Three Perspectives of Anthroposophy
Cultural Phenomena
from the Perspective of Spiritual Science
GA 225
6 July 1923, Dornach
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Anthroposophy as Cosmosophy I, tr. SOL
4. Eine Jahrhundertbetrachtung 1823 bis 1923
4. A Century in Review: 1823–1923
[ 1 ] Heute möchte ich eine Art Jahrhundertbetrachtung machen. In einer eben mehr äußerlichen Weise kann ja die Veranlassung zu einer solchen Jahrhundertbetrachtung die Tatsache sein, daß in einem sehr bedeutenden Roman der französischen Schriftstellerin George Sand «Le compagnon du tour de France» gerade die Handlung, die ich hier jedenfalls nicht eingehend zu betrachten haben werde, in das Jahr 1823 verlegt wird, also hundert Jahre vor unserer Gegenwart. Es ist deshalb eine Möglichkeit für manchen, eine Anregung gerade aus diesem Roman zu gewinnen, weil bei einer so ins Große und auch ins Eindringliche gehenden Phantasie, wie sie die George Sand hatte, eigentlich mehr geleistet wird für die Charakteristik einer Zeit als durch die sogenannte wissenschaftliche Geschichtsbetrachtung. Man kann schon sagen: Mit einer wirklichen Eindringlichkeit hat diese Schriftstellerin die Zeit um das Jahr 1823 — und gerade für den französischen Westen Europas — zum Hintergrunde eines bedeutsamen Romans gemacht.
[ 1 ] Today I would like to offer a kind of reflection on the century. In a more superficial sense, the impetus for such a reflection on the century may be the fact that in a very significant novel by the French writer George Sand, Le compagnon du tour de France, the plot—which I will not be examining in detail here—is set in the year 1823, that is, one hundred years before our own time. It is therefore possible for some to draw inspiration from this very novel, because an imagination as expansive and vivid as George Sand’s actually contributes more to the characterization of an era than so-called scholarly historical analysis. One can certainly say that this writer has, with true intensity, made the period around the year 1823—and specifically for the French West of Europe—the backdrop for a significant novel.
[ 2 ] Nun, ich werde nicht jenen Duktus einhalten, der in diesem Roman eingehalten ist, sondern ich werde versuchen, den sozialen Hintergrund aus den geistigen Grundlagen heraus für die angedeutete Zeit zu geben. Die George Sand hat nämlich eine Anzahl von Gestalten gezeichnet, die dem kleinbürgerlichen Handwerkerstande angehören, und dann spielen auch in das Leben dieser Angehörigen des kleinbürgerlichen Handwerkerstandes die Erlebnisse aristokratischen Familienwesens hinein. Das aber, was in diesem Roman großartig geschildert ist, das ist eben das soziale Leben des Handwerkerstandes. Und man kann sagen: Mit demjenigen Unterschied, mit jener Differenz, die eben nach der Volkstümlichkeit vorhanden sein muß, hat George Sand das Hineingestelltsein des Menschen in die sozialen Verhältnisse dieses Zeitalters geschildert, das wir ja weiter zurückrechnen können, um Jahrzehnte zurückrechnen können, ich möchte sagen, gerade so weit für Frankreich, wie zurückreichen die sozialen Verhältnisse, aus denen heraus Goethe seinen «Wilhelm Meister» geschaffen hat. Also mit jenem Unterschiede, der durch die Volkstümlichkeit gegeben sein muß, sehen wir, wie da als Hintergrund des Romans die sozialen Verhältnisse eindringlich geschildert werden, wie der Mensch herauswächst aus den sozialen Verhältnissen, wie er seine eigene Persönlichkeit in einer bestimmten Nuance zeigt dadurch, daß er aus diesen sozialen Verhältnissen herauswächst.
[ 2 ] Well, I will not follow the style employed in this novel, but rather I will attempt to provide the social background for the period in question, based on its intellectual foundations. George Sand has, in fact, portrayed a number of characters who belong to the petty-bourgeois artisan class, and the experiences of aristocratic family life also play a role in the lives of these members of the petty-bourgeois artisan class. But what is magnificently depicted in this novel is precisely the social life of the artisan class. And one can say: With that distinction, with that difference that must necessarily stem from its folksy character, George Sand has depicted humanity’s embeddedness in the social conditions of that era—an era we can trace back, indeed, by decades; I would say, for France, just as far back as the social conditions from which Goethe drew his Wilhelm Meister. So, with that distinction—which must be inherent in her folksy style—we see how the social conditions are vividly portrayed as the backdrop of the novel, how the individual grows out of these social conditions, and how he reveals his own personality in a particular nuance precisely by growing out of them.
[ 3 ] Sie wissen ja, daß auch Goethes Wilhelm-Meister-Gestalten aus diesen sozialen Verhältnissen herauswachsen. Es ist schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von verschiedenen Persönlichkeiten eine Art Parallele gezogen worden zwischen dem sozialen Hintergrunde des Romans der George Sand und dem Goetheschen «Wilhelm Meister». Natürlich müssen, wie gesagt, die Unterschiede berücksichtigt werden, die sich aus dem volkstümlichen Wesen ergeben. Goethes Roman ist durchaus weltbürgerlich, hat nichts von Nationalem, hat auch nichts von Politischem. Der Roman der Sand ist durch und durch national, durch und durch politisch. Das müssen wir natürlich voraussetzen, wenn der sonst ja berechtigte Vergleich zwischen den beiden Romanen hingestellt wird.
[ 3 ] As you know, Goethe’s Wilhelm Meister characters also emerge from these social conditions. As early as the first half of the 19th century, various figures drew a sort of parallel between the social background of George Sand’s novel and Goethe’s Wilhelm Meister. Of course, as I said, we must take into account the differences that arise from their respective national character. Goethe’s novel is thoroughly cosmopolitan; it has nothing national about it, nor anything political. Sand’s novel is thoroughly national, thoroughly political. We must, of course, take this into account when making the otherwise valid comparison between the two novels.
[ 4 ] Nun, diese Verhältnisse, die als sozialer Hintergrund dastehen, sind ja wirklich außerordentlich charakteristisch für die ganze Art und Weise, wie sich das moderne Menschenwesen im Laufe der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus gewissen Untergründen bis zur Oberfläche des Menschendaseins heraufgearbeitet hat. Heute macht sich der Mensch nicht leicht eine Vorstellung davon, wie die Dinge vor einem Jahrhundert noch waren, weil heute die menschliche Persönlichkeit eigentlich vereinzelt dasteht innerhalb der sozialen Ordnung. Selbst diejenigen, die beruflich oder familienhaft zusammenhängen, gestalten ihr Leben allmählich so, daß sie aus den Zusammenhängen, aus den sozialen Bindungen herauskommen, zu einer gewissen Individualität kommen.
[ 4 ] Well, these conditions, which serve as the social backdrop, are indeed extraordinarily characteristic of the entire way in which modern humanity, over the course of the last decades of the 18th century and the first half of the 19th century, worked its way up from certain depths to the surface of human existence. Today, it is not easy for people to imagine how things were a century ago, because today the human personality actually stands isolated within the social order. Even those who are connected through work or family are gradually shaping their lives in such a way that they break away from these connections, from these social bonds, and achieve a certain degree of individuality.
[ 5 ] In dieser Beziehung hat sich ein ungeheurer Umschwung in der Entwickelung der Menschheit Europas gerade im 19. Jahrhundert vollzogen, und die innere Seelenverfassung in bezug auf das soziale Gebunden- oder Nicht-Gebundensein ist eben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine ganz andere als in der ersten Hälfte. In der ersten Hälfte suchte der Mensch — und wir wollen heute von den anderen Verhältnissen absehen, vorzugsweise auf die westeuropäischen Verhältnisse Rücksicht nehmen —, es suchte dazumal der Mensch geradezu, sich hineinzustellen in ein soziales Gebundensein. Er suchte den Anschluß an diejenigen Persönlichkeiten, die mit ihm gemeinsame Interessen hatten, gemeinsame Interessen, die sich sozusagen zusammenstellten aus den Interessen des Standes auf der einen Seite und den Interessen des Berufes auf der andern Seite.
[ 5 ] In this regard, a tremendous shift took place in the development of European humanity precisely in the 19th century, and the inner state of mind with regard to social connectedness or lack thereof was quite different in the second half of the 19th century than in the first half. In the first half—and let us set aside other circumstances for now and focus primarily on conditions in Western Europe—people at that time actively sought to place themselves within a framework of social ties. They sought to connect with those individuals who shared common interests with them—interests that, so to speak, were composed of the interests of their social class on the one hand and the interests of their profession on the other.
[ 6 ] Bei der bäuerlichen Bevölkerung, die in jener Zeit noch mehr an die Scholle gebunden war, kommt eben die Gebundenheit durch den Erdboden in Betracht. Aber für diejenigen, die aus dieser bäuerlichen Seelenverfassung herauswuchsen durch ihr Handwerkertum zu einer gewissen Befreiung von dem Schollenhaften, für die kommt es sehr in Betracht, daß sie gerade in dieser Zeit, man möchte sagen, recht krampfhaft nach sozialen Vergesellschaftungen suchten. Und das Merkwürdige ist für diese erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, also für diejenigen Zeiten, für die wir heute eine Jahrhundertbetrachtung anstellen können, daß trotz Klassen- und Kastenzusammenhängen und Berufszusammenhängen, die den äußeren Kitt bilden für solche Vergesellschaftungen, doch überall ein geistiger, ein konkret geistiger Hintergrund für diese Vergesellschaftungen bestand.
[ 6 ] For the peasant population, which at that time was even more tied to the land, it is precisely this attachment to the soil that comes into play. But for those who, through their craftsmanship, grew out of this peasant mindset and achieved a certain liberation from their attachment to the land, it is very significant that they sought—one might say quite desperately—social connections precisely during this period. And what is remarkable about this first half of the 19th century—that is, the period we can now view in retrospect—is that despite class, caste, and occupational ties, which form the external glue for such social groupings, there nevertheless existed everywhere a spiritual, a concrete spiritual foundation for these groupings.
[ 7 ] Im Französischen wächst allerdings alles mit dem Nationalen zusammen. Würde man dieselben Verhältnisse — was wir vielleicht auch in einer gewissen Weise tun können — für das deutsche Wesen betrachten, so würde man ja von vornherein darauf hinweisen müssen, daß zum Beispiel der deutsche Lehrling auch außer Landes wanderte während seiner Wanderzeit, daß er keine Rücksicht nahm auf politische Grenzen, wenn es sich ihm darum handelte, eine solche Vergesellschaftung zu suchen, wie ich sie angedeutet habe. Das französische Wesen, das durch und durch national ist, ließ auch den Handwerker nur innerhalb der Grenzen Frankreichs reisen.
[ 7 ] In French, however, everything is intertwined with the national. If one were to consider the same conditions—which we might perhaps do to a certain extent—with regard to the German character, one would have to point out from the outset that, for example, the German apprentice also traveled abroad during his journeyman years, and that he paid no heed to political borders when it came to seeking the kind of social integration I have described. The French character, which is thoroughly national in nature, allowed even craftsmen to travel only within the borders of France.
[ 8 ] Aber da, innerhalb der Grenzen Frankreichs, ergaben sich eben solche Zusammenhänge nach Klassen und nach Berufen, die krampfhaft gesucht wurden und bei denen im Hintergrunde überall die Wirkung geistiger Impulse zu sehen ist, die in die Menschenseelen hineinkraften. Diese Handwerker fühlen sich, wenn sie von Stadt zu Stadt reisen, dadurch in einer Art geistiger Heimat, daß sie in jeder Stadt diejenige Gemeinschaft finden, zu der sie gehören. Man ließ sich aufnehmen in eine Gemeinschaft in irgendeiner Stadt, die Gemeinschaft reichte durch ganz Frankreich. Wie gesagt, so war es noch vor einem Jahrhundert. Wenn dann der Handwerkerlehrling reiste, so fand er in der Stadt, in der er wiederum sein Handwerk fortsetzen wollte, dieselbe Vereinigung. Er brachte sich nicht irgend etwas Schriftliches mit, sondern er brachte sich ein Erkennungszeichen mit, einen gewissen Händedruck oder ein anderes Erkennungszeichen. Wenn er dieses Erkennungszeichen geltend machte, so wußte man, der gehört eben dieser Vereinigung an, von der Zweige in allen Städten zu finden waren.
[ 8 ] But there, within the borders of France, precisely such groupings by class and profession emerged—groupings that were desperately sought after and in which, in the background, one can see everywhere the effect of spiritual impulses working their way into people’s souls. When these artisans travel from city to city, they feel at home in a kind of spiritual sense because in every city they find the community to which they belong. They would join a community in any city, and that community extended throughout all of France. As I said, this was still the case a century ago. When a craftsman’s apprentice traveled, he would find the same guild in the city where he intended to continue his craft. He did not carry any written documents with him, but rather a distinguishing mark—a certain handshake or some other sign of recognition. When he presented this identifying mark, people knew he belonged to this very guild, which had branches in every city.
[ 9 ] Nun waren solche Vereinigungen durchaus überall — ich muß das immer wieder betonen — mit einem geistigen Hintergrunde verbunden, und es kann einem eigentlich, wenn man in ernster und ehrlicher Weise diese Dinge erforschen will, manche Schwierigkeiten machen, dahinterzukommen, wie dieser geistige Hintergrund beschaffen war.
[ 9 ] Now, such associations were—and I must emphasize this again and again—undoubtedly linked to a spiritual context everywhere, and if one wishes to investigate these matters seriously and honestly, it can actually present some difficulties in determining the nature of that spiritual context.
[ 10 ] So gab es in Frankreich um die angedeutete Zeit im wesentlichen zwei solcher Handwerkerverbände. Der eine Verband wurde genannt «Loups Dévorants» oder «Loups garous». Das war der eine. Der andere wurde genannt «Gavots». Und die beiden waren so konstituiert, wie ich es beschrieben habe, und beide hatten in den Zeiten, in denen sie sich so einer Sache widmen konnten, Zusammenkünfte, die überall in den verschiedenen Städten auf gleiche Art verliefen. In diesen Zusammenkünften gab es erstens ein sorgfaltiges Üben der Erkennungszeichen; dann aber Festlichkeiten, innerhalb welcher man in Symbolen sprach, durch Symbole den Festsaal ausstaffiert hatte. Es gab Festlichkeiten, in denen man Legenden erzählte, durch welche solche Verbände weit zurück in der Geschichte verfolgt wurden. So führte man bei den «Dévorants», bei den «Loups garous» — wenn ich ein deutsches Wort gebrauchen wollte, müßte ich sagen «Werwölfe» —, die ganze Geschichte dieser Vereinigung zurück bis auf den König Salomo und erzählte eine Legende, die zurückführte bis auf den König Salomo. Bei den «Gavots» führte die Legende, die man in der verschiedensten Weise erzählte, zurück auf den phrygischen Baumeister Hieram Abiff. Durch die mannigfaltigsten Dinge unterschieden sich diese Vereinigungen. Und nur wenn man sorgfältig auf die Usancen eingeht, kann man allmählich auf die geistigen Hintergründe kommen, deren sich die Mitglieder durchaus bewußt waren.
[ 10 ] Thus, in France around the time mentioned, there were essentially two such guilds of artisans. One guild was called “Loups Dévorants” or “Loups garous.” That was one. The other was called “Gavots.” Both were organized as I have described, and in the days when they could devote themselves to such matters, they held gatherings that took place in the same manner throughout the various cities. At these gatherings, there was first a careful rehearsal of the recognition signs; this was followed by festivities during which people spoke in symbols, and the banquet hall was decorated with symbols. There were festivities during which legends were told, tracing such societies far back into history. Thus, among the “Dévorants” and the “Loups garous”—if I were to use a German word, I would have to say “Werwölfe”—the entire history of this association was traced back to King Solomon, and a legend was told that went back to King Solomon. Among the “Gavots,” the legend—which was told in a wide variety of ways—traced its origins back to the Phrygian architect Hieram Abiff. These societies differed in a multitude of ways. And only by carefully examining their customs can one gradually uncover the spiritual underpinnings of which the members were fully aware.
[ 11 ] So ist eine wichtige Differenz zwischen den beiden eine solche, die sich auf die Aufnahme bezog oder auch darauf bezog, daß, sagen wir, in irgendeiner Stadt beide Vereinigungen waren. Es waren ja sowohl Dévorants wie Gavots in den verschiedensten Städten. Nun war die Sitte ganz streng, daß niemand irgendwie in einem Handwerke unterkam — man wachte darüber sehr gut —, der nicht durch Vermittlung dieser Vereinigungen unterkam. Es gab also Mitglieder, die éevorants waren, bei der einen Vereinigung, Mitglieder, die Gavots waren, bei der andern Vereinigung. Jeder wandte sich, wenn er in eine Stadt kam, an seine Vereinigung, und die vermittelte ihm dann die betreffende Stellung in seinem Berufe, nachdem er sich in vorschriftsmäßiger Weise zu erkennen gegeben hatte, nachdem man also wußte, man hat es mit einem derjenigen zu tun, die dazu gehören.
[ 11 ] Thus, one important difference between the two was one that related to membership or to the fact that, let’s say, both associations existed in a given city. After all, there were both Dévorants and Gavots in a wide variety of cities. Now, the rule was very strict: no one was allowed to enter a trade in any way—this was strictly enforced—unless they did so through the mediation of these guilds. Thus, there were members who were Dévorants in one guild and members who were Gavots in the other. Whenever someone arrived in a city, he would turn to his guild, and the guild would then arrange the appropriate position for him in his profession, after he had identified himself in accordance with the regulations—that is, once it was known that one was dealing with someone who belonged to the guild.
[ 12 ] Nun kam es natürlich vor, daß in eine Stadt auch einmal, sagen wir, viel mehr Leute zureisten, als Stellen zu vergeben waren. Jetzt wußsten die Leitungen der beiden Vereinigungen sich nicht von vornherein zu helfen. Jetzt handelte es sich darum: Sollen bei dieser Stellenjagd die Dévorants siegen, das heißt, sollen die Dévorants diejenigen, die angekommen sind, in der Mehrzahl unterbringen, oder sollen die Gavots siegen, sollen von denen mehr untergebracht werden?
[ 12 ] Of course, it sometimes happened that, say, far more people arrived in a city than there were jobs available. At first, the leadership of the two associations didn’t know how to handle the situation. The question now was: In this scramble for jobs, should the Dévorants prevail—that is, should the Dévorants secure the majority of positions for those who had arrived—or should the Gavots prevail, meaning should more of them be placed in jobs?
[ 13 ] Nun ist es charakteristisch, daß es dann gewöhnlich zu heftigen Gegnerschaften zwischen den Vereinigungen als solchen kam, und so wie es heute allerlei viel trivialere aber brutalere, möchte ich sagen, Besprechungen gibt zwischen den verschiedenen Leitern der Gewerkschaften und so fort, so gab es auch da Maßregeln, die dann darüber entscheiden sollten, ob in einem solchen Fall die eine Partei oder die andere Partei siegen sollte. Da schlugen die Dévorants gewöhnlich nichts Besonderes vor, sondern sie rotteten sich zusammen auf den öffentlichen Plätzen und verprügelten die Gavots. Dagegen schlugen die Gavots vor, daß man irgendeine Preisaufgabe ausschreiben solle, und da sollten dann die Richter von beiden Parteien zusammen entscheiden, ob der Dévorant oder der Gavot die bessere Leistung gemacht habe. Das ist ein sehr bedeutsamer Unterschied. Die Dévorants waren im wesentlichen geneigt, durch Raufen und Äußerliches die Entscheidung zu bringen, die Gavots durch geistigere Dinge, und so war es denn so, daß manchmal der Usus der einen, manchmal der der andern den Sieg davontrug. Das ist solch ein Unterschied, der darauf hinweist, wie die geistigen Untergründe sind.
[ 13 ] It is characteristic that this usually led to fierce conflicts between the associations themselves, and just as today there are all sorts of much more trivial but—I would say—more brutal discussions between the various union leaders and so on, so too were there measures designed to determine which side—one or the other—should prevail in such a case. The Dévorants usually did not propose anything in particular; instead, they would gather in public squares and beat up the Gavots. The Gavots, on the other hand, proposed that a contest for a prize be announced, in which judges from both parties would then decide whether the Dévorant or the Gavot had performed better. This is a very significant difference. The Dévorants were essentially inclined to bring about a decision through brawling and outward displays, while the Gavots relied on more intellectual matters; and so it was that sometimes the customs of one side, and sometimes those of the other, emerged victorious. This is the kind of difference that reveals the nature of their underlying intellectual foundations.
[ 14 ] Ein weiterer Unterschied, durch den sich hineinblicken läßt, ist der, wie jede der beiden Parteien ihre Toten begraben hat. Die Gavots haben ihre Toten so begraben, daß sie lautlos hinter dem Sarge einhergingen. Der Sarg wurde lautlos in das Grab gesenkt. Links und rechts vom Grab standen hervorragendste Mitglieder der betreffenden Vereinigung, und die sprachen über das Grab, der eine zum andern, gewisse geheimnisvolle Worte lispelnd. Und dann bildeten sie eine Art Kreis und sprachen wiederum in geheimnisvollen Worten.
[ 14 ] Another difference that offers insight is the way each of the two parties buried their dead. The Gavots buried their dead in such a way that they followed silently behind the coffin. The coffin was lowered silently into the grave. To the left and right of the grave stood the most distinguished members of the association in question, and they spoke over the grave, one to the other, whispering certain mysterious words. And then they formed a sort of circle and spoke again in mysterious words.
[ 15 ] Dagegen die Dövorants begleiteten ihre Toten mit einem ungeheuer stark wirkenden Sprachorgan — ich will das so ausdrücken: Wenn man in der Ferne gestanden und gehört hat, wie da ein Leichenzug ging, und namentlich, wie er dann bei dem Grabe war, und während die Erde auf den Sarg geworfen wurde, dann kam einem das von der Ferne wie Woltsgeheul vor. Aber es war durchaus die Art, wie die Mitglieder dieser Vereinigung die ernstgemeinte Leichenfeier vollzogen. Sie waren eben der Anschauung, die sie auf alte Traditionen zurückführten, daß der Mensch da seine Stimme verstärken und so nuancieren müsse, daß in gewaltiger, wilder Art die Töne erklingen, wie wenn aus derjenigen Welt, die der Tote unmittelbar betritt, diese Töne in die physische Welt hereinklängen.
[ 15 ] In contrast, the Dövorants accompanied their dead with a voice of immense power—let me put it this way: If one stood in the distance and heard a funeral procession passing by, and especially when it reached the grave and as earth was thrown onto the coffin, it sounded from afar like the howling of the wind. But this was precisely the way the members of this society conducted their solemn funeral rites. They simply held the view—which they traced back to ancient traditions—that a person must amplify and nuance their voice in such a way that the sounds resound in a powerful, wild manner, as if these sounds were echoing into the physical world from the very realm the deceased is about to enter.
[ 16 ] Da haben Sie schon den Hinweis darauf, wie bei diesen Vereinigungen aus alter Zeit Traditionen vorhanden waren, die eben alten Erkenntnissen entstammten. Die Totengebräuche der Dévorants waren durchaus so, daß sie Rücksicht auf das nahmen, was alte Anschauungen über, sagen wir, das Fegefeuer, wie es auch genannt wird, über Kamaloka und dergleichen wußten. Aber der Ausdruck: Wölfe, «loups», deutet selber auf das hin, was da eigentlich zugrunde lag. Mit diesen Worten, oder wenigstens mit der Idee, die sich durch dieses Wort ausdrücken läßt, wurde in vielen Geheimlehren dasjenige bezeichnet, was wirksam ist im menschlichen astralischen Leibe, wenn die Intelligenz weg ist, wenn also der Regulator des Gehirns fehlt. Was sich da aus den Untergründen der menschlichen Natur in leidenschaftlich emotioneller Weise geltend macht, was namentlich sich in der Begierde geltend macht, mit anderen Menschen so zusammen zu sein, daß man, wie es ja sagenhaft ist, selbst nach deren Blut Lust hat, das bezeichnete man eben in vielen Geheimlehren mit Wolf. So daß man schon sagen kann, wenn man die Dinge ganz ehrlich und richtig betrachten will, diese Dévorants meinten eigentlich, sie müßten sich bei solch einer Gelegenheit, wie bei einem Begräbnis, so benehmen, wie wenn sie ihren physischen Leib, das heißt namentlich das Gehirn, verlassen hätten.
[ 16 ] There you have a hint of how these ancient societies had traditions that stemmed precisely from ancient insights. The funeral customs of the Dévorants were such that they took into account what ancient beliefs held regarding, let’s say, Purgatory—whatever it may be called—Kamaloka, and the like. But the term “wolves,” “loups,” itself points to what actually lay at the root of this. In many esoteric teachings, these words—or at least the idea expressed by this word—were used to describe that which is active in the human astral body when the intelligence is absent, that is, when the regulator of the brain is missing. What asserts itself from the depths of human nature in a passionately emotional way—what manifests itself particularly in the desire to be with other people in such a way that, as legend has it, one even craves their blood—was precisely what many esoteric teachings referred to as the “wolf.” So one can indeed say, if one wishes to view things quite honestly and correctly, that these “dévorants” actually believed they had to behave on such an occasion—such as a funeral—as if they had left their physical body, that is, specifically, their brain.
[ 17 ] Und so waren auch die Festlichkeiten. Während die Festlichkeiten der Gavots still und sanft waren, waren die Festlichkeiten der Dévorants laut, stürmisch. Es war wie eine Entfesselung der astralischen Welt, die bei diesen Festlichkeiten sich auslebte. Die Symbole, die bei diesen Festlichkeiten ja eine große Rolle spielten, die Zusammensetzung der Legenden, das alles zeigte, daß man eigentlich in einer wilden Weise das, was einmal in alten Zeiten anders war, bei diesen Gelegenheiten zur Geltung brachte.
[ 17 ] And so were the festivities. While the Gavots’ festivities were quiet and gentle, those of the Dévorants were loud and boisterous. It was as if the astral world had been unleashed and was giving free rein to itself during these festivities. The symbols—which played such a major role in these festivities—and the composition of the legends all showed that, on these occasions, people were actually bringing to the fore, in a wild manner, what had once been different in ancient times.
[ 18 ] Dagegen ist es ja schon bezeichnend, daß die andere Partei den Namen «Gavots» trägt. Das kommt von «gave». Das ist der Name von ganz kleinen Geistern, die von den mit dichtem Baumwuchs bedeckten Flächen der Pyrenäenhänge herunterkommen, die sich nicht bemerklich machen, die aber doch von den Höhen der Pyrenäen herunterkommen, man möchte sagen, wie ganz kleine Elementargeister hervortreten in Stellvertretung für die sonst aus der Höhe der spanischen Gebirge herunterkommenden Gralsmenschen. Also als die kleinen Geister, die aber doch zum Heere der Gralsritter gehörten, fühlten sich die Angehörigen dieser anderen Partei, der «Gavots».
[ 18 ] On the other hand, it is quite telling that the other party is called “Gavots.” That comes from “gave.” That is the name of very small spirits who come down from the densely wooded slopes of the Pyrenees; they do not make their presence known, yet they do descend from the heights of the Pyrenees—one might say they emerge like tiny elemental spirits, acting as representatives for the Grail people who otherwise come down from the heights of the Spanish mountains. Thus, the members of this other group, the “Gavots,” saw themselves as these little spirits who nevertheless belonged to the army of the Grail Knights.
[ 19 ] Während also die eine Partei, die Dévorants, mehr das geltend machen wollte, was in der menschlichen Astralität lebt, wollten die Gavots mehr geltend machen, was eben im Ich nach der damaligen Auffassung lag. So liegt wirklich dem Gegensatz zwischen diesen beiden Parteien der Gegensatz zugrunde der menschlichen Astralität, des astralischen Leibes und des menschlichen Ich. Und das ist das Frappierende, das ungeheuer Interessante, daß wir noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Vereinigungen haben, die einen ungeheuren Einfluß, eine ungeheure Macht ausüben innerhalb des Standes und des Berufes, wo es Sitte ist, sich ihnen anzuschließen, und die auf solchen geistigen Untergründen eben fest standen.
[ 19 ] While one faction, the Dévorants, sought to emphasize what resides in human astral nature, the Gavots sought to emphasize what, according to the understanding of the time, resided in the “I.” Thus, the contrast between these two factions is truly rooted in the contrast between human astral nature, the astral body, and the human “I.” And what is striking—and immensely interesting—is that even in the first half of the 19th century, we find associations that exerted immense influence and power within their social class and profession, where it was customary to join them, and which were firmly grounded in precisely such spiritual foundations.
[ 20 ] Es ist durchaus so: Der Mensch will seine sozialen Zusammenhänge in der äußeren Welt, allerdings weil das Leben es notwendig macht, nach Beruf und Klasse gestalten. Daher nehmen solche Vereinigungen eben das als Kitt: Beruf und Klasse. Aber solche Vereinigungen würden es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ganz unbegreitlich gefunden haben, bloße Gewerkschaften, Berufsvereinigungen zu sein. Berufsvereinigungen waren sie äußerlich, wie der Mensch äußerlich einen physischen Leib hat. Innerlich aber waren sie seelischgeistig konstituiert, legten einen ungeheuren Wert auf ihre Erkennungszeichen, auf ihre Symbole, lebten in diesen und sahen darauf, daß durch diese Symbole der reine Charakter der Vereinigung sich bewahrte.
[ 20 ] It is certainly true that people want to organize their social relationships in the external world—albeit because life necessitates it—according to occupation and class. That is why such associations use precisely these as their binding force: occupation and class. But in the first half of the 19th century, such associations would have found it completely inconceivable to be mere labor unions or professional associations. Outwardly, they were professional associations, just as a person outwardly has a physical body. Inwardly, however, they were constituted in a spiritual and psychological sense; they attached immense value to their distinguishing marks and symbols, lived by them, and ensured that the true character of the association was preserved through these symbols.
[ 21 ] Merken Sie den gewaltigen Unterschied dieser Zeit von der unsrtgen. Sie müssen ja nur ins Auge fassen: Was schulmäßig die Leute in jenen Zeiten noch lernten, war ja außerordentlich gering, die geistige Bildung, die diese Leute hatten, kam ihnen nicht auf schulmäßigem Wege zu. Auf schulmäßigem Wege lernten sie notdürftig lesen und schreiben und ein wenig rechnen. Alles übrige hat sich ja erst später im schulmäßigen Betriebe für die breite Masse der Bevölkerung eingestellt. Dennoch waren diese breiten Massen der Bevölkerung nicht unwissend in jenen Zeiten. Und das ist das Betrübliche bei unserer Geschichtsbetrachtung, daß eigentlich immer nur die Geschichte nach solchen Dokumenten aufgebaut wird, die man in den Staatsoder Stadt- oder sonstigen Archiven findet. Das ist aber gar nicht die volle lebendige Geschichte. Die finden wir erst, wenn wir anzuschauen vermögen, was da lebt in der Seele, in dem Geiste eines Menschen irgendeiner Zeit, in irgendeinem Berufe, in irgendeiner Klasse.
[ 21 ] Notice the enormous difference between this era and the previous one. Just consider this: What people actually learned in school back then was extremely limited; the intellectual education these people received did not come through formal schooling. Through formal schooling, they learned only the bare minimum of reading, writing, and a little arithmetic. Everything else only became part of the formal school system for the broad masses of the population later on. Nevertheless, these broad masses of the population were not ignorant in those days. And that is the sad thing about our view of history: that history is actually always constructed solely on the basis of documents found in state, municipal, or other archives. But that is by no means the full, living history. We discover it only when we are able to perceive what lives in the soul, in the spirit of a person from any era, in any profession, in any social class.
[ 22 ] Nun, die Menschen, die eigentlich für das allgemeine Berufsleben außerordentlich maßgebend waren, sie schöpften das, was der geistige Inhalt ihrer Seele war, aus diesen Zusammenkünften bei ihren Vereinigungen. Sie hatten daher nicht eine schulmäßig abstrakte Bildung. Denn das ist das Eigentümliche: Als die Bildung schulmäßig wurde, nahm sie einen intellektualistisch-abstrakten Charakter an. In allen diesen Vereinigungen hatte die Bildung nicht einen intellektualistisch-abstrakten Charakter, sondern einen bildhaft-symbolisierenden Charakter, etwas, was die Welt in Bildern erfassen wollte. Der Mensch redete, indem er über die Welt redete, in Bildern, und die Bilder bekam er aus diesen Vereinigungen. Und er wachte über die Bilder, die er in der einen oder in der andern Vereinigung erhielt, weil er wußte, daß in dem Wissen und Handhaben solcher Bilder durch abgeschlossene Gesellschaften der Wille in eine bestimmte Richtung, aber vor allen Dingen zu einer bestimmten Stärke gebracht wird. Während die abstrakte Bildung den Willen ganz unbeeinflußt läßt, waren diese Menschen, die auf diese Art ihre Bildung bekamen, im ganzen Menschen ergriffen. Sie waren gewissermaßen als ganzer Mensch immer Repräsentanten dessen, was geistig in diesen Vereinigungen lebte.
[ 22 ] Well, the people who were actually extraordinarily influential in professional life as a whole drew the spiritual substance of their souls from these gatherings at their associations. They therefore did not have a school-based, abstract education. For this is the peculiar thing: when education became school-based, it took on an intellectualistic-abstract character. In all these associations, education did not have an intellectualistic-abstract character, but rather a pictorial-symbolic character—something that sought to grasp the world in images. When speaking about the world, people spoke in images, and they derived these images from these associations. And they cherished the images they received in one association or another, because they knew that through the knowledge and handling of such images by closed societies, the will is directed toward a specific goal and, above all, strengthened to a certain degree. While abstract education leaves the will entirely unaffected, these people, who received their education in this way, were deeply moved in their entire being. As whole human beings, they were, so to speak, always representatives of what lived spiritually within these associations.
[ 23 ] Und so hatte man es in der Welt wirklich mit diesen Vereinigungen zu tun, Und man wird über das 19. Jahrhundert erst dann eine soziale Geschichte haben, wenn man einmal in der richtigen Weise folgendes feststellen wird, wenn man sich sagen wird: Da haben in solchen Vereinigungen die geistigen Strömungen gelebt, die in all den Handwerkern, also in alle dem, was zwischen dem bäuerlichen Stande und dem Adelsstande mitten drinnen war, was in allen diesen Seelen lebte. Was in den Seelen dieser Leute lebte, lernt man ja aus der heutigen Geschichte nicht kennen, weil man sich gar nicht um diese Dinge kümmert.
[ 23 ] And so the world was truly dealing with these associations. We will not have a social history of the 19th century until we correctly recognize the following, until we say to ourselves: It was within such associations that the spiritual currents thrived—those that lived within all the artisans, that is, within everything that lay in the middle between the peasantry and the nobility, within all those souls. What lived in the souls of these people is something we cannot learn from today’s history, because no one pays any attention to these things.
[ 24 ] Und kommt man dann in die Mitte des 19. Jahrhunderts herein, dann tauchen plötzlich Ideen auf. Bei den politischen Parteien, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts bilden, tauchen allerlei Ideen auf, bei den politisch gefärbten Dichtern tauchen allerlei Ideen auf. Was sind solche Ideen? Wer die Geschichte, die wirkliche Geschichte kennt, der weiß: Diese Ideen leben in solchen Verbindungen, da werden sie nicht aufgeschrieben. Dann aber finden sich Leute, welche den Gebrauch annehmen, daß alles aufgeschrieben wird, daß alles gedruckt wird. Das reißt ein, das reißt gerade um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Die Mitglieder solcher Verbindungen hätten sich dafür bedankt, wenn irgendeine journalistische Denkweise innerhalb ihrer Mitte sich geltend gemacht hätte. Da würden sie sehr bald zu dem Mittel gegriffen haben, den betreffenden Herrn zu bitten, die Türe von außen zuzumachen! Da war alles ans lebendig Menschliche gebunden.
[ 24 ] And then, as we enter the mid-19th century, ideas suddenly begin to emerge. All sorts of ideas emerge among the political parties that form around the mid-19th century, and all sorts of ideas emerge among politically inclined poets. What are these ideas? Anyone familiar with history—real history—knows this: these ideas live within such fraternities; they are not written down there. But then there are people who adopt the practice of writing everything down, of printing everything. This takes hold—it takes hold precisely around the middle of the 19th century. The members of such societies would have been grateful if any journalistic mindset had asserted itself within their ranks. They would very quickly have resorted to the measure of asking the gentleman in question to close the door from the outside! Everything there was bound up with what is vitally human.
[ 25 ] Solche Menschen nun, die kein Empfinden mehr hatten für dieses lebendig Menschliche, die trugen in die Dichtung, in die Journalistik und in all das, was dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts sozusagen anfing, die Welt zu beherrschen, das hinein. Da strömt es von unten nach oben, aber oftmals treibt es oben sehr trübe Blasen, und dann werden diese trüben Blasen in der Geschichte erzählt. Diese Geschichte ist nicht echt, denn diese Geschichte weiß nicht, wo die Ursprünge von solchen Dingen sind; diese Geschichte verblaßt alles und verkarikiert es, verschlechtert es, vertrivialisiert es. Es hat in solchen Verbindungen manches mit dem Charakter einer ungeheuren Tiefe gelebt, was später ganz vertrivialisiert worden ist. Tatsächlich gaben diese Verbindungen den Angehörigen eine gewisse Hinneigung ihrer Seelen zu der geistigen Welt in aller Breite.
[ 25 ] Such people, who no longer had any sense of this living humanity, brought that into literature, journalism, and everything else that, so to speak, began to dominate the world around the middle of the 19th century. It flows from the bottom up, but often it produces very murky bubbles at the top, and then these murky bubbles are recounted in history. This history is not authentic, for it does not know where the origins of such things lie; this history fades everything away and caricatures it, degrades it, trivializes it. Within such communities, there lived many things of immense depth that were later completely trivialized. In fact, these communities gave their members a certain inclination of their souls toward the spiritual world in all its breadth.
[ 26 ] Nun müssen Sie bedenken, daß das Jahr 1823 gut gewählt ist, um dieses anschaulich zu machen, denn da hatte man schon soundso viele Jahre das Nivellement, die Gleichmachung der Französischen Revolution hinter sich. Diese Dinge hatten sich aber über die Französische Revolution hinweg in voller Lebendigkeit erhalten. Von den Ideen der Französischen Revolution redete man; Handeln in bezug auf die Art und Weise, wie man eine Lebensstellung bekam, wie man zu einem andern Menschen kam, wenn man von einer Stadt in die andere zog, das geschah nach den Usancen, die in diesen Gesellschaften waren. Der Mensch fühlte sich auch eingewurzelt in das soziale Leben dadurch, daß er sich als Mitglied einer solchen Gesellschaft fühlte.
[ 26 ] Now you must bear in mind that the year 1823 is a good choice to illustrate this, for by then the “nivellement”—the leveling effect of the French Revolution—had already been underway for so many years. Yet these things had remained fully alive even beyond the French Revolution. People spoke of the ideas of the French Revolution; yet actions regarding how one secured a position in life, or how one interacted with others when moving from one city to another, took place according to the customs that prevailed in these societies. People also felt rooted in social life through their sense of belonging as members of such a society.
[ 27 ] Bedenken Sie: Das moderne Leben, das ja, und zwar in berechtigter Weise auf der einen Seite, zur Individualität, zur Freiheit führt, das beginnt, wie ich oft ausgeführt habe, im 15. Jahrhundert. Da halten die alten Bande, die alten Bindungen die Menschen nicht mehr zusammen. Je weiter man nach Westen kommt, desto weniger werden die Menschen zusammengehalten von diesen alten Bindungen. Die Blutsbande spielen, je weiter man nach Osten kommt, eine um so größere Rolle noch, weil da die alten Usancen sich erhalten haben. Aber je weiter man nach Westen kommt, desto mehr vereinzeln sich die Menschen, desto mehr individualisiert sich der soziale Zusammenhang. Doch die Menschen fühlen, sie können noch nicht voll auf sich selbst gestellt sein, denn das volle Auf-sich-selbst-Gestelltsein, das wird zwei Jahrtausende dauern vom 15. Jahrhundert an, und wir sind ja jetzt erst in dem ersten Jahrtausend. Es hat allerdings ein ungeheurer Umschwung gerade im 19. Jahrhundert stattgefunden. Aber wenn man absieht von den — wie nennt man es oftmals? — von den oberen Zehntausend, seien es die oberen Zehntausend des äußeren Adels oder des geistigen Adels, wenn man von diesen absieht und auf die breite Masse der Menschheit sieht, dann muß man sagen: Die wehrt sich gegen das Individualisiertwerden. Nun, die von dem Individualisiertwerden ergriffen werden, die wehren sich auch dagegen. Der Adel, der geistliche Stand, kann zusammenhalten, die haben Bindungen; der Handwerkerstand wird herausgerissen aus den Bindungen. Das, was in diesen Vereinigungen gesucht wird, ist eben ein krampfhaftes Suchen nach Bindungen, die nicht mehr historisch da sind, die man machen muß.
[ 27 ] Consider this: Modern life—which, on the one hand, rightly leads to individuality and freedom—began, as I have often explained, in the 15th century. By then, the old ties and bonds no longer held people together. The further west one goes, the less people are held together by these old bonds. The further east one goes, the greater a role blood ties play, because the old customs have been preserved there. But the further west one goes, the more people become isolated, and the more the social fabric becomes individualized. Yet people feel they cannot yet be fully self-reliant, for true self-reliance will take two millennia to develop, beginning in the 15th century, and we are, after all, only in the first millennium now. However, a tremendous upheaval did take place, particularly in the 19th century. But if one looks beyond the—how is it often called?—the upper crust, be it the upper crust of the external nobility or the intellectual nobility, if one looks beyond these and turns to the broad masses of humanity, then one must say: They are resisting this process of individualization. Now, even those who are caught up in this process of individualization are also resisting it. The nobility and the clergy can hold together; they have bonds; the artisan class, however, is torn away from these bonds. What is sought in these associations is precisely a desperate search for bonds that no longer exist historically—bonds that must be forged.
[ 28 ] Und so sehen wir vom 15., 16. Jahrhundert an schon an solchen Vergesellschaftungen, die sich durch geistige Mittel zusammenhalten, gerade unter denjenigen, die sich als Handwerker herausheben aus der bäuerlichen Beschäftigung und die nicht hinaufkommen entweder bis zum Adelstum oder bis zu den geistigen oberen Ständen, dem Priestertum, Schreibertum und so weiter — wie bei all denen sich eben dieses Streben findet, zusammengehalten zu sein. Und es ist groß und gewaltig zu sehen, wie der Zusammenhalt da noch nicht gesucht wird in dem gleichen Berufe, sondern — trotzdem man sich im Beruf abschließt, trotzdem der Beruf den Rahmen bildet — wie er gesucht wird in Geistigem, in Seelischem, wie man sich nur dann als Mensch fühlt, wenn man auf der einen Seite die Arbeit hat, auf der andern Seite aber in der Arbeit die Freiheit, sich in eine bildhafte Lebens- und Weltauffassung einfügen zu können, wenn man also dieses in sein Menschtum aufnimmt. Das ist eben das Kennzeichen für den großen Umschwung im 19. Jahrhundert, daß diese Hinneigung zum Geistigen verlorengeht, daß sie in dem Firlefanz von allerlei Geheimgesellschaften ja allerdings bewahrt wird, daß diese Geheimgesellschaften aber in gar keinem Zusammenhang mehr mit der realen Welt stehen. Es sind das freimaurerische und sonstige Geheimgesellschaften, die nachäffen, was in solchen äußerlichen Berufsgesellschaften, innerlich aber durch geistige Bindungen zusammengehaltenen Vergesellschaftungen, gepflegt worden ist. Und wenn man dazu nimmt, daß man sogar geführt wird bis zu der größeren Pflege des Astralischen im Menschen, bis zu der größeren Pflege des Ichgemäßen im Menschen durch diese zwei Schattierungen, Dévorants und Gavots, dann haben wir ein Zeugnis dafür, wie in der Geschichte der Menschheit etwas wirkt, was man als die Impulse in der Gliederung des Menschenwesens erkennt.
[ 28 ] And so, as early as the 15th and 16th centuries onward, we already see such communities held together by intellectual bonds, particularly among those who distinguish themselves as artisans from peasant labor and who do not rise either to the nobility or to the higher intellectual classes—the clergy, the literati, and so on—for among all of them we find precisely this aspiration to be united. And it is a magnificent and awe-inspiring sight to see how cohesion is not yet sought within the same profession, but — even though one isolates oneself within one’s profession, even though the profession provides the framework — how it is sought in the spiritual, in the soul, how one feels truly human only when, on the one hand, there is work, but on the other hand, within that work, the freedom to fit into a vivid conception of life and the world, that is, when one incorporates this into one’s humanity. This is precisely the hallmark of the great upheaval of the 19th century: that this inclination toward the spiritual is being lost; that it is indeed preserved in the frivolities of all manner of secret societies; but that these secret societies no longer have any connection whatsoever with the real world. These are the Masonic and other secret societies that mimic what was cultivated in such external professional associations—groups held together internally by spiritual bonds. And when we consider that one is even guided toward a greater cultivation of the astral aspect in the human being, toward a greater cultivation of the “I”-aspect in the human being through these two shades—the Dévorants and the Gavots—then we have evidence of how something is at work in the history of humanity that can be recognized as the impulses in the structure of the human being.
[ 29 ] Wenn man auf das Geographische hinschaut, dann sieht man, trotzdem es Gavots und Dévorants eigentlich in ganz Frankreich gab, daß in den nordfranzösischen Städten mehr die Dévorants, in den südfranzösischen mehr die Gavots ausgebreitet waren. Das hängt damit zusammen, daß in der Tat jene feine Nuancierung zwischen südlicherem, warmem Klima und nördlicherem, kälterem Klima sich da geltend macht, daß das kältere Klima mehr das Astralische, das wärmere Klima mehr die Ich-Natur des Menschen herausgestaltet. Daher sehen wir auch, je weiter wir in heiße Zonen kommen, wie
[ 29 ] If one looks at the geographical picture, one sees that, although Gavots and Dévorants were actually found throughout France, the Dévorants were more widespread in the cities of northern France, while the Gavots were more prevalent in those of southern France. This is related to the fact that the subtle distinction between the warmer, southern climate and the colder, northern climate comes into play here: the colder climate brings out more of the astral nature in people, while the warmer climate brings out more of their ego nature. That is why, the further we move into warmer regions, we see how
[ 30 ] der Unterschied in der Blutfärbung zwischen Arterien und Venen weniger differenziert ist, während im Norden die Leute scharf ausgeprägte rote und blaue Blutadern haben. Der Unterschied zwischen roten und blauen Blutadern schwindet um so mehr, je weiter man in heiße Zonen kommt. Je weniger der Mensch diese zwei Sorten, das Arterienblut und das Venenblut, differenziert hat, desto tiefer ist sein astralischer Leib und damit die gegenwärtige Ich-Konfiguration in sein Ich eingetaucht; wir finden um so mehr Ich, je mehr wir in heißere Klimate kommen. Das ist interessant, daß auch die äußere geographische Ausbreitung mit dem zusammenhängt, was einfach aus dem Geographischen heraus den Menschen mehr zum Ich oder mehr zum astralischen Leib macht.
[ 30 ] the difference in blood color between arteries and veins is less pronounced, whereas in the north, people have distinctly red and blue blood vessels. The difference between red and blue blood vessels diminishes the further one travels into hot regions. The less a person has differentiated between these two types—arterial blood and venous blood—the more deeply their astral body, and thus their current “I” configuration, is immersed within their “I”; we find more of the “I” the more we move into hotter climates. It is interesting that even the external geographical distribution is related to what, simply from a geographical standpoint, makes a person more of an “I” or more of an astral body.
[ 31 ] Und so sieht man, daß, wenn man die Geschichte verfolgt, man die äußeren Kräfte der Geschichte nur erkennen kann, wenn man weiß, bei der oder jener Menschenzusammenfassung findet man mehr das Astralische tätig, bei der andern Menschenzusammenfassung findet man mehr das Ich-Wesen tätig. Erst wenn man astralisches Wesen und Ich-Wesen kennt, kann man dietreibenden Kräfte der Geschichte eigentlich verfolgen, während das, was in den Geschichtsbüchern heute steht, eben so ist, als wenn da ein unwissender Diener irgendwo in einem Telegraphenbüro aus seinem Wissen heraus ein Buch über die elektrische Telegraphie schreibt, weil er sich sagt: Ich kann das besser als diejenigen, die das gelernt haben, denn ich bin immer dabei gewesen. So ungefähr sind die Geschichtsschreiber, die in der heutigen Zeit leben, bei den Tatsachen dabei. Derjenige ist erst bei den Tatsachen der Geschichte dabei, der die inneren wirksamen Kräfte kennt. Die kann man aber nur aus der inneren Erkenntnis des Menschenwesens heraus schöpfen. Und ebenso nur kann man Geographie kennenlernen. Die Geographie zeigt uns, daß die Menschen nach Rassen über die verschiedenen Gebiete der Erde verteiltsind. Ja, die Rassen unterscheiden sich nicht bloß durch die Haarfarbe und durch die Nasenkonfiguration, sondern sie unterscheiden sich durch die Art und Weise, wie ätherische, astralische und Ich-Wesenheit in den Menschen eingegliedert sind. Das alles kommt aus dem Geistigen heraus.
[ 31 ] And so one sees that, when following the course of history, one can only recognize the external forces of history if one knows that in one group of people the astral is more active, while in another group the ego is more active. Only when one understands the astral nature and the “I” nature can one truly trace the driving forces of history, whereas what is written in history books today is just as if an uninformed clerk somewhere in a telegraph office were to write a book on electric telegraphy based on his own knowledge, telling himself: “I can do this better than those who have studied it, because I’ve always been there.” That is roughly how historians living in the present day relate to the facts. Only those who know the inner, active forces are truly in touch with the facts of history. But these can be drawn only from an inner understanding of the human being. And in the same way, one can only come to know geography. Geography shows us that human beings are distributed across the various regions of the Earth according to race. Indeed, the races differ not merely in hair color and the shape of the nose, but in the way in which the etheric, astral, and ego-beings are integrated within the human being. All of this arises from the spiritual realm.
[ 32 ] Und in den Zeiten, von denen ich jetzt gesprochen habe, um eine Jahrhundertbetrachtung anzustellen, richteten sich die Menschen auch bei dem, was sie willkürlich als Vereinigung bildeten, nach den geistigen, in den verschiedenen Gegenden wirksamen Impulsen. In Nordfrankreich wird dasjenige gesucht, was mehr aus dem Astralischen heraus wirkt, in Südfrankreich eher das, was mehr aus dem Ich heraus wirkt.
[ 32 ] And during the periods I have just described—in order to provide a century-long perspective—people also aligned themselves, even in the associations they formed arbitrarily, with the spiritual impulses at work in the various regions. In northern France, people seek what acts more from the astral realm, while in southern France they tend to seek what acts more from the “I.”
[ 33 ] Aber daß die Menschheit ein Ganzes werde über die Erde hin, müssen diese Differenzen sich wiederum miteinander vermischen. Und daher sehen wir: Je länger diese Vereinigungen bestehen, desto mehr schleifen sich Gemeinschaftsgegensätze ab, vermischen sich diese Angehörigen untereinander. Am letzten Ende des 18. Jahrhunderts oder vor der Französischen Revolution finden wir, wie mit ungeheurem Enthusiasmus und wahrer Wut und Emotion so mancher zu seiner Vereinigung gehört, wie er allen Ehrgeiz da hineinsetzt, wenn er «Gavot» ist, zu siegen auf geistige Weise, wenn er «D&vorant» ist, zu siegen mit dem Knüppel in der Hand. Aber es wird das ganze Menschentum eingesetzt, um in würdiger, in rechter Weise in einer solchen selbstgemachten Vereinigung drinnen zu stehen. Diese Vereinigungen rechnen mit dem, was über die Erde hin in geistiger Weise an Impulsen ausgebreitet ist.
[ 33 ] But for humanity to become a unified whole across the earth, these differences must in turn blend together. And so we see: the longer these unions endure, the more communal divisions are worn down, and the more these members intermingle with one another. At the very end of the 18th century, or before the French Revolution, we find how, with immense enthusiasm and true fury and emotion, many belonged to their respective associations, pouring all their ambition into them—if they were “Gavots,” to triumph intellectually; if they were “D’avant,” to triumph with a club in hand. But one’s entire humanity is brought to bear in order to stand within such a self-created association in a dignified and proper manner. These associations draw upon the spiritual impulses that are spread across the earth.
[ 34 ] An solchen Dingen zeigt sich uns, wie rasch es mit der Veränderung der menschlichen Seelenverfassung im Laufe der Zeiten geht. Die Menschen leben so blind dahin, indem sie eigentlich glauben: Wie ich lebe, hat eben mein Vater gelebt. Das mag ja für die jetzigen Zeiten noch richtig sein, obwohl, wer Kinder heute kennt, ganz gut weiß, daß die nicht so in ihrer Seele geartet sind, wie die Väter geartet waren, als sie noch in demselben Alter waren und so weiter. Aber wenn man nun noch um ein Jahrhundert zurückgeht, gerade dort, wo um die Mitte des 19. Jahrhunderts jener gewaltige Umschwung stattgefunden hat, dann findet man, welcher ungeheure Unterschied in der Konfiguration der menschlichen sozialen Bindungen eingetreten ist.
[ 34 ] Such things show us how rapidly the human state of mind changes over the course of time. People go through life so blindly, believing that the way they live is simply the way their fathers lived. That may still be true for the present day, although anyone who knows children today knows full well that they are not of the same disposition in their souls as their fathers were when they were the same age, and so on. But if we go back another century—precisely to the mid-19th century, when that tremendous upheaval took place—we find what an immense difference has occurred in the configuration of human social bonds.
[ 35 ] Und diese Umgestaltung des sozialen Wesens, das ist Geschichte, nicht das, was man in Archiven findet. Und man kann wirklich, sagen wir, aus dem schlichten Büchlein, das ein Tischlergeselle, ich glaube 1821, geschrieben hat als eine Art Katechismus für seine wandernden Gesellen, wo nur äußerlich angeführt ist, wie es einem da ergeht, wie man reisen soll und dergleichen, man kann aus diesem schlichten Büchlein außerordentlich viel Geschichtliches lernen, wenn man in der Lage ist, aus dem Äußeren auf die historischen Hintergründe zu kommen.
[ 35 ] And this transformation of social life—that is history, not what one finds in archives. And one can truly, let’s say, from the simple little book that a journeyman carpenter, I believe in 1821, as a sort of catechism for his traveling journeymen—in which only the outward details are mentioned, such as what life is like there, how one should travel, and the like—one can learn an extraordinary amount about history from this simple little book, if one is able to deduce the historical context from the outward details.
[ 36 ] Sie sehen, auch im einzelnen werden die Dinge so gestaltet, daß auch Geschichte in Realität nur belebt werden kann von der Geisteswissenschaft aus. Und deshalb ist Geisteswissenschaft nicht eine Vermehrung von Erkenntnissen, nicht etwas, das eine gerade Fortsetzung dessen bilden würde, was man heute in den Schulen gewöhnt ist zu lernen, sondern Geisteswissenschaft ist nur zu vergleichen mit einem Wachwerden über die Welt, mit einem Aufwachen. Die andere Wissenschaft — und das können wir ja als unser Geheimnis betrachten — kann man eher vergleichen mit einem Ziehen der Schlafmütze tief über die Ohren herunter. Aber Anthroposophie soll ein wirkliches Aufwachen sein. Daher weckt sie auch über die historischen Verhältnisse auf.
[ 36 ] You see, even in the details, things are structured in such a way that history, too, can in reality only be brought to life through spiritual science. And that is why spiritual science is not an accumulation of knowledge, not something that would simply be a continuation of what we are accustomed to learning in schools today; rather, spiritual science can only be compared to a coming to life in relation to the world, to an awakening. The other science—and we can indeed regard this as our secret—can be compared more to pulling one’s nightcap down tightly over one’s ears. But anthroposophy is meant to be a true awakening. That is why it also awakens us to historical conditions.
[ 37 ] Damit wollte ich heute, gerade im Jahre 1923, in bezug auf einzelne konkrete Tatsachen einen Anfang machen mit einer Jahrhundertbetrachtung, die perspektivisch zurückgehen wollte bis eben 1823. Der Roman der George Sand kann nur eine äußere Veranlassung sein, denn sie hatte natürlich keine Ahnung von diesen geistigen Hintergründen. Aber sie hat mit einer gewissen instinktiven Genialität das Jahr 1823, überhaupt jene Zeit in großartiger Weise hingestellt, so daß man sich angeregt fühlt, gerade die Betrachtungen von 1823 bis 1923 fortzusetzen.
[ 37 ] With this, I wanted to begin today—precisely in the year 1923—a century-long reflection on specific, concrete facts, one that would look back in perspective all the way to 1823. George Sand’s novel can only be an external impetus, for she naturally had no idea of these intellectual backgrounds. But with a certain instinctive genius, she portrayed the year 1823—and that era in general—in such a magnificent way that one feels inspired to continue this reflection from 1823 to 1923.

