Insight from Initiation
GA 227
21 August 1921, Penmaenmawr
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Insight from Initiation, tr. SOL
Neue und alte Initiationswissenschaft
New and Old Initiation Science
[ 1 ] Ein zunächst sehr berechtigter Einwand mit Bezug auf die Beschäftigung mit Anthroposophie kann der sein, daß ja dasjenige, was anthroposophisch, was in bezug auf die spirituellen Welten an Tatsachen erforscht wird, abhängig ist davon, daß man eine solche menschliche Entwickelung durchmacht, wie ich sie beschrieben habe, wie sie nur herausgeholt werden kann aus tieferliegenden menschlichen Wesenskräften, bevor man an diese Tatsachen der höheren Welten herankommt. So daß also eigentlich jeder, so könnte man sagen, der noch nicht eine solche Entwickelung durchgemacht hat, der es also noch nicht dazu gebracht hat, das Schauen übersinnlicher Tatsachen und übersinnlicher Wesenheiten durch sich selbst zu erleben, nicht prüfen könne, ob dasjenige der Wahrheit entspricht, was durch den Erforscher dieser Welten gesagt wird. Und es wird ja auch vielfach, wenn in der Öffentlichkeit über den Inhalt der geistigen Welt gesprochen wird, wenn irgendwo darüber Mitteilungen gemacht werden, sehr häufig der Einwand erhoben: Was sollen mit diesen Ideen von einer übersinnlichen Welt diejenigen nun machen, die noch nicht diese übersinnliche Welt schauen können?
[ 1 ] A very valid objection that might initially be raised regarding the study of anthroposophy is that what is considered anthroposophical—that is, the facts being investigated concerning the spiritual worlds— depends on undergoing the kind of human development I have described—a development that can only be drawn from deeper human powers of being before one can approach these realities of the higher worlds. So, one could say that anyone who has not yet undergone such a development—that is, anyone who has not yet managed to experience for themselves the perception of supersensible realities and beings—cannot verify whether what is said by the explorer of these worlds corresponds to the truth. And indeed, whenever the content of the spiritual world is discussed in public, or whenever statements are made about it, the objection is very often raised: What are those who cannot yet perceive this supersensible world supposed to make of these ideas about a supersensible world?
[ 2 ] Es beruht gerade dieser Einwand auf einem völligen Irrtum. Er geht aus davon, daß man zu dem Menschen, zu dem man über die übersinnlichen Welten spricht, von etwas völlig Unbekanntem spricht. Allein das ist gar nicht der Fall. Nur ist wiederum ein ganz bedeutsamer Unterschied mit Bezug auf die Initiationswissenschaft nach dieser Richtung zwischen demjenigen, was heute gegenwärtig das Richtige ist auf diesem Gebiete, und demjenigen, was einstmals in jenen alten Zeiten das Richtige war, von denen ich gestern in meinem Vortrage gesprochen habe.
[ 2 ] This very objection is based on a complete misconception. It assumes that when one speaks to a person about the supersensible worlds, one is speaking of something completely unknown to them. But that is not the case at all. However, there is a very significant difference—with regard to the science of initiation in this context—between what is currently correct in this field and what was once correct in those ancient times I spoke of yesterday in my lecture.
[ 3 ] Erinnern Sie sich, wie ich den Weg in die geistigen Welten dargestellt habe. Er führt dazu, sagte ich, daß man zuerst in einem mächtigen Lebenstableau dasjenige sieht, was der eigenen Persönlichkeit an Erlebnissen, an Erfahrungen einverleibt ist in diesem Erdenleben. Man überschaut auf einmal dieses im Erdenleben Durchgemachte. Dann sprach ich davon, daß, wenn man von der imaginativen Erkenntnis aufsteigt zu der inspirierten, man dann durch das leere Bewußtsein, durch die absolute innere Stille und Ruhe dahin komme, das vorirdische Leben zu überblicken, daß man also eingeführt werde in diejenige geistige Tatsachenwelt, die der Mensch durchgemacht hat zwischen dem letzten Tode und seinem jetzigen Herabsteigen auf die Erde.
[ 3 ] Do you remember how I described the path into the spiritual worlds? I said that it leads one to first see, in a powerful tableau of life, all that has been incorporated into one’s own personality through the experiences of this earthly life. One suddenly surveys all that one has gone through in this earthly life. Then I spoke of how, when one ascends from imaginative knowledge to inspired knowledge, one arrives—through empty consciousness, through absolute inner stillness and tranquility—at a view of one’s pre-earthly life; that is, one is introduced into the spiritual world of reality that the human being has passed through between the last death and their present descent to Earth.
[ 4 ] Nun müssen Sie bedenken, daß ja jeder Mensch, bevor er auf die Erde herabgestiegen ist, diese Erlebnisse gehabt hat. Es gibt keinen Menschen, der nicht diese Erlebnisse gehabt hat in voller Realität, von denen der Erforscher der geistigen Welt zu sprechen hat. Und wenn nun der Erforscher der geistigen Welt diese zunächst unbekannten Tatsachen in Worte kleidet, so appelliert er ja nicht in Wirklichkeit an etwas dem Menschen ganz Unbekanntes, sondern er appelliert an dasjenige, was jeder Mensch vor seinem Erdenleben durchgemacht, erfahren hat. Und es ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Hervorrufen von kosmischen Erinnerungen, an die der Erforscher der geistigen Welten appelliert.
[ 4 ] Now you must bear in mind that every human being has had these experiences before descending to Earth. There is no human being who has not had these experiences in full reality—the very ones the researcher of the spiritual world speaks of. And when the researcher of the spiritual world puts these initially unknown facts into words, he is not, in reality, appealing to something entirely unknown to human beings, but rather to that which every human being has gone through and experienced before their earthly life. And in reality, it is nothing other than the evocation of cosmic memories to which the explorer of the spiritual worlds appeals.
[ 5 ] Alles dasjenige, wovon der Erforscher der geistigen Welten spricht, ist in Ihnen allen, sitzt in Ihren Seelen. Nur ist es beim Übergang vom vorirdischen Leben in das irdische Leben vergessen worden. Und man tut als Erforscher der geistigen Welten im Grunde genommen nichts anderes als dieses: man erinnert den Menschen an etwas, was er vergessen hat.
[ 5 ] Everything that the explorer of the spiritual worlds speaks of is within all of you; it resides in your souls. It was simply forgotten during the transition from pre-earthly life to earthly life. And, fundamentally, those who explore the spiritual worlds do nothing other than this: they remind people of something they have forgotten.
[ 6 ] Man stelle sich nur einmal vor, man trete für das bloße Erdenleben an einen Menschen heran. Man habe eine genaue Erinnerung an dasjenige, was man vor zwanzig Jahren mit ihm erfahren hat. Er, der andere, habe das völlig vergessen. Nun spricht man mit ihm und kann dadurch dasjenige, was man selber deutlich noch in der Erinnerung trägt, in dessen eigener Erinnerung hervorrufen.
[ 6 ] Just imagine approaching someone to talk about life on Earth alone. You have a vivid memory of something you experienced with that person twenty years ago. He, the other person, has completely forgotten it. Now, as you talk with him, you are able to bring back into his own memory what you yourself still clearly remember.
[ 7 ] Ganz derselbe Vorgang, nur ins Höhere übersetzt, liegt zugrunde, wenn ich von höheren Welten zu Ihnen spreche; der einzige Unterschied ist nur der, daß dasjenige, was im vorirdischen Dasein erlebt worden ist, viel gründlicher vergessen worden ist als das im Erdenleben Erlebte. Aber nur weil man dem Gefühle nach eine Abneigung, eine Antipathie hat, sich nun ganz intensiv zu fragen: Findest du in deiner Seele etwas, was zustimmen kann demjenigen, was der Erforscher der geistigen Welten sagt? — nur weil man dieses Antipathiegefühl hat, dringt man nicht tief genug in die Seele hinunter, wenn man sozusagen dem zuhört, oder liest, was der Geistesforscher sagt. Daher glaubt man, er spreche von irgend etwas, das nur er allein weiß, und man könne es nicht prüfen. Man kann es ganz gut prüfen, wenn man sich nur dem Vorurteil entzieht, das aus der eben charakterisierten Antipathie hervorgeht. Denn zunächst ruft der Geistesforscher nur alles dasjenige in das Gedächtnis, was von jedem Menschen im vorirdischen Dasein erlebt worden ist.
[ 7 ] Exactly the same process, only transposed to a higher plane, underlies my speaking to you about higher worlds; the only difference is that what was experienced in pre-earthly existence has been forgotten much more thoroughly than what was experienced in earthly life. But simply because one feels a certain aversion or antipathy, one fails to ask oneself with sufficient intensity: Do you find anything in your soul that can agree with what the explorer of the spiritual worlds says? — simply because one has this feeling of antipathy, one does not delve deeply enough into the soul when, so to speak, listening to or reading what the spiritual researcher says. Consequently, one believes that he is speaking of something that only he alone knows, and that it cannot be verified. It can be verified quite well, provided one sets aside the prejudice arising from the antipathy just described. For, to begin with, the spiritual researcher merely recalls everything that every human being experienced in their pre-earthly existence.
[ 8 ] Nun könnte man sagen: Wozu wird man denn während seines Erdenlebens noch extra veranlaßt, nachzudenken über dasjenige, was man ja durch die Einrichtung des Kosmos, man könnte auch sagen durch den Ratschluß der Götter, in seinem außerirdischen Dasein erlebt? Und es gibt wiederum Menschen, die sagen: Ja, wozu soll ich mich vor meinem Tode mit einer solchen Erkenntnis der übersinnlichen Welten beschäftigen? Denn ich kann ja warten, bis ich gestorben bin, da wird mir, wenn es überhaupt vorhanden ist, das alles entgegentreten.
[ 8 ] Now one might ask: Why should one be prompted, during one’s earthly life, to reflect on what one will experience in one’s extraterrestrial existence—through the order of the cosmos, or, one might also say, through the counsel of the gods? And then there are people who say: “Yes, why should I concern myself with such knowledge of the supersensible worlds before my death? After all, I can wait until I have died; then, if it exists at all, all of that will come to meet me.”
[ 9 ] Dies aber beruht auf einer vollständigen Verkennung des irdischen Lebens. Die Tatsachen, von denen der Geistesforscher spricht, sind von jedem Menschen im vorirdischen Dasein erlebt worden, nicht aber die Gedanken darüber. Und die Gedanken darüber können nur erlebt werden im Erdendasein. Und nur die im Erdendasein erarbeiteten Gedanken über die übersinnliche Welt können wir durch die Pforte des Todes durchtragen, und nur dann verstehen wir die Tatsachen, die wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
[ 9 ] But this is based on a complete misunderstanding of earthly life. The facts to which the spiritual researcher refers have been experienced by every human being in their pre-earthly existence, but not the thoughts about them. And those thoughts can only be experienced during earthly life. And only the thoughts about the supersensible world that we have developed during our earthly existence can we carry through the gate of death; and only then do we understand the realities we experience between death and a new birth.
[ 10 ] Man möchte, wenn man drastisch schildern wollte, sagen: Im Grunde genommen ist das Leben eines Menschen in der gegenwärtigen Evolution der Menschheit ein außerordentlich schwieriges, wenn er innerhalb seines Erdendaseins sich keine Gedanken erwirbt über die übersinnliche Welt. Er kommt dann, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, nicht zu einer wirklichen Erkenntnis desjenigen, was ihn da umgibt. Es umgibt ihn, aber er kommt nicht zu einem Verständnis. Das Verständnis für dasjenige, was nach dem Tode erlebt wird, muß errungen werden im Erdendasein. Wir werden dann in den weiteren Schilderungen sehen, daß das für eine Menschheit der früheren Zeit anders war. Aber im gegenwärtigen Evolutionsmomente der Menschheit ist es eben so, daß die Menschen immer mehr und mehr darauf angewiesen sein werden, hier auf Erden sich das Verständnis für dasjenige zu erobern, was sie zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in der übersinnlichen Welt erleben. Und so kann man sagen: Geisteswissenschaft ist, wenn sie heute zu der Öffentlichkeit spricht, voll berechtigt, denn jedermann kann sie prüfen, weil, wenn er genügend tief in die eigene Seele sich hinein versetzt, er sich nach und nach sagen wird: Dasjenige, was da durch den Geistesforscher gesagt wird, leuchtet mir ja ein. Es ist so, als ob ich es einmal erlebt habe, als ob mir jetzt nur die Gedanken gegeben werden über dasjenige, was ich einmal erlebt habe. Und aus diesem Grunde ist es so sehr notwendig, daß man, wenn man über Geisteswissenschaft, über spirituelle Erkenntnisse spricht, auch wirklich die Sprache etwas anders wähle, als man das im gewöhnlichen Leben tut. Es handelt sich darum, daß derjenige, der an die Geisteswissenschaft herantritt, schon durch die Art und Weise, wie gesprochen wird, den Eindruck bekommt: Da erfahre ich ja etwas, was in der sinnlichen Welt gar nicht gilt, was in der sinnlichen Welt vielfach ein Unsinn ist. Sehen Sie, die Gegner kommen dann und sagen: Was da aus der spirituellen Erkenntnis heraus gesagt wird, das ist ja ein Unsinn, eine Phantasterei. — Solange man bloß die sinnliche Welt kennt und kennen will, hat man ja recht mit einer solchen Aussage, denn es schaut eben die übersinnliche Welt anders aus als die sinnliche. Und erst derjenige, der verzichtet darauf, an sinnlichen Vorurteilen zu hängen, und der tiefer in sein eigenes Seelenwesen hineinschürft, der sagt sich dann: Was der Geistesforscher sagt, das ist nur eine Anregung, damit ich dasjenige, was ich schon in der Seele habe, selbst aus dieser Seele herausziehe.
[ 10 ] To put it bluntly, one might say: In the current evolution of humanity, a person’s life is, in essence, an extraordinarily difficult one if, during their earthly existence, they do not develop an understanding of the supersensible world. Once they have passed through the gate of death, they do not attain a true understanding of what surrounds them there. It surrounds them, but they do not come to understand it. An understanding of what is experienced after death must be attained during one’s earthly existence. We will see in the following descriptions that this was different for humanity in earlier times. But at this present stage of humanity’s evolution, it is precisely the case that people will increasingly have to rely on gaining, here on Earth, an understanding of what they experience in the supersensible world between death and a new birth. And so one can say: When spiritual science speaks to the public today, it is fully justified, for anyone can test it; because, if one delves deeply enough into one’s own soul, one will gradually come to say to oneself: What the spiritual researcher is saying here makes perfect sense to me. It is as if I had once experienced it myself, as if I were now simply being given thoughts about what I had once experienced. And for this reason, it is so very necessary that, when speaking about spiritual science or spiritual insights, one actually choose one’s words somewhat differently than one does in ordinary life. The point is that anyone approaching spiritual science should, simply through the way it is spoken about, get the impression: Here I am learning something that does not apply at all in the sensory world—something that is often nonsense in the sensory world. You see, the opponents then come along and say: “What is said on the basis of spiritual insight is nonsense, mere fantasy.” — As long as one knows and wants to know only the sensory world, such a statement is indeed correct, for the supersensory world does indeed look different from the sensory world. And only those who refrain from clinging to sensory prejudices and who delve deeper into their own soul nature will then say to themselves: “What the spiritual researcher says is merely a stimulus, so that I may draw out of my own soul what I already possess within it.”
[ 11 ] Vieles natürlich spricht dagegen, sich ein solches Geständnis zu machen. Aber man muß schon sagen, in bezug auf das Verständnis der übersinnlichen Welten ist dieses Selbstgeständnis das aller-, allernotwendigste. Und man wird sehen, daß selbst die schwierigsten Dinge begreiflich werden, wenn man in dieser tiefen Weise auf das eigene Selbst eingehen will.
[ 11 ] Of course, there are many reasons not to make such a confession to oneself. But it must be said that, when it comes to understanding the supersensible worlds, this self-acknowledgment is the most—the very, very most—essential. And one will see that even the most difficult things become comprehensible when one is willing to engage with one’s own self in this profound way.
[ 12 ] Zu diesen schwierigsten Dingen sind ohne Zweifel zu rechnen die mathematischen Wahrheiten. Dasjenige, was in der Mathematik erkannt wird, das hält man für etwas absolut Richtiges. Nun ist das Eigentümliche, daß selbst die Mathematik, die Geometrie aufhört, richtig zu sein, wenn man in die geistigen Welten hineinkommt. Da handelt es sich darum — ich möchte das an einem ganz einfachen Beispiel klarmachen —, daß man ja die alte Euklidische Wahrheit als ein Axiom, wie man es nennt, als eine Selbstverständlichkeit kennenlernt, sich von Jugend auf daran gewöhnt. Es wird zum Beispiel als eine Selbstverständlichkeit hingestellt: Wenn ich einen Punkt A habe und einen Punkt B, so ist der kürzeste Weg zwischen diesen zwei Punkten die gerade Linie. Jeder andere Weg, jeder krumme Weg ist länger.
[ 12 ] Mathematical truths are undoubtedly among the most difficult of these matters. What is recognized in mathematics is considered to be absolutely true. Now, the peculiar thing is that even mathematics—even geometry—ceases to be true once one enters the spiritual worlds. The point is—and I’d like to illustrate this with a very simple example—that we come to know the old Euclidean truth as an axiom, as it is called, as something self-evident, and we become accustomed to it from childhood onward. For example, it is presented as self-evident: If I have a point A and a point B, then the shortest path between these two points is a straight line. Any other path, any curved path, is longer.
[ 13 ] Auf dieser Erkenntnis, die selbstverständlich ist für die physische Welt, beruht ein großer Teil unserer Geometrie. In den geistigen Welten ist es umgekehrt. Da ist die gerade Linie, die man von A nach B nimmt, der längste Weg. Jeder andere Weg ist kürzer, weil jeder andere in der geistigen Welt frei gegangen werden kann. Hat man die Vorstellung, wenn man in A ist, daß man nach B kommen soll, so kommt man durch diese bloße Vorstellung auf jedem krummen Wege leicht hin; aber den geraden Weg einzuhalten, also in jedem einzelnen Punkte der Geraden einzuhalten diese einzige Richtung, das ist das Schwerste, das verlangsamt am allermeisten. Daher braucht man am allerlängsten, wenn man in der geistigen Welt eine Gerade durchmessen will im zweidimensionalen oder im eindimensionalen Raum.
[ 13 ] A large part of our geometry is based on this insight, which goes without saying in the physical world. In the spiritual worlds, the opposite is true. There, the straight line drawn from A to B is the longest path. Every other path is shorter, because every other path in the spiritual world can be taken freely. If, while at A, one has the intention of reaching B, one can easily get there by any winding path through this mere intention alone; but to stay on the straight path—that is, to maintain this single direction at every single point along the line—that is the most difficult thing, and it slows one down the most. That is why it takes the longest to traverse a straight line in the spiritual world, whether in two-dimensional or one-dimensional space.
[ 14 ] Derjenige, der etwas nachdenkt über die Aufmerksamkeit und, wie ich oft jetzt sagte, in die Seele tief hineinschürft, was eigentlich die Aufmerksamkeit bedeutet, der kommt darauf, daß das, was der Geistesforscher aus seiner Erfahrung heraus sagt, auch in dieser Beziehung richtig sein müsse. Denn er sagt sich: Wenn ich beliebig herumlaufe, da durchmesse ich meinen Weg leicht —, und dieses Herumlaufen braucht sich nicht bloß zu beziehen auf ein wirkliches Ablaufen von Strecken, sondern auf das, was man täglich tut; die meisten Menschen hantieren ja vom Morgen bis zum Abend. Sie hantieren so, daß sie eigentlich wenig aufmerksam sind, daß sie mehr das tun, was in der Gewohnheit liegt, was sie gestern getan haben, was die Leute sagen, daß man tun soll und so weiter. Da geht die Arbeit schnell vonstatten. Aber bedenken Sie, wenn Sie bei jedem einzelnen Punkte Ihres Tagesdaseins intensiv aufmerksam sein müssen auf dasjenige, was Sie tun, probieren Sie es einmal, Sie werden schon sehen, wieviel langsamer das zustande kommt.
[ 14 ] Anyone who reflects a little on attention and, as I have often said, delves deep into the soul to understand what attention actually means, will come to realize that what the spiritual researcher says based on his experience must also be correct in this regard. For they tell themselves: When I wander around at will, I easily cover my path—and this wandering need not refer solely to actually walking distances, but to what one does every day; after all, most people go about their business from morning to night. They go about their business in such a way that they are actually not very attentive; they tend to do what has become habitual, what they did yesterday, what people say one ought to do, and so on. That’s how work gets done quickly. But consider this: if you have to pay close attention to what you’re doing at every single moment of your daily life—try it once—you’ll see just how much slower things get done.
[ 15 ] Nun, in der geistigen Welt gibt es überhaupt nichts ohne Aufmerksamkeit. In der geistigen Welt gibt es keine Gewohnheit. In der geistigen Welt gibt es das Wörtchen «man» nicht, man muß zu dieser Zeit lunchen, man muß zu dieser Zeit dinieren und so weiter. Dieses «man», man zieht sich bei dieser Gelegenheit diese oder jene Kleider an und so weiter, das alles, was unter dem Wörtchen «man» eine so große Rolle spielt in der physischen Welt, besonders in der heutigen Zivilisation, das alles gibt es nicht in der geistigen Welt. In der geistigen Welt muß jeder kleinste Schritt, ja, was noch kleiner ist als ein Schritt, mit der eigenen Aufmerksamkeit verfolgt werden. Das drückt sich schon aus, wenn man den Satz ausspricht: In der geistigen Welt ist die Gerade der längste Weg zwischen zwei Punkten. So hat man den Gegensatz: In der physischen Welt ist die Gerade der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. In der geistigen Welt ist die Gerade der längste Weg zwischen zwei Punkten.
[ 15 ] Well, in the spiritual world, nothing exists at all without attention. In the spiritual world, there is no such thing as habit. In the spiritual world, the little word “one” does not exist—one must have lunch at this time, one must have dinner at that time, and so on. This “one”—one puts on this or that outfit on such-and-such an occasion, and so on—all of that which plays such a major role under the little word “one” in the physical world, especially in today’s civilization, none of that exists in the spiritual world. In the spiritual world, every tiny step—indeed, even something smaller than a step—must be followed with one’s own attention. This is already expressed in the saying: “In the spiritual world, a straight line is the longest path between two points.” Thus, we have the contrast: In the physical world, a straight line is the shortest path between two points. In the spiritual world, a straight line is the longest path between two points.
[ 16 ] Geht man nur tief genug in die Seele hinein, so wird man aufmerksam darauf, wie man ein wirkliches Verständnis für diese Sonderbarkeiten aus der Seele herausholen kann, und man wird dann immer mehr und mehr zu dem Selbstgeständnis kommen: Was der Geistesforscher sagt, das ist eigentlich alles eine Weisheit, die in mir selbst sitzt. Ich brauche nur daran erinnert zu werden.
[ 16 ] If one delves deeply enough into the soul, one becomes aware of how to draw a true understanding of these peculiarities from within the soul, and one will then increasingly come to the realization: What the spiritual researcher says is, in fact, all wisdom that resides within me. I just need to be reminded of it.
[ 17 ] Parallel damit kann ja heute schon jeder, weil auch die Schritte zur Aneignung der übersinnlichen Erkenntnis in solchen Schriften wie «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das als «Initiation» übersetzt ist, und so weiter gegeben werden — es kann jeder auch heute, soweit es sein Schicksal, sein Karma möglich macht, wie wir noch sehen werden, diesen Weg gehen und so eine eigene Anschauung für die geistige Welt erlangen. Dadurch erlangt er dann die Anschauung für die Tatsachen. Das Verständnis für die Ideen der geistigen Welt, das ist aber durch die angedeutete Selbsterkenntnis für das beim Antritte des Erdenlebens Vergessene durchaus zu erringen.
[ 17 ] At the same time, anyone can do this today, because the steps for attaining supersensible knowledge—as described in writings such as How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, which is translated as “Initiation,” and so on—anyone can follow this path today, insofar as their destiny and karma allow, as we shall yet see, and thus gain their own insight into the spiritual world. Through this, they then gain insight into the facts. An understanding of the ideas of the spiritual world, however, can certainly be attained through the self-knowledge alluded to here, which restores what was forgotten at the beginning of earthly life.
[ 18 ] Man kann sagen, daß die Erkenntnis der geistigen Welt, wenn sie in Ideen mitgeteilt wird, von jedem verstanden werden kann, daß also zum Verstehen desjenigen, was der Geistesforscher vorbringt, nur der unbefangene, gesunde Menschenverstand, der nur tief genug in die Seele hineinschürfen muß, notwendig ist. Zum Erforschen der geistigen Tatsachen, zum Hineinkommen in die geistige Welt, also zum Sprechen in ursprünglicher Weise von den Tatsachen der geistigen Welt gehört natürlich das Durchmachen des Erkenntnisweges selbst. Daher ist es berechtigt, von den geistigen Welten, wenn sie durch den einen oder durch den anderen bekanntgeworden sind, zu sprechen in voller Öffentlichkeit heute; denn dasjenige, was sich heute der Mensch aneignet im Leben, nur durch seine Schul-Erkenntnisse, ist jene Verständniskraft, jene Unterscheidungskraft, durch die er vordringen kann eben auch zum Verständnisse dessen, was die Geisteswissenschaft vorbringt. Aber auch in dieser Beziehung war es für eine Menschheit der älteren Zeit anders, als es für die Menschheit der Gegenwart ist. Daher war das Verhalten derjenigen, welche in den Mysterien lehrten, welche in den Mysterien Kunst und Religion trieben, ein anderes, als das des Geistesforschers heute sein kann. Heute muß derjenige, der von geistigen Erkenntnissen spricht zu seiner Umwelt, durchaus darauf bedacht sein, seine Ideen so anzuordnen, daß sie wirkliche Erinnerungen anregen an das vorirdische Leben. Man muß heute gewissermaßen zu den zuhörenden Menschen so sprechen, oder man muß dasjenige, was man schreibt für die lesenden Menschen, so einrichten, daß es darstellt Erinnerungen an das vorgeburtliche Leben.
[ 18 ] It can be said that knowledge of the spiritual world, when conveyed through ideas, can be understood by anyone; that is to say, in order to understand what the spiritual researcher presents, all that is necessary is an unbiased, sound common sense that need only delve deeply enough into the soul. To investigate spiritual facts, to enter the spiritual world—that is, to speak in an authentic way about the facts of the spiritual world—naturally requires traversing the path of knowledge itself. Therefore, it is justified to speak openly today about the spiritual worlds, once they have been made known through one means or another; for what people acquire in life today solely through their school education is precisely that power of understanding, that power of discernment, through which they can also advance to an understanding of what spiritual science presents. But in this respect, too, things were different for humanity in earlier times than they are for humanity today. Therefore, the conduct of those who taught in the mysteries—who practiced art and religion within the mysteries—was different from what that of the spiritual researcher can be today. Today, anyone who speaks to those around them about spiritual insights must be thoroughly mindful of organizing their ideas in such a way that they evoke genuine memories of pre-earthly life. Today, one must, so to speak, speak to one’s listeners in such a way—or structure what one writes for readers—that it evokes memories of pre-birth life.
[ 19 ] Man möchte sagen: Jedes Reden über geisteswissenschaftliche Dinge ist so, daß man eigentlich an den Zuhörer herantritt mit dem Appell: Höre dasjenige, was man sagt, schaue tief genug in deine Seele hinein und du wirst finden, daß das eigentlich in deiner Seele selber drinnen sitzt, und du wirst darauf kommen, daß du ja das alles nicht im Erdenleben gelernt haben kannst, da dir keine Blume, keine Wolke, keine Quelle, nichts das sagt, da dir auch nicht Wissenschaft, die nur auf die Sinne und den Verstand baut, dir das jemals sagen kann; du wirst darauf kommen, daß du dir das mitgebracht hast ins Erdendasein, daß du vor dem Erdendasein Dinge mitgemacht hast, die wie durch eine kosmische Erinnerung zurücklassen in deiner Seele dasjenige, was durch den Geistesforscher angeregt wird. Es ist allerdings also ein Appell an das tiefste Innere der Menschenseele, der durch den Geistesforscher getan wird. Aber es ist nicht die Zumutung, man solle etwas Fremdes in sich aufnehmen, sondern lediglich der Appell, man solle sich erinnern an dasjenige, was gerade das tiefste Eigentum der Menschenseele selber ist.
[ 19 ] One might say: Any discussion of spiritual science is such that one is actually addressing the listener with the appeal: Listen to what is being said, look deep enough into your soul, and you will find that this actually resides within your own soul, and you will come to realize that you certainly cannot have learned all of this in your earthly life, since no flower, no cloud, no spring—nothing—tells you this, nor can science, which relies solely on the senses and the intellect, ever tell you this; you will come to realize that you brought this with you into earthly existence, that before your earthly existence you experienced things which, as if through a cosmic memory, leave behind in your soul that which is stirred by the spiritual researcher. It is, therefore, an appeal to the deepest innermost core of the human soul that is made by the spiritual researcher. But it is not an unreasonable demand that one should take on something foreign within oneself, but merely an appeal to remember that which is, in fact, the very deepest essence of the human soul itself.
[ 20 ] So war es nicht bei den Menschen der älteren Zeit. Da mußten die Mysterienweisen, die Priester, anders vorgehen, denn die Menschen der älteren Zeiten hatten eine ihnen von selbst kommende Erinnerung an ihr vorirdisches Dasein. Vor einigen Jahrtausenden zweifelte auch der primitivste Mensch nicht daran, daß in seiner Seele etwas sitzt, was er sich aus einem übersinnlichen Leben in das sinnliche mit heruntergebracht hat, denn er erfuhr das jeden Tag in traumähnlichen Imaginationen. Er hatte etwas in seiner Seele, von dem er sich sagte: Das hat mir nicht das Auge gegeben, das den Baum anschaut, das hat mir nicht das Ohr gegeben, das die Nachtigall singen hört, das hat mir nicht irgendein anderer Sinn gegeben, sondern das ist da in meiner Seele. Das konnte ich in mich nicht aufnehmen, seit ich im Erdendasein bin, das war da, als ich herunterstieg zum Erdendasein, und als mir von einem anderen Menschenleib aus während meiner Embryonalzeit der physische Leib der Erde gegeben worden ist, da war schon dasjenige da in mir, was jetzt in mir in traumhaften Imaginationen aufleuchtet. Das habe ich umkleidet mit einem physischen Menschenleib.
[ 20 ] This was not the case with the people of earlier times. The initiates and priests had to proceed differently, for the people of earlier times possessed a natural recollection of their pre-earthly existence. A few millennia ago, even the most primitive human being did not doubt that there was something within his soul that he had brought down from a supersensible life into the sensible world, for he experienced this every day in dreamlike visions. He had something in his soul of which he said to himself: This was not given to me by the eye that looks at the tree, this was not given to me by the ear that hears the nightingale sing, this was not given to me by any other sense, but it is there in my soul. I could not have taken this into myself since I have been in earthly existence; it was already there when I descended into earthly existence, and when, during my embryonic period, the physical body of the Earth was given to me from another human body, that which now shines forth within me in dreamlike imaginings was already there. I have clothed that in a physical human body.
[ 21 ] Man hätte also in jenen älteren Zeiten dem Menschen nichts gesagt, wodurch er weitergekommen wäre in seiner Entwickelung, wenn man ihn aufmerksam auf dasjenige gemacht hätte, auf das man gerade den modernen Menschen zuallererst aufmerksam machen muß: daß er eine Erinnerung hat — eine unterbewußte Erinnerung zunächst, die aber durch Anregung ins Bewußtsein heraufgerufen werden kann — von einem vorirdischen Dasein. In den älteren Mysterien mußte vielmehr der Mensch auf ein ganz anderes aufmerksam gemacht werden.
[ 21 ] In those earlier times, therefore, nothing would have been said to human beings that would have advanced their development if they had been made aware of precisely what modern human beings must be made aware of first and foremost: that they have a memory—a subconscious memory at first, but one that can be brought into consciousness through stimulation—of a pre-earthly existence. In the ancient mysteries, on the contrary, people had to be made aware of something entirely different.
[ 22 ] In den älteren Zeiten, da hatte der Mensch, man möchte sagen, ein tiefes Weh gerade über das Schönste in der Sinneswelt. Er sah die Blume. Er sah sie in ihrer wunderbaren Schönheit aus dem Erdboden heraussprossen, die Blüte entfalten. Er sah ferner das Wohltätige, das für ihn die Blume hatte. Er nahm wahr die rieselnde Quelle mit all der Schönheit, die sie enthüllen kann, wenn man ihr entgegentritt inmitten eines Baumschattens. Er nahm wahr selbstverständlich durch seine Sinne das Erfrischende einer solchen Quelle. Aber dann, dann sagte er sich: Das alles ist ja wie abgefallen, wie sündhaft abgefallen von derjenigen Welt, die ich in mir trage, die ich hereingebracht habe ins physische Dasein, als ich herunterstieg aus geistigen Welten. Und die Mysterienlehrer hatten die Aufgabe, nun dem Menschen klarzumachen, daß auch in der Blume, daß auch in der rieselnden Quelle, daß auch in dem Rauschen des Waldes, im Nachtigallengesang und überall geistige Wesenheit wirkt und webt, daß auch da überall geistige Wesen zu finden seien. Sie hatten dem Menschen die große Wahrheit beizubringen: Dasjenige, was in dir lebt, lebt auch in der äußeren Natur. Denn der Mensch hat mit Weh, mit Leid gerade damals auf die äußere Welt hingesehen, in der Zeit, da er die frischesten, die empfänglichsten Sinne hatte für diese äußere Welt, in der Zeit, in der am wenigsten der Intellekt ihn über Naturgesetze aufgeklärt hat, sondern in der er mit primitiven Sinnen diese Außenwelt angesehen hat. Ihre Schönheit, ihre sprießende, sprossende Schönheit, sie drang in seine Augen, sie drang in seine Ohren, sie drang in die anderen Sinne; aber er konnte all das nicht anders als mit Weh empfinden. Gerade an der Schönheit empfand er das tiefste Weh, weil er es nicht vereinigen konnte mit dem, was als der Inhalt seines eigenen vorgeburtlichen Daseins in seiner Seele lebte. Und so hatten die Mysterienweisen die Aufgabe, zu zeigen, wie das Göttlich-Geistige in allem, auch in den Sinnesdingen wohnt. Gerade die Geistigkeit der Natur hatten die alten Weisen den Menschen klarzumachen.
[ 22 ] In earlier times, one might say, people felt a deep sorrow precisely because of the most beautiful things in the sensory world. They saw the flower. They saw it sprouting from the earth in its wondrous beauty, unfolding its blossoms. He also perceived the benefit the flower held for him. He perceived the trickling spring with all the beauty it can reveal when one encounters it in the shade of a tree. Naturally, through his senses, he perceived the refreshing quality of such a spring. But then, then he said to himself: All of this is, after all, as if it had fallen away—as if it had sinfully fallen away—from that world which I carry within me, which I brought into physical existence when I descended from the spiritual worlds. And the Mystery teachers had the task of making it clear to human beings that even in the flower, even in the trickling spring, even in the rustling of the forest, in the song of the nightingale, and everywhere, spiritual beings are at work and weaving their fabric—that spiritual beings can be found there as well. They were to teach human beings this great truth: That which lives within you also lives in the outer world of nature. For it was precisely at that time—when human beings looked upon the outer world with sorrow and suffering—that they possessed the freshest, most receptive senses for this outer world; it was at a time when the intellect had least enlightened them about the laws of nature, but rather when they perceived this outer world through their primitive senses. Its beauty—its burgeoning, sprouting beauty—penetrated his eyes, his ears, and his other senses; yet he could not help but experience all of this with sorrow. It was precisely in beauty that he felt the deepest sorrow, because he could not reconcile it with what lived in his soul as the content of his own prenatal existence. And so the initiates of the mysteries had the task of showing how the divine-spiritual dwells in everything, even in sensory things. It was precisely the spirituality of nature that the ancient sages had to make clear to human beings.
[ 23 ] Das aber konnten sie nur, wenn sie einen anderen Weg einschlugen, als man heute einschlägt. Ist es heute notwendig, die Menschen vor allen Dingen darauf hinzuweisen, daß sie sich erinnern ihres vorgeburtlichen Daseins, so war es für diese alten Mysterienlehrer notwendig, eine ganz andere Erinnerung hervorzurufen bei denjenigen Menschen, die sie um sich hatten.
[ 23 ] But they could only do that if they took a different path than the one we take today. While today it is necessary, above all, to remind people to recall their pre-birth existence, it was necessary for these ancient mystery teachers to evoke a completely different kind of memory in the people around them.
[ 24 ] Der Mensch vollbringt während seines irdischen Daseins sein Leben rhythmisch in zwei Zuständen, eigentlich in drei Zuständen: in Wachen, Träumen, Schlafen. Das Schlafen verläuft unbewußt. Einen solchen unbewußten Schlafzustand, obwohl er etwas anders war als der der heutigen Menschen, den hatten auch schon die Menschen älterer Epochen. Sie schliefen auch, verfielen auch in einen Zustand, in dem keine Erlebnisse in die Seele, in das Bewußtsein heraufkamen. Aber der Mensch lebt ja auch vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir sterben ja nicht beim Einschlafen und werden nicht neu geboren beim Aufwachen, sondern wir haben ein Leben auch als Seele, als Geist vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und für das gewöhnliche alltägliche Bewußtsein ist dieses Erleben, dieses eigene Erleben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen vollständig ausgelöscht. Der Mensch erinnert sich an dasjenige, was er wachend oder höchstens noch träumend erlebt; aber er erinnert sich im gewöhnlichen Bewußtsein nicht an das, was er zwischen dem Einschlafen und Aufwachen im traumlosen Schlaf erlebt. Daran erinnert er sich nicht. Die alten Mysterienlehrer behandelten ihre Schüler, und durch die Ideen, die sie in die Welt setzten, die ganze Menschheit, die zu ihnen kam, so, daß nun für diese älteren Zeiten der Menschheit — in bezug auf die Geschichte «ältere Zeiten» wachgerufen wurde dasjenige, was im Schlaf erlebt wurde.
[ 24 ] During their earthly existence, human beings live their lives rhythmically in two states—actually, in three states: waking, dreaming, and sleeping. Sleep occurs unconsciously. People of earlier epochs also experienced such an unconscious state of sleep, although it was somewhat different from that of people today. They, too, slept and fell into a state in which no experiences rose up into the soul or into consciousness. But human beings do, after all, live from the moment they fall asleep until they wake up. After all, we do not die when we fall asleep, nor are we reborn when we wake up; rather, we have a life as a soul, as a spirit, from the moment we fall asleep until we wake up. And for ordinary, everyday consciousness, this experience—this personal experience between falling asleep and waking up—is completely erased. A person remembers what they experience while awake or, at most, while dreaming; but in ordinary consciousness, they do not remember what they experience between falling asleep and waking up during dreamless sleep. They do not remember that. The ancient mystery teachers treated their students—and, through the ideas they brought into the world, all of humanity who came to them—in such a way that, in those earlier times of humanity—in historical terms, “earlier times”—what was experienced in sleep was brought to mind.
[ 25 ] Die neuere Initiations-Erkenntnis hat zu erinnern an dasjenige, was vor dem Erdendasein in der Menschenseele gelebt hat. Die Initiation der alten Zeiten hatte den Menschen in der InitiationsErkenntnis an dasjenige zu erinnern, was er im täglichen Schlafe erlebte. So daß von diesen alten Mysterienlehrern alle Erkenntnisse, die sie in Ideen kleideten, so angeordnet wurden, daß sich dann die Schüler oder diejenigen, die es hörten, sagen konnten: Die sagen uns ja nichts anderes, als was wir in jedem Schlafe durchmachen. Wir drücken es nur hinunter in das Unbewußte, aber wir machen es während jedes Schlafzustandes durch. Es ist ja gar nichts Unbekanntes, was uns da die Mysterienpriester vorsagen, sondern sie sind nur durch ihre Einweihung darauf gekommen, dasjenige zu schauen, was man für das gewöhnliche Bewußtsein während des Schlafes nicht schaut, was man eben durchlebt.
[ 25 ] Modern initiatory knowledge serves to remind us of what lived within the human soul before earthly existence. The initiations of ancient times were meant to remind people, through the knowledge gained in initiation, of what they experienced in their daily sleep. Thus, all the insights that these ancient mystery teachers clothed in ideas were arranged in such a way that the students—or those who heard them—could say: “They are telling us nothing other than what we go through in every sleep.” We simply push it down into the unconscious, but we go through it during every sleep state. What the mystery priests tell us is not at all unknown; rather, through their initiation, they have come to perceive what ordinary consciousness does not perceive during sleep—what we are, in fact, experiencing.
[ 26 ] Ebenso war es das Wachrufen einer Erinnerung an etwas, was der Mensch durchlebt hat im Schlafe, in jener alten Initiationsweisheit, wie es heute das Wachrufen der Erinnerung an das vorirdische Dasein ist. Aber das ist eines der unterscheidenden Merkmale älterer Initiation und neuerer Initiation, daß eben durch die alte Initiation der Mensch erinnert wurde an dasjenige, was er sonst im alltäglichen Bewußtsein verschlief, das heißt woran er sich im Tagesbewußtsein nicht mehr erinnerte. Ins Tagesbewußtsein wurden von den alten Mysterienweisen die Nachterlebnisse heraufgeholt, und die wiesen den Menschen darauf hin: In der Nacht lebst du mit deiner Seele in der geistigen Welt, die in jeder Quelle lebt, in jeder Nachtigall, in jeder Blume lebt. In jeder Nacht gehst du in dasjenige hinein, das du nur anschaust, nur wahrnimmst durch deine Sinne während des Tages.
[ 26 ] Likewise, in that ancient wisdom of initiation, it was the evocation of a memory of something a person had experienced in sleep, just as today it is the evocation of the memory of pre-earthly existence. But this is one of the distinguishing features between older initiation and newer initiation: that through the ancient initiation, a person was reminded of what they would otherwise have slept through in their everyday consciousness—that is, what they no longer remembered in their waking consciousness. The ancient mystery sages brought the night experiences up into waking consciousness, and these experiences pointed out to people: At night, you live with your soul in the spiritual world, which lives in every spring, in every nightingale, in every flower. Every night, you enter into that which you merely gaze upon, merely perceive through your senses during the day.
[ 27 ] Und dann konnte der Mensch überzeugt sein, daß die Götter, die er in seinem wachen Träumen erlebte, auch in der Natur draußen vorhanden sind. So zeigte, indem er ihm den Inhalt des Schlafes zeigte, der alte Mysterienweise seinem Schüler, daß es draußen in der gegenwärtigen Natur göttlich-geistige Wesenheiten gibt, wie der neuere Geistesforscher die Aufgabe hat, dem Menschen zu zeigen, daß er, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist, in der geistigen Welt als geistiges Wesen unter geistigen Wesen lebte und sich hier auf dieser Erde in Begriffen, in Ideen erinnernd wieder erschaffen kann dasjenige, was er im vorirdischen Dasein erlebt hat.
[ 27 ] And then human beings could be convinced that the gods they experienced in their waking dreams also exist in the natural world outside. Thus, by revealing to him the content of his sleep, the ancient mystery sage showed his disciple that there are divine-spiritual beings out there in the natural world as it is today, just as the modern spiritual researcher has the task of showing human beings that, before they descended to Earth, they lived in the spiritual world as spiritual beings among spiritual beings, and that here on Earth, through concepts and through ideas, recreate what they experienced in their pre-earthly existence.
[ 28 ] In der heutigen Initiationswissenschaft lernt man die wirklichen Tatsachen kennen, die den Schlaf von dem Wachen unterscheiden, wenn man aufsteigt von der Imagination zu der Inspiration. Dasjenige, was der Mensch selber ist als Seele, als Geist vom Einschlafen bis zum Aufwachen, das wird ihm erst anschaulich für die wirkliche inspirierte Erkenntnis; wenn der Mensch aufsteigt zur imaginativen Erkenntnis, kommt er zu seinem Lebenstableau. Wenn er dieses Lebenstableau ausbildet im bloßen Wachen, im leeren Bewußtsein, in der kosmischen Stille, wie ich sie beschrieben habe, so tritt zunächst als Inspiration aus dem Kosmos in seine Seele herein das vorirdische Dasein. Dann aber tritt auch in der Inspiration die Wesenheit von ihm selbst auf, wie diese Wesenheit als geistige und seelische zwischen dem Einschlafen und Aufwachen ist.
[ 28 ] In today’s science of initiation, one comes to know the true facts that distinguish sleep from wakefulness as one ascends from imagination to inspiration. What a person truly is—as a soul, as a spirit—from the moment of falling asleep until waking up, becomes vividly clear only through genuine, inspired insight; when a person ascends to imaginative insight, they arrive at the tableau of their life. When one develops this tableau of life in mere wakefulness, in empty consciousness, in the cosmic silence as I have described it, pre-earthly existence first enters the soul as inspiration from the cosmos. But then the essence of the self also appears within this inspiration, as this essence exists—as a spiritual and soul-like entity—between falling asleep and waking up.
[ 29 ] Dasjenige, was im Schlaf unbewußt bleibt, das wird für die Inspiration bewußt. Man lernt hinschauen auf dasjenige, was man tut als Seele und Geist im schlafenden Zustande, und man wird dann gewahr: beim Einschlafen geht eigentlich das Geistig-Seelische aus dem physischen Leibe und aus dem Ätherleib heraus. Man läßt im Bette zurück den physischen Leib und den Äther- oder Bildekräfteleib, wie er in der Imagination erscheint, und wie ich ihn Ihnen beschrieben habe. Und dasjenige, was höhere Glieder der menschlichen Natur sind, was man nennen kann astralischen Leib — ich habe auch das schon angeführt — und die eigentliche Ich-Organisation, die gehen heraus aus dem physischen Leib und dem Ätherleib und gehen beim Aufwachen wiederum in diese beiden Leiber zurück. Jene Spaltung unseres Wesens, die wir durchmachen jedesmal beim rhythmischen Übergang vom Wachen zum Schlafen, die kann erst ihrer Tatsächlichkeit nach durch die Inspiration wirklich geschaut, erkannt werden. Und da nimmt man denn wahr, wie alles dasjenige, was wir uns aneignen im gewöhnlichen wachen Leben durch unser Denken, durch unsere Gedankenwelt, wie das wirklich im Bette zurückbleibt. Unsere Gedanken, die wir uns erarbeiten, unsere Gedanken, für die wir so gequält werden während unserer Schulzeit, all dasjenige, was wir uns als unsere Gescheitheit erworben haben für unsere irdische Intelligenz, das müssen wir bei dem physischen Leib mit dem Ätherleib jedesmal, wenn wir einschlafen, zurücklassen. Wir nehmen aus unserem physischen und unserem Ätherleib in die geistige Welt, in der wir schlafen, als Ich und astralischer Leib nur herüber etwas, was ganz anders ist als dasjenige, was wir erleben während des Wachzustandes. Wenn wir übergehen vom Wachen zum Schlafen, so erleben wir etwas, was wir aber nicht zum Bewußtsein bringen im gewöhnlichen Bewußtsein. Daher muß ich Ihnen, indem ich Ihnen von diesen Erlebnissen spreche, so sprechen, daß die Ideen Begriffe vorstellen, in die ich die Darstellungen dessen zu kleiden haben werde, was der Mensch zwar erlebt, aber nicht weiß für das gewöhnliche Bewußtsein, woran er sich in der im ersten Teil meines heutigen Vortrages angedeuteten Erinnerung aber auch wirklich innerhalb des gesunden Menschenverstandes besinnen kann. Dieses Nachdenken über die Dinge der Welt in den Schattenbildern der wirklich lebendigen Gedanken lassen wir zurück im Einschlafen und leben uns ein in eine Welt, in der wir eigentlich nicht in demselben Sinne denken wie hier in der irdischen Welt, sondern in der wir dasjenige, was ist, erleben, innerlich erleben. Der Mensch erlebt in der Tat während des Schlafens unbewußt das Licht. Über dasjenige, was das Licht tut, wie das Licht im Verhältnis zu den Dingen Schatten, Farben erscheinen läßt, über das denken wir nach, während wir im wachen Leben sind, und wir haben Gedanken über das Licht und die Wirkungen des Lichtes. Diese Gedanken lassen wir, wie gesagt, zurück. Aber in das webende, lebende Licht gehen wir im Schlafe selber hinein. Wir gießen uns aus in das webende, lebende Licht. Und so wie wir hier als Erdenmensch während des Tages, wenn wir unsern physischen Leib an uns tragen, auch mit unserer Seele und unserem Geiste durch die Luft gehen, wie wir über den Erdboden gehen, so treten wir zunächst als Schlafender in das webende, wellende Licht ein und werden selber zu einer Wesenheit, zu einer Substanz von webendem, lebendem Licht. Wir werden Licht im Licht.
[ 29 ] That which remains unconscious during sleep becomes conscious through inspiration. One learns to observe what one does as soul and spirit in the sleeping state, and one then becomes aware: when falling asleep, the spiritual-soul aspect actually leaves the physical body and the etheric body. One leaves behind in bed the physical body and the etheric body—or body of formative forces—as it appears in the imagination and as I have described it to you. And those higher aspects of human nature—what one might call the astral body, as I have already mentioned—and the actual “I”-organization—these leave the physical body and the etheric body and return to these two bodies upon waking. That division of our being that we undergo every time during the rhythmic transition from waking to sleeping can only be truly perceived and recognized in its reality through inspiration. And then one perceives how everything we acquire in ordinary waking life through our thinking, through our world of thoughts, truly remains behind in bed. Our thoughts, which we work out for ourselves; our thoughts, for which we are so tormented during our school years; all that which we have acquired as our cleverness for our earthly intelligence—we must leave all of this behind with our physical body and etheric body every time we fall asleep. From our physical and etheric bodies, we take with us into the spiritual world—where we sleep—as the “I” and the astral body—only something that is entirely different from what we experience during the waking state. When we transition from waking to sleeping, we experience something that we, however, do not bring into consciousness in our ordinary state of consciousness. Therefore, as I speak to you about these experiences, I must do so in a way that presents ideas and concepts into which I must clothe the descriptions of what a person indeed experiences but is unaware of in ordinary consciousness—though, as indicated in the recollection mentioned in the first part of my lecture today, they can actually recall this within the bounds of common sense. We leave behind this reflection on the things of the world in the shadow images of truly living thoughts as we fall asleep, and we immerse ourselves in a world in which we do not actually think in the same sense as we do here in the earthly world, but in which we experience—internally experience—that which is. Indeed, during sleep, a person unconsciously experiences light. We reflect on what light does—how light, in relation to things, brings forth shadows and colors—while we are awake, and we have thoughts about light and the effects of light. As I said, we leave these thoughts behind. But in sleep, we ourselves enter into the weaving, living light. We pour ourselves into the weaving, living light. And just as we here, as earthly human beings during the day—when we carry our physical body with us—walk through the air with our soul and spirit, just as we walk upon the earth, so do we first, as sleepers, enter into the weaving, undulating light and become ourselves a being, a substance of weaving, living light. We become light within light.
[ 30 ] Nur, wenn dann der Mensch inspiriert wird von dem, was er selber in jeder Nacht wird, wenn das also in ihm im wachenden Bewußtsein aufsteigt, dann weiß er zugleich: da lebst du während des Schlafes wie eine Lichtwolke selber in dem kosmischen Lichte. Aber das bedeutet nicht bloß als Lichtsubstanz im Lichte leben, sondern das bedeutet in den Kräften leben, die für das wache Leben Gedanken werden, in Gedanken erfaßt werden.
[ 30 ] Only when a person is inspired by what he himself becomes every night—that is, when this rises within him in his waking consciousness—does he simultaneously realize: during sleep, you yourself live like a cloud of light within the cosmic light. But this does not merely mean living as a substance of light within the light; rather, it means living within the forces that become thoughts in waking life and are grasped in thought.
[ 31 ] Das Licht, das man erlebt, ist überall von schaffenden Kräften durchzogen, von demjenigen durchzogen, was nun in den Pflanzen innerlich wirkt, was in den Tieren innerlich wirkt, was aber auch selbständig als geistige Welten vorhanden ist. Man erlebt nicht etwa das Licht so, wie man es hier in der physischen Welt erlebt, sondern das webende, lebende Licht ist eben — wenn ich mich uneigentlich so ausdrücken darf — der Körper von geistigem Weben und auch von einzelnen geistigen Wesenheiten.
[ 31 ] The light that one experiences is permeated everywhere by creative forces—by that which now works inwardly in plants, that which works inwardly in animals, but which also exists independently as spiritual worlds. One does not experience light in the same way as one does here in the physical world; rather, the weaving, living light is—if I may put it somewhat figuratively—the body of spiritual weaving and also of individual spiritual beings.
[ 32 ] Hier in der physischen Welt steht man als Mensch in seiner Haut eingeschlossen. Man sieht andere Menschen in ihre Haut eingeschlossen. Dort, während des Schlafzustandes, ist man Licht im Lichte, und andere Wesen sind Licht im Lichte. Aber man nimmt das Licht nicht mehr als Licht wahr, so wie man es gewöhnt worden ist hier auf der physischen Welt als Licht wahrzunehmen, sondern — wenn ich mich jetzt in Bildhaftigkeit ausdrücken darf wesenhafte Lichtwolke, die wir selber sind, nimmt wesenhafte Lichtwolke, die objektiv ist, wahr. Aber diese wesenhafte Lichtwolke, die objektiv ist, die ist ein anderer Mensch, oder ist irgendein Wesen, das die Pflanzenwelt belebt, oder ist ein Wesen, das überhaupt niemals in einem physischen Leib sich inkarniert, sondern immerfort in der geistigen Welt ist.
[ 32 ] Here in the physical world, as a human being, one is enclosed within one’s own skin. One sees other people enclosed within their own skin. There, during the state of sleep, one is light within light, and other beings are light within light. But one no longer perceives the light as light, in the way one has become accustomed to perceiving it here in the physical world; rather—if I may now express myself figuratively—an essential cloud of light, which is ourselves, perceives another essential cloud of light that is objective. But this essential cloud of light, which is objective, is another human being, or is some being that animates the plant world, or is a being that never incarnates in a physical body at all, but remains constantly in the spiritual world.
[ 33 ] Das Licht wird also da nicht als irdisches Licht erlebt, sondern als lebendig wesende Geistigkeit. Und Sie wissen ja, man lebt als physischer Mensch hier auf der Erde noch in etwas anderem. Man lebt in der Wärme, die man physisch wahrnimmt. Der Mensch weiß, wenn es ihm warm ist, wenn es ihm kalt ist. Er heizt sich seine Zimmer, wenn es ihm kalt ist. Er weiß also, daß er auf sinnliche Art hier für das gewöhnliche Bewußtsein im Warmen oder Kalten lebt. Aber das, was er im Warmen oder Kalten erlebt, das fühlt er eben. Das ist das Fühlen, das Empfinden von Wärme und Kälte.
[ 33 ] Light is therefore not experienced there as earthly light, but as a living, essential spirituality. And as you know, as a physical human being here on Earth, one still lives in something else. One lives in the warmth that one perceives physically. People know when they are warm and when they are cold. They heat their rooms when they are cold. So they know that, in a sensory way, they live here—for ordinary consciousness—in warmth or cold. But what they experience in the warmth or cold, they simply feel. That is the feeling, the sensation of warmth and cold.
[ 34 ] Geht man jetzt beim Einschlafen aus seinem physischen und seinem Ätherleib heraus, so lebt man, ebenso wie man als Licht im Lichte lebt, selber als Wärmesubstanz in der Wärmesubstanz des Kosmos. Man ist also nicht bloß Lichtwolke sozusagen, sondern man ist von Wärme durchwellte und durchwebte Lichtwolke, und dasjenige, was man wahrnimmt, trägt wiederum in sich die Wärme. Aber so, wie man in dieser Wesenhaftigkeit als Geistig-Seelisches im Schlafzustande nicht das Licht als Licht erlebt, sondern als lebendiges Geistiges, wie man sich selber als lebendiges Geistiges weiß und die anderen Wesenheiten als lebendige geistige Wesenheiten erlebt, wenn es einem bewußt wird durch die Inspiration, so ist auch dieses, was man da mit Bezug auf die Wärme durchmacht. Man kann nicht auskommen in der geistigen Welt, auch für die Inspiration nicht auskommen, wenn man etwa bloß die Vorstellungen mitbringen wollte, die man hier in der irdischen Welt sich erworben hat. Geradeso wie man sich eine andere Vorstellung über den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten aneignen muß, so muß man sich eben für alle Dinge andere Inhalte der Seele aneignen. Und so wie man, indem man sich als Licht im Lichte erlebt, eigentlich als Geist in der Geisterwelt erlebt, so erlebt man sich, indem man sich als Wärme in der kosmischen Wärme erlebt, nicht in Wärme, wie man sie gewohnt ist, in der sinnlichen Welt anzusehen, sondern man erlebt sich in der Welt der webenden, kraftenden Liebe; als die Liebewesenheit, die man selber ist im Übersinnlichen, erlebt man sich unter Wesenheiten, die gar nicht anders sein können, als aus Liebe ihre eigene Essenz zu ziehen, die gar nicht anders sein können, als indem sie ihr Liebesdasein in einem allgemeinen kosmischen Liebesdasein haben. So erlebt man sich zunächst zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen in einem geistgesättigten Liebesdasein.
[ 34 ] When one steps out of one’s physical and etheric bodies upon falling asleep, one lives—just as one lives as light within light—as a substance of warmth within the substance of warmth of the cosmos. One is therefore not merely a cloud of light, so to speak, but a cloud of light permeated and interwoven with warmth, and what one perceives, in turn, carries warmth within itself. But just as, in this state of being as a spiritual-soul entity during sleep, one does not experience light as light but as living spirit—just as one knows oneself to be a living spiritual being and experiences other beings as living spiritual beings when this becomes conscious through inspiration—so, too, is this experience one undergoes in relation to warmth. One cannot get by in the spiritual world—not even for the sake of inspiration—if one were to bring along only the concepts one has acquired here in the earthly world. Just as one must acquire a different conception of the shortest path between two points, so too must one acquire different contents of the soul for all things. And just as, by experiencing oneself as light within the light, one actually experiences oneself as spirit in the spirit world, so too, by experiencing oneself as warmth within the cosmic warmth, one does not experience oneself in warmth as one is accustomed to perceiving it in the sensory world, but rather in the world of weaving, powerful love; as the being of love that one oneself is in the supersensible, one experiences oneself among beings who cannot be anything other than drawing their own essence from love, who cannot be anything other than having their existence of love within a universal cosmic existence of love. Thus, one first experiences oneself, between falling asleep and waking up, in a spirit-saturated existence of love.
[ 35 ] Deshalb müssen wir, wenn wir überhaupt in diese Welten hineinkommen wollen, worinnen wir ja selbst jeden Tag sind zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, die Liebefähigkeit erhöhen, denn sonst bleibt uns diese Welt, die wir durchmachen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, natürlich eine fremde Welt. Hier in dieser Welt waltet ja nicht die vergeistigte Liebe, sondern eigentlich nur der von der Sinnlichkeit durchtränkte Triebzustand der Liebe. Die vergeistigte Liebe waltet aber in der geistigen Welt so, wie ich es eben jetzt geschildert habe. Und will man daher dazu kommen, dann auch drinnenzustehen in der Welt mit Bewußtsein, in der man ja eigentlich mit dem Erleben jede Nacht drinnensteht, so kann man das nur, wenn man zunächst die Liebefähigkeit in der Weise ausbildet, wie ich es gestern charakterisiert habe.
[ 35 ] Therefore, if we want to enter these worlds at all—worlds in which we ourselves find ourselves every day between falling asleep and waking up—we must increase our capacity for love; otherwise, this world we pass through between falling asleep and waking up will, of course, remain a foreign world to us. Here in this world, it is not spiritualized love that reigns, but rather only the instinctual state of love steeped in sensuality. Spiritualized love, however, reigns in the spiritual world just as I have just described. And if one therefore wishes to attain this—to stand within that world with consciousness, a world in which one actually stands every night through one’s experiences—one can do so only by first developing the capacity for love in the manner I described yesterday.
[ 36 ] Nun, man kann ja zu sich selbst gar nicht kommen ohne Liebefähigkeit, denn es muß einem ewig verschlossen werden dasjenige, was man in einem dritten Teil seines Lebens, während des Schlafens, auch auf Erden in Wahrheit ist, wenn man es nicht erforschen könnte durch die Ausbildung, die Erhöhung der Liebefähigkeit. Dasjenige, was der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt, müßte ewig ein dunkles Rätsel für die Erdenwesen bleiben, wenn diese Erdenwesen nicht in der Liebefähigkeit vorrücken möchten, um auf diese Weise ihr eigenes Wesen, wie sie es in dem anderen Zustande zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erleben, auch zur Erkenntnis zu bringen. Die Form aber der Gedankentätigkeit, die wir entwickeln, wenn wir unseren physischen und unseren Äther- oder Bildekräfteleib an uns tragen, also im wachenden Zustand, die lassen wir im Bette zurück; die kommt, während wir schlafen, in eine einheitliche Bewegung mit dem ganzen Kosmos hinein. Würde der Mensch sich wirklich aufklären können über dasjenige, was da nun im physischen und Ätherleib während der Nacht geschieht, so würde er wahrnehmen können von außen, wenn er als wärmendes Lichtwesen lebt, wie der Ätherleib die ganze Nacht fortdenkt.
[ 36 ] Well, one cannot truly find oneself without the capacity for love, for that which one truly is on Earth—during the one-third of one’s life spent sleeping—would remain forever hidden from one if one could not explore it through the cultivation and elevation of the capacity for love. What a person experiences from the moment of falling asleep until waking up would remain an eternal dark mystery to earthly beings if these earthly beings did not wish to advance in their capacity for love, so as to thereby come to know their own being as they experience it in that other state between falling asleep and waking up. But the form of thought activity that we develop when we carry our physical body and our etheric or formative body with us—that is, in the waking state—we leave behind in bed; while we sleep, it enters into a unified movement with the entire cosmos. If a person could truly gain insight into what happens in the physical and etheric bodies during the night, they would be able to perceive from the outside—while living as a warming being of light—how the etheric body continues to think throughout the night.
[ 37 ] Denken können wir, wenn wir mit unserer Seele gar nicht dabei sind, denn dasjenige, was wir im Bette liegen lassen, das treibt die Denkwellen immer weiter und weiter fort. Das denkt fort. Und wenn wir des Morgens aufwachen, dann tauchen wir unter in dasjenige, was im Bette liegen geblieben ist und fortgedacht hat. Wir treffen unsere eigenen Gedanken am Morgen wieder an. Die sind nicht abgestorben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Wir sind nur nicht dabeigewesen. Und ich werde morgen zu schildern haben, wie man, wenn man nicht dabei ist, viel gescheiter sein kann, viel intelligenter, als man ist, wenn man während des Tagwachens mit seiner Seele bei den Gedanken ist. Dasjenige, was da während der Nacht gedacht wird, wenn man nicht dabei ist, ist oftmals viel gescheiter im Menschen als dasjenige, was er denkt vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wenn er dabei ist mit seiner Seele.
[ 37 ] We can think even when our soul isn’t fully present, because what we leave behind in bed keeps driving our thoughts farther and farther away. It continues to think on its own. And when we wake up in the morning, we dive back into what was left behind in bed and has continued to think on its own. We encounter our own thoughts again in the morning. They haven’t died out between falling asleep and waking up. We just weren’t present. And tomorrow I will describe how, when you are not present, you can be much wiser, much more intelligent than you are when you are present with your soul in your thoughts while awake during the day. What is thought during the night, when you are not present, is often much wiser within a person than what they think from waking until falling asleep, when they are present with their soul.
[ 38 ] Aber jedenfalls, heute wollte ich andeuten, daß da in dem Ätherleib und physischen Leib fortgedacht wird und daß, wenn wir des Morgens aufwachen und einen Traum verspüren, dieser Traum gewissermaßen andeutet: Deine Seele staut sich, wenn sie aufwacht und untertaucht in den Ätherleib und physischen Leib. Da ist der physische Leib; da der Ätherleib, der Bildekräfteleib; und da ist die astralische Organisation und die Ich-Organisation, das taucht am Morgen unter in den physischen Leib und Ätherleib. Aber beim Untertauchen geschieht etwas, wie wenn eine dichtere Welle, eine dichtere Woge in das Dünnere hineintaucht; es entsteht eine Stauung. Und diese Stauung, die da entsteht, wird erlebt als Morgentraum. Das Ich und der astralische Leib, die in der Nacht im Lichte und in der Wärme gewoben haben, die tauchen in die Gedanken hinein, verstehen die Gedanken nicht gleich, bringen sie durcheinander, und diese Stauung wird erlebt als der Morgentraum.
[ 38 ] But in any case, today I wanted to suggest that thought continues within the etheric body and the physical body, and that when we wake up in the morning and sense a dream, this dream, in a sense, indicates: Your soul is gathering itself as it awakens and submerges into the etheric body and the physical body. There is the physical body; there is the etheric body, the body of formative forces; and there is the astral organization and the “I” organization, which submerge into the physical and etheric bodies in the morning. But as they submerge, something happens, as if a denser wave, a denser surge, were plunging into the more ethereal; a congestion arises. And this congestion that arises is experienced as a morning dream. The “I” and the astral body, which have been weaving in the light and warmth of the night, plunge into the thoughts, do not immediately understand them, confuse them, and this congestion is experienced as the morning dream.
[ 39 ] Nun, was das Träumen weiter ist, wie dieses Träumen eigentlich rätselhaft im ganzen Menschenleben drinnensteht, und wie das Verhältnis des Schlafens und Wachens weiter ist, das wollen wir dann morgen betrachten.
[ 39 ] Well, as for what dreaming is all about, how this phenomenon of dreaming is actually so enigmatic throughout a person’s entire life, and what the relationship between sleep and wakefulness is, we’ll consider those questions tomorrow.
Fragenbeantwortung
Q&A
Es wurden schriftliche Fragen eingereicht, deren Wortlaut sich aber nicht erhalten hat.
Written questions were submitted, but the text of those questions has not been preserved.
[ 40 ] Zu der ersten Frage über das Wesen des Schlafes:
[ 40 ] Regarding the first question about the nature of sleep:
[ 41 ] Meine sehr verehrten Anwesenden!
[ 41 ] Ladies and gentlemen!
[ 42 ] Vielleicht ist es doch angemessen, ein paar Worte über diese Fragen, die hier gestellt worden sind, zu sagen. Zunächst wundert sich ein Fragensteller darüber, wie wenig die Fachmedizin sich kümmert um die Vorgänge während des Schlafzustandes. — Ja, man braucht sich eigentlich darüber nicht zu verwundern, denn die gegenwärtige Naturwissenschaft ist ja zu ihrer Größe gerade nur dadurch gelangt, daß sie absieht von allem Geistigen, daß sie sich beschränkt auf alles dasjenige, was nicht geistig ist; aber man kann den Schlafzustand und alles, was mit ihm zusammenhängt, wirklich nicht studieren, ohne daß man den Gang findet von der physischen Welt in die geistige Welt. Deshalb ist es sehr erklärlich, daß heute in der Fachmedizin höchstens von den Grenzzuständen des Wachens und Schlafens gesprochen wird, aber nicht eigentlich über dasjenige, was von dem Schlafzustand in den Wachzustand hineinragt und umgekehrt. Gerade morgen werde ich innerhalb meines Vortrages über diese Bilder sprechen. Es ist immer besser, wenn diese Fragen im Zusammenhange besprochen werden.
[ 42 ] Perhaps it is appropriate, after all, to say a few words about the questions that have been raised here. First, one questioner expresses surprise at how little conventional medicine pays attention to the processes that occur during sleep. — Yes, this is actually no cause for surprise, for modern science has attained its greatness precisely by disregarding everything spiritual, by limiting itself to everything that is not spiritual; but one cannot truly study the state of sleep and everything connected with it without finding the path from the physical world into the spiritual world. That is why it is quite understandable that today, in specialized medicine, one speaks at most of the borderline states between wakefulness and sleep, but not actually of what extends from the state of sleep into the state of wakefulness and vice versa. Tomorrow, in fact, I will speak about these images as part of my lecture. It is always better when these questions are discussed in context.
[ 43 ] Nun wird ja davon gesprochen, daß es Menschen gibt, die sich an gar nichts erinnern, was sie während des Schlafzustandes erlebt haben, daß es aber Menschen gibt, die sich an alles mögliche erinnern. Ja, da möchte ich wenigstens vorher die Frage stellen: Woher weiß man denn, ob dasjenige, was ein Mensch erzählt, wenn er wach geworden ist von seinem Schlafen, ob das, woran er sich erinnert, wirklich alles ist, was er erlebt hat im Schlaf? Woher weiß man denn, wann die Dinge stimmen, die er angibt? Natürlich, wenn die Dinge äußerlich prüfbar sein sollen, dann muß man den Grad seines Schlafes prüfen. Es kann durchaus sein, daß in den Schlaf zunächst manches vom Wachen hineintönt. Aber diese Dinge können nicht in einer leichten Weise genommen werden, sondern müssen exakt geprüft werden; so daß nicht von vornherein die allgemeine Ansicht eine Bedeutung haben kann, daß manche Menschen alles mögliche von ihrem Schlafe erzählen. Da ist alles sorgfältig zu prüfen, und ich werde selber noch einiges in den Vorträgen zu erzählen haben über dasjenige, was Menschen im Schlafe erleben. Und so werden Sie sehen, daß das, was mit der hier vorliegenden Frage wahrscheinlich gemeint ist, außerordentlich wenig von dem umfaßt, was der Mensch wirklich jede Nacht zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erlebt, wenn er übergeht in eine ganz andere Welt und wenn er auch auf eine ganz andere Art erlebt. Das ist dasjenige, was berücksichtigt werden muß. Deshalb ist es schon gut, wenn man gerade bei dieser Frage vielleicht die nächsten Vorträge abwartet; da wird sich schon von selbst einiges modifizieren. Es ist also nicht so, daß ich nicht eingehen möchte auf diese Fragen, das ist gar nicht der Fall, sondern manche Dinge können erst in den Vorträgen beantwortet werden, und dann beantworten sie sich vollständiger und sachgemäßer, als man sie so außerhalb der Zeit beantworten kann. Also nicht Unfreundlichkeit ist es, wenn etwas aufgeschoben wird, sondern es ist wirklich ganz sachgemäß.
[ 43 ] Now, people say that there are people who don’t remember anything they experienced while asleep, but that there are also people who remember all sorts of things. Yes, but I would at least like to ask this question first: How do we know whether what a person recounts after waking from sleep—whether what they remember—is really everything they experienced while asleep? How do we know when the things they describe are accurate? Of course, if these things are to be verifiable from the outside, then we must examine the stage of their sleep. It may well be that at first, some elements from the waking state seep into sleep. But these things cannot be taken lightly; rather, they must be examined precisely—so that the common view, held from the outset, that some people recount all sorts of things about their sleep, cannot be taken at face value. Everything must be carefully examined, and I myself will have more to say in the lectures about what people experience in their sleep. And so you will see that what is likely meant by the question at hand encompasses extremely little of what a person actually experiences every night between falling asleep and waking up, when they pass into a completely different world and experience things in a completely different way. That is what must be taken into account. Therefore, it is a good idea to perhaps wait for the next lectures regarding this very question; as some things will naturally become clearer then. So it is not that I do not wish to address these questions—that is not the case at all—but rather that certain matters can only be answered in the lectures, and when addressed there, they are answered more completely and appropriately than they can be outside of that context. So it is not a matter of unfriendliness when something is postponed; rather, it is truly the most appropriate course of action.
[ 44 ] Zu der Frage über die Wirkung von Alkohol und ähnlichen Substanzen:
[ 44 ] Regarding the effects of alcohol and similar substances:
[ 45 ] Nun will ich noch einen Augenblick auf etwas zurückkommen, was gewünscht wird: Physische Substanzen haben ja gewisse geistige Kräfte in sich. Daß etwas physische Substanz ist, das ist eigentlich nur der äußere Schein; physische Substanzen haben schon geistige Kräfte in sich. Nun sehen Sie, ich habe heute morgen gesagt: Im gewöhnlichen Schlaf sind Ich und astralischer Leib abgesondert vom ätherischen Leib und vom physischen Leib, die im Bette liegen, und ich habe gesagt, der Mensch denkt manchmal gescheiter, wenn er nicht dabei ist mit seinem Seelenleben, als wenn er dabei ist.
[ 45 ] Now I would like to return for a moment to something that has been requested: Physical substances do, in fact, possess certain spiritual powers. The fact that something is a physical substance is really only an outward appearance; physical substances already possess spiritual powers within them. Now, as you recall, I said this morning: During ordinary sleep, the I and the astral body are separated from the etheric body and the physical body, which lie in bed, and I said that a person sometimes thinks more clearly when their soul life is not present than when it is.
[ 46 ] Nun haben manche physische Substanzen die Eigentümlichkeit, daß sie, ohne den Menschen in Schlaf zu bringen, das Ich und den astralischen Leib lockern. Diese Wirkung hat unter Umständen schon der gewöhnliche Alkohol. Wenn dann eine etwas irreguläre Verbindung zwischen dem ätherischen Leib und dem Sprachorgan oder dem Denkorgan doch noch vorhanden ist, dann kann der Mensch unter Umständen so sprechen oder schreiben, daß er mit seinem Ich oder astralischen Leib herausgelockert ist, und es schreibt dann dasjenige, was im ätherischen Leibe fortschwingt, und das kann durchaus etwas viel Bedeutenderes sein als das, was der Mensch spricht oder schreibt, wenn er mit Ich und astralischem Leib dabei ist. Man darf natürlich diese Dinge nicht bis zu praktischen Maßregeln treiben; man darf selbstverständlich nicht behaupten, daß jemand dadurch ein guter Dichter werden kann, wenn er in dieser oder jener Weise sich dem Opiumgenuß hingibt, aber auf der andern Seite sind diese Dinge durchaus der Realität entsprechend. Man kommt dabei in eigentlich recht gefährliche Kapitel des menschlichen Lebens hinein. Und für sehr viele Erscheinungen in der Welt hat man notwendig, wirklich notwendig, diese Zusammenhänge zu kennen. Man versteht manchen Menschen in seinen Leistungen gar nicht, wenn man nicht weiß, unter welchem Einflusse substantieller Art — rein äußerlich materiell — er etwas gestaltet hat. Es ist möglich zum Beispiel bei Nietzsche, ebenso wie bei Coleridge, in einigen ihrer Werke wenigstens, jede einzelne Art und Weise des Ausdrucks als das Fortschwingen des Ätherleibes in selbständiger Weise wirklich zu interpretieren.
[ 46 ] Now, some physical substances have the peculiarity that, without putting a person to sleep, they loosen the “I” and the astral body. Under certain circumstances, even ordinary alcohol can have this effect. If, under certain circumstances, a somewhat irregular connection between the etheric body and the organ of speech or the organ of thought still exists, then the person may, under certain circumstances, speak or write in such a way that they are detached from their ego or astral body, and what is written then reflects what continues to resonate within the etheric body—and this can certainly be something far more significant than what a person speaks or writes when their ego and astral body are fully engaged. Of course, one must not take these things to the point of practical measures; one must certainly not claim that someone can thereby become a good poet by indulging in opium in this or that way, but on the other hand, these things do indeed correspond to reality. In doing so, one enters into what are actually quite dangerous aspects of human life. And for very many phenomena in the world, it is necessary—truly necessary—to understand these connections. One cannot understand some people’s achievements at all unless one knows under what kind of substantial influence—purely external and material—they created something. It is possible, for example, in the case of Nietzsche, as well as Coleridge—at least in some of their works—to truly interpret every single mode of expression as the independent resonance of the etheric body.
[ 47 ] Also wir müssen schon uns zugestehen: dieser Ätherleib in uns, der ist eine sehr, sehr gescheite Wesenheit. Und er ist eigentlich gehindert durch dasjenige, was wir im astralischen Leib und im Ich können im Wachzustande, seine Gescheitheiten immer zum Ausdrucke zu bringen. Man kann sich eigentlich gar nicht vorstellen, was für eine Summe von Gescheitheit vorhanden ist, wenn eine Anzahl von Menschen irgendwo versammelt sind! Nur sind immer die Ichs und die astralischen Leiber die Hinderer, diese Gescheitheit zur Oberfläche kommen zu lassen. Das ist ja dasjenige, was ich immer ausgedrückt habe auch in meinen Vorträgen: das Ich ist eigentlich das Baby im Menschen, es ist am allerunentwickeltsten.
[ 47 ] Well, we really have to admit: this etheric body within us is a very, very intelligent entity. And it is actually prevented—by what we are capable of doing in the astral body and through the “I” while awake—from always expressing its intelligence. It’s actually impossible to imagine just how much intelligence is present when a group of people gathers somewhere! But it is always the egos and the astral bodies that stand in the way of allowing this intelligence to come to the surface. That is precisely what I have always emphasized in my lectures: the ego is actually the baby within the human being; it is the least developed of all.
[ 48 ] Zu der Frage in Bezug auf Geruchwahrnehmungen:
[ 48 ] Regarding the question about olfactory perceptions:
[ 49 ] Bezüglich der einzelnen Sinneswahrnehmungen, die man gewohnt ist in der physischen Welt zu haben, ist ja dieses zu sagen, daß in der Art, wie diese Sinneswahrnehmungen in der physischen Welt vorhanden sind, sie nicht etwa unmittelbar in der geistigen Welt gesucht werden dürfen. Gerade aus diesem Grunde habe ich mich, als ich über Farben gesprochen habe, sehr präzise auszudrücken versucht. Ich habe gesagt, daß das Erlebnis in der geistigen Welt darin besteht, daß man dasselbe erfährt bei einem geistigen Eindruck wie man das erfährt bei einer bestimmten Farbenwahrnehmung. Und ich sagte: Man hat, wenn man in der physischen Welt das Rot wahrnimmt, ein bestimmtes inneres Erlebnis, das Gefühl, daß einem irgend etwas Attackierendes entgegenkommt, während man zum Beispiel bei dem Blauen die Empfindung hat, daß man sich selber demütig hingeben müsse dem, was in der Farbe sich offenbart. Wenn man sich diese Erlebnisse klar macht, alles Attakkierende des Roten, das Demuterzeugende der blauen oder blauvioletten Farbe, dann kann man bei Wahrnehmungen in der geistigen Welt, wenn man dasselbe innere Erlebnis hat wie an dem Rot oder an dem Blau in der physischen Welt, davon sprechen, daß man in der geistigen Welt das dem Rot oder Blau Korrespondierende hat. In dem Augenblicke — und zwar gerade dann, wenn man zu der imaginativen Erkenntnis übergeht — verwächst man mit dem Gegenstand, und das ganze Erleben ist ein anderes als in der physischen Welt, so daß man gerade Farbwahrnehmungen der geistigen Welt gegenüber eben dieses Drinnenstehen in der Farbe hat; dadurch gewinnt das ganze Erlebnis einen anderen Charakter. Aber es ist trotzdem vollberechtigt, von Farbwahrnehmungen in der geistigen Welt zu sprechen, — vollberechtigt, daß man beim Auftreten von geistigen Wesenheiten oder Entitäten wirklich ein Rotes, ein Blaues, ein Grünes und so weiter erlebt. Das ist aus dem Grunde berechtigt, weil auch dann, wenn die Farben in der physischen Welt erscheinen, die Farben durchaus nicht dasjenige sind, als was sie heute zum Beispiel in der Physik angeschaut werden, sondern die Farben sind immer, wo sie erscheinen, physische Projektionen, Abschattierungen aus der geistigen, aus der astralischen Welt heraus. So daß, wenn man irgendwo — sagen wir das Rot hat —, so hat man die im Physischen gegebene Abschattung, den physischen Schatten von einem Vorgang in der geistigen, in der astralischen Welt, der, wenn man ihn unmittelbar erlebt, eben einen attackierenden Eindruck auf das eigene Selbst macht.
[ 49 ] With regard to the individual sensory perceptions that we are accustomed to experiencing in the physical world, it must be said that these perceptions, as they exist in the physical world, should not be sought directly in the spiritual world. It is precisely for this reason that I tried to express myself very precisely when I spoke about colors. I said that the experience in the spiritual world consists in experiencing the same thing with a spiritual impression as one experiences with a particular perception of color. And I said: When one perceives red in the physical world, one has a certain inner experience—the feeling that something aggressive is coming toward one—whereas, for example, with blue, one has the sensation that one must humbly surrender oneself to what is revealed in the color. If one becomes clear about these experiences—the aggressive quality of red, the humility-inducing quality of blue or blue-violet—then, when perceiving in the spiritual world and having the same inner experience as with red or blue in the physical world, one can say that in the spiritual world one has the counterpart to red or blue. At that very moment—and specifically when one transitions to imaginative perception—one merges with the object, and the entire experience is different from that in the physical world, so that when encountering color perceptions in the spiritual world, one actually stands within the color itself; as a result, the entire experience takes on a different character. Nevertheless, it is entirely justified to speak of color perceptions in the spiritual world—it is entirely justified to say that when spiritual beings or entities appear, one truly experiences a red, a blue, a green, and so on. This is justified for the reason that even when colors appear in the physical world, they are by no means what they are regarded as today—for example, in physics—but rather, wherever they appear, colors are always physical projections, shadows emanating from the spiritual, from the astral world. So that when one sees—let’s say—red somewhere, one is perceiving the physical shadow cast by a process in the spiritual, in the astral world, which, when experienced directly, makes a striking impression on one’s own self.
[ 50 ] Man kann nun das folgende sagen: Wird das Denken so innerlich lebendig, wie ich es in diesen Tagen dargestellt habe, dann gleicht es auf geistige Art einer Tastempfindung. So daß eigentlich das Wahrnehmen in der ätherischen Welt beginnt mit einer Art von geistiger Tastwahrnehmung. Und dann dringt man allmählich immer weiter, man differenziert diese Tastwahrnehmungen und kommt dazu, eben von Farben, auch von Tönen und so weiter sprechen zu können.
[ 50 ] One can now say the following: If thinking becomes as inwardly alive as I have described in recent days, then it resembles, in a spiritual sense, a tactile sensation. So, in fact, perception in the etheric world begins with a kind of spiritual tactile perception. And then one gradually penetrates ever deeper, differentiating these tactile perceptions and coming to be able to speak of colors, as well as tones, and so on.
[ 51 ] Nun ist gefragt über die Geruchswahrnehmungen. Da muß gesagt werden, daß die Geruchswahrnehmungen hier in der physischen Welt die verhältnismäßig am meisten vom Geistigen beeinflußten sind, so sonderbar das erscheint. Die Geruchswahrnehmung, wenn sie unmittelbar in der physischen Welt auftritt, ist eigentlich immer dadurch hervorgerufen, daß möglichst nahe an das Materielle ein Geistig-Astralisches herankommt. Und man kann daher sagen: Düfte sind die physischen Offenbarungen des Geistigen. Daher wird man finden, daß man für alle übrigen Sinnesempfindungen Korrespondierendes in der geistigen Welt findet, und man kann sprechen von einer geistigen Tastwahrnehmung, von einer geistigen Sehwahrnehmung, einer geistigen Tonwahrnehmung und so weiter, aber man kann sehr schwer sprechen von einer geistigen Geruchswahrnehmung, weil die Geruchswahrnehmung eigentlich sich ganz schon auslebt in der physischen Welt. Wenn der Geist — wenn ich mich so bildlich ausdrücken darf — am tiefsten heruntersteigt zu der physischen Welt, dann entsteht die Geruchswahrnehmung.
[ 51 ] Now the question arises regarding the sense of smell. It must be said that, strange as it may seem, the sense of smell here in the physical world is the one most strongly influenced by the spiritual realm. The sense of smell, when it occurs directly in the physical world, is actually always caused by a spiritual-astral entity coming as close as possible to the material world. And so one can say: Fragrances are the physical manifestations of the spiritual. Consequently, one will find that for all other sensory perceptions there are corresponding phenomena in the spiritual world, and one can speak of a spiritual sense of touch, a spiritual sense of sight, a spiritual sense of sound, and so on; but it is very difficult to speak of a spiritual sense of smell, because the sense of smell actually finds its full expression in the physical world. When the spirit—if I may put it figuratively—descends deepest into the physical world, then the sense of smell arises.
[ 52 ] Etwas weniger tief herunter steigt der Geist bei der Geschmackswahrnehmung. Daher ist Geschmackswahrnehmung schon eine solche, daß man bei ihr von einem geistigen Korrelat sprechen kann. Man kann von etwas Korrelierendem der Geschmackswahrnehmung sprechen, eben weniger bei der Geruchswahrnehmung. Sehen Sie, man könnte jetzt das Kapitel fortsetzen, das ich gestern über die Sprache auszuführen begonnen habe, aber ich will nur eines herausheben: In der Sprache, wenn sie erlebt wird, in jeder Sprache lebt eigentlich ein wirkliches Geistiges, und man spricht nicht nur im bildlichen Sinne — oder man sollte wenigstens nicht nur im bildlichen Sinne von dem Genius der Sprache sprechen. Er ist wirklich ein Geistiges da! Und in der Sprache liegt mehr, als der einzelne Mensch oftmals versteht. Die Art und Weise, wie sich in der Sprache Laute, also Töne, Buchstaben und Worte, Silben verbinden, das hat eine eigene Geistigkeit, ist für sich beseelt, und wir wachsen hinein in diese Geistigkeit, in diese Beseelung. Und so finden sich in der Sprache wirklich Ausdrücke, Termini, welche eigentlich auf tiefere innere Zusammenhänge hindeuten. Und deshalb spricht man im Ästhetischen nicht umsonst vom Geschmack. Da sehen Sie schon, ich möchte sagen, für das gewöhnliche Bewußtsein die Geschmacksempfindung herüber ins Beseelte übersetzt. Aber man kann nicht in derselben Weise von einer Beseelung der Geruchsempfindung sprechen; die ist eigentlich mehr oder weniger in der physischen Welt fertig.
[ 52 ] The spirit descends somewhat less deeply in the perception of taste. Therefore, the perception of taste is of such a nature that one can speak of a spiritual correlate in connection with it. One can speak of something that correlates with the perception of taste, though this is less true of the perception of smell. You see, I could now continue the chapter I began yesterday on language, but I want to highlight just one thing: In language, when it is experienced—in every language—there actually lives a truly spiritual element, and one does not speak of the “genius of language” merely in a figurative sense—or at least one should not speak of it merely in a figurative sense. It is truly a spiritual presence there! And there is more to language than the individual human being often understands. The way in which sounds—that is, tones, letters, and words—and syllables combine in language has a spirituality of its own; it is animated in and of itself, and we grow into this spirituality, into this animation. And so we find in language expressions and terms that actually point to deeper inner connections. And that is why, in aesthetics, we speak of “taste”—and not without reason. There you see, I would say, the sense of taste being translated, for ordinary consciousness, into the realm of the animated. But one cannot speak in the same way of an animation of the sense of smell; that is, in fact, more or less confined to the physical world.
[ 53 ] Höchstens unser ausgezeichneter, ernster und humoristischer deutscher Dichter Christian Morgenstern, der im Jahre 1914 gestorben ist, vorher längere Zeit unser Mitglied in der Anthroposophischen Gesellschaft war, der hat in einer humoristisch-phantastischen Weise den Geruch verwendet, um ihn heraufzuziehen in die geistige Welt. Und wie er manches andere, was nicht der Wirklichkeit entspricht, aber deshalb nicht minder sehr humoristisch, sehr spaßhaft ist, wie er manches andere in dieser Weise in seinen humoristischen Gedichten zum Ausdruck gebracht hat, so hat er auch ein humoristisches Gedicht verfaßt über eine Orgel, die man nicht hört, die nicht also durch Töne sich kundgibt, in Harmonien und so weiter sich ausspricht, sondern die durch verschiedene Löcher verschiedene Düfte, die in der verschiedensten Art duften, aus sich herausströmen läßt; wenn man dann die verschiedenen Tasten anschlägt, laufen immer aus den Löchern gewisse Düfte heraus, die dann einen Zusammenhang geben: Düfte-Harmonien, Düfte-Melodien und so weiter. Das ist die berühmte «Geruchsorgel» von Christian Morgenstern, von der er in humoristischer Weise spricht in diesem Gedichte.
[ 53 ] At most, our outstanding, serious, and humorous German poet Christian Morgenstern—who died in 1914 and had previously been a member of the Anthroposophical Society for a long time—used scent in a humorous and fantastical way to elevate it into the spiritual world. And just as he has expressed many other things in his humorous poems—things that do not correspond to reality but are nonetheless very humorous and entertaining— he also composed a humorous poem about an organ that cannot be heard—one that does not make itself known through sounds, nor express itself in harmonies and so on—but rather allows various scents, each with its own distinct aroma, to flow out through different holes; when one strikes the various keys, certain scents always emerge from the holes, creating a connection: fragrance harmonies, fragrance melodies, and so on. This is Christian Morgenstern’s famous “Olfactory Organ,” which he describes in a humorous way in this poem.
[ 54 ] Aber diese Sache ist eben durchaus spaßhaft, und man muß sagen, daß der Geruch für die physische Welt eigentlich etwas Abgeschlossenes ist. Der Geist ist da am weitesten heruntergestiegen, gibt sich in der physischen Welt kund, und das Geruchsmäßige, das Duftende, ist nicht in derselben Weise heraufzuheben, wie zum Beispiel schon der Geschmack, wie aber insbesondere dasjenige, was in den höheren Sinnen erscheint. Man tut daher ganz recht, und es entspricht das durchaus auch einer Wirklichkeit, daß man in der Literatur die bösen Geister, die so sehr gern in die physische Welt hereinkommen und da den Menschen alles mögliche antun, daß man diese duften läßt. Sie finden ja überall in der Literatur die betreffenden Andeutungen darüber, daß die bösen Geister gerade in bezug auf den Geruchsinn etwas aufdringlich sind. Das entspricht durchaus in dem Sinne der Wahrheit, daß der Geruch eigentlich in der physischen Welt etwas Abgeschlossenes ist. Etwas ist es schon der Fall, daß auch in den höheren Welten davon gesprochen werden kann, aber nicht sehr weit hinauf. Allein, wie gesagt, der Geruch ist etwas, das nur dadurch da ist, daß das Geistige bis ins Materielle hinuntersteigt, zerstäubt in kleinste Teile, so daß die Materie schon am meisten geistig ist im Dufte. Und deshalb hat man auch gerade in früherer Zeit, als man das noch mehr empfand, das Duften als eine geistige Äußerung empfunden. Das ist dasjenige, was man zunächst mit ein paar Worten über dieses Thema sagen kann.
[ 54 ] But this matter is, in fact, quite amusing, and it must be said that smell is actually something distinct from the physical world. The spirit has descended as far as it can go there, manifests itself in the physical world, and the olfactory—that which is fragrant—cannot be elevated in the same way as, for example, taste, or, in particular, that which appears in the higher senses. It is therefore quite right—and this certainly corresponds to reality—that in literature, the evil spirits who are so eager to enter the physical world and do all sorts of things to people there are depicted as having a scent. You will indeed find references to this throughout literature, suggesting that evil spirits are particularly intrusive when it comes to the sense of smell. This is entirely in keeping with the truth in the sense that smell is actually something confined to the physical world. It is true that one can speak of it even in the higher worlds, but not very far up. However, as I said, scent is something that exists only because the spiritual descends into the material, atomizing into the tiniest particles, so that matter is at its most spiritual in scent. And that is why, especially in earlier times when people were more attuned to this, fragrance was perceived as a spiritual expression. That is what can be said, for the time being, in a few words on this subject.
[ 55 ] Zur Frage betreffend «Weisersein im Schlafe»:
[ 55 ] On the question of “being wise in one’s sleep”:
[ 56 ] Ich möchte nicht über die hier angeführte Heilmethode sprechen, weil das auf ein Thema führt, über das ich nicht gern spreche. Solche Beurteilung von Zeitgenossen auf diesem oder jenem Gebiete, das liegt eigentlich nicht in meiner Gewohnheit, sondern ich möchte dasjenige mit ein paar Worten andeuten, was vielleicht ganz abgesehen von dieser speziellen Heilmethode — an der Frage interessieren kann.
[ 56 ] I do not wish to discuss the healing method mentioned here, because that leads to a topic I do not like to talk about. It is not my habit to pass judgment on contemporaries in this or that field, but I would like to briefly touch on what might be of interest—quite apart from this specific healing method—regarding this question.
[ 57 ] Wenn wir den ätherischen Körper des Menschen nehmen, so ist dieser eigentlich der Träger der Gedanken. Zwar ist der ätherische Körper überhaupt der Träger der unmittelbar gegenwärtigen Gedanken, auch der Veranlasser, daß Gedanken in Erinnerungen übergehen und aus den Erinnerungen wiederum herausgeholt werden können; notwendig ist für den irdischen Menschen nur, daß dieser ätherische Körper in dem physischen Körper gewissermaßen drinnensteckt. Das ist aus dem Grunde notwendig, weil der Mensch als Erdenwesen gewissermaßen einen Widerstand braucht für dasjenige, was sich im ätherischen Körper abspielt. Gerade so, wie wir als Erdenmenschen in der Luft nicht gehen können, sondern einen Boden brauchen, auf dem wir gehen, der Boden aber gar nichts dazu tut, daß wir gehen, er gibt uns nur die Widerlage —, gerade so ist es mit dem, was im ätherischen Körper des Menschen vor sich geht. Das ganze Gedankenspiel, der ganze Gedankenablauf geht im ätherischen Körper vor sich; der Gedanke würde aber nicht lebendig im wachenden Menschen, wenn nicht eine Widerlage da wäre, wenn nicht jede Bewegung des lebendigen Denkens sich stoßen würde am physischen Körper. Der tut gar nichts, aber er gibt einen Widerstand. Dadurch werden dem Menschen im Wachbewußtsein die Gedanken, die sich im ätherischen Leib abspielen, bewußt.
[ 57 ] If we consider the human etheric body, it is actually the vehicle of thoughts. Indeed, the etheric body is the vehicle of immediately present thoughts, and it is also what causes thoughts to be transformed into memories and to be retrieved from those memories; it is necessary for the earthly human being only that this etheric body be, so to speak, contained within the physical body. This is necessary because the human being, as an earthly being, needs, so to speak, a counterforce for what takes place in the etheric body. Just as we, as earthly human beings, cannot walk in the air but need ground on which to walk—though the ground does nothing to enable our walking; it merely provides the counterforce—so it is with what takes place in the human etheric body. The entire interplay of thoughts, the entire flow of thought, takes place in the etheric body; but thought would not come alive in the waking human being if there were no resistance, if every movement of living thought did not encounter resistance from the physical body. The physical body does nothing at all, but it provides resistance. Through this, the human being in waking consciousness becomes aware of the thoughts taking place in the etheric body.
[ 58 ] Nun ist es wirklich so, daß, wenn der Mensch schläft, also im Bette liegen der physische und der Ätherleib und der Mensch abgeschlossen ist in seinem astralischen Leib und Ich vom physischen und ätherischen Körper, dann denkt der ätherische Körper weiter. Nun ist in der Tat der ätherische Körper in bezug auf sein Denken, also auf die Vorgänge, die sich in ihm abspielen, auf Rhythmus und Wiederholung angewiesen, und er bewahrt am besten dasjenige, was ihm durch Rhythmus und Wiederholung gegeben wird. Daher ist es im Grunde genommen ganz falsch, wenn wir orientalische Schriften, die viele Wiederholungen enthalten, nach unseren abendländischen Gewohnheiten so auslegen, daß wir die Wiederholungen weglassen und nur einmal den Inhalt geben. Für die Autoren dieser orientalischen Schriften kam es nicht bloß auf den Inhalt an, den der abendländische Schriftsteller für die Hauptsache ansieht, denn der Westländer ist europäischer Mensch, und wenn er etwas einmal gedacht hat, so hat er es gedacht und will es nicht wieder denken; höchstens betet er jeden Tag dasselbe Vaterunser, aber im ganzen ist er in bezug auf den Inhalt «europäischer» Mensch, er erlebt seine Tätigkeit nicht durch Rhythmisieren; dadurch sündigt der westländische Mensch jeden Tag gegen das, was eigentlich der ätherische Körper von ihm fordert. Der ätherische Körper will wiederholen, und in jenen Zeiten des alten Morgenlandes, wo man gut diese Gewohnheiten gekannt hat, hat man daher mit voller Bewußtheit immer diese Wiederholungen gepflegt, weil man wußte, was man tat. Ich weiß nicht, ob auch in England diese Sünde gemacht wird; aber wir haben im Deutschen Übersetzungen, die eigentlich in der unglaublichsten Weise die Sachen wiedergeben. Wenn die Buddha-Reden viele Wiederholungen haben, dann übersetzt der deutsche Übersetzer nur einmal. Aber darauf kommt es gar nicht an — auf den bloßen Inhalt der Buddha-Reden —, sondern es kommt darauf an, daß man diese Buddha-Reden in sich aufnimmt und tatsächlich jede Wiederholung ablaufen läßt — immer wieder und wiederum jede Wiederholung ablaufen läßt. Und wenn es noch so viele Wiederholungen sind, so ist auch die Zahl dieser Wiederholungen von Bedeutsamkeit. Diese Geheimnisse kannte man in jenen Zeiten. Und diejenigen, die Buddha-Reden in Prosa so übersetzen, zeigen damit schon an, daß sie von der ganzen morgenländischen Zivilisation und dem ganzen morgenländischen Geistesleben nicht das geringste verstehen.
[ 58 ] Now it is indeed the case that when a person sleeps—that is, when the physical and etheric bodies are lying in bed and the person is enclosed within their astral body, with the “I” separated from the physical and etheric bodies—the etheric body continues to think. In fact, the etheric body, with regard to its thinking—that is, to the processes taking place within it—relies on rhythm and repetition, and it retains best that which is given to it through rhythm and repetition. Therefore, it is fundamentally quite wrong for us to interpret Eastern writings—which contain many repetitions—according to our Western habits, omitting the repetitions and presenting the content only once. For the authors of these Eastern writings, it was not merely the content that mattered—which the Western writer regards as the main point—for the Westerner is a European person, and once he has thought something, he has thought it and does not wish to think it again; at most, he prays the same Lord’s Prayer every day, but on the whole, in terms of content, he is a “European” person; he does not experience his activity through rhythm; as a result, the Westerner sins every day against what the etheric body actually demands of him. The etheric body craves repetition, and in those times of the ancient East, when these habits were well understood, people therefore consciously cultivated these repetitions, because they knew what they were doing. I do not know whether this sin is also committed in England; but we have German translations that actually render the texts in the most unbelievable way. When the Buddha’s discourses contain many repetitions, the German translator renders them only once. But that is not what matters at all—the mere content of the Buddha’s discourses—rather, what matters is that one takes these discourses into oneself and actually allows each repetition to unfold—over and over again, letting each repetition unfold. And no matter how many repetitions there are, the very number of these repetitions is significant. These mysteries were known in those times. And those who translate the Buddha’s discourses into prose in this way are thereby already indicating that they do not understand the slightest thing about the entire Eastern civilization and the entire Eastern spiritual life.
[ 59 ] Nun ist der ätherische Körper zugleich dasjenige, was eigentlich das heilende Prinzip im Menschen ist. Und wenn wir Arzneien bereiten, dann legen wir, wenn wir die Sache mit Verstand machen, es geradezu darauf an. Heute macht ja die Medizin all das, wie sie sagt, empirisch; da probiert man, wie dies oder jenes wirkt: Wenn etwa bei soundso viel Prozent es gewirkt hat, erklärt man es für ein Heilmittel; wenn der Prozentsatz gering ist, für keines und so weiter — auf die Zusammenhänge läßt man sich dabei nicht ein. Nun ist ja gewünscht worden, daß ich auch im Laufe dieses Sommerkursus einen Vortrag halte über Anthroposophie in der Heilkunde. Da werden ja solche Dinge dann zur Sprache kommen können. Aber wie gesagt, das eigentliche Heilen ist nicht nur in diesen Heilmitteln gelegen. Wenn wir mit voller Bewußtheit Heilmittel bereiten, so haben wir immer im Auge, an der betreffenden Körperstelle, wo die Heilung eingreifen soll, den ätherischen Leib zur besonderen Wirksamkeit zu bringen. Sagen wir, es habe jemand eine Leberkrankheit; würde man durch ein entsprechendes Heilmittel den ätherischen Leib der Leber zur besonderen Wirksamkeit bringen können, so würde das die Heilung bedeuten. Also, gerade auf diesem Prinzip, den ätherischen Körper zu Wirksamkeit zu bringen, beruhen ja heute die mit Recht vielfach angewendeten Staumethoden. Wenn man irgendwo eine Verletzung hat, an irgendeinem Fingerglied und so weiter, und man staut oberhalb der verletzten Stelle ab, so daß für die äußere physische Beobachtung ein sogenanntes «eingeschlafenes» Glied entsteht, dann wird dadurch in der allereinfachsten Weise der ätherische Leib wirksamer als er sonst ist, weil er aus dem Physischen herausgeschaltet wird, und da macht sich durch die einfache, mechanische Abschnürung der ätherische Leib auf die allereinfachste Weise geltend. Aber man kann schon auch sagen: Wenn man einen Menschen, besonders einen abendländischen Menschen, der das gar nicht gewohnt ist, es irgendwie sonst im Leben anzuwenden, in der richtigen Weise Dinge wiederholen läßt, die sich auf seine Gesundung beziehen, so gelangt der Ätherleib in einen gewissen Rhythmus hinein, er schaltet sich aber dann auch aus der physischen Gewohnheit aus, und es können Heilkräfte erwachen. Das kann durchaus der Fall sein. Nur muß man sich klar sein darüber, daß diese Dinge beim abendländischen Menschen gut wirken können, weil er eben gewöhnt ist, nicht im Rhythmus zu leben. Der orientalische Mensch, der mehr den Rhythmus gerade verwendet für sein Geistesleben, wie ich es angedeutet habe, der wird gegen diese Dinge immun und er muß dann andere Heilmethoden suchen. Dasjenige, was man als Heilmittel anwenden will, das muß etwas sein, das einem ungewohnt ist, das man selten oder gar nicht sonst zur Anwendung bringt. Daher ist es auch gut — nicht wenn es um eine akute Krankheit, aber wenn es sich um eine chronische Krankheit handelt —, daß man, wenn man in bestimmten Stoffen ein sehr gut wirkendes Heilmittel hat, den betreffenden Patienten diese Substanz während einiger Zeit nicht genießen läßt, also sie ihm abgewöhnt; dann kann man sie später, nachdem er sie eine Zeitlang nicht genossen hat, als Heilsubstanz verwenden. Diese Dinge hängen alle zusammen.
[ 59 ] Now, the etheric body is, at the same time, what is actually the healing principle within the human being. And when we prepare remedies, if we do so with understanding, we aim precisely at that. Today, medicine does all of this, as it claims, empirically; they test how this or that works: if, for example, it has been effective in so-and-so many percent of cases, they declare it a remedy; if the percentage is low, they declare it not a remedy, and so on—they do not delve into the underlying connections. Now, it has been requested that I also give a lecture on anthroposophy in medicine during the course of this summer course. Such matters will then be able to be discussed there. But as I said, true healing does not lie solely in these remedies. When we prepare remedies with full awareness, we always keep in mind the goal of bringing the etheric body into particular activity at the specific part of the body where healing is to take place. Let’s say someone has a liver disease; if, through an appropriate remedy, one could bring the etheric body of the liver into particular activity, that would mean healing. Thus, it is precisely on this principle—of bringing the etheric body into activity—that the tourniquet methods, which are rightly used in many cases today, are based. If one has an injury somewhere—on a finger joint or the like—and one applies a tourniquet above the injured area, so that, to the external physical observation, a so-called “numb” limb, this causes the etheric body to become more active than it otherwise would be in the simplest possible way, because it is disconnected from the physical realm; and through this simple, mechanical constriction, the etheric body asserts itself in the simplest possible way. But one can also say: If one allows a person—especially a Western person, who is not at all accustomed to applying this in any other way in life—to repeat in the proper manner the things that pertain to their recovery, the etheric body enters into a certain rhythm; but it then also disengages from physical habit, and healing powers can awaken. That can certainly be the case. One must simply be aware that these things can work well for Westerners precisely because they are accustomed to not living in rhythm. Eastern people, who make greater use of rhythm in their spiritual life, as I have indicated, become immune to these things and must then seek other healing methods. Whatever one wishes to use as a remedy must be something that is unfamiliar, something one rarely or never uses otherwise. That is why it is also beneficial—not in the case of an acute illness, but when dealing with a chronic illness—that if one has a highly effective remedy in certain substances, one should not allow the patient in question to consume that substance for some time, that is, wean them off it; then, later, after they have abstained from it for a while, one can use it as a healing substance. These things are all interconnected.
[ 60 ] Hier sieht man am besten, wie das Materielle mit dem Spirituellen zusammenhängt, indem ein bloßes Wiederholen derselben Sache, die sich auf die Gesundung bezieht, Heilkräfte im ätherischen Leibe wachruft.
[ 60 ] Here one can best see how the material and the spiritual are connected, in that the mere repetition of the same action related to recovery awakens healing powers in the etheric body.
[ 61 ] Natürlich muß man sich klar sein darüber, wie viel Dilettantismen auf diesem Gebiete getrieben werden in der Gegenwart. Und gerade aus diesem Grunde möchte ich über einzelne da und dort auftretende Heilmethoden nicht sprechen, sondern möchte nur hindeuten darauf, wie eine wirkliche Erkenntnis der Durchdringung des ganzen Menschen im physischen, ätherischen, astralischen Leib und im Ich erst eine vollständige Möglichkeit gibt, auch therapeutisch über den Menschen zu sprechen.
[ 61 ] Of course, one must be aware of just how much amateurish practice is going on in this field today. And precisely for this reason, I do not wish to discuss individual healing methods that appear here and there, but would simply like to point out that only a genuine understanding of how the whole human being is permeated by the physical, etheric, and astral bodies and by the “I” provides the full possibility of speaking about the human being in a therapeutic context as well.
