Three Perspectives of Anthroposophy
Cultural Phenomena
from the Perspective of Spiritual Science
GA 225
6 July 1923, Dornach
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Anthroposophie als Kosmosophie, Erster Teil
4. Eine Jahrhundertbetrachtung 1823 bis 1923
4. Eine Jahrhundertbetrachtung 1823 bis 1923
[ 1 ] Heute möchte ich eine Art Jahrhundertbetrachtung machen. In einer eben mehr äußerlichen Weise kann ja die Veranlassung zu einer solchen Jahrhundertbetrachtung die Tatsache sein, daß in einem sehr bedeutenden Roman der französischen Schriftstellerin George Sand «Le compagnon du tour de France» gerade die Handlung, die ich hier jedenfalls nicht eingehend zu betrachten haben werde, in das Jahr 1823 verlegt wird, also hundert Jahre vor unserer Gegenwart. Es ist deshalb eine Möglichkeit für manchen, eine Anregung gerade aus diesem Roman zu gewinnen, weil bei einer so ins Große und auch ins Eindringliche gehenden Phantasie, wie sie die George Sand hatte, eigentlich mehr geleistet wird für die Charakteristik einer Zeit als durch die sogenannte wissenschaftliche Geschichtsbetrachtung. Man kann schon sagen: Mit einer wirklichen Eindringlichkeit hat diese Schriftstellerin die Zeit um das Jahr 1823 — und gerade für den französischen Westen Europas — zum Hintergrunde eines bedeutsamen Romans gemacht.
[ 1 ] Heute möchte ich eine Art Jahrhundertbetrachtung machen. In einer eben mehr äußerlichen Weise kann ja die Veranlassung zu einer solchen Jahrhundertbetrachtung die Tatsache sein, daß in einem sehr bedeutenden Roman der französischen Schriftstellerin George Sand «Le compagnon du tour de France» gerade die Handlung, die ich hier jedenfalls nicht eingehend zu betrachten haben werde, in das Jahr 1823 verlegt wird, also hundert Jahre vor unserer Gegenwart. Es ist deshalb eine Möglichkeit für manchen, eine Anregung gerade aus diesem Roman zu gewinnen, weil bei einer so ins Große und auch ins Eindringliche gehenden Phantasie, wie sie die George Sand hatte, eigentlich mehr geleistet wird für die Charakteristik einer Zeit als durch die sogenannte wissenschaftliche Geschichtsbetrachtung. Man kann schon sagen: Mit einer wirklichen Eindringlichkeit hat diese Schriftstellerin die Zeit um das Jahr 1823 — und gerade für den französischen Westen Europas — zum Hintergrunde eines bedeutsamen Romans gemacht.
[ 2 ] Nun, ich werde nicht jenen Duktus einhalten, der in diesem Roman eingehalten ist, sondern ich werde versuchen, den sozialen Hintergrund aus den geistigen Grundlagen heraus für die angedeutete Zeit zu geben. Die George Sand hat nämlich eine Anzahl von Gestalten gezeichnet, die dem kleinbürgerlichen Handwerkerstande angehören, und dann spielen auch in das Leben dieser Angehörigen des kleinbürgerlichen Handwerkerstandes die Erlebnisse aristokratischen Familienwesens hinein. Das aber, was in diesem Roman großartig geschildert ist, das ist eben das soziale Leben des Handwerkerstandes. Und man kann sagen: Mit demjenigen Unterschied, mit jener Differenz, die eben nach der Volkstümlichkeit vorhanden sein muß, hat George Sand das Hineingestelltsein des Menschen in die sozialen Verhältnisse dieses Zeitalters geschildert, das wir ja weiter zurückrechnen können, um Jahrzehnte zurückrechnen können, ich möchte sagen, gerade so weit für Frankreich, wie zurückreichen die sozialen Verhältnisse, aus denen heraus Goethe seinen «Wilhelm Meister» geschaffen hat. Also mit jenem Unterschiede, der durch die Volkstümlichkeit gegeben sein muß, sehen wir, wie da als Hintergrund des Romans die sozialen Verhältnisse eindringlich geschildert werden, wie der Mensch herauswächst aus den sozialen Verhältnissen, wie er seine eigene Persönlichkeit in einer bestimmten Nuance zeigt dadurch, daß er aus diesen sozialen Verhältnissen herauswächst.
[ 2 ] Nun, ich werde nicht jenen Duktus einhalten, der in diesem Roman eingehalten ist, sondern ich werde versuchen, den sozialen Hintergrund aus den geistigen Grundlagen heraus für die angedeutete Zeit zu geben. Die George Sand hat nämlich eine Anzahl von Gestalten gezeichnet, die dem kleinbürgerlichen Handwerkerstande angehören, und dann spielen auch in das Leben dieser Angehörigen des kleinbürgerlichen Handwerkerstandes die Erlebnisse aristokratischen Familienwesens hinein. Das aber, was in diesem Roman großartig geschildert ist, das ist eben das soziale Leben des Handwerkerstandes. Und man kann sagen: Mit demjenigen Unterschied, mit jener Differenz, die eben nach der Volkstümlichkeit vorhanden sein muß, hat George Sand das Hineingestelltsein des Menschen in die sozialen Verhältnisse dieses Zeitalters geschildert, das wir ja weiter zurückrechnen können, um Jahrzehnte zurückrechnen können, ich möchte sagen, gerade so weit für Frankreich, wie zurückreichen die sozialen Verhältnisse, aus denen heraus Goethe seinen «Wilhelm Meister» geschaffen hat. Also mit jenem Unterschiede, der durch die Volkstümlichkeit gegeben sein muß, sehen wir, wie da als Hintergrund des Romans die sozialen Verhältnisse eindringlich geschildert werden, wie der Mensch herauswächst aus den sozialen Verhältnissen, wie er seine eigene Persönlichkeit in einer bestimmten Nuance zeigt dadurch, daß er aus diesen sozialen Verhältnissen herauswächst.
[ 3 ] Sie wissen ja, daß auch Goethes Wilhelm-Meister-Gestalten aus diesen sozialen Verhältnissen herauswachsen. Es ist schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von verschiedenen Persönlichkeiten eine Art Parallele gezogen worden zwischen dem sozialen Hintergrunde des Romans der George Sand und dem Goetheschen «Wilhelm Meister». Natürlich müssen, wie gesagt, die Unterschiede berücksichtigt werden, die sich aus dem volkstümlichen Wesen ergeben. Goethes Roman ist durchaus weltbürgerlich, hat nichts von Nationalem, hat auch nichts von Politischem. Der Roman der Sand ist durch und durch national, durch und durch politisch. Das müssen wir natürlich voraussetzen, wenn der sonst ja berechtigte Vergleich zwischen den beiden Romanen hingestellt wird.
[ 3 ] Sie wissen ja, daß auch Goethes Wilhelm-Meister-Gestalten aus diesen sozialen Verhältnissen herauswachsen. Es ist schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von verschiedenen Persönlichkeiten eine Art Parallele gezogen worden zwischen dem sozialen Hintergrunde des Romans der George Sand und dem Goetheschen «Wilhelm Meister». Natürlich müssen, wie gesagt, die Unterschiede berücksichtigt werden, die sich aus dem volkstümlichen Wesen ergeben. Goethes Roman ist durchaus weltbürgerlich, hat nichts von Nationalem, hat auch nichts von Politischem. Der Roman der Sand ist durch und durch national, durch und durch politisch. Das müssen wir natürlich voraussetzen, wenn der sonst ja berechtigte Vergleich zwischen den beiden Romanen hingestellt wird.
[ 4 ] Nun, diese Verhältnisse, die als sozialer Hintergrund dastehen, sind ja wirklich außerordentlich charakteristisch für die ganze Art und Weise, wie sich das moderne Menschenwesen im Laufe der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus gewissen Untergründen bis zur Oberfläche des Menschendaseins heraufgearbeitet hat. Heute macht sich der Mensch nicht leicht eine Vorstellung davon, wie die Dinge vor einem Jahrhundert noch waren, weil heute die menschliche Persönlichkeit eigentlich vereinzelt dasteht innerhalb der sozialen Ordnung. Selbst diejenigen, die beruflich oder familienhaft zusammenhängen, gestalten ihr Leben allmählich so, daß sie aus den Zusammenhängen, aus den sozialen Bindungen herauskommen, zu einer gewissen Individualität kommen.
[ 4 ] Nun, diese Verhältnisse, die als sozialer Hintergrund dastehen, sind ja wirklich außerordentlich charakteristisch für die ganze Art und Weise, wie sich das moderne Menschenwesen im Laufe der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus gewissen Untergründen bis zur Oberfläche des Menschendaseins heraufgearbeitet hat. Heute macht sich der Mensch nicht leicht eine Vorstellung davon, wie die Dinge vor einem Jahrhundert noch waren, weil heute die menschliche Persönlichkeit eigentlich vereinzelt dasteht innerhalb der sozialen Ordnung. Selbst diejenigen, die beruflich oder familienhaft zusammenhängen, gestalten ihr Leben allmählich so, daß sie aus den Zusammenhängen, aus den sozialen Bindungen herauskommen, zu einer gewissen Individualität kommen.
[ 5 ] In dieser Beziehung hat sich ein ungeheurer Umschwung in der Entwickelung der Menschheit Europas gerade im 19. Jahrhundert vollzogen, und die innere Seelenverfassung in bezug auf das soziale Gebunden- oder Nicht-Gebundensein ist eben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine ganz andere als in der ersten Hälfte. In der ersten Hälfte suchte der Mensch — und wir wollen heute von den anderen Verhältnissen absehen, vorzugsweise auf die westeuropäischen Verhältnisse Rücksicht nehmen —, es suchte dazumal der Mensch geradezu, sich hineinzustellen in ein soziales Gebundensein. Er suchte den Anschluß an diejenigen Persönlichkeiten, die mit ihm gemeinsame Interessen hatten, gemeinsame Interessen, die sich sozusagen zusammenstellten aus den Interessen des Standes auf der einen Seite und den Interessen des Berufes auf der andern Seite.
[ 5 ] In dieser Beziehung hat sich ein ungeheurer Umschwung in der Entwickelung der Menschheit Europas gerade im 19. Jahrhundert vollzogen, und die innere Seelenverfassung in bezug auf das soziale Gebunden- oder Nicht-Gebundensein ist eben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine ganz andere als in der ersten Hälfte. In der ersten Hälfte suchte der Mensch — und wir wollen heute von den anderen Verhältnissen absehen, vorzugsweise auf die westeuropäischen Verhältnisse Rücksicht nehmen —, es suchte dazumal der Mensch geradezu, sich hineinzustellen in ein soziales Gebundensein. Er suchte den Anschluß an diejenigen Persönlichkeiten, die mit ihm gemeinsame Interessen hatten, gemeinsame Interessen, die sich sozusagen zusammenstellten aus den Interessen des Standes auf der einen Seite und den Interessen des Berufes auf der andern Seite.
[ 6 ] Bei der bäuerlichen Bevölkerung, die in jener Zeit noch mehr an die Scholle gebunden war, kommt eben die Gebundenheit durch den Erdboden in Betracht. Aber für diejenigen, die aus dieser bäuerlichen Seelenverfassung herauswuchsen durch ihr Handwerkertum zu einer gewissen Befreiung von dem Schollenhaften, für die kommt es sehr in Betracht, daß sie gerade in dieser Zeit, man möchte sagen, recht krampfhaft nach sozialen Vergesellschaftungen suchten. Und das Merkwürdige ist für diese erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, also für diejenigen Zeiten, für die wir heute eine Jahrhundertbetrachtung anstellen können, daß trotz Klassen- und Kastenzusammenhängen und Berufszusammenhängen, die den äußeren Kitt bilden für solche Vergesellschaftungen, doch überall ein geistiger, ein konkret geistiger Hintergrund für diese Vergesellschaftungen bestand.
[ 6 ] Bei der bäuerlichen Bevölkerung, die in jener Zeit noch mehr an die Scholle gebunden war, kommt eben die Gebundenheit durch den Erdboden in Betracht. Aber für diejenigen, die aus dieser bäuerlichen Seelenverfassung herauswuchsen durch ihr Handwerkertum zu einer gewissen Befreiung von dem Schollenhaften, für die kommt es sehr in Betracht, daß sie gerade in dieser Zeit, man möchte sagen, recht krampfhaft nach sozialen Vergesellschaftungen suchten. Und das Merkwürdige ist für diese erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, also für diejenigen Zeiten, für die wir heute eine Jahrhundertbetrachtung anstellen können, daß trotz Klassen- und Kastenzusammenhängen und Berufszusammenhängen, die den äußeren Kitt bilden für solche Vergesellschaftungen, doch überall ein geistiger, ein konkret geistiger Hintergrund für diese Vergesellschaftungen bestand.
[ 7 ] Im Französischen wächst allerdings alles mit dem Nationalen zusammen. Würde man dieselben Verhältnisse — was wir vielleicht auch in einer gewissen Weise tun können — für das deutsche Wesen betrachten, so würde man ja von vornherein darauf hinweisen müssen, daß zum Beispiel der deutsche Lehrling auch außer Landes wanderte während seiner Wanderzeit, daß er keine Rücksicht nahm auf politische Grenzen, wenn es sich ihm darum handelte, eine solche Vergesellschaftung zu suchen, wie ich sie angedeutet habe. Das französische Wesen, das durch und durch national ist, ließ auch den Handwerker nur innerhalb der Grenzen Frankreichs reisen.
[ 7 ] Im Französischen wächst allerdings alles mit dem Nationalen zusammen. Würde man dieselben Verhältnisse — was wir vielleicht auch in einer gewissen Weise tun können — für das deutsche Wesen betrachten, so würde man ja von vornherein darauf hinweisen müssen, daß zum Beispiel der deutsche Lehrling auch außer Landes wanderte während seiner Wanderzeit, daß er keine Rücksicht nahm auf politische Grenzen, wenn es sich ihm darum handelte, eine solche Vergesellschaftung zu suchen, wie ich sie angedeutet habe. Das französische Wesen, das durch und durch national ist, ließ auch den Handwerker nur innerhalb der Grenzen Frankreichs reisen.
[ 8 ] Aber da, innerhalb der Grenzen Frankreichs, ergaben sich eben solche Zusammenhänge nach Klassen und nach Berufen, die krampfhaft gesucht wurden und bei denen im Hintergrunde überall die Wirkung geistiger Impulse zu sehen ist, die in die Menschenseelen hineinkraften. Diese Handwerker fühlen sich, wenn sie von Stadt zu Stadt reisen, dadurch in einer Art geistiger Heimat, daß sie in jeder Stadt diejenige Gemeinschaft finden, zu der sie gehören. Man ließ sich aufnehmen in eine Gemeinschaft in irgendeiner Stadt, die Gemeinschaft reichte durch ganz Frankreich. Wie gesagt, so war es noch vor einem Jahrhundert. Wenn dann der Handwerkerlehrling reiste, so fand er in der Stadt, in der er wiederum sein Handwerk fortsetzen wollte, dieselbe Vereinigung. Er brachte sich nicht irgend etwas Schriftliches mit, sondern er brachte sich ein Erkennungszeichen mit, einen gewissen Händedruck oder ein anderes Erkennungszeichen. Wenn er dieses Erkennungszeichen geltend machte, so wußte man, der gehört eben dieser Vereinigung an, von der Zweige in allen Städten zu finden waren.
[ 8 ] Aber da, innerhalb der Grenzen Frankreichs, ergaben sich eben solche Zusammenhänge nach Klassen und nach Berufen, die krampfhaft gesucht wurden und bei denen im Hintergrunde überall die Wirkung geistiger Impulse zu sehen ist, die in die Menschenseelen hineinkraften. Diese Handwerker fühlen sich, wenn sie von Stadt zu Stadt reisen, dadurch in einer Art geistiger Heimat, daß sie in jeder Stadt diejenige Gemeinschaft finden, zu der sie gehören. Man ließ sich aufnehmen in eine Gemeinschaft in irgendeiner Stadt, die Gemeinschaft reichte durch ganz Frankreich. Wie gesagt, so war es noch vor einem Jahrhundert. Wenn dann der Handwerkerlehrling reiste, so fand er in der Stadt, in der er wiederum sein Handwerk fortsetzen wollte, dieselbe Vereinigung. Er brachte sich nicht irgend etwas Schriftliches mit, sondern er brachte sich ein Erkennungszeichen mit, einen gewissen Händedruck oder ein anderes Erkennungszeichen. Wenn er dieses Erkennungszeichen geltend machte, so wußte man, der gehört eben dieser Vereinigung an, von der Zweige in allen Städten zu finden waren.
[ 9 ] Nun waren solche Vereinigungen durchaus überall — ich muß das immer wieder betonen — mit einem geistigen Hintergrunde verbunden, und es kann einem eigentlich, wenn man in ernster und ehrlicher Weise diese Dinge erforschen will, manche Schwierigkeiten machen, dahinterzukommen, wie dieser geistige Hintergrund beschaffen war.
[ 9 ] Nun waren solche Vereinigungen durchaus überall — ich muß das immer wieder betonen — mit einem geistigen Hintergrunde verbunden, und es kann einem eigentlich, wenn man in ernster und ehrlicher Weise diese Dinge erforschen will, manche Schwierigkeiten machen, dahinterzukommen, wie dieser geistige Hintergrund beschaffen war.
[ 10 ] So gab es in Frankreich um die angedeutete Zeit im wesentlichen zwei solcher Handwerkerverbände. Der eine Verband wurde genannt «Loups Dévorants» oder «Loups garous». Das war der eine. Der andere wurde genannt «Gavots». Und die beiden waren so konstituiert, wie ich es beschrieben habe, und beide hatten in den Zeiten, in denen sie sich so einer Sache widmen konnten, Zusammenkünfte, die überall in den verschiedenen Städten auf gleiche Art verliefen. In diesen Zusammenkünften gab es erstens ein sorgfaltiges Üben der Erkennungszeichen; dann aber Festlichkeiten, innerhalb welcher man in Symbolen sprach, durch Symbole den Festsaal ausstaffiert hatte. Es gab Festlichkeiten, in denen man Legenden erzählte, durch welche solche Verbände weit zurück in der Geschichte verfolgt wurden. So führte man bei den «Dévorants», bei den «Loups garous» — wenn ich ein deutsches Wort gebrauchen wollte, müßte ich sagen «Werwölfe» —, die ganze Geschichte dieser Vereinigung zurück bis auf den König Salomo und erzählte eine Legende, die zurückführte bis auf den König Salomo. Bei den «Gavots» führte die Legende, die man in der verschiedensten Weise erzählte, zurück auf den phrygischen Baumeister Hieram Abiff. Durch die mannigfaltigsten Dinge unterschieden sich diese Vereinigungen. Und nur wenn man sorgfältig auf die Usancen eingeht, kann man allmählich auf die geistigen Hintergründe kommen, deren sich die Mitglieder durchaus bewußt waren.
[ 10 ] So gab es in Frankreich um die angedeutete Zeit im wesentlichen zwei solcher Handwerkerverbände. Der eine Verband wurde genannt «Loups Dévorants» oder «Loups garous». Das war der eine. Der andere wurde genannt «Gavots». Und die beiden waren so konstituiert, wie ich es beschrieben habe, und beide hatten in den Zeiten, in denen sie sich so einer Sache widmen konnten, Zusammenkünfte, die überall in den verschiedenen Städten auf gleiche Art verliefen. In diesen Zusammenkünften gab es erstens ein sorgfaltiges Üben der Erkennungszeichen; dann aber Festlichkeiten, innerhalb welcher man in Symbolen sprach, durch Symbole den Festsaal ausstaffiert hatte. Es gab Festlichkeiten, in denen man Legenden erzählte, durch welche solche Verbände weit zurück in der Geschichte verfolgt wurden. So führte man bei den «Dévorants», bei den «Loups garous» — wenn ich ein deutsches Wort gebrauchen wollte, müßte ich sagen «Werwölfe» —, die ganze Geschichte dieser Vereinigung zurück bis auf den König Salomo und erzählte eine Legende, die zurückführte bis auf den König Salomo. Bei den «Gavots» führte die Legende, die man in der verschiedensten Weise erzählte, zurück auf den phrygischen Baumeister Hieram Abiff. Durch die mannigfaltigsten Dinge unterschieden sich diese Vereinigungen. Und nur wenn man sorgfältig auf die Usancen eingeht, kann man allmählich auf die geistigen Hintergründe kommen, deren sich die Mitglieder durchaus bewußt waren.
[ 11 ] So ist eine wichtige Differenz zwischen den beiden eine solche, die sich auf die Aufnahme bezog oder auch darauf bezog, daß, sagen wir, in irgendeiner Stadt beide Vereinigungen waren. Es waren ja sowohl Dévorants wie Gavots in den verschiedensten Städten. Nun war die Sitte ganz streng, daß niemand irgendwie in einem Handwerke unterkam — man wachte darüber sehr gut —, der nicht durch Vermittlung dieser Vereinigungen unterkam. Es gab also Mitglieder, die éevorants waren, bei der einen Vereinigung, Mitglieder, die Gavots waren, bei der andern Vereinigung. Jeder wandte sich, wenn er in eine Stadt kam, an seine Vereinigung, und die vermittelte ihm dann die betreffende Stellung in seinem Berufe, nachdem er sich in vorschriftsmäßiger Weise zu erkennen gegeben hatte, nachdem man also wußte, man hat es mit einem derjenigen zu tun, die dazu gehören.
[ 11 ] So ist eine wichtige Differenz zwischen den beiden eine solche, die sich auf die Aufnahme bezog oder auch darauf bezog, daß, sagen wir, in irgendeiner Stadt beide Vereinigungen waren. Es waren ja sowohl Dévorants wie Gavots in den verschiedensten Städten. Nun war die Sitte ganz streng, daß niemand irgendwie in einem Handwerke unterkam — man wachte darüber sehr gut —, der nicht durch Vermittlung dieser Vereinigungen unterkam. Es gab also Mitglieder, die éevorants waren, bei der einen Vereinigung, Mitglieder, die Gavots waren, bei der andern Vereinigung. Jeder wandte sich, wenn er in eine Stadt kam, an seine Vereinigung, und die vermittelte ihm dann die betreffende Stellung in seinem Berufe, nachdem er sich in vorschriftsmäßiger Weise zu erkennen gegeben hatte, nachdem man also wußte, man hat es mit einem derjenigen zu tun, die dazu gehören.
[ 12 ] Nun kam es natürlich vor, daß in eine Stadt auch einmal, sagen wir, viel mehr Leute zureisten, als Stellen zu vergeben waren. Jetzt wußsten die Leitungen der beiden Vereinigungen sich nicht von vornherein zu helfen. Jetzt handelte es sich darum: Sollen bei dieser Stellenjagd die Dévorants siegen, das heißt, sollen die Dévorants diejenigen, die angekommen sind, in der Mehrzahl unterbringen, oder sollen die Gavots siegen, sollen von denen mehr untergebracht werden?
[ 12 ] Nun kam es natürlich vor, daß in eine Stadt auch einmal, sagen wir, viel mehr Leute zureisten, als Stellen zu vergeben waren. Jetzt wußsten die Leitungen der beiden Vereinigungen sich nicht von vornherein zu helfen. Jetzt handelte es sich darum: Sollen bei dieser Stellenjagd die Dévorants siegen, das heißt, sollen die Dévorants diejenigen, die angekommen sind, in der Mehrzahl unterbringen, oder sollen die Gavots siegen, sollen von denen mehr untergebracht werden?
[ 13 ] Nun ist es charakteristisch, daß es dann gewöhnlich zu heftigen Gegnerschaften zwischen den Vereinigungen als solchen kam, und so wie es heute allerlei viel trivialere aber brutalere, möchte ich sagen, Besprechungen gibt zwischen den verschiedenen Leitern der Gewerkschaften und so fort, so gab es auch da Maßregeln, die dann darüber entscheiden sollten, ob in einem solchen Fall die eine Partei oder die andere Partei siegen sollte. Da schlugen die Dévorants gewöhnlich nichts Besonderes vor, sondern sie rotteten sich zusammen auf den öffentlichen Plätzen und verprügelten die Gavots. Dagegen schlugen die Gavots vor, daß man irgendeine Preisaufgabe ausschreiben solle, und da sollten dann die Richter von beiden Parteien zusammen entscheiden, ob der Dévorant oder der Gavot die bessere Leistung gemacht habe. Das ist ein sehr bedeutsamer Unterschied. Die Dévorants waren im wesentlichen geneigt, durch Raufen und Äußerliches die Entscheidung zu bringen, die Gavots durch geistigere Dinge, und so war es denn so, daß manchmal der Usus der einen, manchmal der der andern den Sieg davontrug. Das ist solch ein Unterschied, der darauf hinweist, wie die geistigen Untergründe sind.
[ 13 ] Nun ist es charakteristisch, daß es dann gewöhnlich zu heftigen Gegnerschaften zwischen den Vereinigungen als solchen kam, und so wie es heute allerlei viel trivialere aber brutalere, möchte ich sagen, Besprechungen gibt zwischen den verschiedenen Leitern der Gewerkschaften und so fort, so gab es auch da Maßregeln, die dann darüber entscheiden sollten, ob in einem solchen Fall die eine Partei oder die andere Partei siegen sollte. Da schlugen die Dévorants gewöhnlich nichts Besonderes vor, sondern sie rotteten sich zusammen auf den öffentlichen Plätzen und verprügelten die Gavots. Dagegen schlugen die Gavots vor, daß man irgendeine Preisaufgabe ausschreiben solle, und da sollten dann die Richter von beiden Parteien zusammen entscheiden, ob der Dévorant oder der Gavot die bessere Leistung gemacht habe. Das ist ein sehr bedeutsamer Unterschied. Die Dévorants waren im wesentlichen geneigt, durch Raufen und Äußerliches die Entscheidung zu bringen, die Gavots durch geistigere Dinge, und so war es denn so, daß manchmal der Usus der einen, manchmal der der andern den Sieg davontrug. Das ist solch ein Unterschied, der darauf hinweist, wie die geistigen Untergründe sind.
[ 14 ] Ein weiterer Unterschied, durch den sich hineinblicken läßt, ist der, wie jede der beiden Parteien ihre Toten begraben hat. Die Gavots haben ihre Toten so begraben, daß sie lautlos hinter dem Sarge einhergingen. Der Sarg wurde lautlos in das Grab gesenkt. Links und rechts vom Grab standen hervorragendste Mitglieder der betreffenden Vereinigung, und die sprachen über das Grab, der eine zum andern, gewisse geheimnisvolle Worte lispelnd. Und dann bildeten sie eine Art Kreis und sprachen wiederum in geheimnisvollen Worten.
[ 14 ] Ein weiterer Unterschied, durch den sich hineinblicken läßt, ist der, wie jede der beiden Parteien ihre Toten begraben hat. Die Gavots haben ihre Toten so begraben, daß sie lautlos hinter dem Sarge einhergingen. Der Sarg wurde lautlos in das Grab gesenkt. Links und rechts vom Grab standen hervorragendste Mitglieder der betreffenden Vereinigung, und die sprachen über das Grab, der eine zum andern, gewisse geheimnisvolle Worte lispelnd. Und dann bildeten sie eine Art Kreis und sprachen wiederum in geheimnisvollen Worten.
[ 15 ] Dagegen die Dövorants begleiteten ihre Toten mit einem ungeheuer stark wirkenden Sprachorgan — ich will das so ausdrücken: Wenn man in der Ferne gestanden und gehört hat, wie da ein Leichenzug ging, und namentlich, wie er dann bei dem Grabe war, und während die Erde auf den Sarg geworfen wurde, dann kam einem das von der Ferne wie Woltsgeheul vor. Aber es war durchaus die Art, wie die Mitglieder dieser Vereinigung die ernstgemeinte Leichenfeier vollzogen. Sie waren eben der Anschauung, die sie auf alte Traditionen zurückführten, daß der Mensch da seine Stimme verstärken und so nuancieren müsse, daß in gewaltiger, wilder Art die Töne erklingen, wie wenn aus derjenigen Welt, die der Tote unmittelbar betritt, diese Töne in die physische Welt hereinklängen.
[ 15 ] Dagegen die Dövorants begleiteten ihre Toten mit einem ungeheuer stark wirkenden Sprachorgan — ich will das so ausdrücken: Wenn man in der Ferne gestanden und gehört hat, wie da ein Leichenzug ging, und namentlich, wie er dann bei dem Grabe war, und während die Erde auf den Sarg geworfen wurde, dann kam einem das von der Ferne wie Woltsgeheul vor. Aber es war durchaus die Art, wie die Mitglieder dieser Vereinigung die ernstgemeinte Leichenfeier vollzogen. Sie waren eben der Anschauung, die sie auf alte Traditionen zurückführten, daß der Mensch da seine Stimme verstärken und so nuancieren müsse, daß in gewaltiger, wilder Art die Töne erklingen, wie wenn aus derjenigen Welt, die der Tote unmittelbar betritt, diese Töne in die physische Welt hereinklängen.
[ 16 ] Da haben Sie schon den Hinweis darauf, wie bei diesen Vereinigungen aus alter Zeit Traditionen vorhanden waren, die eben alten Erkenntnissen entstammten. Die Totengebräuche der Dévorants waren durchaus so, daß sie Rücksicht auf das nahmen, was alte Anschauungen über, sagen wir, das Fegefeuer, wie es auch genannt wird, über Kamaloka und dergleichen wußten. Aber der Ausdruck: Wölfe, «loups», deutet selber auf das hin, was da eigentlich zugrunde lag. Mit diesen Worten, oder wenigstens mit der Idee, die sich durch dieses Wort ausdrücken läßt, wurde in vielen Geheimlehren dasjenige bezeichnet, was wirksam ist im menschlichen astralischen Leibe, wenn die Intelligenz weg ist, wenn also der Regulator des Gehirns fehlt. Was sich da aus den Untergründen der menschlichen Natur in leidenschaftlich emotioneller Weise geltend macht, was namentlich sich in der Begierde geltend macht, mit anderen Menschen so zusammen zu sein, daß man, wie es ja sagenhaft ist, selbst nach deren Blut Lust hat, das bezeichnete man eben in vielen Geheimlehren mit Wolf. So daß man schon sagen kann, wenn man die Dinge ganz ehrlich und richtig betrachten will, diese Dévorants meinten eigentlich, sie müßten sich bei solch einer Gelegenheit, wie bei einem Begräbnis, so benehmen, wie wenn sie ihren physischen Leib, das heißt namentlich das Gehirn, verlassen hätten.
[ 16 ] Da haben Sie schon den Hinweis darauf, wie bei diesen Vereinigungen aus alter Zeit Traditionen vorhanden waren, die eben alten Erkenntnissen entstammten. Die Totengebräuche der Dévorants waren durchaus so, daß sie Rücksicht auf das nahmen, was alte Anschauungen über, sagen wir, das Fegefeuer, wie es auch genannt wird, über Kamaloka und dergleichen wußten. Aber der Ausdruck: Wölfe, «loups», deutet selber auf das hin, was da eigentlich zugrunde lag. Mit diesen Worten, oder wenigstens mit der Idee, die sich durch dieses Wort ausdrücken läßt, wurde in vielen Geheimlehren dasjenige bezeichnet, was wirksam ist im menschlichen astralischen Leibe, wenn die Intelligenz weg ist, wenn also der Regulator des Gehirns fehlt. Was sich da aus den Untergründen der menschlichen Natur in leidenschaftlich emotioneller Weise geltend macht, was namentlich sich in der Begierde geltend macht, mit anderen Menschen so zusammen zu sein, daß man, wie es ja sagenhaft ist, selbst nach deren Blut Lust hat, das bezeichnete man eben in vielen Geheimlehren mit Wolf. So daß man schon sagen kann, wenn man die Dinge ganz ehrlich und richtig betrachten will, diese Dévorants meinten eigentlich, sie müßten sich bei solch einer Gelegenheit, wie bei einem Begräbnis, so benehmen, wie wenn sie ihren physischen Leib, das heißt namentlich das Gehirn, verlassen hätten.
[ 17 ] Und so waren auch die Festlichkeiten. Während die Festlichkeiten der Gavots still und sanft waren, waren die Festlichkeiten der Dévorants laut, stürmisch. Es war wie eine Entfesselung der astralischen Welt, die bei diesen Festlichkeiten sich auslebte. Die Symbole, die bei diesen Festlichkeiten ja eine große Rolle spielten, die Zusammensetzung der Legenden, das alles zeigte, daß man eigentlich in einer wilden Weise das, was einmal in alten Zeiten anders war, bei diesen Gelegenheiten zur Geltung brachte.
[ 17 ] Und so waren auch die Festlichkeiten. Während die Festlichkeiten der Gavots still und sanft waren, waren die Festlichkeiten der Dévorants laut, stürmisch. Es war wie eine Entfesselung der astralischen Welt, die bei diesen Festlichkeiten sich auslebte. Die Symbole, die bei diesen Festlichkeiten ja eine große Rolle spielten, die Zusammensetzung der Legenden, das alles zeigte, daß man eigentlich in einer wilden Weise das, was einmal in alten Zeiten anders war, bei diesen Gelegenheiten zur Geltung brachte.
[ 18 ] Dagegen ist es ja schon bezeichnend, daß die andere Partei den Namen «Gavots» trägt. Das kommt von «gave». Das ist der Name von ganz kleinen Geistern, die von den mit dichtem Baumwuchs bedeckten Flächen der Pyrenäenhänge herunterkommen, die sich nicht bemerklich machen, die aber doch von den Höhen der Pyrenäen herunterkommen, man möchte sagen, wie ganz kleine Elementargeister hervortreten in Stellvertretung für die sonst aus der Höhe der spanischen Gebirge herunterkommenden Gralsmenschen. Also als die kleinen Geister, die aber doch zum Heere der Gralsritter gehörten, fühlten sich die Angehörigen dieser anderen Partei, der «Gavots».
[ 18 ] Dagegen ist es ja schon bezeichnend, daß die andere Partei den Namen «Gavots» trägt. Das kommt von «gave». Das ist der Name von ganz kleinen Geistern, die von den mit dichtem Baumwuchs bedeckten Flächen der Pyrenäenhänge herunterkommen, die sich nicht bemerklich machen, die aber doch von den Höhen der Pyrenäen herunterkommen, man möchte sagen, wie ganz kleine Elementargeister hervortreten in Stellvertretung für die sonst aus der Höhe der spanischen Gebirge herunterkommenden Gralsmenschen. Also als die kleinen Geister, die aber doch zum Heere der Gralsritter gehörten, fühlten sich die Angehörigen dieser anderen Partei, der «Gavots».
[ 19 ] Während also die eine Partei, die Dévorants, mehr das geltend machen wollte, was in der menschlichen Astralität lebt, wollten die Gavots mehr geltend machen, was eben im Ich nach der damaligen Auffassung lag. So liegt wirklich dem Gegensatz zwischen diesen beiden Parteien der Gegensatz zugrunde der menschlichen Astralität, des astralischen Leibes und des menschlichen Ich. Und das ist das Frappierende, das ungeheuer Interessante, daß wir noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Vereinigungen haben, die einen ungeheuren Einfluß, eine ungeheure Macht ausüben innerhalb des Standes und des Berufes, wo es Sitte ist, sich ihnen anzuschließen, und die auf solchen geistigen Untergründen eben fest standen.
[ 19 ] Während also die eine Partei, die Dévorants, mehr das geltend machen wollte, was in der menschlichen Astralität lebt, wollten die Gavots mehr geltend machen, was eben im Ich nach der damaligen Auffassung lag. So liegt wirklich dem Gegensatz zwischen diesen beiden Parteien der Gegensatz zugrunde der menschlichen Astralität, des astralischen Leibes und des menschlichen Ich. Und das ist das Frappierende, das ungeheuer Interessante, daß wir noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Vereinigungen haben, die einen ungeheuren Einfluß, eine ungeheure Macht ausüben innerhalb des Standes und des Berufes, wo es Sitte ist, sich ihnen anzuschließen, und die auf solchen geistigen Untergründen eben fest standen.
[ 20 ] Es ist durchaus so: Der Mensch will seine sozialen Zusammenhänge in der äußeren Welt, allerdings weil das Leben es notwendig macht, nach Beruf und Klasse gestalten. Daher nehmen solche Vereinigungen eben das als Kitt: Beruf und Klasse. Aber solche Vereinigungen würden es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ganz unbegreitlich gefunden haben, bloße Gewerkschaften, Berufsvereinigungen zu sein. Berufsvereinigungen waren sie äußerlich, wie der Mensch äußerlich einen physischen Leib hat. Innerlich aber waren sie seelischgeistig konstituiert, legten einen ungeheuren Wert auf ihre Erkennungszeichen, auf ihre Symbole, lebten in diesen und sahen darauf, daß durch diese Symbole der reine Charakter der Vereinigung sich bewahrte.
[ 20 ] Es ist durchaus so: Der Mensch will seine sozialen Zusammenhänge in der äußeren Welt, allerdings weil das Leben es notwendig macht, nach Beruf und Klasse gestalten. Daher nehmen solche Vereinigungen eben das als Kitt: Beruf und Klasse. Aber solche Vereinigungen würden es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ganz unbegreitlich gefunden haben, bloße Gewerkschaften, Berufsvereinigungen zu sein. Berufsvereinigungen waren sie äußerlich, wie der Mensch äußerlich einen physischen Leib hat. Innerlich aber waren sie seelischgeistig konstituiert, legten einen ungeheuren Wert auf ihre Erkennungszeichen, auf ihre Symbole, lebten in diesen und sahen darauf, daß durch diese Symbole der reine Charakter der Vereinigung sich bewahrte.
[ 21 ] Merken Sie den gewaltigen Unterschied dieser Zeit von der unsrtgen. Sie müssen ja nur ins Auge fassen: Was schulmäßig die Leute in jenen Zeiten noch lernten, war ja außerordentlich gering, die geistige Bildung, die diese Leute hatten, kam ihnen nicht auf schulmäßigem Wege zu. Auf schulmäßigem Wege lernten sie notdürftig lesen und schreiben und ein wenig rechnen. Alles übrige hat sich ja erst später im schulmäßigen Betriebe für die breite Masse der Bevölkerung eingestellt. Dennoch waren diese breiten Massen der Bevölkerung nicht unwissend in jenen Zeiten. Und das ist das Betrübliche bei unserer Geschichtsbetrachtung, daß eigentlich immer nur die Geschichte nach solchen Dokumenten aufgebaut wird, die man in den Staatsoder Stadt- oder sonstigen Archiven findet. Das ist aber gar nicht die volle lebendige Geschichte. Die finden wir erst, wenn wir anzuschauen vermögen, was da lebt in der Seele, in dem Geiste eines Menschen irgendeiner Zeit, in irgendeinem Berufe, in irgendeiner Klasse.
[ 21 ] Merken Sie den gewaltigen Unterschied dieser Zeit von der unsrtgen. Sie müssen ja nur ins Auge fassen: Was schulmäßig die Leute in jenen Zeiten noch lernten, war ja außerordentlich gering, die geistige Bildung, die diese Leute hatten, kam ihnen nicht auf schulmäßigem Wege zu. Auf schulmäßigem Wege lernten sie notdürftig lesen und schreiben und ein wenig rechnen. Alles übrige hat sich ja erst später im schulmäßigen Betriebe für die breite Masse der Bevölkerung eingestellt. Dennoch waren diese breiten Massen der Bevölkerung nicht unwissend in jenen Zeiten. Und das ist das Betrübliche bei unserer Geschichtsbetrachtung, daß eigentlich immer nur die Geschichte nach solchen Dokumenten aufgebaut wird, die man in den Staatsoder Stadt- oder sonstigen Archiven findet. Das ist aber gar nicht die volle lebendige Geschichte. Die finden wir erst, wenn wir anzuschauen vermögen, was da lebt in der Seele, in dem Geiste eines Menschen irgendeiner Zeit, in irgendeinem Berufe, in irgendeiner Klasse.
[ 22 ] Nun, die Menschen, die eigentlich für das allgemeine Berufsleben außerordentlich maßgebend waren, sie schöpften das, was der geistige Inhalt ihrer Seele war, aus diesen Zusammenkünften bei ihren Vereinigungen. Sie hatten daher nicht eine schulmäßig abstrakte Bildung. Denn das ist das Eigentümliche: Als die Bildung schulmäßig wurde, nahm sie einen intellektualistisch-abstrakten Charakter an. In allen diesen Vereinigungen hatte die Bildung nicht einen intellektualistisch-abstrakten Charakter, sondern einen bildhaft-symbolisierenden Charakter, etwas, was die Welt in Bildern erfassen wollte. Der Mensch redete, indem er über die Welt redete, in Bildern, und die Bilder bekam er aus diesen Vereinigungen. Und er wachte über die Bilder, die er in der einen oder in der andern Vereinigung erhielt, weil er wußte, daß in dem Wissen und Handhaben solcher Bilder durch abgeschlossene Gesellschaften der Wille in eine bestimmte Richtung, aber vor allen Dingen zu einer bestimmten Stärke gebracht wird. Während die abstrakte Bildung den Willen ganz unbeeinflußt läßt, waren diese Menschen, die auf diese Art ihre Bildung bekamen, im ganzen Menschen ergriffen. Sie waren gewissermaßen als ganzer Mensch immer Repräsentanten dessen, was geistig in diesen Vereinigungen lebte.
[ 22 ] Nun, die Menschen, die eigentlich für das allgemeine Berufsleben außerordentlich maßgebend waren, sie schöpften das, was der geistige Inhalt ihrer Seele war, aus diesen Zusammenkünften bei ihren Vereinigungen. Sie hatten daher nicht eine schulmäßig abstrakte Bildung. Denn das ist das Eigentümliche: Als die Bildung schulmäßig wurde, nahm sie einen intellektualistisch-abstrakten Charakter an. In allen diesen Vereinigungen hatte die Bildung nicht einen intellektualistisch-abstrakten Charakter, sondern einen bildhaft-symbolisierenden Charakter, etwas, was die Welt in Bildern erfassen wollte. Der Mensch redete, indem er über die Welt redete, in Bildern, und die Bilder bekam er aus diesen Vereinigungen. Und er wachte über die Bilder, die er in der einen oder in der andern Vereinigung erhielt, weil er wußte, daß in dem Wissen und Handhaben solcher Bilder durch abgeschlossene Gesellschaften der Wille in eine bestimmte Richtung, aber vor allen Dingen zu einer bestimmten Stärke gebracht wird. Während die abstrakte Bildung den Willen ganz unbeeinflußt läßt, waren diese Menschen, die auf diese Art ihre Bildung bekamen, im ganzen Menschen ergriffen. Sie waren gewissermaßen als ganzer Mensch immer Repräsentanten dessen, was geistig in diesen Vereinigungen lebte.
[ 23 ] Und so hatte man es in der Welt wirklich mit diesen Vereinigungen zu tun, Und man wird über das 19. Jahrhundert erst dann eine soziale Geschichte haben, wenn man einmal in der richtigen Weise folgendes feststellen wird, wenn man sich sagen wird: Da haben in solchen Vereinigungen die geistigen Strömungen gelebt, die in all den Handwerkern, also in alle dem, was zwischen dem bäuerlichen Stande und dem Adelsstande mitten drinnen war, was in allen diesen Seelen lebte. Was in den Seelen dieser Leute lebte, lernt man ja aus der heutigen Geschichte nicht kennen, weil man sich gar nicht um diese Dinge kümmert.
[ 23 ] Und so hatte man es in der Welt wirklich mit diesen Vereinigungen zu tun, Und man wird über das 19. Jahrhundert erst dann eine soziale Geschichte haben, wenn man einmal in der richtigen Weise folgendes feststellen wird, wenn man sich sagen wird: Da haben in solchen Vereinigungen die geistigen Strömungen gelebt, die in all den Handwerkern, also in alle dem, was zwischen dem bäuerlichen Stande und dem Adelsstande mitten drinnen war, was in allen diesen Seelen lebte. Was in den Seelen dieser Leute lebte, lernt man ja aus der heutigen Geschichte nicht kennen, weil man sich gar nicht um diese Dinge kümmert.
[ 24 ] Und kommt man dann in die Mitte des 19. Jahrhunderts herein, dann tauchen plötzlich Ideen auf. Bei den politischen Parteien, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts bilden, tauchen allerlei Ideen auf, bei den politisch gefärbten Dichtern tauchen allerlei Ideen auf. Was sind solche Ideen? Wer die Geschichte, die wirkliche Geschichte kennt, der weiß: Diese Ideen leben in solchen Verbindungen, da werden sie nicht aufgeschrieben. Dann aber finden sich Leute, welche den Gebrauch annehmen, daß alles aufgeschrieben wird, daß alles gedruckt wird. Das reißt ein, das reißt gerade um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Die Mitglieder solcher Verbindungen hätten sich dafür bedankt, wenn irgendeine journalistische Denkweise innerhalb ihrer Mitte sich geltend gemacht hätte. Da würden sie sehr bald zu dem Mittel gegriffen haben, den betreffenden Herrn zu bitten, die Türe von außen zuzumachen! Da war alles ans lebendig Menschliche gebunden.
[ 24 ] Und kommt man dann in die Mitte des 19. Jahrhunderts herein, dann tauchen plötzlich Ideen auf. Bei den politischen Parteien, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts bilden, tauchen allerlei Ideen auf, bei den politisch gefärbten Dichtern tauchen allerlei Ideen auf. Was sind solche Ideen? Wer die Geschichte, die wirkliche Geschichte kennt, der weiß: Diese Ideen leben in solchen Verbindungen, da werden sie nicht aufgeschrieben. Dann aber finden sich Leute, welche den Gebrauch annehmen, daß alles aufgeschrieben wird, daß alles gedruckt wird. Das reißt ein, das reißt gerade um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Die Mitglieder solcher Verbindungen hätten sich dafür bedankt, wenn irgendeine journalistische Denkweise innerhalb ihrer Mitte sich geltend gemacht hätte. Da würden sie sehr bald zu dem Mittel gegriffen haben, den betreffenden Herrn zu bitten, die Türe von außen zuzumachen! Da war alles ans lebendig Menschliche gebunden.
[ 25 ] Solche Menschen nun, die kein Empfinden mehr hatten für dieses lebendig Menschliche, die trugen in die Dichtung, in die Journalistik und in all das, was dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts sozusagen anfing, die Welt zu beherrschen, das hinein. Da strömt es von unten nach oben, aber oftmals treibt es oben sehr trübe Blasen, und dann werden diese trüben Blasen in der Geschichte erzählt. Diese Geschichte ist nicht echt, denn diese Geschichte weiß nicht, wo die Ursprünge von solchen Dingen sind; diese Geschichte verblaßt alles und verkarikiert es, verschlechtert es, vertrivialisiert es. Es hat in solchen Verbindungen manches mit dem Charakter einer ungeheuren Tiefe gelebt, was später ganz vertrivialisiert worden ist. Tatsächlich gaben diese Verbindungen den Angehörigen eine gewisse Hinneigung ihrer Seelen zu der geistigen Welt in aller Breite.
[ 25 ] Solche Menschen nun, die kein Empfinden mehr hatten für dieses lebendig Menschliche, die trugen in die Dichtung, in die Journalistik und in all das, was dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts sozusagen anfing, die Welt zu beherrschen, das hinein. Da strömt es von unten nach oben, aber oftmals treibt es oben sehr trübe Blasen, und dann werden diese trüben Blasen in der Geschichte erzählt. Diese Geschichte ist nicht echt, denn diese Geschichte weiß nicht, wo die Ursprünge von solchen Dingen sind; diese Geschichte verblaßt alles und verkarikiert es, verschlechtert es, vertrivialisiert es. Es hat in solchen Verbindungen manches mit dem Charakter einer ungeheuren Tiefe gelebt, was später ganz vertrivialisiert worden ist. Tatsächlich gaben diese Verbindungen den Angehörigen eine gewisse Hinneigung ihrer Seelen zu der geistigen Welt in aller Breite.
[ 26 ] Nun müssen Sie bedenken, daß das Jahr 1823 gut gewählt ist, um dieses anschaulich zu machen, denn da hatte man schon soundso viele Jahre das Nivellement, die Gleichmachung der Französischen Revolution hinter sich. Diese Dinge hatten sich aber über die Französische Revolution hinweg in voller Lebendigkeit erhalten. Von den Ideen der Französischen Revolution redete man; Handeln in bezug auf die Art und Weise, wie man eine Lebensstellung bekam, wie man zu einem andern Menschen kam, wenn man von einer Stadt in die andere zog, das geschah nach den Usancen, die in diesen Gesellschaften waren. Der Mensch fühlte sich auch eingewurzelt in das soziale Leben dadurch, daß er sich als Mitglied einer solchen Gesellschaft fühlte.
[ 26 ] Nun müssen Sie bedenken, daß das Jahr 1823 gut gewählt ist, um dieses anschaulich zu machen, denn da hatte man schon soundso viele Jahre das Nivellement, die Gleichmachung der Französischen Revolution hinter sich. Diese Dinge hatten sich aber über die Französische Revolution hinweg in voller Lebendigkeit erhalten. Von den Ideen der Französischen Revolution redete man; Handeln in bezug auf die Art und Weise, wie man eine Lebensstellung bekam, wie man zu einem andern Menschen kam, wenn man von einer Stadt in die andere zog, das geschah nach den Usancen, die in diesen Gesellschaften waren. Der Mensch fühlte sich auch eingewurzelt in das soziale Leben dadurch, daß er sich als Mitglied einer solchen Gesellschaft fühlte.
[ 27 ] Bedenken Sie: Das moderne Leben, das ja, und zwar in berechtigter Weise auf der einen Seite, zur Individualität, zur Freiheit führt, das beginnt, wie ich oft ausgeführt habe, im 15. Jahrhundert. Da halten die alten Bande, die alten Bindungen die Menschen nicht mehr zusammen. Je weiter man nach Westen kommt, desto weniger werden die Menschen zusammengehalten von diesen alten Bindungen. Die Blutsbande spielen, je weiter man nach Osten kommt, eine um so größere Rolle noch, weil da die alten Usancen sich erhalten haben. Aber je weiter man nach Westen kommt, desto mehr vereinzeln sich die Menschen, desto mehr individualisiert sich der soziale Zusammenhang. Doch die Menschen fühlen, sie können noch nicht voll auf sich selbst gestellt sein, denn das volle Auf-sich-selbst-Gestelltsein, das wird zwei Jahrtausende dauern vom 15. Jahrhundert an, und wir sind ja jetzt erst in dem ersten Jahrtausend. Es hat allerdings ein ungeheurer Umschwung gerade im 19. Jahrhundert stattgefunden. Aber wenn man absieht von den — wie nennt man es oftmals? — von den oberen Zehntausend, seien es die oberen Zehntausend des äußeren Adels oder des geistigen Adels, wenn man von diesen absieht und auf die breite Masse der Menschheit sieht, dann muß man sagen: Die wehrt sich gegen das Individualisiertwerden. Nun, die von dem Individualisiertwerden ergriffen werden, die wehren sich auch dagegen. Der Adel, der geistliche Stand, kann zusammenhalten, die haben Bindungen; der Handwerkerstand wird herausgerissen aus den Bindungen. Das, was in diesen Vereinigungen gesucht wird, ist eben ein krampfhaftes Suchen nach Bindungen, die nicht mehr historisch da sind, die man machen muß.
[ 27 ] Bedenken Sie: Das moderne Leben, das ja, und zwar in berechtigter Weise auf der einen Seite, zur Individualität, zur Freiheit führt, das beginnt, wie ich oft ausgeführt habe, im 15. Jahrhundert. Da halten die alten Bande, die alten Bindungen die Menschen nicht mehr zusammen. Je weiter man nach Westen kommt, desto weniger werden die Menschen zusammengehalten von diesen alten Bindungen. Die Blutsbande spielen, je weiter man nach Osten kommt, eine um so größere Rolle noch, weil da die alten Usancen sich erhalten haben. Aber je weiter man nach Westen kommt, desto mehr vereinzeln sich die Menschen, desto mehr individualisiert sich der soziale Zusammenhang. Doch die Menschen fühlen, sie können noch nicht voll auf sich selbst gestellt sein, denn das volle Auf-sich-selbst-Gestelltsein, das wird zwei Jahrtausende dauern vom 15. Jahrhundert an, und wir sind ja jetzt erst in dem ersten Jahrtausend. Es hat allerdings ein ungeheurer Umschwung gerade im 19. Jahrhundert stattgefunden. Aber wenn man absieht von den — wie nennt man es oftmals? — von den oberen Zehntausend, seien es die oberen Zehntausend des äußeren Adels oder des geistigen Adels, wenn man von diesen absieht und auf die breite Masse der Menschheit sieht, dann muß man sagen: Die wehrt sich gegen das Individualisiertwerden. Nun, die von dem Individualisiertwerden ergriffen werden, die wehren sich auch dagegen. Der Adel, der geistliche Stand, kann zusammenhalten, die haben Bindungen; der Handwerkerstand wird herausgerissen aus den Bindungen. Das, was in diesen Vereinigungen gesucht wird, ist eben ein krampfhaftes Suchen nach Bindungen, die nicht mehr historisch da sind, die man machen muß.
[ 28 ] Und so sehen wir vom 15., 16. Jahrhundert an schon an solchen Vergesellschaftungen, die sich durch geistige Mittel zusammenhalten, gerade unter denjenigen, die sich als Handwerker herausheben aus der bäuerlichen Beschäftigung und die nicht hinaufkommen entweder bis zum Adelstum oder bis zu den geistigen oberen Ständen, dem Priestertum, Schreibertum und so weiter — wie bei all denen sich eben dieses Streben findet, zusammengehalten zu sein. Und es ist groß und gewaltig zu sehen, wie der Zusammenhalt da noch nicht gesucht wird in dem gleichen Berufe, sondern — trotzdem man sich im Beruf abschließt, trotzdem der Beruf den Rahmen bildet — wie er gesucht wird in Geistigem, in Seelischem, wie man sich nur dann als Mensch fühlt, wenn man auf der einen Seite die Arbeit hat, auf der andern Seite aber in der Arbeit die Freiheit, sich in eine bildhafte Lebens- und Weltauffassung einfügen zu können, wenn man also dieses in sein Menschtum aufnimmt. Das ist eben das Kennzeichen für den großen Umschwung im 19. Jahrhundert, daß diese Hinneigung zum Geistigen verlorengeht, daß sie in dem Firlefanz von allerlei Geheimgesellschaften ja allerdings bewahrt wird, daß diese Geheimgesellschaften aber in gar keinem Zusammenhang mehr mit der realen Welt stehen. Es sind das freimaurerische und sonstige Geheimgesellschaften, die nachäffen, was in solchen äußerlichen Berufsgesellschaften, innerlich aber durch geistige Bindungen zusammengehaltenen Vergesellschaftungen, gepflegt worden ist. Und wenn man dazu nimmt, daß man sogar geführt wird bis zu der größeren Pflege des Astralischen im Menschen, bis zu der größeren Pflege des Ichgemäßen im Menschen durch diese zwei Schattierungen, Dévorants und Gavots, dann haben wir ein Zeugnis dafür, wie in der Geschichte der Menschheit etwas wirkt, was man als die Impulse in der Gliederung des Menschenwesens erkennt.
[ 28 ] Und so sehen wir vom 15., 16. Jahrhundert an schon an solchen Vergesellschaftungen, die sich durch geistige Mittel zusammenhalten, gerade unter denjenigen, die sich als Handwerker herausheben aus der bäuerlichen Beschäftigung und die nicht hinaufkommen entweder bis zum Adelstum oder bis zu den geistigen oberen Ständen, dem Priestertum, Schreibertum und so weiter — wie bei all denen sich eben dieses Streben findet, zusammengehalten zu sein. Und es ist groß und gewaltig zu sehen, wie der Zusammenhalt da noch nicht gesucht wird in dem gleichen Berufe, sondern — trotzdem man sich im Beruf abschließt, trotzdem der Beruf den Rahmen bildet — wie er gesucht wird in Geistigem, in Seelischem, wie man sich nur dann als Mensch fühlt, wenn man auf der einen Seite die Arbeit hat, auf der andern Seite aber in der Arbeit die Freiheit, sich in eine bildhafte Lebens- und Weltauffassung einfügen zu können, wenn man also dieses in sein Menschtum aufnimmt. Das ist eben das Kennzeichen für den großen Umschwung im 19. Jahrhundert, daß diese Hinneigung zum Geistigen verlorengeht, daß sie in dem Firlefanz von allerlei Geheimgesellschaften ja allerdings bewahrt wird, daß diese Geheimgesellschaften aber in gar keinem Zusammenhang mehr mit der realen Welt stehen. Es sind das freimaurerische und sonstige Geheimgesellschaften, die nachäffen, was in solchen äußerlichen Berufsgesellschaften, innerlich aber durch geistige Bindungen zusammengehaltenen Vergesellschaftungen, gepflegt worden ist. Und wenn man dazu nimmt, daß man sogar geführt wird bis zu der größeren Pflege des Astralischen im Menschen, bis zu der größeren Pflege des Ichgemäßen im Menschen durch diese zwei Schattierungen, Dévorants und Gavots, dann haben wir ein Zeugnis dafür, wie in der Geschichte der Menschheit etwas wirkt, was man als die Impulse in der Gliederung des Menschenwesens erkennt.
[ 29 ] Wenn man auf das Geographische hinschaut, dann sieht man, trotzdem es Gavots und Dévorants eigentlich in ganz Frankreich gab, daß in den nordfranzösischen Städten mehr die Dévorants, in den südfranzösischen mehr die Gavots ausgebreitet waren. Das hängt damit zusammen, daß in der Tat jene feine Nuancierung zwischen südlicherem, warmem Klima und nördlicherem, kälterem Klima sich da geltend macht, daß das kältere Klima mehr das Astralische, das wärmere Klima mehr die Ich-Natur des Menschen herausgestaltet. Daher sehen wir auch, je weiter wir in heiße Zonen kommen, wie
[ 29 ] Wenn man auf das Geographische hinschaut, dann sieht man, trotzdem es Gavots und Dévorants eigentlich in ganz Frankreich gab, daß in den nordfranzösischen Städten mehr die Dévorants, in den südfranzösischen mehr die Gavots ausgebreitet waren. Das hängt damit zusammen, daß in der Tat jene feine Nuancierung zwischen südlicherem, warmem Klima und nördlicherem, kälterem Klima sich da geltend macht, daß das kältere Klima mehr das Astralische, das wärmere Klima mehr die Ich-Natur des Menschen herausgestaltet. Daher sehen wir auch, je weiter wir in heiße Zonen kommen, wie
[ 30 ] der Unterschied in der Blutfärbung zwischen Arterien und Venen weniger differenziert ist, während im Norden die Leute scharf ausgeprägte rote und blaue Blutadern haben. Der Unterschied zwischen roten und blauen Blutadern schwindet um so mehr, je weiter man in heiße Zonen kommt. Je weniger der Mensch diese zwei Sorten, das Arterienblut und das Venenblut, differenziert hat, desto tiefer ist sein astralischer Leib und damit die gegenwärtige Ich-Konfiguration in sein Ich eingetaucht; wir finden um so mehr Ich, je mehr wir in heißere Klimate kommen. Das ist interessant, daß auch die äußere geographische Ausbreitung mit dem zusammenhängt, was einfach aus dem Geographischen heraus den Menschen mehr zum Ich oder mehr zum astralischen Leib macht.
[ 30 ] der Unterschied in der Blutfärbung zwischen Arterien und Venen weniger differenziert ist, während im Norden die Leute scharf ausgeprägte rote und blaue Blutadern haben. Der Unterschied zwischen roten und blauen Blutadern schwindet um so mehr, je weiter man in heiße Zonen kommt. Je weniger der Mensch diese zwei Sorten, das Arterienblut und das Venenblut, differenziert hat, desto tiefer ist sein astralischer Leib und damit die gegenwärtige Ich-Konfiguration in sein Ich eingetaucht; wir finden um so mehr Ich, je mehr wir in heißere Klimate kommen. Das ist interessant, daß auch die äußere geographische Ausbreitung mit dem zusammenhängt, was einfach aus dem Geographischen heraus den Menschen mehr zum Ich oder mehr zum astralischen Leib macht.
[ 31 ] Und so sieht man, daß, wenn man die Geschichte verfolgt, man die äußeren Kräfte der Geschichte nur erkennen kann, wenn man weiß, bei der oder jener Menschenzusammenfassung findet man mehr das Astralische tätig, bei der andern Menschenzusammenfassung findet man mehr das Ich-Wesen tätig. Erst wenn man astralisches Wesen und Ich-Wesen kennt, kann man dietreibenden Kräfte der Geschichte eigentlich verfolgen, während das, was in den Geschichtsbüchern heute steht, eben so ist, als wenn da ein unwissender Diener irgendwo in einem Telegraphenbüro aus seinem Wissen heraus ein Buch über die elektrische Telegraphie schreibt, weil er sich sagt: Ich kann das besser als diejenigen, die das gelernt haben, denn ich bin immer dabei gewesen. So ungefähr sind die Geschichtsschreiber, die in der heutigen Zeit leben, bei den Tatsachen dabei. Derjenige ist erst bei den Tatsachen der Geschichte dabei, der die inneren wirksamen Kräfte kennt. Die kann man aber nur aus der inneren Erkenntnis des Menschenwesens heraus schöpfen. Und ebenso nur kann man Geographie kennenlernen. Die Geographie zeigt uns, daß die Menschen nach Rassen über die verschiedenen Gebiete der Erde verteiltsind. Ja, die Rassen unterscheiden sich nicht bloß durch die Haarfarbe und durch die Nasenkonfiguration, sondern sie unterscheiden sich durch die Art und Weise, wie ätherische, astralische und Ich-Wesenheit in den Menschen eingegliedert sind. Das alles kommt aus dem Geistigen heraus.
[ 31 ] Und so sieht man, daß, wenn man die Geschichte verfolgt, man die äußeren Kräfte der Geschichte nur erkennen kann, wenn man weiß, bei der oder jener Menschenzusammenfassung findet man mehr das Astralische tätig, bei der andern Menschenzusammenfassung findet man mehr das Ich-Wesen tätig. Erst wenn man astralisches Wesen und Ich-Wesen kennt, kann man dietreibenden Kräfte der Geschichte eigentlich verfolgen, während das, was in den Geschichtsbüchern heute steht, eben so ist, als wenn da ein unwissender Diener irgendwo in einem Telegraphenbüro aus seinem Wissen heraus ein Buch über die elektrische Telegraphie schreibt, weil er sich sagt: Ich kann das besser als diejenigen, die das gelernt haben, denn ich bin immer dabei gewesen. So ungefähr sind die Geschichtsschreiber, die in der heutigen Zeit leben, bei den Tatsachen dabei. Derjenige ist erst bei den Tatsachen der Geschichte dabei, der die inneren wirksamen Kräfte kennt. Die kann man aber nur aus der inneren Erkenntnis des Menschenwesens heraus schöpfen. Und ebenso nur kann man Geographie kennenlernen. Die Geographie zeigt uns, daß die Menschen nach Rassen über die verschiedenen Gebiete der Erde verteiltsind. Ja, die Rassen unterscheiden sich nicht bloß durch die Haarfarbe und durch die Nasenkonfiguration, sondern sie unterscheiden sich durch die Art und Weise, wie ätherische, astralische und Ich-Wesenheit in den Menschen eingegliedert sind. Das alles kommt aus dem Geistigen heraus.
[ 32 ] Und in den Zeiten, von denen ich jetzt gesprochen habe, um eine Jahrhundertbetrachtung anzustellen, richteten sich die Menschen auch bei dem, was sie willkürlich als Vereinigung bildeten, nach den geistigen, in den verschiedenen Gegenden wirksamen Impulsen. In Nordfrankreich wird dasjenige gesucht, was mehr aus dem Astralischen heraus wirkt, in Südfrankreich eher das, was mehr aus dem Ich heraus wirkt.
[ 32 ] Und in den Zeiten, von denen ich jetzt gesprochen habe, um eine Jahrhundertbetrachtung anzustellen, richteten sich die Menschen auch bei dem, was sie willkürlich als Vereinigung bildeten, nach den geistigen, in den verschiedenen Gegenden wirksamen Impulsen. In Nordfrankreich wird dasjenige gesucht, was mehr aus dem Astralischen heraus wirkt, in Südfrankreich eher das, was mehr aus dem Ich heraus wirkt.
[ 33 ] Aber daß die Menschheit ein Ganzes werde über die Erde hin, müssen diese Differenzen sich wiederum miteinander vermischen. Und daher sehen wir: Je länger diese Vereinigungen bestehen, desto mehr schleifen sich Gemeinschaftsgegensätze ab, vermischen sich diese Angehörigen untereinander. Am letzten Ende des 18. Jahrhunderts oder vor der Französischen Revolution finden wir, wie mit ungeheurem Enthusiasmus und wahrer Wut und Emotion so mancher zu seiner Vereinigung gehört, wie er allen Ehrgeiz da hineinsetzt, wenn er «Gavot» ist, zu siegen auf geistige Weise, wenn er «D&vorant» ist, zu siegen mit dem Knüppel in der Hand. Aber es wird das ganze Menschentum eingesetzt, um in würdiger, in rechter Weise in einer solchen selbstgemachten Vereinigung drinnen zu stehen. Diese Vereinigungen rechnen mit dem, was über die Erde hin in geistiger Weise an Impulsen ausgebreitet ist.
[ 33 ] Aber daß die Menschheit ein Ganzes werde über die Erde hin, müssen diese Differenzen sich wiederum miteinander vermischen. Und daher sehen wir: Je länger diese Vereinigungen bestehen, desto mehr schleifen sich Gemeinschaftsgegensätze ab, vermischen sich diese Angehörigen untereinander. Am letzten Ende des 18. Jahrhunderts oder vor der Französischen Revolution finden wir, wie mit ungeheurem Enthusiasmus und wahrer Wut und Emotion so mancher zu seiner Vereinigung gehört, wie er allen Ehrgeiz da hineinsetzt, wenn er «Gavot» ist, zu siegen auf geistige Weise, wenn er «D&vorant» ist, zu siegen mit dem Knüppel in der Hand. Aber es wird das ganze Menschentum eingesetzt, um in würdiger, in rechter Weise in einer solchen selbstgemachten Vereinigung drinnen zu stehen. Diese Vereinigungen rechnen mit dem, was über die Erde hin in geistiger Weise an Impulsen ausgebreitet ist.
[ 34 ] An solchen Dingen zeigt sich uns, wie rasch es mit der Veränderung der menschlichen Seelenverfassung im Laufe der Zeiten geht. Die Menschen leben so blind dahin, indem sie eigentlich glauben: Wie ich lebe, hat eben mein Vater gelebt. Das mag ja für die jetzigen Zeiten noch richtig sein, obwohl, wer Kinder heute kennt, ganz gut weiß, daß die nicht so in ihrer Seele geartet sind, wie die Väter geartet waren, als sie noch in demselben Alter waren und so weiter. Aber wenn man nun noch um ein Jahrhundert zurückgeht, gerade dort, wo um die Mitte des 19. Jahrhunderts jener gewaltige Umschwung stattgefunden hat, dann findet man, welcher ungeheure Unterschied in der Konfiguration der menschlichen sozialen Bindungen eingetreten ist.
[ 34 ] An solchen Dingen zeigt sich uns, wie rasch es mit der Veränderung der menschlichen Seelenverfassung im Laufe der Zeiten geht. Die Menschen leben so blind dahin, indem sie eigentlich glauben: Wie ich lebe, hat eben mein Vater gelebt. Das mag ja für die jetzigen Zeiten noch richtig sein, obwohl, wer Kinder heute kennt, ganz gut weiß, daß die nicht so in ihrer Seele geartet sind, wie die Väter geartet waren, als sie noch in demselben Alter waren und so weiter. Aber wenn man nun noch um ein Jahrhundert zurückgeht, gerade dort, wo um die Mitte des 19. Jahrhunderts jener gewaltige Umschwung stattgefunden hat, dann findet man, welcher ungeheure Unterschied in der Konfiguration der menschlichen sozialen Bindungen eingetreten ist.
[ 35 ] Und diese Umgestaltung des sozialen Wesens, das ist Geschichte, nicht das, was man in Archiven findet. Und man kann wirklich, sagen wir, aus dem schlichten Büchlein, das ein Tischlergeselle, ich glaube 1821, geschrieben hat als eine Art Katechismus für seine wandernden Gesellen, wo nur äußerlich angeführt ist, wie es einem da ergeht, wie man reisen soll und dergleichen, man kann aus diesem schlichten Büchlein außerordentlich viel Geschichtliches lernen, wenn man in der Lage ist, aus dem Äußeren auf die historischen Hintergründe zu kommen.
[ 35 ] Und diese Umgestaltung des sozialen Wesens, das ist Geschichte, nicht das, was man in Archiven findet. Und man kann wirklich, sagen wir, aus dem schlichten Büchlein, das ein Tischlergeselle, ich glaube 1821, geschrieben hat als eine Art Katechismus für seine wandernden Gesellen, wo nur äußerlich angeführt ist, wie es einem da ergeht, wie man reisen soll und dergleichen, man kann aus diesem schlichten Büchlein außerordentlich viel Geschichtliches lernen, wenn man in der Lage ist, aus dem Äußeren auf die historischen Hintergründe zu kommen.
[ 36 ] Sie sehen, auch im einzelnen werden die Dinge so gestaltet, daß auch Geschichte in Realität nur belebt werden kann von der Geisteswissenschaft aus. Und deshalb ist Geisteswissenschaft nicht eine Vermehrung von Erkenntnissen, nicht etwas, das eine gerade Fortsetzung dessen bilden würde, was man heute in den Schulen gewöhnt ist zu lernen, sondern Geisteswissenschaft ist nur zu vergleichen mit einem Wachwerden über die Welt, mit einem Aufwachen. Die andere Wissenschaft — und das können wir ja als unser Geheimnis betrachten — kann man eher vergleichen mit einem Ziehen der Schlafmütze tief über die Ohren herunter. Aber Anthroposophie soll ein wirkliches Aufwachen sein. Daher weckt sie auch über die historischen Verhältnisse auf.
[ 36 ] Sie sehen, auch im einzelnen werden die Dinge so gestaltet, daß auch Geschichte in Realität nur belebt werden kann von der Geisteswissenschaft aus. Und deshalb ist Geisteswissenschaft nicht eine Vermehrung von Erkenntnissen, nicht etwas, das eine gerade Fortsetzung dessen bilden würde, was man heute in den Schulen gewöhnt ist zu lernen, sondern Geisteswissenschaft ist nur zu vergleichen mit einem Wachwerden über die Welt, mit einem Aufwachen. Die andere Wissenschaft — und das können wir ja als unser Geheimnis betrachten — kann man eher vergleichen mit einem Ziehen der Schlafmütze tief über die Ohren herunter. Aber Anthroposophie soll ein wirkliches Aufwachen sein. Daher weckt sie auch über die historischen Verhältnisse auf.
[ 37 ] Damit wollte ich heute, gerade im Jahre 1923, in bezug auf einzelne konkrete Tatsachen einen Anfang machen mit einer Jahrhundertbetrachtung, die perspektivisch zurückgehen wollte bis eben 1823. Der Roman der George Sand kann nur eine äußere Veranlassung sein, denn sie hatte natürlich keine Ahnung von diesen geistigen Hintergründen. Aber sie hat mit einer gewissen instinktiven Genialität das Jahr 1823, überhaupt jene Zeit in großartiger Weise hingestellt, so daß man sich angeregt fühlt, gerade die Betrachtungen von 1823 bis 1923 fortzusetzen.
[ 37 ] Damit wollte ich heute, gerade im Jahre 1923, in bezug auf einzelne konkrete Tatsachen einen Anfang machen mit einer Jahrhundertbetrachtung, die perspektivisch zurückgehen wollte bis eben 1823. Der Roman der George Sand kann nur eine äußere Veranlassung sein, denn sie hatte natürlich keine Ahnung von diesen geistigen Hintergründen. Aber sie hat mit einer gewissen instinktiven Genialität das Jahr 1823, überhaupt jene Zeit in großartiger Weise hingestellt, so daß man sich angeregt fühlt, gerade die Betrachtungen von 1823 bis 1923 fortzusetzen.

