Impulse

Der Michael-Gedanke Als Anruf Des Menschlichen Willens

The Michael Concept as a Call of the Human Will

[ 2 ] Wenn Sie sich an verschiedenes erinnern, das ich hier im Laufe der letzten Betrachtungen vorgebracht habe, so werden Sie vor Ihre Seele hinstellen können die Beziehung der menschlichen Sprache, des Sprechenkönnens des Menschen zu denjenigen Wesen, die wir gewöhnt worden sind, in der geistigen Welt zur Hierarchie der Archangeloi, der Erzengel zu rechnen. Erinnern Sie sich, wie ich in einer der vorangehenden Betrachtungen ausgeführt habe, welche Bedeutung es für den Menschen hat, wenn er die Worte seiner Sprache so gestaltet, daß diese Worte nur zu rein materiellen Dingen Beziehung haben, daß also die Sprache gewissermaßen einen materialistischen Charakter annimmt, oder wenn er die Sprache so gestaltet, daß er im Sprechen einen gewissen Idealismus entwickelt, daß schon die Sprache ihn bei jedem Aussprechen eines Wortes empfinden läßt: er gehört einer geistigen Welt an, und was als Worte seiner Seele in seiner Sprache erklingt, das muß, weil es eben aus der Menschenseele kommt, irgendwelche Beziehung haben zu Geistern. Je nachdem das eine oder das andere der Fall ist, sagte ich Ihnen, kommt der Mensch zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in die rechte oder unrechte Beziehung zu den Erzengelwesen, zu den Wesen, die wir als Archangeloi bezeichnen. Der Mensch verliert immer: mehr und mehr seinen notwendigen Zusammenhang mit diesen Archangeloi, wenn er den Idealismus aus seiner Sprache verschwinden läßt. Ich erinnere an diese Tatsache deshalb, weil ich eines wenigstens herausheben möchte, was die Beziehung des menschlichen Sprechens überhaupt zu der Hierarchie der Archangeloi vor Ihre Seele stellen kann.

[ 2 ] If you recall various points I have raised here in the course of my previous reflections, you will be able to visualize the relationship between human language—the human ability to speak—and those beings whom we have come to regard, in the spiritual world, as belonging to the hierarchy of the Archangels. Remember how, in one of the preceding reflections, I explained the significance for human beings of shaping the words of their language in such a way that these words relate only to purely material things—so that language, in a sense, takes on a materialistic character—or of shaping language in such a way that they develop a certain idealism in their speech, so that language itself, every time a word is spoken, makes them feel: he belongs to a spiritual world, and what resounds in his language as the words of his soul must—precisely because it comes from the human soul—have some connection to spirits. Depending on whether one or the other is the case, I told you, human beings enter into the right or wrong relationship with the archangelic beings—the beings we call Archangeloi—between falling asleep and waking up. Human beings increasingly lose their necessary connection with these Archangeloi when they allow idealism to disappear from their language. I remind you of this fact because I would like to highlight at least one aspect of the relationship between human speech and the hierarchy of the Archangeloi that can be brought before your soul.

[ 3 ] Nun hat das menschliche Sprechen, die menschliche Sprache im Laufe der Menschheitsentwickelung eine Geschichte durchgemacht, wie im Grunde genommen alle Entwickelung, insofern sie den Menschen betrifft. Wir haben das für die verschiedensten Entwickelungstatsachen des Menschenwesens kennengelernt. Was ich nun heute auseinandersetzen möchte, das bezieht sich nicht auf die eine oder die andere Sprache. Die Zeitperioden, auf die wir in bezug auf die eine oder andere tiefste Entwickelung der Sprache verweisen müssen, sind so lang, daß selbst primitive Sprachen heute schon denselben Charakter tragen in bezug auf das, was wir heute auseinandersetzen wollen, wie zivilisierte Sprachen. So daß also heute nicht hingewiesen wird auf die Differenzen, die unter den einzelnen Sprachen bestehen, sondern auf jene Umwandlungen, auf jene Metamorphosen, welche das menschliche Sprechen überhaupt im Laufe der Menschheitsentwickelung auf Erden durchgemacht hat.

[ 3 ] Now, human speech—human language—has undergone a history in the course of human evolution, just as, in essence, all evolution has, insofar as it concerns human beings. We have come to understand this with regard to the most diverse aspects of human development. What I would like to discuss today does not pertain to any one specific language. The time periods to which we must refer in connection with the deepest developments of language are so long that even primitive languages today share the same characteristics—in relation to what we intend to discuss—as civilized languages. Thus, today we are not focusing on the differences that exist among individual languages, but rather on those transformations, those metamorphoses, that human speech as a whole has undergone in the course of human evolution on Earth.

[ 4 ] Wenn wir heute das Verhältnis des Menschen zu seiner Sprache ins Auge fassen, so finden wir ja, daß wir eigentlich in den Worten der Sprache kaum mehr anderes haben als Zeichen für das, was außer uns ist und worauf mit den Worten der Sprache hingewiesen werden soll.

[ 4 ] When we consider the relationship between human beings and their language today, we find that, in fact, the words of language are little more than signs for what lies outside of us and to which these words are meant to refer.

[ 5 ] Sie wissen, wir haben im Laufe unserer anthroposophischen Betrachtungen auch auf ein intimeres Verhältnis des Wortes zur Sache hingewiesen. Aber solch ein intimes Verhältnis wird ja heute kaum mehr von den Menschen gefühlt. Die Worte sind mehr oder weniger nur äußere Zeichen für das, was mit ihnen gemeint ist. Wer fühlt denn zum Beispiel heute, wie in dem Worte «Blitz» tatsächlich etwas liegt, was, wenn das Wort ausgesprochen wird, seinem Laute nach von dem menschlichen Gemüte so erlebt werden kann, wie das Zucken des Blitzes durch den Raum erlebt wird. Man fühlt ja die Sache heute mehr oder weniger so, daß eben dieses Lautgefüge «Blitz» das Zeichen für die zuckende Lichterscheinung des Blitzes bedeutet. Das war aber nicht immer so, sondern wenn wir zurückgehen - wir brauchen dabei wohl nur in die älteren Zeiten des Griechentums zurückzugehen -, dann finden wir, daß das Verhältnis des Menschen zur Sprache nicht ein solches Zeichenhaftes, Gedankenhaftes war, sondern daß der Mensch selbst in der Tat an der Lautgestaltung seiner Worte mit seinem Gemüte beteiligt war. Für die nördlichen Sprachen brauchen wir nicht einmal so weit zurückzugehen.

[ 5 ] As you know, in the course of our anthroposophical reflections we have also pointed to a more intimate relationship between the word and the thing it denotes. But such an intimate relationship is hardly felt by people today. Words are, more or less, merely external signs for what is meant by them. Who, for example, feels today that there is actually something inherent in the word “lightning”—something that, when the word is spoken, can be experienced by the human mind through its sound in the same way that the flash of lightning is experienced as it streaks across the sky? Today, people more or less perceive the matter in such a way that this very sound structure—“lightning”—serves as a sign for the flickering light phenomenon of lightning. But this was not always the case; rather, if we go back—and we need only go back to the earlier times of Greek civilization—we find that the relationship between human beings and language was not a purely symbolic or conceptual one, but that human beings themselves were in fact involved with their minds in the formation of the sounds of their words. For the northern languages, we do not even need to go back that far.

[ 6 ] Heute ist das Gefühl dafür abgelähmt, daß das Wort «Pflug» so erlebt werden kann wie die Tätigkeit, die mit diesem Ackerinstrumente ausgeführt wird. Es ist das Wort ein Zeichen geworden. Aber vor verhältnismäßig kurzer Zeit -— wir brauchen vielleicht nur an kaum eineinhalb Jahrtausende zu denken -, da wurden die Worte noch in den nördlicheren Gegenden Europas so gefühlt, daß tatsächlich das Gefühl beim Pflügen ein ähnliches war, wie innerlich das Gefühl war bei dem Worte, das dazumal den Pflug bezeichnete. Es war also damals an der Empfindung vom Worte weniger der Gedanke beteiligt, sondern es war das Gefühl des Menschen daran beteiligt.

[ 6 ] Today, our sense of the fact that the word “plow” can be experienced in the same way as the activity performed with this farming tool has become dulled. The word has become a sign. But relatively recently—we need only think back to barely one and a half millennia—words were still experienced in the northern regions of Europe in such a way that the feeling one had while plowing was indeed similar to the inner feeling evoked by the word that designated the plow at that time. Thus, at that time, the perception of the word involved less of a thought and more of a human feeling.

[ 7 ] Und wenn wir in ganz alte Zeiten der Menschheit zurückgehen, dann finden wir, daß nicht nur das Gefühl daran beteiligt ist, sondern daß der Wille intensiv bei der Wortbildung beteiligt ist. Aber wenn wir jene Zeit betrachten wollen, in der die Menschen vor allen Dingen ihr Willensverhältnis zu der äußeren Natur betrachteten, indem sie in der Sprache lebten, da müssen wir schon zurückgehen bis in die späteren atlantischen Zeiten. Es sind eben durchaus lange Zeitepochen, in denen sich die Sprache in der Weise, wie ich es eben jetzt angedeutet habe, entwickelt. Und in der Sprache lebt ja der Sprachgenius. Die Sprache unterliegt ja nicht der menschlichen Willkür in ihrer Entwickelung, sondern in der Sprache lebt der Sprachgenius. Und der Sprachgenius gehört im wesentlichen der Hierarchie der Archangeloi an. Indem der Mensch spricht, also sozusagen um die Erde herum eine Atmosphäre bereitet, in der die zur Sprache artikulierten Lautbildungen des Menschen leben, ist diese Sprachatmosphäre das Element der Archangeloi. Deshalb sind die Archangeloi die Volksgeister, wie Sie aus einem Vortragszyklus von mir wissen können.

[ 7 ] And if we go back to the very earliest times of humanity, we find that it is not only emotion that plays a role, but that the will is also intensely involved in word formation. But if we wish to consider that period when human beings, above all else, contemplated their relationship of will to the external natural world by living within language, we must go back as far as the later Atlantean epochs. These are indeed very long epochs during which language develops in the manner I have just indicated. And the linguistic genius lives within language. Language is not subject to human whim in its development; rather, the genius of language lives within language. And the genius of language essentially belongs to the hierarchy of the Archangels. When a human being speaks—that is, when they create, so to speak, an atmosphere around the Earth in which the sound formations articulated in human speech live—this linguistic atmosphere is the element of the Archangels. That is why the Archangels are the folk spirits, as you may know from a series of lectures I have given.

[ 8 ] Es ist also eigentlich dasjenige, was in der menschlichen Sprachentwickelung auf Erden erscheint, innig zusammenhängend mit der Entwickelung der Archangeloi. Man möchte sagen: Was sich in der Sprachentwickelung ausdrückt, ist ein Bild der Archangeloientwickelung. Wir sind, wenn wir auch nur das, was irdisch ist, betrachten, durchaus nicht davon ausgeschlossen, die Entwickelung der höheren geistigen Wesenheiten kennenzulernen. Wir müssen nur in der richtigen Weise wissen, wie wir bestimmte Erscheinungen und Tatsachen auf gewisse höhere geistige Wesenheiten beziehen müssen. Wir müssen nur klar hineinschauen, wie in der Umwandlung der Sprachfähigkeit der Menschen auf Erden die fortlaufende Entwickelung der Archangeloi sich ausdrückt, sich offenbart.

[ 8 ] So what actually appears in the development of human language on Earth is intimately connected with the development of the Archangels. One might say: What is expressed in the development of language is a reflection of the development of the Archangels. Even if we consider only what is earthly, we are by no means precluded from coming to know the development of the higher spiritual beings. We need only know, in the right way, how to relate certain phenomena and facts to certain higher spiritual beings. We need only look clearly to see how the ongoing development of the Archangels is expressed and revealed in the transformation of human language ability on Earth.

[ 9 ] Wenn wir nun in diese ganz alten Zeiten zurückgehen, in denen die Menschen ihr Willensverhältnis in der Sprache zum Ausdruck brachten, also in die letzten. Zeiten der atlantischen Entwickelung, da war die Sprache oder das, was in der Sprache als Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi lebte, etwas anderes, als was später in dieser Beziehung vorhanden war. Machen wir uns einmal klar, wie die Sprachbildung in diesen uralten Zeiten der menschlichen Erdenentwickelung war. Da interessierte den Menschen noch nicht viel, wie sich das fühlen läßt zum Beispiel, wenn die Blumen blühen, wenn dieses oder jenes Wetter ist. Das interessierte ihn in anderer Beziehung, nicht aber in bezug auf jene Fähigkeit, die aus den Tiefen seiner Seele hervorsprießen läßt das Wort. Für die Wortbildung interessierte ihn, ob ihm zum Beispiel Gefahr drohte von dieser oder jener äußeren Tatsache, ob er etwas abzuwehren hatte, oder ob etwas auf ihn günstig wirkte, so daß er es in seine Lebensverhältnisse hereinbeziehen wollte, ob etwas für seine Gesundheit förderlich oder schädlich war. Kurz, ob sein Wille nach dieser oder jener Richtung angeregt wurde, das interessierte ihn. Was er unter dem Einfluß der äußeren Tatsachen veranlaßt wurde zu tun, das interessierte ihn, und danach waren die Worte gebildet. In jener alten Zeit waren die Worte durchaus Ausdrücke für die menschlichen Reaktionsvorgänge, für das, was sich der Mensch veranlaßt sah zu tun unter dem Einflusse der Welt. Willensausdrücke waren fast die einzigen Ausdrücke, die die urältesten Sprachen während der menschlichen Erdenentwickelung hatten. Und woher kam das? Das kam davon her, daß die Archangeloi zu der Sprache auf dem Wege der Intuition kamen.

[ 9 ] If we now go back to those very ancient times when people expressed their volitional relationships through language—that is, to the final stages of Atlantean development—language, or rather that which lived within language as a being from the hierarchy of the Archangels, was something different from what later existed in this regard. Let us try to understand what language formation was like in those ancient times of human development on Earth. Back then, people were not yet very concerned with how it felt, for example, when flowers bloomed or when this or that kind of weather prevailed. They were interested in such things in a different context, but not in relation to that ability which causes the word to spring forth from the depths of their soul. When it came to forming words, what interested them was whether, for example, they were threatened by this or that external circumstance, whether they had to ward something off, or whether something had a favorable effect on them so that they wanted to incorporate it into their lives, or whether something was beneficial or harmful to their health. In short, he was interested in whether his will was stimulated in this or that direction. He was interested in what he was prompted to do under the influence of external circumstances, and the words were formed accordingly. In those ancient times, words were entirely expressions of human reaction processes—of what people felt compelled to do under the influence of the world. Expressions of the will were almost the only expressions that the most ancient languages possessed during humanity’s earthly evolution. And where did this come from? It came from the fact that the Archangels arrived at language through intuition.

[ 10 ] Wenn Sie die Beschreibungen nehmen, die ich in meinen verschiedenen Büchern über das Wesen der Intuition gegeben habe, dann haben Sie mit dieser Intuition auch diejenige Tätigkeit geschildert, welche die Archangeloi ausübten, sagen wir, in den letzten Zeiten der atlantischen Entwickelung, um den Menschen die damalige Willenssprache zu übermitteln. Dann aber rückten diese Archangeloi in ihrer eigenen Entwickelung vorwärts. Ich habe ja auf die Entwickelung der in der geistigen Welt lebenden Führer des Menschen und der Menschheit in der kleinen Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» hingewiesen. Heute möchte ich auf ein Gebiet kommen, das dort weniger berücksichtigt ist, auf das Gebiet der Sprache.

[ 10 ] If you take the descriptions I have given in my various books regarding the nature of intuition, then you have also described, through this intuition, the activity that the Archangels carried out—let us say—during the final stages of Atlantean development, in order to convey to humanity the language of the will as it existed at that time. But then these Archangels advanced in their own evolution. I have, after all, referred to the evolution of the guides of the individual and of humanity who live in the spiritual world in the short treatise “The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity.” Today I would like to turn to an area that is given less attention there—the area of language.

[ 11 ] Das Fortschreiten der Archangeloi in bezug auf die Sprache liegt darin, daß sie in der älteren Fähigkeit der Intuition vor allen Dingen in den Welten höherer Hierarchien darinstanden, sich hingaben an die Welten höherer Hierarchien, so daß sie eigentlich mit der Sprache etwas bekamen, was das Wesen höherer Hierarchien war, als die Erzengelhierarchie ist. Die Erzengel gaben sich, solange die sprachbildende Kraft bei ihnen auf der Intuition beruhte, der nächsthöheren Hierarchie hin, den Kyriotetes, Dynamis, Exusiai. Da standen sie darinnen. Und aus dem, was sie erlebten durch ihr intuitives Darinstehen in dieser Hierarchie, konnten sie dem Erdenleben die sprachbildende Kraft einflößen.

[ 11 ] The progress of the Archangeloi with regard to language lies in the fact that, through their earlier capacity for intuition—especially in the worlds of higher hierarchies—they devoted themselves to those worlds, so that through language they actually attained something that was the very essence of higher hierarchies than the Archangel hierarchy itself. As long as their language-forming power was based on intuition, the Archangels devoted themselves to the next higher hierarchy—the Kyriotetes, Dynamis, and Exusiai. There they stood within it. And from what they experienced through their intuitive presence within this hierarchy, they were able to infuse earthly life with the language-forming power.

[ 12 ] In der nächsten Epoche schritten die Archangeloi so vorwärts, daß ihre sprachbildende Kraft nicht mehr aus der Intuition floß, sondern aus der Inspiration. Sie gaben sich nicht mehr völlig der nächsthöheren Hierarchie hin, sondern was sie durch die Hingabe an diese höhere Hierarchie bekamen, war ihnen etwas anderes geworden als das, was sie als Sprache den Menschen vermittelten. Sie lauschten jetzt auf die Inspirationen der ersten Hierarchie, der Throne, Cherubim, Seraphim, und aus dieser Inspiration heraus flößten sie dem Erdenleben die sprachbildende Kraft ein.

[ 12 ] In the next epoch, the Archangeloi progressed to the point where their language-forming power no longer flowed from intuition, but from inspiration. They no longer devoted themselves entirely to the next higher hierarchy; rather, what they received through their devotion to this higher hierarchy had become something different from what they conveyed to human beings as language. They now listened to the inspirations of the first hierarchy—the Thrones, Cherubim, and Seraphim—and from this inspiration they infused earthly life with the power to form language.

[ 13 ] Wenn wir in die ersten Zeiten der nachatlantischen Entwickelung, selbst noch bis ins Ägyptertum und Chaldäertum zurückgehen, so finden wir überall, wie der Quell, aus dem heraus die Erzengel schöpfen, um dem Menschen die Sprache zu vermitteln, die Inspiration ist. Da wird die Sprache so — sie macht eine Metamorphose durch -, daß vor allen Dingen die Worte Ausdruck werden für menschliche Sympathie und Antipathie, für menschliche Gefühle und Empfindungen überhaupt. An die Stelle der alten Willenssprache tritt eine Gefühlssprache. Und es ist vorzugsweise jener Zustand vorhanden, wo gefühlt wird an dem äußeren Vorgang oder dem äußeren Wesen dasjenige, was auch gefühlt wird, wenn aus den Tiefen der Menschenwesenheit durch die Sprachorgane die zum Worte artikulierten Laute kamen.

[ 13 ] If we go back to the earliest periods of post-Atlantean development—even as far back as the Egyptian and Chaldean eras—we find everywhere that inspiration is the source from which the archangels draw in order to impart language to humankind. There, language undergoes a metamorphosis such that, above all, words become expressions of human sympathy and antipathy, of human feelings and sensations in general. The old language of the will is replaced by a language of feeling. And this state prevails especially when what is felt in an external event or an external being is the same as what is felt when sounds articulated into words emerge from the depths of the human being through the speech organs.

[ 14 ] So können wir sagen: Es ist ein bedeutungsvoller Vorgang in der Menschheitsentwickelung da. Die Hierarchie der Archangeloi ist zuerst Intuitionen unterworfen, und aus den Intuitionen herunter wird die Willenssprache durch diese Wesenheiten geschaffen. Die Archangeloi rücken vorwärts, sie sind dann unterworfen der Inspiration. Und aus dem, was sie durch die Inspiration der Wesen der ersten Hierarchie empfangen, entstehen die Gefühlssprachen.

[ 14 ] Thus we can say: This is a significant process in the development of humanity. The hierarchy of the Archangels is initially subject to intuitions, and from these intuitions, the language of the will is created by these beings. The Archangels move forward; they are then subject to inspiration. And from what they receive through the inspiration of the beings of the first hierarchy, the languages of feeling arise.

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[ 15 ] Es war ja eigentlich ein außerordentlich tiefes Gefühl, aus dem heraus Alerman Grimm, der Kunsthistoriker, diese Scheidewand zwischen Griechen und Römern gezogen hat. Herman Grimm hat nämlich behauptet: Wenn man heute in der Schule oder auf der Universität Geschichte lernt, ist man darauf angewiesen, daß man das, was man da lernt, auch versteht. Aber man versteht, wenn man heute Geschichte lernt, rückwärtsgehend in der Menschheitsentwickelung, die Geschichte nur bis zum Römertum. Cicero, Cäsar, die kann man noch verstehen, weil sie bis zu einem gewissen Grade dem heutigen Menschen schon ziemlich ähnlich sind, obwohl auch schon viel Unnatürliches in dem Verständnis liegt, das wir, sagen wir, Cäsar entgegenbringen. Würden wir nicht dazu dressiert, so würden sich für Cäsar wahrscheinlich nur die Zöglinge der Militäranstalten interessieren. Wir werden in dieser Beziehung furchtbar dressiert. Aber im ganzen und großen geht heute eben ein fortlaufender Strom zurück zum Römertum. Ein gewisses philiströses Element, das heute in der Kulmination ist, das aber allmählich in die Menschheit eingeschlichen ist, das finden wir eben schon, wenn wir bis zum Römertum zurückgehen. Aber derjenige, der ehrlich ist im Verständnis der Vergangenheit, so meint Herman Grimm, der kann sich nicht zuschreiben, daß er zum Beispiel den Perikles oder den Alkibiades versteht. Die versteht man so, wie man die Persönlichkeiten von Märchen versteht. Das Seelenleben dieser Persönlichkeiten kann erst wiederum verstanden werden gerade durch anthroposophische Vertiefung. Wir haben immer versucht, hineinzukommen in die Art und Weise, wie ein Grieche vorstellt. Das fühlt auch Herman Grimm. Er fühlt die Entfernung, die zwischen dem Seelenleben eines Griechen und eines modernen Menschen ist, der den Römern noch sehr nahesteht; dann kommt ein Abgrund.

[ 15 ] It was, in fact, an extraordinarily profound sentiment that led Alerman Grimm, the art historian, to draw this dividing line between the Greeks and the Romans. Herman Grimm asserted, in fact: When one studies history today in school or at the university, one must ensure that one actually understands what one is learning. But when one studies history today, moving backward through human development, one understands history only up to the Roman era. Cicero, Caesar—one can still understand them because, to a certain extent, they are already quite similar to people today, although there is already much that is unnatural in the way we, let’s say, view Caesar. If we were not trained to do so, probably only students at military academies would be interested in Caesar. We are terribly conditioned in this regard. But on the whole, there is today a continuous current flowing back to Roman times. A certain philistine element—which is at its peak today but has gradually crept into humanity—is something we already find when we go back to Roman times. But, according to Herman Grimm, anyone who is honest in their understanding of the past cannot claim, for example, to understand Pericles or Alcibiades. One understands them in the same way one understands the characters in fairy tales. The inner life of these figures can only be understood through anthroposophical deepening. We have always tried to gain insight into the way a Greek thinks. Herman Grimm feels this as well. He senses the distance that lies between the inner life of a Greek and that of a modern person, who is still very close to the Romans; then there is an abyss.

[ 16 ] Wie die Griechen in den heutigen Schulen geschildert werden, das ist etwas Furchtbares, denn da werden sie eben modernisiert. So sind sie nicht gewesen, ihr ganzes Seelenleben war anders. Man muß zu ganz andern Mitteln greifen, wenn man die Griechen charakterisieren will. Es hat sich am besten gezeigt an einem besonderen Fall, wie der urgelehrte Wilamowitz daran ging, die griechischen Tragiker zu übersetzen. Die ganze Affäre ist eigentlich schrecklich, denn es ist natürlich in den Wilamowitzschen Übersetzungen nichts von den griechischen Tragikern darin, rein gar nichts. Und doch gefällt es den modernen Menschen ungeheuer, sie sind ganz entzückt von den Wilamowitzscher: Übersetzungen. Aber die Personen, die da bei Wilamowitz auftreten, sind nicht die, die bei den griechischen Tragikern auftreten.

[ 16 ] The way the Greeks are portrayed in today’s schools is terrible, because they are simply being modernized. That is not how they were; their entire inner life was different. One must resort to entirely different methods if one wishes to characterize the Greeks. This was best demonstrated by a specific case: how the highly erudite Wilamowitz set about translating the Greek tragedians. The whole affair is actually appalling, for naturally there is nothing of the Greek tragedians in Wilamowitz’s translations—absolutely nothing. And yet modern people like them immensely; they are completely enchanted by Wilamowitz’s translations. But the characters who appear in Wilamowitz’s work are not the same ones who appear in the works of the Greek tragedians.

[ 17 ] Also wenn wir nach Griechenland zurückkommen — das hat Herman Grimm mit einem sicheren Instinkt gefühlt -, da kommen wir in eine ganz andere Welt, gar nicht zu reden von den orientalischen Elementen in dieser Beziehung. Es ist ja der reine Hohn, wenn die moderne Menschheit überhaupt glaubt, aus den Deussenschen Übersetzungen etwas zu begreifen von dem, was im alten Orient sich abgespielt hat. Da muß man eindringen können in diese ganze Umwandlung und Umgestaltung des seelischen Wesens.

[ 17 ] So when we return to Greece—as Herman Grimm sensed with unerring instinct—we enter a completely different world, not to mention the Oriental elements in this regard. It is, after all, pure mockery for modern humanity to believe that it can understand anything at all about what took place in the ancient Orient from Deussen’s translations. One must be able to penetrate this entire transformation and reshaping of the spiritual being.

[ 18 ] Und wenn man auf ein besonderes Element hinschaut, auf die Sprache, dann ist das eben so, daß bis ins Griechentum herein die Gefühlssprache geherrscht hat zum Beispiel unter den Philosophen bis zu Plato. Der erste philosophische Philister ist der große universelle Geist Aristoteles. Sie werden sich verwundern, daß ich die zwei Attribute hintereinander sage, aber man versteht Aristoteles nicht, wenn man ihn nicht als den ersten philosophischen Philister und als den universellen Geist zugleich auffaßt. Er ist groß in einer gewissen Beziehung, aber er ist in einer andern Beziehung eben der erste philosophische Philister, der aus den Worten die Gedankenkategorien herausklaubt. Das wäre den älteren Griechen gar nicht eingefallen, aus den Worten Gedankenkategorien herauszuklauben, denn sie hatten noch ein Gefühl dafür, daß die Worte etwas sind, was hereininspiriert wird in die Menschen. Sie fühlten die höheren Geister, indem die Sprache entstand.

[ 18 ] And if one looks at a specific element—language—it is precisely the case that, right up into the Greek era, the language of emotion prevailed, for example, among philosophers up to Plato. The first philosophical philistine is the great universal mind, Aristotle. You may be surprised that I mention these two attributes in succession, but one cannot understand Aristotle unless one conceives of him as both the first philosophical philistine and the universal mind at the same time. He is great in one respect, but in another respect he is precisely the first philosophical philistine who picks out the categories of thought from words. It would never have occurred to the ancient Greeks to pick out categories of thought from words, for they still had a sense that words are something that is inspired into human beings. They sensed the higher spirits as language came into being.

[ 19 ] Bis in die Griechenzeit herein und für die äußere Menschheit die in bezug auf gewisse Dinge gewiß sehr zurück ist, aber in bezug auf geistige Dinge oftmals weniger zurück ist als die Philosophen -, für diese übrige Menschheit, die also in bezug auf die sprachbildende Kraft länger die Inspirationen behielt als die Philosophen, können wir wirklich sagen: Wir vernehmen noch überall in der sprachbildenden Kraft das inspirierende Element, das aber allerdings in der Seele der Erzengel lebt, bis zum Mysterium von Golgatha hin. Natürlich ist das approximativ. In der einen Gegend der Erde dauert es länger, in der andern kürzer. In der einen Gegend der Erde fühlen die Menschen noch, wie das Wort in ihnen so pulst, wie das Blut im Körper pulst; das fühlen sie in der Atemkraft. Und sie fühlen in der hinwehenden, das heißt in der den Körper durchwehenden Atemkraft den der Inspiration unterliegenden Archangelos.

[ 19 ] Right up to the Greek era—and for the rest of humanity, which is certainly very backward in certain respects but in spiritual matters is often less backward than the philosophers—for this rest of humanity, which thus retained its inspiration regarding the power of language longer than the philosophers did, we can truly say: We still perceive everywhere in the language-forming power the inspiring element—which, however, lives in the soul of the archangels—all the way to the Mystery of Golgotha. Of course, this is an approximation. In one region of the earth it lasts longer; in another, shorter. In one region of the Earth, people still feel how the word pulses within them, just as blood pulses through the body; they feel this in the breath force. And in the breath force that sweeps through—that is, the breath force that sweeps through the body—they feel the Archangelos who is subject to inspiration.

[ 20 ] Dann kommen wir an die Zeitepochen heran, wo die Erzengel, indem sie dem Menschen die Sprache vermitteln, nicht mehr der Inspiration unterliegen, sondern der Imagination (siehe Schema). Und die Sprache wird zur Gedankensprache. Die Menschen sprechen immer mehr und mehr aus den Gedanken heraus, die Sprache kommt gewissermaßen an das abstrakte Element des Menschen heran.

[ 20 ] Then we approach the historical epochs in which the archangels, by imparting language to humankind, are no longer subject to inspiration but to imagination (see diagram). And language becomes the language of thought. People speak more and more from their thoughts; language, so to speak, approaches the abstract element of the human being.

[ 21 ] Dem liegt etwas sehr Bedeutsames zugrunde. Die Intuitionen haben die Archangeloi empfangen von der zweiten Hierarchie; sie selber gehören zur dritten Hierarchie. Die Inspirationen haben sie empfangen von Seraphim, Cherubim und Thronen, von der ersten Hierarchie. Die Imagination - ja, da gibt es zunächst keine Hierarchie über die erste hinaus! Diese Imaginationen konnten sie zunächst nicht von den Hierarchien empfangen, die zum Beispiel noch bei Dionysius dem Areopagiten verzeichnet sind. Da gab es über die erste Hierarchie hinaus keine. Daher haben gewisse Erzengelwesen dazu greifen müssen, nun die Imaginationen, das heißt, die Bilder der sprachbildenden Kraft - denn das sind die Imaginationen — aus der Vergangenheit herzuholen, also Früheres fortzusetzen. Es hörte die unmittelbare quellende Kraft, Sprache zu bilden, auf. In die Sprache kam ein ahrimanisches Element herein, weil sie herübergenommen wurde aus einer früheren Stufe. Das ist etwas ungeheuer Bedeutungsvolles. Und dieses, was da die Archangeloi über sich im Oberen fühlten, das drückte sich in der Menschheit dadurch aus, daß die Sprache immer mehr und mehr sich abschliff, ablähmte, nicht mehr als etwas so Lebendiges vorhanden war wie in früheren Zeiten.

[ 21 ] There is something very significant underlying this. The Archangels received their intuitions from the second hierarchy; they themselves belong to the third hierarchy. They received their inspirations from the Seraphim, Cherubim, and Thrones—from the first hierarchy. Imagination—yes, at first there is no hierarchy beyond the first! At first, they could not receive these imaginations from the hierarchies that are, for example, still listed by Dionysius the Areopagite. There was no hierarchy beyond the first. Therefore, certain archangelic beings had to step in to retrieve the imaginations—that is, the images of the language-forming power, for that is what imaginations are—from the past, thus continuing what had gone before. The immediate, welling power to form language had ceased. An Ahrimanic element entered into language because it was carried over from an earlier stage. This is something of immense significance. And what the Archangels sensed above them in the higher realms was expressed in humanity in such a way that language became increasingly worn down and dulled, no longer existing as something as living as it had been in earlier times.

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[ 22 ] Bedenken Sie, was für ein ungeheuer Bedeutsames sich in dieser Tatsache ausspricht. In das Menschenleben kommt etwas herein, was eigentlich eine höhere Hierarchie brauchte, als die erste Hierarchie ist. Man muß dieses nur in seiner ungeheuer umfassenden Bedeutung fühlen, und man wird darauf hingewiesen, wie eine Zeit herangekommen war, in der Götter über dasjenige hinauswachsen mußten, was in der ersten Hierarchie enthalten war.

[ 22 ] Consider what an immensely significant truth is expressed in this fact. Something enters human life that actually required a higher hierarchy than the first hierarchy. One need only sense this in its immensely far-reaching significance, and one is made aware of how a time had come in which gods had to transcend what was contained within the first hierarchy.

[ 23 ] Nun gibt es eines, was die Götter bis zu jener Zeit nicht erreicht hatten, was auf Erden hier schon im Abbilde vorhanden war. Was die Götter noch nicht erreicht hatten, das ist das Durchgehen durch den Tod. Es ist das ein Faktum, auf das ich schon öfter hingewiesen habe. Die Götter, die in den verschiedenen Hierarchien über dem Menschen stehen, haben nur Verwandlungen, Metamorphosen von einer Lebensform in die andere kennengelernt. Das eigentliche Ereignis des Todes im Leben war vor dem Mysterium von Golgatha keine Göttererfahrung. Der Tod ist ins Leben hereingekommen durch die luziferischen und ahrimanischen Einflüsse, durch zurückgebliebene oder das Vorwärtsstürmen zu schnell treibende Götterwesen. Aber der Tod ist eigentlich nicht etwas, was als eine Lebenserfahrung der höheren Hierarchien vorhanden war. Das tritt ein als eine Erfahrung für diese höheren Hierarchien in dem Augenblick, als der Christus durch das Mysterium von Golgatha, das heißt, durch den Tod geht; als der Christus mit dem Schicksal der Erdenmenschheit sich so weit vereinigte, daß er mit dieser Erdenmenschheit das gemeinsam haben wollte, daß er den Tod durchgemacht hat. Es ist also dieses Ereignis von Golgatha nicht bloß ein Ereignis des Erdenlebens, es ist dieses Ereignis von Golgatha ein Ereignis des Götterlebens. Was sich auf der Erde abgespielt hat, und was im menschlichen Gemüt als eine Erkenntnis von dem Ereignis von Golgatha auftritt, das ist das Abbild von etwas ungeheuer viel Umfassenderem, Großartigerem, Gewaltigerem, Erhabenerem, das sich abgespielt hat in den Götterwelten selber. Und des Christus Durchgang durch den Tod auf Golgatha ist ein Ereignis, durch das die erste Hierarchie in ein höheres Gebiet hinaufreichte. Daher mußte ich Ihnen immer sagen: Die Trinität liegt eigentlich über den Hierarchien. Aber dazu ist sie erst im Laufe der Entwickelung gekommen. Entwickelung findet überall statt.

[ 23 ] Now there is one thing the gods had not yet attained by that time, something that already existed here on earth in a symbolic form. What the gods had not yet attained is the experience of passing through death. This is a fact to which I have already referred on several occasions. The gods, who stand above human beings in the various hierarchies, have known only transformations, metamorphoses from one life form to another. The actual event of death in life was not an experience of the gods before the Mystery of Golgotha. Death entered into life through the Luciferic and Ahrimanic influences, through divine beings who had lagged behind or who were driving the forward march too quickly. But death is not actually something that existed as a life experience for the higher hierarchies. It becomes an experience for these higher hierarchies at the very moment when Christ passes through the Mystery of Golgotha—that is, through death—when Christ united himself with the destiny of humanity on Earth to such an extent that he wished to share with humanity the fact that he had undergone death. Thus, this event of Golgotha is not merely an event of earthly life; this event of Golgotha is an event of divine life. What took place on Earth, and what arises in the human mind as an understanding of the event of Golgotha, is the reflection of something immeasurably more comprehensive, more magnificent, more powerful, and more sublime that took place in the divine worlds themselves. And Christ’s passage through death on Golgotha is an event through which the First Hierarchy reached into a higher realm. That is why I have always had to tell you: The Trinity actually lies above the Hierarchies. But it has only come to this in the course of evolution. Evolution takes place everywhere.

[ 24 ] Also mit Bezug auf diejenigen Hierarchien selbst, welche bei Dionysius dem Areopagiten verzeichnet sind, verlieren die Erzengel die Möglichkeit, die Imaginationen von oben zu bilden. Der Mensch verliert die Möglichkeit, seine Sprache lebendig fortzugestalten. In der Götterwelt geht etwas vor, dessen irdisches Abbild das Ereignis von Golgatha ist. Und deshalb hängt mit dem Ereignis von Golgatha unter vielem andern auch das zusammen, daß, wenn die Menschen nach und nach immer mehr und mehr den Christus-Impuls aufnehmen, sie durch den Christus-Impuls wiederum den lebendigen Sprachquell erhalten.

[ 24 ] Thus, with regard to those very hierarchies described by Dionysius the Areopagite, the archangels lose the ability to form the imaginations from above. Human beings lose the ability to continue shaping their language in a living way. Something is taking place in the world of the gods, the earthly reflection of which is the event at Golgotha. And that is why, among many other things, the event at Golgotha is connected to the fact that as human beings gradually take in more and more of the Christ impulse, they in turn receive the living source of language through the Christ impulse.

[ 25 ] Wir haben heute, man möchte sagen, die auslaufenden bloß natürlichen Sprachen. Und wenn man unbefangen genug ist, kann man in den auslaufenden natürlichen Sprachen, insbesondere je weiter man vom Osten nach dem Westen geht, vernehmen, wie diese Sprachen ein absterbendes Element in sich tragen, wie sie immer mehr und mehr zur Hülle werden. In Asien ist es noch weniger der Fall, gegen den Westen hin aber ist es immer mehr und mehr so, daß die Sprachen ein absterbendes Element in sich tragen.

[ 25 ] Today, one might say, we have natural languages that are in decline. And if one is open-minded enough, one can perceive in these declining natural languages—especially the farther one moves from the East toward the West—how these languages carry within them a dying element, how they are increasingly becoming mere shells. This is less the case in Asia, but as one moves toward the West, it becomes increasingly true that the languages carry within them a dying element.

[ 26 ] Eine Belebung des Sprachschöpferischen im Menschenwesen kann nur dadurch eintreten, daß die Menschen immer mehr den ChristusImpuls als ein Lebendiges wieder ergreifen, damit der Christus-Impuls gerade das Sprachschöpferische werde. Und unter all den Dingen, die man anführen muß, wenn man die Bedeutung des Christus-Impulses für die Menschheitsentwickelung darlegen will, ist auch dieses, daß die Menschheit in der Zeit, in der sie zur Freiheit aufrückte, herauskam aus dem göttlich-geistigen Durchströmt- und Durchwebtsein der Sprachen. Wäre die Sprache so geblieben, wie sie im alten Griechenland war, der Mensch hätte sich nicht zur Freiheit entwickeln können. Es brauchte einmal, ich möchte sagen, dieses Absurde, daß die Sprache nur zum Zeichen da ist, daß die Archangeloi die Möglichkeit verloren haben, die Imaginationen aus der Gegenwart zu bilden, daß sie aus der Vergangenheit sie bilden mußten. In dieser Zeit, an deren Beginn sich der Christus angekündigt hat, in der er niederschreiben ließ das Geheimnis seines Wesens und seiner Tätigkeit in den Evangelien, in dieser Zeit ist aber die Christus-Erkenntnis nicht vollständig unter die Menschen gekommen, weil sie nicht geistig genug, weil sie oftmals nur traditionell war. Erst wenn das Wort des Evangeliums belebt wird von einem Christus-Verständnis aus, das in der Gegenwart selber von dem fortwirkenden, immer auf den Menschen Einfluß habenden Christus kommt, erst dann wird auch die sprachbildende Kraft von diesem Christus-Impuls, von dem lebendigen Christus-Impuls ausgehen.

[ 26 ] A revival of the creative power of language within the human being can only come about if people increasingly reclaim the Christ impulse as a living force, so that the Christ impulse itself becomes the creative power of language. And among all the points that must be raised when seeking to explain the significance of the Christ impulse for human development is this: that during the period in which humanity advanced toward freedom, it emerged from the state of being permeated and interwoven by the divine-spiritual in language. Had language remained as it was in ancient Greece, humanity would not have been able to develop toward freedom. It was necessary, I would say, for this absurdity to arise—that language exists only as a sign; that the Archangels lost the ability to form imaginations from the present and had to form them from the past. In this era, at the beginning of which Christ announced himself—the era in which he had the mystery of his being and his activity recorded in the Gospels—the knowledge of Christ did not, however, reach humanity in its fullness, because it was not spiritual enough; because it was often merely traditional. Only when the word of the Gospel is enlivened by an understanding of Christ that comes in the present itself from the Christ who continues to work and always influences human beings—only then will the language-forming power also emanate from this Christ impulse, from the living Christ impulse.

[ 27 ] Aber schreiben wir jetzt auf, was ich Ihnen hier angedeutet habe (siehe Schema). Machen wir uns ganz klar, daß da oben etwas vorgeht, wodurch Götter erhöht werden, daß da unten etwas vorgeht, wodurch die Menschen den Christus-Impuls immer mehr haben, aber auch immer mehr zur Freiheit vorrücken. Stellen wir uns nur vor, daß, indem der Mensch eine Erhöhung durchmacht, diese Erhöhung des Menschen auch eine Erhöhung der höheren Hierarchien ausmacht. Seien wir uns klar darüber, daß die Imaginationen der Archangeloi gegenwärtig lebendige Imaginationen werden, wenn die Archangeloi immer mehr hineinbekommen von dem Christus, der seinen Wohnplatz in den Herzen der Menschen auf der Erde gefunden haben wird, der als ein Impuls in die Imaginationen der Erzengel einzieht.

[ 27 ] But let’s now write down what I’ve hinted at here (see diagram). Let us be very clear that something is happening up above through which the gods are exalted, and that something is happening down below through which human beings increasingly receive the Christ impulse, but also advance ever further toward freedom. Let us simply imagine that, as human beings undergo an exaltation, this exaltation of human beings also constitutes an exaltation of the higher hierarchies. Let us be clear that the imaginations of the Archangels are currently becoming living imaginations as the Archangels increasingly take in the Christ who will have found his dwelling place in the hearts of people on Earth, and who enters the imaginations of the Archangels as an impulse.

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[ 28 ] Es wird dann eine ganz andere Art der sprachbildenden Kraft kommen. Eine besondere Art der sprachbildenden Kraft wird eben kommen. Von gewissen. andern Gesichtspunkten habe ich das in früheren Zyklen schon angedeutet, aber jetzt schreiben wir einmal einfach dasjenige, was ich Ihnen da auseinandergesetzt habe.

[ 28 ] A completely different kind of language-forming power will then emerge. A special kind of language-forming power will indeed emerge. I have already hinted at this from certain other perspectives in earlier cycles, but now let us simply write down what I have explained to you here.

[ 29 ] Der Mensch kann schildern, wie es oben bei den Himmeln vorgegangen ist in der Entwickelung, die da oben verlief, während unten auf Erden die Menschheitsentwickelung verlief. Aber der Mensch kann auch das Abbild beschreiben. Er kann das Vorrücken von der Willenssprache durch die Gefühlssprache zu den Gedanken- oder Zeichensprachen beschreiben. Und er kann wissen, daß dazwischen liegt das Aufsteigen - oder das Absteigen - der Archangeloi von Intuition zu Inspiration zu Imagination. Aber indem der Mensch auf sich selber schaut, was muß er ins Auge fassen, wenn er von der Entwickelung der Archangeloi und von dem, was in den höheren Hierarchien damit zusammenhängt, dahin deuten will? Er faßt die Entwickelung der Sprache oder des Wortes ins Auge, er fixiert, er erinnert sich. Ich will die Entwickelung einer bestimmten Strömung in der Menschheit ins Auge fassen, in die eine Götterströmung hineinverwoben ist. Ich gehe bis zum Ursprung zurück, bis zu den Urbeginnen. «Im Urbeginne war das Wort.» Wo war denn das Wort, als wir eine Willenssprache hatten als Menschheit? Ja, das Wort war bei Gott und mußte durch Intuition bei Gott gesucht werden. «Und das Wort war bei Gott.» Aber die Archangeloi mußten sich durch Intuition in das Wesen der zweiten Hierarchie hineinversetzen. Das Wesen, das sie da in sich selber überfließen ließen, das war das Wort: «Und ein Gott war das Wort.»

[ 29 ] Human beings can describe how things unfolded up in the heavens during the evolution that took place there, while the evolution of humanity was unfolding down here on Earth. But human beings can also describe the reflection of this process. They can describe the progression from the language of the will, through the language of feeling, to the languages of thought or signs. And they can know that in between lies the ascent—or descent—of the Archangels from intuition to inspiration to imagination. But as human beings look within themselves, what must they take into account if they wish to interpret the evolution of the Archangels and what is connected with it in the higher hierarchies? They take into account the evolution of language or the word; they focus on it; they recall it. I want to consider the development of a particular current within humanity, into which a divine current is woven. I go back to the origin, to the very beginning. “In the beginning was the Word.” Where, then, was the Word when we as humanity had a language of will? Yes, the Word was with God and had to be sought through intuition in God. “And the Word was with God.” But the Archangels had to immerse themselves, through intuition, into the essence of the second hierarchy. The essence they allowed to flow within themselves—that was the Word: “And the Word was God.”

Im Urbeginne war das Wort,
Und das Wort war bei Gott,
Und ein Gott war das Wort.

In the very beginning was the Word,
And the Word was with God,
And the Word was God.

[ 30 ] Wir sehen, wie innig dasjenige, was fortfloß in der Entwickelung, die ihre Kulmination im Mysterium von Golgatha hatte, zusammenhing mit dem Logos oder dem Wort. Aber das Ganze hängt ja zusammen mit dem universellen Ereignis der Menschwerdung und des Durchgehens durch den Tod von seiten des Christus. In der Zeit, in der man so sagte: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort», fühlte man das Wort vor allen Dingen im Seelischen weben. Nun kam durch das Mysterium von Golgatha eine Zeit, wo der Christus in einem Menschenleibe da war den Christus sah man durch das Wort -, wo das Wort eingezogen war in den physischen Menschen: «Und das Wort ist Fleisch geworden.»

[ 30 ] We see how intimately connected was that which flowed forth in the development that reached its culmination in the Mystery of Golgotha with the Logos, or the Word. But the whole is, of course, connected with the universal event of the Incarnation and Christ’s passage through death. In the time when people said, “In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God,” the Word was felt above all to be weaving within the soul. Now, through the Mystery of Golgotha, a time came when Christ was present in a human body—Christ was seen through the Word—when the Word had entered into the physical human being: “And the Word became flesh.”

[ 31 ] Tiefe Entwickelungswahrheiten, die man durch eine heiße Arbeit, welche in einer Beobachtung der geistigen Welt besteht, wiederfindet, liegen in demjenigen, was im älteren Schrifttum steht. Aber man muß sich nur klar sein darüber, dieses ältere Schrifttum muß mit jener Ehrerbietung erfaßt werden, durch die man sich sagt: Ich kann immer tiefer und tiefer hineindringen, wenn ich in den Dingen selber erst forsche. - Da kommt man hinein in die tiefere Bedeutung des älteren Schrifttums. Und steigt man hinein in die tiefere Bedeutung des alten Schrifttums, dann steigt man auch in das geistige Leben selber hinein.

[ 31 ] Profound truths of development, which are rediscovered through intensive work consisting of observation of the spiritual world, are found in what is written in the older literature. But one must be clear about this: this older literature must be approached with the reverence that leads one to say: I can penetrate ever deeper and deeper if I first investigate the things themselves. — That is how one enters into the deeper meaning of the ancient writings. And when one ascends into the deeper meaning of the ancient writings, one also ascends into spiritual life itself.

[ 32 ] Und wieviel gäbe es in dieser Beziehung in unserer heutigen Gegenwart für eine Michael-Kultur, für eine Kultur, welche sich anfeuern ließe von dem, was ich in den verflossenen Betrachtungen den MichaelGedanken genannt habe! Der Michael-Gedanke soll ja vorzugsweise lebendig werden durch ein Herbstfest. Die Blätter fallen, welk geworden, von den Bäumen, die Pflanzen werden welk, verdorren, das Leben mineralisiert sich. Dasjenige, was der Mensch im vorhergehenden Jahreslaufe gesehen hat als Sprießendes, Sprossendes, als Lebendiges, nimmt den Tod, das Untergehende in sich auf, das sich Mineralisierende. Da muß im Menschen die Michael-Kraft, die Willenskraft ersprießen, welche sich klar ist darüber, daß das Geistige dort Platz nimmt, wo das Physisch-Materielle abgelähmt wird und nach und nach erstirbt. Ein Fest der Impulsivität müßte als ein Abbild des in das welkende Naturgeschehen hineingestellten, seine Seele aber zu um so größerer Aktivität bringenden Menschen das herbstliche MichaelFest Ende September werden. Und wird es das, dann wird alle menschliche Tätigkeit befruchtet.

[ 32 ] And how much room would there be in our present day for a Michael culture—a culture that could be inspired by what I have called the “Michael idea” in my previous reflections! After all, the Michael idea is meant to come to life primarily through a harvest festival. The leaves, having withered, fall from the trees; the plants wither and die; life becomes mineralized. That which human beings have seen in the course of the past year as sprouting, growing, and living now takes within itself death, decay, and the process of mineralization. This is where the Michael force—the willpower—must spring forth within the human being, a force that is fully aware that the spiritual takes its place where the physical-material is weakened and gradually dies away. The autumnal Michaelmas Festival at the end of September should become a celebration of impulsiveness—a reflection of the human being who is placed within the withering processes of nature, yet whose soul is thereby stirred to all the greater activity. And if it becomes so, then all human activity will be enriched.

[ 33 ] Was kann man doch heute alles erfahren! Man braucht nur auf ganz kurze Zeiten zurückzugreifen. Da gibt es Erfahrungen in Hülle und Fülle, die einem die Menschen entgegenbringen. Auf allen Gebieten, zum Beispiel auf dem Gebiete der Sprache, sagen einem die Menschen: Ja, ich soll die Sprachen studieren, aber da kommt gar nichts dabei heraus, da steht alles so nebeneinander, da ist gar nichts Geistiges darin.

[ 33 ] Just think of all the things you can learn these days! You only need to look back a very short time. There is an abundance of experiences that people share with you. In all fields—for example, in the field of language—people tell you: “Yes, I should study languages, but nothing comes of it; everything just stands side by side; there’s nothing intellectual in it at all.”

[ 34 ] Also es ist wirklich so, gerade wenn Menschen in ihrer Jugend, sagen wir, vom Gymnasium kommen; nun ja, da sind sie noch nicht so weit erwacht, aber jetzt sollen sie nachdenken, jetzt sollen sie an die Universität gehen und sollen Sprachen studieren. Und nun überlegen sie sich, wie dann das fortgehen wird, was sie schon im Studium der Sprachen aufgenommen haben: da wird ihnen schwummelig vor den Augen vor dem, was ihnen da blüht. Ja, alle Ansätze sind dazu vorhanden, jene Wunder kennenzulernen, die man kennenlernt, wenn man hinaufschaut von der heutigen Gedankensprache durch die Gefühlssprache zu der Willenssprache, wenn man da das Göttliche, das Erzengelartige waltend und webend schaut, wenn man es schaut, wie es heute, ich möchte sagen, in den Leichnamen der Sprachen sich zeigt. Wenn da wiederum das Leben der Ürbeginne hineinflösse, das gäbe etwas Großartiges!

[ 34 ] Well, it’s really true that, especially when people are young—let’s say, fresh out of high school—they haven’t quite come of age yet, but now they’re supposed to start thinking, go to college, and study languages. And now they’re wondering how to build on what they’ve already absorbed while studying languages: their heads start spinning at the thought of what lies ahead. Yes, all the foundations are in place to come to know those wonders that one encounters when one looks up from today’s language of thought, through the language of feeling, to the language of will; when one sees the divine, the archangelic, reigning and weaving there; when one sees how it reveals itself today, I might say, in the corpses of the languages. If the life of the very beginnings were to flow into them once more, that would be something magnificent!

[ 35 ] Der Michael-Gedanke ist nicht so etwas, daß sich ein paar Leute vornehmen können: Wir machen halt so ein Herbstfest; das ist sehr schön, dann sind wir die ganz Fortschrittlichen. - Der Michael-Gedanke ist etwas, was mit den innersten und stärksten Impulsen des menschlichen Willens rechnen muß, und das Fest kann nur ein solches sein, was ebenso dem menschlichen Leben einen mächtigen Ruck gibt, wie in älteren Zeiten, wo man noch die festesbildenden Kräfte hatte, wo die Einsetzung des Weihnachtsfestes oder des Osterfestes den Menschen einen Lebensruck gab.

[ 35 ] The Michaelmas ideal is not something that a few people can simply decide to do: “Let’s just have an autumn festival; that’s very nice, and then we’ll be the truly progressive ones.” - The Michael concept is something that must take into account the innermost and strongest impulses of the human will, and the festival can only be one that gives human life a powerful jolt, just as in earlier times, when people still possessed the forces that shaped festivals, and when the establishment of Christmas or Easter gave people a jolt of vitality.