Insight from Initiation
GA 227
20 August 1921, Penmaenmawr
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Insight from Initiation, tr. SOL
Inspiration und Intuition
Inspiration and Intuition
[ 1 ] Stellen wir uns noch einmal vor die Seele, wohin die neuere Initiation führt, nachdem die ersten Schritte zur imaginativen Erkenntnis einen Erfolg gehabt haben. Der Mensch kommt dazu, daß seine vorhergehende, abstrakte, rein ideelle Gedankenwelt von einer innerlichen Lebendigkeit durchzogen wird. Dadurch stehen vor ihm nicht mehr die unlebendigen Gedanken, die im passiven Erkennen erworben werden, sondern eine innere lebendige Kraftwelt, welche er so fühlt, wie er sonst sich durchpulst fühlt von seinem Blute oder durchströmt von seinem Atem. Es handelt sich also darum, daß das ideelle Element des Denkens übergeht in ein reales, das innerlich erlebt wird. Dann sind auch jene Bilder, die vorher die Gedanken waren, nicht mehr abstrakt, nicht mehr schattenhaft, nicht mehr bloße Projektion der Außenwelt, sondern sie sind innerlich erfüllt von lebendigem Dasein. Sie sind wirkliche Imaginationen, die man, wie ich schon gestern angedeutet habe, zweidimensional erlebt, aber nicht so erlebt, wie wenn man etwa vor einem in der physischen Welt gemalten Bilde stünde — wer so erlebt, erlebt Visionen, nicht Imaginationen —, sondern man erlebt so, als ob man mit seinem eigenen Wesen, das nun auch die dritte Dimension verloren hat, in dem Bild selbst drinnen sich bewegte. Man sieht also dasjenige, was man da erlebt, nicht etwa so, wie man in der physischen Welt sieht. Alles, was sich noch so zeigt wie in der physischen Welt, ist eben Vision. Wirkliche höhere Erkenntnis ist erst da, wenn die Imagination so erlebt wird, daß man zum Beispiel in ihr Farben nicht mehr so schaut, wie man in der physischen Welt Farben schaut, sondern daß man die Farben erlebt. Wie erlebt man die Farben? Nun, wenn Sie in der physischen Welt Farben wahrnehmen, so haben Sie ja auch bei den verschiedenen Farben verschiedene Erlebnisse. Sie nehmen das Rot wahr wie etwas, was Sie attackiert, was auf Sie losspringen will. Der Stier wehrt sich dagegen, gegen dieses auf ihn losspringende Rot, das er viel stärker erlebt als der Mensch, bei dem alles abgeschwächt ist.
[ 1 ] Let us once again consider the soul and where the newer initiation leads once the first steps toward imaginative knowledge have been successfully taken. The individual comes to experience his previous, abstract, purely ideal world of thought permeated by an inner vitality. As a result, he is no longer confronted with the lifeless thoughts acquired through passive cognition, but with an inner, living world of forces, which he feels just as he otherwise feels his blood pulsing through him or his breath flowing through him. It is therefore a matter of the ideal element of thought transforming into a real one that is experienced inwardly. Then even those images that were previously thoughts are no longer abstract, no longer shadowy, no longer mere projections of the external world, but are inwardly filled with living existence. They are true imaginations that, as I hinted at yesterday, are experienced two-dimensionally—but not in the same way as when one stands before a painted picture in the physical world—for whoever experiences it that way is experiencing visions, not imaginations—but rather, one experiences it as if one were moving within the image itself with one’s own being, which has now also lost the third dimension. So one does not see what one experiences there in the same way one sees in the physical world. Anything that still appears as it does in the physical world is simply a vision. True higher knowledge is present only when the imagination is experienced in such a way that, for example, one no longer looks at colors within it as one looks at colors in the physical world, but rather experiences the colors. How does one experience the colors? Well, when you perceive colors in the physical world, you have different experiences with the various colors. You perceive red as something that attacks you, that wants to leap at you. The bull defends itself against this red that leaps at it—a red it experiences much more intensely than humans do, for whom everything is attenuated.
[ 2 ] Wenn Sie das Grün erleben, haben Sie in sich etwas wie eine Gleichmäßigkeit, ein keinen Schmerz, aber auch keine besondere Lust bereitendes Erlebnis. Wenn Sie Blau erleben, haben Sie die Empfindung der Hingabe, der Demut. Nun kann man sich recht durchdringen mit diesen verschiedenen Erlebnissen, die man in der physischen Welt an den Farben hat, und man kann dann wieder erkennen, wenn einem in der geistigen Welt etwas so attackierend entgegenkommt, wie das Rot in der physischen Welt attackierend ist, daß dies entspricht der roten Farbe. Wenn einem etwas entgegenkommt, demgegenüber man in die Stimmung der Demut kommt, so ist das dasselbe Erlebnis wie in der physischen Welt das Erlebnis der blauen oder blauvioletten Farbe, und man kann dann in abgekürzter Redeweise sagen, man habe Rot, man habe Blau in der geistigen Welt erlebt. Sonst müßte man immer, wenn man genau sprechen wollte, sagen, man habe so etwas erlebt, wie man erlebt, wenn man in der physischen Welt Rot schaut, oder in der physischen Welt Blau schaut. Damit man diese fortwährende lange Ausdrucksweise nicht habe, kürzt man sie ab und spricht davon, daß man ein aurisches Sehen hat, ein aurisches Schauen, das sich differenziert nach Rot, Grün, Blau und so weiter.
[ 2 ] When you experience green, you feel a sense of balance within yourself—an experience that causes no pain but also brings no particular pleasure. When you experience blue, you have a sense of devotion and humility. Now, one can truly immerse oneself in these various experiences that one has with colors in the physical world, and one can then recognize—when something in the spiritual world comes at you as aggressively as red does in the physical world—that this corresponds to the color red. When something comes toward you that puts you in a mood of humility, this is the same experience as the experience of the blue or blue-violet color in the physical world, and one can then say, for the sake of brevity, that one has experienced red or blue in the spiritual world. Otherwise, if one wanted to speak precisely, one would always have to say that one had experienced something similar to what one experiences when looking at red in the physical world, or when looking at blue in the physical world. To avoid this lengthy, repetitive way of expressing things, one shortens it and speaks of having “auric vision”—an auric perception that differentiates between red, green, blue, and so on.
[ 3 ] Aber dabei ist durchaus zu beobachten, daß dieses Übertreten in das Übersinnliche, dieses Abstreifen alles Sinnlichen und doch konkrete Erleben immer da ist. Und eben in diesem konkreten Erleben fühlt man dasjenige, was ich gestern geschildert habe, wie wenn das Denken ein den ganzen menschlichen Organismus ausfüllendes Tastorgan wird, so daß man geistig sich fühlt wie abtastend eine neu auftretende Welt, die eigentlich jetzt noch nicht die wirkliche Geisteswelt ist, sondern die das ist, was ich nennen möchte die Bildekräftewelt oder die Ätherwelt. Wer den Äther wirklich kennenlernen will, muß ihn in dieser Art erfassen. Alles Spekulieren über den Äther, alles begriffliche Nachdenken führt nicht zur wirklichen Erkenntnis des Äthers. In diesem, man möchte sagen, verwirklichten Denken lebt man nun selber mit seinem eigenen Bildekräfte oder Ätherleib. Aber man lebt auf eine andere Art, als man bisher in der physischen Welt gelebt hat. Die Art, wie man darinnen lebt in dieser ätherischen Welt, ich möchte es durch einen Vergleich sagen.
[ 3 ] But it can certainly be observed that this crossing over into the supersensible, this shedding of all that is sensory and yet concrete, is always present. And it is precisely in this concrete experience that one feels what I described yesterday—as if thinking were becoming a tactile organ filling the entire human organism, so that one feels, spiritually speaking, as if one were probing a newly emerging world, which is not yet the actual spiritual world, but rather what I would like to call the world of formative forces or the etheric world. Anyone who truly wants to get to know the ether must grasp it in this way. All speculation about the ether, all conceptual reflection, does not lead to a true understanding of the ether. In this—one might say—realized thinking, one now lives with one’s own formative forces, or etheric body. But one lives in a different way than one has lived until now in the physical world. The way one lives within this etheric world—I would like to describe it by means of a comparison.
[ 4 ] Wenn Sie einen Finger an Ihrem Organismus betrachten, so ist er ein lebendiges Glied an diesem Organismus. Schneiden Sie ihn ab, so ist er nicht mehr, was er vorher war. Er stirbt ab, er lebt nicht mehr. Und hätte der Finger ein Bewußtsein, dann würde er sich sagen: Ich bin nur etwas am Organismus, ich habe kein selbständiges Wesen. So aber muß man sagen in dem Augenblicke, wo man in imaginativer Erkenntnis in der ätherischen Welt drinnensteht. Da fühlt man sich nicht mehr als ein abgetrenntes, individualisiertes Wesen, sondern als ein Glied der ganzen ätherischen Welt, des ganzen ätherischen Kosmos, und man weiß nachher, daß man zur Individualität, zur Persönlichkeit nur dadurch gemacht worden ist, daß man einen physischen Leib an sich hat. Der physische Leib individualisiert. Der physische Leib ist dasjenige, was einen zu einem abgesonderten Wesen macht.
[ 4 ] If you consider a finger as part of your organism, it is a living part of that organism. If you cut it off, it is no longer what it was before. It dies off; it no longer lives. And if the finger had consciousness, it would say to itself: I am only a part of the organism; I have no independent existence. But this is precisely what one must say at the moment when, through imaginative insight, one stands within the etheric world. There one no longer feels oneself to be a separate, individualized being, but rather a limb of the entire etheric world, of the entire etheric cosmos, and one realizes afterward that one has been made into an individual, into a personality, solely by virtue of having a physical body. The physical body individualizes. The physical body is what makes one a separate being.
[ 5 ] Wir werden schon sehen, daß wir auch in der geistigen Welt individualisiert werden können, aber davon später. Steigt man, so wie ich es beschrieben habe, zunächst in die geistige Welt hinauf, so muß man sich durchaus fühlen als ein Glied innerhalb des ätherischen Kosmos. Und würde man in bezug auf den Ätherleib jemals abgeschnitten von dem kosmischen Äther, so würde man ätherisch absterben. Das ist sehr wichtig zu erfassen, damit wir dann gut verstehen können, was über den Durchgang des Menschen durch die Pforte des Todes gesagt werden muß, was aber später kommt.
[ 5 ] We will see that we can also become individualized in the spiritual world, but more on that later. If one first ascends into the spiritual world as I have described, one must certainly feel oneself to be a part of the etheric cosmos. And if, with regard to the etheric body, one were ever cut off from the cosmic ether, one would die etherically. It is very important to grasp this so that we can then fully understand what must be said about the human being’s passage through the gate of death—but that will come later.
[ 6 ] Nun ist begleitet — ich deutete das auch schon gestern an — dieses bildhafte Erleben, das zum Lebenstableau wird über das ganze Leben hin, das wir von der Geburt bis zum gegenwärtigen Augenblicke im Erdendasein verbracht haben, es ist begleitet dieses ganze Erleben im Ätherischen von einem außerordentlich starken Glücksgefühl. Das ist zunächst das erste, und zwar dem Menschen außerordentlich wohlgefällige höhere Erlebnis, dieses Durchströmen der ganzen Bilderwelt mit einem innerlich erfaßten Glücksgefühl.
[ 6 ] Now—as I already hinted at yesterday—this vivid experience, which becomes a tableau of life spanning our entire existence on Earth from birth to the present moment, is accompanied throughout the etheric realm by an extraordinarily strong sense of happiness. This is, first and foremost, the higher experience—one that is extraordinarily pleasing to the human being—of this entire world of images being permeated by a sense of happiness perceived inwardly.
[ 7 ] Dann muß man, wie ich schon gestern angedeutet habe, was man in dieser Weise sich errungen hat an Imagination, an eigenem Lebenstableau, wiederum aus dem Bewußtsein willkürlich verschwinden lassen können. Man muß das Bewußtsein leer werden lassen können. Und erst, wenn man das Bewußtsein leer hat, dann versteht man, wie sich die Dinge in der geistigen Welt eigentlich verhalten. Denn dann weiß man: Alles, was man vorher gesehen hat, war noch nicht die geistige Welt, war bloß ein imaginatives Tableau der geistigen Welt. Jetzt erst, wenn man angekommen ist auf der Stufe, wo das Bewußtsein leer geworden ist, jetzt erst strömt, wie die physische Welt durch die Sinne, so die geistige Welt durch das tastende Denken in uns ein. Wir beginnen jetzt erst, ein wirkliches Erlebnis, eine wirkliche Erfahrung der geistigen Welt zu gewinnen, der geistigen Außenwelt. In unserem Lebenstableau hatten wir ja auch nur unsere Innenwelt. Die imaginative Erkenntnis gibt nur die Innenwelt, die sich aber vor der höheren Erkenntnis als eine Bilderwelt charakterisiert. Und sie gibt die Bilder des Kosmos. Der Kosmos selber und unsere eigene wahre Wesenheit, wie sie vor der Geburt, vor dem irdischen Dasein war, die treten erst in der Inspiration auf, wenn die geistige Welt von außen in uns einströmt. Wenn wir aber zu dieser Herstellung des leeren Bewußtseins kommen, dann ist unsere Seele erfüllt vom bloßen Wachsein zunächst, und wir müssen in diesem bloßen Wachsein zu einer gewissen inneren Stille, Ruhe kommen können. Diese Ruhe kann ich nur in der folgenden Art charakterisieren.
[ 7 ] Then, as I hinted at yesterday, one must be able to let what one has attained in this way—in terms of imagination and one’s own tableau of life—disappear arbitrarily from one’s consciousness. One must be able to empty one’s consciousness. And only when one’s consciousness is empty does one understand how things actually stand in the spiritual world. For then one knows: Everything one saw before was not yet the spiritual world; it was merely an imaginative tableau of the spiritual world. Only now, when one has reached the stage where one’s consciousness has become empty, only now does the spiritual world flow into us through groping thought, just as the physical world flows in through the senses. Only now do we begin to gain a genuine experience of the spiritual world, the spiritual external world. After all, in the tableau of our lives we had only our inner world. Imaginative insight reveals only the inner world, which, however, appears to higher insight as a world of images. And it reveals the images of the cosmos. The cosmos itself and our own true being—as it was before birth, before earthly existence—appear only in inspiration, when the spiritual world flows into us from without. But when we arrive at this state of empty consciousness, our soul is initially filled with mere wakefulness, and we must be able to attain a certain inner stillness and peace within this mere wakefulness. I can characterize this peace only in the following way:
[ 8 ] Denken wir uns, wir wären in einer ganz geräuschvollen Stadt. Wir hören um uns herum das Gebrause dieser Stadt. Es ist schrecklich, sagen wir uns, wenn es uns umtönt und umsaust von allen Seiten. Denken wir uns in eine so recht moderne Großstadt, London zum Beispiel. Aber denken wir jetzt, wir verlassen die Stadt. Und indem wir Schritt für Schritt weitergehen aus der Stadt hinaus, wird es immer stiller und stiller. Denken wir uns recht hinein in dieses Abnehmen des Hörbaren. Es wird immer stiller und stiller. Endlich kommen wir, sagen wir, in einen Wald, wo alles ganz still ist, wo wir gar nichts mehr hören, wo alles schweigt um uns. Wir sind da gewissermaßen angekommen beim Nullpunkt des Hörbaren.
[ 8 ] Let’s imagine we’re in a very noisy city. We hear the roar of this city all around us. It’s terrible, we tell ourselves, as it echoes and rushes past us from all sides. Let’s imagine ourselves in a truly modern metropolis—London, for example. But now let’s imagine we’re leaving the city. And as we walk step by step further out of the city, it grows quieter and quieter. Let’s really immerse ourselves in this diminishing of what we can hear. It grows quieter and quieter. Finally, let’s say we arrive in a forest where everything is completely silent, where we can’t hear a thing anymore, where everything around us is silent. We have, so to speak, arrived at the zero point of what we can hear.
[ 9 ] Nun kann aber die Sache noch weitergehen. Und da darf ich einen trivialen Vergleich gebrauchen, um Ihnen das Weitergehen zu zeigen. Denken wir uns, wir haben in unserer Brieftasche Geld. Wir geben von Tag zu Tag immer mehr aus; das Geld wird immer weniger und weniger, wie die Hörbarkeit immer weniger und weniger wird, wenn wir von der Stadt weggehen. Und endlich kommt der Tag, wenn wir nichts einnehmen, wo wir gar nichts mehr drinnen haben in der Brieftasche. Wir vergleichen diese Null mit der Stille. Aber was tun wir jetzt, wenn wir auch noch weiter essen wollen? Wir machen Schulden. Ich will das zwar nicht gerade anraten, aber ich meine es vergleichsweise. Wieviel haben wir dann in unserem Portemonnaie ? Weniger als Null. Und je mehr Schulden wir machen, desto weniger und weniger als Null haben wir.
[ 9 ] But the matter can go even further. And here I’d like to use a trivial comparison to show you how it continues. Let’s imagine we have money in our wallet. We spend more and more every day; the money gets less and less, just as the sound becomes fainter and fainter as we move away from the city. And finally, the day comes when we don’t take in any more money—when we have absolutely nothing left in our wallet. We compare this zero to silence. But what do we do now if we still want to keep eating? We go into debt. I don’t exactly mean to recommend that, but I’m using it as a comparison. How much do we have in our wallet then? Less than zero. And the more debt we accumulate, the less and less than zero we have.
[ 10 ] Nun stellen wir uns vor, dasselbe träte für die Stille ein. Es wäre nicht nur absolute Ruhe, der Nullpunkt der Stille da, sondern es ginge weiter, es wäre das Negative vom Hören da, stiller als still, schweigsamer als schweigsam; das träte ein. Das muß in der Tat eintreten, wenn wir durch eine, so wie gestern geschildert, verschärfte Kraft zur Herstellung dieser inneren Ruhe und Schweigsamkeit kommen. Dann aber, wenn wir zu dieser inneren negativen Hörbarkeit kommen, zu dieser Ruhe, die größer ist als die Ruhe Null, dann sind wir so in der geistigen Welt drinnen, daß wir sie nicht bloß schauen, sondern daß sie auch zu uns tönt. Dann erhöht sich das vorher Geschaute durch das Tönende zu einer mehr lebendigen Welt. Dann stehen wir in der wirklichen geistigen Welt darinnen. Dann sind wir gewissermaßen an das andere Ufer des Daseins gegangen für die Augenblicke, in denen wir drüben sind. Jenseits dieses Ufers verschwindet die gewöhnliche Sinneswelt, wir befinden uns in der geistigen Welt. Wir müssen allerdings, wie ich später ausführen werde, ordentlich vorbereitet sein, daß wir jederzeit wiederum zurückkehren können. Aber es tritt noch etwas ein. Es tritt eine Erfahrung ein, die der Mensch vorher niemals hat machen können. Dasjenige, was ich geschildert habe als ein innerlich ganz erlebtes, umfassendes, ich möchte sagen, kosmisches Glücksgefühl, das verwandelt sich in diesem Augenblicke, wo wir das leere Bewußtsein mit der Ruhe herstellen, in einen ebenso umfassenden seelischen Schmerz, in ein ebenso umfassendes seelisches Leid. Und wir machen die Erfahrung, daß die Welt aufgebaut ist auf Grundlage des kosmischen Schmerzes, beziehungsweise eines kosmischen Elementes, das vom Menschen nur im Schmerz erlebt werden kann. Und wir lernen durchdringend jene Wahrheit kennen, die so gern mißachtet wird von der nur nach äußerem Glück suchenden Menschheit, wir lernen die Wahrheit kennen, daß alles Dasein zuletzt aus dem Schmerze geboren sein muß. Und man darf, wenn man in dieser Art bis zu dem kosmischen Schmerzerlebnis eingedrungen ist in die Initiations-Erkenntnis, das Folgende aus wirklichem innerem Wissen heraus sagen:
[ 10 ] Now let’s imagine that the same thing were to apply to silence. It would not merely be absolute stillness—the zero point of silence—but it would go further; it would be the negative of hearing, quieter than quiet, more silent than silent; that is what would come about. This must indeed occur when we attain this inner peace and stillness through an intensified force, as described yesterday. But then, when we reach this inner negative audibility—this stillness that is greater than the stillness of zero—we are so deeply immersed in the spiritual world that we do not merely behold it, but it also resounds within us. Then what we previously saw is elevated by the sound to a more living world. Then we stand within the real spiritual world. Then, so to speak, we have crossed to the other shore of existence for the moments in which we are over there. Beyond this shore, the ordinary sensory world disappears; we find ourselves in the spiritual world. We must, however—as I will explain later—be properly prepared so that we can return at any time. But something else occurs as well. An experience arises that a person has never been able to have before. What I have described as an inner, fully experienced, all-encompassing—I would say cosmic—sense of bliss transforms, at the very moment we establish this empty consciousness with stillness, into an equally all-encompassing soulful pain, into an equally all-encompassing soulful suffering. And we come to realize that the world is built upon the foundation of cosmic pain—or rather, a cosmic element that can be experienced by human beings only through pain. And we come to know profoundly that truth which is so readily disregarded by humanity, which seeks only external happiness; we come to know the truth that all existence must ultimately be born of pain. And once one has penetrated in this way to the experience of cosmic pain within the knowledge of initiation, one may say the following out of genuine inner knowledge:
[ 11 ] Wir betrachten unser Auge. Dieses Auge, das uns in der physischen Welt die Herrlichkeit dieser Welt offenbart, das für uns bedeutet, daß wir überhaupt neun Zehntel unseres Lebensinhaltes bekommen für das physische Dasein zwischen der Geburt und dem Tode, dieses Auge ist hineingelagert in eine Körpervertiefung, die ursprünglich in ihrem Werden eine Verwundung des Körpers in Wirklichkeit darstellt. Dasjenige, was heute nur entstehen kann, wenn man den Körper verwundend aushöhlt, das hat die Höhlungen gebracht. Die äußere Entwickelungsgeschichte stellt sich das viel zu neutral, viel zu gleichgültig vor. Dasjenige, was zu den Augenhöhlen geführt hat, in die dann hineingedrängt worden ist von außen — das zeigt auch schon die physische Entwickelungsgeschichte — der Augapfel, die Augenhöhlung, sie ist entstanden in der Zeit, als der Mensch noch ein unbewußtes Wesen war, aus einem solchen Geschehen, das, wenn es ins Bewußtsein heraufgehoben würde, eine schmerzliche Verwundung des Organismus bedeutet hätte. So aber ist der ganze menschliche Organismus herausgeboren aus einem Elemente, das, wenn es erlebt würde mit dem Bewußtsein, das der Mensch heute hat, als Schmerzerlebnis da wäre. Und man empfindet gerade tief auf dieser Stufe der Erkenntnis, wie alles Glück, alle Lust, alle Seligkeit in der Welt hervorgeht aus dem Boden des Schmerzelementes, wie die Pflanze aus dem Erdboden, der eigentlich immer Schmerz bedeutet, hervorgeht.
[ 11 ] Let us consider our eye. This eye, which reveals to us the splendor of the physical world—which means that we derive nine-tenths of our life’s purpose from our physical existence between birth and death—is embedded in a bodily cavity that, in its very formation, actually represents a wounding of the body. What today can only come into being by hollowing out the body in a wounding manner—that is what gave rise to the eye sockets. The history of external evolution presents this in a far too neutral, far too indifferent light. What led to the eye sockets—into which the eyeball was then forced from the outside—as the history of physical evolution itself already shows—the eyeball, the eye socket, arose at a time when human beings were still unconscious beings, out of a process that, had it been brought into consciousness, would have meant a painful wounding of the organism. But as it is, the entire human organism has been born out of an element that, if experienced with the consciousness human beings possess today, would be an experience of pain. And it is precisely at this level of insight that one deeply senses how all happiness, all pleasure, all bliss in the world springs from the soil of the element of pain, just as a plant springs from the earth, which in fact always signifies pain.
[ 12 ] Würden wir als Menschen in einem Augenblicke verwandelt werden können in die Substanz des Erdbodens und unser Bewußtsein behalten, so würde das eine unendliche Steigerung unserer Schmerzgefühle zur Folge haben. Oberflächlinge sagen, indem man ihnen diese Tatsache, die sich aus der geistigen Welt heraus offenbart, kundgibt: Aber ich habe mir die Gottheit anders vorgestellt; ich habe gedacht, daß die Gottheit so mächtig sei, daß sie alles aus dem Glücke hervorgehen lassen kann, wie wir Menschen es haben wollen. Solche Menschen gleichen eben dem König von Spanien, dem man ein plastisches Bild des Weltenalls, des Sternenganges einmal vor Augen gestellt hat, der sich ungeheuer anstrengen mußte, um zu begreifen, wie diese Bewegungen geschehen, wie das alles ist, und der es zuletzt doch nicht begriffen hat und dann gesagt hat: Hätte es Gott mir überlassen, so hätte ich die Welt einfacher gemacht!
[ 12 ] If we, as human beings, could be transformed in an instant into the substance of the earth while retaining our consciousness, this would result in an infinite increase in our feelings of pain. Superficial people, when told of this fact—which is revealed from the spiritual world—say: “But I had imagined the Deity differently; I thought that the Deity was so powerful that it could bring about everything from happiness, just as we humans want it to be.” Such people are just like the King of Spain, who was once presented with a vivid picture of the universe and the movements of the stars, and who had to strain immensely to comprehend how these movements occur and how it all works—yet in the end he did not understand it and then said: “If God had left it up to me, I would have made the world simpler!”
[ 13 ] Nun, das ist im Grunde genommen das Erkenntnis- und Religionsgefühl vieler Menschen: hätte ihnen die Gottheit die Welt zu erschaffen überlassen, sie hätten diese Welt einfacher gemacht. Aber diese Menschen wissen eben nicht, wie naiv sie sprechen. Und eine wirkliche Initiationswissenschaft kann nicht zu demjenigen bloß führen, was die Menschen glücklich macht, sondern sie muß die Menschen dazu führen, ihr Wesen und ihre Bestimmung im Hervorgange aus der Welt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wirklich zu begreifen. Da braucht man geistige Tatsachen statt eines bloßen Inhaltes, der einem von vornherein gefällt. Aber man wird zuletzt auch — das sollen auch diese Vorträge darstellen — gerade durch das Erlebnis dieser Tatsachen, auch nur durch das begriffliche Erkennen dieser Tatsachen, ein gutes Stück innerer Befriedigung auch für das Erdenleben aufnehmen können. Ja, man wird dasjenige aufnehmen können, was der Mensch braucht für das Erdenleben, um ein ganzer Mensch zu sein, wie er seine einzelnen physischen Glieder braucht, um ein ganzer Mensch zu sein.
[ 13 ] Well, that is essentially the attitude toward knowledge and religion held by many people: if the deity had left it up to them to create the world, they would have made it simpler. But these people simply do not realize how naive their words are. And a true science of initiation cannot merely lead to what makes people happy; rather, it must lead people to truly comprehend their nature and their purpose in emerging from the world—in the past, present, and future. This requires spiritual facts rather than mere content that appeals to one from the outset. But ultimately—and this is what these lectures are also intended to demonstrate—it is precisely through the experience of these facts, and even through the conceptual understanding of these facts alone, that one will be able to gain a great deal of inner satisfaction for one’s earthly life as well. Yes, one will be able to receive what a human being needs for earthly life in order to be a whole human being, just as one needs one’s individual physical limbs to be a whole human being.
[ 14 ] Diejenige Welt, die man in dieser Art betritt, wenn man über die Imagination hinausgekommen ist in die Stille des Daseins, aus der heraus scheinend in Farben, wie ich es angedeutet habe, aus der heraus tönend sich die geistige Welt kundgibt, diese Welt ist eine wesentlich andere als diejenige, die wir mit den Sinnen wahrnehmen. Und man bemerkt, wenn man mit dieser Welt mitlebt — und mitleben muß man mit der geistigen Welt, wenn sie für einen vorhanden sein soll —, man bemerkt, daß alle sinnlich-physischen Dinge und alle sinnlich-physischen Vorgänge aus dieser geistigen Welt in Wirklichkeit hervorgegangen sind. So daß der Mensch als Erdenmensch eigentlich nur eine Hälfte der Welt sieht; die andere verbirgt sich ihm, bleibt okkult. Und sie offenbart sich, ich möchte sagen, aus allen Spalten; und aus allem Geschehen der physisch-sinnlichen Welt heraus west Geistiges, zunächst in den Bildern der Imagination, dann in demjenigen, was sie selber schöpferisch geben kann, in der Inspiration. In dieser Welt der Inspiration kann man heimisch werden. Man findet in ihr dann eben die Ursprünge aller Erdendinge, aller Erdenschöpfungen. Man findet in ihr, wie ich schon angedeutet habe, das eigene vorirdische Dasein. Ich habe auf Namen kommt es nicht an, man braucht eine Terminologie nach dem Gebrauch, den man in älterer Zeit gehabt hat, diese Welt, die also jenseits der imaginativen liegt, die astralische genannt. Und dasjenige, was man selber aus dieser Welt an sich trägt, was man schon mitgebracht hat in den physischen und in den ätherischen Leib herein, das kann man dementsprechend den astralischen Leib des Menschen nennen. In diesen ist erst eingeschlossen gewissermaßen die eigentliche Ich-Organisation. So daß sich der Mensch für eine höhere Erkenntnis als ein viergliedriges Wesen erweist, bestehend aus seinem physischen Leib, seinem Äther- oder Bildekräfteleib, seinem astralischen Leib und seiner Ich-Organisation. Zu dieser Ich-Örganisation rückt man aber nur auf durch einen weiteren Schritt in übersinnlicher Erkenntnis, durch denjenigen Schritt, den ich in meinen Büchern, namentlich in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» — das ins Englische unter dem Titel «Initiation» übersetzt ist — genannt habe die Intuition.
[ 14 ] The world one enters in this way—once one has gone beyond the imagination into the stillness of being, from which, as I have indicated, the spiritual world reveals itself through colors and sounds—is fundamentally different from the world we perceive with our senses. And one notices, when one lives in harmony with this world—and one must live in harmony with the spiritual world if it is to be present for one—one notices that all sensory-physical things and all sensory-physical processes have in reality emerged from this spiritual world. So that human beings, as earthly beings, actually see only half of the world; the other half is hidden from them, remaining occult. And it reveals itself, I might say, from every crevice; and out of every event in the physical-sensory world emerges the spiritual—first in the images of the imagination, then in what the imagination itself can creatively give, in inspiration. One can feel at home in this world of inspiration. There one finds the origins of all earthly things, of all earthly creations. There one finds, as I have already indicated, one’s own pre-earthly existence. I have—names are not important; one needs terminology based on the usage of earlier times—called this world, which lies beyond the imaginative, the astral world. And that which one carries within oneself from this world, which one has already brought with one into the physical and etheric bodies, can accordingly be called the astral body of the human being. It is within this body, so to speak, that the actual “I”-organization is contained. Thus, for a higher understanding, the human being proves to be a fourfold being, consisting of the physical body, the etheric or formative body, the astral body, and the “I”-organization. However, one can only advance to this “I-organization” through a further step in supersensible knowledge—the step I have called “intuition” in my books, particularly in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds—which has been translated into English under the title Initiation.
[ 15 ] Man kann sehr leicht den Ausdruck Intuition mißverstehen, weil zum Beispiel derjenige, der Phantasie hat, der dichterisches Vermögen hat, die gefühlsmäßigen Empfindungen von der Welt, die er hat, auch schon Intuition nennt. Aber das ist eine dunkle, bloß gefühlte Intuition. Sie ist aber doch verwandt mit demjenigen, was ich Intuition hier nenne. Denn wie der Mensch vollständig hier als Erdenmensch seine sinnliche Wahrnehmung hat, so hat er einen Abglanz der höchsten Art der Erkenntnis der Intuition durch das irdische Gefühl und den irdischen Willen. Er würde sonst kein sittliches Wesen sein können. So daß dasjenige, was sich dunkel, ahnungsvoll für den Menschen im Gewissen kundgibt, ein Abglanz ist, gewissermaßen ein Schattenbild des Höchsten, das nun erst in der wahren Intuition, in der höchsten dem Menschen zunächst als Erdenmenschen möglichen Erkenntnisart erscheint.
[ 15 ] It is very easy to misunderstand the term “intuition,” because, for example, someone who has imagination or poetic ability might already call the emotional sensations they experience of the world “intuition.” But this is a vague, purely emotional intuition. It is, however, related to what I mean by “intuition” here. For just as human beings, as earthly beings, possess their sensory perceptions, so too do they possess a reflection of the highest form of knowledge—intuition—through earthly feeling and earthly will. Otherwise, he could not be a moral being. Thus, that which reveals itself to the human being in his conscience in a dark, premonitory way is a reflection—a shadow image, so to speak—of the Highest, which now appears only in true intuition, in the highest form of knowledge initially possible for the human being as an earthly being.
[ 16 ] Der Mensch hat wirklich als Erdenmensch etwas von dem Untersten, und wiederum ein Schattenbild des Obersten, das erst in der Intuition erreichbar ist. Gerade die mittleren Gebiete fehlen ihm zunächst vollständig als Erdenmenschen. Die muß er sich erwerben: Imagination und Inspiration. Die Intuition in der reinen, lichtvollen Innerlichkeit muß er sich auch erwerben; aber er hat gerade in der sittlichen Empfindung, im Inhalt des sittlichen Gewissens ein irdisches Abbild desjenigen, was dann als Intuition auftritt. So daß man auch sagen kann: Wenn der Mensch als ein Initiierter, Erkennender zu einem wirklichen intuitiven Erkennen der Welt aufsteigt, so wird ihm die Welt, die er sonst nur in Naturgesetzen kennt, so innerlich, so mit ihm verbunden, wie für ihn als Erdenmenschen sonst nur die sittliche Welt ist. Und das ist gerade das Bedeutsame in der Menschenwesenheit auf Erden, daß wir wie mit einem innersten dunklen Erahnen hängen an dem Allerhöchsten, was wiederum nur der entwickelten Erkenntnis in seiner wahren Gestalt zugänglich ist.
[ 16 ] As an earthly human being, a person truly possesses something of the lowest realm, and at the same time is a shadow image of the highest realm, which can only be attained through intuition. It is precisely the middle realms that are initially completely absent from the earthly human being. These must be acquired: imagination and inspiration. He must also acquire intuition in its pure, luminous inner life; but it is precisely in moral feeling, in the content of the moral conscience, that he possesses an earthly image of that which then appears as intuition. So one can also say: When a human being, as an initiate and one who knows, ascends to a true intuitive knowledge of the world, the world—which he otherwise knows only through the laws of nature—becomes as inner to him, as intimately connected with him, as the moral world otherwise is for him as an earthly human being. And this is precisely what is significant about human existence on Earth: that we are connected to the Most High—which, in turn, is accessible in its true form only to developed knowledge—as if through an innermost, dark premonition.
[ 17 ] Der dritte Schritt des höheren Erkennens, der notwendig ist, um in die Region der Intuition zu kommen, der kann nur durch die höchste Ausbildung einer inneren Fähigkeit erlangt werden, die man in der heutigen materialistischen Zeit überhaupt nicht zu den Erkenntniskräften rechnet. Nur durch die höchste Ausbildung und Vergeistigung der Liebefähigkeit kann dasjenige errungen werden, was in Intuition sich offenbart. Es muß dem Menschen möglich werden, die Liebefähigkeit zu einer Erkenntniskraft zu machen. Wir bereiten uns schon gut auf diese vergeistigte Liebefähigkeit vor, wenn wir uns in einer gewissen Weise losreißen von unserem Hängen an den äußeren Dingen, wenn wir zum Beispiel zur regelmäßigen Übung machen, die Dinge, die wir erlebt haben, nicht in der Erlebnisfolge vorzustellen, sondern rückwärts verlaufend.
[ 17 ] The third step of higher cognition, which is necessary to enter the realm of intuition, can only be attained through the highest development of an inner capacity that, in today’s materialistic age, is not considered at all to be one of the cognitive faculties. Only through the highest cultivation and spiritualization of the capacity for love can that which reveals itself in intuition be attained. It must become possible for human beings to transform the capacity for love into a cognitive power. We are already preparing ourselves well for this spiritualized capacity for love when we detach ourselves in a certain way from our attachment to external things; for example, when we make it a regular practice to recall the things we have experienced not in the order in which they occurred, but in reverse order.
[ 18 ] Wir sind ja mit unserem passiven Denken ganz — ich möchte sagen wie Menschensklaven — hingegeben an die Ereignisse der Welt. Ich habe schon gestern gesagt: Wir denken auch im Gedankenbilden das Frühere früher, das Spätere später. Wenn wir ein Drama auf der Bühne ablaufen sehen, dann hat es zuerst den ersten Akt, den zweiten, dritten, vierten, fünften Akt. Wenn wir uns aber dazu aufschwingen können, ganz am Ende anzufangen mit dem Vorstellen, dann dasjenige, was unmittelbar früher war, dann dasjenige, was im Anfange des fünften Aktes ist, dann zurückgehen zum vierten Akt, dann zurückgehen zum dritten, zum zweiten, zum ersten Akt, dann reißen wir uns ganz los von dem Verlauf, den die Welt äußerlich hat. Wir stellen rückwärts vor. So verläuft die Welt nicht. Wir müssen eine bedeutende, rein aus dem Innern herausgeholte Kraftanstrengung vollbringen, um rein rückwarts vorzustellen. Dadurch reißen wir die innere Tätigkeit unserer Seele los von dem Gängelbande, an dem wir sonst fortwährend gezogen werden, und dadurch bringen wir dieses innere geistig-seelische Erleben allmählich bis zu jenem Punkt, wo sich das GeistigSeelische wirklich losreißt vom Körperlichen und auch vom Ätherischen.
[ 18 ] With our passive thinking, we are completely—I would say like human slaves—at the mercy of world events. As I said yesterday: Even when forming thoughts, we place what came first earlier and what came later later. When we watch a play unfold on stage, it begins with the first act, followed by the second, third, fourth, and fifth acts. But if we can rise to the challenge of beginning our imagination at the very end—first imagining what happened immediately before, then what occurs at the beginning of the fifth act, then going back to the fourth act, then to the third, the second, and the first act—then we completely detach ourselves from the outward course of the world. We imagine things in reverse. That is not how the world unfolds. We must make a significant effort, drawn purely from within, to imagine things in reverse. In this way, we free the inner activity of our soul from the leash by which we are otherwise constantly pulled, and thereby we gradually bring this inner spiritual-soul experience to the point where the spiritual-soul aspect truly breaks free from the physical and also from the etheric.
[ 19 ] Vorbereiten kann sich gut der Mensch zu einem solchen Losreißen, wenn er in der Lage ist, jeden Abend seine Tageserlebnisse rückwärts vorzustellen, dasjenige zuerst vorzustellen, was man zuletzt erlebt hat, dann rücklaufend, aber womöglich auch die Einzelheiten rücklaufend vorzustellen, so daß man, wenn man eine Treppe hinaufgestiegen ist, zuerst sich vorstellt oben auf der obersten Stufe, dann auf der vorletzten, dritten und so weiter rückwärts hinuntergehend sich vorstellt dasjenige, was man hinaufgehend vollbracht hat.
[ 19 ] A person can prepare well for such a breakaway if they are able to recall their daily experiences in reverse order every evening—first recalling what they experienced most recently, then working backward, but if possible also to recall the details in reverse order, so that, for example, when one has climbed a flight of stairs, one first imagines oneself at the top on the highest step, then on the second-to-last, the third, and so on, moving backward down the stairs while recalling what one accomplished on the way up.
[ 20 ] Sie werden sagen: Man erlebt so viel am Tage, das dauert lange. Nun, man mache zunächst episodisch wirklich das zunächst, daß man das Hinauf- und Hinuntergehen über eine Treppe umgekehrt vorstellt: Hinunter- und Hinaufgehen; dann bekommt man eine innere Beweglichkeit, so daß man nach und nach wirklich in drei, vier Minuten den ganzen Tagesverlauf des Lebens rückwärtsbewegend vorstellen kann. Damit hat man aber eigentlich doch nur die Hälfte, im Grunde das Negative dessen vollbracht, was man zur Steigerung, zur geistigen Ausbildung der Liebefähigkeit braucht. Denn die muß bis zu jenem Punkte kommen, wo man liebevoll verfolgt jedes Wachsen der Pflanze — im gewöhnlichen Leben sieht man ja das Wachsen der Pflanze nur, wie es sich im Raume gestaltet; man macht es nicht mit —, wenn man mitmacht jedes einzelne, was im Pflanzenwachstum sich zeigt, wenn man untertaucht in die Pflanze, mit seiner Seele selber diese Pflanze wird, wenn man selber wächst, blüht, selber die Früchte der Pflanze trägt, wenn man also ganz untertaucht, wenn einem die Pflanze so wert wird, wie man selber sich ist; wenn man dann in derselben Weise zur Vorstellung des Tierischen hinauf, zur Vorstellung des Mineralischen hinuntersteigt, wenn man fühlt, wie das Mineralische sich gestaltet zum Kristall, wenn man gewissermaßen ein inneres Wohlgefallen entwickeln kann an diesem sich Bilden von Flächen, von Kanten, von Ecken, wenn man schon in dem Wahrnehmen dieser Flächen, Kanten und Ecken ein inneres Wohlgefallen hat, und wenn man beim Zerspalten, Zerklüften des Minerals etwas empfinden kann wie ein Schmerzgefühl, das durch die eigene Wesenheit zuckt —, wenn man in dieser Weise mitfühlend, ja nicht nur mitfühlend, sondern in der Seele mitwollend wird mit allem Naturgeschehen.
[ 20 ] You might say: There’s so much to experience during the day; it takes a long time. Well, to begin with, try this exercise: imagine going up and down a flight of stairs in reverse—going down and then up; this will give you an inner agility so that, little by little, you can actually visualize the entire course of a day’s life in reverse in just three or four minutes. But with that, you’ve actually accomplished only half—essentially the negative aspect—of what is needed for the development and spiritual cultivation of the capacity for love. For that capacity must reach the point where you lovingly follow every stage of a plant’s growth—in ordinary life, after all, you only see the plant’s growth as it unfolds in space; one does not participate in it—but when one participates in every single aspect that manifests in the plant’s growth, when one immerses oneself in the plant, becoming that plant with one’s own soul, when one grows, blooms, and bears the plant’s fruit oneself—in other words, when one immerses oneself completely, when the plant becomes as precious to one as one is to oneself; when one then ascends in the same way to the concept of the animal realm and descends to the concept of the mineral realm; when one feels how the mineral forms into a crystal; when one can, so to speak, develop an inner delight in this formation of surfaces, edges, and corners; when one already experiences an inner delight in the very perception of these surfaces, edges, and corners; and when, upon splitting, or splitting the mineral, one can feel something like a sensation of pain that shoots through one’s own being—if, in this way, one becomes empathetic—indeed, not merely empathetic, but actively participating in one’s soul with all natural processes.
[ 21 ] Es muß dem vorausgehen eine wirkliche, auf alle Menschen sich erstreckende Liebefähigkeit. Man wird die Natur nicht in der geschilderten Weise richtig lieben können, wenn man nicht zuerst Liebefähigkeit für alle Menschen sich errungen hat. Dann, wenn man in dieser Art verständnisvolle Liebefähigkeit für die Menschen und für die ganze Natur errungen hat, dann stellt sich dasjenige ein, daß das, was sich uns zunächst wahrnehmbar macht, sagen wir, in den aurischen Farben, in dem sphärischen Tönen, daß das sich rundet, konturiert zu wirklichen geistigen Wesenheiten.
[ 21 ] This must be preceded by a genuine capacity for love that extends to all human beings. One will not be able to truly love nature in the manner described unless one has first attained this capacity for love toward all human beings. Then, once one has attained this kind of understanding and loving capacity for human beings and for all of nature, what initially presents itself to our perception—say, in the auric colors or in the spherical tones—begins to take shape and form into actual spiritual beings.
[ 22 ] Aber das Erleben dieser geistigen Wesenheiten ist anders als das Erleben der physischen Dinge. Wenn ich ein physisches Ding vor mir habe, zum Beispiel die Uhr: ich stehe hier, die Uhr ist da; ich kann sie nur erleben im Anschauen, sie hat eine Entfernung von mir. Ich stehe mit ihr in Raumesbestimmung drinnen.
[ 22 ] But the experience of these spiritual beings is different from the experience of physical objects. When I have a physical object in front of me—for example, a clock—I am standing here, and the clock is there; I can only experience it by looking at it, and it is at a distance from me. I am situated in space in relation to it.
[ 23 ] So kann man niemals ein geistiges Wesen wirklich erleben. Ein geistiges Wesen muß man erleben, indem man in dasselbe ganz untertaucht, indem man also gerade anwendet die Liebefähigkeit, die man zunächst an der Natur entwickelt hat. Geistige Intuition ist nur möglich durch Anwendung — in der Stille, in dem, was leer ist für das Bewußtsein — desjenigen, was man an Liebefähigkeit an der Natur entwickeln kann. Denken Sie sich einmal, Sie haben diese Liebefähigkeit an Mineralien, Pflanzen, Tieren, an Menschen entwickelt. Sie stehen nun darinnen in der Leere des Bewußtseins. Um Sie herum ist jene negative, unter der Null liegende Ruhe. Sie empfinden das Leid, das auf dem Grunde des ganzen Weltendaseins ist; es ist das Leid zu gleicher Zeit der Einsamkeit. Noch nichts ist da. Aber die aus dem Innern aufquillende Liebefähigkeit, die in der mannigfaltigsten Weise differenziert ist, die führt Sie dazu, dasjenige, was nun in der Inspiration auftritt, das Schaubare, das Hörbare, wirklich auch mit dem eigenen Wesen zu durchdringen. Sie tauchen durch diese Liebefähigkeit unter in das eine Wesen, dringen ein in das andere Wesen.
[ 23 ] This is why one can never truly experience a spiritual being. One must experience a spiritual being by immersing oneself completely in it—that is, by applying precisely the capacity for love that one has first developed through nature. Spiritual intuition is possible only through the application—in silence, in that which is empty for consciousness—of the capacity for love that one can develop through nature. Imagine for a moment that you have developed this capacity for love through minerals, plants, animals, and human beings. You now stand within it, in the emptiness of consciousness. All around you is that negative stillness, lying below zero. You sense the suffering that lies at the very foundation of all worldly existence; it is, at the same time, the suffering of loneliness. Nothing is there yet. But the capacity for love welling up from within—which is differentiated in the most manifold ways—leads you to truly permeate with your own being that which now arises in inspiration: the visible and the audible. Through this capacity for love, you immerse yourself in one being and penetrate into another.
[ 24 ] Die Wesenheiten, die ich geschildert habe in meinem Buche «Geheimwissenschaft» — «Occult Science» —, diese Wesenheiten der höheren Hierarchien, die erlebt man nun mit; die werden reales, wesenhaftes Weltdasein. Man erlebt ebenso eine konkrete geistige Welt, wie man durch Auge und Ohr und durch das Gefühl, durch die Wärme eine konkrete physische Welt erlebt. Aber man muß bis zu dieser Stufe vorgedrungen sein, wenn man zu einer dem Menschen ganz besonders wesentlichen Erkenntnis kommen will. Ich habe gesagt, wie durch die Inspiration das vorirdische, rein geistige Dasein in unsere Seele hineinragt, wie wir durch diese Inspiration erst kennenlernen, was wir waren, bevor wir durch die Konzeption in einen irdischen Leib heruntergestiegen sind. Wenn wir hellseherisch, wie ich es jetzt geschildert habe, durch Liebefähigkeit eindringen können in die geistigen Wesen, dann offenbart sich uns auch dasjenige, was das Menschenwesen erst in seinem inneren Erleben vollständig macht. Es offenbart sich dasjenige, was jetzt vor der Zeit des Lebens in der geistigen Welt liegt; es offenbart sich dasjenige, was wir waren, bevor wir zu dem letzten geistigen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt aufgestiegen sind. Es offenbart sich das vorige Erdenleben, und nach und nach die anderen vorhergehenden Erdenleben. Denn dieses wahre Ich, das in wiederholten Erdenleben vorhanden ist, das kann sich nur offenbaren, wenn man die Liebefähigkeit so weit gesteigert hat, daß einem das andere Wesen, das draußen in der Natur oder in der Geisteswelt ist, so lieb geworden ist, wie man sich nur selber in Eigenliebe lieben kann. Aber niemals wird der Eigenliebe zugänglich das wahre Ich, das durch wiederholte Geburten und Tode geht. Die wiederholten Erdenleben offenbaren sich dem Menschen erst, wenn er nicht mehr in der Eigenliebe lebt für Erkenntnisaugenblicke, sondern in jener Liebe, die die Eigenliebe ganz vergessen kann und in dem objektiven Wesen so leben kann, wie man sonst in seinem physischen Dasein, sich liebend, mit der Eigenliebe lebt. Denn dieses Ich des vorhergehenden Erdenlebens ist so objektiv für dieses jetzige Erdenleben geworden, wie nur irgendein äußerer Stein oder eine Pflanze für uns ist, wenn wir im Raume außer ihm stehen. Wir müssen gelernt haben, dasjenige, was uns zunächst für die gegenwärtige subjektive Persönlichkeit ganz objektiv, ganz fremd geworden ist, in objektiver Liebe zu erfassen. Wir müssen uns überwunden haben im gegenwärtigen Erdendasein, um überhaupt irgendeinen Einblick bekommen zu können in ein vorhergehendes Erdendasein.
[ 24 ] The beings I have described in my book Geheimwissenschaft — Occult Science — these beings of the higher hierarchies—one now experiences them directly; they become a real, substantial presence in the world. One experiences a concrete spiritual world just as one experiences a concrete physical world through the eyes, the ears, the senses, and warmth. But one must have advanced to this level if one wishes to arrive at a realization that is particularly essential to human beings. I have described how, through inspiration, our pre-earthly, purely spiritual existence extends into our soul, and how it is only through this inspiration that we come to know what we were before we descended into an earthly body through conception. When, through clairvoyance—as I have just described—we are able to penetrate into spiritual beings through the capacity for love, then what makes the human being whole in its inner experience is also revealed to us. What is revealed is that which lies in the spiritual world prior to the time of this life; what is revealed is what we were before we ascended to our last spiritual life between death and a new birth. Our previous earthly life is revealed, and gradually the other preceding earthly lives as well. For this true self, which exists through repeated earthly lives, can only reveal itself when one has developed the capacity for love to such an extent that the other being—whether out there in nature or in the spiritual world—has become as dear to one as one can love oneself through self-love. But the true self, which passes through repeated births and deaths, is never accessible to self-love. Repeated earthly lives reveal themselves to a person only when they no longer live in self-love for moments of insight, but in that love which can completely forget self-love and live within the objective being just as one otherwise lives in one’s physical existence, loving oneself with self-love. For this “I” of the previous earthly life has become as objective to this present earthly life as any external stone or plant is to us when we stand outside of it in space. We must have learned to grasp, in objective love, that which has at first become entirely objective and entirely foreign to our present subjective personality. We must have transcended ourselves in our present earthly existence in order to gain any insight at all into a previous earthly existence.
[ 25 ] Wenn wir aber also die Erkenntnis entwickeln, dann stellt sich das vollständige Leben des Menschen eben dar als ein solches, das durchgeht wie in Wellenschwingungen durch irdische Daseinsstufen von der Geburt oder Empfängnis bis zum Tode, und wiederum durch rein geistige Daseinsstufen von dem Tode bis zu einer neuen Geburt, um wiederum zur Erde zurückzukehren und so weiter. Das vollständige Erdenleben stellt sich dar als wiederholte Durchgänge durch Geburten und Tode mit dazwischenliegenden Leben in rein geistigen Welten. Das ist erst eine Erkenntnis, die durch die Intuition erworben werden kann als eine reale, erfahrungsmäßige Erkenntnis.
[ 25 ] But when we develop this insight, the complete life of a human being appears as one that flows, like wave oscillations, through earthly stages of existence from birth or conception to death, and again through purely spiritual stages of existence from death to a new birth, only to return to Earth once more, and so on. The complete earthly life appears as repeated cycles of birth and death, with intervening lives in purely spiritual worlds. This is a kind of insight that can only be gained through intuition as a real, experiential understanding.
[ 26 ] Ich habe Ihnen den Weg der Initiations-Erkenntnis schildern müssen — skizzenhaft zunächst —, wie er gegangen werden muß gerade in unserer Zeit, im gegenwärtigen Entwickelungspunkte der Menschheit, um zu einer wirklichen geistigen, spirituellen Erkenntnis des Wesens der Welt und des Menschen zu kommen. Initiations-Erkenntnis hat es aber gegeben, so lange es eine Menschheit gibt. Sie hat zu den verschiedenen Zeiten der Menschheitsentwikkelung verschiedene Gestalten annehmen müssen. Weil der Mensch ein Wesen ist, das eigentlich durch jedes folgende Erdenleben in einer anderen Weise mit seiner Seele geht, so ist auch dasjenige, was in den einzelnen Epochen der Weltentwickelung innerhalb der Menschheit erscheint, durchaus voneinander verschieden. Die einzelnen Unterschiede werden wir im Laufe der nächsten Tage noch kennenlernen; heute möchte ich nur das folgende sagen: Gerade mit Bezug auf dasjenige, was als Initiations-Erkenntnis gegeben werden muß, war es in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung ganz anders als heute. Wir können zurückgehen um Jahrtausende — alles Genauere wird sich auch später ergeben — und wir finden weit zu rückliegend vor dem Mysterium von Golgatha eine ganz andere Art, wie der Mensch sich zu der natürlichen und zu der geistigen Welt verhält als heute, und dementsprechend auch eine ganz andere Initiationswissenschaft, als heute die rechte für den Menschen ist. Heute haben wir eine sehr, sehr weit entwickelte Naturwissenschaft. Ich will nicht von den höchsten Partien der Naturwissenschaft reden, sondern nur von demjenigen, was den Kindern vom sechsten, siebenten Lebensjahre an als eine Allerweltsweisheit beigebracht wird. Da nimmt das Kind ja auch auf in einem verhältnismäßig frühen Lebensalter heute jene Gesetzmäßigkeit, die, sagen wir, anknüpft an das kopernikanische Weltensystem; und von diesem kopernikanischen Weltensystem aus baut man Hypothesen darüber, wie das Weltenall entstehen kann. Man spricht da von der Kant-Laplaceschen Hypothese, die zwar revidiert ist, die aber im wesentlichen auch heute noch vor dem Menschen steht. Man sieht im wesentlichen auf einen Urnebel hin, wie man ihn ja heute noch durch die entsprechenden physikalischen Experimente veranschaulichen kann, in dem man Anfangszustände des Weltensystems sieht; man sieht hin auf einen Urnebel und nimmt an, aus diesem Urnebel heraus seien durch rotierende Kräfte die Planeten entstanden, die Sonne zurückgeblieben. Man denkt sich dann, wie aus diesem besonderen Ring, der sich dann zur Erde zusammengeballt hat, der aus dem Urenkel abgespalten ist, sich die weiteren Wesen durch Differenzierung gebildet haben, Mineralien, Pflanzen, Tiere, zuletzt auch der Mensch. Und man beschreibt das zunächst in rein naturwissenschaftlichem Sinne.
[ 26 ] I had to describe to you—in outline form, at first—the path of initiatory knowledge as it must be followed, especially in our time, at the present stage of humanity’s development, in order to arrive at a true spiritual understanding of the nature of the world and of human beings. Initiatory knowledge, however, has existed for as long as humanity has existed. It has had to take on different forms at various times in human development. Because human beings are beings who, in each successive earthly life, actually journey with their souls in a different way, what appears within humanity during the individual epochs of world development is also entirely distinct from one another. We will come to know the specific differences over the next few days; today I would simply like to say the following: Precisely with regard to what must be given as initiatory knowledge, things were quite different in ancient times of human development than they are today. We can go back millennia—more precise details will become clear later—and we find, long before the Mystery of Golgotha, a completely different way in which human beings related to the natural and spiritual worlds than they do today, and accordingly, a completely different science of initiation than the one that is right for human beings today. Today we have a very, very highly developed natural science. I do not wish to speak of the highest realms of natural science, but only of what is taught to children from the age of six or seven as common knowledge. Even at a relatively early age today, children absorb those laws that, let us say, are based on the Copernican system of the world; and starting from this Copernican system, hypotheses are constructed about how the universe might have come into being. People speak here of the Kant-Laplace hypothesis, which, although it has been revised, essentially still stands before humanity today. Essentially, one looks to a primordial nebula—as can still be illustrated today through relevant physical experiments—in which one sees the initial states of the solar system; one looks to a primordial nebula and assumes that, from this nebula, the planets arose through centrifugal forces, while the Sun remained behind. One then imagines how, from this particular ring—which subsequently condensed into the Earth and split off from the primordial nebula—further beings were formed through differentiation: minerals, plants, animals, and finally human beings as well. And this is initially described in a purely scientific sense.
[ 27 ] Man macht das den Kindern ganz begreiflich, indem man eine Art demonstrierenden Exerzitiums ausführt, das ja sogleich alles klarmacht. Man nimmt ein Öltröpfchen, einen Tropfen von einer Flüssigkeit, die auf dem Wasser schwimmt, bringt es in der Äquatorgegend auf ein Kartenblatt, steckt oben eine Stecknadel hinein und dreht nun das Kartenblatt. Man kann nun zeigen, wie sich da zuerst ein äußerstes Tröpfchen absondert, das rotiert, dann ein zweites Tröpfchen und so weiter, und man bekommt ein ganz kleines Planetensystem aus Öl, mitten drinnen die Sonne. Wenn man das gesehen hat als Kind, warum sollte man nicht höchst plausibel finden das Hervorgehen des ganzen Planetensystems aus dem Urnebel? Man hat es ja mit eigenen Augen gesehen, nachgebildet gesehen.
[ 27 ] You can make this very clear to the children by performing a kind of demonstration exercise that immediately makes everything clear. Take a droplet of oil—a drop of a liquid that floats on water—place it near the equator on a sheet of map paper, insert a pin into the top of it, and then rotate the sheet of map paper. You can now show how, at first, an outermost droplet separates and rotates, then a second droplet, and so on, and you end up with a tiny planetary system made of oil, with the sun right in the middle. If you saw this as a child, why wouldn’t you find the emergence of the entire planetary system from the primordial nebula highly plausible? After all, you’ve seen it with your own eyes—you’ve seen it recreated.
[ 28 ] Es ist nun sehr schön, wenn man im Leben, im moralischen Leben, sich selbst vergessen kann, aber im Demonstrieren von Naturerscheinungen sollte man sich nicht selbst vergessen. Die ganze Geschichte von dem Öltröpfchen hätte sich ja nicht entwikkelt, wenn man nicht dastehen würde und mit der Hand die Stecknadel gedreht hätte. Man muß also das hinzurechnen. Man muß notwendigerweise, wenn das gelten soll als Hypothese, einen riesig großen Schullehrer hinaussetzen in.das Weltenall, als der Urnebel zuerst gedreht worden ist und eigentlich fortwährend gedreht wird; sonst hat man nicht den Gedanken in seiner Urwesenheit vor sich.
[ 28 ] It is, of course, a wonderful thing to be able to forget oneself in life—in one’s moral life—but when demonstrating natural phenomena, one should not forget oneself. The whole story of the oil droplet would never have unfolded if one hadn’t stood there and turned the pin with one’s hand. So one must take that into account. If this is to be considered a hypothesis, one must necessarily place a gigantic schoolteacher out into the universe, just as the primordial nebula was first set in motion and is, in fact, continuously spinning; otherwise, one does not have the idea in its primordial essence before one.
[ 29 ] Aber das ist ja gerade die Eigentümlichkeit des materialistischen Zeitalters, daß Viertels- und Achtels- und noch stärkere Brüche der Wahrheit gedacht werden, und daß das sich mit einer ungeheuren Suggestion in die Menschenseele einlebt. So leben wir heute in einer einseitigen Anschauung von der Natur und ihrer Gesetzmäßigkeit.
[ 29 ] But that is precisely the peculiarity of the materialistic age: that quarter, eighth, and even smaller fractions of the truth are conceived, and that this takes root in the human soul with tremendous force. Thus, we live today with a one-sided view of nature and its laws.
[ 30 ] Ich könnte nun vieles anführen, das Ihnen auf den verschiedensten Gebieten klarmachen würde, wie der Mensch von heute hinausgeht in die Natur und deshalb, weil er das mitbekommt aus der heutigen Zivilisation heraus, die Natur in einer — wie man sie nennt — kausalen Gesetzmäßigkeit sieht. Das durchdringt sein ganzes Dasein von heute. Die geistige Welt kann er höchstens durch die religiöse "Tradition noch festhalten. Will man zu der wirklichen geistigen Welt aufsteigen, dann muß man einen inneren Entwickelungsgang durchmachen durch Imagination, Inspiration, Intuition, wie ich das geschildert habe. Man muß also durch die Initiationswissenschaft geführt werden von der gesetzmäßigen Durchdringung oder wenigstens von dem Glauben an die gesetzmäßige Durchdringung des naturalistischen Daseins zu der Erfassung des Geistigen. Alle Initiationswissenschaft muß heute darauf gehen, den Menschen von der ihm heute selbstverständlichen, natürlichen Erfassung des Kosmos hinzuführen zu der spirituellen Erfassung des Kosmos.
[ 30 ] I could now cite many examples that would make it clear to you, in a wide variety of fields, how people today go out into nature and—because they perceive it through the lens of modern civilization—view nature as governed by what is called “causal laws.” This permeates their entire existence today. At most, they can still hold on to the spiritual world through religious “tradition.” If one wishes to ascend to the true spiritual world, one must undergo an inner process of development through imagination, inspiration, and intuition, as I have described. One must therefore be guided by the science of initiation from the lawful permeation—or at least from the belief in the lawful permeation—of naturalistic existence toward an understanding of the spiritual. All science of initiation today must aim to lead people from the natural understanding of the cosmos, which they now take for granted, toward a spiritual understanding of the cosmos.
[ 31 ] Das Umgekehrte war in der alten Initiationswissenschaft vor Jahrtausenden vorhanden. Da hatten die Mysterienweisen, die Leiter der Initiationsstätten, die dazumal Schule und Kirche und Kunststätten zugleich waren, eine Menschheit um sich, welche eigentlich in dem Sinne von Natur nichts wußte, wie die heutige Menschheit es weiß seit der kopernikanischen Weltanschauung, eine Menschheit, die aber instinktiv innerlich Geistig-Seelisches auch als Kosmisches erlebte, dieses Geistig-Seelisch-Kosmische in Mythen, in Legenden brachte, die wir heute in der allgemeinen Zivilisation nicht mehr verstehen. Über sie werden wir auch noch ausführlicher zu sprechen haben. Aber dasjenige, was Erleben war, war instinktives seelisches, geistiges Erleben. Und das war dem Menschen dasjenige, was ihn wie mit traumhaften Bildern, Imaginationen während seines Wachdaseins erfüllte. Immer kamen aus dem Inneren der Urmenschheit heraus diese dann zu Legenden, zu Mythen, zu Göttersagen ausgebildeten traumhaften Imaginationen. In denen lebte man. Man sah hinaus in die Welt, und man erlebte seine traumhaften Imaginationen. Dann erlebte man: wenn man nicht in diesen traumhaften Imaginationen lebte, lebte man in dem Naturdasein. Man sah den Regenbogen, die Wolken, die Sterne, die über den Himmel eilende Sonne, man sah die Flüsse, man sah die Berge in ihrem Werden, in ihrem Wesen, man sah die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere.
[ 31 ] The opposite was true in the ancient science of initiation thousands of years ago. At that time, the mystery sages—the leaders of the initiation centers, which in those days served as schools, churches, and centers of art all at once—were surrounded by a humanity that, in the sense of nature, knew nothing—as humanity today has known since the Copernican worldview—but which instinctively experienced the spiritual and soul-related as cosmic within itself, and expressed this spiritual-soul-cosmic reality in myths and legends that we in today’s general civilization no longer understand. We will also have to speak about them in greater detail. But what constituted experience was instinctive, soulful, spiritual experience. And this was what filled human beings, as it were, with dreamlike images and imaginings during their waking existence. These dreamlike imaginings, which then developed into legends, myths, and tales of the gods, continually arose from within primeval humanity. People lived within them. They looked out into the world and experienced their dreamlike imaginings. Then they realized: when they were not living within these dreamlike imaginings, they were living in the natural world. People saw the rainbow, the clouds, the stars, the sun racing across the sky; they saw the rivers; they saw the mountains in their becoming, in their very essence; they saw the minerals, the plants, and the animals.
[ 32 ] Und das alles, was man da sah mit den Sinnen, das wurde gerade für die Urmenschheit das große Rätsel. Denn der Zeitpunkt, den ich meine — es gab frühere oder spätere Zeiten, in denen die Zivilisation anders war —, aber der Zeitpunkt, den ich meine, der einige Jahrtausende zurückliegt vor dem Mysterium von Golgatha, in dem empfand die Menschheit sich innerlich beglückt, wenn sie ihre traumhaften Imaginationen hatte. Und die äußere Sinnenwelt, in der man nur dasjenige sah von Regenbogen, von Wolken, von der ziehenden Sonne, von Mineralien, von Pflanzen und Tieren, was das Auge sah — durch das man auch nur dasjenige in der Sternenwelt schaute, was dann registriert wurde im vorkopernikanischen, also im ptolemäischen Weltsystem —, diese äußere Welt der Sinne, die kam in jenem Zeitpunkt der allgemeinen Menschheit so vor, daß sich diese allgemeine Menschheit sagte: Ich mit meiner eigenen Seele lebe doch in einer göttlich-geistigen Welt. Da draußen ist eine entgötterte Natur. Die Quelle hat keine Geistigkeit, indem ich sie anschaue; der Regenbogen hat keine Geistigkeit; die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere und die anderen physischen Menschen haben keine Geistigkeit, indem ich sie äußerlich mit den Sinnen anschaue. Und es erschien die Natur wie eine von der göttlichen Geistigkeit abgefallene universale Welt.
[ 32 ] And everything that could be perceived there with the senses became, especially for early humanity, the great mystery. For the period I am referring to—there were earlier and later times when civilization was different—but the period I am referring to, which lies several millennia before the Mystery of Golgotha, was one in which humanity felt inwardly blissful when it was immersed in its dreamlike imaginings. And the external sensory world—in which one saw only what the eye could perceive of rainbows, clouds, the setting sun, minerals, plants, and animals—and through which one also observed only what was recorded in the pre-Copernican, that is, the Ptolemaic, world system regarding the starry heavens— this external world of the senses appeared to humanity at that time in such a way that humanity as a whole said to itself: “I, with my own soul, do indeed live in a divine-spiritual world. Out there is a nature stripped of divinity.” Nature has no spirituality when I look at it; the rainbow has no spirituality; the minerals, the plants, the animals, and other physical human beings have no spirituality when I perceive them externally through the senses. And nature appeared as a universal world that had fallen away from divine spirituality.
[ 33 ] Diese Empfindung der Menschheit lebte in jener Zeit, wo man den ganzen Kosmos in seiner Sichtbarkeit wie ein von dem Göttlich-Geistigen Abgefallenes erblickte. Und man brauchte nicht nur abstrakte Erkenntnis, um diese zwei Erlebnisse miteinander zu verbinden, das innerliche Gott-Erleben in sich und das äußere Erleben einer abgefallenen Sinneswelt, man brauchte eine Erkenntnis, die zu gleicher Zeit Trost dafür war, daß man als Mensch dieser äußeren abgefallenen Sinneswelt mit seinem physischen, mit seinem ätherischen Leibe angehörte. Man brauchte Trost, der einem besagte, wie sich diese abgefallene Sinneswelt zu derjenigen verhält, die man erlebt durch ein instinktives Imaginieren, durch ein traumhaft-dunkles, aber auch für die damaligen Verhältnisse hinreichendes Erleben der geistigen Welt. Erkenntnis mußte Trost sein. Und Trost suchten diejenigen, die nun zu den Mysterien hineilten, entweder als Menschen, welche nur dasjenige, was in den Mysterien äußerlich gegeben werden konnte, wollten als solchen Trost, oder auch als Schüler solcher Weltenweisen, um eingeweiht zu werden gegenüber den Geheimnissen des Daseins, gegenüber dem Rätsel, das sich so vor die Menschheit hinstellt.
[ 33 ] This sense of humanity prevailed in that era when the entire cosmos, in its visible form, was viewed as something that had fallen away from the divine-spiritual. And people needed more than just abstract knowledge to connect these two experiences—the inner experience of God within themselves and the outer experience of a fallen sensory world; they needed a kind of knowledge that at the same time offered comfort in the fact that, as human beings, they belonged to this outer, fallen sensory world with their physical and etheric bodies. One needed comfort that would explain how this fallen sensory world relates to the one experienced through instinctive imagination—through a dreamlike, obscure, yet, given the circumstances of the time, sufficient experience of the spiritual world. Insight had to be comfort. And those who now rushed to the Mysteries sought solace—either as people who desired only what could be given outwardly in the Mysteries as such solace, or as disciples of such sages of the world, in order to be initiated into the mysteries of existence, into the enigma that thus stands before humanity.
[ 34 ] Jene alten Mysterienweisen, die zugleich Priester und Lehrer und Künstler waren, die machten durch alles dasjenige, was auch noch geschildert werden muß, was in ihren Mysterien vorhanden war, dieser Menschheit klar, daß auch in der abgefallenen Welt, in der rieselnden Quelle, in dem blühenden Baum, in der blühenden Blume, in dem sich zum Kristall formenden Mineral, in dem erscheinenden Regenbogen, in der fliehenden Wolke und in der ziehenden Sonne dieselben göttlich-geistigen Gewalten leben, die der Mensch instinktiv in seiner traumhaften Imagination erlebte. Sie stellten dieser Menschheit dar die Versöhnung der gottabgefallenen Welt mit der göttlichen Welt, die der Mensch in seinen instinktiven Imaginationen wahrnahm. Sie brachten der Menschheit die trostvolle Erkenntnis; sie waren ihr die Erlöser durch eine Erkenntnis, die die ganze Natur wiederum zu einer gotterfüllten auch für das menschliche Anschauen machte, denn der Mensch suchte eben diese tröstende Erkenntnis in den Mysterien.
[ 34 ] Those ancient initiates of the mysteries, who were at once priests, teachers, and artists, made it clear through all that which still needs to be described—that which was present in their mysteries— made it clear to humanity that even in the fallen world—in the trickling spring, in the blossoming tree, in the blooming flower, in the mineral forming into crystal, in the appearing rainbow, in the fleeting cloud, and in the setting sun—the same divine-spiritual forces live that human beings instinctively experienced in their dreamlike imagination. They presented to humanity the reconciliation of the world that had fallen away from God with the divine world that human beings perceived in their instinctive imaginations. They brought humanity this comforting insight; they were its saviors through a knowledge that made all of nature once again a God-filled reality, visible even to human eyes, for it was precisely this comforting insight that human beings sought in the Mysteries.
[ 35 ] Wir sehen daher, wie gemeldet wird von diesen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung, daß gerade dasjenige — das wird noch von dem Griechentum gemeldet —, was wir heute den jüngsten Kindern in der Schule beibringen, daß die Sonne stillstehe und die Erde sich ringsherum drehe, daß das in den Mysterien wie eine Geheimwissenschaft bewahrt worden ist. Dasjenige, was bei uns ganz äußerliche Erkenntnis ist, war damals Geheimwissenschaft. Die Erklärung der Natur, die war damals Geheimwissenschaft. Heute ist, wie jeder ersehen kann, der den Entwickelungsgang der Menschheit innerhalb unserer Zivilisation durchlebt, was ja eigentlich jeder denkende Mensch tut, der erzogen und unterrichtet wird, heute ist die Natur mit ihren Gesetzen dasjenige, in das sich der Mensch einlebt. Dafür hat sich die geistige Welt zurückgezogen. Die alten traumhaften Imaginationen haben aufgehört. Der Mensch empfindet die Natur als dasjenige, in dem er zunächst nicht volle Befriedigung hat, das ihm neutral vorgeführt wird, nicht wie ein abgefallenes sündhaftes Weltenall, wie ein abgefallener Kosmos, sondern wie ein Kosmos, der durch eine innere Notwendigkeit so sein muß, wie er eben ist. Dann erfühlt der Mensch sein Selbstbewußtsein, dann lernt er erkennen in jenem einzigen Punkte die Geistigkeit, dann spürt er den inneren Drang, der das innere Selbst an Gott wieder knüpfen will. Und dann hat er nötig, daß jetzt zu der Naturerkenntnis, entsprechend dieser Naturerkenntnis, er in die geistige Welt hineingeführt werde durch eine neue Initiationswissenschaft. Die alte Initiationswissenschaft konnte vom Geiste, den der Mensch instinktiv erlebte, in seinen Mythen verkörperte, ausgehen und zur Natur hinführen. Die neue Initiationswissenschaft muß von demjenigen, was dem Menschen heute erstes Erlebnis ist, indem er seine Naturgesetze wahrnimmt, an die er dann glaubt, sie muß von dieser Naturerkenntnis ausgehen und zurück den Weg in die geistige Welt durch Imagination, Inspiration, Intuition zeigen.
[ 35 ] We see, therefore, as is reported from these earlier times of human development—and this is also reported by the Greeks—that precisely what we teach even the youngest children in school today—that the sun stands still and the Earth revolves around it—was preserved in the Mysteries as a secret science. What for us is purely external knowledge was, back then, a secret science. The explanation of nature—that was a secret science back then. Today, as anyone can see who has lived through the course of human development within our civilization—which, after all, every thinking person who has been educated and instructed does—today, nature with its laws is that into which human beings immerse themselves. In contrast, the spiritual world has withdrawn. The old, dreamlike imaginings have ceased. Human beings perceive nature as that in which they do not, at first, find full satisfaction—it is presented to them neutrally, not as a fallen, sinful universe, not as a fallen cosmos, but as a cosmos that, by an inner necessity, must be exactly as it is. Then human beings sense their self-consciousness; then they learn to recognize the spiritual in that single point; then they feel the inner urge that seeks to reconnect the inner self with God. And then they need—in addition to their knowledge of nature, and in accordance with that knowledge—to be led into the spiritual world through a new science of initiation. The old science of initiation was able to proceed from the spirit that human beings instinctively experienced—and which was embodied in their myths—and lead them toward nature. The new science of initiation must proceed from what is humanity’s primary experience today—namely, the perception of the laws of nature, in which they then come to believe—and from this knowledge of nature, it must point the way back to the spiritual world through imagination, inspiration, and intuition.
[ 36 ] So haben wir in der Entwickelung der Menschheit ein paar Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha denjenigen wichtigen Zeitpunkt, in dem die Menschen ausgingen von einem instinktiven Geist-Erleben, um zu jenen Begriffen und Ideen hinzukommen als der äußersten Geheimwissenschaft, die die Naturgesetze umfaßte. Heute erlebt man schon als Kind die Naturgesetze. Vor dieser Nüchternheit, vor dieser Prosa des Lebens, vor diesem Naturalismus hat sich zunächst die geistige Welt in dem Innern des Menschen zurückgezogen. Und heute muß eine Initiationswissenschaft umgekehrt den Weg weisen von der Natur hin zu der Geistigkeit. Die Natur war für eine alte Menschheit in der Finsternis, der Geist war im Hellen. Die alte Initiationswissenschaft hatte von dem Geistig-Hellen hineinzuführen das Licht, das dort entnommen, in die natürliche Finsternis, damit auch diese erhellt wurde. Die heutige Initiationswissenschaft hat auszugehen von demjenigen Lichte, das äußerlich naturalistisch durch Kopernikus, Giordano Bruno, Galilei, Kepler, Newton und so weiter in die äußere Natur hineingeworfen wird. Da ist dann dieses Licht zu nehmen aus der Torheit, zu beleben, und der Weg zu machen zu dem Geiste, der in seinem eigenen Lichte durch einen umgekehrten Weg gegenüber dem alten Initiationsweg gesucht werden muß.
[ 36 ] Thus, in the course of human evolution, a few millennia before the Mystery of Golgotha, there was that important turning point when human beings moved from an instinctive spiritual experience to arrive at those concepts and ideas that constituted the most esoteric science, encompassing the laws of nature. Today, even children experience the laws of nature. Faced with this sobriety, this prose of life, this naturalism, the spiritual world initially withdrew into the innermost being of the human being. And today, an initiatory science must, conversely, point the way from nature back toward the spiritual. For ancient humanity, nature was in darkness; the spirit was in the light. The ancient science of initiation had to bring the light from the spiritual realm—light drawn from there—into the natural darkness, so that this too might be illuminated. Today’s science of initiation must proceed from that light which, in an outwardly naturalistic manner, was cast into external nature by Copernicus, Giordano Bruno, Galileo, Kepler, Newton, and so on. This light must then be taken from folly, enlivened, and the path must be made to the Spirit, who must be sought in his own light through a path that is the reverse of the ancient path of initiation.
[ 37 ] Davon will ich dann morgen weitersprechen.
[ 37 ] I'll talk more about that tomorrow.
Fragenbeantwortung
Q&A
[ 38 ] Es wurden Fragen gestellt über das Wesen der Imagination, Inspiration und Intuition. Der Wortlaut der Fragen ist von der Stenografin nicht notiert worden.
[ 38 ] Questions were asked about the nature of imagination, inspiration, and intuition. The stenographer did not record the exact wording of the questions.
[ 39 ] Rudolf Steiner: In bezug auf die Frage der Schwierigkeit mit einem solchen Wort wie «Imagination» möchte ich das folgende bemerken:
[ 39 ] Rudolf Steiner: Regarding the difficulty associated with a term such as “imagination,” I would like to make the following observation:
[ 40 ] Wenn wir ein Wort aufnehmen, um einen bedeutsamen Inhalt wiederzugeben, so sollte man immer auf die ursprüngliche Wortbedeutung zurückgehen und eigentlich nicht fragen: «Welche Bedeutung gibt man dem Worte gerade augenblicklich in der Umgangssprache?»,1Das Wort «Imagination» wird in der englischen Sprache auch für «Phantasie» gebraucht. denn im Grunde ist es bei allen gegenwärtigen Umgangssprachen so, daß sie die Worte verflacht haben. Ich habe schon heute morgen auf etwas aufmerksam machen müssen, was aber eine innerliche Berechtigung hat. Das Wort «Intuition» wird ja auch in einem, ich möchte sagen, alltäglichen Sinne gebraucht, aber mit Recht, weil die höchste Erkenntnis über das geistige Leben für das sittliche Gebiet bis in das einfachste, ja primitivste Menschengemüt herunterkommen muß. Für ein solches Wort wie «Imagination» können wir ein ganz Gleiches nicht sagen, und man sollte daher zunächst sich an einem solchen Worte immer klar machen, was in ihm alles steckt. In dem Augenblicke, wo Sie Vor- und Nachsilbe des Wortes losschälen und auf das Mittlere gehen, da kommen Sie unmittelbar auf «Magie». «Magie» steckt in dem Worte «Imagination»: es ist eine Verinnerlichung des Magischen. Wenn Sie auf eine solch ursprüngliche Bedeutung des Wortes zurückgehen, dann werden Sie finden, daß derjenige Sprachgebrauch, der heute zugrunde liegt, eben ein durchaus verflachter ist.
[ 40 ] When we adopt a word to convey a meaningful concept, we should always refer back to the word’s original meaning and not ask: “What meaning is currently attributed to the word in colloquial language?”, 1The word “imagination” is also used in English to mean “fantasy.” for, fundamentally, all contemporary colloquial languages have diluted the meaning of words. I already had to point something out this morning, but it has an inner justification. The word “intuition” is also used in what I would call an everyday sense, but rightly so, because the highest insight into spiritual life must reach down into the moral realm, even to the simplest, indeed most primitive, human mind. We cannot say the same thing about a word like “imagination,” and one should therefore always first make clear to oneself what is contained within such a word. The moment you strip away the prefix and suffix of the word and focus on the middle part, you immediately arrive at “magic.” “Magic” is embedded in the word “imagination”: it is an internalization of the magical. If you go back to such an original meaning of the word, you will find that the usage underlying it today is, in fact, a thoroughly trivialized one.
[ 41 ] Nun möchte ich gern wissen, was man eigentlich in der Anthroposophie und überhaupt bei einer spirituellen Vertiefung machen soll, wenn man nicht die Anforderung stellt: alle Worte müssen zurückgeführt werden zu ihrer vertiefteren Bedeutung.
[ 41 ] Now I would like to know what one is actually supposed to do in anthroposophy—and indeed in any form of spiritual deepening—if one does not require that every word be traced back to its deeper meaning.
[ 42 ] Sehen Sie, man muß schon so etwas wie Anthroposophie so ernst nehmen, daß man sich auch diesen Gedanken einmal klarmachen muß: Kann man Anthroposophie in der heutigen Umgangssprache überhaupt darstellen in Wirklichkeit? Kann man in irgendeiner Umgangssprache überhaupt so Bedeutendes über Anthroposophie sagen? — Nun, alle Umgangssprachen enthalten ursprünglich etwas Vertieftes, und man kann in allen heutigen Umgangssprachen zurückgehen zu diesen vertiefteren Bedeutungen.
[ 42 ] You see, one must take something like anthroposophy so seriously that one must also ask oneself this question: Is it even possible to truly describe anthroposophy in today’s everyday language? Is it even possible to say anything truly significant about anthroposophy in any everyday language? — Well, all everyday languages originally contained something profound, and in all of today’s everyday languages, one can trace back to these deeper meanings.
[ 43 ] Wenn man heute von «Imagination» spricht und das Wort auch anwendet für dasjenige, was sich der Phantasie einverleibt, so hat man eben das Wort bloß für das genommen, was man einzig und allein heute von einem inneren Erleben kennt. Die meisten Menschen meinen ja heute, wenn von innerem Erleben die Rede ist, das sei alles phantastisch, und sie bezeichnen dann das Phantastische als das Imaginative. Sie haben von ihrem Standpunkte aus ganz recht. Aber wenn man nicht den Willen hat, zurückzugehen zu einer solchen ursprünglichen Bedeutung, wie sie in dem Wort «Imagination» liegt, dann wird es sehr schwer werden, Anthroposophie überhaupt in die Sprache hereinzubekommen.
[ 43 ] When people today speak of “imagination” and also apply the word to what the imagination takes in, they have simply taken the word to mean only what is known today as an inner experience. Most people today, when they hear talk of inner experience, assume it is all fantastical, and they then describe the fantastical as the “imaginative.” From their point of view, they are quite right. But if one lacks the will to return to the original meaning inherent in the word “imagination,” it will be very difficult to incorporate anthroposophy into language at all.
[ 44 ] Man muß sich folgendes klar machen: Sehen Sie, in dem Worte «Magie» liegt Mannigfaltiges. Zunächst liegt dasjenige in dem Worte «Magie», was ich etwa folgendermaßen umschreiben möchte: Wir sehen, wenn wir heute wissenschaftlich neugierig sind, in das Mikroskop hinein, und wir sehen dann dasjenige, was klein ist in der Welt, auf dieses Kleine in der Welt — sei es das ersehnte Atom, das ja heute auch experimentell gezeigt wird, sei es irgendeine Keimanlage —, auf dieses Kleine ist die heutige materialistische Wissenschaft immer neugierig. Aber in dem Augenblicke, wo wir zu den wirklichen Ursachen der Dinge gehen, wo wir dahin gehen, wo die schöpferischen Kräfte und Mächte der Dinge sind, da kommen wir nicht zu dem Kleinen, sondern da kommen wir zu dem Großen. Und das Schöpfen aus dem Großen heraus, das Schöpfen aus dem Gewaltigen, Imposanten, dasjenige, was Schöpferkräfte umfaßt, die den kleinen Menschen überragen, das in entsprechender Weise hereinzubekommen in die menschliche Seele, das heißt: das Magische verdichten, so daß es in der Verdichtung von der menschlichen Seele empfangen und erlebt werden kann.
[ 44 ] One must be clear about the following: You see, the word “magic” encompasses many things. First of all, the word “magic” contains something that I would like to describe as follows: Today, when we are scientifically curious, we look through a microscope, and we see what is small in the world—whether it be the long-sought-after atom, which has now been demonstrated experimentally, or some kind of germ—and modern materialistic science is always curious about this smallness. But the moment we turn to the true causes of things, the moment we go where the creative forces and powers of things lie, we do not arrive at the small, but rather at the great. And to draw from the great, to draw from the mighty and imposing—that which encompasses creative forces that tower above the small human being—and to bring this into the human soul in an appropriate way: this means condensing the magical so that, in its condensed form, it can be received and experienced by the human soul.
[ 45 ] Und so, wie man es mit dem Worte «Imagination» machen soll, so sollte man es eben auch mit allen anderen Worten, die gebraucht werden, machen. Es spricht doch heute fast jeder Mensch von Inspiration. Ich spreche ihm das Recht nicht ab — warum sollte ich es ihm absprechen, denn jeder hat auf dem Niveau, auf dem er sich bewegt, das Recht, das Wort «Inspiration» zu gebrauchen —, aber jeder spricht heute, sogar wenn ihm ein Witz einfällt, von «Inspiration». Nun, natürlich kommt man mit dieser Interpretation des Wortes «Inspiration», wenn man es so gebraucht, nicht zurecht für die Wege der höheren Erkenntnis. Aber machen wir es wiederum uns zum Grundsatze, die Worte in den jetzigen Zivilisationssprachen so zu betrachten, wie man einstmals den Menschen überhaupt betrachtet hat.
[ 45 ] And just as one should handle the word “imagination,” so too should one handle all the other words that are used. After all, almost everyone today talks about inspiration. I do not deny them the right to do so—why should I deny it, since everyone, at the level at which they operate, has the right to use the word “inspiration”—but everyone today, even when a joke occurs to them, speaks of “inspiration.” Well, of course, this interpretation of the word “inspiration”—when used in this way—is not sufficient for the paths of higher knowledge. But let us once again make it a principle to view the words in the languages of our present civilization in the same way that people were once viewed in general.
[ 46 ] Denken Sie doch nur: Noch im 18. Jahrhundert beschäftigte man sich hier in England und auf dem Kontinente überall sehr viel mit dem sogenannten Martinismus, mit der Philosophie, die von Saint-Martin stammte, vor allem mit seinem Buch: «Des erreurs et de la verité». Ja, in «Edimbourg» erschien 1775 ein Buch, das in alle europäischen Sprachen übersetzt worden ist, ein Buch, das in der damaligen Art sozusagen das Spirituelle behandelte, ein letzter Ausläufer für die Art der spirituellen Betrachtung, wie sie noch möglich war bis ins 18. Jahrhundert und bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts herein, wie sie heute aber nicht mehr möglich ist.
[ 46 ] Just think: Even in the 18th century, people here in England and throughout the continent were deeply engaged with so-called Martinism—the philosophy originating with Saint-Martin—and especially with his book, Des erreurs et de la vérité. Indeed, a book was published in “Edinburgh” in 1775 that was translated into all European languages—a book that, in the style of the time, dealt with the spiritual, so to speak, representing a final offshoot of the kind of spiritual contemplation that was still possible through the 18th century and into the early 19th century, but which is no longer possible today.
[ 47 ] Nun, wenn wir eine der Hauptideen des Buches von Saint-Martin «Des erreurs et de la verité» nehmen, dann finden wir, daß da der Mensch in seiner Totalität als Erdenwesen wie abgefallen gesehen wird von seiner ursprünglichen Größe; da wird der — ich möchte sagen noch vollständige Mensch — des Sündenfalles bezichtigt. Der Mensch war einmal im Sinne Saint-Martins noch ein gewaltiges Wesen, umgürtet mit dem sogenannten heiligen Panzer, der ihm magisch diente, ihn magisch machte gegenüber allen Kräften und Wesenheiten der Welt, die ihm vielfach feindlich waren. Der Mensch lebte an jenem Orte, der bezeichnet wird von SaintMartin als der Ort der sieben heiligen Bäume, was dann in der religiösen Legende, oder früher meinetwillen in der Bibel, als das Paradies bezeichnet wird. Der Mensch war begabt mit der feurigen Lanze, durch die er seine entsprechende Macht ausübte, und so weiter. All die Dinge, die da ursprünglich dem Menschen zugeschrieben werden, von denen wird gesagt, daß der Mensch sie durch seine eigene vorirdische Schuld verloren habe; es wird dem Menschen sogar in seinem vorirdischen Zustande eine furchtbare Sünde zugeschrieben, die heute zu nennen selbst schon im sozialen Leben etwas Schockantes habe. Und so wird dargestellt der Mensch als ein Wesen, das von seiner ursprünglichen Größe heruntergefallen ist. Und der ganze Martinismus, die ganze Philosophie des Saint-Martin, stellt sich eigentlich die Aufgabe, zu zeigen, was der Mensch sein könnte, wenn er nicht heruntergefallen wäre von seiner ursprünglichen Größe.
[ 47 ] Now, if we take one of the main ideas from Saint-Martin’s book Des erreurs et de la vérité, we find that humanity in its totality, as an earthly being, is viewed as having fallen from its original greatness; there, the—I would say still complete—human being is accused of the Fall. According to Saint-Martin, human beings were once mighty beings, encircled by the so-called sacred armor, which served them magically, rendering them magical in the face of all the forces and entities of the world that were often hostile to them. Humanity lived in that place designated by Saint-Martin as the place of the seven sacred trees, which is then referred to in religious legend—or, for my part, in the Bible—as Paradise. Humanity was endowed with the fiery lance through which it exercised its corresponding power, and so on. All the things originally attributed to man are said to have been lost by him through his own pre-earthly guilt; man is even attributed a terrible sin in his pre-earthly state, the very mention of which today is somewhat shocking even in social life. And so man is portrayed as a being who has fallen from his original greatness. And the whole of Martinism, the entire philosophy of Saint-Martin, actually sets itself the task of showing what man could be if he had not fallen from his original greatness.
[ 48 ] Nun, diese Zusammenhänge können heute nicht mehr vollständig lebendig gemacht werden; sie sind eben der letzte Ausläufer derjenigen Anschauungsweise, die ich heute morgen als die alte Anschauungsweise geschildert habe. Innerhalb der modernen Initiationswissenschaft müssen wir von der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise ausgehen — nicht von der Naturwissenschaft selbst, aber von der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise —, denn das wird den Menschen im Laufe der nächsten Zukunft allein befriedigen können. Allein, in bezug auf Spezialgebiete werden wir doch, wenn wir wirklich das Anthroposophisch-Inhaltliche, überhaupt alles Inhaltliche irgendeines spirituellen Strebens durchdringen wollen mit der nötigen Stimmung, mit dem nötigen Aufschwung der Seele, mit dem heiligen Enthusiasmus, mit dem wir es durchdringen sollen, um es wirklich zu verstehen — wenn wir das wollen, dann werden wir nicht die Worte aus der gewöhnlichen Umgangssprache heraus nehmen dürfen, sondern wir müssen die Worte so ansehen, als ob eigentlich alle Worte bis zu unserer Zivilisation herunter einen Sündenfall durchgemacht hätten. Die Worte sind heute nicht mehr dasjenige, was sie waren: es sind sündhafte Wesen geworden. Sie sind in die Materie heruntergestürzt und bezeichnen nicht mehr dasjenige, was sie bezeichnet haben, als sie einstmals noch nahestanden derjenigen Stufe der Menschheitsentwicklung, in der sie in den Mysterien gebraucht worden sind. Und wir müssen schon in gewissem Sinne einen Ruck nach aufwärts machen in dem Fühlen der Worte. Wir müssen uns bemühen, nicht stehen zu bleiben bei dem, was allgemeine Umgangssprache ist; sonst haftet den Worten eben auch die Farbe, das 'Timbre an, wie es diese Worte in der Umgangssprache haben. Am leichtesten wird es im Grunde genommen heute, von den im Sündenfall begriffenen Worten hinaufzusteigen zu einer Art sakraler Bedeutung der Worte bei der hebräischen Sprache. Für diejenigen Sprachen, die mehr gebraucht worden sind innerhalb des neuzeitlichen Lebens mit seinen durch und durch unsakramentalen Interessen, für diese Sprachen ist es natürlich schwierig, hinaufzurücken zu der Sündlosigkeit der Worte — wenn ich mich so ausdrücken darf —, es ist nicht so schlimm gemeint, aber in einer gewissen Beziehung müssen wir schon das tun. Und so müssen wir uns klar sein: das Wort «Inspiration» ist heute bis zu der Sündhaftigkeit heruntergefallen, wo jeder, der einen Witz macht, schon sagt, er sei inspiriert. — Warum denn nicht? Im Grunde genommen brauchen die Verfasser, auch die Zeichner von Witzblättern sehr viel Inspiration im heutigen Sinne, aber es ist heute eine profanierte Inspiration.
[ 48 ] Well, these connections can no longer be fully brought to life today; they are, after all, the last vestiges of the way of thinking that I described this morning as the old way of thinking. Within modern initiatory science, we must proceed from the scientific method of knowledge—not from natural science itself, but from the scientific method of knowledge—for this alone will be able to satisfy people in the near future. However, when it comes to specialized fields, if we truly wish to penetrate the substance of anthroposophy—indeed, the substance of any spiritual endeavor at all—with the necessary mood, with the necessary uplifting of the soul, with the sacred enthusiasm with which we are meant to penetrate it in order to truly understand it — if we wish to do so, then we must not simply take words from ordinary colloquial language; rather, we must regard words as if, in fact, all words up to the time of our civilization had undergone a fall from grace. Words today are no longer what they once were: they have become sinful entities. They have fallen into the material realm and no longer denote what they once denoted when they were still close to that stage of human development in which they were used in the Mysteries. And we must, in a certain sense, make a leap upward in our perception of words. We must strive not to remain stuck at the level of general colloquial language; otherwise, the words will take on the very color and “timbre” that these words have in colloquial speech. Fundamentally, the easiest way today is to ascend from the words caught up in the Fall to a kind of sacred meaning of words found in the Hebrew language. For those languages that have been used more extensively in modern life, with its thoroughly non-sacramental interests, it is naturally difficult to rise to the sinlessness of words—if I may put it that way; I don’t mean it in a negative sense, but in a certain sense we must do just that. And so we must be clear: the word “inspiration” has today fallen to the level of sinfulness, where anyone who tells a joke already claims to be inspired. — Why not? After all, writers—and even cartoonists for humor magazines—need a great deal of inspiration in today’s sense, but today it is a profaned inspiration.
[ 49 ] Aber gehen wir zurück zu dem Worte in seiner ursprünglicheren Bedeutung, dann werden wir in sehr tiefe Regionen des Menschenstrebens geführt.
[ 49 ] But if we return to the word in its more original sense, we are led into the very depths of human striving.
[ 50 ] Da muß ich Sie dann erinnern an die Art und Weise, wie zum Beispiel im Indischen sich noch — auf dekadenter Stufe — eine herrliche, bewundernswürdige Erkenntnisart erhalten hat, die einstmals viel bedeutsamer war als sie heute ist, die aber nicht, wie man das heute muß, ausging direkt vom Denken, sondern die ausging von einer ganz bestimmten Regulierung oder auch Irregulierung des Atmungsprozesses. Innerhalb der ursprünglichen Yogamethode handelte es sich darum, den Atmungsprozeß, der sonst immer unbewußt im Menschen verläuft, zur Bewußtheit zu erheben. Das kann man dadurch, daß man den Rhythmus von Einatmung, Atemanhalten, Ausatmung anders gestaltet, als er sich dann gestaltet, wenn das Atmen unbewußt verläuft. Gibt man dem Atemrhythmus andere Zahlenverhältnisse, als Sie im gewöhnlichen alltäglichen Atmen sie haben, dann atmet man also im Verhältnis zum Einatmen, Atemanhalten und Ausatmen anders. Auf solchem anderen Gestalten und Formen des Atmens beruhte im wesentlichen dasjenige, was man die Yogamethode nennt. Diese Yogamethode brachte dadurch den ganzen Atmungsprozeß zum Bewußtsein. Der Mensch atmete dadurch, daß er vollbewußt den Atmungsrhythmus änderte: es ging die Atmungsströmung bewußt in die Blutzirkulation hinein. Der ganze Mensch durchwellte und durchwebte sich mit einem veränderten Atmungsrhythmus. Und geradeso, wie wir im Sehstrahl oder im Hörstrahl die sinnliche Beobachtung empfangen, wie wir durch das Sehen empfangen Kenntnis der Farben der umliegenden Dinge, wie wir durch den Hörstrahl empfangen Kenntnis von den Tönen, die von den umliegenden Dingen ausgehen, so empfand derjenige, der den Atmungsrhythmus zu einem erhöhten, zu einem magischen Wahrnehmen machte, der empfand das Seelisch-Geistige, er nahm wahr im Atmungsprozesse das ihn durchdringende Seelisch-Geistige. In dem Augenblicke, wo der Atmungsprozeß vollständig bewußt wird, und wo gleichzeitig diejenige Seelendisposition vorhanden war, die etwa sieben-, achttausend Jahre vor unserer Zeitrechnung in Südasien drüben vorhanden war, in diesem Augenblicke schickte man durch diesen geänderten Atmungsrhythmus nicht nur die physische Luft in den Körper hinein mit diesem Durchwellenden und Durchwallenden, sondern man schickte in diesen strömenden Atem in sich Seele und Geist hinein, und man erlebte Seele und Geist, insofern Seele und Geist des Menschen in diesem strömenden Atem sind.
[ 50 ] I must remind you, then, of the way in which, for example, in India—albeit at a decadent stage—a magnificent, admirable form of knowledge has been preserved, one that was once far more significant than it is today, but which did not, as is necessary today, arise directly from thought, but rather from a very specific regulation—or even irregularity—of the breathing process. Within the original yoga method, the aim was to raise the breathing process—which otherwise always proceeds unconsciously in human beings—to the level of consciousness. This can be achieved by structuring the rhythm of inhalation, breath retention, and exhalation differently than it occurs when breathing proceeds unconsciously. If one applies different numerical ratios to the breathing rhythm than those found in ordinary, everyday breathing, then one breathes differently in terms of the ratio of inhalation, breath retention, and exhalation. What is known as the yoga method was essentially based on such alternative ways of structuring and shaping the breath. Through this, the yoga method brought the entire breathing process into consciousness. By consciously altering the breathing rhythm, the person directed the flow of breath into the blood circulation. The entire human being was permeated and interwoven with an altered breathing rhythm. And just as we receive sensory perception through the visual or auditory rays—just as we gain knowledge of the colors of surrounding objects through sight, and knowledge of the sounds emanating from surrounding objects through hearing— so too did the person who elevated the respiratory rhythm to a heightened, magical perception; that person perceived the soul-spiritual, perceiving within the breathing process the soul-spiritual that permeated them. At the moment when the breathing process became fully conscious, and when at the same time the spiritual disposition existed that was present in South Asia some seven or eight thousand years before our era, at that very moment, through this altered breathing rhythm, one sent not only physical air into the body with this surging and billowing motion, but one also sent soul and spirit into this flowing breath within oneself, and one experienced soul and spirit, insofar as the human soul and spirit are present in this flowing breath.
[ 51 ] Nun kann man materiell die Einatmung Ja «Inspiration» nennen — das ist das Wörtliche. Vergeistigt man die Inspiration, so tut man das, was im alten Indien geschehen ist: dann wird man mit der vergeistigten Inspiration, mit dem durchseelten und durchgeistigten Atem wie irgendein gedankliches Wesen wahrnehmend erleben. Dann hat man es mit dem zu tun, was eigentlich ursprünglich immer — auch im Nicht-Indischen, im Europäischen — das Wort «Inspiration» bedeutete. Wir müssen also auch, wenn wir vom Wort «Inspiration» sprechen, aufrücken, ich möchte sagen, zu der Sündlosigkeit des Wortes. Und aus diesem Grunde habe ich mich eigentlich immer gesträubt — trotzdem immer von allen möglichen Seiten solche Vorschläge gemacht worden sind — sogenannte «populäre» Bücher über Anthroposophie zu schreiben. Natürlich wäre das ein sehr Leichtes. Aber auch der Anfänger soll eigentlich nicht ganz populäre Bücher über Anthroposophie in die Hand bekommen, sondern er soll an anthroposophischen Büchern etwas haben, woran er sich — ich meine es geistig — die Zähne ausbrechen kann, wo er sich furchtbar bemühen muß, das ist etwas, was nicht leicht geht! Denn in dieser Bemühung, in der Überwindung desjenigen, was man eben überwinden muß, wenn man etwas Schwerverständliches sich zum Verständnis bringt, liegt zu gleicher Zeit etwas anderes. Wenn man nämlich so wie — ja, wie soll ich sagen? — wie eine Volksrede populär Anthroposophie empfängt, dann hat man auch einen anderen Geschmack und eine ganz andere Gesinnung gegenüber den Wortbedeutungen, dann zieht man die Wortbedeutungen in ihre Sündhaftigkeit herunter. Wenn man aber sich die Zähne ausbeißen muß an der Schwierigkeit eines Anfängerbuches, dann bekommt man auch Geschmack, in die Worte sich zu vertiefen. Man kann ja dabei sogar an manches Historische erinnern. Sehen Sie einmal nach, wie Jakob Böhme wunderbar über die Worte erst nachsinnt, tief nachsinnt, bevor er sie gebraucht. Ganze Welten, möchte ich sagen, destilliert Jakob Böhme erst aus den Worten heraus, bevor er die Worte gebraucht. Und so liegt die Stellung in bezug auf so etwas wie «Imagination» oder «Inspiration» oder «Intuition» oder anderer Worte, wie man sie im gewöhnlichen Leben gebraucht, auf einem tieferen Niveau als man gewöhnlich annimmt. Und so meine ich schon, daß man eigentlich nicht versuchen sollte, Worte, die mit Recht gebraucht werden — «Imagination», «Inspiration» — durch andere zu ersetzen, sondern das man eher dafür wirken sollte, für das anthroposophische Sichverständigen diese Worte zu ihrer Sündlosigkeit etwas zu erheben, wenigstens solange man es mit der Anthroposophie zu tun hat. Wenn man wiederum in das gewöhnliche Leben hinausgeht, so kann man ja natürlich wiederum in die Sündhaftigkeit der Worte verfallen, da schadet es ja nichts. Und so könnte gerade eine solche Gesinnung gegenüber dem Worte der anthroposophischen Vertiefung außerordentlich zugute kommen. Also, ich meine, wer sich bewußt wird, was in dem Wort «Imagination» steckt, würde am Ende sogar, wenn er ein Fanatiker ist, nach einem Gesetz schreien, welches das Wort Imagination für dieses «Phantasie»-Spiel zu gebrauchen verbietet, damit solch ein Wort gewahrt bleibe demjenigen Gebiet, wo es eigentlich mit Recht angewendet wird.
[ 51 ] Now, in a material sense, one can call inhalation “inspiration”—that is the literal meaning. If one spiritualizes inspiration, one does what happened in ancient India: then, with spiritualized inspiration—with breath imbued with soul and spirit—one will experience perception as if one were a being of thought. Then one is dealing with what the word “inspiration” actually always meant originally—even in non-Indian, European contexts. So when we speak of the word “inspiration,” we must also rise, I would say, to the purity of the word. And for this reason, I have actually always been reluctant—even though such suggestions have constantly come from all sides—to write so-called “popular” books on anthroposophy. Of course, that would be very easy. But even the beginner should not really be given entirely “popular” books on anthroposophy; rather, they should have access to anthroposophical books that—spiritually speaking—they can really grapple with, where they have to make a tremendous effort—and that is not something that comes easily! For in this effort, in overcoming what one must overcome when bringing something difficult to understand into comprehension, there lies something else at the same time. For if one receives anthroposophy in a popular way—well, how shall I put it?—like a folk speech, then one also develops a different taste and a completely different attitude toward the meanings of words; then one drags the meanings of words down into their sinfulness. But if one has to grapple with the difficulty of a beginner’s book, then one also develops a taste for delving deeply into the words. One can even recall certain historical examples in this regard. Just look at how Jakob Böhme first reflects—deeply reflects—on the words before he uses them. I would say that Jakob Böhme first distills entire worlds from the words before he uses them. And so the significance of concepts such as “imagination,” “inspiration,” “intuition,” or other words as they are used in everyday life lies at a deeper level than is generally assumed. And so I do believe that one should not actually try to replace words that are rightly used—“imagination,” “inspiration”—with others, but rather that one should strive to elevate these words to a state of purity for the sake of anthroposophical understanding, at least as long as one is engaged with anthroposophy. When one returns to everyday life, of course, one can once again fall back into the “sinfulness” of the words, and that does no harm. And so precisely such an attitude toward the words could be of extraordinary benefit to anthroposophical deepening. So, I mean, anyone who becomes aware of what the word “imagination” actually entails would ultimately—even if they were a fanatic—call for a law prohibiting the use of the word “imagination” for this “fantasy” game, so that such a word might be preserved for the realm where it is actually and rightly applied.
[ 52 ] Zu der Frage: «Wer oder was erkennt im Menschen?» möchte ich das folgende sagen: Es ist leider so, daß diese Fragen wirklich schneller gestellt sind, als sie beantwortet werden können, und man muß auf sehr vieles zu sprechen kommen, wenn man eine so weitreichende, umfassende Frage beantworten soll. Man muß sich klar machen, wenn eine solche Frage aufgeworfen wird, was denn eigentlich der Inhalt der heute morgen vorliegenden Ausführungen war. Nicht wahr: um was handelt es sich denn, wenn wir so sprechen von den Wegen zur übersinnlichen Erkenntnis, wie ich heute morgen und auch schon gestern gesprochen habe? Es handelt sich darum, wie dieses menschliche Seelische, das in der gegenwärtigen Inkarnation bei irgendeinem Menschen vorhanden ist, wie dieses Geistig-Seelische, das also in einem physischen Leib zwischen der Geburt oder Empfängnis und dem Tode vorhanden ist, wie dieses aufsteigt zu dem allmählichen Erkennen erstens der ätherischen Bildekräftewelt in der Imagination, zweitens durch die Stille, die ich geschildert habe, durch das leere Bewußtsein, in der Inspiration, zu dem Erkennen der vorgeburtlichen Welt. Und dann, durch die Intuition, die durch die besondere Ausbildung der Liebefähigkeit erreicht wird, kommt man dann eben bis zu der Anschauung des vorigen, oder man könnte auch sagen der vorigen Erdenleben, derjenigen Erdenleben also, die dem Menschen — wie ich ja heute morgen ausgeführt habe — so objektiv schon gegenüberstehen, wie irgendein äußerer Gegenstand oder Vorgang der Natur, oder meinetwillen könnte ich auch sagen wie ein anderer Mensch einem objektiv gegenübersteht. Stehe ich im gewöhnlichen sozialen Leben einem andern Menschen gegenüber, so bin ich ja, durch die innere Verwandtschaft des gleichen Menschengeschlechts, mit dem betreffenden Menschen verwandt, aber ich stehe ihm objektiv gegenüber. So objektiv wie einem andern Menschen, so muß ich meinen vorigen Inkarnationen gegenüberstehen, wenn ich sie in Wahrheit wahrnehmen will. Dann lernt man erkennen mit dem SeelischGeistigen, das eben im gegenwärtigen Erdenkörper verkörpert ist, das eigentliche, wahre Ich, das durch die wiederholten Erdenleben geht.
[ 52 ] Regarding the question, “Who or what perceives within the human being?” I would like to say the following: Unfortunately, these questions are indeed asked more quickly than they can be answered, and one must touch on a great many things if one is to answer such a far-reaching, comprehensive question. When such a question is raised, one must clarify what the actual content of this morning’s remarks was. Isn’t it true that when we speak of the paths to supersensible knowledge—as I did this morning and also yesterday—what exactly are we referring to? It concerns how this human soul, which is present in any human being in the current incarnation—how this spiritual-soul aspect, which is thus present in a physical body between birth or conception and death—how this ascends to the gradual recognition, first, of the world of etheric formative forces in imagination, second, through the stillness I have described—through empty consciousness—in inspiration, to the recognition of the pre-birth world. And then, through intuition—which is attained through the special cultivation of the capacity for love—one arrives at the vision of one’s previous, or one might also say, previous earthly lives—that is, those earthly lives that — as I explained this morning — can already be viewed as objectively as any external object or natural process, or, if you will, just as one might view another human being objectively. When I encounter another human being in ordinary social life, I am, of course, related to that person through the inner kinship of the human race, but I stand objectively before them. Just as objectively as I stand before another human being, so must I stand before my past incarnations if I wish to perceive them in truth. Then one learns to recognize, through the soul-spiritual nature that is embodied in the present earthly body, the actual, true Self that passes through repeated earthly lives.
[ 53 ] Nun scheint mir die Frage dahin zu gehen: Wer ist es eigentlich, oder was ist es im Menschen, was nun dieses wahre Ich, das durch die wiederholten Erdenleben geht, erkennt, oder welches Glied im Menschen ist es? — Diese Frage selber, meine sehr verehrten Anwesenden, ist eigentlich keine Frage, die einen wirklichen, konkreten Inhalt hat. Es wird gefragt nach dem Subjekt des Erkennens. Dieses Subjekt des Erkennens ist eben jenes Ich, das im gegenwärtigen Erdenleibe verkörpert ist, das schwingt sich dann auf zu der Erkenntnis. Das wahre Ich erreicht man also nur so, daß man zunächst mit seinem Bewußtsein dasjenige umfaßt, was in das Erdenleben zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist; dann lebt man in dem Ich auf einer gewissen Stufe; man lebt in diesem Ich, aber man erkennt noch nicht das wahre Ich, das durch viele Geburten und Tode geht. Aber durch die Methoden, die ich geschildert habe, wird eben dieses höhere Ich, das man im Erdenleben trägt, indem es sich selber bis zur Selbstlosigkeit bringt, fähig gemacht, das wahre Ich zu erkennen.
[ 53 ] Now it seems to me that the question boils down to this: Who, or what, is it within the human being that recognizes this true self, which passes through repeated earthly lives, or which part of the human being is it? — This question itself, my esteemed audience, is not actually a question with any real, concrete content. It asks after the subject of cognition. This subject of cognition is precisely that “I” which is embodied in the present earthly body; it is this “I” that then rises to the level of cognition. The true “I” can therefore be attained only by first encompassing with one’s consciousness that which is enclosed within earthly life between birth and death; then one lives in the “I” at a certain level; one lives in this “I,” but one does not yet recognize the true “I” that passes through many births and deaths. But through the methods I have described, this very higher “I”—which one carries within one’s earthly life—is enabled, by bringing itself to a state of selflessness, to recognize the true “I.”
[ 54 ] Und bedenken Sie: Sie verändern ja während dieses Erkenntnisweges das Subjekt. Erstens haben wir es zu tun mit dem Ich, das zwischen Geburt und Tod lebt; das erkennt noch gar nicht das wahre Ich. Jetzt schwingt sich dieses Ich auf und ist zunächst der Erkenner des wahren Ich, das durch wiederholte Erdenleben geht. Dadurch identifiziert es sich in der Tat erkennend mit dem wahren Ich. Also, es wird, indem es eine Metamorphose durchmacht, dieses höhere Ich in das wahre Ich erhoben. Und dann, wenn es in das wahre Ich erhoben ist, kann es auch das wahre Ich erst erkennen.
[ 54 ] And keep in mind: You are, in fact, transforming the subject during this path of realization. First, we are dealing with the “I” that lives between birth and death; this “I” does not yet recognize the true “I” at all. Now this “I” rises up and initially becomes the knower of the true “I,” which passes through repeated earthly lives. Through this, it identifies itself—in a truly knowing way—with the true “I.” Thus, by undergoing a metamorphosis, this higher “I” is elevated to the true “I.” And then, once it has been elevated to the true “I,” it can finally recognize the true “I” for the first time.
[ 55 ] So also können wir nicht fragen: Wer oder was im Menschen erkennt?, sondern wir müssen sagen: Was im gewöhnlichen Leben erkennt im Menschen, das wird an sich schon zu einem andern Ich gemacht, es geht durch eine Metamorphose, indem es eben aufsteigt von der Imagination durch die Inspiration zur Intuition. Dann aber ist es für das Erkennen ein verwandeltes Ich. Aber die Verwandlung ist gerade dazu da, um das wahre Ich zu erreichen.
[ 55 ] Thus, we cannot ask, “Who or what in a person perceives?” but rather we must say: Whatever perceives in a person in ordinary life is itself transformed into a different “I”; it undergoes a metamorphosis as it ascends from imagination through inspiration to intuition. But then it is a transformed “I” for the purpose of cognition. Yet the transformation exists precisely to attain the true “I.”
