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Insight from Initiation
GA 227

20 August 1921, Penmaenmawr

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Inspiration und Intuition

Inspiration und Intuition

[ 1 ] Stellen wir uns noch einmal vor die Seele, wohin die neuere Initiation führt, nachdem die ersten Schritte zur imaginativen Erkenntnis einen Erfolg gehabt haben. Der Mensch kommt dazu, daß seine vorhergehende, abstrakte, rein ideelle Gedankenwelt von einer innerlichen Lebendigkeit durchzogen wird. Dadurch stehen vor ihm nicht mehr die unlebendigen Gedanken, die im passiven Erkennen erworben werden, sondern eine innere lebendige Kraftwelt, welche er so fühlt, wie er sonst sich durchpulst fühlt von seinem Blute oder durchströmt von seinem Atem. Es handelt sich also darum, daß das ideelle Element des Denkens übergeht in ein reales, das innerlich erlebt wird. Dann sind auch jene Bilder, die vorher die Gedanken waren, nicht mehr abstrakt, nicht mehr schattenhaft, nicht mehr bloße Projektion der Außenwelt, sondern sie sind innerlich erfüllt von lebendigem Dasein. Sie sind wirkliche Imaginationen, die man, wie ich schon gestern angedeutet habe, zweidimensional erlebt, aber nicht so erlebt, wie wenn man etwa vor einem in der physischen Welt gemalten Bilde stünde — wer so erlebt, erlebt Visionen, nicht Imaginationen —, sondern man erlebt so, als ob man mit seinem eigenen Wesen, das nun auch die dritte Dimension verloren hat, in dem Bild selbst drinnen sich bewegte. Man sieht also dasjenige, was man da erlebt, nicht etwa so, wie man in der physischen Welt sieht. Alles, was sich noch so zeigt wie in der physischen Welt, ist eben Vision. Wirkliche höhere Erkenntnis ist erst da, wenn die Imagination so erlebt wird, daß man zum Beispiel in ihr Farben nicht mehr so schaut, wie man in der physischen Welt Farben schaut, sondern daß man die Farben erlebt. Wie erlebt man die Farben? Nun, wenn Sie in der physischen Welt Farben wahrnehmen, so haben Sie ja auch bei den verschiedenen Farben verschiedene Erlebnisse. Sie nehmen das Rot wahr wie etwas, was Sie attackiert, was auf Sie losspringen will. Der Stier wehrt sich dagegen, gegen dieses auf ihn losspringende Rot, das er viel stärker erlebt als der Mensch, bei dem alles abgeschwächt ist.

[ 1 ] Stellen wir uns noch einmal vor die Seele, wohin die neuere Initiation führt, nachdem die ersten Schritte zur imaginativen Erkenntnis einen Erfolg gehabt haben. Der Mensch kommt dazu, daß seine vorhergehende, abstrakte, rein ideelle Gedankenwelt von einer innerlichen Lebendigkeit durchzogen wird. Dadurch stehen vor ihm nicht mehr die unlebendigen Gedanken, die im passiven Erkennen erworben werden, sondern eine innere lebendige Kraftwelt, welche er so fühlt, wie er sonst sich durchpulst fühlt von seinem Blute oder durchströmt von seinem Atem. Es handelt sich also darum, daß das ideelle Element des Denkens übergeht in ein reales, das innerlich erlebt wird. Dann sind auch jene Bilder, die vorher die Gedanken waren, nicht mehr abstrakt, nicht mehr schattenhaft, nicht mehr bloße Projektion der Außenwelt, sondern sie sind innerlich erfüllt von lebendigem Dasein. Sie sind wirkliche Imaginationen, die man, wie ich schon gestern angedeutet habe, zweidimensional erlebt, aber nicht so erlebt, wie wenn man etwa vor einem in der physischen Welt gemalten Bilde stünde — wer so erlebt, erlebt Visionen, nicht Imaginationen —, sondern man erlebt so, als ob man mit seinem eigenen Wesen, das nun auch die dritte Dimension verloren hat, in dem Bild selbst drinnen sich bewegte. Man sieht also dasjenige, was man da erlebt, nicht etwa so, wie man in der physischen Welt sieht. Alles, was sich noch so zeigt wie in der physischen Welt, ist eben Vision. Wirkliche höhere Erkenntnis ist erst da, wenn die Imagination so erlebt wird, daß man zum Beispiel in ihr Farben nicht mehr so schaut, wie man in der physischen Welt Farben schaut, sondern daß man die Farben erlebt. Wie erlebt man die Farben? Nun, wenn Sie in der physischen Welt Farben wahrnehmen, so haben Sie ja auch bei den verschiedenen Farben verschiedene Erlebnisse. Sie nehmen das Rot wahr wie etwas, was Sie attackiert, was auf Sie losspringen will. Der Stier wehrt sich dagegen, gegen dieses auf ihn losspringende Rot, das er viel stärker erlebt als der Mensch, bei dem alles abgeschwächt ist.

[ 2 ] Wenn Sie das Grün erleben, haben Sie in sich etwas wie eine Gleichmäßigkeit, ein keinen Schmerz, aber auch keine besondere Lust bereitendes Erlebnis. Wenn Sie Blau erleben, haben Sie die Empfindung der Hingabe, der Demut. Nun kann man sich recht durchdringen mit diesen verschiedenen Erlebnissen, die man in der physischen Welt an den Farben hat, und man kann dann wieder erkennen, wenn einem in der geistigen Welt etwas so attackierend entgegenkommt, wie das Rot in der physischen Welt attackierend ist, daß dies entspricht der roten Farbe. Wenn einem etwas entgegenkommt, demgegenüber man in die Stimmung der Demut kommt, so ist das dasselbe Erlebnis wie in der physischen Welt das Erlebnis der blauen oder blauvioletten Farbe, und man kann dann in abgekürzter Redeweise sagen, man habe Rot, man habe Blau in der geistigen Welt erlebt. Sonst müßte man immer, wenn man genau sprechen wollte, sagen, man habe so etwas erlebt, wie man erlebt, wenn man in der physischen Welt Rot schaut, oder in der physischen Welt Blau schaut. Damit man diese fortwährende lange Ausdrucksweise nicht habe, kürzt man sie ab und spricht davon, daß man ein aurisches Sehen hat, ein aurisches Schauen, das sich differenziert nach Rot, Grün, Blau und so weiter.

[ 2 ] Wenn Sie das Grün erleben, haben Sie in sich etwas wie eine Gleichmäßigkeit, ein keinen Schmerz, aber auch keine besondere Lust bereitendes Erlebnis. Wenn Sie Blau erleben, haben Sie die Empfindung der Hingabe, der Demut. Nun kann man sich recht durchdringen mit diesen verschiedenen Erlebnissen, die man in der physischen Welt an den Farben hat, und man kann dann wieder erkennen, wenn einem in der geistigen Welt etwas so attackierend entgegenkommt, wie das Rot in der physischen Welt attackierend ist, daß dies entspricht der roten Farbe. Wenn einem etwas entgegenkommt, demgegenüber man in die Stimmung der Demut kommt, so ist das dasselbe Erlebnis wie in der physischen Welt das Erlebnis der blauen oder blauvioletten Farbe, und man kann dann in abgekürzter Redeweise sagen, man habe Rot, man habe Blau in der geistigen Welt erlebt. Sonst müßte man immer, wenn man genau sprechen wollte, sagen, man habe so etwas erlebt, wie man erlebt, wenn man in der physischen Welt Rot schaut, oder in der physischen Welt Blau schaut. Damit man diese fortwährende lange Ausdrucksweise nicht habe, kürzt man sie ab und spricht davon, daß man ein aurisches Sehen hat, ein aurisches Schauen, das sich differenziert nach Rot, Grün, Blau und so weiter.

[ 3 ] Aber dabei ist durchaus zu beobachten, daß dieses Übertreten in das Übersinnliche, dieses Abstreifen alles Sinnlichen und doch konkrete Erleben immer da ist. Und eben in diesem konkreten Erleben fühlt man dasjenige, was ich gestern geschildert habe, wie wenn das Denken ein den ganzen menschlichen Organismus ausfüllendes Tastorgan wird, so daß man geistig sich fühlt wie abtastend eine neu auftretende Welt, die eigentlich jetzt noch nicht die wirkliche Geisteswelt ist, sondern die das ist, was ich nennen möchte die Bildekräftewelt oder die Ätherwelt. Wer den Äther wirklich kennenlernen will, muß ihn in dieser Art erfassen. Alles Spekulieren über den Äther, alles begriffliche Nachdenken führt nicht zur wirklichen Erkenntnis des Äthers. In diesem, man möchte sagen, verwirklichten Denken lebt man nun selber mit seinem eigenen Bildekräfte oder Ätherleib. Aber man lebt auf eine andere Art, als man bisher in der physischen Welt gelebt hat. Die Art, wie man darinnen lebt in dieser ätherischen Welt, ich möchte es durch einen Vergleich sagen.

[ 3 ] Aber dabei ist durchaus zu beobachten, daß dieses Übertreten in das Übersinnliche, dieses Abstreifen alles Sinnlichen und doch konkrete Erleben immer da ist. Und eben in diesem konkreten Erleben fühlt man dasjenige, was ich gestern geschildert habe, wie wenn das Denken ein den ganzen menschlichen Organismus ausfüllendes Tastorgan wird, so daß man geistig sich fühlt wie abtastend eine neu auftretende Welt, die eigentlich jetzt noch nicht die wirkliche Geisteswelt ist, sondern die das ist, was ich nennen möchte die Bildekräftewelt oder die Ätherwelt. Wer den Äther wirklich kennenlernen will, muß ihn in dieser Art erfassen. Alles Spekulieren über den Äther, alles begriffliche Nachdenken führt nicht zur wirklichen Erkenntnis des Äthers. In diesem, man möchte sagen, verwirklichten Denken lebt man nun selber mit seinem eigenen Bildekräfte oder Ätherleib. Aber man lebt auf eine andere Art, als man bisher in der physischen Welt gelebt hat. Die Art, wie man darinnen lebt in dieser ätherischen Welt, ich möchte es durch einen Vergleich sagen.

[ 4 ] Wenn Sie einen Finger an Ihrem Organismus betrachten, so ist er ein lebendiges Glied an diesem Organismus. Schneiden Sie ihn ab, so ist er nicht mehr, was er vorher war. Er stirbt ab, er lebt nicht mehr. Und hätte der Finger ein Bewußtsein, dann würde er sich sagen: Ich bin nur etwas am Organismus, ich habe kein selbständiges Wesen. So aber muß man sagen in dem Augenblicke, wo man in imaginativer Erkenntnis in der ätherischen Welt drinnensteht. Da fühlt man sich nicht mehr als ein abgetrenntes, individualisiertes Wesen, sondern als ein Glied der ganzen ätherischen Welt, des ganzen ätherischen Kosmos, und man weiß nachher, daß man zur Individualität, zur Persönlichkeit nur dadurch gemacht worden ist, daß man einen physischen Leib an sich hat. Der physische Leib individualisiert. Der physische Leib ist dasjenige, was einen zu einem abgesonderten Wesen macht.

[ 4 ] Wenn Sie einen Finger an Ihrem Organismus betrachten, so ist er ein lebendiges Glied an diesem Organismus. Schneiden Sie ihn ab, so ist er nicht mehr, was er vorher war. Er stirbt ab, er lebt nicht mehr. Und hätte der Finger ein Bewußtsein, dann würde er sich sagen: Ich bin nur etwas am Organismus, ich habe kein selbständiges Wesen. So aber muß man sagen in dem Augenblicke, wo man in imaginativer Erkenntnis in der ätherischen Welt drinnensteht. Da fühlt man sich nicht mehr als ein abgetrenntes, individualisiertes Wesen, sondern als ein Glied der ganzen ätherischen Welt, des ganzen ätherischen Kosmos, und man weiß nachher, daß man zur Individualität, zur Persönlichkeit nur dadurch gemacht worden ist, daß man einen physischen Leib an sich hat. Der physische Leib individualisiert. Der physische Leib ist dasjenige, was einen zu einem abgesonderten Wesen macht.

[ 5 ] Wir werden schon sehen, daß wir auch in der geistigen Welt individualisiert werden können, aber davon später. Steigt man, so wie ich es beschrieben habe, zunächst in die geistige Welt hinauf, so muß man sich durchaus fühlen als ein Glied innerhalb des ätherischen Kosmos. Und würde man in bezug auf den Ätherleib jemals abgeschnitten von dem kosmischen Äther, so würde man ätherisch absterben. Das ist sehr wichtig zu erfassen, damit wir dann gut verstehen können, was über den Durchgang des Menschen durch die Pforte des Todes gesagt werden muß, was aber später kommt.

[ 5 ] Wir werden schon sehen, daß wir auch in der geistigen Welt individualisiert werden können, aber davon später. Steigt man, so wie ich es beschrieben habe, zunächst in die geistige Welt hinauf, so muß man sich durchaus fühlen als ein Glied innerhalb des ätherischen Kosmos. Und würde man in bezug auf den Ätherleib jemals abgeschnitten von dem kosmischen Äther, so würde man ätherisch absterben. Das ist sehr wichtig zu erfassen, damit wir dann gut verstehen können, was über den Durchgang des Menschen durch die Pforte des Todes gesagt werden muß, was aber später kommt.

[ 6 ] Nun ist begleitet — ich deutete das auch schon gestern an — dieses bildhafte Erleben, das zum Lebenstableau wird über das ganze Leben hin, das wir von der Geburt bis zum gegenwärtigen Augenblicke im Erdendasein verbracht haben, es ist begleitet dieses ganze Erleben im Ätherischen von einem außerordentlich starken Glücksgefühl. Das ist zunächst das erste, und zwar dem Menschen außerordentlich wohlgefällige höhere Erlebnis, dieses Durchströmen der ganzen Bilderwelt mit einem innerlich erfaßten Glücksgefühl.

[ 6 ] Nun ist begleitet — ich deutete das auch schon gestern an — dieses bildhafte Erleben, das zum Lebenstableau wird über das ganze Leben hin, das wir von der Geburt bis zum gegenwärtigen Augenblicke im Erdendasein verbracht haben, es ist begleitet dieses ganze Erleben im Ätherischen von einem außerordentlich starken Glücksgefühl. Das ist zunächst das erste, und zwar dem Menschen außerordentlich wohlgefällige höhere Erlebnis, dieses Durchströmen der ganzen Bilderwelt mit einem innerlich erfaßten Glücksgefühl.

[ 7 ] Dann muß man, wie ich schon gestern angedeutet habe, was man in dieser Weise sich errungen hat an Imagination, an eigenem Lebenstableau, wiederum aus dem Bewußtsein willkürlich verschwinden lassen können. Man muß das Bewußtsein leer werden lassen können. Und erst, wenn man das Bewußtsein leer hat, dann versteht man, wie sich die Dinge in der geistigen Welt eigentlich verhalten. Denn dann weiß man: Alles, was man vorher gesehen hat, war noch nicht die geistige Welt, war bloß ein imaginatives Tableau der geistigen Welt. Jetzt erst, wenn man angekommen ist auf der Stufe, wo das Bewußtsein leer geworden ist, jetzt erst strömt, wie die physische Welt durch die Sinne, so die geistige Welt durch das tastende Denken in uns ein. Wir beginnen jetzt erst, ein wirkliches Erlebnis, eine wirkliche Erfahrung der geistigen Welt zu gewinnen, der geistigen Außenwelt. In unserem Lebenstableau hatten wir ja auch nur unsere Innenwelt. Die imaginative Erkenntnis gibt nur die Innenwelt, die sich aber vor der höheren Erkenntnis als eine Bilderwelt charakterisiert. Und sie gibt die Bilder des Kosmos. Der Kosmos selber und unsere eigene wahre Wesenheit, wie sie vor der Geburt, vor dem irdischen Dasein war, die treten erst in der Inspiration auf, wenn die geistige Welt von außen in uns einströmt. Wenn wir aber zu dieser Herstellung des leeren Bewußtseins kommen, dann ist unsere Seele erfüllt vom bloßen Wachsein zunächst, und wir müssen in diesem bloßen Wachsein zu einer gewissen inneren Stille, Ruhe kommen können. Diese Ruhe kann ich nur in der folgenden Art charakterisieren.

[ 7 ] Dann muß man, wie ich schon gestern angedeutet habe, was man in dieser Weise sich errungen hat an Imagination, an eigenem Lebenstableau, wiederum aus dem Bewußtsein willkürlich verschwinden lassen können. Man muß das Bewußtsein leer werden lassen können. Und erst, wenn man das Bewußtsein leer hat, dann versteht man, wie sich die Dinge in der geistigen Welt eigentlich verhalten. Denn dann weiß man: Alles, was man vorher gesehen hat, war noch nicht die geistige Welt, war bloß ein imaginatives Tableau der geistigen Welt. Jetzt erst, wenn man angekommen ist auf der Stufe, wo das Bewußtsein leer geworden ist, jetzt erst strömt, wie die physische Welt durch die Sinne, so die geistige Welt durch das tastende Denken in uns ein. Wir beginnen jetzt erst, ein wirkliches Erlebnis, eine wirkliche Erfahrung der geistigen Welt zu gewinnen, der geistigen Außenwelt. In unserem Lebenstableau hatten wir ja auch nur unsere Innenwelt. Die imaginative Erkenntnis gibt nur die Innenwelt, die sich aber vor der höheren Erkenntnis als eine Bilderwelt charakterisiert. Und sie gibt die Bilder des Kosmos. Der Kosmos selber und unsere eigene wahre Wesenheit, wie sie vor der Geburt, vor dem irdischen Dasein war, die treten erst in der Inspiration auf, wenn die geistige Welt von außen in uns einströmt. Wenn wir aber zu dieser Herstellung des leeren Bewußtseins kommen, dann ist unsere Seele erfüllt vom bloßen Wachsein zunächst, und wir müssen in diesem bloßen Wachsein zu einer gewissen inneren Stille, Ruhe kommen können. Diese Ruhe kann ich nur in der folgenden Art charakterisieren.

[ 8 ] Denken wir uns, wir wären in einer ganz geräuschvollen Stadt. Wir hören um uns herum das Gebrause dieser Stadt. Es ist schrecklich, sagen wir uns, wenn es uns umtönt und umsaust von allen Seiten. Denken wir uns in eine so recht moderne Großstadt, London zum Beispiel. Aber denken wir jetzt, wir verlassen die Stadt. Und indem wir Schritt für Schritt weitergehen aus der Stadt hinaus, wird es immer stiller und stiller. Denken wir uns recht hinein in dieses Abnehmen des Hörbaren. Es wird immer stiller und stiller. Endlich kommen wir, sagen wir, in einen Wald, wo alles ganz still ist, wo wir gar nichts mehr hören, wo alles schweigt um uns. Wir sind da gewissermaßen angekommen beim Nullpunkt des Hörbaren.

[ 8 ] Denken wir uns, wir wären in einer ganz geräuschvollen Stadt. Wir hören um uns herum das Gebrause dieser Stadt. Es ist schrecklich, sagen wir uns, wenn es uns umtönt und umsaust von allen Seiten. Denken wir uns in eine so recht moderne Großstadt, London zum Beispiel. Aber denken wir jetzt, wir verlassen die Stadt. Und indem wir Schritt für Schritt weitergehen aus der Stadt hinaus, wird es immer stiller und stiller. Denken wir uns recht hinein in dieses Abnehmen des Hörbaren. Es wird immer stiller und stiller. Endlich kommen wir, sagen wir, in einen Wald, wo alles ganz still ist, wo wir gar nichts mehr hören, wo alles schweigt um uns. Wir sind da gewissermaßen angekommen beim Nullpunkt des Hörbaren.

[ 9 ] Nun kann aber die Sache noch weitergehen. Und da darf ich einen trivialen Vergleich gebrauchen, um Ihnen das Weitergehen zu zeigen. Denken wir uns, wir haben in unserer Brieftasche Geld. Wir geben von Tag zu Tag immer mehr aus; das Geld wird immer weniger und weniger, wie die Hörbarkeit immer weniger und weniger wird, wenn wir von der Stadt weggehen. Und endlich kommt der Tag, wenn wir nichts einnehmen, wo wir gar nichts mehr drinnen haben in der Brieftasche. Wir vergleichen diese Null mit der Stille. Aber was tun wir jetzt, wenn wir auch noch weiter essen wollen? Wir machen Schulden. Ich will das zwar nicht gerade anraten, aber ich meine es vergleichsweise. Wieviel haben wir dann in unserem Portemonnaie ? Weniger als Null. Und je mehr Schulden wir machen, desto weniger und weniger als Null haben wir.

[ 9 ] Nun kann aber die Sache noch weitergehen. Und da darf ich einen trivialen Vergleich gebrauchen, um Ihnen das Weitergehen zu zeigen. Denken wir uns, wir haben in unserer Brieftasche Geld. Wir geben von Tag zu Tag immer mehr aus; das Geld wird immer weniger und weniger, wie die Hörbarkeit immer weniger und weniger wird, wenn wir von der Stadt weggehen. Und endlich kommt der Tag, wenn wir nichts einnehmen, wo wir gar nichts mehr drinnen haben in der Brieftasche. Wir vergleichen diese Null mit der Stille. Aber was tun wir jetzt, wenn wir auch noch weiter essen wollen? Wir machen Schulden. Ich will das zwar nicht gerade anraten, aber ich meine es vergleichsweise. Wieviel haben wir dann in unserem Portemonnaie ? Weniger als Null. Und je mehr Schulden wir machen, desto weniger und weniger als Null haben wir.

[ 10 ] Nun stellen wir uns vor, dasselbe träte für die Stille ein. Es wäre nicht nur absolute Ruhe, der Nullpunkt der Stille da, sondern es ginge weiter, es wäre das Negative vom Hören da, stiller als still, schweigsamer als schweigsam; das träte ein. Das muß in der Tat eintreten, wenn wir durch eine, so wie gestern geschildert, verschärfte Kraft zur Herstellung dieser inneren Ruhe und Schweigsamkeit kommen. Dann aber, wenn wir zu dieser inneren negativen Hörbarkeit kommen, zu dieser Ruhe, die größer ist als die Ruhe Null, dann sind wir so in der geistigen Welt drinnen, daß wir sie nicht bloß schauen, sondern daß sie auch zu uns tönt. Dann erhöht sich das vorher Geschaute durch das Tönende zu einer mehr lebendigen Welt. Dann stehen wir in der wirklichen geistigen Welt darinnen. Dann sind wir gewissermaßen an das andere Ufer des Daseins gegangen für die Augenblicke, in denen wir drüben sind. Jenseits dieses Ufers verschwindet die gewöhnliche Sinneswelt, wir befinden uns in der geistigen Welt. Wir müssen allerdings, wie ich später ausführen werde, ordentlich vorbereitet sein, daß wir jederzeit wiederum zurückkehren können. Aber es tritt noch etwas ein. Es tritt eine Erfahrung ein, die der Mensch vorher niemals hat machen können. Dasjenige, was ich geschildert habe als ein innerlich ganz erlebtes, umfassendes, ich möchte sagen, kosmisches Glücksgefühl, das verwandelt sich in diesem Augenblicke, wo wir das leere Bewußtsein mit der Ruhe herstellen, in einen ebenso umfassenden seelischen Schmerz, in ein ebenso umfassendes seelisches Leid. Und wir machen die Erfahrung, daß die Welt aufgebaut ist auf Grundlage des kosmischen Schmerzes, beziehungsweise eines kosmischen Elementes, das vom Menschen nur im Schmerz erlebt werden kann. Und wir lernen durchdringend jene Wahrheit kennen, die so gern mißachtet wird von der nur nach äußerem Glück suchenden Menschheit, wir lernen die Wahrheit kennen, daß alles Dasein zuletzt aus dem Schmerze geboren sein muß. Und man darf, wenn man in dieser Art bis zu dem kosmischen Schmerzerlebnis eingedrungen ist in die Initiations-Erkenntnis, das Folgende aus wirklichem innerem Wissen heraus sagen:

[ 10 ] Nun stellen wir uns vor, dasselbe träte für die Stille ein. Es wäre nicht nur absolute Ruhe, der Nullpunkt der Stille da, sondern es ginge weiter, es wäre das Negative vom Hören da, stiller als still, schweigsamer als schweigsam; das träte ein. Das muß in der Tat eintreten, wenn wir durch eine, so wie gestern geschildert, verschärfte Kraft zur Herstellung dieser inneren Ruhe und Schweigsamkeit kommen. Dann aber, wenn wir zu dieser inneren negativen Hörbarkeit kommen, zu dieser Ruhe, die größer ist als die Ruhe Null, dann sind wir so in der geistigen Welt drinnen, daß wir sie nicht bloß schauen, sondern daß sie auch zu uns tönt. Dann erhöht sich das vorher Geschaute durch das Tönende zu einer mehr lebendigen Welt. Dann stehen wir in der wirklichen geistigen Welt darinnen. Dann sind wir gewissermaßen an das andere Ufer des Daseins gegangen für die Augenblicke, in denen wir drüben sind. Jenseits dieses Ufers verschwindet die gewöhnliche Sinneswelt, wir befinden uns in der geistigen Welt. Wir müssen allerdings, wie ich später ausführen werde, ordentlich vorbereitet sein, daß wir jederzeit wiederum zurückkehren können. Aber es tritt noch etwas ein. Es tritt eine Erfahrung ein, die der Mensch vorher niemals hat machen können. Dasjenige, was ich geschildert habe als ein innerlich ganz erlebtes, umfassendes, ich möchte sagen, kosmisches Glücksgefühl, das verwandelt sich in diesem Augenblicke, wo wir das leere Bewußtsein mit der Ruhe herstellen, in einen ebenso umfassenden seelischen Schmerz, in ein ebenso umfassendes seelisches Leid. Und wir machen die Erfahrung, daß die Welt aufgebaut ist auf Grundlage des kosmischen Schmerzes, beziehungsweise eines kosmischen Elementes, das vom Menschen nur im Schmerz erlebt werden kann. Und wir lernen durchdringend jene Wahrheit kennen, die so gern mißachtet wird von der nur nach äußerem Glück suchenden Menschheit, wir lernen die Wahrheit kennen, daß alles Dasein zuletzt aus dem Schmerze geboren sein muß. Und man darf, wenn man in dieser Art bis zu dem kosmischen Schmerzerlebnis eingedrungen ist in die Initiations-Erkenntnis, das Folgende aus wirklichem innerem Wissen heraus sagen:

[ 11 ] Wir betrachten unser Auge. Dieses Auge, das uns in der physischen Welt die Herrlichkeit dieser Welt offenbart, das für uns bedeutet, daß wir überhaupt neun Zehntel unseres Lebensinhaltes bekommen für das physische Dasein zwischen der Geburt und dem Tode, dieses Auge ist hineingelagert in eine Körpervertiefung, die ursprünglich in ihrem Werden eine Verwundung des Körpers in Wirklichkeit darstellt. Dasjenige, was heute nur entstehen kann, wenn man den Körper verwundend aushöhlt, das hat die Höhlungen gebracht. Die äußere Entwickelungsgeschichte stellt sich das viel zu neutral, viel zu gleichgültig vor. Dasjenige, was zu den Augenhöhlen geführt hat, in die dann hineingedrängt worden ist von außen — das zeigt auch schon die physische Entwickelungsgeschichte — der Augapfel, die Augenhöhlung, sie ist entstanden in der Zeit, als der Mensch noch ein unbewußtes Wesen war, aus einem solchen Geschehen, das, wenn es ins Bewußtsein heraufgehoben würde, eine schmerzliche Verwundung des Organismus bedeutet hätte. So aber ist der ganze menschliche Organismus herausgeboren aus einem Elemente, das, wenn es erlebt würde mit dem Bewußtsein, das der Mensch heute hat, als Schmerzerlebnis da wäre. Und man empfindet gerade tief auf dieser Stufe der Erkenntnis, wie alles Glück, alle Lust, alle Seligkeit in der Welt hervorgeht aus dem Boden des Schmerzelementes, wie die Pflanze aus dem Erdboden, der eigentlich immer Schmerz bedeutet, hervorgeht.

[ 11 ] Wir betrachten unser Auge. Dieses Auge, das uns in der physischen Welt die Herrlichkeit dieser Welt offenbart, das für uns bedeutet, daß wir überhaupt neun Zehntel unseres Lebensinhaltes bekommen für das physische Dasein zwischen der Geburt und dem Tode, dieses Auge ist hineingelagert in eine Körpervertiefung, die ursprünglich in ihrem Werden eine Verwundung des Körpers in Wirklichkeit darstellt. Dasjenige, was heute nur entstehen kann, wenn man den Körper verwundend aushöhlt, das hat die Höhlungen gebracht. Die äußere Entwickelungsgeschichte stellt sich das viel zu neutral, viel zu gleichgültig vor. Dasjenige, was zu den Augenhöhlen geführt hat, in die dann hineingedrängt worden ist von außen — das zeigt auch schon die physische Entwickelungsgeschichte — der Augapfel, die Augenhöhlung, sie ist entstanden in der Zeit, als der Mensch noch ein unbewußtes Wesen war, aus einem solchen Geschehen, das, wenn es ins Bewußtsein heraufgehoben würde, eine schmerzliche Verwundung des Organismus bedeutet hätte. So aber ist der ganze menschliche Organismus herausgeboren aus einem Elemente, das, wenn es erlebt würde mit dem Bewußtsein, das der Mensch heute hat, als Schmerzerlebnis da wäre. Und man empfindet gerade tief auf dieser Stufe der Erkenntnis, wie alles Glück, alle Lust, alle Seligkeit in der Welt hervorgeht aus dem Boden des Schmerzelementes, wie die Pflanze aus dem Erdboden, der eigentlich immer Schmerz bedeutet, hervorgeht.

[ 12 ] Würden wir als Menschen in einem Augenblicke verwandelt werden können in die Substanz des Erdbodens und unser Bewußtsein behalten, so würde das eine unendliche Steigerung unserer Schmerzgefühle zur Folge haben. Oberflächlinge sagen, indem man ihnen diese Tatsache, die sich aus der geistigen Welt heraus offenbart, kundgibt: Aber ich habe mir die Gottheit anders vorgestellt; ich habe gedacht, daß die Gottheit so mächtig sei, daß sie alles aus dem Glücke hervorgehen lassen kann, wie wir Menschen es haben wollen. Solche Menschen gleichen eben dem König von Spanien, dem man ein plastisches Bild des Weltenalls, des Sternenganges einmal vor Augen gestellt hat, der sich ungeheuer anstrengen mußte, um zu begreifen, wie diese Bewegungen geschehen, wie das alles ist, und der es zuletzt doch nicht begriffen hat und dann gesagt hat: Hätte es Gott mir überlassen, so hätte ich die Welt einfacher gemacht!

[ 12 ] Würden wir als Menschen in einem Augenblicke verwandelt werden können in die Substanz des Erdbodens und unser Bewußtsein behalten, so würde das eine unendliche Steigerung unserer Schmerzgefühle zur Folge haben. Oberflächlinge sagen, indem man ihnen diese Tatsache, die sich aus der geistigen Welt heraus offenbart, kundgibt: Aber ich habe mir die Gottheit anders vorgestellt; ich habe gedacht, daß die Gottheit so mächtig sei, daß sie alles aus dem Glücke hervorgehen lassen kann, wie wir Menschen es haben wollen. Solche Menschen gleichen eben dem König von Spanien, dem man ein plastisches Bild des Weltenalls, des Sternenganges einmal vor Augen gestellt hat, der sich ungeheuer anstrengen mußte, um zu begreifen, wie diese Bewegungen geschehen, wie das alles ist, und der es zuletzt doch nicht begriffen hat und dann gesagt hat: Hätte es Gott mir überlassen, so hätte ich die Welt einfacher gemacht!

[ 13 ] Nun, das ist im Grunde genommen das Erkenntnis- und Religionsgefühl vieler Menschen: hätte ihnen die Gottheit die Welt zu erschaffen überlassen, sie hätten diese Welt einfacher gemacht. Aber diese Menschen wissen eben nicht, wie naiv sie sprechen. Und eine wirkliche Initiationswissenschaft kann nicht zu demjenigen bloß führen, was die Menschen glücklich macht, sondern sie muß die Menschen dazu führen, ihr Wesen und ihre Bestimmung im Hervorgange aus der Welt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wirklich zu begreifen. Da braucht man geistige Tatsachen statt eines bloßen Inhaltes, der einem von vornherein gefällt. Aber man wird zuletzt auch — das sollen auch diese Vorträge darstellen — gerade durch das Erlebnis dieser Tatsachen, auch nur durch das begriffliche Erkennen dieser Tatsachen, ein gutes Stück innerer Befriedigung auch für das Erdenleben aufnehmen können. Ja, man wird dasjenige aufnehmen können, was der Mensch braucht für das Erdenleben, um ein ganzer Mensch zu sein, wie er seine einzelnen physischen Glieder braucht, um ein ganzer Mensch zu sein.

[ 13 ] Nun, das ist im Grunde genommen das Erkenntnis- und Religionsgefühl vieler Menschen: hätte ihnen die Gottheit die Welt zu erschaffen überlassen, sie hätten diese Welt einfacher gemacht. Aber diese Menschen wissen eben nicht, wie naiv sie sprechen. Und eine wirkliche Initiationswissenschaft kann nicht zu demjenigen bloß führen, was die Menschen glücklich macht, sondern sie muß die Menschen dazu führen, ihr Wesen und ihre Bestimmung im Hervorgange aus der Welt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wirklich zu begreifen. Da braucht man geistige Tatsachen statt eines bloßen Inhaltes, der einem von vornherein gefällt. Aber man wird zuletzt auch — das sollen auch diese Vorträge darstellen — gerade durch das Erlebnis dieser Tatsachen, auch nur durch das begriffliche Erkennen dieser Tatsachen, ein gutes Stück innerer Befriedigung auch für das Erdenleben aufnehmen können. Ja, man wird dasjenige aufnehmen können, was der Mensch braucht für das Erdenleben, um ein ganzer Mensch zu sein, wie er seine einzelnen physischen Glieder braucht, um ein ganzer Mensch zu sein.

[ 14 ] Diejenige Welt, die man in dieser Art betritt, wenn man über die Imagination hinausgekommen ist in die Stille des Daseins, aus der heraus scheinend in Farben, wie ich es angedeutet habe, aus der heraus tönend sich die geistige Welt kundgibt, diese Welt ist eine wesentlich andere als diejenige, die wir mit den Sinnen wahrnehmen. Und man bemerkt, wenn man mit dieser Welt mitlebt — und mitleben muß man mit der geistigen Welt, wenn sie für einen vorhanden sein soll —, man bemerkt, daß alle sinnlich-physischen Dinge und alle sinnlich-physischen Vorgänge aus dieser geistigen Welt in Wirklichkeit hervorgegangen sind. So daß der Mensch als Erdenmensch eigentlich nur eine Hälfte der Welt sieht; die andere verbirgt sich ihm, bleibt okkult. Und sie offenbart sich, ich möchte sagen, aus allen Spalten; und aus allem Geschehen der physisch-sinnlichen Welt heraus west Geistiges, zunächst in den Bildern der Imagination, dann in demjenigen, was sie selber schöpferisch geben kann, in der Inspiration. In dieser Welt der Inspiration kann man heimisch werden. Man findet in ihr dann eben die Ursprünge aller Erdendinge, aller Erdenschöpfungen. Man findet in ihr, wie ich schon angedeutet habe, das eigene vorirdische Dasein. Ich habe auf Namen kommt es nicht an, man braucht eine Terminologie nach dem Gebrauch, den man in älterer Zeit gehabt hat, diese Welt, die also jenseits der imaginativen liegt, die astralische genannt. Und dasjenige, was man selber aus dieser Welt an sich trägt, was man schon mitgebracht hat in den physischen und in den ätherischen Leib herein, das kann man dementsprechend den astralischen Leib des Menschen nennen. In diesen ist erst eingeschlossen gewissermaßen die eigentliche Ich-Organisation. So daß sich der Mensch für eine höhere Erkenntnis als ein viergliedriges Wesen erweist, bestehend aus seinem physischen Leib, seinem Äther- oder Bildekräfteleib, seinem astralischen Leib und seiner Ich-Organisation. Zu dieser Ich-Örganisation rückt man aber nur auf durch einen weiteren Schritt in übersinnlicher Erkenntnis, durch denjenigen Schritt, den ich in meinen Büchern, namentlich in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» — das ins Englische unter dem Titel «Initiation» übersetzt ist — genannt habe die Intuition.

[ 14 ] Diejenige Welt, die man in dieser Art betritt, wenn man über die Imagination hinausgekommen ist in die Stille des Daseins, aus der heraus scheinend in Farben, wie ich es angedeutet habe, aus der heraus tönend sich die geistige Welt kundgibt, diese Welt ist eine wesentlich andere als diejenige, die wir mit den Sinnen wahrnehmen. Und man bemerkt, wenn man mit dieser Welt mitlebt — und mitleben muß man mit der geistigen Welt, wenn sie für einen vorhanden sein soll —, man bemerkt, daß alle sinnlich-physischen Dinge und alle sinnlich-physischen Vorgänge aus dieser geistigen Welt in Wirklichkeit hervorgegangen sind. So daß der Mensch als Erdenmensch eigentlich nur eine Hälfte der Welt sieht; die andere verbirgt sich ihm, bleibt okkult. Und sie offenbart sich, ich möchte sagen, aus allen Spalten; und aus allem Geschehen der physisch-sinnlichen Welt heraus west Geistiges, zunächst in den Bildern der Imagination, dann in demjenigen, was sie selber schöpferisch geben kann, in der Inspiration. In dieser Welt der Inspiration kann man heimisch werden. Man findet in ihr dann eben die Ursprünge aller Erdendinge, aller Erdenschöpfungen. Man findet in ihr, wie ich schon angedeutet habe, das eigene vorirdische Dasein. Ich habe auf Namen kommt es nicht an, man braucht eine Terminologie nach dem Gebrauch, den man in älterer Zeit gehabt hat, diese Welt, die also jenseits der imaginativen liegt, die astralische genannt. Und dasjenige, was man selber aus dieser Welt an sich trägt, was man schon mitgebracht hat in den physischen und in den ätherischen Leib herein, das kann man dementsprechend den astralischen Leib des Menschen nennen. In diesen ist erst eingeschlossen gewissermaßen die eigentliche Ich-Organisation. So daß sich der Mensch für eine höhere Erkenntnis als ein viergliedriges Wesen erweist, bestehend aus seinem physischen Leib, seinem Äther- oder Bildekräfteleib, seinem astralischen Leib und seiner Ich-Organisation. Zu dieser Ich-Örganisation rückt man aber nur auf durch einen weiteren Schritt in übersinnlicher Erkenntnis, durch denjenigen Schritt, den ich in meinen Büchern, namentlich in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» — das ins Englische unter dem Titel «Initiation» übersetzt ist — genannt habe die Intuition.

[ 15 ] Man kann sehr leicht den Ausdruck Intuition mißverstehen, weil zum Beispiel derjenige, der Phantasie hat, der dichterisches Vermögen hat, die gefühlsmäßigen Empfindungen von der Welt, die er hat, auch schon Intuition nennt. Aber das ist eine dunkle, bloß gefühlte Intuition. Sie ist aber doch verwandt mit demjenigen, was ich Intuition hier nenne. Denn wie der Mensch vollständig hier als Erdenmensch seine sinnliche Wahrnehmung hat, so hat er einen Abglanz der höchsten Art der Erkenntnis der Intuition durch das irdische Gefühl und den irdischen Willen. Er würde sonst kein sittliches Wesen sein können. So daß dasjenige, was sich dunkel, ahnungsvoll für den Menschen im Gewissen kundgibt, ein Abglanz ist, gewissermaßen ein Schattenbild des Höchsten, das nun erst in der wahren Intuition, in der höchsten dem Menschen zunächst als Erdenmenschen möglichen Erkenntnisart erscheint.

[ 15 ] Man kann sehr leicht den Ausdruck Intuition mißverstehen, weil zum Beispiel derjenige, der Phantasie hat, der dichterisches Vermögen hat, die gefühlsmäßigen Empfindungen von der Welt, die er hat, auch schon Intuition nennt. Aber das ist eine dunkle, bloß gefühlte Intuition. Sie ist aber doch verwandt mit demjenigen, was ich Intuition hier nenne. Denn wie der Mensch vollständig hier als Erdenmensch seine sinnliche Wahrnehmung hat, so hat er einen Abglanz der höchsten Art der Erkenntnis der Intuition durch das irdische Gefühl und den irdischen Willen. Er würde sonst kein sittliches Wesen sein können. So daß dasjenige, was sich dunkel, ahnungsvoll für den Menschen im Gewissen kundgibt, ein Abglanz ist, gewissermaßen ein Schattenbild des Höchsten, das nun erst in der wahren Intuition, in der höchsten dem Menschen zunächst als Erdenmenschen möglichen Erkenntnisart erscheint.

[ 16 ] Der Mensch hat wirklich als Erdenmensch etwas von dem Untersten, und wiederum ein Schattenbild des Obersten, das erst in der Intuition erreichbar ist. Gerade die mittleren Gebiete fehlen ihm zunächst vollständig als Erdenmenschen. Die muß er sich erwerben: Imagination und Inspiration. Die Intuition in der reinen, lichtvollen Innerlichkeit muß er sich auch erwerben; aber er hat gerade in der sittlichen Empfindung, im Inhalt des sittlichen Gewissens ein irdisches Abbild desjenigen, was dann als Intuition auftritt. So daß man auch sagen kann: Wenn der Mensch als ein Initiierter, Erkennender zu einem wirklichen intuitiven Erkennen der Welt aufsteigt, so wird ihm die Welt, die er sonst nur in Naturgesetzen kennt, so innerlich, so mit ihm verbunden, wie für ihn als Erdenmenschen sonst nur die sittliche Welt ist. Und das ist gerade das Bedeutsame in der Menschenwesenheit auf Erden, daß wir wie mit einem innersten dunklen Erahnen hängen an dem Allerhöchsten, was wiederum nur der entwickelten Erkenntnis in seiner wahren Gestalt zugänglich ist.

[ 16 ] Der Mensch hat wirklich als Erdenmensch etwas von dem Untersten, und wiederum ein Schattenbild des Obersten, das erst in der Intuition erreichbar ist. Gerade die mittleren Gebiete fehlen ihm zunächst vollständig als Erdenmenschen. Die muß er sich erwerben: Imagination und Inspiration. Die Intuition in der reinen, lichtvollen Innerlichkeit muß er sich auch erwerben; aber er hat gerade in der sittlichen Empfindung, im Inhalt des sittlichen Gewissens ein irdisches Abbild desjenigen, was dann als Intuition auftritt. So daß man auch sagen kann: Wenn der Mensch als ein Initiierter, Erkennender zu einem wirklichen intuitiven Erkennen der Welt aufsteigt, so wird ihm die Welt, die er sonst nur in Naturgesetzen kennt, so innerlich, so mit ihm verbunden, wie für ihn als Erdenmenschen sonst nur die sittliche Welt ist. Und das ist gerade das Bedeutsame in der Menschenwesenheit auf Erden, daß wir wie mit einem innersten dunklen Erahnen hängen an dem Allerhöchsten, was wiederum nur der entwickelten Erkenntnis in seiner wahren Gestalt zugänglich ist.

[ 17 ] Der dritte Schritt des höheren Erkennens, der notwendig ist, um in die Region der Intuition zu kommen, der kann nur durch die höchste Ausbildung einer inneren Fähigkeit erlangt werden, die man in der heutigen materialistischen Zeit überhaupt nicht zu den Erkenntniskräften rechnet. Nur durch die höchste Ausbildung und Vergeistigung der Liebefähigkeit kann dasjenige errungen werden, was in Intuition sich offenbart. Es muß dem Menschen möglich werden, die Liebefähigkeit zu einer Erkenntniskraft zu machen. Wir bereiten uns schon gut auf diese vergeistigte Liebefähigkeit vor, wenn wir uns in einer gewissen Weise losreißen von unserem Hängen an den äußeren Dingen, wenn wir zum Beispiel zur regelmäßigen Übung machen, die Dinge, die wir erlebt haben, nicht in der Erlebnisfolge vorzustellen, sondern rückwärts verlaufend.

[ 17 ] Der dritte Schritt des höheren Erkennens, der notwendig ist, um in die Region der Intuition zu kommen, der kann nur durch die höchste Ausbildung einer inneren Fähigkeit erlangt werden, die man in der heutigen materialistischen Zeit überhaupt nicht zu den Erkenntniskräften rechnet. Nur durch die höchste Ausbildung und Vergeistigung der Liebefähigkeit kann dasjenige errungen werden, was in Intuition sich offenbart. Es muß dem Menschen möglich werden, die Liebefähigkeit zu einer Erkenntniskraft zu machen. Wir bereiten uns schon gut auf diese vergeistigte Liebefähigkeit vor, wenn wir uns in einer gewissen Weise losreißen von unserem Hängen an den äußeren Dingen, wenn wir zum Beispiel zur regelmäßigen Übung machen, die Dinge, die wir erlebt haben, nicht in der Erlebnisfolge vorzustellen, sondern rückwärts verlaufend.

[ 18 ] Wir sind ja mit unserem passiven Denken ganz — ich möchte sagen wie Menschensklaven — hingegeben an die Ereignisse der Welt. Ich habe schon gestern gesagt: Wir denken auch im Gedankenbilden das Frühere früher, das Spätere später. Wenn wir ein Drama auf der Bühne ablaufen sehen, dann hat es zuerst den ersten Akt, den zweiten, dritten, vierten, fünften Akt. Wenn wir uns aber dazu aufschwingen können, ganz am Ende anzufangen mit dem Vorstellen, dann dasjenige, was unmittelbar früher war, dann dasjenige, was im Anfange des fünften Aktes ist, dann zurückgehen zum vierten Akt, dann zurückgehen zum dritten, zum zweiten, zum ersten Akt, dann reißen wir uns ganz los von dem Verlauf, den die Welt äußerlich hat. Wir stellen rückwärts vor. So verläuft die Welt nicht. Wir müssen eine bedeutende, rein aus dem Innern herausgeholte Kraftanstrengung vollbringen, um rein rückwarts vorzustellen. Dadurch reißen wir die innere Tätigkeit unserer Seele los von dem Gängelbande, an dem wir sonst fortwährend gezogen werden, und dadurch bringen wir dieses innere geistig-seelische Erleben allmählich bis zu jenem Punkt, wo sich das GeistigSeelische wirklich losreißt vom Körperlichen und auch vom Ätherischen.

[ 18 ] Wir sind ja mit unserem passiven Denken ganz — ich möchte sagen wie Menschensklaven — hingegeben an die Ereignisse der Welt. Ich habe schon gestern gesagt: Wir denken auch im Gedankenbilden das Frühere früher, das Spätere später. Wenn wir ein Drama auf der Bühne ablaufen sehen, dann hat es zuerst den ersten Akt, den zweiten, dritten, vierten, fünften Akt. Wenn wir uns aber dazu aufschwingen können, ganz am Ende anzufangen mit dem Vorstellen, dann dasjenige, was unmittelbar früher war, dann dasjenige, was im Anfange des fünften Aktes ist, dann zurückgehen zum vierten Akt, dann zurückgehen zum dritten, zum zweiten, zum ersten Akt, dann reißen wir uns ganz los von dem Verlauf, den die Welt äußerlich hat. Wir stellen rückwärts vor. So verläuft die Welt nicht. Wir müssen eine bedeutende, rein aus dem Innern herausgeholte Kraftanstrengung vollbringen, um rein rückwarts vorzustellen. Dadurch reißen wir die innere Tätigkeit unserer Seele los von dem Gängelbande, an dem wir sonst fortwährend gezogen werden, und dadurch bringen wir dieses innere geistig-seelische Erleben allmählich bis zu jenem Punkt, wo sich das GeistigSeelische wirklich losreißt vom Körperlichen und auch vom Ätherischen.

[ 19 ] Vorbereiten kann sich gut der Mensch zu einem solchen Losreißen, wenn er in der Lage ist, jeden Abend seine Tageserlebnisse rückwärts vorzustellen, dasjenige zuerst vorzustellen, was man zuletzt erlebt hat, dann rücklaufend, aber womöglich auch die Einzelheiten rücklaufend vorzustellen, so daß man, wenn man eine Treppe hinaufgestiegen ist, zuerst sich vorstellt oben auf der obersten Stufe, dann auf der vorletzten, dritten und so weiter rückwärts hinuntergehend sich vorstellt dasjenige, was man hinaufgehend vollbracht hat.

[ 19 ] Vorbereiten kann sich gut der Mensch zu einem solchen Losreißen, wenn er in der Lage ist, jeden Abend seine Tageserlebnisse rückwärts vorzustellen, dasjenige zuerst vorzustellen, was man zuletzt erlebt hat, dann rücklaufend, aber womöglich auch die Einzelheiten rücklaufend vorzustellen, so daß man, wenn man eine Treppe hinaufgestiegen ist, zuerst sich vorstellt oben auf der obersten Stufe, dann auf der vorletzten, dritten und so weiter rückwärts hinuntergehend sich vorstellt dasjenige, was man hinaufgehend vollbracht hat.

[ 20 ] Sie werden sagen: Man erlebt so viel am Tage, das dauert lange. Nun, man mache zunächst episodisch wirklich das zunächst, daß man das Hinauf- und Hinuntergehen über eine Treppe umgekehrt vorstellt: Hinunter- und Hinaufgehen; dann bekommt man eine innere Beweglichkeit, so daß man nach und nach wirklich in drei, vier Minuten den ganzen Tagesverlauf des Lebens rückwärtsbewegend vorstellen kann. Damit hat man aber eigentlich doch nur die Hälfte, im Grunde das Negative dessen vollbracht, was man zur Steigerung, zur geistigen Ausbildung der Liebefähigkeit braucht. Denn die muß bis zu jenem Punkte kommen, wo man liebevoll verfolgt jedes Wachsen der Pflanze — im gewöhnlichen Leben sieht man ja das Wachsen der Pflanze nur, wie es sich im Raume gestaltet; man macht es nicht mit —, wenn man mitmacht jedes einzelne, was im Pflanzenwachstum sich zeigt, wenn man untertaucht in die Pflanze, mit seiner Seele selber diese Pflanze wird, wenn man selber wächst, blüht, selber die Früchte der Pflanze trägt, wenn man also ganz untertaucht, wenn einem die Pflanze so wert wird, wie man selber sich ist; wenn man dann in derselben Weise zur Vorstellung des Tierischen hinauf, zur Vorstellung des Mineralischen hinuntersteigt, wenn man fühlt, wie das Mineralische sich gestaltet zum Kristall, wenn man gewissermaßen ein inneres Wohlgefallen entwickeln kann an diesem sich Bilden von Flächen, von Kanten, von Ecken, wenn man schon in dem Wahrnehmen dieser Flächen, Kanten und Ecken ein inneres Wohlgefallen hat, und wenn man beim Zerspalten, Zerklüften des Minerals etwas empfinden kann wie ein Schmerzgefühl, das durch die eigene Wesenheit zuckt —, wenn man in dieser Weise mitfühlend, ja nicht nur mitfühlend, sondern in der Seele mitwollend wird mit allem Naturgeschehen.

[ 20 ] Sie werden sagen: Man erlebt so viel am Tage, das dauert lange. Nun, man mache zunächst episodisch wirklich das zunächst, daß man das Hinauf- und Hinuntergehen über eine Treppe umgekehrt vorstellt: Hinunter- und Hinaufgehen; dann bekommt man eine innere Beweglichkeit, so daß man nach und nach wirklich in drei, vier Minuten den ganzen Tagesverlauf des Lebens rückwärtsbewegend vorstellen kann. Damit hat man aber eigentlich doch nur die Hälfte, im Grunde das Negative dessen vollbracht, was man zur Steigerung, zur geistigen Ausbildung der Liebefähigkeit braucht. Denn die muß bis zu jenem Punkte kommen, wo man liebevoll verfolgt jedes Wachsen der Pflanze — im gewöhnlichen Leben sieht man ja das Wachsen der Pflanze nur, wie es sich im Raume gestaltet; man macht es nicht mit —, wenn man mitmacht jedes einzelne, was im Pflanzenwachstum sich zeigt, wenn man untertaucht in die Pflanze, mit seiner Seele selber diese Pflanze wird, wenn man selber wächst, blüht, selber die Früchte der Pflanze trägt, wenn man also ganz untertaucht, wenn einem die Pflanze so wert wird, wie man selber sich ist; wenn man dann in derselben Weise zur Vorstellung des Tierischen hinauf, zur Vorstellung des Mineralischen hinuntersteigt, wenn man fühlt, wie das Mineralische sich gestaltet zum Kristall, wenn man gewissermaßen ein inneres Wohlgefallen entwickeln kann an diesem sich Bilden von Flächen, von Kanten, von Ecken, wenn man schon in dem Wahrnehmen dieser Flächen, Kanten und Ecken ein inneres Wohlgefallen hat, und wenn man beim Zerspalten, Zerklüften des Minerals etwas empfinden kann wie ein Schmerzgefühl, das durch die eigene Wesenheit zuckt —, wenn man in dieser Weise mitfühlend, ja nicht nur mitfühlend, sondern in der Seele mitwollend wird mit allem Naturgeschehen.

[ 21 ] Es muß dem vorausgehen eine wirkliche, auf alle Menschen sich erstreckende Liebefähigkeit. Man wird die Natur nicht in der geschilderten Weise richtig lieben können, wenn man nicht zuerst Liebefähigkeit für alle Menschen sich errungen hat. Dann, wenn man in dieser Art verständnisvolle Liebefähigkeit für die Menschen und für die ganze Natur errungen hat, dann stellt sich dasjenige ein, daß das, was sich uns zunächst wahrnehmbar macht, sagen wir, in den aurischen Farben, in dem sphärischen Tönen, daß das sich rundet, konturiert zu wirklichen geistigen Wesenheiten.

[ 21 ] Es muß dem vorausgehen eine wirkliche, auf alle Menschen sich erstreckende Liebefähigkeit. Man wird die Natur nicht in der geschilderten Weise richtig lieben können, wenn man nicht zuerst Liebefähigkeit für alle Menschen sich errungen hat. Dann, wenn man in dieser Art verständnisvolle Liebefähigkeit für die Menschen und für die ganze Natur errungen hat, dann stellt sich dasjenige ein, daß das, was sich uns zunächst wahrnehmbar macht, sagen wir, in den aurischen Farben, in dem sphärischen Tönen, daß das sich rundet, konturiert zu wirklichen geistigen Wesenheiten.

[ 22 ] Aber das Erleben dieser geistigen Wesenheiten ist anders als das Erleben der physischen Dinge. Wenn ich ein physisches Ding vor mir habe, zum Beispiel die Uhr: ich stehe hier, die Uhr ist da; ich kann sie nur erleben im Anschauen, sie hat eine Entfernung von mir. Ich stehe mit ihr in Raumesbestimmung drinnen.

[ 22 ] Aber das Erleben dieser geistigen Wesenheiten ist anders als das Erleben der physischen Dinge. Wenn ich ein physisches Ding vor mir habe, zum Beispiel die Uhr: ich stehe hier, die Uhr ist da; ich kann sie nur erleben im Anschauen, sie hat eine Entfernung von mir. Ich stehe mit ihr in Raumesbestimmung drinnen.

[ 23 ] So kann man niemals ein geistiges Wesen wirklich erleben. Ein geistiges Wesen muß man erleben, indem man in dasselbe ganz untertaucht, indem man also gerade anwendet die Liebefähigkeit, die man zunächst an der Natur entwickelt hat. Geistige Intuition ist nur möglich durch Anwendung — in der Stille, in dem, was leer ist für das Bewußtsein — desjenigen, was man an Liebefähigkeit an der Natur entwickeln kann. Denken Sie sich einmal, Sie haben diese Liebefähigkeit an Mineralien, Pflanzen, Tieren, an Menschen entwickelt. Sie stehen nun darinnen in der Leere des Bewußtseins. Um Sie herum ist jene negative, unter der Null liegende Ruhe. Sie empfinden das Leid, das auf dem Grunde des ganzen Weltendaseins ist; es ist das Leid zu gleicher Zeit der Einsamkeit. Noch nichts ist da. Aber die aus dem Innern aufquillende Liebefähigkeit, die in der mannigfaltigsten Weise differenziert ist, die führt Sie dazu, dasjenige, was nun in der Inspiration auftritt, das Schaubare, das Hörbare, wirklich auch mit dem eigenen Wesen zu durchdringen. Sie tauchen durch diese Liebefähigkeit unter in das eine Wesen, dringen ein in das andere Wesen.

[ 23 ] So kann man niemals ein geistiges Wesen wirklich erleben. Ein geistiges Wesen muß man erleben, indem man in dasselbe ganz untertaucht, indem man also gerade anwendet die Liebefähigkeit, die man zunächst an der Natur entwickelt hat. Geistige Intuition ist nur möglich durch Anwendung — in der Stille, in dem, was leer ist für das Bewußtsein — desjenigen, was man an Liebefähigkeit an der Natur entwickeln kann. Denken Sie sich einmal, Sie haben diese Liebefähigkeit an Mineralien, Pflanzen, Tieren, an Menschen entwickelt. Sie stehen nun darinnen in der Leere des Bewußtseins. Um Sie herum ist jene negative, unter der Null liegende Ruhe. Sie empfinden das Leid, das auf dem Grunde des ganzen Weltendaseins ist; es ist das Leid zu gleicher Zeit der Einsamkeit. Noch nichts ist da. Aber die aus dem Innern aufquillende Liebefähigkeit, die in der mannigfaltigsten Weise differenziert ist, die führt Sie dazu, dasjenige, was nun in der Inspiration auftritt, das Schaubare, das Hörbare, wirklich auch mit dem eigenen Wesen zu durchdringen. Sie tauchen durch diese Liebefähigkeit unter in das eine Wesen, dringen ein in das andere Wesen.

[ 24 ] Die Wesenheiten, die ich geschildert habe in meinem Buche «Geheimwissenschaft» — «Occult Science» —, diese Wesenheiten der höheren Hierarchien, die erlebt man nun mit; die werden reales, wesenhaftes Weltdasein. Man erlebt ebenso eine konkrete geistige Welt, wie man durch Auge und Ohr und durch das Gefühl, durch die Wärme eine konkrete physische Welt erlebt. Aber man muß bis zu dieser Stufe vorgedrungen sein, wenn man zu einer dem Menschen ganz besonders wesentlichen Erkenntnis kommen will. Ich habe gesagt, wie durch die Inspiration das vorirdische, rein geistige Dasein in unsere Seele hineinragt, wie wir durch diese Inspiration erst kennenlernen, was wir waren, bevor wir durch die Konzeption in einen irdischen Leib heruntergestiegen sind. Wenn wir hellseherisch, wie ich es jetzt geschildert habe, durch Liebefähigkeit eindringen können in die geistigen Wesen, dann offenbart sich uns auch dasjenige, was das Menschenwesen erst in seinem inneren Erleben vollständig macht. Es offenbart sich dasjenige, was jetzt vor der Zeit des Lebens in der geistigen Welt liegt; es offenbart sich dasjenige, was wir waren, bevor wir zu dem letzten geistigen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt aufgestiegen sind. Es offenbart sich das vorige Erdenleben, und nach und nach die anderen vorhergehenden Erdenleben. Denn dieses wahre Ich, das in wiederholten Erdenleben vorhanden ist, das kann sich nur offenbaren, wenn man die Liebefähigkeit so weit gesteigert hat, daß einem das andere Wesen, das draußen in der Natur oder in der Geisteswelt ist, so lieb geworden ist, wie man sich nur selber in Eigenliebe lieben kann. Aber niemals wird der Eigenliebe zugänglich das wahre Ich, das durch wiederholte Geburten und Tode geht. Die wiederholten Erdenleben offenbaren sich dem Menschen erst, wenn er nicht mehr in der Eigenliebe lebt für Erkenntnisaugenblicke, sondern in jener Liebe, die die Eigenliebe ganz vergessen kann und in dem objektiven Wesen so leben kann, wie man sonst in seinem physischen Dasein, sich liebend, mit der Eigenliebe lebt. Denn dieses Ich des vorhergehenden Erdenlebens ist so objektiv für dieses jetzige Erdenleben geworden, wie nur irgendein äußerer Stein oder eine Pflanze für uns ist, wenn wir im Raume außer ihm stehen. Wir müssen gelernt haben, dasjenige, was uns zunächst für die gegenwärtige subjektive Persönlichkeit ganz objektiv, ganz fremd geworden ist, in objektiver Liebe zu erfassen. Wir müssen uns überwunden haben im gegenwärtigen Erdendasein, um überhaupt irgendeinen Einblick bekommen zu können in ein vorhergehendes Erdendasein.

[ 24 ] Die Wesenheiten, die ich geschildert habe in meinem Buche «Geheimwissenschaft» — «Occult Science» —, diese Wesenheiten der höheren Hierarchien, die erlebt man nun mit; die werden reales, wesenhaftes Weltdasein. Man erlebt ebenso eine konkrete geistige Welt, wie man durch Auge und Ohr und durch das Gefühl, durch die Wärme eine konkrete physische Welt erlebt. Aber man muß bis zu dieser Stufe vorgedrungen sein, wenn man zu einer dem Menschen ganz besonders wesentlichen Erkenntnis kommen will. Ich habe gesagt, wie durch die Inspiration das vorirdische, rein geistige Dasein in unsere Seele hineinragt, wie wir durch diese Inspiration erst kennenlernen, was wir waren, bevor wir durch die Konzeption in einen irdischen Leib heruntergestiegen sind. Wenn wir hellseherisch, wie ich es jetzt geschildert habe, durch Liebefähigkeit eindringen können in die geistigen Wesen, dann offenbart sich uns auch dasjenige, was das Menschenwesen erst in seinem inneren Erleben vollständig macht. Es offenbart sich dasjenige, was jetzt vor der Zeit des Lebens in der geistigen Welt liegt; es offenbart sich dasjenige, was wir waren, bevor wir zu dem letzten geistigen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt aufgestiegen sind. Es offenbart sich das vorige Erdenleben, und nach und nach die anderen vorhergehenden Erdenleben. Denn dieses wahre Ich, das in wiederholten Erdenleben vorhanden ist, das kann sich nur offenbaren, wenn man die Liebefähigkeit so weit gesteigert hat, daß einem das andere Wesen, das draußen in der Natur oder in der Geisteswelt ist, so lieb geworden ist, wie man sich nur selber in Eigenliebe lieben kann. Aber niemals wird der Eigenliebe zugänglich das wahre Ich, das durch wiederholte Geburten und Tode geht. Die wiederholten Erdenleben offenbaren sich dem Menschen erst, wenn er nicht mehr in der Eigenliebe lebt für Erkenntnisaugenblicke, sondern in jener Liebe, die die Eigenliebe ganz vergessen kann und in dem objektiven Wesen so leben kann, wie man sonst in seinem physischen Dasein, sich liebend, mit der Eigenliebe lebt. Denn dieses Ich des vorhergehenden Erdenlebens ist so objektiv für dieses jetzige Erdenleben geworden, wie nur irgendein äußerer Stein oder eine Pflanze für uns ist, wenn wir im Raume außer ihm stehen. Wir müssen gelernt haben, dasjenige, was uns zunächst für die gegenwärtige subjektive Persönlichkeit ganz objektiv, ganz fremd geworden ist, in objektiver Liebe zu erfassen. Wir müssen uns überwunden haben im gegenwärtigen Erdendasein, um überhaupt irgendeinen Einblick bekommen zu können in ein vorhergehendes Erdendasein.

[ 25 ] Wenn wir aber also die Erkenntnis entwickeln, dann stellt sich das vollständige Leben des Menschen eben dar als ein solches, das durchgeht wie in Wellenschwingungen durch irdische Daseinsstufen von der Geburt oder Empfängnis bis zum Tode, und wiederum durch rein geistige Daseinsstufen von dem Tode bis zu einer neuen Geburt, um wiederum zur Erde zurückzukehren und so weiter. Das vollständige Erdenleben stellt sich dar als wiederholte Durchgänge durch Geburten und Tode mit dazwischenliegenden Leben in rein geistigen Welten. Das ist erst eine Erkenntnis, die durch die Intuition erworben werden kann als eine reale, erfahrungsmäßige Erkenntnis.

[ 25 ] Wenn wir aber also die Erkenntnis entwickeln, dann stellt sich das vollständige Leben des Menschen eben dar als ein solches, das durchgeht wie in Wellenschwingungen durch irdische Daseinsstufen von der Geburt oder Empfängnis bis zum Tode, und wiederum durch rein geistige Daseinsstufen von dem Tode bis zu einer neuen Geburt, um wiederum zur Erde zurückzukehren und so weiter. Das vollständige Erdenleben stellt sich dar als wiederholte Durchgänge durch Geburten und Tode mit dazwischenliegenden Leben in rein geistigen Welten. Das ist erst eine Erkenntnis, die durch die Intuition erworben werden kann als eine reale, erfahrungsmäßige Erkenntnis.



[ 26 ] Ich habe Ihnen den Weg der Initiations-Erkenntnis schildern müssen — skizzenhaft zunächst —, wie er gegangen werden muß gerade in unserer Zeit, im gegenwärtigen Entwickelungspunkte der Menschheit, um zu einer wirklichen geistigen, spirituellen Erkenntnis des Wesens der Welt und des Menschen zu kommen. Initiations-Erkenntnis hat es aber gegeben, so lange es eine Menschheit gibt. Sie hat zu den verschiedenen Zeiten der Menschheitsentwikkelung verschiedene Gestalten annehmen müssen. Weil der Mensch ein Wesen ist, das eigentlich durch jedes folgende Erdenleben in einer anderen Weise mit seiner Seele geht, so ist auch dasjenige, was in den einzelnen Epochen der Weltentwickelung innerhalb der Menschheit erscheint, durchaus voneinander verschieden. Die einzelnen Unterschiede werden wir im Laufe der nächsten Tage noch kennenlernen; heute möchte ich nur das folgende sagen: Gerade mit Bezug auf dasjenige, was als Initiations-Erkenntnis gegeben werden muß, war es in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung ganz anders als heute. Wir können zurückgehen um Jahrtausende — alles Genauere wird sich auch später ergeben — und wir finden weit zu rückliegend vor dem Mysterium von Golgatha eine ganz andere Art, wie der Mensch sich zu der natürlichen und zu der geistigen Welt verhält als heute, und dementsprechend auch eine ganz andere Initiationswissenschaft, als heute die rechte für den Menschen ist. Heute haben wir eine sehr, sehr weit entwickelte Naturwissenschaft. Ich will nicht von den höchsten Partien der Naturwissenschaft reden, sondern nur von demjenigen, was den Kindern vom sechsten, siebenten Lebensjahre an als eine Allerweltsweisheit beigebracht wird. Da nimmt das Kind ja auch auf in einem verhältnismäßig frühen Lebensalter heute jene Gesetzmäßigkeit, die, sagen wir, anknüpft an das kopernikanische Weltensystem; und von diesem kopernikanischen Weltensystem aus baut man Hypothesen darüber, wie das Weltenall entstehen kann. Man spricht da von der Kant-Laplaceschen Hypothese, die zwar revidiert ist, die aber im wesentlichen auch heute noch vor dem Menschen steht. Man sieht im wesentlichen auf einen Urnebel hin, wie man ihn ja heute noch durch die entsprechenden physikalischen Experimente veranschaulichen kann, in dem man Anfangszustände des Weltensystems sieht; man sieht hin auf einen Urnebel und nimmt an, aus diesem Urnebel heraus seien durch rotierende Kräfte die Planeten entstanden, die Sonne zurückgeblieben. Man denkt sich dann, wie aus diesem besonderen Ring, der sich dann zur Erde zusammengeballt hat, der aus dem Urenkel abgespalten ist, sich die weiteren Wesen durch Differenzierung gebildet haben, Mineralien, Pflanzen, Tiere, zuletzt auch der Mensch. Und man beschreibt das zunächst in rein naturwissenschaftlichem Sinne.

[ 26 ] Ich habe Ihnen den Weg der Initiations-Erkenntnis schildern müssen — skizzenhaft zunächst —, wie er gegangen werden muß gerade in unserer Zeit, im gegenwärtigen Entwickelungspunkte der Menschheit, um zu einer wirklichen geistigen, spirituellen Erkenntnis des Wesens der Welt und des Menschen zu kommen. Initiations-Erkenntnis hat es aber gegeben, so lange es eine Menschheit gibt. Sie hat zu den verschiedenen Zeiten der Menschheitsentwikkelung verschiedene Gestalten annehmen müssen. Weil der Mensch ein Wesen ist, das eigentlich durch jedes folgende Erdenleben in einer anderen Weise mit seiner Seele geht, so ist auch dasjenige, was in den einzelnen Epochen der Weltentwickelung innerhalb der Menschheit erscheint, durchaus voneinander verschieden. Die einzelnen Unterschiede werden wir im Laufe der nächsten Tage noch kennenlernen; heute möchte ich nur das folgende sagen: Gerade mit Bezug auf dasjenige, was als Initiations-Erkenntnis gegeben werden muß, war es in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung ganz anders als heute. Wir können zurückgehen um Jahrtausende — alles Genauere wird sich auch später ergeben — und wir finden weit zu rückliegend vor dem Mysterium von Golgatha eine ganz andere Art, wie der Mensch sich zu der natürlichen und zu der geistigen Welt verhält als heute, und dementsprechend auch eine ganz andere Initiationswissenschaft, als heute die rechte für den Menschen ist. Heute haben wir eine sehr, sehr weit entwickelte Naturwissenschaft. Ich will nicht von den höchsten Partien der Naturwissenschaft reden, sondern nur von demjenigen, was den Kindern vom sechsten, siebenten Lebensjahre an als eine Allerweltsweisheit beigebracht wird. Da nimmt das Kind ja auch auf in einem verhältnismäßig frühen Lebensalter heute jene Gesetzmäßigkeit, die, sagen wir, anknüpft an das kopernikanische Weltensystem; und von diesem kopernikanischen Weltensystem aus baut man Hypothesen darüber, wie das Weltenall entstehen kann. Man spricht da von der Kant-Laplaceschen Hypothese, die zwar revidiert ist, die aber im wesentlichen auch heute noch vor dem Menschen steht. Man sieht im wesentlichen auf einen Urnebel hin, wie man ihn ja heute noch durch die entsprechenden physikalischen Experimente veranschaulichen kann, in dem man Anfangszustände des Weltensystems sieht; man sieht hin auf einen Urnebel und nimmt an, aus diesem Urnebel heraus seien durch rotierende Kräfte die Planeten entstanden, die Sonne zurückgeblieben. Man denkt sich dann, wie aus diesem besonderen Ring, der sich dann zur Erde zusammengeballt hat, der aus dem Urenkel abgespalten ist, sich die weiteren Wesen durch Differenzierung gebildet haben, Mineralien, Pflanzen, Tiere, zuletzt auch der Mensch. Und man beschreibt das zunächst in rein naturwissenschaftlichem Sinne.

[ 27 ] Man macht das den Kindern ganz begreiflich, indem man eine Art demonstrierenden Exerzitiums ausführt, das ja sogleich alles klarmacht. Man nimmt ein Öltröpfchen, einen Tropfen von einer Flüssigkeit, die auf dem Wasser schwimmt, bringt es in der Äquatorgegend auf ein Kartenblatt, steckt oben eine Stecknadel hinein und dreht nun das Kartenblatt. Man kann nun zeigen, wie sich da zuerst ein äußerstes Tröpfchen absondert, das rotiert, dann ein zweites Tröpfchen und so weiter, und man bekommt ein ganz kleines Planetensystem aus Öl, mitten drinnen die Sonne. Wenn man das gesehen hat als Kind, warum sollte man nicht höchst plausibel finden das Hervorgehen des ganzen Planetensystems aus dem Urnebel? Man hat es ja mit eigenen Augen gesehen, nachgebildet gesehen.

[ 27 ] Man macht das den Kindern ganz begreiflich, indem man eine Art demonstrierenden Exerzitiums ausführt, das ja sogleich alles klarmacht. Man nimmt ein Öltröpfchen, einen Tropfen von einer Flüssigkeit, die auf dem Wasser schwimmt, bringt es in der Äquatorgegend auf ein Kartenblatt, steckt oben eine Stecknadel hinein und dreht nun das Kartenblatt. Man kann nun zeigen, wie sich da zuerst ein äußerstes Tröpfchen absondert, das rotiert, dann ein zweites Tröpfchen und so weiter, und man bekommt ein ganz kleines Planetensystem aus Öl, mitten drinnen die Sonne. Wenn man das gesehen hat als Kind, warum sollte man nicht höchst plausibel finden das Hervorgehen des ganzen Planetensystems aus dem Urnebel? Man hat es ja mit eigenen Augen gesehen, nachgebildet gesehen.

[ 28 ] Es ist nun sehr schön, wenn man im Leben, im moralischen Leben, sich selbst vergessen kann, aber im Demonstrieren von Naturerscheinungen sollte man sich nicht selbst vergessen. Die ganze Geschichte von dem Öltröpfchen hätte sich ja nicht entwikkelt, wenn man nicht dastehen würde und mit der Hand die Stecknadel gedreht hätte. Man muß also das hinzurechnen. Man muß notwendigerweise, wenn das gelten soll als Hypothese, einen riesig großen Schullehrer hinaussetzen in.das Weltenall, als der Urnebel zuerst gedreht worden ist und eigentlich fortwährend gedreht wird; sonst hat man nicht den Gedanken in seiner Urwesenheit vor sich.

[ 28 ] Es ist nun sehr schön, wenn man im Leben, im moralischen Leben, sich selbst vergessen kann, aber im Demonstrieren von Naturerscheinungen sollte man sich nicht selbst vergessen. Die ganze Geschichte von dem Öltröpfchen hätte sich ja nicht entwikkelt, wenn man nicht dastehen würde und mit der Hand die Stecknadel gedreht hätte. Man muß also das hinzurechnen. Man muß notwendigerweise, wenn das gelten soll als Hypothese, einen riesig großen Schullehrer hinaussetzen in.das Weltenall, als der Urnebel zuerst gedreht worden ist und eigentlich fortwährend gedreht wird; sonst hat man nicht den Gedanken in seiner Urwesenheit vor sich.

[ 29 ] Aber das ist ja gerade die Eigentümlichkeit des materialistischen Zeitalters, daß Viertels- und Achtels- und noch stärkere Brüche der Wahrheit gedacht werden, und daß das sich mit einer ungeheuren Suggestion in die Menschenseele einlebt. So leben wir heute in einer einseitigen Anschauung von der Natur und ihrer Gesetzmäßigkeit.

[ 29 ] Aber das ist ja gerade die Eigentümlichkeit des materialistischen Zeitalters, daß Viertels- und Achtels- und noch stärkere Brüche der Wahrheit gedacht werden, und daß das sich mit einer ungeheuren Suggestion in die Menschenseele einlebt. So leben wir heute in einer einseitigen Anschauung von der Natur und ihrer Gesetzmäßigkeit.

[ 30 ] Ich könnte nun vieles anführen, das Ihnen auf den verschiedensten Gebieten klarmachen würde, wie der Mensch von heute hinausgeht in die Natur und deshalb, weil er das mitbekommt aus der heutigen Zivilisation heraus, die Natur in einer — wie man sie nennt — kausalen Gesetzmäßigkeit sieht. Das durchdringt sein ganzes Dasein von heute. Die geistige Welt kann er höchstens durch die religiöse "Tradition noch festhalten. Will man zu der wirklichen geistigen Welt aufsteigen, dann muß man einen inneren Entwickelungsgang durchmachen durch Imagination, Inspiration, Intuition, wie ich das geschildert habe. Man muß also durch die Initiationswissenschaft geführt werden von der gesetzmäßigen Durchdringung oder wenigstens von dem Glauben an die gesetzmäßige Durchdringung des naturalistischen Daseins zu der Erfassung des Geistigen. Alle Initiationswissenschaft muß heute darauf gehen, den Menschen von der ihm heute selbstverständlichen, natürlichen Erfassung des Kosmos hinzuführen zu der spirituellen Erfassung des Kosmos.

[ 30 ] Ich könnte nun vieles anführen, das Ihnen auf den verschiedensten Gebieten klarmachen würde, wie der Mensch von heute hinausgeht in die Natur und deshalb, weil er das mitbekommt aus der heutigen Zivilisation heraus, die Natur in einer — wie man sie nennt — kausalen Gesetzmäßigkeit sieht. Das durchdringt sein ganzes Dasein von heute. Die geistige Welt kann er höchstens durch die religiöse "Tradition noch festhalten. Will man zu der wirklichen geistigen Welt aufsteigen, dann muß man einen inneren Entwickelungsgang durchmachen durch Imagination, Inspiration, Intuition, wie ich das geschildert habe. Man muß also durch die Initiationswissenschaft geführt werden von der gesetzmäßigen Durchdringung oder wenigstens von dem Glauben an die gesetzmäßige Durchdringung des naturalistischen Daseins zu der Erfassung des Geistigen. Alle Initiationswissenschaft muß heute darauf gehen, den Menschen von der ihm heute selbstverständlichen, natürlichen Erfassung des Kosmos hinzuführen zu der spirituellen Erfassung des Kosmos.

[ 31 ] Das Umgekehrte war in der alten Initiationswissenschaft vor Jahrtausenden vorhanden. Da hatten die Mysterienweisen, die Leiter der Initiationsstätten, die dazumal Schule und Kirche und Kunststätten zugleich waren, eine Menschheit um sich, welche eigentlich in dem Sinne von Natur nichts wußte, wie die heutige Menschheit es weiß seit der kopernikanischen Weltanschauung, eine Menschheit, die aber instinktiv innerlich Geistig-Seelisches auch als Kosmisches erlebte, dieses Geistig-Seelisch-Kosmische in Mythen, in Legenden brachte, die wir heute in der allgemeinen Zivilisation nicht mehr verstehen. Über sie werden wir auch noch ausführlicher zu sprechen haben. Aber dasjenige, was Erleben war, war instinktives seelisches, geistiges Erleben. Und das war dem Menschen dasjenige, was ihn wie mit traumhaften Bildern, Imaginationen während seines Wachdaseins erfüllte. Immer kamen aus dem Inneren der Urmenschheit heraus diese dann zu Legenden, zu Mythen, zu Göttersagen ausgebildeten traumhaften Imaginationen. In denen lebte man. Man sah hinaus in die Welt, und man erlebte seine traumhaften Imaginationen. Dann erlebte man: wenn man nicht in diesen traumhaften Imaginationen lebte, lebte man in dem Naturdasein. Man sah den Regenbogen, die Wolken, die Sterne, die über den Himmel eilende Sonne, man sah die Flüsse, man sah die Berge in ihrem Werden, in ihrem Wesen, man sah die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere.

[ 31 ] Das Umgekehrte war in der alten Initiationswissenschaft vor Jahrtausenden vorhanden. Da hatten die Mysterienweisen, die Leiter der Initiationsstätten, die dazumal Schule und Kirche und Kunststätten zugleich waren, eine Menschheit um sich, welche eigentlich in dem Sinne von Natur nichts wußte, wie die heutige Menschheit es weiß seit der kopernikanischen Weltanschauung, eine Menschheit, die aber instinktiv innerlich Geistig-Seelisches auch als Kosmisches erlebte, dieses Geistig-Seelisch-Kosmische in Mythen, in Legenden brachte, die wir heute in der allgemeinen Zivilisation nicht mehr verstehen. Über sie werden wir auch noch ausführlicher zu sprechen haben. Aber dasjenige, was Erleben war, war instinktives seelisches, geistiges Erleben. Und das war dem Menschen dasjenige, was ihn wie mit traumhaften Bildern, Imaginationen während seines Wachdaseins erfüllte. Immer kamen aus dem Inneren der Urmenschheit heraus diese dann zu Legenden, zu Mythen, zu Göttersagen ausgebildeten traumhaften Imaginationen. In denen lebte man. Man sah hinaus in die Welt, und man erlebte seine traumhaften Imaginationen. Dann erlebte man: wenn man nicht in diesen traumhaften Imaginationen lebte, lebte man in dem Naturdasein. Man sah den Regenbogen, die Wolken, die Sterne, die über den Himmel eilende Sonne, man sah die Flüsse, man sah die Berge in ihrem Werden, in ihrem Wesen, man sah die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere.

[ 32 ] Und das alles, was man da sah mit den Sinnen, das wurde gerade für die Urmenschheit das große Rätsel. Denn der Zeitpunkt, den ich meine — es gab frühere oder spätere Zeiten, in denen die Zivilisation anders war —, aber der Zeitpunkt, den ich meine, der einige Jahrtausende zurückliegt vor dem Mysterium von Golgatha, in dem empfand die Menschheit sich innerlich beglückt, wenn sie ihre traumhaften Imaginationen hatte. Und die äußere Sinnenwelt, in der man nur dasjenige sah von Regenbogen, von Wolken, von der ziehenden Sonne, von Mineralien, von Pflanzen und Tieren, was das Auge sah — durch das man auch nur dasjenige in der Sternenwelt schaute, was dann registriert wurde im vorkopernikanischen, also im ptolemäischen Weltsystem —, diese äußere Welt der Sinne, die kam in jenem Zeitpunkt der allgemeinen Menschheit so vor, daß sich diese allgemeine Menschheit sagte: Ich mit meiner eigenen Seele lebe doch in einer göttlich-geistigen Welt. Da draußen ist eine entgötterte Natur. Die Quelle hat keine Geistigkeit, indem ich sie anschaue; der Regenbogen hat keine Geistigkeit; die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere und die anderen physischen Menschen haben keine Geistigkeit, indem ich sie äußerlich mit den Sinnen anschaue. Und es erschien die Natur wie eine von der göttlichen Geistigkeit abgefallene universale Welt.

[ 32 ] Und das alles, was man da sah mit den Sinnen, das wurde gerade für die Urmenschheit das große Rätsel. Denn der Zeitpunkt, den ich meine — es gab frühere oder spätere Zeiten, in denen die Zivilisation anders war —, aber der Zeitpunkt, den ich meine, der einige Jahrtausende zurückliegt vor dem Mysterium von Golgatha, in dem empfand die Menschheit sich innerlich beglückt, wenn sie ihre traumhaften Imaginationen hatte. Und die äußere Sinnenwelt, in der man nur dasjenige sah von Regenbogen, von Wolken, von der ziehenden Sonne, von Mineralien, von Pflanzen und Tieren, was das Auge sah — durch das man auch nur dasjenige in der Sternenwelt schaute, was dann registriert wurde im vorkopernikanischen, also im ptolemäischen Weltsystem —, diese äußere Welt der Sinne, die kam in jenem Zeitpunkt der allgemeinen Menschheit so vor, daß sich diese allgemeine Menschheit sagte: Ich mit meiner eigenen Seele lebe doch in einer göttlich-geistigen Welt. Da draußen ist eine entgötterte Natur. Die Quelle hat keine Geistigkeit, indem ich sie anschaue; der Regenbogen hat keine Geistigkeit; die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere und die anderen physischen Menschen haben keine Geistigkeit, indem ich sie äußerlich mit den Sinnen anschaue. Und es erschien die Natur wie eine von der göttlichen Geistigkeit abgefallene universale Welt.

[ 33 ] Diese Empfindung der Menschheit lebte in jener Zeit, wo man den ganzen Kosmos in seiner Sichtbarkeit wie ein von dem Göttlich-Geistigen Abgefallenes erblickte. Und man brauchte nicht nur abstrakte Erkenntnis, um diese zwei Erlebnisse miteinander zu verbinden, das innerliche Gott-Erleben in sich und das äußere Erleben einer abgefallenen Sinneswelt, man brauchte eine Erkenntnis, die zu gleicher Zeit Trost dafür war, daß man als Mensch dieser äußeren abgefallenen Sinneswelt mit seinem physischen, mit seinem ätherischen Leibe angehörte. Man brauchte Trost, der einem besagte, wie sich diese abgefallene Sinneswelt zu derjenigen verhält, die man erlebt durch ein instinktives Imaginieren, durch ein traumhaft-dunkles, aber auch für die damaligen Verhältnisse hinreichendes Erleben der geistigen Welt. Erkenntnis mußte Trost sein. Und Trost suchten diejenigen, die nun zu den Mysterien hineilten, entweder als Menschen, welche nur dasjenige, was in den Mysterien äußerlich gegeben werden konnte, wollten als solchen Trost, oder auch als Schüler solcher Weltenweisen, um eingeweiht zu werden gegenüber den Geheimnissen des Daseins, gegenüber dem Rätsel, das sich so vor die Menschheit hinstellt.

[ 33 ] Diese Empfindung der Menschheit lebte in jener Zeit, wo man den ganzen Kosmos in seiner Sichtbarkeit wie ein von dem Göttlich-Geistigen Abgefallenes erblickte. Und man brauchte nicht nur abstrakte Erkenntnis, um diese zwei Erlebnisse miteinander zu verbinden, das innerliche Gott-Erleben in sich und das äußere Erleben einer abgefallenen Sinneswelt, man brauchte eine Erkenntnis, die zu gleicher Zeit Trost dafür war, daß man als Mensch dieser äußeren abgefallenen Sinneswelt mit seinem physischen, mit seinem ätherischen Leibe angehörte. Man brauchte Trost, der einem besagte, wie sich diese abgefallene Sinneswelt zu derjenigen verhält, die man erlebt durch ein instinktives Imaginieren, durch ein traumhaft-dunkles, aber auch für die damaligen Verhältnisse hinreichendes Erleben der geistigen Welt. Erkenntnis mußte Trost sein. Und Trost suchten diejenigen, die nun zu den Mysterien hineilten, entweder als Menschen, welche nur dasjenige, was in den Mysterien äußerlich gegeben werden konnte, wollten als solchen Trost, oder auch als Schüler solcher Weltenweisen, um eingeweiht zu werden gegenüber den Geheimnissen des Daseins, gegenüber dem Rätsel, das sich so vor die Menschheit hinstellt.

[ 34 ] Jene alten Mysterienweisen, die zugleich Priester und Lehrer und Künstler waren, die machten durch alles dasjenige, was auch noch geschildert werden muß, was in ihren Mysterien vorhanden war, dieser Menschheit klar, daß auch in der abgefallenen Welt, in der rieselnden Quelle, in dem blühenden Baum, in der blühenden Blume, in dem sich zum Kristall formenden Mineral, in dem erscheinenden Regenbogen, in der fliehenden Wolke und in der ziehenden Sonne dieselben göttlich-geistigen Gewalten leben, die der Mensch instinktiv in seiner traumhaften Imagination erlebte. Sie stellten dieser Menschheit dar die Versöhnung der gottabgefallenen Welt mit der göttlichen Welt, die der Mensch in seinen instinktiven Imaginationen wahrnahm. Sie brachten der Menschheit die trostvolle Erkenntnis; sie waren ihr die Erlöser durch eine Erkenntnis, die die ganze Natur wiederum zu einer gotterfüllten auch für das menschliche Anschauen machte, denn der Mensch suchte eben diese tröstende Erkenntnis in den Mysterien.

[ 34 ] Jene alten Mysterienweisen, die zugleich Priester und Lehrer und Künstler waren, die machten durch alles dasjenige, was auch noch geschildert werden muß, was in ihren Mysterien vorhanden war, dieser Menschheit klar, daß auch in der abgefallenen Welt, in der rieselnden Quelle, in dem blühenden Baum, in der blühenden Blume, in dem sich zum Kristall formenden Mineral, in dem erscheinenden Regenbogen, in der fliehenden Wolke und in der ziehenden Sonne dieselben göttlich-geistigen Gewalten leben, die der Mensch instinktiv in seiner traumhaften Imagination erlebte. Sie stellten dieser Menschheit dar die Versöhnung der gottabgefallenen Welt mit der göttlichen Welt, die der Mensch in seinen instinktiven Imaginationen wahrnahm. Sie brachten der Menschheit die trostvolle Erkenntnis; sie waren ihr die Erlöser durch eine Erkenntnis, die die ganze Natur wiederum zu einer gotterfüllten auch für das menschliche Anschauen machte, denn der Mensch suchte eben diese tröstende Erkenntnis in den Mysterien.

[ 35 ] Wir sehen daher, wie gemeldet wird von diesen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung, daß gerade dasjenige — das wird noch von dem Griechentum gemeldet —, was wir heute den jüngsten Kindern in der Schule beibringen, daß die Sonne stillstehe und die Erde sich ringsherum drehe, daß das in den Mysterien wie eine Geheimwissenschaft bewahrt worden ist. Dasjenige, was bei uns ganz äußerliche Erkenntnis ist, war damals Geheimwissenschaft. Die Erklärung der Natur, die war damals Geheimwissenschaft. Heute ist, wie jeder ersehen kann, der den Entwickelungsgang der Menschheit innerhalb unserer Zivilisation durchlebt, was ja eigentlich jeder denkende Mensch tut, der erzogen und unterrichtet wird, heute ist die Natur mit ihren Gesetzen dasjenige, in das sich der Mensch einlebt. Dafür hat sich die geistige Welt zurückgezogen. Die alten traumhaften Imaginationen haben aufgehört. Der Mensch empfindet die Natur als dasjenige, in dem er zunächst nicht volle Befriedigung hat, das ihm neutral vorgeführt wird, nicht wie ein abgefallenes sündhaftes Weltenall, wie ein abgefallener Kosmos, sondern wie ein Kosmos, der durch eine innere Notwendigkeit so sein muß, wie er eben ist. Dann erfühlt der Mensch sein Selbstbewußtsein, dann lernt er erkennen in jenem einzigen Punkte die Geistigkeit, dann spürt er den inneren Drang, der das innere Selbst an Gott wieder knüpfen will. Und dann hat er nötig, daß jetzt zu der Naturerkenntnis, entsprechend dieser Naturerkenntnis, er in die geistige Welt hineingeführt werde durch eine neue Initiationswissenschaft. Die alte Initiationswissenschaft konnte vom Geiste, den der Mensch instinktiv erlebte, in seinen Mythen verkörperte, ausgehen und zur Natur hinführen. Die neue Initiationswissenschaft muß von demjenigen, was dem Menschen heute erstes Erlebnis ist, indem er seine Naturgesetze wahrnimmt, an die er dann glaubt, sie muß von dieser Naturerkenntnis ausgehen und zurück den Weg in die geistige Welt durch Imagination, Inspiration, Intuition zeigen.

[ 35 ] Wir sehen daher, wie gemeldet wird von diesen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung, daß gerade dasjenige — das wird noch von dem Griechentum gemeldet —, was wir heute den jüngsten Kindern in der Schule beibringen, daß die Sonne stillstehe und die Erde sich ringsherum drehe, daß das in den Mysterien wie eine Geheimwissenschaft bewahrt worden ist. Dasjenige, was bei uns ganz äußerliche Erkenntnis ist, war damals Geheimwissenschaft. Die Erklärung der Natur, die war damals Geheimwissenschaft. Heute ist, wie jeder ersehen kann, der den Entwickelungsgang der Menschheit innerhalb unserer Zivilisation durchlebt, was ja eigentlich jeder denkende Mensch tut, der erzogen und unterrichtet wird, heute ist die Natur mit ihren Gesetzen dasjenige, in das sich der Mensch einlebt. Dafür hat sich die geistige Welt zurückgezogen. Die alten traumhaften Imaginationen haben aufgehört. Der Mensch empfindet die Natur als dasjenige, in dem er zunächst nicht volle Befriedigung hat, das ihm neutral vorgeführt wird, nicht wie ein abgefallenes sündhaftes Weltenall, wie ein abgefallener Kosmos, sondern wie ein Kosmos, der durch eine innere Notwendigkeit so sein muß, wie er eben ist. Dann erfühlt der Mensch sein Selbstbewußtsein, dann lernt er erkennen in jenem einzigen Punkte die Geistigkeit, dann spürt er den inneren Drang, der das innere Selbst an Gott wieder knüpfen will. Und dann hat er nötig, daß jetzt zu der Naturerkenntnis, entsprechend dieser Naturerkenntnis, er in die geistige Welt hineingeführt werde durch eine neue Initiationswissenschaft. Die alte Initiationswissenschaft konnte vom Geiste, den der Mensch instinktiv erlebte, in seinen Mythen verkörperte, ausgehen und zur Natur hinführen. Die neue Initiationswissenschaft muß von demjenigen, was dem Menschen heute erstes Erlebnis ist, indem er seine Naturgesetze wahrnimmt, an die er dann glaubt, sie muß von dieser Naturerkenntnis ausgehen und zurück den Weg in die geistige Welt durch Imagination, Inspiration, Intuition zeigen.

[ 36 ] So haben wir in der Entwickelung der Menschheit ein paar Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha denjenigen wichtigen Zeitpunkt, in dem die Menschen ausgingen von einem instinktiven Geist-Erleben, um zu jenen Begriffen und Ideen hinzukommen als der äußersten Geheimwissenschaft, die die Naturgesetze umfaßte. Heute erlebt man schon als Kind die Naturgesetze. Vor dieser Nüchternheit, vor dieser Prosa des Lebens, vor diesem Naturalismus hat sich zunächst die geistige Welt in dem Innern des Menschen zurückgezogen. Und heute muß eine Initiationswissenschaft umgekehrt den Weg weisen von der Natur hin zu der Geistigkeit. Die Natur war für eine alte Menschheit in der Finsternis, der Geist war im Hellen. Die alte Initiationswissenschaft hatte von dem Geistig-Hellen hineinzuführen das Licht, das dort entnommen, in die natürliche Finsternis, damit auch diese erhellt wurde. Die heutige Initiationswissenschaft hat auszugehen von demjenigen Lichte, das äußerlich naturalistisch durch Kopernikus, Giordano Bruno, Galilei, Kepler, Newton und so weiter in die äußere Natur hineingeworfen wird. Da ist dann dieses Licht zu nehmen aus der Torheit, zu beleben, und der Weg zu machen zu dem Geiste, der in seinem eigenen Lichte durch einen umgekehrten Weg gegenüber dem alten Initiationsweg gesucht werden muß.

[ 36 ] So haben wir in der Entwickelung der Menschheit ein paar Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha denjenigen wichtigen Zeitpunkt, in dem die Menschen ausgingen von einem instinktiven Geist-Erleben, um zu jenen Begriffen und Ideen hinzukommen als der äußersten Geheimwissenschaft, die die Naturgesetze umfaßte. Heute erlebt man schon als Kind die Naturgesetze. Vor dieser Nüchternheit, vor dieser Prosa des Lebens, vor diesem Naturalismus hat sich zunächst die geistige Welt in dem Innern des Menschen zurückgezogen. Und heute muß eine Initiationswissenschaft umgekehrt den Weg weisen von der Natur hin zu der Geistigkeit. Die Natur war für eine alte Menschheit in der Finsternis, der Geist war im Hellen. Die alte Initiationswissenschaft hatte von dem Geistig-Hellen hineinzuführen das Licht, das dort entnommen, in die natürliche Finsternis, damit auch diese erhellt wurde. Die heutige Initiationswissenschaft hat auszugehen von demjenigen Lichte, das äußerlich naturalistisch durch Kopernikus, Giordano Bruno, Galilei, Kepler, Newton und so weiter in die äußere Natur hineingeworfen wird. Da ist dann dieses Licht zu nehmen aus der Torheit, zu beleben, und der Weg zu machen zu dem Geiste, der in seinem eigenen Lichte durch einen umgekehrten Weg gegenüber dem alten Initiationsweg gesucht werden muß.

[ 37 ] Davon will ich dann morgen weitersprechen.

[ 37 ] Davon will ich dann morgen weitersprechen.

Fragenbeantwortung

Fragenbeantwortung

[ 38 ] Es wurden Fragen gestellt über das Wesen der Imagination, Inspiration und Intuition. Der Wortlaut der Fragen ist von der Stenografin nicht notiert worden.

[ 38 ] Es wurden Fragen gestellt über das Wesen der Imagination, Inspiration und Intuition. Der Wortlaut der Fragen ist von der Stenografin nicht notiert worden.

[ 39 ] Rudolf Steiner: In bezug auf die Frage der Schwierigkeit mit einem solchen Wort wie «Imagination» möchte ich das folgende bemerken:

[ 39 ] Rudolf Steiner: In bezug auf die Frage der Schwierigkeit mit einem solchen Wort wie «Imagination» möchte ich das folgende bemerken:

[ 40 ] Wenn wir ein Wort aufnehmen, um einen bedeutsamen Inhalt wiederzugeben, so sollte man immer auf die ursprüngliche Wortbedeutung zurückgehen und eigentlich nicht fragen: «Welche Bedeutung gibt man dem Worte gerade augenblicklich in der Umgangssprache?»,1Das Wort «Imagination» wird in der englischen Sprache auch für «Phantasie» gebraucht. denn im Grunde ist es bei allen gegenwärtigen Umgangssprachen so, daß sie die Worte verflacht haben. Ich habe schon heute morgen auf etwas aufmerksam machen müssen, was aber eine innerliche Berechtigung hat. Das Wort «Intuition» wird ja auch in einem, ich möchte sagen, alltäglichen Sinne gebraucht, aber mit Recht, weil die höchste Erkenntnis über das geistige Leben für das sittliche Gebiet bis in das einfachste, ja primitivste Menschengemüt herunterkommen muß. Für ein solches Wort wie «Imagination» können wir ein ganz Gleiches nicht sagen, und man sollte daher zunächst sich an einem solchen Worte immer klar machen, was in ihm alles steckt. In dem Augenblicke, wo Sie Vor- und Nachsilbe des Wortes losschälen und auf das Mittlere gehen, da kommen Sie unmittelbar auf «Magie». «Magie» steckt in dem Worte «Imagination»: es ist eine Verinnerlichung des Magischen. Wenn Sie auf eine solch ursprüngliche Bedeutung des Wortes zurückgehen, dann werden Sie finden, daß derjenige Sprachgebrauch, der heute zugrunde liegt, eben ein durchaus verflachter ist.

[ 40 ] Wenn wir ein Wort aufnehmen, um einen bedeutsamen Inhalt wiederzugeben, so sollte man immer auf die ursprüngliche Wortbedeutung zurückgehen und eigentlich nicht fragen: «Welche Bedeutung gibt man dem Worte gerade augenblicklich in der Umgangssprache?»,1Das Wort «Imagination» wird in der englischen Sprache auch für «Phantasie» gebraucht. denn im Grunde ist es bei allen gegenwärtigen Umgangssprachen so, daß sie die Worte verflacht haben. Ich habe schon heute morgen auf etwas aufmerksam machen müssen, was aber eine innerliche Berechtigung hat. Das Wort «Intuition» wird ja auch in einem, ich möchte sagen, alltäglichen Sinne gebraucht, aber mit Recht, weil die höchste Erkenntnis über das geistige Leben für das sittliche Gebiet bis in das einfachste, ja primitivste Menschengemüt herunterkommen muß. Für ein solches Wort wie «Imagination» können wir ein ganz Gleiches nicht sagen, und man sollte daher zunächst sich an einem solchen Worte immer klar machen, was in ihm alles steckt. In dem Augenblicke, wo Sie Vor- und Nachsilbe des Wortes losschälen und auf das Mittlere gehen, da kommen Sie unmittelbar auf «Magie». «Magie» steckt in dem Worte «Imagination»: es ist eine Verinnerlichung des Magischen. Wenn Sie auf eine solch ursprüngliche Bedeutung des Wortes zurückgehen, dann werden Sie finden, daß derjenige Sprachgebrauch, der heute zugrunde liegt, eben ein durchaus verflachter ist.

[ 41 ] Nun möchte ich gern wissen, was man eigentlich in der Anthroposophie und überhaupt bei einer spirituellen Vertiefung machen soll, wenn man nicht die Anforderung stellt: alle Worte müssen zurückgeführt werden zu ihrer vertiefteren Bedeutung.

[ 41 ] Nun möchte ich gern wissen, was man eigentlich in der Anthroposophie und überhaupt bei einer spirituellen Vertiefung machen soll, wenn man nicht die Anforderung stellt: alle Worte müssen zurückgeführt werden zu ihrer vertiefteren Bedeutung.

[ 42 ] Sehen Sie, man muß schon so etwas wie Anthroposophie so ernst nehmen, daß man sich auch diesen Gedanken einmal klarmachen muß: Kann man Anthroposophie in der heutigen Umgangssprache überhaupt darstellen in Wirklichkeit? Kann man in irgendeiner Umgangssprache überhaupt so Bedeutendes über Anthroposophie sagen? — Nun, alle Umgangssprachen enthalten ursprünglich etwas Vertieftes, und man kann in allen heutigen Umgangssprachen zurückgehen zu diesen vertiefteren Bedeutungen.

[ 42 ] Sehen Sie, man muß schon so etwas wie Anthroposophie so ernst nehmen, daß man sich auch diesen Gedanken einmal klarmachen muß: Kann man Anthroposophie in der heutigen Umgangssprache überhaupt darstellen in Wirklichkeit? Kann man in irgendeiner Umgangssprache überhaupt so Bedeutendes über Anthroposophie sagen? — Nun, alle Umgangssprachen enthalten ursprünglich etwas Vertieftes, und man kann in allen heutigen Umgangssprachen zurückgehen zu diesen vertiefteren Bedeutungen.

[ 43 ] Wenn man heute von «Imagination» spricht und das Wort auch anwendet für dasjenige, was sich der Phantasie einverleibt, so hat man eben das Wort bloß für das genommen, was man einzig und allein heute von einem inneren Erleben kennt. Die meisten Menschen meinen ja heute, wenn von innerem Erleben die Rede ist, das sei alles phantastisch, und sie bezeichnen dann das Phantastische als das Imaginative. Sie haben von ihrem Standpunkte aus ganz recht. Aber wenn man nicht den Willen hat, zurückzugehen zu einer solchen ursprünglichen Bedeutung, wie sie in dem Wort «Imagination» liegt, dann wird es sehr schwer werden, Anthroposophie überhaupt in die Sprache hereinzubekommen.

[ 43 ] Wenn man heute von «Imagination» spricht und das Wort auch anwendet für dasjenige, was sich der Phantasie einverleibt, so hat man eben das Wort bloß für das genommen, was man einzig und allein heute von einem inneren Erleben kennt. Die meisten Menschen meinen ja heute, wenn von innerem Erleben die Rede ist, das sei alles phantastisch, und sie bezeichnen dann das Phantastische als das Imaginative. Sie haben von ihrem Standpunkte aus ganz recht. Aber wenn man nicht den Willen hat, zurückzugehen zu einer solchen ursprünglichen Bedeutung, wie sie in dem Wort «Imagination» liegt, dann wird es sehr schwer werden, Anthroposophie überhaupt in die Sprache hereinzubekommen.

[ 44 ] Man muß sich folgendes klar machen: Sehen Sie, in dem Worte «Magie» liegt Mannigfaltiges. Zunächst liegt dasjenige in dem Worte «Magie», was ich etwa folgendermaßen umschreiben möchte: Wir sehen, wenn wir heute wissenschaftlich neugierig sind, in das Mikroskop hinein, und wir sehen dann dasjenige, was klein ist in der Welt, auf dieses Kleine in der Welt — sei es das ersehnte Atom, das ja heute auch experimentell gezeigt wird, sei es irgendeine Keimanlage —, auf dieses Kleine ist die heutige materialistische Wissenschaft immer neugierig. Aber in dem Augenblicke, wo wir zu den wirklichen Ursachen der Dinge gehen, wo wir dahin gehen, wo die schöpferischen Kräfte und Mächte der Dinge sind, da kommen wir nicht zu dem Kleinen, sondern da kommen wir zu dem Großen. Und das Schöpfen aus dem Großen heraus, das Schöpfen aus dem Gewaltigen, Imposanten, dasjenige, was Schöpferkräfte umfaßt, die den kleinen Menschen überragen, das in entsprechender Weise hereinzubekommen in die menschliche Seele, das heißt: das Magische verdichten, so daß es in der Verdichtung von der menschlichen Seele empfangen und erlebt werden kann.

[ 44 ] Man muß sich folgendes klar machen: Sehen Sie, in dem Worte «Magie» liegt Mannigfaltiges. Zunächst liegt dasjenige in dem Worte «Magie», was ich etwa folgendermaßen umschreiben möchte: Wir sehen, wenn wir heute wissenschaftlich neugierig sind, in das Mikroskop hinein, und wir sehen dann dasjenige, was klein ist in der Welt, auf dieses Kleine in der Welt — sei es das ersehnte Atom, das ja heute auch experimentell gezeigt wird, sei es irgendeine Keimanlage —, auf dieses Kleine ist die heutige materialistische Wissenschaft immer neugierig. Aber in dem Augenblicke, wo wir zu den wirklichen Ursachen der Dinge gehen, wo wir dahin gehen, wo die schöpferischen Kräfte und Mächte der Dinge sind, da kommen wir nicht zu dem Kleinen, sondern da kommen wir zu dem Großen. Und das Schöpfen aus dem Großen heraus, das Schöpfen aus dem Gewaltigen, Imposanten, dasjenige, was Schöpferkräfte umfaßt, die den kleinen Menschen überragen, das in entsprechender Weise hereinzubekommen in die menschliche Seele, das heißt: das Magische verdichten, so daß es in der Verdichtung von der menschlichen Seele empfangen und erlebt werden kann.

[ 45 ] Und so, wie man es mit dem Worte «Imagination» machen soll, so sollte man es eben auch mit allen anderen Worten, die gebraucht werden, machen. Es spricht doch heute fast jeder Mensch von Inspiration. Ich spreche ihm das Recht nicht ab — warum sollte ich es ihm absprechen, denn jeder hat auf dem Niveau, auf dem er sich bewegt, das Recht, das Wort «Inspiration» zu gebrauchen —, aber jeder spricht heute, sogar wenn ihm ein Witz einfällt, von «Inspiration». Nun, natürlich kommt man mit dieser Interpretation des Wortes «Inspiration», wenn man es so gebraucht, nicht zurecht für die Wege der höheren Erkenntnis. Aber machen wir es wiederum uns zum Grundsatze, die Worte in den jetzigen Zivilisationssprachen so zu betrachten, wie man einstmals den Menschen überhaupt betrachtet hat.

[ 45 ] Und so, wie man es mit dem Worte «Imagination» machen soll, so sollte man es eben auch mit allen anderen Worten, die gebraucht werden, machen. Es spricht doch heute fast jeder Mensch von Inspiration. Ich spreche ihm das Recht nicht ab — warum sollte ich es ihm absprechen, denn jeder hat auf dem Niveau, auf dem er sich bewegt, das Recht, das Wort «Inspiration» zu gebrauchen —, aber jeder spricht heute, sogar wenn ihm ein Witz einfällt, von «Inspiration». Nun, natürlich kommt man mit dieser Interpretation des Wortes «Inspiration», wenn man es so gebraucht, nicht zurecht für die Wege der höheren Erkenntnis. Aber machen wir es wiederum uns zum Grundsatze, die Worte in den jetzigen Zivilisationssprachen so zu betrachten, wie man einstmals den Menschen überhaupt betrachtet hat.

[ 46 ] Denken Sie doch nur: Noch im 18. Jahrhundert beschäftigte man sich hier in England und auf dem Kontinente überall sehr viel mit dem sogenannten Martinismus, mit der Philosophie, die von Saint-Martin stammte, vor allem mit seinem Buch: «Des erreurs et de la verité». Ja, in «Edimbourg» erschien 1775 ein Buch, das in alle europäischen Sprachen übersetzt worden ist, ein Buch, das in der damaligen Art sozusagen das Spirituelle behandelte, ein letzter Ausläufer für die Art der spirituellen Betrachtung, wie sie noch möglich war bis ins 18. Jahrhundert und bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts herein, wie sie heute aber nicht mehr möglich ist.

[ 46 ] Denken Sie doch nur: Noch im 18. Jahrhundert beschäftigte man sich hier in England und auf dem Kontinente überall sehr viel mit dem sogenannten Martinismus, mit der Philosophie, die von Saint-Martin stammte, vor allem mit seinem Buch: «Des erreurs et de la verité». Ja, in «Edimbourg» erschien 1775 ein Buch, das in alle europäischen Sprachen übersetzt worden ist, ein Buch, das in der damaligen Art sozusagen das Spirituelle behandelte, ein letzter Ausläufer für die Art der spirituellen Betrachtung, wie sie noch möglich war bis ins 18. Jahrhundert und bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts herein, wie sie heute aber nicht mehr möglich ist.

[ 47 ] Nun, wenn wir eine der Hauptideen des Buches von Saint-Martin «Des erreurs et de la verité» nehmen, dann finden wir, daß da der Mensch in seiner Totalität als Erdenwesen wie abgefallen gesehen wird von seiner ursprünglichen Größe; da wird der — ich möchte sagen noch vollständige Mensch — des Sündenfalles bezichtigt. Der Mensch war einmal im Sinne Saint-Martins noch ein gewaltiges Wesen, umgürtet mit dem sogenannten heiligen Panzer, der ihm magisch diente, ihn magisch machte gegenüber allen Kräften und Wesenheiten der Welt, die ihm vielfach feindlich waren. Der Mensch lebte an jenem Orte, der bezeichnet wird von SaintMartin als der Ort der sieben heiligen Bäume, was dann in der religiösen Legende, oder früher meinetwillen in der Bibel, als das Paradies bezeichnet wird. Der Mensch war begabt mit der feurigen Lanze, durch die er seine entsprechende Macht ausübte, und so weiter. All die Dinge, die da ursprünglich dem Menschen zugeschrieben werden, von denen wird gesagt, daß der Mensch sie durch seine eigene vorirdische Schuld verloren habe; es wird dem Menschen sogar in seinem vorirdischen Zustande eine furchtbare Sünde zugeschrieben, die heute zu nennen selbst schon im sozialen Leben etwas Schockantes habe. Und so wird dargestellt der Mensch als ein Wesen, das von seiner ursprünglichen Größe heruntergefallen ist. Und der ganze Martinismus, die ganze Philosophie des Saint-Martin, stellt sich eigentlich die Aufgabe, zu zeigen, was der Mensch sein könnte, wenn er nicht heruntergefallen wäre von seiner ursprünglichen Größe.

[ 47 ] Nun, wenn wir eine der Hauptideen des Buches von Saint-Martin «Des erreurs et de la verité» nehmen, dann finden wir, daß da der Mensch in seiner Totalität als Erdenwesen wie abgefallen gesehen wird von seiner ursprünglichen Größe; da wird der — ich möchte sagen noch vollständige Mensch — des Sündenfalles bezichtigt. Der Mensch war einmal im Sinne Saint-Martins noch ein gewaltiges Wesen, umgürtet mit dem sogenannten heiligen Panzer, der ihm magisch diente, ihn magisch machte gegenüber allen Kräften und Wesenheiten der Welt, die ihm vielfach feindlich waren. Der Mensch lebte an jenem Orte, der bezeichnet wird von SaintMartin als der Ort der sieben heiligen Bäume, was dann in der religiösen Legende, oder früher meinetwillen in der Bibel, als das Paradies bezeichnet wird. Der Mensch war begabt mit der feurigen Lanze, durch die er seine entsprechende Macht ausübte, und so weiter. All die Dinge, die da ursprünglich dem Menschen zugeschrieben werden, von denen wird gesagt, daß der Mensch sie durch seine eigene vorirdische Schuld verloren habe; es wird dem Menschen sogar in seinem vorirdischen Zustande eine furchtbare Sünde zugeschrieben, die heute zu nennen selbst schon im sozialen Leben etwas Schockantes habe. Und so wird dargestellt der Mensch als ein Wesen, das von seiner ursprünglichen Größe heruntergefallen ist. Und der ganze Martinismus, die ganze Philosophie des Saint-Martin, stellt sich eigentlich die Aufgabe, zu zeigen, was der Mensch sein könnte, wenn er nicht heruntergefallen wäre von seiner ursprünglichen Größe.

[ 48 ] Nun, diese Zusammenhänge können heute nicht mehr vollständig lebendig gemacht werden; sie sind eben der letzte Ausläufer derjenigen Anschauungsweise, die ich heute morgen als die alte Anschauungsweise geschildert habe. Innerhalb der modernen Initiationswissenschaft müssen wir von der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise ausgehen — nicht von der Naturwissenschaft selbst, aber von der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise —, denn das wird den Menschen im Laufe der nächsten Zukunft allein befriedigen können. Allein, in bezug auf Spezialgebiete werden wir doch, wenn wir wirklich das Anthroposophisch-Inhaltliche, überhaupt alles Inhaltliche irgendeines spirituellen Strebens durchdringen wollen mit der nötigen Stimmung, mit dem nötigen Aufschwung der Seele, mit dem heiligen Enthusiasmus, mit dem wir es durchdringen sollen, um es wirklich zu verstehen — wenn wir das wollen, dann werden wir nicht die Worte aus der gewöhnlichen Umgangssprache heraus nehmen dürfen, sondern wir müssen die Worte so ansehen, als ob eigentlich alle Worte bis zu unserer Zivilisation herunter einen Sündenfall durchgemacht hätten. Die Worte sind heute nicht mehr dasjenige, was sie waren: es sind sündhafte Wesen geworden. Sie sind in die Materie heruntergestürzt und bezeichnen nicht mehr dasjenige, was sie bezeichnet haben, als sie einstmals noch nahestanden derjenigen Stufe der Menschheitsentwicklung, in der sie in den Mysterien gebraucht worden sind. Und wir müssen schon in gewissem Sinne einen Ruck nach aufwärts machen in dem Fühlen der Worte. Wir müssen uns bemühen, nicht stehen zu bleiben bei dem, was allgemeine Umgangssprache ist; sonst haftet den Worten eben auch die Farbe, das 'Timbre an, wie es diese Worte in der Umgangssprache haben. Am leichtesten wird es im Grunde genommen heute, von den im Sündenfall begriffenen Worten hinaufzusteigen zu einer Art sakraler Bedeutung der Worte bei der hebräischen Sprache. Für diejenigen Sprachen, die mehr gebraucht worden sind innerhalb des neuzeitlichen Lebens mit seinen durch und durch unsakramentalen Interessen, für diese Sprachen ist es natürlich schwierig, hinaufzurücken zu der Sündlosigkeit der Worte — wenn ich mich so ausdrücken darf —, es ist nicht so schlimm gemeint, aber in einer gewissen Beziehung müssen wir schon das tun. Und so müssen wir uns klar sein: das Wort «Inspiration» ist heute bis zu der Sündhaftigkeit heruntergefallen, wo jeder, der einen Witz macht, schon sagt, er sei inspiriert. — Warum denn nicht? Im Grunde genommen brauchen die Verfasser, auch die Zeichner von Witzblättern sehr viel Inspiration im heutigen Sinne, aber es ist heute eine profanierte Inspiration.

[ 48 ] Nun, diese Zusammenhänge können heute nicht mehr vollständig lebendig gemacht werden; sie sind eben der letzte Ausläufer derjenigen Anschauungsweise, die ich heute morgen als die alte Anschauungsweise geschildert habe. Innerhalb der modernen Initiationswissenschaft müssen wir von der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise ausgehen — nicht von der Naturwissenschaft selbst, aber von der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise —, denn das wird den Menschen im Laufe der nächsten Zukunft allein befriedigen können. Allein, in bezug auf Spezialgebiete werden wir doch, wenn wir wirklich das Anthroposophisch-Inhaltliche, überhaupt alles Inhaltliche irgendeines spirituellen Strebens durchdringen wollen mit der nötigen Stimmung, mit dem nötigen Aufschwung der Seele, mit dem heiligen Enthusiasmus, mit dem wir es durchdringen sollen, um es wirklich zu verstehen — wenn wir das wollen, dann werden wir nicht die Worte aus der gewöhnlichen Umgangssprache heraus nehmen dürfen, sondern wir müssen die Worte so ansehen, als ob eigentlich alle Worte bis zu unserer Zivilisation herunter einen Sündenfall durchgemacht hätten. Die Worte sind heute nicht mehr dasjenige, was sie waren: es sind sündhafte Wesen geworden. Sie sind in die Materie heruntergestürzt und bezeichnen nicht mehr dasjenige, was sie bezeichnet haben, als sie einstmals noch nahestanden derjenigen Stufe der Menschheitsentwicklung, in der sie in den Mysterien gebraucht worden sind. Und wir müssen schon in gewissem Sinne einen Ruck nach aufwärts machen in dem Fühlen der Worte. Wir müssen uns bemühen, nicht stehen zu bleiben bei dem, was allgemeine Umgangssprache ist; sonst haftet den Worten eben auch die Farbe, das 'Timbre an, wie es diese Worte in der Umgangssprache haben. Am leichtesten wird es im Grunde genommen heute, von den im Sündenfall begriffenen Worten hinaufzusteigen zu einer Art sakraler Bedeutung der Worte bei der hebräischen Sprache. Für diejenigen Sprachen, die mehr gebraucht worden sind innerhalb des neuzeitlichen Lebens mit seinen durch und durch unsakramentalen Interessen, für diese Sprachen ist es natürlich schwierig, hinaufzurücken zu der Sündlosigkeit der Worte — wenn ich mich so ausdrücken darf —, es ist nicht so schlimm gemeint, aber in einer gewissen Beziehung müssen wir schon das tun. Und so müssen wir uns klar sein: das Wort «Inspiration» ist heute bis zu der Sündhaftigkeit heruntergefallen, wo jeder, der einen Witz macht, schon sagt, er sei inspiriert. — Warum denn nicht? Im Grunde genommen brauchen die Verfasser, auch die Zeichner von Witzblättern sehr viel Inspiration im heutigen Sinne, aber es ist heute eine profanierte Inspiration.

[ 49 ] Aber gehen wir zurück zu dem Worte in seiner ursprünglicheren Bedeutung, dann werden wir in sehr tiefe Regionen des Menschenstrebens geführt.

[ 49 ] Aber gehen wir zurück zu dem Worte in seiner ursprünglicheren Bedeutung, dann werden wir in sehr tiefe Regionen des Menschenstrebens geführt.

[ 50 ] Da muß ich Sie dann erinnern an die Art und Weise, wie zum Beispiel im Indischen sich noch — auf dekadenter Stufe — eine herrliche, bewundernswürdige Erkenntnisart erhalten hat, die einstmals viel bedeutsamer war als sie heute ist, die aber nicht, wie man das heute muß, ausging direkt vom Denken, sondern die ausging von einer ganz bestimmten Regulierung oder auch Irregulierung des Atmungsprozesses. Innerhalb der ursprünglichen Yogamethode handelte es sich darum, den Atmungsprozeß, der sonst immer unbewußt im Menschen verläuft, zur Bewußtheit zu erheben. Das kann man dadurch, daß man den Rhythmus von Einatmung, Atemanhalten, Ausatmung anders gestaltet, als er sich dann gestaltet, wenn das Atmen unbewußt verläuft. Gibt man dem Atemrhythmus andere Zahlenverhältnisse, als Sie im gewöhnlichen alltäglichen Atmen sie haben, dann atmet man also im Verhältnis zum Einatmen, Atemanhalten und Ausatmen anders. Auf solchem anderen Gestalten und Formen des Atmens beruhte im wesentlichen dasjenige, was man die Yogamethode nennt. Diese Yogamethode brachte dadurch den ganzen Atmungsprozeß zum Bewußtsein. Der Mensch atmete dadurch, daß er vollbewußt den Atmungsrhythmus änderte: es ging die Atmungsströmung bewußt in die Blutzirkulation hinein. Der ganze Mensch durchwellte und durchwebte sich mit einem veränderten Atmungsrhythmus. Und geradeso, wie wir im Sehstrahl oder im Hörstrahl die sinnliche Beobachtung empfangen, wie wir durch das Sehen empfangen Kenntnis der Farben der umliegenden Dinge, wie wir durch den Hörstrahl empfangen Kenntnis von den Tönen, die von den umliegenden Dingen ausgehen, so empfand derjenige, der den Atmungsrhythmus zu einem erhöhten, zu einem magischen Wahrnehmen machte, der empfand das Seelisch-Geistige, er nahm wahr im Atmungsprozesse das ihn durchdringende Seelisch-Geistige. In dem Augenblicke, wo der Atmungsprozeß vollständig bewußt wird, und wo gleichzeitig diejenige Seelendisposition vorhanden war, die etwa sieben-, achttausend Jahre vor unserer Zeitrechnung in Südasien drüben vorhanden war, in diesem Augenblicke schickte man durch diesen geänderten Atmungsrhythmus nicht nur die physische Luft in den Körper hinein mit diesem Durchwellenden und Durchwallenden, sondern man schickte in diesen strömenden Atem in sich Seele und Geist hinein, und man erlebte Seele und Geist, insofern Seele und Geist des Menschen in diesem strömenden Atem sind.

[ 50 ] Da muß ich Sie dann erinnern an die Art und Weise, wie zum Beispiel im Indischen sich noch — auf dekadenter Stufe — eine herrliche, bewundernswürdige Erkenntnisart erhalten hat, die einstmals viel bedeutsamer war als sie heute ist, die aber nicht, wie man das heute muß, ausging direkt vom Denken, sondern die ausging von einer ganz bestimmten Regulierung oder auch Irregulierung des Atmungsprozesses. Innerhalb der ursprünglichen Yogamethode handelte es sich darum, den Atmungsprozeß, der sonst immer unbewußt im Menschen verläuft, zur Bewußtheit zu erheben. Das kann man dadurch, daß man den Rhythmus von Einatmung, Atemanhalten, Ausatmung anders gestaltet, als er sich dann gestaltet, wenn das Atmen unbewußt verläuft. Gibt man dem Atemrhythmus andere Zahlenverhältnisse, als Sie im gewöhnlichen alltäglichen Atmen sie haben, dann atmet man also im Verhältnis zum Einatmen, Atemanhalten und Ausatmen anders. Auf solchem anderen Gestalten und Formen des Atmens beruhte im wesentlichen dasjenige, was man die Yogamethode nennt. Diese Yogamethode brachte dadurch den ganzen Atmungsprozeß zum Bewußtsein. Der Mensch atmete dadurch, daß er vollbewußt den Atmungsrhythmus änderte: es ging die Atmungsströmung bewußt in die Blutzirkulation hinein. Der ganze Mensch durchwellte und durchwebte sich mit einem veränderten Atmungsrhythmus. Und geradeso, wie wir im Sehstrahl oder im Hörstrahl die sinnliche Beobachtung empfangen, wie wir durch das Sehen empfangen Kenntnis der Farben der umliegenden Dinge, wie wir durch den Hörstrahl empfangen Kenntnis von den Tönen, die von den umliegenden Dingen ausgehen, so empfand derjenige, der den Atmungsrhythmus zu einem erhöhten, zu einem magischen Wahrnehmen machte, der empfand das Seelisch-Geistige, er nahm wahr im Atmungsprozesse das ihn durchdringende Seelisch-Geistige. In dem Augenblicke, wo der Atmungsprozeß vollständig bewußt wird, und wo gleichzeitig diejenige Seelendisposition vorhanden war, die etwa sieben-, achttausend Jahre vor unserer Zeitrechnung in Südasien drüben vorhanden war, in diesem Augenblicke schickte man durch diesen geänderten Atmungsrhythmus nicht nur die physische Luft in den Körper hinein mit diesem Durchwellenden und Durchwallenden, sondern man schickte in diesen strömenden Atem in sich Seele und Geist hinein, und man erlebte Seele und Geist, insofern Seele und Geist des Menschen in diesem strömenden Atem sind.

[ 51 ] Nun kann man materiell die Einatmung Ja «Inspiration» nennen — das ist das Wörtliche. Vergeistigt man die Inspiration, so tut man das, was im alten Indien geschehen ist: dann wird man mit der vergeistigten Inspiration, mit dem durchseelten und durchgeistigten Atem wie irgendein gedankliches Wesen wahrnehmend erleben. Dann hat man es mit dem zu tun, was eigentlich ursprünglich immer — auch im Nicht-Indischen, im Europäischen — das Wort «Inspiration» bedeutete. Wir müssen also auch, wenn wir vom Wort «Inspiration» sprechen, aufrücken, ich möchte sagen, zu der Sündlosigkeit des Wortes. Und aus diesem Grunde habe ich mich eigentlich immer gesträubt — trotzdem immer von allen möglichen Seiten solche Vorschläge gemacht worden sind — sogenannte «populäre» Bücher über Anthroposophie zu schreiben. Natürlich wäre das ein sehr Leichtes. Aber auch der Anfänger soll eigentlich nicht ganz populäre Bücher über Anthroposophie in die Hand bekommen, sondern er soll an anthroposophischen Büchern etwas haben, woran er sich — ich meine es geistig — die Zähne ausbrechen kann, wo er sich furchtbar bemühen muß, das ist etwas, was nicht leicht geht! Denn in dieser Bemühung, in der Überwindung desjenigen, was man eben überwinden muß, wenn man etwas Schwerverständliches sich zum Verständnis bringt, liegt zu gleicher Zeit etwas anderes. Wenn man nämlich so wie — ja, wie soll ich sagen? — wie eine Volksrede populär Anthroposophie empfängt, dann hat man auch einen anderen Geschmack und eine ganz andere Gesinnung gegenüber den Wortbedeutungen, dann zieht man die Wortbedeutungen in ihre Sündhaftigkeit herunter. Wenn man aber sich die Zähne ausbeißen muß an der Schwierigkeit eines Anfängerbuches, dann bekommt man auch Geschmack, in die Worte sich zu vertiefen. Man kann ja dabei sogar an manches Historische erinnern. Sehen Sie einmal nach, wie Jakob Böhme wunderbar über die Worte erst nachsinnt, tief nachsinnt, bevor er sie gebraucht. Ganze Welten, möchte ich sagen, destilliert Jakob Böhme erst aus den Worten heraus, bevor er die Worte gebraucht. Und so liegt die Stellung in bezug auf so etwas wie «Imagination» oder «Inspiration» oder «Intuition» oder anderer Worte, wie man sie im gewöhnlichen Leben gebraucht, auf einem tieferen Niveau als man gewöhnlich annimmt. Und so meine ich schon, daß man eigentlich nicht versuchen sollte, Worte, die mit Recht gebraucht werden — «Imagination», «Inspiration» — durch andere zu ersetzen, sondern das man eher dafür wirken sollte, für das anthroposophische Sichverständigen diese Worte zu ihrer Sündlosigkeit etwas zu erheben, wenigstens solange man es mit der Anthroposophie zu tun hat. Wenn man wiederum in das gewöhnliche Leben hinausgeht, so kann man ja natürlich wiederum in die Sündhaftigkeit der Worte verfallen, da schadet es ja nichts. Und so könnte gerade eine solche Gesinnung gegenüber dem Worte der anthroposophischen Vertiefung außerordentlich zugute kommen. Also, ich meine, wer sich bewußt wird, was in dem Wort «Imagination» steckt, würde am Ende sogar, wenn er ein Fanatiker ist, nach einem Gesetz schreien, welches das Wort Imagination für dieses «Phantasie»-Spiel zu gebrauchen verbietet, damit solch ein Wort gewahrt bleibe demjenigen Gebiet, wo es eigentlich mit Recht angewendet wird.

[ 51 ] Nun kann man materiell die Einatmung Ja «Inspiration» nennen — das ist das Wörtliche. Vergeistigt man die Inspiration, so tut man das, was im alten Indien geschehen ist: dann wird man mit der vergeistigten Inspiration, mit dem durchseelten und durchgeistigten Atem wie irgendein gedankliches Wesen wahrnehmend erleben. Dann hat man es mit dem zu tun, was eigentlich ursprünglich immer — auch im Nicht-Indischen, im Europäischen — das Wort «Inspiration» bedeutete. Wir müssen also auch, wenn wir vom Wort «Inspiration» sprechen, aufrücken, ich möchte sagen, zu der Sündlosigkeit des Wortes. Und aus diesem Grunde habe ich mich eigentlich immer gesträubt — trotzdem immer von allen möglichen Seiten solche Vorschläge gemacht worden sind — sogenannte «populäre» Bücher über Anthroposophie zu schreiben. Natürlich wäre das ein sehr Leichtes. Aber auch der Anfänger soll eigentlich nicht ganz populäre Bücher über Anthroposophie in die Hand bekommen, sondern er soll an anthroposophischen Büchern etwas haben, woran er sich — ich meine es geistig — die Zähne ausbrechen kann, wo er sich furchtbar bemühen muß, das ist etwas, was nicht leicht geht! Denn in dieser Bemühung, in der Überwindung desjenigen, was man eben überwinden muß, wenn man etwas Schwerverständliches sich zum Verständnis bringt, liegt zu gleicher Zeit etwas anderes. Wenn man nämlich so wie — ja, wie soll ich sagen? — wie eine Volksrede populär Anthroposophie empfängt, dann hat man auch einen anderen Geschmack und eine ganz andere Gesinnung gegenüber den Wortbedeutungen, dann zieht man die Wortbedeutungen in ihre Sündhaftigkeit herunter. Wenn man aber sich die Zähne ausbeißen muß an der Schwierigkeit eines Anfängerbuches, dann bekommt man auch Geschmack, in die Worte sich zu vertiefen. Man kann ja dabei sogar an manches Historische erinnern. Sehen Sie einmal nach, wie Jakob Böhme wunderbar über die Worte erst nachsinnt, tief nachsinnt, bevor er sie gebraucht. Ganze Welten, möchte ich sagen, destilliert Jakob Böhme erst aus den Worten heraus, bevor er die Worte gebraucht. Und so liegt die Stellung in bezug auf so etwas wie «Imagination» oder «Inspiration» oder «Intuition» oder anderer Worte, wie man sie im gewöhnlichen Leben gebraucht, auf einem tieferen Niveau als man gewöhnlich annimmt. Und so meine ich schon, daß man eigentlich nicht versuchen sollte, Worte, die mit Recht gebraucht werden — «Imagination», «Inspiration» — durch andere zu ersetzen, sondern das man eher dafür wirken sollte, für das anthroposophische Sichverständigen diese Worte zu ihrer Sündlosigkeit etwas zu erheben, wenigstens solange man es mit der Anthroposophie zu tun hat. Wenn man wiederum in das gewöhnliche Leben hinausgeht, so kann man ja natürlich wiederum in die Sündhaftigkeit der Worte verfallen, da schadet es ja nichts. Und so könnte gerade eine solche Gesinnung gegenüber dem Worte der anthroposophischen Vertiefung außerordentlich zugute kommen. Also, ich meine, wer sich bewußt wird, was in dem Wort «Imagination» steckt, würde am Ende sogar, wenn er ein Fanatiker ist, nach einem Gesetz schreien, welches das Wort Imagination für dieses «Phantasie»-Spiel zu gebrauchen verbietet, damit solch ein Wort gewahrt bleibe demjenigen Gebiet, wo es eigentlich mit Recht angewendet wird.

[ 52 ] Zu der Frage: «Wer oder was erkennt im Menschen?» möchte ich das folgende sagen: Es ist leider so, daß diese Fragen wirklich schneller gestellt sind, als sie beantwortet werden können, und man muß auf sehr vieles zu sprechen kommen, wenn man eine so weitreichende, umfassende Frage beantworten soll. Man muß sich klar machen, wenn eine solche Frage aufgeworfen wird, was denn eigentlich der Inhalt der heute morgen vorliegenden Ausführungen war. Nicht wahr: um was handelt es sich denn, wenn wir so sprechen von den Wegen zur übersinnlichen Erkenntnis, wie ich heute morgen und auch schon gestern gesprochen habe? Es handelt sich darum, wie dieses menschliche Seelische, das in der gegenwärtigen Inkarnation bei irgendeinem Menschen vorhanden ist, wie dieses Geistig-Seelische, das also in einem physischen Leib zwischen der Geburt oder Empfängnis und dem Tode vorhanden ist, wie dieses aufsteigt zu dem allmählichen Erkennen erstens der ätherischen Bildekräftewelt in der Imagination, zweitens durch die Stille, die ich geschildert habe, durch das leere Bewußtsein, in der Inspiration, zu dem Erkennen der vorgeburtlichen Welt. Und dann, durch die Intuition, die durch die besondere Ausbildung der Liebefähigkeit erreicht wird, kommt man dann eben bis zu der Anschauung des vorigen, oder man könnte auch sagen der vorigen Erdenleben, derjenigen Erdenleben also, die dem Menschen — wie ich ja heute morgen ausgeführt habe — so objektiv schon gegenüberstehen, wie irgendein äußerer Gegenstand oder Vorgang der Natur, oder meinetwillen könnte ich auch sagen wie ein anderer Mensch einem objektiv gegenübersteht. Stehe ich im gewöhnlichen sozialen Leben einem andern Menschen gegenüber, so bin ich ja, durch die innere Verwandtschaft des gleichen Menschengeschlechts, mit dem betreffenden Menschen verwandt, aber ich stehe ihm objektiv gegenüber. So objektiv wie einem andern Menschen, so muß ich meinen vorigen Inkarnationen gegenüberstehen, wenn ich sie in Wahrheit wahrnehmen will. Dann lernt man erkennen mit dem SeelischGeistigen, das eben im gegenwärtigen Erdenkörper verkörpert ist, das eigentliche, wahre Ich, das durch die wiederholten Erdenleben geht.

[ 52 ] Zu der Frage: «Wer oder was erkennt im Menschen?» möchte ich das folgende sagen: Es ist leider so, daß diese Fragen wirklich schneller gestellt sind, als sie beantwortet werden können, und man muß auf sehr vieles zu sprechen kommen, wenn man eine so weitreichende, umfassende Frage beantworten soll. Man muß sich klar machen, wenn eine solche Frage aufgeworfen wird, was denn eigentlich der Inhalt der heute morgen vorliegenden Ausführungen war. Nicht wahr: um was handelt es sich denn, wenn wir so sprechen von den Wegen zur übersinnlichen Erkenntnis, wie ich heute morgen und auch schon gestern gesprochen habe? Es handelt sich darum, wie dieses menschliche Seelische, das in der gegenwärtigen Inkarnation bei irgendeinem Menschen vorhanden ist, wie dieses Geistig-Seelische, das also in einem physischen Leib zwischen der Geburt oder Empfängnis und dem Tode vorhanden ist, wie dieses aufsteigt zu dem allmählichen Erkennen erstens der ätherischen Bildekräftewelt in der Imagination, zweitens durch die Stille, die ich geschildert habe, durch das leere Bewußtsein, in der Inspiration, zu dem Erkennen der vorgeburtlichen Welt. Und dann, durch die Intuition, die durch die besondere Ausbildung der Liebefähigkeit erreicht wird, kommt man dann eben bis zu der Anschauung des vorigen, oder man könnte auch sagen der vorigen Erdenleben, derjenigen Erdenleben also, die dem Menschen — wie ich ja heute morgen ausgeführt habe — so objektiv schon gegenüberstehen, wie irgendein äußerer Gegenstand oder Vorgang der Natur, oder meinetwillen könnte ich auch sagen wie ein anderer Mensch einem objektiv gegenübersteht. Stehe ich im gewöhnlichen sozialen Leben einem andern Menschen gegenüber, so bin ich ja, durch die innere Verwandtschaft des gleichen Menschengeschlechts, mit dem betreffenden Menschen verwandt, aber ich stehe ihm objektiv gegenüber. So objektiv wie einem andern Menschen, so muß ich meinen vorigen Inkarnationen gegenüberstehen, wenn ich sie in Wahrheit wahrnehmen will. Dann lernt man erkennen mit dem SeelischGeistigen, das eben im gegenwärtigen Erdenkörper verkörpert ist, das eigentliche, wahre Ich, das durch die wiederholten Erdenleben geht.

[ 53 ] Nun scheint mir die Frage dahin zu gehen: Wer ist es eigentlich, oder was ist es im Menschen, was nun dieses wahre Ich, das durch die wiederholten Erdenleben geht, erkennt, oder welches Glied im Menschen ist es? — Diese Frage selber, meine sehr verehrten Anwesenden, ist eigentlich keine Frage, die einen wirklichen, konkreten Inhalt hat. Es wird gefragt nach dem Subjekt des Erkennens. Dieses Subjekt des Erkennens ist eben jenes Ich, das im gegenwärtigen Erdenleibe verkörpert ist, das schwingt sich dann auf zu der Erkenntnis. Das wahre Ich erreicht man also nur so, daß man zunächst mit seinem Bewußtsein dasjenige umfaßt, was in das Erdenleben zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist; dann lebt man in dem Ich auf einer gewissen Stufe; man lebt in diesem Ich, aber man erkennt noch nicht das wahre Ich, das durch viele Geburten und Tode geht. Aber durch die Methoden, die ich geschildert habe, wird eben dieses höhere Ich, das man im Erdenleben trägt, indem es sich selber bis zur Selbstlosigkeit bringt, fähig gemacht, das wahre Ich zu erkennen.

[ 53 ] Nun scheint mir die Frage dahin zu gehen: Wer ist es eigentlich, oder was ist es im Menschen, was nun dieses wahre Ich, das durch die wiederholten Erdenleben geht, erkennt, oder welches Glied im Menschen ist es? — Diese Frage selber, meine sehr verehrten Anwesenden, ist eigentlich keine Frage, die einen wirklichen, konkreten Inhalt hat. Es wird gefragt nach dem Subjekt des Erkennens. Dieses Subjekt des Erkennens ist eben jenes Ich, das im gegenwärtigen Erdenleibe verkörpert ist, das schwingt sich dann auf zu der Erkenntnis. Das wahre Ich erreicht man also nur so, daß man zunächst mit seinem Bewußtsein dasjenige umfaßt, was in das Erdenleben zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist; dann lebt man in dem Ich auf einer gewissen Stufe; man lebt in diesem Ich, aber man erkennt noch nicht das wahre Ich, das durch viele Geburten und Tode geht. Aber durch die Methoden, die ich geschildert habe, wird eben dieses höhere Ich, das man im Erdenleben trägt, indem es sich selber bis zur Selbstlosigkeit bringt, fähig gemacht, das wahre Ich zu erkennen.

[ 54 ] Und bedenken Sie: Sie verändern ja während dieses Erkenntnisweges das Subjekt. Erstens haben wir es zu tun mit dem Ich, das zwischen Geburt und Tod lebt; das erkennt noch gar nicht das wahre Ich. Jetzt schwingt sich dieses Ich auf und ist zunächst der Erkenner des wahren Ich, das durch wiederholte Erdenleben geht. Dadurch identifiziert es sich in der Tat erkennend mit dem wahren Ich. Also, es wird, indem es eine Metamorphose durchmacht, dieses höhere Ich in das wahre Ich erhoben. Und dann, wenn es in das wahre Ich erhoben ist, kann es auch das wahre Ich erst erkennen.

[ 54 ] Und bedenken Sie: Sie verändern ja während dieses Erkenntnisweges das Subjekt. Erstens haben wir es zu tun mit dem Ich, das zwischen Geburt und Tod lebt; das erkennt noch gar nicht das wahre Ich. Jetzt schwingt sich dieses Ich auf und ist zunächst der Erkenner des wahren Ich, das durch wiederholte Erdenleben geht. Dadurch identifiziert es sich in der Tat erkennend mit dem wahren Ich. Also, es wird, indem es eine Metamorphose durchmacht, dieses höhere Ich in das wahre Ich erhoben. Und dann, wenn es in das wahre Ich erhoben ist, kann es auch das wahre Ich erst erkennen.

[ 55 ] So also können wir nicht fragen: Wer oder was im Menschen erkennt?, sondern wir müssen sagen: Was im gewöhnlichen Leben erkennt im Menschen, das wird an sich schon zu einem andern Ich gemacht, es geht durch eine Metamorphose, indem es eben aufsteigt von der Imagination durch die Inspiration zur Intuition. Dann aber ist es für das Erkennen ein verwandeltes Ich. Aber die Verwandlung ist gerade dazu da, um das wahre Ich zu erreichen.

[ 55 ] So also können wir nicht fragen: Wer oder was im Menschen erkennt?, sondern wir müssen sagen: Was im gewöhnlichen Leben erkennt im Menschen, das wird an sich schon zu einem andern Ich gemacht, es geht durch eine Metamorphose, indem es eben aufsteigt von der Imagination durch die Inspiration zur Intuition. Dann aber ist es für das Erkennen ein verwandeltes Ich. Aber die Verwandlung ist gerade dazu da, um das wahre Ich zu erreichen.