Three Perspectives of Anthroposophy
Cultural Phenomena
from the Perspective of Spiritual Science
GA 225
22 September 1923, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The World of Dreams as a Bridge, tr. Watkin
11. Die Traumeswelt als eine Übergangsströmung zwischen der physisch-natürlichen Welt und der Welt der sittlichen Anschauungen
Dreams as a Bridge between the Physical World
[ 1 ] Wenn man das, was man als die Stufen des Weges in die geistige Welt hinein kennenlernen kann, einordnen will in dasjenige, was einem aus dem gewöhnlichen Leben schon bekannt ist, so handelt es sich darum, daß man die drei Bewußtseinszustände, in denen der Mensch schon im gewöhnlichen Leben ist, in der richtigen Weise zu beurteilen vermag. Diese drei Bewußtseinszustände haben wir ja immer wiederum beschrieben: Wachen, Träumen, Schlafen. Und wir wissen auch, wie eigentlich ein wirkliches Wachen für den Menschen nur vorhanden ist in seinem Denken, in seinem Vorstellen, wie schon das Gefühl so wirkt, daß es zwar in seinen Erlebnissen anders aussieht als die Traumeswelt, daß es aber doch in seiner ganzen Verfassung, in der Art und Weise, wie es zum Menschen steht, gleich ist der Traumeswelt. Man erlebt die Gefühle im gewöhnlichen Bewußtsein in einer ebenso unbestimmten Art wie die Träume, aber nicht nur in einer so unbestimmten Art, sondern gewissermaßen auch in einem solchen Zusammenhang wie die Träume.
[ 1 ] If we want to give its proper place among familiar things of life to what we come to know as stages on the road into the spiritual world, it is important first to have the right conception of the three states of our ordinary human consciousness. These three states – waking, dreaming, sleeping – we have described over and over again. And we know how the human being is fully awake only in his thinking, in his conceptual faculty; how feeling, although its experience appears to differ from that of dreams, in the whole mood of its relation to a man is yet of the same nature. In ordinary consciousness feelings are experienced in just as vague a way as are dreams – not only that, but they seem to be connected in a similar manner.
[ 2 ] Der Traum reiht Bild an Bild. Er kümmert sich nicht, indem er Bild an Bild reiht, um die Zusammenhänge in der Außenwelt. Er hat seine eigenen Zusammenhänge. Ebenso ist es im Grunde genommen mit der Gefühlswelt. Und derjenige Mensch, der für das gewöhnliche Bewußtsein eine solche Gefühlswelt hätte, wie er eine Vorstellungswelt hat, der wäre ja ein furchtbarer Nüchterling, ein schrecklich trockener, eisiger Mensch. In der Vorstellungswelt, also im vollständigen Wachsein, muß man auf das sehen, was im gewöhnlichen Sinne die Logik ist. Man würde unmöglich im eigentlichen Leben weiterkommen, wenn man alles das auch so fühlen würde, wie man es denkt.
[ 2 ] The dream produces picture after picture without any regard for connections in the external world. It has its own connections. On the whole the same is true of the world of feeling. And anyone whose world of feeling in ordinary consciousness is of the same kind as his conceptual world, is terribly prosaic, dreadfully dried up and frigid. In the conceptual world when we are fully awake we must have an eye to what in the ordinary sense is logical; but we should never get anywhere in real life were we to feel in the way we think.
[ 3 ] Und dann haben wir ja öfter erwähnt: Der Wille, der taucht aus verborgenen Tiefen des Menschendaseins auf. Er kann vorgestellt werden, aber sein eigentliches Wesen, wie es da wirkt und webt im menschlichen Organismus, das bleibt eigentlich dem Menschen so unbekannt oder unbewußt wie die Erlebnisse des Schlafes selber. Und es wäre auch zunächst für den Menschen in einer außerordentlich starken Weise bestürzend, wenn er dasjenige erleben würde, was der Wille eigentlich tut.
[ 3 ] Then – as we have often said – there rises up from a man’s hidden depths, the will. It is possible to have some conception of it, but its essential being, how it works and weaves in the human organism, is something of which a man remains as ignorant, or as unconscious, as of his dream experience. It would be profoundly disturbing for him were he to experience what his will is actually doing.
[ 4 ] Der Wille ist in Wirklichkeit ein Verbrennungsprozeß, ein Aufzehrungsprozeß. Und immer wahrzunehmen, wie eigentlich im Wollen man seinen Organismus aufzehrt, das Aufgezehrte immer wieder ersetzen muß durch Nahrung oder Schlaf, das wäre, wenn es das ganze Wachleben begleiten würde, eben zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein kein ganz behaglicher Prozeß.
[ 4 ] In reality the will is a burning, consuming process. And for a man throughout his waking life always to be perceiving how in his willing he actually consumes his organism and, by food or sleep, has to replace what is thus consumed, would in ordinary consciousness certainly not conduce to his comfort.
[ 5 ] Nun können wir also in einem gewissen Sinne nebeneinanderstellen die Gefühlswelt des Menschen im Wachzustande, gewissermaßen das wachende Träumen, und die Traumwelt im schlummertrunkenen oder halbschlafenden Zustande, in ihren Bildern, mehr so, daß der Mensch diese Bilder ja zunächst nicht als Ich empfindet, sondern als etwas, was Außenwelt ist. Der träumende Mensch empfindet das, was sich als Traumbilder abspielt, so stark sogar als eine Außenwelt, daß er zuweilen sich selber innerhalb dieser Traumbilder wahrnehmen kann.
[ 5 ] Now, with regard to their pictures, we can to a certain extent compare a man's feeling world in his waking state, in his waking dreams, with the dream-world when he is either in deep sleep or halfway there. In this way we find that a man does not perceive these pictures as belonging to his ego but as part of the external world. While dreaming, he has so strong an impression of the action of the dream-picture being the world outside, that, at times, he can even perceive himself in the picture.
[ 6 ] Was uns aber heute an diesen Traumbildern besonders interessieren soll, das ist dieses: Nicht wahr, wir durchleben das gewöhnliche Leben, Erlebnis stellt sich neben Erlebnis hin. Der Traum schüttelt diese Erlebnisse durcheinander. Er beachtet wenig, was der Mensch im wachenden Dasein als Zusammenhang der Erlebnisse hat. Er ist ein Dichter, der die merkwürdigsten Neigungen entfaltet.
[ 6 ] Today the following should be of particular interest to us. We go through ordinary life having one experience after another, and our dreams shake up all these experiences together, paying little heed to the connection between them which holds good for a man when awake. The dream becomes a poet developing the strangest tendencies.
[ 7 ] Ein Philosoph erzählte von sich, er träume sehr häufig, daß er ein Buch geschrieben habe, das er in Wirklichkeit nicht geschrieben hat, aber im Traum glaubte er, daß er das Buch geschrieben habe, das Buch, das besser sei als alle seine übrigen Bücher. Doch gleichzeitig träumt ihm, daß das Manuskript verlorengegangen ist. Er kann es nicht finden, er hat es verlegt. Und nun eilt er von Schublade zu Schublade, alles durchsucht er im Traum, er findet das Manuskript nicht. Es beschleicht ihn im Traum ein ungeheuer unbehagliches Gefühl, daß er just dieses Manuskript seines allerbesten Buches verloren habe und vielleicht nicht wieder finden könne. Über diesem Unbehagen wacht er dann auf. Natürlich ist das schon ein Erlebnis, gerade bei dem Philosophen, den ich meine, der viele Bücher geschrieben hat. Sie sind in so großer Anzahl erschienen, daß einmal, als ich einen Besuch bei diesem Philosophen machte, wo auch die Frau des Philosophen anwesend war, mir die Frau sagte: Ja, mein Mann, der schreibt so viele Bücher, daß immer eines dem anderen Konkurrenz macht.
[ 7 ] A philosopher, describing his own experience, once said that he constantly dreamed he had written a book. He had not really written it but when dreaming thought he had, thought too that it was a better book than any of his others. But he dreamed the manuscript was lost. It was mislaid and he could not find it. In his dream he hurriedly searched everywhere, without success. A terribly uneasy feeling grew upon him that the manuscript of his best book might be irretrievably lost. In the midst of his discomfort he woke up. In the particular case of this philosopher this was a natural experience, for he had published a great many books. So great was their number that once when I went to see him, and his wife happened to be in the room, she told me he had written so many that the success of one was detrimental to the others.
[ 8 ] Es war nämlich im Hause dieses Philosophen immer auch ein merkwürdig praktischer Sinn, so daß ich einmal, als ich mit einem Verleger einen Besuch machte bei diesem Philosophen, eigentlich etwas ärgerlich wurde, denn ich wollte mit ihm erkenntnistheoretische Probleme besprechen. Nun hatte ich den Verleger mitgeschleppt, eigentlich hatte er sich mitgeschleppt, und der Philosoph fing nun gleich an: Können Sie aus Ihrer Sachkenntnis heraus mir sagen, ob sehr viele Exemplare dieses oder jenes Werkes — welches, habe ich jetzt vergessen — von mir bei den Antiquaren zu haben sind? — Also es war ein sehr praktischer Sinn gerade im Hause dieses Philosophen. Ich will das gar nicht verachten, ich erzähle es nur als etwas Charakteristisches. Nun, irgendein anderer hätte vielleicht etwas anderes geträumt, was ebenso die Erlebnisse ins Phantastische koloriert.
[ 8 ] In this philosopher’s house you always felt a remarkably practical atmosphere. On another occasion, when I called on him with a publisher, wanting to discuss an epistemological problem, this rather annoyed me. I had insisted on the publisher coming in with me – or, rather, he had insisted upon it himself – and the moment the philosopher saw him, he began: As an expert can you tell me how many copies of my book (I cannot remember which) are to be found in second-hand bookshops? – You see what a sense of the practical there was in this philosopher's house! I have no wish to be scornful; I am merely giving you a characteristic example. Others, too, may have had dreams in which their experiences appeared in fanciful guise.
[ 9 ] Es wird jeder wissen können, daß der Traum nicht so vor sich geht wie das äußere Erleben, sondern daß andere Zusammenhänge geschaffen werden im Traume. Aber auf der anderen Seite wird auch das jeder wissen können, wie der Traum doch in einem innigen Zusammenhange steht mit dem, was der Mensch eigentlich ist. Es ist ja tatsächlich so, daß viele Träume eigentlich nur Abspiegelungen sogar des körperlichen menschlichen Inneren sind, und man webt schon im Traume als in etwas, das mit einem in einem innigen Zusammenhange steht.
[ 9 ] Everybody knows that in dreams things do not take the same course as in our ordinary experience; the connections in them are different. On the other hand, it is easy to see how intimately related the dream is to the characteristics of the dreamer. It is a fact that many dreams are actual reflections of what is going on within our body, and we move about in our dreams as if in a perfectly familiar element.
[ 10 ] Nun wird man ja nach und nach wirklich gewahr, wie der Traum die Erlebnisse in seiner Art zusammenstellt. Wenn man sich das ganz deutlich vorhält, so kommt man allmählich darauf zu wissen, in diesem Träumen lebt man doch selbst. Nur lebt man in diesem Träumen eben in den Zeiten, wo man entweder gerade herausgeht aus dem physischen Leib und dem Ätherleib oder wo man wiederum hinein zurückkehrt. Immer in diesen Übergängen zwischen Wachen und Schlafen, Schlafen und Wachen spielt sich eigentlich der Traum ab. Ich habe wiederholt Beispiele angeführt, die zeigen, daß das Hauptsächlichste des Traumes sich während des Aufwachens und Einschlafens abspielt. Ich habe ja unter den charakteristischen Beispielen dieses angeführt — Sie erinnern sich daran —, wie ein Student träumt, daß zwei Studenten an der Türe eines Hörsaales stehen. Da sagt der eine etwas zu dem anderen, was nach dem Ding, das man Komment nennt, unbedingt Satisfaktion fordert. Es kommt zum Duell. Es wird alles lebendig geträumt, das Hinausgehen zum Duell, zuerst noch das Wählen der Sekundanten und so weiter, bis es zum Losschießen kommt. Er hört noch den Knall, aber es verwandelt sich der Knall sofort, indem er aufwacht, in den Schlag, den ein Stuhl, den er in diesem Momente umgeworten hat, gemacht hat. Also in diesem Momente wacht er ja schon auf. Dieser Fall des Stuhles hat den ganzen Traum ausgelöst. Der Traum verfließt also im Momente des Aufwachens, stellt sich nur so, da er seine eigene Zeit in sich hat, also nicht etwa die Zeit, die er dauern würde. Manche Träume dauern ja nach ihrer inneren Zeit so lange, daß man gar nicht so lange schläft, als man schlafen müßte, wenn der Traum die Zeit, die er in sich trägt, entsprechend dauern würde. Dennoch, der Traum steht in innigem Zusammenhange mit dem, was der Mensch innerlich erlebt, aber innerlich erlebt bis in seinen physischen Leib hinunter.
[ 10 ] Little by little we become aware that the dream has its own way of grouping experiences. By thinking clearly we gradually learn how we actually live in our dreams; we live there when on the point of leaving our physical and etheric bodies or at the moment of return. It is always on the transition from waking to sleeping, or from sleeping to waking, that the dream really takes place. I have frequently given you examples showing that even our dreams of greatest import take place when we are either waking up or on the point of falling asleep. Among these examples you may remember the dream of a student: how he dreamed that two students were standing at the door of a lecture-room, when one of them said something to the other which, according to the students' code in Germany, demanded satisfaction, and how it came to a duel. The whole dream was very vivid – the setting out for the scene of action after the due appointment of seconds, and so on, up to the very moment of firing. The dreamer hears the report which, as he now wakes up, changes into the noise of a failing chair that he himself has overturned. By this time he is fully awake, for the fall of the chair has cut short the dream. Thus the dream has taken place at the very moment of waking, containing within it its own time, not the time of its actual duration. According to their own inner time dreams often last so long that no one would ever sleep to that extent. Yet the dream maintains a close connection with what the sleeper is inwardly experiencing – the experience going right into his physical body.
[ 11 ] Solche Dinge haben ja die Menschen der älteren Zeiten recht gut gewußt, und für eine gewisse Art von Träumen — Sie können das selbst in der Bibel lesen — sagten die alten Juden: Gott hat dich in deinen Nieren gestraft. — Man wußte also, daß mit der Funktion der Niere eine ganz bestimmte Art von Träumen zusammenhängt. Auf der anderen Seite brauchen Sie ja nur so etwas wie «Die Seherin von Prevorst» nachzulesen, und Sie werden finden, wie Menschen tatsächlich die Schadhaftigkeit ihrer Organe aus dem Traum beschreiben, Menschen, die besonders dazu veranlagt sind, so daß also irgendein krankhaftes Organ symbolisch in mächtigen Bildern zur Anschauung kommt, was dazu führen kann, daß dann sich neben dieses krankhafte Organ zugleich das Heilmittel hinstellt. In älteren Zeiten wurde dies sogar benützt, um in einer gewissen Beziehung den Kranken selbst dazu zu veranlassen, sein Heilmittel aus seiner eigenen Traumeserklärung anzugeben. Und dasjenige, was in dem Berechtigten des Tempelschlafes geübt wurde, muß nach dieser Richtung hin auch studiert werden.
[ 11 ] The men of old knew quite well about such things, and a certain kind of dream was said by the old Jews to be God's punishment of a man "in his reins". Thus there was known to be a connection between the functioning of the kidneys and certain dreams. On the other hand, you have only to read a book like "The Seer of Prevorst" to find there how out of dreams people described what was wrong with their organs. Such men have a special gift for perceiving, symbolically in mighty pictures, any defective organs, so that beside it the cure can be seen. In those days this was made use of to encourage the sick person himself, out of the explanation of his dream, to prescribe his own remedy. On this point we should also study what was the authorised practice in the Temple-sleep.
[ 12 ] Wenn man dieses ganze Verhältnis des Traumes zu den äußeren Erlebnissen sich anschaut, muß man eben sagen: Der Traum protestiert gegen die Naturgesetze. Nach Naturgesetzen leben wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Der Traum kehrt sich nicht an diese Naturgesetze. Der Traum dreht gewissermaßen den Naturgesetzen eine Nase. Und das, was als Naturgesetze für die äußere physische Welt erforscht wird, ist nicht die Gesetzmäßigkeit des Traumes. Der Traum hat in sich einen lebendigen Protest gegen die Naturgesetze. Frägt man auf der einen Seite die Natur, was wahr ist, so antwortet sie in Naturgesetzen. Frägt man den Traum, was wahr ist, so antwortet er nicht in Naturgesetzen. Und derjenige, der nach den Naturgesetzen einen Traumverlauf beurteilt, wird eben sagen, der Traum lügt. In diesem gewöhnlichen Sinn lügt er ja auch. Aber er kommt heran, dieser Traum, an das Geistig-Übersinnliche im Menschen, wenn auch die Bilder des Traumes dem Unterbewußtsein, wie man abstrakt sagen kann, angehören, und man beurteilt ihn nicht richtig, wenn man nicht weiß, er kommt an die innere geistige Wirklichkeit des Menschen heran.
[ 12 ] When we consider the relation of the dream to our ordinary experience, the dream must be said to be a protest against the laws of nature, the laws according to which we live from the moment of waking till we go to sleep. The dream pays no heed to those laws – it makes them appear foolish. And what for the external, physical world is found to be natural law is no law for the dream, which is in itself a living protest against it. If we ask of nature on the one hand what the facts are, she will answer in accordance with natural law; but if we ask the same question of the dream, the answer will be different. Anyone who judges the course of a dream in accordance with natural law will say there is no truth in the dream – which is so, indeed, in the ordinary sense. But the dream approaches the supersensible, the spiritual, in a man, even though its pictures belong – to speak in the abstract – to his subconscious. We shall not judge correctly unless we realise that the dream has to do with a man's inner spiritual reality.
[ 13 ] Nun, das ist aber bereits etwas, was in unserer Zeit schwer zugegeben wird. Man will den Traum verabstrahieren. Man will ihn nur seiner Phantastik nach beurteilen. Man will nicht darauf sehen, daß man doch im Traume etwas vor sich hat, was mit dem Inneren des Menschen in einem Zusammenhang steht. Nicht wahr, wenn der Traum in einem gewissen Sinne mit dem Innern des Menschen in einem Zusammenhang steht und gegen die Naturgesetze protestiert, dann ist das ein Zeichen dafür, daß das Innere des Menschen selber etwas ist, was gegen die Naturgesetze protestiert.
[ 13 ] Now this is something people are slow to admit; they want to make an abstraction of the dream, to judge it only according to its fantastic character. They refuse to recognise it as something connected with the inner nature of man. And if the dream has this connection and it protests against nature’s laws, surely this is a sign that man's inner nature does the same itself.
[ 14 ] Ich bitte Sie, aufzufassen, daß dies ein gewichtiges Wort ist, daß, wenn man an den Menschen herankommt, sein Inneres eigentlich gegen die Naturgesetze protestiert. Denn was bedeutet das?
[ 14 ] I beg you to grasp the importance of this – that, when we come to the real man, what is within him protests against the laws of nature. Now what does this signify?
[ 15 ] Wenn heute die naturforscherische Denkungsweise aus dem, was draußen in der Natur ist, laboratoriumsgemäß die Naturgesetze beobachtet, dann tritt diese naturforscherische Weltanschauung auch an den Menschen heran und behandelt ihn so, wie wenn sich die Naturgesetze in ihm auch in seinem Inneren, ich möchte besser anschaulich sagen, im Innern seiner Haut fortsetzen würden. Das ist aber gar nicht der Fall. Diesem Innern steht der Traum mit seiner Verleugnung der Naturgesetze viel näher als die Naturgesetze; das menschliche Innere ist so, daß es eben nicht nach Naturgesetzen handelt und seine Tätigkeiten entfaltet. Dafür ist der Traum, der in gewissem Sinne in seiner Zusammenstellung ein Abbild dieses menschlichen Inneren ist, ein Zeugnis. Und für den, der dies versteht, ist es einfach so, daß er sagen muß, es ist eigentlich ein Unding, zu glauben, daß innerhalb des Herzens, der Leber, dieselben Gesetze herrschen wie äußerlich in der Natur. Zu der äußeren Natur gehört die Logik. Zu dem Innern des Menschen gehört der Traum, und wer den Traum phantastisch nennt, der soll nun auch gleich das menschliche Innere phantastisch nennen. Er kann das ja empfinden; denn wie dieses menschliche Innere verläuft zwischen Geburt und Tod hier im irdischen Leben, wo aus irgendeiner Ecke eine Krankheit auftaucht, aus einer anderen Ecke ein Wohlbefinden, das ist dem 'I’raum viel ähnlicher als der äußeren Logik. Aber unserer heutigen Denkweise fehlt ganz und gar diese Art, an das menschliche Innere heranzukommen, denn unsere heutige Denkweise ist ganz eingesponnen in dem, was man beobachtend in der äußeren Natur oder im Laboratorium vollführt. Man will durchaus das auch im menschlichen Inneren finden.
[ 15 ] Today natural law is studied from nature around us, in the scientific way customary in the laboratory, and we find the same world-outlook extended to the investigation of man himself. He is treated as if natural law held good within him – as if it continued to do so inside his skin. But that is not by any means the case. The dream with its rejection of natural law is far nearer to what is within a man than the natural law itself. The inner human being does not act according to natural law. The dream, which in its composition is an image of what is within man, is evidence of this. Anyone who understands this is bound to call it nonsensical to believe that within the heart, within the liver, the same laws hold sway as those in nature outside. Logic belongs to external nature; to what is within man belongs the dream. And whoever calls the dream fantastic should also speak of man's inner nature in the same way. This can be actually perceived. For in the course it takes during earthly life, between birth and death, when sickness arises in one part, well-being in another, the inner nature of man is far more like a dream than like ordinary logic. Our present mode of thinking, however, has no such approach as this to what a man has within him, but is utterly given up as people are to their observations of nature outside or in the laboratory; and what they observe in this way they would like to find repeated in human beings.
[ 16 ] In dieser Beziehung ist ja wirklich von einer großen Bedeutung, daß man zum Beispiel wissen lernt, wie die Art, wie heute oftmals dasjenige, was im Physischen des Menschen eine Rolle spielt, von der Wissenschaft behandelt wird. Man weiß, zum menschlichen Le ben gehört Eiweiß, gehören Fette, gehören Kohlehydrate und gehören Salze — im wesentlichen natürlich. Das weiß man. Was tut nun die Wissenschaft? Sie analysiert das Eiweiß, findet darin soundso viel Sauerstoff, soundso viel Stickstoff, soundso viel Kohlenstoff prozentual; sie analysiert die Fette, die Kohlehydrate und so weiter. Man weiß jetzt, wie viel da in allem drinnen ist. Aber Sie lernen aus einer solchen Analyse niemals, welchen Einfluß zum Beispiel die Kartoffel in der europäischen Kultur gespielt hat. Es ist auch wenig die Rede von diesem Einfluß der Kartoffelnahrung auf die europäische Kultur, denn aus dieser Analyse, wo Sie einfach finden, wie anders Kohlenstoff, Stickstoff und so weiter verteilt sind in dem einen Nahrungsmittel und in dem andern, finden Sie niemals heraus, warum zum Beispiel Roggen vorzugsweise durch die Kräfte des Unterleibes verdaut wird, dagegen die Kartoffel bis ins Gehirn herauf Kräfte zu ihrer Verdauung in Anspruch nimmt, so daß der Mensch, wenn er übermäßig Kartoffel ißt, sein Gehirn dazu verwenden muß, die Kartoffel zu verdauen, daher ihm etwas von der Gehirnkraft verlorengeht für das Denken.
[ 16 ] It is of great importance in this respect to realise for example, how science today often treats what has a part in a man's physical make-up. Albumen is known to play a part in his life, fats, carbohydrates and salts – in essentials, naturally. That is well-known. Now what does science do? The scientist analyses the albumen, finding in it a certain percentage of oxygen, a certain percentage of nitrogen, a certain percentage of carbon and hydrogen; he analyses the fats, carbohydrates and so on. He then knows how much of all these the man contains. But from such an analysis scientists never learn what effect, for example, the potato has had upon European culture. There is hardly any mention of the influence that potatoes in the diet have had on the cultural life of Europe. For this analysis, by which you simply discover the various amounts of oxygen, nitrogen and so on, in one food or another never shows you how, for instance, rye is digested mainly by the lower bodily forces whereas the digestion of potatoes calls upon forces which are right up in the brain. This means that anyone who consumes an undue amount of potato has to use up his brain in the process of digestion, and thus partly deprives his thinking of brain-force.
[ 17 ] Gerade an solchen Dingen merkt man, wie weder die heutige materialistisch gesinnte Wissenschaft noch die mehr theologisch gefärbten Anschauungen an die Wahrheit herankommen. Die Wissenschaft beschreibt die Nahrungsmittel ungefähr so, wie wenn ich eine Uhr beschreiben wollte, und nun fange ich an: Das Silber wird im Silberbergwerk gewonnen; das macht man so und so. Dann lädt man das Silber auf, man verfrachtet es in die Städte und so weiter. Aber man macht halt beim Uhrmacher. In dessen Werkstätte schaut man nicht mehr hinein. Dann, nicht wahr, beschreibt man vielleicht das Zifferblatt aus Porzellan, wie das Porzellan fabriziert wird. Wiederum macht man halt vor der Werkstätte des Uhrmachers. So verfährt die heutige Wissenschaft mit den Nahrungsmitteln. Sie analysiert sie. Damit sagt sie etwas, was eigentlich für die Bedeutung der Nahrungsmittel im menschlischen Organismus gar nichts gibt, denn es ist ein großer Unterschied, trotz aller Analyse, ob man von irgend etwas die Frucht genießt, zum Beispiel von Roggen oder Weizen, oder ob man die Knollen genießt, wie bei den Kartoffeln.
[ 17 ] Such matters as these show that neither our materialistically-minded science nor a more theological outlook arrives at the truth. When science gives an account of our food it is as if I were to describe a watch by saying: The silver is procured from a silver mine, in such and such a way; it is then loaded up and conveyed to various towns, and so on. – But when it gets to the watchmaker there is a full-stop; and what goes on in his workshop does not come into the picture. Perhaps the porcelain dial may be described, how porcelain is made, but again nothing is said of what goes on in the workshop. This is how food today is treated by science; it is just analysed. For what science tells us is actually worthless as regards the effect of the various nutriments on the human organism. In spite of any analysis there is a great difference between eating the fruits, say of rye or wheat, and eating tubers – as in the case of potatoes.
[ 18 ] Knollen fügen sich in den menschlichen Organismus ganz anders ein als die Früchte, als die Samen. So kann man wirklich sagen, diese heutige Denkweise durchschaut gar nicht mehr das materielle Dasein. Daher ist der Materialismus diejenige Weltanschauung, die die Materieinihren Wirkungen gar nicht kennt. Da muß schon die Geisteswissenschaft hineinleuchten, damit man die Materie kennenlernt. Deshalb sagen die materialistisch wissenschaftlich Gesinnten: Die Anthroposophie ist phantastisch geistig. Und diejenigen, die Theosophie oder Theologie haben und stehenbleiben wollen beim abgezogenen Geist, der niemals zum wirklichen Schaffen kommt, bei dem es niemals so weit kommt, daß er nun wirklich zeigt, wie er eingreift als Geist in die materiellen Wirkungen, die sagen, die Anthroposophie ist matersalistisch, weil sie ihre Erkenntnisse bis zu der Materie hinbringt.
[ 18 ] In the human organism there is quite a difference between the absorption of tubers and that of fruits or seeds. It can really be said of our present mode of thinking that it no longer goes to the heart of material existence. Materialism is therefore a world-conception with absolutely no knowledge of the working of matter, and we have to gain that knowledge by the light of spiritual science. Therefore those whose attitude is that of materialistic science say: Anthroposophy is spiritual to a fantastic degree. On the other hand, theosophists or theologians are content with abstract spirit that is never actively creative and does not show any real connection with material activity; and these call Anthroposophy materialistic because it extends its knowledge to what is material.
[ 19 ] Und so wird man eigentlich angegriffen von zwei Fronten her, sowohl von denen, die alles ideell abstrakt behandeln, wie von denen, die alles materiell behandeln. Aber die einen, die alles ideell abstrakt behandeln, lernen den Geist nicht kennen, und die anderen, die alles materiell behandeln, lernen die Materie nicht kennen. Auf diese Weise bildet sich heute immer mehr und mehr eine Denkweise heraus, die an den Menschen gar nicht heran kann.
[ 19 ] Thus we find ourselves caught up between two factions: those who treat everything ideally, in the abstract, and those who deal with everything materialistically. The former learn nothing about the spirit, the latter never know anything about the material. On these lines today, a way of thinking is developing which is quite unable to approach man himself.
[ 20 ] Nun hat sich aber eigentlich doch in der letzten Zeit innerhalb unserer geistigen Entwickelung etwas sehr Merkwürdiges zugetragen. Die Menschen können nicht mehr anders, als wenigstens die Nachtseiten des geistigen Lebens zuzugeben, wenn sie nicht ganz bockbeinig sein wollen. Und es ist ein charakteristisches Denkmal für die Art und Weise, wie so ganz in die Naturwissenschaft eingesponnene Menschen sich dann verhalten, wenn sie diese dunklen Gebiete des geistigen Lebens betreten, oder noch etwas anderes ich werde es gleich erwähnen — doch nicht ableugnen können.
[ 20 ] Now recently in our spiritual evolution something most remarkable has appeared. At least the nocturnal side of spiritual life can no longer be denied – unless people want to be pig-headed. It is characteristic of the way people steeped in natural science react when they meet the darker side of spiritual life – or something else I am going to discuss – which they are unable to deny.
[ 21 ] Ein denkwürdiges Beispiel dafür ist ja das Buch von Ludwig Staudenmaier: «Die Magie als experimentelle Wissenschaft». Es ist fast so, wie wenn man sagen würde: Die Nachtigall als Maschine. Aber immerhin, es konnte als etwas ganz Charakteristisches dieses Buch in unserer Zeit geschrieben werden.
[ 21 ] A noteworthy example of this is a book by Ludwig Staudenmaier – the (translated) title of which is "Magic as an Experimental Science". One might almost say: The nightingale as a machine. – Anyway this book is characteristic of our time.
[ 22 ] Wie verfährt nun dieser Mann eigentlich? Das Eigentümliche an ihm ist, daß ihn sein Leben dazu getrieben hat, daß das Magische experimentell herangekommen ist durch ihn selbst. Er mußte eines Tages anfangen, das ergab, ich möchte sagen, ein dunkles Schicksal, mit sich selbst zu experimentieren. Er konnte nicht leugnen nach manchem, was er erfahren hat, daß es zum Beispiel Schreibmedien gibt. Sie wissen, ich empfehle diese Dinge nicht und lege immer ihr Gefährliches dar; aber wenn nun da ist, was eben Schreibmedien tun, so kommt ja etwas höchst Merkwürdiges durch, wobei man wiederum sehr kritisch eben Wahrheit von Irrtum sondern muß. Nun ja, dieses Schreiben von Dingen, die der Mensch selber in dem Augenblick, wo er sie schreibt, nicht im Kopfe hat, dieses mediale Schreiben wurde für Staudenmaier ein experimentelles Problem, und er fing an, nun selber den Bleistift anzusetzen, und siehe da, da kamen Dinge heraus, die er so niemals gedacht hatte. Er schrieb die kuriosesten Dinge. Denken Sie, es ist auch eine Überraschung, wenn man ganz naturwissenschaftlich denkt und den Bleistift in die Hand nimmt, sich selber zum Schreibmedium macht und nun glaubt, das wird nicht gehen. Nun aber bekommt dieser Bleistift plötzlich Kraft, führt die Hand, schreibt allerlei auf, worüber man höchst erstaunt ist. Das ist Staudenmaier passiert.
[ 22 ] How, then, does this man go to work? In his case the peculiar feature is that his very way of life led him to experience magic in himself. And the day came when he felt impelled to start certain experiments on himself – which might be said to reveal the darkness of his destiny. He was unable to deny after these experiences of his that there is such a thing as automatic writing. You know that I never recommend anything of the kind, always describing it as dangerous. But when it comes to what these people have actually done, then we are faced by something exceedingly strange, and need all our critical faculty to distinguish the true from the false. Now this committing to writing of things never previously entering the writer's head, this automatic writing, became for Staudenmaier a problem on which to experiment. Accordingly he set himself down with a pencil, when, lo and behold, things burst forth to which he had never even given a thought, and what he wrote was indeed most peculiar! Just imagine how surprising it must be to a scientific thinker when, on taking up a pencil, he turns himself into an automatist, believing all the while that it cannot be done. But the pencil suddenly takes command, guiding his hand to write quite astonishing things. That is what happened to Staudenmaier.
[ 23 ] Und was ihn am meisten überrascht hat, das ist, daß dieser Bleistift launisch wurde — so sagen ja die Leute —, wie der Traum launisch wird, ganz andere Dinge aufgeschrieben hat, als er gedacht hat. So scheint, aus den Zusammenhängen kann man das erkennen, der Bleistift einmal den Zwang auf die Handführung ausgeübt zu haben: Du bist ein Kohlkopf! und ähnliche schöne Dinge zu schreiben.
[ 23 ] Now his greatest surprise was when the pencil began to show temper, as dreams do; it wrote what was very far from his thoughts. Thus remarks appeared such as "You're a silly fool!" – and it can be gathered from this how completely the pencil was now in control.
[ 24 ] Nun, das sind Dinge, die ganz gewiß der Herr nicht selber gedacht hat! Und nachdem solche Dinge sich gehäuft haben, immer wiederum der Bleistift die tollsten Dinge aufgeschrieben hat, hat Staudenmaier gefragt: Ja, wer ist denn das eigentlich, der da schreibt? — Nun antwortete es: Geister sind es, die da schreiben. — Das war nach seiner Ansicht wieder nicht wahr, denn Geister gibt es nicht für einen naturwissenschaftlich Denkenden. Wie sollte er jetzt sagen? Die Geister haben ihn angelogen, kann er ja nicht sagen, also sagt er: Sein Unterbewußtsein lügt fortwährend. Es ist eine fatale Geschichte, nicht wahr, wenn das Unterbewußtsein plötzlich zur Überzeugung kommt im Menschen selbst, daß man zum Beispiel ein Kohlkopf ist und das noch dazu aufschreibt, so daß es, wie man sagt im gewöhnlichen Leben, schwarz auf weiß dasteht.
[ 24 ] These indeed are things this gentleman would never have thought! After repeated remarks of this kind, and the pencil had written the craziest things, Staudenmaier asked who was really the writer. The answer came: "Spirits are writing." In his view this again was not the truth, since for a scientific writer spirits do not exist. Whatever was he to say? Certainly not that it was spirits who were lying; so he said that his subconscious was always telling lies. For how terrible for a man if his subconscious suddenly convinces him that he is a silly fool, and moreover records it in writing, so that – as the expression goes – it is there in black and white.
[ 25 ] Aber er fuhr doch fort, sich so zu benehmen, wie wenn Geister sprechen würden. Und da fragte er sie, warum sie denn nicht die Wahrheit sagen. Da antworteten sie: Ja, das ist so unsere Art, wir sind eben solche Geister, die dich anlügen müssen; es liegt in unserem Charakter, wir müssen lügen.
[ 25 ] However he continues to behave as though spirits were speaking and asks why they do not tell the truth. To which comes the reply: Oh – that is just our way; we are spirits who have to lie, for it's part of our very nature.
[ 26 ] Das war außerordentlich charakteristisch. Nun beginnt da allerdings ein Gebiet, wo die Sache wirklich recht sengerig wird, denn wissen Sie, wenn sich auf diese Weise herausstellt, daß die Wahrheit nur da oben sitzt und da unten fortwährend gelogen wird, so gibt das natürlich einen unbehaglichen Zustand. Aber wenn man ganz in naturwissenschaftlicher Weltanschauung befangen ist, so kann man ja in einem solchen Falle gar nicht anders als dazu kommen, daß in einem selber dieser verlogene Kerl steckt.
[ 26 ] This was a most apt description. Here begins a sphere where things are certainly very questionable, for, you see, when it appears that truth has its home above while below it is always being contradicted, this naturally creates an awkward situation. But if anyone is entirely at the mercy of a scientific world-conception, in a case such as this he can but conclude that the liar is in him.
[ 27 ] Dennoch kommt Staudenmaier zu der Ansicht: Niemals sprechen objektive geistige Wesenheiten, sondern immer nur das Unterbewußtsein. — In solche allgemeine Ausdrücke kann man ja alles zusammenfassen.
[ 27 ] Staudenmaier, therefore infers that it is not objective spiritual beings speaking but his own subconscious – and in such general terms anything can be summed up.
[ 28 ] Aber sehen Sie, charakteristisch ist es doch, daß diese Geister sich gar nicht haben angelegen sein lassen, Staudenmaiers Hand so zu führen, daß sie ihm etwa einen neuen mathematischen Beweis aufgeschrieben oder ein naturwissenschaftliches Problem gelöst hätten. Das ist eigentlich das besonders Charakteristische, daß sie immer etwas anderes sagten.
[ 28 ] Now it is quite typical of such spirits that they did not make use of Staudenmaier's hand to write down any new way of proving some mathematical problem, or a solution in the realm of natural science; characteristically they always said something of a different sort.
[ 29 ] Es ist schon alle Veranlassung dagewesen, daß Staudenmaier etwas aus dem Häuschen gekommen ist, und da fand sich dann ein ärztlicher Freund, der gab ihm den Rat, er soll auf die Jagd gehen. In solchen Anweisungen bestehen viele ärztliche Ratschläge. Ein besonders beliebter Ratschlag ist ja zum Beispiel manchmal in der Medizin, man soll heiraten. Dort war eben dieser Ratschlag, er soll auf die Jagd gehen, um etwas herauszukommen aus diesem verrückten Zeug, sich sozusagen zu Zerstreuen.
[ 29 ] There was indeed every reason for Staudenmaier to be upset, and a medical friend of his advised him to go out shooting. Advice of that kind is popular with the medical profession; for example, doctors are very fond of recommending marriage. In Staudenmaier’s case, however, the advice was to go shooting, to shake off this foolishness by diverting himself.
[ 30 ] Aber siehe da, trotzdem er nun, wie er genau beschreibt, auf die Elsternjagd ging, also immer nach Elstern auslugte, guckten von den Bäumen allerlei dämonische Gestalten herunter, nicht Elstern. Da saßen auf irgendeinem Zweig solche Dinge, wie etwas, das ein halber Kater und ein halber Elefant war und ihm allerlei Nasen drehte oder ihm die Zunge herausstreckte. Und guckte er vom Baume weg ins Gras, sah er nicht etwa Hasen, sondern auch allerlei phantastische Gestalten, die ihre Gaukeleien mit ihm trieben.
[ 30 ] But just imagine! In spite of setting out to shoot magpies in the way he described, here too everything was delusion, for all kinds of demon-like forms peeped from the trees instead of magpies. Sitting on the branches were creatures, half-cat, half-elephant, making long noses at him and putting out their tongues. And when he looked down he did not see hares, for example, on the ground but all manner of fantastic figures up to every sort of trick.
[ 31 ] So hatte nicht nur der Stift allerlei Zeug aufgeschrieben, sondern jetzt wurde auch das höhere Phantasievermögen in einer solchen Weise angeregt, daß sich nicht Elstern zeigten, sondern Dämonen, allerlei gespenstartiges Gezücht, also wieder erlogen. Eigentlich ist es wie im Traum, was er da sah, und es hätte passieren können, wenn sein Wille intakt geblieben wäre, daß er statt einer Elster so irgendeine Kanaille geschossen hätte, die halb Kater und halb Elefant gewesen wäre. Wenn sie heruntergefallen wäre, hätte sie sich sicher verwandelt, da wäre sie halb Laubfrosch und halb Nachtigall gewesen mit einem Teufelsschwanz, denn während des Herabfallens hätte sie sich schon verwandelt.
[ 31 ] Thus it was not only that the pencil was scribbling nonsense, but now things became still more fantastic; so that instead of magpies appearing it was demons, with all their ghoulishness – in fact, more delusion. Actually all he saw was as it is in a dream and, if his will had remained intact, he might have shot instead of a magpie some kind of horror, half-cat, half-elephant. By the time this came to the ground it would certainly have changed into something else – perhaps half-frog, half nightingale, with a devil's tail. It would certainly have changed in falling.
[ 32 ] Jedenfalls kann man sagen, diesem Experimentator rückte eine Welt, die sehr ähnlich ist der Welt des Traumes, an den Leib heran, und diese Welt ist auch ein Protest gegen den ganzen naturgesetzlichen Zusammenhang. Denn wie wäre der naturgesetzliche Zusammenhang gewesen? Nun, er hätte seine Flinte von der Schulter genommen, und nachdem er eine Elster geschossen, wäre unten eine Elster gewesen. Aber das alles zeigte sich nicht, sondern was ich Ihnen gekennzeichnet habe: wiederum ein Protest dieser Nachtseite der geistigen Welt, in die der Mann hineingestoßen war, gegen die Naturgesetzlichkeit. Und mindestens hätte sich der Mann doch selbst, wenn er beim Unterbewußten stehengeblieben wäre, sagen müssen: Wenn das alles da unten im Unterbewußten ist, dann protestiert mein Unterbewußtes gegen die Naturgesetze. — Denn was sagt ihm denn eigentlich dieses Unterbewußte? Ja, das zaubert ihm allerlei Dämonen vor und dergleichen, wie ich es beschrieben habe. Das sagt ihm etwas ganz anderes, als er sich über sich ausgedacht hat. Er müßte also mindestens daraus schließen: Wenn die Welt nur nach Naturgesetzen eingerichtet wäre, dann könnte es ja mein Inneres gar nicht geben, dann könnte ich als Mensch gar nicht existieren, denn wenn dieses Innere spricht, dann spricht es ganz anders als in Naturgesetzen. Zu dem Inneren des Menschen gehört also eine ganz andere Welt als diejenige Welt, über die die Naturgesetze ausgesponnen sind, eine Welt, die protestiert in ihrem Zusammenhange gegen die Naturgesetze.
[ 32 ] In any case we may say that our experimentalist gained access to a world resembling that of dreams; a world which also protested against anything to do with the laws of nature. For what would have been the natural course of events? On lowering his gun after shooting a magpie, Staudenmaier would have found a magpie on the ground. It was not this, however, that happened, but what I have just described; which was another protest against natural law on the part of the darker side of the spiritual world into which the man was plunged. Had he kept consistently to his idea of the subconscious, he should at least have admitted: If all this is in my own subconscious then this subconscious is evidently protesting against the laws of nature. For what was this subconscious actually telling him? As I have described, it conjured up all kinds of demons; and these told him quite different things about himself from what he had ever thought. Thus, he could but conclude: If the world were organised entirely in accordance with natural law, what now constitutes my inner being could not exist – as a man I should not be able to exist. For when what is within me speaks, this has nothing to do with natural law. Within a man, therefore, an entirely different world holds sway from the one where there are laws of nature – a world that in its very conditions reject these laws.
[ 33 ] Das ist immerhin doch das einzig Interessante an diesem magischen Experimentator oder experimentierenden Magier, der vielen Leuten so außerordentlich imponiert hat. Das ist etwas, was uns zeigt, wie in der Tat auch auf andere Weise der Mensch zur Wahrnehmung einer solchen Welt kommen kann, wie es die sonst mehr oder weniger immer im Leben auftretende Traumeswelt in ihren Zusammenhängen ist.
[ 33 ] That is the one interesting point about this maker of experiments in magic, about the magician who with his experiments impressed so many people. It shows how – even though in a different way – a man can in fact come to the perception of a world which, in its connections, is like the world of dreams we so frequently meet in life.
[ 34 ] Und das führt schon dazu, durch eine richtige Anschauung über das gewöhnliche Leben anzuerkennen, daß einfach, weil der Mensch da ist, an die gewöhnliche, von Naturgesetzen durchsponnene Welt eine andere grenzt, die nicht von Naturgesetzen durchsponnen ist.
[ 34 ] This leads us, through a right conception of ordinary human existence to recognise that, bordering on this ordinary world that is interwoven by natural law, there is another world where these laws are no longer valid.
[ 35 ] Schaut man diese Dinge richtig an, so muß man sich eben sagen: Da ist die Welt von Naturgesetzen durchsponnen, die wir studieren. An diese grenzt eine andere Welt, die nichts mit den Naturgesetzen zu tun hat, darinnen herrschen ganz andere Gesetze. Man gelangt also, indem man in einer realen Weise in die Traumeswelt untertaucht, in eine Welt, wo die Naturgesetze aufhören. Daß der Mensch zunächst mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein phantastisch in dieser Welt wahrnimmt, rührt lediglich davon her, daß er nicht die Fähigkeit hat, die Zusammenhänge, die ihm da entgegentreten, zu erkennen. Die Phantastik trägt er hinein. Aber dasjenige, was da webt und lebt, ist eben eine andere Weltensphäre, in die der Mensch im Traum hinuntertaucht.
[ 35 ] If these matters are looked at rightly, we can only infer that, adjoining the world ruled by the laws of nature of which we make a study, there is another world independent of these laws and ruled by quite different ones of its own. By sinking into the world of dreams in a realistic way we come to a world where natural laws are no longer effective. That the human being, with his ordinary consciousness, perceives this world as fantastic, is due to his inability to understand the conditions he meets there. He himself introduces the fantasy. But what weaves and lives in it belongs to an altogether different world-sphere, and it is this sphere into which a man sinks in his dreams.
[ 36 ] Das führt uns unmittelbar in etwas anderes. Wenn man mit demjenigen redet, der ganz eingesponnen ist in die heute gebräuchliche Weltanschauungsrichtung, so sagt er: Ich studiere die Fallgesetze an dem fallenden Stein. Ich bekomme die Gesetze der Gravitation heraus. Dann gehe ich hinaus in die Welt und wende das auch auf die Sterne an. — Und es wird dann so gedacht: Hier ist die Erde, darauf finde ich die Naturgesetze, und da ist dann der Kosmos. Ich denke, Tafel 10 die Gesetze, die ich hier auf Erden gefunden habe, gelten auch für den Orionnebel oder für irgend etwas.
[ 36 ] This leads us on directly to another thing. If we talk to somebody wedded to the usual world-conception of today, he will say: I study what law it is that governs the fall of a stone, and discover the law of gravitation. Then I go further out into the universe and apply the same law to the stars. – And this is what thinks: Here on earth I discover the laws of nature; there outside is the cosmos (drawing is made). The laws I have discovered for the earth I imagine still to be valid for the nebula of Orion, or anything else.
[ 37 ] Nun weiß jeder Mensch, daß ja zum Beispiel die Schwerkraft im Quadrat der Entfernung abnimmt, daß sie immer schwächer und schwächer wird, daß das Licht abnimmt, und ich habe schon gesagt: So nimmt auch die Wahrheit unserer Naturgesetze ab. Was wahr ist in bezug auf Naturgesetze auf unserer Erde hier, ist nicht mehr wahr da draußen im Weltenall. Das ist nur bis zu einer gewissen Entfernung wahr. Aber dadraußen im Weltenall beginnt außerhalb einer gewissen Weite dieselbe Gesetzmäßigkeit, die wir antreffen, wenn wir in den Traum untertauchen. Daher sollten die Menschen sich klar sein, wenn sie hinausblicken in den Orionnebel, dann müßten sie eigentlich, um den Orionnebel zu begreifen, nicht nach der experimentellen Methode physisch denken, sondern anfangen zu träumen, denn der Orionnebel zeigt seine Gesetzmäßigkeit nach Träumen.
[ 37 ] Now everyone knows that, for example, the force of gravity diminishes in proportion to the square of the distance, becoming weaker and weaker; and he knows that light too decreases. I have already told you that the truth of our natural laws also diminishes. What down on earth is true as regards them is no longer true in the cosmos; it is true only for a certain distance. Beyond that distance, out in the cosmos, the same law begins to hold sway which we meet with in our dreams. Hence we should be clear that, looking out at Orion with its nebula and in order to understand it, we must not think in accordance with the experimental method of physics, but begin to dream – for Orion shows its conformity with dream-law.
[ 38 ] Man kann sagen, von solchen Dingen haben eigentlich die Menschen einmal das verschiedenste gewußt, und Ahnungen sind für die spätere Zeit noch geblieben, besonders bei den Denkern, die sich recht gut konzentrieren konnten.
[ 38 ] It can be said that various details of such things have actually been known in the past, and in later times an inkling of them has still been preserved, especially by those thinkers capable of genuine concentration.
[ 39 ] So war ein solcher Naturforscher, der allerdings nicht in der zweiten, sondern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelebt hat — er war der Lehrer Haeckels —, Johannes Müller. Er war ein solcher Mann, der sich wirklich immer konzentrieren konnte. Er lebte ganz in dem, was er gerade vornahm. Dadurch, daß man wirklich so leben kann, konzentriert in dem, was man gerade vornimmt, kommt man manchmal auf mehr darauf; es mag ja in mancher Beziehung, wie ich gleich erwähnen will, Schattenseiten haben. Johannes Müller wurde zum Beispiel einmal gefragt über irgend etwas während eines Sommerkurses, den er gehalten hat. Da sagte er: Das ist etwas, was ich nur während der Wintervorlesungen weiß, im Sommer nicht. — Er war im Sommer so sehr auf den Stoff seiner Soemmervorlesungen konzentriert, daß er ganz frei eingestand, das andere wisse er nur im Winter.
[ 39 ] Such a thinker was Johannes Müller, the natural scientist who lived not, it is true, in the second, but in the first part of the 19th century. He it was who taught Haeckel. He could at any time really concentrate, and lived absolutely in what he undertook. By being able to live thus entirely in what he was doing, a man may sometimes discover a great deal, though – as I will show you – in certain respects this may have its disadvantages. For instance, Johannes Müller, on being asked a question during a course of lectures he was holding in summer, replied: I only know about that during the winter-course – not in the summer. – During the summer-course he was so completely engrossed in the subject of the lectures he was actually giving, that he openly admitted it would only be when winter came that he could turn his thoughts to a different matter.
[ 40 ] Aber dieser Johannes Müller gestand zum Beispiel einmal das sehr Interessante, daß er wirklich lange Zeit Leichen zerschneiden kann, um auf etwas zu kommen; er kommt nicht darauf, er gelangt nicht in das hinein, was er eigentlich verstehen will. Aber es gelingt ihm manchmal, zu träumen von dem, was er erexperimentiert hat, und dann sieht er viel tiefer in die Sache hinein, dann gehen ihm die Sachen auf. — Es war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da konnte sich jemand noch solche Extravaganzen gestatten, selbst wenn er ein berühmter Naturforscher war.
[ 40 ] Another very interesting thing was admitted by Johannes Müller – that he could spend a long time dissecting bodies to discover something he wanted to know without success; but that afterwards he often dreamed about these experiments, when he would see far more deeply into the matter, and it became quite clear. This was in the first half of the 19th century, and in those days anyone, even a famous scientist, could own up to such eccentricities.
[ 41 ] Also der Mensch kommt in eine ganz andere Welt, in eine ganz andere Gesetzmäßigkeit hinein, wenn er träumt. Und bei richtiger Erwägung muß vorausgesetzt werden, daß eigentlich, wenn man es so machen würde wie Johannes Müller, man über den Orionnebel nicht denken, wie man auf den Sternwarten oder in den astronomischen Anstalten denkt, sondern träumen müßte, dann würde man mehr davon wissen, als wenn man nachdenkt. Ich möchte sagen, das hängt ja damit zusammen, daß in Hirtenzeitaltern, wo die Hirten in der Nacht auf der Weide geschlafen haben, sie tatsächlich träumten über die Sterne, und da wußten sie mehr, als die Späteren wissen. Es ist wirklich wahr, es ist so.
[ 41 ] In his dreams, therefore, a man is in a quite different world with quite different laws. And weighing the matter rightly, it must be presumed that, if we want to follow in the steps of Johannes Müller, we must not think of Orion and its nebula in the way customary in observatories and other astronomical centres – we have to dream. Then we learn more than by thinking things over. This reminds us of the shepherds of old, who, sleeping in the fields at night, had dreams about the stars, thus getting to know more about them than the people who lived later. That is really so.
[ 42 ] Kurz, ob wir in das Innere des Menschen hineingehen und uns der Traumeswelt nähern oder ob wir hinausgehen ins weite Weltenall, wir treffen, wie die Alten sagten, außerhalb des Tierkreises eine Welt der Träume.
[ 42 ] In short, whether we enter man’s inner nature and approach the world of dreams, or go out into the wide cosmos, we meet – as was said in olden days – beyond the circle of the Zodiac a world of dreams.
[ 43 ] Und da sind wir an dem Punkt, wo wir verstehen können, was die Griechen meinten, die noch von solchen Dingen etwas wußten, wenn sie den Ausdruck «Chaos» gebrauchten. Ich habe über das Chaos schon alle möglichen Erklärungen gelesen, fand sie immer eigentlich weit weg von der Wahrheit. Denn was meinte der Grieche, wenn er von Chaos sprach? Er meinte die Gesetzmäßigkeit, von der man eine Ahnung kriegt, wenn man in den Traum sich vertieft, oder die man voraussetzen muß im äußersten Umkreise dieses Weltenalls. Diese Gesetzmäßigkeit, die nicht die Naturgesetzmäßigkeit, sondern eine andere ist, schrieb der Grieche dem Chaos zu. Ja, er sagte, das Chaos beginnt da, wo die Naturgesetzmäßigkeit nicht mehr zu finden ist, wo eine andere Gesetzmäßigkeit herrscht. Aus dem Chaos heraus ist die Welt geboren für den Griechen, das heißt aus einem solchen Zusammenhang, der noch nicht naturgesetzlich, sondern so ist wie der Traum oder so wie heute noch die Weltenweiten, im Sternbild des Orion der Jagdhund und so weiter. Da kommt man zunächst in eine Welt hinein, die sich dem Menschen wenigstens noch ankündigt in der phantastischen, aber lebendigen Welt der Traumesbilder.
[ 43 ] Then we reach the point of understanding what was meant when the Greeks – who still had knowledge of such things – used the term "chaos". I have seen every possible explanation of chaos but not one anywhere near the truth. For what had a Greek in mind when he spoke about chaos? He was thinking of the law concerning which dreams give us some notion, or which we must suppose to hold good in the outermost regions of the cosmos. This law that differs from natural law was ascribed by a Greek to chaos. He said indeed that chaos begins where natural law is no longer to be found, where another kind of law holds good. A Greek considered the world to have been brought forth out of chaos, out of a condition, that is, not yet in accordance with natural law, but as it is in dreams or, as is it still today, in the far reaches of the cosmos – in the Dog star near the constellation of Orion and so on. There we come to a world which still makes itself known to man in the fantastic but living land of dream-imagery.
[ 44 ] Nun aber ist es so, daß wenn hier die physisch natürliche Welt liegt, so gelangen wir gewissermaßen in eine zweite Strömung hinein, indem wir in die Träume untertauchen. Dann aber gelangen wir in eine dritte Strömung, die jenseits der Traumeswelt liegt, die gar nicht mehr eine Beziehung hat zu den Naturgesetzen unmittelbar. Die Traumeswelt protestiert in ihrer Bildhaftigkeit gegen die Naturgesetze. Bei dieser dritten Welt wäre es ganz unsinnig zu sagen, sie richte sich nach Naturgesetzen. Sie widerspricht vollends sogar kühnlich den Naturgesetzen, denn sie tritt auch an den Menschen heran. Während der Traum noch in der lebendigen Bilderwelt zum Vorscheine kommt, kommt diese dritte Welt durch die Stimme des Gewissens in der sittlichen Weltanschauung zunächst zum Vorschein.
[ 44 ] If here we have the physical world of nature (a drawing was made), when we sink into the land of dreams we come, as it were, to a second stream. Then beyond the dream world there is a third stream without any immediate relation to natural law. The world of dreams protests against this law; but in the case of this third world it would be nonsensical to say it was guided by them at all. It absolutely opposes these laws – even boldly – for it has more to do with human beings, whereas the dream still appears as living pictures, this third world comes to expression chiefly in the moral world-conception through the voice of conscience.
[ 45 ] Wenn man so nebeneinander hat auf der einen Seite die Welt der Natur, auf der anderen Seite die Welt der Sittlichkeit, dann gibt es keinen Übergang. Aber der Übergang liegt in der Traumeswelt oder in der Welt, die der Experimentator auf dem Gebiete der Magie erlebt hat, wo ihm die Dinge etwas ganz anderes gesagt haben, als die naturgesetzlichen Zusammenhänge sind.
[ 45 ] If next to one another we had, on the one side, the world of nature, on the other the world of morality, there would be no bridge to connect the two. The bridge, however, is formed by the world of dreams, or by that world experienced by our friend who made experiments in the realm of magic, where things were said to him having nothing to do with natural law.
[ 46 ] Zwischen der Welt, die von Naturgesetzen durchwoben ist, und der Welt, aus der in uns einströmend unser Gewissen redet, liegt für das gewöhnliche Bewußtsein die Traumeswelt. Das aber führt unmittelbar dazu — weil dies zugleich die Wachwelt, dies die Traumeswelt, dieses die Schlafwelt ist —, daß uns dieses heranbringt an die Vorstellung, daß tatsächlich während des Schlafes die Götter zu dem Menschen sprechen von dem, was nicht natürlich, sondern sittlich ist, was dann dem Menschen bleibt als die Gottesstimme in seinem Inneren, wenn er aufwacht, als das Gewissen.
[ 46 ] Between the world in which nature weaves her laws and the world from which the voice of conscience streams to us, there lies for ordinary consciousness the dream-world. Since this is the waking world, while this is the dream-world, and this is the world of sleep, we are led to conceive that during sleep the gods actually speak to man – not of what has to do with nature but of what is moral; and when man wakes, this remains within him as the divine voice, as conscience.
[ 47 ] Auf diese Weise schließen sich die drei Welten zusammen, und man begreift zweierlei: auf der einen Seite, warum die Traumeswelt protestiert gegen den Naturzusammenhang, und auf der anderen Seite, inwiefern diese Traumeswelt ein Übergang ist zu einer Welt, die dem gewöhnlichen Bewußtsein in ihrer Realität verborgen bleibt, zu der Welt, aus der auch die sittlichen Anschauungen kommen.
[ 47 ] In this way the three worlds are merged together, two things becoming clear: on the one hand, why the world of dreams protests against natural conditions; or the other hand, the extent to which the dream-world is a bridge to a world the reality of which is hidden from ordinary consciousness – that is, the world out of which moral perceptions arise.
[ 48 ] Findet man sich dann in diese Welt hinein, dann findet man dort die weitere geistige Welt, die nicht mehr nach Naturgesetzen begriffen werden kann, sondern nach Geistgesetzen, während sich eben im Traume bunt durcheinandermischen Naturgesetze mit Geistgesetzen, Geistgesetze mit Naturgesetzen, weil die Traumwelt eine Übergangsströmung zwischen den beiden Welten ist.
[ 48 ] If we make our way into this world we find the further spiritual world that is no longer comprehensible in accordance with the laws of nature, a world with spiritual laws. In dreams the two are mingled – spiritual law with natural law, natural law with spiritual law – because the world of dreams is a stream connecting the two.
[ 49 ] So haben wir von einer anderen Seite her beleuchtet, wie der Mensch sich eingliedert in die drei Welten.
[ 49 ] Thus we have thrown light from yet another aspect on how the human being is an essential member of these three worlds.

